Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867


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       #384# 199 - Engels an Marx - 10. November 1867
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       199
       
       Engels an Marx
       in London
       
       Manchester, 10. Nov. 1867
       Lieber Mohr,
       Welche rührende  Unbehülflichkeit in  dem Brief  des guten Kugel-
       mann! Und  die Menschenkenntnis gegenüber dem Warnebold! Der Kerl
       lockt ihm  alle Würmer  aus der  Nase und  ist dabei  preußischer
       Spion! Du  mußt den  K[ugelmann] wenigstens  soweit über den Hund
       aufklären, daß  die Preußen  nicht länger  unser ganzes  Tun  und
       Treiben erfahren.  [431] Der  Hund treibt Vertrauensmißbrauch mit
       Dir, das entbindet Dich aller Verpflichtungen gegen ihn.
       Gestern sah  ich Siebel  in Liverpool. Der arme Teufel wird doch,
       befürchte ich,  draufgehn. Die  Krankheit hat,  seit ich ihn sah,
       starke Fortschritte  gemacht, er  hat sich  in Barmen  verdorben,
       3mal hintereinander  Pleuritis gehabt,  hustet sehr stark (was er
       Krampfhusten nennt und was ganz periodisch wiederkehrt), doch ist
       er in der letzten Zeit in Honnef am Rhein wieder besser und stär-
       ker geworden.  Leider konnte  ich ihn nur kurze Zeit allein spre-
       chen, außer seiner Frau waren immer noch einige Verwandte da. In-
       des haben wir doch die Hauptsachen geordnet,
       D'abord 1*):  Siebel hat,  obwohl er  an Meißner geschrieben, ihm
       eins 2*) per Post sofort bei Erscheinen zuzuschicken, bis auf den
       heutigen Tag  kein Exemplar  bekommen  oder  gesehen.  Herr  Rit-
       tershaus, der  keinen Strich  tut, hat dagegen eins erhalten, und
       Siebel glaubte,  Du hättest  ihm gar keins zugeschickt, wohl aber
       an R[ittershaus],  was ihn  pikiert haben mag. Ich klärte ihn na-
       türlich darüber  auf, ein paar Zeilen von Dir für ihn, die Du mir
       beilegen kannst,  werden aber  erwünscht sein.  Nun mußt  Du aber
       gleich Meißner  wegen dieser Fahrlässigkeit zur Rede stellen. Die
       Sache hat  uns 20  kleine Notizen gekostet, die S[iebel] sogleich
       in alle Blätter gebracht hätte, aber nicht konnte, da er das Buch
       nicht hatte.  Ferner muß  ich ein Exemplar spätestens am 22. Nov.
       hier haben,  um es  S[iebel] nach Madeira zu schicken, wo er dann
       das Mögliche nachholen wird. Was soll man aber zu
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       1*) Zunächst - 2*) ein Exemplar des ersten Bandes des "Kapitals"
       
       #385# 199 - Engels an Marx - 10. November 1867
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       solcher Bummelei sagen? Und das sind die Deutschen, die Selbstre-
       gierung verlangen und cannot look after their own business 3*)!
       Von den 3 Artikeln, die ich mitbrachte, haben wir gleich 2 an die
       "Frankfurter Börsenz[ei]t[un]g"  4*) und  an die  "Düsseld[orfer]
       Z[ei]t[un]g" geschickt [432] - letzteres wird Herrn Heinrich Bür-
       gers guttun  mit seinen  weisen Bedenken:  mein Artikel 5*) - ein
       sehr einfaches  Referat, ohne alles Urteil, abgefaßt für eine na-
       tionalliberale Zeitung  - ist  dem Vieh  zu bedenklich! [424] Den
       3ten  nahm   er  mit,  er  geht  wahrscheinlich  an  die  "Barmer
       Z[ei]t[un]g". [433]  Außerdem werden  Notizen in  allerhand illu-
       strierten und sonstigen Zeitungen erscheinen, sobald S[iebel] das
       Buch selbst  hat. Ferner  wird die  "Weser-Z[ei]t[un]g"  a  tempo
       einen Feuilletonartikel  von ihm und einen über das Buch erhalten
       und nur  die Wahl  haben, beides  oder keins  zu nehmen. (Mit den
       Feuilletonartikeln ködert  S[iebel] die Redakteure, sie sind ver-
       legen drum,  und er  läßt sie oft das Honorar in die Tasche stec-
       ken.) Andre  Einfälle werden ihm schon kommen, sobald er erst das
       Buch hat.
       Ad vocem  6*) Freiligrath: Der Biedermann hatte ca. £ 6000 Schul-
       den, £  4000 bei der Schweizer Bank, vorgeschossen auf Aktien der
       Mansfield Co.,  die nichts  mehr wert  sind, und  den Rest Ehren-
       schulden. Das Comité [329] hat diese Schulden mit 5, einzelne mit
       10% Dividende  arrangiert. Fr[eiligrath] hat also falliert in op-
       tima forma  7*). Die  Sammlung wird  ca. Taler  30 000  betragen.
       Fr[eiligrath] habe  dem Comité  fortwährend den Hals vollgelogen,
       seine Schulden  verheimlicht, getan,  als wisse seine Frau nichts
       davon und  dürfe auch nichts davon wissen, so daß sie ihm zuletzt
       sehr grob  geworden seien;  selbst an  dem Tage, wo er wußte, daß
       ein Brief  aus London  ankommen werde,  der die  Summe der Ehren-
       schulden auf £ 2000 mitteilte, habe er noch gesagt, es seien bloß
       £ 1500  usw. Kurz,  er habe  sich kommun  und feig  benommen. Ich
       sagte, ich  sei fest  überzeugt, daß  die gute Ida 8*) ganz genau
       Bescheid wisse,  worauf er  sagte: wie  habe sie  dann im vorigen
       Sommer in  Barmen noch fêten 9*) geben können? Denke Dir, die Ida
       geht betteln  und gibt dabei den Angebettelten aus dem noch nicht
       gezahlten Gelde schon fêten!
       Ich wundre mich, von Tussy noch keine Empfangsanzeige über meinen
       Beitrag zum  Freiligr[ath]-Begräbnisfonds zu  haben. That  is not
       businesslike. 10*)
       Dein F. E.
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       3*) nicht einmal ihre eigenen Angelegenheiten wahrnehmen können -
       4*) "Frankfurter Zeitung  und Handelsblatt"  - 5*) "Rezension des
       Ersten Bandes  'Das Kapital'  für  die  'Rheinische  Zeitung'"  -
       6*) In bezug  auf -  7*) in aller  Form -  8*) Ida Freiligrath  -
       9*) Feste -10*) Das ist nicht geschäftsüblich.

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