Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867
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#419# 2 - Marx an Spophie von Hatzfeldt - 16. Oktober 1864
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Marx an Sophie von Hatzfeldt
in Berlin
(Abschrift, Fragment)
16. Oktober 1864
Modena Villas, Maitland Park,
Haverstock Hill, London
Meine liebe Frau Gräfin!
Ich war während der letzten Wochen so ernsthaft krank, daß ich
das Bett hüten und daher die Beantwortung Ihres so freundlichen
Briefes vom 1. Oktober leider bis jetzt verschieben mußte.
Ich versichere Sie, daß ich mich immer noch nicht dazu entschlie-
ßen kann, Lassalles Tod als ein fait accompli 1*) zu betrachten!
So voll von Leben, Geist, Tatkraft, Vorsätzen, so ganz und gar
jugendlich, wie er mir vorschwebt, und nun plötzlich totenstill
und atemlos - es fehlen mir die Verbindungsglieder, die Über-
gänge, und die Tatsache lastet auf mir wie ein wüster und unhol-
der Traum.
Sie haben ganz recht, wenn Sie unterstellen, daß niemand mehr als
ich das Große und Bedeutende in Lassalle anerkennen konnte. Er
selbst wußte dies am besten, wie seine Briefe an mich beweisen.
Ich habe ihm, solange wir in Korrespondenz standen, auf der einen
Seite stets meine wärmste Anerkennung über seine Leistungen aus-
gesprochen, auf der andern stets rückhaltlos meine kritischen Be-
denken über dies oder jenes mir mangelhaft Scheinende mitgeteilt.
Noch in einem seiner letzten Briefe an mich spricht er sich über
die Befriedigung, die ihm dies gewährte, in seiner eigentümlich
gewaltsamen Weise aus. Aber von aller Leistungsfähigkeit abgese-
hen, liebte ich ihn persönlich. Das Schlimme ist, daß wir es uns
wechselseitig immer verhehlten, als sollten wir ewig leben...
Nach: Ferdinand Lassalle. Nachgelassene
Briefe und Schriften. Herausgegeben von
Gustav Mayer. Dritter Band. Stuttgart-Berlin 1922.
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1*) eine vollendete Tatsache
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