Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867
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#434# 10 - Marx an Sophie von Hatzfeldt - 22. Dezember 1864
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Marx an Sophie von Hatzfeldt
in Berlin
(Entwurf)
22. Dez. 1864
1, Modena Villas, Maitland Park,
Haverstock Hill, London
Meine liebe Frau Gräfin,
Vor ein paar Tagen sandte mir ein Hamburger Freund den
"Nordstern" zu mit meiner durch Druckfehler emendierten Erklärung
gegen Blind 1*).
Auf Ihren Wunsch habe ich diese Erklärung gemacht, deren Redak-
tion mir schwerfiel, weil ich mit Lassalles p o l i t i-
s c h e r T a k t i k nicht übereinstimmte. [39] Blinds scham-
loser Ausfall gegen den Dahingerafften in der " Westlichen Post"
von St. Louis beseitigte jedoch alle meine Bedenken. Welchen
Blättern Sie die Erklärung zuschicken würden, war mir durchaus
unbekannt. Am allerwenigsten dachte ich an den "Nordstern". Herr
Bruhn nun greift diese Gelegenheit beim Schopf, um eine
"unanständige Gebärde" gegen mich zu machen und dem Publikum in
einer Randglosse anzudeuten, daß ich den Zutritt in sein Lokal
durch eine Hintertür gesucht und nur durch ganz besondere
Protektion von dritter Seite allergnädigst erhalten habe. Ich
zweifle nicht, daß sein Spießgeselle in Amerika 2*) dies aus-
quetschen wird. Will Herr Bruhn mich mit Gewalt zwingen, seine
gespreizte Nullität öffentlich bloßzulegen?
Sollten Bruhn, Bernhard Becker und tutti quanti mir und meinen
Strebungen in irgendeiner Weise feindselig gegenübertreten, die
ich der Arbeiterbewegung selbst für schädlich halte, so wird ein
Sturm über den Häuptern der Herrn losbrechen, der selbe wundern
soll. Gründe alter persönlicher Freundschaft und Parteirücksicht,
die mich Lassalle gegenüber banden, fallen durchaus weg ange-
sichts dieser dii minorum gentium 3*). Ich erkläre dies ein für
allemal, damit mir später nicht etwa Zweideutigkeit oder Rück-
sichtslosigkeit vorgeworfen werde.
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1*) "Brief an den Redakteur des 'Beobachters' zu Stuttgart" -
2*) Karl Blind - 3*) zweitrangigen Größen
#435# 10 - Marx an Sophie von Hatzfeldt - 22. Dezember 1864
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Ich wünsche, daß u n t e r k e i n e n U m s t ä n d e n der
"Achtzehnte Brumaire" gedruckt wird und daß, wenn bereits
Schritte in dieser Richtung geschehn sind, sie sistiert werden.
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Ich wage kaum, irgendeinen Wunsch für das neue Jahr auszuspre-
chen, da ich weiß, daß das alte Jahr Ihnen, meine liebe Frau Grä-
fin, nur noch Erinnerungen gelassen hat.
Ihr ganz ergebner
K. M.
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