Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867


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       #440# 13 - Engels an Rudolf Engels - 10. Januar 1865
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       13
       
       Engels an Rudolf Engels
       in Barmen
       
       [Manchester] 10.1.65
       Lieber Rudolf,
       Meine Ansicht  über den  amerikanischen Krieg  ist die: Der Süden
       erschöpft sich  allmählich und  kann seine Armeen nicht ersetzen.
       Der Norden  hat noch  nicht die Hälfte seiner Ressourcen in Bewe-
       gung gesetzt.  Der Süden ist auf die Verteidigung beschränkt, und
       zwar sosehr,  daß die  offensiven Rückstöße,  wie z.B. Longstreet
       sie im  Shenandoahtal [488]  machte, jetzt vorbei sind. Hood ver-
       suchte noch  einen, aber  damit war  auch mit einem Schlage seine
       Ohnmacht und  der ganze Feldzug entschieden. An allen Punkten ist
       der Norden  seinen südlichen  Gegnern überlegen und hat obendrein
       noch die  40 000 Mann  Shermans zu  seiner Verfügung, die hingehn
       können, wohin  sie wollen  und überall  die Kräfte, Verbindungen,
       Hülfsquellen und  Vorräte des  Südens mitten im Süden selbst zer-
       stören. Charleston wird in 4-6 Wochen spätestens, nachdem Sherman
       es zu Land eingeschlossen hat, fallen müssen. [489] Der Süden hat
       nur noch  eine Armee,  die in  Richmond. Diese  wird im laufenden
       Jahr sicher  sehr entscheidend geschlagen, und damit ist die Ver-
       teidigung des  Südens   d u r c h   A r m e e n  zu Ende. Es kann
       dann Guerillakrieg,  Räuberwesen etc.  folgen, und  wird es wahr-
       scheinlich bis ins nächste Jahr.
       Wenn der Süden seine Neger bewaffnet, so ist das um so besser für
       den Norden.  Sie werden sich aber hüten. Höchstens im letzten Au-
       genblick. So dumm sind die Neger auch nicht, daß sie sich für die
       Peitsche totschlagen lassen, die sie prügelt.
       Es werden  sicher noch  Momente kommen, wo es wieder etwas besser
       für den Süden aussieht als jetzt, aber das haben wir schon zu oft
       gehabt, und  das kann mich nicht irremachen. Das sind Momente zum
       Verkaufen.
       Daß wir  Baumwolle von  Amerika kriegen, glaub ich nicht; daß wir
       aber vorläufig  heruntergehn, glaub  ich. Baumwolle  ist jetzt so
       sehr Spekulationsartikel,  daß die  Preise von  jeder Fluktuation
       der Meinung berührt werden. Dazu 500 000 Ballen in Liverpool, und
       die Neigung der Leute hier, immer gleich in Extreme zu fallen, zu
       rufen: Der Süden ist geliefert, muß in
       
       #441# 13 - Engels an Rudolf Engels - 10. Januar 1865
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       14 Tagen  klein beigeben usw. - dabei ist an kein Steigen zu den-
       ken. Wir  werden von  den Nachrichten  beherrscht werden, die wir
       erhalten, aber stets mit dem Vorbehalt, daß wir wissen, der Stock
       1*) in  Liverpool ist  doppelt so  groß wie  voriges  Jahr.  Auch
       glaub' ich,  daß das  Jahr 1865 niedriger schließen wird als jet-
       zige Preise, da wir mehr Baumwolle von allen Gegenden zu erwarten
       haben.
       Dein Friedrich
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       1*) Vorrat

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