Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867
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#488# 40 - Marx an Wilhelm Liebknecht - 21. November 1865
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40
Marx an Wilhelm Liebknecht
in Leipzig [166]
[London] 21. Nov. 1865
Mein lieber Miller 1*),
Nach der hier abgehaltenen Konferenz [199] bin ich wieder sehr
krank geworden. Dann mußte ich in Familienangelegenheiten verrei-
sen. [193] Daher mein langes Schweigen. Was Deinen Bericht an-
geht, so konnte ich ihn der Konferenz n i c h t vorlegen, weil
darin zu oft von mir die Rede war. [521] Was Deine Berliner Rede
[137] betrifft, so enthielt sie einige sehr unangenehme Schnit-
zer, die nur von Dir stammen können, weil sie auf Tatsachen an-
spielen, die nur Dir bekannt sind, die Du aber halb vergessen und
falsch wiedergegeben hast. 2*) Aber das gehört der Vergangenheit
an.
Ich habe den Berliner Brief erhalten und werde darauf antworten.
[194] Gegenwärtig habe ich weder die Zeit noch die Mittel, nach
Berlin zu kommen. Selbst wenn ich es könnte, wird, wie Du doch
sehr gut weißt, keinerlei Agitation in Frage kommen. Die preußi-
sche Regierung hat nicht umsonst erklärt, daß die Amnestie - was
meine Person anbelangt - mich noch aus Preußen ausschließt und
mir nur gestattet, als Ausländer durch die Bismarcksche Welt zu
reisen. [197]
Vom "Workman's Advocate" werde ich Dir dieser Tage einige Nummern
schicken. Du kannst für ihn über j e d e s beliebige soziale
oder politische Thema schreiben. Bis jetzt ist er eine wohlwol-
lende Zeitung, allerdings auch sehr mittelmäßig. Natürlich habe
und hatte ich noch keine Zeit, ihm Beiträge zu liefern, obwohl
ich einer seiner Direktoren bin. [226] (Durch mein immer wieder-
kehrendes verdammtes Unwohlsein war ich gezwungen, die Fertig-
stellung meines Buchs 3*) zu unterbrechen, und muß nun meine
ganze Zeit - von der außerdem noch ein Teil von der Internationa-
len Assoziation in Anspruch genommen wird - darauf verwenden.)
Engels hat versprochen, Beiträge zu liefern 4*), es aber noch
nicht getan. Und mit den andern Leuten ist es ebenso.
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1*) Deckname von Wilhelm Liebknecht - 2*) siehe vorl. Band, S.
135 - 3*) "Das Kapital" - 4*) siehe vorl. Band, S. 159
#489# 40 - Marx an Wilhelm Liebknecht - 21. November 1865
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Die Konferenz hat beschlossen, für Ende Mai einen ö f f e n t-
l i c h e n K o n g r e ß nach Genf einzuberufen. Ein Programm
der Fragen, die dort erörtert werden sollen, wurde aufgestellt.
5*) Es dürfen aber nur Mitglieder uns angeschlossener Gesell-
schaften teilnehmen, die von einer solchen Gesellschaft delegiert
werden. Ich fordere Dich nun g a n z e r n s t l i c h auf
(ich werde dasselbe in Mainz durch Stumpf tun und darüber auch an
die Berliner 6*) schreiben), mit einigen Leuten der Assoziation
beizutreten, ob es weniger oder viele sind, spielt keine Rolle.
Ich werde Dir Karten schicken, die ich im voraus bezahlt habe, so
daß Du sie ihnen gratis gehen kannst. Aber jetzt handle! Jede Ge-
sellschaft (unabhängig von der Zahl ihrer Mitglieder) kann durch
Zahlung von 5 sh. en bloc Mitglied werden. Die Karten dagegen,
die je 1 sh. kosten, berechtigen zur i n d i v i d u e l l e n
Mitgliedschaft, was für alle Arbeiter wichtig ist, die ins
Ausland gehen. Aber behandle diese Geldangelegenheit als gänzlich
untergeordnet. Die Hauptsache ist, in Deutschland Mitglieder zu
gewinnen, einzelne oder Vereine. Als einziger Ort war auf der
Konferenz Solingen vertreten. (Sie hatten unserem alten Freund
Becker 7*) - Du befindest Dich sehr im Irrtum, wenn Du ihn für
ein Werkzeug der Megäre Hatzfeldt hältst - Delegationsvollmacht
gegeben.) Das Programm (der dem Kongreß vorzulegenden Fragen)
werde ich Dir mit meinem nächsten Brief schicken. Alle Pariser
liberalen und republikanischen Blätter haben von unserer
Assoziation viel Aufhebens gemacht. Henri Martin, der bekannte
Historiker, schrieb darüber einen ganz begeisterten Leitartikel
im "Siècle"! [200]
Von Quenstedt habe ich nichts gehört. [522]
Die folgende Angelegenheit wird Dich sehr überraschen: Kurz vor
Ankunft des Briefes der Berliner Arbeiter bekam ich aus ebendie-
ser Stadt - dem "centre et foyer des lumières" 8*) natürlich -
einen Brief von - Lothar Bucher mit dem Angebot, der Finanzar-
tikler des "Preußischen Staats-Anzeigers" in London zu werden,
und in dem er mir weiter zu verstehen gibt, daß jeder, der noch
bei Lebzeiten im Staat wirken will, "sich um die Regierung ralli-
ieren" muß 9*). Ich habe ihm mit ein paar Zeilen geantwortet, die
er sich wahrscheinlich nicht hinter den Spiegel stecken wird. Na-
türlich darfst Du diese Angelegenheit nicht in den Zeitungen
v e r ö f f e n t l i c h e n, aber Du kannst sie unter dem Sie-
gel der Verschwiegenheit Deinen Freunden mitteilen. Freiligraths
Laden in London - d.h. die Londoner Filiale der
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5*) siehe vorl. Band, S. 486/487 - 6*) August Vogt, Sigfrid Meyer
und Theodor Metzner - 7*) Johann Philipp Becker - 8*) "Mittel-
und Ausgangspunkt der Aufklärung" - 9*) in der Handschrift
deutsch: der noch bei Lebzeiten im Staat wirken will, "sich um
die Regierung ralliieren" muß
#490# 40 - Marx an Wilhelm Liebknecht - 21. November 1865
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Schweizer Bank - wird geschlossen, um vor 1866 nicht wieder ge-
öffnet zu werden.
Meine besten Empfehlungen an Madame und Alice 10*).
Aufrichtig Dein
A. Williams 11*)
Mir sind einige kuriose Briefe in die Hände gefallen, die Bern-
hard Becker vor langer Zeit, während seines Londoner Aufenthalts
an Dr. Rode geschrieben hat.
Ich habe diesen Brief noch mal aufgemacht - und dabei etwas zer-
risen -, weil ich Dir noch sagen wollte, daß ich im letzten Früh-
jahr an Dr. Kugelmann einen Brief mit Mitgliedskarten unserer As-
soziation geschickt habe. Er hat mir nicht geantwortet. [523] Den
Brief, von dem Du sprichst, habe ich niemals bekommen. Bitte
schreibe ihm in dieser Sache. Falls er an mich schreibt, so an
die Adresse "A. Williams, Esq.", und nicht an die andere.
Aus dem Englischen.
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10*) Ernestine und Alice Liebknecht - 11*) Deckname von Marx
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