Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867
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#49# 19 - Marx an Engels - 1. Februar 1865
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Marx an Engels
in Manchester
[London] 1. Febr. 1865
Lieber Frederick,
Einliegenden Brief von Strohn mußt Du zurückschicken, zugleich
mir schreiben, was Du mit Bezug auf die Buchhändleraffäre denkst.
[69]
Der "Siebold" ist der Schaumweinsiebold, no doubt about that 1*).
Ich fürchte in der Tat, daß er nicht nur meine Aufnahme seines
Begeistrungsschaums sehr trocken fand, sondern that he caught
some queer words at Gumpert's door, as I told you at the time
2*). Jedenfalls ist es schön von dem Kerl und ganz charakteri-
stisch für Weinreisendepolitik, daß er von uns direkt zu Karl
Blind geht und als dessen messenger 3*) nach Hamburg läuft.
Sollte Blind vielleicht auch eine Ordre für "Schaumweine" gegeben
und außerdem seine allergnädigste Protektion für die Abschäumerei
zugesagt haben? Ich hoffe zu Ehren des Weinschaums, daß Siebold
kein solcher venal 4*) Abschaum ist, obgleich es unverkennbar
war, daß, während das eine seiner Augen Begeistrung schäumte, das
andre Auge had an eye to business 5*). Was Freiligrath angeht, so
I feel sure, daß er viel too cautious 6*) ist, irgendwie dem
Blind seine Mitarbeiterschaft (in partibus 7*), versteht sich)
öffentlich zuzusagen. However, I shall try to ascertain the fact.
8*) Jedenfalls ist es sehr gut, daß Strohn dem Rüge und dem Blind
so angenehm dazwischengefahren ist. Ich habe ihm heute noch ein
paar sarkastische, speziell für den Meißner bestimmte Randglossen
über das nobile par 9*) der feindlichen Brüder zukommen lassen.
Die englischen Brocken in meiner Epistel mußt Du damit entschul-
digen, daß gestern sitting of the council 10*) war, dauernd bis
one o'clock 11*). ("Fluß" und "Rauch" sind a u s g e-
s c h l o s s e n von diesen "sittings".) Erstens kam die
Antwortsepistel von Lincoln, die Du morgen vielleicht in "Times",
jedenfalls
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1*) darüber gibt es keinen Zweifel - 2*) daß er ein paar verfäng-
liche Worte an Gumperts Tür aufgeschnappt hat, wie ich Dir sei-
nerzeit sagte - 3*) Kurier - 4*) käuflicher - 5*) auf das Ge-
schäft gerichtet war - 6*) bin ich sicher, daß er viel zu vor-
sichtig - 7*) zum Schein - 8*) Wie dem auch sei, ich werde versu-
chen, hinter die Sache zu kommen. - 9*) edle Paar -
10*) Ratssitzung - 11*) ein Uhr
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in "Daily News" und "Star" finden wirst. [70] Während der Alte in
der gestern im "Evening Star" gedruckten Antwort auf die London
Emancipation Society [71] (wovon so Erlauchte wie Sir Charles
Lyell und der "Weltgeschichtliche", alias "K. B[lind]", Mitglie-
der) die Kerls ganz trocken mit zwei formellen Phrasen abfertigt,
wie er ditto getan hatte in seiner frühern Antwort an die Manche-
ster Branche der Emancipation Society, - ist sein Schreiben an
uns in der Tat alles, was man beanspruchen konnte, und namentlich
auch die naive Versichrung, daß die United States sich nicht di-
rekt auf "Propagandism" einlassen können. Jedenfalls ist es bis-
her die einzige mehr als strikt formelle Antwort on the part of
the old man 12*).
Z w e i t e n s war ein Deputierter der mit der "Literary So-
ciety" [72] verknüpften Polen (Aristokraten) da, durch den diese
Herrn, mit Hinblick auf das bevorstehende Polenmeeting 13*), fei-
erlich versichern ließen, daß sie Demokraten seien, und daß jeder
Pole jetzt Demokrat sei, da die Aristokratie zu sehr zusammenge-
schmolzen, daß sie verrückt sein müsse, nicht einzusehn, daß eine
Restauration Polens ohne Bauernerhebung unmöglich sei. Whether
14*) diese Kerls glauben, was sie sagen, oder nicht, jedenfalls
scheint die letzte Lektion nicht ganz fruchtlos an ihnen vorüber-
gegangen zu sein. [73]
Drittens kamen Erklärungen von verschiednen trades unions über
ihren Beitritt. Ditto von einer Gesellschaft in Brüssel, die
Branchen durch ganz Belgien anzulegen verspricht. [74]
Ferner hatte ich einzuhändigen eine eben gestern arrivierte 15*)
Nummer der "Daily St. Louis Press", worin Leitartikel über unsre
"Address to the Workingmen" 16*) und ein offenbar durch Weyde-
meyer veranstalteter Auszug daraus.
Aber nun das Sonderbarste.
Cremer, our Honorary General Secretary 17*), hatte schriftliche
Einladung für den "Council", außerdem noch Privatbesuch erhalten,
von der Seite eines Provisional Committee, das nächsten Montag in
London Tavern privatim haust. Zweck: Monstermeeting für manhood
suffrage [75]. Präsident: - Richard Cobden!
Der Witz ist der: die Kerls sind, wie schon E. Jones uns mit-
teilte, in Manchester gänzlich durchgefallen. Sie haben deswegen
a broader platform 18*) adoptiert, worin jedoch statt manhood
suffrage registration "for paying poorrate" 19*) figurierte. So
steht's in dem uns mitgeteilten Druckzirkular.
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12*) seitens des alten Mannes - 13*) siehe vorl. Band, S. 43 -
14*) Ob - 15*) angekommene - 16*) "Inauguraladresse der Interna-
tionalen Arbeiter-Assoziation" - 17*) unser ehrenamtlicher Gene-
ralsekretär - 18*) eine breitere Plattform - 19*) des Wahlrechts
der Männer Eintragung in die Wählerliste auf Grund der "Zahlung
von Armensteuer"
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Da ihnen jedoch nach verschiedenen Anzeichen klar wurde, daß
nichts unter manhood suffrage any cooperation whatever on the
part of the working classes 20*) nachziehn kann, haben sie er-
klärt, letztres akzeptieren zu wollen. Eine große Demonstration
in London würde ähnliche in der Provinz nachziehn, schreiben
"hinwiederum" die Provinzialen, die "allbereits" zur Einsicht ge-
langt sind, daß sie unfähig, to set the ball a-going 21*).
Das Nächste, worum es sich gestern handelte, war dies: Soll unsre
society, i.e. council 22*), dem Wunsch der Kerls (worunter all
die alten sham City agitators 23*) wie Sam. Morley etc.) entspre-
chend, einige Deputierte schicken, die den transactions ihres
provisorischen Committee's als "Wächter" beiwohnen? Zweitens,
sollen wir, wenn die Kerls sich d i r e k t zu manhood suffrage
als Parole verpflichten und auf diese Parole hin das Public mee-
ting zusammengerufen wird, unsre Unterstützung zusagen? D i e
l e t z t r e ist nämlich für die Kerls ebenso entscheidend wie
in der amerikanischen Geschichte. Ohne die trades unions ist kein
Massenmeeting möglich, und ohne uns sind die trades unions nicht
zu haben. Dies auch der Grund, warum die Herrn sich an uns wen-
den.
Die Ansichten waren sehr geteilt, wozu Brights letzter Blödsinn
im Birmingham viel beitrug. 24*)
Auf meinen Antrag wurde beschlossen, 1. die Deputation zu schic-
ken (ich schloß in meinem Antrag foreigners 25*) davon aus; aber
Eccarius und Lubez wurden als "Engländer" und stumme Zeugen mit-
gewählt), als bloße "Beobachter" [76]; 2. so far as the meeting
is concerned 26*), mit ihnen zu agieren, wenn erstens direkt und
öffentlich in dem Programm manhood suffrage proklamiert wird,
zweitens von uns gewählte Leute mit in das definitive Komitee
kommen, so daß sie die Kerls beobachten und bei dem jedenfalls,
wie ich allen klar machte, beabsichtigten neuen Verrat kompromit-
tieren können. Ich schreibe heut an E. Jones über die Sache.
Dein K. M.
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20*) dem allgemeinen Wahlrecht der Männer eine Beteiligung ir-
gendwelcher Art seitens der Arbeiterklassen - 21*) die Sache in
Gang zu bringen - 22*) Gesellschaft, d.h. der Rat - 23*) Schwin-
delagitatoren der City - 24*) siehe vorl. Band, S. 48 -
25*) Ausländer - 26*) soweit es sich um das Meeting handelt
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