Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867
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1866
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Marx an Johann Philipp Becker
in Genf [525]
London [um den 13. Januar 1866]
1, Modena Villas,
Maitland Park, Haverstock Hill, N.W.
Lieber, bester Becker,
Du wirst "mit Recht" mir grollen, aber zugleich "mit Unrecht".
(Du weißt von Heinzen, daß ich ein "Sophist" bin.) Abgesehn da-
von, daß ich an 1200 Seiten Manuskript 1*) abzuschreiben habe und
mein Buchhändler 2*) schon lange grollt, und abgesehn von dem
entsetzlichen Zeitverlust, den in diesem Babylon mir das Central-
comite, das Standing Committee [16] und das Direktorkomitee des
"Workman's Advocate" vornimmt, hatte ich die allerverdrießlich-
sten und schwierigsten "Privatkonjunkturen", die mich nötigten,
London eine Zeitlang zu verlassen [193], und die noch nicht in
Ordnung gebracht sind usw. usw.
Aus dem einliegenden Zettel, den ich heute erhielt (oder vielmehr
meine Frau), siehst Du, daß ein Paket, das ich Dir vor about 3*)
14 Tagen zuschickte, von der löblichen französischen Polizei kon-
fisziert worden ist. Es enthielt hauptsächlich "Manifeste der
Kommunistischen Partei". Auch einen Zettel, worin ich Dir kurz
Deine Fragen beantwortete, Dir anzeigte, daß Bender willig ist,
daß ich Deinen Aufruf englisch im "Workman's Advocate" erscheinen
ließ, ditto einen Bericht über die Schweizer Tätigkeit usw. [526]
Der Grund, warum wir beschlossen, keinen offiziellen Report über
die Konferenz [199] zu veröffentlichen, war - abgesehn vom Geld-
mangel und dem Umstand, daß wir durch die Statuten verpflichtet
sind, einen allgemeinen Bericht dem Kongreß vorzulegen, also dou-
ble emploi 4*) zu vermeiden - wesentlich der, daß die Einweihung
des Publikums in den Tatbestand, speziell die sehr "fragmenta-
rische" Natur der Konferenz, uns mehr
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1*) vom ersten Band des "Kapitals" - 2*) Otto Meißner - 3*) unge-
fähr - 4*) Doppelarbeit
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schaden als nützen und unsern Gegnern eine nützliche Handhabe
bieten würde. Wir wußten, daß zwei Mitglieder des Centralcomite,
Le Lubez und Vésinier, nur darauf warteten, diese Gelegenheit
beim Schopf zu greifen. Die Ereignisse haben dies bestätigt. Erst
Vésiniers Denunziation des Centralcomite und der Konferenz im
"L'Echo de Verviers". [217] Gleich darauf im selben Blatt des "Le
Lubez" Prinzipienerklärung und Statutenentwurf, die er, im Namen
der von ihm als Gegengewicht gegen uns gestifteten französischen
Branche in London, der Assoziation aufzuoktroyieren gedachte. 5*)
Unterdes ist diese Intrige vereitelt worden. Die Branche ist vom
Stifter abgefallen. Ihre zwei besten Männer, Longuet (Redakteur
der "Rive Gauche") und Crespelle, sind in das Centralcomite ein-
getreten. Letzteres hat beschlossen, daß Vésinier seine Verleum-
dungen zu beweisen hat oder expelliert 6*) wird.
Ich kann Dir pro nunc 7*) keinen Artikel schicken. Ich habe nicht
eine freie Stunde. Dagegen wird Engels es tun, sobald er die er-
ste Nummer 8*) gesehn und weiß, wo und wie. Auch Liebknecht von
Leipzig aus. Ditto werde ich deswegen an Dr. Kugelmann nach Han-
nover schreiben. Ditto an Stumpf in Mainz.
Das Blatt von Dupleix Nr. 1 9*) ist schwach. Jung hat ihm deswe-
gen geschrieben.
Liebknecht wohnt (Adresse: J. Miller 10*)) 2, Gerichtsweg, Leip-
zig.
Hier ist die Bewegung in einer Art gut vorangegangen, nach der
andren Seite schlecht. Die von uns gestiftete Reformligue hat ein
Massenmeeting für allgemeines Stimmrecht gehalten, größer als ich
es je in London sah. [205] Es sprachen nur Arbeiter. Die "Times"
selbst war erschreckt und brachte 2 Leitartikel über den
"häßlichen" casus. [527] Andrerseits nimmt diese Bewegung unsre
besten Arbeiterkräfte zu sehr in Anspruch.
Der " Workman's Advocate" ist schwach. Jetzt, unter Eccarius' Re-
daktion, wird er sich bessern. 11*) Aber die Schwierigkeiten, die
Geldmittel beizutreiben, sind enorm.
Aus Berlin habe ich einen Brief erhalten, gezeichnet von Vogt
12*), Metzner und anderen Arbeitern, worin sie mit Einsicht und
Kritik den jetzigen Stand der deutschen Arbeiterbewegung beurtei-
len. [194] Unkritisch ist nur ihr Verlangen, ich solle nach Ber-
lin kommen und die Sache in die Hand nehmen. Sie müssen doch wis-
sen, daß die preußische Regierung meine Domizilierung in Preußen
"verboten" hat. 13*)
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5*) siehe vorl. Band, S. 169 u. 170-172 - 6*) ausgeschlossen -
7*) jetzt - 8*) des "Vorboten" - 9*) "Journal de l'Association
Internationale des Travailleurs" - 10*) Deckname von Wilhelm
Liebknecht- 11*) siehe vorl. Band, S. 175 -12 in der Handschrift:
Wolff - 13*) siehe vorl. Band, S. 154, 155 und 156
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Bevor ich von Dir höre, wie ich Dir die "Manifeste" 14*) zukommen
lassen kann, will ich ein Stück versuchsweise über Mainz schic-
ken. Du kannst vielleicht einiges daraus für Dein Blatt 15*)
brauchen.
Die deutschen Sektionen werden am besten tun, sich einstweilen in
Genf aufnehmen zu lassen und mit Dir in fortlaufende Verbindung
zu treten. Sobald sich etwas Derartiges ereignet, zeige es an,
damit ich irgendeinen Fortschritt in Deutschland h i e r end-
lich mitteilen kann. [528]
Ich schicke diesen Brief unter Dupleix' Adresse, von wegen der
"französischen Konfiskation". Mir scheint das Empire zu wackeln.
D'abord 16*) die Geschichte mit Mexiko und den United States.
Dann die Meuterei von 3 französischen Regimentern. [529] Dann der
Studentenkrawall. [209] Die Kopfverliererei des Bonaparte, wie
sie sich in seinem Zank mit England über die Erneurung des
"Auslieferungsvertrags" [530] zeigt und im Verbot der servilen
"Indep[endance] Belge". Endlich die H a n d e l s k r i s e,
die infolge des jetzigen englischen, resp. europäischen Überim-
ports nach den United States sehr beschleunigt werden wird. Be-
sten Gruß von Frau und Kindern.
Dein K. Marx
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14*) "Manifest der Kommunistischen Partei" - 15*) "Der Vorbote" -
16*) Erst
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