Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867


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       #52# 20 Marx an Engels - 3. Februar 1865
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       Marx an Engels
       in Manchester
       
       [London] 3. Febr. 1865
       Dear Frederick,
       Einliegend
       1. Brief von  Siebel [77],  worin er Bericht abstattet über seine
       Zusammenkunft mit  Klings, zu  der ich  ihn "beordert" hatte. 1*)
       Ich bemerke  dazu nur, daß ich mich weiter nicht in die Sache mi-
       sche. Wenn Klings es fertig bringt - ohne unser Zutun -, zusammen
       mit dem  alten Saumensch  2*) den  B.  Becker  und  seine  testa-
       mentliche Wichtigkeit zu beseitigen, so ist mir das recht. Es ist
       nichts zu  machen mit dem Arbeiterverein [7], wie Baron Itzig ihn
       vermacht hat. Je rascher er aufgelöst wird, um so besser.
       2. "Rheinische Zeitung" mit Leitartikel, wahrscheinlich von Rotem
       Becker 3*). Es ist dies ein Appeal ad misericordiam 4*) von Seite
       der "Fortschrittler" [63].
       Meine Ansicht  ist nun die, daß  w i r  b e i d e  eine Erklärung
       machen müssen und daß diese Krise grade uns Gelegenheit gibt, un-
       sere "legitimate"  Position wieder  einzunehmen.  Ich  hatte  vor
       about 5*) 10 Tagen dem Schweitzer geschrieben, er müsse Front ge-
       gen Bismarck machen, auch der Schein der Koketterie der Arbeiter-
       partei mit  Bismarck]  müsse  wegfallen  etc.  Zum  Dank  hat  er
       "allbereits" mehr denn je geliebeleit mit dem Pißmarck.
       "Hinwiederum" in  Nr. 16 des "Soc[ial]-Demok[rat]", wo mit Druck-
       fehlern  gespickt   mein   Schreibebrief   über   Proudhon   6*),
       d e n u n z i e r t   Moses Heß  "allbereits" zum zweiten Mal die
       "Internationale Assoziation". [78] Ich habe darüber gestern einen
       wütenden Brief  an Liebknecht  geschrieben und ihm gesagt, daß er
       jetzt die  allerletzte Warnung  erhalten hat; daß ich keinen far-
       thing gebe für einen "guten Willen", der die Taten des schlechten
       Willens  verrichtet;   daß  ich   den  hiesigen  Mitgliedern  des
       "International Committee" nicht klarmachen kann, daß solche Dinge
       mit bonne foi 7*) aus reiner Dummheit
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       1*) Siehe vorl.  Band, S.  436/437 -  2*) Sophie von  Hatzfeldt -
       3*) Hermann Heinrich  Becker  -  4*) Aufruf  zu  Mildtätigkeit  -
       5*) ungefähr  -  6*) "Über  P.-J.  Proudhon  (Brief  an  J.B.  v.
       Schweitzer)" - 7*) gutem Glauben
       
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       passieren; daß  ihr Saublatt  8*), während es fortfährt, den Las-
       salle zu  lobhudeln, obgleich sie jetzt wissen, welchen Verrat er
       im Schilde  führte [62],  und während es mit Bismarck feig koket-
       tiert, uns  hier die  Schamlosigkeit hat, durch den Plonplonisten
       [55] Heß des Plonplonismus bezichtigen zu lassen etc.
       Meine Ansicht ist nun die. Man knüpft an Mosis' Denunziation oder
       Verdächtigung an,  um d'abord  9*) ein paar Worte Kriegserklärung
       gegen Bon[aparte] Plon-Plon anzubringen, bei der Gelegenheit auch
       des mit Moses befreundeten Rabbiners Ein-Horn in Ehren gedenkend.
       Dann benutzt  man das,  um sich ditto gegen Bismarck zu erklären,
       resp. gegen  die Schufte  oder Narren,  die von einem Bündnis mit
       ihm für  die Arbeiterklasse  träumen oder faseln. Allerdings wäre
       dann am  Schluß den  Sau-Fortschrittlern zu sagen, daß sie einer-
       seits durch ihre politische Feigheit und Hilfslosigkeit die Sache
       verrannt haben,  andrerseits, wenn  sie Allianz mit der Arbeiter-
       klasse gegen  die Regierung  verlangen - und diese sei allerdings
       im Moment  das einzig Richtige -, so müßten sie den Arbeitern we-
       nigstens die  Konzessionen machen,  die ihrem  eignen Prinzip des
       "freetrade" 10*)  und "Democratism"  entsprechen, also  Aufhebung
       sämtlicher Ausnahmsgesetze gegen die Arbeiter, wozu außer den Ko-
       alitionsgesetzen auch  ganz  spezifisch  die  jetzige  preußische
       Preßgesetzgebung gehöre.  Sie müßten ditto wenigstens als Tendenz
       aussprechen die Wiederherstellung des allgemeinen Wahlrechts, das
       durch coup  d'état in Preußen beseitigt worden. [79] Dies sei das
       mindeste, was  von ihnen  zu erwarten. Über die Militärfrage wäre
       vielleicht auch  einiges einzuschieben.  Jedenfalls muß die Sache
       rasch abgemacht  werden. Und Du mußt Deine "Ideen" über die ganze
       Erklärung zu  Papier werfen. Ich setze meins dann hinzu und knete
       es zusammen,  schicke Dir  das Ganze  nochmals and so forth 11*).
       Mir scheint  der Moment zu diesem "coup d'état" günstig. Wir kön-
       nen weder aus Rücksicht auf Liebknecht noch auf anybody else 12*)
       diesen Moment zu unsrer "restitutio in integrum" 13*) verpassen.
       At the  same time  14*) mußt  Du nicht unterlassen, dem "Soc.-De-
       mok." so  soon as  possible 15*) Deinen Artikel über die Militär-
       frage 16*) zukommen zu lassen.
       Ich würde  ihnen -  quoad 17*) Erklärung 18*) - natürlich schrei-
       ben,  daß   wenn  sie   selbe  nicht  umgehend  aufnehmen,  selbe
       "allbereits" in andern Blättern erscheinen wird.
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       8*) "Der Social-Demokrat"  - 9*) zunächst  - 10*) "Freihandels" -
       11*) und so  weiter -  12*) sonst jemand - 13*) "Wiedereinsetzung
       in alle  Rechte" -  14*) Gleichzeitig - 15*) sobald wie möglich -
       16*) "Die  preußische Militärfrage  und die deutsche Arbeiterpar-
       tei" 17*) bezüglich - 18*) siehe vorl. Band, S. 59/60
       
       #54# 20 Marx an Engels - 3. Februar 1865
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       Nehmen sie  sie auf,  so gut,  und es schadet selbst nichts, wenn
       das sie  in die Luft sprengt. (Obgleich Bismarck sich hüten wird,
       in diesem  Augenblick, vor Gewaltmaßregeln.) Nehmen sie sie nicht
       auf, so  haben wir  anständigen Vorwand,  sie loszuwerden. Jeden-
       falls muß  die Luft gereinigt und die Partei von dem hinterlaßnen
       Lassallegestank gefegt werden.
       Dein K. M.

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