Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867
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#55# 21 - Engels an Marx - 5. Februar 1865
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Engels an Marx,
in London
[Manchester] 5. Febr. 1865
Mornington St[reet]
Lieber Mohr,
Vollkommen einverstanden wegen der Erklärung. Aber Du mußt sie
selbst machen, sonst komm ich mit dem militärischen Artikel 1*)
nicht durch. Das Ding wird, fürchte ich, so lang, daß es nur als
Broschüre geht. I und II sind fertig (bis auf Revision), III noch
nicht. Ich habe viel Störung gehabt, Blank war hier etc. etc.
Also mach die Erklärung. Zu dem Ausnahmsgesetz gehört auch die
Beschränkung des Vereins- und Versammlungsrechts, die ganze Ge-
setzgebung über W a n d e r b ü c h e r [80] und endlich Arti-
kel 100 des Strafgesetzbuchs: Aufreizung der Staatsangehörigen
zum Haß und zur Verachtung (auch ein napoleonisches Erbstück).
Dann, wenn es hereinzubringen ist, eine Andeutung, daß in einem
vorwiegenden Ackerbauland wie Preußen es eine Gemeinheit ist, im
Namen des industriellen Proletariats über die Bourgeoisie aus-
schließlich herzufallen, daneben aber der patriarchalischen Prü-
gelexploitation des Landproletariats durch den großen Feudaladel
mit keinem Wort zu gedenken. Über die Militärfrage wäre weniger
nötig zu sprechen, aber die B u d g e t f r a g e wäre her-
vorzuheben: was nützt den Arbeitern ein durch allgemeines Stimm-
recht gewähltes Parlament, wenn es so ohnmächtig ist, wie
Bism[arck] das jetzige Bürgerparlament machen will - dessen Erbe
es doch wäre? Und wenn es nicht einmal neue Steuern verweigern
kann?
Das sind so meine Ideen ad hoc 2*). Also los damit und schick mir
das Ding gleich.
M e i ß n e r. So far so good. 3*) Du müßtest natürlich selbst
hingehn. Conto a metà 4*) hat seine Vorzüge, wenn Du Dir kon-
traktlich Einsicht der Bücher und Belege vorbehältst und wenn
Meißner] einen 2/3 des von Dir sonst beanspruchten Honorars
gleichkommenden Vorschuß zinsenfrei machen will. Aus dem Brief
Strohns scheint hervorzugehn, daß M[eißner] would
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1*) "Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei"
- 2*) hierzu - 3*) Soweit in Ordnung. - 4*) Gemeinschaftliche
Rechnung
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rather not part with any money if he could help it 5*). [69] Je-
denfalls mußt Du selbst mit dem Manuskript 6*) hin und abschlie-
ßen.
Mach jetzt übrigens rasch voran. Die Zeiten sind dem Buch sehr
günstig und unsre Namen wieder in achtunggebietender Weise vor
dem Publikum. Du weißt, welche Verschleppung im Druck in Deutsch-
land Mode ist. Versäume also den Moment nicht, es kann einen ko-
lossalen Unterschied in der Wirkung machen.
S i e b o l d. Ich habe es Dir vorhergesagt, daß auf diese Art
Burschen kein Verlaß ist, und war von vornherein überzeugt, daß
er in London zu Blind gehen würde. Die Vermutung von aufge-
schnappten Glossen ad portam Gumperti 7*) ist dazu ganz unnötig.
Der Kerl hat's immer so gemacht und wird's immer so machen. Aber
gut, daß wir ihn "allbereits" unter Kontrolle haben.
Der Lassalleverein [7], geht mir aus Siebels Brief hervor, den
ich hier behalte, wird sehr bald an Spitzbübereien und Unter-
schleifen der Beamten kaputtgehn, und sehr gut ist es, daß es "so
geworden wird". Das übrige dazu tut das alte Saumensch 8*) mit
ihren Klüngeleien. Je weniger wir uns um den Dreck kümmern, je
besser. Let it rot and be dam'd to it. 9*)
Das "Social-Demokrätchen" wird mir alle Tage widerlicher. Dieser
Scheiß-Heß, der sich uns gegenüber als wirklicher geheimer Las-
sallescher Angestellter mit einer Protektormiene geriert; die
tiefsinnigen beschissenen Artikel des Herrn Schweitzer über Enzy-
klika und Bismarck, die mit allem Schund kokettieren und bloß auf
die Bürger schimpfen, die totale Abmattung und Talentlosigkeit
und selbst Abwesenheit alles gesunden Menschenverstandes mit Aus-
nahme von ein paar Sachen, das alles ist etwas zu viel für mich.
[81] Dreimal in der Woche Lassalle-Kultus, das halt' der Teufel
aus, und es ist gut, daß die Krisis kommt. Ich werd's den Herren
auch in meinem nächsten Brief sagen, hab' bis jetzt nur keine Ge-
legenheit gehabt. Apropos, unter welcher Adresse schreibst Du an
Liebknecht? Ich möchte ihm doch auch von Zeit zu Zeit was aufs
Dach geben, resp. ihn encouragieren, s'il y a lieu 10*).
Jetzt muß ich schließen, beste Grüße und schick die Erklärung
11*) gleich. Den Artikel hab' ich bis Mittwoch oder Donnerstag
fertig.
Dein F. E.
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5*) am liebsten überhaupt kein Geld ausgeben möchte - 6*) des er-
sten Bandes des "Kapitals" - 7*) an Gumperts Tür (siehe vorl.
Band, S. 49) - 8*) Sophie von Hatzfeldt - 9*) Laß ihn verfaulen,
und mag ihn der Teufel holen. - 10*) ermutigen, wenn Anlaß dazu
vorhanden - 11*) siehe vorl. Band, S. 60
#57# 21 - Engels an Marx - 5. Februar 1865
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Meinen Schwager 12*) suchte ich über Siebel auszupumpen, konnte
aber nichts erfahren, als daß er "immer besoffen" sei, mit Schau-
spielerinnen herumliefe und seine Frau sich von ihm scheiden las-
sen wolle. My best compliments to the ladies.
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12*) Karl Emil Blank
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