Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867
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#598# 11 - Zirkular der Manchester Schiller-Anstalt - 19.3.1866
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Zirkular der Manchester Schiller-Anstalt [23]
Carlton Buildings, Cooper Street, 19. März 1866
Die "Schiller-Anstalt", deren nunmehr sechsjähriges Bestehen den
vollen Beweis liefert, daß sie ein Institut ist, welches reellen
Bedürfnissen entspricht, muß ihre jetzigen Räumlichkeiten mit
Juni nächsten Jahres verlassen, da um jene Zeit der mit dem Haus-
besitzer bestehende Mietvertrag verfällt und eine Verlängerung
desselben mit Bestimmtheit verweigert worden.
Das Direktorium hat folglich die Aufgabe zu lösen, der Anstalt
die Räume zu sichern, die ihren Zwecken entsprechen.
Nachdem alle Schritte zur Auffindung eines passenden Gebäudes ge-
scheitert waren und auch kein Unternehmer sich finden ließ, der
ein solches herstellen wollte, um es der Anstalt in Miete zu
überlassen, blieb uns kein andrer Weg offen als der - zu versu-
chen, ob die notwendigen Mittel sich aufbringen ließen, um den
Bau für eigene Rechnung zu unternehmen.
Die wesentlichen Punkte, die wir hierbei im Auge behalten mußten,
sind folgende:
Die Anstalt muß in einem zentralen Teile der Stadt gelegen sein.
Sie muß den Besuchern schon im Erdgeschosse zugänglich sein.
Die einzelnen Räume müssen wenigstens den jetzigen an Größe
gleichkommen.
Die Erfüllung dieser Bedingungen erschien uns unumgänglich, wenn
die Anstalt gedeihlich fortbestehen soll. Außerdem aber erschien
es wünschenswert, den verschiedenen in Manchester bestehenden
Vereinen Gelegenheit zu bieten, in dem beabsichtigten Neubau ein
gemeinsames Unterkommen zu finden. Dieser Zweck würde erreicht
werden, wenn der oberste Stock zu einem Saal für 250 bis 300 Per-
sonen verwandt würde. Ein solcher Saal würde die Kosten des Baues
nur unbedeutend erhöhen, während er durch Vermietung die Einnah-
men der Anstalt vermehren dürfte.
Wir haben demgemäß unsere Bemühungen dahin gerichtet, ein passen-
des Grundstück zu finden und die Kosten des ganzen Unternehmens
zu ermitteln.
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Folgendes ist das Resultat, zu welchem wir gelangten:
Kosten eines Grundstückes von
etwa 350 à 400 yards² Baufläche £ 6 000 à £ 7 000
Kosten des Baues 3 500 à 4 000
Ergänzung des Mobiliars 500 à 500
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Zusammen £ 10 000 à £ 11 500
Wir glauben mit Zuversicht annehmen zu dürfen, daß sich auf sol-
chen Grund- und Hausbesitz eine hypothekarische Anleihe von £
5000 à £ 6000 wird erlangen lassen, und schöpfen aus dem vergan-
genen finanziellen Gebaren der Anstalt, mit Berücksichtigung der
voraussichtlichen Mehreinnahmen und -ausgaben, die volle Überzeu-
gung, daß die Zinsen auf eine solche Anleihe bestimmt aufgebracht
würden.
Es ergibt sich demnach, daß wir zur Verwirklichung unseres Planes
eines eigenen Kapitals bedürfen würden von £ 5000 à £ 5500.
Obgleich die Schiller-Anstalt Mitgliedern aller Nationen offen-
steht und Nichtdeutsche mehrfach an ihr teilnehmen, ist sie doch
ein wesentlich deutsches Institut.
Nach ihrem jetzigen Bestände zählt sie über 300 Mitglieder und
bietet denselben
eine Bibliothek, jetzt aus mehr als 4000 Bänden bestehend, ein
Lesezimmer, in welchem 55 meist deutsche Zeitschriften aufliegen,
Vorträge wissenschaftlicher und literarischer Art, namentlich -
in den Spezialvereinen, die sich zu diesem Behufe innerhalb der
Anstalt gebildet haben.
Sie trägt also nach Vermögen das ihrige bei, um deutsche Geistes-
kultur zu fördern, und bietet ferner in ihren Räumen Gelegenheit
zu geselligem Verkehr, der namentlich jenen jüngern Ankömmlingen
aus dem Vaterlande zugute kommt, die sonstiger Anhaltspunkte
hierorts entbehren.
Wir sind der festen Überzeugung, daß die Anstalt diesen ihren
Zwecken in der Zukunft noch in erhöhterem Maße wird entsprechen
können, wenn die Durchführung unseres Planes eine Verbesserung in
räumlicher Beziehung gestattet, da letztere eine solche in finan-
zieller Hinsicht mit herbeiführen muß.
Aus dem Gesagten geht hervor, daß wir hauptsächlich an die in
Manchester wohnenden Deutschen zu appellieren haben; wir fragen
sie, ob sie zur Erreichung der angedeuteten Zwecke die nötigen
Mittel beischaffen wollen.
Um die Anstalt nicht von vornherein mit unerschwinglichen Zinsen
zu belasten, beschloß das Direktorium, den Versuch zu machen, die
erwähnte Summe auf dem Wege der Schenkung zusammenzubringen; um
jedoch
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dafür zu sorgen, daß das zu errichtende Gebäude nur für die
Zwecke der Anstalt verwandt werden könne, wurde gleichzeitig be-
schlossen, daß im Falle eines Aufhörens der Schiller-Anstalt die
Schenker für den Betrag ihrer Schenkungen als Gläubiger der An-
stalt eintreten und wird dies in den Empfangsbescheinigungen aus-
drücklich anerkannt werden.
Sobald die Absicht kundgeworden, für die Anstalt ein eigenes Ge-
bäude herzustellen und somit ihr Bestehen zu sichern, wurde unter
den Mitgliedern solch rege Teilnahme dafür wach, daß in wenigen
Tagen eine Summe von nahe an £ 1200 in Beträgen von £ 25 und dar-
unter dem Direktorium zur Verfügung gestellt wurde.
Diese gewiß bedeutende Summe ist wesentlich das Ergebnis opfer-
freudiger Anstrengungen seitens der jüngern hier weilenden Deut-
schen, die zugleich auch diejenigen repräsentieren, welche direk-
ten Nutzen aus der Anstalt ziehen.
Gestützt auf dieses Resultat, welches den Beweis liefert, daß die
Anstalt bereits jetzt ein Bedürfnis für eine bedeutende Zahl von
hiesigen Deutschen geworden ist, wenden wir uns nun an diejeni-
gen, welche ein, wenn auch entfernteres Interesse an einem Insti-
tute nehmen, das solche Ziele erstrebt, und das, wenn es erst
einmal fest begründet dasteht, ein Zentralpunkt aller deutschen
Bestrebungen in Manchester zu werden bestimmt scheint.
Wir wenden uns an Sie mit der Bitte, durch Beibringung der Mittel
die Ausführung unserer Absichten zu ermöglichen.
Das Direktorium vertraut, daß zu diesem gemeinnützigen Ziele alle
deutschen Kräfte Manchesters mitwirken werden. Bloß dadurch kann
es hoffen, das Werk ins Leben treten zu sehen, und darum glaubt
es sich berechtigt, dasselbe mit aller Wärme zu empfehlen.
Im Auftrage des Direktoriums:
F. Engels, Vorsitzender
J.G. Wehner, Schatzmeister
A. Burkhard, Schriftführer
Nach: Gedrucktes Zirkular
der Manchester Schiller-Anstalt.
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