Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867
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#601# 12 - Zirkular der Manchester Schiller-Amstalt - 28.6.1867
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Zirkular der Manchester Schiller-Anstalt [23]
An die Herren Unterzeichner zum Fonds für den Bau
einer neuen Schiller-Anstalt
Seit die im vorigen Jahre vom Direktorium zu obigem Zweck eröff-
nete Subskription durch den Krieg und die Geschäftskrise ins
Stocken geriet, nachdem £ 2875 gezeichnet waren, haben sich die
Existenzbedingungen der Anstalt mit Rücksicht auf den beabsich-
tigten Neubau wesentlich geändert. Das Direktorium hält es dem-
nach für seine Pflicht, den Herren Unterzeichnern hierüber die
erforderlichen Aufklärungen zu geben.
Da die gezeichnete Summe für den im Zirkular vom 19. März 1866
dargelegten Bauplan nicht hinreichte (es waren im ganzen £ 5000 à
£ 5500 erforderlich), auch unter den damaligen Umständen keine
Aussicht vorhanden war, das Fehlende rechtzeitig zusammenzubrin-
gen, so blieb dem Direktorium nichts übrig, als sich vorläufig
nach einem provisorischen Lokal umzusehen.
Es stellte sich heraus, daß ein solches im Zentrum der Stadt - wo
es nach den Grundbestimmungen der Anstalt liegen soll - nicht
aufzufinden war. Infolge davon war das Direktorium genötigt, das
jetzige Lokal noch bis Juni 1868 beizubehalten, was aber nur ge-
gen Verdopplung des Mietbetrags - von £ 225 auf £ 450 - zu erlan-
gen war.
Unter diesen Umständen war die Frage nicht länger abzuweisen, ob
es denn wirklich unumgänglich sei, daß die Anstalt im Zentrum,
d.h. im eigentlichen Geschäftsbezirke der Stadt, liege; ob nicht
bei den enorm gestiegenen Bodenpreisen und Mietbeträgen dieser
Vorteil zu teuer bezahlt werden müsse; und ob nicht eine, dem
Buchstaben nach weniger zentrale Lage, z.B. in der Nähe von All
Saints' Church, bei weit geringeren Kosten in der Tat für die
weit überwiegende Mehrzahl der die Anstalt benutzenden Mitglieder
viel zentraler und bequemer sei.
Nach dem im vorigen Jahre entworfenen Plan würde die Anstalt,
selbst wenn £ 5000 durch Schenkungen zusammengebracht wären, noch
mit einer Hypothekarschuld von £ 5-6000, also mit einer jährli-
chen Zinsenlast von £ 250 à £ 300, beschwert sein. Da Grundstücke
im Zentrum der Stadt aber selbst seit vorigen März im Wert bedeu-
tend gestiegen sind, so würde der damals angeschlagene Kaufpreis,
die zu seiner Bestreitung nötige Hypothekar-Anleihe und damit die
Jahresbelastung der Anstalt ebenfalls jetzt
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höher anzunehmen sein. Die Bilanzen der Anstalt in den beiden
letzten Jahren lassen nur £ 200 übrig für Hausmiete. Obwohl in
einem besseren Lokal auf mehr Mitglieder zu rechnen wäre, auch
gewisse Nebeneinnahmen in Anschlag gebracht werden müssen, so
zeigt sich doch, daß die obigen Zinsen nur eben zu erschwingen
sein würden. Jedes Pfund aber welches für Hausmiete bezahlt wird,
wird den geistigen Bildungsmitteln der Anstalt entzogen. Wir
konnten im vorigen Jahre nur £ 80 für Zeitschriften und £ 20 für
die Bibliothek verwenden, obwohl die Gesamteinnahmen der Anstalt
£ 500 waren.
Ganz anders, wenn das Lokal nach der Gegend von All Saints ver-
legt wird. Hier ist unter anderen ein ganz zweckentsprechendes
Grundstück in sehr günstiger Lage für £ 1700 zu haben, auf wel-
chem außerdem noch £ 26 Chief Rent 1*) haften. Wir legen diesen
Bauplatz, nur beispielsweise, unserer Berechnung zugrunde.
Kaufpreis des Grundstücks £ 1700 0 0
Baukosten 3500 0 0
Erneuerung des Mobiliars 500 0 0
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Zusammen £ 5700 0 0
worauf eine Hypothekar-Anleihe von £ 2000 wohl sicher zu erlangen
sein würde. Es würden in diesem Falle, also die Unterzeichnungen
zum Baufonds nur ca. £ 3500 à £ 4000 zu betragen haben, also £
1000 à £ 1500 weniger als bei einem Neubau im Zentrum der Stadt.
Nach dem Erfolg der vorjährigen Zeichnungen und bei den veränder-
ten Umständen dürfen wir wohl hoffen, den noch fehlenden Betrag
in kurzer Frist aufzubringen.
Die finanzielle Stellung der Anstalt würde sich - trotz des ge-
ringeren Betrags der erforderlichen Schenkungen - wesentlich he-
ben. Außer der Chief Rent £ 26 würde die Anleihe mit £ 100 zu
verzinsen sein, also die statt Hausmiete in Anrechnung kommende
Summe nur £ 126 betragen statt £ 225, die voriges Jahr bezahlt
wurden, £ 450, die wir jetzt zahlen, oder £ 250 à £ 300, die der
vorjährige Bauplan in Aussicht stellte. Es könnten also, selbst
bei den Einkünften des vorigen Geschäftsjahrs, statt £ 100 £ 174
jährlich auf Bibliothek und Lesezimmer der Anstalt verwandt, die
dafür verfügbaren Geldmittel also fast verdoppelt werden. Nun ist
aber sicher, daß durch diesen Neubau der Anstalt in vermehrter
Untermiete und im Zunehmen der Mitgliederzahl neue Finanzquellen
eröffnet würden, deren Ertrag auch fast ausschließlich den gei-
stigen Hülfsmitteln der Anstalt zugute käme.
Wenn die Anstalt wie bisher im Zentrum der Stadt bleibt, so kommt
sie selbst bei £ 5000 à 5500 Schenkungen im besten Fall nur in
die Lage, knapp
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ihre Existenz fristen zu können und wird bei jeder ungünstigen
Wendung von neuem genötigt sein, an das deutsche Publikum Manche-
sters zu appellieren.
Wird sie aber nach einer Gegend verlegt, wo Bauplätze billiger
sind, so reichen £ 3500 à £ 4000 Schenkungen hin, ihr nicht nur
ein für allemal eine feste Existenz zu begründen, sondern auch
ihr einen jährlichen Überschuß an Einnahmen zu sichern, der ihr
endlich erlaubt, ihren besten Zwecken nach allen Seiten hin zu
genügen.
Das Direktorium konnte unter diesen Umständen nicht zweifelhaft
sein, was es zu tun hatte. Es entschied sich dafür, die Verlegung
nach der Gegend von "All Saints" und die damit verknüpfte Abände-
rung der Grundbestimmungen in Angriff zu nehmen. Es berief auf
den 6ten Juni eine Generalversammlung, welche zahlreich besucht
wurde und mit allen gegen eine Stimme beschloß:
"Die Generalversammlung erklärt es für wünschenswert, daß der
Art. I. der Grundbestimmungen fernerhin folgendermaßen laute:
"Es wird für zweckmäßig erklärt, hier am Orte ein literarisch-ar-
tistisches Institut in möglichst zentraler Lage, unter dem Namen
Schiller-Anstalt zu begründen
und beauftragt das Direktorium die durch Art. 7 der Grundbestim-
mungen und § 20 der Statuten bedingte Abstimmung vornehmen zu
lassen."
Infolgedessen hat das Direktorium die nötigen Schritte getan, um
die definitive Abstimmung zu veranlassen, welche Ende August
stattfinden wird.
Es ist die Frage aufgeworfen worden, warum man nicht, nach einmal
beschlossener Verlegung der Anstalt, sich nach einem Hause umge-
sehen habe, welches auf eine Reihe von Jahren mietweise und zu
einer verhältnismäßig billigen Miete gesichert werden könne. Das
Direktorium antwortet hierauf, daß es sich nach einem solchen um-
gesehen, aber keines gefunden hat; daß ein solches auch nur in
einer vom Zentrum der Stadt viel weiter entfernten Lage als die
von "All Saints" anzutreffen sein dürfte; daß eine solche Lage
indes erst im äußersten Notfall zu wählen sein würde, und end-
lich, daß selbst in diesem Fall mindestens £ 1500 à £ 2000 in
Schenkungen erforderlich sein würden, um den immer nötigen Ausbau
und die neue Einrichtung eines doch nur zeitweilig sichern Lokals
herzustellen. Aus diesen Gründen ist von einem solchen Lokal vor-
derhand abgesehen worden.
Das Direktorium, im Falle die nötige Majorität zur Abänderung der
Grundbestimmungen zustande kommt, - woran zu zweifeln es keinen
Grund hat -, beabsichtigt:
Falls der hinreichende Betrag gezeichnet wird, ein passendes
Grundstück in der Nähe von All Saints anzukaufen, darauf den Bau
in der im vorigen Jahre beabsichtigten Ausdehnung aufzuführen,
nämlich mit Einrichtung im Keller für den Turnverein und mit ei-
nem großen Saal im zweiten
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Stockwerk, wo u.a. die Liedertafel Unterkommen finden könnte, so
daß die ursprüngliche Absicht erreicht würde, alle Deutschen Ver-
eine Manchesters unter einem Dache zusammenzubringen;
Falls dagegen die Beiträge die nötige Summe nicht erreichen soll-
ten, sich im Neubau entsprechend zu beschränken, jedenfalls aber
nur ein solches Gebäude herzustellen, welches den Bedürfnissen
der Anstalt besser entspricht als das jetzige Lokal.
Das Direktorium ersucht Sie, von vorstehenden Veränderungen des
Bauplans Kenntnis nehmen zu wollen und zeigt Ihnen gleichzeitig
an, daß eine Deputation aus seiner Mitte die Ehre haben wird, Sie
um Ihre Genehmigung zu ersuchen.
Im Auftrage des Direktoriums:
F. Engels, Vorsitzender
J.G. Wehner, Schatzmeister
A. Davisson, Schriftführer
Manchester, d. 28. Juni 1867
Nach: Gedrucktes Zirkular
der Manchester Schiller-Anstalt.
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