Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867
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#64# 26 - Marx an Engels - 10. Februar 1865
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Marx an Engels
in Manchester
[London] 10. Febr. 1865
Lieber Frederick,
Die Sache 1*) ist gut. Alles Feilen und Ausarbeiten, obgleich der
Stil hier und da zu nachlässig, wäre jetzt nonsense, da es vor
allem gilt, in the nick of time 2*) zu kommen, da "allbereits"
die Lösung dieser Kollision [64] vor der Tür steht.
Mein Rat also der:
Unmittelbar das Pamphlet einschicken an Meißner in Hamburg und
ihm schreiben, daß rascher Druck, die Hauptsache; daß er Dir so-
fort anzeigen soll, ob er's nimmt (das Honorar ihm überlassend zu
bestimmen), weil Du dann in Berliner und Rheinischen Blättern
schon vorher Aufmerksamkeit auf die Sache lenken würdest.
Für den "Soc[ial]-Dem[okrat]" die Sache viel zu lang und "zu
frech" unter den bestehenden Verhältnissen. Dagegen würde ich für
Notizen, kurze, im "Soc.-Dem." (durch Eccarius), in "Düsseldorfer
Zeit[un]g" durch Siebel sorgen und selbst vielleicht der
"Rhein[ischen] Zeit[ung]" Notiz zuschicken, dahin lautend, daß da
und da Broschüre von Dir erscheint, wo Du an dieser Spezialfrage,
neben Behandlung der purely military question 3*), unsre Stellung
Reaktion und Fortschrittlern und Lassalleanern gegenüber einfach
aussprichst.
Hast Du noch Zusätze zu machen, so schick nichtsdestoweniger die
Sache immediately ad Meissnerem 4*) (Hamburg) und sag ihm, daß zu
pagina soundso (Du kannst das ja durch Zeichen andeuten) noch ein
paar Zusätze nachgeschickt werden. Etwas mehr hätte des
L a n d v o l k s Erwähnung geschehn sollen, das der deutsche
Knote gar zu gern als non-existent betrachtet. Nach Strohns letz-
tem Brief ist dieser wahrscheinlich wieder fort aus Hamburg, so
daß die Sache nicht an ihn geschickt werden kann, sondern direkt
an M[eißner] muß.
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1*) "Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei"
- 2*) noch zur Zeit - 3*) rein militärischen Frage -
4*) unverzüglich an Meißner
#65# 26 - Marx an Engels - 10. Februar 1865
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Es bläst in Berlin ein übler Versöhnungswind, diesmal von russi-
scher Seite angefacht, auch durch den schlechten Fortgang des Ge-
schäfts mit Östreich verstärkt. Die "Petersburger Zeitung" rät,
die Budgetfeststellung und die zweijährige Dienstzeit der Kammer
unbedingt zuzugestehn. Sie sagt u.a.: "Die Gegenwart scheint uns,
wenn nicht beunruhigend, so doch ernst, und wenn nicht ganz be-
sonders günstige Umstände eintreten, so bleibt zu fürchten, daß
die Zukunft trübe werden wird. In Zeiten der Not und Gefahr aber,
das hat die Geschichte sattsam erwiesen, genügt eine strenge Dis-
ziplinierung von Heer und Beamten nur selten. Es beruht dann, wie
im allgemeinen immer, die wirkliche Macht des Staates bei weitem
mehr auf der Einigkeit von Regierung und Volk. Obgleich wir nun
die versöhnliche Form, in welcher die Regierung der Landesvertre-
tung bei der diesjährigen Session entgegenkam, nicht unterschät-
zen, so können wir doch in Rücksicht auf das Gesagte den Wunsch
nicht unterdrücken, daß diese Versöhnlichkeit a u c h i n
d e r T a t Platz greifen möge." Es scheint, die Moskowiter
brauchen ihre Preußen für die in der "Moskauer Zeitung" 5*) ange-
kündigte, bevorstehende Schwenkung gegen Galizien-Östreich. In
derselben "Moskauer Zeitung" heißt es, mit dieser letzten Unter-
werfung Polens, wo man aber die Murawjowsche Politik schonungslos
fortsetzen müsse, sei "ein Loch in das Herz Deutschlands geöff-
net". Unsre guten "Fortschrittler" und nicht minder guten
"Lassalleaner" verschlafen all das.
Einliegend Brief von Schily.
Zu des Moses 6*) großer Qual macht die "International Associa-
tion" großes Aufsehn unter den Arbeitern in Paris. Infolge der
Mosesschen Dummheit ist Tolain abgetreten (wir haben seine Demis-
sion formell nicht akzeptiert). H. Lefort (Redakteur des "Avenir"
7*) etc.), der auch im Redaktionskomitee der "L'Association", hat
auf sein Verlangen seine Bestallung als literary defender
(Attorney General) 8*) unsrer Assoziation in Paris erhalten.
Letztre ist bereits angegriffen von Horn (ein Paragraph der
Statuten). [88] Dieser Jud Horn wird bald merken, daß es außer
Moses Heß noch andre Deutsche gibt. Fribourg hat für uns bureau
de renseignement 9*) eröffnet; cards of membership [57] sind ihm
vorgestern zugeschickt worden.
In der Vorbereitungssitzung für polnisches Meeting hab' ich denn
auch old Oborski wieder gesehn, der Dich n i c h t grüßen läßt.
SaIut
Dein K. M.
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5*) "Moskowskije Wedomosti" - 6*) Moses Heß - 7*) "L'Avenir na-
tional" - 8*) literarischer Verteidiger (Generalanwalt) -
9*) Auskunftsbüro
#66# 26 - Marx an Engels - 10. Februar 1865
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Apropos. Der Umstand, daß Lincoln uns so höflich und der
"Bourgeois Emancipation Society" [71] so grob und rein formell
geantwortet 10*), hat die "Daily News" so entrüstet, daß sie die
Antwort an uns nicht abdruckte. Da sie aber zu ihrem Kummer sah,
daß die "Times" es tat, mußte sie es nachträglich im "Expreß"
bringen. [709 Auch Levy hat in den sauern Apfel beißen müssen.
Der Unterschied zwischen der L[incoln]schen Antwort an uns und an
die Bourgeois hat hier solches Spektakel gemacht, daß die "Klubs"
im Westend darüber den Kopf schüttelten. Du begreifst, wie wohl
das unsern Leuten tut.
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10*) siehe vorl. Band, S. 49/50
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