Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867


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       Vorwort
       
       Der einunddreißigste Band der Werke enthält den Briefwechsel zwi-
       schen Marx  und Engels  von Oktober  1864 bis Dezember 1867 sowie
       Briefe, die sie in diesen Jahren an dritte Personen richteten.
       Die Geschichte  des Marxismus und der internationalen Arbeiterbe-
       wegung wird  in dieser Zeitspanne durch zwei hervorragende Ereig-
       nisse gekennzeichnet:  Am 28.  September 1864 wurde in London die
       Internationale Arbeiterassoziation (I. Internationale) gegründet,
       und drei Jahre später, im September 1867, erschien bei Otto Meiß-
       ner in Hamburg der erste Band des "Kapitals".
       Mit der  weiteren Entwicklung des Kapitalismus in Europa und Ame-
       rika traten  die ihm innewohnenden Widersprüche immer offener zu-
       tage. In  engem Zusammenhang  damit hielt die Belebung der Arbei-
       terbewegung an,  die Anfang der sechziger Jahre erneut eingesetzt
       hatte. Die  Zahl der  Arbeiterorganisationen und ihrer Mitglieder
       wuchs, und  in den entwickelten kapitalistischen Ländern drängten
       die fortgeschrittensten Arbeiter nach politischer und organisato-
       rischer Trennung  von der  Bourgeoisie. Noch hielt der revolutio-
       näre Aufschwung  in wichtigen europäischen Ländern wie Frankreich
       und Deutschland  an. Die  Klärung der  Beziehungen der  Arbeiter-
       klasse zur demokratischen Bewegung und zum nationalen Befreiungs-
       kampf der Völker stand erneut auf der Tagesordnung.
       Obwohl Marx  von der Leitung der Internationalen Arbeiterassozia-
       tion stark in Anspruch genommen war und diese Tätigkeit viel Zeit
       erforderte, setzte  er seine  ökonomischen Studien intensiv fort.
       Die Grundlage dieser Arbeit bildete ein umfangreiches Manuskript,
       das zwischen  August 1861  und Juli 1863 entstanden war und einen
       ersten systematischen,  wenn auch noch nicht in Einzelheiten aus-
       gearbeiteten Entwurf aller Teile des ökonomischen Hauptwerkes von
       Marx darstellte. Zusätzlich studierte Marx zahlreiche ökonomische
       und technische Schriften, darunter über Landwirtschaft, zu Fragen
       des Kredits und des Geldumlaufs. Er studierte statistische
       
       #VI# Vorwort
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       Materialien, vertiefte  sich in parlamentarische Untersuchungsbe-
       richte, zum  Beispiel über  Kinderarbeit in  der englischen Indu-
       strie und  über die Arbeits- und Lebensbedingungen des englischen
       Proletariats. Die  vorliegenden Briefe geben eine Vorstellung von
       der gewaltigen  Arbeit, die  Marx zu  leisten, und  den zahllosen
       Schwierigkeiten, die  er dabei  zu überwinden  hatte. Von  August
       1863 bis Ende 1865 schrieb er ein neues, umfangreiches Manuskript
       nieder; das war die erste bis ins einzelne ausgearbeitete Fassung
       der drei theoretischen Bücher des "Kapitals".
       Marx beschäftigte  sich bis  zu diesem Zeitpunkt mit allen Teilen
       seines Hauptwerkes, da er die Absicht hatte, es als geschlossenes
       Ganzes zu  veröffentlichen. In  diesem Sinne wurde auch eine vor-
       läufige Vereinbarung  mit dem Hamburger Verleger Otto Meißner ge-
       troffen. Sie  sah die  Herausgabe aller  Teile des  "Kapitals" in
       zwei gleichzeitig erscheinenden Bänden vor, deren Gesamtumfang 60
       Druckbogen nicht überschreiten sollte. Der Hauptgrund, so zu ver-
       fahren, lag  für Marx in der ganzen Anlage seines Werkes. Die von
       ihm entwickelte  und angewandte  Untersuchungsmethode  erforderte
       eine umfassende Analyse des Kapitalismus in seiner Entstehung und
       Entwicklung und eine wissenschaftliche Erklärung aller objektiven
       Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise sowie der Tendenzen
       ihrer weiteren Entwicklung. Die Widersprüche des Kapitalismus und
       ihr antagonistischer  Charakter sollten  aufgedeckt und die Ursa-
       chen und  Bedingungen seines  unvermeidlichen Untergangs  geklärt
       werden. Kurz  bevor Marx das Manuskript zu den drei theoretischen
       Büchern des  "Kapitals" beendet hatte, schrieb er an Engels: "Ich
       kann mich  aber nicht  entschließen, irgend  etwas wegzuschicken,
       bevor das  Ganze vor  mir liegt.  Whatever shortcomings  they may
       have, das  ist der  Vorzug meiner Schriften, daß sie ein artisti-
       sches Ganzes  sind, und  das ist nur erreichbar mit meiner Weise,
       sie nie drucken zu lassen, bevor sie ganz vor mir liegen." (Siehe
       vorl. Band, S. 132.)
       Ende 1865  lag das  Manuskript der  drei theoretischen Bücher des
       "Kapitals" fertig vor. Marx beabsichtigte, unmittelbar danach das
       "historisch- literarische"  (Marx) vierte Buch in Angriff zu neh-
       men, das  der Geschichte  der Mehrwerttheorie  gewidmet  war.  Er
       hielt diese  Arbeit für  den relativ leichtesten Teil seines Wer-
       kes, denn alle komplizierten theoretischen Probleme waren bereits
       in den  ersten drei  Büchern behandelt  und geklärt. Überdies war
       schon der  Hauptteil des Manuskripts von 1861-1863 den theoriege-
       schichtlichen Fragen  gewidmet, die in den meisten Fällen bis ins
       Detail ausgearbeitet  vorlagen. Zu  dieser Zeit wurde es Marx und
       Engels jedoch  klar, daß zunächst und möglichst schnell der erste
       Band des "Kapitals" erscheinen mußte.
       
       #VII# Vorwort
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       Auf nachdrücklichen Rat von Engels begann Marx im Januar 1866 mit
       der Endbearbeitung  des ersten  Bandes des  "Kapitals". Er verän-
       derte die  ursprüngliche Fassung  grundlegend, um  dem Band einen
       abgeschlossenen und  selbständigen Charakter  zu geben.  Aus  den
       Briefen dieser  Zeit wird  ersichtlich, wie sehr Marx bemüht war,
       die neuesten  Tatsachen, insbesondere über die Lage und den Kampf
       der Arbeiterklasse in England und anderen Ländern, zu berücksich-
       tigen, um  seine theoretischen Schlußfolgerungen noch umfassender
       zu begründen.  Dazu zog  er neben  anderen Quellen weitgehend die
       bis Anfang  1867 erschienenen offiziellen englischen "Blaubücher"
       heran. Bei  der sorgfältigen  Analyse der  neuen Materialien  kam
       Marx zu  dem Schluß, daß die Entwicklung des Kapitalismus in Eng-
       land in den letzten Jahrzehnten der Arbeiterklasse keinerlei Vor-
       teile gebracht,  sondern im  Gegenteil ihre  Lage in mancher Hin-
       sicht verschlechtert  hatte. Daher  bat er  Engels  eindringlich,
       eine zweite  Auflage seines  Werkes  "Die  Lage  der  arbeitenden
       Klasse in  England" vorzubereiten; denn seine eigene Darlegung im
       Kapitel über  den "Arbeitstag" sah Marx nur als eine skizzenhafte
       und aktuelle  Ergänzung zu  Engels' Buch an. (Vgl. vorl. Band, S.
       174.)
       Während  der   endgültigen  Bearbeitung  des  ersten  Bandes  des
       "Kapitals" beobachtete Marx auch aufmerksam das Anwachsen des Mi-
       litarismus in  den europäischen  Ländern. In  diesem Zusammenhang
       bat er Engels, einen besonderen Anhang zum ersten Band zu schrei-
       ben, worin  der Charakter  des Militärs und der Kriege im Kapita-
       lismus dargelegt werden sollte. "Unsre Theorie von der Bestimmung
       der   Arbeits o r g a n i s a t i o n   d u r c h   d a s  P r o-
       d u k t i o n s m i t t e l,   bewährt sie sich irgendwo glänzen-
       der als  in der  Menschenabschlachtungsindustrie?" schreibt er an
       Engels (siehe vorl. Band, S. 234). In seinem "Konspekt zum Brief-
       wechsel zwischen  Karl Marx  und Friedrich  Engels 1844-1883" hob
       W.I. Lenin  die theoretische  Bedeutung  dieses  Briefes  hervor.
       Engels war  jedoch mit  publizistischen Arbeiten  für die  Inter-
       nationale und  anderen wichtigen  Angelegenheiten überlastet.  Er
       konnte dem  Wunsch von  Marx nicht  nachkommen, wie  gern  dieser
       seinen Freund  auch als  "Collaborateur direkt" des ersten Bandes
       des "Kapitals" gesehen hätte.
       Viele Briefe dieser Periode zeigen, daß Marx sich auch in anderen
       Fragen ständig  mit Engels  beriet, dessen Bemerkungen sorgfältig
       beachtete und  sie für  sein Buch verwertete. Engels hatte ihm am
       29. Januar  und 13. März 1867 von der kritischen Lage in der eng-
       lischen Baumwollindustrie  berichtet und  den Kampf  der Arbeiter
       gegen die Fabrikanten geschildert, die versucht hatten, die Löhne
       herabzusetzen. (Vgl.  vorl. Band,  S. 275 und 280.) Marx nahm die
       dort von  Engels gegebene Charakteristik fast wörtlich als Anmer-
       kung in  das "Kapital"  auf. (Siehe  Band 23  unserer Ausgabe, S.
       457/458.)
       
       #VIII# Vorwort
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       An diesem Beispiel wird deutlich sichtbar, wie Marx die Ausarbei-
       tung seiner  ökonomischen Theorie  aufs engste  mit den aktuellen
       Aufgaben der Arbeiterbewegung verband.
       Im November  1866 schickte Marx den ersten Manuskriptteil des er-
       sten Bandes  an Otto  Meißner. Der Rest war am 27, März 1867 fer-
       tiggestellt, und  Marx brachte  ihn bald  darauf selbst nach Ham-
       burg. Am 13. April 1867 vereinbarten Marx und Meißner in Hamburg,
       das "Kapital"  in drei Bänden herauszugeben, wobei das erste Buch
       als erster  Band, das  zweite und dritte als zweiter Band und das
       abschließende vierte  Buch als  dritter Band  erscheinen  sollte.
       Diesen Plan  legte Marx in einem Brief an Kugelmann sowie im Vor-
       wort zur  ersten Auflage  dar. (Siehe vorl. Band, S. 534 und vgl.
       Band 23  unserer Ausgabe, S. 17.) In der Korrespondenz aus dieser
       Zeit wird  der Leser viele weitere wichtige und interessante Ein-
       zelheiten zur Geschichte des ersten Bandes des "Kapitals" finden.
       Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels über den Inhalt des er-
       sten Bandes des "Kapitals" sowie über seine einzelnen Kapitel und
       Abschnitte ist  außerordentlich aufschlußreich.  Auf Marx'  Bitte
       las Engels die Korrekturbogen und teilte Marx freimütig und kame-
       radschaftlich seine  Ansichten mit.  Er hob die Vorzüge des Werks
       hervor, kritisierte Unvollkommenheiten in der Darstellung einzel-
       ner Passagen und riet zu verschiedenen Verbesserungen am Text, im
       Aufbau und  in der Gliederung des Bandes. Marx seinerseits erläu-
       terte dem  Freunde in  mehreren Briefen die schwierigsten Stellen
       und teilte  ihm die zur Begründung der theoretischen Verallgemei-
       nerungen notwendigen  Einzelheiten mit.  Dieser Meinungsaustausch
       hilft uns,  in die Grundprobleme des ersten Bandes des "Kapitals"
       tiefer einzudringen  und die  in ihm  angewandte Untersuchungsme-
       thode besser  zu verstehen.  So sind beispielsweise Engels' Brief
       vom 16.  Juni 1867  und Marx' Antworten vom 22. und 27. Juni über
       die Entwicklung  der Wertform  wertvolle Ergänzungen für das Stu-
       dium des  ersten Abschnitts  des ersten  Bandes, der sich mit der
       Analyse der Ware und des Geldes befaßt. Das gilt in gleichem Maße
       für Engels'  Brief vom  26. Juni  und Marx' zweiten Brief vom 27.
       Juni. Dort  wird die  Mehrwerttheorie erörtert, und es werden die
       landläufigen Vorstellungen  der Vulgärökonomie von der Entstehung
       des Profits  kritisiert. Von  hohem wissenschaftlichen  Wert  ist
       Marx' Brief  vom 24.  August des  gleichen Jahres.  Hier legte er
       dar, worin der grundlegende Unterschied seiner ökonomischen Theo-
       rie zur  bisherigen bürgerlichen politischen Ökonomie bestehe und
       was das Beste an seinem Buch sei (vgl. vorl. Band, S. 326/327).
       Erstrangige theoretische Bedeutung haben Engels' Briefe zu ökono-
       mischen Fragen.  In einem Brief an Friedrich Albert Lange vom 29.
       März 1865
       
       #IX# Vorwort
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       widerlegte Engels zum Beispiel die Thesen der bürgerlichen Ökono-
       men, daß die ökonomischen Gesetze der Gesellschaft keine histori-
       schen, sondern ewige Naturgesetze seien.
       Als Engels  den größten Teil des ersten Bandes des "Kapitals" ge-
       lesen hatte, schrieb er an Marx: "...gratuliere zu der kompletten
       Weise, in der die verzwicktesten ökonomischen Probleme durch blo-
       ßes Zurechtrücken  und Einstellen  in den  richtigen Zusammenhang
       einfach und fast sinnlich klargemacht werden. Desgleichen zu der,
       der Sache  nach, höchst famosen Darstellung des Verhältnisses von
       Arbeit und  Kapital -  im vollen  Zusammenhange und komplett hier
       zum erstenmal."  (Siehe vorl.  Band, S.  324.) Begeistert äußerte
       sich Engels  zur Analyse des Akkumulationsprozesses: "Das Theore-
       tische ganz  famos, auch  die Entwicklung  der  Expropriationsge-
       schichte... Sehr  brillant ist  das Résumé über die Expropriation
       der Expropriateurs,  das wird  durchschlagen." (Siehe vorl. Band,
       S. 334.)  Engels gab  seiner Freude  darüber Ausdruck,  daß Marx'
       Theorie über  alle  Theorien  der  bürgerlichen  Ökonomen  trium-
       phierte. In  allen seinen  Äußerungen erwies sich Engels als her-
       vorragender Theoretiker,  er leistete  Marx bei  der Ausarbeitung
       der politischen  Ökonomie der  Arbeiterklasse große  Hilfe.  Marx
       legte daher  auch auf das Urteil seines Freundes den größten Wert
       und bekannte  in einem  Brief an Engels, daß dessen Zufriedenheit
       ihm wichtiger  sei als  alles, was  die übrige Welt darüber sagen
       möge. (Vgl. vorl. Band, S. 305.)
       Spät in der Nacht des 16. August 1867 legte Marx den letzten Kor-
       rekturbogen fertig  aus der  Hand. Die  Arbeit am ersten Band des
       "Kapitals" war  getan. Und  dann schrieb er einen kurzen Brief an
       Engels: "Eben  den letzten  Bogen (49.)  des Buchs  fertig korri-
       giert... Bloß  Dir verdanke  ich es,  daß dies  möglich war! Ohne
       Deine Aufopferung  für mich  konnte ich  unmöglich die ungeheuren
       Arbeiten zu  den drei  Bänden machen.  I  embrace  you,  full  of
       thanks! ... mein lieber, teurer Freund!" Das ist einer der schön-
       sten Briefe dieses Bandes.
       Das Erscheinen des ersten Bandes des "Kapitals" war ein hervorra-
       gendes Ereignis  in der Geschichte des menschlichen Denkens. Die-
       ses Werk  bedeutete die  vollständige Umwälzung  aller bisherigen
       politischen Ökonomie; sie fand ihre Fortsetzung und Vollendung im
       zweiten und  dritten Band des "Kapitals", welche Engels 1885 bzw.
       1894 veröffentlichte.  Der erste  Band enthüllte schonungslos das
       Wesen der  kapitalistischen Ausbeutung  und  den  unversöhnlichen
       Charakter der kapitalistischen Widersprüche. Marx hatte die wich-
       tigsten Bewegungsgesetze  dieser  Gesellschaftsordnung  entdeckt,
       aus deren Wirken sich der unvermeidliche Untergang
       
       #X# Vorwort
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       des Kapitalismus  ergeben würde.  Der erste  Band des  "Kapitals"
       hatte großen Einfluß auf die Herausbildung des revolutionären Be-
       wußtseins des internationalen Proletariats. Er half der Arbeiter-
       klasse, sich  ihrer historischen  Rolle in der gesellschaftlichen
       Entwicklung bewußt zu werden. "Solange es Kapitalisten und Arbei-
       ter in der Welt gibt", schrieb Engels 1868 in einer Rezension des
       "Kapitals", "ist  kein Buch  erschienen, welches für die Arbeiter
       von solcher Wichtigkeit wäre, wie das vorliegende. Das Verhältnis
       von Kapital  und Arbeit, die Angel, um die sich unser ganzes heu-
       tiges Gesellschaftssystem  dreht, ist hier zum ersten Mal wissen-
       schaftlich entwickelt." (Siehe Band 16 unserer Ausgabe, S. 235.)
       Marx und  insbesondere Engels unternahmen große Anstrengungen, um
       den ersten Band des "Kapitals" in Europa und Amerika zu propagie-
       ren. Dazu findet sich im Briefwechsel ausführliches Material. Sie
       verschickten das  Buch an  Freunde und  Kampfgefährten und  baten
       sie, ihre  Meinung darüber öffentlich darzulegen; sie veranlaßten
       den Verleger Otto Meißner, das Erscheinen des Werkes zu annoncie-
       ren, und  bereiteten Rezensionen für verschiedene Blätter vor. Es
       war vorauszusehen,  daß die mehr oder minder gelehrten Wortführer
       der deutschen  Bourgeoisie ebenso versuchen würden, das Werk tot-
       zuschweigen, wie sie es früher mit anderen Schriften von Marx und
       Engels versucht  hatten. Daher kamen Marx und Engels überein, das
       "Kapital" in  der bürgerlichen  Presse scheinbar  vom  Bourgeois-
       standpunkt aus  zu besprechen, um die Aufmerksamkeit auf das Buch
       zu lenken.  Engels  schrieb  etliche  derartige  Rezensionen  und
       brachte sie mit Hilfe von Ludwig Kugelmann, Carl Siebel und ande-
       ren  Kampfgefährten  in  mehrere  Zeitungen.  Die  zu  erwartende
       "Verschwörung des  Schweigens" der  offiziellen ökonomischen Wis-
       senschaft kam nicht zustande.
       Vor allem waren Marx und Engels bestrebt, das "Kapital" unter den
       Arbeitern zu  verbreiten, um den in ihren Reihen noch vorhandenen
       Einfluß der bürgerlichen Ideologie zurückzudrängen und ihnen eine
       wissenschaftliche und  revolutionäre Theorie  zu vermitteln.  Der
       erste Band  des "Kapitals"  gehörte zu  den wichtigsten theoreti-
       schen Grundlagen im Kampf gegen den kleinbürgerlichen Proudhonis-
       mus und  Lassalleanismus, gegen Reformismus und Anarchismus. Marx
       und Engels  wandten sich mehrfach an die deutschen Arbeiterführer
       und forderten sie auf, das "Kapital" als Waffe in diesem Kampf zu
       benutzen. Am  30. November 1867 schrieb Marx an Ludwig Kugelmann:
       "Über einen  Punkt können Sie dem Liebknecht besser schreiben als
       Engels oder  ich. Und dies ist, daß es in der Tat seine Schuldig-
       keit, in  A r b e i t e r v e r s a m m l u n g e n  die Aufmerk-
       samkeit auf  mein Buch  zu lenken. Tut er's nicht, so bemächtigen
       sich die Lassalleaner der Sache
       
       #XI# Vorwort
       -----
       und in  unrichtiger Weise." (Siehe vorl. Band, S. 575.) Nach fünf
       Jahren waren  die 1000  Exemplare der  ersten Auflage vollständig
       vergriffen, und  Marx mußte  in Eile die zweite Auflage vorberei-
       ten, die  auf 3000  Exemplare berechnet war. Im Frühjahr 1872 er-
       schien die  russische Übersetzung  des Werkes, und die 3000 Exem-
       plare derselben  waren bis zum Jahresende fast verkauft. Etwa zur
       gleichen Zeit  kam die  erste Lieferung der französischen Ausgabe
       in einer Auflage von 10 000 Stück heraus.
       Nach der Veröffentlichung des ersten Bandes des "Kapitals" wandte
       sich Marx  sogleich dem zweiten Band zu, der den Zirkulationspro-
       zeß des  Kapitals behandelt.  (Siehe vorl.  Band, S. 327-330.) In
       einigen Briefen vom August 1867 wird die Rolle des fixen Kapitals
       im Reproduktionsprozeß  erläutert. Sie  helfen dem  Leser, diesen
       Band des  "Kapitals" besser zu verstehen. Marx beabsichtigte, den
       zweiten Band  rasch fertigzustellen  und zu  veröffentlichen. Das
       war ihm jedoch nicht mehr vergönnt.
       Ein großer  Teil der  vorliegenden Briefe  sind Quellen  zur  Ge-
       schichte der Internationalen Arbeiterassoziation - der ersten in-
       ternationalen Massenorganisation  des Proletariats.  Sie spiegeln
       die Tätigkeit  von Marx  und Engels als Führer der I. Internatio-
       nale, ihren  Kampf für die Schaffung selbständiger proletarischer
       Parteien in  den  entwickelten  kapitalistischen  Ländern  wider.
       Marx' theoretische Erkenntnisse und seine Erfahrungen als Begrün-
       der und  Führer der  ersten revolutionären Partei, des Bundes der
       Kommunisten, befähigten  ihn, der  neu geschaffenen Organisation,
       der Internationalen Arbeiterassoziation, von vornherein die rich-
       tige Orientierung  zu geben  und die Bewegung des internationalen
       Proletariats zu  leiten. Mit  voller Berechtigung  schrieb Engels
       später: "Viele ... haben sich den Ruhm angemaßt, als Gründer die-
       ser Assoziation  zu gelten.  Es ist  selbstredend, daß  so  etwas
       nicht von einem allein gegründet werden kann. Aber soviel ist si-
       cher: Unter allen Beteiligten gab es nur einen, der sich klar war
       über das,  was zu geschehen hatte und was zu gründen war, das war
       der Mann, der schon 1848 den Ruf in die Welt geschleudert: Prole-
       tarier aller Länder, vereinigt euch!" (Siehe Band 22 unserer Aus-
       gabe, S. 340/341.)
       Marx verfaßte  die Inauguraladresse und die Provisorischen Statu-
       ten der  Internationalen Arbeiterassoziation,  die vom Provisori-
       schen Komitee angenommen wurden. Beide Dokumente schufen die Vor-
       aussetzung für den künftigen Sieg des Programms und der Organisa-
       tionsprinzipien des  Marxismus in der internationalen Arbeiterbe-
       wegung. Bei der Abfassung dieser wichtigen programmatischen Doku-
       mente berücksichtigte  Marx, daß sich die verschiedenen Abteilun-
       gen der  internationalen Arbeiterklasse  nur auf  einer Grundlage
       vereinigen konnten, die sowohl den englischen Trade-
       
       #XII#
       -----
       Unionisten, den  französischen, belgischen und anderen Proudhoni-
       sten sowie  den deutschen Lassalleanern den Beitritt ermöglichte.
       "Hätten wir von 1864 bis 1873 darauf bestanden, nur mit denen zu-
       sammenzuarbeiten, die offen unsere Plattform anerkannten - wo wä-
       ren wir heute?" schrieb Engels rückblickend am 27. Januar 1887 an
       F. Kelley-Wischnewetzky. (Siehe Band 36 unserer Ausgabe.)
       Gestützt auf  die praktischen  Erfahrungen der  Massen arbeiteten
       Marx und  Engels das  Programm und die Taktik für die internatio-
       nale Arbeiterbewegung  aus. "Es war sehr schwierig", schrieb Marx
       an Engels,  "die Sache  so zu  halten, daß unsre Ansicht in einer
       Form erschien,  die sie dem jetzigen Standpunkt der Arbeiterbewe-
       gung acceptable  machte... Es bedarf Zeit, bis die wiedererwachte
       Bewegung die  alte Kühnheit  der Sprache  erlaubt." (Siehe  vorl.
       Band, S.  16.) Marx  war der Ansicht, daß gemeinsame Aktionen der
       Mitglieder der  Internationale, schöpferische  Diskussion in  der
       Presse und  auf den  Kongressen zur  Ausarbeitung eines Programms
       führen müßten,  das offen  auf den Prinzipien des wissenschaftli-
       chen Kommunismus basiert. Marx, der nach Lenins Worten "eine ein-
       heitliche Taktik des proletarischen Kampfes der Arbeiterklasse in
       den verschiedenen  Ländern" schmiedete,  knüpfte an den Kampf der
       Arbeiter für  ihre unmittelbaren  und lokalen  Forderungen an und
       führte sie  vom Kampf um ihre Tagesinteressen zum Verständnis der
       allgemeinen Aufgaben  des Klassenkampfes  des Proletariats.  Über
       die von  ihm vorbereitete  Tagesordnung für  den  Genfer  Kongreß
       schrieb Marx an Ludwig Kugelmann, daß er sie absichtlich auf sol-
       che Punkte  beschränkt habe,  "die unmittelbare Verständigung und
       Zusammenwirken der  Arbeiter erlauben  und den  Bedürfnissen  des
       Klassenkampfes und  der Organisation  der Arbeiter zur Klasse un-
       mittelbar Nahrung und Anstoß geben" (siehe vorl. Band, S. 529).
       Marx war  der eigentliche  Organisator, der  Führer und die Seele
       der Internationale.  Er verfaßte alle wichtigen Dokumente des Ge-
       neralrats, die  die Strategie und Taktik des internationalen Pro-
       letariats bestimmten. Eine gewaltige und mühevolle Organisations-
       und Erziehungsarbeit  lastete auf  seinen Schultern.  Die Leitung
       der Internationale nahm viel Zeit und Kraft in Anspruch. Regelmä-
       ßig nahm  Marx an den Sitzungen des Generalrats und des Ständigen
       Komitees teil,  besuchte mit  anderen Mitgliedern des Generalrats
       Versammlungen der  Trade-Unions, bereitete Reden zu verschiedenen
       Fragen vor, nahm an Massenmeetings teil, korrespondierte mit Ver-
       tretern der  Arbeiterbewegung in  den verschiedenen  Ländern;  er
       leitete die  Londoner Konferenz von 1865 und die Vorbereitung der
       Kongresse in Genf (1866) und Lausanne (1867). Obwohl Marx ohne
       
       #XIII# Vorwort
       -----
       Zweifel die führende Rolle in der Internationale spielte, trat er
       gegen jede  Verherrlichung seiner  Person und  Tätigkeit auf  und
       verurteilte den der proletarischen Bewegung fremden Personenkult,
       wie er vor allem von den Lassalleanern betrieben wurde.
       Aus Engels' Briefen an Marx ist ersichtlich, daß er seinen Freund
       bei der  Leitung der  Internationalen Arbeiterassoziation ständig
       und wirksam unterstützte. Engels beteiligte sich von Anfang an an
       der Tätigkeit  der Organisation  und erörterte  in seinen Briefen
       und bei  persönlichen Begegnungen mit Marx alle wichtigen Fragen.
       Er verteidigte  die Prinzipien  der Internationalen Arbeiterasso-
       ziation in  der Presse.  Der Briefwechsel der beiden Freunde läßt
       klar erkennen,  daß Engels  zu Recht als einer der Führer der In-
       ternationale seit  den ersten  Jahren ihres  Bestehens  anzusehen
       ist.
       Für die  Internationale Arbeiterassoziation  war es von entschei-
       dender Bedeutung,  daß sich  um Marx  und Engels  ein fester Kern
       proletarischer Revolutionäre  zusammenschloß. Seit  Gründung  der
       Assoziation war Marx um die proletarische Zusammensetzung des Ge-
       neralrats bemüht. Er erreichte, daß im Führungsorgan der Interna-
       tionale der  revolutionär-proletarische Kern  überwog. Die  deut-
       schen Mitglieder  des Generalrats,  Johann Georg Eccarius, Fried-
       rich Leßner,  Georg Lochner,  Carl Pfänder  u.a. - Kampfgefährten
       von Marx und Engels noch vom Bund der Kommunisten her -, der Kor-
       respondierende Sekretär für Frankreich Eugene Dupont, der Englän-
       der Robert  Shaw  und  der  Korrespondierende  Sekretär  für  die
       Schweiz Hermann Jung unterstützten Marx auf jegliche Weise. Nicht
       selten traten sie in seiner Abwesenheit in seinem Auftrag auf und
       verfochten den  Marxschen Standpunkt.  Viele Briefe gerade dieser
       Jahre sind  an bekannte Vertreter der internationalen Arbeiterbe-
       wegung gerichtet,  die Marx  bei der  Leitung der Internationalen
       Arbeiterassoziation zur  Seite standen: an Johann Philipp Becker,
       César De  Paepe, Ludwig  Kugelmann, Paul  Lafargue, Wilhelm Lieb-
       knecht, Sigfrid Meyer, Joseph Weydemeyer und andere. Marx und En-
       gels gaben  ihnen Hinweise,  begrüßten ihre  Erfolge, ermunterten
       sie bei Rückschlägen, kritisierten aber auch ihre Fehler und Män-
       gel (vgl.  zum Beispiel  Marx' Briefe  an Engels  vom 18.November
       1864, an Sigfrid Meyer vom 30. April 1867, Engels' Briefe an Marx
       vom 13. und 22. Oktober 1867 u.a.).
       Die unmittelbare Verbindung mit den proletarischen Massen war für
       Marx und Engels unentbehrlich. Immer wieder hoben sie hervor, wie
       wertvoll es  sei, enge  Kontakte zu den Arbeitern in Deutschland,
       England, Frankreich,  Italien, in der Schweiz, in Spanien und an-
       deren Ländern  herzustellen. Oft wandten sich die Arbeiter selbst
       an Marx und baten um Rat und Unterstützung.
       
       #XIV# Vorwort
       -----
       Am 13.  November 1865 ersuchten drei aktive Mitglieder der Berli-
       ner Gemeinde  des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins - Theodor
       Metzner, Sigfrid  Meyer und  August Vogt  - Marx,  nach Berlin zu
       kommen und  die Leitung der dortigen Arbeiterbewegung zu überneh-
       men. In demselben Brief beurteilten sie - wie Marx schrieb - "mit
       Einsicht und  Kritik den jetzigen Stand der deutschen Arbeiterbe-
       wegung" (siehe  vorl. Band,  S. 493).  Im Kampf mit falschen, dem
       Proletariat schädlichen  Auffassungen stützten  sich Marx und En-
       gels stets auf die fortgeschrittenen Arbeiter. Das taten sie, als
       sie sich  mit den  sektiererischen Auffassungen der Proudhonisten
       auseinandersetzten, und  nicht minder, als sie die reformistische
       Politik der  Führer der englischen Trade-Unions scharf kritisier-
       ten.
       Die unversöhnliche  Haltung von Marx und Engels gegenüber Elemen-
       ten, die  die Interessen  der demokratischen und Arbeiterbewegung
       verrieten, kommt  in vielen  Briefen  zum  Ausdruck.  Entschieden
       wandten sie  sich auch  gegen solche "Realpolitiker" wie Johannes
       von Miquel,  Heinrich Bürgers  und andere.  (Siehe Marx' Brief an
       Ludwig Kugelmann vom 23. Februar 1865.)
       Marx und  Engels richteten  in jener Zeit ihre Aufmerksamkeit vor
       allem auch  auf die  Herausgabe einer unabhängigen proletarischen
       Presse. Seit der Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation
       waren sie  bestrebt, Presseorgane der Assoziation in Deutschland,
       England, in  der Schweiz  und anderen Ländern zu schaffen. Soweit
       es ihre Zeit erlaubte, arbeiteten sie an ihnen mit und halfen ih-
       nen, einen  revolutionären Standpunkt zu vertreten. Sie kümmerten
       sich um die Zusammensetzung der Redaktionen und zogen ihre Gesin-
       nungsgenossen zur  Mitarbeit heran  (vgl. Marx'  Briefe an Engels
       vom 2.Dezember  1864, 9.Mai  und 26.Dezember 1865 u.a.). Marx war
       stark daran interessiert, daß die Dokumente der Internationale in
       den verschiedenen Presseorganen veröffentlicht wurden. Nicht sel-
       ten übersetzte  er sie  selbst in  fremde Sprachen.  Durch  seine
       ständige Hilfe  und seine  Ratschläge trug Marx zur Herausbildung
       einer ganzen  Gruppe von  Arbeiterpublizisten, Propagandisten der
       Ideen der Internationale, bei.
       Im Ringen  um die Arbeitermassen nahmen die von der Internationa-
       len Arbeiterassoziation  organisierten  Solidaritätsaktionen  für
       die Streikbewegung,  die sich  in den  Jahren 1865-1867 in vielen
       Ländern ausbreitete, einen hervorragenden Platz ein. Der General-
       rat sorgte  auf Marx'  Veranlassung dafür,  daß  die  Streikenden
       durch das  internationale Proletariat materiell und moralisch un-
       terstützt wurden. Das geschah beispielsweise Anfang 1866, als die
       Londoner Schneider  fast sieben Monate für höhere Löhne und gegen
       die rücksichtslose Behandlung durch die Unternehmer
       
       #XV# Vorwort
       -----
       streikten. Der  Generalrat setzte  seine ganze  Kraft ein, um den
       Zuzug von  Streikbrechern aus  dem Ausland zu unterbinden. Seinen
       Bemühungen war es zu verdanken, daß die Arbeiter aus den größeren
       Ländern Europas  und aus den USA den Londoner Schneidern in ihrem
       zweiten Streik  (April 1867)  materielle Hilfe erwiesen. Als 1866
       die Pariser  Bronzearbeiter in den Streik traten und den General-
       rat um  Hilfe baten,  erreichte dieser, daß die Trade-Unions eine
       größere Geldsumme  für die Streikenden zur Verfügung stellten und
       auch Sektionen  der Internationalen Arbeiterassoziation den Pari-
       ser Arbeitern  solidarisch zur  Seite standen. Der Generalrat un-
       terstützte die englischen Arbeiter in ihrem Kampf für die gesetz-
       liche Beschränkung der Arbeitszeit, für die Festsetzung von Tari-
       fen, gegen  die Ausbeutung  der Frauen-  und Kinderarbeit mit Rat
       und Tat. Dadurch wuchsen das Ansehen der Internationale unter den
       Arbeitern und  die Erkenntnis  von der  Notwendigkeit des gewerk-
       schaftlichen Kampfes.  Die proudhonistischen und lassalleanischen
       Auffassungen, die  sich gegen den ökonomischen Kampf der Arbeiter
       richteten, wurden mehr, und mehr zurückgedrängt. Die Teilnahme an
       gemeinsamen Aktionen zur Unterstützung der Streikbewegung war für
       die europäischen  Arbeiter eine  große Schule der internationalen
       Klassensolidarität und des proletarischen Internationalismus.
       Der vorliegende  Briefwechsel enthält  reiches Material  über die
       verschiedenen Strömungen,  mit denen  sich Marx und Engels in der
       Internationalen Arbeiterassoziation  auseinanderzusetzen  hatten.
       Marx und  Engels analysierten die charakteristischen Merkmale des
       Sektierertums, seine  Ursachen, seine verschiedenen Erscheinungs-
       formen. Die Geschichte der Entstehung und Entwicklung der Sektio-
       nen der  Assoziation ist  zugleich die Geschichte des Kampfes der
       Begründer des Marxismus gegen die für das jeweilige Land spezifi-
       sche Form  des Reformismus und des Sektierertums in der Arbeiter-
       bewegung.
       Der ideologische  Kampf auf den Kongressen der Internationale, in
       den Spalten  der Arbeiterpresse  und  innerhalb  des  Generalrats
       spiegelte wider,  wie das  europäische Proletariat überlebte Vor-
       stellungen und  Sektierertum überwand, die dem frühen Stadium der
       Arbeiterbewegung eigen waren.
       Für das  Schicksal der  ersten internationalen Massenorganisation
       des Proletariats  war es  besonders wichtig,  ihre Positionen  in
       England, dem  in jener  Zeit  entwickeltsten  Industriestaat,  zu
       festigen. Marx  schenkte deshalb der Entwicklung in England große
       Aufmerksamkeit.   Die    englischen   Gewerkschaftsführer,    die
       Zehntausende in den Trade-Unions organisierte Arbeiter vertraten,
       waren im  Generalrat eine  beachtliche Kraft.  In  Marx'  Briefen
       finden wir  Einschälzungen George  Odgers, William R. Cremers und
       anderer
       
       #XVI# Vorwort
       -----
       Persönlichkeiten der  englischen Arbeiterklasse. Marx setzte sich
       mit den  bürgerlich-liberalen Auffassungen  in  den  Trade-Unions
       auseinander und war bemüht, die englische Arbeiterklasse zu revo-
       lutionieren. Auf  sein Drängen  hin stellten  sich die englischen
       Mitglieder des  Generalrats an  die Spitze  der Bewegung für eine
       neue Wahlrechtsreform  und übernahmen  im Frühjahr 1865 gemeinsam
       mit Vertretern  der radikalen Bourgeoisie die Führung der Reform-
       liga. Sie  griffen die chartistische Losung vom allgemeinen Wahl-
       recht auf. "Gelingt diese Reelektrisierung des political movement
       der English working dass", schrieb Marx am 1. Mai 1865 an Engels,
       "so hat  unsre Association,  without making  any fuss, schon mehr
       für die  europäische Arbeiterklasse  geleistet, als  in any other
       way möglich  war. Und es ist alle Aussicht auf Erfolg vorhanden."
       Da jedoch  maßgebliche Führer  der Trade-Unions eine versöhnleri-
       sche Haltung  einnahmen, zersplitterte  die machtvolle  Bewegung,
       und das  Ganze endete  mit der Annahme der unzulänglichen Wahlre-
       form von  1867, bei  der die Mehrheit der werktätigen Bevölkerung
       Englands ohne  politische Rechte  blieb. "Cremer  und Odger haben
       beide uns  verraten in der Reform Ligue, wo sie gegen unsren Wil-
       len Kompromisse  mit den  Bourgeois machten", schrieb Marx an Jo-
       hann Philipp Becker (siehe vorl. Band, S. 524).
       Mit der  gleichen Konsequenz  bekämpfte Marx die nationalistische
       Haltung der Führer der Trade-Unions, die diese zur irischen Frage
       einnahmen. Die umfassende Untersuchung der irischen Frage vom hi-
       storischen und ökonomischen Standpunkt sowie vom Standpunkt ihrer
       Bedeutung für  die Entwicklung  der internationalen Arbeiterbewe-
       gung nahm  in dieser  Zeit im  Briefwechsel von  Marx und  Engels
       breiten Raum  ein. Früher  war Marx  der Ansicht gewesen, die Be-
       freiung Irlands  vom englischen Joch werde das Ergebnis des revo-
       lutionären Kampfes  des englischen  Proletariats  sein.  Etwa  im
       Herbst 1867 kam er jedoch zu einer anderen Schlußfolgerung. Am 2.
       November 1867 schrieb er an Engels: "Ich habe früher Trennung Ir-
       lands von England für unmöglich gehalten. Ich halte sie jetzt für
       unvermeidlich, obgleich  nach der  Trennung   F e d e r a t i o n
       kommen mag."  (Siehe vorl. Band, S. 376.) Die nationale Befreiung
       Irlands und die revolutionär-demokratische Umwälzung des Agrarsy-
       stems waren, davon war Marx überzeugt, für das englische Proleta-
       riat selbst  notwendige Voraussetzungen  für einen  erfolgreichen
       Kampf. Marx  entlarvte in seinen Briefen aus dieser Zeit die Maß-
       nahmen der  englischen Kolonisatoren  in Irland:  die  sogenannte
       "Lichtung der  Güter", d.h.  die Verdrängung  kleiner  Ackerwirt-
       schaften durch  große Weidewirtschaften,  die gewaltsame Vertrei-
       bung der  irischen Bauern  von Grund und Boden. "In keinem andren
       europäischen Land hat die
       
       #XVII# Vorwort
       -----
       Fremdherrschaft diese  direkte Form  der Expropriation der Einge-
       bornen", schrieb Marx an Engels (siehe vorl. Band, S. 376).
       Wie aktuell  viele der im Briefwechsel behandelten Probleme sind,
       macht der  Brief von  Marx an  Engels vom 30. November 1867 deut-
       lich. Hier entwickelte Marx die Grundsätze der Politik des Prole-
       tariats bei der Unterstützung der nationalen Befreiungsbewegungen
       der unterdrückten  Völker. Er legte die Prinzipien dar, von denen
       sich die  englischen Arbeiter in ihrer Haltung zur irischen Frage
       leiten lassen müßten. (Siehe vorl. Band, S. 399/400.) Marx wirkte
       im Generalrat  für die  Organisierung einer  Solidaritätsbewegung
       zur Verteidigung der Interessen des irischen Volkes. Er hielt Re-
       den und Vorträge zur irischen Frage, inspirierte und verfaßte die
       Resolutionen zur  irischen Frage  im Generalrat  und setzte  sich
       leidenschaftlich für  die kleinbürgerlich-revolutionäre  Bewegung
       der irischen  Fenier ein. Gemeinsam mit Engels brandmarkte er das
       brutale Vorgehen  der englischen Regierung gegen die irischen Re-
       volutionäre. Marx  und Engels  enthüllten die  Machenschaften der
       englischen Behörden,  die im  Prozeß  gegen  die  Fenier  mittels
       falscher Zeugenaussagen, gefälschter Angaben u.ä. den politischen
       Kampf der  Fenier als  kriminelles Verbrechen  zu  diskriminieren
       versuchten. Gleichzeitig  kritisierten Marx und Engels die klein-
       bürgerlichen Illusionen und die Verschwörertaktik der Fenier, die
       von der  naiven Annahme  ausgingen, Irland könne durch Terrorakte
       befreit werden.  (Siehe vorl. Band, S. 396, 409 und 413/414.) Das
       konsequente Auftreten  von Marx  und Engels in der irischen Frage
       führte zu  einer engeren Verbindung der irischen Freiheitskämpfer
       mit der  englischen Arbeiterklasse.  Am 8.  November 1867 stellte
       Engels mit  Genugtuung fest,  "die Londoner  Proletarier erklären
       sich mit  jedem Tag  offener für die Fenier, also, was hier uner-
       hört und  wirklich großartig ist, für eine erstens gewaltsame und
       zweitens antienglische Bewegung". (Siehe vorl. Band, S. 568.)
       Großen Anteil  nahmen Marx  und Engels an der Entwicklung der Ar-
       beiterbewegung in Deutschland. Sie setzten hohes Vertrauen in die
       deutsche Arbeiterklasse,  in ihren theoretischen Sinn, ihre orga-
       nisatorischen Fähigkeiten  und ihre  Aufgeschlossenheit  für  die
       Ideen des proletarischen Internationalismus. Marx war im General-
       rat der  Internationalen  Arbeiterassoziation  Korrespondierender
       Sekretär für Deutschland. Durch die Tätigkeit des Bundes der Kom-
       munisten und  den Einfluß  der "Neuen Rheinischen Zeitung" war in
       Deutschland der  Boden für die Propagierung der Ideen des wissen-
       schaftlichen Kommunismus  vorbereitet. Dennoch stieß die Verbrei-
       tung der  Beschlüsse der  Internationalen Arbeiterassoziation und
       die Bildung von Sektionen der Internationale in Deutschland auf
       
       #XVIII# Vorwort
       -----
       große Schwierigkeiten. Einerseits erschwerte die reaktionäre Ver-
       einsgesetzgebung die  Bildung von  Sektionen, andererseits hemmte
       der Lassalleanismus  die Durchsetzung  der Ideen  der internatio-
       nalen Klassensolidarität  und des proletarischen Internationalis-
       mus. Marx  schrieb dazu  an Engels,  solange der  Lassalleanismus
       "obenauf in  Deutschland, wird  die  'International  Association'
       grade dort  kein Feld  haben" (siehe  vorl. Band,  S. 71). Um das
       Klassenbewußtsein des deutschen Proletariats zu festigen und eine
       revolutionäre Partei  vorzubereiten,  mußte  der  Lassalleanismus
       überwunden werden.
       Als die  Internationale gegründet  wurde, war Lassalle nicht mehr
       am Leben.  Nach seinem Tode kam der Allgemeine Deutsche Arbeiter-
       verein in  die Hände von Leuten, die die opportunistische Politik
       Lassalles fortsetzten.  Die Briefe im vorliegenden Band berichten
       von dem unversöhnlichen Kampf der Begründer des Marxismus und von
       ihrem Bemühen,  den Allgemeinen  Deutschen Arbeiterverein in eine
       revolutionäre Partei  umzuwandeln. Marx  und Engels  schätzten in
       ihren Briefen  die politische Tätigkeit Lassalles ein. Sie kriti-
       sierten sein  Programm und seine Taktik, sie verurteilten Lassal-
       les Eitelkeit und Renommisterei, seinen "Respekt vor dem momenta-
       nen Erfolg"  (siehe vorl. Band, S. 423 und 451). Sie deckten auf,
       daß Lassalle nicht begriffen hatte, welche ökonomischen Bedingun-
       gen zur  Befreiung der  Arbeiterklasse notwendig  sind.  Lassalle
       hatte zwar  einige Gedanken  und Formulierungen von Marx übernom-
       men, da  er  jedoch  von  einer  idealistischen  Geschichts-  und
       Staatsauffassung ausging,  begriff er  nicht die von Marx und En-
       gels begründete historische Mission der Arbeiterklasse, die poli-
       tische Macht zu erringen und die sozialistische Gesellschaftsord-
       nung aufzubauen. Lassalle verkündete das allgemeine Wahlrecht als
       "Prinzip des  Arbeiterstandes", als eigentliche proletarische Re-
       volution. Angesichts  der bonapartistischen politischen Praxis in
       Frankreich sahen Marx und Engels voraus, daß die preußische Reak-
       tion das  allgemeine Wahlrecht  in demagogischer  Weise ausnutzen
       würde. Das  allgemeine Wahlrecht,  so erläuterten Marx und Engels
       dem deutschen Proletariat, konnte unter den derzeitigen Bedingun-
       gen nur dann zu einer mächtigen Waffe im Kampf um Demokratie wer-
       den, wenn das Landproletariat in die Bewegung der Industriearbei-
       ter einbezogen  würde. In  seinem Brief an Engels vom 4. November
       1864 verurteilte  Marx mit aller Entschiedenheit Lassalles oppor-
       tunistische Haltung gegenüber dem Bismarckregime und sein prinzi-
       pienloses Bündnis  mit dem  Junkertum gegen  die Bourgeoisie. Die
       Vermutung von  Marx und  Engels, daß Lassalle direkte Abmachungen
       mit Bismarck  getroffen hatte,  wurde 1928  nach der Veröffentli-
       chung des Briefwechsels
       
       #XIX# Vorwort
       -----
       zwischen Lassalle und Bismarck vollauf bestätigt. Marx enthüllte,
       wie gefährlich  die Illusionen  waren, die  Lassalle durch  seine
       Agitation verbreitet  hatte: mit  Hilfe Bismarcks und der preußi-
       schen Regierung  über das allgemeine Wahlrecht und durch die Bil-
       dung von  Produktivgenossenschaften die soziale Lage der Arbeiter
       grundlegend verändern zu können. Am 13. Februar 1865 schrieb Marx
       an J.B.  von Schweitzer: "Daß die Enttäuschung über Lassalles un-
       selige Illusion  eines sozialistischen  Eingreifens einer preußi-
       schen Regierung  kommen wird, ist über allen Zweifel erhaben. Die
       Logik der  Dinge wird  sprechen. Aber die  E h r e  der Arbeiter-
       partei erheischt,  daß sie  solche Trugbilder zurückweist, selbst
       bevor deren Hohlheit an der Erfahrung geplatzt ist. Die Arbeiter-
       klasse ist revolutionär oder sie ist nichts."
       Marx und Engels bemühten sich, im Allgemeinen Deutschen Arbeiter-
       verein eine revolutionäre Politik gegenüber dem preußischen Mili-
       tärstaat durchzusetzen. Als im Dezember 1864 J.B. von Schweitzer,
       einer der  einstigen Vertrauten Lassalles, in Berlin den "Social-
       Demokrat" gründete  und Liebknecht in die Redaktion aufnahm, sag-
       ten Marx  und Engels ihre Mitarbeit zu. Sie sahen darin eine Mög-
       lichkeit, die  ideologischen, politischen  und  organisatorischen
       Prinzipien einer revolutionären proletarischen Partei in Deutsch-
       land zu popularisieren und den Allgemeinen Deutschen Arbeiterver-
       ein zum Anschluß an die Internationale Arbeiterassoziation zu be-
       wegen. Sie  forderten Schweitzer wiederholt zu einer konsequenten
       Politik gegenüber  Bismarck auf. Als sich Schweitzer jedoch immer
       mehr als  ein Parteigänger Bismarcks erwies, brachen Marx und En-
       gels in  aller Öffentlichkeit  mit dem  "Social-Demokrat". (Siehe
       vorl. Band, S. 52-54, 59 und 444-446.)
       Doch auch jetzt gab Marx seine Hoffnung nicht auf, im Allgemeinen
       Deutschen Arbeiterverein eine Politik durchzusetzen, die sich ge-
       gen den Hauptfeind der deutschen Arbeiterklasse - den preußischen
       Militärstaat -  richtete. Als Engels seine Broschüre "Die preußi-
       sche Militärfrage  und die  deutsche Arbeiterpartei"  schrieb, in
       der er  die Taktik  erläuterte, die das deutsche Proletariat ein-
       schlagen mußte,  um Deutschland  auf  revolutionär-demokratischem
       Wege zu einigen, unterstützte ihn Marx dabei. Anfang Februar 1865
       war Engels'  Arbeit beendet. In der Broschüre, deren Plan und In-
       halt Marx  und Engels bis ins Detail in ihren Briefen erörterten,
       untersuchte Engels  die preußischen Militärreformpläne. Die preu-
       ßischen Junker  wollten mit  der Reform ihrer Armee die Blut- und
       Eisen-Politik zur Einigung Deutschlands unter der Hegemonie Preu-
       ßens einleiten.  Engels verband mit seiner Untersuchung der Mili-
       tärreformpläne eine  Analyse der Klassenkräfte in Deutschland und
       entwickelte die  Konzeption der Arbeiterklasse zur Lösung der na-
       tionalen Frage. Das Proletariat brauchte für den
       
       #XX# Vorwort
       -----
       Kampf um  die Errichtung  seiner eigenen Macht, aber auch bereits
       für die  Lösung seiner  Aufgaben in der demokratischen Revolution
       eine politisch  und organisatorisch  selbständige Partei. Die Ar-
       beiterklasse mußte  im Interesse  ihrer eigenen  Zukunft, die mit
       den nationalen  Interessen des  Volkes übereinstimmte,  ein enges
       Bündnis mit den Bauern, dem Kleinbürgertum und den demokratischen
       Kräften der  Bourgeoisie eingehen  und selbst  dann aktiv für die
       bürgerlich-demokratische Revolution kämpfen, wenn die Bourgeoisie
       sich mit  den Junkern einigte und ihrer Führungsaufgabe in dieser
       Revolution untreu  würde. Hierbei entwickelte Engels Elemente der
       Lehre von  der Hegemonie des Proletariats in der bürgerlich-demo-
       kratischen Revolution. Nachdrücklich hob er die Notwendigkeit des
       Kampfes um  demokratische Rechte  und Freiheiten  hervor.  Engels
       setzte sich  eingehend mit  den opportunistischen und sektiereri-
       schen Doktrinen  des Lassalleanismus  auseinander.  Engels'  Bro-
       schüre übte  auf die deutsche Arbeiterbewegung, auf die sich for-
       mierende Opposition im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein sowie
       auf die  Herausbildung der späteren Eisenacher Partei nachhaltige
       Wirkung aus.
       Marx und Engels standen in enger Verbindung mit den deutschen Ar-
       beitern und  unterstützten Wilhelm  Liebknecht und  August  Bebel
       ständig in ihrem Kampf für einen konsequent revolutionär-demokra-
       tischen Weg  zur Einigung Deutschlands und für die Formierung ei-
       ner revolutionären proletarischen Massenpartei. Die Opposition im
       Allgemeinen Deutschen  Arbeiterverein, die  auf der Grundlage des
       Widerspruchs zwischen  den Erfordernissen  des Klassenkampfes und
       den Doktrinen  Lassalles entstanden war, entwickelte sich vor al-
       lem auch durch den wachsenden Einfluß des Marxismus auf ihre füh-
       renden Köpfe.
       Liebknecht war  Marx' engster Vertrauensmann in Deutschland. Marx
       wiederum unterrichtete Liebknecht über die Entwicklung in der In-
       ternationalen Arbeiterassoziation und schickte ihm die Veröffent-
       lichungen des  Generalrats. Da ihre Briefe wiederholt von der Po-
       lizei geöffnet  oder unterschlagen wurden, schrieb Marx unter dem
       Decknamen A.  Williams und  Liebknecht zeichnete  mit J.  Miller.
       Wilhelm  Liebknecht  traf  kaum  eine  für  die  Arbeiterbewegung
       wichtige Entscheidung,  ohne sich vorher mit Marx darüber beraten
       zu haben.  Unter den  in  Deutschland  wirkenden  Arbeiterführern
       leistete  Liebknecht   in  jenen   Jahren  das   meiste  für  die
       Verbreitung des  Marxismus, wenngleich  er mitunter  von Marx und
       Engels  wegen  bestimmter  taktischer  Fehler  kritisiert  werden
       mußte. Marx und Engels hatten auch zahlreiche andere zuverlässige
       Freunde in  Deutschland. Sie  standen in  engem Briefwechsel  mit
       Carl Klings in Solingen, Carl Siebel in Barmen,
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       Paul Stumpf in Mainz, Ludwig Kugelmann in Hannover und vielen an-
       deren Gesinnungsfreunden,  die dazu beitrugen, daß in Deutschland
       die ersten Sektionen der Internationale entstanden.
       Nachdem es  sich als  unmöglich erwiesen  hatte, den  Allgemeinen
       Deutschen Arbeiterverein  als Ganzes an die Internationale heran-
       zuführen, konzentrierte  sich Marx  in Deutschland auf die Gewin-
       nung von  Einzel- mitgliedern  und die  Bildung von Sektionen der
       Internationale.. Mitglieder der Internationale waren nicht nur in
       den Gemeinden  des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, sondern
       auch in  den unter  bürgerlichem Einfluß  stehenden  Arbeiterbil-
       dungsvereinen sowie  in den gewerkschaftlichen Organisationen tä-
       tig. Sie  traten sowohl  gegen die  Politik der  lassalleanischen
       Führer als  auch gegen  die Bevormundung der Arbeiterbildungsver-
       eine durch  die Liberalen  auf. Dadurch wirkten die Sektionen der
       Internationale als  Ferment im  politisch-ideologischen Klärungs-
       prozeß unter  den deutschen Arbeitern. Sie spielten eine wichtige
       Rolle bei der Verbreitung der Ideen des wissenschaftlichen Kommu-
       nismus in der deutschen Arbeiterbewegung und bei der Vorbereitung
       einer revolutionären  proletarischen Partei,  wie sie  1869 unter
       der Führung  von August  Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach
       gegründet wurde.
       Viel Energie  mußte Marx  in  den  Auseinandersetzungen  mit  den
       Proudhonisten aufwenden.  Proudhon hatte  eine  kleinbürgerliche,
       den Interessen des Proletariats feindliche Theorie entwickelt. Er
       stand der  industriellen Revolution  ablehnend gegenüber. Für ihn
       waren alle  ökonomischen Kategorien  des Kapitalismus  "ewige Ge-
       setze... und  nicht historische  Gesetze, die  nur für  eine  be-
       stimmte historische  Entwicklung, für  eine bestimmte Entwicklung
       der Produktivkräfte gelten". (Marx an P. Annenkow vom 28.Dezember
       1846, Band  27 unserer  Ausgabe, S. 457.) Proudhon erkannte nicht
       den historischen  und vorübergehenden  Charakter der Produktions-
       verhältnisse. Er wollte nicht den Kapitalismus und seine Grundla-
       gen beseitigen, sondern ihn nur von seinen Auswüchsen säubern. Er
       wollte als  Ideologe des  Kleinbürgertums die  Gesellschaft durch
       Reformen zur einfachen Warenproduktion zurückführen. Proudhon be-
       griff nicht  die historische Rolle des Proletariats, war ein Geg-
       ner des  proletarischen Streikkampfes  und lehnte den politischen
       Kampf überhaupt  als für das Proletariat schädlich ab. Demzufolge
       waren Proudhon  und die Vertreter seiner Lehre, die Proudhomsten,
       der Auffassung,  daß die Arbeiterklasse in keiner Weise etwas mit
       der nationalen  Frage zu tun habe. Die proudhonistischen Anschau-
       ungen hatten  in der  französischen, belgischen und zum Teil auch
       in der Schweizer Arbeiterbewegung noch bedeutenden Einfluß.
       
       #XXII# Vorwort
       -----
       Am 20.  Juni 1866  schilderte Marx seinem Freund Engels eine Dis-
       kussion im  Generalrat über  den Krieg,  in deren Verlauf mehrere
       französische  Mitglieder,  darunter  auch  Paul  Lafargue,  einen
       proudhonistischen Standpunkt  vertraten und Nationen und alle Na-
       tionalität "des  préjugés surannés"  genannt hatten.  Marx erläu-
       terte am  Schluß seines  Briefes, wie  er die  Verfechter  dieser
       schädlichen Ansicht zurechtgewiesen hatte.
       Als konsequente  proletarische Internationalisten  maßen Marx und
       Engels der nationalen Befreiungsbewegung der unterdrückten Völker
       für die  revolutionäre Umgestaltung  Europas große Bedeutung bei.
       Ihr besonderes  Interesse galt dem nationalen Befreiungskampf des
       polnischen Volkes.  Marx und Engels stellten fest, daß die natio-
       nale Befreiungsbewegung  in Polen ein Bestandteil des Kampfes für
       die demokratische  Umgestaltung Europas  ist, weil ein unabhängi-
       ges, demokratisches Polen ein zuverlässiger Verbündeter der revo-
       lutionären Demokratie  im Kampf gegen den russischen Zarismus und
       die anderen  reaktionären Kräfte in Europa sein würde. Die Forde-
       rung nach  Wiederherstellung eines  demokratischen,  unabhängigen
       Polens gab den Arbeitern in jedem Land die Möglichkeit, die reak-
       tionäre Außenpolitik  ihrer Regierungen zu entlarven. Die Wieder-
       herstellung eines  unabhängigen, demokratischen  Polens war  eine
       der Losungen,  unter der die Aktionseinheit der verschiedenen Ab-
       teilungen des Proletariats in der Internationale hergestellt wer-
       den konnte.
       Der Briefwechsel  zwischen Marx  und Engels läßt erkennen, daß es
       ihnen zu  verdanken ist,  wenn der  Zentralrat in  der polnischen
       Frage eine  konsequent internationalistische Haltung einnahm. Der
       Generalrat unterstützte von Anfang an den revolutionär-demokrati-
       schen Flügel  der nationalen Befreiungsbewegung in Polen und ent-
       hüllte die  verräterische Rolle  des "gemäßigten" bürgerlich-ari-
       stokratischen Flügels,  der die  Interessen des polnischen Volkes
       verriet.
       Marx und  Engels untersuchten eingehend die Ursachen für die Nie-
       derlage des  polnischen Aufstands  von 1863/1864. In seinem Brief
       an Engels vom 1. Februar 1865 stellte Marx erneut fest, "daß eine
       Restauration Polens  ohne Bauernerhebung  unmöglich  sei"  (siehe
       vorl. Band,  S. 50).  Und am  24. November 1864 schrieb Engels an
       Joseph Weydemeyer,  eine weitere  Ursache für  die Niederlage des
       polnischen Aufstands seien die Handlangerdienste der herrschenden
       Klassen Preußens  und Frankreichs, die diese dem reaktionären Za-
       rismus bei  der  blutigen  Niederwerfung  des  polnischen  Volkes
       geleistet hatten.
       Auf öffentlichen Meetings bekundete der Generalrat der polnischen
       nationalen-Befreiungsbewegung seine  Sympathie und Unterstützung.
       Marx
       
       #XXIII# Vorwort
       -----
       wirkte bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Veranstaltun-
       gen aktiv mit (vgl. z.B. Marx" Brief an Engels vom 4. März und an
       Hermann Jung  vom 13.April 1865 u.a.). Er informierte Engels auch
       über andere  Maßnahmen des  Generalrats zur Verteidigung des pol-
       nischen Unabhängigkeitskampfes.  Auf Marx'  Bitte schrieb  Engels
       die Artikelreihe  "Was hat die Arbeiterklasse mit Polen zu tun?",
       die den  proletarischen Standpunkt  zur nationalen  Frage begrün-
       dete. (Siehe  Band 16  unserer Ausgabe,  S. 153-163.) Marx zollte
       dieser Arbeit  hohe Anerkennung  und teilte  Engels mit,  daß sie
       Aufsehen erregt  habe und  die Polen  auf die Fortsetzung warten.
       (Vgl. Marx' Brief an Engels vom 17. Mai 1866.)
       Marx richtete  in diesen Jahren sein Augenmerk unablässig auf die
       Entwicklung der  Arbeiterbewegung in  den verschiedenen  europäi-
       schen Ländern,  darunter auch in der Schweiz, in Belgien und Spa-
       nien. Im  vorliegenden Band  gibt es  eine Reihe von Briefen, die
       zeigen, wie  sehr Marx um die Gründung von Sektionen der Interna-
       tionalen Arbeiterassoziation  in diesen Ländern bemüht war. (Vgl.
       z.B. Marx'  Briefe an  Leon Fontaine  vom 15.  April und 25. Juli
       1865.) Aber auch die Lage in den USA beobachteten Marx und Engels
       aufmerksam und  begrüßten mit  Genugtuung jeden  neuen Erfolg der
       amerikanischen Arbeiter.  Marx nutzte  z.B. seine Verbindungen zu
       den nach  Amerika emigrierten  Kampfgefährten Joseph  Weydemeyer,
       Sigfrid Meyer  u.a., um  diese bei der Bildung von Sektionen tat-
       kräftig zu  unterstützen. So äußerte sich Marx im Oktober 1866 in
       einem Brief  an Ludwig Kugelmann sehr anerkennend über den Arbei-
       terkongreß in  Baltimore: "Organisation zum Kampf gegen das Kapi-
       tal war  hier das  Losungswort, und  merkwürdigerweise wurden die
       meisten von mir für Genf aufgestellten Forderungen dort ebenfalls
       von dem  richtigen Instinkt  der  Arbeiter  aufgestellt."  (Siehe
       vorl. Band, S. 530.)
       Zu dieser  Zeit war der Amerikanische Bürgerkrieg in seine letzte
       Etappe getreten.  Ebenso wie in den vorhergehenden Jahren schenk-
       ten Marx  und Engels diesem Ereignis große Aufmerksamkeit. Engels
       verfolgte gespannt  die Kriegshandlungen  und kam  zu dem Schluß,
       daß die  wirtschaftliche und  moralisch-politische  Überlegenheit
       des Nordens  unvermeidlich zur  Niederlage und  Kapitulation  des
       sklavenhaltenden Südens  führen werde. (Vgl. Engels an Marx am 7.
       Februar, 3.  März, 16.  April und 3. Mai 1865.) Beide Freunde er-
       kannten, daß  der Amerikanische Bürgerkrieg auf die internationa-
       len Beziehungen und die Entwicklung der demokratischen und Arbei-
       terbewegung revolutionierenden  Einfluß ausübte.  Sie sahen  aber
       auch die  Grenzen der  bürgerlichen Demokratie in den Nordstaaten
       sowie die antidemokratischen, konterrevolutionären Tendenzen, die
       während und
       
       #XXIV# Vorwort
       -----
       nach dem  Kriege bei  den herrschenden Kreisen des Nordens zutage
       traten. Marx  und Engels  tauschten regelmäßig  ihre Gedanken aus
       über die Aspekte der Entwicklung in den USA nach dem Bürgerkrieg.
       Treffend charakterisierte  Marx in seinem Brief an Engels vom 24.
       Juni 1865  die Politik  des Präsidenten  Johnson, des Nachfolgers
       von Lincoln.  Diese Politik  widerspiegelte das Streben der Groß-
       bourgeoisie des Nordens nach einem Kompromiß mit den Plantagenbe-
       sitzern des  Südens und  bedrohte daher viele während des Krieges
       erkämpfte demokratische  Errungenschaften des amerikanischen Vol-
       kes. Johnson erließ für die aufständischen Südstaatler eine teil-
       weise Amnestie  und leistete  dadurch einem zügellosen Terror und
       der Rassendiskriminierung  gegenüber den  "befreiten" Negern  der
       Südstaaten Vorschub.  Engels teilte Marx ebenfalls seine Bedenken
       gegen eine  solche Politik  mit: "Die Politik des Mr. Johnson ge-
       fällt mir auch immer schlechter. Der Niggerhaß tritt immer hefti-
       ger hervor,  und gegen die alten Lords im Süden gibt er sich alle
       Macht aus den Händen." (Siehe vorl. Band, S. 128.)
       Schließlich war  der amerikanische  Kongreß unter  dem Druck  der
       Massen und  auf Drängen  des linken  Flügels der Republikanischen
       Partei gezwungen,  gegen den  Willen Johnsons  den  Kriegszustand
       über die Südstaaten zu verhängen und Maßnahmen gegen die ehemali-
       gen Sklavenhalter  zu ergreifen ("Rekonstruktion des Südens"). Im
       Zusammenhang mit  der Wahlniederlage  von Johnson  im Herbst 1866
       stellte Marx  in einem  Brief an François Lafargue fest: "Die Ar-
       beiter des  Nordens haben  endlich sehr gut begriffen: die Arbeit
       in weißer  Haut kann  sich nicht  dort emanzipieren,  wo  sie  in
       schwarzer Haut gebrandmarkt wird." (Siehe vorl. Band, S. 536.)
       Im Briefwechsel  nehmen die  Probleme der internationalen Politik
       einen breiten  Raum ein. Schon bei der Gründung der Internationa-
       len Arbeiterassoziation hatten Marx und Engels darauf hingewirkt,
       daß diese  proletarische Klassenorganisation ihre eigene Linie in
       der Außenpolitik vertreten, ihre selbständige, gegen die Interes-
       sen der  herrschenden  Ausbeuterklassen  gerichtete  Außenpolitik
       entwickeln und  durchsetzen muß. Am 25. Februar 1865 schrieb Marx
       an Engels über seine Polemik mit den bürgerlichen Radikalen, "daß
       die Working  Class its own Foreign Policy habe, die sich durchaus
       nicht danach  kehre, was  die Middle  Class für opportune halte".
       Marx und Engels lehrten, daß das Proletariat im Interesse der ei-
       genen und  somit auch der anderen Völker jeden Kampf um nationale
       Unabhängigkeit und  demokratischen Fortschritt  unterstützen muß.
       Es müsse deshalb gegen Eroberungskriege ebenso konsequent auftre-
       ten, wie  es den  bewaffneten Kampf zur Abschüttelung oder Abwehr
       eines fremden  Jochs unterstützen muß. Dabei wiesen sie nach, daß
       der Kampf des Proletariats um
       
       #XXV# Vorwort
       -----
       seine ökonomische  und politische  Befreiung mit  dem  Kampf  für
       Frieden und Demokratie untrennbar verbunden ist.
       Bei der  Festlegung der Aufgaben des Proletariats gingen Marx und
       Engels stets  vom realen  Verhältnis der  Klassenkräfte aus.  Als
       1866 im  Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland der Preußisch-
       Österreichische Krieg  ausbrach, standen  Marx und Engels vor der
       Aufgabe, den  Standpunkt der  Internationalen Arbeiterassoziation
       zu diesem Ereignis zu bestimmen. Da es ein Krieg für dynastische,
       volksfeindliche Ziele  war, kam Marx zu dem Ergebnis, daß die Ar-
       beiter sich neutral verhalten, sich untereinander verbinden soll-
       ten, um durch ihre Einigung zu einer solchen Kraft zu werden, die
       imstande ist,  die politische  und soziale Befreiung zu erringen.
       Marx vertrat  den Standpunkt,  daß man bei diesem Krieg "jede De-
       monstration verhindern  muß, die unsre Gesellschaft in einer ein-
       seitigen Richtung  involvieren würde" (siehe vorl. Band, S. 229).
       Damit lenkte  Marx die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf die Festi-
       gung ihrer  Klassenorganisation, um  dem Proletariat die Möglich-
       keit zu  geben, realen Einfluß auf die lebenswichtigen Fragen von
       Krieg und Frieden zu nehmen.
       Marx und  Engels bewiesen  durch Wort und Tat - das kommt auch in
       vielen ihrer Briefe zum Ausdruck -, daß die Internationale Arbei-
       terassoziation der  konsequenteste Kämpfer gegen Eroberungskriege
       war. Während sie die diplomatischen Machenschaften der herrschen-
       den Klassen  schonungslos enthüllten,  waren sie gleichzeitig be-
       reit, mit den fortschrittlichen bürgerlichen Kräften im Kampf für
       den Frieden  zusammenzuarbeiten, auch wenn deren Bestrebungen auf
       kleinbürgerlichen Illusionen  beruhten und  oft bloß deklamatori-
       schen Charakter  trugen. Dabei  betonten Marx  und Engels  jedoch
       nachdrücklich, daß  die politische und organisatorische Selbstän-
       digkeit der Arbeiterbewegung stets gewahrt bleiben muß.
       Die Korrespondenz der beiden großen Gelehrten gibt ein eindrucks-
       volles Bild  von der  Vielseitigkeit ihrer wissenschaftlichen In-
       teressen. Eingehend  beschäftigten sie  sich mit  der Entwicklung
       der Naturwissenschaften,  der Biologie, Agrochemie, Geologie, der
       Medizin, Physik, Astronomie und Mathematik. Sie befaßten sich mit
       der Geschichte  und Ökonomie der verschiedenen Länder Europas und
       Amerikas, mit  Ethnologie und Philosophie, tauschten ihre Ansich-
       ten zu  aktuellen wissenschaftlichen  Fragen aus und diskutierten
       über neue  Hypothesen, Entdeckungen und Neuerscheinungen der ver-
       schiedenen Wissenschaftszweige.  Die im  vorliegenden Band veröf-
       fentlichten Briefe  widerlegen die  immer wieder erhobene Behaup-
       tung bürgerlicher Historiker, Marx und Engels hätten in den sech-
       ziger Jahren auf die Entwicklung der Arbeiterbewegung und auf die
       Klärung von Grundfragen
       
       #XXVI# Vorwort
       -----
       des proletarischen  Klassenkampfes in  Deutschland keinerlei oder
       zumindest keinen  nennenswerten Einfluß ausgeübt. Und schließlich
       führen die  Briefe von  Marx und Engels dem Leser erneut die Ent-
       stehungsgeschichte einiger  ihrer Werke vor Augen, sie zeigen die
       Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus als unbeugsame Revo-
       lutionäre, große  Denker und als Menschen, denen nichts Menschli-
       ches fremd  war. Sie  zeugen von  der festen  Freundschaft dieser
       beiden Führer des internationalen Proletariats.
       
                                    *
       
       Unserem Vorwort  diente als Grundlage das Vorwort zum Band 31 der
       zweiten russischen Ausgabe.
       Die Herausgeber  waren in  der Lage,  anhand der  Photokopien der
       Handschriften die  in früheren Ausgaben gedruckten Texte zu über-
       prüfen. Diese  Arbeit war besonders bei dem Briefwechsel zwischen
       Marx und  Engels erschwert,  in dem eine fremde Hand, wahrschein-
       lich die Eduard Bernsteins, viele Wörter, Satzteile, ganze Passa-
       gen und Absätze durchgestrichen und in vielen Fällen "korrigiert"
       hatte. Ende  der zwanziger Jahre haben die mit der Herausgabe des
       Marx-Engels-Briefwechsels betrauten  Mitarbeiter des Marx-Engels-
       Instituts in Moskau bereits die Urfassungen der Briefe wiederher-
       gestellt und  in den ersten vier Bänden der dritten Abteilung der
       Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) ungekürzt veröffentlicht. In den
       seither vergangenen  Jahrzehnten sind jedoch des öfteren Hinweise
       auf dubiose Textstellen erfolgt, die es den heutigen Herausgebern
       zur Pflicht  machten, auch die bisher veröffentlichten Texte noch
       einmal gründlich zu überprüfen. Das Ergebnis dieser Arbeit führte
       zur Verifizierung einiger Textstellen. So waren zum Beispiel Wör-
       ter zu korrigieren wie: "Armeereorganisation" statt "Armeeorgani-
       sation" (S.  45),  "Beobachter"  statt  "Botschafter"  (S.  135),
       "Schulgeld"  statt   "Schuldgeld"  (S.   216),  "Erbfolge"  statt
       "Erfolge" (S.  209), "Monate"  statt "Wochen"  (S.  298),  "einen
       Schaden" statt  "keinen Schaden"  (S. 15), "neuen" statt "reinen"
       (S. 318),  "gesehen" statt "gelesen" (S. 113), "bevorstehn" statt
       "bestehn" (S.  10) u.a.m.  Bisher fehlende,  in den Handschriften
       jedoch vorhandene  Wörter konnten  eingefügt bzw.  in ihnen nicht
       enthaltene Wörter gestrichen werden.
       Die von  Marx und Engels angeführten Zitate sind - soweit Quellen
       zur Verfügung  standen -  überprüft worden. Fremdsprachige Zitate
       und fremdsprachige  Sätze, Satzteile oder Wörter sind in Fußnoten
       übersetzt.
       Rechtschreibung und Zeichensetzung sind - soweit vertretbar - mo-
       dernisiert. Der  Lautstand und  die Silbenzahl  der Wörter in den
       deutschsprachigen Texten  wurden nicht verändert. Allgemein übli-
       che Abkürzungen  wurden beibehalten.  Alle anderen  in der  Hand-
       schrift abgekürzten Wörter sind ausgeschrieben, wobei immer dann,
       wenn das  abgekürzte Wort  nicht völlig eindeutig ist, die vorge-
       nommene Ergänzung  durch eckige  Klammern kenntlich gemacht wird.
       Abgekürzte Personennamen  und Titel von Zeitungen und Zeitschrif-
       ten werden  stets in  eckigen Klammern  gebracht. Alle Wörter und
       Wortteile in  eckigen Klammern  stammen von der Redaktion. Offen-
       sichtliche Schreib- und Druckfehler wurden stillschweigend korri-
       giert; in  Zweifelsfällen wird  in Fußnoten  die Schreibweise der
       Handschrift angeführt.
       Die vollständig  in fremden Sprachen abgefaßten Briefe wurden ins
       Deutsche übersetzt,  wobei bereits  vorhandene Übersetzungen  Be-
       rücksichtigung fanden. Alle eingestreuten Wörter anderer Sprachen
       blieben jedoch in der Originalfassung. Sie werden in Fußnoten er-
       klärt.
       Zusätze von  dritten Personen zu Briefen von Marx und Engels wer-
       den in  kleinerem Druck  gebracht.  Pseudonyme  sowie  Deck-  und
       Spitznamen sind  entweder durch  Fußnoten oder  durch Verweise im
       Personenverzeichnis erklärt.
       Zur Erläuterung ist der Band mit Anmerkungen versehen, auf die im
       Text durch  hochgestellte Zahlen  in eckigen Klammern hingewiesen
       wird. In  einer Reihe von Anmerkungen wurden - soweit es zum Ver-
       ständnis der  Briefe erforderlich ist - erstmals auch Auszüge aus
       Briefen Dritter  an Marx  und Engels wiedergegeben. Der Band ent-
       hält ferner  ein Literatur- und ein Personenverzeichnis, ein Ver-
       zeichnis der  literarischen und  mythologischen Namen  sowie eine
       Aufstellung der Briefe, deren Datierung gegenüber früheren Ausga-
       ben verändert wurde.
       Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED

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