Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895


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       #112# 61 - Engels an Hermann Engels - 16. August 1893
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       61
       
       Engels an Hermann Engels
       in Thusis (Graubünden)
       
       Hottingen-Zürich, Merkurstraße 6
       16. Aug. 93
       Lieber Hermann,
       Seit gestern bei Anna Beust eingezogen, komme ich endlich so weit
       aus dem Trubel heraus, daß ich Dir schreiben kann. [90] Ich hatte
       eine ganz  nette Fahrt,  erst staubte  es recht  erfreulich, dann
       regnete es  grade genug,  um den Staub in den Kleidern festzuset-
       zen. In  Zürich brachte  man mich ins Hotel Baur en ville, wo ich
       sehr gut untergebracht, aber nie zu Hause war, dann endlich Sams-
       tag abend  war das Schwerste überstanden, und es entwickelte sich
       allmählich eine  maßvolle Kneiperei  (das Maßvoll  nicht in  zwei
       Worten:   M a ß  v o l l  zu lesen, es gab nur  h a l b e  Liter)
       in Anknüpfung an Wasserpartien auf dem See. Der Elsbeth 1*) sage,
       daß die  Leute hier auch schon entdeckt haben, was für ein Talent
       zum Brummen  ich habe. Bebel schrieb neulich auf einer Postkarte,
       ich hätte  den ganzen  Abend nichts  getan als  vor Vergnügen ge-
       knurrt.
       Zürich hat  sich sehr herausgemacht und übertrifft selbst Barmen.
       Dort war früher jedes dritte Haus "Wirtschaft"; hier aber sind in
       je zwei  Häusern drei  Wirtschaften. Beusts  wohnen sehr nett mit
       wunderbarer Aussicht von einem Riesenbalkon, worauf man Bälle ge-
       ben könnte.  Anna Beust  hat sich  famos gehalten,  ist eine  der
       schönsten alten  Frauen, die  es gibt,  dabei lebhaft und witzig,
       gescheit, energisch,  resolut, es  ist ein  Vergnügen, bei ihr zu
       sein. Ihr Sohn Fritz führt die Schule, der andre, Adolf, hat eine
       recht gute  medizinische Praxis,  beide haben nette Frauen und je
       zwei lebhafte  lärmende Jungens.  Adolf wohnt im Hause, Fritz hat
       sich ein Haus dicht nebenan gebaut.
       Nächste Woche  werde ich  wohl mit  Bebel etwas  ins Gebirg gehn,
       doch komme  ich in  ca. 8 Tagen wieder, gegen den 3.- 4.-5. Sept.
       reisen wir dann nach München und Wien.
       Auf dem  Kongreß [120]  waren drei bis vier Russinnen mit wunder-
       schönen Augen, ungefähr wie Deine Schwägerin Berta 2*) sie hatte,
       als ich sie
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       1*) Elsbeth Engels - 2*) Berta Croon
       
       #113# 61 - Engels an Hermann Engels - 16. August 1893
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       in Altenahr  vor Jahren sah. Aber mein eigentliches Schatzerl war
       doch ein  allerliebstes Wiener Fabrikmädel 3*), reizend von Ange-
       sicht und  liebenswürdig von  Manieren, wie  man's selten findet.
       Ich werde  es dem  Bismarck nie  verzeihen, daß er Österreich aus
       Deutschland ausgeschlossen hat, schon der Wienerinnen wegen.
       Hotel Bellevue,  höre ich  hier, soll keins der besten sein. Hof-
       fentlich habt  Ihr's doch  gut getroffen.  Laß mich  mal  wissen,
       wie's Euch  gegangen ist. Mit herzlichen Grüßen an Emma 4*), Els-
       beth, Walter  5*) und  Dich selbst,  Dein altes  "Unkraut vergeht
       nicht".
       Friedrich
       
       Ihr könntet  übrigens Anna  Beust auch  mal besuchen, seit Jahren
       sieht und hört sie nichts von Euch.
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       3*) Adelheid Dworak - 4*) Emma Engels - 5*) Walter Engels

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