Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895
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#146# 74 - Engels an Laura Lafargue - 14. Oktober 1893
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74
Engels an Laura Lafargue
in Le Perreux
London, 14. Okt. 1893
Mein liebes Löhr,
Ich habe 3 Exemplare der französischen Ausgabe "Origine de la fa-
mille" usw. erhalten. Zu meiner Überraschung sind die Worte
"entièrement revue par Mme Laura Lafargue" 1*), die auf dem Ti-
telblatt des Probebogens standen, jetzt nicht mehr vorhanden.
[194] Ist dies, wie ich vermute, ein kleiner Verrat von Ravé?
Wenn ja, werde ich protestieren.
Voilà 2*) Fortin aus Beauvais, der mir mitteilt, daß er folgendes
zu übersetzen beabsichtigt:
1. Die "Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie" in den "Deutsch-
Franz[ösischen] Jahrbüchern" (von Mohr, 1844);
2. die 3 Kapitel "Gewaltstheorie" aus meinem "Anti-Dühring".
[195]
Ich habe absolut keine Zeit, seine Arbeit durchzusehen - und Nr.
1 ist außerordentlich schwierig. Aber vielleicht könntest Du, an-
statt Fortins Arbeiten durchzusehen (die Du aus Erfahrung
kennst), das Ganze lieber selber machen. Was Nr. 1 betrifft, so
halte ich ihn für völlig ungeeignet, Mohrs epigrammatischen Stil
wiederzugeben. Das könntest nur Du.
Er will sie in der "+re nouvelle" veröffentlichen.
Was soll ich ihm Deiner Meinung nach antworten?
Brillanter Sieg in Österreich. 3*) Taaffe schlägt ein Wahlgesetz
vor [180], das ebensoviel bedeutet wie das allgemeine Stimmrecht,
wenigstens in den Städten und Industriebezirken, sagt Adler.
Taaffes Politik soll die Macht der Deutschliberalen Partei (die
die deutsche und die jüdische Bourgeoisie vertritt) brechen und
wahrscheinlich auch die bürgerlichen Liberalen durch so viele So-
zialisten ersetzen, wie notwendig wären, um die anderen Parteien
enger zusammenzuschließen und ihm so eine wirksame Mehrheit zu
verschaffen. Das Abgeordnetenhaus in Österreich besteht aus 85
Vertretern der Großgrundbesitzer, 21 der Handelskammern (diese
106 werden von
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1*) "vollständig durchgesehen von Mme Laura Lafargue" - 2*) Da
ist - 3*) siehe auch vorl. Band, S. 137 und 140/141
#147# 74 - Engels an Laura Lafargue - 14. Oktober 1893
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dem neuen Gesetz nicht berührt), 97 aus den Städten und 150 aus
den Landbezirken (in beiden wird nach dem neuen Gesetz gewählt
werden).
Vorläufig werden die Landbezirke etwa die gleiche Zahl von katho-
lischen und konservativen Vertretern entsenden wie bisher, und
der Ausschluß von Analphabeten wird hier das Stimmrecht beträcht-
lich einschränken; aber in den Industriezentren des Westens und
Nordens (Vorarlberg, das eigentliche Österreich, Böhmen, Mähren,
vielleicht auch die Steiermark) wird das neue Wahlgesetz prak-
tisch sehr nahe an das allgemeine Wahlrecht herankommen. Die bür-
gerlichen Zeitungen rechnen darauf, daß die Wählerzahl 5 200 000
statt wie bisher 1 770 000 betragen wird, und die Zahl der sozia-
listischen Sitze wird auf 20 bis 60 geschätzt! Wir brauchten nur
20 bis 24 (das ist die Anzahl der Unterschriften, die notwendig
ist, damit ein Antrag zur Diskussion gestellt wird), und wir wür-
den diese ganze altmodische Versammlung umkrempeln. Es ist eine
vollständige Revolution, unsere Leute in Wien frohlocken, ob-
gleich sie natürlich auf dem v o l l e n allgemeinen Stimm-
recht, auf direkten Wahlen und Abschaffung der 106 privilegierten
Vertreter bestehen.
Herzliche Grüße von Louise.
Immer Dein F. E.
Aus dem Englischen.
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