Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895


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       #168# 83 - Engels an Paul Lafargue -19. November 1893
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       83
       
       Engels an Paul Lafargue
       in Le Perreux
       
       London, den 19. Nov. 93
       Mein lieber Lafargue,
       Liebk[necht] wird Ihnen geschrieben haben, daß man Sie als Korre-
       spondenten für  den "Vorwärts"  und für  das "Hamburger Echo" für
       einen Brief  wöchentlich engagieren  will, den  Sie  im  gleichen
       Wortlaut und  gleichzeitig an  beide Zeitungen  schicken  sollen,
       aber daß  man ihn  deutsch haben möchte und Laura vorschlägt, ihn
       zu übersetzen.
       Hier der  Grund, weshalb  man ihn deutsch haben will, und das ist
       sehr wichtig.  Die beiden Zeitungen könnten  a m  g l e i c h e n
       T a g e  die gleichlautende Korrespondenz veröffentlichen, so daß
       sie für beide ein Originalbeitrag wäre. Wenn die Veröffentlichung
       nicht zur  gleichen Zeit erfolgte, wenn eine der beiden Zeitungen
       sie einen  Tag später  brächte, würde man vermuten, sie hätte den
       Artikel aus  der vorhergehenden Nummer der andern Zeitung nachge-
       druckt wie  so viele verschiedene andere Fakten, die der gleichen
       Nummer entnommen sind.
       Jetzt gäbe  es vielleicht in Hamburg jemanden, der sie - es fragt
       sich nur  wie -  übersetzte, aber  in Berlin!  Dort ist  es durch
       L[ie]bk[necht] zur  Gewohnheit geworden,  daß alle  Übersetzungen
       von Frau L[iebknecht] oder einem seiner Söhne gemacht werden. Das
       Manuskript geht  nach Charlottenburg  in  das  Haus  von  L[ie]b-
       k[necht] und  wer weiß,  wann die  Übersetzung  ins  Zeitungsbüro
       gelangt. Es  würden also  immer Verzögerungen  entstehen und, was
       schlimmer ist, Verzögerungen von unbestimmter Dauer.
       Die Möglichkeit, Ihre Briefe für beide Zeitungen zu verwenden und
       Ihnen entsprechende  Honorare zu  zahlen, hängt also ganz von der
       Übersendung Ihrer  Briefe in  deutscher Sprache  ab. Das wäre für
       Sie außerdem  eine Garantie  gegen die Zensur der Redaktion; Bon-
       nier sagt  mir, daß  L[ie]bk[necht] davon Guesde gegenüber reich-
       lich Gebrauch gemacht, was diesen verstimmt hat! Da die Hamburger
       Redaktion vollkommen  unabhängig ist  und auch nicht weiß, was in
       Berlin geschieht  - und  vice versa  -, werden  Ihre Artikel ohne
       Verstümmelung in  der einen  oder anderen  Zeitung oder,  was  am
       wahrscheinlichsten ist, in allen beiden erscheinen.
       
       #169# 83 - Engels an Paul Lafargue - 19. November 1893
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       Wird Laura  nun bereit  sein, die  Übersetzung zu übernehmen? Ich
       hoffe es,  das würde  Ihnen ermöglichen, die Sache sofort abzuma-
       chen. Ich  bin sicher,  daß sie  mit ein  wenig Praxis  ebensogut
       deutsch schreiben wird wie englisch und französisch.
       Doch gäbe  es andernfalls  nicht eine Möglichkeit, zu einer Über-
       setzung zu  kommen? Gibt es nicht irgend jemanden, der gegen eine
       kleine Beteiligung  an Ihrem Honorar Ihnen diese Arbeit ausführt?
       Sagen wir  10 frs.  je Brief für die Übersetzung und doppelte Ko-
       pie, so  daß Ihnen  40 frs.  je Brief bleiben, und der Übersetzer
       doch einen  gewissen Anreiz hätte. Eventuell Frankel? Aber er ist
       vielleicht selber  Korrespondent des  "Vorwärts" (ich  weiß über-
       haupt nicht, von wem die Pariser Briefe sind, die ich von Zeit zu
       Zeit darin finde). Überlegen Sie es sich jedenfalls und versuchen
       Sie es  einzurichten. Sie  sehen, daß unsere Berliner Freunde ihr
       Möglichstes tun;  versuchen Sie,  ihnen die Sache zu erleichtern,
       und vergessen  Sie nicht,  daß Ihnen  das erlauben  würde, zu 60-
       70 000 Abonnenten zu sprechen, d.h. zu mindestens 250 000 Lesern,
       nicht gerechnet  die Leser  anderer Zeitungen,  die Ihre  Artikel
       diesen beiden wichtigsten Organen entnehmen, die unsere Partei in
       Deutschland besitzt.
       Auf alle Fälle fangen Sie immer schon mit dem "Vorwärts" an, vor-
       behaltlich einer  späteren Regelung  mit dem "Echo" und der Uber-
       setzung. Aber tun Sie alles, um keine Zeit zu verlieren! Und mehr
       noch:  B[ebel]   ebenso  wie   L[iebknecht]  bestehen  auf  einer
       r e g e l m ä ß i g e n   Korrespondenz, die  ihnen die wichtigen
       Tatsachen mit  Ihren Erwägungen dazu und Berichte über die allge-
       meine Situation  liefert. Einen Brief wöchentlich und zum festge-
       setzten, von  Ihnen selbst  gewählten Tage (ich glaube nicht, daß
       man Ihnen den Tag bestimmen wird).
       Grüßen Sie Laura herzlich von mir. Ich erwarte von ihr noch immer
       diamantene und andere Neuigkeiten. [214] Grüße von Louise.
       Freundschaftlichst Ihr F. E.
       
       Aus dem Französischen.

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