Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895
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#250# 131 - Eng. an Georgi Walentinowitsch Plechanow - 22.5.1894
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131
Engels an Georgi Walentinowitsch Plechanow
in Mornex
London, den 22. Mai 94
122, Regent's Park Road, N.W.
Mein lieber Plechanow,
Gestern, kurz nach Abgang meines Briefes an Sie 1*), kamen Bern-
stein und Kautsky zu mir. Das hat mich gezwungen, meine Pläne zu
ändern. Ich habe es daher für richtig gehalten - und ohne Ihre
ausdrückliche Genehmigung abzuwarten -, beiden Ihren Brief vorzu-
lesen, damit sie sich selbst ein Urteil über das Verfahren von
Kritschewski bilden können. Der Eindruck, den dies auf sie ge-
macht hat, entspricht, so nehme ich an, ganz Ihren Wünschen.
Selbst bei ehrlicher Absicht, in den inneren Angelegenheiten und
Streitigkeiten der russischen Emigration Neutralität zu wahren,
ist das Verfahren von Kr[itschewski] bezüglich der Übersetzung
von "Soziales aus Rußland" [283] tatsächlich nicht zu entschuldi-
gen, nachdem er davon benachrichtigt worden war, daß V.
S[assulitsch] die Übersetzung übernommen hat 2*). Übrigens hatten
diese Herren sich der Zustimmung K. K[autskys] für die Überset-
zung seines "Erfurter Programms" versichert; er bildete sich je-
doch ein, daß dies in Rußland gedruckt würde, und hatte nicht die
geringste Ahnung davon, daß es in der Schweiz herauskommen würde.
????????? 3*) ist, so sagte mir K[autsky], das Pseudonym von
Helphand (oder eines ähnlichen Namens), der sich in Stuttgart
aufhält; Sie müssen ihn kennen. Aber da ich von K[autsky] keine
Genehmigung habe, von dieser Mitteilung Gebrauch zu machen, bitte
ich darum, sie als streng vertraulich zu behandeln. Nach dem, was
K[autsky] und B[ernstein] mir sagten, scheint H[elphand] ein an-
ständiger Junge zu sein, der mehr aus Versehen als aus böser Ab-
sicht in die von Jogiches gestellte Falle gegangen ist.
Freundschaftlichst Ihr F. E.
Aus dem Französischen.
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1*) Siehe vorl. Band S. 247 - 2*) siehe vorl. Band, S. 246 -
3*) Ignatjew
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