Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895


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       #407# 213 - Engels an Hermann Engels - 8. Februar 1895
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       213
       
       Engels an Hermann Engels
       in Barmen
       
       London, 8. Febr. 1895
       Lieber Hermann,
       Dein Brief  vom 23.  kam hier  an gleichzeitig  mit  dem  schönen
       Frostwetter, welches  der Versendung von Wein einen argen Streich
       spielt. Nichtsdestoweniger  habe ich  Deinen Sherry in Dublin be-
       stellt, aber  mir vorbehalten,  die Versendungs-Ordre erst zu ge-
       ben, wenn  der Rhein wieder offen und der Wein der Gefahr, unter-
       wegs zu  gefrieren, enthoben ist. Ich habe da auch einen gelinden
       Schrecken ausgestanden,  hatte 5 Kisten = 15 Dutzend Portwein und
       Bordeaux von  Dublin unterwegs und ca. 48 Stunden dem sie überra-
       schenden Frost ausgesetzt. Wie es scheint, ist es aber gut gegan-
       gen, was  ich bis  jetzt davon  probiert, hat nicht gelitten, und
       die Ruhe  in meinem  famosen Weinkeller - gleichmäßige Temperatur
       und Raum  für fast 100 Dutzend in 8 gemauerten Abteilungen - wird
       den Rest tun.
       Wir haben  hier seit  langen Jahren  wieder mal  einen  richtigen
       kontinentalen Winter.  Warm, frühlingswarm  bis Neujahr, daß alle
       Sträucher knospten,  dann kalt  und seit  fast 3 Wochen anhaltend
       starken Frost (8-10° Celsius - 6-8° Reaumur Frost des Nachts) und
       Schnee. Wenn der Nordost weht, bitter kalt, wenn aber wie gestern
       und heute  wenig Wind,  dann wunderschön.  Glücklicherweise haben
       wir immer  soviel Wind,  daß kein Nebel entstehen kann, und dabei
       prachtvollen blauen Himmel.
       Deine Mühseligkeiten  infolge von Essereien, Trinkereien und Tän-
       zereien nebst  Ständchen mit  Ulanenmusik weiß  ich vollkommen zu
       würdigen. [438]  Man nennt das hier the social treadmill, die ge-
       sellschaftliche Tretmühle,  und so  amüsant das  auch manchmal in
       jüngeren Jahren  ist, so fatal wird's einem, wenn man älter wird.
       Ich sträube  mich auch mit Händen und Füßen dagegen, um die Weih-
       nachtszeit kommt  unsereiner aber auch hier nicht ganz daran vor-
       bei.
       Die £ 40 habe ich von Wilhelm Pf. richtig und dankend erhalten.
       Übrigens habe  ich diesmal  die Tretmühle  der  Feiertage  besser
       überstanden als  sonst, weil  ich mich  wirklich in acht genommen
       habe, und  fühle mich grade bei dem heimatlichen Frostwetter bes-
       ser als seit langer Zeit.
       
       #408# 213 - Engels an Hermann Engels - 8. Februar 1895
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       Habe auch  mein neues Studierzimmer auf seine Erwärmungsfähigkeit
       bis aufs  äußerste durchprobieren  können, denn nicht nur ist die
       außerordentliche Kälte  da, sondern obendrein sind die beiden Ne-
       benhäuser beide  leer, also  ungeheizt, und  mein Zimmer stößt an
       beide Scheidemauern  an. Und  doch hab' ich's warm halten können.
       Erst gestern  fror ich ein bißchen, aber wenn die Not am größten,
       ist die  Hülfe am  nächsten, da kam Rudolfs 1*) Schlafrock einge-
       sprungen, und ich sprang sofort in denselbigen.
       Über meine  Hausgenossen 2*)  kannst Du Dich bei Oscar Jaeger er-
       kundigen, der sie beide bei mir getroffen hat, als er das letzte-
       mal bei uns war; Freyberger war damals grade auf Freiersfüßen den
       Abend gekommen.
       Eben habe  ich eine  Deputation des  Kommunalsteuerausschusses im
       Haus gehabt,  die Herren wollen sich überzeugen, daß ich wirklich
       nicht mehr  als £  85 für  das Haus zahle, da der letzte Mieter £
       130 zahlte  und das  Haus für  £ 110 Jahresmiete besteuert wurde,
       wogegen ich  natürlich protestierte. Ich habe den Herren alle Do-
       kumente vorgelegt und werde nun sehn, was sie tun. Da dicht neben
       mir von 8 Häusern 4 leer stehn, werden sie hoffentlich barmherzig
       mit mir verfahren.
       Also 1 1/2  Dtzd. Nr.  1 und  1 1/2 Dtzd. Nr. 2 Sherry laut Probe
       hab' ich bestellt.
       Da Du  weiter nichts schreibst, nehme ich an, daß Walter 3*) sein
       Examen glücklich  bestanden hat  und gratuliere ihm dazu. Und der
       Elsbeth 4*) gratuliere ich noch viel mehr zu ihrer bevorstehenden
       Hochzeit, sie  soll mich  aber auch  den Tag wissen lassen, damit
       wir hier  uns auch  auf ihre  und ihres Bräutigams 5*) Gesundheit
       etwas zugute tun können.
       Also viele  Grüße an  Emma 6*)  und alle Deine Kinder, Schwieger-
       und Kindeskinder.
       Dein alter Friedrich
       
       Den Sherry zahle ich nächsten Mai und belaste ihn unter Aufgabe.
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       1*) Rudolf Engels - 2*) Louise und Ludwig Freyberger - 3*) Walter
       Engels - 4*) Elsbeth Engels - 5*) Arthur Schuchard - 6*) Emma En-
       gels

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