Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895
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#439# 227 - Engels an Pablo Iglesias - 16. März 1895
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Engels an Pablo Iglesias
in Madrid
(Entwurf)
[London, 16. März 1895]
Lieber Freund I[glesias],
Ich konnte nicht früher auf Deinen Brief vom 19. Okt. 94 antwor-
ten, weil ich nicht wußte, ob Du schon aus dem Gefängnis von Ma-
laga entlassen warst oder nicht [465], und auf Deinen Brief vom
1. Febr. nicht, weil ich damit beschäftigt war, für unsere Berli-
ner Freunde einige Publikationen fertigzustellen, die in Umlauf
gebracht werden sollen, bevor die neuen Gesetzentwürfe für wei-
tere Repressalien [355] Gesetzeskraft erlangt haben.
Die Freunde aus Barcelona hatten noch vor Deinem Brief vom 19.
Oktober die Genn. E[leanor] M[arx]-A[veling] beauftragt, die eng-
lischen Trade-Unions über die Lage der Streikenden in Malaga zu
informieren, und sie hatte alles getan, was sie konnte, so daß
mir nichts mehr zu tun blieb. Und wie Du weißt, haben einige die-
ser Trade-Unions Euch geholfen.
Was die wirklich sozialistischen Organisationen in England an-
geht, so sind sie so uneinig und so arm, daß man von ihnen keine
Hilfe erwarten kann.
Mit viel Interesse habe ich den Verlauf dieses Streiks verfolgt
und die Zähigkeit und den Mut dieser Arbeiter und Arbeiterinnen
bewundert. Der Name des Marquis de Larios hat mich an eine Ge-
schichte erinnert, die sich um 1850 zugetragen hat.
Damals gab es in Gibraltar ein Handelshaus Gebrüder Larios
(Juden). Ein englischer Kaufmann schickte ihnen viele seiner Wa-
ren in Konsignation, damit diese sie a l s
S c h m u g g e l w a r e an andere Kaufleute auf spanischem
Territorium verkaufen. Diese Waren wurden stets von den spani-
schen Zollbeamten beschlagnahmt, und die Larios zahlten an den
Engländer den für die Waren garantierten Versicherungswert, wie
das bei solcher Art von Geschäften üblich ist. Aber das behagte
dem Engländer ganz und gar nicht; er verschwand vom spanischen
Markt und verlor den größten Teil des Gewinns. Er fuhr nach Gibr-
altar, um selbst festzustellen, weshalb diese Zufälle immer ge-
rade seine Waren betrafen und nicht die der anderen. Er konnte
jedoch die Ursache nicht finden. Als er eines Tages durch die
Stadt
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spazierte, erblickte er einen Karren, der ein Rad verlor, so daß
einige Kisten mit Waren auf die Erde fielen und zerbrachen. Es
waren seine Kisten, sie trugen sein Firmenzeichen; aber anstatt
Waren enthielten sie Sand. Das Rätsel war gelöst. Es war klar,
die Larios benachrichtigten die spanischen Küstenwachen von der
Absendung der mit Sand gefüllten Kisten, die daraufhin beschlag-
nahmt wurden, und bezahlten dem Engländer die Versicherungssumme;
dann expedierten sie die Waren auf eigene Rechnung und auf siche-
rem Wege an ihre spanischen Mittelsmänner und eigneten sich so
ohne Risiko den ganzen Gewinn am Geschäft an.
Der wütende Engländer eilte zur Firma Larios. "Ich werde das al-
les an die Öffentlichkeit bringen, ich werde Ihnen einen Skandal
machen und Sie vors Gericht schleppen"! - "Mein Herr, warum diese
ganze Aufregung? Wir werden Ihnen so viel zahlen, wie Sie wollen,
und Sie werden jede gewünschte Satisfaktion erhalten." Und nach
vielem Hin und Her wurde dem Engländer eine bestimmte Summe ge-
zahlt und von den Larios' folgende Erklärung unterschrieben:
Wir, die Gebrüder Larios, sind die größten Gauner, die es in die-
ser Stadt Gibraltar gibt, und wir raten allen, mit uns keine Ge-
schäfte zu machen, da sie sicher sein können, betrogen zu werden.
Gibraltar, den .....
Gebrüder Larios
Diese Erklärung wurde in der Börse von Gibraltar an der Stelle
ausgehängt, wo der alte Larios gewöhnlich seinen Platz hatte und
wo er zwanzig Jahre lang weiterhin Käufe und Verkäufe tätigte,
während dieser Zettel über seinem Kopf an der Mauer angeschlagen
war.
Sollte der Marquis aus der Familie dieser Larios von Gibraltar
sein?
Aus dem Spanischen.
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