Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895


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       #466# 242 - Engels an Richard Fischer - 15. April 1895
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       242
       
       Engels an Richard Fischer
       in Berlin
       
       London, 15. April 95
       41, Regent's Park Road, N.W.
       Lieber Fischer,
       Die 400  Mark dankend erhalten, werde sie morgen einwechseln las-
       sen und an die Erben verteilen. [489]
       Es geht also mit den Aufsätzen der alten "Rh[einischen] Ztg." wie
       ich befürchtete  1*): Das Urheberrecht ist verfallen und wir kön-
       nen nur  durch rasches  Handeln unsern Besitzstand retten. Es ist
       also ganz  in der  Ordnung, wenn  Du sofort anzeigen lassest, die
       Artikel würden bei Euch erscheinen, von mir eingeleitet resp. an-
       notiert. Etwa unter dem Titel:
       "Karl Marx'  literarische Erstlinge.  Drei Aufsätze  aus der (er-
       sten) 'Rheinischen  Zeitung' 1842.  I. Der Rheinische Provinzial-
       landtag über  Preßfreiheit. II. Derselbe über das Holzdiebstahls-
       gesetz. III.  Die Lage der Weinbauern an der Mosel. Herausgegeben
       und eingeleitet  von F.  E[ngels]." [485]  Der Titel  gefällt mir
       nicht recht,  wenn möglich,  müßtest Du  Dich an einer bestimmten
       Titelangabe herumdrücken,  bis wir  einen passenden gefunden. Was
       den Moselartikel  [490] angeht,  so bin  ich der Sache soweit si-
       cher, als ich von M[arx] immer gehört, grade durch seine Beschäf-
       tigung mit  dem Holzdiebstahlsgesetz  und mit der Lage der Mosel-
       bauern sei er von der bloßen Politik auf ökonomische Verhältnisse
       verwiesen worden  und so  zum Sozialismus gekommen. Und wir haben
       den Moselartikel  in unsern  Gesprächen immer als von ihm herrüh-
       rend behandelt.  Gelesen habe ich ihn nicht, ich war damals schon
       in England.  Da es aber sehr lange her ist, daß wir darüber spra-
       chen, will ich die Möglichkeit eines Mißverständnisses nicht ganz
       ausschließen, wenn  ich den  Artikel vor  mir habe, kann ich mich
       absolut nicht mehr irren.
       Was nun  Deinen großen  Plan [491]  angeht, so glaube ich, daß Du
       diesen besser ruhen lässest, bis das Schicksal der Umsturzvorlage
       [355] entschieden ist. Eine Bibliothek, die historische Dokumente
       resp. Schriften aus früheren
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       1*) Siehe vorl. Band, S. 459
       
       #467# 242 - Engels an Richard Fischer - 15. April 1895
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       Perioden wieder  auflegt, verträgt  keine Zensur - ganz und wört-
       lich, oder  gar nicht. Und am allerwenigsten könnte ich mich dazu
       verstehn, an  M[arx]'s und  meinen alten  Arbeiten eine wenn auch
       noch so  geringe Kastrierungsprozedur  behufs Anpassung an momen-
       tane Preßverhältnisse  zuzulassen. Da wir aber sehr ungeniert ge-
       schrieben haben und alle Augenblicke Dinge gerechtfertigt, die in
       kaiserlich deutschen  Landen Vergehen  und Verbrechen  sind, wäre
       ein Neudruck  in Berlin nach Annahme jenes Mustergesetzes keines-
       wegs ohne viel Streicherei möglich.
       Zweitens aber habe ich den Plan, Marx' und meine kleineren Sachen
       in einer   G e s a m t a u s g a b e   wieder  vors  Publikum  zu
       bringen, und  zwar   n i c h t  in Lieferungen, sondern gleich in
       ganzen Bänden.  Ich habe darüber auch schon mit August korrespon-
       diert [135],  und sind  wir wegen  der Sache noch in Verhandlung.
       Sprich also  nach seiner  Rückkehr mal  mit ihm; ich bin noch gar
       nicht sicher,  ob ein  solches Unternehmen etwas für Euch ist und
       ebensowenig, ob Ihr, d.h. der "Vorwärts"-Verlag, dafür die besten
       Leute seid - auch abgesehn von der Preßschinderei, die mich schon
       an einen  außer- reichsdeutschen  Verleger als  vielleicht unver-
       meidliches Auskunftsmittel hat denken lassen.
       Eine Lieferungsausgabe  würde Marx  n i e  zugelassen haben, ein-
       mal hat  er bei  der 2.  Aufl. des "Kapital" I Meißner gestattet,
       diesen in 7  g r o ß e n  Lieferungen à zirka 7 Bogen herauszuge-
       ben, hatte  aber auch  daran genug. Bücher wie die "Heilige Fami-
       lie", "Herr  Vogt" etc.  in Lieferungen à 2 Bogen oder so zu zer-
       stückeln, geht  erst recht  nicht. Da  haben  die  Leute  absolut
       nichts von  der Lektüre, dies brockenweise Lesen führt nur zu Un-
       verstand.
       Die "Tribune"-Artikel existieren nur  e n g l i s c h.  [492]
       Die Feiertage wären ohne viel Pech bei recht schönem Wetter über-
       standen. Sonst nichts Neues. Sowie Du die Abschrift von einem der
       3 Artikel  der "Rh[einischen] Ztg." hast, so schick sie mir bitte
       gleich zu,  damit ich an die Arbeit gehn kann. Eingeschrieben un-
       ter Streifband oder sonstwie unter Sicherheitsmaßregeln.
       Viele Grüße allerseits.
       Dein F. E.

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