Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895


       zurück

       #513#
       -----
       Briefe von Marx und Engels
       an dritte Personen
       1846-1880
       (Nachträge)
       
       #514#
       -----
       
       #515#
       -----
       1
       
       Marx an Joseph Weydemeyer
       in Schildesche bei Bielefeld
       
                                    Die Privatadresse an mich: Au
                                    Bois Sauvage, chez M. Lanoy,
                                    Plaine Ste Gudule, Nr. 19.
       
       Brüssel, 14. Mai [1846]      Die Briefe, die Du an mich priva-
                                    tim schreibst, schreib unter
                                    der Adresse: A Mr. Lanoy, Plaine Ste
                                    Gudule, Bruxelles, mit Kuvert.
       Lieber Weiwi!
       Du erhältst  spät Brief.  Es kam  allerlei dazwischen. Ich wollte
       Dir nach  Verabredung schon  von Lüttich  aus schreiben. Aber der
       Geldgeschichten wegen  war's mir zu unangenehm. Solche Geschichte
       schieb' ich  gern von  einem Tag zum andern. Zuletzt muß man dann
       doch in den Apfel beißen.
       Du wirst bald von hier einen  o f f i z i e l l e n  Brief erhal-
       ten. Die  Manuskripte erhältst  Du bald.  Der zweite Band 1*) ist
       fast fertig.  Sobald die Manuskripte für den ersten Band anlangen
       (es ist  besser, die  Sachen in  z w e i  Sendungen zu schicken),
       wäre es höchst wünschenswert, daß der Druck beginnt. [523]
       Was Deine Idee mit Limburg betrifft, so mag das gut sein für Bro-
       schüren. Bücher  über 20  Bogen werden am besten in dem eigentli-
       chen Deutschland  gedruckt. [524]  Ich glaube dafür einen Weg ge-
       funden zu  haben, der 1. Meyer 2*)  n o m i n e l l  ganz aus dem
       Spiel läßt, 2. den Regierungen das Spiel sehr schwer macht und 3.
       insofern sich sehr empfiehlt, als sehr gewandte Hände mit der Ex-
       pedition beauftragt würden.
       Der hier  lebende    V o g l e r,    der  einen  Kommissionär  in
       L e i p z i g   hat, einen  Mann, der  in der Verbreitung konfis-
       zierlicher Bücher  hauptsächlich macht,  würde nämlich den ganzen
       buchhändlerischen Vertrieb  übernehmen. Die  Bücher selbst würden
       gedruckt  in   Deutschland.  Als  Verleger  stünde  jedesmal  der
       H e r a u s g e b e r  da, also im "Selbstverlag des Verfassers".
       Vogler hat sich
       -----
       1*) der "Deutschen Ideologie" - 2*) Julius Meyer
       
       #516# 1 - Marx an Joseph Weydemeyer - 14. Mai 1846
       -----
       zu folgenden  Bedingungen erboten,  die ich  wörtlich  aus  einem
       Brief desselben an mich zitiere:
       "Ich verpflichte  mich, für  10 p/c von der  M e ß - E i n n a h-
       m e   alle Besorgungen,  als Versendungs-, Verladungs-, Ausliefe-
       rungs-, Inkasso-, Kommissions- und andere Unkosten zu übernehmen,
       vorausgesetzt, daß  mir die  Bücher franko Leipzig geliefert wer-
       den."
       Vogler würde  also hier  die Fakturen  schreiben, und  die Bücher
       würden vom  Druckort direkt  an seinen  Kommissionär nach Leipzig
       verschickt. Der Druckort dürfte natürlich nicht in  P r e u ß e n
       sein. Bei  jeder Ostermesse  fände  die  Verrechnung  mit  Vogler
       statt.
       Dies scheint  mir das beste einstweilen für Schriften über 20 Bo-
       gen. Für  Broschüren ist Dein Vorschlag sicher gut. Wegen der Ak-
       tien-Buchhandlung will ich mich einmal umsehn. Jedenfalls wird es
       Schwierigkeiten machen.
       Wenn Meyer  auf Voglers  Vorschlag eingeht, so könnte sofort - es
       wäre nur ein beliebiger  D r u c k  ort  a u ß e r  P r e u ß e n
       aufzutun.
       Was mich
       So weit  war ich gekommen, als Dein neuer Brief ankam, sowohl der
       an Ph.  Gigot als  an mich persönlich gerichtete. Auf den gemein-
       schaftlichen Teil sitzt Engels soeben neben mir Dir zu antworten.
       Ich gestehe  Dir offen,  daß die  darin mitgeteilten  Nachrichten
       mich ziemlich unangenehm affiziert haben. [525]
       Du weißt,  daß ich in einer großen Geldklemme bin. Um mich in den
       letzten Zeiten  hier momentan noch halten zu können, habe ich die
       letzten Gold- und Silbersachen und einen großen Teil der Leinwand
       versetzt. Ich  habe auch,  um zu  ökonomisieren, einstweilen  die
       eigne Wirtschaft  aufgegeben und bin hier in den Bois Sauvage ge-
       zogen. Ich hätte sonst auch noch eine neue Magd mieten müssen, da
       das kleinste Kind 3*) jetzt entwöhnt wird.
       Ich habe  mich vergebens in Trier (bei meiner Mutter) und in Köln
       bei einem  ihrer   H a n d e l s f r e u n d e  umgesehn, um 1200
       fr. zu  leihen, die ich notwendig haben muß, um wieder in Ordnung
       zu kommen.  Um so  unangenehmer sind  mir nun die Nachrichten mit
       dem Buchhandel,  da ich  dies Geld  als Vorschuß  auf die  Ökono-
       mie15261 zu bekommen hoffte.
       Es existieren  in Köln  wohl noch einige Bourgeois, die mir wahr-
       scheinlich für  einen bestimmten Termin das Geld vorschießen wür-
       den. Allein, da diese Leute sich seit geraumer Zeit einer prinzi-
       piell direkt entgegengesetzten
       -----
       3*) Laura
       
       
       #517# 1 - Marx an Joseph Weydemeyer - 14. Mai 1846
       -----
       Richtung zugewandt  haben, so  möchte ich  mich ihnen  in  keiner
       Weise verpflichten.
       Was das  Honorar für  die Publikation betrifft, so fällt mir, wie
       Du weißt, nur die Hälfte für den I. Band zu.
       Nicht genug  mit dem eignen Pech, strömen auch noch von allen Ec-
       ken an  mich, als  den  Herausgeber  der  Publikation,  dringende
       Briefe etc.  ein. Namentlich  liegt da eine unangenehme Sache mit
       Bernays vor.  Du weißt,  daß er  durch Dich schon 104 fr. auf Ab-
       schlag erhalten  hatte. Bernays  hatte einen  Wechsel auf den 12.
       Mai ausgestellt (an seinen Bäcker), konnte nicht zahlen, er mußte
       protestiert werden,  das verursachte  neue Unkosten etc. etc. Der
       Bäcker will ihn jetzt  e i n s p e r r e n  lassen. Er schrieb an
       mich, ich  konnte ihm natürlich nicht helfen, tat aber, um momen-
       tan die Sache aufzuschieben, was allein möglich war:
       1. schrieb einen   f r u c h t l o s e n   Brief an Herwegh [135]
       in Paris,  worin ich ihn bat, dem B[ernays] die Summe vorzustrec-
       ken, bis sein Aufsatz erschienen sei;
       2. schrieb einen  französischen Brief  an B[ernays]  [135], um im
       Notfall seinen Gläubiger aufzuhalten, worin ich ihm mitteile, daß
       er nach  der Publikation das soundso viel noch betragende Honorar
       erhalten werde.  Darauf hat  ihm der  Bürger Ausstand  bis zum 2.
       Juni gegeben. Bernays schuldet mit den Protestkosten etc. 120 fr.
       (ich weiß die Summe nicht mehr genau).
       Du siehst, allseitige Misère! Ich weiß mir im Augenblick nicht zu
       helfen.
       Ein andermal  schreib' ich  Dir einen  inhaltlichen  Brief.  Mein
       Schweigen mußt Du daraus entschuldigen, daß zu der vielen Arbeit,
       den Hauspflichten  etc. noch aller dieser Gelddruck hinzugekommen
       ist.
       Leb wohl.
       Dein M.
       
       Meine Frau und ich lassen Deine Braut 4*) herzlich grüßen.
       Nebenbei bemerkt  und um  allen Mißverständnissen zuvorzukommen -
       Heß  hat  von  den  beiden  Bänden,  die  ich  jetzt  herausgebe,
       n i c h t s   m e h r   zu bekommen,  im Gegenteil noch uns  z u-
       r ü c k z u g e b e n.
       -----
       4*) Louise

       zurück