Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895
zurück
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Anhang und Register
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Anmerkungen
1 Filippo Turati hatte Engels am 4. Januar 1893 mitgeteilt, daß
im Feuilleton der "Lotta di Classe" das von Pompeo Bettini nach
der dritten deutschen Ausgabe 1883 ins Italienische übersetzte
"Manifest der Kommunistischen Partei" veröffentlicht worden sei
und er es auch als Einzelausgabe herauszubringen beabsichtige.
Diese sei - bis auf das Vorwort - bereits fertig. Turati fragte
an, ob Engels zu dieser Ausgabe ein kleines Vorwort für den ita-
lienischen Leser schreiben könne. Die Ausgabe erschien 1893 in
Mailand im Verlag der Zeitschrift "Critica Sociale", dieser Bro-
schüre wurde jedoch die fünfte autorisierte deutsche Ausgabe des
"Manifests" (Berlin 1891) zugrunde gelegt. Das von Engels in
französischer Sprache geschriebene Vorwort "An den italienischen
Leser" (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 365/366) wurde von Tu-
rati ins Italienische übersetzt. In diese Einzelausgabe wurden
auch die Vorworte zu den deutschen Ausgaben von 1872, 1883 und
1890 aufgenommen.
Das von Antonio Labriola ins Italienische übersetzte "Manifest
der Kommunistischen Partei" ist damals nicht gedruckt worden.
Seine Arbeit "In memoria del manifesto dei comunisti" erschien
1895 in Rom. 3 81
2 August Bebel weilte etwa vom 3. bis 10. Januar 1893 bei Engels
in London zu Besuch. 3
3 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist in En-
gels Handschrift mit folgender Adresse versehen: Mrs. Mendelson
27, Stonor Road, West Kensington, W. 4
4 Die polnische Sozialistin Maria Mendelson hatte Engels über die
am 7. Januar 1893 in Frankreich erfolgte Verhaftung polnischer
Emigranten informiert, die man der Vorbereitung eines Attentats
auf Alexander III. beschuldigte. Engels setzte sich sofort für
die polnischen Revolutionäre ein und schrieb den Artikel "Zum
jüngsten Pariser Polizeistreich" (siehe Band 22 unserer Ausgabe,
S. 356/357), in dem er die Zusammenarbeit der französischen und
zaristischen Polizei entlarvte. Engels' Artikel wurde im "Vor-
wärts" vom 13. Januar 1893 unter der Rubrik "Politische Ueber-
sicht" ohne Unterschrift veröffentlicht. 46
5 Nach Carl Schorlemmers Tod wurde von seinen Freunden und Schü-
lern an der Victoria-Universität in Manchester ein Schorlemmer-
Laboratorium eingerichtet. 5
6 Anspielung auf den Panama-Skandal, Betrugsaffäre, in die hohe
französische Staatsmänner, Beamte sowie die Presse verwickelt wa-
ren. Der Ingenieur und Geschäftsmann Ferdinand-Marie Lesseps
hatte 1879 in Frankreich eine Aktiengesellschaft gegründet, die
den geplanten Durchstich der Landenge von Panama finanzieren
sollte. Ende 1888 brach
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die Gesellschaft zusammen, was den massenhaften Ruin kleiner Ak-
tionäre und zahlreiche Konkurse zur Folge hatte. 1892 wurde be-
kannt, daß die Gesellschaft zur Verheimlichung ihrer wahren Fi-
nanzlage hohe Bestechungssummen an die ehemaligen Ministerpräsi-
denten Frankreichs Charles-Louis de Freycinet, Pierre-Maurice
Rouvier, Charles-Thomas Floquet sowie an andere führende Politi-
ker gezahlt hatte. Der Panama-Skandal wurde von der bürgerlichen
Justiz vertuscht. Sie beschränkte sich darauf, den Leiter der Ge-
sellschaft, Lesseps, sowie zweitrangige Personen zu verurteilen.
5 14 29 4048 90 105 182 214 272 392
7 Der "Vorwärts" vom 12. Januar 1893 hatte unter der Rubrik
"Politische Uebersicht" eine längere Notiz seines Pariser Korre-
spondenten unter der Überschrift "Russische Polizei- Allmacht in
Frankreich" veröffentlicht, in der irrtümlicherweise gesagt
wurde, die verhafteten Polen "gehörten ... zu der sozialdemokra-
tischen Partei Rußlands, zu deren Hauptvertretern Genosse Plecha-
now zählt". 6
8 Im Beiblatt zur "Berliner Volks-Tribüne" erschien vom 6. August
bis 24. Dezember 1892 die Artikelserie "Die Juraföderation und
Michael Bakunin". Der Name des Verfassers - des Schweizer Sozia-
listen Louis Héritier - wurde erst im letzten Artikel genannt. In
diesen Artikeln wurde auf der Grundlage bakunistischen Materials
die Geschichte der Organisation der Internationalen Arbeiterasso-
ziation in der Schweiz falsch dargestellt und versucht, die Spal-
tertätigkeit der Bakunisten, besonders der bakunistischen Jurafö-
deration, zu rechtfertigen (letztere hatte sich auf dem Kongreß
in La Chaux-de-Fonds vom 4. bis 6. April 1870 von den Sektionen
der IAA in der romanischen Schweiz abgespalten). Außerdem wurden
in diesen Artikeln der Generalrat, Marx und seine Kampfgefährten,
vor allem Johann Philipp Becker, verleumdet. Besonders viele Ent-
stellungen enthielt der zehnte Artikel, der am 12. November 1892
erschien.
Engels entschloß sich, eine Erwiderung zu schreiben, ohne die
Veröffentlichung der ganzen Artikelserie abzuwarten. Er schickte
seine Erklärung am 15. November 1892 an August Bebel (siehe Band
38 unserer Ausgabe, S. 515) zur Weiterleitung an die Redaktion
der "Berliner Volks-Tribüne". Die Erklärung wurde am 19. November
1892 in der "Berliner Volks-Tribüne" veröffentlicht (siehe Band
22 unserer Ausgabe, S. 346-348).
Am 24. Dezember 1892 erschien am Schluß des dreizehnten Artikels
die Antwort Héritiers. In dieser sowie in einem Brief an Engels
vom 25.Dezember 1892 versuchte Héritier die Anschuldigung, daß er
die Geschichte der IAA verfälscht habe, zu widerlegen. Engels'
Antwort auf Héritiers Behauptungen siehe vorl. Band, S. 11/12. 7
11 24 447
9 Die Independant Labour Party wurde im Januar 1893 auf der Kon-
ferenz in Bradford gegründet. Ihr traten Mitglieder der alten und
neuen Trade-Unions, der Fabian Society, der Social Democratic Fe-
deration und anderer sozialistischer Vereinigungen bei. An ihrer
Spitze stand Keir Hardie. Die Independent Labour Party verlangte
in ihrem Programm die Uberführung aller Produktions-, Vertei-
lungs- und Austauschmittel in Gemeineigentum. Sie forderte u.a.
die Einführung des Achtstundentages, das Verbot der Kinderarbeit
und die Einführung einer Sozial- und Arbeitslosenversicherung.
Engels begrüßte die Gründung der Independent Labour Party in der
Hoffnung, daß es ihr gelingen werde, die dogmatischen und sektie-
rerischen Fehler der Social Democratic Federation zu vermeiden
und sich zu einer marxistischen Partei zu entwickeln, äußerte je-
doch hinsichtlich ihrer Führer eine gewisse Skepsis. Während die
Entwicklung in den ersten Wochen und Monaten Engels' positive
Meinung rechtfertigte, geriet die Partei später infolge unklarer
Vorstellungen und persönlicher Schwächen des größten Teils ihrer
Führung auf den Weg des Reformismus. Die von der reformistischen
Fabier-Ideologie beeinflußten Führer betrachteten den parlamenta-
rischen Kampf als die wichtigste Form des Klassenkampfes und
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trafen Vereinbarungen mit der Liberalen Partei. 7 13 29 40 53 56
73 213 232 283 289292 308 334 361 383 449 500
10 Die Social Democratic Federation wurde im August 1884 gegrün-
det; sie ging aus der Democratic Federation hervor und vereinigte
verschiedenartige sozialistische Elemente, vorwiegend aus Kreisen
der Intelligenz. Die Leitung der Föderation lag zum größten Teil
in den Händen Henry Mayers Hyndmans, der eine stark dogmatisch-
sektiererische Politik betrieb. Die der Föderation beigetretenen
revolutionären Kräfte (Eleanor Marx-Aveling, Edward Aveling,
William Morris u.a.) kämpften gegen die schädliche Linie Hynd-
mans, für die Herstellung einer engen Verbindung der Social De-
mocratic Federation mit den englischen Gewerkschaften. Durch das
opportunistische und diktatorische Verhalten Hyndmans, das eine
Änderung des Kurses der Föderation unmöglich machte, erfolgte im
Dezember 1884 ihre Spaltung; die zu Hyndman in Opposition ste-
hende Gruppe gründete eine selbständige Organisation, die Socia-
list League. Unter dem Einfluß der revolutionären Stimmungen der
Massen innerhalb der Föderation ging jedoch der Formierungsprozeß
der revolutionären, mit der opportunistischen Führung unzufrie-
denen Elemente weiter. Der Ende der achtziger Jahre entstandene
Neue Unionismus (siehe Anm. 324) bewirkte, daß die Föderation nä-
her mit den Arbeitermassen in Berührung kam und die Zahl ihrer
Mitglieder anwuchs. Ihre Führung betrieb jedoch weiterhin eine im
wesentlichen sektiererische Politik. 7 53 56 72 217 232 237 245
277 283 285 289 292 308 334 361 449 465 500
11 Die Fabian Society wurde am 4. Januar 1884 von einer Gruppe
bürgerlicher Intellektueller gegründet, die sich für die Lösung
der sozialen Mißstände in der bürgerlichen Gesellschaft einsetz-
ten und Wege zur Überwindung des Kapitalismus suchten, aber nicht
über Reformen hinausgingen. Die Fabier traten gegen Marx' Lehre
vom proletarischen Klassenkampf und von der sozialistischen Revo-
lution auf. Zu den einflußreichsten Persönlichkeiten gehörten
Sidney und Beatrice Webb sowie George Bernard Shaw. Die Ideen der
Fabier schufen eine der ideologischen Grundlagen für den Refor-
mismus in der englischen
Arbeiterbewegung. 7 53 56 164 217 232 283 450
12 Engels meint den Haager Kongreß der Internationalen Arbei-
terassoziation, der vom 2. bis 7.September 1872 stattfand. Der
Kongreß beschloß, den Inhalt der Resolution der Londoner Konfe-
renz 1871 (siehe Anm. 14) über die "Politische Wirksamkeit der
Arbeiterklasse" sowie den Beschluß über die Erweiterung der Voll-
machten des Generalrats in die Statuten aufzunehmen. Auf dem Kon-
greß fand der jahrelange Kampf von Marx und Engels sowie ihrer
Anhänger gegen alle Arten des kleinbürgerlichen Sektierertums in
der Arbeiterbewegung innerhalb der IAA seinen Abschluß. Die zer-
setzende Tätigkeit der Anarchisten wurde verurteilt, ihre Führer
wurden aus der IAA ausgeschlossen. Die Beschlüsse des Haager Kon-
gresses legten das Fundament für die Entwicklung selbständiger
nationaler politischer Parteien der Arbeiterklasse. 9 314
13 Im Juli 1891 fand in Kronstadt der feierliche Empfang eines
französischen Flottengeschwaders statt, der zu einer offenen De-
monstration der Annäherung zwischen dem zaristischen Rußland und
Frankreich wurde. Zur gleichen Zeit wurden diplomatische Verhand-
lungen geführt, die im August 1892 mit der Unterzeichnung eines
französisch-russischen Abkommens endeten. Frankreich und Rußland
gingen darin die Verpflichtung ein, sich in Fragen der interna-
tionalen Politik gegenseitig zu konsultieren und im Falle eines
Angriffs auf einen der beiden Partner gemeinsame militärische Ak-
tionen zu unternehmen. Dieses Abkommen war eine wichtige Etappe
bei der Vorbereitung des
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französisch-russischen Bündnisses von 1893, das gegen den Drei-
bund (siehe Anm. 24) gerichtet war.
Um sich im Falle eines Krieges gegen Rußland die Unterstützung
Polens zu sichern, ergriff die deutsche Regierung Anfang der
neunziger Jahre zur Milderung der deutschen Politik in den west-
polnischen Gebieten einige Maßnahmen; so wurden u.a. die Polizei-
aufsicht über die polnischen nationalen Vereinigungen gelockert
und bestimmte Zugeständnisse hinsichtlich des polnischen Sprach-
unterrichts in den Schulen gemacht. 9
14 Gemeint ist die Londoner Konferenz der Internationalen Arbei-
terassoziation, die vom 17. bis 23.September 1871 stattfand. Sie
leitete eine wichtige Etappe des Kampfes von Marx und Engels für
eine proletarische Partei ein. Die Konferenz nahm einen Beschluß
über die "Politische Wirksamkeit der Arbeiterklasse" an, in dem
die Notwendigkeit der Schaffung selbständiger Arbeiterparteien
als ein Grundprinzip der internationalen Arbeiterbewegung formu-
liert war. Das Kernstück dieses Beschlusses wurde 1872 vom Haager
Kongreß (siehe Anm. 12) in die Allgemeinen Statuten der Interna-
tionale aufgenommen. Die Londoner Konferenz stand im Zeichen des
unversöhnlichen Kampfes von Marx und Engels gegen die Bakunisten,
die in einem Verleumdungsfeldzug gegen die Beschlüsse der Londo-
ner Konferenz und deren Rechtmäßigkeit auftraten. Sie hat wesent-
lich zum Sieg der marxistischen Prinzipien über den Bakunismus
beigetragen. 11
15 Über den Verbleib des Briefes, den Engels hier fortsetzt, ist
uns nichts bekannt. 13
16 Im Juni 1885 waren die irischen Abgeordneten im britischen Un-
terhaus unter Führung von Charles Stewart Parnell gemeinsam mit
den Konservativen gegen Gladstones Irlandpolitik aufgetreten. Es
kam zum Sturz des Kabinetts Gladstone. Bei den Wahlen Ende 1885
erhielten die Konservativen die Mehrheit; die Liberalen hingen
nunmehr in starkem Maße von den Stimmen der irischen Abgeordneten
ab. Als Gladstone 1886 erneut an die Spitze des Kabinetts gelangt
war, brachte er zwei Gesetze im Interesse Irlands ein: die Home
Rule Bill und die Bill über die irische Agrargesetzgebung. 1893
brachte Gladstone einen zweiten Gesetzentwurf über die Home Rule
ein; weder der erste noch der zweite Gesetzentwurf wurden ange-
nommen. 13
17 Zentrum - 1870 entstandene politische Partei, die sich auf das
katholische Kleinbürgertum und auf die Mehrheit der katholischen
Bauern und Arbeiter in Süd- und Westdeutschland sowie in Ober-
schlesien stützte. Zunächst vertrat sie partikularistische, anti-
preußische Tendenzen und verfocht in erster Linie die Interessen
des katholischen Großgrundbesitzes und Industriekapitals. Später
näherte sie sich immer mehr Bismarcks Politik an. In den neunzi-
ger Jahren war das Zentrum die stärkste Partei im Reichstag. Das
Zentrum hatte entscheidenden Anteil an der Durchsetzung der anti-
nationalen Politik des deutschen Imperialismus, zu dessen führen-
der Partei es sich entwickelte. 14 28 54 70 72 76 86 389 442 451
18 Einen solchen Antrag hatte der Zentrumsabgeordnete Viktor Rin-
telen am 15. Dezember 1892 im Reichstag während der Debatte über
Änderungen des Strafgesetzbuches eingebracht. 14
19 Im September 1891 hatte Rußland in Frankreich eine dreiprozen-
tige Anleihe in Höhe von 125 Millionen Goldrubel (500 Millionen
Francs) aufgenommen. Anfangs hatte die Anleihe großen Erfolg -
die Summe von 125 Millionen wurde 71/2mal überzeichnet. Infolge
eines rapiden Kurssturzes der russischen Wertpapiere an den euro-
päischen Börsen, der durch die Zuspitzung der ökonomischen Lage
Rußlands im Zusammenhang mit der Hungersnot von 1891 hervor-
gerufen wurde, begannen jedoch die Zeichner der Anleihe sich
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zu weigern, die Obligationen aufzunehmen. Um einem endgültigen
Zusammenbruch der Anleihe vorzubeugen, mußte die russische Regie-
rung daher einen Teil der Obligationen aufkaufen. Die Anleihe
wurde schließlich nur mit etwa 96 Millionen Rubel realisiert. 14
313
20 Opportunisten nannte man in Frankreich seit Anfang der achtzi-
ger Jahre die Partei der gemäßigten Republikaner, die die Inter-
essen der französischen Großbourgeoisie vertrat. 14 119 187 391
450
21 Radikale - parlamentarische Gruppe in den achtziger und neun-
ziger Jahren in Frankreich, die sich von den Opportunisten (siehe
Anm. 20) abgespalten hatte. Ihr Führer war Georges-Benjamin Cle-
menceau. Die Gruppe hielt an einer Reihe bürgerlich-demokrati-
scher Forderungen fest, die von den gemäßigten Republikanern über
Bord geworfen worden waren: Abschaffung des Senats, Trennung der
Kirche vom Staat u.a. Um die Masse der Wähler auf ihre Seite zu
ziehen, forderten die Radikalen die Einführung einer progressiven
Einkommenssteuer und auch sozialökonomische Maßnahmen. 1901 orga-
nisierten sich die Radikalen als Partei, die hauptsächlich die
Interessen der mittleren Bourgeoisie und des Kleinbürgertums ver-
trat. 14 40 215 280 383
22 Diesen Gedanken entwickelte Engels in der Arbeit "Die auswär-
tige Politik des russischen Zarentums" (siehe Band 22 unserer
Ausgabe, S. 41/42). 15
23 Nach dem Tode des ägyptischen Khediven Tewfik Pascha im Januar
1892 versuchte sein Nachfolger Khediv Abbas II. Hilmi eine selb-
ständige, von England unabhängige Politik durchzusetzen. Als er
im Januar 1893 einen neuen Ministerpräsidenten ernennen wollte,
mischte sich der englische Generalkonsul in Ägypten ein und er-
reichte - trotz der Forderung der französischen Regierung, die
Unabhängigkeit des Khediven zu wahren -, daß die aufgestellte
Kandidatur aufgehoben und eine englandfreundliche Person ernannt
wurde. Damit wurde die Herrschaft Englands in Ägypten gefestigt.
15
24 Dreibund - aggressiver militärisch-politischer Block, dem
Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien angehörten und der ge-
gen Frankreich und Rußland gerichtet war. Er wurde endgültig 1882
gebildet durch den Anschluß Italiens an das österreichisch-
deutsche Militärbündnis, das 1879 geschlossen worden war. Die
Bildung des Dreibunds war der Ausdruck der Spaltung Europas in
zwei große feindliche Lager. Die sich verschärfenden Widersprüche
zwischen den beiden imperialistischen Staatenblocks führten
schließlich zum imperialistischen Weltkrieg 1914-1918. 15 392
25 Der sozialdemokratische Abgeordnete Franz Tutzauer hatte am
21. Januar 1893 im Reichstag in der ersten Lesung des Gesetzent-
wurfes über Abzahlungsgeschäfte gesprochen. Der Redner, Besitzer
eines Möbelgeschäfts, verteidigte die Interessen dieser Ge-
schäftsinhaber, besonders ihr Recht, bei rückständigen Zahlern,
die in der Regel Werktätige waren, die Zahlungen einzutreiben. 15
26 Die Wortführer der Jungen nutzten das opportunistische Verhal-
ten einiger sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter zum Kampf
gegen die Parteiführung und die marxistische Strategie und Taktik
der Sozialdemokratie aus. Die Jungen waren eine halbanarchi-
stische, linkssektiererische Gruppe in der deutschen Sozialdemo-
kratie, die sich 1890 herausgebildet hatte. Ihr Kern bestand aus
jungen Akademikern, Schriftstellern und Redakteuren einiger loka-
ler Parteizeitungen, die der Partei eine sektiererische
Verschwörerpolitik aufzwingen wollten. Im Oktober 1891 wurden die
Wortführer der Jungen vom Erfurter Parteitag der Sozialdemokrati-
schen Partei Deutschlands aus der Partei ausgeschlossen. 15
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27 Gemeint ist der Kommunistische Arbeiterbildungsverein in Lon-
don. Er wurde 1840 durch Karl Schapper, Joseph Moll, Heinrich
Bauer u.a. Führer des Bundes der Gerechten als Deutscher Bil-
dungsverein für Arbeiter in London gegründet. Nach der Organisie-
rung des Bundes der Kommunisten spielten die Gemeinden des Bundes
die führende Rolle in dem Verein. 1847 und 1849/50 nahmen Marx
und Engels aktiv an seiner Tätigkeit teil. Im September 1850 tra-
ten sie und mehrere ihrer Mitkämpfer aus dem Verein aus, weil er
im Kampf zwischen der von Marx und Engels geführten Mehrheit der
Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten und der sektiereri-
schen, zu abenteuerlichen Taktiken neigenden Minderheit (Willich,
Schapper) für die letztere Partei ergriff.
Seit Ende der fünfziger Jahre nahmen Marx und Engels erneut akti-
ven Anteil an der Arbeit des Vereins.
Der Kommunistische Arbeiterbildungsverein trat im Januar 1865 als
eine der ersten Organisationen der Internationalen Arbeiterasso-
ziation bei. Mehrere seiner Mitglieder, darunter Friedrich Leß-
ner, Johann Georg Eccarius, Georg Lochner und Karl Pfänder gehör-
ten dem Generalrat an, wo sie die Linie von Marx unterstützten.
Der Verein wurde 1918 von der englischen Regierung verboten. 15
47 232 275 411 418
28 In seinem Brief an Engels vom 5. Januar 1893 hatte Karl
Kautsky mitgeteilt, daß er zum 10.Todestag von Marx eine Biogra-
phie bzw. eine noch ungedruckte oder wenig bekannte Arbeit von
ihm herauszugeben beabsichtige. Kautsky schrieb: "Ich brächte
gern zu diesem Datum eine eingehendere Biographie von Marx, die
uns bisher fehlt. Außer Deiner in dem Brackeschen Kalender und
dem Liebknechtschen Artikel von 83 haben wir nur noch die Arbeit
von Groß. Wenn Du glaubst, daß diesen Publikationen im Rahmen ei-
nes Artikels nichts Neues hinzugefügt werden kann, dann möchte
ich wenigstens eine noch ungedruckte oder wenig bekannte Arbeit
von Marx zu dieser Gelegenheit veröffentlichen." Kautsky gelang
es nicht, die in diesem Brief geäußerte Absicht zu verwirklichen.
17
20 Seit Ende 1892 bestanden verschiedene Pläne, die "Neue Zeit"
wirkungsvoller zu gestalten und ihr einen größeren Abnehmerkreis
zu sichern. Engels schrieb dazu ausführlich bereits am 3. Dezem-
ber 1892 an August Bebel und am 4. Dezember 1892 an Karl Kautsky
(siehe Band 38 unserer Ausgabe, S. 534 und 539). 17 56 163 178
30 Karl Kautsky hatte sich in seinem Brief vom 5. Januar 1893
über Engels an Eleanor Marx-Aveling mit der Bitte gewandt, für
die "Neue Zeit" Erinnerungen an Marx zu schreiben. 17
31 Seinem Brief an Engels vom 5. Januar 1893 legte Karl Kautsky
die Nummer einer in Rio de Janeiro erscheinenden Zeitung bei, die
einen Artikel über die brasilianische Arbeiterpartei und ihr Pro-
gramm enthielt. Der Titel der Zeitung konnte nicht ermittelt wer-
den. 17
32 Über den Verbleib dieses Telegramms ist uns nichts bekannt. 19
33 Die von Engels erwähnte Formulierung brachte der "Vorwärts" am
25. Januar 1893 in der Notiz "Das italienische Panama". 20
34 Diese Zeilen schrieb Engels auf einen Kartenbrief. Er ist in
Engels' Handschrift mit folgender Adresse versehen: Sig. Filippo
Turati, Portici Galleria V.E. 23, Milano, Italy. 21
35 Filippo Turati hatte in seinem Brief vom 23. Januar 1893 En-
gels vorgeschlagen, das bei der Gründung der Socialist League an-
genommene Programm ("The Manifesto of the Socialist League") als
Anhang zur italienischen Ausgabe des "Manifests der Kommunisti-
schen Partei" zu bringen.
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Die Sozialistische Liga (Socialist League) wurde am 30.Dezember
1884 gegründet. Zu den Begründern und führenden Mitgliedern die-
ser Organisation gehörten u.a. William Morris, Eleanor Marx-Ave-
ling, Edward Aveling und Ernest Belfort Bax. Trotz vieler positi-
ver Seiten in der Arbeit der League, bekamen die bei einer Reihe
von Mitgliedern von Anfang an vorhandenen ultralinken Tendenzen
die Oberhand. Die Socialist League geriet 1887/88 in die Hände
von Anarchisten und wurde 1889/90 bedeutungslos, nachdem beide
Avelings, Bax und andere ausgetreten waren. 21
36 Von Dezember 1892 bis Januar 1893 fanden im italienischen Par-
lament Debatten über die Mißbräuche in der Banca Romana statt.
Diese Debatten waren durch die Rede des Abgeordneten Napoleone
Colajanni ausgelöst worden. Die im Verlauf der Debatten auf-
gedeckten Skandalaffären, in die einige Staatsmänner, viele Par-
lamentsmitglieder, Rechtsanwälte, Journalisten und Privatpersonen
verwickelt waren, wurden im Unterschied zu dem französischen Pa-
nama-Skandal (Panamone) (siehe Anm. 6) als Panamino (kleines Pa-
nama) bezeichnet. (Siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 358-364.) 22
32
37 in einer Nummer der "Gazeta Robotnicza", die Maria Mendelson
an Engels geschickt hatte, war eine Warnung der polnischen Sozi-
aldemokraten vor Marcin Kasprzak veröffentlicht. Darin wurde mit-
geteilt, daß Kasprzak wegen Veruntreuung von Parteigeldern, Ver-
trauensmißbrauchs und Beziehungen zur Polizei aus der Partei aus-
geschlossen wurde. Außerdem wurde in der Zeitung eine Erklärung
der Berliner Sozialisten abgedruckt, daß es notwendig sei, die
Beziehungen zu Kasprzak abzubrechen. Später erwies sich jedoch,
daß die Beschuldigungen nicht auf Wahrheit beruhten. Kasprzak
nahm aktiv an der revolutionären Bewegung teil und wurde vom Zen-
tralkomitee der Polnischen Sozialistischen Partei 1905 rehabili-
tiert. 23
38 Maria Mendelson hatte Engels am 5. Februar 1893 brieflich von
dem nationalistischen und antisemitischen Verhalten russischer
Studenten und Offiziere in Moskau und Petersburg gegenüber pol-
nischen und jüdischen Studenten und Offizieren berichtet. 23
39 W.J. Schmuilow hatte Engels am 4. Februar 1893 mitgeteilt, daß
er von Pawlenkow, dem Verleger der "Biographien berühmter Männer"
in Petersburg, gebeten worden sei, eine ausführliche Marx-Biogra-
phie von etwa 6 bis 8 Druckbogen zu schreiben. In diesem Zu-
sammenhang bat er Engels um Quellenhinweise für biographische An-
gaben, um Material über die praktische Tätigkeit von Marx, beson-
ders in den Jahren 1847 bis 1849 und in der Periode der Interna-
tionalen Arbeiterassoziation, sowie zur Genesis des Marxismus. Da
er über kein Exemplar der "Heiligen Familie" verfügte, bat er En-
gels gleichzeitig um die Wiedergabe der "Hauptgedanken und cha-
rakteristischen Stellen" dieses Werkes. Er hatte die Absicht,
falls die russische Zensur die Arbeit verbieten sollte, sie im
Ausland drucken zu lassen. 24
40 Marx und Engels, die sich seit Anfang 1845 in Brüssel aufhiel-
ten, gründeten im Frühjahr 1846 das Kommunistische Korrespondenz-
Komitee, das sich zu einem ideologischen und organisatorischen
Zentrum der sozialistischen Bewegung entwickelte.
Der Bund der Kommunisten war die erste revolutionäre Partei der
Arbeiterklasse. Er entstand 1847 und existierte bis 1852. Der
Bund war sowohl seinem Programm als auch seiner Zusammensetzung
nach eine internationale Organisation der Arbeiterklasse und da-
mit Vorläufer der Internationalen Arbeiterassoziation. Zugleich
war er auch die erste deutsche Arbeiterpartei. Deutsche Arbeiter,
fast alles Handwerksgesellen, stellten die Mehrzahl seiner Mit-
glieder.
Der Deutsche Arbeiterverein in Brüssel wurde Ende August 1847 von
der Gemeinde des
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Bundes der Kommunisten in Brüssel und unter Leitung von Marx und
Engels gegründet. In der zweiten Dezemberhälfte 1847 hielt Marx
im Arbeiterverein Vorträge über Lohnarbeit und Kapital. 24
41 Ende Januar 1893 hatten die bürgerlichen Abgeordneten des
Reichstags während der Debatte über den Staatshaushalt für
1893/94 die Sozialdemokratie beschuldigt, daß sie nur Unzufrie-
denheit unter den Volksmassen säe und nicht in der Lage sei, den
sozialistischen Zukunftsstaat zu erläutern. August Bebel legte
daraufhin in einer längeren Rede am 3. Februar 1893 die Anschau-
ungen der Sozialdemokratie über den sozialistischen Zukunftsstaat
dar. Zum zweitenmal sprach er zu dieser Frage am 6. Februar 1893.
Das Thema stand mehrere Tage lang zur Debatte und wurde von den
sozialdemokratischen Abgeordneten zur Propagierung ihrer Ziele
ausgenutzt. Am 7. Februar 1893 erklärte Adolf Stoecker, ein Ver-
treter der äußersten Rechten (siehe Anm. 122), daß er darauf ver-
zichte, nach der Rede Wilhelm Liebknechts aufzutreten; er schlug
vor, die Debatte zu beenden.
Die ganze Debatte wurde unter dem Titel: "Der sozialdemokratische
'Zukunftsstaat'. Verhandlungen des Deutschen Reichstags am 31.
Januar, 3., 4., 6. und 7. Februar 1893", Berlin 1893, veröffent-
licht. Bebels erste Rede erschien als Broschüre unter dem Titel:
"Zukunftsstaat und Sozialdemokratie. Eine Rede des Reichstagsab-
geordneten August Bebel in der Sitzung des deutschen Reichstags
vom 3. Februar 1893." 26 33 40 54
42 In seiner Reichstagsrede vom 4. Februar 1893 hatte der sozial-
demokratische Abgeordnete Karl Frohme die Politik der Zentrum-
spartei (siehe Anm. 17) angeprangert. Um zu beweisen, daß die
Kirche die Knechtschaft des Volkes stets gutgeheißen habe, zi-
tierte er einige Worte Thomas von Aquinos. Franz Hitze von der
Zentrumspartei polemisierte dagegen und behauptete, die von
Frohme zitierten Worte stammten nicht von Thomas von Aquino, son-
dern von Aristoteles. 26
43 Spar-Agnes und Strampel-Anni - zwei Gestalten aus Eugen Rich-
ters "Sozialdemokratischen Zukunftsbildern. Frei nach Bebel"
(Berlin 1891), einem gehässigen Pamphlet gegen die Sozialdemokra-
tie. 27
44 Am 31. Januar 1893 hatte August Bebel in einem Brief an Engels
den Gedanken geäußert, daß Rußland im Bündnis mit Frankreich
einen Krieg gegen Deutschland beginnen könnte, ohne England, Ita-
lien, die Türkei und die Balkanstaaten hineinzuziehen. Sollte
Deutschland besiegt werden, dann könnte Frankreich das linke
Rheinufer und Rußland die Ostseeprovinzen und den Balkan mit Kon-
stantinopel an sich reißen. 27
45 In der Schlacht bei Spichern (Lothringen) am 6. August 1870
wurde das II. Korps der französischen Armee von den Preußen ge-
schlagen. 27
46 "Der deutsch-französische Krieg 1870-71. Redigirt von der
kriegsgeschichtlichen Abtheilung des Großen Generalstabes", Er-
ster Theil, Erster Band, Berlin 1874, S. 341. 28
47 Gemeint ist die Deutsch-Freisinnige Partei; sie bildete sich
1884 durch eine Fusion der Fortschrittspartei mit dem linken Flü-
gel der Nationalliberalen (siehe Anm. 109). Sie vertrat die In-
teressen der liberalen Bourgeoisie und des Kleinbürgertums und
bezog in verschiedenen Fragen eine oppositionelle Haltung zur
Bismarckregierung, wandte sich aber gleichzeitig gegen die Sozi-
aldemokratie. 28 54 70 72 76
48 Im November 1892 brachte die Regierung im Reichstag eine seit
langem geplante Militärvorlage ein, die eine enorme Verstärkung
des Heeres, besonders des Offiziers- und Unteroffizierskorps, und
damit eine Erhöhung der Militärausgaben vorsah. Die geforderten
#555# Anmerkungen
-----
Verstärkungen des Heeres waren höher als alle Verstärkungen von
1874 bis 1890 zusammengenommen. Unter dem Druck antimilitaristi-
scher Massenaktionen und infolge von Gegensätzen innerhalb der
herrschenden Klasse lehnte der Reichstag im Mai 1893 diese Mili-
tärvorlage ab; unmittelbar danach wurde der Reichstag aufgelöst.
Der neugewählte Reichstag nahm schließlich im Juli 1893 die nur
geringfügig geänderte Militärvorlage mit knapper Mehrheit an. 28
41 54 60 70 72 76
49 Die Liberal-Radikalen waren eine Strömung innerhalb der Libe-
ralen Partei; sie vertraten vor allem die Industriebourgeoisie.
Über die Radikalen, die niemals eine organisierte Gruppe bilde-
ten, erlangte die Liberale Partei Einfluß auf die Trade-Unions.
29
50 Pflanzliche Heilmittel, die auch gegen Wurmkrankheiten verwen-
det werden. 31
51 Engels spielt darauf an, daß die sozialistischen Deputierten
seit Beginn der Diskussion über den Panama-Skandal (siehe Anm. 6)
an den Debatten in der Kammer kaum teilgenommen hatten. 32 40
52 Bei den Wahlen zur Deputiertenkammer am 20. August und
3.September 1893 erhielten die Sozialisten aller Gruppierungen
700 000 Stimmen und 30 Deputiertenmandate; in der Kammer verei-
nigten sich mit ihnen etwa 20 Abgeordnete linker bürgerlicher
Gruppierungen, hauptsächlich Radikale, die sich "unabhängige So-
zialisten" nannten. Insgesamt gehörten somit etwa 50 Deputierte
zur sozialistischen Fraktion (siehe auch vorl. Band, S. 187). 32
73 88 106 114 118 122 187 271
53 Broussisten (Possibilisten) - opportunistische Strömung inner-
halb der französischen Arbeiterbewegung unter der Führung von
Paul Brousse, Benoît Malon u.a., die sich 1882 von der französi-
schen Arbeiterpartei (Parti ouvrier français) abspaltete (siehe
Anm. 68) und Fédération des Travailleurs socialistes nannte. Die
Führer dieser Strömung verkündeten das reformistische Prinzip:
Streben nach dem "Möglichen" ("possible"). In den neunziger Jah-
ren verloren die Possibilisten in bedeutendem Maße an Einfluß.
Auf dem Kongreß von Châtellerault (Oktober 1890) trennte sich der
rechte Flügel vom Possibilismus und bildete die Gruppe der Alle-
manisten (siehe Anm. 71). Zur Entwicklung der Possibilisten siehe
Band 21 unserer Ausgabe, S. 514/515, 521/522 und 530-532. 32 118
132
54 "The Daily News" hatte am 11. Februar J 893 einen Artikel ih-
rer Pariser Korrespondentin Emily Crawford unter der Überschrift
"The Sentence on the Panama-Directors. Sympathy for Mr. de Les-
seps" veröffentlicht.
Am 9. Februar 1893 waren einige der in den Panama-Skandal (siehe
Anm. 6) verwickelten Personen zu Freiheits- und Geldstrafen ver-
urteilt worden. Ferdinand-Marie Lesseps und sein Sohn Charles er-
hielten je 5 Jahre Gefängnis, die Mitangeklagten Fontane, Cottu
und Eiffel je 2 Jahre. Lesseps, Fontane und Cottu wurden außerdem
zu 3000 fr., Eiffel zu 20 000 fr. Geldstrafe verurteilt. Im Juni
1893 wurden diese Urteile vom Kassationshof annulliert. 32
55 "Le Socialiste" veröffentlichteam 19. Februar 1893 in gekürz-
ter Form die Reichstagsrede August Bebels vom 3. Februar 1893 so-
wie Auszüge aus der Rede Wilhelm Liebknechts vom 7.Februar 1893.
(Siehe Anm. 41.) 32
56 Mitte Januar kam es im Reichstag zu einer Debatte über den
Notstand, die durch eine Interpellation der sozialdemokratischen
Reichstagsfraktion vom 31.Dezember 1892 ausgelöst wurde. Die Ver-
schlechterung der sozialen Lage der Arbeiterklasse - eine Aus-
wirkung der Wirtschaftskrise und der Wirtschaftspolitik der herr-
schenden Klassen - hatte zu einem Ansteigen der Streikbewegung
geführt. In dieser Interpellation wurde die Frage
#556# Anhang und Register
-----
aufgeworfen, welche Maßnahmen die Regierung zu ergreifen gedenke,
um dem durch die Arbeitslosigkeit und die Lohnsenkungen andauern-
den Notstand abzuhelfen. 33
57 In seinem Brief vom 11. Februar 1893 hatte August Bebel von
Engels "eine kleine Lektion" darüber erbeten, welche Haltung die
sozialdemokratische Reichstagsfraktion in der Debatte über die
Militärvorlage der Regierung (siehe Anm. 48) beziehen solle. Das
war unmittelbarer Anlaß für Engels, die Arbeit "Kann Europa abrü-
sten?" (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 369-399) zu schreiben.
Sie wurde entsprechend Engels' Vorschlag im "Vorwärts" vom 1. bis
5., 7., 9. und 10. März 1893 veröffentlicht. 34
58 Die "Workman's Times" gab am 18. Februar 1893 in der Rubrik -
International Working-Class Movement" einen Überblick über die im
Reichstag geführten Debatten zur Frage des sozialistischen Zu-
kunftsstaates (siehe auch Anm. 41). 34
59 Die englischen Parlamentswahlen im Sommer 1892 endeten mit ei-
nem Erfolg der Arbeiter. Die sozialistischen Organisationen
stellten eine beträchtliche Anzahl unabhängiger Kandidaten auf
und führten die Wahlkampagne mit Erfolg. Drei dieser Kandidaten -
Keir Hardie, John Bums und John Havelock Wilson - wurden ins Par-
lament gewählt.
Am 20. Februar 1893 fand im Unterhaus die erste Lesung der Ge-
setzentwürfe über die Wählerlisten und über Diäten für Parla-
mentsabgeordnete statt, die vom liberalen Gladstone-Kabinett
unter dem Druck der Volksmassen eingebracht worden waren. Sie
wurden jedoch vom Oberhaus abgelehnt. 34 41
60 Das Gesetz über die Gemeinderäte (Parish Councils Bill) wurde
von der Regierung Gladstone dem Parlament 1893 vorgelegt und am
1. März 1894 angenommen. Nach diesem Gesetz wurde das System der
örtlichen Selbstverwaltung verändert. Die Kirchspiele waren bis
dahin allein von der Kirche verwaltet worden; jetzt wurde die
Ausübung der weltlichen Macht der Kirche genommen und einer Ge-
meindeversammlung übertragen, die von den örtlichen Steuerzahlern
gewählt wurde. In größeren Dörfern wählte die Gemeindeversammlung
aus ihrer Mitte den Gemeinderat. 35 220
61 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben. ?. ??????????, ?.
?????????? 8 ???. ?, Monsieur N.F. Danielson, 8 grande rue des
Ecuries, logis No. 7, Saint-Pétersbourg, Russia. 36
62 Siehe die Briefe von Engels an N.F.Danielson vom 29.-
31.Oktober 1891, vom 15. März, 18. Juni und 22.September 1892
(Band 38 unserer Ausgabe, S. 195-197, 303-306, 363 - 368 und 467-
470). 36
63 Um die Herausgabe des zweiten Bandes des "Kapitals" in russi-
scher Sprache zu beschleunigen, hatte Engels 1885 N.F. Danielson
die Korrekturbogen der deutschen Ausgabe geschickt. Die russische
Ausgabe erschien noch im selben Jahr. 36
64 Engels verweist hier auf Ausführungen von Marx, die in dessen
Brief an die Redaktion der Zeitschrift "Otetschestwennyje Sa-
piski" enthalten sind (siehe Band 19 unserer Ausgabe, S. 107-
112). 37
65 Gemeint ist die von Marx und Engels verfaßte Vorrede zur zwei-
ten russischen Ausgabe des - Manifests der Kommunistischen Par-
tei" (siehe Band 19 unserer Ausgabe, S. 295 und 296); diese Aus-
gabe erschien in der Übersetzung G.W. Plechanows 1882 in Genf.
Der von Engels im nachfolgenden zitierte russische Text weicht
geringfügig von dem entsprechenden Text des deutschen Originals
ab. 37
66 In seinen Briefen an N. F. Danielson benutzte Engels aus kon-
spirativen Gründen u. a. den Namen Percy White Roshers. 38
#557# Anmerkungen
-----
67 Am 23. Februar 1893 hatte Paul Lafargue an Engels geschrieben,
daß er am 16. Februar in der Deputiertenkammer in der Debatte zum
Panama-Skandal gesprochen habe. Seine Rede wurde am 19.Februar
1893 von "Le Socialiste" veröffentlicht. Lafargue berichtete fer-
ner, sein Eingreifen in die Debatte sei von der Kammer und der
Presse als unzeitgemäß beurteilt worden und alle bürgerlichen
Zeitungen hätten seine Rede ignoriert. 39
68 Die französische Arbeiterpartei (Parti ouvrier français) wurde
auf dem Marseiller Arbeiterkongreß 1879 von den Anhängern der
marxistischen (kollektivistischen) Richtung gegründet. Das Pro-
gramm wurde im Mai 1880 von Jules Guesde und Paul Lafargue unter
maßgeblicher Mitwirkung von Marx und Engels ausgearbeitet; der
theoretische Teil, die Einleitung zum Programm (siehe Band 19 un-
serer Ausgabe, S. 238), wurde von Marx formuliert. 1880 wurde
dieses Programm auf dem Kongreß von Le Havre angenommen und die
französische Arbeiterpartei in aller Form konstituiert. Seit ih-
rer Gründung fanden in ihren Reihen harte ideologische Auseinan-
dersetzungen statt, die 1882 zur Spaltung der Partei in Marxisten
(Guesdisten) und Possibilisten (siehe Anm. 53) führten. Besonders
unter dem Proletariat der Industriezentren Frankreichs hatten die
Guesdisten großen, in Paris hingegen relativ geringen Einfluß.
Die Partei errang in den achtziger und neunziger Jahren beträcht-
liche Erfolge bei der Verbreitung des Marxismus in Frankreich.
Eine große Rolle spielte hierbei das Organ der Partei, die Zei-
tung "Le Socialiste". Die Guesdisten besaßen maßgeblichen Einfluß
in der Gewerkschaftsbewegung und standen an der Spitze vieler
Streikkämpfe des Proletariats. Eine rege agitatorische Tätigkeit
entfaltete die Partei auch bei der Vorbereitung von Wahlen.
Lafargues Wahl in die Deputiertenkammer 1891 war ein großer Er-
folg der französischen Sozialisten. Die Partei hatte großen An-
teil an der Festigung der internationalen Beziehungen der Sozia-
listen. 39 87 89
68 Paul Lafargue hatte Engels am 23. Februar 1893 darüber infor-
miert, daß zwischen der französischen Arbeiterpartei und den Ra-
dikalsozialisten unter Führung von Étienne-Alexandre Millerand
und Jean Jaurès eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit bei den
für August/September 1893 angesetzten Wahlen zur Deputiertenkam-
mer getroffen worden sei und daß am 5.März mit der Versammlungs-
tournee in den wichtigsten Städten begonnen werde. 39 87 119 133
70 Bei den Gemeinderatswahlen in Frankreich vom 1. bis 8. Mai
1892 errangen die französischen Sozialisten einen bedeutenden Er-
folg. Sie erhielten mehr als 100 000 Stimmen; etwa 635 Soziali-
sten wurden in die Kommunalvertretungen gewählt. In 26 Städten
erhielten sie die Mehrheit im Gemeinderat, in einigen dieser
Städte, so in Roubaix, Marseille, Narbonne und Toulon, sicherten
sie sich die Leitung des Gemeinderats. 40
71 Allemanisten - Anhänger des kleinbürgerlichen Sozialisten Jean
Allemane. Die Organisation der Allemanisten, die sich nach der
Spaltung der Possibilisten (siehe Anm. 53) auf dem Kongreß in
Châtellerault (9. bis 15. Oktober 1890) gebildet hatte, nannte
sich Parti Ouvrier Socialiste Révolutionnaire (POSR). Wenn sie
insgesamt gesehen auch den ideologischen und taktischen Positio-
nen der Possibilisten verhaftet blieben, forcierten die Alle-
manisten doch im Unterschied zu den Possibilisten die propagandi-
stische Tätigkeit in den Gewerkschaften (Syndikaten), in denen
sie die Hauptform der Organisation der Arbeiter sahen. Als we-
sentliches Kampfmittel propagierten die Allemanisten den General-
streik. Ähnlich wie die Possibilisten waren sie Gegner einer ein-
heitlichen, zentralisierten Partei. Sie vertraten das Prinzip der
Autonomie und maßen der Eroberung von Sitzen in den Gemeinderäten
große Bedeutung bei. 40 73 93 116 132 356 414
72 Blanquisten - Anhänger des französischen Revolutionärs Louis-
Auguste Blanqui. Nach
#558# Anhang und Register
-----
1860 entstand um Blanqui eine selbständige Bewegung, die in der
Pariser Kommune eine bedeutende Rolle spielte. Blanqui war
"zweifellos ein Revolutionär und feuriger Anhänger des Sozialis-
mus" (Lenin). Blanqui und seine Bewegung erwarteten jedoch die
Erlösung der Menschheit aus der Lohnsklaverei nicht vom Klassen-
kampf des Proletariats, sondern von der Verschwörung einer klei-
nen revolutionären Minderheit. Trotzdem gehörte der Blanquismus
zu den bedeutendsten Strömungen in der revolutionären französi-
schen Arbeiterbewegung. Im Juli 1881 gründeten Marie-Édouard
Vaillant - in den achtziger und neunziger Jahren einer der füh-
renden Vertreter des Blanquismus - und andere die Organisation
der Blanquisten, das Comité révolutionnaire central, das sich ab
1898 Parti socialiste révolutionnaire nannte. (Näheres über die
Blanquisten siehe Band 18 unserer Ausgabe, S. 528-535.) 40 73 89
93 116 118 132 143
73 Am 26. März 1893 fand in Brüssel im "Maison du Peuple" auf In-
itiative des Züricher Organisationskomitees (siehe Anm. 81) eine
Vorkonferenz statt, die sich mit der Vorbereitung des dritten In-
ternationalen Sozialistischen Arbeiterkongresses in Zürich (siehe
Anm. 120) befaßte. Anwesend waren sozialistische Vertreter aus 6
Ländern, darunter August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Eleanor
Marx-Aveling. Entsprechend dem auf der Vorkonferenz gefaßten Be-
schluß sollten zum Kongreß nur Vertreter von Organisationen zuge-
lassen werden, die die "Notwendigkeit der Arbeiterorganisation
und der politischen Aktion anerkennen". Diese Bedingung sollte
die Anarchisten von der Teilnahme am Kongreß ausschließen. Der
Beginn des Züricher Kongresses wurde für den 6. August 1893 fest-
gesetzt. 41 42 47 52 56 72
74 Mit den vorliegenden Zeilen wollte Engels eine Anfrage der
Londoner Firma Thomas Cook & Son vom 3. März 1893 beantworten,
die ihn um Referenzen über Dr. Ludwig Freyberger gebeten hatte.
43
75 Etwa vom 1. bis 17. März 1893 weilte Engels in Eastbourne zur
Erholung. 43-45 47 50 52 57
76 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: W. Liebknecht
Esq., 160, Kantstraße, Charlottenburg-Berlin, Germany. 44
77 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Sigr. avv.
Filippo Turati, Portici Galleria V.E. 23, Milano, Italy. 45
78 Am 7. März 1893 hatte Filippo Turati die Korrekturbogen der
italienischen Übersetzung des "Manifests der Kommunistischen Par-
tei" (vgl. Anm. 1) an Engels geschickt und ihn um schnelle Rück-
gabe gebeten. Außerdem fragte Turati an, ob "das Programm der In-
ternationalen Arbeiterassoziation" wie in der russischen Ausgabe
des "Manifests" von 1882 als Beilage aufgenommen werden sollte.
Von den im Text erwähnten zwei Broschüren konnte nur eine ermit-
telt werden: Pasquale Di Fratta, "La socializzazione della
terra", Milano 1893. 45
79 Von diesem Brief ist noch ein Entwurf erhalten geblieben sowie
eine ebenfalls von Engels angefertigte Abschrift, die er seinem
Brief an Friedrich Adolph Sorge vom 18.März 1893 (siehe vorl.
Band, S. 52) beifügte. Abweichungen des Briefes von der Abschrift
werden in Fußnoten ausgewiesen. Alle drei Dokumente sind mit Lon-
don datiert, obwohl Engels sich zu dieser Zeit in Eastbourne auf-
hielt (siehe Anm. 75). Das Kuvert ist mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift versehen: Mr. F. Wiesen, Baird, Texas, U.S.
America. 46
#559# Anmerkungen
-----
80 Die Bloomsbury Socialist Society konstituierte sich im August
1888 als selbständige Organisation, nachdem sie sich von der So-
cialist League (siehe Anm. 35) getrennt hatte, in der anarchisti-
sche Elemente die Oberhand gewonnen hatten. Unter Führung von
Eleanor Marx-Aveling und Edward Aveling betrieb die Society eine
rege Agitations- und Propagandaarbeit unter den Arbeitern des
Londoner East End. 47
81 Der zweite Internationale Sozialistische Arbeiterkongreß in
Brüssel 1891 (siehe Anm. 132) hatte die Schweizer Sozialdemokra-
ten mit der Einberufung des nächsten Kongresses beauftragt. Diese
bildeten im Januar 1892 zur Vorbereitung des Kongresses in Zürich
ein Organisationskomitee, dessen Sekretär Robert Seidel war. 47
82 August Bebel weilte etwa vom 28. März bis zum 4. April 1893
bei Engels in London. 47 50 52 60
83 Jean Jaures, "De primis socialismi germanici lineamentis apud
Lutherum, Kant, Fichte et Hegel", Tolosae MDCCCXCI. 48
84 Engels schrieb diesen Entwurf seiner Antwort auf den unteren
Rand des maschinengeschriebenen Briefes, den Henry Demarest Lloyd
am 9. März 1893 an ihn gerichtet hatte. 51
85 Der amerikanische Publizist Henry Demarest Lloyd hatte Engels
in einem Brief vom 3. Februar 1893 eingeladen, an den Arbeiter-
kongressen teilzunehmen, die während der Weltausstellung in Chi-
cago im August/September 1893 stattfinden sollten. Er hatte En-
gels gebeten, über die Arbeiterbewegung in England zu sprechen
und stellte ihm frei, auch andere Fragen der Arbeiterbewegung zu
behandeln. 51
86 Hinweis auf die Auseinandersetzungen zwischen den Befürwortern
des Bimetallismus und denen der reinen Goldwährung in den USA.
Durch den sog. Sherman-Act vom 14. Juli 1890 hatte die Regierung
den monatlichen Aufkauf von 4,5 Millionen Unzen Silber gegen Pa-
piergeld verfügt, um den Silberkurs im Verhältnis zum Gold von
16:1 künstlich aufrechtzuerhalten. Der Marktkurs des Silbers fiel
trotzdem ständig. Wegen der beginnenden Krise berief der Präsi-
dent der USA, Stephen Grover Cleveland, Anfang August 1893 eine
Sondersitzung des Kongresses ein und schlug die Aufhebung des Ge-
setzes über den Silberaufkauf vor. Ein entsprechender Beschluß
wurde vom Repräsentantenhaus noch Ende August und vom Senat nach
langwierigen Debatten Ende Oktober 1893 gefaßt. 52 172 175
87 Engels beantwortet einen Brief Karl Kautskys vom 16. Februar
1893, in dem dieser u.a. mitteilte, daß ihm Friedrich Leßner ge-
schrieben habe, er arbeite an einem Artikel über Marx für die
"Neue Zeit". Außerdem habe Leßner erwähnt, daß er sein Exemplar
der "Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-ökonomische Revue an
J.H.W. Dietz übermittelt habe, damit dieser den Band neu auflege.
Kautsky meinte dazu: "Die Idee gefällt mir ganz gut. Die 'Revue'
ist ja völlig aus dem Buchhandel verschwunden und es sind wich-
tige Arbeiten darin." 55
88 Hinweis auf einen Teil des Manuskripts zum vierten Band des
"Kapitals", der die "Theorien über den Mehrwert" enthält. Diesen
Teil gab Engels 1889/90 Karl Kautsky zur Entzifferung (vgl. Band
37 unserer Ausgabe, S. 143-145 und 522/523). Engels konnte seine
Absicht, die "Theorien über den Mehrwert" als vierten Band des
"Kapitals" herauszugeben, nicht mehr verwirklichen. Die "Theorien
über den Mehrwert" wurden zum erstenmal in den Jahren 1905 bis
1910 von Kautsky veröffentlicht. Diese Ausgabe enthält jedoch
eine ganze Reihe willkürlicher Abweichungen vom Marxschen Manu-
skript,
#560# Anhang und Register
-----
eine falsche Anordnung des Materials sowie häufige Auslassungen
wichtiger Abschnitte. Eine Neuausgabe der "Theorien über den
Mehrwert" in deutscher Sprache wurde vom Institut für Marxismus-
Leninismus beim ZK der SED besorgt und erschien von 1956 bis
1962. Im Rahmen unserer Ausgabe erscheinen die "Theorien über den
Mehrwert" als Band 26 (1.-3. Teil). 56 347 356 450 462
89 August Radimský hatte Engels am 18. März 1893 mitgeteilt, daß
die Herausgeber der in Wien erscheinenden tschechischen Partei-
zeitung "Delnicke Listy" das "Manifest der Kommunistischen Par-
tei" als Broschüre in tschechischer Sprache herausgeben wollten.
Damit die Broschüre nicht beschlagnahmt werde, erschien sie als
Vorabdruck in Fortsetzungen in der genannten Zeitung. Radimský
sandte Engels die entsprechenden Nummern der Zeitung und fragte
an, ob er auch die folgenden wünsche. 59
90 Vom 1. August bis 29. September 1893 unternahm Engels eine
Reise nach Deutschland, in die Schweiz und nach Österreich-Un-
garn. Er besuchte Köln, fuhr dann zusammen mit August Bebel über
Mainz und Straßburg nach Zürich, hielt sich einige Tage bei sei-
nem Bruder Hermann im Kanton Graubünden auf und kehrte am 12. Au-
gust nach Zürich zurück. In Zürich nahm Engels an der letzten
Sitzung des dritten Internationalen Sozialistischen Arbeiterkon-
gresses (siehe Anm. 120) teil; er hielt dort eine kurze Rede in
englischer, französischer und deutscher Sprache (siehe Band 22
unserer Ausgabe, S. 408/409). Dann verbrachte er zwei Wochen in
der Schweiz und reiste über München und Salzburg nach Wien, wo er
am 14. September 1893 auf einer sozialdemokratischen Versammlung
auftrat (siehe Anm. 164). Von Wien aus fuhr Engels über Prag und
Karlsbad nach Berlin. Dort blieb er vom 16. bis 28.September; am
22.September hielt er auf einer ihm zu Ehren veranstalteten Ver-
sammlung in den Concordia-Festsälen eine Rede (siehe Band 22 un-
serer Ausgabe, S. 412/413). Über Rotterdam kehrte Engels dann
nach London zurück. 60 78 95 106 110-112 114 118 120 124 126 129-
131 134 148 153 162 170 175 184 228 266 278 460
91 Die Bankfeiertage (bank holidays) wurden 1871 in England ge-
setzlich eingeführt. Am Oster- und am Pfingstmontag, am ersten
Montag im August sowie am 26. Dezember sind alle Banken geschlos-
sen. 61
92 Engels schrieb diesen Entwurf seiner Antwort auf eine freie
Seite des Briefes, den M.R. Cotar am 21.März 1893 an ihn gerich-
tet hatte. Cotar bat darin um die Zustimmung zu einer französi-
schen Übersetzung des zweiten Bandes des "Kapitals", damit dieses
Werk den französischen Lesern in seinem ganzen Umfang bekannt
werde. Er betonte, daß Engels' Hilfe für diese schwierige Aufgabe
unentbehrlich sei. 62
93 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben; G.W. Lamplugh Esq.,
Ballafurt, Port Erin, Isle of Mail. 63
94 Die Handschrift dieses Briefes steht unserem Institut nicht
zur Verfügung. Wir bringen den Text nach einer Abschrift von
Franz Mehring. Auf dem unteren Rand des Manuskripts findet sich
folgende, offensichtlich nicht mit dem Brief im Zusammenhang ste-
hende Notiz Mehrings: "Lassalles Leiden, Berlin 1887. Ich habe
die Inventur eines Lebens gemacht. Es war groß, brav, wacker,
tapfer und glänzend genug. Eine künftige Zeit wird mir gerecht zu
werden wissen." 64
95 Einen Teil des Briefes von Engels an Franz Mehring vom 28.
September 1892 (siehe Band 38 unserer Ausgabe, S. 480) veröffent-
lichte Mehring in seinem Aufsatz "Über den historischen Materia-
lismus" als Anhang zur ersten Buchausgabe seiner "Lessing-Le-
gende"
#561# Anmerkungen
-----
von 1893 (in die späteren Ausgaben wurde dieser Anhang nicht wie-
der aufgenommen). 64
96 Franz Mehring gab dieses Zitat aus Engels' Brief vom 28. Sep-
tember 1892 (siehe Band 38 unserer Ausgabe) wie folgt wieder:
"und die Lavergne-Peguilhensche Generalisation wieder auf ihren
wahren Gehalt reduziert: daß feudale Gesellschaft eine feudale
Staatsordnung erzeugt". 64
97 Am 14. April 1893 schrieb Paul Lafargue an Engels, daß Jules
Guesde ihn bitte, etwas zum 1. Mai zu schreiben. Engels verfaßte
daraufhin die Grußadresse "Trotz alledem!" (siehe Band 22 unserer
Ausgabe, S. 404) an die französischen Arbeiter, die "Le Sociali-
ste" am 23.April 1893 veröffentlichte. In der gleichen Nummer er-
schienen Grußadressen von August Bebel, Filippo Turati, Pablo
Iglesias, G.W. Plechanow u.a. 63
98 Engels spielt auf die für August/September 1893 angesetzten
Wahlen zur französischen Deputiertenkammer an (siehe Anm. 52),
die ihren Sitz im Palais Bourbon am Quai d'Orsay in Paris hatte.
65 118
99 Es handelt sich offensichtlich um einige Stellen in der von
Henri Ravé ins Französische übersetzten Arbeit von Engels "Der
Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats" (siehe
Band 21 unserer Ausgabe, S. 25-173). Laura Lafargue hatte die
Übersetzung redigiert; sie wurde von Engels durchgesehen. Die
Ausgabe erschien 1893 in Paris unter dem Titel "L'origine de la
famille de la propriété privée et de l'état". 67 85 199
100 Die Pariser Wochenschrift "L'Illustration" hatte am 30. April
1892 auf zwei Seiten Porträts von Persönlichkeiten der interna-
tionalen sozialistischen Bewegung veröffentlicht, darunter auch
ein Bild von Engels. 67
101 Die Legal Eight Hours and International Labour League wurde
im Juli 1890 von einer Gruppe englischer Sozialisten unter Mit-
wirkung von Engels geschaffen. Den Ausgangspunkt für die Liga
bildete ein Komitee, das 1890 die erste englische Maidemonstra-
tion organisiert hatte (vgl. Band 22 unserer Ausgabe, S. 60-65).
Die Liga stellte sich den Kampf für die Befreiung der Arbeiter-
klasse, die Verwirklichung der Beschlüsse des Pariser Kongresses
der II. Internationale zum Ziel. Vertreter der Liga nahmen 1893
an der Gründung der Independent Labour Party (siehe Anm. 9) teil.
67 72 283
102 Council of all London Trades' Unions (London Trades Council)
- der Londoner Gewerkschaftsrat wurde im Mai 1860 auf einer Kon-
ferenz von Delegierten der Londoner Trade-Unions gegründet. Der
Londoner Rat, unter dessen Führung sich mehrere zehntausend Ge-
werkschafter der Hauptstadt vereinigten, übte auf die Arbeiter-
klasse ganz Englands großen Einfluß aus. Mit der Bildung des Tra-
des Union Congress Ende der sechziger Jahre hörte der Londoner
Gewerkschaftsrat, an dessen Spitze reformistische Führer standen,
auf, die Rolle eines Zentrums der englischen Gewerkschaftsbewe-
gung zu spielen, obgleich er nach wie vor eine einflußreiche Po-
sition einnahm. Anfang der neunziger Jahre verhielt sich der Lon-
doner Gewerkschaftsrat, der vorwiegend die alten Trade-Unions in
seinen Reihen vereinigte, ablehnend gegenüber der Bildung der
neuen Trade-Unions (siehe Anm. 324) und der Bewegung für den
Achtstundentag. Unter dem Druck der Massenbewegung war er jedoch
gezwungen, an den Maidemonstrationen der neunziger Jahre teilzu-
nehmen. 67 72 290 293
103 Der Streik der Hafenarbeiter in Hull begann Anfang April 1893
und dauerte bis zum 19. Mai. Anlaß waren Bestrebungen der
Schiffseigner, bei Einstellung von Arbeitern den gewerkschaftlich
nicht organisierten Arbeitern den Vorzug zu geben. Mit Hilfe von
#562# Anhang und Register
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Truppen wurden einige tausend Streikbrecher aus anderen Städten
Englands herbeigeholt; in den Hafen liefen Kanonenboote ein. Wäh-
rend des ganzen Streiks glich Hull einem bewaffneten Heerlager.
Obgleich der Streik von den Bergarbeitern, den Eisenbahnern und
anderen Trade-Unions unterstützt wurde, verlief er ergebnislos.
Die Unternehmer machten nur unbedeutende Zugeständnisse und die
Hafenarbeitergewerkschaft erlitt einen Rückschlag. 67
104 Es handelt sich um die Herausgabe des literarischen Nachlas-
ses von Carl Schorlemmer. Ludwig Siebold und Philipp Klepsch
waren als Nachlaßverwalter des am 27. Juni 1892 verstorbenen
Gelehrten eingesetzt. 69 111 184 265
105 Ludwig Schorlemmer hatte Engels am 22. März 1893 geschrieben,
daß Dr. Adolph Spiegel, Direktor einer Paraffin- und Ölfabrik,
eine Biographie Carl Schorlemmers schreiben wolle. Diese erschien
in den "Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft", Jg. 25,
Band III, 1892. 69
106 Pablo Iglesias hatte Engels Anfang April 1893 brieflich über
den Stand der Arbeiterbewegung in Spanien informiert und ihn als
"bedeutendsten Vertreter des revolutionären Sozialismus" gebeten,
einen Artikel zum 1. Mai für die Sondernummer der Zeitung "El So-
cialista" zu schreiben. Er ersuchte Engels ferner, auch Eleanor
Marx-Aveling und einige andere namhafte Sozialisten zur Unter-
stützung der Mai-Nummer seiner Zeitung zu gewinnen. Engels
schrieb die Grußadresse "Den spanischen Arbeitern zum 1. Mai
1893" (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 405/406), die am 1. Mai
1893 in "El Socialista" zusammen mit einer Grußadresse August Be-
bels veröffentlicht wurde. 66
107 Am 28. April 1893 hatte Friedrich Adolph Sorge bei Engels an-
gefragt, ob Abraham Lincoln auf die Glückwunschadresse des Gene-
ralrats der Internationalen Arbeiterassoziation anläßlich der
Wiederwahl Lincolns im November 1864 geantwortet habe. Die
Adresse "An Abraham Lincoln, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika" (siehe Band 16 unserer Ausgabe, S. 18-20) war Ende
November 1864 von Marx verfaßt und Lincoln über den amerikani-
schen Botschafter in London, Charles Francis Adams, zugestellt
worden. Am 28. Januar 1865 erfolgte im Namen Lincolns eine Ant-
wort, die auf der Sitzung des Generalrats vom 31. Januar verlesen
und in der "Times" vom 6. Februar unter der Überschrift "Mr.
Lincoln and the International Working Men's Association" ver-
öffentlicht wurde. Lincoln begrüßte darin die tiefe Sympathie der
Arbeiter Europas für seine Politik. 71
108 Die Konservative Partei war die Partei der preußischen Jun-
ker, der Militärkamarilla, der Spitzen der Bürokratie und des lu-
therischen Klerus. Ihre Politik war vom Geist des Chauvinismus
und Militarismus durchdrungen. Bereits 1866 trennte sich von den
Konservativen die sog. Freikonservative Partei (auch Reichspartei
genannt) ab, die die Interessen der Großagrarier und eines Teils
der Industriemagnaten vertrat. Sie unterstützte vorbehaltlos Bis-
marcks Politik. Anfang der neunziger Jahre setzte sich in der
Partei immer stärker der extrem-junkerliche Flügel gegenüber den
gemäßigten konservativen Kräften durch. 72 128
109 Die Nationalliberale Partei wurde im Herbst 1866 nach der
Spaltung der bürgerlichen Fortschrittspartei gebildet. Sie ver-
trat die Interessen der deutschen, in erster Linie jedoch der
preußischen Bourgeoisie. Ihre Politik widerspiegelte die Kapitu-
lation der deutschen liberalen Bourgeoisie vor Bismarck. Nach der
Vereinigung Deutschlands bildete sich die Nationalliberale Partei
endgültig als Partei der Großbourgeoisie, vor allem der Indu-
striemagnaten, heraus. In der Innenpolitik wurden die Natio-
nalliberalen immer unterwürfiger,
#563# Anmerkungen
-----
wobei sie faktisch ihre früheren liberalen Forderungen verrieten.
Zwar kam es in den neunziger Jahren mitunter zu Spannungen zwi-
schen den Nationalliberalen und den konservativ-klerikalen Kräf-
ten sowie mit der Regierung, doch hielten die Nationalliberalen
insgesamt an dem Klassenkompromiß zwischen Junkertum und Bour-
geoisie und an ihrer Unterordnung unter die Regierungspolitik
fest. 72 128
110 Bei den Reichstagswahlen im Juni 1893 errang die Sozialdemo-
kratie einen großen Erfolg. Sie erhielt 1 786 738 Stimmen, d.h.
rund 22 Prozent, und stellte 44 Abgeordnete, darunter Wilhelm
Liebknecht, August Bebel, Paul Singer. Von 6 Berliner Abgeordne-
ten waren 5 Sozialdemokraten. Engels schätzte die Ergebnisse die-
ser Wahlen in einem Interview mit dem Korresondenten des "Daily
Chronicle" ein (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 544-548). 72 76
85 88
111 Für die Maidemonstration, die in London am 7. Mai 1893 statt-
fand, errichtete die Legal Eight Hours and International Labour
League (siehe Anm. 101) im Hydepark zwölf Tribünen, darunter eine
internationale, von der Sozialisten der verschiedenen Länder
sprachen, so Alfred Delcluze, Louise Kautsky, Friedrich Leßner,
Eleanor Marx-Aveling, S.M. Krawtschinski (Stepniak) und andere.
73
112 Liberal-Unionisten - der von Joseph Chamberlain geführte ex-
trem imperialistische Flügel der Liberalen. Er spaltete sich 1886
beim Kampf um die von Gladstone eingebrachte Home Rule Bill, die
ein gewisses Maß von Selbstverwaltung für Irland vorsah, von den
Liberalen ab. Diese Gruppe stimmte gegen die Vorlage und zwang
die Regierung Gladstone zum Rücktritt. Die Liberal-Unionisten
verschmolzen bald mit den Konservativen. 73 220 308 384
113 G.A. Lopatin war zu dieser Zeit in der Schlüsselburger Fe-
stung bei Petersburg eingekerkert. 74
114 Es handelt sich um einen Ausschnitt aus einem Brief G.A. Lo-
patins an das Mitglied des Exekutivkomitees der Narodnaja Wolja,
M.N. Oschanina (siehe Band 21 unserer Ausgabe, S. 487-489). Lopa-
tin schildert darin sein Zusammentreffen mit Engels am 19. Sep-
tember 1883, einige Monate nach seiner Flucht aus der Verbannung
in Wologda. Die Erstveröffentlichung dieses Ausschnitts erfolgte
auf Initiative von P.L. Lawrow und mit Engels' Einwilligung in
dem Buch "Osnowy teoretitscheskowo sozialisma i ich priloshenije
k Rossii", Genf 1893. 74
115 I.A. Gurwitsch (Hourwich) hatte, wie aus seinem Brief vom 26.
März 1893 an Engels hervorgeht, diesem ein Exemplar seiner Arbeit
"The economics of the Russian village" zugeschickt. Außerdem
übersandte er Engels einige Artikel über Fragen der russischen
revolutionären Bewegung und bat ihn um seine Meinung dazu. Er
hatte die Absicht, diese Artikel mit Engels' Zustimmung in "The
Progress" zu veröffentlichen. 75
116 Karl Kautsky teilte Engels am 19. Mai 1893 brieflich mit, daß
Lujo Brentano in der "Zeitschrift für Social- und Wirtschaftsge-
schichte" unter der Überschrift "Die Volkswirtschaft und ihre
konkreten Grundbedingungen" einen Artikel veröffentlicht hatte,
der gegen Engels' Arbeit "Der Ursprung der Familie, des Privatei-
gentums und des Staats" (siehe Band 21 unserer Ausgabe) gerichtet
war. Auf Engels' Bitte teilte Kautsky am 8. Juni 1893 ergänzend
mit, daß sich Brentanos Artikel im ersten Heft des 1. Bandes der
erwähnten Zeitschrift befinde und dieses auch separat zu haben
sei. 76
117 Lujo Brentano hatte 1872 mit zwei anonym in der Zeitschrift
"Concordia" erschienenen Artikeln versucht, Marx zu diskreditie-
ren und ihn der wissenschaftlichen Unzuverlässigkeit
#564# Anhang und Register
-----
und Zitatenfälschung zu bezichtigen. Auf beide Artikel hat Marx
im "Volksstaat" geantwortet (siehe Band 18 unserer Ausgabe, S.
89-92 und 108-115). Nach dem Tode von Marx setzte Brentano seine
Verleumdungen fort. Auf Brentanos Broschüre "Meine Polemik mit
Karl Marx" antwortete Engels mit seiner Arbeit - In Sachen Bren-
tano "contra Marx wegen angeblicher Zitatsfälschung" (siehe Band
22 unserer Ausgabe, S. 93-185).
Gegen die Auffassungen des Proudhonisten Arthur Mülberger hatte
Engels in seiner Arbeit "Zur Wohnungsfrage" (siehe Band 18 unse-
rer Ausgabe, S. 209-287) polemisiert. 76
118 Gemeint ist Edward Westermarcks Arbeit "The history of human
marriage", London 1891. 76
119 Es handelt sich um Ernest Belfort Bax' Beiträge "Der Fluch
der Zivilisation" und "Menschenthum und Klasseninstinkt". Beide
Artikel wurden von Victor Adler übersetzt und erschienen in der
"Neuen Zeit", 11. Jg. 1892/93. 2. Bd., Nr. 45 und 47. 77
120 Der dritte Internationale Sozialistische Arbeiterkongreß fand
vom 6. bis 12. August 1893 in Zürich statt. An ihm nahmen über
400 Delegierte aus 20 Ländern teil. Bei der Vorbereitung und wäh-
rend des Kongresses führten die Marxisten einen harten Kampf ge-
gen die Anarchisten. Die Kongreßmehrheit bestätigte den Beschluß
der Vorkonferenz (siehe Anm. 73), nur solche Organisationen zum
Kongreß zuzulassen, die "die Notwendigkeit der Arbeiterorganisa-
tionen und der politischen Aktion anerkennen". Damit wurden die
Versuche der Anarchisten, auf dem Kongreß Fuß zu fassen, verei-
telt.
Die zur politischen Taktik der Sozialdemokratie angenommene Reso-
lution empfahl den Arbeiterorganisationen, die parlamentarischen
Einrichtungen für den Kampf um die politische Macht auszunutzen.
Die Resolution bezeichnete Kompromisse mit bürgerlichen Parteien
unter Preisgabe der Prinzipien oder der politischen Selbständig-
keit der Arbeiterorganisationen als unzulässig und stellte fest,
daß der Kampf um Reformen den Endzielen der Arbeiterbewegung un-
tergeordnet werden muß.
Einen großen Raum nahm auf dem Kongreß die Frage des Verhaltens
der Arbeiterklasse zum Militarismus ein. Die vom Kongreß angenom-
mene Resolution stützte sich auf den Beschluß des Brüsseler Kon-
gresses (siehe Anm. 132) zu dieser Frage und forderte darüber
hinaus von den sozialistischen Abgeordneten, alle Militär- und
Kriegskredite abzulehnen sowie für die Abrüstung und für die Ab-
schaffung der stehenden Heere einzutreten. Der Kongreß bestätigte
die Brüsseler Resolution zur Maifeier, forderte darüber hinaus
jedoch, den 1. Mai zu einem Kampftag für den Weltfrieden zu ge-
stalten.
In weiteren Resolutionen verwies der Kongreß auf die Notwendig-
keit, für das allgemeine Wahlrecht, den achtstündigen Arbeitstag
sowie den Schutz der Arbeiterinnen einzutreten und die Landarbei-
ter zu organisieren. Höhepunkt des Kongresses war die Schlußan-
sprache von Engels (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 408/409),
der am letzten Beratungstag in Zürich eintraf.
Der Züricher Kongreß und seine Resolutionen waren ein weiterer
Schritt auf dem Wege des Zusammenschlusses der internationalen
Arbeiterbewegung im Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und
die drohende Kriegsgefahr. 78 89 112 114 200 289 293 404
121 Den vorliegenden Entwurf schrieb Engels auf einen Brief, den
Hermann Bahr ihm am 31. Mai 1893 geschickt hatte. Bahr hatte mit-
geteilt, daß er für die Wiener "Deutsche Zeitung" eine interna-
tionale Umfrage über den Antisemitismus und die Judenfrage in Eu-
ropa mache und bereits eine Reihe von Persönlichkeiten in
Deutschland, Frankreich und Spanien interviewt habe. Er bat En-
gels, ihn zu empfangen und ebenfalls seine Ansicht über diese
Frage darzulegen. 79
#565# Anmerkungen
-----
122 Engels meint hier die Vertreter der Christlich-sozialen Par-
tei, die 1878 von dem Hofprediger Adolf Stoecker unter dem Namen
Christlich-soziale Arbeiterpartei gegründet worden war. Sie
sollte dem zunehmenden Einfluß der Sozialdemokratie unter den Ar-
beitern entgegenwirken. In den achtziger und neunziger Jahren
entwickelte sich diese Partei zur einflußreichsten Organisation
des Antisemitismus. Unter dieser Losung entfalteten die Vertreter
dieser Strömung eine demagogische Agitation gegen das Finanzkapi-
tal, was ihnen gewisse Erfolge unter den rückständigen Schichten
der Bauern und Handwerker in einigen Teilen Deutschlands ein-
brachte. 79 86 103
123 Filippo Turati hatte Engels am 1. Juni 1893 davon unterrich-
tet, daß der italienische Anarchist Giovanni Domanico "Das Kapi-
tal" von Marx zu einem sehr günstigen Preis in italienischer
Sprache herauszugeben beabsichtige. Am 2. Juni 1893 wandte sich
Domanico in der gleichen Angelegenheit selbst an Engels und gab
der Überzeugung Ausdruck, daß Engels seine Initiative billigen
werde; er bat um Engels' Korrekturen, Bemerkungen, Ergänzungen
sowie um einen erklärenden Brief. 80 82 94
124 Etwa Mitte Mai 1841 hatte Engels zusammen mit seinem Vater
eine Reise nach Süddeutschland, der Schweiz und Norditalien
(Lombardei) unternommen. 80 95
125 Filippo Turati hatte Engels am 1. Juni 1893 um seine Meinung
zu Gabriel Devilles Auszug "Le Capital de Karl Marx. Résumé et
accompagné d'un aperçu sur le socialisme scientifique" gebeten
und u.a. mitgeteilt, daß der italienische Sozialist Ettore
Guindani diesen in italienischer Sprache herausbringen wolle. Die
Arbeit erschien 1893 in Cremona. 80
126 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben: Monsieur Stojan Nokoff,
Chemin de la Roseraie 8, Genève, Switzerland. 83
127 Am 6. Mai 1893 war es nach der Abstimmung über die von der
Regierung eingebrachte Militärvorlage (siehe Anm. 48) zur Spal-
tung der Deutsch-Freisinnigen Partei (siehe Anm. 47) in die Frei-
sinnige Vereinigung mit Ludwig Bamberger und die Freisinnige
Volkspartei mit Eugen Richter gekommen. Während erstere die
Militärvorlage unterstützte, stimmten Richter und seine Anhänger
dagegen. 86 128 280
128 Im Frühjahr 1893 hatten in Frankreich die monarchistischen
Kreise mit Unterstützung der Anarchisten eine Verleumdungskampa-
gne gegen die Sozialisten eröffnet". Sie erklärten, die Prinzi-
pien des proletarischen Internationalismus, von denen sich die
Sozialisten leiten ließen, als antipatriotisch und die Soziali-
sten als Vaterlandslose. Jules Guesde und Paul Lafargue führten
deshalb zur Aufklärung der Arbeitermassen in mehreren Städten
Nordfrankreichs zahlreiche Versammlungen durch und wandten sich
mit dem Aufruf "Le Conseil national du Parti ouvrier aux travail-
leurs de France" an die Arbeiter. "Le Socialiste" veröffentlichte
diesen vom Nationalrat der französischen Arbeiterpartei unter-
zeichneten Aufruf am 17. Juni 1893. 87 88
129 Das Interview Jules Guesdes diente der Erläuterung der Prin-
zipien des proletarischen Internationalismus der sozialistischen
und Arbeiterbewegung. Es wurde in "Le Figaro" vom 17. Juni 1893
unter dem Titel "Les socialistes et la patrie" veröffentlicht und
erschien am gleichen Tag auch in "Le Socialiste". 87
130 Die reaktionären französischen Politiker Paul Déroulède und
Lucien Millevoye entfachten im Juni 1893 eine Kampagne gegen Ge-
orge-Benjamin Clemenceau, den Führer der Radikalen (siehe Anm.
21). Sie beschuldigten ihn, mit einem der am Panama-Skandal
#566# Anhang und Register
-----
(siehe Anm. 6) Beteiligten Verbindung zu haben und im Solde der
englischen Regierung zu stehen. Die monarchistische Presse begann
mit der Veröffentlichung von Dokumenten, die aus der englischen
Botschaft gestohlen worden waren und den Verrat Clemenceaus be-
weisen sollten. Nach Verlesung dieser Dokumente in der Deputier-
tenkammer stellte sich heraus, daß sie gefälscht waren. 87
131 Der Internationale Sozialistische Arbeiterkongreß fand vom
14. bis 20. Juli 1889 in Paris statt. Er wurde zum Gründungskon-
greß der II. Internationale. Auf dem Kongreß waren rund 400 Dele-
gierte aus 22 Ländern Europas und Amerikas anwesend.
Der Kongreß nahm die Berichte der Vertreter der sozialistischen
Parteien über die Arbeiterbewegung in ihren Ländern entgegen und
arbeitete die Grundlagen einer internationalen Arbeiterschutzge-
setzgebung aus. Er verlangte die gesetzliche Einführung des Acht-
stundentages, das Verbot der Kinderarbeit und Maßnahmen zum
Schutz der Jugendlichen und Frauen. Die von August Bebel zu die-
sen Forderungen eingebrachte Resolution wurde gegen die Stimmen
der Anarchisten von der Mehrheit der Delegierten angenommen. Der
Kongreß orientierte die internationale Arbeiterbewegung auf ihre
politische Organisierung, auf ihren Kampf um demokratische Rechte
und die Ausnutzung aller legalen Möglichkeiten des Kampfes sowie
auf das Ziel der Arbeiterbewegung, die Eroberung der politischen
Macht. Weiter sprach sich der Kongreß für die Abschaffung der
stehenden Heere aus, schlug an deren Stelle die allgemeine Volks-
bewaffnung vor und erklärte "den Frieden als die erste und uner-
läßliche Bedingung jeder Arbeiter-Emanzipation". Der Beschluß des
Kongresses, am 1. Mai 1890 in allen Ländern Kundgebungen für den
achtstündigen Arbeitstag und die internationale Solidarität zu
organisieren, wurde zur Geburtsstunde der Maifeier. Auf dem Kon-
greß kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit anarchistischen
und reformistischen Auffassungen, doch setzten sich in allen we-
sentlichen Fragen die marxistischen Auffassungen durch. 89 289
132 Der zweite Internationale Sozialistische Arbeiterkongreß fand
vom 16. bis 22. August 1891 in Brüssel statt. Der Kongreß, an dem
etwa 370 Delegierte aus 16 Ländern Europas und den USA teilnah-
men, war seiner Zusammensetzung nach im wesentlichen ein
marxistischer Kongreß.
Im Mittelpunkt stand die Frage des Verhaltens der Arbeiterklasse
zum Militarismus. Der Kongreß lehnte mit überwältigender Mehrheit
einen Antrag von Ferdinand Domela Nieuwenhuis ab, jeden Krieg mit
dem Generalstreik zu beantworten. Beschlossen wurde eine von Wil-
helm Liebknecht und Edouard Vaillant begründete Resolution; sie
enthüllte die ökonomischen Ursachen der Kriege und forderte die
Arbeiter auf, gegen alle Kriegsgelüste und Kriegsbündnisse der
herrschenden Klassen zu protestieren.
In einer Resolution zur Gewerkschaftsfrage hob der Kongreß die
Notwendigkeit hervor, gewerkschaftliche Massenorganisationen zu
schaffen. Er empfahl den Arbeitern Streiks und Boykotts zum
Schutz gegen Anschläge des Gegners und zur Verbesserung ihrer po-
litischen und wirtschaftlichen Lage. In weiteren Resolutionen
forderte der Kongreß eine internationale Arbeiterschutzgesetzge-
bung, die Abschaffung der Akkord- und Stückarbeit, die Unterstüt-
zung der Forderung nach Gleichstellung der Frauen auf zivilrecht-
lichem und politischem Gebiet und erklärte erneut den 1. Mai zum
internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeiterbewegung. Die Be-
schlüsse des Brüsseler Kongresses hatten große Bedeutung für die
internationale Arbeiterbewegung. Engels schrieb in einer Ein-
schätzung des Kongresses, daß "die Marxisten ... nach Prinzip wie
nach Taktik auf der ganzen Linie gesiegt" haben (siehe Band 38
unserer Ausgabe, S. 150). 89 289 404
133 Die belgische Arbeiterpartei, wurde am 5. April 1885 in Brüs-
sel von den Vertretern der
#567# Anmerkungen
-----
verschiedensten Arbeiterorganisationen Belgiens gegründet. Ihr
Kern war die belgische sozialistische Partei, die 1879 durch die
Verschmelzung der Flämischen sozialistischen Arbeiterpartei mit
der Brabanter sozialistischen Partei entstanden war. Die Partei
kämpfte für die Erfüllung der ökonomischen Forderungen der Arbei-
terklasse sowie für das allgemeine Wahlrecht und leitete den
Streikkampf des Proletariats.
Die im März 1894 angenommene Prinzipienerklärung, das programma-
tische Dokument der Partei, enthielt eine Reihe marxistischer
Thesen, spiegelte jedoch noch einen gewissen Einfluß des Proudho-
nismus und Anarchismus wider. 89
131 Der Sozialist Charles Verecque aus Amiens war unter Berufung
auf den seit fast einem Jahrhundert nicht mehr angewandten Arti-
kel 226 des Strafgesetzes wegen Beamtenbeleidigung zu einer Ge-
fängnisstrafe und einer Ehrenerklärung verurteilt worden. Er
hatte in der Presse über einen Staatsanwalt geschrieben, man
müsse diesem sein Plädoyer auf den Rücken kleben. In der Ehrener-
klärung schrieb Verecque mit Zustimmung sozialistischer Gruppen
aus Amiens: "Ich füge mich also und erkläre schriftlich, wie es
Art. 226 verlangt, daß ich unrecht hatte, auch nur eine einzige
Minute lang den Rücken eines Justizbeamten mit einer der Mauern
zu verwechseln, auf die wir in einigen Wochen die Ehre haben wer-
den, das siegreiche Programm des Sozialismus zu kleben." 92 135
Über den Verbleib dieses Briefes ist uns nichts bekannt. 93 105
151 154 157 166 181 197 219 242 247 275 286 296 330 383 416 434
435 459 467 517
130 Paul Lafargue hatte Engels am 28. Juni 1893 davon unterrich-
tet, daß der Nationalrat der französischen Arbeiterpartei das Or-
ganisationskomitee (siehe Anm. 81) zur Vorbereitung des Interna-
tionalen Sozialistischen Arbeiterkongresses in Zürich (siehe Anm.
120) gebeten hatte, den Termin des Kongresses von August auf No-
vember zu verschieben, weil für den 20. August in Frankreich die
Wahlen zur Deputiertenkammer (siehe Anm. 52) angesetzt waren.
Lafargue bat Engels, August Bebel zu veranlassen, diese Bitte zu
befürworten. Das Organisationskomitee beschäftigte sich am 4.
Juli mit dieser Bitte und beschloß, wegen organisatorischer
Schwierigkeiten von einer Verschiebung Abstand zu nehmen. 93 106
137 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben: Sigr. Filippo Turati,
Portici Galleria V.E. 23, Milano, Italy. 94
138 Als Engels von Ende August bis Mitte September 1865 eine
Reise durch Deutschland, die Schweiz und Italien unternahm,
weilte er auch in Como. 95
139 Gemeint ist Paul Barths Buch "Die Geschichtsphilosophie He-
gel's und der Hegelianer bis auf Marx und Hartmann. Ein kriti-
scher Versuch", Leipzig 1890. 96
140 Engels hatte die Absicht, den "Deutschen Bauernkrieg" (siehe
Band 7 unserer Ausgabe) neu zu bearbeiten und durch umfangreiches
Material zur Geschichte Deutschlands zu erweitern. Die Herausgabe
des 2. und 3. Bandes des "Kapitals" sowie andere unaufschiebbare
Arbeiten hinderten ihn, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Skizzen
und fragmentarische Aufzeichnungen hierzu sind jedoch erhalten
geblieben (siehe Band 21 unserer Ausgabe, S. 392-403). 99 346 447
482
141 Von diesem Brief steht uns nur der von Rudolph Meyer veröf-
fentlichte, unvollständige Text zur Verfügung. 101
142 In seinem Brief vom 22. Juni 1893 an Engels hatte Rudolph
Meyer u.a. von einem Gespräch mit einem den Konservativen nahe-
stehenden Advokaten berichtet. Dieser habe ihm erzählt, in den
Kreisen der Konservativen herrsche die Ansicht, der Reichskanzler
#568# Anhang und Register
-----
Caprivi werde "die ganze Reichsmacht zur Unterdrückung der Sozi-
aldemokratie verwenden, die 'zu sehr gesiegt'" habe bei den letz-
ten Wahlen. 101
143 Das Sozialistengesetz ("Gesetz gegen die gemeingefährlichen
Bestrebungen der Sozialdemokratie") wurde am 19. Oktober 1878 im
Reichstag angenommen und trat am 21. Oktober 1878 in Kraft. Durch
das Ausnahmegesetz wurden alle Organisationen der Partei und alle
Gewerkschaften, sofern sie sozialistische Ziele verfolgten, ver-
boten. Sämtliche bedeutenden sozialistischen Presseorgane wurden
unterdrückt, jede Versammlung sozialistischen Charakters wurde
untersagt. Das Sozialistengesetz sollte jegliche demokratische
Bewegung in Deutschland ihrer Führung berauben und damit wir-
kungslos machen. Die Sozialistische Arbeiterpartei organisierte
den illegalen Kampf gegen das Ausnahmegesetz. Dabei mußte sie
sich mit den Rechtsopportunisten und einer anarchistischen Gruppe
in der Partei auseinandersetzen. Marx und Engels halfen der Par-
tei, eine revolutionäre Strategie und Politik auszuarbeiten und
durchzusetzen. Dank ihrer revolutionären Taktik, die alle nur
möglichen legalen und illegalen Kampfformen miteinander verband,
bestand die Partei die Bewährungsprobe und entwickelte sich im
Kampf gegen das Sozialistengesetz zu einer Massenpartei, in der
sich der Marxismus durchsetzte. Bei den Wahlen im Februar 1890
gewann sie 19,7 Prozent aller Stimmen und wurde zur stärksten
Partei. Am 25. Januar 1890 lehnte der Reichstag unter dem Druck
der Massen eine Verlängerung des Sozialistengesetzes ab. Die Gül-
tigkeitsdauer dieses Gesetzes erlosch am 30. September 1890. Von
Seiten der Reaktion wurde jedoch der Plan einer Erneuerung des
Ausnahmegesetzes nicht aufgegeben (siehe auch Anm. 355). 101 132
215 279 288 292 369 413 426
144 Es handelt sich um das Kapitel 22 in August Bebels Buch "Die
Frau und der Sozialismus". Rudolph Meyer war in seinem Brief vom
22. Juni 1893 an Engels ausführlich auf dieses Kapitel eingegan-
gen. 101
145 Ende Juni 1893 hatte Engels dem Korrespondenten des "Daily
Chronicle" ein Interview über den Wahlerfolg der deutschen Sozi-
aldemokratie bei den Reichstagswahlen im Juni 1893 (siehe Anm.
110) gegeben, das die Zeitung am 1. Juli veröffentlichte (siehe
Band 22 unserer Ausgabe, S. 544-548). Laura Lafargue hatte dieses
Interview ins Französische übersetzt. Es erschien in "Le Sociali-
ste" vom 15.Juli 1893 unter dem Titel "F. Engels et les élections
allemandes". 105
146 Das IX. Kapitel von Engels' Schrift "Der Ursprung der Fami-
lie, des Privateigentums und des Staats" wurde am 1. Juli 1893
unter dem Titel "Barbarie et civilisation" und Kapitel V unter
dem Titel "Origine et développement de l'état athénien" am 2.
August 1893 in "L 'Ere nouvelle" veröffentlicht. 105
147 Bourses du Travail (Arbeitsbörsen) waren lokale Institutionen
in Frankreich, die seit der zweiten Hälfte der achtziger Jahre
vorwiegend bei den Stadtverwaltungen der Großstädte geschaffen
wurden und aus Vertretern der verschiedenen Gewerkschaften be-
standen. Anfangs wurden sie von den staatlichen Organen gefördert
und nicht selten finanziell unterstützt, da man sie dazu benutzen
wollte, die Arbeiter vom Klassenkampf abzuhalten. Bald jedoch be-
gann die Tätigkeit der Arbeitsbörsen bei der Regierung Befürch-
tungen hervorzurufen, und sie kämpfte gegen deren Ausbreitung.
Die Arbeitsbörsen befaßten sich nicht nur mit der Arbeitsbeschaf-
fung für die Arbeitslosen (bei jeder Börse gab es hierfür ein
spezielles Büro), sondern waren auch Organisatoren neuer Gewerk-
schaften, der gewerkschaftlichen Schulung der Arbeiter sowie des
Streikkampfes.
Die französische Regierung ließ am 7. Juli 1893 die Pariser Ar-
beitsbörse von Militär besetzen. Sie wurde unter dem Vorwand ge-
schlossen, daß diese Organisation gesetzlich Vorboten sei und
blieb bis 1896 geschlossen. 106
#569# Anmerkungen
-----
148 Am 13. Juli 1893 waren französische Kriegsschiffe nach Bang-
kok (Siam) vorgedrungen und dabei von den Siamesen beschossen
worden. Dies wurde von der französischen Regierung, die koloniale
Expansionsziele verfolgte, zum Anlaß genommen, Siam am 18. Juli
1893 das Ultimatum zu stellen, das linke Mekong-Ufer bis zur chi-
nesischen Grenze an Frankreich abzutreten.
1882 hatte die Regierung Jules Ferry einen Kolonialkrieg gegen
Tongking entfacht, der sich zu einem Krieg gegen China auswei-
tete. Im Juni 1884 wurde das französische Protektorat über Tong-
king errichtet. Die Kriegshandlungen gingen jedoch weiter; im
März 1885 wurde das französische Expeditionskorps geschlagen, was
den Sturz der Regierung Ferry zur Folge hatte. 106
149 Laura Lafargue antwortete am 26. Juli 1893 auf Engels' An-
frage, daß sie und ihr Mann wegen der Vorbereitungen der Wahlen
zur Deputiertenkammer nicht am Züricher Kongreß teilnehmen könn-
ten (siehe auch Anm. 156). 106
150 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben: Sigr. Filippo Turati,
Portici Galleria V.E. 23, Milano, Italy. Auf dem Kuvert befindet
sich ein Vermerk von Turati: "Engels, Proprieta, opere Marx"; es
folgen einige unleserliche Worte. 107
151 Filippo Turati hatte Engels am 17. Juli 1893 mitgeteilt, daß
die Turiner Unione tipografica-editrice (Typografische Verlags-
gessllschaft) gegen Ettore Guindanis Absicht, Gabriel Devilles
Auszug "Le Capital de Karl Marx" in italienischer Sprache heraus-
zugeben (siehe Anm. 125), gerichtlich vorgehen wolle. Die Ver-
lagsgesellschaft habe ihm geschrieben, sie allein habe das Eigen-
tumsrecht an Marx' Werken von dessen Erben erworben. 107
152 Natalie Liebknecht hatte Engels am 24. Juli 1893 eine Photo-
graphie seines Geburtshauses im Bruch, einem Viertel in Unterbar-
men, geschickt, um ihm - wie sie schrieb - eine Freude zu machen.
Die Photographie hatte Wilhelm Liebknecht während einer
Agitationsreise machen lassen. 110
153 Vom 21. bis 28. Juli 1893 weilte Engels zur Erholung in
Eastbourne. 110
154 In ihrem Brief vom 24. Juli 1893 an Engels hatte Natalie
Liebknecht mitgeteilt, daß man ihrem Sohn Karl in Berlin
"Schwierigkeiten mit seiner Referendar-Anstellung" mache. Dabei
benutzten die zuständigen preußischen Stellen den Vorwand, daß er
noch sächsischer Untertan sei. In Wirklichkeit wollte man jedoch
verhindern, daß der Sohn des Arbeiterführers Wilhelm Liebknecht
eine seinen Fähigkeiten und Kenntnissen entsprechende Stellung
erhielt. 110
155 Jules Guesde war im ersten Wahlgang mit 6887 Stimmen gegen
2138 für den gemäßigten Republikaner Deschamps und 4403 für] den
katholischen Arbeiter Vienne gewählt worden. Paul Lafargue hatte
im zweiten Wahlkreis von Lille 4745 Stimmen erhalten (siehe auch
Anm. 158). 116
156 Da der Internationale Sozialistische Arbeiterkongreß in Zü-
rich (siehe Anm. 120) am Vorabend der Wahlen zur Deputiertenkam-
mer (siehe Anm. 52) stattfand, konnten die Führer der französi-
schen Arbeiterpartei nicht am Kongreß teilnehmen. Von den 41 Mit-
gliedern der französischen Delegation vertraten nur Charles Bon-
nier und Bonnet die Arbeiterpartei; die anderen Mitglieder der
Delegation waren Vertreter nichtmarxistischer Gruppen und traten
in einer Reihe prinzipieller Fragen gegen die marxistische Mehr-
heit des Kongresses auf. 116 143 182 273
#570# Anhang und Register
-----
157 Anspielung auf August Bebels Buch "Die Frau und der Sozialis-
mus". 117
158 Die Hoffnungen auf die Wahl Paul Lafargues erfüllten sich
nicht. Da Lafargue sowie der Kandidat der Opportunisten (siehe
Anm. 20) Gustave Dron in ihrem Wahlkreis jeweils 3000 Stimmen
benötigten, um ihren reaktionären Gegner zu schlagen, waren sie
übereingekommen, daß die Sozialisten für Dron und die Oppor-
tunisten für Lafargue stimmen sollten. Die Sozialisten stimmten
zwar für Dron und sicherten dessen Sieg, die Opportunisten aber
enthielten sich der Stimme oder stimmten für Lafargues Gegner, so
daß Lafargue nicht durchkam. 117 119 122
159 Der Brief Jules Guesdes, in dem er seinen Wählern im 7. Wahl-
bezirk Lille (Roubaix) für ihre Unterstützung bei den Wahlen
dankte, war bereits am 26. August 1893 in "Le Socialiste" veröf-
fentlicht worden. Guesde hatte darin u.a. erklärt: "Die Wahl vom
Sonntag ist eine wahre Revolution, der Beginn der Revolution, die
Euch zu freien Menschen machen wird... Dank an Roubaix, das da-
durch, daß es den Sozialismus ins Palais Bourbon gebracht hat...,
die vorbildliche Gemeinde..., die heilige Stadt für die Proleta-
rier aus aller Welt geworden ist." 119
160 Diesen Brief schrieb Engels auf einen Briefbogen mit der ge-
druckten Adresse August Bebels. 120
161 Engels weilte Anfang August 1876 auf dem Kontinent, als er
mit seiner Frau Lizzy Burns in Familienangelegenheiten nach Hei-
delberg fuhr. 120 131
162 Von September 1841 bis Oktober 1842 war Engels in Berlin, um
seiner Militärdienstpflicht zu genügen und wohnte in der Doro-
theenstraße (heute Clara-Zetkin-Straße) 56, Ecke Friedrichstraße.
120 170
163 Mit der Gründung der "Freien Volksbühne" 1890 in Berlin, an
der Franz Mehring führend mitwirkte, half die Sozialdemokratie
Zehntausenden klassenbewußten Arbeitern, die Schätze der deut-
schen Nationalkultur zu erschließen. Die "Freie Volksbühne" war
ein Theaterverein zur Propagierung einer realistischen Kunst ohne
Rücksichten auf Theaterzensur und Gelderwerb. Die Plätze zu den
Aufführungen wurden von den Mitgliedern des Vereins durch das Los
gezogen. Die "Freie Volksbühne" zählte 4000 Mitglieder und stand
von 1892 bis 1896 unter der Leitung von Franz Mehring. Der Spiel-
plan enthielt Stücke von Goethe und Schiller, Hauptmann, Hebbel,
aber auch von Gogol, Ibsen, Tolstoi, Zola u.a.
Wahrscheinlich besuchte Engels am 17. September 1893 die Auffüh-
rung von Hermann Sudermanns "Heimat" in der Nachmittagsvorstel-
lung der Freien Volksbühne im Lessing-Theater. 121
164 Als Engels und August Bebel nach dem Züricher Kongreß aus der
Schweiz zurückkehrten (siehe auch Anm. 90) und sich einige Tage
in Wien aufhielten, veranstalteten die österreichischen Sozial-
demokraten Engels zu Ehren am 11. September 1893 einen Festabend,
auf dem nach Meldung der Wiener "Arbeiter-Zeitung" 600 Personen
anwesend waren. Da jedoch viel mehr Menschen Engels sehen und
begrüßen wollten, wurde am 14. September eine sozialdemokratische
Versammlung durchgeführt, auf der über die Ergebnisse des Zü-
richer Kongresses berichtet wurde. Engels hielt eine Rede (siehe
Band 22 unserer Ausgabe, S. 410/411), und auch andere Teilnehmer
des Züricher Kongresses (u.a. August Bebel und Victor Adler)
ergriffen das Wort. An dieser Versammlung nahmen etwa 2000 Per-
sonen teil. 121 124 131
165 Am 10. September 1893 war in "La Petite République française"
unter der Überschrift "Unité socialiste" ein kurzer Artikel
Edouard Vaillants veröffentlicht worden, in dem er
#571# Anmerkungen
-----
alle sozialistischen Abgeordneten, unabhängig davon, welcher
Gruppierung sie angehörten, zu vereintem Handeln aufrief. 122
166 Am 12. September 1893 verhängte die Regierung Taaffe über
Prag und Umgebung den Ausnahmezustand, der angeblich "nur gegen
die nationalen Exzesse der Jungtschechen" (siehe Anm. 185) ge-
richtet war. In Wirklichkeit sollte dadurch der revolutionäre
Kampf der Sozialdemokratie erstickt werden. 122
167 Es handelt sich offensichtlich um Paul Lafargues Artikel "Die
politischen Parteien in Frankreich und die letzten Wahlen", der
auch in der "Neuen Zeit", 12. Jg. 1893/94, 1. Bd., Nr. 3, 4 und
5, veröffentlicht wurde, sowie um Lafargues Brief vom 5.September
1893, in dem er Engels über den Verlauf und die Ergebnisse der
Wahlen zur Deputiertenkammer berichtete. Der von Victor Adler auf
der Grundlage dieser Informationen verfaßte Artikel "Die Wahlen
in Frankreich" erschien am 15. September in der "Arbeiter- Zei-
tung". 122
168 Engels beantwortet hier Karl Kautskys Brief vom 20. September
1893, in dem Kautsky um Engels' Zustimmung zum Abdruck eines
Briefes von Heinrich Heine an Marx vom 21. September 1844 in der
"Neuen Zeit" ersucht. Der Heine-Brief befand sich im Besitz von
Eleanor Marx-Aveling. Kautsky bat Engels, eine Einleitung zu die-
sem Brief zu schreiben, was Engels jedoch nicht getan hat. Der
Brief wurde erst nach Engels' Tod in der "Neuen Zeit", 14. Jg.
1895/96, 1. Bd., Nr. 1, mit einem Kommentar von Kautsky und einem
beigefügten Faksimile von Engels' Brief veröffentlicht. 123 162
169 Es handelt sich um die Honoraranteile, die die Verleger des
"Kapitals" den Erben von Karl Marx zu zahlen hatten. 124
170 Auf der Rückreise aus der Schweiz hielt sich Engels vom 16.
bis 28. September 1893 auch in Berlin auf. Hier wurde ihm ein
ebenso begeisterter Empfang bereitet wie in Wien (siehe Anm.
164). Am 22. September 1893 fand in Berlin in den Concordia-Sä-
len, Andreasstraße 64, Engels zu Ehren eine Festversammlung mit
4000 Teilnehmern statt, auf der Wilhelm Liebknecht in einer Be-
grüßungsansprache Engels' Rolle in der deutschen Arbeiterbewegung
würdigte und in kurzen Worten aufzeigte, was Engels zusammen mit
Marx geleistet habe. Er gab einen Umriß der sozialistischen Bewe-
gung, die Marx und Engels so viel verdanke, und schloß mit den
Worten: "Man hat Friedrich Engels - und mit Recht - den wissen-
schaftlichen Testamentsvollstrecker von Karl Marx genannt. Seine
politischen Testamentsvollstrecker sind wir, die internationale
Sozialdemokratie." Engels' Ansprache auf der Festversammlung
siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 412/413. 124 131
171 Noriker - Bewohner der altrömischen Provinz Noricum, die das
jetzige Ober- und Niederösterreich südlich der Donau sowie den
größten Teil der Steiermark und Kärntens umfaßte. 125
172 Über den Verbleib dieser Postkarte ist uns nichts bekannt.
126
173 Es handelt sich um Eduard Bernsteins Artikel "Die preußischen
Landtagswahlen und die Sozialdemokratie. Ein Vorschlag zur Dis-
kussion", der in der "Neuen Zeit", 11. Jg. 1892/93, 2. Bd., Nr.
52, veröffentlicht wurde. 127
174 Ultramontane - Vertreter einer äußerst reaktionären Richtung
des Katholizismus, die jedes nationalkirchliche Bestreben ablehn-
ten und das päpstliche Recht der Einmischung in die inneren Ange-
legenheiten jedes Staates verfochten. Sie konzentrierten sich in
Deutschland in der Zentrumspartei. Näheres siehe Band 21 unserer
Ausgabe, S. 460/461. 128
#572# Anhang und Register
-----
175 1893 brachte der Londoner Verleger William Reeves eine engli-
sche Ausgabe von August Bebels Buch "Die Frau und der Sozialis-
mus" unter dem Titel "Woman in the past, present and future"
heraus, ohne dies vorher mit dem Verfasser oder mit Frau Adams
Walther, die Bebels Werk für die erste englische Ausgabe über-
setzt hatte, vereinbart zu haben. Die erste englische Ausgabe war
1885 in London im Verlag "The Modern Press" unter dem gleichen
Titel erschienen. 128 138 154
176 Der Schweizer Sozialdemokrat Hermann Blocher beabsichtigte,
eine Arbeit über Bruno Bauer zu schreiben. Aus diesem Grunde
hatte er sich an Engels gewandt und ihn gebeten, ihm bei der Aus-
wahl von entsprechender Literatur behilflich zu sein. Er wollte,
wie er Engels am 11. August 1893 schrieb, in diesem Zusammenhang
"Bauers Stellung zu den anderen Anhängern der hegelischen Philo-
sophie behandeln, zumal zu Karl Marx". Zu diesem Zweck bat er um
ein Exemplar der "Heiligen Familie" von Marx und Engels (siehe
Band 2 unserer Ausgabe), das schwer zu bekommen sei. 129
177 Engels meint den begeisterten Empfang, den ihm die Delegier-
ten des Züricher Kongresses (siehe Anm. 120) auf der Schlußsit-
zung am 12. August 1893 bereiteten. 131
178 Im November 1893 sollten die Sitzungen der im August/Septem-
ber 1893 (siehe Anm. 52) gewählten Deputiertenkammer beginnen.
132
179 Am 2. Oktober 1893 fand in Wien im Kollosseum von Schwender
eine von über 4000 Personen besuchte Volksversammlung statt. Vic-
tor Adler hielt eine Rede gegen den von der Regierung Taaffe über
Prag verhängten Ausnahmezustand (siehe Anm. 166). Seine Rede
wurde am 6. Oktober in der Wiener "Arbeiter-Zeitung" veröffent-
licht. 134 141
180 Anfang der neunziger Jahre hatte sich in Österreich eine
breite Kampagne für eine Wahlreform entfaltet. Am 9. Juli 1893
organisierten die Sozialdemokraten in Wien und in vielen anderen
Städten große Arbeiterdemonstrationen und Versammlungen, auf
denen die Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht erhoben wurde.
Unter dem Druck der Massen legte Ministerpräsident Eduard Taaffe
dem Reichsrat am 10. Oktober 1893 den Entwurf einer Wahlreform in
Österreich vor. Sie sollte den Kreis der Wahlberechtigten bedeu-
tend erweitern, jedoch die Privilegien für die Großgrundbesitzer
und die Bourgeoisie beibehalten. Die reaktionären politischen
Parteien waren gegen den Gesetzentwurf, und das Kabinett Taaffe
mußte im Oktober 1893 zurücktreten. Die Reform wurde erst 1896
durchgeführt. 134 140 146 155 161 164 178 213 269 325
181 Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs wurde auf
dem Einigungsparteitag in Hainfeld (Niederösterreich) gegründet,
der vom 30. Dezember 1888 bis 1. Januar 1889 tagte. Als Programm
wurde vom Parteitag eine "Prinzipienerklärung" angenommen, die
sich im wesentlichen auf die Thesen des "Manifests der Kommuni-
stischen Partei" stützte. Die "Prinzipienerklärung" stellte der
Partei die Aufgabe, das Proletariat politisch zu organisieren,
die Entwicklung seines Klassenbewußtseins zu fördern, den Kampf
für den Übergang der Produktionsmittel in gesellschaftliches Ei-
gentum zu führen, für die Befreiung aller Werktätigen von ökono-
mischer Abhängigkeit, für die Beseitigung ihrer politischen
Rechtlosigkeit und die Erhöhung ihres Bildungsniveaus u.a.m. zu
kämpfen. Sie verkündete das Prinzip des proletarischen Interna-
tionalismus als eine der Grundlagen für die Organisation und Tä-
tigkeit der Partei. 136 140
182 Im November 1847 begann in der Schweiz der Bürgerkrieg, der
durch den reaktionären Sonderbund, zu dem sich 1845 sieben ökono-
misch rückständige katholische Kantone zusammengeschlossen hat-
ten, entfesselt wurde. Der Sonderbund hatte sich das Ziel ge-
setzt, der Durchsetzung bürgerlich-liberaler Reformen entgegenzu-
treten und die
#573# Anmerkungen
-----
Privilegien der Kirche und der Jesuiten zu verteidigen. Am 23.
November 1847 wurden die Truppen des Sonderbundes von den Truppen
der Schweizer Bundesregierung geschlagen. 136 141 302
183 Im Januar 1848 beschossen die neapolitanischen Truppen Fer-
dinands II., der später wegen seiner rücksichtslosen Bombardie-
rung von Messina König Bomba genannt wurde, die Stadt Palermo. In
Palermo war im Zusammenhang mit dem Kampf um die Verfassung ein
Volksaufstand ausgebrochen, der zum Signal für die bürgerliche
Revolution 1848/49 in den italienischen Staaten wurde. 136 141
184 In den Jahren 1890 bis 1893 hatte sich in Belgien eine Mas-
senbewegung für das allgemeine Wahlrecht entfaltet. Am 12. April
1893 proklamierte der Generalrat der belgischen Arbeiterpartei
(siehe Anm. 133), nachdem die Kammer am Vortage die Einführung
des allgemeinen Wahlrechts abgelehnt hatte, den politischen Gene-
ralstreik, der bald das ganze Land erfaßte. Am 18. April tagte
die Konstituante; sie war schließlich unter dem Druck der Massen
gezwungen, ein Gesetz über die Einführung des allgemeinen Wahl-
rechts anzunehmen. Es wurde am 29. April vom Senat bestätigt.
Alle Männer über 25 Jahre erhielten das Wahlrecht, die Anzahl der
Wahlberechtigten stieg von 137 772 auf 1 370 637. Am selben Tage
beschloß der Generalrat der belgischen Arbeiterpartei, den Gene-
ralstreik zu beenden. 136 141 155 161
185 Jungtschechen - oppositionelle bürgerliche Bewegung, die be-
sonders die Interessen der Industriebourgeoisie, anfangs auch die
der kleinbürgerlichen Kreise vertrat. Ursprünglich gehörten sie
der Nationalpartei (Alttschechen) an und bildeten ihren liberalen
Flügel. 1874 bildeten die Jungtschechen eine eigene Partei
(Nationalfreismnige), die in den neunziger Jahren zur führenden
bürgerlichen Partei Böhmens wurde. Die Jungtschechen forderten
eine Umwandlung Österreich-Ungarns in eine trialistische öster-
reichisch-ungarisch-tschechische Monarchie und strebten nach der
Festigung der ökonomischen und politischen Positionen der
tschechischen Bourgeoisie.
Die Alttschechen (Nationalpartei) vereinigten in ihren Reihen
konservative Kreise der tschechischen Bourgeoisie sowie der Groß-
grundbesitzer und waren eng mit dem Landadel verbunden. 137
186 Gemeint ist die Februarrevolution 1848 in Frankreich. 141
187 Der "Vorwärts" vom 12. Oktober 1893 brachte unter der Über-
schrift "Der Kongreß der französischen Arbeiterpartei" eine vom
9. Oktober 1893 datierte Korrespondenz aus Paris. 143
188 Im "Vorwärts" vom 21. September 1893 war der Artikel
"Zarismus und Republikanismus" von Edouard Vaillant erschienen.
"Le Socialiste" brachte ihn erst am 23. September 1893. 143
189 Am 20. September 1893 druckte der "Vorwärts" einen Brief des
Journalisten Paul Arndt ab, der die Politik des Possibilistenfüh-
rers Paul Brousse zu rechtfertigen suchte. 143
190 Nach den Wahlerfolgen der französischen Sozialisten (siehe
Anm. 52) begann die reaktionäre Presse eine Verleumdungskampagne
und behauptete u.a., Paul Lafargue sei von der deutschen Regie-
rung gekauft. Dabei nutzten die chauvinistischen Kreise die Tat-
sache aus, daß die deutschen Sozialdemokraten zur Unterstützung
des Wahlfonds ihrer französischen Klassenbrüder über 2500 fr. ge-
sammelt hatten. In diesem Zusammenhang hatte Lafargue am 5. Sep-
tember 1893 an Engels geschrieben, daß es besser wäre, wenn die
deutschen Sozialdemokraten künftig kein Geld mehr schickten. 144
192
#574# Anhang und Register
-----
191 Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
fand vom 22. bis 28. Oktober 1893 in Köln statt. Im Vordergrund
des Berichts der Reichstagsfraktion standen das System und der
Klassencharakter des Militarismus sowie der antimilitaristische
Kampf. Mittelpunkt der Beratungen waren das Verhältnis von Partei
und Gewerkschaften. Führende Gewerkschaftsfunktionäre versuchten,
die Unterordnung der Partei unter die Gewerkschaften zu errei-
chen. Die Auseinandersetzungen gingen um die Kernfrage: soziali-
stische Klassenpolitik oder ökonomische Reformpolitik. Der Par-
teitag wies die opportunistischen Angriffe aus dem Lager der Ge-
werkschaftsführung entschieden zurück, legte jedoch nicht die
Führungsfunktion der Partei gegenüber der Gewerkschaftsbewegung
konkret fest. Der Parteitag sprach sich für die Nichtbeteiligung
an den preußischen Landtagswahlen und gegen Kompromisse mit geg-
nerischen Parteien aus. Unter anderem wurde eine Resolution gegen
den Antisemitismus angenommen. 144 151
192 Am 10. Oktober 1893 hatte Paul Lafargue an Engels geschrie-
ben, daß Verhandlungen über die Gründung einer neuen Tageszeitung
im Gange seien. Engels erinnert hier Lafargue daran, daß im
"Socialiste" bereits am 25. September 1892 mit einer Notiz "Pour
paraître en octobre" ("Erscheint im Oktober") angekündigt worden
war, "Le Socialiste" werde künftig als Tageszeitung herauskommen.
Dies war jedoch nicht geschehen. Auch die diesmal von Lafargue
erwähnten Verhandlungen verliefen ergebnislos. 144 260
193 ené Goblet und Étienne-Alexandre Millerand gehörten zur Lei-
tung der "Petite République française", deren Spalten in jener
Zeit den Vertretern aller sozialistischen Strömungen zur Verfü-
gung standen. 144
194 Laura Lafargue antwortete Engels Mitte Oktober 1893, daß
Henri Ravé keine Schuld an dem Verschwinden ihres Namens vom Ti-
telblatt der französischen Übersetzung des "Ursprungs der Fami-
lie, des Privateigentums und des Staats" treffe, sondern sie
selbst ihren Namen gestrichen habe. Ihr genüge es, wenn Engels
mit ihrer Korrektur der Ravéschen Übersetzung zufrieden sei. 146
152
195 Siehe Band 20 unserer Ausgabe, S. 147 -171. Die geplante
französische Einzelausgabe ist unseres Wissens nicht erschienen.
146
196 Gemeint ist das von N. F. Danielson unter dem Pseudonym Niko-
lai-on veröffentlichte Buch "Otscherki naschewo poreformennowo
obschtschestwennowo chosjaistwa", S.-Peterburg 1893. 148 422
197 Bei den sächsischen Landtagswahlen im Oktober 1893 erreichten
die Sozialdemokraten im Vergleich zu den letzten Wahlen einen
Stimmenzuwachs von 14 303. Sie erhielten insgesamt 37 306 Stim-
men, die Anzahl ihrer Mandate erhöhte sich von zwei auf fünf. 151
158
198 Auf Wunsch von Engels sollte das Honorar für seine im Verlag
von J.H.W. Dietz in Stuttgart erscheinenden Arbeiten an Victor
Adler zur Unterstützung der österreichischen Sozialdemokratie ge-
schickt werden. 153 300
199 Hinweis auf den 11. Kongreß der französischen Arbeiterpartei
(siehe Anm. 68) in Paris vom 7. bis 9. Oktober 1893. Anwesend wa-
ren 92 Delegierte, die 499 Partei- und Gewerkschaftsorgani-
sationen vertraten. Der Kongreß nahm eine Erklärung über die
Notwendigkeit internationaler Aktionen des Proletariats an, in
der angesichts der ansteigenden Welle des Chauvinismus betont
wurde, daß die Arbeiterpartei sich mit den streikenden Berg-
arbeitern Frankreichs, Englands und Belgiens sowie mit den kämp-
fenden Sozialisten anderer Länder solidarisch fühle.
#575# Anmerkungen
-----
Der Kongreß behandelte die Ergebnisse der Wahlen zur Deputierten-
kammer (siehe Anm. 52), die Aufgaben der sozialistischen Abgeord-
neten, die sozialistische Propaganda usw. Er unterstrich die Not-
wendigkeit der Einheit der Sozialisten aller Richtungen und
sprach sich für die Konstituierung einer Fraktion aller soziali-
stischen Abgeordneten aus. 153 187 216
200 Engels konnte seine Absicht, die Briefe Ferdinand Lassalles
an Marx und Engels herauszugeben, nicht mehr verwirklichen. Sie
wurden 1902 von Franz Mehring unter dem Titel veröffentlicht:
"Briefe von Ferdinand Lassalle an Karl Marx und Friedrich Engels
1849 bis 1862", in: "Aus dem literarischen Nachlaß von Karl Marx,
Friedrich Engels und Ferdinand Lassalle", Vierter Band. Mehring
benutzte hierfür neben den Originalbriefen auch die von Eleanor
Marx-Aveling mit Schreibmaschine geschriebenen und von Engels
durchgesehenen Abschriften. 154 346 403 409 450 468
201 In Frankreich begann in der zweiten Septemberhälfte 1893 in
den Departements Nord und Pas-de-Calais ein Bergarbeiterstreik;
die Arbeiter forderten höhere Löhne und verlangten, daß Arbeiter,
die älter sind als 40 Jahre, nicht entlassen werden dürfen. Der
Streik dauerte etwa zwei Monate und endete mit einem Mißerfolg
für die Arbeiter.
Fast zur selben Zeit traten in Belgien die Bergarbeiter mit der
Forderung nach einer 10prozentigen Lohnerhöhung in den Streik.
Der Streik wurde Mitte Oktober beendet. Es gelang den Arbeitern
nicht, ihre Forderungen durchzusetzen. 156
202 Im Sommer 1893 versuchten in England die Unternehmer nach der
Aussperrung der Bergarbeiter (siehe vorl. Band, S. 139/140)
Streikbrecher einzustellen. Daraufhin kam es im September 1893 in
Featherstone (Yorkshire) zu einem Zusammenstoß zwischen Truppen
und Bergarbeitern, wobei einige Bergarbeiter getötet und andere
verletzt wurden. Fast alle Bergwerksgebiete wurden von Truppen
besetzt. Das rief im ganzen Land Empörung hervor, so daß die Un-
ternehmer gezwungen waren, zunächst von einer Herabsetzung des
Arbeitslohns abzusehen. 156
203 Engels schrieb diesen Entwurf auf die Seite eines Briefes,
den Ferdinand Wolff Ende Oktober 1893 an ihn gerichtet hatte.
Wolffs Brief enthielt unverständliche Andeutungen und Drohungen.
Als Engels diese Antwort entwarf, wußte er noch nichts von der
psychischen Erkrankung Wolffs, von der er sich bald darauf bei
einem Besuch in Oxford überzeugen mußte. (Siehe auch vorl. Band,
S. 181/182.) Ob Engels den entsprechenden Brief an Wolff abge-
sandt hat, ist nicht bekannt. 159
204 Gemeint ist Lujo Brentanos Arbeit "Die Arbeitergilden der Ge-
genwart", Bd. 1-2, Leipzig 1871-1872. 160
205 Victor Adler hatte den ersten Band des Werkes von Stepniak
(S.M. Krawtschinski) "The russian peasantry. Their agrarian con-
dition, social life and religion", das 1888 im Verlag Swan Son-
nenschein & Co. in London erschienen war, ins Deutsche übersetzt.
Am 22. September 1892 wandte er sich an Engels mit der Bitte,
Krawtschinski nach Vorlage der formellen Ubersetzungsgenehmigung
der Verleger das ihm zustehende Honorar zu zahlen. (Siehe auch
Band 38 unserer Ausgabe, S. 471/472.) Krawtschinski prüfte die
Ubersetzung Adlers und schrieb auch ein kurzes Vorwort. Das Buch
erschien 1893 im Verlag J.H.W. Dietz unter dem Titel "Der russi-
sche Bauer". 160 177
200 Karl Kautsky hatte Engels am 1. November 1893 mitgeteilt, daß
er die Absicht habe, nach Österreich umzusiedeln. In seinem Brief
vom 25.November 1893 begründete er diese Absicht damit, daß er
sich während seines Aufenthaltes in Stuttgart von der
österreichischen Arbeiterbewegung isoliert fühle. 161
#576# Anhang und Register
-----
207 Karl Kautsky hatte Eduard Bernstein vorgeschlagen, für die
"Neue Zeit" einen Artikel über den Generalstreik zu schreiben. In
einem Brief an Engels vom 25. November 1893 begründete Kautsky
sein Vorhaben damit, daß ihn ein aus Österreich "gesandter Arti-
kel gegen den Generalstrike" dazu angeregt habe.
Engels' Rat, den Artikel nicht zu schreiben, wurde nicht befolgt,
denn im Februar 1894 erschien der Artikel "Der Strike als politi-
sches Kampfmittel" von Bernstein in der "Neuen Zeit". 161 201
208 Hinweis auf Eduard Bernsteins Artikel "Die preußischen Land-
tagswahlen und die Sozialdemokratie", der in der "Neuen Zeit",
11. Jg. 1892/93, 2. Bd., Nr. 52 veröffentlicht wurde. 161
209 Gemeint ist Karl Kautskys Schrift "Der Parlamentarismus, die
Volksgesetzgebung und die Sozialdemokratie", die 1893 in Stutt-
gart herauskam. 162
210 Es handelt sich um das 1893 im Pariser Verlag Guillaumin er-
schienene Buch "Karl Marx. Le Capital. Extraits faits par M. Paul
Lafargue". Die Einleitung schrieb Vilfredo Pareto. 162
211 Der Abgeordnete Joseph Baernreither hatte im Namen der
deutsch-liberalen Partei am 13.Oktober 1893 im österreichischen
Abgeordnetenhaus einen Wahlreform-Antrag eingebracht, der nur
denjenigen Arbeitern, die verpflichtet waren, einer Krankenkasse
beizutreten, als einer besonderen Wählerklasse das unmittelbare
Stimmrecht einräumte. Die Zahl der von den Arbeitern zu entsen-
denden Abgeordneten war auf 20 begrenzt. 164
212 Gegner der Wahlreform hatten am 3. November 1893 in Wien im
Saal Ronacher eine Versammlung durchgeführt, die eine Protestde-
monstration der sozialdemokratischen Arbeiter auslöste. Zwischen
den Demonstranten und der Polizei kam es zu blutigen Aus-
einandersetzungen. 164
213 Das Manifest der Fabian Society wurde in der Zeitschrift "The
Fortnightly Review", New Series, vom 1.November 1893 unter dem
Titel "To your tents, oh Israeli" veröffentlicht. Über den Inhalt
des Manifestes und über den Artikel von Autolycus siehe vorl.
Band, S. 166. 165 166
214 diamantene Neuigkeiten - Anspielung darauf, daß Laura Lafar-
gue Auskunft über George Diamandi geben solle (siehe vorl. Band,
S. 105 und 157/158). 169
215 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben: Frau Liebknecht, Kantstr.
160, Charlottenburg/Berlin (Germany). 170
216 Heinrich Heine, "Himmelsbräute" aus "Romanzero". 171
217 Karl Liebknecht, der 1893/94 mit seinem Bruder Theodor in
Potsdam bei den Gardepionieren diente, hatte sich um eine Anstel-
lung als Gerichtsreferendar in Hamm beworben. Er wurde schließ-
lich in Arnsberg und Paderborn zugelassen. 171
218 In den USA war 1890 der MacKinley-Tarif beschlossen worden.
Dieser im Interesse der Monopole eingeführte Tarif sah eine we-
sentliche Erhöhung der Importzölle für die in die USA eingeführ-
ten Industrieerzeugnisse vor. Er führte zu steigenden Preisen für
Massenbedarfsartikel und damit zur Verschlechterung der Lage der
Arbeiterklasse. Siehe auch Engels' Artikel "Die amerikanische
Präsidentenwahl" (Band 22 unserer Ausgabe, S. 334-336). Die Demo-
kraten, die 1892 in den USA an die Macht gekommen waren, führten
1894 einen neuen Tarif ein, der zwar die Tarifsätze von 1890
senkte, aber auch ausgesprochen protektionistischen Charakter
trug. 172 175 224
#577# Anmerkungen
-----
219 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: H. Schlüter
Esq., 936 Washington St., Hoboken N.Y., U.S. America. 175 176
220 Es handelt sich um das Buch "Departement of the Interior,
Census Office, Compendium of the eleventh census: 1890", Parts I-
II, Washington, 1892-1894. Teil III erschien 1897. 175 176 339
361
221 Berner Konvention (Berner Übereinkunft, Berner Literarkonven-
tion) - in Bern am 9. September 1886 abgeschlossene völkerrecht-
liche Übereinkunft zur Wahrung der Urheberrechte an Werken der
Literatur und Kunst. Der Konvention gehörten u.a. Großbritannien,
Deutschland, Frankreich und Italien an. 178 246 247
222 Dieser Vers entstammt einem in England sehr beliebten Kinder-
lied über ein Ei, das von einer Mauer fällt, zerbricht und von
niemandem wieder zusammengefügt werden kann. 178
223 Engels schrieb diesen Entwurf seiner Antwort auf die Rück-
seite des Briefes, den Paul Arndt am 4. Dezember 1893 an ihn ge-
richtet hatte. 180
224 Clara Zetkins Artikel "Die Wahlen in Frankreich" erschien mit
C.Z. gezeichnet in der "Neuen Zeit", 11. Jg. 1892/93, 2. Bd., Nr.
52. Sie hob hervor, daß die Sozialisten im Vergleich zu den
Republikanern und den bürgerlichen Radikalen den relativ größten
Wahlerfolg erzielten und daß dieser Erfolg noch größer gewesen
wäre, wenn die Sozialisten nicht so zersplittert aufgetreten wä-
ren.
Über die Wahlen siehe Anm. 52. 182
225 Das Kabinett Charles Dupuy wurde im November 1893 gestürzt,
als die vereinte sozialistische Gruppe in der Deputiertenkammer
aktiv gegen die Regierungsmehrheit für die streikenden Grubenar-
beiter im Departement Pas-de-Calais und für soziale Reformen auf-
trat. Das neue Kabinett unter Jean Casimir-Périer geriet bereits
Anfang Dezember des gleichen Jahres in große Schwierigkeiten, als
Jean Jaures in der Debatte über Steuerreformen im Namen der so-
zialistischen Gruppe den Antrag stellte, die Grundsteuern für die
Kleinbauern abzuschaffen. Der Antrag kam mit großer Stimmenmehr-
heit durch. Das Kabinett wurde jedoch vor dem Sturz bewahrt, da
Casimir-Périer die Abstimmung rückgängig machen ließ. 182
226 1893 hatten die Anarchisten in Paris, ermuntert durch die
Polizei, die sich ihrer gegen die Sozialisten bediente, eine
Reihe von Sprengstoffattentaten und Überfällen durchgeführt. Am
9. Dezember 1893 schleuderte der Anarchist Auguste Vaillant eine
Bombe in die Deputiertenkammer. Als die Anarchisten auch das Le-
ben bürgerlicher Politiker bedrohten, forderte die Regierung den
Erlaß der sog. Anarchistengesetze (siehe Anm. 303) und eine Erhö-
hung des Polizeibudgets. 182 192 193 212
227 Laura Lafargue hatte Engels' Werk "Ludwig Feuerbach und der
Ausgang der klassischen deutschen Philosophie" (siehe Band 21 un-
serer Ausgabe, S. 259-307) ins Französische übersetzt. Ihre Über-
setzung erschien im Mai/April 1894 in "L'+re nouvelle". Engels
hatte Laura Lafargues Übersetzung im Manuskript durchgesehen. 183
189 192 233 312
228 Gemeint ist das Werk von Henry Enfield Roscoe und Carl Schor-
lemmer "A treatise on chemistry", von dem in den Jahren 1877-1892
3 Bände in London und New York herausgegeben wurden. Insgesamt
umfaßte die Ausgabe 9 Bände.
Die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel "Ausführliches
Lehrbuch der Chemie", Bände I-IV, 1877 bis 1889 in Braunschweig.
#578# Anhang und Register
-----
Nach Schorlemmers Tod setzte Julius Wilhelm Brühl die Ausgabe
fort. 1901 erschien der letzte Band. 184 265 365
229 Carl Schorlemmer arbeitete in den letzten Jahren seines Le-
bens an einer "Geschichte der Chemie" und hinterließ darüber ein
umfangreiches, nicht abgeschlossenes Manuskript. Ludwig Siebold
hatte die Absicht, es deutsch und englisch herauszugeben. Adolf
Spiegel berichtete darüber in seinem Nekrolog "Carl Schorlemmer".
Das deutschsprachige Manuskript, das etwa 650 Seiten umfaßt,
blieb unveröffentlicht und befindet sich im Besitz der Universi-
tätsbibliothek in Manchester. 184 265 544
230 Hinweis auf Carl Schorlemmers Buch "The rise and development
of organic chemistry", das 1879 in Manchester und London heraus-
kam. 1889 erschien das Werk in deutscher Übersetzung unter dem
Titel "Der Ursprung und die Entwicklung der organischen Chemie"
in Braunschweig. Von Arthur Smithells wurde eine neue englische
Auflage vorbereitet, die 1894 in London und New York unter dem
gleichen Titel wie die englische Ausgabe von 1879 erschien. 185
365
231 Das Organ des Comité révolutionnaire central der Blanquisten,
"Le Parti Socialiste" hatte vom 17. Dezember 1893 bis 7.Januar
1894 einen Gesetzentwurf Marie-Edouard Vaillants über die Umwand-
lung des stehenden Heeres in Nationale Milizen veröffentlicht. Er
war von Jules Guesde und anderen Sozialisten mitunterzeichnet
worden. "Le Socialiste", das Organ der französischen Arbeiterpar-
tei (siehe Anm. 68) druckte Vaillants Entwurf am 20. Januar 1894
ab. 188 190
232 Das sog. Originalprotokollbuch, das von preußischen Polizei-
agenten angefertigt worden war, wurde auf dem Kölner Kommunisten-
prozeß 1852 als Hauptbelastungsmaterial gegen die Mitglieder des
Bundes der Kommunisten vom Hauptbelastungszeugen, dem Polizei-
agenten Wilhelm Stieber, vorgelegt. (Siehe auch Band 8 unserer
Ausgabe, S. 431-454.) 188
233 Dieses Vorhaben konnte Engels nicht mehr verwirklichen. 189
234 1890 fand in Madrid ein Prozeß gegen spanische Anarchisten
statt, in dem der Anarchist Munoz' als Polizeiagent entlarvt
wurde. Alle Angeklagten wurden zu sieben Jahren Zwangsarbeit ver-
urteilt. 192
235 Engels spielt auf die Ratifikation der französisch-russischen
Militärkonvention (siehe Anm. 13) an. 193
236 Engels schrieb diesen Entwurf seiner Antwort auf die Rück-
seite des Briefes, den Giuseppe Canepa ihm am 3. Januar 1894 ge-
schrieben hatte. Canepa bat Engels, für die ab März 1894 in Genf
erscheinende Wochenschrift "L'Era nuova" ein Motto vorzuschlagen,
das in kurzer Form die Grundidee der kommenden sozialistischen
Epoche ausdrücken sollte - im Unterschied zur alten Epoche, die
von Dante einst mit den Worten, daß die einen herrschen, und die
anderen leiden, charakterisiert wurde. Das von Engels angeführte
Zitat befindet sich in Band 4 unserer Ausgabe, S. 482. 194
237 Victor Adler hatte in der "Arbeiter-Zeitung" vom 5. Januar
1894 den Artikel "Das allgemeine Wahlrecht, eine 'konservative
Maßregel'" veröffentlicht. Er enthielt Ausschnitte aus dem im De-
zember 1893 in der "Neuen Zeit", 12.Jg. 1893/94, 1. Bd. Nr. 12
und 13 veröffentlichten Artikel Karl Kautskys, "Ein sozialdemo-
kratischer Katechismus", und wies auf die Nutzlosigkeit und den
Nachteil eines Generalstreiks im Kampf um eine Wahlreform hin.
195 200
#579# Anmerkungen
-----
238 Vom 24. bis 27. Dezember 1893 tagte in Wien der erste öster-
reichische Gewerkschaftskongreß. Auf ihm wurde eine einheitliche
zentrale Gewerkschaftskommission gebildet und eine für alle Ge-
werkschaften verbindliche einheitliche Streikregelung bestätigt.
Der Kongreß wandte sich gegen den Generalstreik als Mittel zur
Erlangung des allgemeinen Wahlrechts.
Der Parteitag der Tschechoslowakischen Sozialdemokratischen Par-
tei (Ceskoslovanská sociálne demokratická strana) fand vom 24.
bis 26. Dezember 1893 in Ceske Budejovice (Budweis) statt. Er er-
klärte das allgemeine Wahlrecht und den Achtstundentag als näch-
stes Ziel und übertrug dem vierten Parteitag der Sozialdemokrati-
schen Partei Österreichs (siehe Anm. 239) die Entscheidung über
die Mittel zur Erlangung dieser Ziele. Auf der Grundlage der
"Prinzipienerklärung" des Einigungsparteitags der österreichi-
schen Sozialdemokratie in Hainfeld (siehe Anm. 181) faßte der
Parteitag einen Beschluß über die Gründung einer selbständigen
Partei. Durch die Annahme einer Resolution über den Zusammen-
schluß aller in den verschiedenen Gebieten Österreichs lebenden
Tschechen in den Reihen einer Partei, legte er den Grundstein für
die Organisierung der Sozialdemokraten nach nationalen Merkmalen.
Die Berichte über den Gewerkschaftskongreß und den Parteitag wur-
den in der "Arbeiter-Zeitung" vom 2. und 5. Januar 1894 veröf-
fentlicht. 195 196 200
239 Der vierte Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Öster-
reichs tagte vom 25. bis 31. März 1894 in Wien. Wichtigster Punkt
der Tagesordnung war der Kampf um das allgemeine Wahlrecht. Die
Delegierten nahmen eine Resolution an, "das allgemeine, gleiche
und direkte Wahlrecht mit allen der Arbeiterklasse zur Verfügung
stehenden Mitteln erlangen zu wollen, dazu gehört neben den ange-
wandten Mitteln der Agitation und Organisation auch der Massen-
streik". Außerdem wurde ein neues Parteistatut angenommen sowie
beschlossen, den 1. Mai weiterhin als Demonstration für den Acht-
stundentag, das allgemeine Wahlrecht und die internationale Völ-
kerverbrüderung zu begehen. 196 200 220 224 227
240 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben: G.W. Lamplugh Esq.,
Geological Survey, 28 Jermyn St., S.W. 198
241 Robert Burtons Buch "The anatomy of melancholy" erschien un-
ter dem Pseudonym Democritus Junior, erstmalig im Jahre 1621.
George William Lamplugh übersandte Engels ein Exemplar der neun-
ten Aufl., London 1800. 198
242 Der französische Journalist Henri Ravé, der damals in
Poitiers lebte, hatte Engels am 1. Januar 1894 zum neuen Jahr
gratuliert und ihn gefragt, ob er mit der von ihm besorgten Uber-
setzung des "Ursprungs der Familie" zufrieden sei. Ravé teilte
mit, das Werk sei von der Kritik günstig aufgenommen worden, und
der Dekan der philosophischen Fakultät von Poitiers habe einen
sehr lobenden Artikel darüber geschrieben. Er erwähnte, er habe
mit der Übersetzung von Karl Kautskys Buch "Thomas More und seine
Utopie" begonnen; es sei "aber schwer zu verdauen". Ravé fragte
an, ob Engels ihm weitere Bücher zur Übersetzung empfehlen könne.
Den vorliegenden Entwurf seiner Antwort schrieb Engels auf die
Rückseite des Briefes von Ravé. 199
243 In diesem Sinne hatte sich Karl Höger auf dem österreichi-
schen Gewerkschaftskongreß (siehe Anm. 238) geäußert. 200
244 Über den Verbleib von Engels' Brief an Albert Delon ist uns
nichts bekannt. Engels schrieb diese Notiz auf den linken Rand
des Briefes, den ihm Delon am 19. Januar 1894
#580# Anhang und Register
-----
geschrieben hatte. Delon hatte Engels darin um Erlaubnis gebeten,
den zweiten Band des "Kapitals" ins Französische übersetzen zu
dürfen. 204
245 Der vorliegende Brief ist die Antwort auf einen Brief, den W.
Borgius am 19. Januar 1894 an Engels gerichtet hatte. Heinz Star-
kenburg veröffentlichte diese Antwort von Engels ohne Angabe des
Empfängers in der Zeitschrift "Der sozialistische Akademiker",
Nr. 20, 1895. In allen späteren Veröffentlichungen war Starken-
burg als Empfänger angegeben. Der uns zur Verfügung stehende
Brief von W. Borgius ermöglichte eine einwandfreie Bestimmung des
Empfängers. 205
246 Der "Vorwärts" hatte am 26. Januar 1894 in einem längeren Ar-
tikel unter der Überschrift "Ein edles Brüderpaar" nachgewiesen,
daß Theodor Reuß und Heinrich Oberwinder bereits seit 1886 mehr-
mals und von verschiedenen Zeitungen öffentlich als Polizeispione
entlarvt und angeprangert worden waren.
In seinem Brief vom 27. Januar 1894 hatte Richard Fischer ge-
schrieben, daß Reuß gegen diesen Artikel protestiert und be-
hauptet habe, er sei vom "Daily Chronicle" nicht wegen seiner
Entlarvung im "Vorwärts" vom 14. Januar 1891 entlassen worden.
Weiter wollte Fischer wissen, ob Engels sich erinnere, wann der
"Vorwärts" ein zweites Mal über Reuß berichtet hatte. 208
247 Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in
Erfurt fand vom 14. bis 21. Oktober 1891 statt. An ihm nahmen 230
Delegierte teil. In der Diskussion über die Politik und Taktik
der Partei setzten sich die Delegierten eingehend mit der
opportunistischen Auffassung Georg von Vollmars und den halbanar-
chistischen Ansichten der "Jungen" (siehe Anm. 26) auseinander.
Sie billigten einstimmig die von August Bebel vorgeschlagene Re-
solution zur Politik und Taktik der Partei, die sich gegen die
rechte und die linke Abweichung richtete. Im wichtigsten Satz der
Resolution wurde betont, "daß die Eroberung der politischen Macht
das erste und Hauptziel ist, nach der jede klassenbewußte Prole-
tarierbewegung streben muß". Die Resolution forderte ferner von
allen Parteimitgliedern, die Parteibeschlüsse einzuhalten, im
Sinne des Parteiprogramms zu wirken und stets "das ganze und
letzte Ziel der Partei" im Auge zu behalten. Damit war den Oppor-
tunisten eine entschiedene Abfuhr erteilt.
Zum Höhepunkt des Parteitages wurde die Annahme des neuen Partei-
programms. Berichterstatter war Wilhelm Liebknecht. Die Diskus-
sion über die Strategie und Taktik hatte im wesentlichen die Dis-
kussion über das Programm bereits vorweggenommen. Liebknecht be-
gründete den von der Programmkommission mit geringfügigen Ände-
rungen vorgeschlagenen Programmentwurf der Redaktion der "Neuen
Zeit". Er wurde einstimmig als definitives Programm der Partei
bestätigt. Der Parteitag war mit der Annahme des Programms und
der Resolution zur Taktik eines der wichtigsten Ereignisse in der
Entwicklung der Partei und von großer Bedeutung für die weitere
Entwicklung der sozialistischen Bewegung. 208
248 Es handelt sich wahrscheinlich um das Honorar für die 1894 in
Berlin im Verlag des "Vorwärts" herausgegebene Broschüre
"Internationales aus dem 'Volksstaat' (1871-75)" von Engels. 208
249 Etwa vom 9. Februar bis 1. März 1894 weilte Engels in East-
bourne zur Erholung. 209-212 217 222
250 Es handelt sich um Engels' Artikel "Die künftige italienische
Revolution und die Sozialistische Partei" (siehe Band 22 unserer
Ausgabe, S. 439-442), der auf Bitte von Filippo Turati und Anna
Kulischowa geschrieben, von Turati aus dem Französischen ins
#581# Anmerkungen
-----
Italienische übersetzt und am 1. Februar 1894 in der "Critica So-
ciale" veröffentlicht wurde. Victor Adlers für die "Arbeiter-Zei-
tung" geplante Übersetzung erschien nicht, jedoch wurde der Arti-
kel am 12. Juli 1894 unter der Überschrift "Friedrich Engels über
die Lage in Italien" im "Sozialdemokrat" abgedruckt. 209 219 226
229 260
251 Offensichtlich meint Engels die grausame Unterdrückung der
revoltierenden eingeborenen Schutztruppe in Kamerun, die sich mit
Waffen versehen und das Gouvernementsgebäude besetzt hatte. Zur
Niederschlagung des Aufstands wurde von den Kolonialbehörden die
Besatzung des deutschen Kreuzers "Hyäne" eingesetzt. 209
252 Es handelt sich um das Honorar für die Notiz über den dritten
Band des "Kapitals", die Engels Anfang Januar 1894 für die "Neue
Zeit" geschrieben hatte (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S.
437/438). 209
253 In Verbindung mit den Vorbereitungen zur Herausgabe einer Se-
rie von Arbeiten Eduard Bernsteins, Karl Kautskys u.a. über die
Geschichte des Sozialismus hatte Kautsky am 7. Februar 1894 En-
gels gebeten zu überlegen, ob es nicht besser sei, die Arbeit
"Geschichte des Kommunismus" zu nennen. Der Band erschien 1895 in
Stuttgart unter dem Titel "Die Geschichte des Sozialismus in Ein-
zeldarstellungen". 209
254 Engels schrieb diesen Entwurf seiner Antwort auf die Rück-
seite des Briefes, den Georg von Gizycki am 14. Februar 1894 an
ihn gerichtet hatte. Gizycki hatte Engels gebeten, seine Ansich-
ten "über die sittliche Bestimmung der Frau" mitzuteilen und ihm
zu gestatten, sie in der von ihm herausgegebenen Wochenschrift
"Ethische Kultur" zu veröffentlichen. 210
255 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse m Engels' Handschrift versehen: Ed. Bernstein
Esq., 50 Highgate Road, London N.W. 211
256 Eduard Bernstein hatte Engels geraten, die deutsche Überset-
zung des Buches von Giordano Bruno "Vom Unendlichen, dem All und
den Welten" zu lesen, über das er in der "Neuen Zeit" 12. Jg.
1893/94, 1. Bd., Nr. 21 eine Rezension unter dem Titel "Die deut-
sche Ausgabe einer Hauptschrift des Giordano Bruno" veröffent-
licht hatte. Weiter wollte Bernstein wissen, ob er Engels das von
G. Brandes in der "Frankfurter Zeitung" veröffentlichte Feuille-
ton "Bebel und Vollmar" zuschicken solle. 211
257 Engels meint die Sozialistische Partei der italienischen
Werktätigen (Partito socialista de lavoratori italiani), die 1892
auf dem Parteikongreß in Genua gegründet wurde. Ab 1895 nannte
sie sich Italienische Sozialistische Partei (Partito socialista
italiano). Die Sozialistische Partei der italienischen Werktäti-
gen grenzte sich entschieden von den Anarchisten ab und führte in
den neunziger Jahren, trotz einiger reformistischer Fehler, aktiv
die Massenbewegung der italienischen Arbeiterklasse. 213 491
258 Mitte Februar 1894 fand in der Deputiertenkammer eine Debatte
über die Getreidezölle statt. In diesem Zusammenhang hatte Jean
Jaures in einer Rede vor der Kammer am 17. Februar den Gesetzent-
wurf verteidigt, der die Schaffung eines staatlichen Getreide-
Einfuhrmonopols vorsah. Jules Guesde, der am 19. Februar 1894 das
Wort ergriff, unterstützte die Interpellation von Jaures. 214
259 Der erste illegale Parteikongreß der deutschen Sozialdemokra-
tie fand vom 20. bis 23. August 1880 auf Schloß Wyden in der
Schweiz statt. Er beendete die Periode des Schwankens und der
Verwirrung und zog das Fazit aus den Auseinandersetzungen um die
Strategie und Taktik der Sozialistischen Arbeiterpartei unter dem
Sozialistengesetz (siehe Anm. 143). Die Beschlüsse orientierten
die Partei - in Auseinandersetzungen mit den rechts- bzw.
#582# Anhang und Register
-----
linksopportunistischen Kräften - auf eine eindeutig revolutionäre
Taktik im Kampf gegen den preußisch-deutschen Militärstaat.
Übereinstimmend mit den neuen Bedingungen des Klassenkampfes
wurde einstimmig beschlossen, im Parteiprogramm festzulegen, daß
die Partei nunmehr "mit allen Mitteln", nicht nur "mit allen ge-
setzlichen Mitteln", wie es bis dahin im Gothaer Programm hieß,
ihre Ziele verfolge. Weiterhin wurde beschlossen, den "Sozial-
demokrat" zum offiziellen Organ der Partei zu machen, und es
wurde außerdem seine Rolle und Bedeutung für die Festigung der
Partei und die Verbreitung marxistischer Ideen in der Arbeiter-
klasse geklärt. Der Kongreß schuf damit die Voraussetzungen für
den späteren Sieg über das Sozialistengesetz. 215 404 426
260 August Momberger hatte Engels am 26. Februar 1894 mitgeteilt,
daß er zur Verbreitung der sozialistischen Ideen unter den Aus-
ländern, mit denen er verkehrte, insbesondere unter den Englän-
dern, beitragen möchte. Da er dies aber ohne das Studium der ein-
schlägigen englischen Literatur nicht könne, bat er Engels um
Hinweise auf die bedeutendsten sozialistischen, sozialpolitischen
und naturwissenschaftlichen Arbeiten sowie um die Nennung einer
Zeitschrift nach Art der "Neuen Zeit". 217
261 Vom 12. bis 29. Juli 1895 fanden in England Parlamentswahlen
statt. Sie brachten den Konservativen im Unterhaus mit 150 Stim-
men die Mehrheit. Die Kandidaten der Independent Labour Party
(siehe Anm. 9), darunter auch Keir Hardie, kamen bei den Wahlen
nicht durch. 219 223 308 500
262 Randolph Churchill hatte am 19. März 1894 im Unterhaus den
Antrag gestellt, einen Erlaß zu verabschieden, der den Mitglie-
dern des liberalen Kabinetts untersagte, sich in die Wahlkampagne
einzumischen und mit Reden in den Wahlkreisen aufzutreten. 220
263 Engels meint einige in der "Arbeiter-Zeitung" vom 6., 9., 13.
und 16. März 1894 ohne Unterschrift veröffentlichte Artikel, die
wahrscheinlich von Victor Adler verfaßt wurden.
Der von Engels erwähnte Artikel vom 6. März 1894 erschien unter
dem Titel "Die Wahlreform Stadtnicki". Adler kritisierte darin
die von der Koalitionsregierung Windischgrätz vorbereitete
Wahlreform, die nur eine unbedeutende Erweiterung des Reichsrats
durch die Bildung einer fünften Kurie (Wählerklasse) zuließ. 220
264 In seinen Briefen an N. F. Danielson benutzte Engels aus kon-
spirativen Gründen u.a. den Namen Louise Kautskys (siehe auch
vorl. Band, S. 252). 221 329 374 423 488
265 Von diesem Brief ist der Entwurf erhalten geblieben. Engels
schrieb ihn auf die Rückseite des Briefes, den Panait Musoiu am
24. Februar 1894 an ihn gerichtet hatte. Entwurf und Brief stim-
men überein.
MuSoiu hatte Engels mitgeteilt, daß die "Entwicklung des Sozia-
lismus von der Utopie zur Wissenschaft" sowie das "Manifest der
Kommunistischen Partei" von ihm ins Rumänische übersetzt worden
seien. Seinem Brief fügte er die deutsche Übersetzung der dazu
veröffentlichten Vorreden bei. Er bat Engels, eine Vorrede für
eine zweite Auflage dieser beiden Schriften zu verfassen. 222
266 Im Sommer 1894 mußte Victor Adler eine Gefängnisstrafe von
zweieinhalb Monaten verbüßen. 226 269
267 Engels meint die Wiener "Arbeiter-Zeitung" sowie die
"Arbeiterinnen-Zeitung". 226
268 Louise Freyberger: "Zum 13.März", in "Arbeiter-Zeitung" vom
13. März 1894. Unterzeichnet war der Artikel mit L. K. 227
269 Der österreichische Sozialdemokrat Benno Karpeles hatte En-
gels sein Buch "Die Arbeiter des mährisch-schlesischen Steinkoh-
len-Revicres" zugesandt. Er wollte, wie er in seinem
#583# Anmerkungen
-----
Brief vom 19. März 1894 schrieb, Engels als dem Autor der vor
fünfzig Jahren erschienenen "Lage der arbeitenden Klasse in Eng-
land" und als hervorragendem Sozialisten seine Dankbarkeit aus-
drücken. 231
270 Laura Lafargue hatte Engels vor dem 11. April 1894 mitge-
teilt, daß in Frankreich die Anarchisten die Absicht hätten, eine
der Arbeiten von Eugen Dühring herauszugeben.
Der Redaktionssekretär der Zeitschrift "L'+re nouvelle", Bonnet,
hatte vorgeschlagen, unverzüglich mit der Übersetzung von Engels'
"Anti-Dühring" ins Französische zu beginnen, damit dieses Werk
bei Veröffentlichung der Bücher Dührings für eine Publikation zur
Verfügung stände. Die Übersetzung wurde damals jedoch nicht ge-
macht. 233
271 Der durch Graf von Kanitz am 7.April 1894 im Reichstag einge-
brachte Antrag sah vor, dem Staat die Ein- und Ausfuhr von Ge-
treide und die Festlegung der Preise dafür zu übertragen. Die So-
zialdemokraten traten gegen den Antrag auf; er wurde am 14. Juli
1894 mit 159 gegen 46 Stimmen abgelehnt. 233 272
272 Karl Marx' "Rede über die Frage des Freihandels" (siehe Band
4 unserer Ausgabe, S .444 bis 458) war zuerst 1848 in Brüssel in
französischer Sprache erschienen. 1894 wurde sie in Nr. 6 der
"+re nouvelle" und am 23. und 30. Juni sowie am 7. Juli im "So-
cialiste" nachgedruckt. 234 236 240
273 Eine englische Übersetzung von Marx' "Rede über die Frage des
Freihandels" mit einem von Engels verfaßten Vorwort (siehe Band
21 unserer Ausgabe, S. 360 - 375) wurde 1888 in Boston verlegt;
ein Teil dieser Ausgabe erschien 1889 in Boston und London. Die
"Neue Zeit" brachte Engels' Vorwort in Nr. 7 vom Juli 1888 in ei-
ner deutschen Übersetzung von Eduard Bernstein und Karl Kautsky.
In russischer Sprache erschien die Rede von Marx erstmals 1885 in
einer Übersetzung von G. W. Plechanow, der sich auf die Überset-
zung von Bernstein und Kautsky gestützt hatte.
In italienischer Sprache wurde Marx' Rede in der "Critica So-
ciale" vom 1. und 16. April 1894, das Vorwort von Engels in der
gleichen Zeitung vom 1. und 16. Mai sowie vom 1. Juni 1894 veröf-
fentlicht und auch 1894 in Mailand als Broschüre herausgegeben.
234 236 240 242
274 Paul Lafargues Artikel "Die Heldenthaten der französischen
Polizei" erschien im "Vorwärts" vom 10. April 1894, unterzeichnet
mit dem Pseudonym Gallus (siehe auch Anm. 299). 235
275 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben: Sig. avv° Filippo Turati,
Portici Galleria V.E. 23, Milano, Italy. 236
276 Engels meint Achille Lorias Artikel "Karl Marx", der in der
"Nuova antologia di scienze, lettere ed arti" vom 1. April 1883
erschienen war. Siehe dazu auch den Brief Engels' an Loria von
Ende April 1883 (Band 36 unserer Ausgabe, S. 19) und Engels' Vor-
wort zum 3. Band des "Kapitals" (Band 25 unserer Ausgabe, S. 25-
28). 236
277 Henry William Lee hatte Engels in seinem Brief vom 13. April
1894 gebeten, vor den Mitgliedern der Social Democratic Federa-
tion (siehe Anm. 10) einen Vortrag zu halten. 237
278 Offenbar ist der Brief an "Le Réveil ouvrier" gerichtet, das
Organ der französischen Arbeiterpartei in Calais. 238
279 Von diesem Brief ist ein vom 19. April 1894 datierter Entwurf
erhalten geblieben, der mit dem Brief übereinstimmt. 239
#584# Anhang und Register
-----
280 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben: Sig. avv° Filippo Turati,
Portici Galleria V.E. 23, Milano, Italy. Die Handschrift des
Briefes trägt den Vermerk Turatis: R 17/5. 94. 242
281 William Morris und Ernest Belfort Bax, "Socialism, its growth
& outcome", London, New York 1893, und Ferdinand Lassalle, "Reden
und Schriften", Bd. 1-3, hrsg. von Eduard Bernstein, Berlin 1892-
1893. 243
282 Die Sozialistische Arbeiter-Partei von Nord-Amerika (Socia-
list Labor Party of North America) wurde 1876 auf dem Ver-
einigungskongreß in Philfedelphia durch den Zusammenschluß der
marxistischen Kräfte der I. Internationale unter Führung von
Friedrich Adolph Sorge und Otto Weydemeyer mit den Lassalleanern
von der Labor Party of Illinois und der Social Democratic Party
gegründet. Das vom Kongreß angenommene Programm stand im wesent-
lichen auf den Positionen der I. Internationale. Die Auseinander-
setzungen zwischen Marxisten und Lassalleanern dauerten jedoch
auch in der neuen Partei an. Bereits 1877 gelang es den Lassal-
leanern, die Partei unter ihre Kontrolle zu bringen, ihre gewerk-
schaftsfeindliche Politik durchzusetzen und die Arbeiter aus-
schließlich auf die Teilnahme an Wahlen zu orientieren. Darüber
hinaus wirkte sich die Tatsache, daß der größte Teil der Partei-
mitglieder aus deutschen Emigranten bestand, die wenig Verbindung
zu den einheimischen Arbeitern hatten, besonders ungünstig aus.
Infolge ihrer sektiererischen Politik, ihrer Ablehnung der Arbeit
in den Massenorganisationen des amerikanischen Proletariats ge-
lang es der Partei nicht, zu einer wirklichen revolutionären
marxistischen Massenpartei zu werden. 245 308
283 B.N. Kritschewski hatte die von ihm besorgten Übersetzungen
des "Achtzehnten Brumaire des Louis Bonaparte" (siehe Band 8 un-
serer Ausgabe, S. 111-207) und von "Lohnarbeit und Kapital"
(siehe Band 6 unserer Ausgabe, S. 397 - 423) mit Engels' Einlei-
tung zur Ausgabe von 1891, die 1894 in Genf in der "Sozialdemo-
kratitscheskaja biblioteka" erschienen waren, an Engels gesandt.
Er schrieb, daß dort bereits die Übersetzung von Engels' Arbeit
"Soziales aus Rußland" aus der Serie "Flüchtlingsliteratur"
(siehe Band 18 unserer Ausgabe, S. 556-567) in Druck sei und bat
Engels um ein Vorwort für diese russische Ausgabe. Auf Engels'
Protest hin wurde der Druck eingestellt. Engels' Arbeit erschien
in der Übersetzung von V.I. Sassulitsch 1894 in Genf in der
"Biblioteka sowremennowo sozialisma" unter dem Titel "Friedrich
Engels o Rossii. 1. Otwet P.K. Tkatschewu (1875). 2. Posleslowie
k nemu (1894)". 246 250 251 263
284 Karl Kautsky, "Das Erfurter Programm", erschien 1894 in Genf
unter dem Titel "Osnowy Sozialdemokrat". (Erfurtskaja pro-
gramma)". 247 251 263
285 Am 7. Juni 1894 informierte N. F. Danielson Engels, daß er
die weiteren Bogen des dritten Bandes des "Kapitals" wahrschein-
lich auf Grund polizeilicher Willkürmaßnahmen nicht erhalten
habe. Er empfahl Engels einen guten Übersetzer für die deutsche
Ausgabe seiner "Essays" (siehe Anm. 196) und bemerkte, daß wegen
der Unterdrückungsmaßnahmen an eine russische Neuauflage der
"Essays" vorläufig nicht zu denken sei. 252 385
286 Engels' Arbeit "Der Ursprung der Familie, des Privateigentums
und des Staats" (siehe Band 21 unserer Ausgabe, S. 25-173) er-
schien 1894 in russischer Übersetzung in Petersburg. Die Zensur
hatte einige Seiten gestrichen und viele Stellen gekürzt. 252
287 N. F. Danielson sandte Engels die ersten beiden Bände des
fünfbändigen statistischen Werks "The Industries of Russia. Ma-
nufactures and trade; with a general industrial map", das 1893 in
St. Petersburg anläßlich der Chicagoer Weltausstellung veröffent-
licht worden war. 253
#585# Anmerkungen
-----
288 Boulangismus - mit dem Namen des Generals Georges-Ernest Bou-
langer verbundene chauvinistische und revanchistische Bewegung in
Frankreich (1886-1889), die die Unzufriedenheit der Massen für
ihre Ziele ausnutzte. Engels charakterisierte in seinen Briefen
in den achtziger und neunziger Jahren den Boulangismus als eine
Form des Bonapartismus, wies auf seine Gefährlichkeit hin und
forderte von der französischen Arbeiterpartei, daß sie eine
klare, eindeutige Haltung zum Boulangismus einnehme und konse-
quent das reaktionäre Wesen des Boulangismus und seine politische
und soziale Demagogie entlarve. 254
289 Der Chemiker Eugene Turpin hatte 1885 den Sprengstoff Melinit
erfunden. Auf Grund eines in "La Patrie" erschienenen Interviews
wurde er angeklagt, seine Erfindung an eine ausländische Macht
verkaufen zu wollen. Er wurde freigesprochen, später jedoch wegen
einer 1889 veröffentlichten Broschüre zu 5 Jahren Gefängnis ver-
urteilt. Am 10. April 1894 wurde er begnadigt. "Le Temps" vom 2.
Juni 1894 enthüllte, daß es sich im wesentlichen um eine Reklame
für die Gesellschaft handelte, die damit beauftragt war, die Er-
findung, Turpins auszunutzen. 255
290 Engels spielt auf die Affäre der Building Society an (siehe
Band 38 unserer Ausgabe S. 551), deren Direktor Spencer Jabez
Balfour ins Ausland geflohen war.
Anthony John Mundella, Abgeordneter von Sheffield, Präsident des
Board of Trade und bis 1892 Direktor der New Zealand Loan Com-
pany, mußte am 12. Mai 1894 demissionieren. Er hatte zusammen mit
James Fergusson und John Gorst die genannte Gesellschaft 1893
aufgelöst, als sie zum Gegenstand einer öffentlichen Untersuchung
wurde. 255
291 Stanislaw Zablocki hatte in einem Brief vom 3. Juni 1894 um
die Erlaubnis zur Veröffentlichung von Engels' Artikel "Eine pol-
nische Proklamation" (siehe Band 18 unserer Ausgabe, S. 521-527)
in polnischer Sprache gebeten. 258
292 Diese beiden Kapitel aus dem dritten Band des "Kapitals" wur-
den in der "Neuen Zeit", 12. Jg., 1893/94, 2.Bd., Nr.42, veröf-
fentlicht. (Siehe Band 25 unserer Ausgabe, S. 383 bis 412.) 259
293 Zwischen dem 19. Juni und dem 2. Juli 1894 wurde Engels des
öfteren von Wilhelm Liebknecht besucht, der sich zu dieser Zeit
in London aufhielt. 259 260
294 Die Wiener "Arbeiter-Zeitung", die 1894 zweimal wöchentlich
erschien, kam ab Januar 1895 als Tageszeitung heraus. 260 269 343
358 372 398 448
295 In den Salzbergwerken von Aiguesmortes (Südfrankreich) war es
im August 1893 zu blutigen Zusammenstößen zwischen französischen
und italienischen Arbeitern gekommen. Sie wurden dadurch hervor-
gerufen, daß die Unternehmer die französischen Arbeiter höher be-
zahlten als die italienischen.
Der französische Präsident Marie-François-Sadi Carnot war am 24.
Juni 1894 von dem italienischen Anarchisten Santo Caserio getötet
worden. 261
296 Diesen Brief schrieb Engels offensichtlich, nachdem ihn Ende
Juni 1894 der deutsche Publizist Hellmut von Gerlach auf Empfeh-
lung von Major Otto Wachs besuchte. 262
297 Diese Worte schrieb Engels an den Rand des Briefes. 262
298 Der "Sozialdemokrat", Zürich, hatte am 24. Dezember 1887 eine
Liste von Personen veröffentlicht, die vom Berliner Polizeipräsi-
dium als geheime Agenten beschäftigt wurden. Unter den von Sozia-
listen in Genf entlarvten Agenten war auch Heinrich Oberwinder,
ehemaliges Mitglied der Internationalen Arbeiterassoziation.
(Siehe auch Band 36unserer Ausgabe, S. 735/736.) 262
#586# Anhang und Register
-----
299 Gemeint sind die unter dem Pseudonym "Gallus" veröffentlich-
ten Korrespondenzen von Paul Lafargue im "Vorwärts". Die erste
war am 24. November 1893 erschienen. 264 353
300 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Red. der Neuen
Zeit, Furthbachstr. 12, Stuttgart, Germany. 267
301 Für die dritte deutsche Auflage seines "Anti-Dührings" über-
arbeitete Engels das von Marx verfaßte zehnte Kapitel des zweiten
Abschnitts "Aus der 'Kritischen Geschichte'" (siehe Band 20 unse-
rer Ausgabe, S. 210-238 sowie S. 15). Die dritte Auflage erschien
1894 in Stuttgart. 269
302 Das Dreiklassenwahlrecht wurde in Preußen nach der Revolution
1848/49 durch Gesetz vom 30. Mai 1849 für die Wahlen zum preußi-
schen Abgeordnetenhaus eingeführt. Entsprechend dem Aufkommen an
direkten Steuern wurden die Wähler in drei Klassen eingeteilt.
Jede dieser Klassen wählte in öffentlicher Wahl die gleiche Zahl
von Wahlmännern, die die Abgeordneten wählten. Damit erhielten
die herrschenden Klassen den entscheidenden Einfluß im Parlament,
von dem die Volksmassen weitgehend ausgeschaltet wurden. 270
303 Als 1893/94 wiederholt Sprengstoffanschläge von den Anarchi-
sten in Paris verübt wurden, nahm die Regierung das zum Vorwand,
Maßnahmen gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung zu ergreifen
und erließ die sogenannten Anarchistengesetze. Das erste dieser
Gesetze kam im Dezember 1893, nach dem Bombenanschlag Auguste
Vaillants (siehe Anm. 226) heraus, das zweite wurde nach der Tö-
tung des Präsidenten der Republik Marie-François-Sadi Carnot (24.
Juni 1894) durch einen italienischen Anarchisten gegen den Wider-
stand der Sozialisten und eines Teils der Radikalen Ende Juli
1894 von der Deputiertenkammer angenommen. Die Gesetze beschränk-
ten die Pressefreiheit, sahen die Einsetzung von Sondergerichten
vor, ermächtigten die Post, Briefe zu öffnen und ließen die ge-
richtliche Verfolgung nicht nur der Briefschreiber, sondern auch
der Empfänger zu. Die Regierung bediente sich dieser Gesetze vor
allem gegen die Sozialisten. Die Gesetze wurden auch "Angst-
gesetze", "Anarchistengesetze" und "Verdächtigengesetze" genannt.
273 279 288 292 302
304 Die schottischen Bergarbeiter standen im Juli 1894 im Streik.
In einem Brief vom 19. Juli 1894 teilten August Siegel und andere
deutsche Bergarbeiter Engels mit, daß an diesem Streik auch 22
deutsche Emigranten teilnahmen. Sie ersuchten ihn, dem Parteivor-
stand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands den beiliegen-
den Brief mit der Bitte zu übersenden, ihnen ein Darlehen von 300
Mark zu gewähren. Ferner baten sie Engels, sich auch an Julius
Motteler und andere Genossen in London zu wenden, von denen sie
materielle Unterstützung erhofften. 275
305 Hinweis auf den Artikel "Introduction à la 'Morale Sociale'
de Benoît Malon" von Jean Jaurès, der in "La Revue socialiste"
vom Juni 1894 erschienen war. 279
300 Paul Lafargue hatte dem Pariser Verleger Charles-Marie Dela-
grave das Manuskript seiner Arbeit "Origine et évolution de la
propriété" zur Veröffentlichung angeboten. Dieser lehnte anfangs
ab, da er die politischen Ansichten Lafargues nicht teilte. Als
Lafargue auf der Veröffentlichung bestand, stimmte Delagrave un-
ter der Bedingung zu, daß er Lafargues Arbeit zusammen mit Yves
Guyots Antithesen "La Propriété. Origine et évolution. Thèse com-
muniste par Paul Lafargue. Réfutation par Yves Guyot" heraus-
bringen könne.
#587# Anmerkungen
-----
Lafargues Arbeit erschien 1895 in Paris in einem Band mit Guyots
Entgegnung. 279 451 454
307 Auf dem Brief steht der Vermerk Filippo Turatis: "Scritto a
Treves. R[isposto] 2./8.94. Tornato a rispondere 6./8.94." ("An
Treves geschrieben. Beantwortet] 2./8.94. Antwort erhalten und
erneut geschrieben 6./8. 94.) 281
308 In Sizilien war es 1893/94 zu spontanen Aufständen der Bauern
gekommen, die gegen die Steuererhöhungen der Crispi-Regierung
protestierten. Die Unruhen wurden blutig niedergeschlagen. 281
309 Auf der Rückseite des erwähnten Briefes stand: "Sehr geehrter
Herr! Beiliegendes Paket und der dabei befindliche Brief gehört
Herrn Dr. Victor Adler in Wien, der mich vor längerer Zeit er-
suchte, dieselben bei Ihnen abzugeben. Das Paket enthält Zeitun-
gen, die nicht nach Österreich geschickt werden können; den
Brief, der auch zirka 2 Pfund Sterling in Geld enthält, ersuche
ich Sie, demselben sicher zukommen zu lassen; er wird dadurch
über den Inhalt des Pakets in entsprechender Weise unterrichtet;
ich weiß seine jetzige Adresse nicht und lege eine 2 1/2-Penny-
Marke bei. Ihr ..." (Unterschrift unleserlich.) 282
310 Der vierte Jahreskongreß der Spanischen Sozialistischen Ar-
beiterpartei in Madrid fand vom 29. August bis 1. September 1894
statt. Er war eine wichtige Etappe bei der organisatorischen und
ideologischen Festigung der Partei. Der Kongreß nahm die Berichte
des Nationalrats der Partei und des Delegierten zum Internationa-
len Sozialistischen Arbeiterkongreß in Zürich (siehe Anm. 120)
entgegen, erörterte Fragen der Parteipresse und bestätigte die
neuen Statuten der Partei. Dem Kongreß gingen zahlreiche Gruß-
adressen von den Sozialisten Englands, Österreichs, Deutschlands
und anderer Länder zu. 282 283
294
311 Die National Union of Gasworkers and General Labourers of
Great Britain and Ireland (Gewerkschaft der Gasarbeiter und unge-
lernten Arbeiter) war die in der Geschichte der englischen Arbei-
terbewegung erste Gewerkschaft für ungelernte Arbeiter. Sie wurde
im Frühjahr 1889 gegründet. Zur Führung der Union gehörten
Eleanor Marx-Aveling und Edward Aveling. Die Union erhob die For-
derung nach Einführung des gesetzlichen Achtstundentags. Im Juli
1889 waren die Gasgesellschaften unter Androhung von Streiks ge-
zwungen, der Einführung des Achtstundentages in allen Londoner
Gaswerken zuzustimmen. Die Union gewann in kurzer Zeit großen
Einfluß auf breite Schichten der Arbeiter, ihre Mitgliederzahl
wuchs in einem Jahr auf 100 000 an. 283
312 Parliamentary Committee of the Trades Union Congress (Parla-
mentarisches Komitee des Trade-Union-Kongresses) - Vollzugsorgan
des Ende der sechziger Jahre entstandenen britischen Trades Union
Congress, der Vereinigung der Gewerkschaften Englands; seit 1871
wurde das Parlamentarische Komitee jährlich auf den Kongressen
derTrade-Unions gewählt und in der Zeit zwischen den Kongressen
als ihr Führungsorgan betrachtet. Das Komitee stellte die
Kandidaten der Trade-Unions für das Parlament auf, unterstützte
die in ihrem Interesse eingebrachten Gesetzentwürfe und bereitete
die Jahreskongresse vor. In dem Komitee überwogen die reformisti-
schen Elemente, die ihre Politik im Sinne des alten Trade-
Unionismus betrieben und sich auf die Arbeiteraristokratie
stützten. 283 285 290 294 371
313 Der vierte Internationale Sozialistische Arbeiter- und Ge-
werkschaftskongreß fand vom 27. Juli bis 1. August 1896 in London
statt. An ihm nahmen 700 Delegierte aus 16 Ländern teil, darunter
48 Vertreter aus Deutschland. Auf der Tagesordnung standen: die
Agrarfrage, die politische Aktion, die Kriegsfrage u.a. Im Zusam-
menhang: mit der Debatte um
#588#
-----
die politische Aktion beschloß der Kongreß einige Resolutionen.
Zur besseren Organisation der Zusammenarbeit der Arbeiterorgani-
sationen aller Länder wurden vorbereitende Maßnahmen für die Bil-
dung eines internationalen Büros festgelegt. Der Londoner Kongreß
setzte die marxistische Politik der II. Internationale unter maß-
geblichem Anteil der führenden deutschen Sozialdemokraten fort.
283 285 289 293
314 Vom 14. August bis 18. September 1894 weilte Engels zur Erho-
lung in Eastbourne. 285 292 296 297 380
315 Eduard Bernstein hatte in seinem Brief vom 12. August 1894
Engels seine Meinung über den internationalen Textilarbeiterkon-
greß mitgeteilt, der im Juli 1894 in Manchester stattgefunden
hatte und der seiner Auffassung nach ein Versuch war, die
Gewerkschaftskongresse von den internationalen Sozialistenkon-
gressen zu trennen. In diesem Zusammenhang informierte er ihn
auch über den Artikel Paul Arndts, der im "Vorwärts" vom 2. Au-
gust 1894 über den Textilarbeiterkongrcß berichtet hatte. Ferner
hatte er Engels eine Nummer des "Textil-Arbeiters" geschickt, in
der eine Einschätzung dieses Kongresses gegeben worden war. Er
bat Engels, ihm seine Ansicht hierzu sowie zu dem Beschluß der
Jahreskonferenz der Social Democratic Federation mitzuteilen, der
vorsah, vor dem Internationalen Kongreß von 1896 einen "rein so-
zialistischen" Kongreß einzuberufen (siehe vorl. Band, S. 283).
Der vorliegende Brief ist Engels' Antwort auf Bernsteins Fragen.
285
316 Der 27. Jahreskongreß der Trade-Unions fand vom 3. bis 8.
September 1894 in Norwich statt. Der Kongreß sprach sich für die
gesetzliche Festlegung des Achtstundentages und die Nationalisie-
rung aller Produktions-, Verteilungs- und Austauschmittel aus.
285 290 293 298 393
317 Thomas Clarke hatte Engels in einem Brief vom 15. August 1894
gebeten, für die Zahlungsfähigkeit Stanislaw Mendelsons zu bür-
gen, der Räumlichkeiten mieten wollte. 287
318 Filippo Turati hatte am 2. und 6. August 1894 an Engels ge-
schrieben, daß er über Felice Pasquali Erkundigungen eingezogen
habe. Er habe jedoch sehr Widersprüchliches erfahren. Am 6. Au-
gust schrieb Turati, daß einige Personen Pasquali als "seccatore
di prima sfera" bezeichnet haben. 288
319 1841 hatte Engels drei Monate in Mailand geweilt. 288
320 Filippo Turati hatte Engels mit seinem Brief vom 2.August
1894 auch die Photographie einer in Florenz hergestellten Marx-
Büste gesandt und ihn sowie Eleanor Marx-Aveling gebeten, ihre
Meinung bezüglich der Ähnlichkeit mit Marx mitzuteilen. 288
321 Am 14. Juli 1894 nahm das italienische Parlament das Gesetz
über Ausnahmemaßnahmen zum Schutz der öffentlichen Sicherheit an.
Es sollte sich angeblich gegen die Anarchisten richten, wurde je-
doch von der reaktionären Crispi-Regierung für den Kampf gegen
die Arbeiterbewegung und den wachsenden Einfluß der Sozialisten
ausgenutzt. Auf Grund dieses Gesetzes wurden die Sozialistische
Partei Italiens und andere Arbeiterorganisationen sowie die Ar-
beiterzeitungen verboten, Massenverhaftungen vorgenommen sowie
Haussuchungen und Gerichtsverfahren durchgeführt. Trotz aller Re-
pressalien stellten die italienischen Sozialisten den Kampf nicht
ein und führten im Januar 1895 in Parma geheim den dritten Kon-
greß der Sozialistischen Partei Italiens durch. 288 302 325
322 Der 26. Jahreskongreß der Trade-Unions fand vom 4. bis 9.
September 1893 in Belfast statt. Die wichtigsten Beschlüsse
(siehe "Report of the twenty-sixth annual Trades Union Congress")
des Kongresses, die dem wachsenden Druck der revolutionären Stim-
mung
#589# Anmerkungen
-----
unter der Mitgliedschaft Rechnung trugen, waren die Anerkennung
des Prinzips des "Kollektiveigentums an Produktions- und Vertei-
lungsmitteln" und die Forderung nach dem gesetzlichen Achtstun-
dentag. 290 293 298
323 Hinweis auf den Londoner Internationalen Gewerkschaftskongreß
vom 6. bis 10. November 1888, der von den Trade-Unions einberufen
worden war. Zur Einschätzung des Kongresses siehe Band 21 unserer
Ausgabe, S. 515 - 518. 290
324 New Unionism - neue Richtung in der englischen Gewerkschafts-
bewegung, die sich Ende der achtziger Jahre herausbildete. Die
tieferen Ursachen seiner Entstehung lagen in der Verschlechterung
der Lebenslage der Arbeiter, die durch den Verlust des englischen
Industriemonopols hervorgerufen worden war. Die neuen Trade-Uni-
ons unterschieden sich wesentlich von den alten. Sie erfaßten
breite Massen des Proletariats, vor allem ungelernte Arbeiter,
die bis dahin der Arbeiterbewegung ferngestanden hatten. Engli-
sche Sozialisten, besonders Eleanor Marx-Aveling und Tom Mann,
spielten bei der Herausbildung der neuen Trade-Unions, die von
Engels lebhaft begrüßt und unterstützt wurde, eine bedeutende
Rolle. Engels charakterisierte den neuen Unionismus u.a. in sei-
nem Artikel "Der 4. Mai in London" und im "Vorwort zur englischen
Ausgabe (1892) der 'Lage der arbeitenden Klasse in England'"
(siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 60 - 65 und 265 - 278). 293
325 Vom 14. bis 16. September 1894 fand in Nantes der 12. Kongreß
der französischen Arbeiterpartei statt. Er tagte zu einem Zeit-
punkt, da die Bauernbewegung im Lande einen Aufschwung nahm, die
Reaktion zum Angriff überging und sich die Meinungsverschieden-
heiten in der französischen sozialistischen Bewegung zuspitzten.
Den Bericht des Nationalrats hatte Paul Lafargue verfaßt (siehe
auch Anm. 340). Der Kongreß stellte fest, daß der Kampf der
Arbeiter gegen die "Anarchistengesetze" (siehe Anm. 303) erstarkt
war, und grenzte sich von den Anarchisten ab. Der wichtigste
Beschluß des Kongresses war die Annahme der theoretischen
Motivierung für das Agrarprogramm der Partei und die Zusätze zum
Programm. Eine kritische Einschätzung des Agrarprogramms von
Nantes gab Engels in seiner Arbeit "Die Bauernfrage in Frankreich
und Deutschland" (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 483-505). 294
299 313 324 348 350
326 In Frankfurt am Main fand vom 21. bis 27. Oktober 1894 der
Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands statt.
Größten Raum nahmen die Auseinandersetzungen mit Georg von
Vollmar und Karl Grillenberger ein, die mit der Budgetbewilligung
im bayrischen Landtag (1. Juni) ihre Bereitschaft zur Zusam-
menarbeit mit den herrschenden Klassen verkündet und mit Partei-
prinzipien gebrochen hatten. Vor allem August Bebel verurteilte
entschieden diese opportunistische Politik. Die Mehrheit billigte
zwar nicht ausdrücklich die Haltung Vollmars, lehnte sie aber
auch nicht, wie Bebel gefordert hatte, ab; damit erhielt Vollmar
in dieser Frage freie Hand. Das wichtigste neue Problem war die
Agrarfrage, besonders das Bündnis mit den Bauern. Vollmar verwarf
die marxistischen Ansichten, verkündete die Verewigung des
Kleinbetriebs als sozialistisches Ziel und schlug entsprechende
Reformen vor, die der bestehende Staat in Zusammenarbeit mit der
Sozialdemokratie durchführen sollte. Damit griffen die
Opportunisten Grundprinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus
an, vor allem die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die
Lehre vom Staat, von der Revolution und vom Klassenkampf. Die
Mehrheit des Parteitags, mit der Bauernfrage wenig vertraut, ließ
sich überrumpeln und nahm eine Resolution an, die sich wesentlich
auf dieser Linie bewegte. Ferner wurde eine Entschließung zur
Rolle der aufkommenden Monopole angenommen, in der einige
#590# Anhang und Register
-----
richtige Einsichten mit opportunistischen Schlußfolgerungen ver-
mischt waren. Der Parteitag zeigte deutlich das Anwachsen des Op-
portunismus, spiegelte jedoch nicht das politische Niveau und den
revolutionären Kampfgeist des übergroßen Teils der sozialistisch
organisierten Arbeiter wider. Das bewies der unmittelbar folgende
Proteststurm der Parteimitglieder. Engels' Arbeit "Die Bauern-
frage in Frankreich und Deutschland" (siehe Band 22 unserer Aus-
gabe, S. 483 - 505) war der deutschen Sozialdemokratie eine wich-
tige Waffe im Kampf gegen den Opportunismus. 294 307 325 335
327 Eduard Bernstein bereitete einen Artikel über den dritten
Band des "Kapitals" für die "Neue Zeit" vor (siehe Anm. 332).
Darum las er die Korrekturbogen des dritten Bandes und unterrich-
tete Engels am 5.September 1894 über die von ihm bemerkten Druck-
fehler. Weiter informierte er Engels, daß Hermann Schlüter ihn um
einen Artikel zu dem selben Thema für die "New Yorker Volkszei-
tung" ersucht habe. Bernstein lehnte Schlüters Ersuchen ab und
bat Engels, dies Schlüter mitzuteilen, wobei er bemerkte, falls
Engels aus irgendwelchen Gründen wünsche, daß er den Artikel doch
schreibe, so werde er es tun. 296
328 Wie Eduard Bernstein in seinen) Brief vom 5. September 1894
an Engels erwähnte, hatte ihn Joseph Edwards in Liverpool auf-
gefordert, für ein von ihm vorbereitetes Jahrbuch ("The Labour
Annual") einen Artikel über die deutsche Sozialdemokratie zu
schreiben. Bernstein teilte Engels mit, daß er bereits Edward
Aveling um seine Meinung befragt habe. Aveling habe ihm geraten
abzulehnen. 296
329 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: E. Bernstein
Esq., 50, Highgate Road, N.W. 297
330 Japan, das faktisch seit 1885 gemeinsam mit China das Protek-
torat über Korea ausgeübt hatte, provozierte im Sommer 1894 den
Japanisch-Chinesischen Krieg, um sich Korea völlig zu unterwerfen
und in Nordchina festen Fuß zu fassen. Die chinesischen Truppen
erlitten zu Wasser und zu Lande schwere Niederlagen. China war
schließlich zur Kapitulation gezwungen. 1895 wurde der Friedens-
vertrag von Shimonoseki geschlossen, der Korea für "unabhängig"
erklärte, aber Japan die Vorherrschaft in Korea sicherte und die
Annexion Taiwans und einiger anderer Inseln durch Japan fest-
legte. Außerdem mußte China Kontributionen in Höhe von 200 Mil-
lionen Tael an Japan zahlen. Japan erhielt das Recht, in China
Betriebe zu errichten; einige chinesische Häfen wurden für den
Handel geöffnet. 298 301 310
331 Paul Lafargue, "Der Klassenkampf in Frankreich". In: Die Neue
Zeit. 12. Jg. 1893/94. 2. Bd., Nr. 46, 47, 48 und 49. 299
332 Eduard Bernstein, "Der dritte Band des 'Kapitals'". In: Die
Neue Zeit. 13. Jg. 1894/95. 1. Bd., Nr. 11-14, 16, 17 und 20. 300
361
333 Karl Kautsky hatte Engels am 17. September 1894 als Drucksa-
che eine armenische Übersetzung der "Entwicklung des Sozialismus
von der Utopie zur Wissenschaft" zugesandt, die er von einem ar-
menischen Studenten erhalten hatte (siehe vorl. Band, S. 327).
300 327
334 Das Honorar für die in der "Neuen Zeit", 12. Jg. 1893/94, 2.
Bd., Nr. 42/43 nachgedruckten "Zwei Kapitel aus dem dritten Band
des 'Kapital'" hatte Karl Kautsky, wie er am 14. September 1894
Engels mitteilte, versehentlich an Victor Adler statt an die Er-
ben von Marx geschickt (siehe Anm. 198). 300
335 Ende Oktober 1894 bedankte sich Emile Vandervelde für die
hier von Engels ausgesprochenen
#591# Anmerkungen
-----
Glückwünsche, die, wie er schrieb, eine große Ermutigung für die
belgischen Sozialisten waren. 302
336 Am 14. und 21. Oktober 1894 fanden in Belgien Wahlen auf der
Grundlage des neuen Wahlgesetzes vom 18. April 1893 (siehe Anm.
184) statt. Die belgische Arbeiterpartei kam zum erstenmal mit
ungefähr 30 Deputierten in die Kammer. Engels nennt das Wahl-
ergebnis in Belgien den zweiten Sieg, nachdem im April 1893 das
allgemeine Wahlrecht erkämpft worden war. 302 309 325
837 Im Oktober 1894 war Engels von 122, Regent's Park Road nach
41, Regent's Park Road umgezogen. 304
338 G.W. Plechanow hatte Engels am 30. Oktober 1894 brieflich ge-
beten, ihn in die "Neue Rheinische Zeitung" und die "Neue Rheini-
sche Zeitung. Politisch-ökonomische Revue" einsehen zu lassen. Zu
diesem Zweck hatte er bereits einige Male bei Engels vorgespro-
chen, ihn jedoch nicht angetroffen. 305
339 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Herrn Karl
Hirsch, Red. der "Rheinischen Zeitung", Hämmergasse 37, Köln,
Germany. 306
340 Gemeint ist Paul Lafargues Referat "La Propriété paysanne et
l'évolution économique", das er auf dem Kongreß von Nantes (siehe
Anm. 325) gehalten hatte. Es wurde in der Beilage des "Sozial-
demokrat" vom 18. Oktober 1894 unter der Überschrift "Das
bäuerliche Eigenthum und die wirthschaftliche Entwickelung. Refe-
rat auf dem Kongreß von Nantes im Namen des Nationalraths der Ar-
beiterpartei" veröffentlicht. 309 321 324
341 Laura Lafargue hatte Engels am 10. November 1894 vorgeschla-
gen, seine "Geschichte des Urchristentums" (siehe Band 22 unserer
Ausgabe, S. 447-473) ins Französische zu übersetzen. Engels' Ar-
beit wurde von Laura übersetzt und unter dem Titel "Contributions
à la Histoire du Christianisme primitif" in "Le Devenir social",
April/Mai 1895, veröffentlicht. 313 468
342 Am 10. November 1894 hatte August Bebel Engels brieflich eine
ausführliche Einschätzung des Frankfurter Parteitages (siehe Anm.
326) gegeben. Er hatte ihn auch darüber informiert, daß Georg von
Vollmar auf dem Parteitag versucht hatte, seine opportunistische
Politik in der Agrarfrage mit Engels' Autorität zu decken. "Das
Maß der Vollmariade ist voll bis zum Überlaufen", schrieb Bebel
und bat Engels, gegen Vollmar Stellung zu nehmen. 313
343 In einer Nachschrift zu Laura Lafargues Brief vom 24. Oktober
1894 hatte Paul Lafargue darum gebeten, sein Buch "Origine et
évolution de la propriété" (siehe Anm. 306) Engels widmen zu dür-
fen. Lafargues Arbeit trägt die Widmung "A Friedrich Engels - Son
disciple et ami Paul Lafargue" ("Friedrich Engels von seinem
Schüler und Freund Paul Lafargue"). 314
344 Es ist möglich, daß es sich um Georges Regnard handelt.
Regnard war Professor an der Universität zu Lausanne, Anhänger
Benoît Malons und seit 1894 Chefredakteur (directeur) der "Revue
socialiste". 314
345 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Ed. Bernstein
Esq., 50, Highgate Road, N.W. 317
346 Eleanor Marx-Aveling, "Wie Lujo Brentano zitirt". In: "Die
Neue Zeit", 13. Jg. 1894/95, 1. Bd., Nr. 9. 320
#592# Anhang und Register
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347 Der "Vorwärts" vom 16.November 1894 veröffentlichte Engels'
"Brief an die Redaktion des 'Vorwärts'" (siehe Band 22 unserer
Ausgabe, S. 480/481). Darin nimmt Engels zu Georg von Vollmars
Erklärung auf dem Frankfurter Parteitag (siehe Anm. 342) Stel-
lung. 320
348 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Ed. Bernstein
Esq., 29, Red Lion Square, W.C. 321
349 Engels' Arbeit "Die Bauernfrage in Frankreich und Deutsch-
land" (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 483-505) ist eines der
bedeutendsten Dokumente des Marxismus zur Agrarfrage. Engels
schrieb sie für die "Neue Zeit". Der unmittelbare Anlaß dazu wa-
ren die opportunistischen Äußerungen Georg von Vollmars zur
Agrarfrage, vor allem über die Agrarresolution auf dem Frankfur-
ter Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (siehe
Anm. 326). Bei der Begründung der von ihm vorgeschlagenen Maßnah-
men berief sich Vollmar auf das Agrarprogramm der französischen
Sozialisten, das, wie er behauptete, die ausdrückliche Billigung
von Engels gefunden habe. Engels, der schon früher ähnlichen Be-
hauptungen entgegengetreten war (siehe Band 22 unserer Ausgabe,
S. 480/481) hielt es für notwendig, in einem besonderen Aufsatz
den revolutionären proletarischen Standpunkt zur Bauernfrage dar-
zulegen. Engels' Aufsatz wurde zu einer wichtigen Waffe im Kampf
gegen den Opportunismus, besonders in der Agrarfrage. Er entwic-
kelte darin wesentliche Grundgedanken der sozialistischen Umge-
staltung der Landwirtschaft und des sozialistischen Bündnisses
zwischen Arbeiter und Bauern. 322
350 Bei der im "Vorwärts" nach dem Frankfurter Parteitag (siehe
Anm. 326) geführten Diskussion über die Agrarfrage war es zwi-
schen Karl Kautsky und Georg Ledebour zu einer Polemik gekommen.
Am 20. November 1894 veröffentlichte der "Vorwärts" einen Protest
Kautskys gegen Ledebours Behauptung, er, Kautsky, habe in seiner
Schrift über das Erfurter Programm ebenso wie Georg von Vollmar
und Bruno Schoenlank in der Agrardebatte auf dem Parteitag die
Ansicht vertreten, daß in der sozialistischen Gesellschaft der
kleinbäuerliche Besitz erhalten bleibe. Ledebours Erwiderung
brachte der "Vorwärts" am 21. November 1894. 322
351 Am 14. November 1894 kritisierte August Bebel auf einer Ver-
sammlung im 2.Berliner Wahlkreis in einer längeren Rede die op-
portunistische Haltung Georg von Vollmars und anderer bayrischer
Sozialdemokraten auf dem Frankfurter Parteitag (siehe Anm. 326).
Er wandte sich auch gegen den verschwommenen Charakter der Reso-
lution über die Agrarfrage, die der Parteitag angenommen hatte.
Bebels Rede wurde im "Vorwärts" vom 16. November 1894 veröffent-
licht und am 1. Dezember 1894 in der "Critica Sociale" nachge-
druckt. 322 324 330 337 340 351
352 Bei den Diskussionen zur Grund- und Bodenfrage in der Inter-
nationalen Arbeiterassoziation war es zu heftigen Auseinanderset-
zungen mit den Proudhonisten und den Bakunisten gekommen; erstere
verteidigten die Unantastbarkeit des kleinen privaten Grund-
eigentums, während die Bakunisten zu beweisen versuchten, daß mit
der Abschaffung des Erbrechts das Privateigentum überhaupt, auch
das an Grund und Boden, verschwinden würde. Der Brüsseler Kongreß
der IAA von 1868 und der Baseler Kongreß von 1869 bekannten sich
zu dem marxistischen Standpunkt in der Grund- und Bodenfrage. Sie
beschlossen die Forderung nach Beseitigung des Privateigentums an
Grund und Boden und seine Umwandlung in gesellschaftliches Eigen-
tum. 322
353 Engels' anonyme Notiz "Zum vierten Band von Karl Marx'
'Kapital'" (siehe Band 22
#593# Anmerkungen
-----
unserer Ausgabe, S. 506) veröffentlichte Karl Kautsky in der
"Neuen Zeit", 13. Jg. 1894/95, 1. Bd., Nr. 9. 322
354 Ein mit Gallus unterzeichneter Artikel Paul Lafargues, "Der
landwirtschaftliche Kredit in Frankreich", war am 6. November
1894 erschienen. 325
355 Am 6. Dezember 1894 hatte die Regierung den "Entwurf eines
Gesetzes, betreffend Änderungen und Ergänzungen des Strafgesetz-
buchs, des Militärstrafgesetzbuchs und des Gesetzes über die
Presse", die sog. Umsturzvorlage, im Reichstag eingebracht. Nach
diesem Gesetz sollten Umsturzbestrebungen bereits ohne Tatbestand
mit Zuchthaus und vorgebliche Angriffe auf Religion, Monarchie,
Ehe, Familie oder Eigentum mit Gefängnis bis zu zwei Jahren be-
straft werden. Die Mehrheit der bürgerlichen Reichstagsabgeordne-
ten wagte es angesichts der Stimmung der Massen nicht, dieser
Vorlage zuzustimmen. Am 11. Mai 1895 wurde der Gesetzentwurf we-
gen des Massenprotestes aus allen Kreisen der Bevölkerung, des
energischen Kampfes der Sozialdemokratie und der Opposition bür-
gerlicher Parteien in zweiter Lesung endgültig abgelehnt. 325 357
365 368 386 389 399 403 412 419 425 439 443 448 450 466 468 470
356 Am 26. Oktober 1894 wurde Reichskanzler Leo von Caprivi wegen
Meinungsverschiedenheiten über die Methoden zur Unterdrückung der
Sozialdemokratie entlassen. Neuer Reichskanzler wurde Fürst zu
Hohenlohe-Schillingsfürst. 325
357 Anspielung auf den vom Präsidenten der Republik Jean Casimir-
Périer inszenierten Prozeß gegen Alfred-Léon Gérault-Richard
(siehe Anm. 381). 325
358 Von diesem Brief ist ein Entwurf erhalten geblieben, der sich
im wesentlichen mit dem Brief deckt. 327
359 Am 12. November 1894 hatte N.F. Danielson an Engels geschrie-
ben und ihn über das Erscheinen von Peter von Struves Buch
"Krititscheskija sametki k woprossu ob ekonomitscheskom raswitii
Rossii" informiert. Danielson, der mit einigen der von Struve ge-
äußerten Ansichten nicht einverstanden war, hatte die Absicht,
das Buch zu besprechen, und bat Engels, einige Fakten und Ansich-
ten aus Engels' Briefen zitieren zu dürfen. 328
360 Der Brief wird nach einer maschinengeschriebenen Abschrift
gebracht. Das Original steht uns nicht zur Verfügung. 330 441
361 Es handelt sich um den zweiten Parteitag der bayrischen Sozi-
aldemokratie, der am 30. September 1894 in München stattfand. Auf
der Tagesordnung stand die Tätigkeit der sozialdemokratischen
bayrischen Landtagsabgeordneten und die Agitation unter den Bau-
ern. Zu beiden Fragen verstanden es Georg von Vollmar und Karl
Grillenberger, die Unterstützung der Mehrheit des Parteitages zu
erreichen. Durch ein Vertrauensvotum für die Landtagsfraktion
sanktionierte der Parteitag die Budgetbewilligung. Es wurde ein
Beschluß gefaßt über die Schaffung einer festeren Organisation
der bayrischen Sozialdemokraten unter zentraler Leitung ihrer
Vertreter im Landtag - Vollmar, Grillenberger u.a. Dadurch ver-
suchte Vollmar, sich eine Bastion für die Durchsetzung seiner op-
portunistischen Politik in der Gesamtpartei zu schaffen. 330 335
363 Georg von Vollmar trat auf dem Frankfurter Parteitag (siehe
Anm. 326) gegen die Anträge auf, in denen die Zustimmung der
sozialdemokratischen bayrischen Landtagsfraktion zum Budget der
bayrischen Landesregierung mißbilligt wurde. Er versuchte seine
Haltung zu rechtfertigen, indem er u.a. die spezifischen
"bayrischen Verhältnisse" und die "bayrische Art" hervorhob, in
die sich die "Norddeutschen" nur schwer hineinzufinden,
#594# Anhang und Register
-----
er sprach vom "altpreußischen Korporalsgeist" und mokierte sich
über die "Berliner". 330
303 Anspielung auf den im "Vorwärts" vom 23.November 1894 unter
der Überschrift "In eigener Sache" veröffentlichten Artikel, der
vermutlich von Wilhelm Liebknecht verfaßt wurde. Darin wurde her-
vorgehoben, daß die Stellung der Redaktion zum Frankfurter Par-
teitag (siehe Anm. 326), die bereits in zwei Leitartikeln zum
Ausdruck gebracht worden war, in "diametralem Gegensatz" zu dem
stehe, was August Bebel auf der Versammlung im 2.Berliner Wahl-
kreis (siehe auch Anm. 351) gesagt habe. Am 24. November brachte
der "Vorwärts" eine weitere Notiz "Zur Diskussion über den Frank-
furter Parteitag", die faktisch einer Berichtigung des am Vortag
Geäußerten gleichkam. Es hieß darin, in dem Artikel vom 23. No-
vember sei es nur um das "pessimistische Urteil Bebels über den
ganzen Verlauf der Verhandlungen und das geistige Niveau des Par-
teitags..." gegangen, das die Redaktion des "Vorwärts" in keiner
Weise billige. Die Äußerung hätte sich nicht gegen Bebels Stel-
lungnahme gerichtet; Liebknecht habe die Bebelsche Resolution
über die Taktik in den Landtagen mitunterzeichnet und mitredi-
giert, und in der Agrarfrage stehe er "seit einem Vierteljahrhun-
dert auf demselben Standpunkt wie Bebel". 331
364 Offensichtlich ist der am 1. Dezember 1894 in der Londoner
"Justice" als Berliner Korrespondenz veröffentlichte anonyme Ar-
tikel "The Movement in Germany" gemeint, der sich mit der Agrar-
frage in Deutschland und den Auseinandersetzungen in der deut-
schen Sozialdemokratie befaßte. Der "Vorwärts" wurde darin be-
schuldigt, in diesen Fragen eine "bemerkenswerte Verschwiegen-
heit" zu zeigen. Als Beispiel wurde ein Artikel über die sozial-
demokratische Presse Englands angeführt, der im "Vorwärts" vom 1.
November 1894 veröffentlicht und in dem die "Justice" nicht er-
wähnt worden war. Außerdem wurde gegen die Angriffe auf Henry
Mayers Hyndman protestiert. Eduard Bernstein wies diese Ausfälle
in seiner Erwiderung "The 'Vorwärts' and 'Justice'. To the Editor
of Justice'", die von der "Justice" am 8. Dezember 1894 abge-
druckt wurde, energisch zurück. 334
365 August Bebels Rede vom 14.November 1894 (siehe Anm. 351)
hatte eine heftige Polemik in der Hauptsache mit Georg von Voll-
mar hervorgerufen. Bereits am 17. und 21. November 1894 hatte
Karl Grillenberger in der "Fränkischen Tagespost" eine Erklärung
veröffentlichen lassen, die der "Vorwärts" am 20. und 24. Novem-
ber abdruckte. Vollmar veröffentlichte in der "Münchener Post" am
23., 24. und 27. November eine Artikelserie "Bebels Fahnenerhe-
bung". Auch diese Artikel brachte der "Vorwärts". Die vier Arti-
kel von Bebel, in denen er sich mit Vollmars Anschuldigungen aus-
einandersetzte, erschienen unter der Überschrift "Zur Diskussion
über den Frankfurter Parteitag. Zur Entgegnung" am 28., 29. und
30. November sowie am 1. Dezember 1894 im "Vorwärts". 334 338 340
366 Am 28. November 1894 hatte Filippo Turati an Engels geschrie-
ben: "Wir haben hier einige ... junge Sozialisten, die sich sehr
bemühen, für uns einen sozialistischen Almanach zu Neujahr vorzu-
bereiten. Darin soll unserer Verurteilten und Deportierten, unse-
rer Märtyrer des vergangenen Jahres gedacht werden... Sie möchten
auch gern einige Worte, Gedanken, irgend etwas Kurzes von den
führenden Leuten des internationalen Sozialismus bringen und wür-
den sich glücklich schätzen, ein paar Zeilen vom Kommandierenden
General zu erhalten. Ich konnte es ihnen nicht abschlagen und
habe versprochen, an Sie zu schreiben. Sollte es Ihre Zeit jedoch
nicht erlauben oder sollten Sie keine Lust haben, so sind Sie im
voraus entschuldigt..."
Der von den jungen Sozialisten vorbereitete "Almanacco socialista
per l'anno 1895" kam in Mailand mit einer Einführung von Turati
heraus. 337
#595# Anmerkungen
-----
367 Auf der Reichstagssitzung vom 6. Dezember 1894 waren die Mit-
glieder der sozialdemokratischen Fraktion sitzengeblieben, als
der Präsident von Levetzow ein Hoch auf Wilhelm II. ausbrachte.
Am 11. Dezember beantragte der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe
gegen Wilhelm Liebknecht strafrechtliche Verfolgung wegen Maje-
stätsbeleidigung. Am 15. Dezember wurde dieser Antrag mit 168 ge-
gen 58 Stimmen abgelehnt. 338 350 365 368
368 Georg von Vollmar hatte am 1. Juni 1891 in München in einer
öffentlichen Parteiversammlung über die Aufgaben und die Taktik
der Sozialdemokratie unter dem sog. Neuen Kurs der Regierung
Caprivi gesprochen. In dieser berüchtigten "Eldorado-Rede", so
genannt nach dem Münchener Lokal Eldorado, wo die Versammlung
stattfand, faßte Vollmar die Auffassungen der Opportunisten
zusammen und versuchte, der Partei die Taktik einer
Zusammenarbeit mit den herrschenden Klassen in Fragen der Innen-
und Außenpolitik, insbesondere im l alle eines Krieges mit
Rußland, aufzuzwingen. Er forderte eine Taktik, die eine langsame
reformerische Umgestaltung der Gesellschaft herbeiführen solle.
Vollmars opportunistische Forderungen liefen auf die Aufgabe der
revolutionären Grundpositionen der Sozialdemokratie, auf eine
Aussöhnung der Arbeiterklasse mit dem preußisch-deutschen
Militärstaat und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung hi-
naus. Seine Rede, die die Zustimmung der bürgerlichen Presse
erhielt, rief in der Partei heftige Kritik hervor und wurde auf
dem Erfurter Parteitag (siehe Anm. 247) entschieden verurteilt.
338
369 Gemeint ist die Polemik des "Vorwärts" mit Georg von Vollmar,
die durch dessen Artikel "Le socialisme de M. de Bismarck et le
socialisme de l'empereur Guillaume", in der Pariser Zeitschrift
"Revue bleue. Revue politique et littéraire" von Juni 1892 ausge-
löst worden war. Vollmar hatte in seinem Artikel behauptet, daß
sich das Erfurter Programm in einer Reihe von Forderungen dem von
Bismarck und Wilhelm II. proklamierten Staatssozialismus annä-
here. Vollmars Artikel rief eine breite Diskussion in der sozial-
demokratischen Presse hervor. Der "Vorwärts" wandte sich in sei-
nen redaktionellen Artikeln "Staatssozialismus" am 6., 12., 21.
und 22. Juli 1892 gegen Vollmars Behauptungen. 338
370 Anspielung darauf, daß Georg von Vollmar das katholische
Benediktinergymnasium Sankt Stephan in Augsburg besucht hatte.
340
371 Es handelt sich um den Brief vom 24. November 1894 (siehe
vorl. Band, S. 330) ; über den Verbleib des von Engels erwähnten
anderen Briefes ist uns nichts bekannt. 340
372 Wilhelm Liebknecht hatte am 12. Dezember 1894 in der Debatte
über den Reichshaushaltsetat eine Rede gehalten, in der er u.a.
auch auf die mit der "Umsturzvorlage" (siehe Anm. 355) zusammen-
hängenden Fragen und die sog. Majestätsbeleidigung (siehe Anm.
367) einging. Seine Rede wurde im "Vorwärts" vom 13. Dezember
1894 gekürzt abgedruckt. 340
373 Am 13. Dezember 1894 hatte Witold Jodko-Narkiewicz an Engels
geschrieben, daß auf dem III. Parteitag der Sozialdemokratie Ga-
liziens "ein Vorschlag ähnlich dem französischen Agrarprogramm
gemacht" wurde, der abgewiesen worden sei. Seitdem habe man sich
in allen polnischen Zeitungen mit der Landfrage beschäftigt. Des-
halb beabsichtige er, den in der "Neuen Zeit" erschienenen Arti-
kel von Engels, "Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland",
übersetzen zu lassen und im "Przedswit" zu veröffentlichen.
Jodko-Narkiewicz bat Engels um die Erlaubnis dazu. Im "Przedswit"
vom Dezember 1894 erschien Engels' Arbeit unter der Überschrift
"Kwestya wloscianska". 345
#596# Anhang und Register
-----
374 Auf der vom 19. bis 21. August 1882 in Zürich durchgeführten
Konferenz der deutschen Sozialdemokratie war einstimmig die Er-
richtung eines Parteiarchivs beschlossen worden. Die ersten Mate-
rialien des Archivs sammelte Eduard Bernstein in Zürich. Seit
April 1883 stand das Archiv unter der Leitung Hermann Schlüters.
Als im Mai 1886 die Redakteure des "Sozialdemokrat" die Schweiz
verlassen mußten und der Verlag des Blattes mit Hilfe von Engels
nach London übersiedelte, wurde auch das Parteiarchiv nach Eng-
land gebracht und im Juni 1888 in London mit Unterstützung von
Julius Motteler aufgebaut. In den nachfolgenden Jahren entwic-
kelte sich dieses Archiv dank der Fürsorge und Unterstützung sol-
cher Persönlichkeiten wie August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Franz
Mehring und Julius Motteler zu einer wertvollen Dokumentensamm-
lung der Arbeiterbewegung. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes
(siehe Anm. 143) kam es nach Berlin. Im Parteiarchiv wurde der
literarische Nachlaß der Führer der deutschen Arbeiterbewegung,
in erster Linie von Marx und Engels, die Literatur zur Geschichte
der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung sowie die Ar-
beiterpresse gesammelt. 347
375 Diese Zeilen schrieb Engels auf einen Kartenbrief. Er ist in
Engels' Handschrift mit folgender Adresse versehen: Monsieur
Pierre Lavroff, 328, rue Saint Jacques, Paris - France. 349
376 Nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident im November 1893
hatte Giovanni Giolitti am 11. Dezember 1894 die Banca Romana be-
lastende Dokumente (siehe auch Band 22 unserer Ausgabe, S. 358-
364), die er aus Staatsgründen noch nicht der Justiz übergeben
hatte, der Deputiertenkammer überreicht. Daraufhin wurde sofort
eine Untersuchungskommission ernannt. 351
377 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: G.W. Lamplugh
Esq. 28 Jermyn St., S.W. 352
378 Der Text dieses Briefes wurde, bis auf den ersten Satz, als
"Grußadresse an die österreichischen Arbeiter zum täglichen Er-
scheinen der 'Arbeiter-Zeitung'" (siehe Band 22 unserer Ausgabe,
S. 508) veröffentlicht. Die Grußadresse erschien am 1. Januar
1895 in der "Arbeiter-Zeitung". 355
379 Laura Lafargue hatte Engels am 23.Dezember 1894 mitgeteilt,
daß die Zeitungen "Le Peuple" (Lyon) und "Réveil du Nord" (Lille)
nunmehr täglich erscheinen werden. 356
380 Eine französische Ausgabe des "Manifests der Kommunistischen
Partei" war von September bis November 1894 in "L'+re nouvelle"
veröffentlicht worden. Da jedoch das "Manifest "auch als Einzel-
broschüre in demselben Verlag herauskommen sollte, hatte Laura
Lafargue in ihrem Brief vom 23. Dezember 1894 Engels um Rat gebe-
ten, welches Vorwort man voranstellen sollte; die Übersetzung der
vier Vorworte, die in die deutsche Ausgabe von 1890 aufgenommen
wurden, hielt Laura Lafargue nicht für angebracht.
Die 1895 in Paris veröffentlichte Broschüre des "Manifests"
enthielt ein kurzes Vorwort des Verlages.
Bei den vier Vorworten handelt es sich um das Vorwort von Marx
und Engels für die deutsche Ausgabe von 1872 sowie um die Vor-
worte von Engels zu den deutschen Ausgaben von 1883 und 1890 (im
letztgenannten ist das von Marx und Engels für die russische Aus-
gabe 1882 verfaßte mit enthalten). (Siehe Band 18 unserer Aus-
gabe, S. 95-96, Band 21, S. 3/4 und Band 22, S. 52-59.) 356
381 Der erste, dem auf Grund des in Frankreich im Juli 1894 er-
lassenen Anarchistengesetzes (siehe Anm. 303) der Prozeß gemacht
wurde, war Alfred-Léon Gérault-Richard; er wurde zur Höchststrafe
- zu einem Jahr Gefängnis und 3000 frs. Geldbuße - verurteilt
#597# Anmerkungen
-----
wegen eines gegen den Präsidenten der Republik Jean Casimir-Pé-
rier gerichteten Artikels in "Le Chambard". Im Dezember 1894
wurde Gérault-Richard von den Blanquisten als Kandidat in die De-
putiertenkammer für das XIII. Arrondissement von Paris aufge-
stellt und am 6. Januar 1895 gewählt. Am 10. Januar 1895 forder-
ten die sozialistischen Deputierten in der Kammer seine Freilas-
sung. Dieser von Alexandre Millerand eingebrachte Antrag wurde
mit 294 gegen 205 Stimmen abgelehnt; erst später wurde Gérault-
Richard freigelassen. 357 382
382 Das an Victor Adler abgeschickte Exemplar des dritten Bandes
des "Kapitals" enthält eine Widmung von Engels, die vom 1. Januar
1895 datiert ist. 358
383 Nach dem Erscheinen des dritten Bandes des "Kapitals" hatte
Engels mit der Vorbereitung einer Ausgabe der Werke von Marx und
seiner eigenen Arbeiten begonnen. Er bemühte sich, die frühen
Schriften von Marx und verschiedene eigene Arbeiten wieder aufzu-
finden, die in den fünfziger Jahren in der "New-York Daily Tri-
büne" erschienen waren. Engels korrespondierte hierüber mit Lud-
wig Kugelmann, von dem er wußte, daß er viele dieser Arbeiten für
seine Bibliothek gesammelt hatte. Kugelmann war Engels bei weite-
ren Ermittlungen behilflich. 359
384 Im September 1893 war Engels mit Ludwig Kugelmann in Berlin
zusammengetroffen. Sie führten damals auch Gespräche über die
Herausgabe der gesammelten Werke von Marx und Engels, die Engels
vorbereitete. 359
385 Ludwig Kugelmann teilte Engels um den 5. Januar 1895 mit, daß
der Sammler der Marxschen Schriften in den USA Hermann Meyer
gewesen sei, der 1848 nach Amerika ausgewandert war. Als Meyer
bei einem Schiffsunglück 1875 ums Leben kam, gelangten viele sei-
ner Bücher und Dokumente in die Hände seines Neffen Max Li-
vingston in Pittsburgh. Davon hatte Kugelmann bereits 1876 gehört
und Livingston damals gebeten, ihm diese Marxschen Schriften für
eine Gesamtausgabe der Werke von Marx und Engels zu überlassen.
Livingston hatte Kugelmann am 21. März 1876 geantwortet, daß
viele Bücher Hermann Meyers bei dem Schiffsunglück verlorengegan-
gen seien, er jedoch eine große Anzahl Korrespondenzen und Leit-
artikel der "New-York Daily Tribüne" aus den Jahren 1851-1858
sorgfältig geordnet und aufgeklebt gefunden habe, die für eine
Gesamtausgabe zur Verfügung ständen, (siehe auch Anm. 469). 359
375 397
386 Hermann Schlüter hatte Engels am 11. August 1894 brieflich
gebeten, Eduard Bernstein vorzuschlagen, eine Artikelserie zum
dritten Band des "Kapitals" für die Sonntagsbeilage der "New
Yorker Volkszeitung" zu schreiben. 361
387 Am 3. Mai 1894 hatten die Arbeiter der Berliner Brauereien
den sog. Bierboykott erklärt - Den Anstoß hatte die Aussperrung
von etwa 300 Böttchern der Rixdorfer Vereinsbrauerei wegen Teil-
nahme an den Feierlichkeiten zum 1. Mai 1894 gegeben. Die Arbei-
ter forderten u.a. die Anerkennung des 1. Mai als Feiertag, eine
Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden, die Anerkennung der be-
stehenden Brauerciarbeiter-Organisationen, Lohnentschädigung für
die ausgesperrten Arbeiter sowie Anerkennung des Arbeitsnachwei-
ses. Die Brauereibesitzer beantworteten diese Forderungen mit
Massenentlassungen. Der Bierboykott nahm immer größere Ausmaße
an. Schließlich waren die Unternehmer gezwungen, im September
1894 auf Verhandlungen einzugehen. Die Forderungen der Arbeiter
wurden im wesentlichen angenommen. Der Bierboykott wurde Ende De-
zember 1894 aufgehoben. 362 366
388 Karl Kautsky hatte Engels am 29. Dezember 1894 mitgeteilt,
daß Wilhelm Liebknecht einen Brief von Marx über Pierre-Joseph
Proudhon entdeckt zu haben glaubte und
#598# Anhang und Register
-----
denselben J.W.H. Dietz zum Abdruck angeboten habe. Es handelte
sich hierbei jedoch um den bereits 1865 im "Social-Demokrat" ver-
öffentlichten Artikel von Marx "Über P.-J. Proudhon" (siehe Band
16 unserer Ausgabe, S. 25-32), dessen Original Liebknecht gefun-
den hatte. 363
389 Am 15. Dezember 1894 hatte August Bebel im Reichstag eine
Rede gehalten, in der er den Versuch der Regierung, Wilhelm Lieb-
knecht unter Bruch der Verfassung strafrechtlich verfolgen zu
lassen (siehe Anm. 367), scharf verurteilte. Die Regierung hatte
alles unternommen, um den Artikel 31 der Verfassung, der unter
bestimmten Voraussetzungen die strafrechtliche Verfolgung von
Reichstagsabgeordneten gestattete, gegen Liebknecht anzuwenden.
Dabei war sie bemüht, den Artikel 30 der Verfassung zu umgehen,
der besagte, daß kein Mitglied des Reichstags wegen im Reichstag
gemachter Äußerungen gerichtlich verfolgt werden darf. Somit kam
die Regierung mit ihrer eigenen Verfassung in Konflikt, während
die Sozialdemokraten die Einhaltung der verfassungsmäßig garan-
tierten demokratischen Rechte verteidigten. 366
390 Engels vergleicht hier die Auseinandersetzungen innerhalb der
deutschen Sozialdemokratie zur Agrarfrage (siehe Anm. 326) mit
den Versuchen der Vertreter der süddeutschen Volkspartei 1869/70,
die Zustimmung der Eisenacher Partei zum Beschluß des Basler
Kongresses der Internationalen Arbeiterassoziation über die
Nationalisierung des Grund und Bodens zu verhindern. Der
Stuttgarter Kongreß (1870) der Eisenacher Partei hatte diesen
Bestrebungen eine eindeutige Abfuhr erteilt. 367
391 Engels erinnert sich der Zeit, als er im April 1848 gemeinsam
mit Marx Paris verließ, um in Deutschland unmittelbar an der Re-
volution teilzunehmen. Vom 7. bis 9.April 1848 weilten Marx und
Engels in Mainz, um mit den dortigen Mitgliedern des Bundes der
Kommunisten, zu denen auch Paul Stumpf gehörte, die weiteren Auf-
gaben der Arbeitervereine zu besprechen. 368 ·
392 Pasquale Martignetti hatte am 6. September 1894 an Engels ge-
schrieben und ihn gebeten, Edward Aveling zu übermitteln, daß es
ihm nicht gelungen sei, seine - Avelings - Schrift "The Student's
Marx" in italienischer Sprache herauszubringen. 369
393 Die italienische Übersetzung von Engels' Vorwort zum dritten
Band des "Kapitals" wurde von Pasquale Martignetti besorgt. Sie
erschien in der Zeitschrift "La Rassegna" vom Januar 1895. 369
414 435
394 Es handelt sich um Louise Kautskys Notiz "Aus den Trades-Uni-
ons", die am 15. Januar 1895 in der "Arbeiter-Zeitung" erschien.
Bereits am 5. Januar 1895 war in demselben Blatt in der Rubrik
"Aus den Organisationen" eine anonyme Notiz "England" über die
gleichen Probleme veröffentlicht worden. 371
395 Die "Arbeiter-Zeitung" vom 10. Januar 1895 brachte unter
"Frankreich" eine mit l.k. (Louise Kautsky) gezeichnete Notiz, in
der auch ein Auszug aus einem Brief von Mrs. Crawford im Londoner
"Weekly Dispatch" vom 6. Januar 1895 enthalten war. 371
396 Es handelt sich um den Artikel "Wnutrenneje obosrenije" in
dem Petersburger "Westnik Jewropy", Band VI, Buch 12, vom Dezem-
ber 1894. 371
397 Victor Adler hatte Engels in seinem Brief vom 27. Dezember
1894 gebeten, Emile Vandervelde den Vorschlag zu machen, an der
Wiener "Arbeiter-Zeitung" als Korrespondent mitzuarbeiten. 372
398 Victor Adler informierte Engels in seinem Schreiben vom 27.
Dezember 1894 darüber, daß er in der "Arbeiter-Zeitung" ein
Feuilleton "Karl Marx in Wien" bringen werde.
#599# Anmerkungen
-----
Er habe einige Anhaltspunkte in dem Becherschen Organ "Der Radi-
kale" gefunden. Ferner wollte Adler wissen, ob Engels sich an Al-
fred Julius Becher erinnern könne.
Am 24. Januar 1895 erschien daraufhin in der "Arbeiter-Zeitung",
gestützt auf Mitteilungen von Engels (siehe vorl. Band, S.
376/377) der Artikel "Karl Marx in Wien" von Max Bach. 372 399
399 Diese Behauptung stellte Peter von Struve in seinem Buch
"Krititscheskija sametki k woprosu ob ekonomitscheskom raswitii
Rossii" (siehe auch Anm. 359) auf. N.F. Danielson schrieb Engels
darüber am 1. Dezember 1894. 374
400 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Herrn Dr. L.
Kugelmann, 20 BI Warmbüchenstr., Hannover, Germany. 375 397
401 Am 9. August 1848 nahm die preußische Nationalversammlung
einen Antrag des Abgeordneten Julius Stein an, in dem der Kriegs-
minister von Schreckenstein aufgefordert wurde, wegen des bruta-
len Vorgehens des Militärs gegen das Volk den Befehl zu erteilen,
Offiziere, die nicht mit den konstitutionellen Bestrebungen des
Volkes übereinstimmen, aus der Armee zu entfernen. Trotz des Be-
schlusses der Nationalversammlung wurde jedoch kein derartiger
Befehl erteilt. Stein wiederholte seinen Antrag am 7. September
und forderte die sofortige Durchführung des Beschlusses. Der An-
trag wurde mit 219 gegen 143 Stimmen angenommen, was zur Folge
hatte, daß das Ministerium Auerswald-Hansemann zurücktreten
mußte. Vom neuen Ministerium Pfuel wurde der Befehl schließlich
gegeben, jedoch nicht ausgeführt. 376
402 Engels hatte sich in seinem Vorwort zum dritten Band des
"Kapitals" zu einigen Stellen in George Stiebelings Arbeit "Das
Werthgesetz und die Profit-Rate. Leichtfaßliche Auseinander-
setzung einiger wissenschaftlicher Fragen", New York'] 890,
kritisch geäußert. Stiebeling versuchte in seinem "Offenen Brief
an Herrn Friedrich Engels in London", den die "Neue Zeit", 13.
Jg. 1894/95, 1. Bd., Nr. 18, veröffentlichte, Engels' Kritik zu
widerlegen. Die "Neue Zeit" schloß sich in einer redaktionellen
Notiz dazu Engels' Meinung
an. 378 385
403 Hinweis auf Ignaz Auers Auftreten im Reichstag am 8. Januar
1895 während der Debatte über die Umsturzvorlage (siehe Anm.
355). 378
404 Ab Januar 1895 war Paul Lafargue für die Wiener "Arbeiter-
Zeitung" als Korrespondent tätig. Sein erster Artikel "Der
'Panama-Bazillus'" wurde am 8. Januar 1895 veröffentlicht. 382
405 Anspielung auf das provokatorische Auftreten des Kriegsmini-
sters General Bronsart von Schellendorf am 10. Januar 1895 im
Reichstag während der Debatte über die Umsturzvorlage (siehe Anm.
355). 382
406 Die blanquistischen Emigranten Edouard Vaillant, Antoine Ar-
naud und Frédéric-Etienne Cournet hatten im Juni 1874 unter dem
Titel "Aux Communeux" in London eine Broschüre herausgegeben. 384
407 "La Petite République" veröffentlichte am 12. Januar 1895
einen Artikel von Gustave-Armand Rouanet, der wie der Artikel von
Alfred-Léon Gérault-Richard in "Le Chambard" (siehe Anm. 381)
gegen den Präsidenten der Republik Jean Casimir-Périer gerichtet
war.
Am 12. Januar brachte Rouanet in der Deputiertenkammer den Antrag
ein, den mit dem Orden der Ehrenlegion verbundenen Ehrensold um
1000 fr. zu kürzen, um willkürliche
#600# Anhang und Register
-----
Verleihungen des Ordens zu unterbinden. Gleichzeitig erklärte
Rouanet, da der Antrag für die Freilassung Gérault-Richards abge-
lehnt worden sei, erwarte er keine sachliche Abstimmung seines
Antrags. Daraufhin forderte der Präsident der Kammer, daß Rouanet
den Sitzungssaal verlasse. Trotz des Protestes einiger Deputier-
ter mußte Rouanet der Aufforderung nachkommen. 384
408 Die letzten drei Absätze hat Engels auf den Rand des vorlie-
genden Briefes geschrieben. 384
409 Hinweis auf den von Wilhelm II. verfaßten "Sang an Agir". 386
410 Seit November 1893 waren in Frankreich drei Regierungen ge-
stürzt worden: das Kabinett Dupuy (November 1893), das Kabinett
Casimir-Périer (Mai 1894) und das zweite Kabinett Dupuy (Januar
1895). Unmittelbar danach trat am 15. Januar 1895 Jean Casimir-
Périer vom Posten des Präsidenten zurück (siehe auch Anm. 411).
Am 17. Januar wurde als neuer Präsident der Französischen
Republik François-Félix Faure gewählt. 387 389 391
411 Jean Casimir-Périer war als Interessenvertreter der Großindu-
striellen Frankreichs in die jahrelang geheimgehaltenen Manipula-
tionen zwischen der französischen Regierung und den Eisenbahnge-
sellschaften verwickelt gewesen (siehe Anm. 413). Als dieser Kor-
ruptionsskandal bekannt wurde und die Deputiertenkammer sich auf
Grund des Antrags des sozialistischen Deputierten Alexandre
Millerand gezwungen sah, gegen den für die Unterzeichnung der
Verträge verantwortlichen ehemaligen Minister David Raynal An-
klage zu erheben, reichte Casimir-Périer seinen Rücktritt ein.
Wie aus Paul Lafargues Brief an Engels vom 16. Januar 1895 her-
vorgeht, hatte die Reaktion einige Tage vor dem Sturz der Regie-
rung offensichtlich einen Staatsstreich geplant, um wirksamere
Maßnahmen gegen die Sozialisten ergreifen zu können. 389
412 Anspielung auf das Gedicht "Le vieux Célibataire" von Pierre-
Jean de Béranger. 389
413 Ende 1894 kam es in der Deputiertenkammer zu Debatten über
die Abänderung der Kontrakte, die seit 1883 zwischen der Regie-
rung und den Eisenbahngesellschaften bestanden. Diese Verträge
hatten es den Eisenbahngesellschaften zehn Jahre lang ermöglicht,
auf Kosten der Steuerzahler umfangreiche Spekulationen durch-
zuführen. Die Regierung verweigerte die Abänderung der Kontrakte.
Am 14. Januar 1895 beantragte der sozialistische Deputierte Eti-
enne-Alexandre Millerand die Untersuchung der Angelegenheit und
der Rolle, die der ehemalige Minister für öffentliche Arbeiten
David Raynal beim Abschluß dieser Verträge gespielt hatte. Die
Kammer stimmte diesem Antrag mit 263 gegen 241 Stimmen zu und
versetzte damit Raynal in den Anklagezustand. 389
414 Der Führer der Radikalen (siehe Anm. 21) Georges-Benjamin
Clemenceau hatte durch ständige Interpellationen in der Kammer
erreicht, daß mehrere Kabinette, darunter das Kabinett Gambetta
(1882), Freycinet (1882), Ferry (1885) und Brisson (1886) gezwun-
gen waren zurückzutreten. 391
415 Jean Jaurès hatte am 20. Januar 1895 in der "Petite Républi-
que" einen Leitartikel über seine Reformpläne unter der Über-
schrift "La Situation" veröffentlicht. 392
416 Gemeint ist die Arbeit von Ferdinand Tönnies, "Neuere Philo-
sophie der Geschichte: Hegel, Marx, Comte", in der er sich mit
Paul Barths Buch "Die Geschichtsphilosophie Hegels und der Hege-
lianer bis auf Marx und Hartmann" auseinandersetzt, sowie Tön-
nies' Artikel "Pestalozzi als Sozialpädagog", der am 3. Dezember
1894 in der Wochenschrift "Sozialpolitisches Centralblatt" veröf-
fentlicht worden war. 394
#601# Anmerkungen
-----
417 Auguste Comtes "Positive Philosophie" ist in seinem Hauptwerk
"Cours de philosophie positive" begründet, das erstmalig in einer
sechsbändigen Ausgabe 1830 bis 1842 in Paris erschien. 395
418 Calholicis m without christianily (Katholizismus ohne Chri-
stentum) - diese Formulierung gebrauchte Thomas Henry Huxley in
einem am 8. November 1868 in Edinburgh gehaltenen Vortrag, der
unter dem Titel "On the physical basis of life" in "The Fort-
nightly Review" vom 1. Februar 1869 abgedruckt wurde. 395
419 Engels bezieht sich auf eine Fußnote in Ferdinand Tönnies'
Arbeit "Neuere Philosophie der Geschichte: Hegel, Marx, Comte",
wo auf S. 513 vermerkt wird: "Hervorragende englische Comtisten
gehörten zu den Mitbegründern der 'Internationale', deren Gene-
ral- Sekretär K. Marx war..." 395
420 Gemeint sind die Aufsätze Edward Spencer Beeslys über die Pa-
riser Kommune, die unter der Überschrift "On the Paris Revolu-
tion" in "The Bee-Hive" von März bis Juni 1871 erschienen waren,
sowie verschiedene Reden von Frederic Harrison und ein Brief an
die Redaktion der "Times", der am 26. Februar 1872 veröffentlicht
worden war. 395
421 Am deutlichsten drückte Saint-Simon diesen Gedanken in seinem
Werk "Catechisme des industriels" aus. Zu den Produzenten, den
sog. Industriellen, zählte Saint-Simon außer den Arbeitern auch
die Fabrikanten und Kaufleute, d. h. alle, die materielle Güter
produzieren oder produzieren lassen sowie diejenigen, die mit der
Zirkulation dieser Güter beschäftigt sind. Die erste Ausgabe die-
ser Schrift erschien in Paris 1823/24 in 3 Heften. 396
422 Ludwig Kugelmann hatte in seinem Brief vom 12. Januar 1895
Engels gebeten, ihm die deutschen Sammelwerke anzugeben, in denen
mit oder ohne Namensangabe Aufsätze von Marx und Engels publi-
ziert wurden (siehe auch vorl. Band, S. 359). 397
423 Whigaristokraten - eine kleine, aber für die Herausbildung
des Liberalismus in England bedeutsame Gruppierung, die im Ergeb-
nis der Spaltung der Whig-Partei nach dem Sieg der Französischen
Revolution entstanden war. Die Whigaristokraten vertraten die
Interessen der Großbourgeoisie und setzten sich für eine Reform
des Parlaments ein. Sie bildeten den Kern der im 19. Jahrhundert
entstandenen Richtung der Liberalen, die später als Liberale Par-
tei die Interessenvertretung des sich entwickelnden Industrie-
kapitalismus wurde. 399
424 Hinweis auf die zweite Wahlrechtsreform von 1867 in England,
die infolge einer Massenbewegung des Proletariats als Gesetz an-
genommen wurde, aber nur dem Kleinbürgertum und den besserge-
stellten Schichten der Arbeiterklasse das Wahlrecht gewährte. Sie
war der Abschluß des seit der ersten Wahlreform (1832) geführten
Kampfes der industriellen Bourgeoisie nach politischer Macht.
1884 wurde vom englischen Parlament eine weitere Reformbill ver-
abschiedet. Sie dehnte das Wahlrecht auf die kleinen Landwirte
und einen Teil der Landarbeiter aus. Große Teile der Bevölkerung,
wie das Dorfproletariat, die armen Städter sowie die Frauen waren
jedoch auch nach der dritten Wahlrechtsreform ohne Wahlrecht. 399
425 Die Home-Rule Bill, die William Ewart Gladstone im April 1886
im britischen Parlament einbrachte, sah eine beschränkte Selbst-
verwaltung für Irland vor. Es sollte ein irisches Parlament und
eine unter der Kontrolle des britischen Kabinetts stehende iri-
sche Regierung gebildet werden. Gladstone hoffte sich mit dieser
Bill die Unterstützung der irischen Abgeordneten im Parlament zu
sichern. Die Bill wurde jedoch durch die Gegenstimmen der Konser-
vativen und Liberal-Unionisten vom Parlament abgelehnt. 399
#602# Anhang und Register
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426 Anspielung auf eine von der Redaktion der "Arbeiter-Zeitung"
am 26. Januar 1895 veröffentlichte Notiz, in der über die Be-
schlagnahme der Nummer vom 24. Januar informiert wurde. Gleich-
zeitig wurde darauf hingewiesen, daß trotzdem der größte Teil der
konfiszierten Auflage in die Hände der Abnehmer gelangt sei und
die Redaktion deshalb von einer zweiten Auflage abgesehen habe.
399
427 Dieser Auszug aus "The Weekly Dispatch" vom 27. Januar 1895
wurde in der "Arbeiter- Zeitung" vom 1. Februar 1895 unter der
Überschrift "Zur Charakteristik des neuen Präsidenten" veröffent-
licht. 400
428 Der "Vorwärts" vom 9. Januar 1895 veröffentlichte eine Peti-
tion "deutscher Frauen aller Klassen und aller Parteien", die der
Redaktion zugesandt worden war. Die Unterzeichnerinnen dieser Pe-
tition richteten an "alle deutschen Frauen" die Bitte, die Forde-
rung nach Vereins- und Versammlungsrecht für das weibliche Ge-
schlecht mit ihrer Unterschrift zu unterstützen. Am 24. Januar
1895 brachte der "Vorwärts" einen Artikel Clara Zetkins, in dem
diese Petition heftig kritisiert wurde. Clara Zetkin wandte sich
entschieden dagegen, daß proletarische Frauen eine solche Peti-
tion unterzeichnen, und verwies auf den Standpunkt der Partei,
"daß die Frauenfrage nur im Zusammenhang mit der allgemeinen so-
zialen Frage zu erfassen und zu fördern ist". Die Partei, schrieb
Clara Zetkin u.a., vertrete die Interessen beider Geschlechter,
habe im Reichstag zur Frage des Versammlungsrechts bereits einen
Initiativantrag gestellt, und es bestehe kein Grund, daß proleta-
rische Frauen in solch einem Moment eine Petition unterzeichnen,
die "durchweg bürgerlichen Geist atmet". 400
429 Diese Zeilen schrieb Engels auf einen Kartenbrief. Er ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Madame
Beldinsky, 2, Regent's Square, W. C. 401
430 Es handelt sich um G.W. Plechanows Buch "K woprossu o
raswitii monistitscheskowo wsgljada na istoriju", das dieser 1895
in Petersburg unter dem Pseudonym N. Beltow veröffentlichte. 401
405
431 Zar Nikolaus II. hatte beim Empfang der Abordnungen des
Adels, der Städte und der Semstwos am 29. (17.) Januar 1895 als
Antwort auf den von einigen Semstwos in gemäßigter Form vorgetra-
genen Wunsch nach Erweiterung ihrer Rechte und Einberufung der
Ständeversammlung erklärt, daß es "absurde Träumereien" wären zu
glauben, die Semstwos könnten an den Staatsangelegenheiten teil-
nehmen. 401
432 Das provisorische Komitee zur Vorbereitung des für 1896 in
London geplanten internationalen sozialistischen Arbeiterkongres-
ses, dem Witold Jodko-Narkiewicz angehörte, hatte den polnischen
Sozialisten in London vorgeschlagen, diesen Kongreß "Internatio-
nalen Sozialistischen Arbeiter- und Trades-Union-Kongreß" zu nen-
nen. Im Zusammenhang damit schrieb Jodko-Narkiewicz am 31. Januar
1895 an Engels, daß die polnischen Genossen "in dieser Angelegen-
heit im Einverständnis mit den deutschen Genossen handeln möch-
ten"; er bat Engels, ihm seine Meinung darüber und, falls mög-
lich, auch die der deutschen Genossen mitzuteilen. 402
433 Richard Fischer hatte in seinem Brief vom 30. Januar 1895 En-
gels mitgeteilt, daß der Verlag des "Vorwärts" die Artikel von
Marx aus der "Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-ökonomische
Revue" 1850, die der Revolution von 1848 in Frankreich gewidmet
und unter der Überschrift "1848-1849" (siehe Band 7 unserer
Ausgabe) in drei Folgen erschienen waren, bis spätestens März in
einem Separalabdruck herauszugeben beabsichtige. Er bat Engels,
hierzu eine Einleitung (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 509-
527) zu schreiben.
#603# Anmerkungen
-----
Fischer motivierte die Eile des Vorhabens damit, daß nach Annahme
der Umsturzvorlage (siehe Anm. 355) das Erscheinen einer solchen
Schrift fraglich wäre. Die Broschüre erschien 1895 in Berlin un-
ter dem von Engels gegebenen Titel: "Die Klassenkämpfe in
Frankreich 1848 bis 1850". 403 409 410 412
434 Gemeint sind die fünfte und sechste deutsche Ausgabe des
"Kommunistischen Manifests", die in Berlin 1891 bzw. 1894 heraus-
kamen. 403
435 "Umsturz und Sozialdemokratie. Verhandlungen des Deutschen
Reichstags am 17. Dezember 1894 und 8.-12. Januar 1895 nach dem
offiziellen stenographischen Bericht", Berlin 1895. 403
436 Engels bezieht sich auf das "Schriften-Verzeichniß der Buch-
handlung des Vorwärts in Berlin" vom Jahre 1893. 404
437 G.W. Plechanow hatte Engels am 2.Februar 1895 mitgeteilt, daß
V.I. Sassulitsch krank sei. Er hatte darum gebeten, daß Ludwig
Freyberger sie untersuche und wollte von Engels über das Ergebnis
informiert werden. 405
438 Hermann Engels hatte in seinem Brief vom 23. Januar 1895 u.a.
von verschiedenen Festlichkeiten im Familienkreis berichtet. 407
439 Hinweis auf die Rede Richard Fischers vom 6. Februar 1895 im
Reichstag in der Debatte über die sog. Arbeitervertretung. Die
dreitägige Debatte ergab sich aus der Interpellation des Zen-
trums, "die Errichtung von Arbeiterkammern und Anerkennung der
Berufsvereine betreffend". Ziel dieser Politik war, durch geringe
soziale Zugeständnisse der Arbeiterbewegung Herr zu werden. Fi-
scher betonte in seiner Rede die Unzulänglichkeit der Arbeiter-
schutzgesetzgebung und stellte die Frage, warum die Zentrumspar-
tei sich nicht im Interesse ihrer katholischen Arbeiter auf die
entscheidenden Fragen konzentriere, wie z. B. die Durchsetzung
des Normalarbeitstages, die Arbeiterversicherung, die Garantie
der Koalitionsfreiheit. Abschließend unterstrich er noch einmal
den Klassencharakter der sogenannten Sozialreform. 409
440 Am 2. Dezember 1851 führte Louis Bonaparte einen Staats-
streich durch, der zur Errichtung der bonapartistischen Diktatur
in Frankreich führte. 410
441 Die Zentrumspartei (siehe Anm. 17) hatte in der ersten Lesung
zur Umsturzvorlage (siehe Anm. 355) am 9. Januar 1895 im Reichs-
tag gegenüber dieser Vorlage scheinbare Bedenken geäußert, sie
jedoch in der Kommission zur Beratung einzelner Paragraphen ein-
deutig unterstützt. Richard Fischer verwies in seiner Reichstags-
rede am 6. Februar 1895 (siehe auch Anm. 439), auf die Taktik des
Zentrums, das "mit Rücksicht auf die katholische Arbeiterschaft,
mit Rücksicht auf seine Wählerschaft aus den Arbeiterkreisen
gezwungen" sei, "den 'Umfaß' in der Umsturzkommission damit aus
den Augen zu rücken, daß man jetzt plötzlich wieder das soziale
Programm der Zentrumspartei in den Vordergrund schiebt". In der
Reichstagsdebatte am 7. Februar 1895 ging der Redner der Zen-
trumsfraktion darauf ein und versuchte, die gegen die Interessen
der Arbeiter gerichtete Haltung seiner Partei zu rechtfertigen.
410
442 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben: Julius Motteler Esq., 30,
Hugo Street, Tufnell Park, N. 411 418
443 Wie aus Julius Mottelers Notizen auf der Vorder- und Rück-
seite dieses Briefes hervorgeht, hatte Motteler am 24. Februar
1895 an Johann Meyer nach Bochum geschrieben und um die von En-
gels gewünschte Auskunft gebeten. Am 28. Februar übersandte er
Engels den Antwortbrief Meyers (siehe auch vorl. Band, S. 418).
411
#604# Anhang und Register
-----
444 Gemeint ist die französische Übersetzung von Engels' Arbeit
"Zur Geschichte des Urchristentums", die von Laura Lafargue be-
sorgt wurde (siehe auch Anm. 341). 412
445 Es handelt sich um die von Jean Jaurès Anfang 1895 in Paris
im Quartier-Latin auf einer Konferenz gehaltene Lektion "L'Idéa-
lisme de l'histoire". 414
446 Engels' Vorschläge wurden von Laura Lafargue für die franzö-
sische Übersetzung übernommen. Engels weicht dabei von seiner
deutschen Fassung geringfügig ab (vgl. Band 22 unserer Ausgabe,
S.456 und 462). 414
447 Die Monatsschrift "Russkoje Bogatstwo" hatte in ihrer Nummer
vom Januar 1895 den Artikel "Istoritscheski materialism" von L.
Sak veröffentlicht. 1894 war in Nr. 1 dieser Zeitschrift die
Übersicht "Literatura i Shisn" von N. K. Michailowski erschienen.
In seinem Brief vom 20. Februar 1895 an Engels hatte G.W. Plecha-
now bemerkt: - Ich habe Vera die Januarnummer der 'Russkoje Bo-
gatstwo' geschickt. Darin ist eine Kritik Ihres 'Ursprungs der
Familie, des Privateigentums usw.' von einem gewissen Sak. Dieser
Herr ist in unserer Literatur völlig unbekannt und verspricht,
nach seinem Debüt zu urteilen, nichts Gutes. Die Kritik ist stu-
pid, wie alle von dieser Zeitschrift gegen Sie und Marx gerichte-
ten Angriffe." 416
448 In der Broschüre "Internationales aus dem , Volksstaat'
(1871-75)" waren die Artikel I, II und V der "Flüchtlingslitera-
tur" von Engels abgedruckt. Hier ist der Artikel "V. Soziales aus
Rußland" (siehe Band 18 unserer Ausgabe, S. 556-567) gemeint. Für
diesen Artikel hatte Engels ein besonderes Nachwort geschrieben
(siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 421 bis 435), das in der
Broschüre 1894 mit veröffentlicht wurde. 416
449 G.W. Plechanow hatte in seinem Brief vom 20. Februar 1895 an
Engels Zar Nikolaus II. als "den jungen Idioten aus dem Winterpa-
lais" bezeichnet, der mit seiner Rede vom 29. (17.) Januar 1895
(siehe Anm. 431) "der revolutionären Partei einen gewaltigen
Dienst erwiesen" habe. 417
450 Mit "Coheniade" bezeichnet Engels einen Überfall auf Julius
Motteler und dessen Frau, über den ihn Motteler am 28. Februar
1895 informiert hatte. Am 18. Februar 1895 abends war der Anar-
chist Alexander Cohen mit einem weiteren Spießgesellen gewaltsam
in Mottelers Haus eingedrungen. Motteler schrieb: "Mein Ochsen-
ziemer entschied die Situation mit den ersten 2 Priemhieben." Des
weiteren teilte er mit, daß Cohen Anfang Februar krank bei P. A.
Kropotkin aufgetaucht wäre und "sofort ins Bett gelegt wurde".
Hierauf spielt Engels am Schluß des vorliegenden Briefes an. 418
451 Édouard Vaillant hatte Engels am 24. Dezember 1894 einige
seiner Gesetzentwürfe übersandt. Er lenkte Engels' Aufmerksamkeit
im besonderen auf zwei Vorschläge, die die Agrarfrage betrafen.
419
452 Die Nationalwerkstätten oder Nationalateliers wurden sofort
nach der Februarrevolution 1848 durch ein Dekret der französi-
schen provisorischen Regierung geschaffen. Damit verfolgte sie
das Ziel, einerseits die Ideen Louis Blancs über die Organisation
der Arbeit unter den Arbeitern zu diskreditieren und andererseits
die militärisch organisierten Arbeiter der Nationalateliers im
Kampf gegen das revolutionäre Proletariat auszunutzen. Dieser
provokatorische Plan, die Arbeiterklasse zu spalten, mißlang. Die
Nationalwerkstätten fanden gewaltigen Zustrom und wurden zu re-
volutionären Zentren, so daß sich die Regierung Cavaignac am 3.
Juli 1848 gezwungen sah, sie wieder aufzulösen. 419
453 Zur Wahl des London Counly Council, des Grafschaftsrats von
London, waren nach der Reform der örtlichen Selbstverwaltung von
1888 alle Personen zugelassen, die das Wahlrecht
#605# Anmerkungen
-----
für das Parlament besaßen, sowie Frauen, die älter als 30 Jahre
waren. Der County Council wurde alle drei Jahre gewählt. Bei den
Wahlen des London County Council 1889 und 1892 errang die Gruppe
der Progressisten, zu denen die bürgerlichen Liberalen, die Fa-
bier und Sozialisten gehörten, den Sieg über die Gruppe der Gemä-
ßigten, die die Liberal-Unionisten (siehe Anm. 112) und die Kon-
servativen vereinte. Bei den Wahlen am 2. März 1895 eroberten die
Gemäßigten eine Anzahl neuer Sitze im Council, da die Sozialisten
es abgelehnt hatten, in einem Block mit den Progressisten abzu-
stimmen. 420 449
454 N.F. Danielson hatte Engels in seinem Brief vom 29. Januar
1895 mitgeteilt, daß er den dritten Band des "Kapitals" zu Ende
gelesen habe. Er erwähnte in diesem Zusammenhang eine Stelle aus
Engels' Vorwort, wo Engels von Marx' umfangreichen Studien über
das russische Grundeigentum und seinem Plan, diese Studien für
den Abschnitt über die Grundrente zu verwerten, schreibt (siehe
Band 25 unserer Ausgabe, S. 14). Danielson fragte, ob Engels
wisse, in welcher Weise Marx seinen Plan verwirklichen wollte und
ob Engels für die russische Ausgabe des dritten Bandes des
"Kapitals" das Vorwort diesbezüglich ergänzen könnte. 422
455 Die "Einleitung" für die Einzelausgabe der "Klassenkämpfe in
Frankreich 1848 bis 1850" (siehe Band 22 unserer Ausgabe, S. 509-
527), die 1895 in Berlin erschien, schrieb Engels zwischen dem
14. Februar und dem 6. März 1895. Aus einem Brief Richard Fi-
schers an Engels vom 6. März 1895 ist ersichtlich, daß der Vor-
stand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands von Engels
verlangte, den - nach Meinung des Vorstands - zu revolutionären
Ton der "Einleitung" abzuschwächen. Dabei wurde auf die Gefahr
eines neuen Sozialistengesetzes in Deutschland (siehe Anm. 355)
hingewiesen.
In dem erst vor kurzem aufgefundenen Antwortschreiben von Engels
an Fischer vom 8. März 1895 setzt sich Engels eingehend mit den
Bedenken des Parteivorstandes auseinander und legte unmißver-
ständlich seinen revolutionären Standpunkt dar. Engels' Kritik
richtete sich gegen die unentschlossene Haltung der Parteiführung
und ihr Bestreben, ausschließlich im Rahmen der Gesetzlichkeit zu
handeln. Er war jedoch gezwungen, in einigen Fragen der Meinung
des Parteivorstands Rechnung zu tragen, bestimmte Formulierungen
zu ändern sowie die Stellen zu streichen, in denen vom bevor-
stehenden bewaffneten Kampf des Proletariats gegen die Bour-
geoisie die Rede war. Zur gleichen Zeit unternahmen einzelne Füh-
rer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands den Versuch, En-
gels auf Grund dieser "Einleitung" als Anhänger eines um jeden
Preis friedlichen Weges des Übergangs der Macht an die Arbeiter-
klasse hinzu stellen. So erschien am 30. März 1895 im "Vorwärts"
ein Leitartikel mit der Überschrift "Wie man heute Revolutionen
macht". Darin wurden ohne Wissen von Engels mehrere willkürlich
herausgegriffene Auszüge aus seiner "Einleitung" zitiert, die den
Eindruck erwecken sollten, Engels sei "ein friedfertiger Anbeter
der Gesetzlichkeit quand même" (siehe vorl. Band, S. 452).
Kurz bevor die Einzelausgabe der Marxschen Schrift erschien,
wurde Engels' "Einleitung" auf sein nachdrückliches Verlangen in
der "Neuen Zeit", 13. Jg. 1894/95, 2.Bd., Nr. 27 und 28, veröf-
fentlicht, allerdings mit den oben erwähnten Streichungen und
sonstigen Änderungen, die Engels auf Grund der Haltung des Par-
teivorstandes schon im Text zur Einzelausgabe vorzunehmen gezwun-
gen war. Aber trotz der durch die Streichungen veränderten Fas-
sung bewahrte die Einleitung ihren revolutionären Charakter. Eine
vollständige Veröffentlichung der "Einleitung" erfolgte jedoch
auch dann nicht, als die Gefahr eines neuen Sozialistengesetzes
in Deutschland nicht mehr drohte.
#606# Anhang und Register
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Nach dem Tode von Engels haben Eduard Bernstein und andere Ver-
treter des Revisionismus und Opportunismus die "Einleitung" im
reformistischen Sinne ausgelegt. Sie haben dem Leser den Text der
Einleitung in seiner vollständigen Fassung vorenthalten - obwohl
ihnen das Manuskript zur Verfügung stand - und die Umstände ver-
schwiegen, die Engels zu den genannten Streichungen gezwungen
hatten. Darüber hinaus behaupteten sie, Engels habe in seiner
Einleitung, die sie als sein politisches Vermächtnis ausgaben,
seine früheren Ansichten überprüft und am Ende seines Lebens
einen reformistischen Standpunkt vertreten. 424 446 450 452 458
456 In Österreich erstarkte 1895 die von den Sozialdemokraten or-
ganisierte breite Bewegung für die Einführung des allgemeinen
Wahlrechts. Allein in Wien wurden z.B. am 19. Februar zwölf
Volksversammlungen zur Unterstützung dieser Forderung durchge-
führt. Victor Adler veröffentlichte in der "Arbeiter-Zeitung"
ständig kleinere Notizen zu diesem Thema in der Rubrik "Vom
Tage". 426 437
457 Eine solche Ergänzung schrieb Engels im Mai 1895. Es handelt
sich um den Artikel "Wertgesetz und Profitrate", der kurz nach
Engels' Tod in der "Neuen Zeit", 14. Jg. 1895/96, 1. Bd., Nr. 1
und 2 unter dem Titel "Fr. Engels' letzte Arbeit: Ergänzung und
Nachtrag zum dritten Buch des Kapitals" veröffentlicht wurde
(siehe Band 25 unserer Ausgabe, S. 895-917).
Das Vorhaben, in einem weiteren Artikel die veränderte Rolle der
Börse seit 1865 darzulegen, konnte Engels nicht mehr verwirkli-
chen. Es existiert lediglich eine Disposition (siehe Band 25 un-
serer Ausgabe, S. 917-919). 429 461 482
458 Hinweis auf Wilhelm Lexis' Artikel "Die Marx'sche Kapital-
theorie", der in der Zeitschrift "Jahrbücher für Nationalökonomie
und Statistik", Neue Folge, Bd. 11, 1885 veröffentlicht wurde.
430
459 Conrad Schmidt, "Die Durchschnittsprofitrate auf Grundlage
des Marx'schen Werthgesetzes", Stuttgart 1889. 430
460 Assisen von Jerusalem - im 12. Jahrhundert entstandene Geset-
zessammlung des Königreichs Jerusalem, das im Ergebnis des ersten
Kreuzzuges 1099 in Palästina und Syrien gegründet worden war. 433
461 Hinweis auf Paul Lafargues Artikel "Breve-risposta domanda ai
critici di Marx circa la teoria del valore" und "Replica di
Lafargue", die in der "Critica Sociale" vom 16. Oktober und 16.
November 1894 veröffentlicht wurden. Lafargue polemisierte darin
gegen einige italienische Ökonomen, die die von Achille Loria in
seinem Artikel "L'opera postuma di Carlo Marx" geäußerten Ansich-
ten zum dritten Band des "Kapitals" von Marx unterstützten. 434
462 Engels meint die Besprechung des dritten Bandes des
"Kapitals" von Julius Platter, die unter dem Titel "Die 'Lösung'"
in der Zeitschrift "Schweizerische Blätter für Wirtschafts- und
Socialpolitik", 1. Märzheft, 1895 veröffentlicht worden war. 435
463 Gemeint sind die Artikel Eduard Bernsteins, die unter dem Ti-
tel "Der dritte Band des 'Kapital'" in der "Neuen Zeit", 13. Jg.
1894/95, 1. Bd., Nr. 11-14, 16, 17und 20 erschienen. 436
464 Victor Adler mußte eine siebenwöchige Gefängnishaft abbüßen,
zu der er verurteilt worden war, weil er in einigen von ihm in
der "Arbeiter-Zeitung" veröffentlichten Artikeln die österreichi-
sche Regierung kritisiert hatte. 436
465 Pablo Iglesias war wegen der Leitung des Streiks der Textil-
arbeiter von Malaga verhaftet und im Oktober 1894 zu 40 Tagen Ge-
fängnis verurteilt worden.
#607# Anhang und Register
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In der ersten Oktoberhälfte 1894 war in Malaga in der Baumwollwa-
renfabrik der Firma Larios ein Streik ausgebrochen, weil die Un-
ternehmer beschlossen hatten, den bereits vor vier Jahren zur
Schlichtung von Streitigkeiten gebildeten Fachverein der Textil-
arbeiter aufzulösen und 19 Arbeiter zu bestrafen, die in dieser
Gewerkschaft aktiv mitgearbeitet hatten. Der Streikbewegung
schlossen sich die Arbeiter anderer Städte an, vor allem auch die
Madrider Arbeiter. Die Sozialistische Arbeiterpartei Spaniens un-
ter der Führung von Iglesias leitete die Bewegung. Wegen solida-
rischer Unterstützung der Streikenden hatte sich die Sozialisti-
sche Arbeiterpartei Spaniens auch an die Arbeiter in England,
Österreich und Deutschland gewandt. Trotz Einmischung der Regie-
rung, die den Fabrikanten jegliche Unterstützung zuteil werden
ließ, endete der achtzig Tage andauernde Streik mit dem Sieg der
Arbeiter. 439
466 Carl Hirsch hatte Engels in seinem Brief vom 16. März 1895
gebeten, vier von ihm verfaßte Artikel zu begutachten, die unter
den Titeln - Intensifikation der Arbeit und Verkürzung der Ar-
beitszeit", "Die Intensifikation der Arbeit und ihr Widerstand",
"Die ökonomische und die sozialpolitische Schätzung der Arbeits-
kraft" und "Die Verdichtung der Arbeit unter sozialpolitischem
Gesichtspunkt" im "Sozialpolitischen Centralblatt" vom 8. Januar
und 19. Februar 1894 sowie vom 14. Januar und 18. Februar 1895
veröffentlicht worden waren. Hirsch wollte die Artikel als Bro-
schüre herausbringen. 441
467 Es handelt sich um die Nachwahl zum deutschen Reichstag in
Köln am 13. Mai 1895. Es standen sich der Sozialdemokrat Franz
Lütgenau und der Vertreter der Zentrumspartei Adolf Greiß ge-
genüber. Greiß gewann die Nachwahl. 442
468 In der Monatsschrift "Das Westphälische Dampfboot" erschien
im Juli 1846 anonym das von Marx und Engels verfaßte "Zirkular
gegen Kriege" (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 3-17). Im August
und September 1847 erschien das Kapitel IV des II. Bandes der
"Deutschen Ideologie": "Karl Grün: 'Die soziale Bewegung in
Frankreich und Belgien' (Darmstadt 1845) oder Die Geschicht-
schreibung des wahren Sozialismus" (siehe Band 3 unserer Ausgabe,
S. 473-520). 443 470
469 Engels hatte am 9. Januar 1895 Ludwig Kugelmann gebeten, sich
erneut an Max Livingston wegen der Sammlung Marxscher Schriften
in Amerika zu wenden. Livingston antwortete Kugelmann am 9. März
1895 auf dessen Anfrage vom 12. Februar 1895 und informierte ihn,
daß diese Sammlung seit 18 Jahren nicht mehr in seinem Besitz
wäre und er seinerzeit durch Friedrich Adolph Sorge veranlaßt
worden sei, den Nachlaß Hermann Meyers (siehe Anm. 385) nach Lon-
don zu schicken. In seinem Brief vom 21. März 1895 teilte Kugel-
mann Engels den Inhalt der Antwort Livingstons mit. 443 470
470 Kleinere Auszüge aus dem vorliegenden Brief wurden erstmalig
in der "Neuen Zeit", 13. Jg. 1894/95, 2. Bd., Nr. 47, in Karl
Kautskys Artikel "Aus den letzten Briefen von Friedrich Engels"
veröffentlicht. 446
471 Es handelt sich um die Rede Wilhelm Liebknechts im Reichstag
vom 2. März 1895 zur Beratung des Etats für die Verwaltung des
Reichsheeres. Liebknecht trat gegen die Erhöhung des Militäretats
auf; er forderte die Abschaffung des stehenden Heeres und statt
dessen die Bewaffnung des Volkes im Rahmen eines Milizsystems
nach dem Vorbild der Schweiz. 446
472 1895 begannen Karl Kautsky, Eduard Bernstein, Paul Lafargue,
Franz Mehring u.a. in Stuttgart mit der Herausgabe einer "Ge-
schichte des Sozialismus in Einzeldarstellungen". Als erster Band
erschien in zwei Teilen das Buch "Die Vorläufer des Neueren
Sozialismus". Der erste Teil des ersten Bandes, "Von Plato bis zu
den Wiedertäufern", wurde von Kautsky
#608# Anhang und Register
-----
geschrieben; im zweiten Teil erschien neben den Arbeiten anderer
Autoren auch Bernsteins Arbeit "Kommunistische und Demokratisch-
sozialistische Strömungen während der englischen Revolution des
17. Jahrhunderts". 446 447 454 481
473 Verweis auf eine Notiz in der "Justice", vom 23. März 1895,
veröffentlicht in der Rubrik "Topical Tattle". 449
474 Es handelt sich um die in der "Justice" vom 9. März 1895 ver-
öffentlichten Artikel "A Pill for Palmer" und "A much-needed les-
son - for Progressives and Social Democrats" - letzterer von
Henry William Lee verfaßt. Ferner um die Artikel in "The Labour
Leader" vom 9.März 1895 "The L.C.C. Elections" und "The L.C.C.
and the I.L.P." 450
475 Am 23. März 1895 wurde im Reichstag der Vorschlag einge-
bracht, Bismarck zu seinem 80. Geburtstag Glückwünsche zu über-
mitteln. Dieser Vorschlag wurde mit 163 gegen 146 Stimmen abge-
lehnt. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten, die Vertreter der
Freisinnigen Volkspartei, des Zentrums, die Abgeordneten der pol-
nischen Fraktion u.a. Als Wilhelm II. von diesem Beschluß erfuhr,
sandte er Bismarck ein Telegramm, in dem er seine "tiefste Entrü-
stung" darüber zum Ausdruck brachte und erklärte, daß dieser Be-
schluß "im vollsten Gegensatz zu den Gefühlen aller deutschen
Fürsten und ihrer Völker" stehe. 451 458
476 Im Dezember 1878 hatte Bismarck einer speziell gebildeten
Reichstagskommission den ersten Entwurf einer Zolltarifreform
vorgelegt. Von Mai bis Juli 1879 wurde der von der Kommission
eingebrachte endgültige Entwurf im Reichstag erörtert und am 12.
Juli 1879 angenommen. Der neue Zolltarif sah eine bedeutende Er-
höhung der Einfuhrzölle für Eisen, Maschinen, Textilien, Ge-
treide, Vieh, Fette, Flachs, Holz usw. vor und diente anfangs
sowohl den Interessen der Großindustriellen als auch denen der
Großagrarier. Vgl. Friedrich Engels, "Schutzzoll und Freihandel",
Band 21 unserer Ausgabe, S. 370/371. 451
477 Julius Wolf hatte in einer Einleitung zu dem 1895 in Jena er-
schienenen Buch "Fünf Briefe über Marx an Herrn Dr. Julius Wolf"
von Friedrich Bertheau gegen die kritischen Bemerkungen von En-
gels polemisiert, die dieser im Vorwort zum dritten Band des
"Kapitals" (siehe Band 25 unserer Ausgabe, S. 21, 22 und 25) an
seine Adresse gerichtet hatte. 452
478 Den vorliegenden Entwurf schrieb Engels auf den unteren Rand
des Briefes, den Harry Quelch am 1. April 1895 an ihn gerichtet
hatte. Quelch hatte Engels um ein Interview über die Lage der Ar-
beiterbewegung für die Mai-Nummer der Zeitung "Justice" gebeten.
453
479 Anspielung auf Paul Lafargues Schrift "Le droit à la paresse.
Réfutation du droit au travail de 1848", Paris 1883. 454
480 Das Kapitel, auf das Engels sich hier bezieht, heißt bei Paul
Lafargue "Collectivisme consanguin". 454
481 Lex Alamannorum - Teil der aus dem 6. bis 8. Jahrhundert
stammenden Aufzeichnung des Gewohnheitsrechts des germanischen
Stammes der Alemannen (Alamannen). 457
482 Engels verweist hier auf die Arbeit "La terre salique" von
B.E. Guérard, die erstmalig in der Zeitschrift "Biblioteque de
l'École des chartes", November-Dezember 1841, veröffentlicht
wurde. 457
483 Salisches Gesetz (Lex Salica) - Aufzeichnung des Gewohnheits-
rechts bei den germanischen Stämmen der salischen Franken, die
aus dem Beginn des 6. Jahrhunderts stammt. Es
#609# Anmerkungen
-----
sanktionierte und schützte vor allem das Privateigentum und die
aus dem Zerfall der Gentilordnung entstandenen Klassenbeziehun-
gen. 457
484 Engels, der die Herausgabe einer Sammlung der frühen Aufsätze
von Marx aus der "Rheinischen Zeitung" vorbereitete, hatte von
Richard Fischer erfahren, daß der sozialistische Verleger Hans
Baake mit der Vorbereitung einer ähnlichen Ausgabe begonnen
hatte. 459
485 Es handelt sich um folgende Artikel von Marx: "Die Verhand-
lungen des 6. rheinischen Landtags. Erster Artikel. Debatten über
Preßfreiheit und Publikation der Landständischen Verhandlungen",
"Verhandlungen des 6. rheinischen Landtags. Dritter Artikel. De-
batten über das Holzdiebstahisgesetz" und "Rechtfertigung des ff-
Korrespondenten von der Mosel" (siehe Band 1 unserer Ausgabe, S.
28-77, 109-147 und 172-199). Engels konnte seine Absicht, diese
Artikel neu herauszugeben, nicht mehr verwirklichen. 459 466 468
471
486 Anspielung auf B.N. Kritschewski, der 1894 Marx' Schrift
"Lohnarbeit und Kapital" (siehe Band 6 unserer Ausgabe, S. 397-
423) und andere Schriften ohne Wissen von Engels herausgegeben
hatte (siehe vorl. Band, S. 246 und 251 ). 459
487 Siehe Band 25 unserer Ausgabe, S. 185-189. 461
488 Gemeint ist der Schaaffhausensche Bankverein, eine Aktienge-
sellschaft in Köln mit Zweigstellen in Berlin, Essen und Düssel-
dorf. 463
489 Es handelt sich um das Honorar für Marx' Broschüre "Die Klas-
senkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850". 466
490 Mit Moselartikel meint Engels die "Rechtfertigung des ++-Kor-
respondenten von der Mosel", die von Marx geschrieben und in fünf
Nummern der "Rheinischen Zeitung" im Januar 1843 veröffentlicht
wurde. Nach Marx' Vorhaben sollte dieser Artikel aus fünf Ru-
briken bestehen, von denen jedoch nur zwei geschrieben und veröf-
fentlicht werden konnten (siehe Band 1 unserer Ausgabe, S. 172-
199). 466 471 474-476 487 494
491 Richard Fischer hatte Engels am 27. Januar 1894 den Vorschlag
unterbreitet, die Werke von Marx und Engels in kleineren Liefe-
rungen herauszugeben. Seiner Meinung nach schloß dies nicht die
Möglichkeit einer Gesamtausgabe der Werke von Marx und Engels aus
(siehe auch Anm. 383), wie sie Engels beabsichtigte. 466
492 Für die "New-York Daily Tribune" schrieb Marx auf Vorschlag
von Charles Dana, einem Redakteur dieser fortschrittlichen bür-
gerlichen Tageszeitung, seit August 1851. Seine Mitarbeit währte
bis 1862. Eine große Anzahl der Artikel für die "New-York Daily
Tribune" wurde auf Marx' Bitte von Engels geschrieben. Sie sind
in den Bänden 8 bis 13 sowie 15 und 16 unserer Ausgabe enthalten.
467
493 Am 14. April 1895 brachte der "Vorwärts" eine Notiz unter der
Überschrift "Parteipresse", in der mitgeteilt wurde, daß "Le So-
cialiste" seit Anfang April in vergrößertem Format erscheint, die
Geschäftsräume der Zeitung verlegt, die Leitung der Redaktion von
A. Zévaés und die Administration von René-Auguste Chauvin über-
nommen worden ist. 469
494 Gemeint ist der "wahre" Sozialismus - eine kleinbürgerliche
Ideologie, die 1844/45 entstand und deren bedeutendste Vertreter
Karl Grün und Moses Heß waren. Die "wahren" Sozialisten waren
philosophische Idealisten, die die Ursache für alle Übel nicht in
den kapitalistischen Produktionsverhältnissen, sondern im Egois-
mus der Menschen sahen. Sie lehnten den revolutionären Klassen-
kampf ab und versuchten, mit ihren Phrasen vom
#610# Anhang und Register
-----
"allgemeinen Menschentum" und von der "Liebe", die Ausbeuter und
Ausgebeutete verbinden sollte, die Klassenkonflikte zu vertu-
schen. Sie hemmten die Herausbildung einer selbständigen proleta-
rischen Bewegung, die Gründung der ersten revolutionären Partei
der Arbeiterklasse und die Vereinigung aller demokratischen
Kräfte im Kampf gegen die feudale Reaktion. Marx und Engels kri-
tisierten in mehreren Arbeiten die Anschauungen der "wahren" So-
zialisten, vor allem im zweiten Teil der "Deutschen Ideologie"
(siehe Band 3 unserer Ausgabe, S. 439-530) sowie in den Arbeiten
"Deutscher Sozialismus in Versen und Prosa" und "Die wahren So-
zialisten" (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 207 bis 290). 470
495 Ludwig Kugelmann hatte am 21. März 1895 Engels unter anderem
vorgeschlagen: "Meiner Meinung nach gibst Du als Gesamtausgabe
von Euch beiden heraus, was Du hast, nötigenfalls von den
'Deutsch-französischen Jahrbüchern' und dem 'Manifest' begin-
nend." 470
496 Gemeint ist vermutlich Marx' Broschüre "Die Klassenkämpfe in
Frankreich 1848 bis 1850". (Siehe Band 7 unserer Ausgabe, S. 9-
107.) 470
497 Einige der biographischen Angaben, die Engels in diesem Ab-
satz macht, sind nicht ganz exakt: Marx verließ die Redaktion der
"Rheinischen Zeitung" am 17.März 1843. Seine Erklärung darüber
wurde in der Zeitung vom 18.März 1843 veröffentlicht.
Das preußische Staatsministerium erließ am 19. Januar 1843 eine
Verordnung über die Unterdrückung der "Rheinischen Zeitung", der
am 21. Januar der entsprechende Erlaß folgte, durch den das Er-
scheinen der Zeitung ab 1.April 1843 verboten wurde. Die Ver-
ordnung wurde in der "Kölnischen Zeitung" vom 26. Januar und in
der "Düsseldorfer Zeitung" vom 27. Januar 1843 veröffentlicht.
474
498 Am 18. Februar 1895 hatte das Berliner Polizeipräsidium eine
Verordnung über die Einführung einer Zensur für alle Stücke er-
lassen, die der Theaterverein "Freie Volksbühne" (siehe Anm. 163)
aufzuführen beabsichtigte. Die Leitung des Vereins legte gegen
diese Willkür Berufung ein, setzte bis zur Gerichtsentscheidung
alle Vorstellungen aus und löste die "Freie Volksbühne" freiwil-
lig auf, als diese Entscheidung im März 1896 negativ ausfiel. Im
Herbst 1897 konstituierte sich der Verein mit einem neuen Statut.
474
499 Engels meint die Abschriften von Marx' Artikeln aus der alten
"Rheinischen Zeitung"-: "Debatten über Preßfreiheit" und
"Debatten über das Holzdiebstahlsgesetz" (siehe auch Anm. 485),
die Richard Fischer ihm am 6. Mai 1895 zugesandt hatte. 475
500 Carl Hirsch hatte in seinem Brief vom 15.Mai 1895 Engels mit-
geteilt, daß gegen die "Rheinische Zeitung" bzw. ihren verant-
wortlichen Redakteur A. Hofrichter ein Prozeß wegen Beleidigung
des Direktors der Arbeitsanstalt in Brauweiler, Schellmann, an-
gestrengt und für den 27. Mai 1895 anberaumt worden war, weil die
"Rheinische Zeitung" die Zustände in der Arbeitsanstalt sowie die
schlechte Behandlung der Häftlinge in einem Artikel angeprangert
hatte. Die "Rheinische Zeitung" beabsichtigte, den englischen
Journalisten James Pollitt ausfindig zu machen und als Zeugen zu
gewinnen. Pollitt hatte im Auftrage englischer Fabrikanten u.a.
auch die Anstalt in Brauweiler besucht und seine Eindrücke im
"Hardwareman" vom 11. und 18. Mai 1895 veröffentlicht. 479 485
501 Von diesem Brief ist ein Entwurf, datiert vom 12. Mai 1895,
erhalten geblieben. Brief und Entwurf stimmen inhaltlich überein,
wobei der Brief an manchen Stellen ausführlicher ist. 481
502 Karl Kautsky hatte in seinem Brief vom 6. Mai 1895 Engels
vorgeschlagen, für den vierten Band der "Geschichte des Sozialis-
mus in Einzeldarstellungen" einen Abschnitt über die I. Interna-
tionale zu schreiben, der 1897 veröffentlicht werden sollte. 482
#611# Anmerkungen
-----
503 In seiner Arbeit "Von Plato bis zu den Wiedertäufern" be-
zeichnete Karl Kautsky die "Briefe der Dunkelmänner" ("Epistolae
obscurorum virorum") des Ulrich von Hutten als "Briefe unberühm-
ter Männer"; er war wie Johannes Janssen, der Autor der
"Geschichte des deutschen Volkes seit dem Ausgang des Mittelal-
ters", der Ansicht, daß die herkömmliche Übersetzung dieses Ti-
tels mißverständlich sei. 483
504 Friedrich Adolph Sorge schrieb 1890 bis 1895 für die "Neue
Zeit" eine Reihe von Artikeln über die Entwicklung der Arbeiter-
bewegung in den Vereinigten Staaten seit dem Jahre 1830. Bereits
am 21. November 1891 hatte Engels seinem Freund Sorge vorgeschla-
gen, die Artikel als Buch herauszugeben (siehe Band 38 unserer
Ausgabe, S. 217). Die Serie ist jedoch nicht als Buch erschienen.
484
505 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Herrn Richard
Fischer, Buchhandlung des "Vorwärts", Beuthstr. 2, Berlin, Ger-
many. 487
506 Es handelt sich um Nachträge und Änderungen, die N.F. Daniel-
son mit seinem Brief vom 20. Mai (1. Juni) 1895 an Engels gesandt
hatte und die in die von A. Konow besorgte deutsche Übersetzung
seines Buches "Otscherki naschewo poreformennowo obschtschest-
wennowo chosjaistwa" (siehe auch Anm. 196) eingefügt werden soll-
ten. Die Übersetzung des Buches wurde von G. Polonsky angefertigt
und erschien erst nach dem Tode von Engels. 488
507 Von etwa Juni bis 24. Juli 1895 weilte Engels zur Erholung in
Eastbourne. 489
508 Es handelt sich um Engels' Arbeit "Was hat die Arbeiterklasse
mit Polen zu tun?" (siehe Band 16 unserer Ausgabe, S. 153-163),
die in polnischer Übersetzung im "Przedswit" vom Juli 1895 unter
dem Titel "Klasa robotnicza a kwestya polska" veröffentlicht
wurde.
490
509 Von diesem Brief ist auch das Kuvert mit folgender Adresse in
Engels' Handschrift erhalten geblieben: Sig avv° Filippo Turati,
23, Portici Galleria V.E. Milano, Italy. Auf der ersten Seite
dieses Briefes befindet sich der folgende Vermerk in Turatis
Handschrift: "Riferito al Arturo Labriola 1./7.95" ("Arturo La-
briola am 1./7.95 benachrichtigt"). 491
510 Filippo Turati hatte in seinem Brief vom 19. Juni 1895 Engels
vorgeschlagen, den sozialistischen Studenten Arturo Labriola mit
der Anfertigung eines Resümees der drei "Kapital"-Bände zu be-
trauen. 491
511 Gemeint sind Arturo Labriolas Beiträge "La teoria marxista
del valore e il saggio medio del profitto" in der "Critica So-
ciale" vom 1. Februar 1895 und "La conclusioni postume di Marx
sulla teoria del valore" in der "Critica Sociale" vom 1. März
1895. 491
512 Filippo Turati hatte in seinem Artikel "Crispí re", den er
unter dem Pseudonym Noi in der "Critica Sociale" vom 16. Mai 1895
veröffentlicht hatte, einen Auszug aus Engels' Brief an Pasquale
Martignetti vom 8. Januar 1895 (siehe vorl. Band, S. 369) verwer-
tet. In seinem Schreiben vom 1. Juli 1895 entschuldigte sich Tu-
rati bei Engels, daß er nicht um dessen Autorisierung gebeten
hatte. 491
513 Bei den italienischen Parlamentswahlen am 26. Mai und 3. Juni
1895 konnten die italienischen Sozialisten, die in einer Koali-
tion mit den Radikalen und den Republikanern gegen die Anhänger
der Regierung Crispi auftraten, etwa 20 Vertreter ins Parlament
bringen. 492
514 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Ansichtskarte mit einem
Bild des Strandes von Eastbourne. Sie ist in Laura Lafargues
Handschrift mit folgender Adresse versehen: Monsieur Paul Lafar-
gue, Le Perreux, Seine, France. 493
#612# Anhang und Register
-----
515 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Herrn Richard
Fischer, Buchhdlg. des "Vorwärts", Beuthstr. 2, Berlin S.W. 19,
Germany. 494
516 Im April 1895 war in der Pariser Monatsschrift "Le Devenir
social" Edward Avelings Artikel "Les sans-travail en Angleterre"
erschienen, in dem behauptet wurde, daß Keir Hardie, der Führer
der Independent Labour Party (siehe Anm. 9) die Existenz der Ar-
beitslosigkeit in England verneinte. Ausschnitte aus diesem Arti-
kel wurden in der Zeitschrift "La Jeunesse socialiste" im Juni
1895 nachgedruckt. Hardie übernahm den entsprechenden Ausschnitt
in seinen "Labour Leader" vom 6. Juli 1895 und versah ihn mit ei-
nem Kommentar, in dem er die Behauptung Avelings zurückwies.
Zur gleichen Zeit hatte die Glasgow Central Division branch der
Independent Labour Party Aveling vorgeschlagen, bei den bevorste-
henden Parlamentswahlen für Glasgow zu kandidieren. Aveling
lehnte den Vorschlag wegen seines schlechten Gesundheitszustandes
ab. Eine Mitteilung darüber veröffentlichten der "Labour Leader"
und die "Justice" am 13. Juli 1895. 495 499
517 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte. Sie ist mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift versehen: Ed. Bernstein,
Esq., 29, Red Lion Square, W.C. London. 496
518 Diese Zeilen schrieb Engels auf eine Postkarte mit einer An-
sicht von Eastbourne. Die Karte ist mit folgender Adresse in En-
gels' Handschrift versehen: Sig. Filippo Turati, Portici Galleria
V.E. 23, Milano, Italy. 497
519 Es handelt sich um den ersten Teil des Artikels "En mémoire
du Manifeste du parti communiste" von Antonio Labriola; er war in
der Pariser Monatsschrift "Le Devenir social" Nr. 3 vom Juni 1895
erschienen. Der zweite Teil wurde in Nr. 4 derselben Zeitschrift
im Juli 1895 veröffentlicht. 498
520 Engels hatte noch zu Lebzeiten von Marx diesen in seinem Te-
stament zum Universalerben eingesetzt. Nach dem Tode von Marx
setzte Engels ein neues Testament auf. Er bestimmte, daß Marx'
Töchter Laura und Eleanor und die Kinder von Jenny, der ver-
storbenen ältesten Tochter von Marx, sowie Helene Demuth seine
Hinterlassenschaft zu gleichen Teilen erben sollten. 505
521 Lincoln's Inn - eine der Advokaten-Innungen Londons; gleich-
zeitig Sitz dieser Körperschaft und Wohnung ihrer Mitglieder. 505
522 Das vorliegende Dokument wird nach einer handgeschriebenen
Abschrift von Eduard Bernstein und Louise Freyberger gebracht.
Ihm lag folgende von August Bebel geschriebene Notiz bei:
"Ergänzungsbrief, datiert vom 14. November 1894, zu Friedrich En-
gels' Testament. Lag im Schubkasten von Engels' Schreibtisch."
507
523 Joseph Weydemeyer hatte Ende April 1846 den Hauptteil der Ma-
nuskripte des I. Bandes der "Deutschen Ideologie" (siehe Band 3
unserer Ausgabe) nach Westfalen mitgenommen. Er sollte die Veröf-
fentlichung mit finanzieller Unterstützung dortiger Unternehmer,
der "wahren" Sozialisten Julius Meyer und Rudolph Rempel, vorbe-
reiten. Meyer und Rempel verzögerten jedoch den Beginn des
Drucks. Nachdem bis Mitte Juli 1846 Kapitel II und III des I.
Bandes und der größte Teil des II.Bandes in Westfalen einge-
troffen waren, lehnten sie endgültig ab. Alle weiteren Versuche,
einen Verleger für die Arbeit zu finden, scheiterten entweder an
den Zensurverhältnissen oder an der Sympathie der Verleger mit
den von Marx und Engels kritisierten philosophischen Richtungen
und deren Vertretern. 515
524 In seinem Brief an Marx vom 30. April 1846 halte Joseph Wey-
demeyer mitgeteilt, daß er
#613# Anmerkungen
-----
Julius Meyer den Vorschlag machen wolle, "im Limburgschen einen
Verlag zu errichten", weil Schriften von weniger als 20 Druckbo-
gen in Deutschland der Zensur unterlagen. Für Werke von mehr als
20 Druckbogen traf das formell nicht zu, was jedoch nicht be-
deutete, daß sie nicht unterdrückt werden konnten. Weydemeyer
hoffte, daß sich einige Kapitalisten für das Unternehmen gewinnen
ließen und daß ihm selbst nach Erwerb des holländischen Bürger-
rechts die Konzession erteilt würde. Er bat Marx, in dieser
Beziehung Erkundigungen einzuziehen. Dieser Plan, die "Deutsche
Ideologie" zu veröffentlichen, führte ebensowenig zum Erfolg wie
die Vereinbarungen mit dem Verleger C.G. Vogler und andere
Bemühungen. 515
525 Aus dem Brief von Joseph Weydemeyer vom 14. Mai 1846 erfuhr
Marx, daß sich Rudolph Rempel und Julius Meyer in Geldschwierig-
keiten befanden. 516
520 Marx meint die geplante Arbeit "Kritik der Politik und Natio-
nalökonomie", von der eine im August 1844 abgebrochene Nieder-
schrift erhalten geblieben ist, die unter dem Titel "Ökonomisch-
philosophische Manuskripte 1844" bekannt wurde (siehe Ergänzungs-
band unserer Ausgabe, Schriften bis 1844, Erster Teil, S. 465 -
588). 516
527 Bei dem vorliegenden Brief handelt es sich um ein erst vor
kurzem aufgefundenes Dokument. Es wurde zuerst in der "Zeit-
schrift für Geschichtswissenschaft", Heft 3, Berlin 1968, ver-
öffentlicht. Der Brief ist von unbekannter Handgeschrieben, trägt
aber die eigenhändige Unterschrift von Marx. 518 519
528 Anfang November 1848 bereiteten sich in Düsseldorf sowie in
anderen rheimschen Städten die demokratischen Kreise auf den Wi-
derstand gegen die preußische Regierung vor, die am 8. November
1848 mit der Verlegung der preußischen Nationalversammlung aus
Berlin nach Brandenburg und ihrer Vertagung den konterrevolutio-
nären Staatsstreich begann. Die Protestkampagne verlief unter dem
Zeichen der Vereinigung aller Kräfte, die gegen die Reaktion auf-
traten. Mit dem demokratisch-monarchischen Klub meint Marx wahr-
scheinlich die im November tagende permanente Düsseldorfer Volks-
versammlung, in der die Mitglieder des Demokratischen Volksklubs,
des Vereins für demokratische Monarchie und der Bürgerwehr mitar-
beiteten. Am 14.November 1848 behandelte Ferdinand Lassalle in
der Düsseldorfer Volksversammlung die von Marx vorgeschlagenen
Aufgaben. 520
529 Der Zentralausschuß der Demokraten Deutschlands wurde Mitte
Juni 1848 auf dem ersten Demokratenkongreß in Frankfurt a. M. ge-
gründet. Er stellte sich die Aufgabe, die gemeinsame Tätigkeit
der Vereine zu lenken, die Verbindung zwischen ihnen zu gewähr-
leisten, die Bildung von Kreisausschüssen zu veranlassen u. a.
520
530 Gemeint ist der Kreisausschuß der rheinischen demokratischen
Vereine, der sich Mitte Juli 1848 konstituierte und an dessen
Spitze Marx stand. Mit seiner Bildung gewannen die Kommunisten
eine weitere wichtige Position zur Leitung des revolutionären
Kampfes aller demokratischen Kräfte gegen die Konterrevolution.
Eine der ersten Maßnahmen des Kreisausschusses war die Einberu-
fung eines rheinischen Demokratenkongresses, der am 13. und 14.
August 1848 in Köln stattfand und zum engeren Zusammenschluß der
demokratischen und Arbeitervereine der Rheinprovinz führte. 520
531 Am 14. November 1848 wurde Marx vom Instruktionsrichter wegen
seines Artikels "Der Staatsprokurator 'Hecker' und die 'Neue
Rheinische Zeitung'" (siehe Band 5 unserer Ausgabe, S. 440-444)
vernommen. Vor dem Gerichtsgebäude fand während der Vernehmung
eine große Sympathiekundgebung für Marx statt, durch die seine
Verhaftung verhindert wurde. 520
#614# Anhang und Register
-----
532 Von diesem Brief in Engels' Handschrift, der die Unterschrif-
ten von Marx, August Willich und Engels trägt, ist das Kuvert mit
folgender Adresse in Engels' Handschrift erhalten geblieben: To
His Excellency Chevalier Bunsen, Carlton Terrace. 521
533 Es handelt sich um das Sozial-demokratische Flüchtlingskomi-
tee beim Deutschen Bildungsverein für Arbeiter in London (siehe
Anm. 27), das im September 1849 unter der Bezeichnung Ausschuß
zur Unterstützung deutscher politischer Flüchtlinge in London ge-
schaffen worden war. Um die Versuche der kleinbürgerlich-demokra-
tischen Emigranten, die proletarischen Elemente der Londoner Emi-
gration unter ihren Einfluß zu bringen, zunichte zu machen, wurde
am 3. Dezember 1849 auf Vorschlag von Marx und anderer Führer des
Bundes der Kommunisten der Ausschuß in das Sozial-demokratische
Flüchtlingskomitee umgewandelt, in dessen Leitung nun auch Engels
eintrat. Das Komitee spielte eine bedeutende Rolle bei der Wie-
derherstellung der Verbindungen zwischen den Mitgliedern des Bun-
des der Kommunisten, bei der Festigung der Geschlossenheit der
Anhänger von Marx und Engels in London und bei der Reorganisation
des Bundes der Kommunisten in den Jahren 1849/50. Mitte September
1850 erklärten Marx und Engels und ihre Anhänger ihren Austritt
aus dem Deutschen Bildungsverein für Arbeiter und zugleich aus
dem Flüchtlingskomitee, weil nach der Spaltung des Bundes der
Kommunisten die Mehrheit der Mitglieder des Flüchtlingskomitees
unter den Einfluß der Fraktion Willich-Schapper geraten war. 521
534 Dieser sowie die folgenden fünf Briefe von Marx sind an den
Berliner Verleger Franz Duncker gerichtet, der Marx' Arbeit "Zur
Kritik der Politischen Ökonomie" herausbrachte. 525
535 Am 24. April 1859 hatte Albrecht Komp aus New York an Marx
geschrieben und ihm über die guten Absatzmöglichkeiten des 1.
Heftes "Zur Kritik der Politischen Ökonomie" in den USA berich-
tet. Seinem Schreiben war ein Brief Joseph Weydemeyers vom 27.
März 1859 aus Milwaukee, der dasselbe beinhaltete, beigelegt
(siehe auch Band 29 unserer Ausgabe, S. 437). 527 528
536 Der Schluß dieses Briefes ist abgeschnitten und steht dem In-
stitut für Marxismus- Leninismus nicht zur Verfügung. 527
637 Etwa vom 12. Juni bis etwa 12. Juli 1859 weilte Marx bei En-
gels in Manchester, wo sie u.a. über die Herausgabe der Zeitung
"Das Volk" berieten. 530
538 Gemeint ist der Krieg, den Frankreich und das Königreich Sar-
dinien (Piemont) von April bis Juli 1859 gegen Österreich führ-
ten. Nach einigen Siegen der französisch-piemontesischen Truppen
schloß Napoleon III. im Juli 1859 hinter dem Rücken Sardiniens
mit Österreich den Separatfrieden von Villafranca. Frankreich er-
hielt Savoyen und Nizza zugesprochen, die Lombardei wurde mit
Sardinien vereinigt, Venetien blieb weiter unter österreichischer
Herrschaft. 530
539 Die Erklärung wurde nicht geschrieben, da Marx' Arbeit "Zur
Kritik der Politischen Ökonomie" (siehe Band 13 unserer Ausgabe,
S. 3-160) bereits am 11. Juni 1859 erschienen war. 530
540 Die Photokopie der Handschrift dieses Briefes wurde uns vom
Institut für Parteigeschichte beim ZK der Ungarischen Sozialisti-
schen Arbeiterpartei zur Verfügung gestellt. Der Text des Briefes
wurde erstmalig in Heft 4 der Zeitschrift "Párttörténeti Közle-
mények", Budapest 1966, veröffentlicht.
Wie aus einer Bemerkung von Marx in seinem Buch "Herr Vogt" her-
vorgeht (siehe
#615# Anmerkungen
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Band 14 unserer Ausgabe, S. 506), beantwortete Mór Perczel den
vorliegenden Brief am 19. April 1860. Marx erwähnte Perczels Ant-
wortschreiben auch in einem an Bertalan Szemere gerichteten Brief
vom 2. Juni 1860 (siehe Band 30 unserer Ausgabe, S, 550/551). 531
541 Diese Zeilen schrieb Marx auf eine Postkarte. Sie ist in sei-
ner Handschrift mit folgender Adresse versehen: Th. Allsop Esq.,
Exmouth (Devon). 533
542 Diese Zeilen schrieb Marx auf eine Postkarte. Sie ist in sei-
ner Handschrift mit folgender Adresse versehen: Carl Hirsch Esq.,
12, Fitzroy Street, Fitzroy Square, W. 534
543 Etwa vom 8. August bis 17. September 1879 weilte Marx zur Er-
holung auf der Insel Jersey und in Ramsgate. 534
544 Diese Zeilen standen auf einer Postkarte, die mit folgender
Adresse versehen war: Mrs. Natalie Liebknecht, 160, Kantstraße,
Charlottenburg Berlin. 539
545 I.A. Gurwitsch (Hourwich) hatte Engels am 18.Mai 1895 mitge-
teilt, daß sein Buch "The Economics of the Russian Village" in
Kürze in Russisch erscheinen werde. Er bat Engels, als Anhang
dazu Marx' Auszüge aus russischen statistischen Werken veröffent-
lichen zu dürfen. 542
546 Die vorliegenden Zeilen schrieb Engels mit Bleistift auf die
Rückseite eines Briefes, den Ludwig Siebold am 22. Juli 1895 an
ihn gerichtet hatte. Wegen seiner schweren Krankheit - Engels
litt an Kehlkopfkrebs - war er nicht mehr in der Lage, persönlich
an Siebold zu schreiben, konnte den Brief aber auch nicht diktie-
ren. Wahrscheinlich wurde der vorliegende Entwurf in Engels' Auf-
trag von seiner Sekretärin Louise Freyberger abgeschrieben und an
Siebold geschickt. Wir verfügen nur über den von Engels verfaßten
Entwurf des Briefes. 544
547 Ludwig Siebold hatte Engels am 22. Juli 1895 mitgeteilt, daß
er am 20. Juli einen Brief Julius Springers an Philipp Klepsch
geschickt habe. Siebold hatte Klepsch gebeten, den Brief nach
Durchsicht Engels zu übermitteln. Aus Siebolds Brief an Engels
geht hervor, daß Springer der Meinung war, das von Carl Schorlem-
mer hinterlassene Manuskript sei für eine Veröffentlichung nicht
geeignet. Siebold äußerte die Absicht, das Manuskript selbst ei-
nem Verleger anzubieten und ersuchte Engels um seine Meinung
dazu. 544
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