Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895
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#94# 53 - Engels an Filippo Turati - 12. Juli 1893
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Engels an Filippo Turati
in Mailand [137]
London, den 12. Juli 1893
Lieber Bürger Turati,
Samstag habe ich Ihnen mit der Post e i n g e s c h r i e b e n
das italienische "Kapital" 1*) mit Dank zurückgeschickt. Ich habe
einige Stellen besonders des 1. Kapitels und des vorletzten
(allgemeine Tendenz der kapitalistischen Akkumulation) vergli-
chen. Wie Sie sagen, ist es gänzlich nach dem französischen Text
übersetzt worden, der natürlich populärer ist als der deutsche.
Die Teile, die ich verglichen habe, waren ziemlich getreu wieder-
gegeben, was übrigens nicht sehr schwierig ist angesichts der
Verwandtschaft beider Sprachen und der viel größeren Bewegungs-
freiheit des Italienischen gegenüber dem Französischen.
Ich habe festgestellt, daß die Rückseite des Titelblatts den Ver-
merk "Proprietà letteraria" 2*) trägt, was Domanico hindern wird,
diese Übersetzung zu benutzen, so wie sie ist. [123] Bis heute
habe ich keine Antwort von ihm erhalten 3*), vielleicht fängt er
an, die Schwierigkeiten seines Vorhabens zu begreifen.
Der "letzte Teil", von dem ich in meinem Briefe sprach, war na-
türlich der des 2. Bandes, 2. Auflage, der gegen September er-
scheinen wird. Der 3. Band macht mir immer noch Arbeit, aber
glücklicherweise ist das Ende abzusehen. Es ist mir jedoch nicht
gelungen, wie ich es mir vorgenommen hatte, diese Arbeit vor mei-
nen Sommerferien abzuschließen. Und das kann zu einer neuen Ver-
zögerung von einigen Monaten führen.
Es wird ziemlich schwierig sein, für eine französische Überset-
zung des 2. und 3. Bandes einen Übersetzer zu finden, wie er sein
müßte. Das ist eine Arbeit, die zu vollenden nur wenige Leute
Neigung, Fähigkeit und Ausdauer hätten. Der 2. hat 500 Seiten,
der 3. wird 11-1200 haben.
Der arme Martignetti! Wäre es nicht möglich, ihn aus diesem bene-
detto 4*) Nest Benevento herauszuholen und irgendeine Beschäfti-
gung für ihn
#95# 53 - Engels an Filippo Turati - 12. Juli 1893
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in einem Ort zu finden, wo er gleichzeitig die literarische Spra-
che seines Landes lernen könnte? Er ist von einer Emsigkeit und
einem guten Willen, die erstaunlich sind, er übersetzt meine Ar-
beiten mit einem Fanatismus, der einer besseren Sache würdig
wäre; aber was die Geschäfte angeht, so scheint er kein Glück zu
haben und ein Pechvogel zu sein.
Werden wir uns in Zürich sehen? [90] Offen gesagt, wenn alles
klappt, könnte ich womöglich am letzten Tag des Kongresses in Zü-
rich sein; ich habe die Absicht; aber da das nicht nur von mir,
sondern von einer Menge mehr oder weniger zufälliger Umstände ab-
hängt, so ist es sehr ungewiß, und wahrscheinlich tun wir beide
gut daran, nicht davon zu reden. Wenn mich etwas schreckt, so ist
es Ihre Drohung, mit mir meneghino 5*) zu sprechen. 1841 habe ich
es leidlich gesprochen und sehr gut verstanden. [124] Aber als
ich mich etwa 30 Jahre später ein oder zwei Tage in Como aufhielt
[138], habe ich kein einziges Wörtchen mehr verstanden; mein Ohr
war dessen vollkommen entwöhnt. Ich muß Ihnen ganz ehrlich sagen,
daß ich noch einige Worte Ihres so ausdrucksvollen Dialekts spre-
che, aber absolut nichts mehr verstehe.
Was Ihr Französisch anlangt, so ist es immer noch viel besser als
meins, und übrigens hindert Sie nichts daran, mir italienisch zu
schreiben.
Lesen Sie Englisch? Wenn ja, so könnte ich Ihnen von Zeit zu Zeit
irgendeine Zeitung schicken.
Salut cordial. 6*)
Ihr F. Engels
Gruß an Frau Kulischowa von Frau Kautsky und mir.
Aus dem Französischen.
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5*) Mailänder Dialekt - 6*) Herzlichen Gruß.
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