Quelle: MEW 39 Briefe Januar 1893 bis Juli 1895


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       Vorwort
       
       Der neununddreißigste  Band der Werke von Karl Marx und Friedrich
       Engels enthält  Engels' Briefe aus den letzten zweieinhalb Jahren
       seines Lebens - von Januar 1893 bis Juli 1895.
       Diese Jahre  gehören zu dem Zeitabschnitt, in dem sich der unmit-
       telbare Übergang  des  Kapitalismus  der  freien  Konkurrenz  zum
       Monopolkapitalismus zu  vollziehen begann.  Die  Produktion  nahm
       einen weiteren  Aufschwung und  konzentrierte sich in Großbetrie-
       ben; die  Bildung von  Monopolen ging weiter voran. Die koloniale
       Expansion nahm  zu, und  der Kampf der Kolonialmächte um Einfluß-
       sphären verschärfte sich. Die Blockbildung der europäischen Groß-
       mächte, auf  der einen  Seite der  Dreibund - Deutschland, Öster-
       reich und Italien - und auf der anderen Seite die sich festigende
       Allianz zwischen Rußland und Frankreich war ein Ausdruck der sich
       zuspitzenden Widersprüche.
       In der  ersten Hälfte  der neunziger  Jahre setzte  sich der Auf-
       schwung der  organisierten Arbeiterbewegung  fort. Immer breitere
       Kreise des  kämpfenden Proletariats  eigneten sich  die Ideen des
       wissenschaftlichen Kommunismus an. Die programmatischen Dokumente
       der wichtigsten  sozialistischen Parteien Europas beruhten im we-
       sentlichen auf  marxistischer Grundlage. "Der Marxismus", stellte
       W.I. Lenin  fest, "trug  bereits unbestreitbar  über alle anderen
       Ideologien in  der Arbeiterbewegung den Sieg davon." (W.I. Lenin,
       Werke, Berlin 1963, Band 15, S. 20.)
       Auch in  seinen letzten Lebensjahren widmete Engels dem Kampf der
       Arbeiterklasse größte  Aufmerksamkeit und  stand in enger Verbin-
       dung mit den führenden Persönlichkeiten der revolutionären prole-
       tarischen Bewegung.  Die Briefe  dieses Bandes widerspiegeln, wie
       sich die  internationalen Beziehungen  von Engels erweiterten und
       welch hervorragende  Rolle er  im Kampf  um die  Durchsetzung des
       Marxismus in der Arbeiterbewegung
       
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       und um  die ideologische  und organisatorische  Festigung der II.
       Internationale spielte.
       Engels setzte  seine umfangreiche  Korrespondenz  mit  den  alten
       Kampfgefährten und  Freunden fort und knüpfte gleichzeitig engere
       Verbindungen zu angesehenen Führern der Arbeiterbewegung wie G.W.
       Plechanow, Antonio  Labriola, Filippo  Turati. Er stand im Brief-
       wechsel mit  Sozialisten fast  aller europäischer Staaten und der
       USA.
       In seiner  wissenschaftlichen Arbeit  konzentrierte  sich  Engels
       weiterhin auf  die Herausgabe  des dritten Bandes des "Kapitals".
       Bei dem von Marx hinterlassenen Manuskript dieses Bandes handelte
       es sich  um einen  kaum bearbeiteten Rohentwurf. Seine Herausgabe
       erforderte von  Engels die  Lösung außerordentlich  komplizierter
       wissenschaftlicher Probleme.  Er mußte nicht nur das Material sy-
       stematisieren, sondern auch viele Passagen vollenden, ganze Kapi-
       tel neu  schreiben sowie umfangreiche Zusätze und Anmerkungen ma-
       chen. Dabei ging Engels auf neue Erscheinungen und Aspekte im in-
       ternationalen Wirtschaftsleben  ein, die  mit  dem  unmittelbaren
       Übergang zum  Imperialismus zutage traten. Dadurch konnte er "bis
       zu einem  gewissen Grad  die Aufgaben  unserer, der imperialisti-
       schen Epoche vorwegnehmen". (W.I. Lenin, Werke, Berlin 1960, Band
       25, S. 456.)
       Engels bemühte  sich stets,  den Stil  und die Formulierungen von
       Marx möglichst  beizubehalten. "Ich ... glaube, meine Pflicht ge-
       tan zu  haben, indem ich Marx in Marx' Worten gab, selbst auf die
       Gefahr hin,  dem  Leser  etwas  mehr  eignes  Denken  zuzumuten",
       schrieb er am 11. März 1895 an Werner Sombart.
       Engels arbeitete  fast  zehn  Jahre  lang  am  dritten  Band  des
       "Kapitals", der im Dezember 1894 erschien. Seine Veröffentlichung
       war von gewaltiger Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Ebenso wie
       die beiden  vorangegangenen Bände  trug auch  der dritte, der den
       "Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion" behandelt, wesent-
       lich dazu bei, die Arbeiterklasse mit den ökonomischen Lehren von
       Marx bekannt zu machen und den sozialistischen Parteien besonders
       in ökonomischen  Fragen zu  klaren Erkenntnissen zu verhelfen. Es
       ist Engels  zu danken, daß mit der Herausgabe des zweiten und des
       dritten Bandes  des "Kapitals"  Marx' ökonomische Theorie zum er-
       sten Mal  in geschlossener  Form vorlag.  W.I. Lenin würdigte die
       hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen von Engels, indem er
       sagte, er  habe "seinem  genialen Freunde  mit der Herausgabe von
       Band II  und III  des 'Kapitals' ein großartiges Denkmal gesetzt,
       auf dem er, ohne es beabsichtigt zu haben, seinen eigenen Namens-
       zug mit  unauslöschlichen Lettern  eingetragen hat.  In der  Tat,
       diese beiden Bände des 'Kapitals' sind das Werk
       
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       von zweien:  von Marx und von Engels". (W.I. Lenin, Werke, Berlin
       1961, Band 2, S. 12.) Durch die Herausgabe des dritten Bandes des
       "Kapitals" zerriß  auch das  ganze Lügengewebe  der  bürgerlichen
       Kritiker, die  hartnäckig behauptet hatten, Marx sei am Ende sei-
       nes Lebens  mit seinen  wissenschaftlichen Arbeiten in eine Sack-
       gasse geraten  und habe  angeblich überhaupt  keinen dritten Band
       geschrieben.
       In vielen Briefen erläuterte und kommentierte Engels Probleme des
       dritten   Bandes   des   "Kapitals",   z.B.   die   Bildung   der
       Durchschnittsprofitrate auf  der Grundlage  des Wertgesetzes, den
       Produktionspreis usw.  Sehr interessant  sind in  dieser Hinsicht
       die Briefe an Conrad Schmidt vom 12. März und 6. April 1895 sowie
       der Brief  an Werner Sombart vom 11. März 1895. Engels wies darin
       nach, daß  die Versuche  der bürgerlichen  Ökonomen, einen Wider-
       spruch zwischen dem ersten und dem dritten Band des "Kapitals" zu
       konstruieren, völlig  haltlos sind. In diesen wie auch in anderen
       Briefen analysierte  Engels kritisch einige Arbeiten bürgerlicher
       Ökonomen, die  einzelne Thesen der marxistischen politischen Öko-
       nomie zu widerlegen versuchten. Die betreffenden Briefe stehen in
       engem Zusammenhang mit der von Engels geschriebenen Ergänzung zum
       dritten Band  des "Kapitals",  die den Titel "Wertgesetz und Pro-
       fitrate" trägt (siehe Band 25 unserer Ausgabe, S. 895-917).
       Während der  Arbeit am  dritten Band gab Engels überdies 1893 die
       zweite deutsche  Auf läge  des zweiten Bandes des "Kapitals" her-
       aus, förderte die Übersetzung des ersten Bandes ins italienische,
       führte Verhandlungen über die Übersetzung des zweiten und dritten
       Bandes ins  Französische und sorgte dafür, daß der dritte Band in
       kurzer Frist ins Russische übersetzt werden konnte.
       Engels trug sich außerdem nach wie vor mit der Absicht, den vier-
       ten Band  des "Kapitals" - die "Theorien über den Mehrwert" - für
       den Druck  fertigzustellen. In  einem Brief an Laura Lafargue be-
       merkte er  am 28. März 1895, daß er dies als eine seiner wichtig-
       sten Aufgaben  betrachte. Zum  letzten Mal  erwähnte  Engels  die
       "Theorien über  den Mehrwert"  im Brief  an Stephan Bauer vom 10.
       April 1895.  Wie aus diesem Brief zu entnehmen ist, hoffte Engels
       noch 1895,  daß es  ihm vergönnt sein werde, dieses Werk von Marx
       herauszugeben.
       Auch in  seinen letzten  Lebensjahren verfolgte Engels aufmerksam
       die Entwicklung  in den  führenden kapitalistischen  Staaten  und
       analysierte die  ökonomische Entwicklung  einzelner Länder  sowie
       das kapitalistische  System insgesamt; daraus zog er Schlußfolge-
       rungen für  den Kampf der Arbeiterklasse sowie für die praktische
       Politik der sozialistischen Parteien
       
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       und entwickelte  die ökonomische  Theorie von  Marx  schöpferisch
       weiter. Am  24. Januar  1893 schrieb er in seinem Brief an August
       Bebel über  die veränderte Rolle der Börse und bestimmte das Ver-
       hältnis der  Arbeiterklasse gegenüber  dieser Institution.  Diese
       Thesen legte  Engels seiner  1895 entworfenen  Artikeldisposition
       über die  Rolle der  Börse unter  den neuen Bedingungen zugrunde.
       (Siehe Band 25 unserer Ausgabe, S. 917-919.)
       Engels stellte wichtige neue Züge der ökonomischen Entwicklung am
       Ausgang des  19. Jahrhunderts  fest: Die  Konkurrenz zwischen den
       stärksten  kapitalistischen  Staaten  verschärfte  sich,  England
       hatte seine Monopolstellung auf dem Weltmarkt infolge des raschen
       Wachstums der  Industrie in  Deutschland und  in den  Vereinigten
       Staaten von Amerika verloren, militaristische Tendenzen und kolo-
       niale Expansion  nahmen zu,  die Elemente  des Staatskapitalismus
       vermehrten sich, der Protektionismus dehnte sich aus, die Steuern
       wurden erhöht.  Wie die  weitere Entwicklung  bewies, waren diese
       und andere Erscheinungen kennzeichnend für den Übergang des Kapi-
       talismus in  ein  neues,  das  imperialistische  Stadium.  Engels
       kritisierte in diesem Zusammenhang die Reden einiger Sozialisten,
       besonders der französischen, die nicht begriffen, daß die Errich-
       tung des Staatsmonopols für die Getreideeinfuhr und ähnliche Maß-
       nahmen nicht  zur Verbesserung  der Lage der Werktätigen, sondern
       zu verschärfter  Ausbeutung und  zu noch  größerer Korruption des
       Staatsapparats führen mußten (siehe vorl. Band, S. 392).
       Sehr bedeutungsvoll  sind die  Briefe, in  denen so  grundlegende
       Fragen des historischen Materialismus dargelegt und konkretisiert
       werden wie das dialektische Verhältnis von Ursache und Wirkung in
       der gesellschaftlichen  Entwicklung, das  Verhältnis von  gesell-
       schaftlichem Sein und gesellschaftlichem Bewußtsein und von Basis
       und Überbau.  Wie schon in den vorangegangenen Jahren wandte sich
       Engels gegen  die Verflachung  und Verfälschung des Marxismus. Er
       trat gegen  die Behauptung  auf, daß für die materialistische Ge-
       schichtsauffassung nur  das ökonomische Moment, der Entwicklungs-
       stand der Produktivkräfte, das einzige bestimmende Moment der ge-
       sellschaftlichen Entwicklung  wäre,  eine  Behauptung,  die  auch
       heute noch zum Arsenal der Marxverfälscher gehört. Engels zeigte,
       daß der  gesellschaftliche Überbau,  einmal von  der ökonomischen
       Basis hervorgebracht,  selbst aktiv  zu wirken  beginnt. "Es  ist
       nicht, daß  die ökonomische  Lage   U r s a c h e,    a l l e i n
       a k t i v   ist und  alles andere nur passive Wirkung. Sondern es
       ist  Wechselwirkung   auf  Grundlage  der    i n    l e t z t e r
       I n s t a n z   stets sich durchsetzenden ökonomischen Notwendig-
       keit" (siehe  vorl. Band, S. 206). Am 14. Juli 1893 schrieb er an
       Franz Mehring: "Daß ein historisches Moment,
       
       #IX# Vorwort
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       sobald es  einmal durch  andre, schließlich ökonomische Ursachen,
       in die  Welt gesetzt,  nun auch  reagiert, auf seine Umgebung und
       selbst seine  eignen Ursachen  zurückwirken kann,  vergessen  die
       Herren oft  fast absichtlich." Engels unterstrich dabei, daß die-
       ser Auffassung "die ordinäre undialektische Vorstellung von Ursa-
       che und  Wirkung als  starr einander entgegengesetzten Polen" zu-
       grunde hegt.
       In dem  Brief an  W. Borgius  vom 25. Januar 1894, von dem früher
       irrtümlich angenommen  wurde, er sei an H. Starkenburg gerichtet,
       ging Engels auf das dialektische Verhältnis von Notwendigkeit und
       Zufall in  der Geschichte  ein. Er wies nach, daß sich durch alle
       Zufälligkeiten in  der  gesellschaftlichen  Entwicklung  hindurch
       letztlich die  ökonomische Notwendigkeit  durchsetzt, daß der Zu-
       fall einerseits  die Ergänzung und andererseits die Erscheinungs-
       form der Notwendigkeit ist.
       Auch seine  historischen Studien  setzte Engels  in den neunziger
       Jahren fort.  Im Juni/Juli  1894 schrieb  er die  Arbeit "Zur Ge-
       schichte des  Urchristentums" (siehe  Band 22 unserer Ausgabe, S.
       447-473), die  zu den grundlegenden Werken des wissenschaftlichen
       Atheismus gehört. "Ich habe mich mit dem Gegenstand getragen seit
       1841", bemerkte  er in  seinem Brief  an Karl Kautsky vom 28.Juli
       1894. Und  am 2I.Mai 1895, als er Kautskys Schrift "Von Plato bis
       zu den  Wiedertäufern",  die  dieser  für  den  ersten  Band  der
       "Geschichte  des   Sozialismus  in  Einzeldarstellungen"  verfaßt
       hatte, analysierte,  betonte er,  daß es notwendig sei, die Rolle
       und Entwicklung "der untersten, rechtlosen Schicht jeder Stadtbe-
       völkerung" in  den Massenbewegungen  des 15. und 16. Jahrhunderts
       gründlicher zu  untersuchen sowie die ökonomischen Wurzeln dieser
       Bewegungen in  Deutschland Ende  des 15. Jahrhunderts voll zu be-
       rücksichtigen.
       Das Anwachsen der internationalen Arbeiterbewegung und die Festi-
       gung des  Klassenbewußtseins der  Arbeiterklasse erforderten  die
       fortschreitende Verbreitung  marxistischen Gedankenguts. Aus die-
       sem Grunde  widmete Engels  der Wiederherausgabe  und Übersetzung
       Marxscher Schriften  und seiner  eigenen Arbeiten  auch weiterhin
       viel Zeit.  Engels begrüßte die Herausgabe von grundlegenden Wer-
       ken des  wissenschaftlichen Kommunismus in Sprachen, in denen sie
       bis dahin  noch nicht  erschienen waren. Er war sehr erfreut, als
       er die Nachricht vom bevorstehenden Erscheinen des "Manifests der
       Kommunistischen Partei"  in tschechischer  Sprache erhielt (siehe
       vorl. Band,  S. 59).  Und am  23. November 1894 schrieb er an den
       armenischen Sozialisten J.N. Atabekjanz: "Ich danke Ihnen bestens
       für Ihre  Übersetzung meiner  'Entwicklung des  Sozialismus'  und
       neuerdings des  'Kommunistischen Manifests'  in  Ihre  armenische
       Muttersprache."
       
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       Aus Briefen  an Laura  Lafargue, Filippo Turati, Victor Adler und
       an andere  geht hervor,  daß Engels in vielen Fällen die Überset-
       zungen selbst redigierte oder im Manuskript überprüfte.
       Engels ging  stets auf  die wissenschaftlich-theoretischen Fragen
       ein, die  die Vertreter  der jüngeren Generation an ihn herantru-
       gen. Er nahm sich die Zeit, ihnen schwierige Probleme der Theorie
       des Marxismus zu erläutern, mit ihnen darüber zu korrespondieren,
       Literaturhinweise zu  geben u.a.m.  (siehe  die  Briefe  an  W.J.
       Schmuilow vom  7. Februar 1893, an Conrad Schmidt vom 12.März und
       6.April 1895 u.a.).
       Von den  sozialistischen Publizisten  und Journalisten  verlangte
       Engels  hohes  Verantwortungsbewußtsein  und  Gewissenhaftigkeit.
       "Unser Arbeiterpublikum",  schrieb er  am 20.  Januar 1893 an den
       Schweizer Journalisten  Louis Héritier, "muß die wenigen Stunden,
       die es  der Lektüre  widmen kann, der Ruhe und dem Schlaf entzie-
       hen; es  hat also ein Recht darauf zu fordern, daß alles, was wir
       ihm bieten, das Ergebnis gewissenhafter Arbeit ist..."
       Entrüstet wandte sich Engels gegen alle Entstellungen des Marxis-
       mus, insbesondere wenn "Passagen aus den Schriften und dem Brief-
       wechsel von  Marx in  höchst widersprüchlicher  Weise  ausgelegt"
       wurden (siehe  vorl. Band, S. 75), und man "vor keiner Verzerrung
       und keinem  unfairen Manöver"  zurückschreckte, "um  eine  einmal
       eingenommene Position zu verteidigen" (siehe vorl. Band, S. 328).
       Um sich über die Entwicklung der internationalen Arbeiterbewegung
       und der  politischen und  ökonomischen Lage  in den verschiedenen
       Ländern zu informieren, las Engels fast alle bedeutenden soziali-
       stischen Zeitungen  und Zeitschriften jener Zeit. Außerdem arbei-
       tete er  an mehreren von ihnen ständig mit ("Vorwärts", "Die Neue
       Zeit", "Arbeiter-Zeitung",  "Le  Socialiste",  "Critica  Sociale"
       u.a.). Am 17. Dezember 1894 teilte Engels Laura Lafargue mit, daß
       er "die  Bewegung in  fünf großen  und einer Reihe kleiner Länder
       Europas und  in den  USA" verfolge,  und zu "diesem Zweck erhalte
       ich an   T a g e s z e i t u n g e n   3 deutsche, 2 englische, 1
       italienische und  ab 1. Januar die Wiener Tageszeitung, insgesamt
       7. An   W o c h e n z e i t u n g e n  erhalte ich 2 aus Deutsch-
       land, 7  aus Österreich,  I aus  Frankreich, 3  aus Amerika (2 in
       Englisch, 1  in Deutsch), 2 italienische und je eine in Polnisch,
       Bulgarisch, Spanisch  und Tschechisch;  davon sind  drei in Spra-
       chen, die ich erst allmählich lerne." Außerdem erhielt Engels aus
       Rußland und einigen anderen Ländern eine Reihe von Zeitschriften.
       Über wichtige  Pressemitteilungen informierte  er des öfteren die
       Führer der  deutschen und der österreichischen Partei sowie ande-
       rer sozialistischer  Parteien und  trug zum Presseaustausch unter
       ihnen bei.
       
       #XI# Vorwort
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       Der zum  Teil ausgedehnte  Briefwechsel mit führenden Sozialisten
       fast aller europäischer Länder - so z.B. mit dem Mitbegründer der
       österreichischen Sozialdemokratischen  Partei, Victor  Adler, dem
       führenden Mitglied der italienischen Sozialistischen Partei, Fil-
       ippo Turati, und mit dem Propagandisten des Marxismus in Italien,
       Antonio Labriola,  dem Vertreter der Sozialistischen Arbeiterpar-
       tei Spaniens,  Pablo Iglesias,  sowie die  Korrespondenz und  der
       persönliche Kontakt  mit der  Vertreterin der Polnischen Soziali-
       stischen Partei,  Maria Mendelson  - zeugt auch davon, daß Engels
       über die  Entwicklung der  Arbeiterbewegung in  Europa genau  in-
       formiert und  durch Kenntnis der Zeitgeschehnisse in den entspre-
       chenden Ländern  in der  Lage war, den Parteien mit Rat und Hilfe
       zur Seite zu stehen.
       Der überwiegende  Teil der Briefe beschäftigt sich mit Fragen der
       Taktik der  Arbeiterbewegung und Problemen des Kampfes der prole-
       tarischen Parteien. In diesen Briefen wird deutlich, wie sehr En-
       gels um  die ideologische  und organisatorische Festigung der Ar-
       beiterparteien bemüht  war, wie er bei der Überwindung von Dogma-
       tismus und  Sektierertum half und einen unversöhnlichen Kampf ge-
       gen alle Spielarten des Opportunismus führte.
       Eine wichtige  Aufgabe war  die Festigung  der  1889  gegründeten
       neuen Internationale.  Die Entwicklung der internationalen Bezie-
       hungen zwischen  den sozialistischen  Parteien der  verschiedenen
       Länder und  die richtige Verbindung der nationalen mit den inter-
       nationalen Aufgaben gehörten zu den wichtigsten Fragen in der in-
       ternationalen Arbeiterbewegung. Dieser Problematik widmete Engels
       besondere Aufmerksamkeit.  In seinem  Brief an Laura Lafargue vom
       20. Juni  1893 betonte  Engels ausdrücklich, daß Beziehungen zwi-
       schen den sozialistischen Parteien nur auf dem Prinzip der vollen
       Gleichberechtigung  beruhen  können.  Eine  "internationale  Ver-
       einigung kann nur zwischen  N a t i o n e n  bestehen, deren Exi-
       stenz, Autonomie  und Unabhängigkeit  in inneren  Angelegenheiten
       daher  schon  in  dem  Begriff  Internationalität  eingeschlossen
       sind". Ganz entschieden aber wandte er sich gegen die unbegründe-
       ten Hegemonieansprüche  in der  internationalen Arbeiterbewegung,
       die von  einzelnen Parteien  bisweilen erhoben  wurden. Nicht die
       subjektiven Wünsche  ihrer Führer  bestimmen die  Stellung dieser
       oder jener  Partei in  der internationalen  Arbeiterbewegung, er-
       klärte Engels, sondern entscheidend ist die objektive Rolle, wel-
       che die  Partei im Befreiungskampf der Arbeiterklasse spielt. En-
       gels stellte  nicht in  Abrede, daß  in der  einen  oder  anderen
       Etappe des Kampfes einzelne Parteien die revolutionäre Avantgarde
       der Bewegung bilden können, wies jedoch darauf hin, daß der Sturz
       des Kapitalismus  im internationalen  Maßstab auf keinen Fall die
       Sache nur einer Partei sein kann. "... weder Franzosen noch Deut-
       sche
       
       #XII# Vorwort
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       noch Engländer", konkretisierte er diese Gedanken in seinem Brief
       an Paul Lafargue am 27. Juni 1893, "werden den Ruhm genießen, den
       Kapitalismus allein gestürzt zu haben; ... Die Befreiung des Pro-
       letariats kann nur eine internationale Aktion sein..."
       Engels war  sich bewußt, daß die Arbeiterbewegung ein solches Ni-
       veau erreicht  hatte, das gemeinsame praktische Schritte der ver-
       schiedenen  nationalen  Formationen  der  Arbeiterklasse  möglich
       machte. Er  betonte jedoch,  daß diese  Schritte vorher von allen
       Teilnehmern beraten  werden müßten und nur in freiwilligem Zusam-
       menwirken durchzuführen seien. "Unbedingte Voraussetzung für jede
       internationale Aktion",  schrieb er  an Paul Lafargue, "muß sein,
       daß man  sich im voraus über den Inhalt und die Form verständigt.
       Es scheint  mir unzulässig,  daß eine Nationalität allein öffent-
       lich die Initiative ergreift und dann die anderen auffordert, ihr
       zu folgen." (Siehe vorl. Band, S. 190.)
       Wiederholt sprach  Engels davon,  daß es  ein großer Fehler wäre,
       Probleme der  Arbeiterbewegung eines  beliebigen Landes  getrennt
       von den  gemeinschaftlichen Aufgaben des gesamten internationalen
       Proletariats zu lösen. Er empfahl den Sozialisten, stets daran zu
       denken, daß  jeder ihrer  Schritte auch für ihre Klassenbrüder in
       den anderen  Ländern von Bedeutung ist und sie verpflichtet sind,
       dies zu  berücksichtigen. Engels  wies darauf hin, daß die Tätig-
       keit einer  Partei unvermeidlich auch die Parteien anderer Länder
       beeinflußt, daß  "... die  in   e i n e m  Land eroberten Erfolge
       auf alle andern mächtig zurückwirken" (siehe vorl. Band, S. 141).
       Hiervon ausgehend,  empfahl Engels  den sozialistischen Parteien,
       ihre Taktik untereinander abzustimmen.
       Engels maß  der weiteren Festigung der internationalen proletari-
       schen Beziehungen,  den internationalen  Kongressen und Konferen-
       zen, vor  allem aber  den direkten  Kontakten und Begegnungen der
       Vertreter der Parteien große Bedeutung bei. Als besonders wichtig
       erachtete er  die Herstellung ständiger Verbindungen zwischen den
       beiden größten Abteilungen der Arbeiterklasse auf dem Kontinent -
       den französischen Sozialisten und den deutschen Sozialdemokraten.
       Diese Verbindungen  betrachtete er  als starke Barriere gegen die
       chauvinistischen Bestrebungen  der reaktionären  Kräfte in beiden
       Ländern. In  diesem Zusammenhang riet er Paul Lafargue am 13. Ok-
       tober 1893:  "Es ist  also wichtig, daß Sie ... alles tun, um die
       Position, die  Sie der deutschen Partei gegenüber immer eingenom-
       men haben,  aufrechtzuerhalten: die Position ihres Hauptverbünde-
       ten in  Frankreich... Selbstverständlich  werde ich mein Möglich-
       stes tun,  um das  enge Bündnis zwischen der deutschen Partei und
       Ihrer Partei in Frankreich weiterhin zu
       
       #XIII# Vorwort
       -----
       sichern..." Das  war damals  besonders wichtig,  da sich  bereits
       zwei  einander  gegenüberstehende  aggressive  Militärblocks  der
       großen europäischen Staaten herausbildeten.
       Umfassende Hilfe  leistete Engels bei der Vorbereitung der ersten
       Kongresse der II. Internationale. Ein Höhepunkt des Züricher Kon-
       gresses im  August 1893 war Engels' Auftreten am letzten Verhand-
       lungstag. Er hielt eine leidenschaftliche Rede, in der er auf die
       Notwendigkeit hinwies,  gemeinsam zu  einem einheitlichen  Stand-
       punkt zu  gelangen, um die Einheit und die Schlagkraft des inter-
       nationalen Proletariats  zu stärken. Seine Eindrücke vom Züricher
       Kongreß spiegeln sich in Briefen an Laura Lafargue vom 21. August
       1893, an  Friedrich Adolph Sorge vom 7. Oktober 1893 und in ande-
       ren Briefen wider.
       In verschiedenen Briefen trat Engels gegen sektiererische Tenden-
       zen und  Fehler einiger sozialistischer Parteien und Organisatio-
       nen auf. Er erläuterte, daß zu den theoretischen Wurzeln des Sek-
       tierertums die dogmatische Auslegung des Marxismus als eine Summe
       ein für allemal gegebener, unveränderlicher Wahrheiten und Thesen
       gehöre, die unter beliebigen Bedingungen anwendbar seien. Er ver-
       urteilte jene Sozialisten, die nicht beachteten, daß sich die Ar-
       beiterbewegung keineswegs  immer nach  ihren subjektiven Vorstel-
       lungen entwickelt, und stellte fest, daß zum Beispiel in den Ver-
       einigten Staaten  von Amerika, wo der Kampf der Arbeiterklasse in
       Formen vor  sich ging,  die sich in vielem von denen des europäi-
       schen Kontinents unterschieden, einige Führer der Sozialistischen
       Arbeiter-Partei von  Nord-Amerika die  unterschiedlichen Entwick-
       lungsbedingungen nicht begriffen und sich deswegen von den Massen
       des kämpfenden Proletariats lösten.
       Es genügt  nicht, bemerkte  Engels, wenn sich eine sozialistische
       Partei ein  marxistisches Programm  gibt. Das  bringt an  und für
       sich noch  keinen Erfolg, wenn sie es nicht versteht, sich in ih-
       rer praktischen  Tätigkeit auf  die grundlegenden Thesen des Mar-
       xismus zu  stützen und  den Marxismus richtig anzuwenden. Er ver-
       wies auf  das sektiererische  Verhalten der Social Democratic Fe-
       deration und  der Sozialistischen  Arbeiter-Partei von  Nord-Ame-
       rika. Engels  stellte fest,  daß diese  beiden Organisationen die
       "Marxsche Theorie  der Entwicklung  auf  eine  starre  Orthodoxie
       heruntergebracht" haben,  "zu der die Arbeiter sich nicht aus ih-
       rem eignen Klassengefühl heraus emporarbeiten sollen, sondern die
       sie als  Glaubensartikel sofort  und ohne Entwicklung herunterzu-
       würgen haben"  (siehe vorl.  Band, S. 245). Die Social Democratic
       Federation "hat  es fertiggebracht", schrieb Engels am 10. Novem-
       ber 1894 an seinen Freund F.A. Sorge, "unsre Theorie
       
       #XIV# Vorwort
       -----
       in das  starre Dogma  einer rechtgläubigen  Sekte zu verwandeln",
       sie "ist  engherzig abschließend  und hat dabei, dank Hyndman, in
       der internationalen  Politik eine  durchaus faule  Tradition, die
       zwar von  Zeit zu  Zeit erschüttert wird, mit der aber noch immer
       nicht gebrochen ist".
       Immer wieder  betonte Engels, wie gefährlich es für eine soziali-
       stische Arbeiterpartei  ist, schablonenhaft  und  dogmatisch  die
       konkreten Aufgaben  zu formulieren.  Er wies  darauf hin, daß die
       Mannigfaltigkeit der  Bedingungen, unter denen die Sozialisten in
       den verschiedenen Ländern wirken müssen, ebenso viele mannigfache
       Wege und  Mittel zur  Erreichung des  einheitlichen Zieles erfor-
       dert. Wenn  die Eroberung der politischen Macht für und durch die
       Arbeiterklasse das  nächste Ziel ist, erläuterte er, "so kann der
       Meinungsstreit über  die dabei  anzuwendenden Mittel und Methoden
       des Kampfs unter aufrichtigen Leuten, die ihre fünf Sinne beiein-
       ander haben,  kaum  noch  zu  prinzipiellen  Differenzen  führen"
       (siehe vorl. Band, S. 46).
       Engels wertete  es als  Sektierertum, als  die Leitung der Social
       Democratic Federation den Beschluß faßte, für 1896, drei Tage vor
       dem Internationalen  Sozialistischen Arbeiter- und Gewerkschafts-
       kongreß in  London, "einen rein sozialistischen Kongreß" abzuhal-
       ten. In  seinen Briefen an Pablo Iglesias zwischen dem 9. und 14.
       August, an Eduard Bernstein vom 14. August, an Filippo Turati vom
       16. August  und an Paul Lafargue vom 22. August 1894 erklärte er,
       daß der  Beschluß der Social Democratic Federation falsch sei und
       ernsthaften Schaden  bringe, da er verhindere, daß die dem bewuß-
       ten Klassenkampf  noch fernstehenden  Arbeiter in die sozialisti-
       sche Bewegung  hineingezogen werden.  "Das", so schrieb er an Tu-
       rati, "könnte  die Delegierten des großen Kongresses, die von den
       noch nicht  rein sozialistischen  Gruppen entsandt  werden, nur -
       und mit  Recht -  verärgern. Und da wir aus Erfahrung wissen, daß
       diese Gruppen allein durch die Tatsache ihrer Anwesenheit auf un-
       seren Kongressen  unbewußt in den sozialistischen Kreis hineinge-
       zogen werden,  ... sollten  wir da  so engstirnig sein, uns diese
       Tür zu verschließen?" (Siehe vorl. Band, S. 290.)
       Im Zusammenhang mit fehlerhaften und opportunistischen Auffassun-
       gen einiger  sozialistischer Führer ging Engels auf die Problema-
       tik des  Verhältnisses von Demokratie und Sozialismus im proleta-
       rischen Befreiungskampf  und auf  die Stellung der Arbeiterklasse
       zum Kampf  um die  demokratische Republik  ein. Ziel der nächsten
       Etappe des  Klassenkampfes konnte damals zunächst nur die Erkämp-
       fung einer  demokratischen Republik  sein, nur  diese konnte Aus-
       gangspunkt und  Voraussetzung für  den Kampf  des Proletariats um
       die politische Macht bilden. "Wenn etwas feststeht, so ist es
       
       #XV# Vorwort
       -----
       dies", erklärte  er, "daß unsre Partei und die Arbeiterklasse nur
       zur Herrschaft  kommen kann unter der Form der demokratischen Re-
       publik". Engels zeigte auf, daß es ein großer Irrtum sei anzuneh-
       men, man  könne in Deutschland "auf gemütlich-friedlichem Weg die
       Republik einrichten, und nicht nur die Republik, sondern die kom-
       munistische Gesellschaft"  (siehe Band  22  unserer  Ausgabe,  S.
       235). Gleichzeitig  warnte er  vor Illusionen, daß durch die bür-
       gerliche Republik  einzelne sozialistische Maßnahmen verwirklicht
       werden könnten  die Republik", schrieb Engels an Paul Lafargue am
       6. März  1894, "wird  wie jede  andere Regierungsform durch ihren
       Inhalt   bestimmt;    solange   sie   die   Herrschaftsform   der
       B o u r g e o i s i e   ist, ist  sie uns  genau so feindlich wie
       irgendeine Monarchie  (abgesehen von  den   F o r m e n    dieser
       Feindseligkeit)." In  seinem Brief an Hermann Schlüter vom 1. Ja-
       nuar 1895  charakterisierte Engels die bürgerliche Scheindemokra-
       tie in  England und  verwies darauf, wie die herrschenden Klassen
       die Rechte  der Werktätigen durch  "i n d i r e k t e  Schranken"
       zunichte machen.
       In dem Maße, wie sich die Entwicklungstendenzen zum Imperialismus
       verstärkten, traten auch die opportunistischen Kräfte immer deut-
       licher und aktiver hervor. Als in Deutschland der Führer der bay-
       rischen Sozialdemokraten,  Georg von  Vollmar, und andere auf dem
       Frankfurter Parteitag  im Oktober  1894 erneut ihre opportunisti-
       schen Auffassungen  vertraten, schrieb  Engels an  Wilhelm  Lieb-
       knecht, daß  dies ein Anzeichen für das "Vordringen des kleinbür-
       gerlichen Elements in der Partei" sei (siehe vorl. Band, S. 331).
       Vollmar entwickelte  auch opportunistische  Anschauungen  in  der
       Agrarfrage, die  einigen Thesen  des auf dem Kongreß in Nantes im
       September  1894  angenommenen  Agrarprogramms  der  französischen
       Sozialisten, das,  wie Vollmar  behauptete, die Billigung von En-
       gels gefunden habe, nahekamen.
       Wie intensiv Engels sich bemühte, den französischen und deutschen
       Sozialisten klarzumachen,  daß ihre  Vorstellungen in  der Agrar-
       frage fehlerhaft  waren, lassen  die folgenden  Zeilen  erkennen:
       "...die considérant  des Agrarprogramms  von Nantes,  die es  als
       Pflicht der  Sozialisten erklärt,  das bäuerliche Eigentum zu er-
       halten und  zu   s c h ü t z e n,  und sogar das der fermiers und
       métayers, die   T a g l ö h n e r   b e s c h ä f t i g e n,  ist
       mehr  als  die  meisten  Menschen  außerhalb  Frankreichs  werden
       schlucken können  " (siehe vorl. Band, S. 299), Engels nannte Ge-
       org von  Vollmars Versuche,  das Programm  von Nantes schematisch
       auf Deutschland,  und zwar  zugunsten der Mittel- und Großbauern,
       anzuwenden, einen Angriff auf sozialistische Grundprinzipien. Zu-
       gleich wies  er auf  die Notwendigkeit hin, unter den werktätigen
       Bauern als  den natürlichen  Verbündeten  der  Arbeiterklasse  im
       Kampf gegen den
       
       #XVI# Vorwort
       -----
       Kapitalismus sozialistische  Propaganda zu betreiben (siehe vorl.
       Band, S. 309).
       Um den europäischen sozialistischen Parteien bei der Ausarbeitung
       eines marxistischen Agrarprogramms zu helfen und den gefährlichen
       opportunistischen Ansichten  in  dieser  Frage  entgegenzutreten,
       schrieb Engels  im November  1894 die  Arbeit "Die Bauernfrage in
       Frankreich und  Deutschland" (siehe  Band 22  unserer Ausgabe, S.
       483-505), die  zu den  grundlegenden marxistischen  Arbeiten über
       die Agrarfrage  gehört und eine wichtige Waffe im Kampf gegen den
       Opportunismus in  der Agrarfrage bildet. Die von Engels in seinem
       Aufsatz dargelegten Prinzipien wurden von W.I. Lenin bei der Aus-
       arbeitung seines  Genossenschaftsplans der  sozialistischen Umge-
       staltung des Dorfes allseitig weiterentwickelt.
       Die Fragen der deutschen Arbeiterbewegung nahmen in Engels' Brie-
       fen breiten  Raum ein.  Die  deutsche  Sozialdemokratie  war  die
       stärkste und  bestorganisierte sozialistische  Partei in  Europa.
       "Einen solch  ständigen, ununterbrochenen,  unangefochtenen Fort-
       schritt einer  Partei hat  es noch  in keinem Lande gegeben", äu-
       ßerte er am 20. Juni 1893 in einem Brief an Laura Lafargue. Viele
       Briefe an Bebel, Liebknecht und an andere bekannte Arbeiterführer
       zeigen, daß Engels ständig über ihre vielseitige Tätigkeit infor-
       miert war,  ihnen seine  großen  Erfahrungen  vermittelte,  ihnen
       wichtige Hinweise gab und ihnen half, Mängel und Fehler zu besei-
       tigen. Engels  war fest  überzeugt, daß die revolutionären marxi-
       stischen Kräfte der Partei es verstehen werden, den Opportunismus
       Vollmars und  seiner Anhänger zu überwinden (siehe vorl. Band, S.
       335). Aus  einer Reihe von Briefen, z.B. an Paul Lafargue vom 22.
       November, an  Wilhelm Liebknecht  vom 24.  November, an Friedrich
       Adolph Sorge  vom 4.  und 12.  Dezember sowie an Victor Adler vom
       14. Dezember  1894, ist ersichtlich, daß Engels alles tat, um die
       Absichten der  Opportunisten aufzudecken.  Er unterstützte  ener-
       gisch die  Partei unter August Bebel in ihrem Kampf gegen die Op-
       portunisten. Engels  war der  Ansicht, daß jedes Verschweigen der
       bestehenden Differenzen  nur den Opportunisten zum Vorteil gerei-
       che, und  sprach sich  eindeutig für  eine offene Diskussion aus,
       die das  wahre Wesen  der Ansichten  Vollmars und seiner Anhänger
       aufdecken würde.  Er war entschieden dagegen, daß man "jede wirk-
       liche innere Streitfrage wegleugnet und totschweigt" (siehe vorl.
       Band, S.  332), und  kritisierte Liebknecht,  der die bestehenden
       Differenzen nicht offen austragen wollte, um die Einheit der Par-
       tei zu wahren. Engels hielt die grobe Verletzung der Parteidiszi-
       plin durch  die bayrischen Opportunisten, die 1894 auf dem Frank-
       furter Parteitag  der deutschen  Sozialdemokratie mit ihrer eige-
       nen, vorher ausgearbeiteten Plattform
       
       #XVII# Vorwort
       -----
       erschienen waren, für absolut unzulässig. Er wies darauf hin, daß
       die Partei  einen kompromißlosen  Kampf gegen  die  Opportunisten
       führen müsse  und nicht davor zurückschrecken dürfe, sich von un-
       belehrbaren Opportunisten auch organisatorisch zu trennen.
       Auch Fragen  der parlamentarischen Taktik berührte Engels in sei-
       nen Briefen.  Er betonte, daß es für sozialistische Parteien mög-
       lich, in bestimmten Fällen sogar notwendig ist, vorübergehend mit
       bürgerlich-demokratischen Parteien  zusammenzugehen, um bestimmte
       praktische Ziele  zu erreichen.  Bedingung sei  jedoch immer, daß
       die organisatorische  und ideologische Selbständigkeit der sozia-
       listischen Parteien erhalten bleibt. Dem Kampf für das allgemeine
       Wahlrecht, der  sich in  jenen Jahren  in Belgien  und Österreich
       entfaltete, maß  Engels große  Bedeutung bei (vgl. vorl. Band, S.
       140 und  302). Er  betrachtete ihn  nicht nur  als ein Mittel, um
       günstigere Voraussetzungen  für die  Tätigkeit des  Vortrupps der
       Arbeiterklasse zu  schaffen, sondern  sah in  ihm auch einen Weg,
       die politische  Aktivität der  breiten Massen  der Werktätigen zu
       steigern und sie in den Befreiungskampf einzubeziehen. Mit Genug-
       tuung schrieb  er: "...es  wird bald  kein europäisches Parlament
       mehr geben ohne Arbeitervertreter" (siehe vorl. Band, S. 224).
       Große  Aufmerksamkeit  widmete  Engels  der  Arbeiterbewegung  in
       Frankreich und  der  französischen  Arbeiterpartei.  Davon  zeugt
       seine ausgedehnte Korrespondenz mit Laura und Paul Lafargue, sein
       Brief an Jules Guesde und seine Verbindungen zu anderen französi-
       schen Sozialisten.  Immer wieder  kam er  darauf zurück,  daß die
       französische Arbeiterpartei  zum Kern  der Bewegung in Frankreich
       werden müsse,  um den  sich alle anderen sozialistischen Gruppie-
       rungen und  Organisationen scharen. Eine wesentliche Rolle konnte
       seiner Meinung  nach dabei  die Parlamentsfraktion  der französi-
       schen Arbeiterpartei  spielen. "Diesmal  muß  es  uns  gelingen",
       schrieb er am 14. April 1893 an Jules Guesde, "eine kleine, feste
       Gruppe ins Palais Bourbon zu bringen, ... so daß alle verstreuten
       Elemente gezwungen wären, sich um sie zusammenzuschließen" (siehe
       vorl. Band,  S. 65).  Die Zusammenarbeit mit den anderen soziali-
       stischen Gruppen in der Deputiertenkammer dürfe jedoch nicht dazu
       führen, daß  die organisatorische Selbständigkeit der Partei auf-
       gegeben werde.
       Positiv wertete Engels die Wahlerfolge der französischen Soziali-
       sten, warnte  jedoch nachdrücklich  davor,  die  parlamentarische
       Tätigkeit zu  überschätzen. Er  mahnte zur  Vorsicht hinsichtlich
       der Bildung  einer gemeinsamen  sozialistischen Fraktion,  zu der
       auch die  ehemaligen radikalen  Sozialisten gehören  sollten.  Er
       befürchtete, die kleinbürgerlichen Elemente
       
       #XVIII# Vorwort
       -----
       könnten in  einer gemeinsamen Fraktion die Oberhand gewinnen, und
       warnte die Führer der französischen Arbeiterpartei vor Zugeständ-
       nissen in  prinzipiellen Fragen:  "...haltet die  Möglichkeit  im
       Auge, daß  hier bürgerliche  Elemente vorliegen, mit denen ihr in
       prinzipiellen Konflikt kommen könnt" (siehe vorl. Band, S. 272).
       Die Schaffung  einer einheitlichen  revolutionären proletarischen
       Partei betrachtete  Engels als eine der wichtigsten Voraussetzun-
       gen für  weitere Erfolge der französischen Sozialisten. Eine dau-
       erhafte Einheit  könne jedoch  nur allmählich, im Verlauf des ge-
       meinsamen Kampfes  erreicht werden, "...die Fortschritte der Par-
       tei", schrieb  er am  22.Januar 1895  an Paul  Lafargue,  "werden
       zunächst die  internen und traditionellen Streitigkeiten abschwä-
       chen und dann verschwinden lassen."
       Lebhaft interessierte  sich Engels für die Entwicklung der engli-
       schen Arbeiterbewegung.  Wie in  früheren Jahren  sah er die vor-
       dringlichste Aufgabe in der Bildung einer politisch selbständigen
       proletarischen Massenpartei,  da die  Herstellung der politischen
       Selbständigkeit der Arbeiterklasse die Grundfrage der Arbeiterbe-
       wegung Englands  war. Engels  ging auf  einige der Hemmnisse ein,
       die der  Herausbildung einer  revolutionären Partei im Wege stan-
       den. Dazu gehörten u.a. das sektiererische Verhalten und der Dog-
       matismus der Führer der Social Democratic Federation.
       Die englischen  Sozialisten hatten  es noch nicht verstanden, den
       spontanen Drang der Arbeiterklasse zum Sozialismus richtig auszu-
       nutzen, die tägliche Arbeit in den Trade-Unions - der Massenorga-
       nisation des  englischen Proletariats - auf dieses Ziel hinzulen-
       ken. "Der Masseninstinkt, daß die Arbeiter eine eigne Partei bil-
       den müssen gegen beide offizielle Parteien, wird immer stärker«..
       Aber die  alten traditionellen  Erinnerungen verschiedner Art und
       der Mangel an Leuten, die diesen Instinkt in bewußte Aktionen um-
       zusetzen und über das ganze Land zusammenzufassen imstande wären,
       befördern das  Verharren in  diesem Vorstadium der Unbestimmtheit
       des Gedankens  und der  lokalen Isoliertheit  der Aktion." (Siehe
       vorl. Band, S. 307/308.)
       Ein weiteres  Hemmnis für  die  Entwicklung  der  sozialistischen
       Arbeiterbewegung in  England war  der starke bürgerliche Einfluß,
       der besonders  von der  Fabian Society  ausging, dem "vollendeten
       Ausdruck des  Opportunismus und  einer liberalen Arbeiterpolitik"
       (W.I. Lenin,  Werke, Berlin  1960, Band  21, S. 258). Zwar hatten
       die Fabier, wie Engels bemerkte, "mit großem Fleiß unter allerlei
       Schund auch  manche gute  Propagandaschrift" herausgebracht,  sie
       leugneten aber  den Klassenkampf und die Notwendigkeit der prole-
       tarischen Revolution. Nach ihrer Vorstellung vom Sozialismus
       
       #XIX# Vorwort
       -----
       sollte nicht  die Nation,  sondern die "Kommune" Eigentümerin der
       Produktionsmittel werden.  Ihre Taktik,  diesen  "Munizipalsozia-
       lismus" zu  erreichen, bestand  darin, "die  Liberalen nicht  als
       Gegner entschieden  zu bekämpfen, sondern ... to  p e r m e a t e
       Liberalism with Socialism", d.h. den Liberalismus mit Sozialismus
       zu  d u r c h d r i n g e n.  (Siehe vorl. Band, S. 8.)
       Engels begrüßte  die Gründung der Independent Labour Party im Ja-
       nuar 1893:  "Die Independent  Labour Party  ... hat  weniger fixe
       Vorurteile mitgebracht, hat gute Elemente - die Arbeiter des Nor-
       dens entscheiden  - und  ist soweit der unverfälschteste Ausdruck
       der augenblicklichen  Bewegung." (Siehe  vorl. Band,  S. 53.) Sie
       entsprang dem  Drang nach  politischer Selbständigkeit der Arbei-
       terklasse, der  besonders in  den Industriebezirken  Nordenglands
       immer mehr zugenommen hatte. Mitte der neunziger Jahre verlor die
       Independent Labour  Party jedoch  ihren proletarischen  Charakter
       und geriet immer mehr auf den Weg des Opportunismus.
       Auch die  Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika
       war ständiger  Gegenstand der  Korrespondenz zwischen  Engels und
       seinen Kampfgefährten in den USA. Engels analysierte die objekti-
       ven Ursachen  dafür, warum  die sozialistischen  Ideen in das Be-
       wußtsein des  Proletariats dieses größten kapitalistischen Landes
       nur sehr  langsam eindrangen.  Das waren u.a. die rasche ökonomi-
       sche Entwicklung  des Landes  und die  damit verbundene bedeutend
       bessere materielle  Lage der Arbeiter gegenüber ihren Klassenbrü-
       dern in  Europa sowie  das Vorhandensein  einer großen Anzahl von
       Einwanderern verschiedener  Nationalitäten. Diese Faktoren ermög-
       lichten es  der Bourgeoisie, die verschiedenen Gruppen des Prole-
       tariats gegeneinander  auszuspielen; zudem  erlaubte das Zweipar-
       teiensystem den herrschenden Klassen, die Entwicklung einer drit-
       ten großen  Partei zu  unterdrücken. Über die in Amerika lebenden
       deutschen Sozialisten  bemerkte Engels,  daß sie  oft  versuchen,
       "sofort alles  Vorgefundene umzustoßen  und neuzugestalten",  und
       sich nicht  bemühten, "die amerikanischen Verhältnisse ordentlich
       kennenzulernen. Alles das", schrieb Engels, "tut sicher sehr viel
       Schaden, aber andrerseits ist doch auch nicht zu leugnen, daß die
       amerikanischen Verhältnisse  sehr große und eigentümliche Schwie-
       rigkeiten für eine  s t e t i g e  Entwicklung einer Arbeiterpar-
       tei einschließen." (Siehe vorl. Band, S. 173.)
       Auch in  den letzten  Jahren seines Lebens unterhielt Engels enge
       freundschaftliche Beziehungen  zu den  russischen Revolutionären.
       Besonders mit  den Führern  der Gruppe  "Befreiung der  Arbeit" -
       G.W. Plechanow  und V.I. Sassulitsch - stand er in ständiger Ver-
       bindung. Mit  welcher Wärme  er sich den russischen Marxisten zu-
       wandte, wie er sie bei der
       
       #XX# Vorwort
       -----
       Herausgabe der  russischen Übersetzung marxistischer Werke unter-
       stützte, mit welcher Bereitschaft er ihren Bitten entgegenkam und
       wie sehr er sich auch um ihr persönliches Wohlergehen sorgte, ist
       in seinen  Briefen an  sie immer  wieder zu spüren. Plechanow und
       Sassulitsch waren  für ihn  die Verkörperung der neuen Generation
       der russischen  Sozialisten, die  endgültig  mit  den  Ideen  der
       Volkstümler gebrochen  hatte und  auf  dem  Boden  des  Marxismus
       stand. Er stellte sie jener Generation gegenüber, "die immer noch
       an die  spontane kommunistische  Mission glaubt, die Rußland, die
       wahre ?????? ???? von den anderen profanen Völkern unterscheidet"
       (siehe vorl. Band, S. 416/417).
       Von besonderem  Interesse sind  Engels' Briefe  an N.F. Danielson
       und G.W.  Plechanow, in  denen er  Kritik an den Auffassungen der
       Volkstümler übte,  denen zufolge  die russische  Obschtschina die
       Grundlage der  künftigen ökonomischen Entwicklung Rußlands bilden
       werde. Engels,  der die Probleme Rußlands seit dem Krimkrieg ver-
       folgt hatte, wies überzeugend nach, daß die Entwicklung der Wirt-
       schaft Rußlands in immer rascherem Tempo den kapitalistischen Weg
       ging, der  zum Verfall  der Obschtschina  führte; er  wies ferner
       nach, daß  die Theorien  der Volkstümler  über  einen  besonderen
       nichtkapitalistischen  Entwicklungsweg   Rußlands  und  über  die
       russische Obschtschina  reine Illusion waren. Engels betonte, daß
       auf Grund der in Rußland vorhandenen starken Überreste des Feuda-
       lismus und des vorzugsweise kleinbäuerlichen Charakters der Land-
       wirtschaft  die   Entwicklung  des   Kapitalismus  von  besonders
       scharfen sozialen  Konflikten begleitet  sein und den werktätigen
       Massen ungeheure  Leiden auferlegen werde. Hierin sah er eine der
       Ursachen, die  das Heranreifen  einer revolutionären Situation in
       Rußland beschleunigen  würden. Am  17. Oktober 1893 und am 9. Ja-
       nuar 1895  kritisierte Engels in seinen Briefen an N.F. Danielson
       den russischen  "legalen Marxisten"  P.B. Struve, weil dieser die
       kapitalistische Produktionsweise in Rußland idealisierte und Marx
       als Anhänger des Malthusianismus hinzustellen versuchte.
       Diese Gedanken  von Engels  finden sich  auch in den Auffassungen
       W.I. Lenins  wieder, als er die Volkstümler und den "legalen Mar-
       xismus" bekämpfte.
       Engels glaubte  fest daran, daß es in Rußland in naher Zukunft zu
       einer Revolution  kommen werde.  "Und wenn der Teufel der Revolu-
       tion einen  beim Kragen hätte, so hat er Nikolai II.", schrieb er
       am 8.  Februar 1895 an G.W. Plechanow. Der Machtantritt des neuen
       Zaren, bemerkte er in einem Brief an Laura Lafargue am 12. Novem-
       ber 1894,  "läßt auf  die unentschlossene Herrschaft eines Mannes
       schließen, der in den Händen von Leuten, die sich
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       mit gegenseitigen  Intrigen ins  Gehege kommen, zum bloßen Spiel-
       ball wird, und das ist nötig, um das russische despotische System
       endlich zu vernichten".
       Sehr aufmerksam und nicht ohne Sorge beobachtete Engels die poli-
       tischen Beziehungen  der europäischen  Länder. Die Fragen der Au-
       ßenpolitik nehmen  daher in  seinen Briefen  einen nicht geringen
       Raum ein.  Wiederholt erklärte Engels, die Außenpolitik der herr-
       schenden Klassen  könne der revolutionären Arbeiterbewegung nicht
       gleichgültig sein. Aus der Situation der neunziger Jahre folgerte
       er, daß die drohende Gefahr eines Krieges zwischen den beiden ag-
       gressiven Blöcken  in Europa  - dem Dreibund (Deutschland, Öster-
       reich und  Italien)  einerseits  und  dem  französisch-russischen
       Bündnis  andererseits  -  zugenommen  hatte.  Engels  mahnte  die
       sozialistischen Parteien,  es sei  ihre Pflicht,  eine gemeinsame
       Linie in außenpolitischen Fragen auszuarbeiten, die den aggressi-
       ven Bestrebungen  der herrschenden  Klassen entgegenwirkt. Als er
       mit Bebel  über diese  Fragen seine  Meinung austauschte, betonte
       er, daß  ein bewaffneter  Konflikt, an dem eine europäische Groß-
       macht beteiligt sei, eine Lokalisierung des Krieges unwahrschein-
       lich erscheinen  lasse, daß  lokale Kriege unvermeidlich zum Vor-
       spiel eines  gesamteuropäischen Zusammenstoßes würden. "Der näch-
       ste Krieg ... läßt sich aber absolut nicht lokalisieren, sie wer-
       den -  die Kontinentalen  wenigstens - alle in den ersten Monaten
       hineingerissen..." (siehe vorl. Band, S. 27).
       Engels' Schlußfolgerung, ein künftiger Krieg werde in seinen Aus-
       maßen und  seiner Zerstörungskraft  alle  vorangegangenen  Kriege
       übertreffen, ist  ein Musterbeispiel wissenschaftlicher Prognose.
       "Bei der  totalen Umwälzung in der Rüstung seit 1870 und infolge-
       dessen auch  der Taktik ist der Ausgang eines Krieges, bei dem so
       viele unbekannte Faktoren auftreten werden und alle vorher aufge-
       stellten Berechnungen  auf imaginären Größen beruhen, absolut un-
       gewiß", schrieb er am 22. Januar 1895 an Paul Lafargue.
       Der Kampf  gegen den  drohenden Krieg  war eine der Hauptaufgaben
       der Sozialisten  in allen  Ländern. Engels verneinte kategorisch,
       daß die  Arbeiterklasse an einem Krieg interessiert sei. In einem
       solchen Krieg  sehen die  herrschenden Klassen ein Mittel zur Fe-
       stigung ihrer  reaktionären Herrschaft  und zur Unterdrückung der
       revolutionären Bewegung,  vor allem zur Zerschlagung der soziali-
       stischen Parteien,  stellte er  fest. "Wir  können augenblicklich
       einen Krieg  absolut nicht  brauchen, wir  haben sichrere  Mittel
       voranzukommen, die der Krieg nur stören würde" (siehe vorl. Band,
       S. 10).
       Auf Bebels  Bitte, sich  darüber zu  äußern, welche  Haltung  die
       sozialdemokratische  Reichstagsfraktion   in  der  bevorstehenden
       Reichstagsdebatte
       
       #XXII# Vorwort
       -----
       über die Militärvorlage der Regierung beziehen solle, schrieb En-
       gels im  Februar 1893 die auch heute noch hochaktuelle Artikelse-
       rie "Kann  Europa abrüsten?" In ihr formulierte Engels den ersten
       konkreten Abrüstungsvorschlag  des Proletariats. Engels erkannte,
       daß bei  einer konsequenten,  von Aktionen der Volksmassen unter-
       stützten antimilitaristischen  Politik  eine  schrittweise  Abrü-
       stung, eine  Einschränkung des  Wettrüstens unter den Bedingungen
       der Herrschaft  des Kapitalismus  möglich sei. Als Alternative zu
       den stehenden  Heeren erhob  Engels die  Forderung nach einer auf
       allgemeiner Volksbewaffnung beruhenden Miliz, nach einer demokra-
       tischen Wehrorganisation.  Allerdings - so meinte Engels - würden
       die europäischen  Regierungen den  Vorschlägen ohne Zwang nie zu-
       stimmen, denn  das stehende  Heer sollte "nicht so sehr gegen den
       äußern wie  gegen den innern Feind" eingesetzt werden (siehe Band
       22 unserer  Ausgabe, S. 371). Welche große Hilfe Engels den fran-
       zösischen Sozialisten  erwies, als  sie ihren  Gesetzentwurf über
       die Ablösung des stehenden Heeres durch ein Milizsystem vorberei-
       teten, ist  aus seinem  Brief vom 3. Januar 1894 an Paul Lafargue
       zu ersehen, in dem er seinen Standpunkt zu dieser Frage noch ein-
       mal erläuterte  und Lafargues Aufmerksamkeit auf die Artikelserie
       "Kann Europa  abrüsten?" lenkte. Alles dies sind Beispiele dafür,
       wie sehr  Engels stets bestrebt war, die marxistischen Prinzipien
       der Strategie und Taktik zu erläutern und zu helfen, sie entspre-
       chend den neuen Kampfbedingungen anzuwenden.
       Bei der  Analyse der  internationalen Lage und der inneren Situa-
       tion in den wichtigsten Ländern Europas kam Engels zu der Schluß-
       folgerung, daß  eine politische  Krise heranreift.  ".. .es  wird
       kritisch in ganz Europa", schrieb er am 16. Januar 1895 an Sorge.
       Gespannt verfolgte  er alle Ereignisse, die von der Zersetzung in
       den herrschenden  Klassen zeugten - wie z.B. den "Panama-Skandal"
       in Frankreich,  die Korruption  angesehener Regierungsbeamter  in
       Italien,  die   Widersprüche  zwischen  den  verschiedenen  Grup-
       pierungen der  Bourgeoisie und des Junkertums in Deutschland. En-
       gels schloß die Möglichkeit nicht aus, daß alle diese Erscheinun-
       gen bei  einer raschen  Entwicklung und weiteren Erfolgen der so-
       zialistischen Arbeiterbewegung  in  verhältnismäßig  kurzer  Zeit
       günstige Voraussetzungen  für den revolutionären Kampf des Prole-
       tariats schaffen  könnten. Er empfahl den Führern der sozialisti-
       schen Parteien  nachdrücklich, ihre ganze Tätigkeit auf eine sol-
       che Perspektive  auszurichten (siehe  die Briefe  an Victor Adler
       vom 11. Oktober 1893 und 22.Dezember 1894 u.a.).
       In einigen  Briefen äußerte sich Engels über den Japanisch-Chine-
       sischen Krieg  1894/95 und  wies darauf  hin, daß  dieser, wie er
       auch ausgehen
       
       #XXIII# Vorwort
       -----
       möge, zum Zusammenbruch des traditionellen, beschränkten ökonomi-
       schen Systems  Chinas führen  und einen mächtigen Anstoß zur Ent-
       wicklung des Kapitalismus in diesem Lande geben werde.
       Einen wichtigen  Platz im  revolutionären Erbe  der Begründer des
       wissenschaftlichen Kommunismus  nimmt die letzte theoretische Ar-
       beit von Engels ein, seine Einleitung zu Marx' Werk "Die Klassen-
       kämpfe in  Frankreich 1848 bis 1850". In dieser Einleitung unter-
       suchte er die Kampfbedingungen und Kampfformen der Arbeiterklasse
       in den  neunziger Jahren  und leitete daraus Aufgaben für die Ar-
       beiterklasse ab. Dabei legte Engels großen Wert darauf zu zeigen,
       wie wichtig  die Marxsche Analyse des Verlaufs und der Lehren der
       Revolution von  1848/49 ist und verallgemeinerte die Erfahrungen,
       die das  Proletariat im  Verlauf seines  Kampfes,  vor  allem  in
       Deutschland gesammelt  hatte. Die  Einleitung "ist  ziemlich lang
       geworden", schrieb  Engels am  26. Februar 1895 an Paul Lafargue,
       "denn außer  einer allgemeinen Übersicht über die Ereignisse seit
       dieser Zeit  mußte noch  erklärt werden, warum wir damals berech-
       tigt waren,  auf einen  bevorstehenden und  endgültigen Sieg  des
       Proletariats zu  rechnen, warum  es nicht  dazu kam und inwieweit
       die Ereignisse  dazu beigetragen  haben, daß  wir die Dinge heute
       anders sehen  als damals". Engels betonte, besonders auch in sei-
       nem Brief an Richard Fischer vom 8. März 1895, daß die Partei auf
       ihrem Weg zur Eroberung der politischen Macht alle legalen Mittel
       und -  falls notwendig - auch andere anwenden müsse, um die Mehr-
       heit des  Volkes für  die Ziele  der Sozialdemokratie zu gewinnen
       und die  herrschenden Klassen  zu isolieren.  Engels'  Einleitung
       wurde noch  zu seinen Lebzeiten, besonders aber nach seinem Tode,
       von Opportunisten im antimarxistischen Sinne ausgelegt. Bei ihrer
       Veröffentlichung im  "Vorwärts" wurde  die Einleitung so verstüm-
       melt wiedergegeben, daß Engels am 1. April 1895 empört an Kautsky
       schrieb, man habe die Einleitung im "Vorwärts" "derartig zurecht-
       gestutzt", daß  er "als  friedfertiger Anbeter der Gesetzlichkeit
       quand même dastehe".
       Sehr interessant  sind die  Briefe, in  denen Engels  seine Reise
       nach dem  europäischen Kontinent und seine Eindrücke vom Züricher
       Kongreß 1893  wiedergibt (siehe  die Briefe an Hermann Engels vom
       16. August, an Laura Lafargue vom 21. und 31. August, 18. und 30.
       September, an  Julie Bebel  vom 3.  Oktober, an F.A. Sorge vom 7.
       Oktober). Sie  schildern nicht  nur die großen Veränderungen, die
       in den letzten zwei Jahrzehnten auf dem Kontinent vor sich gegan-
       gen waren, sondern enthalten auch eine klare Einschätzung der Ar-
       beiterbewegung in  den verschiedenen  Ländern. Aus  ihnen spricht
       Stolz auf  den Kampfgeist  der proletarischen  Massen, den  uner-
       schütterlichen
       
       #XXIV# Vorwort
       -----
       Glauben an  den Endsieg,  an die Kräfte und Möglichkeiten der Ar-
       beiterklasse. "Das  ist das Wichtigste: Selbstbewußtsein, Selbst-
       vertrauen der Klasse" (siehe vorl. Band, S. 30).
       Voller Freude  schrieb er  an Laura  Lafargue: "Die  Bewegung  in
       Österreich und  Deutschland hat  meine höchsten Erwartungen über-
       troffen... Unsere  Leute dort  sind eine  Macht, und  das  wissen
       nicht nur  sie, sondern auch ihre Gegner. In Wien war ich auf ei-
       ner Versammlung von etwa 6000, ... und Du kannst mir glauben, daß
       es ein  Vergnügen war,  diese Menschen  zu sehen und zu hören ...
       Wenn man ... die ausgezeichnete Organisation sieht, die Begeiste-
       rung erlebt,  den unverwüstlichen Humor, der aus der Siegesgewiß-
       heit quillt, muß man mitgerissen werden..." (siehe vorl. Band, S.
       124/125).
       Diese Briefe  sind auch  von besonderem biographischen Interesse;
       sie zeigen  Engels nicht nur als Kämpfer und Theoretiker, sondern
       auch als  großherzigen, bescheidenen,  feinfühligen Menschen, der
       immer bereit  war, seinen  Gefährten beizustehen. Aus den Briefen
       und aus  anderen in den Band aufgenommenen Materialien ist zu er-
       sehen, wie  sich Engels väterlich um die Töchter von Marx sorgte,
       wie er  ihnen bis zum Tode der treueste Freund und Helfer war und
       wieviel Energie  und Kraft  er aufwandte,  um  den  literarischen
       Nachlaß seines Freundes zu bewahren und zu veröffentlichen.
       Trotz seines  hohen Alters  und seines sich verschlechternden Ge-
       sundheitszustandes  war  Engels  voll  schöpferischer  Pläne.  An
       Freunde und  Kampfgefährten schrieb  er wiederholt von seiner Ab-
       sicht, in  allernächster Zeit  Ferdinand Lassalles Briefe an Marx
       mit Anmerkungen  und einem  eigenen Vorwort  herauszugeben.  Sein
       Buch "Der  deutsche Bauernkrieg"  wollte er völlig umarbeiten, da
       es seit Jahren vergriffen war und als erste Arbeit nach dem drit-
       ten Band  des "Kapitals"  neu herauskommen sollte. Er hoffte, den
       letzten Band  des "Kapitals" - die "Theorien über den Mehrwert" -
       druckfertig machen  zu können. Möglichst bald wollte er noch eine
       Biographie von  Marx schreiben,  in erster Linie über Marx' Leben
       und Wirken  in den  Jahren 1842 bis 1852 und in den Jahren der I.
       Internationale (siehe  vorl. Band,  S. 347). Engels hatte mit den
       Vorbereitungen zur  Herausgabe der gesammelten Werke von Marx be-
       gonnen. Aber  seine schwere  Erkrankung hinderte ihn daran, diese
       Pläne zu  verwirklichen. Am  5. August 1895 verschied Engels. Die
       internationale Arbeiterbewegung erlitt damit einen unersetzlichen
       Verlust.
       Bis zum  letzten Atemzug  seines inhaltsreichen und erfüllten Le-
       bens hat  Engels aufopferungsvoll  am  Kampf  der  Arbeiterklasse
       teilgenommen. Mit brennendem Interesse hat er alle Wendungen, je-
       den Fortschritt und jeden
       
       #XXV# Vorwort
       -----
       Rückschlag dieses  Kampfes verfolgt.  Sein  ganzes  Wissen,  sein
       Weitblick, seine  großen Erfahrungen und der ganze Gedankenreich-
       tum seines  theoretischen Werkes beeinflußten in starkem Maße den
       Kampf der  internationalen Arbeiterbewegung  und ihrer  einzelnen
       Abteilungen. In  seinem Nachruf  auf Engels  schrieb W.I.  Lenin:
       "Nach seinem  Freunde Karl  Marx war  Engels der bedeutendste Ge-
       lehrte und Lehrer des modernen Proletariats in der ganzen zivili-
       sierten Welt." (W.I. Lenin, Werke, Berlin 1961, Band 2, S. 5.)
       
                                    *
       
       Dieses Vorwort  folgt im  wesentlichen dem Vorwort zu Band 39 der
       zweiten russischen Ausgabe. Dieser Band beschließt die Veröffent-
       lichung der Briefe von Marx und Engels in 13 Bänden (Band 27-39),
       die einen  wichtigen Teil  der Werkausgabe  darstellen. Die Bände
       27-39 sind die vollständigste aller vorhandenen Publikationen des
       brieflichen Nachlasses  von Marx und Engels aus der Zeit von 1842
       bis 1895.
       Der vorliegende  Band enthält  ebenso wie  die anderen Briefbände
       eine beträchtliche Anzahl von Briefen, die erstmalig in deutscher
       Sprache veröffentlicht werden. Dabei handelt es sich vorrangig um
       Briefe an Laura und Paul Lafargue, um Briefe an die italienischen
       Sozialisten Filippo  Turati, Pasquale Martignetti und Antonio La-
       briola, an die polnischen Sozialisten Witold Jodko-Narkiewicz und
       Boleslaw Antoni  Jedrzejowski sowie an einige Sozialisten anderer
       Länder. Ferner  werden in  diesem letzten Band Engels' Testament,
       ein Nachtrag  zu seinem  Testament und  ein Brief  von Engels  an
       seine Testamentsvollstrecker  veröffentlicht. Alle  drei aus  dem
       Englischen übersetzten  Dokumente wurden  unter  Berücksichtigung
       bereits vorhandener Übersetzungen überprüft und neu bearbeitet.
       Als Nachträge werden 16 Briefe von Marx und Engels aus den Jahren
       1846 bis  1880  aufgenommen,  die  das  Institut  für  Marxismus-
       Leninismus beim  ZK der  SED erst  in letzter  Zeit erhalten hat.
       Darunter befinden sich 6 Briefe von Marx an den Berliner Verleger
       Franz Duncker und 1 Brief von Marx an den ungarischen General Mór
       Perczel.
       Als Beilagen  zu diesem Band veröffentlichen wir 2 Briefe, die im
       Auftrage von Engels in dessen letztem Lebensjahr geschrieben wur-
       den, sowie  3 weitere  Materialien, die Einblick in das Leben und
       Wirken von Friedrich Engels geben.
       262 Briefe  des vorliegenden  Bandes werden  nach den Photokopien
       der Handschrift  gebracht. Ein  sorgfältiger Vergleich mit diesen
       Unterlagen
       
       #XXVI# Vorwort
       -----
       ermöglichte es,  in einigen  Fällen Entzifierungsfehler  früherer
       Ausgaben zu  berichtigen. Von  25 Briefen liegen uns nur Photoko-
       pien der  Entwürfe vor,  über den  Verbleib der  Briefe sind  wir
       nicht unterrichtet. Wir weisen diese Fälle im Kopf der Texte aus.
       Alle in  den Entwürfen  gestrichenen Wörter,  Satzteile und Sätze
       wurden gewissenhaft  überprüft. Soweit  sie im  Vergleich mit dem
       übrigen Text  des Entwurfs mehr oder anderes aussagen, werden sie
       in Fußnoten wiedergegeben.
       Von 28  Briefen besitzen wir keine Handschriften. Sie werden nach
       Veröffentlichungen in  Zeitungen, Zeitschriften  und  Büchern,  5
       Briefe nach  hand-  und  maschinengeschriebenen  Abschriften  ge-
       bracht. Die  jeweiligen Redaktionsunterlagen  werden im  Fuß  des
       Briefes vermerkt.  54 Briefe  sind in englischer, 59 in französi-
       scher, 2 in italienischer, 3 in spanischer, 1 Brief in russischer
       und 1  Brief in  bulgarischer Sprache geschrieben. Sie wurden ins
       Deutsche übersetzt,  bereits vorliegende  Übersetzungen neu über-
       prüft. Für  die Wortwahl  bei Übersetzungen  wurden entsprechende
       deutschsprachige Texte aus Briefen und Werken von Engels zum Ver-
       gleich herangezogen.  Alle eingestreuten Wörter aus anderen Spra-
       chen blieben  in der  Originalfassung. Sie werden in Fußnoten er-
       klärt. Von  Engels angeführte  Zitate wurden - soweit Quellen zu-
       gänglich waren  - überprüft,  fremdsprachige Zitate  in  Fußnoten
       übersetzt.
       Rechtschreibung  und   Zeichensetzung  sind,  soweit  vertretbar,
       modernisiert. Der  Lautstand und  die Silbenzahl  in den deutsch-
       sprachigen Briefen  wurden nicht verändert. Allgemein übliche Ab-
       kürzungen wurden beibehalten. Alle anderen in der Handschrift ab-
       gekürzten Wörter  wurden ausgeschrieben,  wobei die Ergänzung von
       Namen und  Zeitungstiteln sowie  von solchen abgekürzten Wörtern,
       die nicht  völlig eindeutig sind, durch eckige Klammern kenntlich
       gemacht wird. Alle Wörter und Satzteile in eckigen Klammern stam-
       men von  der Redaktion.  Offensichtliche Schreib- und Druckfehler
       wurden stillschweigend  korrigiert; in  allen anderen Fällen wird
       in den Fußnoten die Schreibweise der Handschrift angegeben.
       Pseudonyme sowie Bei- und Spitznamen sind entweder durch Fußnoten
       oder durch 'Verweise im Personenverzeichnis erklärt.
       Zur Erläuterung wurden dem Band Anmerkungen beigefügt, auf die im
       Text durch  hochgestellte Ziffern in eckigen Klammern hingewiesen
       wird. Sie  sollen sowohl  Verbindungen zu den Arbeiten von Engels
       herstellen -  vor allem zu den 1893 bis 1895 entstandenen Werken,
       die im Band 22 unserer Ausgabe veröffentlicht sind - als auch Da-
       ten aus  dem Leben  und der Tätigkeit von Marx und Engels vermit-
       teln sowie  Erläuterungen zu einzelnen Fakten und Personen geben.
       Unser Prinzip war hierbei, Quellen auszunutzen,
       
       #XXVII# Vorwort
       -----
       die nicht  jedem Leser  ohne weiteres  zur Verfügung stehen, z.B.
       zeitgenössische Publikationen,  Briefe dritter Personen an Engels
       usw. In  einzelnen Fällen  wurden wir  hierbei durch  Fachwissen-
       schaftler der  Deutschen Demokratischen Republik und aus dem Aus-
       land unterstützt, denen wir an dieser Stelle unseren Dank sagen.
       In vielen Anmerkungen werden Auszüge aus Briefen von Arbeiterfüh-
       rern zitiert  und hierdurch zum Teil erstmalig einem größeren Le-
       serkreis zugänglich gemacht. Als Grundlage dienten hierbei sowohl
       die dem  Institut für  Marxismus-Leninismus beim  ZK der  SED zur
       Verfügung stehenden  Photokopien der Handschriften dieser Briefe,
       die größtenteils  vom Institut  für Marxismus-Leninismus  beim ZK
       der KPdSU  freundlicherweise überlassen  wurden, als auch in Ein-
       zelfällen einschlägige  Publikationen, vor allem die des Interna-
       tionalen Instituts für Sozialgeschichte zu Amsterdam.
       Ferner enthält  der Band  ein Literaturverzeichnis, ein Personen-
       verzeichnis,  ein  Verzeichnis  literarischer  Namen,  eine  Auf-
       stellung der  Briefe, deren Datierung gegenüber früheren Ausgaben
       auf Grund neuer Erkenntnisse verändert wurde.
       Zum besseren inhaltlichen Erschließen der Briefe von Marx und En-
       gels wurde dem Band ein Sachregister für die Bände 27 bis 39 bei-
       gefügt. Dieses  Sachregister fußt  auf dem  im gleichen  Band der
       russischen Ausgabe  enthaltenen Sachregister.  Es erleichtert dem
       Leser, den  Reichtum der in der Korrespondenz verstreut enthalte-
       nen wichtigen Gedanken von Marx und Engels zu den verschiedensten
       Problemen der  marxistischen Theorie  und der internationalen Ar-
       beiterbewegung aufzufinden. Unter den Schlagworten   M a r x  und
       E n g e l s   findet der  Benutzer zahlreiche  Hinweise über  das
       persönliche Leben  sowie über die Tätigkeit und Rolle der Begrün-
       der des wissenschaftlichen Kommunismus in der Arbeiterbewegung.
       
       Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED

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