Quelle: MEW 40 Marx: Schriften/Briefe Nov. 1837 bis Aug. 1844


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       #140#
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       Epikureische Philosophie
       
       VIERTES HEFT
       
       III. Plutarchus. 2. Colotes
       IV. Lucretius. de rerum natura, (libri tres, 1,2,3)
       
       III. Plutarchus. 2. Colotes
       
       e) Epikur und Sokrates
       
       ?? ???  ????  ???  '?????????  ????????,  ??  ?????  ????????????
       ????????? ??????, ???? ??? ?????. S. 1117 [F. c. 19].
       
       Eine wichtige Stelle für das Verhältnis Epikurs zur Skepsis.
       
       [...] ? ??  ??? ?????????  ????? ??????????  ?? ???  ??????? ????
       ????????  ????   ??????  ?????,  ???  ???????  ??  ?????????  ???
       ????????? ????  ???????, ????  ?????????, ????  ?? ?????????? ???
       ??? ???????  ???? ?????????,  ?? ?????????  ?? ???????  ????? ???
       [?????????? ??  ???????  ??????.  ??  ???  ?????????  ?????  ???]
       ???????? ??'  ?????, ??? ??????? ?????? ??? ?????. S. 1118 [B. c.
       19].
       ?? ??? ?? ?????? ??????? ??? ????????? ??? ???????? ??? ????????,
       ???????? ??  ???????? ????, ??? ????????????? (?? ????? sc. Colo-
       tes) ???  ???? ?????  ??????, ????? ??? ????? ????? ???????? ????
       ????? ????????? [...]. S. 1118 [C. c. 20].
       
       f) Epikur und Stilpo
       
       [...] ???  ????  ???????????  ?????  (sc.  Colotes)  ??'  ??????,
       ???????? ??????  ?????? ??  ????????????? ???  ??? ?????????,  ??
       ???????? ????????  ?????? etc.  ???? ???????? ???????? ... ??????
       ?????? etc. S. 1119 [C-D. c. 22]
       
       Während man  von Kolotes  wirklich gestehn muß, daß er die Schwä-
       chen des  Gegners herauszufühlen  weiß, gehn dem Plutarch so sehr
       alle philosophischen  Fühlhörner ab,  daß er  nicht einmal  weiß,
       worum es  sich handelt,  sondern, wenn  der Satz  der  abstrakten
       Identität als  Tod alles  Lebens ausgesprochen  und gerügt  wird,
       folgende pinselhafte,  des dümmsten Dorfschulmeisters würdige Re-
       plique entgegenwirft:
       
       #141#
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       Epikureische Philosophie
       
       VIERTES HEFT
       
       III. Plutarch. 2. Kolotes
       IV. Lucretius. de rerum natura, (Drein Bücher, 1, 2, 3)
       
       III. Plutarch. 2. Kolotes
       
       e) Epikur und Sokrates
       
       "Denn es ist einer von Epikurs Grundsätzen, daß niemand von etwas
       unwiderruflich überzeugt sein könne außer dem Weisen." S. 1117.
       Eine wichtige Stelle für das Verhältnis Epikurs zur Skepsis.
       
       "[...] aber  die Überlegung,  die zu  der Meinung  führt, daß die
       sinnlichen Wahrnehmungen  nicht exakt und nicht zuverlässig genug
       seien, um  darauf zu  vertrauen, hebt  nicht den Umstand auf, daß
       uns jedes  einzelne Ding  erscheint, sondern,  wenn wir  uns  der
       sinnlichen Wahrnehmungen  so, wie  sie uns erscheinen, für unsere
       Handlungen bedienen, [erlaubt sie uns nur nicht, sie] für absolut
       wahr und [untrüglich] zu halten. [Denn es genügt, daß sie notwen-
       dig und daß] sie nützlich sind, weil es etwas anderes, was besser
       wäre, nicht gibt." S. 1118.
       
       "Wenn er [d.h. Kolotes] aber den Sokrates total auslacht und ver-
       ächtlich macht, weil er untersuche, was der Mensch sei, und prah-
       lerisch erkläre  (wie er,  d.h. Kolotes,  sagt), er wisse es auch
       nicht, so  zeigt er  damit nur,  daß er selbst sich damit nie be-
       schäftigt hat [...]." S. 1118.
       
       f) Epikur und Stilpo
       
       "[...] er  sagt (d.h. Kolotes), das Leben werde von ihm unmöglich
       gemacht, Wenn  er sagt,  es lasse  sich von Einem nicht etwas an-
       deres aussagen.  Denn wie  sollen wir leben, Wenn wir nicht sagen
       dürfen: der  Mensch ist  gut etc., sondern nur: Mensch ist Mensch
       ... gut ist gut" etc. S. 1119.
       
       Während man  von Kolotes  wirklich gestehn muß, daß er die Schwä-
       chen des  Gegners herauszufühlen  weiß, gehn dem Plutarch so sehr
       alle philosophischen  Fühlhörner ab,  daß er  nicht einmal  weiß,
       worum es  sich handelt,  sondern, wenn  der Satz  der  abstrakten
       Identität als  Tod alles  Lebens ausgesprochen  und gerügt  wird,
       folgende pinselhafte,  des dümmsten Dorfschulmeisters würdige Re-
       pliqus entgegenwirft:
       
       #142# Epikureische Philosophie
       -----
       ??? ??  ??? ?????  ?????? ??????? ????????; ??? ?? ??? ????? (sc.
       Stilponis) ???????,  ?? ???????  ??? ????????? ????? ?????????, ?
       ???????? ?????  ???????????? ??????? ???????????; ??? ????????, ?
       ??????, ??  ?????? ??????  ... ??????  ?????, ????  ???  ????  ??
       ??????  ????,   ????  ????????,   (?  ????????  ?????)  ????  ???
       ?????????,  ????   ????????  ??????????   ?????,  ????  ?????????
       ????????? ?????????  ?????????, ?????  ?  ????????  ???  ????????
       ??????? ????,  ???  ???  ????  ??????????  ?????????,  ?????  ???
       ??????????,  ????   ???  ?????????????,  ????  ?????  ???????????
       ??????????, ????????????  ??????, ????????,  ??????,  ??????.  S.
       1119 [D. E. c. 22].
       [...] ?? ??? ?????????? ????????? ?????. ?? ???? ????? ?? ???????
       ????????????, ??  ???? ??????  ????? ??  ???? ??  ???????????? ??
       ??????????????, ???'  ?????? ???  ??????? ???  ??  ??  ?????  ???
       ?????, ??????  ?? ??  ?????. [...]  ???????? ??? ???????????? ???
       ?????, ??  ??? ????? ?????????? ???? ??????. ???? ?????????? ????
       ?????? ?????? ?????????????. 1*)
       ?? ??? ??? ?????????? ?? ??????? ?? ?????? ... ??? ??? ?????? ???
       ???????? ?? ??????; S. 1120 [A-B. c. 23].
       
       Eine sehr gute und wichtige Auseinandersetzung von Stilpo.
       
       g) Epikur und die Kyrenaiker
       
       ???????????? ???  ??????? (Cyrenaici)  ... ???  ???????????,  ???
       ??????  ??????   ???????  ???  ?????????  ???????  ??  ?????  ???
       ???????????? ???????.  ?? ?? ????? ?? ???? ...... ??? ????????? ?
       ??? ??????  ???, ???  ?????? ????????????????,  ???  ??????,  ???
       ?????????, ???  ????????  ???  ???  ??????????????  1*),  ???  ??
       ????????????  ........   ????  ?????????  ????  ???????  ?  ????,
       ???????? ??  ???????????, ??????????  ?? ???  ???????????????  ??
       ??????? ???  ???????????  ????  ???  ??????,  ?????  ??  ????????
       ????????, ??? ??????? ???? ??????? ??? ??? ????? ??????? ???? ???
       ????????? ????????? ???????????. S. 1120 [E-F. c. 24].
       ?? ???  ??????? ????????? ???? ??????????, ?????? ?? ???????????,
       ??? ???  ???????? ??????  ????????? ????????,  ??????????????? ??
       ??? ??????  ??? ??????????  ? ?????? ?????, ? ?? ???? ??????????,
       ?? ????  ?? ?????  ?????????? ?????????  ?? ?'  ????? ????? ?????
       ????????? ???  ????????? .....  ?? ???  ??????? ??' ?? ???????? ?
       ????, ???????????  ????? ...  ???????? ???  ???  ??????  ????  ??
       ??????????? ?????  ???????, ?  ??????  ???  ???  ??????  ???  ???
       ??????, ?  ?? ?????  ?? ????????? ???????????????? ??????????. S.
       1121 [A. B. c. 25].
       -----
       1*) Lücke in der Xylander-Ausgabe
       
       #143# Viertes Heft
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       "Welcher Mensch  hat aber  deswegen schlechter  gelebt? Wer  aber
       hat, wenn  er den Satz (d.h. Stilpos Satz) gehört hat, nicht ver-
       standen, daß  er von  einem geistreichen  Spötter stammt oder von
       einem, der  andern dies  als  Übung  in  der  Dialektik  vorlegen
       wollte? Nicht  einen Menschen,  Kolotes, nicht  gut zu nennen ...
       ist schlimm,  sondern Gott  nicht Gott zu nennen und nicht an ihn
       zu glauben  (was ihr  tut), die  ihr weder  zugeben wollt, daß es
       einen Zeus  gebe, der  über die Geburten wacht, noch Demeter, die
       Gesetzgeberin, noch  Poseidon, den  Erzeuger. Diese  Trennung der
       Bezeichnungen ist  übel und  erfüllt das Leben mit Verachtung der
       Götter und Unverschämtheit, da ihr, indem ihr den Göttern die mit
       ihnen  verbundenen   Beinamen  entzieht,   zugleich  auch  Opfer,
       'Mysterien, Festzüge und Feste mitabschafft." S. 1119.
       "[...] mit Stilpos Satz steht es folgendermaßen: Wenn wir von ei-
       nem Pferd  aussagen, es  laufe, so,  sagt er,  sei das Ausgesagte
       nicht dasselbe  wie das, wovon es ausgesagt wird, sondern der Be-
       griff dessen,  was der  Mensch ist, sei eine Sache, der des Guten
       eine andere.  [...] Denn wenn wir zur Definition beider aufgefor-
       dert werden,  so geben  wir nicht von beiden dieselbe Definition.
       Daher begehen die einen Fehler, die das eine vom andern aussagen.
       1*)
       Denn wenn  der Mensch  und das  Gute dasselbe ist ... wie [können
       wir] dann  das Gute  auch vom Brot und vom Medikament [... aussa-
       gen] ?" S. 1120.
       
       Eine sehr gute und wichtige Auseinandersetzung von Stilpo.
       
       g) Epikur und die Kyrenaiker
       
       "Denn sie (die Kyrenaiker) sagen, man werde vom Süßen ... und von
       der Dunkelheit  affiziert, wobei  jede dieser  Einwirkungen  eine
       spezifische und  unveränderbare Wirksamkeit  in sich  habe.  Wenn
       aber der Honig süß ...... und die Luft bei Nacht
       dunkel sei,  so werde  von vielen Tieren, Dingen und Menschen das
       Gegenteil bezeugt,  da die einen [den Honig] verschmähen, die an-
       dern aber zu sich nehmen ...... Daher bleibt die Meinung nur dann
       frei von Irrtum, wenn sie sich an die Empfindungen hält, geht sie
       aber darüber  hinaus und  befaßt sie sich unbefugt mit der kriti-
       schen Beurteilung der äußeren Erscheinungen, so verwirrt sie sich
       oft und  widerspricht anderen, die von denselben Dingen entgegen-
       gesetzte Eindrücke  und abweichende  Vorstellungen erhalten."  S.
       1120.
       "Denn die, welche, wenn uns ein Abbild, das rund ist, und ein an-
       deres, das gebrochen ist, erreicht, sagen, die sinnliche Wahrneh-
       mung empfange  von der  Form zwar  den richtigen  Eindruck, dabei
       aber nicht  zulassen zu  behaupten, daß  der Turm rund, das Ruder
       gebrochen ist,  bekräftigen ihre  Empfindungen als  wirkliche Er-
       scheinungen; daß  aber die  Außenwelt sich so Verhält, wollen sie
       nicht zugeben.  ...... Denn  das Bild,  von dem das Auge den Reiz
       empfangen hat,  ist gebrochen;  ... Da  also der Eindruck von dem
       äußeren Gegenstand  verschieden ist, muß die Glaubwürdigkeit ent-
       weder bei  der Empfindung  stehenbleiben oder,  wenn sie  mit dem
       Scheinen auch das Sein beansprucht, bewiesen werden." S. 1121.
       -----
       1*) Lücke in der Xylander-Ausgabe
       
       #144# Epikureische Philosophie
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       h) Epikur und die Akademiker (Arcesilaus)
       
       Was Plutarch  hierüber sagt, beschränkt sich darauf, daß die Aka-
       demiker 3  Bewegungen, ???????????, ?????????  und ??????????????
       [S. 1122  B. c.  26], annehmen, in der letzten ist der Irrtum; so
       fällt nicht das Sinnliche praktisch und theoretisch fort, sondern
       die Meinung.
       Den Epikureern  sucht er nachzuweisen, daß sie viel Evidentes be-
       zweifeln.
       
       IV. Lucretius, de rerum natura
       ex edit. Eichstädt. 1801. vol. 1
       
       Es versteht sich, daß Lucretius nur wenig benutzt werden kann.
       
       lib. 1
       
       "Humana ante oculos fede quom vita jaceret
       In terreis, oppressa gravi sub Religione,
       Quae caput a coeli regionibus ostendebat,
       Horribili super aspectu mortalibus instans;
       Primum Grajus homo mortaleis tollere contra
       Est oculos ausus, primusque obsistere contra:
       Quem neque fama deûm, nec fulmina, nec minitanti
       Murmure compressit coelum .......................
       [......................................]   ,
       Quare Religio, pedibus subjecta, vicissim
       Obteritur, nos exaequat victoria coelo."
                             v. 63-80 [= 62-69. 78-79 Diels].
       "Nullam rem e nihilo gigni divinitus umquam."
                             v. 151 1= 150 Diels].
       "Nam, si de nihilo fierent, ex omnibus rebus
       Omne genus nasci posset: nil semine egeret."
                             v. 160 u. 161 [= 159 u. 160 Diels].
       "Nee qua forte tarnen coeptes dissidire dicteis
       Quod nequeunt oculeis rerum primordia cerni."
                             v. 268 u. 269 [ = 267 u. 268 Diels],
       "Corporibus caeceis igitur natura gerit res."
                             v. 329 [= 328 Diels],
       "Nec tarnen undique corporea stipata tenentur
       Omnia natura; namque est in rebus inane."
                             v. 330 U. 331 [= 329 u. 330],
       
       #145# Viertes Heft
       -----
       h) Epikur und die Akademiker (Arcesilaus)
       
       Was Plutarch  Hierüber sagt, beschränkt sich darauf, daß die Aka-
       demiker   3    Bewegungen,   ???????????,   ?????????   1*)   und
       ?????????????? 2*)  [S. 1122],  annehmen, in  der letzten ist der
       Irrtum; so  fällt nicht  das Sinnliche  praktisch und theoretisch
       fort, sondern die Meinung.
       Den Epikureern  sucht er nachzuweisen, daß sie viel Evidentes be-
       zweifeln.
       
       IV. Lucretius. Über die Natur der Dinge
       herausgegeben von Eichstädt. 1801. Band 1
       
       Es versteht sich, daß Lucretius nur wenig benutzt werden kann.
       
       Buch I
       
       "Als vor den Blicken der Menschen das Leben schmachvoll auf Erden
       Niedergebeugt von der Last schwerwuchtender Religion war,
       Die ihr Haupt aus des Himmels erhabenen Höhen hervorstreckt
       Und mit greulicher Fratze die Menschheit furchtbar bedräuet,
       Da erkühnte zuerst sich ein Grieche, das sterbliche Auge
       Gegen das Scheusal zu heben und kühn sich entgegenzustemmen.
       Nicht das Göttergefabel, nicht Blitz und Donner des Himmels
       Schreckt' ihn mit ihrem Drohn...................
       [..............................................]
       So liegt wie zur Vergeltung die Religion uns zu Füßen
       Völlig besiegt, doch uns, uns hebt der Triumph in den Himmel."
                                            V. 63 - 80.
       "Nichts kann je aus dem Nichts entstehn durch göttliche
       Schöpfung."
                                            V. 151.
       "Gab' es Entstehung aus Nichts, dann könnt' aus allem ja alles
       Ohne weitres entstehen und nichts bedürfte des Samens."
                                            V. 160 u. 161.
       "Daß dich nicht Mißtraun etwa zu meinen Worten beschleiche,
       Weil man die Urelemente mit Augen zu sehn nicht imstand ist."
                                            V. 268 u. 269.
       "Unsichtbar sind also die Körper, durch die die Natur wirkt."
                                            V. 329.
       "Denn nicht überall wird die Materie gedrängt gehalten
       Durch die Natur, weil es gibt noch im Innern der Dinge das
       Leere."
                                            V. 330 u. 331.
       -----
       1*) (phantastikon,   hormetikon)    vorstellende,   bewegende   -
       2*) (sygkatathetikon) zustimmende
       
       #146# Epikureische Philosophie
       -----
       "Nec sinet (scilicet inanis cognitio 1*)) ... quaerere semper
       De summa rerum ...................................
       Quapropter locus est intactus, inane, vacansque.
       Quod si non esset, nulla ratione moveri
       Res possent .......................................
       [.................................................]
       .......haud igitur quidquam procedere possent,
       Principium quoniam cedendi nulla daret res.
       .......[...................................
       ........................] si non esset inane,
       [..........................................
       ...] genita omnino nulla ratione fuissent:
       Undique materies quoniam stipata quiesset."
                                 v. 333 - 346 [ = 332-336.338-339. 342.
                                    344-345 Diels].
       "[...........] admixtum [........] rebus inane;
       Unde initum primum capiat res quaeque movendi"
                                 v. 383 u. 384 [= 382 u. 383 Diels],
       "Omnis..................natura .... duabus
       Constitit 2*) in rebus: nam corpora sunt, et inane."
                                 v. 420 u. 421 [= 419 u. 420 Diels],
       "Tempus [item] per se hon est ...[..................
       ..........................................]
       Nec per se quemquam tempus sentire fatendum est
       Semotum ab rerum motu, placidaque quiete."
                                 v. 460-464 [= 459. 462-463 Diels].
       "Non ita,  utei corpus,  per se constare, neque esse [sc. res ge-
       stas]:
       Nec ratione cluere eadem, qua constat inane:
       Sed magis ut mérito possis eventa vocare
       Corporis, atque loci, res in quo quaeque gerantur."
                                 v. 480-483 [= 479-482 Diels].
       "[...] quoniam duplex natura duarum
       Dissimilis rerum longe constare reperta est,
       Corporis, atque loci .....................
       Esse utramque sibi per se, puramque, necesse est.
       Nam quacumque vacat spatium...............
       Corpus ea non est: qua [..............] tenet se
       Corpus ...................... nequaquam constat inane."
                                 v. 504-510 [= 503-509 Diels].
       -----
       1*) Bemerkung von Marx - 2*) in der Handschrift: consistit
       
       #147# Viertes Heft
       -----
       "Denn es" (scilicet inanis cognitio 1*)) "läßt dich nicht ...
       immerzu grübeln
       Über das Ganze der Welt........................
       Also es gibt einen Ort, der unberührt, gähnend und leer ist.
       Wäre das Leere nicht da, dann könnt' auf keinerlei Weise
       Irgendein Ding sich bewegen....................
       [..............................................]
       ....... Es könnte daher voran nichts kommen,
       Da ja kein Ding den Anfang machte zu weichen dem andern.
       ........[......................................
       ] Doch fehlte nun etwa das Leere,
       [............................
       ....] es fehlte durchaus auch die Möglichkeit jeder Erzeugung,
       Da sich der überall drängende Stoff nicht zu rühren vermöchte."
       V. 333-346.
       
       "[.......] gehörig zu den Dingen sei das Leere,
       Das jedem Ding eröffnet die Möglichkeit, sich zu bewegen."
                                            V. 383 u. 384.
       "Alle Natur ............... muß also bestehen
       Aus zwei Dingen allein. Denn Körper nur gibt es und Leeres."
                                            V. 420 u. 421.
       "[Auch] ist die Zeit kein Ding an sich [..............
       ....................................................]
       Niemand kann ja die Zeit an sich mit den Sinnen erfassen,
       Ganz von der Dinge Bewegung getrennt, in friedlicher Ruhe."
                                            V. 460-464.
       "Nicht auf sich selber beruhn und nicht wie die Körper bestehen
                                              [d.h. die Geschehnisse],
        Noch auch so wie das Leere besondre Benennung verdienen,
       Sondern nur so, daß man richtig vielmehr von 'Ereignissen' redet,
       Die an den Körper und Ort, wo jedes geschieht, sind gebunden."
                                            V. 480-483.
       "[.........] da eine zweifache, gänzlich verschiedne Natur nun
       Haben zwei Dinge, wie längst schon gefunden man hat und erwiesen,
       Körper und leerer Raum ...............................
       Jedes für sich muß selbständig bestehn und rein sich erhalten.
       Denn wo immer der Raum sich erstreckt ....................
       Ist kein Körper vorhanden, und [......] wo sich der Körper
       Ausdehnt, fehlt vollständig ..... das Leere."
                                            V. 504-510.
       -----
       1*) d.h. das Wissen um das Leere (Bemerkung von Marx)
       
       #148# Epikureische Philosophie
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       "[..............] materies aeterna [.....]"
                                   v. 541 [= 540 Diels].
       "[.........] extremum quojusque cacumen
       Corporis [...........................
       ...................] sine partibus exstat,
       Et minuma constat natura: nec fuit umquam
       Per se secretum, neque posthac esse valebit."
                                    v. 600-604 [= 599-603 Diels].
       "[.................] sunt quaedam corpora, [......
       .................................................]
       ............. neque [.........] igni simulata, neque ullae
       Praeterea rei, quae corpora mittere possit
       Sensibus, et nostras adjectu tangere tactus."
                                   v. 685-690 [= 684. 687-689 Diels],
       "Denique, quatuor ex rebus si cuncta creantur,
       Atque in eas rursum res omnia dissolvuntur;
       Qui magis olla queunt rerum primordia dici,
       Quam contra res ollorum, retroque putari?"
                                   v. 764-767 [= 763-766 Diels].
       "Nulla tibi ex olleis poterit res esse creata,
       Non animans, non exanimo cum corpore, ut arbos;
       Quippe suam quidque in coetu variantis acervi
       Naturam ostendet, mixtusque videbitur aer
       Cum terra simul, et quodam cum rare manere:
       At primordia gignundeis in rebus oportet
       Naturam clandestinam caecamque adhibere;
       Emineat ne quid, quod contra pugnet et obstet,
       Quo minus esse queat proprie, quodquomque creatur."
                                   v. 773-781.
       "Et [.....] faciunt ..................
       [....................................]
       
       Nec cessare haec inter se mutare, meare
       (nämlich die Erhebung des Feuers in Luft, dann wird Regen,
       dann Erde, und von der Erde kehrt wieder alles zurück) 1*)
       A coelo ad terram, de terra ad sidera mondi:
       Quod facere haud ullo debent primordia facto.
       Immutabile enim quiddam superare necesse est:
       Ne res ad nihilum redigantur funditus omneis.
       -----
       1*) Diese in  Klammern gesetzten  Worte bringt Marx als Zusammen-
       fassung des Inhalts von V. 784-786
       
       #149# Viertes Heft
       -----
       "[............] der ewige Urstoff [..........]"
                                            V. 541.
       "[..........] ein äußerster Punkt bei jedem Urelemente
       Ist [..............................................
       ----------] dieser nicht mehr besitzt weitere Teilchen,
       Sondern ist  schlechthin das  Kleinste, das  nie für sich hat be-
       standen Als  selbständiger Teil  und  nie  als  solcher  bestehen
       wird."
                                            V. 600-604.
       "[........] es gibt Urkörperchen, [............
       ................. sie gleichen nimmer dem Feuer
       Noch auch anderen Dingen, die unseren Sinnen Atome
       Zuzusenden vermögen und unser Gefühl zu erregen."
                                            V. 685-690.
       "Endlich, wenn alles zumal aus den vier Elementen entstehn soll
       Und auch wieder zerfallen in ganz die nämlichen Stoffe,
       Kann man denn jene nur ansehn als Urelemente der Dinge
       Und nicht ebensogut betrachten auch umgekehrt das Verhältnis?"
                                            V. 764-767.
       "Dann kann nie dir entstehen ein Ding aus den vier Elementen,
       Mag es beseelt, mag leblos es sein wie der Baum auf der Heide.
       Denn es behauptet ja doch in der Mischung verschiedener Stoffe
       Jegliches seine Natur, und vermischt wird die Luft immer
       Bleiben in jedem Fall mit der Erde und auch mit dem Wasser.
       Aber beim Zeugungswerk darf nur in den Urelementen
       Heimlich und unsichtbar die Natur sich bekunden, damit nicht
       Irgend etwas erscheine, was gegen das eigene Wesen
       Jeglichen neuen Dinges sich hemmend und feindlich erweise."
                                            V. 773-781.
       "Und [......] lassen .................................
       [.....................................................]
       Nimmer erschöpfen sich so der Verwandlungen ewigen Kreislauf
       (nämlich die Erhebung des Feuers in Luft, dann wird Regen,
       dann Erde, und von der Erde kehrt wieder alles zurück) 1*)
       Nieder vom Himmel zur Erde und wieder von hier zu den Sternen.
       Doch dies darf durchaus nicht geschehn bei den Urelementen.
       Etwas Beharrliches muß in dem Kreis der Verwandlungen bleiben,
       Soll dir nicht alles zuletzt in das Nichts vollständig versinken.
       -----
       1*) Diese in  Klammern gesetzten  Worte bringt Marx als Zusammen-
       fassung des Inhalts von V. 784-786
       
       #150# Epikureische Philosophie
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       Nam quodquomque sueis mutatum finibus exit,
       Continuo hoc mors est ollius, quod fuit ante."
                                   v. 783-793 [= 783. 787- 793 Diels],
       "..... quia multimodeis communia multeis
       Multarum rerum in rebus primordia multa
       Sunt; ideo variéis variae res rebus aluntur."
                                   v. 814-816.
       "Namque eadem  coelum, mare,  terras, flumina, solem Constituunt;
       eadem fruges, arbusta, animanteis: Verum alieis alioque modo com-
       mixta, moventur."
                                   v. 820- 822.
       "Adde, quod imhecilla nimis primordia fingit (sc. Anaxagoras)
       [........................................................]
       Nam quid in oppressu valido durabit eorum,
       Ut mortem effugiat ..... [..................]
       Ignis? an  humor? an  aura? quid horum? sanguis an? anne os? Nil,
       ut opinor;  ubi ex  aequo res  funditus omnis Tarn mortalis erit,
       quam quae manifesta videmus Ex oculeis nostreis, aliqua vi victa,
       perire."
                                   v. 847-856 [= 847. 851-856 Diels].
       "In ligneis si flamma latet, fumusque, cinisque.
       Ex alienigeneis consistant ligna, necesse est."
                                   v. 872 u. 873 [= 871 u. 872 Diels],
       "Linquitur heic quaedam latitandi copia tenuis.
       Id quod Anaxagoras sibi sumit; ut omnibus omneis
       Res putet  immixtas rebus latitare, sed illud Apparere unum, quo-
       jus smt piuría mixta, Et magis in promtu, primaque in fronte, lo-
       cata: Quod  tamen a  vera longe ratione repulsum est. Conveniebat
       enim, fruges quoque saepe, minaci Robore quom in saxi franguntur,
       mittere signum Sanguinis .........................
       [.................................................]
       Postremo in ligneis cinerem fumumque videri,
       Quom praefracta forent, igneisque latere minutos.
       Quorum nil fieri quoniam manifesta docet res,
       Scire licet, non esse in rebus res ita mixtas;
       Verum semina  multimodeis immixta  latere Multarum rerum in rebus
       communia debent."
                                v. 874-895 [= 875 - 883.891 -896 Diels],
       
       #151# Viertes Heft
       -----
       Denn was immer sich ändert und seine bisherigen Sitze
       Wechselt, erleidet sofort die Vernichtung des früheren Zustands."
                                             V. 783-793.
       "................. da  auf vielerlei  Weise gemeinsame  Grundele-
       mente
       Sich in vielerlei Dingen natürlich zusammen gesellen,
       Ist bei  verschiedenen Dingen  die Nahrung  auch selber verschie-
       den."
                                             V. 814-816.
       "Denn dieselbigen Stoffe begründen ja Himmel und Erde,
       Meer und Ströme und Sonne wie Korn, Obst, lebendes Wesen.
       Ihre Bewegung jedoch ist verschieden nach Mischung und Auswahl."
                                             V. 820- 822.
       "Weiter nun denkt er" (d.h. Anaxagoras) "sich gar zu schwächlich
                                                         die Urelemente
       [.................................................]
       Denn was kann denn von diesen dem mächtigen Drucke begegnen
       Und dem Verhängnis entfliehn .....[....................]
       Feuer? Das  Wasser? Die  Luft? Was sonst? Oder Blut oder Knochen?
       Nichts von  diesen, vermut'  ich; wenn  gleichermaßen vergänglich
       Sein soll jegliches Ding, wie das, was mit eigenen Augen Unterge-
       hen wir sehen durch irgendwelche Gewalten."
                                             V. 847 u. 856.
       "Wenn sich  im Holze  die Flamme  verbirgt und  der Rauch und die
       Asche,
       Müßten die Hölzer bestehn aus ganz fremdartigen Körpern."
                                             V. 872 u. 873.
       "Freilich, hier bleibt zum Entkommen, so schmal er auch ist, noch
                                                             ein Ausweg,
       Den Anaxagoras wählt. Denn er meint, daß alles mit allem
       Innig vermischt in den Körpern verborgen sich halte. Nur eines
       Trete besonders hervor, von dem sich die meisten Partikeln
       In dem Gemenge befänden und mehr sich im Vordergrund hielten.
       Aber auch dies heißt weit von dem Weg der Wahrheit entfernt sein!
       Denn dann  müßten natürlich  beim Korn oft, wenn es der Mühlstein
       Rollend zerquetscht  mit bedrohlicher Wucht, auch Spuren von Blut
       sich
       Zeigen..............................................
       [...................................................]
       Ferner müßt' in den Hölzern der Rauch und die Asche sich zeigen,
       Wenn man in Stücke sie bricht, und kleine verborgene Fünkchen.
       Da nichts  derart geschieht  - das liegt ja deutlich vor Augen -,
       Kann man  ersehn, daß  die Dinge  nicht so  miteinander vermischt
       sind, Sondern  daß vielfach gemischte, gemeinsame Keime zu vielen
       Dingen verbergen sich müssen in all den verschiedenen Dingen."
                                             V. 874-895.
       
       #152# Epikureische Philosophie
       -----
       "Jamne vides igitur, paullo quod diximus ante,
       Permagni referre, eadem primordia saepe
       Cum quibus, et quali positura, contineantur;
       Et quos inter se dent motus, accipiantque?
       Atque eadem, paullo inter se mutata, creare
       Igneis e ligneis? quo pacto verba quoque ipsa
       Inter se paullo mutateis sunt elementeis,
       Quom ligna atque igneis distincta voce notemus."
                                           v. 906-913 [=907-914 Diels],
       "Omne quod est, igitur, nulla regione viarum
       Finitum est; namque extremum debebat habere:
       Extremum porro nullius posse videtur
       Esse, nisi ultra sit quod finiat; [..........
       .............................................]
       Nunc extra summam quoniam nihil esse fatendum est,
       Non habet extremum; caret ergo fine, modoque."
                                           v. 957-963 [=958-961.
                                              963-964 Diels].
       "Praeterea, spatium summai totius omne
       Undique si inclusum certeis consisteret oreis,"
       ..... [......................................]
       Nec foret omnino coelum [.....................
       At nunc nimirum requies data principiorum
       Corporibus nulla est; quia nil est funditus imum,
       Quo quasi confluere, et sedeis ubi ponere possint Semper in assi-
       duo motu  res quaeque  geruntur Partibus  in cuncteis, aeternaque
       suppeditantur. Ex infinito cita, corpora materiai."
                                           v. 983-996 [= 984-985. 989.
                                              992-997 Diels].
       "[.........................................] corpus inani,
       Et, quod inane autem est, finita corpore cogit:
       Ut sic alterneis infinita omnia reddat.
       Aut etiam, alterutrum nisi terminet alterum corum,
       Simplice natura, ut pateat tamen immoderatum."
                                           v. 1008-1012 [=1009-1013
                                              Diels],
       "[...] nullo facerent pacto, nisi materiai
       Ex infinito suboriri copia posset,
       Unde amissa soient reparare in tempore quoque.
       Nam velutei, privata cibo, natura animantum
       Diffluit, amittens corpus; sic omnia debent
       Dissolvi, simul ac defecit suppeditare
       Materies, aliqua regione aversa viai."
                                           v. 1034-1040
                                           [=1035-1041 Diels],
       
       #153# Viertes Heft
       -----
       "Siehst du nun, wie sich bestätigt, was dir vor kurzem gesagt
                                                                ward.
       Wichtig vor allem sei dies, wie dieselben Grundelemente
       Untereinander verkehren und wie sie in wechselnder Lage
       Sich gegenseitig Bewegung geben und auch Bewegung empfangen?
       Siehst du, wie ebendieselben erzeugen mit wenig Verändrung
       Stamm nicht minder wie Flamme? So zeigen die Wörter auch selber
       Wenig Veränderung nur in ihren Grundelementen,
       Wenn wir Flamm' und Stamm mit verschiedenen Lauten bezeichnen."
                                             V. 906-913.
       "Also hat alles, was ist, nach keiner der Richtungen irgend
       Welche Begrenzung. Es müßte ja dann auch ein Äußerstes haben;
       Aber ein Äußerstes gibt es nur dann, wenn irgendein Körper
       Jenseits, der es begrenzt, vorhanden ist; [.............
       ........................................................]
       Weiter nun muß man gestehn, daß es nichts gibt außer dem Weltall,
       So gibt's auch kein Äußerstes hier, kein Maß und kein Ende."
                                             V. 957-963.
       "Wäre nun außerdem die gesamte Masse des Weltraums
       Ringsumher umschlossen von festverrammelten Schranken,
       ....[..............................................]
       Ja es gäbe dann gar keinen Himmel [................
       ...................................................]
       Doch nun gibt's in der Tat für die Körper der Urelemente
       Nirgends ein Ausruhn. Gibt es doch nirgends ein völliges Unten,
       Wo sie sich könnten vereinen und festere Sitze gewinnen.
       Alles regt sich und rühret sich stets in beständ'ger Bewegung
       Auf allen Seiten; es schnellen die ewigen Körper des Urstoffs
       Aus dem unendlichen Räume hervor und ersetzen die Lücken."
                                             V. 983-996.
       "[................] sie läßt drum den Körper
       Sich durch das Leere begrenzen und wieder das Leere durch jenen.
       So ist  wechselseitig Unendlichkeit  allem verbürget.  Oder  wenn
       eins von  den beiden Prinzipien Schranken erhielte, Würde das an-
       dre durch seine Natur sich schrankenlos weiten."
                                             V. 1008-1012.
       "[...] dies wäre nicht möglich, wofern nicht reichlicher Urstoff
       Aus dem unendlichen Raum stets neu könnt' entstehen,
       Um die erlittnen Verluste auch zur richtigen Zeit zu ersetzen.
       Denn wie der Nahrung beraubt die Natur der beseelten Geschöpfe
       Siechet dahin und den Körper verliert, so müßte auch alles
       Übrige schnell  sich zersetzen,  sobald sich  der Stoff  ihm ver-
       sagte,
       Weil er an einem Punkte vom richtigen Wege gelenkt ward."
                                             V. 1034-1040.
       
       #154# Epikureische Philosophie
       -----
       Wie die  Natur im Frühling sich nackt hinlegt und gleichsam sieg-
       bewußt alle  ihre Reize  zur Schau  stellt, während sie im Winter
       ihre Schmach  und Kahlheit  verdeckt mit  Schnee und Eis, so ver-
       schieden ist  Lucretius, der  frische, kühne,  poetische Herr der
       Welt, vom  Plutarch, der im Schnee und Eis der Moral sein kleines
       Ich zudeckt. Wenn wir ein ängstlich-zugeknöpftes, in sich geduck-
       tes Individuum  sehn, so  greifen wir unwillkürlich nach Rock und
       Schnalle, sehn,  ob wir  auch noch  da  sind,  und  fürchten  uns
       gleichsam zu verlieren. Aber beim Anblick eines bunten Luftsprin-
       gers vergessen  wir uns,  fühlen wir  uns über unsre Haut erhaben
       als allgemeine  Mächte und  atmen kühner.  Wem ist es sittlicher,
       freier zumute,  einem, der  eben aus  der Schulstube des Plutarch
       kömmt, über  die Ungerechtigkeit  nachdenkend, daß  die Guten mit
       dem Tode  die Frucht  ihres Lebens verlieren, oder einem, der die
       Ewigkeit erfüllt sieht, das kühne donnernde Lied des Lucretius:
       
       "[..........................................] acri
       Percussit thyrso laudis spes magna meum cor,
       Et simul incussit suavem mi in pectus amorem
       Musarum: quo nunc instinctus, mente vigenti
       Avia Pieridum peragro loca, nullius ante
       Trita solo: juvat integros accedere funteis,
       Atque haurire: juvatque novos decerpere flores,
       Insignemque meo capiti petere inde coronam,
       Unde prius nulli velarint tempora Musae.
       Primum, quod magneis doceo de rebus, et arteis
       Religionum [animos] nodeis exsolvere pergo;
       Deinde, quod obscura de re tarn lucida pango
       Carmina, Musaeo contingens cuncta lepore."
                                     v. 921 sqq. [= 922-934 Diels],
       
       Wem es  nicht mehr  Vergnügen macht, aus eignen Mitteln die ganze
       Welt zu  bauen, Weltschöpfer  zu sein,  als in seiner eignen Haut
       sich ewig  herumzutreiben, über  den hat  der Geist sein Anathema
       ausgesprochen, der  ist mit  dem Interdikt belegt, aber mit einem
       umgekehrten, er  ist aus dem Tempel und dem ewigen Genuß des Gei-
       stes gestoßen  und darauf hingewiesen, über seine eigne Privatse-
       ligkeit Wiegenlieder  zu singen  und nachts  von sich  selber  zu
       träumen.
       
       "Beatitudo non [est] virtutis praemium, sed ipsa virtus." [19]
       
       Wir werden auch sehn, wie unendlich philosophischer Lucretius den
       Epikur auffaßt  als Plutarch. Die erste Grundlage philosophischer
       Forschung ist ein kühner freier Geist.
       
       #155# Viertes Heft
       -----
       Wie die  Natur im Frühling sich nackt hinlegt und gleichsam sieg-
       bewußt alle  ihre Reize  zur Schau  stellt, während sie im Winter
       ihre Schmach  und Kahlheit  verdeckt mit  Schnee und Eis, so ver-
       schieden ist  Lucretius, der  frische, kühne,  poetische Herr der
       Welt, vom  Plutarch, der im Schnee und Eis der Moral sein kleines
       Ich zudeckt. Wenn wir ein ängstlich-zugeknöpftes, in sich geduck-
       tes Individuum  sehn, so  greifen wir unwillkürlich nach Rock und
       Schnalle, sehn,  ob wir  auch noch  da  sind,  und  fürchten  uns
       gleichsam zu verlieren. Aber beim Anblick eines bunten Luftsprin-
       gers vergessen  wir uns,  fühlen wir  uns über unsre Haut erhaben
       als allgemeine  Mächte und  atmen kühner.  Wem ist es sittlicher,
       freier zumute,  einem, der  eben aus  der Schulstube des Plutarch
       kömmt, über  die Ungerechtigkeit  nachdenkend, daß  die Guten mit
       dem Tode  die Frucht  ihres Lebens verlieren, oder einem, der die
       Ewigkeit erfüllt sieht, das kühne donnernde Lied des Lucretius:
       
       "[...............................................] mächtig
       Hat mir die große Hoffnung auf Ruhm das Herz nun erschüttert
       Mit scharfem Thyrsusstab, und sie weckte in meinem Gemüte
       Süßeste Lust zum Gesang. Sie trieb mich, mit strebendem Geiste
       Unwegsame, von niemand betretene Musengefilde
       Zu durchwandern. Da freut's, jungfräuliche Quellen zu finden.
       Draus ich schöpfe, da freut's, frischsprießende Blumen zu
                                                         pflücken,
       Und sie zum herrlichen Kranz um das Haupt mir zu winden,
                                                    wie solchen
       Keinem der Früheren je um die Schläfen gewunden die Musen.
       Denn mein Gesang gilt erstlich erhabenen Dingen: ich strebe.
       Weiter [den Geist] aus den Banden der Religion zu befreien.
       Ferner erleuchtet mein Dichten die Dunkelheit dieses Gebietes
       Hell, weil über das Ganze der Zauber der Musen sich breitet."
                                                 V. 921 ff.
       
       Wem es  nicht mehr  Vergnügen macht, aus eignen Mitteln die ganze
       Welt zu  bauen, Weltschöpfer  zu sein,  als in seiner eignen Haut
       sich ewig  herumzutreiben, über  den hat  der Geist sein Anathema
       ausgesprochen, der  ist mit  dem Interdikt belegt, aber mit einem
       umgekehrten, er  ist aus dem Tempel und dem ewigen Genuß des Gei-
       stes gestoßen  und darauf hingewiesen, über seine eigne Privatse-
       ligkeit Wiegenlieder  zu singen  und nachts  von sich  selber  zu
       träumen.
       
       "Die Glückseligkeit  [ist] nicht der Lohn der Tugend, sondern die
       Tugend selbst." [19]
       
       Wir werden auch sehn, wie unendlich philosophischer Lucretius den
       Epikur auffaßt  als Plutarch. Die erste Grundlage philosophischer
       Forschung ist ein kühner freier Geist.
       
       #156# Epikureische Philosophie
       -----
       Zuerst ist  die treffliche  Kritik der  früheren Naturphilosophen
       von epikureischem Standpunkt aus anzuerkennen. Sie ist um so eher
       zu betrachten,  da sie  das Spezifische  der epikureischen  Lehre
       meisterhaft hervorhebt.
       Wir betrachten hier besonders, was über den Empedokles und Anaxa-
       goras gelehrt wird, da dies noch mehr von den übrigen gilt.
       1. Es sind  keine  b e s t i m m t e n  Elemente für die Substanz
       zu halten, denn wenn in sie alles gelegt wird und alles aus ihnen
       entsteht, wer  gibt uns  das Recht, in diesem Wechselprozeß nicht
       vielmehr die  Totalität der  anderen Dinge für ihre Prinzipien zu
       halten, da  sie selbst  nur eine  bestimmte, beschränkte  Art der
       Existenz neben den andern sind und ebenso durch den Prozeß dieser
       Existenzen hervorgebracht  werden? Wie  umgekehrt (v. 764 bis 767
       1*)).
       2. Werden mehre  bestimmte Elemente für die Substanz gehalten, so
       offenbaren diese  einerseits ihre natürliche Einseitigkeit, indem
       sie im  Konflikt sich  gegeneinander erhalten,  ihre Bestimmtheit
       geltend machen und so im Gegensatz sich auflösen, andrerseits ge-
       raten sie  in einen  natürlichen mechanischen  oder anderweitigen
       Prozeß und  offenbaren ihre  Bildungsfähigkeit als  eine auf ihre
       Einzelnheit beschränkte.
       Wenn wir  die jonischen  Naturphilosophen damit  historisch  ent-
       schuldigen, daß  ihnen Feuer,  Wasser etc.  nicht dies Sinnliche,
       sondern ein  Allgemeines waren, so hat Lukrez als Gegner durchaus
       recht, ihnen  dies zur Last zu legen. Werden offenbare, dem sinn-
       lichen Tageslicht  offenbare Elemente als die Grundsubstanzen an-
       genommen, so haben diese ihr Kriterium an der sinnlichen Wahrneh-
       mung und  den sinnlichen  Formen ihrer Existenz. Sagt man, es sei
       eine anderweitige  Bestimmung derselben, worin sie die Prinzipien
       des Seienden  sind, so ist es also eine ihrer sinnlichen Einzeln-
       heit verborgne,  nur innerliche,  also äußerliche  Bestimmung, in
       der sie  Prinzipien sind,  d.h. sie  sind es  nicht als  dies be-
       stimmte Element,  grade in  dem nicht,  was sie von andern unter-
       scheidet, als Feuer, Wasser etc. (v. 773 sqq. 1*))
       3. Aber  drittens widerstreitet  nicht nur der Ansicht, bestimmte
       besondre 2*)  Elemente als  Prinzipien anzusehn, ihr beschränktes
       Dasein neben den andern, aus deren Zahl sie willkürlich herausge-
       nommen sind,  also auch keine andre Differenz gegen sie haben als
       die Bestimmtheit  der Zahl,  welche aber als beschränkte vielmehr
       durch die Vielheit, Unendlichkeit der andern prinzipiell bestimmt
       zu werden scheint, nicht nur ihr Verhalten gegen sich wechselsei-
       tig in ihrer Besonderheit, die ebensowohl Exklusion
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 148 - 2*) "besondere" steht in der Hand-
       schrift über "bestimmte"
       
       #157# Viertes Heft
       -----
       Zuerst ist  die treffliche  Kritik der  früheren Naturphilosophen
       von epikureischem Standpunkt aus anzuerkennen. Sie ist um so eher
       zu betrachten,  da sie  das Spezifische  der epikureischen  Lehre
       meisterhaft hervorhebt.
       Wir betrachten hier besonders, was über den Empedokles und Anaxa-
       goras gelehrt wird, da dies noch mehr von den übrigen gilt.
       1. Es sind  keine  b e s t i m m t e n  Elemente für die Substanz
       zu halten, denn wenn in sie alles gelegt wird und alles aus ihnen
       entsteht, wer  gibt uns  das Recht, in diesem Wechselprozeß nicht
       vielmehr die  Totalität der  anderen Dinge für ihre Prinzipien zu
       halten, da  sie selbst  nur eine  bestimmte, beschränkte  Art der
       Existenz neben den andern sind und ebenso durch den Prozeß dieser
       Existenzen hervorgebracht  werden? Wie  umgekehrt (v. 764 bis 767
       1*)).
       2. Werden mehre  bestimmte Elemente für die Substanz gehalten, so
       offenbaren diese  einerseits ihre natürliche Einseitigkeit, indem
       sie im  Konflikt sich  gegeneinander erhalten,  ihre Bestimmtheit
       geltend machen und so im Gegensatz sich auflösen, andrerseits ge-
       raten sie  in einen  natürlichen mechanischen  oder anderweitigen
       Prozeß und  offenbaren ihre  Bildungsfähigkeit als  eine auf ihre
       Einzelnheit beschränkte.
       Wenn wir  die ionischen  Naturphilosophen damit  historisch  ent-
       schuldigen, daß  ihnen Feuer,  Wasser etc.  nicht dies Sinnliche,
       sondern ein  Allgemeines waren, so hat Lukrez als Gegner durchaus
       recht, ihnen  dies zur Last zu legen. Werden offenbare, dem sinn-
       lichen Tageslicht  offenbare Elemente als die Grundsubstanzen an-
       genommen, so haben diese ihr Kriterium an der sinnlichen Wahrneh-
       mung und  den sinnlichen  Formen ihrer Existenz. Sagt man, es sei
       eine anderweitige  Bestimmung derselben, worin sie die Prinzipien
       des Seienden  sind, so ist es also eine ihrer sinnlichen Einzeln-
       heit verborgne,  nur innerliche,  also äußerliche  Bestimmung, in
       der sie  Prinzipien sind,  d.h. sie  sind es  nicht als  dies be-
       stimmte Element,  grade in  dem nicht,  was sie von andern unter-
       scheidet, als Feuer, Wasser etc. (v. 773 sqq. 1*))
       3. Aber drittens  widerstreitet nicht  nur der Ansicht, bestimmte
       besondre 2*)  Elemente als  Prinzipien anzusehn, ihr beschränktes
       Dasein neben den andern, aus deren Zahl sie willkürlich herausge-
       nommen sind,  also auch keine andre Differenz gegen sie haben als
       die Bestimmtheit  der Zahl,  welche aber als beschränkte vielmehr
       durch die Vielheit, Unendlichkeit der andern prinzipiell bestimmt
       zu werden scheint, nicht nur ihr Verhalten gegen sich wechselsei-
       tig in ihrer Besonderheit, die ebensowohl Exklusion
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 149 - 2*) "besondere" steht in der Hand-
       schrift über "bestimmte"
       
       #158# Epikureische Philosophie
       -----
       als eine  in natürliche  Grenzen eingeschloßne  Bildungsfähigkeit
       offenbart, sondern  der Prozeß  selbst, in  welchem sie  die Welt
       hervorbringen sollen,  zeigt an ihnen selbst ihre Endlichkeit und
       Wandelbarkeit nach.
       Da sie in besondere Natürlichkeit eingeschloßne Elemente sind, so
       kann ihr  Schaffen nur  ein besondres sein, d.h. ihr eignes Umge-
       schaffenwerden, das auch wieder die Gestalt der Besonderheit, und
       zwar der natürlichen Besonderheit hat; d. h. ihr Schaffen ist ihr
       natürlicher Verwandlungsprozeß.  So lassen diese Naturphilosopben
       das Feuer  sich in  der Luft  wälzen, so  entsteht der Regen, der
       fällt nieder,  so die  Erde. Was  sich hier  zeigt, ist also ihre
       eigne Wandelbarkeit und nicht ihr Bestehn, nicht ihr substantiel-
       les Sein,  das sie als Prinzipien geltend machen; denn ihr Schaf-
       fen ist  vielmehr der  Tod ihrer besondren Existenz, und das Her-
       vorgegangne ist  so vielmehr  in ihrem Nichtbestehn. (v. 783 sqq.
       1*))
       Die wechselseitige  Notwendigkeit der  Elemente  und  natürlichen
       Dinge zu  ihrem Bestehn  ist nichts, als daß ihre Bedingungen als
       eigne Mächte ebensowohl außer ihnen als in ihnen sind.
       4. Lukrez kömmt  jetzt auf  die Homöomerien  des  Anaxagoras.  Er
       wirft ihnen vor, daß es zu
       
       "imbecilla nimis primordia [.. .] sunt" [v. 847. 848] 2*),
       
       denn da  die Homöomerien  dieselbe Qualität  haben, dieselbe Sub-
       stanz sind  wie das,  dessen Homöomerien  sie sind, so müssen wir
       ihnen dieselbe  Vergänglichkeit zuschreiben,  die wir  vor  Augen
       sehn in  ihren konkreten Ausdrücken. Birgt sich im Holz Feuer und
       Rauch, so  ist es also ex alienigeneis [v. 873] 2*) gemischt. Be-
       stünde jeder Körper aus allen sinnlichen Samen, so müßte er, zer-
       brochen, nachweisen, daß er sie enthält.
       Es kann  sonderbar scheinen,  daß eine Philosophie wie die epiku-
       reische, die von der Sphäre des Sinnlichen ausgeht und sie wenig-
       stens in  der Erkenntnis als das höchste Kriterium preist, ein so
       Abstraktes, eine so caeca potestas, wie das Atom ist, als Prinzip
       hinstellt. Darüber  v. 773  sqq. 1*),  783 sqq.  1*), wo  es sich
       nachweist,  daß   das  Prinzip  ein  selbständiges  Bestehn  ohne
       irgendeine besondere  sinnliche, physische  Eigenschaft sein muß.
       Es ist
       Substanz:
       
       "[...] eadem coelum, mare, terras, flumina, solem
       Constituunt" etc.
                                v. 820 sq.
       Es kömmt ihm Allgemeinheit zu.
       -----
       1*) Siehe vorl.  Band S.  148 und  150 - 2*) siehe vorl. Band, S.
       150
       
       #159# Viertes Heft
       -----
       als eine  in natürliche  Grenzen eingeschloßne  Bildungsfähigkeit
       offenbart, sondern  der Prozeß  selbst, in  welchem sie  die Welt
       hervorbringen sollen,  zeigt an ihnen selbst ihre Endlichkeit und
       Wandelbarkeit nach.
       Da sie in besondere Natürlichkeit eingeschloßne Elemente sind, so
       kann ihr  Schaffen nur  ein besondres sein, d.h. ihr eignes Umge-
       schaffenwerden, das auch wieder die Gestalt der Besonderheit, und
       zwar der  natürlichen Besonderheit hat; d.h. ihr Schaffen ist ihr
       natürlicher Verwandlungsprozeß.  So lassen diese Naturphilosophen
       das Feuer  sich in  der Luft  wälzen, so  entsteht der Regen, der
       fällt nieder,  so die  Erde. Was  sich hier  zeigt, ist also ihre
       eigne Wandelbarkeit und nicht ihr Bestehn, nicht ihr substantiel-
       les Sein,  das sie als Prinzipien geltend machen; denn ihr Schaf-
       fen ist  vielmehr der  Tod ihrer besondren Existenz, und das Her-
       vorgegangne ist  so vielmehr  in ihrem Nichtbestehn. (v. 783 sqq.
       1*))
       Die wechselseitige  Notwendigkeit der  Elemente  und  natürlichen
       Dinge zu  ihrem Bestehn  ist nichts, als daß ihre Bedingungen als
       eigne Mächte ebensowohl außer ihnen als in ihnen sind.
       4. Lukrez kömmt  jetzt auf  die Homöomerien  des  Anaxagoras.  Er
       wirft ihnen vor, daß es zu
       
       "gar schwächliche [...] Urelemente sind" [V. 847. 848] 2*),
       
       denn da  die Homöomerien  dieselbe Qualität  haben, dieselbe Sub-
       stanz sind  wie das,  dessen Homöomerien  sie sind, so müssen wir
       ihnen dieselbe  Vergänglichkeit zuschreiben,  die wir  vor  Augen
       sehn in  ihren konkreten Ausdrücken. Birgt sich im Holz Feuer und
       Rauch,so ist  es also  ex alienigeneis 3*) [V. 873] 2*) gemischt.
       Bestünde jeder  Körper aus  allen sinnlichen  Samen, so müßte er,
       zerbrochen, nachweisen, daß er sie enthält.
       Es kann  sonderbar scheinen,  daß eine Philosophie wie die epiku-
       reische, die von der Sphäre des Sinnlichen ausgeht und sie wenig-
       stens in  der Erkenntnis als das höchste Kriterium preist, ein so
       Abstraktes, eine  so caeca  potestas 4*),  wie das  Atom ist, als
       Prinzip hinstellt.  Darüber v.  773 sqq. 1*), 783 sqq. 1*), wo es
       sich nachweist,  daß das  Prinzip ein  selbständiges Bestehn ohne
       irgendeine besondere  sinnliche, physische  Eigenschaft sein muß.
       Es ist Substanz:
       
       "[...] dieselbigen Stoffe begründen ja Himmel und Erde,
       Meer und Ströme" etc.
                                                      V. 820 f.
       Es kömmt ihm Allgemeinheit zu.
       -----
       1*) Siehe vorl.  Band, S.  149 und 151 - 2*) siehe vorl. Band, S.
       151 - 3*) aus fremdartigen Körpern - 4. blinde Kraft
       
       #160# Epikureische Philosophie
       -----
       Über das Verhältnis des  A t o m s  u n d  d e r  L e e r e  eine
       wichtige Bemerkung. Lukrez sagt von dieser duplex natura 1*):
       
       "Esse utramque sibi per se, puramque, necesse est."
                                        v. 504 sqq. [= 503 sqq. Diels].
       
       Sie schließen sich ferner aus:
       
       "Nam quacumque vacat spatium...............
       Corpus ea non est" etc.
       
       1.c.
       
       Jedes ist  selbst das  Prinzip, also  ist weder das Atom noch das
       Leere Prinzip, sondern ihr Grund, das, was jedes als selbständige
       Natur ausdrückt.  Diese Mitte wird sich am Schlüsse der epikurei-
       schen Philosophie auf den Thron setzen.
       Das Leere  als Prinzip  der Bewegung,  v. 363  sqq. [=  362  sqq.
       Diels], und  zwar als immanentes Prinzip, v. 383 sqq. [= 382 sqq.
       Diels] 1*),  ??????? ???  ?? ??????,  der objektivierte Gegensatz
       von Denken und Sein.
       
       Lucretii Cari de rerum natura
       
       lib. II
       
       "Sed nil dulcius est, bene quam munita tenere,
       Edita doctrina sapientum, templa serena."
                                            v. 7 sq.
       
       "O miseras hominum mentes! o pectora caeca!
       Qualibus in tenebreis vitae, quanteisque pericleis
       Degitur hocc' aevi, quodquomque est!"
                                            v. 14 sqq.
       
       "[...] velutei puerei trepidant, atque omnia caeceis
       In tenebreis metuunt: sic nos in luce timemus
       .....[....................................]
       
       Hunc igitur terrorem animi tenebrasque, necesse est,
       Non radiei solis, neque lucida tela diei
       Discutiant, sed naturae species, ratioque."
                                  v. 54 sqq. [= 55-56. 59-61 Diels].
       ------
       1*) Siehe vorl. Band, S. 146
       
       #161# Viertes Heft
       -----
       Über das Verhältnis des  A t o m s  u n d  d e r  L e e r e  eine
       wichtige Bemerkung. Lukrez sagt von dieser duplex natura 1*):
       
       "Jedes für sich muß selbständig bestehn und rein sich erhalten."
                                                          V. 504 ff.
       
       Sie schließen sich ferner aus:
       
       "Denn wo immer der Raum sich erstreckt.................
       Ist kein Körper vorhanden" etc.
                                                          a.a.O.
       
       Jedes ist  selbst das  Prinzip, also  ist weder das Atom noch das
       Leere Prinzip, sondern ihr Grund, das, was jedes als selbständige
       Natur ausdrückt.  Diese Mitte wird sich am Schlüsse der epikurei-
       schen Philosophie auf den Thron setzen.
       Das Leere  alsPrinzip der Bewegung, v. 363 sqq., und zwar als im-
       manentes Prinzip,  v. 383  sqq. 2*),  ?? ????? ??? ?? ?????? 3*),
       der objektivierte Gegensatz von Denken und Sein.
       
       Lucretius. Über die Natur der Dinge
       
       Buch II
       
       "Doch nichts Süßeres gibt's als die heiteren Tempel zu hüten,
       Welche die Lehre der Weisen auf sicheren Höhen errichtet."
                                                        V. 7 f.
       
       "O wie arm ist der Menschen Verstand, wie blind ihr Verlangen!
       In welch finsterer Nacht und in wieviel schlimmen Gefahren
       Hingeht dies Leben, es sei, wie es sei!"
                                                        V. 14 ff.
       
       "[...] so  wie Kinder im lichtlosen Dunkel erzittern, erbeben Und
       alles fürchten, so ängstigen wir uns am hellichten Tage
       .....[..............................................]
       Jene Gemütsangst nun und die lastende Geistesverfinstrung
       Kann nicht der Sonnenstrahl und des Tages leuchtende Helle
       Treiben von dannen, sondern allein der Natur vernünft'ge Betrach-
       tung."
                                                        V. 54 ff.
       -----
       1*) zweifachen Natur (siehe vorl. Band, S. 147) - 2*) siehe vorl.
       Band, S.  147 -  3*) (to kenon  kai to  atomon) das Leere und das
       Atom
       
       #162# Viertes Heft
       -----
       "[...] quoniam per inane vagantur, cuncta necesse est
       Aut gravitate sua ferri primordia rerum,
       Aut ictu forte alterius [............]"
                                    v. 82 sqq. [= 83-85 Diels],
       
       "[................] reminiscere, totius imum
       Nil esse in summa; neque habere, ubi corpora prima
       Consistant: quoniam spatium sine fine modoque est,
       Immensumque patere in cunctas undique parteis,
       Pluribus ostendit [.....................]"
                                    v. 89 sqq. [= 90-94 Diels].
       
       "[................] nulla quies est
       Reddita corporibus primeis per inane profundum;
       Sed magis, assiduo varioque exercita motu" [etc.]
                                    v. 94 sqq. [= 95-97 Diels].
       Das Hervorgehn  der Bildungen  aus den Atomen, ihre Repulsion und
       Attraktion ist geräuschvoll. Ein lärmender Kampf, eine feindliche
       Spannung bildet  die Werkstätte  und Schmiedestätte der Welt. Die
       Welt ist im Innern zerrissen, in deren innerstem Herzen es so tu-
       multuarisch zugeht.
       Selbst der Strahl der Sonne, der in die Schattenplätze fällt, ist
       ein Bild dieses ewigen Krieges.
       
       "Multa minuta [.............................
       ..............] radiorum lumine in ipso;
       [...] velut aeterno certamine, proelia pugnasque
       Edere, turmatim certantia; nec dare pausam,
       Concilieis et discidieis exercita crebreis:
       Conjicere ut possis ex hoc, primordia rerum,
       Quale sit, in magno jactari Semper inani."
                                    v. 115 sqq. [= 116-122 Diels],
       
       Man sieht,  wie die  blinde, unheimliche  Macht des Schicksals in
       die Willkür  der Person,  des Individuums übergeht und die Formen
       und Substanzen zerbricht.
       
       "Hoc etiam magis haec animum te advortere par est
       Corpora, quae in solis radieis turbare videntur;
       Quod taleis turbae molus quoque materiai
       Significant clandeslinos caecosque subesse.
       Multa videbis enim plageis ibi percita caeceis
       Commutare viam, retroque repulsa revorti."
                                    v. 124 sqq. [= 125-130 Diels].
       "Prima moventur enim per se primordia rerum;
       Inde ea, quae parvo sunt corpora conciliatu,
       
       #163# Viertes Heft
       -----
       "[...] da sie schweifen im Leeren, so muß sich notwendigerweise
       Jedes Urelement bewegen durch eigene Schwere
       Oder durch Stoß eines andren [...............]"
                                                        V. 82 ff.
       "[..............] erinnre dich, daß es im Weltall
       Nirgends ein Unterstes gibt, daß nirgends die Urelemente
       Kommen zur Ruhe im Raum, der sich endlos, grenzenlos ausdehnt;
       Denn daß er überallhin sich tief ins Unendliche strecke,
       Das ist ausführlich bewiesen [..............]"
                                                        V. 89 ff.
       "[....] es gibt in den Tiefen des Leeren
       Nirgends Rast noch Ruhe für unsere Grundelemente,
       Sondern getrieben vielmehr von beständ'ger, verschiedner
                                               Bewegung" [etc.]
                                                        V. 94 ff.
       
       Das Hervorgehn  der Bildungen  aus den Atomen, ihre Repulsion und
       Attraktion ist geräuschvoll. Ein lärmender Kampf, eine feindliche
       Spannung bildet  die Werkstätte  und Schmiedestätte der Welt. Die
       Welt ist im Innern zerrissen, in deren innerstem Herzen es so tu-
       multuarisch zugeht.
       Selbst der Strahl der Sonne, der in die Schattenplätze fällt, ist
       ein Bild dieses ewigen Krieges.
       "Winzige Stäubchen [................................
       ...................] in dem Lichtstrahl,
       [...] wie in ewigem Kriege in Schlachten und Kämpfen sich
                                                        streiten
       Gleichsam in Scharen und keine Pause je eintreten lassen
       Bei ihrem Drang, sich stets zu vereinen und wieder zu trennen.
       Daraus kannst du ersehen, wie alles gehet vonstatten.
       Wenn sich der Urstoff stets im unendlichen Leeren beweget."
                                                        V. 115 ff.
       
       Man sieht,  wie die  blinde, unheimliche  Macht des Schicksals in
       die Willkür  der Person,  des Individuums übergeht und die Formen
       und Substanzen zerbricht.
       
       "Um so mehr ist es nötig, daß man dieses auch richtig beachtet.
       Wie in dem Sonnenstrahle die winzigen Körper sich tummeln.
       Weil dergleichen Gewimmel beweist, auch in der Materie
       Gibt's ein unsichtbares, verborgenes Wirken der Kräfte.
       Denn viele Körper, so wirst du bemerken, verändern die Richtung,
       Trifft sie  ein heimlicher  Stoß, und  sie wenden  getrieben sich
       rückwärts."
                                                        V. 124 ff.
       "Denn es bewegen zuerst durch sich selbst die Urelemente,
       Hierauf werden die Körper, die wenig Verbindungen haben
       
       #164# Epikureische Philosophie
       -----
       Et quasi próxima sunt ad viréis principiorum,
       Ictibus ollorum caeceis impulsa cientur;
       Ipsaque, quae porro paullo majora, lacessunt
        Sic a principiéis ascendit motus, et exit
       Paullatim nostros ad sensus; ut moveantur
       Olla quoque, in solis quae lumine cernere quimus;
       Nec quibus id faciant plageis apparet aperte."
                                         v. 132 sqq. [= 133-141 Diels].
       "[...] quae sunt solida primordia simplicitate,
       Quom per inane meant vacuum, nec res remoratur
       Ulla foreis, atque ipsa, sueis e partibus unum,
       Unum, in quem coepere locum, connixa feruntur;
       Debent nimirum praecellere mobilitate,
       Et multo citius ferri, quam lumina solis."
                                         v. 156 sqq. [= 157-162 Diels].
       "[...] quamvis rerum ignorem primordia quae sint,
       Hoc tarnen ex ipseis coeli rationibus ausim
       Confirmare, alieisque ex rebus reddere multeis,
       Nequaquam nobis divinitus esse creatam
       Naturam mondi [.........................]"
                                         v. 177 sqq.
       "[.....................] nullam rem posse sua vi
       Corpoream sursum ferri, sursumque meare."
                                         v. 185 sq.
       
       Die declinatio atomorum a via recta ist eine der tiefsten, im in-
       nersten Vorgang  der epikureischen  Philosophie begründete Konse-
       quenz. Cicero hat gut darüber lachen, ihm ist die Philosophie ein
       so fremdes  Ding wie  der Präsident  der nordamerikanischen Frei-
       staaten.
       Die grade  Linie, die  einfache Richtung, ist Aufheben des unmit-
       telbaren Fürsichseins, des Punktes, sie ist der aufgehobne Punkt.
       Die grade  Linie ist  das Anderssein  des Punktes.  Das Atom, das
       Punktuelle, welches  das Anderssein aus sich ausschließt, absolu-
       tes unmittelbares  Fürsichsein ist,  schließt also  die  einfache
       Richtung aus,  die grade  Linie, es  beugt von  ihr aus. Es weist
       nach, daß  seine Natur  nicht die  Räumlichkeit, sondern das Für-
       sichsein ist.  Das Gesetz,  dem es  folgt, ist ein andres als das
       der Räumlichkeit.
       Die grade Linie ist nicht nur das Aufgehobensein des Punktes, sie
       ist auch  sein Dasein. Das Atom ist gleichgültig gegen die Breite
       des Daseins,  es geht  nicht in seiende Unterschiede auseinander,
       aber ebenso  ist es  nicht das  bloße Sein, das Unmittelbare, das
       gleichsam nicht neidisch auf sein
       
       #165# Viertes Heft
       -----
       Und in der Kraft am nächsten kommen den Urelementen,
       Durch unmerkbare Stöße von diesen dann weiter getrieben,
       Und sie geben dann selbst den Stoß an die größeren weiter.
       So geht von dem Atom die Bewegung hinauf, und sie endet
       Langsam bei unseren Sinnen, bis endlich auch das sich beweget,
       as wir im Lichte der Sonne mit Augen zu schauen vermögen,
       Ohne doch deutlich die Stöße zu sehn, die Bewegung erzeugen."
                                                     V. 132 ff.
       "[...] wenn die Urelemente, die einfach sind und solide,
       Schweifen im stofflosen Leeren und nichts sie von außen
                                                   zurückhält.
       Und sie selbst mit den eig'nen zur Einheit verbundenen Teilchen
       Auf ein einziges Ziel die begonnene Richtung verfolgen,
       Müssen - das ist kein Wunder - an Schnelle sie alles besiegen
       Und sich  weit schneller  bewegen  sogar  als  die  Strahlen  der
       Sonne."
                                                     V. 156 ff.
       "[...] selbst wenn ich das Wesen der Urelemente nicht kennte,
       Wagt' ich doch dies zu behaupten, gestützt auf die Kenntnis
                                                       des Himmels
       Und auf gar mancherlei andere Gründe, daß nie und nimmer
       Ist ein göttliches Werk, das für uns erschaffen, das Wesen
       Und die Natur der Welt [............................]"
                                                     V. 177 ff.
       "[.................] es kann durch eigenen Antrieb
       Körperliches sich nicht erheben und steigen nach oben."
       V. 185 f.
       
       Die declinatio atomorum a via recta 1*) ist eine der tiefsten, im
       innersten Vorgang der epikureischen Philosophie begründete Konse-
       quenz. Cicero hat gut darüber lachen, ihm ist die Philosophie ein
       so fremdes  Ding wie  der Präsident  der nordamerikanischen Frei-
       staaten.
       Die grade  Linie, die  einfache Richtung, ist Aufheben des unmit-
       telbaren Fürsichseins, des Punktes, sie ist der aufgehobne Punkt.
       Die grade  Linie ist  das Anderssein  des Punktes.  Das Atom, das
       Punktuelle, welches  das Anderssein aus sich ausschließt, absolu-
       tes unmittelbares  Fürsichsein ist,  schließt also  die  einfache
       Richtung aus,  die grade  Linie, es  beugt von  ihr aus. Es weist
       nach, daß  seine Natur  nicht die  Räumlichkeit, sondern das Für-
       sichsein ist.  Das Gesetz,  dem es  folgt, ist ein andres als das
       der Räumlichkeit.
       Die grade Linie ist nicht nur das Aufgehobensein des Punktes, sie
       ist auch  sein Dasein. Das Atom ist gleichgültig gegen die Breite
       des Daseins,  es geht  nicht in seiende Unterschiede auseinander,
       aber ebenso  ist es  nicht das  bloße Sein, das Unmittelbare, das
       gleichsam nicht neidisch auf sein
       -----
       1*) Ausbeugung der Atome von der graden Linie
       
       #166# Epikureische Philosophie
       -----
       Sein ist,  sondern es  ist grade  im Unterschiede  vom Dasein, es
       verschließt sich  in sich 1*) gegen dasselbe, d.h., sinnlich aus-
       gedrückt, es beugt aus von der graden Linie.
       Wie das  Atom von  seiner Voraussetzung ausbeugt, seiner qualita-
       tiven Natur sich entzieht und darin nachweist, daß dies Entziehn,
       dieses voraussetzungslose,  inhaltslose Insichbeschlossensein für
       es selbst  ist, daß  so seine  eigentliche Qualität erscheint, so
       beugt die ganze epikureische Philosophie den Voraussetzungen aus,
       so ist  z.B. die  Lust bloß  das Ausbeugen vom Schmerze, also dem
       Zustande 2*), worin das Atom als ein differenziertes, daseiendes,
       mit einem Nichtsein und Voraussetzungen behaftetes erscheint. Daß
       der Schmerz  aber ist etc., daß diese Voraussetzungen, denen aus-
       gebeugt wird,  sind für  den einzelen, das ist seine Endlichkeit,
       und darin  ist er  zufällig. Zwar  finden wir  schon, daß an sich
       diese Voraussetzungen für das Atom sind 3*), denn es beugte nicht
       der graden Linie aus, wenn sie nicht für es wäre. Aber dies liegt
       in der Stellung der epikureischen Philosophie, sie sucht das Vor-
       aussetzungslose in der Welt der substantialen Voraussetzung, oder
       logisch ausgedrückt,  indem ihr das Fürsichsein das ausschließli-
       che, unmittelbare  Prinzip ist, so bat sie das Dasein sich unmit-
       telbar gegenüber, sie hat es nicht logisch überwunden.
       Dem Determinismus  wird so ausgebeugt, indem der Zufall, die Not-
       wendigkeit, indem  die Willkür  zum Gesetz erhoben wird; der Gott
       beugt der Welt aus, sie ist nicht für ihn, und drin ist er Gott.
       Man kann  daher sagen,  daß die  declinatio atomi a recta via das
       Gesetz, der  Puls, die  spezifische Qualität  des Atoms  ist; und
       dies ist  es, warum  Demokrits Lehre eine ganz verschiedne, nicht
       Zeitphilosophie wie die epikureische war.
       
       "Quod nisi declinare solerent, omnia deorsum
       [.................] caderent per inane profundum:
       Nec foret offensus natus, nec plaga creata
       Principiéis: ita nil umquam natura creasset."
                                         v. 221 sqq.
       
       Indem die Welt geschaffen wird, indem das Atom sich auf sich, das
       ist auf ein andres Atom bezieht, so ist seine Bewegung also nicht
       die, die  ein Anderssein  unterstellt, die der graden Linie, son-
       dern die  ausbeugt davon,  sich auf sich selbst bezieht. Sinnlich
       vorgestellt, kann  das Atom  sich nur auf das Atom beziehn, indem
       jedes derselben der graden Linie ausbeugt.
       -----
       1*) "es verschließt sich in sich" nicht eindeutig zu entziffern -
       2*) in der  Handschrift: des  Zustandes - 3*) in der Handschrift:
       ist
       
       #167# Viertes Heft
       -----
       Sein ist,  sondern es  ist grade  im Unterschiede  vom Dasein, es
       verschließt sich  in sich 1*) gegen dasselbe, d. h. sinnlich aus-
       gedrückt, es beugt aus von der graden Linie.
       Wie das  Atom von  seiner Voraussetzung ausbeugt, seiner qualita-
       tiven Natur sich entzieht und darin nachweist, daß dies Entziehn,
       dieses voraussetzungslose,  inhaltslose Insichbeschlossensein für
       es selbst  ist, daß  so seine  eigentliche Qualität erscheint, so
       beugt die ganze epikureische Philosophie den Voraussetzungen aus,
       so ist  z.B. die  Lust bloß  das Ausbeugen vom Schmerze, also dem
       Zustande 2*), worin das Atom als ein differenziertes, daseiendes,
       mit einem Nichtsein und Voraussetzungen behaftetes erscheint. Daß
       der Schmerz  aber ist etc., daß diese Voraussetzungen, denen aus-
       gebeugt wird,  sind für  den einzelen, das ist seine Endlichkeit,
       und darin  ist er  zufällig. Zwar  finden wir  schon, daß an sich
       diese Voraussetzungen für das Atom sind 3*), denn es beugte nicht
       der graden Linie aus, wenn sie nicht für es wäre. Aber dies liegt
       in der Stellung der epikureischen Philosophie, sie sucht das Vor-
       aussetzungslose in der Welt der substantialen Voraussetzung, oder
       logisch ausgedrückt,  indem ihr das Fürsichsein das ausschließli-
       che, unmittelbare  Prinzip ist, so hat sie das Dasein sich unmit-
       telbar gegenüber, sie hat es nicht logisch überwunden.
       Dem Determinismus  wird so ausgebeugt, indem der Zufall, die Not-
       wendigkeit, indem  die Willkür  zum Gesetz erhoben wird; der Gott
       beugt der Welt aus, sie ist nicht für ihn, und drin ist er Gott.
       Man kann  daher sagen,  daß die  declinatio atomi a recta via 4*)
       das Gesetz, der Puls, die spezifische Qualität des Atoms ist; und
       dies ist  es, warum  Demokrits Lehre eine ganz verschiedne, nicht
       Zeitphilosophie wie die epikureische war.
       
       "Wichen sie nicht so ab, dann würden [................]
       Gradaus alle hinab in die Tiefen des Leeren versinken.
       Keine Begegnung und Stoß erführen alsdann die Atome,
       Niemals hätte daher die Natur mit der Schöpfung begonnen."
                                                    V. 221 ff.
       
       Indem die Welt geschaffen wird, indem das Atom sich auf sich, das
       ist auf ein andres Atom bezieht, so ist seine Bewegung also nicht
       die, die  ein Anderssein  unterstellt, die der graden Linie, son-
       dern die  ausbeugt davon,  sich auf sich selbst bezieht. Sinnlich
       vorgestellt, kann  das Atom  sich nur auf das Atom beziehn, indem
       jedes derselben der graden Linie ausbeugt.
       -----
       1*) "es verschließt sich in sich" nicht eindeutig zu entziffern -
       2*) in der  Handschrift: des  Zustandes - 3*) in der Handschrift:
       ist - 4*) Ausbeugung des Atoms von der graden Linie
       
       #168# Epikureische Philosophie
       -----
       "Quare etiam atque etiam paullum inclinare necesse est
       Corpora, nec plus quam minumum; ne fingere motus
       Obliquos videamur, et id res vera refutet."
                                          v. 243 sqq.
       "Denique si semper motus connectitur omnis,
       Et vetere exoritur semper novus ordine certo
       Nec declinando faciunt primordia motus
       Principium quoddam, quod fati foedera rumpat,
       Ex infinito ne caussam caussa sequatur:
       Libera per terras unde haec animantibus exstat,
       Unde est haec, inquam, fatis avolsa, voluntas,
       Per quam progredimur, quo ducit quemque voluptas."
                                          v. 251 sqq.
       "Quojus ad arbitrium quoque copia materiai
       Cogitur interdum flecti per membra" etc.
                                          v. 281 sq.
       
       Die declinatio a recta via ist das arbitrium,
       die spezifische Substanz, die wahre Qualität des Atoms.
       
       "Quare, in seminibus quoque idem fateare, necesse est,
       Esse aliam praeter piagas et pondera, caussam
       Motibus, unde haec est olleis innata potestas:
       De nihilo quoniam fieri nil posse videmus.
       Pondus enim prohibet, ne plageis omnia fiant,
       Externa quasi vi: sed ne mens ipsa necessum
       Intestinum habeat cuncteis in rebus agundeis,
       Et, devicta quasi, cogatur ferre, patique:
       Id facit exiguum clinamen principiorum
       Nec regione loci cerla, nec tempore certo."
                                          v. 284 sqq.
       
       Diese declinatio, dies clinamen ist weder regione loci certa noch
       tempore certo,  es ist keine sinnliche Qualität, es ist die Seele
       des Atoms.
       In der Leere fällt die Differenz des Gewichtes fort, d.i. sie ist
       keine äußere  Bedingung der Bewegung, sondern die fürsichseiende,
       immanente, absolute Bewegung selbst.
       
       "At contra nulli, de nulla parte, neque ullo
       Tempore, inane potest vacuum subsistere rei;
       Quin, sua quod natura petit, concedere pergat.
       
       #169# Viertes Heft
       -----
       "Wieder und wieder müssen die Körper deshalb sich neigen
       Etwas zur  Seite, doch  nur um  ein wenig,  damit es nicht heiße,
       Ihre Bewegung sei schräg, denn das widerstreitet der Wahrheit."
                                               V. 243 ff.
       "Endlich, wenn  immer sich schließt die Kette der ganzen Bewegung
       Und an  den früheren Ring sich der neue unweigerlich anreiht, Und
       die Atome nicht weichen vom Lote und dadurch bewirken Jener Bewe-
       gung Beginn, die des Schicksals Bande zertrümmert, Das sonst lüc-
       kenlos schließt  die unendliche  Ursachenkette: Freiheit des Wil-
       lens hier  für die  Lebewesen auf  Erden, Woher,  frag ich  dich,
       stammt der dem Schicksal entwundene Wille, Der einem jeden zu ge-
       hen gestattet, wohin er nur Lust hat."
                                               V. 251 ff.
       "Seinem entscheidenden Willen gelingt's, die Massen des Stoffes
       Jeweils zu zwingen dazu, daß sie beugen die Glieder" etc.
                                               V. 281 f.
       
       Die declinatio  a recta via 1*) ist das arbitrium 2*), die spezi-
       fische Substanz, die wahre Qualität des Atoms.
       
       "Ebenso mußt du daher auch bei den Atomen gestehen,
       Daß noch ein anderer Grund zur Bewegung, außer den Stößen
       Und dem  Gewichte, besteht,  woraus  denn  bei  ihnen  die  Kraft
       stammt.
       Denn aus nichts kann nie - dies sehen wir - etwas entstehen.
       Nämlich die  Schwere verhindert,  daß alles  durch Stöße  bewirkt
       wird
       Gleichsam durch äußre Gewalt; doch daß den Geist in uns selber
       Nicht ein innerer Zwang bei allen Geschäften behindert,
       Und er so gleichsam gefesselt zum Dulden und Leiden verdammt sei,
       Ist der geringen Beugung der Urelemente zu danken,
       Die indes weder bestimmt durch den Ort noch bestimmt durch
                                                    die Zeit ist."
                                               V. 284 ff.
       
       Diese declinatio,  dies clinamen 3*) ist weder regione loci certa
       noch tempore  certo 4*),  es ist keine sinnliche Qualität, es ist
       die Seele des Atoms.
       In der Leere fällt die Differenz des Gewichtes fort, d.i. sie ist
       keine äußere  Bedingung der Bewegung, sondern die fürsichseiende,
       immanente, absolute Bewegung selbst.
       
       "Dahingegen vermöchte das Leere sich niemals und nirgends
       Wider irgendein Ding als Halt entgegenzustellen,
       Sondern es weicht ihm beständig, wie seine Natur es erfordert.
       -----
       1*) Ausbugung von der graden Linie - 2*) Wille - 3*) Ausbeugung -
       4*) bestimmt durch den Ort noch bestimmt durch die Zeit
       
       #170# Epikureische Philosophie
       -----
       Omnia quapropter debent per inane quietum
       Aeque, ponderibus non aequeis, concita ferri."
                                       v. 235 sqq.
       
       Lukrez macht  dies geltend  gegen die durch sinnliche Bedingungen
       eingeschränkte Bewegung:
       
       "Nam per aquas quaequomque cadunt atque aera deorsum,
       Haec pro ponderibus casus celerare necesse est:
       Propterea, quia corpus aquae naturaque tenuis
       Aeris, haud possunt aeque rem quamque morari:
       Sed citius cedunt, gravioribus exsuperata."
                                       v. 230 sqq,
       "Jamne vides igitur, quamquam vis extera multos
       Pellat, et invitos cogat procedere saepe,
       Praecipiteisque rapi [, tamen] esse in pectore nostro
       Quiddam, quod contra pugnare, obstareque, possit" etc.
                                       v. 277 sqq.
       
       Siehe die oben zitierten Verse.
       Diese potestas, dies declinare ist der Trotz, die Halsstarrigkeit
       des Atoms, das quiddam in pectore desselben, sie bezeichnet nicht
       ihr Verhältnis zur Welt wie das Verhältnis der entzweigebrochnen,
       mechanischen Welt zum einzelnen Individuum.
       Wie Zeus unter den tosenden Waffentänzen der Kureten aufwuchs, so
       hier die Welt unter dem klingenden Kampfspiel der Atome.
       Lukrez ist  der echt  römische Heldendichter, denn er besingt die
       Substanz des römischen Geistes; statt der heitern, kräftigen, to-
       talen Gestalten  des Homer  haben wir hier feste, undurchdringli-
       che, gewappnete  Helden, denen alle andern Qualitäten abgehn, den
       Krieg omnium contra omnes, die starre Form des Fürsichseins, eine
       entgötterte Natur und einen entweiteten Gott.
       Wir kommen  jetzt zu  der Bestimmung  der näheren  Qualitäten der
       Atome; ihre  innere, immanente  spezifische  Qualität,  die  aber
       vielmehr ihre  Substanz ist, haben wir gesehn. Diese Bestimmungen
       sind sehr  schwach bei  Lukrez, wie  überhaupt einer der willkür-
       lichsten und  daher schwierigsten  Teile der ganzen epikureischen
       Philosophie.
       
       #171# Viertes Heft
       -----
       Deshalb müssen die Körper mit gleicher Geschwindigkeit alle Trotz
       ungleichem Gewicht durch das ruhende Leere sich stürzen."
                                                   V. 235 ff.
       
       Lukrez macht  dies geltend  gegen die durch sinnliche Bedingungen
       eingeschränkte Bewegung:
       
       "Denn was immer im Wasser sowie in den Lüften herabfällt,
       Muß, je schwerer es ist, um so eiliger in seinem Fall sein,
       Deshalb, weil die gar leichte Luft und das schwerere Wasser
       Nicht in der nämlichen Weise den Fall zu verzögern imstand sind,
       Sondern je schwerer der Druck, um so schneller auch weichen zur
                                                               Seite."
                                                   V. 230 ff.
       "Siehst du nun wohl, daß, ob viele sich auch durch äußeren
                                                          Einfluß
       Treiben und nötigen lassen zu unfreiwilligem Fortgehn
       Und zu haltlosem Stürzen [, doch] immer in unserem Busen
       Etwas bleibt, was dagegen sich sträubt und das Fremde
                                           zurückweist" etc.
                                                   V. 277 ff.
       
       Siehe die oben zitierten Verse.
       Diese potestas  1*), dies  declinare 2*) ist der Trotz, die Hals-
       starrigkeit des  Atoms, das quiddam in pectore 3*) desselben, sie
       bezeichnet nicht  ihr Verhältnis zur Welt, wie das Verhältnis der
       entzweigebrochnen, mechanischen Welt zum einzelnen Individuum.
       Wie Zeus unter den tosenden Waffentänzen der Kureten aufwuchs, so
       hier die Welt unter dem klingenden Kampfspiel der Atome.
       Lukrez ist  der echt  römische Heldendichter, denn er besingt die
       Substanz des römischen Geistes; statt der heitern, kräftigen, to-
       talen Gestalten  des Homer  haben wir hier feste, undurchdringli-
       che, gewappnete  Helden, denen alle andern Qualitäten abgehn, den
       Krieg omnium contra omnes, die starre Form des Fürsichseins, eine
       entgötterte Natur und einen entweiteten Gott.
       Wir kommen  jetzt zu  der Bestimmung  der näheren  Qualitäten der
       Atome; ihre  innere, immanente  spezifische  Qualität,  die  aber
       vielmehr ihre  Substanz ist, haben wir gesehn. Diese Bestimmungen
       sind sehr  schwach bei  Lukrez, wie  überhaupt einer der willkür-
       lichsten und  daher schwierigsten  Teile der ganzen epikureischen
       Philosophie.
       -----
       1*) Kraft - 2*) Ausbeugen - 3*) Etwas im Busen
       
       #172# Epikureische Philosophie
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       1. Bewegung der Atome
       
       "Nec stipata magis fuit umquam materiai
       Copia, nec porro majoribus intervalleis
       ........................................
       Nec rerum summam commutare ulla potest vis."
                                   v. 294 sq. [u. 303.]
       "Ollud in heis rebus non est mirabile, quare.
       Omnia quom rerum primordia sint in motu,
       Summa tarnen summa videatur stare quiete
       ....[.................................]
       Omnis enim longe nostreis ab sensibus infra
       Primorum natura jacet: quapropter., ubi ipsam
       Cernere jam nequeas, motus quoque surpere debent,
       Praesertim quom, quae possimus cernere, celent
       Saepe tamen motus, spatio diducta locorum."
                                   v. 308 sqq. [= 308-310.
                                   312-316 Diels],
       
       2. Figur
       
       "Nunc age, jam deinceps cunctarum exordia rerum,
       Qualia sint, et quam longe distantia formeis,
       Percipe; multigeneis quam sint variata figuréis:
       ....[.............................................
       ...............] quom sit eorum copia tanta,
       Ut neque finis, utei docui, neque summa sit ulla;
       Debent nimirum non omnibus omnia prorsum
       Esse pari filo, similique affecta figura."
                                   v. 333 sqq. ]= 333-335.
                                   338-341 Diels].
       "Quapropter longe formas distare necesse est
       Principieis, varios quae possint edere sensus."
                                   v. 442 sq.
       "[......................] primordia rerum
       Finita variare figurarum ratione.
       Quod si non ita sit, rursum jam semina quaedam
       Esse infinito debebunt corporis auctu.
       Nam quod eadem una quojusvis in brevitate
       Corporis, inter se mullum variare figurae
       Non possunt: face enim, minumeis e partibus esse
       Corpora prima; tribus, vel paullo pluribus, auge:
       Nempe ubi eas parteis unius corporis omneis,
       Summa atque ima, locans, transmutans dextera laeveis,
       
       #173# Viertes Heft
       -----
       1. Bewegung der Atome
       
       "Nie war des Urstoffs Masse zu dichteren Klumpen geballet
       Oder durch weiteren Abstand der einzelnen Teilchen gelockert
       .......................................................
       Auch kann keine Gewalt die Welt im ganzen verändern."
                                                 V. 294 f. [u. 303.]
       "Hierbei ist es jedoch nicht verwunderlich, daß uns das Weltall,
       Während sich alle Atome in steter Bewegung befinden,
       Dennoch den Eindruck macht, zu verharren in völliger Ruhe
       ....[.................................................]
       Denn der Atome Natur liegt weitab unter der Schwelle
       Unserer Sinne verborgen. Drum muß sich dir, da du sie selber Doch
       gar nicht wahrnehmen kannst, auch ihre Bewegung verbergen. Hehlen
       doch oft schon Dinge, die wir mit den Augen erblicken, Ihre Bewe-
       gungen uns, wenn sie allzu entfernt von uns stehen."
                                                 V. 308 ff.
       
       2. Figur
       
       "Doch jetzt höre von mir, wie die Grundelemente der Dinge
       Alle sich mannigfaltig in ihren Gestalten erweisen.
       Nicht als ob gar viele zu wenig sich ähneln im Aussehn:
       ....[........................................
       ........................] Die Fülle der Urelemente.....
       Ist ja  so groß,  wie gesagt,  daß sie zahllos scheint und unend-
       lich; Denn  nicht sämtlich dürfen sie sämtlichen ähnlich gezwirnt
       sein. Noch  auch selbstverständlich  in ähnlichen Formen erschei-
       nen."
                                                 V. 333 ff.
       "Darum müssen mithin die Gestalten der Urelemente
       Völlig verschieden sein, um verschiedne Gefühle zu wecken."
                                                 V. 442 f.
       "[........................] die Urelemente der Dinge
       Nur in begrenzter Zahl die Gestalten vermögen zu ändern.
       Denn sonst müßten auch wieder gewisse Atome sich finden.
       Die endloser Vergrößrung des Körpers sich fähig erwiesen.
       Nämlich die Kleinheit des Stoffs, die für jedes Atom ist
                                                      dieselbe,
       Hindert, daß gar zu viel voneinander verschiedne Gestalten
       Können entstehen. Es seien an kleinsten Partikeln zum Beispiel
       Drei vereint in dem einen Atom oder einige weitre:
       Stellst du dann um alle Teilchen des Einen Atomes im ganzen,
       Oben und Unten vertauschend, Rechtes und Linkes umwechselnd,
       
       #174# Epikureische Philosophie
       -----
       Omnimodeis expertus eris, quam quisque det ordo
       Formarum speciem totius corporis ejus:
       Quod superest, si forte voles variare figuras,
       Addendum parteis alias erit: inde sequetur
       Assimili ratione, alias ut postulet ordo.
       Si tu forte voles etiam variare figuras.
       Ergo formarum novitatem corporis augmen
       Subsequitur: quare non est ut credere possis,
       Esse infiniteis distantia semina formeis;
       Ne quaedam cogas immani maxumitate Esse:
       supra quod jam docui non esse probare."
                                      v. 479 sqq.
       
       Dies epikureische  Dogma, daß  die figurarum varietas nicht infi-
       nita ist, wohl aber die corpuscula ejusdem figurae infinita sind,
       e quorum perpetuo concursu mundus perfectus est resque gignuntur,
       ist die wichtigste, immanenteste Betrachtung der Stellung, welche
       die Atome zu ihren Qualitäten haben, zu sich als Prinzipien einer
       Welt.
       
       "Namque alieis aliud praestantius exoreretur."
                                      v. 507.
       "Cedere item retro possent in deteriores
       Omnia sic parteis, ut diximus in meliores:
       Namque alieis aliud retro quoque tetrius esset" [etc.]
                                      v. 508 sqq.
       "Quae quoniam non sunt, quin rebus reddita certa
       Finis utrimque tenet summam; fateare necesse est,
       Materiam quoque finiteis differre figureis."
                                      v. 512 sqq.
       "Quod quoniam docui, pergam connectere rem, quae,
       Ex hoc apta, fidem ducit: primordia rerum,
       Inter se simili quae sunt perfecta figura,
       Infinita cluere: etenim distantia quom sit
       Formarum finita, necesse est, quae similes sint,
       Esse infinitas; aut summam material
       Finitam constare: id quod non esse probavi."
                                      v. 522 sqq.
       
       Die Distanz,  die Differenz  der Atome ist endlich; nähme man sie
       nicht endlich  an, so wären die Atome in sich selbst vermittelte,
       enthielten in sich
       
       #175# Viertes Heft
       -----
       Prüfst du auf jegliche Art nun, wie jegliche Ordnung beeinflußt
       Form und Gestalt des ganzen Atoms, das diente als Beispiel,
       Mußt du doch endlich noch andre Partikeln den übrigen zutun,
       Wenn du noch weiter die Formen zu ändern wünschest. Es folgt nun,
       Daß in ähnlicher Weise noch andre Partikeln die Ordnung
       Weiter verlangt, wenn du weiter die Formenveränderung wünschest.
       So wird Körpervergrößrung die Folge der neuen Gestallung.
       Deshalb ist es unmöglich erlaubt, sich die Meinung zu bilden
       Unsre Atome besäßen unendlich verschiedne Gestalten.
       Denn sonst müßtest du ja auch welche von riesiger Größe
       Denken dir können, was, wie ich schon oben erklärt, doch nicht
                                                             angeht."
                                                     V. 479 ff.
       
       Dies epikureische  Dogma, daß  die figurarum varietas nicht infi-
       nita 1*)  ist, wohl  aber die corpuscula ejusdem figurae infinita
       sind, e  quorum perpetuo  concursu mundus  perfectus  est  resque
       gignuntur 2*),  ist die  wichtigste, immanenteste Betrachtung der
       Stellung, welche die Atome zu ihren Qualitäten haben, zu sich als
       Prinzipien einer Welt.
       
       "Trefflicher würde das eine dann stets als das andere werden."
                                                     V. 507.
       "Ebenso könnte natürlich auch alles zum Schlechteren rückwärts
       Wieder sich wenden, grad so wie zum Bessern, was eben wir sagten.
       Auch beim Zurück das eine könnt' schlechter wohl sein als das
                                                       andre" [etc.]
                                                     V. 508 ff.
       "Da dem  nicht so ist, vielmehr durch sichere Schranken Hüben und
       drüben das  Ganze begrenzt ist, mußt du gestehen, Daß auch im Ur-
       stoff nicht sind unendlich verschiedene Formen."
                                                     V. 512 ff.
       "Da ich dich dieses gelehrt, verbind' ich damit noch ein weitres,
       Was sich aus diesem erweist, daß die Urelemente der Dinge,
       Deren Gestalten einander in ähnlicher Weise geformt sind,
       Selbst in unendlicher Zahl vorhanden sind. Da der Gestalten
       Unterschiede begrenzt sind, so muß entweder die Anzahl
       Derer, die ähnlich sind, unendlich sein, oder der Urstoff
       Wäre im ganzen begrenzt, was oben als nichtig erwiesen."
                                                     V. 522 ff.
       
       Die Distanz,  die Differenz  der Atome ist endlich; nähme man sie
       nicht endlich  an, so wären die Atome in sich selbst vermittelte,
       enthielten in sich
       -----
       1*) Mannigfaltigkeit der Gestalten nicht unendlich - 2 Körperchen
       mit derselben Gestalt unendlich sind, aus deren fortwährendem Zu-
       sammenstoß die Welt entstanden ist und die Dinge hervorgehn
       
       #176# Epikureische Philosophie
       -----
       eine ideale Mannigfaltigkeit. Die Unendlichkeit der Atome als Re-
       pulsion, als  negative Beziehung  auf sich,  zeugt unendlich viel
       ähnliche, quae  similes sint,  infinitas, ihre  Unendlichkeit hat
       mit ihrem qualitativen Unterschied' nichts zu schaffen. Nimmt man
       die Unendlichkeit  der Verschiedenheit  der Form des Atoms an, so
       enthält jedes Atom das andre in sich aufgehoben, und es gibt dann
       Atome, die  die ganze  Unendlichkeit der Welt vorstellen, wie die
       Leibnizischen Monaden.
       
       "Esse igitur genere in quovis primordia rerum
       Infinita palam est, unde omnia suppeditantur."
                                        v. 568 sq. [= 567 u. 568 Diels].
       "Sic aequo geritur certamine principiorum,
       Ex infinito contractum tempore, bellum.
       Nunc heic, nunc illeic, superant vitalia rerum,
       Et superantur item: miscetur funere vagor,
       Quem puerei tollunt, visenteis luminis oras:
       Nec nox ulla diem, neque noctem aurora, sequuta est,
       Quae non  audierit, mixtos  vagitibus, aegri Ploratus, mortis co-
       mites et funeris atri."
                                        v. 574 sqq. [= 573-580 Diels].
       "Et quaequomque magis vis multas possidet in se,
       Atque potestates, ita plurima principiorum
       In sese genera, ac varias docet esse figuras."
                                        v. 587 sqq. [= 586-588 Diels].
       "Omnis enim per se divôm natura, necesse est,
       Immortali aevo summa cum pace fruatur,
       Semota a nostreis rebus, sejunctaque longe.
       Nam privata dolore omni, privata pericleis,
       Ipsa sueis pollens opibus, nihil indiga nostri,
       Nec bene promeriteis capitur, nec tangitur ira."
                                        v. 646 sqq.
       "[...] neque in lucem exsislunt primordia rerum."
                                        v. 796.
       "Sed ne  forte putes,  solo spoliata colore Corpora prima manere:
       etiam secreta  teporis Sunt,  ac frigoris omnino, calidique vapo-
       ris; Et  sonitu sterila, et suco jejuna feruntur; Nec jaciunt ul-
       lum proprio de corpore odorem."
                                        v. 842 sqq.
       
       #177# Viertes Heft
       -----
       eine ideale Mannigfaltigkeit. Die Unendlichkeit der Atome als Re-
       pulsion, als  negative Beziehung  auf sich,  zeugt unendlich viel
       ähnliche, quae  similes sint,  infinitas 1*),  ihre Unendlichkeit
       hat mit  ihrem qualitativen Unterschied nichts zu schaffen. Nimmt
       man die  Unendlichkeit der Verschiedenheit der Form des Atoms an,
       so enthält  jedes Atom  das andre in sich aufgehoben, und es gibt
       dann Atome,  die die ganze Unendlichkeit der Welt vorstellen, wie
       die Leibnizischen Monaden.
       
       "Also ist klar, daß für jegliche Art in unzähliger Menge
       Urelemente sich finden, woraus dann Alles beschafft wird."
                                                      V. 568 f.
       "Also waltet der Krieg in unentschiedenem Wettstreit
       Seit undenklicher Zeit in den Reihen der Urelemente.
       Denn bald hier, bald dort sind die Lebenskräfte im Vorteil,
       Ähnlich erliegen sie auch, und die Totenklage vermischt sich
       Mit dem Gewimmer der Kindlein, die eben das Licht erst erblicken.
       Niemals folgt dem Tage die Nacht und der Nacht dann der Morgen,
       Der nicht zusammen mit Kindergewimmer das Stöhnen der Kranken
       Hören uns läßt, das den Tod und das schwarze Begräbnis
                                                  begleitet."
                                                      V. 574 ff.
       "Ja, je mehr es in sich an Kräften und Wirkungen herbergt,
       Desto größere Menge von Arten der Urelemente
       Zeigt sich hierin vereint und desto verschiednere Formung."
                                                      V. 587 ff.
       "Denn es versteht sich von selbst, das ganze Wesen der Götter
       Muß sich vollkommnen Friedens erfreun und unsterblichen Lebens,
       Weit entfernt und geschieden von unseren Leiden und Sorgen;
       Frei von jeglichen Schmerzen und frei von allen Gefahren,
       Selbst gestützt auf die eigene Macht, nie unser bedürfend,
       Wird es  durch unser  Verdienst nicht  gelockt noch vom Zorne be-
       zwungen."
                                                      V. 646 ff.
       "[...] die Grundelemente doch stets sich dem Lichte entziehen."
                                                      V. 796.
       "Aber vermeine nur nicht, es fehle den Urelementen
       Nur die Farbe. Sie sind vielmehr auch von Wärme und Kälte
       Und von der dampfenden Hitze vollständig für immer geschieden,
       Wie sie des Tones entbehren, geschmacklos und nüchtern erscheinen
       Und aus den Körpern auch nie ihre eignen Gerüche verbreiten."
                                                      V. 842 ff.
       -----
       1*) eine unendliche Zahl derer, die ähnlich sind
       
       #178# Epikureische Philosophie
       -----
       "Omnia sint a principiéis sejuncta, necesse est;
       Immortalia si volumus subjungere rebus
       Fundamenta, quibus nitatur summa salutis:
       Ne tibi res redeant ad nilum funditus omneis."
                                         v. 861 sqq.
       "Scire licet, nullo primordia posse dolore
       Tentari; nullamque voluptatem capere ex se:
       Quandoquidem non sunt ex olleis principiorum
       Corporibus, quorum motus novitate laborent,
       Aut aliquem fructum capiant dulcedinis almae:
       Haud igitur debent esse ullo praedita sensu."
                                         v. 967 sqq.
       "Denique, utei possint sentire animalia quaeque.
       Principieis si jam est sensus tribuendus eorum " [etc.]
                                         v. 973 sq.
       
       Die Antwort darauf ist:
       
       "Quandoquidem toteis mortalibus assimilata (sc. principia)
       Ipsa quoque ex alieis debent constare elementeis;
       Inde alia ex alieis, nusquam consistere ut ausis."
                                         v. 980 sqq. 1*)
       
       [lib. III]
       
       "Principio esse ajo persubtilem, atque minuteis
       Perquam corporibus factum [sc. animum] constare [........]"
                                         v. 180 sq. [= 179 u. 180
                                         Diels].
       "At, quod mobile tantopere est, constare rotundeis
       Perquam seminibus debet, perquamque minuteis."
                                         v. 187 sq. [= 186 u. 187
                                         Diels].
       "Haeret enim inter se magis omnis materiai
       Copia; nimirum quia non tarn levibus exstat
       Corporibus, neque tarn subtilibus atque rotundeis."
                                         v. 194 sqq. [= 193-195 Diels],
       "[........] quaequomque magis cum pondere magno
       Asperaque inveniuntur, eo stabilita magis sunt."
                                         v. 202 sq. [= 201 u. 202
                                         Diels],
       
       Aufheben der Kohäsion, der spezifischen Schwere.
       -----
       1*) Das hierauf folgende Blatt scheint in der Handschrift zu feh-
       len
       
       #179# Viertes Heft
       -----
       "Alles muß sein daher getrennt von den Urelementen,
       Wenn wir gedenken die Welt auf ewigem Grunde zu bauen,
       Welcher die sichere Stütze gewährt für das Heil der Gesamtheit,
       Soll dir nicht alles zumal in das Nichts vollständig versinken."
                                                 V. 861 ff.
       "Daher weiß man, daß nimmer den Schmerz die Grundelemente,
       Nie aber auch die Lust von sich aus können empfinden.
       Da sie doch selber nicht wieder aus Urstoffkörpern bestehen,
       Deren erneute Bewegung sie schmerzhaft müßten empfinden
       Oder auch hieraus gewinnen die lebenspendende Wonne.
       Also dürfen Atome mit keiner Empfindung begabt sein."
                                                 V. 967 ff.
       "Endlich wenn  alle Geschöpfe  nur dann Empfindung besäßen, Falls
       man sie auch den Atomen, daraus sie gebildet sind, gäbe" [etc.]
                                                 V. 973 f.
       
       Die Antwort darauf ist:
       
       "Denn da sie (d.h. die Urelemente) ähnlich in allem wären wie
                                                sterbliche Menschen,
       Müßten auch solche Atome nun wieder aus andern bestehen,
       Diese dann wieder aus andern, so daß kein Ende zu sehn ist."
                                                 V. 980 ff. 1*)
       
       [Buch III]
       
       "Erstlich behaupt' ich, er [d.h. der Geist] sei aus den
                                   allerfeinsten und kleinsten
       Urelementen gebildet [................................]"
                                                 V. 180 f.
       
       "Aber nun  kann doch ein Ding, das so leicht sich bewegt, nur be-
       stehen Aus ganz kuglig runden und allerkleinsten Atomen."
                                                 V. 187 f.
       "Denn das Gefüge des Stoffes hänget untereinander
       Hier viel fester zusammen; es hat ja weniger glatte.
       Weniger feine und auch viel weniger runde Atome."
                                                 V. 194 ff.
       "[.....] alle, die größer an Masse werden gefunden,
       Und nicht minder die rauhen, sind um so besser gefestigt."
                                                 V. 202 f.
       
       Aufheben der Kohäsion, der spezifischen Schwere.
       -----
       1*) Das hierauf folgende Blatt scheint in der Handschrift zu feh-
       len
       
       #180# Epikureische Philosophie
       -----
       "[...............] mentis naturam animaeque
       Scire licet perquam pauxilleis esse creatam
       Seminibus; quoniam jugiens nil ponderis aufert.
       Nec tamen haec simplex [nobis] natura putanda est:
       Tenuis enim quaedam moribundos deserit aura
       Mixta vapore; vapos porro trahit aera secum;
       Nec calor est quisquam, quoi non sit mixtus et aer."
                                     v. 229 sqq. [= 228-234 Diels].
       "Jam triplex animi est igitur natura reperta.
       Nec tarnen haec sat sunt ad sensum cuncta creandum;
       Nil horum quoniam recipit mens posse creare
       Sensiferos motus, [..........................]
       Quarta quoque heis igitur quaedam natura necesse est
       Attribuatur: ea est omnino nominis expers:
       Qua neque mobilius quidquam, neque tenuius, exstat, Nec magis est
       parveis et levibus ex elementeis."
                                     v. 238 sqq. [= 237-244 Diels],
       "Sed plerumque  fit, in  summo quasi corpore, finis Motibus: hanc
       ob rem vitam retinere valemus."
                                        v. 257 sq. [= 256 u. 257 Diels],
       "Nec miserum  fieri, qui  non est,  posse; neque  hilum Differre,
       nullo fuerit jam tempore natus; Mortalem vitam mors quom immorta-
       lis ademit."
                                     v. 880 sqq. [= 867-869 Diels],
       
       Man kann sagen, daß in der epikureischen Philosophie das Unsterb-
       liche der  Tod ist.  Das Atom, die Leere, Zufall, Willkür, Zusam-
       mensetzung sind an sich der Tod.
       
       "Nam si in morte malum est, maleis morsuque ferarum
       Tractari; non invenio, qui non sit acerbum,
       Ignibus impositum, calideis torrescere flammeis;
       Aut in melle situm suffocari: atque rigere
       Frigore, quom summo gelidi cubat aequore saxi;
       Urgerive, superne obtritum, pondere terrae."
                                     v. 901 sqq. [= 888-893 Diels],
       "Si possent homines, proinde ac sentire videntur
       Pondus inesse animo, quod se gravitate fatiget,
       E quibus id fiat causseis quoque noscere, et unde
       Tanta mali tamquam moles in pectore constet;
       Haud ita vitam agerent, ut nunc plerumque videmus:
       
       #181# Viertes Heft
       -----
       "[...................................] solltest du lernen,
       Daß die Natur wie den Geist so die Seele aus winzigen Keimen
       Schuf, weil, wenn sie entweichen, sich nichts im Gewichte
                                                      verändert.
       Aber man darf [sich] nun doch dies Wesen zu einfach nicht denken.
       Denn aus des Sterbenden Munde entweicht ein ganz feiner
                                                     Windhauch,
       Der ist vermischt mit Dunst, und der Dunst zieht wieder die Luft
                                                                   mit.
       Wärme zudem ist immer vermischt mit jeglicher Luftart."
                                                V. 229 ff.
       "So hat sich dreifach bereits das Wesen des Geistes enthüllet;
       Doch dies  alles genügt  nicht, um Sinnesempfindung zu wecken, Da
       der Verstand es nicht faßt, daß eins von den drein auf die Sinne
       Einzuwirken vermag, [............................]
       Ihnen müssen  wir also ein viertes Wesen gesellen; Doch ward die-
       ses bisher  noch mit  keinerlei Namen  bezeichnet. Ihm vergleicht
       sich wohl  nichts an  Beweglichkeit oder an Feinheit, Denn nichts
       reicht an die Glätte und Kleinheit seiner Atome."
                                                V. 238 ff.
       "Aber zumeist hört schon an der Oberfläche des Leibes
       Alle Bewegung auf. So können das Leben wir retten."
                                                V. 257 f.
       "Ferner, daß wer nicht lebt, auch niemals elend kann werden,
       Ja, daß es grade so ist, als wären wir nimmer geboren.
       Wenn der unsterbliche Tod uns das sterbliche Leben genommen."
                                                V. 880 ff.
       
       Man kenn sagen, daß in der epikureischen Philosophie das Unsterb-
       liche der  Tod ist.  Das Atom, die Leere, Zufall, Willkür, Zusam-
       mensetzung sind an sich der Tod.
       
       "Denn wenn es schlimm ist, im Tod von dem Biß und den Kiefern der
                                                                 Bestien
       Übel mißhandelt zu werden, so find' ich es ebenso bitter,
       Auf das Feuer gelegt und in glühenden Flammen gebraten
       Oder gebettet zu sein in erstickende Honigklumpen
       Oder im Frost zu erstarren auf eisiger Marmorplatte
       Oder von oben zerdrückt durch der Erde Gewicht sich zu fühlen."
                                                V. 901 ff.
       "Könnten die Menschen sich doch, wie sie selbst die Last auf der
                                                                  Seele
       Scheinen zu fühlen, die schwer sie bedrückt und gänzlich
                                                      ermattet,
       Über den Grund der Belastung zur Klarheit kommen, woher nur
       Soviel Leids wie ein Stein auf der Brust sich bei ihnen gelagert:
       Anders führten ihr Leben sie dann als jetzt man es meistens
       
       #182# Epikureische Philosophie
       -----
       Quid sibi quisque velit, nescire, et quaerere semper;
       Commutare locum, quasi onus deponere possit."
                                       v. 1066 sqq. [=1053-1059 Diels].
       
       Finis libri tertii
       
       Es ist bekannt, daß bei den Epikureern der Zufall die herrschende
       Kategorie ist. Eine notwendige Konsequenz davon ist, daß die Idee
       nur als  Zustand angeschaut wird, der Zustand ist das an sich zu-
       fällige Bestehn. Die innerste Kategorie der Welt, das Atom, seine
       Verknüpfung etc.  ist deswegen  in die  Ferne geschoben, wird als
       ein verfloßner  Zustand betrachtet.  Dasselbe findet  man bei den
       Pietisten und Supranaturalisten. Die Schöpfung der Welt, die Erb-
       sünde, die Erlösung, all dieses und alle ihre gottseligen Bestim-
       mungen, wie  das Paradies  etc., ist  nicht eine  ewige, an keine
       Zeit gebundne,  immanente Bestimmung  der Idee,  sondern ein  Zu-
       stand. Wie  Epikur die  Idealität seiner  Welt, die Leere aus ihr
       hinausschiebt in  die Weltschöpfung, so verkörpert der Supranatu-
       ralist die  Voraussetzungslosigkeit, die  Idee der  Welt im Para-
       dies.
       
       #183# Viertes Heft
       -----
       Sieht. Was er eigentlich will, weiß niemand so recht, und so
                                                           sucht er
       Immer die Stelle zu wechseln, als könnt' er sich dadurch
                                                    entlasten."
                                                V. 1066 ff.
       
       Ende des dritten Buches
       
       Es ist bekannt, daß bei den Epikureern der Zufall die herrschende
       Kategorie ist. Eine notwendige Konsequenz davon ist, daß die Idee
       nur als  Zustand angeschaut wird, der Zustand ist das an sich zu-
       fällige Bestehn. Die innerste Kategorie der Welt, das Atom, seine
       Verknüpfung etc.  ist deswegen  in die  Ferne geschoben, wird als
       ein verfloßner  Zustand betrachtet.  Dasselbe findet  man bei den
       Pietisten und Supranaturalisten. Die Schöpfung der Welt, die Erb-
       sünde, die Erlösung, all dieses und alle ihre gottseligen Bestim-
       mungen, wie  das Paradies  etc., ist  nicht eine  ewige, an keine
       Zeit gebundne,  immanente Bestimmung  der Idee,  sondern ein  Zu-
       stand. Wie  Epikur die  Idealität seiner  Welt, die Leere aus ihr
       hinausschiebt in  die Weltschöpfung, so verkörpert der Supranatu-
       ralist die  Voraussetzungslosigkeit, die  Idee der  Welt im Para-
       dies.

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