Quelle: MEW 40 Marx: Schriften/Briefe Nov. 1837 bis Aug. 1844


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       Auszüge aus James Mills Buch
       
       "Élémens d'économie politique"
       
       Trad. par J.T. Parisot, Paris 1823 [94]
       
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       Geschrieben im ersten Halbjahr 1844.
       
       Nach der Handschrift.
       
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       [Auszüge aus James Mills Buch "Élémens d'économie politique".
       
       Trad. par J.T. Parisot, Paris 1823]
       
       ¦¦XXV¦ Bei jener Kompensation des Geldes und Metallwerts, wie bei
       der Darstellung  der Produktionskosten  als des einzigen Momentes
       in der Wertbestimmung, begeht Mill - wie überhaupt die Schule von
       Ricardo -  den Fehler,  daß sie  das    a b s t r a k t e    G e-
       s e t z,   ohne den  Wechsel oder die beständige Aufhebung dieses
       Gesetzes -  wodurch es  erst  wird  -  ausspricht.  Wenn  es  ein
       b e s t ä n d i g e s  Gesetz ist, daß z.B. die Produktionskosten
       in letzter  Instanz -  oder vielmehr  bei der sporadisch zufällig
       1*) eintreffenden  Deckung von  Nachfrage und  Zufuhr - den Preis
       (Wert) 2*) bestimmen, so ist es ein ebenso  b e s t ä n d i g e s
       G e s e t z,  daß dies Verhältnis sich nicht deckt, also daß Wert
       und Produktionskosten in keinem notwendigen Verhältnis stehn. Ja,
       Nachfrage und  Zufuhr decken  sich immer  nur momentan  durch das
       vorhergegangne Schwanken von Nachfrage und Zufuhr, durch das Miß-
       verhältnis zwischen  Produktionskosten und  Tauschwert, wie diese
       Schwankung und  dies Mißverhältnis  ebenso wieder  der momentanen
       Deckung folgt.  Diese   w i r k l i c h e   Bewegung, wovon jenes
       Gesetz nur ein abstraktes, zufälliges und einseitiges Moment ist,
       wird von  der neuren  Nationalökonomie zum  Akzidens gemacht, zum
       Unwesentlichen. Warum? Weil bei den scharfen und exakten Formeln,
       worauf sie  die  Nationalökonomie  reduzieren,  die  Grundformel,
       wollten sie jene Bewegung abstrakt aussprechen, heißen müßte: Das
       Gesetz ist  in der Nationalökonomie durch sein Gegenteil, die Ge-
       setzlosigkeit, bestimmt.  Das wahre  Gesetz der  Nationalökonomie
       ist der  Z u f a l l,  aus dessen Bewegung wir, die Wissenschaft-
       lichen, einige  Momente willkürlich  in der Form von Gesetzen fi-
       xieren."
       Sehr gut  und das  Wesen der Sache in einen Begriff gebracht, ist
       es, wenn  Mill das   G e l d   als  den  V e r m i t t l e r  des
       Austausches bezeichnet. Das
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       1*) "zufällig" steht  in  der  Handschrift  über  "sporadisch"  -
       2*) (Wert) steht in der Handschrift über "Preis"
       
       #446# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       Wesen des Geldes ist zunächst nicht, daß in ihm das Eigentum ent-
       äußert wird, sondern daß die  v e r m i t t e l n d e  T ä t i g-
       k e i t   oder Bewegung,  der   m e n s c h l i c h e,    gesell-
       schaftliche  Akt,   wodurch  sich   die  Produkte   des  Menschen
       wechselseitig ergänzen,  e n t f r e m d e t  und die Eigenschaft
       eines   m a t e r i e l l e n  D i n g s  außer dem Menschen, des
       Geldes wird. Indem der Mensch diese vermittelnde Tätigkeit selbst
       entäußert, ist  er hier  nur als  sich abhanden  gekommner,  ent-
       menschter Mensch  tätig; die   B e z i e h u n g   selbst der Sa-
       chen, die menschliche Operation mit denselben, wird zur Operation
       eines Wesens außer dem Menschen und über dem Menschen. Durch die-
       sen   f r e m d e n  M i t t l e r  - statt daß der Mensch selbst
       der Mittler für den Menschen sein sollte - schaut der Mensch sei-
       nen Willen,  seine Tätigkeit,  sein Verhältnis zu andren als eine
       von ihm  und ihnen unabhängige Macht an. Seine Sklaverei erreicht
       also die  Spitze. Daß  dieser   M i t t l e r   nun zum  w i r k-
       l i c h e n   G o t t   wird, ist  klar, denn der Mittler ist die
       w i r k l i c h e  M a c h t  über das, womit er mich vermittelt.
       Sein Kultus  wird zum  Selbstzweck. Die Gegenstände, getrennt von
       diesem Mittler, haben ihren Wert verloren. Also nur, insofern sie
       ihn   r e p r ä s e n t i e r e n,   haben sie  Wert, während  es
       ursprünglich schien,  daß er  nur Wert  hätte, soweit  e r  s i e
       repräsentierte. Diese  Umkehrung des ursprünglichen Verhältnisses
       ist notwendig.  Dieser   M i t t l e r  ist daher das sich selbst
       abhanden gekommne,  entfremdete   W e s e n  des Privateigentums,
       das sich selbst äußerlich gewordne,  e n t ä u ß e r t e  Privat-
       eigentum, wie  es die  e n t ä u ß e r t e  V e r m i t t l u n g
       der menschlichen  Produktion mit der menschlichen Produktion, die
       e n t ä u ß e r t e   Gattungstätigkeit des  Menschen  ist.  Alle
       Eigenschaften, welche  dieser in  der Produktion dieser Tätigkeit
       zukommen, werden  daher auf diesen Mittler übertragen. Der Mensch
       wird also  um so  ärmer als  Mensch,  d.h.  getrennt  von  diesem
       Mittler, als dieser Mittler  r e i c h e r  wird. -
       Christus  r e p r ä s e n t i e r t  ursprünglich 1. die Menschen
       vor Gott; 2. Gott für die Menschen; 3. die Menschen dem Menschen.
       So repräsentiert  das  G e l d  ursprünglich seinem Begriff nach:
       1. Das Privateigentum für das Privateigentum; 2. die Gesellschaft
       für das  Privateigentum; 3.  das Privateigentum  für die  Gesell-
       schaft.
       Aber Christus  ist der   e n t ä u ß e r t e  Gott und der entäu-
       ßerte   M e n s c h.  Gott hat nur mehr Wert, sofern er Christus,
       der Mensch  nur mehr  Wert,  sofern  er  Christus  repräsentiert.
       Ebenso mit dem Geld. -
       Warum muß  das Privateigentum  zum   G e l d w e s e n  fortgehn?
       Weil der  Mensch als  ein geselliges Wesen zum  A u s t a u s c h
       ¦¦XXV¦ [96]  und weil der Austausch - unter der Voraussetzung des
       Privateigentums -  zum   W e r t   fortgehn muß. Die vermittelnde
       Bewegung des austauschenden Menschen
       
       #447# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       ist nämlich  keine gesellschaftliche, keine menschliche Bewegung,
       kein   m e n s c h l i c h e s   V e r h ä l t n i s,  es ist das
       a b s t r a k t e   V e r h ä l t n i s   des Privateigentums zum
       Privateigentum, und  dies   a b s t r a k t e  Verhältnis ist der
       W e r t,   dessen wirkliche  Existenz als  Wert erst das  G e l d
       ist. Weil die austauschenden Menschen sich nicht als Menschen zu-
       einander verhalten, so verliert die  S a c h e  die Bedeutung des
       menschlichen, des  persönlichen Eigentums.  Das gesellschaftliche
       Verhältnis von  Privateigentum zu  Privateigentum ist  schon  ein
       Verhältnis, worin  das Privateigentum sich selbst entfremdet ist.
       Die für sich seiende Existenz dieses Verhältnisses, das Geld, ist
       daher die  Entäußrung des  Privateigentums, die  Abstraktion  von
       seiner  s p e z i f i s c h e n,  persönlichen Natur. "
       Der Gegensatz  der modernen  Nationalökonomie zu  dem Geldsystem,
       système monétaire,  kann daher  trotz aller ihrer Klugheit uns zu
       keinem entscheidenden Sieg bringen; denn, wenn der rohe national-
       ökonomische Aberglaube  des Volks  und  der  Regierungen  an  dem
       s i n n l i c h e n,   h a n d g r e i f l i c h e n,  a u g e n-
       f ä l l i g e n   Geldsack festhält  und daher  an den  absoluten
       Wert der edlen Metalle wie an ihren Besitz als die einzige Reali-
       tät des  Reichtums glaubt,  - wenn  dann der  aufgeklärte,  welt-
       kundige Nationalökonom kömmt und ihnen beweist, daß das Geld eine
       Ware wie  jede andre  ist, deren Wert daher, wie der jeder andren
       Ware, von  dem Verhältnis  der  Produktionskosten  zur  Nachfrage
       Konkurrenz 1*)  und Zufuhr,  zu der Quantität oder Konkurrenz der
       andren Waren  abhängt, -  so wird diesem Nationalökonomen richtig
       erwidert, daß  doch der   w i r k l i c h e   Wert  der Dinge ihr
       T a u s c h w e r t   sei und  dieser in letzter Instanz im Geld,
       wie dieses in den edlen Metallen existiere, daß also das Geld der
       w a h r e   Wert der  Dinge und  darum das wünschenswerteste Ding
       sei. Die  Lehren des Nationalökonomen liefen ja selbst in letzter
       Instanz  auf   diese  Weisheit   hinaus,  nur   daß  er  die  Ab-
       straktionsfähigkeit besitzt, dieses Dasein des Geldes unter allen
       Formen von  Waren zu  erkennen und  darum nicht an den exklusiven
       Wert seines  offiziellen metallenen Daseins zu glauben. - Das me-
       tallne Dasein  des Geldes ist nur der offizielle sinnfällige Aus-
       druck der  Geldseele, die  in allen Gliedern der Produktionen und
       Bewegungen der bürgerlichen Gesellschaft steckt. -
       Der Gegensatz der modernen Nationalökonomen zu dem Geldsystem ist
       nur der,  daß sie  das   G e l d w e s e n  in seiner Abstraktion
       und Allgemeinheit  gefaßt und  daher  aufgeklärt  sind  über  den
       s i n n l i c h e n   Aberglauben, der  an das  exklusive  Dasein
       dieses Wesens im edlen Metall glaubt. Sie setzen an
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       1) Konkurrenz" steht in der Handschrift über "Nachfrage"
       
       #448# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       die Stelle  dieses rohen  den raffinierten Aberglauben. Weil aber
       beide im  Wesen eine  Wurzel haben,  so bringt es die aufgeklärte
       Form des  Aberglaubens nicht  dahin, die rohe sinnliche Form des-
       selben gänzlich  zu verdrängen,  weil er nicht dessen Wesen, son-
       dern nur  die  bestimmte  Form  dieses  Wesens  angreift.  -  Das
       p e r s ö n l i c h e  Dasein des Geldes als Geld - und nicht nur
       als das innere, an sich seiende, versteckte Konversationsverhält-
       nis oder  S t a n d e s v e r h ä l t n i s  der Waren zueinander
       - dies  Dasein entspricht um so mehr dem Wesen des Geldes, je ab-
       strakter es ist, je weniger  n a t ü r l i c h e s  Verhältnis es
       zu den  andren Waren  hat, je mehr es als Produkt und doch wieder
       als Nichtprodukt  des Menschen  erscheint, je weniger  n a t u r-
       w ü c h s i g e r   sein Daseinselement,  je geschaffner  es  vom
       Menschen ist,  oder  nationalökonomisch,  je  größer  das    u m-
       g e k e h r t e   Verhältnis seines   W e r t e s  a l s  G e l d
       zum Tauschwert  oder Geldwert  des Materials  ist, in  welchem es
       existiert. Daher  ist das   P a p i e r g e l d  und die Zahl der
       p a p i e r n e n   R e p r ä s e n t a n t e n   d e s    G e l-
       d e s   (wie Wechsel,  Mandate, Schuldscheine etc.) das  v o l l-
       k o m m n e r e  Dasein des  G e l d e s  a l s  G e l d  und ein
       notwendiges Moment im Fortschritt der Entwicklung des Geldwesens.
       Im   K r e d i t w e s e n,   dessen vollständiger  Ausdruck  das
       B a n k w e s e n   ist, gewinnt es den Schein, als sei die Macht
       der fremden,  materiellen Macht  gebrochen,  das  Verhältnis  der
       Selbstentfremdung aufgehoben  und der  Mensch wieder  in  mensch-
       lichen Beziehungen  zum Menschen.  Die  S t.  S i m o n is t e n,
       von diesem   S c h e i n   getäuscht,  betrachten die Entwicklung
       von Geld,  Wechselbriefen, Papiergeld,  papiernen  Repräsentanten
       des Geldes,   K r e d i t,   B a n k w e s e n   als eine stufen-
       weise Aufhebung  der Trennung  des Menschen  von der  Sache,  des
       Kapitals von  der Arbeit,  des Privateigentums  vom Gelde und des
       Geldes vom  Menschen, der Trennung des Menschen vom Menschen. Das
       organisierte   B a n k w e s e n  ist daher ihr Ideal. Aber diese
       Aufhebung der  ¦¦XXVI¦ Entfremdung,  diese   R ü c k k e h r  des
       Menschen zu sich selbst und daher zum andern Menschen ist nur ein
       S c h e i n,   sie ist  eine um  so   i n f a m e r e   und  e x-
       t r e m e r e   Selbstentfremdung, Entmenschung,  als ihr Element
       nicht mehr Ware, Metall, Papier, sondern das  m o r a l i s c h e
       Dasein, das   g e s e l l i g e   Dasein,  das   I n n e r e  der
       menschlichen Brust  selbst ist;  als sie  unter  dem  Schein  des
       V e r t r a u e n s   des  Menschen  zum  Menschen,  das  höchste
       M i ß t r a u e n  und die völlige Entfremdung ist. Was konstitu-
       iert das  Wesen des   K r e d i t s?   Wir  sehn  hier  ganz  vom
       I n h a l t   des Kredits  ab, der  wieder das Geld ist. Wir sehn
       also vom   I n h a l t   dieses  Vertrauens ab, wonach ein Mensch
       den andern  dadurch   a n e r k e n n t,   daß er  ihm Werte vor-
       schießt und  - im  besten Fall,  wenn er  sich nämlich den Kredit
       nicht zahlen  läßt, d.h.  kein Wucherer  ist - seinem Mitmenschen
       des Vertrauen schenkt, daß er kein Spitzbube, sondern ein "guter"
       Mann ist.
       
       #449# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       Unter einem  "guten" Mann versteht der Vertrauende hier, wie Shy-
       lock, einen  "zahlbaren" Mann.  - Der Kredit ist unter 2 Verhält-
       nissen und  unter 2  verschiednen Bedingungen denkbar. Die 2 Ver-
       hältnisse sind:  Einmal, ein  Reicher kreditiert einem Armen, den
       er für  fleißig und  ordentlich hält. Diese Art von Kredit gehört
       in den  romantischen, sentimentalen Teil der Nationalökonomie, zu
       ihren Verirrungen,  Exzessen,   A u s n a h m e n,   nicht zu der
       R e g e l.   Allein selbst  diese Ausnahme unterstellt, diese ro-
       mantische Möglichkeit  zugegeben, so gilt das Leben des Armen und
       sein Talent  wie Tätigkeit  dem Reichen für eine  G a r a n t i e
       der Rückerstattung des geliehnen Geldes; d.h. also, alle sozialen
       Tugenden des  Armen, der  Inhalt seiner Lebenstätigkeit, sein Da-
       sein selbst,  repräsentiert dem  Reichen das Remboursement seines
       Kapitals mit den gewöhnlichen Zinsen. Der Tod des Armen ist daher
       für den Kreditierenden der schlimmste Fall. Er ist der Tod seines
       Kapitals samt  Zinsen. Man bedenke, was in der  S c h ä t z u n g
       eines Menschen  in   G e l d,   wie sie  im Kreditverhältnis  ge-
       schieht, [für]  eine Niederträchtigkeit  liegt. Es  versteht sich
       von selbst,  daß  der  Kreditierende,  außer  den    m o r a l i-
       s c h e n   Garantien  auch  die  Garantie  des    j u r i s t i-
       s c h e n  Zwangs und noch mehr oder minder  r e a l e  Garantien
       für seinen  Mann hat.  Ist nun  der, dem  kreditiert wird, selbst
       vermögend, so wird der  K r e d i t  bloß zu einem erleichternden
       V e r m i t t l e r   des Austauschs,  d. h.  es ist das  G e l d
       selbst in  eine ganz  i d e a l e  Form erhoben. Der  K r e d i t
       ist das   n a t i o n a l ö k o n o m i s c h e   Urteil über die
       M o r a l i t ä t   eines Menschen.  Im Kredit  ist statt des Me-
       talls oder  des Papiers  der   M e n s c h   selbst der  M i t t-
       l e r   des Tausches geworden, aber nicht als Mensch, sondern als
       das  D a s e i n  e i n e s  K a p i t a l s  und der Zinsen. Das
       Medium des  Austauschs ist also allerdings aus seiner materiellen
       Gestalt in  den Menschen  zurückgekehrt und  zurückversetzt, aber
       nur weil  der Mensch selbst außer sich versetzt in sich selbst zu
       einer materiellen  Gestalt geworden  ist. Nicht  das Geld  ist im
       Menschen -  innerhalb des Kreditverhältnisses aufgehoben, sondern
       der Mensch  selbst ist in  G e l d  verwandelt, oder das Geld ist
       in ihm   i n k o r p o r i e r t.    Die    m e n s c h l i c h e
       I n d i v i d u a l i t ä t,   die menschliche   M o r a l    ist
       sowohl selbst zu einem Handelsartikel geworden, wie zum Material,
       worin das  Geld existiert.  Statt Geld,  Papier ist  mein  eignes
       persönliches Dasein,  mein  Fleisch  und  Blut,  meine  gesellige
       Tugend  und  Geltung  die  Materie,  der  Körper  des    G e l d-
       g e i s t e s.   Der Kredit  scheidet den  Geldwert nicht mehr in
       Geld, sondern  in menschliches  Fleisch und in menschliches Herz.
       So sehr sind alle Fortschritte und Inkonsequenzen innerhalb eines
       falschen  Systems   der  höchste   Rückschritt  und  die  höchste
       Konsequenz  der   Niedertracht.  -  Innerhalb  des  Kreditsystems
       betätigt sich  seine Menschen  entfremdete Natur unter dem Schein
       der höchsten nationalökonomischen
       
       #450# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       Anerkennung des  Menschen auf  doppelte Weise:  1. Der  Gegensatz
       zwischen Kapitalist  und Arbeiter,  großem und kleinem Kapitalist
       wird noch  größer, indem  der Kredit  nur dem  gegeben wird,  der
       schon hat  und eine  neue Chance der Akkumulation für den Reichen
       ist, oder  indem der  Arme im  zufälligen Belieben und Urteil des
       Reichen über  ihn seine    g a n z e    Existenz  bestätigt  oder
       verneint, sie  völlig von  diesem Zufall abhängig sieht; 2. indem
       die wechselseitige  Vorstellung, Heuchelei  und  Scheinheiligkeit
       bis auf die Spitze getrieben werden, daß über den Kreditlosen nun
       außer dem  einfachen Urteil, daß er arm ist, nun auch das demora-
       lische Urteil,  daß er kein Vertrauen, keine Anerkennung besitzt,
       also ein geselliger Paria, ein schlechter Mensch ist, hinzukömmt;
       und indem  der Arme  zu seiner  Entbehrung diese Erniedrigung und
       die erniedrigende   B i t t e  um Kredit bei dem Reichen hinzube-
       kommt; ¦¦XXVII¦  3. indem  durch diese  ganz  i d e e l l e  Exi-
       stenz des  Geldes die   F a l s c h m ü n z e r e i  von dem Men-
       schen an  keinem andern  Stoff, sondern nur mehr an seiner eignen
       Person vorgenommen  werden kann, er selbst sich zu einer falschen
       Münze machen,  Kredit erschleichen,  erlügen etc.  muß und dieses
       Kreditverhältnis -  sowohl nach  Seite des Vertrauenden, als des-
       sen, der  das Vertrauen  braucht -  zum Handelsgegenstand, Gegen-
       stand des wechselseitigen Betrugs und Mißbrauchs wird. Hier zeigt
       sich dann  noch brillant  das   M i ß t r a u e n   als die Basis
       dieses nationalökonomischen Vertrauens; das mißtrauische Abwägen,
       ob der  Kredit geschenkt  werden soll  oder nicht; die Espionnage
       nach den Geheimnisssen des Privatlebens etc. des Kreditsuchenden;
       das Verraten momentaner Übelstände, um einen Rivalen durch plötz-
       liche Erschütterung  seines Kredits zu stürzen etc. Das ganze Sy-
       stem  des   Bankerutts,  die  Scheinunternehmungen  etc.  ...  Im
       S t a a t s k r e d i t   hat der  Staat ganz  dieselbe Stellung,
       die oben  der Mensch  ... Im Spiel mit Staatspapieren zeigt sich,
       wie er zum Spielzeug der Handelsleute geworden ist etc.
       4. Das   K r e d i t s y s t e m  hat endlich seine Vollendung im
       B a n k w e s e n.   Die Schöpfung  der Bankiers, die Staatsherr-
       schaft der  Bank, die  Konzentration des Vermögens in diesen Hän-
       den, dieser  nationalökonomische   A r e o p a g  der Nation, ist
       die würdige  Vollendung des Geldwesens. Indem im Kreditsystem die
       m o r a l i s c h e        A n e r k e n n u n g        e i n e s
       M e n s c h e n,   wie das   V e r t r a u e n   z u m  S t a a t
       etc. die  Form des   K r e d i t s  erhielt, tritt das Geheimnis,
       welches in  der  Lüge  der  moralischen  Anerkennung  liegt,  die
       u n m o r a l i s c h e   Niedertracht dieser  Moralität, wie die
       Scheinheiligkeit und  der Egoismus  in jenem  Vertrauen zum Staat
       hervor und zeigt sich als das, was er wirklich ist.
       Der   A u s t a u s c h  sowohl der menschlichen Tätigkeit inner-
       halb der Produktion selbst, als auch der  m e n s c h l i c h e n
       P r o d u k t e  gegeneinander ist = der
       
       #451# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       G a t t u n g s t ä t i g k e i t  und Gattungsgeist, deren wirk-
       liches,  bewußtes   und   wahres   Dasein   die      g e s e l l-
       s c h a f t l i c h e     Tätigkeit   und   der      g e s e l l-
       s c h a f t l i c h e   Genuß ist.  Indem das    m e n s c h l i-
       c h e  Wesen das  w a h r e  G e m e i n w e s e n  der Menschen,
       so   s c h a f f e n,   produzieren die Menschen durch Betätigung
       ihres   W e s e n s  das menschliche  G e m e i n w e s e n,  das
       gesellschaftliche Wesen,  welches keine abstrakt-allgemeine Macht
       gegenüber dem  einzelnen Individuum  ist, sondern das Wesen eines
       jeden Individuums, seine eigne Tätigkeit, sein eignes Leben, sein
       eigner Geist,  sein eigner  Reichtum ist.  Nicht durch Reflektion
       entsteht daher  jenes   w a h r e  G e m e i n w e s e n,  es er-
       scheint daher  durch die   N o t   und  den  E g o i s m u s  der
       Individuen, d.  h. unmittelbar durch die Betätigung ihres Daseins
       selbst produziert.  Es hängt  nicht vom  Menschen  ab,  daß  dies
       Gemeinwesen sei  oder nicht;  aber solange  der Mensch sich nicht
       als Mensch erkennt und daher die Welt menschlich organisiert hat,
       erscheint  dies    G e m e i n w e s e n    unter  der  Form  der
       E n t f r e m d u n g.   Weil sein   S u b j e k t,   der Mensch,
       ein sich  selbst entfremdetes  Wesen ist.  Die Menschen, nicht in
       einer Abstraktion,  sondern als  wirkliche,  lebendige,  besondre
       Individuen   s i n d   dies Wesen.  W i e  sie sind, so ist daher
       es  selbst.   Es  ist   daher  ein   identischer  Satz,  daß  der
       M e n s c h   sich selbst  entfremdet, und  daß die  G e s e l l-
       s c h a f t   dieses entfremdeten  Menschen die  Karikatur seines
       w i r k  l i c h e n   G e m e i n w e s e n s,    seines  wahren
       Gattungslebens sei,  daß daher  seine Tätigkeit  als Qual,  seine
       eigne Schöpfung  ihm als  fremde Macht,  sein Reichtum als Armut,
       das  W e s e n s b a n d,  was ihn an den andren Menschen knüpft,
       als ein  unwesentliches Band und vielmehr die Trennung vom andren
       Menschen als  sein wahres  Dasein, daß  sein Leben als Aufopfrung
       seines  Lebens,   daß  die   Verwirklichung  seines   Wesens  als
       Entwirklichung seines Lebens, daß seine Produktion als Produktion
       seines Nichts,  daß seine Macht über den Gegenstand als die Macht
       des Gegenstandes über ihn, daß er, der Herr seiner Schöpfung, als
       der Knecht dieser Schöpfung erscheint.
       Die Nationalökonomie  nun faßt  das   G e m e i n w e s e n   des
       M e n s c h e n,   oder ihr  sich betätigendes   M e n s c h e n-
       w e s e n,   ihre wechselseitige Ergänzung zum Gattungsleben, zum
       wahrhaft  menschlichen   Leben  unter   der  Form   des    A u s-
       t a u s c h s   und des   H a n d e l s   auf.  Die  G e s e l l-
       s c h a f t,   sagt Destutt  de Tracy, ist eine  R e i h e  v o n
       w e c h s e l s e i t i g e n   é c h a n g e s,   [96]  Sie  ist
       eben diese  Bewegung der  wechselseitigen Integration.  Die  G e-
       s e l l s c h a f t,   sagt Adam  Smith, ist eine  h a n d e l s-
       t r e i b e n d e   G e s e l l s c h a f t.  Jedes ihrer Glieder
       ist ein  K a u f m a n n.  [97]
       Man sieht,  wie die  Nationalökonomie die   e n t f r e m d e t e
       Form des  geselligen Verkehrs als die  w e s e n t l i c h e  und
        u r s p r ü n g l i c h e   und der menschlichen Bestimmung ent-
       sprechende  f i x i e r t.
       
       #452# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       ¦¦XXVIII¦ Die  Nationalökonomie -  wie die  wirkliche Bewegung  -
       geht aus  von dem   V e r h ä l t n i s   d e s   M e n s c h e n
       z u m   M e n s c h e n,   als dem  des    P r i v a t e i g e n-
       t ü m e r s   z u m   P r i v a t e i g e n t ü m e r.   Wenn der
       Mensch als   P r i v a t e i g e n t ü m e r  vorausgesetzt wird,
       d.h. also  als exklusiver  Besitzer, der  durch diesen exklusiven
       Besitz seine  Persönlichkeit bewährt und sich vom andern Menschen
       unterscheidet, wie  auf sie bezieht - das Privateigentum ist sein
       persönliches, sein  ihn  a u s z e i c h n e n d e s,  darum sein
       wesentliches  Dasein   so  ist  der    V e r l u s t    oder  das
       A u f g e b e n   des Privateigentums  eine E n t ä u ß e r u n g
       d e s   M e n s c h e n,   wie des  P r i v a t e i g e n t u m s
       selbst. Wir  halten hier  nur die  letztere Bestimmung fest. Wenn
       ich mein  Privateigentum an einen andren ablasse, so hört es auf,
       m e i n   zu sein;  es wird  eine von mir unabhängige,  a u ß e r
       meinem Bereich  hegende  Sache,  eine  mir    ä u ß e r l i c h e
       Sache. Ich  e n t ä u ß e r e  also mein Privateigentum. In bezug
       auf mich  setze ich  es also  als  e n t ä u ß e r t e s  Privat-
       eigentum. Aber  ich setze  es nur als  e n t ä u ß e r t e  Sache
       überhaupt, ich hebe nur mein  p e r s ö n l i c h e s  Verhältnis
       zu ihm  auf, ich  gebe  es  den    e l e m e n  t a r i s c h e n
       Naturmächten zurück, wenn ich es nur in bezug auf mich entäußere.
       Entäußertes   P r i v a t e i g e n t u m   wird es  nur, wenn es
       zugleich aufhört,  m e i n  Privateigentum zu sein, ohne deswegen
       aufzuhören, überhaupt  P r i v a t e i g e n t u m  zu sein, d.h.
       also, wenn  es zu einem  a n d r e n  Menschen  a u ß e r  mir in
       dasselbe Verhältnis tritt, in welchem es zu mir selbst stand, mit
       einem Wort,  wenn es  das    P r i v a t e i g e n t u m    eines
       a n d r e n   Menschen wird. Den Fall der  G e w a l t  ausgenom-
       men -  wie komme  ich nun dazu, an einen andren Menschen  m e i n
       Privateigentum zu entäußern? Die Nationalökonomie antwortet rich-
       tig: Aus   N o t,   aus  B e d ü r f n i s.  Der andre Mensch ist
       auch Privateigentümer,  aber von  einer   a n d r e n  Sache, die
       ich entbehre  und die ich nicht entbehren kann oder will, die mir
       ein   B e d ü r f n i s  zur Vervollständigung meines Daseins und
       Verwirklichung meines Wesens scheint.
       Das Band,  welches die  beiden Privateigentümer  aufeinander  be-
       zieht,  ist   die     s p e z i f i s c h e    N a t u r    d e s
       G e g e n s t a n d e s,   der die  Materie ihres Privateigentums
       ist. Die  Sehnsucht nach diesen beiden Gegenständen, d.h. das Be-
       dürfnis nach  ihnen, zeigt  jedem der Privateigentümer, bringt es
       ihm zum  Bewußtsein, daß er außer dem Privateigentum noch ein an-
       dres   w e s e n t l i c h e s   Verhältnis zu  den  Gegenständen
       hat, daß  er nicht  das besondre  Wesen ist,  wofür er sich hält,
       sondern ein   t o t a l e s   Wesen,  dessen Bedürfnisse  im Ver-
       hältnis des  innern Eigentums - denn das Bedürfnis nach einer Sa-
       che ist  der evidenteste, unwiderleglichste Beweis, daß die Sache
       zu   m e i n e m   Wesen gehört,  daß  ihr  Sein  für  mich,  ihr
       E i g e n t u m  das Eigentum, die Eigentümlichkeit meines Wesens
       ist -  zu allen,  auch zu  den Produktionen der Arbeit des andren
       stehn. Beide Eigentümer werden also getrieben, ihr Privateigentum
       
       #453# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       aufzugeben,  aber   es  so   aufzugeben,  daß  sie  zugleich  das
       Privateigentum bestätigen,  oder das Privateigentum innerhalb des
       Verhältnisses des  Privateigentums  aufzugeben.  Jeder  entäußert
       also einen Teil seines Privateigentums an den andern.
       Die   g e s e l l s c h a f t l i c h e  Beziehung oder das  g e-
       s e l l s c h a f t l i c h e     Verhältnis  der   beiden   Pri-
       vateigentümer ist  also  die    W e c h s e l s e i t i g k e i t
       der  E n t ä u ß r u n g,  das Verhältnis der Entäußrung auf bei-
       den Seiten  gesetzt, oder  die  E n t ä u ß r u n g  als das Ver-
       hältnis der  beiden  Eigentümer,  während  im  einfachen  Privat-
       eigentum die   E n t ä u ß r u n g   nur  noch in bezug auf sich,
       einseitig stattfindet.
       Der  T a u s c h  oder der  T a u s c h h a n d e l  ist also der
       gesellschaftliche, der  Gattungsakt, das Gemeinwesen, der gesell-
       schaftliche Verkehr  und Integration  der Menschen  innerhalb des
       P r i v a t e i g e n t u m s   und  darum  der  äußerliche,  der
       e n t ä u ß e r t e   Gattungsakt. Eben  darum erscheint  er  als
       T a u s c h h a n d e l.   Es ist  darum ebenso das Gegenteil des
       g e s e l l s c h a f t l i c h e n  Verhältnisses.
       Durch die  wechselseitige Entäußrung oder Entfremdung des Privat-
       eigentums ist das  P r i v a t e i g e n t u m  selbst in die Be-
       stimmung des   e n t ä u ß e r t e n    Privateigentums  geraten.
       Denn erstens hat es aufgehört, das Produkt der Arbeit, die exklu-
       sive, auszeichnende Persönlichkeit seines Besitzers zu sein, denn
       dieser hat es entäußert, es ist von dem Besitzer weggeraten, des-
       sen Produkt es war und hat eine persönliche Bedeutung für den ge-
       wonnen, dessen Produkt es  n i c h t  ist. Es hat seine persönli-
       che Bedeutung  für den Besitzer verloren. Zweitens ist es auf ein
       andres Privateigentum  bezogen worden,  diesem gleichgesetzt wor-
       den. An seine Stelle ist ein Privateigentum von  a n d r e r  Na-
       tur getreten,  wie es selbst die Stelle eines Privateigentums von
       a n d r e r  Natur vertritt. Auf beiden Seiten erscheint also das
       Privateigentum als  Repräsentant eines Privateigentums von andrer
       Natur, als das  g l e i c h e  eines  a n d e r n  Naturprodukts,
       und beide  Seiten beziehen  sich so aufeinander, daß jede das Da-
       sein ihres   a n d e r n   vertritt  und beide wechselseitig sich
       aufeinander als   E r s a t z m ä n n e r  ihrer selbst und ihres
       andern beziehn.  Das Dasein  des Privateigentums  als solchen ist
       daher zum   E r s a t z,   zum  Ä q u i v a l e n t  geworden. An
       die Stelle  seiner unmittelbaren  Einheit mit  sich selbst ist es
       nur  mehr   als  Beziehung   auf   ein      a n d r e s.      Als
       Ä q u i v a l e n t   ist sein  Dasein nicht mehr sein ihm eigen-
       tümliches. Es  ist daher  zum    W e r t    und  unmittelbar  zum
       T a u s c h w e r t  geworden. Sein Dasein als  W e r t  ist eine
       von seinem  unmittelbaren Dasein verschiedne, seinem spezifischen
       Wesen äußerliche,  eine   e n t ä u ß e r t e  Bestimmung ¦¦XXIX¦
       s e i n e r   s e l b s t,   ein nur   r e l a t i v e s   Dasein
       desselben.
       Wie nun  dieser   W e r t   sich näher  bestimmt, ist anderswo zu
       entwickeln, ebenso, wie er zum  P r e i s  wird.
       
       #454# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       Das Verhältnis  des Tausches vorausgesetzt, wird die  A r b e i t
       zur   u n m i t t e l b a r e n  E r w e r b s a r b e i t.  Dies
       Verhältnis der  entfremdeten Arbeit  erreicht seine Höhe erst da-
       durch, daß 1. von der einen Seite die  E r w e r b s a r b e i t,
       das Produkt  des Arbeiters  in keinem   u n m i t t e l b a r e n
       Verhältnis zu  seinem Bedürfnis  und zu  seiner    A r b e i t s-
       b e s t i m m u n g   steht, sondern nach beiden Seiten hin durch
       dem  Arbeiter  fremde  gesellschaftliche  Kombinationen  bestimmt
       wird; 2.  daß  der,  welcher  das  Produkt  kauft,  selbst  nicht
       produziert, sondern  das von einem andren Produzierte vertauscht.
       In jener  rohen  Gestalt  des    e n t ä u ß e r t e n    Privat-
       eigentums, des   T a u s c h h a n d e l s,  hat jeder der beiden
       Privateigentümer  das   produziert,  wozu  ihn  unmittelbar  sein
       Bedürfnis, seine  Anlage und  das vorhandene Naturmaterial trieb.
       Jeder tauscht  daher gegen  den andren  nur den  Überschuß seiner
       Produktion aus.  Die Arbeit  war  allerdings  seine  unmittelbare
       S u b s i s t e n z q u e l l e,   aber  zugleich  auch  die  Be-
       tätigung  seiner    i n d i v i d u e l l e n    E x i s t e n z.
       Durch  den   Tausch  ist   seine    A r b e i t    teilweise  zur
       E r w e r b s q u e l l e   geworden. Ihr  Zweck und  ihr  Dasein
       sind verschieden  geworden. Das  Produkt wird  als  W e r t,  als
       T a u s c h w e r t,   als  Ä q u i v a l e n t,  nicht mehr sei-
       ner unmittelbaren  persönlichen Beziehung  zum Produzenten  wegen
       produziert. Je  vielseitiger die Produktion wird, je vielseitiger
       also einerseits  die Bedürfnisse,  je einseitiger andrerseits die
       Leistungen des  Produzenten werden, um so mehr fällt seine Arbeit
       in die  Kategorie einer  E r w e r b s a r b e i t,  bis sie end-
       lich nur  mehr diese  Bedeutung und es ganz  z u f ä l l i g  und
       u n w e s e n t l i c h   wird, sowohl  ob der  Produzent in  dem
       Verhältnis des  unmittelbaren Genusses  und des  persönlichen Be-
       dürfnisses  zu   seinem  Produkt   steht,   als   auch   ob   die
       T ä t i g k e i t,   die Aktion der Arbeit selbst ihm Selbstgenuß
       seiner Persönlichkeit, die Verwirklichung seiner Naturanlagen und
       geistigen Zwecke ist.
       In der   E r w e r b s a r b e i t  liegt: 1. Die Entfremdung und
       Zufälligkeit der  Arbeit vom arbeitenden Subjekt; 2. die Entfrem-
       dung und Zufälligkeit der Arbeit vom Gegenstand derselben; 3. die
       Bestimmung des  Arbeiters durch  die  gesellschaftlichen  Bedürf-
       nisse, die  ihm aber  fremd und  ein Zwang  sind, dem er sich aus
       egoistischem Bedürfnis,  aus Not  unterwirft und  die für ihn nur
       die Bedeutung  einer Quelle  der Befriedigung für seine Notdurft,
       wie er  für sie  nur als  ein Sklave  ihrer Bedürfnisse vorhanden
       ist; 4.  daß dem Arbeiter die Erhaltung seiner individuellen Exi-
       stenz als  Z w e c k  seiner Tätigkeit erscheint und sein wirkli-
       ches Tun  ihm nur als Mittel gilt; daß er sein Leben betätigt, um
       Lebensmittel zu erwerben.
       Je größer,  je ausgebildeter also die gesellschaftliche Macht er-
       scheint  innerhalb   des  Privateigentumsverhältnisses,   um   so
       e g o i s t i s c h e r,  gesellschaftsloser, seinem eignen Wesen
       entfremdeter wird der Mensch.
       
       #455# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       Wie der  wechselseitige Austausch  der Produkte der  m e n s c h-
       l i c h e n   T ä t i g k e i t   als    T a u s c h h a n d e l,
       als   S c h a c h e r,  so erscheint die wechselseitige Ergänzung
       und Austauschung  der Tätigkeit selbst als:  T e i l u n g  d e r
       A r b e i t,   welche aus  dem Menschen  möglichst ein abstraktes
       Wesen, eine  Drehmaschine etc.  macht und  bis zur  geistigen und
       physischen Mißgeburt ihn umwandelt.
       Grade die   E i n h e i t   der  menschlichen Arbeit wird nur als
       T e i l u n g   betrachtet, weil  das gesellschaftliche Wesen nur
       als sein Gegenteil, in der Form der Entfremdung zum Dasein kommt.
       Mit der  Zivilisation steigert  sich die   T e i l u n g    d e r
       A r b e i t.
       Innerhalb der  Voraussetzung der  Teilung der  Arbeit erhält  das
       Produkt, das Material des Privateigentums für den einzelnen immer
       mehr die  Bedeutung eines   Ä q u i v a l e n t s,   und  wie  er
       nicht mehr seinen  Ü b e r s c h u ß  austauscht, sondern der Ge-
       genstand  seiner   Produktion  ihm   schlechthin     g l e i c h-
       g ü l t i g   sein kann,  so tauscht  er  auch  nicht  mehr  sein
       Produkt unmittelbar  gegen das  ihm   b e d ü r f t i g e   Wesen
       aus. Das  Äquivalent erhält  seine  Existenz  als  Äquivalent  in
       G e l d,  welches nun das unmittelbare Resultat der Erwerbsarbeit
       und der  M i t t l e r  des Tauschs ist. (Siehe oben.)
       Im  G e l d,  der vollständigen Gleichgültigkeit sowohl gegen die
       Natur des Materials, gegen die spezifische Natur des Privateigen-
       tums, wie gegen die Persönlichkeit des Privateigentümers, ist die
       vollständige Herrschaft der entfremdeten Sache  ü b e r  den Men-
       schen in  die Erscheinung getreten. Was als Herrschaft der Person
       über die Person, ist nun die allgemeine Herrschaft der  S a c h e
       über die   P e r s o n,   des  Produkts über den Produzenten. Wie
       schon im   Ä q u i v a l e n t,    im  Wert  die  Bestimmung  der
       E n t ä u ß r u n g  des Privateigentums lag, so ist das  G e l d
       das sinnliche,  selbst  gegenständliche  Dasein  dieser    E n t-
       ä u ß r u n g.
       ¦¦XXX¦ Es  versteht sich,  daß die  Nationalökonomie diese  ganze
       Entwicklung nur  als ein factum, als die Ausgeburt zufälliger Not
       begreifen kann.
       Die Trennung  der Arbeit von sich selbst = Trennung des Arbeiters
       vom Kapitalisten  =  Trennung  von  Arbeit  und  Kapital,  dessen
       ursprüngliche Form in  G r u n d e i g e n t u m  und  b e w e g-
       l i c h e s  1*)  E i g e n t u m  zerfällt ... Die ursprüngliche
       Bestimmung des  Privateigentums ist  das Monopol;  sobald es sich
       daher  eine   politische  Konstitution  gibt,  ist  sie  die  des
       Monopols. Das  vollendete  Monopol  ist  die  Konkurrenz.  -  Dem
       Nationalökonomen zerfallen   P r o d u k t i o n,    K o n s u m-
       t i o n  und als Vermittler von beiden der  A u s t a u s c h
       -----
       1*) "bewegliches" in der Handschrift nicht hervorgehoben
       
       #456# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
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       oder die   D i s t r i b u t i o n.   Die Trennung von Produktion
       und Konsumtion, von Tätigkeit und Geist an verschiedne Individuen
       und in  demselben Individuum,  ist die   T r e n n u n g    d e r
       A r b e i t   von ihrem   G e g e n s t a n d  und von ihr selbst
       als einem Geist. Die  D i s t r i b u t i o n  ist die sich betä-
       tigende Macht des Privateigentums. - Die Trennung von Arbeit, Ka-
       pital, Grundeigentum  wechselseitig, wie  die der  Arbeit von der
       Arbeit, des  Kapitals vom  Kapital, und  des  Grundeigentums  vom
       Grundeigentum, endlich  die Trennung  der Arbeit vom Arbeitslohn,
       des Kapitals von dem Gewinn, und des Gewinns von den Zinsen, end-
       lich des  Grundeigentums von  der Grundrente, läßt die Selbstent-
       fremdung sowohl  in der  Gestalt der  Selbstentfremdung  als  der
       wechselseitigen Entfremdung erscheinen.
       
       "Man unterstelle  nun den  Fall, daß das Gouvernement die Vermeh-
       rung und  Vermindrung des Geldes fixieren will. Bestrebt es sich,
       die Quantität  des Geldes  unter dem Maß zu halten, den der freie
       Verlauf der  Dinge produzieren  würde, so  erhebt es den Wert des
       gemünzten Goldes  und macht es zum Interesse aller, die Barren in
       Münze zu  verwandeln. Dann  entsteht heimliche  Fabrikation,  das
       Gouvernement muß sie durch Strafen verhindern. Will das Gouverne-
       ment die  Goldquantität   ü b e r   der nötigen Höhe erhalten, so
       drückt es  seinen Wert herab, jeder sucht es in Barren zu gießen,
       wogegen es  wieder nur  das Mittel der Strafe hat. Aber die Hoff-
       nung des  Gewinns siegt  über die Furcht vor der Strafe." p. 137,
       138.
       § 9.  "Wenn 2 Individuen sich eines dem anderen 100 £ schuldeten,
       statt sich wechselseitig diese Summe auszuzahlen, haben sie wech-
       selseitig nur ihre Obligationen auszutauschen. So auch zwischen 2
       Nationen... Daher   W e c h s e l b r i e f e,   um so nötiger in
       einer Zeit,  wo die  wenig aufgeklärte  Politik die    E x p o r-
       t a t i o n   edler Metalle verbot und grausam bestrafte." p. 142
       sq.
       § 10. Ersparung   u n p r o d u k t i v e r  Konsumtion durch das
       Papiergeld, p. 146 sq.
       §11.  "Die  Unbequemlichkeiten  des  Papiergeldes  sind:  I.  Die
       E r m a n g l u n g"   Sünde 1*)  (manque) "der Personen, die das
       Papiergeld ausstellen,  ihre Verpflichtungen  zu erfüllen. 2. Die
       Fälschungen. 3. Der Kurswechsel, alteration des cours." p. 149.
       § 12.  Edle Metalle sind Waren. Man exportiert Waren nur, die we-
       niger teuer  sind in  dem Lande,  woher sie  kommen, als  in  dem
       Lande, wohin  sie gehn,  und man importiert Waren nur, die teurer
       sind in  dem Land,  wo sie hingehn, als in dem, wo sie herkommen.
       Also hängt  es vom  Wert der  edlen Metalle in einem Lande ab, ob
       [man] sie importieren oder exportieren soll. [p. 175 sq.]
       § 13.  "Der Wert  der edlen Metalle ist die Quantität von anderen
       Sachen, die  man für  sie im  Austausch gibt." p. 177. "Dies Ver-
       hältnis ist  in verschiedenen  Ländern und sogar in verschiedenen
       Gegenden desselben  Landes verschieden.  [...] 'La  vie est moins
       chère' 2*)  heißt, daß man an einem bestimmten Ort die Lebensmit-
       tel mit einer geringeren Summe Geldes kaufen 3*) kann." [p. 177.]
       -----
       1*) "Sünde"  steht   in  der  Handschrift  über  "Ermangelung"  -
       2*) 'Das Leben  ist weniger teuer' - 3*) in der Handschrift: ver-
       kaufen
       
       #457# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
       -----
       § 14.  "Das Verhältnis  der Nationen ist wie das der Kaufleute...
       ils achèteront  toujours au meilleur marché possible, et vendront
       toujours le plus cher qu'ils pourront 1*)."
       p. 215.
       IV. De la consommation. 2*)
       "Production, distribution,  échange 3*)  sind bloße  M i t t e l.
       Man produziert  nicht, um  zu produzieren.  Es sind intermediäre,
       vermittelnde  Operationen.   Der  Zweck  ist  die    K o n s u m-
       t i o n." p. 237.
       § 1. "Die Konsumtion ist: 1.  p r o d u k t i v.  Begreift alles,
       was depensiert  wird im  Zweck, eine Sache zu produzieren, umfaßt
       den Unterhalt  des Arbeiters  ... dann  die Maschinen, Handwerks-
       zeug, Gebäude,  Tiere für  die produktiven  Operationen; endlich:
       die Rohstoffe, sei es nun, daß das zu produzierende Objekt unmit-
       telbar aus  ihnen geformt wird oder woher man es ziehen kann." p.
       238, 239.  "Nur die  Sachen der  2. Klasse sind nicht vollständig
       konsumiert im Lauf der produktiven Operationen." l.c.
       2. i m p r o d u k t i v e  Konsumtion. "Gagen eines Lakais, jede
       Konsumtion, die nicht im Behuf der Produkte geschieht, um vermit-
       telst einer  Sache eine andre äquivalente zu erhalten, ist impro-
       duktiv." p.  240.  "Die  produktive  Konsumtion  ist  selbst  ein
       M i t t e l,  nämlich ein Mittel der Produktion; die improduktive
       ist kein  Mittel, sie ist Zweck, der  G e n u ß,  den die Konsum-
       tion verschafft, das  M o t i v  aller vorhergehenden Operation."
       p. 241.  "Durch die  erste Art  der Konsumtion geht nichts, durch
       die 2.  alles verloren." l.c. "Was man  p r o d u k t i v  konsu-
       miert, ist  immer   K a p i t a l.   Das ist eine besonders merk-
       würdige Eigenschaft  der produktiven  Konsumtion.  Was  produktiv
       konsumiert wird,  ist Kapital, und es  w i r d  Kapital durch die
       Konsumtion." p.  [241,] 242.  "Die Totalität dessen, was die pro-
       duktiven Kräfte  eines Landes  in einem  Jahre schaffen,  ist das
       produit annuel  brut 4*). Der größte Teil davon zur Ersetzung des
       konsumierten Kapitals  bestimmt. Was übrigbleibt vom produit brut
       5*) nach Ersetzung des Kapitals, ist das produit net 6*); es ver-
       teilt sich  nur als  Gewinn des  Kapitals  oder  Grundrente."  p.
       [242,] 243.  "Es ist der fonds, woraus gewöhnlich alle Zulage zum
       Nationalkapital herkömmt."  l.c. "Der  p r o d u k t i v e n  und
       i m p r o d u k t i v e n   K o n s u m t i o n   entsprechen die
       p r o d u k t i v e   und   i m p r o d u k t i v e   Arbeit." p.
       244.
       § 2. "Alles, was im Lauf eines Jahres produziert ist, ist im Lauf
       des folgenden  Jahres konsumiert, produktiv oder improduktiv." p.
       246.
       § 3.  "Die Konsumtion dehnt sich aus nach dem Maß der Produktion;
       ein Mensch produziert nur, weil er  z u  h a b e n  verlangt. Ist
       das produzierte  Objekt das,  was er haben will, so hört er, wenn
       er sich  soviel verschafft  hat, als er braucht, zu arbeiten auf.
       Produziert er  mehr, so  geschieht es, weil er im Austausch gegen
       dies Mehr  irgendein anderes Objekt haben will. Er produziert die
       eine Sache,  aus Begierde, die andere zu besitzen. Die Produktion
       dieser Sache  ist ihm das einzige Mittel, die andere Sache zu er-
       halten, und  er erhält  sie so  wohlfeiler, als wenn er gezwungen
       wäre, sie selbst zu produzieren.
       -----
       1*) sie kaufen immer so billig wie möglich und verkaufen immer so
       teuer wie sie können - 2*) Über die Konsumtion. - 3*) Produktion,
       Verteilung, Austausch - 4*) Jahresprodukt - 5 Bruttoprodukt - 6*)
       Nettoprodukt
       
       #458# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
       -----
       Bei der Teilung der Arbeit beschränkt er sich, eine bestimmte Sa-
       che oder nur einen Teil derselben zu produzieren, nur einen klei-
       nen Teil  seiner eigenen  Produktion wendet  er für  sich an; den
       Rest bestimmt  er dazu,  alle andern  Waren zu  kaufen, welche er
       verlangt; und  wenn sich ein Mensch auf die Produktion einer ein-
       zigen Sache  beschränkt und  sein Produkt  gegen alle andern aus-
       tauscht, findet man, daß jeder mehr von den verschiedenen Sachen,
       die er  begehrt, erhält,  als er  davon erhalten  hätte, wenn  er
       selbst sie  ¦¦XXXI¦  hätte  produzieren  wollen.  Produziert  ein
       Mensch für  sich selbst,  so findet der  A u s t a u s c h  nicht
       statt. Er verlangt nichts zu kaufen und bietet nichts zum Verkauf
       an. Er  besitzt einen  Gegenstand, er  hat ihn produziert und hat
       nicht die  Absicht, sich seiner zu entledigen. Wendet man als Me-
       tapher die  terminos "offre  und demande" 1*) auf diesen Fall an,
       so sind  offre und  demande sich hier vollständig proportioniert.
       Was die offre und demande der verkäuflichen Gegenstände betrifft,
       so können  wir ganz  außer Frage  stellen den Teil des jährlichen
       Produkts, welchen  jeder producteur  verzehrt unter  der Gestalt,
       welche er produziert oder empfängt." p. 251.
       "Sprechen wir hier von offre und demande, so sprechen wir im all-
       gemeinen. Sagen wir von einer bestimmten Nation zu einer bestimm-
       ten Epoche,  daß ihre offre = ist ihrer demande, so sagen wir das
       nicht in bezug auf 1 oder 2 Waren; wir wollen sagen, daß ihre de-
       mande von  allen Waren  en masse genommen = ist allem, was sie an
       Waren von  jeder Art  anbieten kann.  Trotz dieser Gleichheit von
       offre und demande, im allgemeinen genommen, kann es sehr wohl ge-
       schehen, daß  man von  einer oder mehreren besondren Waren zuviel
       oder zuwenig  in bezug  auf die Nachfrage dieser Waren produziert
       hat." p.  251, 252.  "Zwei Sachen  sind nötig,  um eine  N a c h-
       f r a g e  (demande) zu konstituieren: die Begierde, eine Ware zu
       haben, und  der Besitz  eines äquivalenten  Objekts, das  man  im
       Austausch geben  kann. Eine  demande bezeichnet die  B e g i e r-
       d e   und das   M i t t e l  zu kaufen. Wenn eines oder das andre
       mangelt, kann  der Ankauf  nicht stattfinden.  Der  Besitz  eines
       äquivalenten  Gegenstandes   ist  die   notwendige  Basis   jeder
       Nachfrage. Vergeblich  wünscht ein  Mensch,  irgendwelche  Gegen-
       stände zu besitzen, wenn er nichts zu geben hat, um sie zu erhal-
       ten. Das  äquivalente Objekt, welches ein Mensch hinzubringt, ist
       das   I n s t r u m e n t   der Nachfrage.  Die Ausdehnung seiner
       Nachfrage mißt  sich am  Wert dieses  Gegenstandes. Die Nachfrage
       und der äquivalente Gegenstand sind die termini, welche man einen
       dem anderen  substituieren kann.  Man hat schon gesehn, daß jeder
       Mensch, welcher  produziert, den  Besitz anderer  Gegenstände er-
       strebt als  dessen, zu  dessen Produktion er konkurriert hat, und
       daß die  Ausdehnung dieses  Strebens, dieser Begierde  g e m e s-
       s e n  ist durch die Totalität seiner Produktion, insofern er sie
       nicht für  seine eigne  Konsumtion behalten  will. Ebenso evident
       ist es,  daß ein  Mensch das,  was er  produziert hat  und  nicht
       selbst konsumieren will, im Austausch für andre Gegenstände geben
       kann. Sein  Wille zu  kaufen und  sein   M i t t e l,   e s   z u
       t u n,  sind also gleich, oder seine Nachfrage ist exakt = seinem
       Totalprodukt, sofern  er es nicht selbst verzehren will." p. 252,
       253.
       
       Mill analysiert  hier mit  seiner gewohnten zynischen Schärfe und
       Klarheit den Austausch auf der Basis des Privateigentums.
       -----
       1*) "Zufuhr und Nachfrage"
       
       #459#  Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
       -----
       Der Mensch  - dies ist die Grundvoraussetzung des Privateigentums
       -   p r o d u z i e r t   nur, um  zu   h a b e n.  Der Zweck der
       Produktion ist  das  H a b e n.  Und nicht nur hat die Produktion
       einen  solchen     n ü t z l i c h e n    Zweck;  sie  hat  einen
       e i g e n n ü t z i g e n   Zweck; der  Mensch produziert nur, um
       für sich zu  h a b e n;  der Gegenstand seiner Produktion ist die
       Vergegenständlichung seines   u n m i t t e l b a r e n,   eigen-
       nützigen   B e d ü r f n i s s e s.   Der Mensch,  für sich  - im
       wilden, barbarischen  Zustand -  hat daher das Maß seiner Produk-
       tion an dem  U m f a n g  seines unmittelbaren Bedürfnisses, des-
       sen Inhalt    u n m i t t e l b a r  der  produzierte  Gegenstand
       selbst ist.
       Der  Mensch   produziert  daher  in  diesem  Zustand    n i c h t
       m e h r,   als er  unmittelbar bedarf.  Die   G r e n z e  s e i-
       n e s  B e d ü r f n i s s e s  ist die  G r e n z e  s e i n e r
       P r o d u k t i o n.   Nachfrage und  Zufuhr  decken  sich  daher
       genau. Seine  Produktion ist   g e m e s s e n   durch  sein  Be-
       dürfnis. In  diesem Fall  findet kein  Austausch statt,  oder der
       Austausch reduziert  sich auf  den Austausch  seiner Arbeit gegen
       das Produkt  seiner Arbeit,  und dieser Austausch ist die latente
       Form Keim 1*) des wirklichen Austausches.
       Sobald der  Austausch stattfindet, findet die Mehrproduktion über
       die unmittelbare Grenze des Besitzes hinaus statt. Diese Mehrpro-
       duktion ist  aber keine Erhebung über das eigennützige Bedürfnis.
       Sie ist  vielmehr nur eine  v e r m i t t e l t e  Weise, ein Be-
       dürfnis, das  nicht unmittelbar in  d i e s e r  Produktion, son-
       dern in  der Produktion  eines andren  seine Vergegenständlichung
       findet, zu  befriedigen. Die  Produktion ist  zur  E r w e r b s-
       q u e l l e,   zur Erwerbsarbeit  geworden. Während  also in  dem
       ersten Verhältnis  das Bedürfnis  das Maß der Produktion ist, ist
       in  dem   2ten  Verhältnis   die  Produktion  oder  vielmehr  der
       B e s i t z   d e s  P r o d u k t e s  das Maß, wieweit sich die
       Bedürfnisse befriedigen können.
       Ich habe  für mich produziert und nicht für dich, wie du für dich
       produziert hast  und nicht  für mich. Das Resultat meiner Produk-
       tion hat  an und für sich ebensowenig Beziehung auf dich, wie das
       Resultat deiner  Produktion eine  unmittelbare Beziehung auf mich
       hat. D.  h. unsere  Produktion ist  2*) keine Produktion des Men-
       schen für  den Menschen  als Menschen,  d.h. keine   g e s e l l-
       s c h a f t l i c h e  Produktion. Als Mensch hat also keiner von
       uns eine  Beziehung des  Genusses auf das Produkt des andren. Als
       Menschen sind  wir nicht  für unsere wechselseitigen Produktionen
       vorhanden. Unser Austausch kann daher auch nicht die vermittelnde
       Bewegung  sein,  worin  es  bestätigt  wurde,  daß  mein  Produkt
       ¦¦XXXII¦  [für]   dich  ist,   weil  es  eine    V e r g e g e n-
       s t ä n d l i c h u n g   deines eignen  Wesens,  deines  Bedürf-
       nisses ist. Denn
       -----
       1*) "Keim" steht  in der  Handschrift über  "Form" -  2*) in  der
       Handschrift: sind
       
       #460# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
       -----
       nicht das  m e n s c h l i c h e  W e s e n  ist das Band unserer
       Produktionen  füreinander.  Der  Austausch  kann  nur  in    B e-
       w e g u n g   setzen, nur bestätigen den  C h a r a k t e r,  den
       jeder von  uns zu  seinem eignen  Produkt, also zu der Produktion
       des andern  hat. Jeder von uns sieht in seinem Produkt nur seinen
       e i g n e n   vergegenständlichten Eigennutz, also in dem Produkt
       des andren  einen   a n d r e n,   von ihm  unabhängigen, fremden
       gegenständlichen Eigennutz.
       Du hast  allerdings als Mensch eine menschliche Beziehung zu mei-
       nem Produkt: du hast das  B e d ü r f n i s  meines Produktes. Es
       ist daher für dich als Gegenstand deiner Begierde und deines Wil-
       lens vorhanden.  Aber dein Bedürfnis, deine Begierde, dein Wollen
       sind ohnmächtiges  Bedürfnis, Begierde,  Wollen für mein Produkt.
       D. h.  also, dein   m e n s c h l i c h e s   und darum auf meine
       menschliche Produktion notwendig in innerlicher Beziehung stehen-
       des Wesen,  ist nicht  deine  M a c h t,  dein Eigentum an dieser
       Produktion,  denn  nicht  die    E i g e n t ü m l i c h k e i t,
       nicht die   M a c h t   des  menschlichen Wesens ist anerkannt in
       meiner Produktion.  Sie sind vielmehr das  B a n d,  welches dich
       mir abhängig macht, weil sie dich in eine Abhängigkeit von meinem
       Produkt versetzen.  Weit entfernt,  daß sie das  M i t t e l  wä-
       ren, welches dir  M a c h t  über meine Produktion gäbe, sind sie
       vielmehr das  M i t t e l,  mir Macht über dich zu geben.
       Wenn ich  m e h r  produziere, als ich unmittelbar selbst von dem
       produzierten Gegenstand  brauchen kann,  so ist meine Mehrproduk-
       tion auf dein Bedürfnis  b e r e c h n e t,  raffiniert. Ich pro-
       duziere nur  dem   S c h e i n   nach ein  Mehr von diesem Gegen-
       stand. Ich  produziere der  Wahrheit nach einen  a n d r e n  Ge-
       genstand, den  Gegenstand deiner  Produktion, den  ich gegen dies
       Mehr auszutauschen  gedenke, ein  Austausch, den  ich in Gedanken
       schon vollzogen habe. Die  g e s e l l s c h a f t l i c h e  Be-
       ziehung, in der ich zu dir stehe, meine Arbeit für dein Bedürfnis
       ist daher  auch ein  bloßer  S c h e i n,  und unsere wechselsei-
       tige Ergänzung  ist ebenfalls  ein bloßer   S c h e i n,  dem die
       wechselseitige Plünderung  zur Grundlage  dient. Die  Absicht der
       P l ü n d e r u n g,  des  B e t r u g s  liegt notwendig im Hin-
       terhalt, denn  da unser Austausch ein eigennütziger ist, von dei-
       ner wie  meiner Seite, da jeder Eigennutz den fremden zu überbie-
       ten sucht,  so suchen  wir uns notwendig zu betrügen. Das Maß der
       Macht, welche  ich meinem Gegenstand über deinen einräume, bedarf
       allerdings, um  zu  einer  wirklichen  Macht  zu  werden,  deiner
       A n e r k e n n u n g.   Unsere wechselseitige  Anerkennung  über
       die wechselseitige  Macht unserer Gegenstände ist aber ein Kampf,
       und im  Kampf siegt,  wer mehr  Energie, Kraft, Einsicht oder Ge-
       wandtheit besitzt.  Reicht die  physische Kraft  hin, so plündere
       ich dich direkt. Ist das Reich der physischen Kraft gebrochen, so
       suchen wir uns wechselseitig einen Schein vorzumachen und der
       
       #461# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
       -----
       Gewandteste übervorteilt den andern. Wer den andern übervorteilt,
       ist für  das   G a n z e    des  Verhältnisses  ein  Zufall.  Die
       i d e e l l e,    g e m e i n t e  Übervorteilung findet auf bei-
       den Seiten statt, d. h. jeder der beiden hat in seinem eignen Ur-
       teil den andren übervorteilt.
       Der Austausch  vermittelt sich  also von  beiden Seiten notwendig
       durch den   G e g e n s t a n d   der  wechselseitigen Produktion
       und des  wechselseitigen Besitzes.  Das ideelle Verhältnis zu den
       wechselseitigen Gegenständen  unserer Produktion  ist  allerdings
       unser wechselseitiges  Bedürfnis. Aber das  r e e l l e,  sich in
       W i r k l i c h k e i t   setzende, das  w a h r e,  sich ausfüh-
       rende Verhältnis  ist nur  der wechselseitige   e x k l u s i v e
       B e s i t z  der wechselseitigen Produktion. Was deinem Bedürfnis
       zu meiner  Sache einen   W e r t,   eine  W ü r d e,  einen  E f-
       f e k t   für mich  gibt, ist  allein dein   G e g e n s t a n d,
       das  Ä q u i v a l e n t  meines Gegenstands. Unser wechselseiti-
       ges Produkt  ist also  das    M i t t e l,    die    V e r m i t-
       t e l u n g,  das  I n s t r u m e n t,  die  a n e r k a n n t e
       M a c h t   unsrer wechselseitigen Bedürfnisse aufeinander. Deine
       N a c h f r a g e   und das    Ä q u i v a l e n t    d e i n e s
       B e s i t z e s  sind   also     g l e i c h b e d e u t e n d e,
       gleich gültige  termini für  mich, und  deine Nachfrage  hat erst
       einen   S i n n,  weil eine Wirkung, wenn sie Sinn und Wirkung in
       bezug auf  mich hat.  Als bloßer Mensch, ohne dies Instrument ist
       deine Nachfrage ein unbefriedigtes Streben deinerseits, ein nicht
       vorhandner Einfall  für mich. Du als Mensch stehst also in keinem
       Verhältnis zu meinem Gegenstande, weil  i c h   s e l b s t  kein
       menschliches Verhältnis  zu ihm  habe. Aber das  M i t t e l  ist
       die   w a h r e   M a c h t   über einen  Gegenstand,  und  daher
       schauen wir wechselseitig unser Produkt als die  M a c h t  eines
       jeden über den andren und über sich selbst an, d. h. unser eignes
       Produkt hat sich auf die Hinterfüße gegen uns gestellt, es schien
       unser Eigentum,  in Wahrheit  aber sind  wir sein  Eigentum.  Wir
       selbst sind  von dem   w a h r e n  Eigentum ausgeschlossen, weil
       unser  E i g e n t u m  den andren Menschen ausschließt.
       Die einzig  verständliche Sprache, die wir zueinander reden, sind
       unsre Gegenstände  in ihrer Beziehung aufeinander. Eine menschli-
       che Sprache  verständen wir  nicht, und sie bliebe effektlos; sie
       würde von  der einen  Seite als  Bitte, als  Flehen ¦¦XXXIII¦ und
       darum als  eine  D e m ü t i g u n g  gewußt, empfunden und daher
       mit Scham, mit dem Gefühl der Wegwerfung vorgebracht, von der an-
       dren Seite  als   U n v e r s c h ä m t h e i t   oder   W a h n-
       w i t z   aufgenommen und zurückgewiesen werden. So sehr sind wir
       wechselseitig  dem   menschlichen  Wesen   entfremdet,  daß   die
       unmittelbare  Sprache   dieses  Wesens   uns  als  eine    V e r-
       l e t z u n g     d e r     m e n s c h l i c h e n    W ü r d e,
       dagegen die  entfremdete Sprache der sachlichen Werte als die ge-
       rechtfertigte, selbstvertrauende  und sichselbstanerkennende men-
       schliche Würde erscheint.
       
       #462# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
       -----
       Allerdings:  In   deinen  Augen   ist  dein  Produkt  ein    I n-
       s t r u m e n t,   ein   M i t t e l    zur  Bemächtigung  meines
       Produkts und  daher zur Befriedigung deines Bedürfnisses. Aber in
       meinen Augen ist es der  Z w e c k,  unsres Austauschs. Du giltst
       mir vielmehr  als Mittel und Instrument zur Produktion dieses Ge-
       genstandes, der  ein Zweck für mich ist, wie du umgekehrt in die-
       sem Verhältnis zu meinem Gegenstand giltst. Aber 1. jeder von uns
       t u t   wirklich das,  als was  der andre  ihn anschaut.  Du hast
       wirklich  dich   zum  Mittel,  zum  Instrument,  zum  Produzenten
       d e i n e s  eignen Gegenstandes gemacht, um dich des meinigen zu
       bemächtigen; 2.  dein eigner Gegenstand ist dir nur die  s i n n-
       l i c h e   H ü l l e,   die   v e r b o r g n e    G e s t a l t
       meines Gegenstandes;  denn  seine  Produktion    b e d e u t e t,
       will   a u s d r ü c k e n:   den   E r w e r b    meines  Gegen-
       standes.  Also   bist  du   in  der   Tat  für  dich  selbst  zum
       M i t t e l,   zum   I n s t r u m e n t  deines Gegenstandes ge-
       worden, dessen   K n e c h t   deine  Begierde ist,  und du  hast
       Knechtsdienste getan,  damit der  Gegenstand deiner  Begierde nie
       wieder eine  Gnade antue.  Wenn diese wechselseitige Knechtschaft
       des Gegenstandes  über uns  im Beginn  der Entwicklung  nun  auch
       wirklich  als  das  Verhältnis  der    H e r r s c h a f t    und
       S k l a v e r e i   erscheint, so  ist das  nur der  r o h e  und
       o f f e n h e r z i g e  Ausdruck unsres  w e s e n t l i c h e n
       Verhältnisses.
       Unser   w e c h s e l s e i t i g e r    Wert  ist  für  uns  der
       W e r t   unsrer wechselseitigen Gegenstände. Also ist der Mensch
       selbst uns wechselseitig  w e r t l o s.
       Gesetzt, wir  hätten als Menschen produziert: Jeder von uns hätte
       in seiner  Produktion sich  selbst und  den andren  d o p p e l t
       b e j a h t.   Ich hätte 1. in meiner  P r o d u k t i o n  meine
       I n d i v i d u a l i t ä t,     ihre    E i g e n t ü m l i c h-
       k e i t   'vergegenständlicht und daher sowohl während der Tätig-
       keit eine  individuelle   L e b e n s ä u ß e r u n g   genossen,
       als im  Anschauen des Gegenstandes die individuelle Freude, meine
       Persönlichkeit  als    g e g e n s t ä n d l i c h e,    s i n n-
       l i c h   a n s c h a u b a r e   und darum   ü b e r   a l l e n
       Z w e i f e l  e r h a b e n e  Macht zu wissen. 2. In deinem Ge-
       nuß oder  deinem Gebrauch  meines Produkts  hätte ich  u n m i t-
       t e l b a r   den Genuß, sowohl des Bewußtseins, in meiner Arbeit
       ein   m e n s c h l i c h e s   Bedürfnis  befriedigt,  also  das
       m e n s c h l i c h e   Wesen vergegenständlicht  und  daher  dem
       Bedürfnis eines  andren   m e n s c h l i c h e n   Wesens seinen
       entsprechenden Gegenstand  verschafft zu  haben, 3.  für dich der
       M i t t l e r  zwischen dir und der Gattung gewesen zu sein, also
       von dir  selbst als  eine Ergänzung  deines eignen Wesens und als
       ein notwendiger  Teil  deiner  selbst  gewußt  und  empfunden  zu
       werden, also sowohl in deinem Denken wie in deiner Liebe mich be-
       stätigt zu  wissen, 4. in meiner individuellen Lebensäußerung un-
       mittelbar deine  Lebensäußerung geschaffen zu haben, also in mei-
       ner individuellen  Tätigkeit unmittelbar  mein wahres Wesen, mein
       m e n s c h l i c h e s,  mein  G e m e i n w e s e n  b e s t ä-
       t i g t  und  v e r w i r k l i c h t  zu haben.
       
       #463# Auszüge aus Mills "Élémens d'économie politique"
       -----
       Unsere Produktionen  wären ebenso viele Spiegel, woraus unser We-
       sen sich entgegenleuchtete.
       Dies Verhältnis  wird dabei  wechselseitig, von  deiner Seite ge-
       schehe, was von meiner gesch[ieht].
       Betrachten wir  die verschiedenen  Momente, wie sie in der Unter-
       stellung erscheinen:
       Meine Arbeit wäre  f r e i e  L e b e n s ä u ß e r u n g,  daher
       G e n u ß  des  L e b e n s.  Unter der Voraussetzung des Privat-
       eigentums ist sie  L e b e n s e n t ä u ß r u n g,  denn ich ar-
       beite,  u m  z u  l e b e n,  um mir ein  M i t t e l  des Lebens
       zu verschaffen. Mein Arbeiten  i s t  n i c h t  Leben.
       Zweitens:  In   der  Arbeit  wäre  daher  die    E i g e n t ü m-
       l i c h k e i t   meiner Individualität,  weil mein  i n d i v i-
       d u e l l e s   Leben bejaht.  Die Arbeit wäre also  W a h r e s,
       t ä t i g e s   E i g e n t u m.   Unter  der  Voraussetzung  des
       Privateigentums  ist  meine  Individualität  bis  zu  dem  Punkte
       entäußert, daß  diese   T ä t i g k e i t   mir    v e r h a ß t,
       eine   Q u a l   und vielmehr  nur der  S c h e i n  einer Tätig-
       keit, darum auch eine nur  e r z w u n g e n e  Tätigkeit und nur
       durch eine  ä u ß e r l i c h e  zufällige Not,  n i c h t  durch
       eine  i n n e r e  n o t w e n d i g e  Not mir auferlegt ist.
       Nur als  das, was meine Arbeit ist, kann sie in meinem Gegenstand
       erscheinen. Sie  kann nicht als das erscheinen, was sie dem Wesen
       nach  n i c h t  ist. Daher erscheint sie nur noch als der gegen-
       ständliche, sinnliche,  angeschaute und  darum über allen Zweifel
       erhabene Ausdruck meines  S e l b s t v e r l u s t e s  und mei-
       ner  O h n m a c h t. ¦XXXIII¦¦ [98]

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