Quelle: MEW 40 Marx: Schriften/Briefe Nov. 1837 bis Aug. 1844

       zurück

       #523#
       -----
       [ZWEITES MANUSKRIPT]
       
       [Das Verhältnis des Privateigentums]
       
       ... ¦¦XL¦ Zinsen seines Kapitals bildet 1*). An dem Arbeiter exi-
       stiert es  also subjektiv, daß das Kapital der sich ganz abhanden
       gekommene Mensch  ist, wie  es am Kapital objektiv existiert, daß
       die Arbeit  der sich  abhanden gekommene  Mensch ist.  Der   A r-
       b e i t e r   hat aber das Unglück, ein  l e b e n d i g e s  und
       daher   b e d ü r f t i g e s   K a p i t a l  zu sein, das jeden
       Augenblick, wo  es nicht  arbeitet, seine  Zinsen und damit seine
       Existenz verliert.  Als Kapital  steigt [der]   W e r t   des Ar-
       beiters nach  Nachfrage und  Zufuhr, und  auch    p h y s i s c h
       ward und  wird gewußt  sein  D a s e i n,  sein  L e b e n  [als]
       eine Zufuhr  von   W a r e   wie jeder  andren Ware. Der Arbeiter
       produziert das  Kapital, das Kapital produziert ihn, er also sich
       selbst, und  der Mensch als  A r b e i t e r,  als  W a r e,  ist
       das Produkt  der ganzen  Bewegung. Dem  Menschen, der nichts mehr
       ist als   A r b e i t e r,  und als Arbeiter sind seine menschli-
       chen Eigenschaften  nur da, insofern sie für das ihm  f r e m d e
       Kapital da  sind. Weil sich aber beide fremd sind, daher in einem
       gleichgültigen, äußerlichen und zufälligen Verhältnisse stehn, so
       mußte diese  Fremdheit auch als  w i r k l i c h  erscheinen. So-
       bald es  also dem  Kapital einfällt - notwendiger oder willkürli-
       cher Einfall  nicht mehr  für den Arbeiter zu sein, ist er selbst
       nicht mehr  für sich,  er bat  keine Arbeit,  darum   k e i n e n
       Lohn, und  da er  nicht   a l s   M e n s c h,   sondern    a l s
       A r b e i t e r   Dasein hat,  so kann  er sich  begraben lassen,
       verhungern etc.  Der Arbeiter  ist nur als Arbeiter da, sobald er
       f ü r   s i c h   als Kapital  da ist, und er ist nur als Kapital
       da, sobald  ein   K a p i t a l  f ü r  i h n  da ist. Das Dasein
       des Kapitals  ist   s e i n  Dasein, sein  L e b e n,  wie es den
       Inhalt seines  Lebens auf  eine ihm gleichgültige Weise bestimmt.
       Die Nationalökonomie kennt daher nicht den unbeschäftigten Arbei-
       ter, den Arbeitsmenschen, soweit er sich außer diesem Arbeitsver-
       hältnis befindet.  Der Spitzbube, Gauner, Bettler, der unbeschäf-
       tigte, der  verhungernde, der elende und verbrecherische Arbeits-
       mensch sind   G e s t a l t e n,   die nicht  f ü r  s i e,  son-
       dern nur für andre Augen, für die des Arztes, des
       -----
       1*) Mit diesen  Worten beginnt  die Seite  XL des  zweiten  Manu-
       skripts; die vorhergehenden Seiten sind nicht erhalten geblieben
       
       #524# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       Richters, des  Totengräbers und  Bettelvogts etc. existieren, Ge-
       spenster außerhalb  ihres Reichs.  Die Bedürfnisse  des Arbeiters
       sind daher  für sie  nur das   B e d ü r f n i s,   i h n  w ä h-
       r e n d  d e r  A r b e i t  zu unterhalten, und so weit, daß das
       A r b e i t e r g e s c h l e c h t   nicht aus[sterbe].  Der Ar-
       beitslohn hat  daher ganz  denselben Sinn  wie  die    U n t e r-
       h a l t u n g,   I n s t a n d e r h a l t u n g    jedes  andren
       produktiven Instruments,  wie die  K o n s u m t i o n  des  K a-
       p i t a l s   überhaupt, deren  es bedarf,  um sich mit Zinsen zu
       reproduzieren, wie das öl, welches an die Räder verwandt wird, um
       sie in  Bewegung zu  halten. Der  Arbeitslohn gehört daher zu den
       nötigen   K o s t e n  des Kapitals und des Kapitalisten und darf
       das Bedürfnis  dieser Not  nicht überschreiten. Es war daher ganz
       konsequent, wenn englische Fabrikherrn vor der Amendment bill von
       1834 [114] die öffentlichen Almosen, die der Arbeiter vermittelst
       der Armentaxe  empfing, von  seinem Arbeitslohn  abzogen und  als
       einen integrierenden Teil desselben betrachteten.
       Die  Produktion  produziert  den  Menschen  nicht  nur  als  eine
       W a r e,   die  M e n s c h e n w a r e,  den Menschen in der Be-
       stimmung der   W a r e,   sie  produziert ihn,  dieser Bestimmung
       entsprechend, als  ein ebenso    g e i s t i g    wie  körperlich
       e n t m e n s c h t e s   Wesen. -  Immoralität, Mißgeburt, Hebe-
       tismus der  Arbeiter und  der Kapitalisten. - Ihr Produkt ist die
       s e l b s t b e w u ß t e  und  s e l b s t t ä t i g e  W a r e,
       ... die   M e n s c h e n w a r e  ... Großer Fortschritt von Ri-
       cardo, Mill  etc. gegen Smith und Say, das  D a s e i n  des Men-
       schen -  die größre oder kleinre Menschenproduktivität der Ware -
       als   g l e i c h g ü l t i g   und sogar   s c h ä d l i c h  zu
       erklären. Nicht, wieviel Arbeiter ein Kapital unterhalte, sondern
       wieviel Zinsen  es bringe,  die Summe  der jährlichen  E r s p a-
       r u n g e n  sei der wahre Zweck der Produktion. Es war ebenfalls
       ein  großer  und  konsequenter  Fortschritt  der  neueren  ¦¦XLI¦
       englischen Nationalökonomie,  daß sie  - welche  die  A r b e i t
       zum   e i n z i g e n   Prinzip  der  Nationalökonomie  erhebt  -
       zugleich mit völliger Klarheit das  u m g e k e h r t e  Verhält-
       nis  zwischen   dem  Arbeitslohn  und  den  Zinsen  des  Kapitals
       auseinandersetzte und  daß der  Kapitalist in  der Regel    n u r
       durch die Herabdrückung des Arbeitslohns, wie umgekehrt, gewinnen
       könne. Nicht  die Übervorteilung  des  Konsumenten,  sondern  die
       wechselseitige Übervorteilung von Kapitalist und Arbeiter sei das
       n o r m a l e   Verhältnis. -  Das Verhältnis des Privateigentums
       enthält in  sich latent  das Verhältnis  des Privateigentums  als
       A r b e i t,   wie das  Verhältnis desselben  als   K a p i t a l
       und die   B e z i e h u n g  dieser beiden Ausdrücke aufeinander.
       Die Produktion der menschlichen Tätigkeit als  A r b e i t,  also
       als einer  sich ganz  fremden, dem  Menschen und der Natur, daher
       dem Bewußtsein und der Lebensäußerung ganz fremden Tätigkeit, die
       a b s t r a k t e     Existenz  des  Menschen  als  eines  bloßen
       A r b e i t s m e n s c h e n,  der daher täglich
       
       #525# Das Verhältnis des Privateigentums
       -----
       aus seinem  erfüllten Nichts in das absolute Nichts, sein gesell-
       schaftliches und  darum sein  wirkliches Nichtdasein hinabstürzen
       kann -  wie andrerseits  die Produktion des Gegenstandes der men-
       schlichen Tätigkeit  als   K a p i t a l,   worin alle natürliche
       und gesellschaftliche  Bestimmtheit des  Gegenstandes  a u s g e-
       l ö s c h t  ist, das Privateigentum seine natürliche und gesell-
       schaftliche  Qualität   (also  alle  politischen  und  geselligen
       Illusionen  verloren   hat  und  mit  keinen    s c h e i n b a r
       menschlichen Verhältnissen  vermischt ist)  verloren hat  - worin
       auch  d a s s e l b e  Kapital in dem verschiedenartigsten natür-
       lichen und  gesellschaftlichen Dasein   d a s s e l b e   bleibt,
       vollkommen gleichgültig gegen seinen  w i r k l i c h e n  Inhalt
       ist - dieser Gegensatz auf die Spitze getrieben ist notwendig die
       Spitze, die Höhe und der Untergang des ganzen Verhältnisses.
       Es  ist  daher  wieder  eine  große  Tat  der  neuern  englischen
       Nationalökonomie, die  Grundrente als  den Unterschied der Zinsen
       des schlechtesten  der Kultur  angehörigen Landes und der des be-
       sten Kulturlandes  angegeben, die  romantischen Einbildungen  des
       Grundeigentümers -  seine angeblich  soziale Wichtigkeit  und die
       Identität seines  Interesses mit  dem Interesse der Gesellschaft,
       die  noch   nach  den   Physiokraten  Adam   Smith  behauptet   -
       [nachgewiesen] 1*)  und die Bewegung der Wirklichkeit antizipiert
       und vorbereitet  zu [haben] 1*), die den Grundeigentümer in einen
       ganz gewöhnlichen,  prosaischen Kapitalisten  verwandeln, dadurch
       den Gegensatz  vereinfachen, zuspitzen  und damit seine Auflösung
       beschleunigen  wird.   Die     E r d e     als    E r d e,    die
       G r u n d r e n t e   als  G r u n d r e n t e  haben damit ihren
       S t a n d e s u n t e r s c h i e d     verloren  und   sind  zum
       nichtssagenden oder vielmehr nur geldsagenden  K a p i t a l  und
       I n t e r e s s e   geworden. -  Der   U n t e r s c h i e d  von
       Kapital und  Erde, von  Gewinn und Grundrente, wie beider vom Ar-
       beitslohn, von  der   I n d u s t r i e,  von der  A g r i k u l-
       t u r,   [von] dem   u n b e w e g l i c h e n   und   b e w e g-
       l i c h e n     Privateigentum  ist   ein  noch    h i s t o r i-
       s c h e r,  nicht im Wesen der Sache begründeter Unterschied, ein
       f i x i e r t e s   geschichtliches  Bildungs-  und  Entstehungs-
       moment des  Gegensatzes von  Kapital und Arbeit. In der Industrie
       etc. im  Gegensatz zum  unbeweglichen Grundeigentum  ist nur  die
       Entstehungsweise und der Gegensatz, in dem sich die Industrie zur
       Agrikultur ausgebildet  hat, ausgedrückt.  Als eine    b e s o n-
       d r e   Art der  Arbeit, als  ein  w e s e n t l i c h e r,  g e-
       w i c h t i g e r,  das  L e b e n  u m f a s s e n d e r  Unter-
       schied besteht dieser Unterschied nur, solange die Industrie (das
       Stadtleben)   g e g e n ü b e r    dem  Landbesitz  (dem  adligen
       Feudal 2*)-Leben)  sich bildet  und noch  den feudalen  Charakter
       ihres Gegensatzes an sich selbst in der Form des Monopols, Zunft,
       Gilde, Korporation etc. trägt, innerhalb welcher Bestimmungen
       -----
       1*) Manuskript beschädigt - 2*) "Feudal" steht in der Handschrift
       über "adligen"
       
       #526# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       die Arbeit noch eine  s c h e i n b a r  g e s e l l s c h a f t-
       l i c h e  Bedeutung, noch die Bedeutung des  w i r k l i c h e n
       Gemeinwesens hat, noch nicht zur  G l e i c h g ü l t i g k e i t
       gegen ihren  Inhalt und  zum völligen Sein für sich selbst, d. h.
       zur Abstraktion  von allem andren Sein, und darum auch noch nicht
       zum  f r e i g e l a ß n e n  Kapital fortgegangen ist.
       ¦¦XLII¦ Aber  die notwendige   E n t w i c k l u n g   der Arbeit
       ist die  freigelaßne, als solche für sich konstituierte  I n d u-
       s t r i e   und das   f r e i g e l a ß n e   K a p i t a l.  Die
       Macht der  Industrie über  ihren Gegensatz zeigt sich sogleich in
       der Entstehung  der   A g r i k u l t u r   als einer  wirklichen
       Industrie, während  sie früher die Hauptarbeit dem Boden überließ
       und dem   S k l a v e n  dieses Bodens, durch welchen dieser sich
       selbst  baute.   Mit  der   Verwandlung  des   Sklaven  in  einen
       f r e i e n   Arbeiter, d.h.  in einen  S ö l d l i n g,  ist der
       Grundherr an  sich in  einen Industrieherrn,  einen  Kapitalisten
       verwandelt, eine  Verwandlung, die zunächst durch das Mittelglied
       des  P ä c h t e r s  geschieht. Aber der  P ä c h t e r  ist der
       Repräsentant, das  offenbarte  G e h e i m n i s  des Grundeigen-
       tümers; nur  durch  ihn  ist    s e i n    n a t i o n a l ö k o-
       n o m i s c h e s   Dasein, sein  Dasein als  Privateigentümer  -
       denn die  Grundrente seiner Erde ist nur durch die Konkurrenz der
       Pächter. -  Also   i s t    der  Grundherr  wesentlich  schon  im
       P ä c h t e r   ein   g e m e i n e r   Kapitalist, geworden. Und
       dies muß  sich auch in der Wirklichkeit vollziehn, der Agrikultur
       treibende Kapitalist  - der  Pächter -  muß Grundherr werden oder
       umgekehrt. Der   I n d u s t r i e s c h a c h e r   des Pächters
       ist der des  G r u n d e i g e n  t ü m e r s,  denn das Sein des
       ersten setzt das Sein des zweiten. -
       Aber ihrer  gegensätzlichen Entstehung sich erinnernd, ihrer Her-
       kunft -  der Grundeigentümer  weiß den  Kapitalisten  als  seinen
       übermütigen, freigelaßnen,  bereicherten Sklaven  von gestern und
       sieht sich selbst als  K a p i t a l i s t  durch jenen bedroht -
       der Kapitalist weiß den Grundeigentümer als den nichtstuenden und
       grausamen egoistischen 1*) Herrn von gestern, er weiß, daß er ihn
       als Kapitalist  beeinträchtigt, doch  der Industrie  seine  ganze
       jetzige gesellschaftliche  Bedeutung, seine Habe und seinen Genuß
       verdankt, er sieht in ihm einen Gegensatz der  f r e i e n  Indu-
       strie und des  f r e i e n,  von jeder Naturbestimmung unabhängi-
       gen Kapitals  - dieser  Gegensatz ist höchst bitter und sagt sich
       wechselseitig die  Wahrheit. Man braucht nur die Angriffe des un-
       beweglichen Eigentums  auf das bewegliche und umgekehrt zu lesen,
       um sich von ihrer wechselseitigen Nichtswürdigkeit ein anschauli-
       ches Bild  zu verschaffen.  Der  Grundeigentümer  macht  den  Ge-
       burtsadel seines Eigentums, die feudalen Souvenirs, Reminiszenzen
       2*), die
       -----
       1*) "egoistischen" steht  in der  Handschrift über  "grausamen" -
       2*) "Reminiszenzen" steht in der Handschrift über "Souvenirs"
       
       #527# Das Verhältnis des Privateigentums
       -----
       Poesie der  Erinnerung, sein schwärmerisches Wesen, seine politi-
       sche Wichtigkeit  etc. geltend,  und wenn  sie nationalökonomisch
       sprechen: der  Landbau sei   a l l e i n  produktiv. Er schildert
       zugleich seinen Gegner als einen schlauen, feilbietenden, mäkeln-
       den, betrügerischen,  habsüchtigen, verkäuflichen, empörungssüch-
       tigen, Herz-  und Geistlosen,  dem Gemeinwesen  entfremdeten  und
       frei es verschachernden, wuchernden, kuppelnden, sklavischen, ge-
       schmeidigen, schöntuenden,  prellenden, trocknen,  die Konkurrenz
       und daher  den Pauperismus  und den  verbrechenden, die Auflösung
       aller  sozialen   Bande  erzeugenden,   nährenden,   hätschelnden
       G e l d s c h u r k e n ohne  Ehre, ohne Grundsätze, ohne Poesie,
       ohne Substanz,  ohne alles.  (Siehe unter andern den Physiokraten
       Bergasse,   den  Camille  Desmoulins  schon  in  seinem  Journal:
       "Révolutions de  France et  de Brabant" geißelt, siehe v. Vincke,
       Lancizolle, Haller,  Leo, Kosegarten  *) und siehe Sismondi.) Das
       bewegliche Eigentum  seinerseits zeigt  auf die  Wunder der Indu-
       strie und der Bewegung, es ist das Kind der modernen Zeit und ihr
       berechtigter eingeborener  Sohn; es  bedauert seinen  Gegner  als
       einen über  sein Wesen  u n a u f g e k l ä r t e n  (und das ist
       vollkommen richtig)  Schwachkopf, der  an die  Stelle des morali-
       schen Kapitals und der freien Arbeit die rohe unmoralische Gewalt
       und die  Leibeigenschaft setzen wolle; es schildert ihn als einen
       Don Quixote,  der unter  dem Schein der  G r a d h e i t,  B i e-
       d e r h e i t,   des  a l l g e m e i n e n  I n t e r e s s e s,
       des  B e s t a n d e s  die Bewegungsunfähigkeit, die habsüchtige
       Genußsucht, die  Selbstsucht, das  Sonderinteresse, die schlechte
       Absicht verstecke;  es erklärt  ihn für einen durchtriebnen  M o-
       n o p o l i s t e n;   seine Reminiszenzen,  seine Poesie,  seine
       Schwärmerei dämpft  es durch  eine historische  und  sarkastische
       Aufzählung  der   Niederträchtigkeit,  Grausamkeit,   Wegwerfung,
       Prostitution, Infamie,  Anarchie, Empörung, deren Werkstätten die
       romantischen Schlösser waren.
       ¦¦XLIII¦ Es habe der Welt die politische Freiheit verschafft, die
       Fesseln der  bürgerlichen Gesellschaft gelöst, die Welten mitein-
       ander verbunden,  den menschenfreundlichen  Handel, die reine Mo-
       ral, die gefällige Bildung
       ---
       *) Sieh  (auf der  andern Seite)  den  gespreizten  althegelschen
       Theologen Funke,  der mit  Tränen in den Augen nach Herrn Leo er-
       zählt, wie  ein Sklave,  bei der  Aufhebung der  Leibeigenschaft,
       sich geweigert  habe, aufzuhören  ein adliges  Eigentum zu  sein.
       Siehe auch  Justus Mösers  patriotische Phantasien,  die sich da-
       durch auszeichnen,  daß sie  nicht einen Augenblick [...] 1*) den
       biedern,    kleinbürgerlichen    "hausbackenen",    gewöhnlichen,
       bornierten Horizont  des Philisters  verlassen und  dennoch reine
       Phantastereien sind.  Dieser Widerspruch  hat sie  so ansprechend
       für das deutsche Gemüt gemacht.
       -----
       1*) In der Handschrift einige Wörter nicht zu entziffern
       
       #528# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       geschaffen; es  habe den Volk statt seiner rohen zivilisierte Be-
       dürfnisse und  die Mittel ihrer Befriedigung gegeben, während der
       Grundeigentümer -  dieser untätige und nur genante Kornwucherer -
       dem Volk  die ersten Lebensmittel verteure, dadurch den Kapitali-
       sten zwinge,  den Arbeitslohn  zu erhöhen,  ohne die Produktions-
       kraft erhöhen  zu können,  so das jährliche Einkommen der Nation,
       die Akkumulation  der Kapitalien,  also die Möglichkeit, dem Volk
       Arbeit und  dem Land  Reichtum zu verschaffen, verhindre, endlich
       ganz  aufhebe,   einen  allgemeinen   Untergang  herbeiführe  und
       a l l e   Vorteile der modernen Zivilisation wucherisch ausbeute,
       ohne das Geringste für sie zu tun und gar ohne von seinen Feudal-
       vorurteilen  abzulassen.   Endlich  solle   er  nur   auf  seinen
       P ä c h t e r   sehn -  er, für  den der  Landbau und  der  Boden
       selbst nur  als eine ihm geschenkte Geldquelle existiert - und er
       solle sagen,  ob er nicht ein  b i e d r e r,  p h a n t a s t i-
       s c h e r,   s c h l a u e r   Schurke sei, der im Herzen und der
       Wirklichkeit nach  der   f r e i e n  Industrie und dem  l i e b-
       l i c h e n   Handel schon  längst angehöre,  sosehr er sich auch
       dagegen sträube  und soviel  er von historischen Erinnerungen und
       sittlichen oder  politischen  Zwecken  plaudere.  Alles,  was  er
       wirklich zu  seinen Gunsten  vorbringe,  sei  nur  wahr  für  den
       L a n d b a u e r   (den Kapitalisten  und  die  Arbeitsknechte),
       deren Feind  vielmehr der  G r u n d e i g e n t ü m e r  sei; er
       beweise also  gegen sich  selbst.    O h n e    Kapital  sei  das
       Grundeigentum tote, wertlose Materie. Sein zivilisierter Sieg sei
       es eben, an die Stelle des toten Dings die menschliche Arbeit als
       Quelle des  Reichtums entdeckt  und geschaffen  zu haben.  (Siehe
       Paul-Louis Courier,  St. Simon, Ganilh, Ricardo, Mill, MacCulloch
       und Destutt de Tracy und Michel Chevalier.)
       Aus dem  w i r k l i c h e n  Lauf der Entwicklung (hier einzufü-
       gen) folgt  der notwendige  Sieg  des    K a p i t a l i s t e n,
       d.h. des  ausgebildeten Privateigentums  über das unausgebildete,
       halbe, den   G r u n d e i g e n t ü m e r,   wie überhaupt schon
       die Bewegung  über die Unbeweglichkeit, die offene, selbstbewußte
       Gemeinheit über  die  versteckte  und  bewußtlose,  die    H a b-
       s u c h t   über die    G e n u ß s u c h t,    der  eingestanden
       rastlose, vielgewandte  Eigennutz der   A u f k l ä r u n g  über
       den lokalen,  weltklugen,  biederen,  trägen  und  phantastischen
       E i g e n  n u t z   d e s   A b e r g l a u b e n s,    wie  das
       G e l d  über die andre Form des Privateigentums siegen muß. -
       Die Staaten,  welche etwas  von der Gefahr der vollendeten freien
       Industrie, der  vollendeten reinen Moral und dem vollendeten men-
       schenfreundlichen Handel  ahnen, suchen  die Kapitalisierung  des
       Grundeigentums - aber ganz vergeblich - aufzuhalten. -
       Das   G r u n d e i g e n t u m,   in seinem Unterschied von dein
       Kapital, ist  das Privateigentum,  das Kapital noch von  l o k a-
       l e n und politischen Vorurteilen
       
       #529# Das Verhältnis des Privateigentums
       -----
       behaftet, das  noch nicht  ganz aus  seiner Verstrickung  mit der
       Welt zu  sich selbst gekommene, das noch  u n v o l l e n d e t e
       Kapital. Es muß im Laufe seiner  W e l t b i l d u n g  zu seinem
       abstrakten, d. h.  r e i n e n  Ausdruck gelangen. -
       Das Verhältnis  des   P r i v a t e i g e n t u m s   ist Arbeit,
       Kapital und die Beziehung beider. Die Bewegung, die diese Glieder
       zu durchlaufen haben, sind:
       Erstens - unmittelbare oder vermittelte Einheit beider.
       Kapital und Arbeit erst noch vereint; dann zwar getrennt und ent-
       fremdet, aber  sich wechselseitig als  p o s i t i v e  Bedingun-
       gen hebend und fördernd.
       [Zweitens -]  Gegensatz beider. Schließen sich wechselseitig aus;
       der Arbeiter  weiß den Kapitalisten und umgekehrt als sein Nicht-
       dasein; jeder sucht dem andren sein Dasein zu entreißen.
       [Drittens -]  Gegensatz jedes   g e g e n  sich selbst. Kapital =
       aufgehäufter Arbeit  = Arbeit.  Als solche zerfallend in  s i c h
       und seine   Z i n s e n,  wie diese wieder in  Z i n s e n  u n d
       G e w i n n.   Restlose Aufopferung des Kapitalisten. Er fällt in
       die Arbeiterklasse,  wie der  Arbeiter - aber nur ausnahmsweise -
       Kapitalist  wird.   Arbeit  als   Moment  des   Kapitals,   seine
       K o s t e n.  Also der Arbeitslohn ein Opfer des Kapitals.
       Arbeit zerfallen  in   s i c h   und den   A r b e i t s l o h n.
       Arbeiter selbst ein Kapital, eine Ware.
       Feindlicher wechselseitiger Gegensatz. ¦XLIII¦¦
       

       zurück