Quelle: MEW 40 Marx: Schriften/Briefe Nov. 1837 bis Aug. 1844


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       [DRITTES MANUSKRIPT]
       
       [Privateigentum und Arbeit]
       
       ¦¦I¦ ad  pag. XXXVI.  [115] Das   s u b j e k t i v e   W e s e n
       des Privateigentums,  das   P r i v a t e i g e n t u m   als für
       sich seiende  Tätigkeit, als   S u b j e k t,   als   P e r s o n
       ist die  A r b e i t.  Es versteht sich also, daß erst die Natio-
       nalökonomie, welche  die  A r b e i t  als ihr Prinzip erkannte -
       Adam Smith  -, also  nicht mehr  das Privateigentum  nur mehr als
       einen   Z u s t a n d   außer dem Menschen wußte daß diese Natio-
       nalökonomie sowohl  als ein Produkt der wirklichen  E n e r g i e
       und   B e w e g u n g   des Privateigentums (sie ist die für sich
       im Bewußtsein gewordne selbständige Bewegung des Privateigentums,
       die moderne Industrie als Selbst) zu betrachten ist, als ein Pro-
       dukt der  modernen   I n d u s t r i e,   wie sie andrerseits die
       Energie und  Entwicklung dieser  I n d u s t r i e  beschleunigt,
       verherrlicht, zu  einer Macht des  B e w u ß t s e i n s  gemacht
       hat. Als   F e t i s c h d i e n e r,   als   K a t h o l i k e n
       erscheinen daher  dieser aufgeklärten  Nationalökonomie, die  das
       s u b j e k t i v e   W e s e n   des Reichtums  - innerhalb  des
       Privateigentums -  entdeckt hat,  die Anhänger des Geld- und Mer-
       kantilsystems,  welche   das  Privateigentum   als  ein     n u r
       g e g e n s t ä n d l i c h e s   Wesen für  den Menschen wissen.
       E n g e l s   hat daher  mit Recht  Adam Smith  den    n a t i o-
       n a l ö k o n o m i s c h e n   L u t h e r   genannt. [116]  Wie
       Luther als  das Wesen  der äußerlichen   W e l t   die   R e l i-
       g i o n,  den  G l a u b e n  erkannte und daher dem katholischen
       Heidentum gegenübertrat,  wie er  die   ä u ß e r e  Religiosität
       aufhob, indem  er die  Religiosität zum   i n n e r n   Wesen des
       Menschen machte,  wie er  die außer  dem Laien vorhandnen Pfaffen
       negierte, weil er den Pfaffen in das Herz der Laien versetzte, so
       wird der außer dem Menschen befindliche und von ihm unabhängige -
       also  nur   auf  eine  äußerliche  Weise  zu  erhaltende  und  zu
       behauptende - Reichtum aufgehoben, d. h., diese seine  ä u ß e r-
       l i c h e   g e d a n k e n l o s e  G e g e n s t ä n d l i c h-
       k e i t   wird aufgehoben,  indem sich  das Privateigentum inkor-
       poriert im  Menschen selbst  und der Mensch selbst als sein Wesen
       erkannt -  aber darum  der Mensch  selbst in  der Bestimmung  des
       Privateigentums wie  bei Luther  der Religion gesetzt wird. Unter
       dem Schein einer Anerkennung des Menschen
       
       #531# Privateigentum und Arbeit
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       ist also die Nationalökonomie, deren Prinzip die Arbeit, vielmehr
       nur die  konsequente Durchführung  der Verleugnung  des Menschen,
       indem er  selbst nicht  mehr in einer äußerlichen Spannung zu dem
       äußerlichen Wesen  des Privateigentums  steht, sondern  er selbst
       dies gespannte Wesen des Privateigentums geworden ist. Was früher
       S i c h ä u ß e r l i c h s e i n,   reale Entäußerung  des  Men-
       schen, ist nur zur Tat der Entäußerung, zur Veräußerung geworden.
       Wenn also  jene Nationalökonomie unter dem Schein der Anerkennung
       des Menschen,  seiner Selbständigkeit,  Selbsttätigkeit etc.  be-
       ginnt und, wie sie in das Wesen des Menschen selbst das Privatei-
       gentum versetzt,  nicht mehr  durch die  lokalen, nationalen etc.
       B e s t i m m u n g e n    d e s    P r i v a t e i g e n t u m s
       als eines   a u ß e r   i h r   e x i s t i e r e n d e n    W e-
       s e n s   bedingt sein  kann, also  eine   k o s m o p o l i t i-
       s c h e,   allgemeine, jede Schranke, jedes Band umwerfende Ener-
       gie entwickelt,  um sich  als die   e i n z i g e   Politik, All-
       gemeinheit, Schranke  und Band  an die  Stelle zu setzen - so muß
       sie  bei  weitrer  Entwicklung  diese    S c h e i n h e i l i g-
       k e i t   abwerfen, in  ihrem  g a n z e n  Z y n i s m u s  her-
       vortreten, und  sie tut  dies, indem  sie -  unbekümmert um  alle
       scheinbaren Widersprüche, worin diese Lehre sie verwickelt - viel
       e i n s e i t i g e r,   darum  s c h ä r f e r  und  k o n s e -
       q u e n t e r   die   A r b e i t   als das  einzige    W e s e n
       d e s   R e i c h t u m s   entwickelt, die  Konsequenzen  dieser
       Lehre im  Gegensatz zu  jener ursprünglichen  Auffassung vielmehr
       als   m e n s c h e n f e i n d l i c h e   nachweist und endlich
       dem letzten,  i n d i v i  d u e l l e n,  n a t ü r l i c h e n,
       unabhängig von  der Bewegung  der Arbeit existierenden Dasein des
       Privateigentums und  Quelle  des  Reichtums  -  der    G r u n d-
       r e n t e,   diesem schon  ganz nationalökonomisch  gewordnen und
       daher gegen  die Nationalökonomie  widerstandsunfähigen  Ausdruck
       des Feudaleigentums  - den  Todesstoß gibt.  (Schule  des    R i-
       c a r d o.)   Nicht nur  wächst der   Z y n i s m u s  der Natio-
       nalökonomie relativ von Smith über Say bis zu Ricardo, Mill etc.,
       insofern die  Konsequenzen der   I n d u s t r i e   den letztern
       entwickelter und widerspruchsvoller vor die Augen treten, sondern
       auch positiv  gehn sie  immer und  mit Bewußtsein  weiter in  der
       Entfremdung gegen  den Menschen  als ihr  Vorgänger, aber  n u r,
       weil ihre  Wissenschaft sich  konsequenter und wahrer entwickelt.
       Indem sie  das  Privateigentum  in  seiner  tätigen  Gestalt  zum
       Subjekt machen, also zugleich den Menschen zum Wesen und zugleich
       den Menschen  als ein Unwesen zum Wesen machen, so entspricht der
       Widerspruch der  Wirklichkeit vollständig  dem widerspruchsvollen
       Wesen, das  sie als  Prinzip erkannt  haben. Die  zerrißne  ¦¦II¦
       W i r k l i c h k e i t   der   I n d u s t r i e   bestätigt ihr
       i n   s i c h   z e r r i ß n e s   Prinzip, weit entfernt, es zu
       widerlegen. Ihr  Prinzip ist ja das Prinzip dieser Zerrissenheit.
       -
       Die physiokratische Lehre von Dr. Quesnay bildet den Übergang aus
       dem Merkantilsystem  zu Adam  Smith. Die  P h y s i o k r a t i e
       ist unmittelbar die
       
       #532# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       n a t i o n a l ö k o n o m i s c h e  Auflösung des Feudaleigen-
       tums, aber  darum ebenso  unmittelbar die  n a t i o n a l ö k o-
       n o m i s c h e   U m w a n d l u n g,    Wiederherstellung  des-
       selben, nur  daß seine  Sprache nun  nicht mehr  feudal,  sondern
       ökonomisch wird.  Aller Reichtum  wird aufgelöst  in die  E r d e
       und den   L a n d b a u   (Agrikultur).  Die Erde  ist noch nicht
       K a p i t a l,   sie ist noch eine  b e s o n d r e  Daseinsweise
       desselben, die  in ihrer  und um  ihrer natürlichen  Besonderheit
       w i l l e n  gelten soll; aber die Erde ist doch ein allgemeines,
       natürliches   E l e m e n t,  während das Merkantilsystem nur das
       e d l e   M e t a l l   als Existenz  des  Reichtums  kennt.  Der
       G e g e n s t a n d   des  Reichtums,  seine  Materie,  hat  also
       sogleich die  höchste Allgemeinheit  innerhalb  der    N a t u r-
       g r e n z e   - insofern  er noch als  N a t u r  unmittelbar ge-
       genständlicher Reichtum  ist -  erhalten. Und  die Erde  ist  nur
       durch die  Arbeit, die Agrikultur für den  M e n s c h e n.  Also
       wird schon  das subjektive  Wesen des  Reichtums  in  die  Arbeit
       versetzt. Aber  zugleich ist  die  Agrikultur  die    e i n z i g
       p r o d u k t i v e   Arbeit. Also  ist die  Arbeit noch nicht in
       ihrer Allgemeinheit  und Abstraktion  gefaßt, sie ist noch an ein
       besondres  N a t u r e l e m e n t  a l s  i h r e  M a t e r i e
       gebunden, sie  ist daher  auch nur  noch  in  einer    b e s o n-
       d e r e n  n a t u r b e s t i m m t e n  D a s e i n s w e i s e
       erkannt. Sie  ist daher erst eine  b e s t i m m t e,  b e s o n-
       d r e   Entäußerung des  Menschen, wie  ihr Produkt  noch als ein
       bestimmter - mehr noch der Natur als ihr selbst anheimfallender -
       Reichtum gefaßt  ist. Die  Erde wird  hier noch  als von Menschen
       unabhängiges Naturdasein anerkannt, noch nicht als Kapital, d. h.
       als ein  Moment der  Arbeit selbst. Vielmehr erscheint die Arbeit
       als   i h r   Moment.  Indem  aber  der  Fetischismus  des  alten
       äußerlichen, nur  als Gegenstand  existierenden Reichtums auf ein
       sehr einfaches  Naturelement reduziert und sein Wesen schon, wenn
       auch erst  teilweise, auf  eine besondre  Weise in seiner subjek-
       tiven Existenz anerkannt ist, ist der notwendige Fortschritt, daß
       das   a l l g e m e i n e   W e s e n   des Reichtums erkannt und
       daher die  A r b e i t  in ihrer vollständigen Absolutheit, d. h.
       Abstraktion, zum   P r i n z i p   erhoben wird. Es wird der Phy-
       siokratie bewiesen, daß die  A g r i k u l t u r  in ökonomischer
       Hinsicht,  also   der  einzig  berechtigten,  von  keiner  andren
       Industrie verschieden  sei, also  nicht eine    b e s t i m m t e
       Arbeit, eine  an ein  besondres Element  gebundne, eine  besondre
       Arbeitsäußerung, sondern die  A r b e i t  ü b e r h a u p t  das
       W e s e n  des Reichtums sei.
       Die Physiokratie leugnet den  b e s o n d r e n  äußerlichen, nur
       gegenständlichen  Reichtum,   indem  sie   die  Arbeit  für  sein
       W e s e n   erklärt. Aber zunächst ist die Arbeit für sie nur das
       s u b j e k t i v e   W e s e n  des Grundeigentums (sie geht von
       der Art  des Eigentums aus, welche historisch als die herrschende
       und anerkannte  erscheint); sie  läßt nur  das Grundeigentum  zum
       e n t ä u ß e r t e n   M e n s c h e n   werden. Sie hebt seinen
       Feudalcharakter auf, indem sie die
       
       #533# Privateigentum und Kommunismus
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       I n d u s t r i e   (Agrikultur) für  sein   W e s e n   erklärt;
       aber sie  verhält sich  leugnend zur  Welt der Industrie, sie er-
       kennt das Feudalwesen an, indem sie die  A g r i k u l t u r  für
       die  e i n z i g e  Industrie erklärt.
       Es versteht sich, daß, sobald nun das   s u b j e k t i v e  W e-
       s e n   der im  Gegensatz zum  Grundeigentum, d.h. als Industrie,
       sich konstituierenden  Industrie, gefaßt wird, dieses Wesen jenen
       seinen Gegensatz  in sich einschließt. Denn wie die Industrie das
       aufgehobne Grundeigentum,  so umfaßt  ihr    s u b j e kt i v e s
       Wesen zugleich  s e i n  subjektives Wesen.
       Wie das Grundeigentum die erste Form des Privateigentums ist, wie
       die Industrie  ihr bloß  als  eine  besondre  Art  des  Eigentums
       zunächst historisch entgegentritt - oder vielmehr der freigelaßne
       Sklave des  Grundeigentums ist -, so wiederholt sich bei der wis-
       senschaftlichen Erfassung des  s u b j e k  t i v e n  Wesens des
       Privateigentums, der  A r b e i t,  dieser Prozeß, und die Arbeit
       erscheint zuerst  nur als  L a n d b a u a r b e i t,  macht sich
       dann aber  a l s  A r b e i t  überhaupt geltend.
       ¦¦III¦ Aller  Reichtum ist zum  i n d u s t r i e l l e n  Reich-
       tum, zum  R e i c h t u m  der Arbeit geworden, und die  I n d u-
       s t r i e   ist die  vollendete Arbeit,  wie das    F a b r i k -
        w e s e n  das ausgebildete Wesen der  I n d u s t r i e,  d. h.
       der Arbeit  ist und  das  i n  d u s t r i e l l e  K a p i t a l
       die vollendete objektive Gestalt des Privateigentums ist. -
       Wir sehn,  wie auch  nun erst das Privateigentum seine Herrschaft
       über den Menschen vollenden und in allgemeinster Form zur weltge-
       schichtlichen Macht werden kann. -
       
       [Privateigentum und Kommunismus]
       
       * ad pag. XXXIX. [115] Aber der Gegensatz von  E i g e n t u m s-
       l o s i g k e i t  und  E i g e n t u m  ist ein noch indifferen-
       ter, nicht  in seiner   t ä t i g e n  B e z i e h u n g,  seinem
       i n n e r n   Verhältnis, noch  nicht als   W i d e r s p r u c h
       gefaßter Gegensatz,  solange  er  nicht  als  der  Gegensatz  der
       A r b e i t   und des  K a p i t a l s  begriffen wird. Auch ohne
       die fortgeschrittne  Bewegung des  Privateigentums, im alten Rom,
       in der  Türkei etc.,  kann dieser  Gegensatz in  der  e r s t e n
       Gestalt sich  aussprechen. So   e r s c h e i n t   er noch nicht
       als durch das Privateigentum selbst gesetzt. Aber die Arbeit, das
       subjektive  Wesen   des  Privateigentums  als  Ausschließung  des
       Eigentums,  und  das  Kapital,  die  objektive  Arbeit  als  Aus-
       schließung der  Arbeit, ist das  P r i v a t e i g e n t u m  als
       sein entwickeltes  Verhältnis des  Widerspruchs, darum  ein ener-
       gisches, zur Auflösung treibendes Verhältnis.
       ** ad  ibidem. [115]  Die Aufhebung  der Selbstentfremdung  macht
       denselben Weg  wie die  Selbstentfremdung. Erst  wird das  P r i-
       v a t e i g e n t u m  nur in
       
       #534# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       seiner objektiven  Seite -  aber doch die Arbeit als sein Wesen -
       betrachtet. Seine  Daseinsform ist daher das  K a p i t a l,  das
       "als solches"  aufzuheben ist  (Proudhon). Oder die  b e s o n d-
       r e   W e i s e   der Arbeit  - als nivellierte, parzellierte und
       darum unfreie  Arbeit -  wird als  die  Quelle  der    S c h ä d-
       l i c h k e i t   des  Privateigentums  und  seines  menschenent-
       fremdeten Daseins  gefaßt -  Fourier, der  den Physiokraten  ent-
       sprechend auch  wieder die  L a n d b a u a r b e i t  wenigstens
       als die   a u s g e z e i c h n e t e  faßt, während St. Simon im
       Gegensatz die   I n d u s t r i e a r b e i t  als solche für das
       Wesen erklärt und nun auch die  a l l e i n i g e  Herrschaft der
       Industriellen und die Verbesserung der Lage der Arbeiter begehrt.
       Der   K o m m u n i s m u s   endlich ist  der    p o s i t i v e
       Ausdruck des  aufgehobnen Privateigentums,  zunächst das   a l l-
       g e m e i n e  Privateigentum. Indem er dies Verhältnis in seiner
       A l l g e m e i n h e i t  faßt, ist er
       1. in seiner  ersten Gestalt  nur  eine    V e r a l l g e m e i-
       n e r u n g   und   V o l l e n d u n g    desselben; als  solche
       zeigt er sich in doppelter Gestalt: einmal ist die Herrschaft des
       s a c h l i c h e n   Eigentums so  groß ihm  gegenüber,  daß  er
       a l l e s   vernichten will,  was nicht  fähig ist,  als   P r i-
       v a t e i g e n t u m   von allen  besessen [zu]  werden; er will
       auf  g e w a l t s a m e  Weise von Talent etc. abstrahieren. Der
       physische, unmittelbare  B e s i t z  gilt ihm als einziger Zweck
       des Lebens  und Daseins;  die Bestimmung  des   A r b e i t e r s
       wird nicht  aufgehoben, sondern auf alle Menschen ausgedehnt; das
       Verhältnis des  Privateigentums bleibt  das  Verhältnis  der  Ge-
       meinschaft zur  Sachenwelt; endlich  spricht sich diese Bewegung,
       dem  Privateigentum   das  allgemeine   Privateigentum  entgegen-
       zustellen, in  der tierischen  Form aus,  daß der  E h e  (welche
       allerdings eine   F o r m  des  e x k l u s i v e n  P r i v a t-
       e i g e n t u m s  ist) die  W e i b e r g e m e i n s c h a f t,
       wo also  das Weib  zu einem   g e m e i n s c h a f t l i c h e n
       und   g e m e i n e n   Eigentum wird, entgegengestellt wird. Man
       darf sagen,  daß dieser  Gedanke  der    W e i b e r g e m e i n-
       s c h a f t   das   a u s g e s p r o c h n e   G e h e i m n i s
       dieses noch ganz rohen und gedankenlosen Kommunismus ist. Wie das
       Weib aus  der Ehe  in die  allgemeine Prostitution,  so tritt die
       ganze Welt  des Reichtums,  d.h. des  gegenständlichen Wesens des
       Menschen, aus  dem Verhältnis  der exklusiven Ehe mit dem Privat-
       eigentümer in  das Verhältnis  der universellen  Prostitution mit
       der Gemeinschaft. Dieser Kommunismus - indem er die  P e r s ö n-
       l i c h k e i t   des Menschen überall negiert - ist eben nur der
       konsequente Ausdruck  des Privateigentums, welches diese Negation
       ist. Der  allgemeine und  als Macht sich konstituierende  N e i d
       ist die  versteckte Form,  in welcher  die  H a b s u c h t  sich
       herstellt und nur auf eine  a n d r e  Weise sich befriedigt. Der
       Gedanke jedes  Privateigentums als  eines solchen ist  w e n i g-
       s t e n s   gegen das   r e i c h e r e   Privateigentum als Neid
       und Nivellierungssucht  gekehrt, so daß diese sogar das Wesen der
       Konkurrenz ausmachen. Der rohe Kommunist ist nur die
       
       #535# Privateigentum und Kommunismus
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       Vollendung dieses  Neides und dieser Nivellierung von dem  v o r-
       g e s t e l l t e n  Minimum aus. Er hat ein  b e s t i m m t e s
       b e g r e n z t e s   Maß. Wie  wenig diese Aufhebung des Privat-
       eigentums  eine   wirkliche  Aneignung   ist,  beweist  eben  die
       abstrakte Negation  der ganzen  Welt der  Bildung und der Zivili-
       sation, die  Rückkehr zur   u n n a t ü r l i c h e n  ¦¦IV¦ Ein-
       fachheit des   a r m e n   und bedürfnislosen Menschen, der nicht
       über das  Privateigentum hinaus,  sondern noch  nicht einmal  bei
       demselben angelangt ist.
       Die Gemeinschaft  ist nur eine Gemeinschaft der  A r b e i t  und
       die Gleichheit des  S a l a i r s,  den das gemeinschaftliche Ka-
       pital, die   G e m e i n s c h a f t   als der allgemeine Kapita-
       list, auszahlt.  Beide Seiten  des  Verhältnisses  sind  in  eine
       v o r g e s t e l l t e   Allgemeinheit erhoben, die  A r b e i t
       als die  Bestimmung, in  welcher jeder gesetzt ist, das  K a p i-
       t a l   als die  anerkannte Allgemeinheit  und Macht  der Gemein-
       schaft.
       In dem  Verhältnis zum   W e i b,  als dem  R a u b  und der Magd
       der gemeinschaftlichen  Wollust, ist  die unendliche  Degradation
       ausgesprochen, in  welcher der  Mensch für sich selbst existiert,
       denn das  Geheimnis dieses Verhältnisses hat seinen  u n z w e i-
       d e u t i g e n,  entschiednen,  o f f e n b a r e n,  enthüllten
       Ausdruck in  dem Verhältnisse  des   M a n n e s   zum  W e i b e
       und in  der Weise,  wie das  u n m i t t e l b a r e,  n a t ü r-
       l i c h e   Gattungsverhältnis  gefaßt  wird.  Das  unmittelbare,
       natürliche, notwendige  Verhältnis des  Menschen zum Menschen ist
       das   V e r h ä l t n i s   des  M a n n e s  zum  W e i b e.  In
       diesem   n a t ü r l i c h e n   Gattungsverhältnis ist  das Ver-
       hältnis des  Menschen zur  Natur unmittelbar  sein Verhältnis zum
       Menschen,  wie  das  Verhältnis  zum  Menschen  unmittelbar  sein
       Verhältnis zur  Natur, seine  eigne  n a t ü r l i c h e  Bestim-
       mung ist. In diesem Verhältnis  e r s c h e i n t  also  s i n n-
       l i c h,  auf ein anschaubares  F a k t u m  reduziert, inwieweit
       dem Menschen  das menschliche  Wesen zur Natur oder die Natur zum
       menschlichen  Wesen   des  Menschen   geworden  ist.  Aus  diesem
       Verhältnis kann  man also  die ganze  Bildungsstufe des  Menschen
       beurteilen. Aus  dem Charakter dieses Verhältnisses folgt, inwie-
       weit der   M e n s c h   als    G a t t u n g s w e s e n,    als
       M e n s c h  sich geworden ist und erfaßt hat; das Verhältnis des
       Mannes zum  Weib ist das  n a t ü r l i c h s t e  Verhältnis des
       Menschen zum  Menschen. In  ihm zeigt  sich also, in[wie]weit das
       n a t ü r l i c h e   Verhalten des Menschen  m e n s c h l i c h
       oder inwieweit  das   m e n s c h l i c h e   Wesen ihm zum  n a-
       t ü r l i c h e n   Wesen, inwieweit seine  m e n s c h l i c h e
       N a t u r  ihm zur  N a t u r  geworden ist. In diesem Verhältnis
       zeigt sich auch, in[wie]weit das  B e d ü r f n i s  des Manschen
       zum   m e n s c h l i c h e n   Bedürfnis, inwieweit ihm also der
       a n d r e     Mensch  als  Mensch  zum  Bedürfnis  geworden  ist,
       inwieweit er  in seinem individuellsten Dasein zugleich Gemeinwe-
       sen ist.
       Die erste  positive Aufhebung  des Privateigentums,  der  r o h e
       Kommunismus,
       
       #536# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       ist also  nur eine  E r s c h e i n u n g s f o r m  von der Nie-
       dertracht des  Privateigentums, das sich als das  p o s i t i v e
       G e m e i n w e s e n  setzen will.
       2. Der Kommunismus  alpha) nach  politischer  Natur  demokratisch
       oder despotisch;  beta) mit  Aufhebung des  Staats, aber zugleich
       noch unvollendetem  und immer  noch mit  dem Privateigentum, d.h.
       der Entfremdung des Menschen, affiziertem Wesen. In beiden Formen
       weiß sich  der Kommunismus  schon als Reintegration oder Rückkehr
       des Menschen  in sich,  als Aufhebung der menschlichen Selbstent-
       fremdung, aber  indem er  das positive  Wesen des Privateigentums
       noch nicht  erfaßt hat und ebensowenig die  m e n s c h l i c h e
       Natur des  Bedürfnisses verstanden hat, ist er auch noch von dem-
       selben befangen und infiziert. Er hat zwar seinen Begriff erfaßt,
       aber noch nicht sein Wesen.
       3. Der   K o m m u n i s m u s   als   p o s i t i v e  Aufhebung
       des   P r i v a t e i g e n t u m s  als  m e n s c h l i c h e r
       S e l b s t e n t f r e m d u n g     und  darum   als  wirkliche
       A n e i g n u n g  des  m e n s c h l i c h e n  Wesens durch und
       für den  Menschen; darum  als vollständige,  bewußt und innerhalb
       des ganzen Reichtums der bisherigen Entwicklung gewordne Rückkehr
       des Menschen  für sich  als eines    g e s e l l s c h a f t l i-
       c h e n,   d.h. menschlichen Menschen. Dieser Kommunismus ist als
       vollendeter Naturalismus = Humanismus, als vollendeter Humanismus
       = Naturalismus,  er ist  die   w a h r h a f t e   Auflösung  des
       Widerstreites zwischen  dem Menschen  mit der  Natur und  mit dem
       Menschen, die  wahre Auflösung  des Streits zwischen Existenz und
       Wesen,  zwischen   Vergegenständlichung  und   Selbstbestätigung,
       zwischen Freiheit  und  Notwendigkeit,  zwischen  Individuum  und
       Gattung. Er  ist das  aufgelöste Rätsel  der Geschichte  und weiß
       sich als diese Lösung.
       ¦¦V¦ Die  ganze Bewegung  der  Geschichte  ist  daher,  wie  sein
       w i r k l i c h e r   Zeugungsakt - der Geburtsakt seines empiri-
       schen Daseins  -  so  auch  für  sein  denkendes  Bewußtsein  die
       b e g r i f f n e   und   g e w u ß t e   Bewegung seines  W e r-
       d e n s,     während  jener  noch  unvollendete  Kommunismus  aus
       einzelnen dem  Privateigentum entgegenstehenden Geschichtsgestal-
       ten einen   h i s t o r i  s c h e n  Beweis, einen Beweis in dem
       Bestehenden für sich sucht, indem er einzelne Momente aus der Be-
       wegung (Cabet,  Villegardelle etc.  reiten, besonders  auf diesem
       Roß) herausreißt  und als Beweise seiner historischen Vollblütig-
       keit fixiert,  womit er  eben dartut,  daß die  unverhältnismäßig
       größre Partie  dieser Bewegung  seinen Behauptungen  widerspricht
       und daß,  wenn er  einmal gewesen  ist, eben  sein   v e r g a n-
       g n e s  Sein die Prätention des  W e s e n s  widerlegt.
       Daß in der Bewegung des  P r i v a t e i g e n t u m s,  eben der
       Ökonomie, die ganze revolutionäre Bewegung sowohl ihre empirische
       als theoretische Basis findet, davon ist die Notwendigkeit leicht
       einzusehn.
       
       #537# Privateigentum und Kommunismus
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       Dies   m a t e r i e l l e,  unmittelbar  s i n n l i c h e  Pri-
       vateigentum   ist   der   materielle   sinnliche   Ausdruck   des
       e n t f r e m d e t e n   m e n s c h l i c h e n   Lebens. Seine
       Bewegung -  die Produktion und Konsumtion - ist die  s i n n l i-
       c h e   Offenbarung von der Bewegung aller bisherigen Produktion,
       d.h. Verwirklichung  oder Wirklichkeit  des  Menschen.  Religion,
       Familie, Staat,  Recht, Moral,  Wissenschaft, Kunst etc. sind nur
       b e s o n d r e   Weisen der Produktion und fallen unter ihr all-
       gemeines Gesetz.  Die positive  Aufhebung des    P r i v a t e i-
       g e n t u m s,   als die  Aneignung des   m e n s c h l i c h e n
       Lebens, ist  daher die positive Aufhebung aller Entfremdung, also
       die Rückkehr  des Menschen  aus Religion,  Familie, Staat etc. in
       sein   m e n s c h l i c h e s,   d.h.   g e s e l l s c h a f t-
       l i c h e s   Dasein. Die  religiöse Entfremdung  als solche geht
       nur in dem Gebiet  d e s  B e w u ß t s e i n s  des menschlichen
       Innern  vor,   aber  die  ökonomische  Entfremdung  ist  die  des
       w i r k l i c h e n   L e b e n s   - ihre Aufhebung umfaßt daher
       beide  Seiten.  Es  versteht  sich,  daß  die  Bewegung  bei  den
       verschiednen Völkern  ihren  e r s t e n  Beginn danach nimmt, ob
       das wahre   a n e r k a n n t e   Leben des Volks mehr im Bewußt-
       sein oder in der äußren Welt vor sich geht, mehr das ideelle oder
       reelle Leben ist. Der Kommunismus beginnt sogleich (Owen) mit dem
       Atheismus,  der   Atheismus  ist  zunächst  noch  weit  entfernt,
       K o m m u n i s m u s   zu sein,  wie jener  Atheismus mehr  noch
       eine Abstraktion ist. - Die Philanthropie des Atheismus ist daher
       zuerst nur  eine   p h i l o s o p h i s c h e  abstrakte Philan-
       thropie, die des Kommunismus sogleich  r e e l l  und unmittelbar
       zur  W i r k u n g  gespannt. -
       Wir haben gesehn, wie unter Voraussetzung des positiv aufgehobnen
       Privateigentums der  Mensch den  Menschen produziert, sich selbst
       und den  andren Menschen;  wie der Gegenstand, welcher die unmit-
       telbare Betätigung  seiner Individualität,  zugleich sein  eignes
       Dasein für  den andern Menschen, dessen Dasein, und dessen Dasein
       für ihn ist. Ebenso sind aber sowohl das Material der Arbeit, als
       der Mensch  als Subjekt,  wie Resultat so Ausgangspunkt der Bewe-
       gung (und daß sie dieser  A u s g a n g s p u n k t  sein müssen,
       eben darin  liegt die  geschichtliche   N o t w e n d i g k e i t
       des Privateigentums).  Also  ist  der    g e s e l l s c h a f t-
       l i c h e   Charakter der  allgemeine Charakter  der  ganzen  Be-
       wegung;  w i e  die Gesellschaft selbst den  M e n s c h e n  als
       M e n s c h e n   produziert, so  ist sie  durch ihn   p r o d u-
       z i e r t.   Die Tätigkeit  und der Genuß, wie ihrem Inhalt, sind
       auch  der     E x i s t e n z w e i s e     nach     g e s e l l-
       s c h a f t l i c h,   g e s e l l s c h a f t l i c h e  1*) Tä-
       tigkeit und    g e s e l l s c h a f t l i c h e r    Genuß.  Das
       m e n s c h l i c h e   Wesen der  Natur  ist  erst  da  für  den
       g e s e l l s c h a f t l i c h e n  Menschen; denn erst hier ist
       sie für  ihn da  als  B a n d  mit dem  M e n s c h e n,  als Da-
       sein seiner für den andren und des
       -----
       1*) In der Handschrift gestrichen: gesellschaftliche
       
       #538# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       andren für  ihn, wie als Lebenselement der menschlichen Wirklich-
       keit, erst  hier ist sie da als  G r u n d l a g e  seines eignen
       m e n s c h l i c h e n     Daseins.  Erst   hier  ist  ihm  sein
       n a t ü r l i c h e s   Dasein sein  m e n s c h l i c h e s  Da-
       sein und  die Natur  für ihn  zum Menschen geworden. Also die Ge-
       sellschaft ist  die vollendete Wesenseinheit des Menschen mit der
       Natur, die  wahre Resurrektion der Natur, der durchgeführte Natu-
       ralismus des Menschen und der durchgeführte Humanismus der Natur.
       1*)
       ¦¦VI¦ Die  gesellschaftliche Tätigkeit  und der gesellschaftliche
       Genuß existieren  keineswegs   a l l e i n   in  der  Form  einer
       u n m i t t e l b a r  gemeinschaftlichen Tätigkeit und unmittel-
       bar   g e m e i n s c h a f t l i c h e n  Genusses, obgleich die
       g e m e i n s c h a f t l i c h e     Tätigkeit  und  der    g e-
       m e i n s c h a f t l i c h e  Genuß, d. h. die Tätigkeit und der
       Genuß, die  unmittelbar in    w i r k l i c h e r    G e s e l l-
       s c h a f t   mit andren  Menschen  sich  äußert  und  bestätigt,
       überall da  stattfinden werden, wo jener  u n m i t t e l b a r e
       Ausdruck  der   Gesellschaftlichkeit  im   Wesen  ihres   Inhalts
       begründet und seiner Natur angemessen ist.
       Allein auch wenn ich  w i s s e n s c h a f t l i c h  etc. tätig
       bin, eine Tätigkeit, die ich selten in unmittelbarer Gemeinschaft
       mit andern  ausführen kann,  so bin ich  g e s e l l s c h a f t-
       l i c h,   weil als   M e n s c h   tätig. Nicht nur das Material
       meiner Tätigkeit  ist mir  - wie  selbst die  Sprache, in der der
       Denker tätig  ist -  als gesellschaftliches Produkt gegeben, mein
       e i g n e s   Dasein   i s t   gesellschaftliche Tätigkeit; darum
       das, was  ich aus  mir mache,  ich aus  mir für  die Gesellschaft
       mache und  mit dem Bewußtsein meiner als eines gesellschaftlichen
       Wesens.
       Mein  a l l g e m e i n e s  Bewußtsein ist nur die  t h e o r e-
       t i s c h e  Gestalt dessen, wovon das  r e e l l e  Gemeinwesen,
       gesellschaftliche Wesen,  die   l e b e n d i g e   Gestalt  ist,
       während heutzutag  das   a l l g e m e i n e  Bewußtsein eine Ab-
       straktion vom  wirklichen Leben  ist und als solche ihm feindlich
       gegenübertritt. Daher  ist auch  die   T ä t i g k e i t   meines
       allgemeinen Bewußtseins  - als  eine solche  - mein  t h e o r e-
       t i s c h e s  Dasein als gesellschaftliches Wesen.
       Es ist  vor allem zu vermeiden, die "Gesellschaft" wieder als Ab-
       straktion dem  Individuum gegenüber  zu fixieren.  Das Individuum
       i s t  das  g e s e l l s c h a f t l i c h e   W e s e n.  Seine
       Lebensäußerung -  erscheine sie  auch nicht  in der unmittelbaren
       Form einer   g e m e i n s c h a f t l i c h e n,  mit andern zu-
       gleich vollbrachten  Lebensäußerung -  i s t  daher eine Äußerung
       und Bestätigung des
       -----
       1*) Anschließend folgt durch einen Strich abgetrennt ohne Verweis
       die Bemerkung:  Die Prostitution  nur ein  besondrer Ausdruck der
       allgemeinen Prostitution  des Arbeiters,  und da die Prostitution
       ein Verhältnis  ist, worin  nicht nur  der Prostituierte, sondern
       auch der  Prostituierende fällt - dessen Niedertracht noch größer
       ist -, so fällt auch der Kapitalist etc. in diese Kategorie.
       
       #539# Privateigentum und Kommunismus
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       g e s e l l s c h a f t l i c h e n   L e b e n s.  Das individu-
       elle und  das Gattungsleben  des  Menschen  sind  nicht    v e r-
       s c h i e d e n,   so sehr  auch  -  und  dies  notwendig  -  die
       Daseinsweise des  individuellen Lebens eine mehr  b e s o n d r e
       oder mehr   a l l g e m e i n e   Weise  des Gattungslebens  ist,
       oder je  mehr das Gattungsleben ein mehr  b e s o n d r e s  oder
       a l l g e m e i n e s  individuelles Leben ist.
       Als   G a t t u n g s b e w u ß t s e i n   bestätigt der  Mensch
       sein reelles  G e s e l l s c h a f t s l e b e n  und wiederholt
       nur sein wirkliches Dasein im Denken, wie umgekehrt das Gattungs-
       sein sich  im Gattungsbewußtsein  bestätigt und  in  seiner  All-
       gemeinheit, als denkendes Wesen, für sich ist.
       Der Mensch  - so sehr er daher ein  b e s o n d r e s  Individuum
       ist, und  grade seine  Besonderheit macht ihn zu einem Individuum
       und zum  wirklichen   i n d i v i d u e l l e n    Gemeinwesen  -
       ebensosehr ist  er die  T o t a l i t ä t,  die ideale Totalität,
       das subjektive  Dasein der  gedachten und empfundnen Gesellschaft
       für sich,  wie er  auch in der Wirklichkeit sowohl als Anschauung
       und wirklicher  Genuß des gesellschaftlichen Daseins wie als eine
       Totalität menschlicher Lebensäußerung da ist.
       Denken und  Sein sind also zwar  u n t e r s c h i e d e n,  aber
       zugleich in  E i n h e i t  miteinander.
       Der   T o d  scheint als ein harter Sieg der Gattung über das be-
       stimmte Individuum  und ihrer  Einheit zu widersprechen; aber das
       bestimmte   Individuum   ist   nur   ein      b e s t i m m t e s
       G a t t u n g s w e s e n,  als solches sterblich.
       <4 1*).  Wie das   P r i v a t e i g e n t u m  nur der sinnliche
       Ausdruck  davon   ist,  daß   der  Mensch  zugleich    g e g e n-
       s t ä n d l i c h   für sich  wird und zugleich vielmehr sich als
       ein fremder und unmenschlicher Gegenstand wird, daß seine Lebens-
       äußerung seine  Lebensentäußerung ist, seine Verwirklichung seine
       Entwirklichung, eine   f r e m d e   Wirklichkeit ist, so ist die
       positive Aufhebung  des Privateigentums,  d.h. die   s i n n l i-
       c h e   Aneignung des  menschlichen Wesens und Lebens, des gegen-
       ständlichen Menschen,  der menschlichen  W e r k e  für und durch
       den Menschen,  nicht nur im Sinne des  u n m i t t e l b a r e n,
       einseitigen   G e n u s s e s   zu fassen, nicht nur im Sinne des
       B e s i t z e n s,  im Sinne des  H a b e n s.  Der Mensch eignet
       sich sein  allseitiges Wesen auf eine allseitige Art an, also als
       ein totaler  Mensch. Jedes  seiner  m e n s c h l i c h e n  Ver-
       hältnisse zur Welt, Sehn, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Den-
       ken, Anschauen,  Empfinden, Wollen, Tätigsein, Lieben, kurz, alle
       Organe seiner  Individualität, wie die Organe, welche unmittelbar
       in ihrer  Form als  gemeinschaftliche Organe sind, ¦¦VII¦ sind in
       ihrem   g e g e n s t ä n d l i c h e n   Verhalten oder in ihrem
       V e r h a l t e n  z u m  G e g e n s t a n d  die Aneignung des-
       selben. Die Aneignung der
       -----
       1*) in der Handschrift: 5
       
       #540# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       m e n s c h l i c h e n   Wirklichkeit, ihr  Verhalten zum Gegen-
       stand ist  die   B e t ä t i g u n g    d e r    m e n s c h l i-
       c h e n  W i r k l i c h k e i t  *); menschliche  W i r k s a m-
       k e i t   und  menschliches    L e i d e n,    denn  das  Leiden,
       menschlich gefaßt, ist ein Selbstgenuß des Menschen.
       Das Privateigentum hat uns so dumm und einseitig gemacht, daß ein
       Gegenstand erst der  u n s r i g e  ist, wenn wir ihn haben, also
       als Kapital  für uns existiert oder von uns unmittelbar besessen,
       gegessen, getrunken,  an unsrem  Leib getragen,  von uns  bewohnt
       etc., kurz,  g e b r a u c h t  wird. Obgleich das Privateigentum
       alle diese  unmittelbaren Verwirklichungen  des  Besitzes  selbst
       wieder nur  als   L e b e n s m i t t e l  faßt und das Leben, zu
       dessen Mittel  sie dienen,  ist das    L e b e n    des    P r i-
       v a t e i g e n t u m s   Arbeit und Kapitalisierung.
       An die  Stelle  a l l e r  physischen und geistigen Sinne ist da-
       her die  einfache Entfremdung   a l l e r  dieser Sinne, der Sinn
       des   H a b e n s   getreten. Auf  diese absolute Armut mußte das
       menschliche Wesen reduziert werden, damit es seinen innern Reich-
       tum aus  sich herausgebäre.  (Über die Kategorie des  H a b e n s
       siehe  H e ß  in den "21 Bogen". [117])
       Die Aufhebung  des Privateigentums  ist  daher  die  vollständige
       E m a n z i p a t i o n    aller  menschlichen Sinne  und  Eigen-
       schaften; aber  sie ist  diese Emanzipation  grade  dadurch,  daß
       diese Sinne  und Eigenschaften  m e n s c h l i c h,  sowohl sub-
       jektiv  als   objektiv,  geworden   sind.  Das   Auge   ist   zum
       m e n s c h l i c h e n   Auge geworden,  wie  sein    G e g e n-
       s t a n d  zu einem gesellschaftlichen,  m e n s c h l i c h e n,
       vom Menschen  für den  Menschen herrührenden  Gegenstand geworden
       ist. Die    S i n n e   sind  daher unmittelbar  in ihrer  Praxis
       T h e o r e t i k e r   geworden. Sie verhalten sich zu der  S a-
       c h e   um der  Sache willen,  aber  die  Sache  selbst  ist  ein
       g e g e n s t ä n d l i c h e s   m e n s c h l i c h e s    Ver-
       halten zu  sich selbst  und zum  Menschen **)  und umgekehrt. Das
       Bedürfnis oder  der Genuß haben darum ihre  e g o i s t i s c h e
       Natur und  die Natur ihre  bloße  N ü t z l i c h k e i t  verlo-
       ren, indem der Nutzen zum  m e n s c h l i c h e n  Nutzen gewor-
       den ist.
       Ebenso sind  die Sinne  und der  Genuß der  andren Menschen meine
       e i g n e  Aneignung geworden. Außer diesen unmittelbaren Organen
       bilden sich  daher  g e s e l l s c h a f t l i c h e  Organe, in
       der   F o r m   der Gesellschaft, also z. B. die Tätigkeit unmit-
       telbar in  Gesellschaft mit  andren etc.  ist  ein  Organ  meiner
       L e b e n s ä u ß e r u n g   geworden und  eine Weise der Aneig-
       nung des  m e n s c h l i c h e n  Lebens.
       ---
       *) Sie ist  daher ebenso vielfach, wie die menschlichen Wesensbe-
       stimmungen und Tätigkeiten vielfach sind.
       **) Ich kann  mich praktisch  nur menschlich zu der Sache verhal-
       ten, wenn die Sache sich zum Menschen menschlich verhält.
       
       #541# Privateigentum und Kommunismus
       -----
       Es versteht sich, daß das  m e n s c h l i c h e  Auge anders ge-
       nießt als  das rohe,  unmenschliche Auge,  das menschliche  O h r
       anders als das rohe Ohr etc.
       Wir haben gesehn. Der Mensch verliert sich nur dann nicht in sei-
       nem Gegenstand, wenn dieser ihm als  m e n s c h l i c h e r  Ge-
       genstand oder gegenständlicher Mensch wird. Dies ist nur möglich,
       indem er ihm als  g e s e l l s c h a f t l i c h e r  Gegenstand
       und er  selbst sich als gesellschaftliches Wesen, wie die Gesell-
       schaft als Wesen für ihn in diesem Gegenstand wird.
       Indem daher  überall einerseits  dem Menschen in der Gesellschaft
       die gegenständliche  Wirklichkeit als  Wirklichkeit der menschli-
       chen Wesenskräfte,  als menschliche  Wirklichkeit und  darum  als
       Wirklichkeit seiner   e i g n e n   Wesenskräfte wird, werden ihm
       alle   G e g e n s t ä n d e  als die  V e r g e g e n s t ä n d-
       l i c h u n g  seiner selbst, als die seine Individualität bestä-
       tigenden und verwirklichenden Gegenstände, als  s e i n e  Gegen-
       stände, d.  h. Gegenstand wird  e r  s e l b s t.  W i e  sie ihm
       als seine  werden, das  hängt von der  N a t u r  des  G e g e n-
       s t a n d e s  und der Natur der ihr entsprechenden  W e s e n s-
       k r a f t   ab; denn  eben die   B e s t i m m t h e i t   dieses
       Verhältnisses bildet die besondre,   w i r k l i c h e  Weise der
       Bejahung.   D e m   A u g e   wird ein  Gegenstand anders als dem
       O h r,   und der  Gegenstand des Auges  i s t  ein andrer als der
       des   O h r s.   Die Eigentümlichkeit jeder Wesenskraft ist grade
       ihr   e i g e n t ü m l i c h e s   W e s e n,  also auch die ei-
       gentümliche Weise  ihrer Vergegenständlichung,  ihres  g e g e n-
       s t ä n d l i c h - w i r k l i c h e n,   lebendigen  S e i n s.
       Nicht nur  im Denken, ¦¦VIII¦ sondern mit  a l l e n  Sinnen wird
       daher der Mensch in der gegenständlichen Welt bejaht.
       Andrerseits: Subjektiv  gefaßt: Wie  erst die Musik den musikali-
       schen Sinn  des Menschen  erweckt, wie für das unmusikalische Ohr
       die schönste Musik  k e i n e n  Sinn hat, [kein] Gegenstand ist,
       weil mein  Gegenstand nur  die Bestätigung  einer meiner  Wesens-
       kräfte sein  kann, also  nur so für mich sein kann, wie meine We-
       senskraft als  subjektive Fähigkeit  für sich  ist, weil der Sinn
       eines Gegenstandes  für mich (nur Sinn für einen ihm entsprechen-
       den Sinn  hat) grade so weit geht, als  m e i n  Sinn geht, darum
       sind die   S i n n e   des gesellschaftlichen Menschen  a n d r e
       Sinne wie  die des  ungesellschaftlichen; erst  durch den  gegen-
       ständlich entfalteten  Reichtum des  menschlichen Wesens wird der
       Reichtum der  subjektiven  m e n s c h l i c h e n  Sinnlichkeit,
       wird ein  musikalisches Ohr, ein Auge für die Schönheit der Form,
       kurz, werden erst menschlicher Genüsse fähige  S i n n e,  Sinne,
       welche als   m e n s c h l i c h e  Wesenskräfte sich bestätigen,
       teils erst  ausgebildet, teils erst erzeugt. Denn nicht nur die 5
       Sinne, sondern  auch die sogenannten geistigen Sinne, die prakti-
       schen Sinne (Wille, Liebe etc.), mit einem Wort der  m e n s c h-
       l i c h e  Sinn, die Menschlichkeit der Sinne wird erst durch das
       Dasein   s e i n e s  Gegenstandes, durch die  v e r m e n s c h-
       l i c h t e  Natur. Die  B i l d u n g  der 5 Sinne ist eine
       
       #542# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       Arbeit der  ganzen bisherigen Weltgeschichte. Der unter dem rohen
       praktischen Bedürfnis  befangene   S i n n   hat auch  nur  einen
       b o r n i e r t e n   Sinn.> Für den ausgehungerten Menschen exi-
       stiert nicht die menschliche Form der Speise, sondern nur ihr ab-
       straktes Dasein  als Speise; ebensogut könnte sie in rohster Form
       vorliegen, und  es ist  nicht zu  sagen, wodurch  sich diese Nah-
       rungstätigkeit von  der   t i e r i s c h e n   Nahrungstätigkeit
       unterscheide.  Der  sorgenvolle,  bedürftige  Mensch  hat  keinen
       S i n n   für das schönste Schauspiel; der Mineralienkrämer sieht
       nur den merkantilischen Wert, aber nicht die Schönheit und eigen-
       tümliche Natur  des Minerals; er hat keinen mineralogischen Sinn;
       also die  Vergegenständlichung des menschlichen Wesens, sowohl in
       theoretischer als  praktischer Hinsicht,  gehört dazu,  sowohl um
       die   S i n n e  des Menschen  m e n s c h l i c h  zu machen als
       um für  den ganzen  Reichtum des menschlichen und natürlichen We-
       sens entsprechenden   m e n s c h l i c h e n  S i n n  zu schaf-
       fen.
       <Wie durch  die Bewegung  des  P r i v a t e i g e n t u m s  und
       seines Reichtums  wie Elends  -  des  materiellen  und  geistigen
       Reichtums und  Elends  -  die  werdende  Gesellschaft  zu  dieser
       B i l d u n g   alles Material  vorfindet,   s o   produziert die
       g e w o r d n e   Gesellschaft  den  Menschen  in  diesem  ganzen
       Reichtum seines  Wesens,  den    r e i c h e n    a l l-    u n d
       t i e f s i n n i g e n  Menschen als ihre stete Wirklichkeit. ->
       Man sieht,  wie Subjektivismus  und Objektivismus, Spiritualismus
       und Materialismus,  Tätigkeit und  Leiden erst im gesellschaftli-
       chen Zustand  ihren Gegensatz und damit ihr Dasein als solche Ge-
       gensätze verlieren;  <man sieht,  wie die  Lösung der    t h e o-
       r e t i s c h e n   Gegensätze selbst   n u r  auf eine  p r a k-
       t i s c h e   Art, nur  durch die praktische Energie des Menschen
       möglich ist und ihre Lösung daher keineswegs nur eine Aufgabe der
       Erkenntnis, sondern  eine   w i r k l i c h e  Lebensaufgabe ist,
       welche die   P h i l o s o p h i e  nicht lösen konnte, eben weil
       sie dieselbe als  n u r  theoretische Aufgabe faßte. -
       Man sieht, wie die Geschichte der  I n d u s t r i e  und das ge-
       wordne   g e g e n  s t ä n d l i c h e  Dasein der Industrie das
       a u f g e s c h l a g n e    Buch  der    m e n s c h l i c h e n
       W e s e n s k r ä f t e,   die sinnlich  vorliegende  menschliche
       P s y c h o l o g i e   ist, die  bisher nicht in ihrem Zusammen-
       hang mit dem  W e s e n  des Menschen, sondern immer nur in einer
       äußern Nützlichkeitsbeziehung  gefaßt wurde, weil man - innerhalb
       der Entfremdung  sich bewegend  - nur  das allgemeine  Dasein des
       Menschen, die  Religion, oder  die Geschichte  in ihrem abstrakt-
       allgemeinen Wesen,  als Politik, Kunst, Literatur etc., ¦¦IX¦ als
       Wirklichkeit der  menschlichen Wesenskräfte und als  m e n s c h-
       l i c h e  G a t t u n g s a k t e  zu fassen wußte. In der  g e-
       w ö h n l i c h e n,   m a t e r i e l l e n   I n d u s t r i e
       (- die  man ebensowohl  als einen Teil jener allgemeinen Bewegung
       fassen, wie man sie selbst als einen  b e s o n d e r n  Teil der
       Industrie fassen  kann,  da  alle  menschliche  Tätigkeit  bisher
       Arbeit,
       
       #543# Privateigentum und Kommunismus
       -----
       also Industrie,  sich selbst  entfremdete Tätigkeit  war -) haben
       wir  unter   der  Form     s i n n l i c h e r,    f r e m d e r,
       n ü t z l i c h e r   G e g e n s t ä n d e,   unter der Form der
       Entfremdung, die   v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e n   W e-
       s e n s k r ä f t e   des Menschen  vor uns.  Eine   P s y c h o-
       l o g i e,   für welche dies Buch, also grade der sinnlich gegen-
       wärtigste, zugänglichste  Teil der  Geschichte zugeschlagen  ist,
       kann nicht  zur wirklichen  inhaltvollen und  r e e l l e n  Wis-
       senschaft werden.)  Was soll man überhaupt von einer Wissenschaft
       denken, die  von  diesem  großen  Teil  der  menschlichen  Arbeit
       v o r n e h m   abstrahiert und nicht in sich selbst ihre Unvoll-
       ständigkeit fühlt,  solange ein  so ausgebreiteter  Reichtum  des
       menschlichen Wirkens  ihr nichts sagt, als etwa, was man in einem
       Wort  sagen  kann:  "Bedürfnis",  "gemeines  Bedürfnis!"?  -  Die
       N a t u r w i s s e n s c h a f t e n   haben eine  enorme Tätig-
       keit entwickelt  und  sich  ein  stets  wachsendes  Material  an-
       geeignet. Die  Philosophie ist  ihnen indessen  ebenso fremd  ge-
       blieben, wie  sie der  Philosophie fremd  blieben. Die  momentane
       Vereinigung war  nur eine   p h a n t a s t i s c h e    I l l u-
       s i o n.   Der Wille  war da,  aber das  Vermögen fehlte. Die Ge-
       schichtschreibung selbst  nimmt  auf  die  Naturwissenschaft  nur
       beiläufig Rücksicht,  als Moment  der  Aufklärung,  Nützlichkeit,
       einzelner großer  Entdeckungen. Aber desto  p r a k t i s c h e r
       hat die  Naturwissenschaft vermittelst  der Industrie in das men-
       schliche Leben  eingegriffen und es umgestaltet und die menschli-
       che Emanzipation  vorbereitet, sosehr  sie unmittelbar  die  Ent-
       menschung vervollständigen mußte. Die  I n d u s t r i e  ist das
       w i r k l i c h e   geschichtliche Verhältnis der Natur und daher
       der Naturwissenschaft  zum Menschen;  wird sie  daher als  e x o-
       t e r i s c h e     Enthüllung  der  menschlichen    W e s e n s-
       k r ä f t e   gefaßt, so  wird auch  das    m e n s c h l i c h e
       Wesen der Natur oder das  n a t ü r l i c h e  Wesen des Menschen
       verstanden, daher  die Naturwissenschaft ihre abstrakt materielle
       oder vielmehr  idealistische Richtung verlieren und die Basis der
       m e n s c h l i c h e n  Wissenschaft werden, wie sie jetzt schon
       - obgleich  in entfremdeter Gestalt - zur Basis des wirklich men-
       schlichen Lebens geworden ist, und eine  a n d r e  Basis für das
       Leben, eine andre für die  W i s s e n s c h a f t  ist von vorn-
       herein eine  Lüge. (Die in der menschlichen Geschichte - dem Ent-
       stehungsakt der  menschlichen Gesellschaft  - werdende  Natur ist
       die   w i r k l i c h e  Natur des Menschen, darum die Natur, wie
       sie durch  die Industrie,  wenn auch  in  e n t f r e m d e t e r
       Gestalt wird,  die wahre   a n t h r o p o l o g i s c h e  Natur
       ist. ->  Die   S i n n l i c h k e i t  (siehe Feuerbach) muß die
       Basis aller Wissenschaft sein. Nur, wenn sie von ihr, in der dop-
       pelten Gestalt  sowohl des   s i n n l i c h e n  Bewußtseins als
       des   s i n n l i c h e n   Bedürfnisses, ausgeht - also nur wenn
       die Wissenschaft  von der  Natur  ausgeht  -,  ist  sie  w i r k-
       l i c h e  Wissenschaft. Damit der  "M e n s c h"  zum Gegenstand
       des  s i n n l i c h e n  Bewußtseins und das Bedürfnis des "Men-
       schen als Menschen" zum
       
       #544# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       Bedürfnis werde, dazu ist die ganze Geschichte die Vorbereitungs-
       Entwicklungsgeschichte  1*).   Die  Geschichte   selbst  ist  ein
       w i r k l i c h e r   Teil  der    N a t u r g e s c h i c h t e,
       des Werdens  der Natur  zum Menschen.  Die Naturwissenschaft wird
       später ebensowohl  die Wissenschaft von dem Menschen wie die Wis-
       senschaft von  dem Menschen die Naturwissenschaft unter sich sub-
       sumieren: es wird  e i n e  Wissenschaft sein.
       ¦¦X¦ Der  M e n s c h  ist der unmittelbare Gegenstand der Natur-
       wissenschaft; denn die unmittelbare  s i n n l i c h e  N a t u r
       für den  Menschen ist  unmittelbar die  menschliche  Sinnlichkeit
       (ein identischer  Ausdruck), unmittelbar  als  der    a n d e r e
       sinnlich für ihn vorhandene Mensch; denn seine eigne Sinnlichkeit
       ist erst  durch den  a n d r e n   Menschen als menschliche Sinn-
       lichkeit für  ihn selbst.  Aber die  N a t u r  ist der unmittel-
       bare Gegenstand  der   W i s s e n s c h a f t    v o m    M e n-
       s c h e n.   Der erste Gegenstand des Menschen - der Mensch - ist
       Natur, Sinnlichkeit,  und die  besondren menschlichen  sinnlichen
       Wesenskräfte, wie sie nur in  n a t ü r l i c h e n  Gegenständen
       ihre  gegenständliche   Verwirklichung,   können   nur   in   der
       Wissenschaft des Naturwesens überhaupt ihre Selbsterkenntnis fin-
       den. Das  Element des Denkens selbst, das Element der Lebensäuße-
       rung des Gedankens, die  S p r a c h e  ist sinnlicher Natur. Die
       g e s e l l s c h a f t l i c h e  Wirklichkeit der Natur und die
       m e n s c h l i c h e  Naturwissenschaft oder die  n a t ü r l i-
       c h e   W i s s e n s c h a f t   v o m   M e n s c h e n    sind
       identische Ausdrücke.  -  <Man  sieht,  wie  an  die  Stelle  des
       nationalökonomischen   R e i c h t u m s  und  E l e n d e s  der
       r e i c h e   M e n s c h   und das reiche  m e n s c h l i c h e
       Bedürfnis tritt.  Der  r e i c h e  Mensch ist zugleich der einer
       Totalität der  menschlichen Lebensäußerung    b e d ü r f t i g e
       Mensch. Der Mensch, in dem seine eigne Verwirklichung, als innere
       Notwendigkeit, als   N o t   existiert. Nicht nur der  R e i c h-
       t u m,   auch die   A r m u t   des Menschen erhält gleichmäßig -
       unter Voraussetzung des Sozialismus - eine  m e n s c h l i c h e
       und daher  gesellschaftliche Bedeutung. Sie ist das passive Band,
       welches den  Menschen den  größten  Reichtum,  den    a n d r e n
       Menschen, als Bedürfnis empfinden läßt. Die Herrschaft des gegen-
       ständlichen  Wesens   in  mir,   der  sinnliche  Ausbruch  meiner
       Wesenstätigkeit ist  die   L e i d e n s c h a f t,   welche hier
       damit die  T ä t i g k e i t  meines Wesens wird. ->
       5. Ein   W e s e n   gilt  sich erst als selbständiges, sobald es
       auf eignen  Füßen steht,  und es steht erst auf eignen Füßen, so-
       bald es  sein  D a s e i n  sich selbst verdankt. Ein Mensch, der
       von der Gnade eines andern lebt, betrachtet sich als ein abhängi-
       ges Wesen.  Ich lebe aber vollständig von der Gnade eines andern,
       wenn ich ihm nicht nur die Unterhaltung meines Lebens verdanke,
       -----
       1*) "Entwicklungs-" steht in der Handschrift über "Vorbereitungs-
       geschichte"
       
       
       #545# Privateigentum und Kommunismus
       -----
       sondern wenn  er noch  außerdem mein   L e b e n   g e s c h a f-
       f e n   hat, wenn  er der  Q u e l l  meines Lebens ist, und mein
       Leben hat notwendig einen solchen Grund außer sich, wenn es nicht
       meine eigne Schöpfung ist. Die  S c h ö p f u n g  ist daher eine
       sehr schwer  aus dem Volksbewußtsein zu verdrängende Vorstellung.
       Das Durchsichselbstsein  der  Natur  und  des  Menschen  ist  ihm
       u n b e g r e i f l i c h,   weil es  allen    H a n d g r e i f-
       l i c h k e i t e n  des praktischen Lebens widerspricht.
       Die Erdschöpfung  hat einen  gewaltigen Stoß  erhalten durch  die
       G e o g n o s i e,   d.h. durch die Wissenschaft, welche die Erd-
       bildung, das  Werden der Erde, als einen Prozeß, als Selbsterzeu-
       gung darstellte.  Die generatio aequivoca ist die einzige prakti-
       sche Widerlegung der Schöpfungstheorie.
       Nun ist  es zwar  leicht, dem  einzelnen Individuum zu sagen, was
       Aristoteles schon sagt: Du bist gezeugt von deinem Vater und dei-
       ner Mutter,  also hat  in dir die Begattung zweier Menschen, also
       ein Gattungsakt  der Menschen  den Menschen produziert. Du siehst
       also, daß  der Mensch auch physisch sein Dasein dem Menschen ver-
       dankt. Du  mußt also nicht nur die  e i n e  Seite im Auge behal-
       ten, den    u n e n d l i c h e n    Progreß,  wonach  du  weiter
       fragst: Wer  hat meinen Vater, wer seinen Großvater etc. gezeugt?
       Du mußt  auch die   K r e i s b e w e g u n g,   welche  in jenem
       Progreß sinnlich anschaubar ist, festhalten, wonach der Mensch in
       der Zeugung  sich selbst wiederholt, also der  M e n s c h  immer
       Subjekt bleibt.  Allein du  wirst antworten:  Diese Kreisbewegung
       dir zugestanden, so gestehe du mir den Progreß zu, der mich immer
       weitertreibt, bis  ich frage, wer hat den ersten Menschen und die
       Natur überhaupt  gezeugt? Ich kann dir nur antworten: Deine Frage
       ist selbst  ein Produkt  der Abstraktion.  Frage dich, wie du auf
       jene Frage kömmst; frage dich, ob deine Frage nicht von einem Ge-
       sichtspunkt aus  geschieht, den  ich nicht beantworten kann, weil
       er ein  verkehrter ist?  Frage dich, ob jener Progreß als solcher
       für ein vernünftiges Denken existiert? Wenn du nach der Schöpfung
       der Natur  und des  Menschen fragst,  so abstrahierst du also vom
       Menschen und  der Natur.  Du setzest  sie als  n i c h t - s e i-
       e n d   und willst doch, daß sie ich als  s e i e n d  dir bewei-
       se. Ich sage dir nun: Gib deine Abstraktion auf, so gibst du auch
       deine Frage auf, oder willst du an deiner Abstraktion festhalten,
       so sei  konsequent, und  wenn du  den Menschen  und die Natur als
       n i c h t s e i e n d   denkend,  ¦¦XI¦  denkst,  so  denke  dich
       selbst als  nichtseiend, der  du doch auch Natur und Mensch bist.
       Denke nicht,  frage mich nicht, denn sobald du denkst und fragst,
       hat deine   A b s t r a k t i o n  von dem Sein der Natur und des
       Menschen keinen  Sinn. Oder  bist du  ein solcher  Egoist, daß du
       alles als Nichts setzt und selbst sein willst?
       
       #546# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       Du kannst  mir erwidern: Ich will nicht das Nichts der Natur etc.
       setzen; ich  frage dich  nach ihrem  E n t s t e h u n g s a k t,
       wie ich den Anatom nach den Knochenbildungen frage, etc.
       Indem aber  für  den  sozialistischen  Menschen  die    g a n z e
       s o g e n a n n t e   W e l t g e s c h i c h t e   nichts anders
       ist als  die Erzeugung des Menschen durch die menschliche Arbeit,
       als das Werden der Natur für den Menschen, so hat er also den an-
       schaulichen, unwiderstehlichen  Beweis von  seiner    G e b u r t
       durch sich selbst, von seinem  E n t s t e h u n g s p r o z e ß.
       Indem die   W e s e n h a f t i g k e i t   des  Menschen und der
       Natur, indem der Mensch für den Menschen als Dasein der Natur und
       die Natur  für den  Menschen als  Dasein des  Menschen praktisch,
       sinnlich anschaubar  geworden  ist,  ist  die  Frage  nach  einem
       f r e m d e n   Wesen, nach  einem Wesen  über der  Natur und dem
       Menschen -  eine Frage,  welche das  Geständnis von der Unwesent-
       lichkeit der  Natur und  des Menschen einschließt - praktisch un-
       möglich geworden.  Der   A t h e i s m u s,   als Leugnung dieser
       Unwesentlichkeit, hat  keinen Sinn  mehr, denn  der Atheismus ist
       eine   N e g a t i o n  d e s  G o t t e s  und setzt durch diese
       Negation das   D a s e i n  d e s  M e n s c h e n;  aber der So-
       zialismus als  Sozialismus bedarf einer solchen Vermittlung nicht
       mehr; er  beginnt von dem  t h e o r e t i s c h  u n d  p r a k-
       t i s c h   s i n n  l i c h e n   B e w u ß t s e i n   des Men-
       schen und  der Natur  als des  W e s e n s.  Er ist  p o s i t i-
       v e s,   nicht mehr durch die Aufhebung der Religion vermitteltes
       S e l b s t b e w u ß t s e i n   des Menschen, wie das  w i r k-
       l i c h e   L e b e n   positive, nicht  mehr durch die Aufhebung
       des Privateigentums,  den   K o m m u n i s m u s,    vermittelte
       Wirklichkeit des  Menschen ist.  Der Kommunismus ist die Position
       als Negation der Negation, darum das  w i r k l i c h e,  für die
       nächste geschichtliche  Entwicklung notwendige Moment der mensch-
       lichen Emanzipation  und Wiedergewinnung.  Der   K o m m u n i s-
       m u s   ist die notwendige Gestalt und das energische Prinzip der
       nächsten Zukunft,  aber der Kommunismus ist nicht als solcher das
       Ziel der  menschlichen Entwicklung - die Gestalt der menschlichen
       Gesellschaft. - ¦XI¦¦ [118]
       
       [Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung]
       
       ¦¦XIV¦ 7. Wir haben gesehn, welche Bedeutung unter der Vorausset-
       zung des Sozialismus die  R e i c h h e i t  der menschlichen Be-
       dürfnisse und  daher sowohl  eine   n e u e    W e i s e    d e r
       P r o d u k t i o n  als auch ein neuer  G e g e n s t a n d  der
       Produktion hat.  Neue Bestätigung  der    m e n s c h l i c h e n
       Wesenskraft und  neue Bereicherung  des   m e n s c h l i c h e n
       Wesens. Innerhalb  des Privateigentums  die umgekehrte Bedeutung.
       Jeder Mensch  spekuliert darauf,  dem andern  ein  n e u e s  Be-
       dürfnis zu schaffen, um ihn zu einem neuen Opfer zu zwingen, um
       
       #547# Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung
       -----
       ihn in eine neue Abhängigkeit zu versetzen und ihn zu einer neuen
       Weise des   G e n u s s e s   und damit des ökonomischen Ruins zu
       verleiten. Jeder  sucht eine   f r e m d e   Wesenskraft über den
       andern zu  schaffen, um darin die Befriedigung seines eigenen ei-
       gennützigen Bedürfnisses zu finden. Mit der Masse der Gegenstände
       wächst daher das Reich der fremden Wesen, denen der Mensch unter-
       jocht ist, und jedes neue Produkt ist eine neue  P o t e n z  des
       wechselseitigen Betrugs  und der  wechselseitigen  Ausplünderung.
       Der Mensch  wird um so ärmer als Mensch, er bedarf um so mehr des
       G e l d e s,   um sich des feindlichen Wesens zu bemächtigen, und
       die Macht  seines   G e l d e s   fällt grade im umgekehrten Ver-
       hältnis als  die Masse  der Produktion, d.h., seine Bedürftigkeit
       wächst, wie  die   M a c h t  des Geldes zunimmt. - Das Bedürfnis
       des Geldes  ist daher  das wahre, von der Nationalökonomie produ-
       zierte Bedürfnis und das einzige Bedürfnis, das sie produziert. -
       Die   Q u a n t i t ä t  des Geldes wird immer mehr seine einzige
       m ä c h t i g e   Eigenschaft; wie  es alles  Wesen auf seine Ab-
       straktion reduziert,  so reduziert es sich in seiner eignen Bewe-
       gung als  q u a n t i t a t i v e s  Wesen. Die  M a ß l o s i g-
       k e i t   und   U n m ä ß i g k e i t   wird sein  wahres Maß.  -
       Subjektiv selbst  erscheint dies so, teils daß die Ausdehnung der
       Produkte und  der Bedürfnisse  zum    e r f i n d e r i s c h e n
       und stets   k a l k u l i e r e n d e n   Sklaven unmenschlicher,
       raffinierter, unnatürlicher  und  e i n  g e b i l d e t e r  Ge-
       lüste wird - das Privateigentum weiß das rohe Bedürfnis nicht zum
       m e n s c h l i c h e n   Bedürfnis zu  machen;  sein    I d e a-
       l i s m u s   ist die   E i n b i l d u n g,  die  W i l l k ü r,
       die   L a u n e,   und ein Eunuche schmeichelt nicht niederträch-
       tiger seinem  Despoten und  sucht durch  keine  infameren  Mittel
       seine abgestumpfte  Genußfähigkeit zu  irritieren, um sich selbst
       eine  Gunst   zu  erschleichen,  wie  der  Industrieeunuche,  der
       Produzent, um sich Silberpfennige zu erschleichen, aus der Tasche
       des christlich  geliebten Nachbarn die Goldvögel herauszulocken -
       (jedes Produkt  ist ein  Köder, womit  man das  Wesen des andern,
       sein Geld, an sich locken will, jedes wirkliche oder mögliche Be-
       dürfnis ist  eine Schwachheit,  die die  Fliege an die Leimstange
       heranführen wird  - allgemeine  Ausbeutung des gemeinschaftlichen
       menschlichen Wesens,  wie jede  Unvollkommenheit des Menschen ein
       Band mit  dem Himmel  ist, eine  Seite, wo sein Herz dem Priester
       zugänglich;  jede   Not  ist   eine  Gelegenheit,  um  unter  dem
       liebenswürdigsten Schein zum Nachbarn zu treten und ihm zu sagen:
       Lieber Freund,  ich gebe  dir, was  dir nötig ist; aber du kennst
       die conditio  sine qua  non; du  weißt, mit welcher Tinte du dich
       mir zu  verschreiben hast;  ich prelle  dich, indem ich dir einen
       Genuß verschaffe)  -, sich  seinen verworfensten  Einfällen fügt,
       den Kuppler  zwischen ihm und seinem Bedürfnis spielt, krankhafte
       Gelüste in ihm erregt, jede Schwachheit ihm ablauert, um dann das
       Handgeld für diesen Liebesdienst
       
       #548# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       zu verlangen.  - Teils  zeigt sich  diese Entfremdung,  indem die
       Raffinierung der Bedürfnisse und ihrer Mittel auf der einen Seite
       die viehische Verwildrung, vollständige, rohe, abstrakte Einfach-
       heit des Bedürfnisses auf der andren Seite produziert; oder viel-
       mehr nur  sich selbst in seiner gegenteiligen Bedeutung wiederge-
       biert. Selbst das Bedürfnis der freien Luft hört bei dem Arbeiter
       auf, ein Bedürfnis zu sein, der Mensch kehrt in die Höhlenwohnung
       zurück, die aber nun von dem mephytischen Pesthauch der Zivilisa-
       tion verpestet  ist und  die er  nur mehr prekär, als eine fremde
       Macht, die sich ihm täglich entziehn, aus der er täglich, wenn er
       ¦¦XV¦ nicht  zahlt, herausgeworfen werden kann, bewohnt. Dies To-
       tenhaus muß er  b e z a h l e n.  Die  L i c h t wohnung,  welche
       Prometheus bei  Aeschylus als eines der großen Geschenke, wodurch
       er den Wilden zum Menschen gemacht, bezeichnet, hört auf, für den
       Arbeiter zu  sein. Licht,  Luft etc.,  die einfachste  t i e r i-
       s c h e  Reinlichkeit hört auf, ein Bedürfnis für den Menschen zu
       sein.   D e r   S c h m u t z,  diese Versumpfung, Verfaulung des
       Menschen, der   G o s s e n a b l a u f   (dies  ist wörtlich  zu
       verstehn) der  Zivilisation  wird  ihm  ein    L e b e n s e l e-
       m e n t.   Die völlige   u n n a t ü r l i c h e   Verwahrlosung,
       die verfaulte  Natur, wird  zu seinem  L e b e n s e l e m e n t.
       Keiner seiner  Sinne existiert  mehr, nicht  nur nicht  in seiner
       menschlichen  Weise,   sondern  in  einer    u n m e n s c h l i-
       c h e n,  darum selbst nicht einmal tierischen Weise. Die rohsten
       W e i s e n   (und    I n s t r u m e n t e)    der  menschlichen
       Arbeit kehren  wieder, wie  die  T r e t m ü h l e  der römischen
       Sklaven  zur  Produktionsweise,  Daseinsweise  vieler  englischen
       Arbeiter geworden  ist. Nicht  nur, daß  der Mensch keine mensch-
       lichen Bedürfnisse  hat, selbst die  t i e r i s c h e n  Bedürf-
       nisse hören  auf. Der  Irländer kennt  nur mehr das Bedürfnis des
       E s s e n s  und zwar nur mehr des  K a r t o f f e l e s s e n s
       und zwar  nur der   L u m p e n k a r t o f f e l,   der schlech-
       testen Art von Kartoffel. Aber England und Frankreich haben schon
       in jeder  Industriestadt ein  kleines Irland. Der Wilde, das Tier
       hat  doch   das  Bedürfnis  der  Jagd,  der  Bewegung  etc.,  der
       Geselligkeit. -  Die Vereinfachung  der Maschine, der Arbeit wird
       dazu benutzt,  um den  erst werdenden  Menschen, den  ganz unaus-
       gebildeten Menschen - das  K i n d  - zum Arbeiter zu machen, wie
       der Arbeiter  ein verwahrlostes  Kind geworden  ist. Die Maschine
       bequemt  sich   der    S c h w ä c h e    des  Menschen,  um  den
       s c h w a c h e n  Menschen zur Maschine zu machen.
       <Wie die  Vermehrung der Bedürfnisse und ihrer Mittel die Bedürf-
       nislosigkeit und  die Mittellosigkeit erzeugt, beweist der Natio-
       nalökonom (und  der Kapitalist, überhaupt reden wir immer von den
       e m p i r i s c h e n   Geschäftsleuten, wenn  wir uns an die Na-
       tionalökonomen -  ihr   w i s s e n s c h a f t l i c h e s   Ge-
       ständnis und Dasein - adressieren), 1. indem er das Bedürfnis des
       Arbeiters auf  den notwendigsten und jämmerlichsten Unterhalt des
       physischen
       
       #549# Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung
       -----
       Lebens und seine Tätigkeit auf die abstrakteste mechanische Bewe-
       gung reduziert, also, sagt er: Der Mensch hat kein andres Bedürf-
       nis weder  der Tätigkeit  noch des  Genusses; denn  a u c h  dies
       Leben erklärt  er [als]   m e n s c h l i c h e s   Leben und Da-
       sein; indem  2. er  das möglichst   d ü r f t i g e   Leben (Exi-
       stenz) als  Maßstab, und  zwar als  allgemeinen Maßstab    a u s-
       r e c h n e t:   allgemein,  weil  für  die  Masse  der  Menschen
       geltend; er  macht den Arbeiter zu einem unsinnlichen und bedürf-
       nislosen Wesen,  wie er  seine Tätigkeit zu einer reinen Abstrak-
       tion von  aller Tätigkeit  macht; jeder  L u x u s  des Arbeiters
       erscheint ihm  daher als verwerflich, und alles, was über das al-
       lerabstrakteste Bedürfnis  hinausgeht - sei es als passiver Genuß
       oder Tätigkeitsäußerung  - erscheint  ihm als  Luxus. Die  Natio-
       nalökonomie, diese  Wissenschaft des  R e i c h t u m s,  ist da-
       her zugleich  die Wissenschaft  des Entsagens,  des Darbens,  der
       E r s p a r u n g,  und sie kömmt wirklich dazu, dem Menschen so-
       gar das   B e d ü r f n i s  einer reinen  L u f t  oder der phy-
       sischen   B e w e g u n g   zu   e r s p a r e n.   Diese Wissen-
       schaft der  wunderbaren Industrie  ist zugleich  die Wissenschaft
       der   A s k e s e,   und ihr  wahres Ideal  ist der  a s k e t i-
       s c h e,   aber   w u c h e r n d e   Geizhals und  der  a s k e-
       t i s c h e,   aber  p r o d u z i e r e n d e  Sklave. Ihr mora-
       lisches Ideal  ist der   A r b e i t e r,   der  in die Sparkasse
       einen Teil  seines salaire  bringt, und  sie hat für diesen ihren
       Lieblingseinfall sogar  eine knechtische  K u n s t  vorgefunden.
       Man hat  das sentimental  aufs Theater  gebracht. Sie ist daher -
       trotz ihres  weltlichen und  wollüstigen Aussehns - eine wirklich
       moralische Wissenschaft,  die allermoralischste Wissenschaft. Die
       Selbstentsagung, die  Entsagung des Lebens und aller menschlichen
       Bedürfnisse, ist  ihr Hauptlehrsatz.  Je weniger du ißt, trinkst,
       Bücher kaufst, in das Theater, auf den Ball, zum Wirtshaus gehst,
       denkst, liebst,  theoretisierst, singst, malst, fichtst 1*) etc.,
       um so  [mehr]   s p a r s t   du, um  so   g r ö ß e r  wird dein
       Schatz, den  weder Motten noch Raub fressen, dein  K a p i t a l.
       Je weniger  du  b i s t,  je weniger du dein Leben äußerst, um so
       mehr   h a s t   du, um so größer ist dein  e n t ä u ß e r t e s
       Leben, um  so mehr  speicherst du  auf  von  deinem  entfremdeten
       Wesen. Alles,  ¦¦XVI¦ was  dir der  Nationalökonom an Leben nimmt
       und an  Menschheit, das  alles ersetzt  er dir  in   G e l d  und
       R e i c h t u m,   und alles  das, was  du nicht kannst, das kann
       dein Geld:  Es kann  essen, trinken,  auf den  Ball, ins  Theater
       gehn, es weiß sich die Kunst, die Gelehrsamkeit, die historischen
       Seltenheiten, die  politische Macht,  es kann reisen, es kenn dir
       das alles  aneignen; es  kann das  alles kaufen; es ist das wahre
       V e r m ö g e n,   Aber es,  was all  dies ist, es  m a g  nichts
       als sich  selbst schaffen,  sich selbst  kaufen, denn alles andre
       ist ja sein Knecht, und wenn ich den Herrn habe,
       -----
       1*) "fichtst" in der Handschrift nicht eindeutig zu entziffern
       
       #550# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       habe ich  den Knecht  und brauche  ich seinen  Knecht nicht. Alle
       Leidenschaften und  alle Tätigkeit  muß  also  untergehn  in  der
       H a b s u c h t.   Der Arbeiter  darf nur  soviel haben, daß [er]
       leben will, und darf nur leben wollen, um zu haben.>
       Allerdings erhebt  sich nun  auf nationalökonomischem  Boden eine
       Kontroverse. Die  eine Seite (Lauderdale, Malthus etc.) empfiehlt
       den   L u x u s   und verwünscht die Sparsamkeit; die andre (Say,
       Ricardo etc.) empfiehlt die Sparsamkeit und verwünscht den Luxus.
       Aber jene  gesteht, daß  sie den Luxus will, um die  A r b e i t,
       d.h. die absolute Sparsamkeit zu produzieren; die andre Seite ge-
       steht, daß  sie die  Sparsamkeit empfiehlt,  um den   R e i c h -
       t u m,   d.h. den Luxus zu produzieren. Die erstere Seite hat die
       r o m a n t i s c h e   Einbildung, die  Habsucht dürfe nicht al-
       lein die  Konsumtion der  Reichen bestimmen, und sie widerspricht
       ihren eignen  Gesetzen, wenn  sie die   V e r s c h w e n d u n g
       unmittelbar für  ein Mittel der Bereicherung ausgibt, und von der
       andern Seite wird ihr daher sehr ernstlich und umständlich bewie-
       sen, daß  ich durch  die Verschwendung meine  H a b e  verringere
       und nicht  vermehre; die  andre Seite begeht die Heuchelei, nicht
       zu gestehn,  daß grade  die Laune  und der Einfall die Produktion
       bestimmt; sie  vergißt die  "verfeinerten Bedürfnisse",  sie ver-
       gißt, daß  ohne Konsumtion  nicht produziert  würde; sie vergißt,
       daß die Produktion durch die Konkurrenz nur allseitiger, luxuriö-
       ser werden  muß; sie  vergißt, daß  der Gebrauch ihr den Wert der
       Sache bestimmt  und daß  die  Mode  den  Gebrauch  bestimmt;  sie
       wünscht nur  "Nützliches" produziert  zu sehn,  aber sie vergißt,
       daß die  Produktion von  zuviel Nützlichem  zuviel  u n n ü t z e
       Population produziert.  Beide Seiten vergessen, daß Verschwendung
       und Ersparung, Luxus und Entblößung, Reichtum und Armut = sind.
       Und nicht  nur deine unmittelbaren Sinne, wie Essen etc., mußt du
       absparen; auch  Teilnahme mit  allgemeinen Interessen, Mitleiden,
       Vertrauen etc.,  das alles  mußt du  dir ersparen, wenn du ökono-
       misch sein  willst, wenn  du nicht  an Illusionen  zugrunde  gehn
       willst.
       <Du mußt  alles, was  dein ist,   f e i l,  d.h. nützlich machen.
       Wenn ich  den Nationalökonomen  frage: Gehorche  ich den ökonomi-
       schen Gesetzen,  wenn ich aus der Preisgebung, Feilbietung meines
       Körpers an  fremde Wollust  Geld  ziehe  (die  Fabrikarbeiter  in
       Frankreich nennen  die Prostitution  ihrer Frauen und Töchter die
       xte Arbeitsstunde,  was wörtlich wahr ist), oder handle ich nicht
       nationalökonomisch, wenn ich meinen Freund an die Marokkaner ver-
       kaufe (und  der unmittelbare  Menschenverkauf als Handel der Kon-
       skribierten etc. findet in allen Kulturländern statt), so antwor-
       tet mir der Nationalökonom: Meinen Gesetzen handelst du nicht zu-
       wider; aber
       
       #551# Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung
       -----
       sieh dich  um, was  Frau Base Moral und Base Religion sagt; meine
       n a t i o n a l - ö k o n o m i s c h e   Moral und  Religion hat
       nichts angegen  dich einzuwenden,  aber -  Aber wem  soll ich nun
       mehr glauben,  der Nationalökonomie  oder der  Moral? - Die Moral
       der Nationalökonomie  ist der   E r w e r b,   die Arbeit und die
       Sparsamkeit, die  Nüchternheit -  aber die  Nationalökonomie ver-
       spricht mir, meine Bedürfnisse zu befriedigen. - Die Nationalöko-
       nomie der  Moral ist  der Reichtum  an gutem  Gewissen, an Tugend
       etc., aber  wie kann ich tugendhaft sein, wenn ich nicht bin, wie
       ein gutes  Gewissen haben,  wenn ich  nichts weiß? Es ist dies im
       Wesen der Entfremdung gegründet, daß jede Sphäre einen andren und
       entgegengesetzten Maßstab  an mich  legt, einen andren die Moral,
       einen andren  die Nationalökonomie, weil jede eine bestimmte Ent-
       fremdung des Menschen ist und jede> ¦¦XVII¦ einen besondren Kreis
       der entfremdeten Wesenstätigkeit fixiert, jede sich entfremdet zu
       der andren  Entfremdung verhält... So wirft Herr Michel Chevalier
       dem Ricardo  vor, daß  er von der Moral abstrahiert. Aber Ricardo
       läßt die Nationalökonomie ihre eigne Sprache sprechen. Wenn diese
       nicht moralisch  spricht, so ist es nicht die Schuld von Ricardo.
       M. Ch[evalier]  abstrahiert von  der Nationalökonomie,  soweit er
       moralisiert, aber  er abstrahiert  notwendig und wirklich von der
       Moral, soweit  er Nationalökonomie  treibt. Die Beziehung der Na-
       tionalökonomie auf  die Moral, wenn sie anders nicht willkürlich,
       zufällig und  daher unbegründet  und unwissenschaftlich ist, wenn
       sie nicht zum  S c h e i n  vorgemacht, sondern als  w e s e n t-
       l i c h   gemeint wird,  kann doch  nur die  Beziehung der natio-
       nalökonomischen Gesetze  auf die  Moral sein;  wenn diese  nicht,
       oder vielmehr  das Gegenteil stattfindet, was kann Ricardo dafür?
       Übrigens ist  auch der Gegensatz der Nationalökonomie und der Mo-
       ral nur ein  S c h e i n  und,  w i e  e r  e i n  Gegensatz ist,
       wieder  kein   Gegensatz.  Die  Nationalökonomie  drückt  nur  in
       i h r e r  W e i s e  die moralischen Gesetze aus. -
       <Die Bedürfnislosigkeit  als  das  Prinzip  der  Nationalökonomie
       zeigt sich  am  g l ä n z e n d s t e n  in ihrer  B e v ö l k e-
       r u n g s t h e o r i e.   Es gibt  zu   v i e l  Menschen. Sogar
       das Dasein  der Menschen  ist  ein  purer  Luxus,  und  wenn  der
       Arbeiter "moralisch" ist (Mill schlägt öffentliche Belobungen für
       die  vor,  die  sich  enthaltsam  in  geschlechtlicher  Beziehung
       zeigen, und  öffentlichen Tadel  für die, die sich versündigen an
       dieser Unfruchtbarkeit  der Ehe  [119]... ist  das  nicht  Moral,
       Lehre von  der Askese?), wird er  s p a r s a m  sein an Zeugung.
       Die Produktion des Menschen erscheint als öffentliches Elend. ->
       Der Sinn,  den die Produktion in bezug auf die Reichen hat, zeigt
       sich  o f f e n b a r t  in dem Sinne, den sie für die Armen hat;
       nach oben  ist die  Äußerung immer  fein, versteckt,  zweideutig,
       Schein, nach  unten hin grob, gradheraus, offenherzig, Wesen. Das
       r o h e  Bedürfnis des Arbeiters ist eine viel
       
       #552# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       größere Quelle  des Gewinns  als das  f e i n e  des Reichen. Die
       Kellerwohnungen in  London bringen  ihren Vermietern mehr ein als
       die Paläste,  d. h., sie sind in bezug auf ihn ein  g r ö ß t e r
       R e i c h t u m,   also, um  nationalökonomisch zu  sprechen, ein
       größrer  g e s e l l s c h a f t l i c h e r  Reichtum. - Und wie
       die Industrie  auf die  Verfeinerung der  Bedürfnisse, ebensosehr
       spekuliert sie  auf ihre   R o h e i t,   aber auf ihre künstlich
       hervorgebrachte   Roheit,    deren   wahrer   Genuß   daher   die
       S e l b s t b e t ä u b u n g   ist, diese    s c h e i n b a r e
       Befriedigung des  Bedürfnisses, diese  Zivilisation    i n n e r-
       h a l b   der rohen  Barbarei des  Bedürfnisses.  Die  englischen
       Schnapsläden sind darum  s i n n b i l d l i c h e  Darstellungen
       des Privateigentums.  Ihr   L u x u s  zeigt das wahre Verhältnis
       des industriellen  Luxus und  Reichtums zum  Menschen.  Sie  sind
       daher mit  Recht auch  die  einzigen,  wenigstens  mild  von  der
       englischen Polizei  behandelten Sonntagsvergnügungen  des Volkes.
       ¦XVII¦¦ [120]
       ¦¦XVIII¦ Wir  haben schon  gesehn, wie der Nationalökonom Einheit
       von Arbeit  und Kapital  auf vielfache  Art setzt. 1. Das Kapital
       ist   a u f g e h ä u f t e   A r b e i t;  2. die Bestimmung des
       Kapitals innerhalb der Produktion, teils die Reproduktion des Ka-
       pitals mit  Gewinn, teils  das Kapital als Rohstoff (Material der
       Arbeit), teils  als selbst   a r b e i t e n d e s   I n s t r u-
       m e n t   - die Maschine ist das unmittelbar mit der Arbeit iden-
       tisch gesetzte  Kapital -, ist  p r o d u k t i v e  A r b e i t;
       3. der Arbeiter ist ein Kapital; 4. der Arbeitslohn gehört zu den
       Kosten des  Kapitals; 5. in bezug auf den Arbeiter ist die Arbeit
       die Reproduktion  seines Lebenskapitals;  6.  in  bezug  auf  den
       Kapitalisten ein Moment der Tätigkeit seines Kapitals.
       Endlich 7.  unterstellt der Nationalökonom die ursprüngliche Ein-
       heit beider als die Einheit von Kapitalist und Arbeiter, dies ist
       der paradiesische  Urzustand. Wie diese beiden Momente ¦¦XIX¦ als
       2 Personen  sich entgegenspringen,  ist für  den Nationalökonomen
       ein   z u f ä l l i g e s  und darum nur äußerlich zu erklärendes
       Ereignis. (Siehe Mill.) - Die Nationen, welche noch von dem sinn-
       lichen Glanz  der edlen Metalle geblendet und darum noch Fetisch-
       diener des  Metallgeldes sind  - sind  noch nicht die vollendeten
       Geldnationen. Gegensatz  von Frankreich  und England.  - Wie sehr
       die Lösung  der theoretischen  Rätsel eine Aufgabe der Praxis und
       praktisch vermittelt  ist, wie die wahre Praxis die Bedingung ei-
       ner wirklichen  und positiven  Theorie ist,  zeigt sich  z. B. am
       F e t i s c h i s m u s.   Das sinnliche  Bewußtsein des Fetisch-
       dieners ist ein andres wie das des Griechen, weil sein sinnliches
       Dasein noch  ein andres  ist. Die  abstrakte Feindschaft zwischen
       Sinn und Geist ist notwendig, solang der menschliche Sinn für die
       Natur,  der   menschliche  Sinn   der  Natur,   also   auch   der
       n a t ü r l i c h e  Sinn des  M e n s c h e n,  noch nicht durch
       die
       
       #553# Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung
       -----
       eigne Arbeit  des Menschen  produziert ist.  - Die   G l e i c h-
       h e i t   ist nichts  andres  als  das  deutsche  Ich  =  Ich  in
       französische, d.h.  politische Form übersetzt. Die Gleichheit als
       G r u n d   des Kommunismus  ist seine   p o l i t i s c h e  Be-
       gründung und ist dasselbe, als wenn der Deutsche ihn sich dadurch
       begründet,  daß   er  den  Menschen  als    a l l g e m e i n e s
       S e l b s t b e w u ß t s e i n   faßt. Es versteht sich, daß die
       Aufhebung der  Entfremdung immer von der Form der Entfremdung aus
       geschieht, welche  die   h e r r s c h e n d e    Macht  ist,  in
       Deutschland das  S e l b s t  b e w u ß t s e i n,  in Frankreich
       die  G l e i c h h e i t,  weil die Politik, in England das wirk-
       liche, materielle,  sich nur  an sich  selbst messende   p r a k-
       t i s c h e   Bedürfnis. Von  diesem Punkt  aus ist  Proudhon  zu
       kritisieren  und   anzuerkennen.  -  Wenn  wir  den    K o m m u-
       n i s m u s   selbst noch  - weil  als Negation der Negation, als
       die Aneignung  des menschlichen  Wesens, die  sich mit sich durch
       Negation des  Privateigent[ums vermi]ttelt,  daher noch nicht als
       die   w a h r e,   von sich  selbst, sondern vielmehr vom Privat-
       eigentum aus  beginnende Position  -  bezeichnen,  [...]  1*)  in
       altdeutscher Weise  - nach  Weise der Hegelschen Phänomenologie -
       so aufzu-  [...] als  ein   ü b e r w u n d e n e s   M o m e n t
       nun abgemacht  sei und  man [...]  könne und sich dabei beruhigen
       könne, ihn in seinem Bewußtsein aufge- [...] des menschlichen We-
       sens nur durch die  w i r k l i c h e  [...] aufhebung seines Ge-
       dankens nach wie vor [...] da also mit ihm die wirkliche Entfrem-
       dung des  menschlichen Lebens  bleibt und eine um so größere Ent-
       fremdung bleibt,  je mehr  man ein  Bewußtsein über  sie als eine
       solche hat  - vollbracht  werden kann,  so ist sie also nur durch
       den  ins  Werk  gesetzten  Kommunismus  zu  vollbringen.  Um  den
       G e d a n k e n   des Privateigentums aufzuheben, dazu reicht der
       g e d a c h t e   Kommunismus vollständig  aus. Um  das wirkliche
       Privateigentum aufzuheben,  dazu gehört  eine   w i r k l i c h e
       kommunistische Aktion.  Die Geschichte wird sie bringen, und jene
       Bewegung, die  wir   i n   G e d a n k e n   schon als  eine sich
       selbst aufhebende  wissen, wird  in der  Wirklichkeit einen  sehr
       rauhen und  weitläufigen Prozeß durchmachen. Als einen wirklichen
       Fortschritt müssen wir es aber betrachten, daß wir von vornherein
       sowohl von  der Beschränktheit  als dem  Ziel der geschichtlichen
       Bewegung, und ein sie überbietendes Bewußtsein erworben haben. -
       Wenn die  kommunistischen  H a n d w e r k e r  sich vereinen, so
       gilt ihnen  zunächst die  Lehre, Propaganda  etc. als Zweck. Aber
       zugleich eignen  sie sich  dadurch ein  neues Bedürfnis,  das Be-
       dürfnis der  Gesellschaft an,  und was  als Mittel erscheint, ist
       zum Zweck  geworden. Diese  praktische Bewegung kann man in ihren
       glänzendsten Resultaten  anschauen, wenn man sozialistische fran-
       zösische ouvriers  vereinigt sieht.  Rauchen, Trinken, Essen etc.
       sind
       -----
       1*) Von dieser Manuskriptseite ist ein Stück abgerissen
       
       #554# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       nicht mehr da als Mittel der Verbindung oder als verbindende Mit-
       tel. Die  Gesellschaft, der  Verein, die Unterhaltung, die wieder
       die Gesellschaft zum Zweck hat, reicht ihnen hin, die Brüderlich-
       keit der  Menschen ist  keine Phrase, sondern Wahrheit bei ihnen,
       und der  Adel der  Menschheit leuchtet uns aus den von der Arbeit
       verhärteten Gestalten entgegen.
       ¦¦XX¦ <Wenn die Nationalökonomie behauptet, daß Nachfrage und Zu-
       fuhr sich  immer decken,  so vergißt sie sogleich, daß nach ihrer
       eignen Behauptung die Zufuhr von  M e n s c h e n  (Bevölkerungs-
       theorie)  immer  die  Nachfrage  übersteigt,  daß  also  bei  dem
       wesentlichen Resultat  der ganzen  Produktion -  der Existenz des
       Menschen - das Mißverhältnis zwischen Nachfrage und Zufuhr seinen
       entschiedensten Ausdruck erhält.
       Wie sehr das Geld, das als Mittel erscheint, die wahre  M a c h t
       und der  einzige   Z w e c k   ist -  wie sehr  überhaupt   d a s
       M i t t e l,  das mich zum Wesen macht, das mir das fremde gegen-
       ständliche Wesen  aneignet,   S e l b s t z w e c k   ist..., das
       kann man  daraus ersehn,  wie Grundeigentum,  da wo der Boden die
       Lebensquelle,   P f e r d   und   S c h w e r t,   da wo  sie das
       w a h r e   L e b e n s m i t t e l   sind -  auch als die wahren
       politischen Lebensmächte  anerkannt sind.  Im Mittelalter ist ein
       Stand emanzipiert, sobald er das  S c h w e r t  tragen darf. Bei
       nomadischen Bevölkerungen  ist das   R o ß   das,  was  mich  zum
       Freien, zum Teilnehmer am Gemeinwesen macht. -
       Wir haben  oben gesagt, daß der Mensch zu der  H ö h l e n w o h-
       n u n g  etc., aber zu ihr unter einer entfremdeten, feindseligen
       Gestalt  zurückkehrt.   Der  Wilde   in  seiner  Höhle  -  diesem
       unbefangen sich  zum Genuß und Schutz darbietenden Naturelement -
       fühlt sich  nicht fremder,  oder fühlt sich vielmehr so heimisch,
       als der   F i s c h   im Wasser. Aber die Kellerwohnung des Armen
       ist ein  feindliches, als "fremde Macht an sich haltende Wohnung,
       die sich  ihm nur  hingibt,  sofern  er  seinen  Blutschweiß  ihr
       hingibt", die  er nicht  als seine  Heimat -  wo er endlich sagen
       könnte, hier  bin ich  zu Hause  - betrachten  darf, wo  er  sich
       vielmehr in dem Haus eines  a n d e r n,  in einem  f r e m d e n
       Hause,  befindet,  der  täglich  auf  der  Lauer  steht  und  ihn
       hinauswirft, wenn  er nicht  die Miete  zahlt. Ebenso weiß er der
       Qualität nach  seine  Wohnung  im  Gegensatz  zur    j e n s e i-
       t i g e n,   im Himmel  des Reichtums, residierenden menschlichen
       Wohnung.
       Die Entfremdung  erscheint sowohl darin, daß  m e i n  Lebensmit-
       tel eines   a n d e r n   ist, daß das, was  m e i n  Wunsch, der
       unzugängliche Besitz  eines  a n d e r n  ist, als daß jede Sache
       selbst ein   a n d r e s  als sie selbst, als daß meine Tätigkeit
       ein   a n d r e s,  als endlich - und das gilt auch für den Kapi-
       talisten -  daß überhaupt  die   u n m e n s c h l i c h e  Macht
       her[rscht] 1*).
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       1*) Manuskript beschädigt
       
       #555# Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung
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       Die Bestimmung  des sich  nur zum  Genuß preisgebenden, untätigen
       und verschwendenden  Reichtums - worin der Genießende zwar einer-
       seits sich als ein nur  v e r g ä n g l i c h e s,  wesenlos sich
       austobendes Individuum   b e t ä t i g t,   und ebenso die fremde
       Sklavenarbeit, den  menschlichen   B l u t s c h w e i ß  als die
       Beute seiner  Begierde und  darum den  Menschen selbst, also auch
       sich selbst  als ein  aufgeopfertes, nichtiges  Wesen weiß, wobei
       die Menschenverachtung als Übermut, als ein Wegwerfen dessen, was
       hundert menschliche  Leben fristen kann, teils als die infame Il-
       lusion erscheint, daß seine zügellose Verschwendung und haltlose,
       improduktive Konsumtion  die   A r b e i t  und damit die  S u b-
       s i s t e n z   des andren  bedingt -  der die Verwirklichung der
       menschlichen   W e s e n s k r ä f t e    nur als  Verwirklichung
       seines Unwesens,  seiner Laune  und willkürlich bizarren Einfälle
       weiß - dieser Reichtum, der aber andrerseits den Reichtum als ein
       bloßes Mittel  und nur der Vernichtung wertes Ding weiß, der also
       zugleich sein  Sklave  und  sein  Herr,  zugleich  großmütig  und
       niederträchtig, launenhaft, dünkelhaft, eingebildet, fein, gebil-
       det,  geistreich  ist  -  dieser  Reichtum  hat  noch  nicht  den
       R e i c h t u m   als eine  gänzlich f r e m d e  M a c h t  über
       sich selbst  erfahren; er  sieht in  ihm vielmehr nur seine eigne
       Macht, und [nicht] 1*) der Reichtum, sondern der  G e n u ß  [ist
       ihm letzter]  1*) Endzweck. Dieser [...] 2*) ¦¦XXI¦ und der glän-
       zenden, durch den sinnlichen Schein geblendeten Illusion über das
       Wesen des  Reichtums tritt  der   a r b e i t e n d e,   n ü c h-
       t e r n e,  p r o s a i s c h e,  ö k o n o m i s c h e  3*) über
       das Wesen  des Reichtums aufgeklärte Industrielle gegenüber - und
       wie er  seiner Genußsucht  einen größeren Umkreis verschafft, ihm
       schöne  Schmeicheleien   in  seinen  Produktionen  sagt  -  seine
       Produkte sind  ebensoviel niedrige Komplimente an die Gelüste des
       Verschwenders -,  so weiß  er die  jenem verschwindende Macht auf
       die einzig  n ü t z l i c h e  Weise sich selbst anzueignen. Wenn
       sonach  der  industrielle  Reichtum  zunächst  als  Resultat  des
       verschwenderischen, phantastischen  Reichtums erscheint - so ver-
       drängt die  Bewegung des  erstem auch auf tätige Weise, durch ihm
       eigne Bewegung  den letztern. Das Fallen des  G e l d z i n s e s
       ist nämlich  eine notwendige  Konsequenz und  Resultat der  indu-
       striellen Bewegung.  Die Mittel  des verschwenderischen  Rentiers
       vermindern sich  also täglich  grade  in    u m g e k e h r t e m
       Verhältnis  zur   Vermehrung  der   Mittel  und  Fallstricke  des
       Genusses. Er  muß also  entweder sein  Kapital selbst  verzehren,
       also zugrunde  gehn oder  selbst zum  industriellen  Kapitalisten
       werden... Andrerseits  steigt zwar  die  G r u n d r e n t e  un-
       mittelbar beständig  durch den  Lauf der  industriellen Bewegung,
       aber -
       -----
       1*) Manuskript beschädigt  - 2*) von  dieser Manuskriptseite  ist
       ein Stück  abgerissen; es  fehlen etwa  drei Zeilen  -  3*) "öko-
       nomische" steht in der Handschrift über "prosaische"
       
       #556# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       wir haben  es schon gesehn - es kömmt notwendig ein Zeitpunkt, wo
       das Grundeigentum  in die  Kategorie des mit Gewinn sich reprodu-
       zierenden Kapitals,  wie jedes  andre Eigentum,  fallen muß - und
       zwar ist dies das Resultat derselben industriellen Bewegung. Also
       muß auch  der verschwenderische  Grundherr entweder  sein Kapital
       verzehren, also  zugrunde gehn  - oder  selbst der Pächter seines
       eignen Grundstücks  - ackerbauender  Industrieller werden.  - Die
       Verminderung des  Geldzinses -  welche Proudhon als die Aufhebung
       des Kapitals und als Tendenz nach der Sozialisierung des Kapitals
       betrachtet -  ist daher  vielmehr unmittelbar nur ein Symptom von
       dem  vollständigen   Sieg  des   arbeitenden  Kapitals  über  den
       verschwenderischen Reichtum, d.h. die Verwandlung alles Privatei-
       gentums in industrielles Kapital - der vollständige Sieg des Pri-
       vateigentums über  alle dem   S c h e i n  nach noch menschlichen
       Qualitäten desselben  und die  völlige Unterjochung des Privatei-
       gentümers unter das Wesen des Privateigentums - die  A r b e i t.
       Allerdings genießt  auch der  industrielle Kapitalist.  Er  kehrt
       keineswegs zur unnatürlichen Einfachheit des Bedürfnisses zurück,
       aber sein  Genuß ist  nur Nebensache, Erholung, untergeordnet der
       Produktion, dabei   b e r e c h n e t e r,   also  selbst  ö k o-
       n o m i s c h e r   Genuß, denn  er schlägt  seinen Genuß  zu den
       Kosten des  Kapitals, und  sein Genuß  darf ihm  daher nur soviel
       kosten, daß  das an  ihm Verschwendete durch die Reproduktion des
       Kapitals mit Gewinn wieder ersetzt wird. Der Genuß ist also unter
       das Kapital, das genießende Individuum unter das kapitalisierende
       subsumiert, während früher das Gegenteil stattfand. Die Abnehmung
       der Zinsen  ist daher  nur insofern ein Symptom der Aufhebung des
       Kapitals, als  sie ein  Symptom seiner  sich  vollendenden  Herr-
       schaft, der  sich vollendenden und daher ihrer Aufhebung zueilen-
       den Entfremdung  ist. Dies  ist überhaupt  die einzige Weise, wie
       das Bestehende  sein Gegenteil  bestätigt. -> Der Zank der Natio-
       nalökonomen über  Luxus und  Ersparung ist daher nur der Zank der
       über das  Wesen des Reichtums ins klare gekommenen Nationalökono-
       mie mit  derjenigen, die noch mit romantischen, antiindustriellen
       Erinnerungen behaftet  ist. Beide  Teile wissen sich aber den Ge-
       genstand des Streits nicht auf seinen einfachen Ausdruck zu brin-
       gen und werden daher nicht miteinander fertig.- ¦XXI¦¦ [121]
       ¦¦XXXIV¦ Die   G r u n d r e n t e   wurde  ferner qua Grundrente
       gestürzt -  indem von der neuern Nationalökonomie im Gegensatz zu
       dem Argument der Physiokraten, der Grundeigentümer sei der einzig
       wahre Produzent, vielmehr bewiesen wurde, daß der Grundeigentümer
       als solcher  vielmehr der  einzige ganz improduktive Rentier sei.
       Die Agrikultur sei Sache des Kapitalisten,
       
       #557# Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung
       -----
       der seinem  Kapital diese Anwendung gebe, wenn er von ihr den ge-
       wöhnlichen Gewinn  zu erwarten  habe. Die Aufstellung der Physio-
       kraten - daß das Grundeigentum als das einzig produktive Eigentum
       allein die Staatssteuer zu zahlen, also auch allein sie zu bewil-
       ligen und  teil an dem Staatswesen zu nehmen habe - verkehrt sich
       daher in die umgekehrte Bestimmung, daß die Steuer auf Grundrente
       die einzige Steuer auf ein improduktives Einkommen sei, daher die
       einzige Steuer,  welche der nationalen Produktion nicht schädlich
       sei. Es  versteht sich,  daß, so gefaßt, auch das politische Vor-
       recht der  Grundeigentümer nicht  mehr aus  ihrer hauptsächlichen
       Besteuerung folgt. -
       Alles, was  Proudhon als  Bewegung der  Arbeit gegen  das Kapital
       faßt, ist nur die Bewegung der Arbeit in der Bestimmung des Kapi-
       tals, des  i n d u  s t r i e l l e n  K a p i t a l s  gegen das
       nicht   a l s  Kapital, d.h. nicht industriell sich konsumierende
       Kapital. Und  diese Bewegung geht ihren siegreichen Weg, d.h. den
       Weg des  Sieges des   i n d u s t r i e l l e n   Kapitals. - Man
       sieht also,  daß erst, indem die  A r b e i t  als Wesen des Pri-
       vateigentums gefaßt  wird, auch  die nationalökonomische Bewegung
       als solche  in ihrer  wirklichen Bestimmtheit  durchschaut werden
       kann. -
       Die   G e s e l l s c h a f t  - wie sie für den Nationalökonomen
       erscheint  -   ist  die     b ü r g e r l i c h e    G e s e l l-
       s c h a f t,   worin jedes Individuum ein Ganzes von Bedürfnissen
       ist und  es nur  ¦¦XXXV¦ für den andern, wie der andre nur für es
       da ist,  insofern sie  sich wechselseitig  zum Mittel werden. Der
       Nationalökonom -  so gut,  wie  die  Politik  in  ihren    M e n-
       s c h e n r e c h t e n   - reduziert  alles auf den Menschen, d.
       h. auf  das Individuum,  von welchem  er  alle  Bestimmtheit  ab-
       streift, um  es als  Kapitalist oder  Arbeiter zu fixieren. - Die
       T e i l u n g   d e r   A r b e i t   ist der nationalökonomische
       Ausdruck von  der  G e s e l l s c h a f t l i c h k e i t  d e r
       A r b e i t  innerhalb der Entfremdung. Oder, da die  A r b e i t
       nur ein  Ausdruck der menschlichen Tätigkeit innerhalb der Entäu-
       ßerung, der Lebensäußerung als Lebensentäußerung ist, so ist auch
       die   T e i l u n g   d e r   A r b e i t   nichts andres als das
       e n t f r e m d e t e,  e n t ä u ß e r t e  Setzen der menschli-
       chen Tätigkeit als einer  r e a l e n  G a t t u n g s t ä t i g-
       k e i t   oder als   T ä t i g k e i t   d e s    M e n s c h e n
       a l s  G a t t u n g s w e s e n.
       Über das   W e s e n   der   T e i l u n g  d e r  A r b e i t  -
       welche natürlich  als ein Hauptmotor der Produktion des Reichtums
       gefaßt werden  mußte, sobald die  A r b e i t  als das  W e s e n
       des   P r i v a t e i g e n t u m s   erkannt war  -  d.h.,  über
       diese e n t f r e m d e t e   u n d   e n t ä u ß e r t e    G e-
       s t a l t  der  m e n s c h l i c h e n  T ä t i g k e i t  a l s
       G a t t u n g s t ä t i g k e i t  sind die Nationalökonomen sehr
       unklar und sich widersprechend.
       
       Adam Smith:  "Die   T e i l u n g   d e r   A r b e i t  verdankt
       nicht der  menschlichen Weisheit ihren Ursprung. Sie ist die not-
       wendige, langsame  und stufenweise  Konsequenz des Hangs zum Aus-
       tausch und des wechselseitigen Verschacherns der Produkte. Dieser
       
       #558# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       Hang zum  Handel ist wahrscheinlich eine notwendige Folge des Ge-
       brauchs der  Vernunft und  des Wortes.  Er ist allen Menschen ge-
       meinschaftlich, findet  sich bei keinem Tier. Das Tier, sobald es
       erwachsen ist, lebt auf seine Faust. Der Mensch hat beständig die
       Unterstützung von  andern nötig, und vergeblich würde er sie bloß
       von ihrem  Wohlwollen erwarten.  Es wird viel sicherer sein, sich
       an ihr persönliches Interesse zu wenden und sie zu überreden, ihr
       eigner Vorteil  erheische das  zu tun,  was er von ihnen wünscht.
       Wir  adressieren   uns  bei   andern  Menschen   nicht  an   ihre
       M e n s c h h e i t  1*), sondern an ihren  E g o i s m u s  1*);
       wir sprechen  ihnen niemals  von  u n s e r n  B e d ü r f n i s-
       s e n   1*), sondern  immer von  i h r e m  V o r t e i l  1*). -
       Da wir also durch Tausch, Handel, Schacher die Mehrzahl der guten
       Dienste, die  uns wechselseitig  nötig sind,  erhalten, so ist es
       diese Disposition  zum   S c h a c h e r,   welche  der    T e i-
       l u n g   d e r  A r b e i t  ihren Ursprung gegeben hat. Z.B. In
       einem Tribus  von Jägern  oder Hirten  macht ein Privatmann Bogen
       und Sehnen  mit mehr Geschwindigkeit und Geschicklichkeit als ein
       andrer. Er  vertauscht oft  mit seinen  Genossen diese  Arten von
       Tagwerk gegen  Vieh und  Wild, er  bemerkt bald, daß er letzteres
       durch dieses  Mittel sich  leichter verschaffen kann, als wenn er
       selbst auf die Jagd ginge. Aus interessierter Berechnung macht er
       also aus der Fabrikation der Bogen etc. seine Hauptbeschäftigung.
       Die Differenz  der   n a t ü r l i c h e n   T a l e n t e    1*)
       unter den Individuen ist nicht sowohl die  U r s a c h e  1*) als
       der   E f f e k t   1*) der Teilung der Arbeit... Ohne die Dispo-
       sition  des   Menschen,  zu  handeln  und  tauschen,  wäre  jeder
       verpflichtet gewesen,  sich selbst  alle Notwendigkeiten  und Be-
       quemlichkeiten   des   Lebens   zu   verschaffen.   Jeder   hätte
       d a s s e l b e   T a g e w e r k   1*) zu  erfüllen gehabt,  und
       jene große   D i f f e r e n z  1*) der  B e s c h ä f t i g u n-
       g e n   1*), welche  allein  eine  große  Differenz  der  Talente
       erzeugen kann,  hätte nicht  stattgefunden. - Wie nun dieser Hang
       zum Tauschen  die Verschiedenheit  der Talente  erzeugt unter den
       Menschen, so ist es auch derselbe Hang, der diese Verschiedenheit
       nützlich  macht.   -  Viele  Tierracen,  obgleich  von  derselben
       species, haben  von der Natur unterschiedene Charaktere erhalten,
       die in bezug auf ihre Anlagen augenfälliger sind, als man bei den
       ungebildeten  Menschen  beobachten  könnte.  Von  Natur  ist  ein
       Philosoph nicht  halb so  verschieden  von  einem  Sackträger  an
       Talent und  Intelligenz als  ein Haushund von einem Windhund, ein
       Windhund von  einem Wachtelhund und dieser von einem Schäferhund.
       Dennoch sind diese verschiednen Tierracen, obgleich von derselben
       species,  fast  von  gar  keiner  Nützlichkeit  füreinander.  Der
       Hofhund  kann   den  Vorteilen   seiner  Stärke  ¦¦XXXVI¦  nichts
       hinzufügen  dadurch,  daß  er  sich  etwa  der  Leichtigkeit  des
       Windhundes etc.  bediente. Die  Wirkungen dieser verschiednen Ta-
       lente oder  Stufen der  Intelligenz können, aus Mangel der Fähig-
       keit oder  des Hangs zum Handel und Austausch, nicht zusammen, in
       Gemeinschaft, geworfen  werden  und  können  durchaus  nicht  zum
       V o r t e i l    oder  zur    g e m e i n s c h a f t l i c h e n
       B e q u e m l i c h k e i t   1*) der  s p e c i e s  1*) beitra-
       gen ...  Jedes Tier  muß sich  selbst unterhalten und beschützen,
       unabhängig von  den andern  - es kann nicht den geringsten Nutzen
       von der Verschiedenheit der Talente ziehn, welche die Natur unter
       seinesgleichen verteilt  hat. Unter den Menschen dagegen sind die
       disparatesten  Talente   einander  nützlich,  weil  die    v e r-
       s c h i e d n e n   P r o d u k t e   1*) jeder ihrer respektiven
       Industriezweige, vermittelst
       -----
       1*) Hervorhebung von Marx
       
       #559# Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung
       -----
       dieses allgemeinen Hangs zum Handel und Austausch, sich sozusagen
       in eine  gemeinschaftliche Masse geworfen finden, wo jeder Mensch
       nach seinen  Bedürfnissen kaufen  gehn kann  irgendeinen Teil des
       Produkts der  Industrie  des  andern.  -  Weil  dieser  Hang  zum
       A u s t a u s c h   der  T e i l u n g  d e r  A r b e i t  ihren
       Ursprung gibt,  so ist folglich das  W a c h s t u m  d i e s e r
       T e i l u n g   1*) immer  beschränkt  durch  die    A u s d e h-
       n u n g   1*) der   F ä h i g k e i t   a u s z u t a u s c h e n
       1*)   oder, in andern Worten, durch die  A u s d e h n u n g  1*)
       d e s   1*)   M a r k t e s.   Ist der  Markt sehr klein, so wird
       niemand ermutigt sein, sich gänzlich einer einzigen Beschäftigung
       zu ergeben,  aus Mangel,  das Mehr  des Produkts  seiner  Arbeit,
       welches seine  eigne Konsumtion  übersteigt, gegen  ein  gleiches
       Mehr des  Produkts der  Arbeit eines  andern, das er sich zu ver-
       schaffen  wünschte,   austauschen  zu  können..."  Im    f o r t-
       g e s c h r i t t n e n   1*) Zustand:  "Jeder Mensch besteht von
       échanges, vom  Austausch und  wird eine  Art von   H a n d e l s-
       m a n n   1*) und  die  G e s e l l s c h a f t  s e l b s t  1*)
       ist eigentlich  eine   h a n d e l s t r e i b e n d e   1*)  Ge-
       sellschaft." (Sieh  Destutt de  Tracy: "Die Gesellschaft ist eine
       Reihe von  wechselseitigem Austausch,  in dem  Commerce liegt das
       ganze Wesen  der Gesellschaft."  [122]) "... Die Akkumulation der
       Kapitalien steigt  mit der Teilung der Arbeit und wechselseitig."
       -
       
       Soweit Adam Smith. [123]
       
       "Wenn jede Familie die Totalität der Gegenstände ihrer Konsumtion
       erzeugte, könnte  die Gesellschaft in Gang bleiben, obgleich sich
       keine Art  von Austausch  bewerkstelligte -   o h n e  f u n d a-
       m e n t a l   1*) zu sein, ist der Austausch unentbehrlich in dem
       avancierten Zustand  unsrer Gesellschaft - die Teilung der Arbeit
       ist eine  geschickte Anwendung  der Kräfte  des  Menschen  -  sie
       vermehrt also  die Produkte der Gesellschaft, ihre Macht und ihre
       Genüsse, aber  sie beraubt,  vermindert die  Fähigkeit jedes Men-
       schen individuell  genommen.  -  Die  Produktion  kann  ohne  den
       Austausch nicht stattfinden." -
       
       So J.B. Say. [124]
       
       "Die dem  Menschen inhärenten  Kräfte sind: seine Intelligenz und
       seine physische Anlage zur Arbeit; diejenigen, welche von dem ge-
       sellschaftlichen Zustand ihren Ursprung ableiten, bestehn: in der
       Fähigkeit, die   A r b e i t   zu    t e i l e n    1*)  und  die
       v e r s c h i e d n e n     A r b e i t e n    u n t e r    d i e
       v e r s c h i e d n e n  M e n s c h e n  a u s z u t e i l e n 1
       ... und  in dem   V e r m ö g e n,  die  w e c h s e l s e i t i-
       g e n   D i e n s t e  1*) auszutauschen und die Produkte, welche
       diese Mittel  konstituieren ...  Das Motiv,  warum ein Mensch dem
       andern seine  Dienste widmet,  ist der  Eigennutz  -  der  Mensch
       verlangt eine Rekompens für die einem andern geleisteten Dienste.
       - Das  Recht des  exklusiven Privateigentums  ist  unentbehrlich,
       damit  sich   der  Austausch   unter  den   Menschen  etabliere."
       "Austausch und Teilung der Arbeit bedingen sich wechselseitig."
       
       So Skarbek. [125]
       
       Mill   stellt den  entwickelten Austausch, den  H a n d e l,  als
       F o l g e  der  T e i l u n g  d e r  A r b e i t  dar.
       
       "Die Tätigkeit des Menschen kann auf sehr einfache Elemente redu-
       ziert werden.  Er kann  in Wahrheit nichts mehr tun, als Bewegung
       produzieren; er kann die Sachen
       -----
       1*) Hervorhebung von Marx
       
       #560# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       bewegen, um  sie voneinander zu ent-¦¦XXXVII¦fernen oder einander
       zu nähern;  die Eigenschaften der Materie tun das übrige. Bei der
       Anwendung der  Arbeit und  der Maschinen  findet man oft, daß die
       Wirkungen durch  eine geschickte  Verteilung vermehrt werden kön-
       nen, durch  Trennung der Operationen, die sich entgegenstehn, und
       durch Vereinigung  aller derjenigen,  welche auf irgendeine Weise
       sich wechselseitig fördern können. Da im allgemeinen die Menschen
       nicht viele  verschiedne Operationen mit gleicher Geschwindigkeit
       und Geschicklichkeit exekutieren können, wie die Gewohnheit ihnen
       diese Fähigkeit für die Ausübung einer kleinern Zahl verschafft -
       so ist  es immer vorteilhaft, soviel als möglich die Zahl der je-
       dem Individuum  anvertrauten Operationen  zu beschränken.  -  Zur
       Teilung der Arbeit und Verteilung der Kräfte des Menschen und der
       Maschinen auf  die vorteilhafteste  Art ist es notwendig in einer
       Menge von  Fällen, auf  einer großen  Stufenleiter  zu  operieren
       oder, in andren Worten, die Reichtümer in großen Massen zu produ-
       zieren. Dieser  Vorteil ist der Entstehungsgrund der großen Manu-
       fakturen, von  denen oft  eine kleine,  unter günstigen  Verhält-
       nissen gegründete Anzahl manchmal nicht nur ein einziges, sondern
       mehre Länder  approvisioniert mit  der hier  verlangten Quantität
       von den durch sie produzierten Objekten."
       
       So Mill. [126]
       Die ganze moderne Nationalökonomie aber stimmt darin überein, daß
       Teilung der  Arbeit und  Reichtum der Produktion, Teilung der Ar-
       beit und  Akkumulation des  Kapitals sich wechselseitig bedingen,
       wie daß  das   f r e i g e l a ß n e,  sich selbst überlaßne Pri-
       vateigentum allein  die nützlichste  und umfassendste Teilung der
       Arbeit hervorbringen kann.
       Adam Smiths  Entwicklung läßt  sich dahin resümieren: Die Teilung
       der Arbeit  gibt der  Arbeit die unendliche Produktionsfähigkeit.
       Sie ist  begründet in  dem   H a n g  zum  A u s t a u s c h  und
       S c h a c h e r,   einem spezifisch  menschlichen Hang, der wahr-
       scheinlich nicht  zufällig, sondern  durch den  Gebrauch der Ver-
       nunft und  der Sprache  bedingt ist. Das Motiv des Austauschenden
       ist nicht  die   M e n s c h h e i t,   sondern der    E g o i s-
       m u s.   Die Verschiedenartigkeit  der menschlichen  Talente  ist
       mehr die Wirkung als die Ursache der Teilung der Arbeit, i.e. des
       Austauschs.  Auch  macht  letzterer  erst  diese  Verschiedenheit
       nützlich. Die  besondren Eigenschaften  der  verschiedenen  Racen
       einer Tierart  sind von  Natur schärfer  als die  Verschiedenheit
       menschlicher Anlage  und Tätigkeit.  Weil die  Tiere  aber  nicht
       a u s z u t a u s c h e n   vermögen, nützt keinem Tierindividuum
       die unterschiedne Eigenschaft eines Tiers von derselben Art, aber
       von   verschiedner   Race.   Die   Tiere   vermögen   nicht   die
       unterschiednen Eigenschaften  ihrer species  zusammenzulegen; sie
       vermögen nichts zum  g e m e i n s c h a f t l i c h e n  Vorteil
       und  Bequemlichkeit   ihrer  species   beizutragen.  Anders   der
       M e n s c h,   wo die  disparatesten Talente und Tätigkeitsweisen
       sich wechselseitig nützen,
       
       #561# Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung
       -----
       w e i l  sie ihre  v e r s c h i e d n e n  Produkte zusammenwer-
       fen  können in eine gemeinschaftliche Masse, wovon  jeder  kaufen
       kann. Wie  die  Teilung  der  Arbeit  aus  dem  Hang  des  A u s-
       t a u s c h s  entspringt, so wächst sie und ist  begrenzt  durch
       die    A u s d e h n u n g     des    A u s t a u s c h s,    des
       M a r k t e s.  Im fortgeschrittnen Zustand jeder Mensch   H a n-
       d e l s m a n n,    die   Gesellschaft  eine  H a n d e l s g e -
       s e l l s c h a f t.
       Say betrachtet  den   A u s t a u s c h   als zufällig  und nicht
       fundamental. Die  Gesellschaft könnte  ohne ihn  bestehn. Er wird
       unentbehrlich im  avancierten Zustand  der Gesellschaft.  Dennoch
       kann die  P r o d u k t i o n  o h n e  i h n  nicht stattfinden.
       Die Teilung  der Arbeit  ist  ein    b e q u e m e s,    n ü t z-
       l i c h e s   Mittel, eine  geschickte Anwendung der menschlichen
       Kräfte für  den gesellschaftlichen  Reichtum, aber sie vermindert
       die   F ä h i g k e i t  j e d e s  M e n s c h e n  i n d i v i-
       d u e l l   genommen. Die  letztere Bemerkung ist ein Fortschritt
       von Say.
       Skarbek  unterscheidet   die    i n d i v i d u e l l e n,    dem
       M e n s c h e n   i n h ä r e n t e n   Kräfte,  Intelligenz  und
       physische Disposition  zur Arbeit,  von den  von der Gesellschaft
       h e r g e l e i t e t e n    Kräften,    A u s t a u s c h    und
       T e i l u n g   d e r   A r b e i t,  die sich  wechselseitig be-
       dingen. Aber die notwendige Voraussetzung des Austausches ist das
       P r i v a t e i g e n t u m.   Skarbek drückt hier unter objekti-
       ver Form  aus, was  Smith, Say,  Ricardo etc. sagen, wenn sie den
       E g o i s m u s,   das  P r i v a t i n t e r e s s e   als Grund
       des Austausches  oder den  S c h a c h e r  als die  w e s e n t-
       l i c h e  und  a d ä q u a t e  Form des Austausches bezeichnen.
       Mill stellt den  H a n d e l  als Folge der  T e i l u n g  d e r
       A r b e i t  dar. Die  m e n s c h l i c h e  Tätigkeit reduziert
       sich ihm  auf eine  m e c h a n i s c h e  B e w e g u n g.  Tei-
       lung der  Arbeit und Anwendung von Maschinen befördern den Reich-
       tum der  Produktion. Man muß jedem Menschen einen möglichst klei-
       nen Kreis  von Operationen  anvertrauen. Ihrerseits bedingen Tei-
       lung der  Arbeit und  Anwendung von  Maschinen die Produktion des
       Reichtums in  Masse, also  Konzentrierung der  Produk[tion]  1*).
       Dies der Grund der großen Manufakturen.
       ¦¦XXXVIII¦ Die Betrachtung der  T e i l u n g  d e r  A r b e i t
       und des  A u s t a u s c h e s  sind von höchstem Interesse, weil
       sie die   s i n n f ä l l i g   e n t ä u ß e r t e n   Ausdrücke
       der menschlichen   T ä t i g k e i t   und  W e s e n s k r a f t
       als einer   g a t t u n g s m ä ß i g e n   Tätigkeit und Wesens-
       kraft sind.
       Daß die   T e i l u n g   d e r   A r b e i t   und  der   A u s-
       t a u s c h   auf dem   P r i v a t e i g e n t u m   beruhn, ist
       nichts anders als die Behauptung, daß die  A r b e i t  das Wesen
       des Privateigentums  ist, eine Behauptung, die der Nationalökonom
       nicht beweisen  kann und  die wir  für ihn  beweisen wollen. Eben
       darin, daß  T e i l u n g
       -----
       1*) "Produk[tion]" in  der Handschrift nicht eindeutig zu entzif-
       fern
       
       #562# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       d e r  A r b e i t  und  A u s t a u s c h  Gestaltungen des Pri-
       vateigentums sind,  eben darin  liegt der doppelte Beweis, sowohl
       daß das   m e n s c h l i c h e   Leben  zu seiner Verwirklichung
       des  P r i v a t e i g e n t u m s  bedurfte wie andrerseits, daß
       es jetzt der Aufhebung des Privateigentums bedarf.
       T e i l u n g   d e r   A r b e i t  und  A u s t a u s c h  sind
       die beiden   E r s c h e i n u n g e n,   bei denen der National-
       ökonom auf die Gesellschaftlichkeit seiner Wissenschaft pocht und
       den Widerspruch  seiner Wissenschaft,  die Begründung der Gesell-
       schaft durch  das ungesellschaftliche  Sonderinteresse  in  einem
       Atemzug bewußtlos ausspricht.
       Die Momente,  die wir  zu betrachten haben, sind: Einmal wird der
       H a n g  des  A u s t a u s c h s  - dessen Grund im Egoismus ge-
       funden wird  - als  Grund oder Wechselwirkung der Teilung der Ar-
       beit  betrachtet.   Say  betrachtet   den  Austausch   als  nicht
       f u n d a m e n t a l  für das Wesen der Gesellschaft. Der Reich-
       tum, die  Produktion wird  durch die  Teilung der  Arbeit und den
       Austausch erklärt.  Die Verarmung und Entwesung der individuellen
       Tätigkeit durch  die Teilung  der Arbeit  wird zugestanden.  Aus-
       tausch und  Teilung der  Arbeit werden als Produzenten der großen
       V e r s c h i e d e n h e i t    d e r    m e n s c h l i c h e n
       T a l e n t e   anerkannt, eine Verschiedenheit, welche durch er-
       steren auch wieder  n ü t z l i c h  wird. Skarbek teilt die Pro-
       duktions- oder  produktiven Wesenskräfte des Menschen in 2 Teile,
       1. die  individuellen und  ihm inhärenten,  seine Intelligenz und
       spezielle Arbeitsdisposition  oder Fähigkeit,  2. die von der Ge-
       sellschaft -  nicht vom  wirklichen Individuum  -  a b g e l e i-
       t e t e n,   die Teilung  der Arbeit und den Austausch. - Ferner:
       Die Teilung  der Arbeit  ist durch  den Markt  beschränkt. -  Die
       menschliche Arbeit  ist einfache  m e c h a n i s c h e  B e w e-
       g u n g;   die Hauptsache  tun die  materiellen Eigenschaften der
       Gegenstände. - Einem Individuum müssen wenigst mögliche Operatio-
       nen zugeteilt  werden. -  Spaltung der  Arbeit und Konzentrierung
       des Kapitals,  die Nichtigkeit  der individuellen  Produktion und
       die Produktion  des Reichtums  in Masse.  - Verstand  des  freien
       Privateigentums in der Teilung der Arbeit. ¦XXXVIII¦¦ [127]
       
       [Geld]
       
       ¦¦XLI¦ Wenn  die   E m p f i n d u n g e n,   Leidenschaften etc.
       des Menschen nicht nur anthropologische Bestimmungen im [engeren]
       Sinn, sondern  wahrhaft    o n t o l o g i s c h e    Wesens-(Na-
       tur-)bejahungen sind  - und  wenn sie  nur dadurch  wirklich sich
       bejahen, daß  ihr   G e g e n s t a n d  s i n n l i c h  für sie
       ist, so  versteht sich,  1. daß die Weise ihrer Bejahung durchaus
       nicht eine und
       
       #563# Geld
       -----
       dieselbe ist,  sondern vielmehr die unterschiedne Weise der Beja-
       hung die Eigentümlichkeit ihres Daseins, ihres Lebens bildet; die
       Weise, wie  der Gegenstand  für sie,  ist die eigentümliche Weise
       ihres   G e n u s s e s;  2. da, wo die sinnliche Bejahung unmit-
       telbares Aufheben  des Gegenstandes  in seiner selbständigen Form
       ist (Essen,  Trinken, Bearbeiten des Gegenstandes etc.), ist dies
       die  Bejahung   des  Gegenstandes;   3.   insofern   der   Mensch
       m e n s c h l i c h,      also   auch   seine   Empfindung   etc.
       m e n s c h l i c h  ist, ist die Bejahung des Gegenstandes durch
       einen andren, ebenfalls sein eigner Genuß; 4. erst durch die ent-
       wickelte Industrie,  i.e. durch  die Vermittlung des Privateigen-
       tums, wird  das ontologische  Wesen der menschlichen Leidenschaft
       sowohl in seiner Totalität als in seiner Menschlichkeit; die Wis-
       senschaft vom  Menschen ist  also selbst  ein Produkt der prakti-
       schen Selbstbetätigung des Menschen; 5. der Sinn des Privateigen-
       tums -  losgelöst von  seiner Entfremdung  - ist das  D a s e i n
       der  w e s e n t l i c h e n  G e g e n s t ä n d e  für den Men-
       schen, sowohl als Gegenstand des Genusses wie der Tätigkeit. -
       Das   G e l d,  indem es die  E i g e n s c h a f t  besitzt, al-
       les zu kaufen, indem es die Eigenschaft besitzt, alle Gegenstände
       sich anzueignen,  ist also der  G e g e n s t a n d  im eminenten
       Sinn. Die  Universalität seiner   E i g e n s c h a f t   ist die
       Allmacht seines  Wesens; es  gilt daher als allmächtiges Wesen...
       Das Geld  ist der   K u p p l e r  zwischen dem Bedürfnis und dem
       Gegenstand, zwischen dem Leben und dem Lebensmittel des Menschen.
       Was mir  aber mein  Leben vermittelt,  das    v e r m i t t e l t
       m i r   auch das Dasein der andren Menschen für mich, Das ist für
       mich der  a n d r e  Mensch. -
       
       "Was Henker! Freilich Händ' und Füße
       Und Kopf und Hintre, die sind dein!
       Doch alle?, was ich frisch genieße,
       Ist das drum weniger mein?
       Wenn ich sechs Hengste zahlen kann
       Sind ihre Kräfte nicht die meine?
       Ich renne zu und bin ein rechter Mann
       Als hätt' ich vierundzwanzig Beine."
       Goethe, "Faust" (Mephisto) [128]
       
       Shakespeare im "Timon von Athen":
       
       "Gold? Kostbar flimmernd, rotes Gold? Nein, Götter!
       Nicht eitel fleht' ich.
       So viel hievon macht schwarz weiß, häßlich schön;
       Schlecht gut, alt jung, feig tapfer, niedrig edel.
       Dies lockt ... den Priester vom Altar;
       Reißt Halbgenesnen weg das Schlummerkissen:
       
       #564# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       Ja, dieser rote Sklave löst und bindet
       Geweihte Bande; segnet den Verfluchten;
       Er macht den Aussatz lieblich, ehrt den Dieb
       Und gibt ihm Rang, gebeugtes Knie und Einfluß
       Im Rat der Senatoren; dieser führt
       Der überjähr'gen Witwe Freier zu;
       Sie, von Spital und Wunden giftig eiternd,
       Mit Ekel fortgeschickt, verjüngt balsamisch
       Zu Maienjugend dies. Verdammt Metall,
       Gemeine Hure du der Menschen, die
       Die Völker tört."
       
       Und weiter unten:
       
       "Du süßer Königsmörder, edle Scheidung
       Des Sohns und Vaters! glänzender Besudler
       Von Hymens reinstem Lager! tapfrer Mars!
       Du ewig blüh'nder, zartgeliebter Freier,
       Des roter Schein den heil'gen Schnee zerschmelzt
       Auf Dianas reinem Schoß! sichtbare Gottheit,
       Die du Unmöglichkeiten eng verbrüderst,
       Zum Kuß sie zwingst! du sprichst in jeder Sprache,
       ¦¦XLII¦ Zu jedem Zweck! o du, der Herzen Prüfstein!
       Denk, es empört dein Sklave sich, der Mensch!
       Vernichte deine Kraft sie all verwirrend,
       Daß Tieren wird die Herrschaft dieser Welt!" [129]
       
       Shakespeare schildert  das Wesen  des  G e l d e s  trefflich. Um
       ihn zu verstehn, beginnen wir zunächst mit der Auslegung der goe-
       thischen Stelle.
       Was durch  das  G e l d  für mich ist, was ich zahlen, d. h., was
       das Geld kaufen kann, das  b i n  i c h,  der Besitzer des Geldes
       selbst. So  groß die  Kraft des  Geldes, so groß ist meine Kraft.
       Die Eigenschaften  des Geldes sind meine - seines Besitzers - Ei-
       genschaften  und   Wesenskräfte.  Das,   was  ich    b i n    und
       v e r m a g,   ist also keineswegs durch meine Individualität be-
       stimmt. Ich   b i n   häßlich,  aber ich kann mir die  s c h ö n-
       s t e   Frau kaufen. Also bin ich nicht  h ä ß l i c h,  denn die
       Wirkung der  H ä ß l i c h k e i t,  ihre abschreckende Kraft ist
       durch das Geld vernichtet. Ich - meiner Individualität nach - bin
       l a h m,   aber das  Geld verschafft  mir 24  Füße; ich  bin also
       nicht lahm;  ich bin  ein schlechter, unehrlicher, gewissenloser,
       geistloser Mensch,  aber das  Geld ist  geehrt,  also  auch  sein
       Besitzer. Das  Geld ist  das höchste  Gut, also ist sein Besitzer
       gut, das  Geld überhebt mich überdem der Mühe, unehrlich zu sein;
       ich werde  also als ehrlich präsumiert; ich bin  g e i s t l o s,
       aber das Geld ist der  w i r k l i c h e  G e i s t  aller Dinge,
       wie sollte sein Besitzer geistlos sein? Zudem
       
       #565# Geld
       -----
       kann er  sich die  geistreichen Leute  kaufen, und  wer die Macht
       über die Geistreichen hat 1*), ist der nicht geistreicher als der
       Geistreiche? Ich, der durch das Geld  a l l e s,  wonach ein men-
       schliches Herz  sich sehnt,  vermag, besitze  ich nicht alle men-
       schlichen Vermögen?  Verwandelt also  mein Geld  nicht alle meine
       Unvermögen in ihr Gegenteil?
       Wenn das   G e l d   das  Band ist, das mich an das  m e n s c h-
       l i c h e   Leben, das  mir die  Gesellschaft, das  mich mit  der
       Natur und  den Menschen  verbindet, ist  das Geld  nicht das Band
       aller  B a n d e?  Kann es nicht alle Bande lösen und binden? Ist
       es darum  nicht auch  das allgemeine   S c h e i d u n g s m i t-
       t e l?  Es ist die wahre  S c h e i d e m ü n z e,  wie das wahre
       B i n d u n g s m i t t e l,   die [...]  2*)   c h e m i s c h e
       Kraft der Gesellschaft.
       Shakespeare hebt an dem Geld besonders 2 Eigenschaften heraus:
       1. Es ist die sichtbare Gottheit, die Verwandlung aller menschli-
       chen und  natürlichen Eigenschaften  in ihr Gegenteil, die allge-
       meine Verwechslung und Verkehrung der Dinge; es verbrüdert Unmög-
       lichkeiten;
       2. Es ist  die allgemeine  Hure, der  allgemeine Kuppler der Men-
       schen und Völker.
       Die Verkehrung  und Verwechslung  aller menschlichen und natürli-
       chen Qualitäten,  die  Verbrüderung  der  Unmöglichkeiten  -  die
       g ö t t l i c h e   Kraft - des Geldes liegt in seinem  W e s e n
       als dem  entfremdeten, entäußernden und sich veräußernden  G a t-
       t u n g s w e s e n     der  Menschen.   Es  ist  das  entäußerte
       V e r m ö g e n  der  M e n s c h h e i t.
       Was ich qua  M e n s c h  nicht vermag, was also alle meine indi-
       viduellen Wesenskräfte  nicht vermögen,  das vermag ich durch das
       G e l d.   Das Geld macht also jede dieser Wesenskräfte zu etwas,
       was sie an sich nicht ist, d. h. zu ihrem  G e g e n t e i l.
       Wenn ich mich nach einer Speise sehne oder den Postwagen brauchen
       will, weil  ich nicht  stark genug bin, den Weg zu Fuß zu machen,
       so verschafft mir das Geld die Speise und den Postwagen, d.h., es
       verwandelt meine  Wünsche aus Wesen der Vorstellung, es übersetzt
       sie aus  ihrem gedachten,  vorgestellten, gewollten Dasein in ihr
       s i n n l i c h e s,   w i r k l i c h e s   Dasein, aus der Vor-
       stellung in  das Leben, aus dem vorgestellten Sein in das wirkli-
       che  Sein.   Als   diese   Vermittlung   ist   das   [Geld]   die
       w a h r h a f t  s c h ö p f e r i s c h e  Kraft.
       Die   d e m a n d e   3*) existiert  wohl auch  für den, der kein
       Geld hat,  aber seine  demande ist  ein bloßes Wesen der Vorstel-
       lung, das auf mich, auf den 3ten,
       -----
       1*) In der  Handschrift: ist  - 2*) in  der Handschrift  ein Wort
       nicht zu entziffern - 3*) Nachfrage
       
       #566# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       auf die  [anderen] ¦¦XLIII¦  keine Wirkung,  keine Existenz  hat,
       also für  mich selbst  u n w i r k l i c h,  g e g e n s t a n d-
       l o s   bleibt. Der  Unterschied der  effektiven,  auf  das  Geld
       basierten  und   der  effektlosen,   auf  mein  Bedürfnis,  meine
       Leidenschaft,  meinen  Wunsch  etc.  basierten  demande  ist  der
       Unterschied zwischen   S e i n   und   D e n k e n,  zwischen der
       bloßen in  mir   e x i s t i e r e n d e n   Vorstellung und  der
       Vorstellung,  wie   sie  als    w i r k l i c h e r    G e g e n-
       s t a n d  außer mir für mich ist.
       Ich, wenn  ich kein Geld zum Reisen habe, habe kein  B e d ü r f-
       n i s,   d.h. kein wirkliches und sich verwirklichendes Bedürfnis
       zum Reisen.  Ich, wenn  ich   B e r u f  zum Studieren, aber kein
       Geld dazu  habe, habe   k e i n e n   Beruf  zum Studieren,  d.h.
       keinen   w i r k s a m e n,   keinen  w a h r e n  Beruf. Dagegen
       ich, wenn  ich wirklich   k e i n e n   Beruf zum Studieren habe,
       aber den  Willen   u n d  das Geld, habe einen  w i r k s a m e n
       Beruf dazu.  Das   G e l d   - als  das  äußere,  nicht  aus  dem
       Menschen als Menschen und nicht von der menschlichen Gesellschaft
       als Gesellschaft  herkommende allgemeine  -    M i t t e l    und
       V e r m ö g e n,     die    V o r s t e l l u n g    i n    d i e
       W i r k l i c h k e i t   und die   W i r k l i c h k e i t   z u
       e i n e r  b l o ß e n  V o r s t e l l u n g  zu machen, verwan-
       delt ebensosehr die  w i r k l i c h e n  m e n s c h l i c h e n
       u n d   n a t ü r l i c h e n   W e s e n s k r ä f t e   in bloß
       abstrakte  Vorstellungen   und  darum    U n v o l l k o m m e n-
       h e i t e n,   qualvolle Hirngespinste,  wie es  andrerseits  die
       w i r k l i c h e n   U n v o l l k o m m e n h e i t e n   u n d
       H i r n g e s p i n s t e,  die wirklich ohnmächtigen, nur in der
       Einbildung des  Individuums existierenden  Wesenskräfte desselben
       zu   w i r k l i c h e n   W e s e n s k r ä f t e n  und  V e r-
       m ö g e n   verwandelt. Schon  dieser Bestimmung nach ist es also
       schon  die  allgemeine  Verkehrung  der    I n d i v i d u a l i-
       t ä t e n,   die sie  in ihr  Gegenteil umkehrt  und ihren Eigen-
       schaften widersprechende Eigenschaften beilegt.
       Als diese   v e r k e h r e n d e   Macht  erscheint es dann auch
       gegen das Individuum und gegen die gesellschaftlichen etc. Bande,
       die für  sich   W e s e n   zu sein  behaupten. Es verwandelt die
       Treue in  Untreue, die Liebe in Haß, den Haß in Liebe, die Tugend
       in Laster,  das Laster  in Tugend,  den Knecht  in den Herrn, den
       Herrn in  den Knecht,  den Blödsinn  in Verstand, den Verstand in
       Blödsinn.
       Da das Geld als der existierende und sich betätigende Begriff des
       Wertes alle  Dinge verwechselt,  vertauscht, so ist es die allge-
       meine  V e r w e c h s l u n g  und  V e r t a u s c h u n g  al-
       ler Dinge,  also die verkehrte Welt, die Verwechslung und Vertau-
       schung aller natürlichen und menschlichen Qualitäten.
       Wer die Tapferkeit kaufen kann, der ist tapfer, wenn er auch feig
       ist. Da  das Geld  nicht gegen eine bestimmte Qualität, gegen ein
       bestimmtes Ding,  menschliche  Wesenskräfte,  sondern  gegen  die
       ganze menschliche und
       
       #567# Geld
       -----
       natürliche gegenständliche  Welt sich  austauscht, so  tauscht es
       also -  vom Standpunkt  seines Besitzers  angesehn -  jede Eigen-
       schaft gegen  jede - auch ihr widersprechende Eigenschaft und Ge-
       genstand -  aus; es  ist die Verbrüderung der Unmöglichkeiten, es
       zwingt das sich Widersprechende zum Kuß.
       Setze den   M e n s c h e n   als  M e n s c h e n  und sein Ver-
       hältnis zur  Welt als ein menschliches voraus, so kannst du Liebe
       nur gegen  Liebe austauschen,  Vertrauen nur gegen Vertrauen etc.
       Wenn du  die Kunst  genießen willst, mußt du ein künstlerisch ge-
       bildeter Mensch  sein; wenn du Einfluß auf andre Menschen ausüben
       willst, mußt  du ein  wirklich anregend  und fördernd  auf andere
       Menschen wirkender  Mensch sein.  Jedes deiner  Verhältnisse  zum
       Menschen -  und zu  der Natur - muß eine  b e s t i m m t e,  dem
       Gegenstand deines  Willens entsprechende   Ä u ß r u n g   deines
       w i r k l i c h e n  i n d i v i d u e l l e n  Lebens sein. Wenn
       du liebst,  ohne Gegenliebe hervorzurufen, d.h., wenn dein Lieben
       als Lieben  nicht die  Gegenliebe produziert, wenn du durch deine
       L e b e n s ä u ß r u n g   als liebender  Mensch dich  nicht zum
       g e l i e b t e n   M e n s c h e n   machst, so  ist deine Liebe
       ohnmächtig, ein Unglück.
       ¦XLIII¦¦
       
       #568# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       [Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt]
       
       ¦¦XI¦ 6.  An diesem  Punkte ist  vielleicht der  Ort, sowohl  zur
       Verständigung und Berechtigung über die Hegelsche Dialektik über-
       haupt als namentlich über ihre Ausführung in der "Phänomenologie"
       und "Logik",  endlich über  das Verhältnis  der neuern kritischen
       Bewegung einige Andeutungen zu geben. -
       Die Beschäftigung  mit dem  Inhalt der  alten Welt,  die von  dem
       Stoff befangne  Entwicklung der  modernen deutschen Kritik war so
       gewaltsam, daß  ein völlig  kritikloses Verhalten zur Methode des
       Kritisierens  und   eine   völlige   Bewußtlosigkeit   über   die
       s c h e i n b a r   f o r m e l l e,  aber wirklich  w e s e n t-
       l i c h e   Frage stattfand,  wie  halten  wir  es  nun  mit  der
       Hegelschen   D i a l e k t i k?   Die Bewußtlosigkeit  - über das
       Verhältnis  der   modernen  Kritik   zur  Hegelschen  Philosophie
       überhaupt und  zur Dialektik namentlich - war so groß, daß Kriti-
       ker wie   S t r a u ß   und   B r u n o   B a u e r,  der erstere
       vollständig, der zweite in seinen "Synoptikern" (wo er dem Strauß
       gegenüber das  "Selbstbewußtsein" des  abstrakten Menschen an die
       Stelle der  Substanz der  "abstrakten Natur"  stellt) und  selbst
       noch im  "Entdeckten Christentum" wenigstens der Potenz nach noch
       vollständig innerhalb  der Hegelschen  Logik  befangen  sind.  So
       heißt es z.B. in dem "Entdeckten Christentum":
       
       "Als ob nicht das Selbstbewußtsein, indem es die Welt, den Unter-
       schied setzt und in dem, was es hervorbringt, sich selbst hervor-
       bringt, da es den Unterschied des Hervorgebrachten von ihm selbst
       wieder aufhebt,  da es  nur im Hervorbringen 1*) und in der Bewe-
       gung es  selber ist  - als  ob es nicht in dieser Bewegung seinen
       Zweck hätte"  etc. oder:  "Sie" (die französischen Materialisten)
       "haben noch  nicht sehn  können, daß  die Bewegung des Universums
       erst als die Bewegung des Selbstbewußtseins wirklich für sich ge-
       worden und  zur Einheit  mit ihr  selbst  zusammengegangen  ist."
       [130]
       
       Ausdrücke, die auch nicht einmal in der Sprache einen Unterschied
       von der  Hegelschen Auffassung zeigen, sondern sie vielmehr wört-
       lich wiederholen.
       ¦¦XII¦  Wie  wenig  während  des  Akts  der  Kritik  (Bauer,  die
       "Synoptiker") ein  Bewußtsein vorhanden  war über  das Verhältnis
       zur Hegelschen  Dialektik, wie  wenig dieses Bewußtsein auch nach
       dem Akt  der stofflichen  Kritik entstand, beweist Bauer, wenn er
       in seiner "Guten Sache der Freiheit"
       -----
       1*) In der Handschrift: in Bewegung
       
       #569# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
       -----
       die vorlaute Frage des Herrn Gruppe, "was nun mit der Logik", da-
       durch abweist, daß er ihn auf kommende Kritiker verweist.
       Aber auch  nun, nachdem  Feuerbach - sowohl in seinen "Thesen" in
       den "Anecdotis"  als ausführlich in der "Philosophie der Zukunft"
       - die  alle Dialektik  und Philosophie  dem Keim  nach umgeworfen
       hat, nachdem  dagegen jene  Kritik, welche diese Tat gar nicht zu
       vollbringen wußte,  dagegen die  Tat vollbracht  sah, als  reine,
       entschiedne, absolute, mit sich ins klare gekommene Kritik ausge-
       rufen, nachdem  sie in ihrem spiritualistischen Hochmut die ganze
       geschichtliche Bewegung auf das Verhältnis der übrigen Welt - die
       ihr gegenüber  unter die  Kategorie der  "Masse" fällt  - zu  ihr
       selbst  reduziert   und  alle   dogmatischen  Gegensätze  in  dem
       e i n e n   dogmatischen Gegensatz  ihrer eignen Klugheit und der
       Dummheit der  Welt, des  kritischen Christus  und der Menschheit,
       als den "Haufen", aufgelöst hat, nachdem sie ihre eigne Vortreff-
       lichkeit täglich  und stündlich  an der  Geistlosigkeit der Masse
       bewiesen hat,  nachdem sie  endlich das  kritische  j ü n g s t e
       G e r i c h t  unter der Gestalt verkündigt hat, daß der Tag her-
       annahe, wo  die ganze  verfallende Menschheit  ihr gegenüber sich
       scharen werde,  von ihr  in Gruppen  sondiert, und jeder besondre
       Haufen sein  testimonium paupartatis  erhalten werde, nachdem sie
       ihre Erhabenheit  über menschliche  Empfindungen,  wie  über  die
       Welt, über  welche sie  in erhabener Einsamkeit thronend, nur von
       Zeit zu  Zeit das Gelächter der olympischen Götter von ihren sar-
       kastischen Lippen  schallen läßt, hat drucken lassen - nach allen
       diesen ergötzlichen Gebarungen des unter der Form der Kritik ver-
       scheidenden Idealismus (des Junghegeltums) hat er auch nicht ein-
       mal die  Ahnung ausgesprochen, daß man sich nun kritisch mit sei-
       ner Mutter,  der Hegelschen  Dialektik, auseinanderzusetzen habe,
       ja selbst  über sein  kritisches Verhältnis  zur  Feuerbachischen
       Dialektik [nichts]  anzugeben gewußt.  Ein völliges  unkritisches
       Verhalten zu sich selbst.
       Feuerbach ist  der einzige,  der ein  e r n s t h a f t e s,  ein
       k r i t i s c h e s   Verhältnis zur Hegelschen Dialektik hat und
       wahrhafte Entdeckungen  auf diesem Gebiete gemacht hat, überhaupt
       der wahre  Überwinder der  alten Philosophie  ist. Die  Größe der
       Leistung und  die geräuschlose Einfachheit, womit F[euerbach] sie
       der Welt gibt, stehn in einem wunderlichen Gegensatz zu dem umge-
       kehrten Verhältnis.
       Feuerbachs große Tat ist:
       1. der Beweis,  daß die  Philosophie nichts andres ist als die in
       Gedanken gebrachte  und denkend  ausgeführte Religion; eine andre
       Form und  Daseinsweise der  Entfremdung des  menschlichen Wesens;
       also ebenfalls zu verurteilen ist;
       
       #570# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       2. die Gründung  des  w a h r e n  M a t e r i a l i s m u s  und
       der  r e e l l e n  W i s s e n s c h a f t,  indem Feuerbach das
       gesellschaftliche Verhältnis  "des Menschen  zum Menschen" ebenso
       zum Grundprinzip der Theorie macht;
       3. indem er  der Negation  der Negation, die das absolut Positive
       zu sein  behauptet, das  auf sich  selbst ruhende und positiv auf
       sich selbst begründete Positive entgegenstellt.
       Feuerbach erklärt  die Hegelsche  Dialektik -  (und begründet da-
       durch den Ausgang vom Positiven, vom Sinnlich-Gewissen) - folgen-
       dermaßen:
       Hegel geht aus von der Entfremdung (logisch: dem Unendlichen, ab-
       strakt Allgemeinen) der Substanz, der absoluten und fixierten Ab-
       straktion. -  D. h. populär ausgedrückt, er geht von der Religion
       und Theologie aus.
       Z w e i t e n s:   Er hebt  das Unendliche auf, setzt das Wirkli-
       che, Sinnliche, Reale, Endliche, Besondre (Philosophie, Aufhebung
       der Religion und Theologie).
       D r i t t e n s:  Er hebt das Positive wieder auf, stellt die Ab-
       straktion, das  Unendliche, wieder her. Wiederherstellung der Re-
       ligion und Theologie.
       Feuerbach faßt  also die Negation der Negation  n u r  als Wider-
       spruch der  Philosophie mit sich selbst auf, als die Philosophie,
       welche die Theologie (Transzendenz etc.) bejaht, nachdem sie die-
       selbe verneint hat, also im Gegensatz zu sich selbst bejaht.
       Die Position  oder Selbstbejahung  und Selbstbestätigung,  die in
       der Negation  der Negation liegt, wird für eine ihrer selbst noch
       nicht sichere,  darum mit  ihrem  Gegensatz  behaftete,  an  sich
       selbst zweifelnde  und darum  des Beweises bedürftige, also nicht
       durch ihr  Dasein sich  selbst beweisende, als nicht eingestandne
       ¦¦XIII¦ Position gefaßt und darum ihr direkt und unvermittelt die
       sinnlich gewisse, auf sich selbst gegründete Position entgegenge-
       stellt. 1*)
       Aber indem Hegel die Negation der Negation - der positiven Bezie-
       hung nach,  die in  ihr liegt,  als das wahrhaft und einzig Posi-
       tive, der  negativen Beziehung  nach, die  in ihr  liegt, als den
       einzig wahren  Akt und  Selbstbetätigungsakt alles Seins - aufge-
       faßt  hat,  hat  er  nur  den    a b s t r a k t e n,    l o g i-
       s c h e n,   s p e k u l a t i v e n   Ausdruck für  die Bewegung
       der  Geschichte  gefunden,  die  noch  nicht    w i r k l i c h e
       Geschichte des  Menschen als eines vorausgesetzten Subjekts, son-
       dern erst    E r z e u g u n g s a k t,    E n t s t e h u n g s-
       g e s c h i c h t e   des Menschen  ist. -  Sowohl die  abstrakte
       Form werden wir erklären, als den Unterschied,
       -----
       1*) Am unteren  Rand der  Manuskriptseite steht  ohne Verweis die
       Bemerkung: Feuerbach  faßt noch  die Negation  der Negation,  den
       konkreten Begriff  als das  sich im  Denken überbietende  und als
       Denken unmittelbar  Anschauung, Natur, Wirklichkeit sein wollende
       Denken. [131]
       
       #571# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
       -----
       den diese  Bewegung bei Hegel im Gegensatz zur modernen Kritik zu
       demselben Prozeß  in Feuerbachs "Wesen des Christentums" hat oder
       vielmehr die kritische Gestalt dieser bei Hegel noch unkritischen
       Bewegung. -  Ein Blick auf das Hegelsche System. Man muß beginnen
       mit der  Hegelschen  P h ä n o m e n o l o g i e,  der wahren Ge-
       burtsstätte und dem Geheimnis der Hegelschen Philosophie. -
       P h ä n o m e n o l o g i e.
       A.  D a s  S e l b s t b e w u ß t s e i n.
       I.  B e w u ß t s e i n,   alpha) Sinnliche  Gewißheit  oder  das
       Dieses und  das   M e i n e n.   beta) Die  W a h r n e h m u n g
       oder  das   Ding  mit   seinen  Eigenschaften  und  die    T ä u-
       s c h u n g,   gamma) Kraft  und Verstand,  Erscheinung und über-
       sinnliche Welt.
       II.  S e l b s t b e w u ß t s e i n.  Die Wahrheit der Gewißheit
       seiner  selbst,   a) Selbständigkeit  und  Unselbständigkeit  des
       Selbstbewußtseins, Herrschaft  und Knechtschaft,  b) Freiheit des
       Selbstbewußtseins. Stoizismus, Skeptizismus, das unglückliche Be-
       wußtsein.
       III.  V e r n u n f t.   Gewißheit und  Wahrheit der Vernunft, a)
       Beobachtende Vernunft;  Beobachtung der  Natur und  des Selbstbe-
       wußtseins, b)  Verwirklichung des  vernünftigen Selbstbewußtseins
       durch sich selbst. Die Lust und die Notwendigkeit. Das Gesetz des
       Herzens und  der Wahnsinn  des Eigendünkels.  Die Tugend  und der
       Weltlauf, c)  Die Individualität, welche sich an und für sich re-
       ell ist.  Das geistige  Tierreich und  der Betrug  oder die Sache
       selbst. Die gesetzgebende Vernunft. Die gesetzprüfende Vernunft.
       B.  D e r  G e i s t.
       I.  Der   w a h r e   Geist; die  Sittlichkeit. II. Der sich ent-
       fremdete Geist,  die Bildung.  III.  Der  seiner  selbst  gewisse
       Geist, die Moralität.
       C.  Die  Religion.     N a t ü r l i c h e,    K u n s t r e l i-
       g i o n,  o f f e n b a r e  Religion.
       D.  D a s  a b s o l u t e  W i s s e n.
       Wie die  "Enzyklopädie" Hegels  mit der  Logik beginnt,  mit  dem
       r e i n e n   s p e k u l a t i v e n   G e d a n k e n,  und mit
       dem   a b s o l u t e n   W i s s e n,   dem selbstbewußten, sich
       selbst erfassenden  philosophischen oder  absoluten,  d.i.  über-
       menschlichen  abstrakten   Geiste,  aufhört,  so  ist  die  ganze
       "Enzyklopädie" nichts  als das   a u s g e b r e i t e t e   W e-
       s e n     des  philosophischen   Geistes,  seine  Selbstvergegen-
       ständlichung; wie  der philosophische  Geist nichts  ist als  der
       innerhalb seiner  Selbstentfremdung denkend,  d.h. abstrakt  sich
       erfassende entfremdete  Geist der  Welt. -  Die  L o g i k  - das
       G e l d   des Geistes,  der spekulative,  der    G e d a n k e n-
       w e r t   des Menschen  und der  Natur - ihr gegen alle wirkliche
       Bestimmtheit  vollständig   gleichgültig  gewordnes   und   darum
       unwirkliches Wesen - das  e n t ä u ß e r t e,  daher von der Na-
       tur und dem
       
       #572# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       wirklichen Menschen  abstrahierende   D e n k e n;    das    a b-
       s t r a k t e   Denken. -  Die  Ä u ß e r l i c h k e i t  d i e-
       s e s  a b s t r a k t e  D e n k e n s  ... die  N a t u r,  wie
       sie für  dies abstrakte  Denken ist.  Sie ist ihm äußerlich, sein
       Selbstverlust; und  es faßt  sie auch  äußerlich, als  abstrakten
       Gedanken, aber  als entäußertes  abstraktes Denken  - endlich der
       G e i s t,    dies  in  seine  eigne  Geburtsstätte  heimkehrende
       Denken, welches  sich als  anthropologischer, phänomenologischer,
       psychologischer,  sittlicher,  künstlich-religiöser  Geist  immer
       noch nicht  für  sich  selbst  gilt,  bis  es  sich  endlich  als
       a b s o l u t e s   Wissen und  darum absoluter,  i.e. abstrakter
       Geist vorfindet  und selbstbejaht,  sein bewußtes  und  ihm  ent-
       sprechendes Dasein  erhält. Denn  sein wirkliches  Dasein ist die
       A b s t r a k t i o n. - Ein doppelter Fehler bei Hegel.
       [Der] 1 . tritt in der "Phänomenologie" als der Geburtsstätte der
       Hegelschen Philosophie am klarsten hervor. Wenn er z.B. Reichtum,
       Staatsmacht etc. als dem  m e n s c h l i c h e n  Wesen entfrem-
       dete Wesen  gefaßt, so  geschieht dies  nur in ihrer Gedankenform
       ... Sie  sind Gedankenwesen  - daher  bloß eine  Entfremdung  des
       r e i n e n,   d.i. abstrakten philosophischen Denkens. Die ganze
       Bewegung endet daher mit dem absoluten Wissen. Wovon diese Gegen-
       stände entfremdet  sind und  wem sie  mit der  Anmaßung der Wirk-
       lichkeit entgegentreten,  das ist  eben das abstrakte Denken. Der
       P h i l o s o p h  legt sich - also selbst eine abstrakte Gestalt
       des entfremdeten  Menschen - als den  M a ß s t a b  der entfrem-
       deten  Welt   an.   Die   ganze      E n t ä u ß e r u n g s g e-
       s c h i c h t e   und die  ganze  Z u r ü c k n a h m e  der Ent-
       äußerung ist  daher nichts  als die    P r o d u k t i o n s g e-
       s c h i c h t e   des  abstrakten,  i.e.  absoluten  ¦¦XVII¦  1*)
       Denkens, des  logischen spekulativen Denkens. Die  E n t f r e m-
       d u n g,   welche daher das eigentliche Interesse dieser Entäuße-
       rung und  Aufhebung dieser  Entäußerung bildet, ist der Gegensatz
       von  a n  s i c h  und  f ü r  s i c h,  von  B e w u ß t s e i n
       u n d   S e l b s t b e w u ß t s e i n,   von O b j e k t  u n d
       S u b j e k t,  d.h. der Gegensatz des abstrakten Denkens und der
       sinnlichen Wirklichkeit  oder der  wirklichen Sinnlichkeit inner-
       halb des  Gedankens selbst. Alle andern Gegensätze und Bewegungen
       dieser Gegensätze  sind nur  der   S c h e i n,   die  H ü l l e,
       die   e x o t e r i s c h e   Gestalt dieser einzig interessanten
       Gegensätze, welche den  S i n n  der andren profanen G[egensätze]
       bilden. Nicht,  daß das  menschliche Wesen sich  u n m e n s c h-
       l i c h,   im Gegensatz  zu sich  selbst sich    v e r g e g e n-
       s t ä n d l i c h t,   sondern, daß  es im  U n t e r s c h i e d
       vom und  im    G e g e n s a t z    zum  abstrakten  Denken  sich
       v e r g e g e n s t ä n d l i c h t,   gilt als  das gesetzte und
       als das aufzuhebende Wesen der Entfremdung.
       -----
       1*) In der Handschrift steht der Hinweis: (Siehe p. XIII.)
       
       #573# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
       -----
       ¦¦XVIII¦ Die  Aneignung der zu Gegenständen und zu fremden Gegen-
       ständen gewordenen Wesenskräfte des Menschen ist also erstens nur
       eine   A n e i g n u n g,   die  im    B e w u ß t s e i n,    im
       r e i n e n   D e n k e n,   i.e. in  der   A b s t r a k t i o n
       vor sich  geht, die  Aneignung dieser Gegenstände als  G e d a n-
       k e n   und   G e d a n k e n b e w e g u n g e n,  weshalb schon
       in der  "Phänomenologie" -  trotz ihres  durchaus  negativen  und
       kritischen Aussehns und trotz der wirklich in ihr enthaltnen, oft
       weit der  spätren Entwicklung  vorgreifenden Kritik  - schon  der
       unkritische Positivismus  und der  ebenso unkritische  Idealismus
       der spätem  Hegelschen Werke - diese philosophische Auflösung und
       Wiederherstellung der  vorhandnen Empirie  -  latent  liegt,  als
       Keim, als  Potenz, als  ein Geheimnis  vorhanden ist.    Z w e i-
       t e n s.   Die Vindizierung  der gegenständlichen  Welt  für  den
       Menschen -  z.B.  die  Erkenntnis,  daß  das    s i t t l i c h e
       Bewußtsein kein   a b s t r a k t  sinnliches Bewußtsein, sondern
       ein   m e n s c h l i c h   sinnliches Bewußtsein,  daß die Reli-
       gion, der  Reichtum etc.  nur die  entfremdete  Wirklichkeit  der
       m e n s c h l i c h e n   Vergegenständlichung, der zum Werk her-
       ausgebornen   m e n s c h l i c h e n  Wesenskräfte und darum nur
       der   W e g   zur wahren   m e n s c h l i c h e n   Wirklichkeit
       sind -,  diese Aneignung  oder die  Einsicht in diesen Prozeß er-
       scheint daher  bei Hegel  so, daß  die   S i n n l i c h k e i t,
       R e l i g i o n, Staatsmacht  etc.  g e i s t i g e  Wesen sind -
       denn nur  der  G e i s t  ist das  w a h r e  Wesen des Menschen,
       und die  wahre Form des Geistes ist der denkende Geist, der logi-
       sche, spekulative  Geist. Die   M e n s c h l i c h k e i t   der
       Natur und  der von  der Geschichte  erzeugten Natur, der Produkte
       des Menschen,  erscheint darin, daß sie  P r o d u k t e  des ab-
       strakten Geistes  sind und  insofern also   g e i s t i g e   Mo-
       mente,   G e d a n k e n w e s e n.  Die "Phänomenologie" ist da-
       her die  verborgne, sich  selbst noch  unklare und  mystizierende
       Kritik; aber  insofern sie  die   E n t f r e m d u n g  des Men-
       schen -  wenn auch  der Mensch nur in der Gestalt des Geistes er-
       scheint -  festhält, liegen  in ihr  a l l e  Elemente der Kritik
       verborgen und  oft schon  in einer weit den Hegelschen Standpunkt
       überragenden Weise   v o r b e r e i t e t   und   a u s g e a r-
       b e i t e t.   Das "unglückliche  Bewußtsein", das  "ehrliche Be-
       wußtsein",  der   Kampf  des  "edelmütigen  und  niederträchtigen
       Bewußtseins" etc.  etc., diese einzelnen Abschnitte enthalten die
       k r i t i s c h e n   Elemente -  aber noch in einer entfremdeten
       Form -  ganzer Sphären,  wie der  Religion, des  Staats, des bür-
       gerlichen  Lebens   etc.  Wie   also  das     W e s e n,      der
       G e g e n s t a n d  als Gedankenwesen, so ist das  S u b j e k t
       immer     B e w u ß t s e i n    oder    S e l b s t b e w u ß t-
       s e i n,   oder vielmehr  der Gegenstand  erscheint nur als  a b-
       s t r a k t e s   Bewußtsein, der  Mensch nur  als   S e l b s t-
       b e w u ß t s e i n,   die unterschiedenen Gestalten der Entfrem-
       dung, die  auftreten, sind  daher nur  verschiedne Gestalten  des
       Bewußtseins und  Selbstbewußtseins. Wie   a n   s i c h   das ab-
       strakte Bewußtsein - als welches der Gegenstand gefaßt
       
       #574# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       wird -  bloß ein  Unterscheidungsmoment des Selbstbewußtseins ist
       -, so  tritt auch  als Resultat  der Bewegung  die Identität  des
       Selbstbewußtseins mit  dem Bewußtsein,  das absolute  Wissen, die
       nicht mehr nach außen hin, sondern nur noch in sich selbst vorge-
       hende Bewegung des abstrakten Denkens als Resultat auf, d. h. die
       Dialektik des reinen Gedankens ist das Resultat 1*). ¦XVIII¦¦
       ¦¦XXIII¦ 2*)  [132] Das  Große an der Hegelschen "Phänomenologie"
       und ihrem  Endresultate -  der Dialektik  der Negativität als dem
       bewegenden und  erzeugenden Prinzip  - ist also einmal, daß Hegel
       die Selbsterzeugung  des Menschen als einen Prozeß faßt, die Ver-
       gegenständlichung als  Entgegenständlichung, als  Entäußerung und
       als Aufhebung  dieser Entäußerung;  daß er  also  das  Wesen  der
       A r b e i t  faßt und den gegenständlichen Menschen, wahren, weil
       wirklichen Menschen,  als Resultat  seiner    e i g n e n    A r-
       b e i t   begreift. Das  w i r k l i c h e,  t ä t i g e  Verhal-
       ten des  Menschen zu  sich als  Gattungswesen oder die Betätigung
       seiner als eines wirklichen Gattungswesens, d.h. als menschlichen
       Wesens, ist  nur möglich  dadurch, daß  er  wirklich  alle  seine
       G a t t u n g s k r ä f t e   - was  wieder nur durch das Gesamt-
       wirken der  Menschen möglich ist, nur als Resultat der Geschichte
       - herausschafft,  sich zu  ihnen als  Gegenständen  verhält,  was
       zunächst wieder nur in der Form der Entfremdung möglich ist.
       Die Einseitigkeit  und die  Grenze Hegels werden wir nun ausführ-
       lich an  dem Schlußkapitel  der "Phänomenologie"  - "Das absolute
       Wissen" -  ein Kapitel, welches sowohl den zusammengefaßten Geist
       der Phänomenologie,  ihr Verhältnis  zur spekulativen  Dialektik,
       als auch  das   B e w u ß t s e i n   Hegels über  beide und  ihr
       wechselseitiges Verhältnis enthält - darstellen.
       Vorläufig nehmen  wir nur  noch das  vorweg: Hegel  steht auf dem
       Standpunkt  der   modernen  Nationalökonomen.   Er   erfaßt   die
       A r b e i t   als das   W e s e n,  als das sich bewährende Wesen
       des Menschen;  er sieht  nur die positive Seite der Arbeit, nicht
       ihre negative. Die Arbeit ist das  F ü r s i c h w e r d e n  des
       M e n s c h e n   innerhalb der   E n t ä u ß e r u n g  oder als
       e n t ä u ß e r t e r   Mensch. Die  Arbeit, welche  Hegel allein
       kennt und  anerkennt, ist  die  a b s t r a k t  g e i s t i g e.
       Was  also   überhaupt  das  Wesen  der  Philosophie  bildet,  die
       E n t ä u ß e r u n g   d e s  s i c h  w i s s e n d e n  M e n-
       s c h e n   oder die  sich   d e n k e n d e  e n t ä u ß e r t e
       Wissenschaft, dies  erfaßt Hegel als ihr Wesen, und er kann daher
       der vorhergehenden  Philosophie gegenüber  ihre einzelnen Momente
       zusammenfassen und seine Philosophie als  d i e  Philosophie dar-
       stellen. Was die andern Philosophen
       -----
       1*) In der  Handschrift steht  der Hinweis: (Siehe Fortsetzung p.
       XXII.) -  2*) in der  Handschrift steht  der  Hinweis:  (Sieh  p.
       XVIII.)
       
       #575# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
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       taten -  daß sie  einzelne Momente der Natur und des menschlichen
       Lebens als  Momente des Selbstbewußtseins und zwar des abstrakten
       Selbstbewußtseins fassen  das  w e i ß  Hegel als das  T u n  der
       Philosophie. Darum ist seine Wissenschaft absolut.
       Gehn wir nun zu unserm Gegenstand über.
       "Das absolute Wissen". Letztes Kapitel der "Phänomenologie".
       Die Hauptsache  ist, daß  der   G e g e n s t a n d   des    B e-
       w u ß t s e i n s    nichts  andres  als  das    S e l b s t b e-
       w u ß t s e i n   oder daß  der Gegenstand  nur das    v e r g e-
       g e n s t ä n d l i c h t e      S e l b s t b e w u ß t s e i n,
       das Selbstbewußtsein  als Gegenstand  ist. (Setzen des Menschen =
       Selbstbewußtsein.)
       Es gilt  daher den   G e g e n s t a n d    d e s    B e w u ß t-
       s e i n s    zu  überwinden.  Die    G e g e n s t ä n d l i c h-
       k e i t   als solche  gilt für ein  e n t f r e m d e t e s,  dem
       m e n s c h l i c h e n   W e s e n,   dem Selbstbewußtsein nicht
       entsprechendes Verhältnis  des Menschen.  Die    W i e d e r a n-
       e i g n u n g   des als  fremd, unter  der  Bestimmung  der  Ent-
       fremdung erzeugten gegenständlichen Wesens des Menschen, hat also
       nicht nur die Bedeutung, die  E n t f r e m d u n g,  sondern die
       G e g e n s t ä n d l i c h k e i t   aufzuheben, d.h.  also  der
       Mensch gilt als ein  n i c h t - g e g e n s t ä n d l i c h e s,
       s p i r i t u a l i s t i s c h e s  Wesen.
       Die Bewegung  der    Ü b e r w i n d u n g    d e s    G e g e n-
       s t a n d e s  d e s  B e w u ß t s e i n s  beschreibt Hegel nun
       wie folgt:
       Der  G e g e n s t a n d  zeigt sich nicht nur (dies ist nach He-
       gel die   e i n s e i t i g e   -  also die die eine Seite erfas-
       sende - Auffassung jener Bewegung) als  z u r ü c k k e h r e n d
       in das   S e l b s t.   Der  Mensch wird  = Selbst  gesetzt.  Das
       Selbst ist  aber nur  der  a b s t r a k t  gefaßte und durch Ab-
       straktion erzeugte  Mensch. Der  Mensch   i s t  selbstisch. Sein
       Auge, sein  Ohr etc.  ist   s e l b s t i s c h;  jede seiner We-
       senskräfte hat  in ihm  die  Eigenschaft  der    S e l b s t i g-
       k e i t.   Aber deswegen  ist es  nun ganz  falsch zu  sagen: Das
       S e l b s t b e w u ß t s e i n   hat Aug', Ohr, Wesenskraft. Das
       S e l b s t b e w u ß t s e i n   ist vielmehr  eine Qualität der
       menschlichen  Natur,  des  menschlichen  Auges  etc.,  nicht  die
       menschliche Natur  ist eine  Qualität des  ¦¦XXIV¦   S e l b s t-
       b e w u ß t s e i n s.
       Das für  sich abstrahierte und fixierte Selbst ist der Mensch als
       a b s t r a k t e r  E g o i s t,  der in seine reine Abstraktion
       zum Denken  erhobne  E g o i s m u s.  (Wir kommen später hierauf
       zurück.)
       Das   m e n s c h l i c h e   W e s e n,  der  M e n s c h,  gilt
       für Hegel  =   S e l b s t b e w u ß t s e i n.  Alle Entfremdung
       des menschlichen  Wesens ist  daher   n i c h t s   als    E n t-
       f r e m d u n g   d e s   S e l b s t b e w u ß t s e i n s.  Die
       Entfremdung  des   Selbstbewußtseins  gilt   nicht  als    A u s-
       d r u c k,   im Wissen und Denken sich abspiegelnder Ausdruck der
       w i r k l i c h e n   Entfremdung des  menschlichen  Wesens.  Die
       w i r k l i c h e,   als real  erscheinende Entfremdung  vielmehr
       ist ihrem  i n n e r s t e n  verborgnen -
       
       #576# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       und erst  durch die Philosophie ans Licht gebrachten - Wesen nach
       nichts andres als die  E r s c h e i n u n g  von der Entfremdung
       des   wirklichen   menschlichen   Wesens,   des      S e l b s t-
       b e w u ß t s e i n s.   Die Wissenschaft,  welche dies begreift,
       heißt daher   P h ä n o m e n o l o g i e.   Alle Wiederaneignung
       des entfremdeten gegenständlichen Wesens erscheint daher als eine
       Einverleibung in  das Selbstbewußtsein;  der sich  seines  Wesens
       bemächtigende Mensch  ist   n u r  das der gegenständlichen Wesen
       sich bemächtigende  Selbstbewußtsein.  Die  Rückkehr  des  Gegen-
       standes in  das Selbst  ist daher  die  Wiederaneignung  des  Ge-
       genstandes. -
       A l l s e i t i g   ausgedrückt ist  die    Ü b e r w i n d u n g
       d e s  G e g e n s t a n d e s  d e s  B e w u ß t s e i n s:
       1. daß der  Gegenstand als  solcher sich  dem Bewußtsein als ver-
       schwindend darstellt;
       2. daß die  Entäußerung des  Selbstbewußtseins es ist, welche die
       Dingheit setzt;
       3. daß diese  Entäußerung nicht  nur   n e g a t i v e,   sondern
       p o s i t i v e  Bedeutung hat;
       4. sie nicht nur  f ü r  u n s  oder an sich, sondern  f ü r  e s
       s e l b s t  hat.
       5.  F ü r   e s   hat das  Negative des  Gegenstandes oder dessen
       Sich-Selbst-Aufheben dadurch  die   p o s i t i v e    Bedeutung,
       oder es   w e i ß   diese  Nichtigkeit desselben  dadurch, daß es
       sich selbst  entäußert,  denn  in  dieser  Entäußerung  setzt  es
       s i c h   als Gegenstand  oder den Gegenstand um der untrennbaren
       Einheit des  F ü r s i c h s e i n s  willen als sich selbst.
       6. Andrerseits liegt  hierin zugleich  dies andre  Moment, daß es
       diese Entäußerung und Gegenständlichkeit ebensosehr auch aufgeho-
       ben und in sich zurückgenommen hat, also in  s e i n e m  Anders-
       sein  a l s  s o l c h e m  b e i  s i c h  ist.
       7. Dies ist  die Bewegung  des Bewußtseins, und dies ist dann die
       Totalität seiner Momente.
       8. Es muß sich ebenso zu dem Gegenstand nach der Totalität seiner
       Bestimmungen verhalten und ihn nach jeder derselben so erfaßt ha-
       ben. Diese  Totalität seiner Bestimmungen macht ihn  a n  s i c h
       zum   g e i s t i g e n   W e s e n   und für das Bewußtsein wird
       dies in  Wahrheit durch  das Auffassen einer jeden einzelnen der-
       selben als  des   S e l b s t s   oder durch  das  oben  genannte
       g e i s t i g e  Verhalten zu ihnen. [133]
       ad 1. Daß der  Gegenstand als  solcher sich  dem  Bewußtsein  als
       verschwindend darstellt,  ist die  oben erwähnte  R ü c k k e h r
       d e s  G e g e n s t a n d e s  i n  d a s  S e l b s t.
       ad 2. Die  E n t ä u ß e r u n g                            d e s
       S e l b s t b e w u ß t s e i n s   setzt die    D i n g h e i t.
       Weil der  Mensch =  Selbstbewußtsein, so ist sein entäußertes ge-
       genständliches Wesen  oder die   D i n g h e i t   (das,    W a s
       f ü r  i h n  G e g e n s t a n d  ist, und Gegenstand
       
       #577# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
       -----
       ist wahrhaft  nur für  ihn, was  ihm wesentlicher Gegenstand, was
       also sein   g e g e n s t ä n d l i c h e s   Wesen  ist. Da  nun
       nicht der   w i r k l i c h e  M e n s c h,  darum auch nicht die
       N a t u r  - der Mensch ist die  m e n s c h l i c h e  N a t u r
       -, als solcher zum Subjekt gemacht wird, sondern nur die Abstrak-
       tion des Menschen, das Selbstbewußtsein, so kann die Dingheit nur
       das entäußerte  Selbstbewußtsein sein)  = dem    e n t ä u ß e r-
       t e n  S e l b s t b e w u ß t s e i n,  und die  D i n g h e i t
       ist  durch   diese  Entäußerung   gesetzt.  Daß  ein  lebendiges,
       natürliches, mit gegenständlichen, i.e. materiellen Wesenskräften
       ausgerüstetes und  begabtes Wesen  auch sowohl  w i r k l i c h e
       natürliche   G e g e n s t ä n d e   seines Wesens  hat, als  daß
       seine Selbstentäußerung  die Setzung  einer  w i r k l i c h e n,
       aber unter  der Form  der   Ä u ß e r l i c h k e i t,   also  zu
       seinem Wesen  nicht gehörigen und übermächtigen, gegenständlichen
       Welt ist,  ist ganz  natürlich. Es ist nichts Unbegreifliches und
       Rätselhaftes dabei.  Vielmehr wäre das Gegenteil rätselhaft. Aber
       daß ein  S e l b s t b e w u ß t s e i n  durch seine Entäußerung
       nur die   D i n g h e i t,  d. h. selbst nur ein abstraktes Ding,
       ein Ding  der Abstraktion  und kein   w i r k l i c h e s    Ding
       setzen kann,  ist ebenso  klar. Es ist ¦¦XXVI¦ [134] ferner klar,
       daß  die   Dingheit  daher   durchaus  nichts    S e l b s t ä n-
       d i g e s,   W e s e n t l i c h e s  gegen das Selbstbewußtsein,
       sondern ein bloßes Geschöpf, ein von ihm  G e s e t z t e s  ist,
       und das  Gesetzte, statt  sich selbst zu bestätigen, ist nur eine
       Bestätigung des  Aktes des  Setzens, der  einen Augenblick  seine
       Energie als  das Produkt  fixiert und  zum   S c h e i n  ihm die
       Rolle -  aber nur  für einen  Augenblick -  eines  selbständigen,
       wirklichen Wesens erteilt.
       Wenn der wirkliche, leibliche, auf der festen wohlgerundeten Erde
       stehende, alle  Naturkräfte  aus-  und  einatmende    M e n s c h
       seine  wirklichen,   gegenständlichen     W e s e n s k r ä f t e
       durch seine  Entäußerung als  fremde Gegenstände   s e t z t,  so
       ist nicht  das   S e t z e n   Subjekt; es  ist die Subjektivität
       g e g e n s t ä n d l i c h e r  Wesenskräfte, deren Aktion daher
       auch eine   g e g e n s t ä n d l i c h e   sein  muß. Das gegen-
       ständliche Wesen  wirkt gegenständlich, und es würde nicht gegen-
       ständlich  wirken,  wenn  nicht  das  Gegenständliche  in  seiner
       Wesensbestimmung läge. Es schafft, setzt nur Gegenstände, weil es
       durch Gegenstände  gesetzt ist,  weil es  von Haus aus  N a t u r
       ist. In  dem Akt  des Setzens  fällt es  also  nicht  aus  seiner
       "reinen Tätigkeit"  in ein   S c h a f f e n    des    G e g e n-
       s t a n d e s,   sondern  sein    g e g e n s t ä n d l i c h e s
       Produkt bestätigt  nur seine   g e g e n s t ä n d l i c h e  Tä-
       tigkeit, seine Tätigkeit als die Tätigkeit eines gegenständlichen
       natürlichen Wesens.
       Wir sehn hier, wie der durchgeführte Naturalismus oder Humanismus
       sich sowohl von dem Idealismus, als dem Materialismus unterschei-
       det und  zugleich ihre  beide vereinigende Wahrheit ist. Wir sehn
       zugleich, wie nur der Naturalismus fähig ist, den Akt der Weltge-
       schichte zu begreifen.
       
       #578# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       <Der  M e n s c h  ist unmittelbar  N a t u r w e s e n.  Als Na-
       turwesen  und   als  lebendiges   Naturwesen  ist  er  teils  mit
       n a t ü r l i c h e n   K r ä f t e n,  mit  L e b e n s k r ä f-
       t e n   ausgerüstet, ein  t ä t i g e s  Naturwesen; diese Kräfte
       existieren in  ihm als Anlagen und Fähigkeiten, als  T r i e b e;
       teils ist  er als  natürliches,  leibliches,  sinnliches,  gegen-
       ständliches Wesen  ein   l e i d e n d e s,   bedingtes  und  be-
       schränktes Wesen,  wie es auch das Tier und die Pflanze ist, d.h.
       die   G e g e n s t ä n d e   seiner Triebe existieren außer ihm,
       als von  ihm unabhängige   G e g e n s t ä n d e;  aber diese Ge-
       genstände sind  G e g e n s t ä n d e  seines  B e d ü r f n i s-
       s e s,  zur Betätigung und Bestätigung seiner Wesenskräfte unent-
       behrliche, wesentliche   G e g e n s t ä n d e.   Daß  der Mensch
       ein   l e i b l i c h e s,   naturkräftiges, lebendiges,  wirkli-
       ches, sinnliches,  gegenständliches  Wesen  ist,  heißt,  daß  er
       w i r k l i c h e,  s i n n l i c h e  G e g e n s t ä n d e  zum
       Gegenstand seines  Wesens, seiner  Lebensäußerung hat oder daß er
       nur   an   wirklichen,   sinnlichen   Gegenständen   sein   Leben
       ä u ß e r n   kann. Gegenständlich,  natürlich, sinnlich  s e i n
       und sowohl  Gegenstand, Natur,  Sinn außer sich haben oder selbst
       Gegenstand, Natur,  Sinn für ein drittes sein ist identisch.> Der
       H u n g e r   ist ein  natürliches  B e d ü r f n i s;  er bedarf
       also einer  N a t u r  außer sich, eines  G e g e n s t a n d e s
       außer sich,  um sich  zu befriedigen,  um sich  zu  stillen.  Der
       Hunger ist das gestandne Bedürfnis meines Leibes nach einem außer
       ihm  seienden,   zu  seiner   Integrierung   und   Wesensäußerung
       unentbehrlichen   G e g e n s t a n d e.  Die Sonne ist der  G e-
       g e n s t a n d   der Pflanze, ein ihr unentbehrlicher, ihr Leben
       bestätigender Gegenstand,  wie die  Pflanze Gegenstand  der Sonne
       ist, als   Ä u ß e r u n g   von  der lebenserweckenden Kraft der
       Sonne, von der  g e g e n  s t ä n d l i c h e n  Wesenskraft der
       Sonne.
       Ein Wesen,  welches seine  Natur nicht  außer sich  hat, ist kein
       n a t ü r l i c h e s   Wesen, nimmt  nicht teil am Wesen der Na-
       tur. Ein  Wesen, welches  keinen Gegenstand  außer sich  hat, ist
       kein gegenständliches  Wesen. Ein Wesen, welches nicht selbst Ge-
       genstand für  ein drittes  Wesen ist,  hat kein  Wesen zu  seinem
       G e g e n s t a n d,   d.h. verhält  sich  nicht  gegenständlich,
       sein Sein ist kein gegenständliches.
       ¦¦XXVII¦ Ein  ungegenständliches Wesen  ist ein    U n w e s e n.
       Setzt ein  Wesen, welches  weder selbst Gegenstand ist noch einen
       Gegenstand hat. Ein solches Wesen wäre erstens das  e i n z i g e
       Wesen, es  existierte kein  Wesen außer ihm, es existierte einsam
       und allein. Denn sobald es Gegenstände außer mir gibt, sobald ich
       nicht   a l l e i n   bin,  bin  ich  ein    a n d r e s,    eine
       a n d r e  W i r k l i c h k e i t  als der Gegenstand außer mir.
       Für  diesen   3ten  Gegenstand  bin  ich  also  eine    a n d r e
       W i r k l i c h k e i t   als er,  d.h.  s e i n  Gegenstand. Ein
       Wesen, welches  nicht Gegenstand  eines andren Wesens ist, unter-
       stellt also,  daß kein  gegenständliches Wesen  existiert. Sobald
       ich
       
       #579# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
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       einen Gegenstand habe, hat dieser Gegenstand mich zum Gegenstand.
       Aber ein   u n g e g e n s t ä n d l i c h e s  Wesen ist ein un-
       wirkliches, unsinnliches,  nur gedachtes,  d.h. nur eingebildetes
       Wesen, ein  Wesen der  Abstraktion.   S i n n l i c h  sein, d.h.
       wirklich sein,  ist Gegenstand  des  Sinns  sein,    s i n n l i-
       c h e r   Gegenstand sein,  also sinnliche Gegenstände außer sich
       haben, Gegenstände  seiner Sinnlichkeit  haben. Sinnlich sein ist
       l e i d e n d  sein.
       Der Mensch  als ein  gegenständliches sinnliches  Wesen ist daher
       ein  l e i d e n d e s  und, weil sein Leiden empfindendes Wesen,
       ein   l e i d e n s c h a f t l i c h e s    Wesen.  Die  Leiden-
       schaft, die  Passion ist  die nach  seinem  Gegenstand  energisch
       strebende Wesenskraft des Menschen.
       <Aber der  Mensch  ist  nicht  nur  Naturwesen,  sondern  er  ist
       m e n s c h l i c h e s   Naturwesen; d.h. für sich selbst seien-
       des Wesen, darum  G a t t u n g s w e s e n,  als welches er sich
       sowohl in seinem Sein als in seinem Wissen bestätigen und betäti-
       gen muß.  Weder sind  also die   m e n s c h l i c h e n   Gegen-
       stände die  Naturgegenstände, wie  sie sich  unmittelbar  bieten,
       noch ist der  m e n s c h l i c h e  S i n n,  wie er unmittelbar
       i s t,  gegenständlich ist,  m e n s c h l i c h e  Sinnlichkeit,
       menschliche Gegenständlichkeit. Weder die Natur - objektiv - noch
       die Natur  subjektiv ist unmittelbar dem  m e n s c h l i c h e n
       Wesen adäquat  vorhanden.>  Und  wie  alles  Natürliche    e n t-
       s t e h n  muß, so hat auch der  M e n s c h  seinen Entstehungs-
       akt, die  G e s c h i c h t e,  die aber für ihn eine gewußte und
       darum  als   Entstehungsakt  mit   Bewußtsein  sich   aufhebender
       Entstehungsakt ist.  Die Geschichte ist die wahre Naturgeschichte
       des Menschen. - (Darauf ist zurückzukommen.)
       Drittens, weil  dies Setzen  der Dingheit  selbst nur ein Schein,
       ein dem  Wesen der reinen Tätigkeit widersprechender Akt ist, muß
       es auch wieder aufgehoben, die Dingheit geleugnet werden.
       ad 3, 4, 5, 6. - 3. Diese Entäußerung  des Bewußtseins  hat nicht
       nur   n e g a t i v e,   sondern auch  p o s i t i v e  Bedeutung
       und 4.  diese positive Bedeutung nicht nur  f ü r  u n s  oder an
       sich, sondern für es, das Bewußtsein, selbst. 5.  F ü r  e s  hat
       das Negative  de§ Gegenstandes  oder dessen  Sich-Selbst-Aufheben
       dadurch die   p o s i t i v e  Bedeutung, oder es  w e i ß  diese
       Nichtigkeit desselben dadurch, daß es  s i c h  selbst entäußert,
       denn um  diese Entäußerung   w e i ß   es als Gegenstand oder den
       Gegenstand  um  der  untrennbaren  Einheit  des    F ü r s i c h-
       s e i n s   willen als  sich selbst.  6. Andrerseits liegt hierin
       zugleich  das   andre  Moment,   daß  es  diese  Entäußerung  und
       Gegenständlichkeit ebensosehr  auch aufgehoben  und in  sich  zu-
       rückgenommen hat,  also in  seinem   A n d e r s s e i n    a l s
       s o l c h e m  b e i  s i c h  ist.
       Wir haben  schon gesehn.  Die Aneignung  des entfremdeten  gegen-
       ständlichen Wesens  oder die Aufhebung der Gegenständlichkeit un-
       ter der  Bestimmung der   E n t f r e m d u n g   -  die von  der
       gleichgültigen Fremdheit bis zur
       
       #580# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       wirklichen feindseligen  Entfremdung fortgehn muß - hat für Hegel
       zugleich oder  sogar hauptsächlich die Bedeutung, die  G e g e n-
       s t ä n d l i c h k e i t   aufzuheben,  weil  nicht  der    b e-
       s t i m m t e   Charakter des  Gegenstandes, sondern  sein   g e-
       g e n s t ä n d l i c h e r   Charakter für  das Selbstbewußtsein
       das Anstößige  und die  Entfremdung ist. Der Gegenstand ist daher
       ein Negatives,  ein  sich  selbst  Aufhebendes,  eine    N i c h-
       t i g k e i t.   Diese Nichtigkeit  desselben  hat  für  das  Be-
       wußtsein nicht  nur eine  negative, sondern eine  p o s i t i v e
       Bedeutung, denn  jene  N i c h t i g k e i t des Gegenstandes ist
       eben die   S e l b s t b e s t ä t i g u n g   der  Ungegenständ-
       lichkeit, der  ¦¦XXVIII¦   A b s t r a k t i o n,  seiner selbst.
       Für das   B e w u ß t s e i n    s e l b s t  hat die Nichtigkeit
       des Gegenstands darum eine positive Bedeutung, daß es diese Nich-
       tigkeit, das gegenständliche Wesen, als seine  S e l b s t e n t-
       ä u ß e r u n g   w e i ß;   daß es  weiß, daß  sie nur ist durch
       seine Selbstentäußerung...
       Die Art,  wie das  Bewußtsein ist,  und wie etwas für es ist, ist
       das   W i s s e n.   Das Wissen ist sein einziger Akt. Etwas wird
       daher für dasselbe, insofern es dies  E t w a s  w e i ß.  Wissen
       ist sein  einziges gegenständliches  Verhalten. - Es weiß nun die
       Nichtigkeit des Gegenstandes, d.h. das Nichtunterschiedensein des
       Gegenstandes von  ihm, das  Nichtsein des  Gegenstandes für  es -
       dadurch, daß  es den  Gegenstand als  seine    S e l b s t e n t-
       ä u ß e r u n g   weiß, d.h.  sich -  das Wissen als Gegenstand -
       dadurch weiß,  daß der  Gegenstand nur  der   S c h e i n   eines
       Gegenstandes, ein  vorgemachter Dunst ist, seinem Wesen nach aber
       nichts andres  als das  Wissen selbst,  welches sich  sich selbst
       entgegengestellt und daher sich eine  N i c h t i g k e i t,  ein
       Etwas entgegengestellt  hat, was   k e i n e   Gegenständlichkeit
       außer dem Wissen hat; oder das Wissen weiß, daß es, indem es sich
       zu einem  Gegenstand verhält, nur  a u ß e r  sich ist, sich ent-
       äußert; daß   e s   s e l b s t   sich  nur als  Gegenstand  e r-
       s c h e i n t,   oder daß  das, was ihm als Gegenstand erscheint,
       nur es selbst ist.
       Andrerseits, sagt Hegel, liegt hierin zugleich dies andre Moment,
       daß es diese Entäußerung und Gegenständlichkeit ebensosehr aufge-
       hoben und  in sich  zurückgenommen hat,  also  in  seinem    A n-
       d e r s s e i n  a l s  s o l c h e m  b e i  s i c h  ist.
       Wir haben in dieser Auseinandersetzung alle Illusionen der Speku-
       lation zusammen.
       E i n m a l:     Das  Bewußtsein,  das  Selbstbewußtsein  ist  in
       s e i n e m   A n d e r s s e i n   a l s   s o l c h e m   b e i
       s i c h.   Es ist  daher -  oder wenn wir hier von der Hegelschen
       Abstraktion  abstrahieren  und  statt  das  Selbstbewußtsein  das
       Selbstbewußtsein  des   Menschen  setzen  -,  es  ist  in  seinem
       A n d e r s s e i n  a l s  s o l c h e m  b e i  s i c h.  Darin
       liegt einmal,  daß das  Bewußtsein -  das Wissen als Wissen - das
       Denken als  Denken -  unmittelbar das   a n d r e   seiner selbst
       [zu] sein,  Sinnlichkeit, Wirklichkeit,  Leben zu  sein vorgibt -
       das im Denken sich überbietende
       
       #581# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
       -----
       Denken. (Feuerbach.  [135]) Diese  Seite  ist  hierin  enthalten,
       insofern das  Bewußtsein als nur Bewußtsein nicht an der entfrem-
       deten Gegenständlichkeit,  sondern an  der   G e g e n s t ä n d-
       l i c h k e i t  a l s  s o l c h e r  seinen Anstoß hat.
       Zweitens liegt  hierin, daß der selbstbewußte Mensch, insofern er
       die geistige  Welt -  oder das  geistige allgemeine Dasein seiner
       Welt -  als Selbstentäußerung erkannt und aufgehoben hat, er die-
       selbe dennoch  wieder in dieser entäußerten Gestalt bestätigt und
       als  sein   wahres  Dasein   ausgibt,  sie  wiederherstellt,  [in
       s e i n e m]   1*)   A n d e r s s e i n   a l s    s o l c h e m
       b e i   s i c h   zu sein  vorgibt, also nach Aufhebung z. B. der
       Religion, nach  der Erkennung der Religion als eines Produkts der
       Selbstentäußerung,  dennoch   in  der     R e l i g i o n     als
       R e l i g i o n   sich bestätigt  findet. Hier  i s t  die Wurzel
       d e s   f a l s c h e n   Positivismus  Hegels  oder  seines  nur
       s c h e i n b a r e n   Kritizismus: was  Feuerbach  als  Setzen,
       Negieren und  Wiederherstellen der  Religion oder  Theologie  be-
       zeichnet -  was aber allgemeiner zu fassen ist. Also die Vernunft
       ist bei sich in der Unvernunft als Unvernunft. Der Mensch, der in
       Recht, Politik  etc. ein entäußertes Leben zu führen erkannt hat,
       führt in  diesem entäußerten  Leben als  solchem sein wahres men-
       schliches Leben  2*). Die  Selbstbejahung,  Selbstbestätigung  im
       W i d e r s p r u c h  mit sich selbst, sowohl mit dem Wissen als
       mit dem  Wesen des  Gegenstandes, ist also das wahre  W i s s e n
       und  L e b e n.
       Von einer  Akkommodation Hegels  gegen Religion,  Staat etc. kann
       also keine Rede mehr sein, da diese Lüge die Lüge seines Prinzips
       ist.
       ¦¦XXIX¦ Wenn  ich die  Religion als   e n t ä u ß e r t e s  men-
       schliches Selbstbewußtsein   w e i ß,   s o  weiß ich also in ihr
       als Religion  nicht mein Selbstbewußtsein, sondern mein entäußer-
       tes Selbstbewußtsein  in ihr  bestätigt. Mein sich selbst, seinem
       Wesen angehöriges  Selbstbewußtsein weiß  ich also  dann nicht in
       der   R e l i g i o n,   sondern vielmehr  in der  v e r n i c h-
       t e t e n,  a u f  g e h o b n e n  Religion bestätigt.
       Bei Hegel  ist die Negation der Negation daher nicht die Bestäti-
       gung des  wahren Wesens,  eben durch  Negation des  Scheinwesens,
       sondern die Bestätigung des Scheinwesens oder des sich entfremde-
       ten Wesens  in  seiner  Verneinung  oder  die  Verneinung  dieses
       Scheinwesens  als  eines  gegenständlichen,  außer  dem  Menschen
       hausenden und  von ihm  unabhängigen Wesens und seine Verwandlung
       in das Subjekt.
       Eine eigentümliche  Rolle  spielt  daher  das    A u f h e b e n,
       worin die Verneinung und die Aufbewahrung, die Bejahung verknüpft
       sind.
       So z.B.  ist in  Hegels Rechtsphilosophie  das aufgehobne  P r i-
       v a t r e c h t   =  M o r a l,  die aufgehobne Moral =  F a m i-
       l i e,  die aufgehobne Familie =
       -----
       1*) Durch einen  Tintenfleck verdeckt  - 2*) in  der Handschrift:
       ist
       
       #582# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       b ü r g e r l i c h e r  G e s e l l s c h a f t,  die aufgehobne
       bürgerliche Gesellschaft  =   S t a a t,   der aufgehobne Staat =
       W e l t g e s c h i c h t e.   In  der    W i r k l i c h k e i t
       bleiben Privatrecht,  Moral, Familie,  bürgerliche  Gesellschaft,
       Staat etc.  bestehn, nur  sind sie zu  M o m e n t e n  geworden,
       zu Existenzen  und Daseinsweisen des Menschen, die nicht isoliert
       gelten,  sich   wechselseitig   auflösen   und   erzeugen   etc.,
       M o m e n t e  d e r  B e w e g u n g.
       In ihrer  wirklichen Existenz ist dies ihr  b e w e g l i c h e s
       Wesenverborgen. Zum  Vorschein, zur  Offenbarung kömmt es erst im
       Denken, in  der Philosophie, und darum ist mein wahres religiöses
       Dasein  mein     r e l i g i o n s p h i l o s o p h i s c h e s
       Dasein,  mein   wahres  politisches  Dasein  mein    r e c h t s-
       p h i l o s o p h i s c h e s   Dasein, mein  wahres  natürliches
       Dasein das   n a t u r p h i l o s o p h i s c h e   Dasein, mein
       wahres künstlerisches  Dasein das  k u n s t p h i l o s o p h i-
       s c h e   Dasein, mein  wahres   m e n s c h l i c h e s   Dasein
       mein  p h i l o s o p h i s c h e s  D a s e i n.  Ebenso ist die
       wahre Existenz von Religion, Staat, Natur, Kunst: die Religions-,
       Natur-, Staats-,  K u n s t p h i l o s o p h i e.  Wenn aber nur
       die Religionsphilosophie  etc. mir  das wahre Dasein der Religion
       ist, so bin ich auch nur als  R e l i g i o n s p h i l o s o p h
       wahrhaft religiös,  und so  verleugne ich  die  w i r k l i c h e
       Religiosität und  den wirklich   r e l i g i ö s e n    Menschen.
       Aber zugleich  b e s t ä t i g e  ich sie, teils innerhalb meines
       eignen Daseins  oder innerhalb des fremden Daseins, das ich ihnen
       entgegensetze, denn  dieses  i s t  nur ihr  p h i l o s o p h i-
       s c h e r  Ausdruck; teils in ihrer eigentümlichen ursprünglichen
       Gestalt, denn  sie gelten  mir als  das nur   s c h e i n b a r e
       Anderssein, als  Allegorien, unter  sinnlichen  Hüllen  verborgne
       Gestalten  ihres   eignen  wahren,  id  est  meines    p h i l o-
       s o p h i s c h e n  Daseins.
       Ebenso ist die aufgehobne  Q u a l i t ä t  =  Q u a n t i t ä t,
       die aufgehobne  Quantität =   M a ß,   das aufgehobne Maß =  W e-
       s e n,  das aufgehobne Wesen =  E r  s c h e i n u n g,  die auf-
       gehobne Erscheinung  =   W i r k l i c h k e i t,  die aufgehobne
       Wirklichkeit =   B e g r i f f,   der  aufgehobne Begriff =  O b-
       j e k t i v i t ä t, die  aufgehobne  Objektivität  =    a b s o-
       l u t e r   I d e e,   die aufgehobne absolute Idee =  N a t u r,
       die aufgehobne  Natur =   s u b j e k t i v e m   Geist, der auf-
       gehobne subjektive  Geist  =    s i t t l i c h e m    objektivem
       Geist, der  aufgehobne sittliche  Geist =   K u n s t,   die auf-
       gehobne Kunst  =   R e l i g i o n,   die aufgehobne  Religion  =
       a b s o l u t e m  W i s s e n.
       Einerseits ist  dies Aufheben  ein Aufheben des gedachten Wesens,
       also das   g e d a c h t e   Privateigentum  hebt sich auf in den
       G e d a n k e n   der Moral.  Und weil das Denken sich einbildet,
       unmittelbar das  andre seiner  selbst zu sein,  s i n n l i c h e
       W i r k l i c h k e i t,     also  ihm   seine  Aktion  auch  für
       s i n n l i c h e  w i r k l i c h e  Aktion gilt, so glaubt dies
       denkende Aufheben,  welches seinen Gegenstand in der Wirklichkeit
       stehnläßt, ihn wirklich überwunden zu haben und andrerseits, weil
       er ihm nun als Gedankenmoment geworden ist, darum
       
       #583# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
       -----
       gilt er  ihm auch  in seiner  Wirklichkeit als  Selbstbestätigung
       seiner selbst, des Selbstbewußtseins, der Abstraktion.
       ¦¦XXX¦ Nach  der einen Seite hin ist das Dasein, welches Hegel in
       die Philosophie   a u f h e b t,   daher  nicht die  w i r k l i-
       c h e   Religion, Staat, Natur, sondern die Religion selbst schon
       als ein  Gegenstand des  Wissens, die   D o g m a t i k,   so die
       J u r i s p r u d e n z,     S t a a t s w i s s e n s c h a f t,
       N a t u r w i s s e n s c h a f t.  Nach der einen Seite steht er
       also im  Gegensatz sowohl  zu dem  w i r k l i c h e n  Wesen als
       zu der  unmittelbaren unphilosophischen   W i s s e n s c h a f t
       oder zu  den unphilosophischen  B e g r i f f e n  dieses Wesens.
       Er widerspricht daher ihren gangbaren Begriffen.
       Andrerseits kann  sich der  religiöse etc.  Mensch in Hegel seine
       letzte Bestätigung finden.
       Es sind  nun die   p o s i t i v e n  Momente der Hegelschen Dia-
       lektik - innerhalb der Bestimmung der Entfremdung - zu fassen.
       a) Das  A u f h e b e n,  als gegenständliche, die Entäußerung in
       sich   z u r ü c k n e h m e n d e   Bewegung. -  Es ist dies die
       innerhalb  der   Entfremdung  ausgedrückte   Einsicht   von   der
       A n e i g n u n g   des gegenständlichen  Wesens durch die Aufhe-
       bung  seiner   Entfremdung,  die   entfremdete  Einsicht  in  die
       w i r k l i c h e   V e r g e g e n s t ä n d l i c h u n g   des
       Menschen, in  die wirkliche Aneignung seines gegenständlichen We-
       sens durch  die Vernichtung  der   e n t f r e m d e t e n    Be-
       stimmung der  gegenständlichen Welt, durch ihre Aufhebung, in ih-
       rem entfremdeten  Dasein, wie  der Atheismus als Aufhebung Gottes
       das Werden des theoretischen Humanismus, der Kommunismus als Auf-
       hebung des  Privateigentums die  Vindikation des  wirklichen men-
       schlichen Lebens als seines Eigentums ist, das Werden des prakti-
       schen Humanismus  ist, oder der Atheismus ist der durch Aufhebung
       der Religion,  der Kommunismus  der durch Aufhebung des Privatei-
       gentums mit sich vermittelte Humanismus. Erst durch die Aufhebung
       dieser Vermittelung  - die aber eine notwendige Voraussetzung ist
       - wird  der positiv  von sich  selbst beginnende,  der   p o s i-
       t i v e Humanismus.
       Aber Atheismus, Kommunismus sind keine Flucht, keine Abstraktion,
       kein Verlieren  der von  dem Menschen  erzeugten gegenständlichen
       Welt, seiner  zur Gegenständlichkeit herausgebornen Wesenskräfte,
       keine zur  unnatürlichen, unentwickelten  Einfachheit  zurückkeh-
       rende Armut.  Sie sind  vielmehr erst  das wirkliche  Werden, die
       wirklich für  den Menschen  gewordne Verwirklichung seines Wesens
       und seines Wesens als eines wirklichen.
       Hegel faßt  also, indem  er den   p o s i t i v e n  Sinn der auf
       sich selbst  bezognen Negation - wenn auch wieder in entfremdeter
       Weise - faßt, die
       
       #584# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       Selbstentfremdung,  Wesensentäußerung,  Entgegenständlichung  und
       Entwirklichung des  Menschen als Selbstgewinnung, Wesensäußerung,
       Vergegenständlichung, Verwirklichung.  (Kurz, er faßt - innerhalb
       der Abstraktion  - die  Arbeit als  den    S e l b s t e r z e u-
       g u n g s a k t   des Menschen, das Verhalten zu sich als fremdem
       Wesen und  das Betätigen  seiner als eines fremden Wesens als das
       werdende     G a t t u n g s b e w u ß t s e i n  und      G a t-
       t u n g s l e b e n.>
       b) Bei Hegel  - abgesehn  oder vielmehr  als Konsequenz der schon
       geschilderten Verkehrtheit - erscheint dieser Akt aber einmal als
       ein  n u r  f o r m e l l e r,  weil als ein abstrakter, weil das
       menschliche Wesen  selbst nur  als   a b s t r a k t e s   d e n-
       k e n d e s  W e s e n,  als Selbstbewußtsein gilt; und zweitens,
       weil die Fassung  f o r m e l l  und  a b s t r a k t  ist, darum
       wird die  Aufhebung der  Entäußerung  zu  einer  Bestätigung  der
       Entäußerung, oder  für Hegel  ist jene Bewegung des  S e l b s t-
       e r z e u g e n s,   des   S e l b s t v e r g e g e n s t ä n d-
       l i c h e n s   als    S e l b s t e n t ä u ß e r u n g    u n d
       S e l b s t e n t f r e m d u n g   die    a b s o l u t e    und
       darum die  letzte, sich selbst bezweckende und in sich beruhigte,
       bei ihrem  Wesen angelangte   m e n s c h l i c h e  L e b e n s-
       ä u ß e r u n g.
       Diese Bewegung  in ihrer  abstrakten ¦¦XXXI¦  Form als  Dialektik
       gilt  daher  als  das    w a h r h a f t    m e n s c h l i c h e
       L e b e n,   und weil  es doch eine Abstraktion, eine Entfremdung
       des menschlichen  Lebens ist,  gilt es  als   g ö t t l i c h e r
       P r o z e ß,   aber als  der göttliche  Prozeß des Menschen - ein
       Prozeß, den sein von ihm unterschiednes abstraktes, reines, abso-
       lutes Wesen selbst durchmacht.
       D r i t t e n s:   Dieser Prozeß muß einen Träger haben, ein Sub-
       jekt; aber das Subjekt wird erst als Resultat; dies Resultat, das
       sich als  absolutes Selbstbewußtsein  wissende Subjekt, ist daher
       der   G o t t,   a b s o l u t e r   G e i s t,   d i e   s i c h
       w i s s e n d e   u n d   b e t ä t i g e n d e   I d e e.    Der
       wirkliche Mensch  und die wirkliche Natur werden bloß zu Prädika-
       ten, zu Symbolen dieses verborgnen unwirklichen Menschen und die-
       ser unwirklichen Natur. Subjekt und Prädikat haben daher das Ver-
       hältnis  einer  absoluten  Verkehrung  zueinander,    m y s t i -
       s c h e s   S u b j e k t - O b j e k t   oder  über  das    O b-
       j e k t   ü b e r g r e i f e n d e    S u b j e k t i v i t ä t,
       das   a b s o l u t e   S u b j e k t  als ein  P r o z e ß,  als
       sich   e n t ä u ß e r n d e s   und aus  der Entäußerung in sich
       zurückkehrendes,  aber   sie  zugleich  in  sich  zurücknehmendes
       S u b j e k t   und das  Subjekt als  dieser Prozeß;  das  reine,
       r a s t l o s e  Kreisen in sich.
       E i n m a l.   F o r m e l l e  u n d  a b s t r a k t e  Fassung
       des Selbsterzeugungs-  oder  Selbstvergegenständlichungsakts  des
       Menschen.
       Der entfremdete  Gegenstand, die  entfremdete  Wesenswirklichkeit
       des Menschen ist - da Hegel den Menschen = Selbstbewußtsein setzt
       - nichts  als Bewußtsein,  nur der  Gedanke der  Entfremdung, ihr
       a b s t r a k t e r  und darum inhaltsloser und unwirklicher Aus-
       druck, die   N e g a t i o n.   Die Aufhebung der Entäußerung ist
       daher ebenfalls nichts als eine abstrakte, inhaltslose
       
       #585# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
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       Aufhebung jener  inhaltslosen Abstraktion,  die   N e g a t i o n
       d e r   N e g a t i o n.  Die inhaltsvolle, lebendige, sinnliche,
       konkrete Tätigkeit  der Selbstvergegenständlichung  wird daher zu
       ihrer bloßen  Abstraktion, der   a b s o l u t e n   N e g a t i-
       v i t ä t,   eine Abstraktion,  die wieder als solche fixiert und
       als eine  selbständige Tätigkeit,  als die  Tätigkeit schlechthin
       gedacht wird. Weil diese sogenannte Negativität nichts andres ist
       als die   a b s t r a k t e,    i n h a l t s l o s e  Form jenes
       wirklichen lebendigen  Aktes, darum kann auch ihr Inhalt bloß ein
       f o r m e l l e r,    durch  die  Abstraktion  von  allem  Inhalt
       erzeugter Inhalt sein. Es sind daher die allgemeinen, abstrakten,
       jedem Inhalt  angehörigen, darum  auch sowohl  gegen allen Inhalt
       gleichgültigen,  als   eben  darum   für  jeden  Inhalt  gültigen
       A b s t r a k t i o n s f o r m e n,   die Denkformen,  die logi-
       schen Kategorien, losgerissen vom  w i r k l i c h e n  Geist und
       von der   w i r k l i c h e n   Natur.  (Wir werden den  l o g i-
       s c h e n   Inhalt der  absoluten Negativität  weiter unten  ent-
       wickeln.)
       Das Positive,  was Hegel hier vollbracht hat - in seiner spekula-
       tiven Logik - ist, daß die  b e s t i m m t e n  B e g r i f f e,
       die allgemeinen   f i x e n   D e n k f o r m e n  in ihrer Selb-
       ständigkeit gegen  Natur und  Geist ein  notwendiges Resultat der
       allgemeinen Entfremdung  des menschlichen  Wesens, also  auch des
       menschlichen Denkens sind und daß Hegel sie daher als Momente des
       Abstraktionsprozesses dargestellt  und zusammengefaßt  hat.  Z.B.
       das aufgehobne  Sein ist Wesen, das aufgehobne Wesen Begriff, der
       aufgehobne Begriff...  absolute Idee.  Aber was ist nun die abso-
       lute Idee? Sie hebt sich selbst wieder auf, wenn sie nicht wieder
       von vorn  den ganzen  Abstraktionsakt durchmachen  und sich damit
       begnügen will, eine Totalität von Abstraktionen oder die sich er-
       fassende Abstraktion  zu sein.  Aber die sich als Abstraktion er-
       fassende Abstraktion  weiß sich als nichts; sie muß sich, die Ab-
       straktion, aufgeben, und so kömmt sie bei einem Wesen an, welches
       grade ihr Gegenteil ist, bei der  N a t u r.  Die ganze Logik ist
       also der  Beweis, daß  das abstrakte  Denken für sich nichts ist,
       daß  die  absolute  Idee  für  sich  nichts  ist,  daß  erst  die
       N a t u r  etwas ist.
       ¦¦XXXII] Die absolute Idee, die abstrakte Idee, welche
       
       "nach  ihrer   Einheit  mit   sich    b e t r a c h t e t    A n-
       s c h a u e n   ist" (Hegels  "Encyclopädie", 3te Ausgabe, p. 222
       [§ 244]),  welche (l.c.)  "in der absoluten Wahrheit ihrer selbst
       sich   e n t s c h l i e ß t,  das Moment ihrer Besonderheit oder
       des ersten  Bestimmens und  Andersseins,  die    u n m i t t e l-
       b a r e   I d e e,   als ihren  Widerschein, sich  als  N a t u r
       frei  a u s  s i c h  z u  e n t l a s s e n"  (l.c.),
       
       diese ganze,  so sonderbar und barock sich gebarende Idee, welche
       den  Hegelianern  ungeheure  Kopfschmerzen  verursacht  hat,  ist
       durchaus nichts  anders als die  A b s t r a k t i o n,  i.e. der
       abstrakte Denker, die, durch Erfahrung
       
       #586# Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
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       gewitzigt und  über ihre Wahrheit aufgeklärt, sich unter mancher-
       lei - falschen und selbst noch abstrakten - Bedingungen dazu ent-
       schließt,   s i c h  a u f z u g e b e n  und ihr Anderssein, das
       Besondere,  Bestimmte   an   die   Stelle   ihres   Beisichseins,
       Nichtsseins 1*),  ihrer Allgemeinheit und ihrer Unbestimmtheit zu
       setzen, die   N a t u r,   die  sie nur  als Abstraktion, als Ge-
       dankending in  sich verbarg,   f r e i    a u s    s i c h    z u
       e n t l a s s e n,   d.h. die  Abstraktion zu  verlassen und sich
       einmal die  von ihr   f r e i e   Natur  anzusehn. Die  abstrakte
       Idee, die  unmittelbar   A n s c h a u e n   wird,  ist  durchaus
       nichts andres  als das abstrakte Denken, das sich aufgibt und zur
       A n s c h a u u n g  entschließt. Dieser ganze Übergang der Logik
       in die  Naturphilosophie ist nichts andres als der - dem abstrak-
       ten  Denker   so  schwer   zu  bewerkstelligende   und  daher  so
       abenteuerlich von  ihm beschriebne Übergang aus dem  A b s t r a-
       h i e r e n   in das   A n s c h a u e n.  Das  m y s t i s c h e
       Gefühl, was  den Philosophen  aus dem  abstrakten Denken  in  das
       Anschauen treibt, ist die  L a n g w e i l e,  die Sehnsucht nach
       einem Inhalt.
       (Der sich  selbst entfremdete  Mensch ist auch seinem  W e s e n,
       d.h. dem  natürlichen und menschlichen Wesen entfremdeter Denker.
       Seine Gedanken  sind daher  außer  der  Natur  und  dem  Menschen
       hausende fixe Geister. Hegel hat in seiner Logik alle diese fixen
       Geister zusammengesperrt,  jeden derselben  einmal als  Negation,
       d.h. als   E n t ä u ß e r u n g   des    m e n s c h l i c h e n
       Denkens, dann als Negation der Negation, d. h. als Aufhebung die-
       ser Entäußerung,  als   w i r k l i c h e  Äußerung des menschli-
       chen Denkens gefaßt; aber da - als selbst noch in der Entfremdung
       befangen -  ist diese  Negation der Negation teils das Wiederher-
       stellen derselben  in ihrer  Entfremdung, teils  das Stehnbleiben
       bei dem  letzten Akt,  das Sichaufsichbeziehn in der Entäußerung,
       als dem  wahren Dasein  dieser fixen  Geister *),  teils insofern
       diese Abstraktion  sich selbst  erfaßt und  über sich selbst eine
       unendliche Langweile  empfindet, erscheint bei Hegel das Aufgeben
       des
       ---
       *) (d.h. - Hegel setzt den in sich kreisenden Akt der Abstraktion
       an die  Stelle jener fixen Abstraktionen; damit hat er einmal das
       Verdienst, die  Geburtsstätte aller  dieser ihrem  ursprünglichen
       Datum nach einzelnen Philosophen zugehörigen ungehörigen Begriffe
       nachgewiesen, sie  zusammengefaßt und  statt einer bestimmten Ab-
       straktion die  in ihrem ganzen Umkreis erschöpfte Abstraktion als
       Gegenstand der  Kritik geschaffen zu haben) (warum Hegel das Den-
       ken vom Subjekt trennt, werden wir später sehn; es ist aber jetzt
       schon klar,  daß, wenn der Mensch nicht ist, auch seine Wesensäu-
       ßerung nicht menschlich sein kann, also auch das Denken nicht als
       Wesensäußerung des  Menschen als  eines menschlichen und natürli-
       chen mit Augen, Ohren etc. in der Gesellschaft und Welt und Natur
       lebenden Subjekts gefaßt werden konnte.)
       -----
       1*) "Nichtsseins" steht in der Handschrift über "Beisichseins"
       
       #587# Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt
       -----
       abstrakten, nur im Denken sich bewegenden Denkens, das ohne Aug',
       ohn' Zahn,  ohn' Ohr,  ohn' alles  ist,  als  Entschließung,  die
       N a t u r   als Wesen anzuerkennen und sich auf die Anschauung zu
       verlegen.)
       ¦¦XXXIII¦ Aber auch die  N a t u r,  abstrakt genommen, für sich,
       in der  Trennung vom  Menschen  fixiert,  ist  für  den  Menschen
       n i c h t s.   Daß der  abstrakte Denker,  der sich zum Anschauen
       entschlossen  hat,  sie  abstrakt  anschaut,  versteht  sich  von
       selbst. Wie  die Natur,  von dem Denker in seiner ihm selbst ver-
       borgnen und  rätselhaften Gestalt,  als absolute Idee, als Gedan-
       kending eingeschlossen  lag, so  hat er in Wahrheit, indem er sie
       aus sich  entlassen hat,  nur diese  a b s t r a k t e  N a t u r
       - aber  nun mit  der Bedeutung, daß sie das Anderssein des Gedan-
       kens ist,  daß sie die wirkliche angeschaute, vom abstrakten Den-
       ken unterschiedne  Natur ist  - nur  das  G e d a n k e n d i n g
       der Natur  aus sich  entlassen. Oder, um eine menschliche Sprache
       zu reden,  bei seiner  Naturanschauung erfährt der abstrakte Den-
       ker, daß  die Wesen,  welche er  in der  göttlichen Dialektik als
       reine Produkte  der in  sich selbst  webenden und nirgends in die
       Wirklichkeit hinausschauender  Arbeit des Denkens aus dem Nichts,
       aus der puren Abstraktion zu schaffen meinte, nichts andres sind,
       als    A b s t r a k t i o n e n    von    N a t u r b e s t i m-
       m u n  g e n.   Die ganze  Natur wiederholt ihm also nur in einer
       sinnlichen, äußerlichen  Form die  logischen Abstraktionen.  - Er
       a n a l y s i e r t   sie und  diese Abstraktionen  wieder. Seine
       Naturanschauung  ist   also  nur   der   Bestätigungsakt   seiner
       Abstraktion von  der Naturanschauung  1*), der  von ihm  mit  Be-
       wußtsein wiederholte Zeugungsgang seiner Abstraktion. So ist z.B.
       die Zeit  = Negativität, die sich auf sich bezieht (p. 238 l.c.).
       Dem aufgehobnen  Werden als  Dasein entspricht  - in  natürlicher
       Form -  die aufgehobne  Bewegung als Materie. Das Licht ist - die
       n a t ü r l i c h e   Form- die  R e f l e x i o n  i n  s i c h.
       Der Körper  als   M o n d   und  K o m e t  ist - die  n a t ü r-
       l i c h e  Form - des  G e g e n s a t z e s,  der nach der Logik
       einerseits das   a u f    s i c h    s e l b s t    r u h e n d e
       P o s i t i v e,   andrerseits das  auf sich selbst ruhende  N e-
       g a t i v e  ist. Die Erde ist die  n a t ü r l i c h e  Form des
       logischen   G r u n d e s,   als negative Einheit des Gegensatzes
       etc. Die   N a t u r   a l s   N a t u r,  d.h. insofern sie sich
       sinnlich noch unterscheidet von jenem geheimen, in ihr verborgnen
       Sinn, die  Natur getrennt, unterschieden von diesen Abstraktionen
       ist   N i c h t s,   ein sich als  N i c h t s  b e w ä h r e n -
       d e s   N i c h t s,   ist   s i n n l o s  oder hat nur den Sinn
       einer Äußerlichkeit, die aufgehoben werden muß.
       -----
       1*) In der  Handschrift folgt  die gestrichene Stelle: Betrachten
       wir einen  Augenblick die Hegelsche Naturbestimmung und den Über-
       gang aus  der Natur in den Geist. Die Natur hat sich als die Idee
       in der Form des Andersseins ergeben. Da die Id[ee]
       
       #588#  Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
       -----
       "In dem  endlich - t e l e o l o g i s c h e n  Standpunkt findet
       sich die  richtige Voraussetzung,  daß die  Natur  den  absoluten
       Zweck nicht in ihr selbst enthält." p. 225 [§ 245].
       Ihr Zweck ist die Bestätigung der Abstraktion.
       
       "Die  Natur  hat  sich  als  die  Idee  in  der    F o r m    des
       A n d e r s s e i n s  ergeben. Da die  I d e e  so als das Nega-
       tive ihrer  selbst oder   s i c h  ä u ß e r l i c h  ist, so ist
       die Natur  nicht äußerlich, nur relativ gegen diese Idee, sondern
       die  Ä u ß e r l i c h k e i t  macht die Bestimmung aus, in wel-
       cher sie als Natur ist." p. 227 [§ 247].
       
       Die   Ä u ß e r l i c h k e i t   ist hier  nicht  als  die  sich
       ä u ß e r n d e   und dem  Licht,  dem  sinnlichen  Menschen  er-
       schloßne  S i n n l i c h k e i t  zu verstehn. Die Äußerlichkeit
       ist hier  im Sinne  der Entäußerung,  eines Fehlers, eines Gebre-
       chens, das  nicht sein  soll, zu nehmen. Denn das Wahre ist immer
       noch  die   Idee.  Die   Natur  ist  nur  die    F o r m    ihres
       A n d e r s s e i n s.     Und  da  das  abstrakte    Denken  das
       W e s e n   ist, so  ist das, was ihm äußerlich ist, seinem Wesen
       nach ein  nur   Ä u ß e r l i c h e s.   Der abstrakte Denker er-
       kennt zugleich  an, daß  die   S i n n l i c h k e i t  das Wesen
       der Natur  ist, die   Ä u ß e r l i c h k e i t   im Gegensatz zu
       dem  i n  s i c h  webenden Denken. Aber zugleich spricht er die-
       sen Gegensatz so aus, daß diese  Ä u ß e r l i c h k e i t  d e r
       N a t u r   ihr  G e g e n s a t z  zum Denken, ihr  M a n g e l,
       daß sie, insofern sie sich von der Abstraktion unterscheidet, ein
       mangelhaftes Wesen  ist. ¦¦XXXIV¦ Ein nicht nur für mich, in mei-
       nen Augen mangelhaftes, ein an sich selbst mangelhaftes Wesen hat
       etwas außer  sich, was  ihm mangelt. D. h. sein Wesen ist ein an-
       dres als  es selbst. Die Natur muß sich daher selbst aufheben für
       den abstrakten  Denker, weil sie schon von ihm als ein der Potenz
       nach  a u f g e h o b e n e s  Wesen gesetzt ist.
       
       "Der Geist  hat   f ü r   u n s   d i e   N a t u r    zu  seiner
       V o r a u s s e t z u n g,  deren  W a h r h e i t  und damit de-
       ren   a b s o l u t e s   E r s t e s  er ist. In dieser Wahrheit
       ist die  Natur   v e r s c h w u n d e n,  und der Geist hat sich
       als  die  zu  ihrem  Fürsichsein  gelangte  Idee  ergeben,  deren
       O b j e k t   ebensowohl als  das   S u b j e k t   d e r    B e-
       g r i f f   ist. Diese  Identität ist   a b s o l u t e  N e g a-
       t i v i t ä t,   weil in  der Natur der Begriff seine vollkommene
       äußerliche  Objektivität   hat,  diese   seine  Entäußerung  aber
       aufgehoben, und  er in  dieser sich  identisch mit  sich geworden
       ist. Er  ist diese  Identität somit  nur als Zurückkommen aus der
       Natur." p. 392 [§ 381].
       "Das   O f f e n b a r e n,   welches als  die  a b s t r a k t e
       I d e e  unmittelbarer Übergang,  W e r d e n  der Natur ist, ist
       als Offenbaren des Geistes, der frei ist,  S e t z e n  der Natur
       als   s e i n e r   Welt; ein  Setzen, das als Reflexion zugleich
        V o r a u s s e t z e n   der Welt  als selbständiger Natur ist.
       Das Offenbaren  im Begriffe  ist Erschaffen  derselben als seines
       Seins, in  welchem er  die   A f f i r m a t i o n  und  W a h r-
        h e i t   seiner Freiheit  sich  gibt."  "Das    A b s o l u t e
       i s t   d e r   G e i s t:   dies ist  die höchste Definition des
       Absoluten." [p. 393, § 384.] ¦XXXI¦¦

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