Quelle: MEW 40 Marx: Schriften/Briefe Nov. 1837 bis Aug. 1844


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       #635# Briefe
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       Heinrich Marx an Karl Marx in Berlin
       in Berlin
       
       Trier, den 9. Dezember 1837
       Lieber Karl!
       Wenn man  seine Schwäche  kennt, so muß man Maßregeln dagegen er-
       greifen. Wollte ich nun wie gewöhnlich zusammenhängend schreiben,
       so würde mich am Ende meine Liebe zu Dir in den sentimentalen Ton
       verleiten, und  um so  mehr wär' alles Frühere verloren, als Du -
       so scheint  es wenigstens  - einen  Brief nie  zum zweitenmal zur
       Hand nimmst,  und zwar  ganz folgerecht,  denn wozu wieder lesen,
       wenn das Rückschreiben nie eine Antwort ist?
       Ich will  also meine  Klagen in Aphorismen aushauchen, denn wirk-
       lich Klagen  sind es,  die ich  vorbringe. Um  mir nun  dieselben
       selbst recht zu verdeutlichen und sie Dir wie Pillen verschlucken
       zu lassen, stelle ich Fragen, die ich gesonnen bin, ganz a poste-
       riori zu lösen.
       1. Welches ist die Aufgabe eines jungen Mannes, dem die Natur un-
       bestritten ungewöhnliches Talent verliehen, besonders
       a) Wenn er,  wie er vorgibt und ich übrigens gerne glaube, seinen
       Vater verehrt und seine Mutter idealisiert;
       b) Wenn er,  ohne sein Alter und seine Lage zu Rat zu ziehen, ei-
       nes der edelsten Mädchen an sein Schicksal gekettet, und
       c) dadurch eine sehr ehrwürdige Familie in die Lage versetzt hat,
       ein Verhältnis  gutzuheißen, was anscheinend und nach dem gewöhn-
       lichen Weltenlauf  für dieses  geliebte Kind  voller Gefahren und
       trüber Aussichten ist.
       2. Hatten Deine  Eltern einiges Recht zu fordern, daß Dein Betra-
       gen, Deine  Lebensweise ihnen  Freude, wenigstens freudige Augen-
       blicke bringe und trübe Momente möglichst verscheuche?
       3. Welches waren bis heran die Früchte Deiner herrlichen Naturga-
       ben in Beziehung auf Deine Eltern?
       4. Welches waren diese Früchte in Beziehung auf Dich selbst?
       Eigentlich könnte  und sollte  ich vielleicht hier schließen, die
       Beantwortung und  gänzliche Ausführung  Dir überlassen.  Aber ich
       fürchte hierbei  jede poetische  Ader. Prosaisch, aus dem wirkli-
       chen Leben,  wie es  ist, will ich antworten, auf die Gefahr hin,
       selbst meinem Herrn Sohne zu prosaisch zu scheinen.
       Die Stimmung, in der ich mich befinde, ist in der Tat auch nichts
       weniger als  poetisch. Mit  einem Husten, der jährig ist und mein
       Geschäft mir  drückend macht,  und mit einer seit kurzem hinzuge-
       kommenen Gicht
       
       #636# Beilagen
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       verpaart, finde ich mich selbst mehr verstimmt als billig und är-
       gere mich meiner Charakterschwäche, und so kannst Du freilich nur
       erwarten die  Schilderungen eines  alternden, grämlichen  Mannes,
       der sich  über die  ewigen Täuschungen  ärgert und besonders dar-
       über, daß  er seinem  eignen Idol einen Spiegel voller Zerrbilder
       vorhalten muß.
       
       Antworten, respektive Klagen
       
       1. Gaben verdienen, heischen Dankbarkeit; und da herrliche Natur-
       gaben gewiß die allervorzüglichsten sind, so erheischen sie Dank-
       barkeit in  einem höheren Grade. Die Natur aber läßt sich nur da-
       durch Dankbarkeit bezeigen, daß man den gehörigen Gebrauch dieser
       Gaben mache,  und wenn  ich mich eines gewöhnlichen Ausdrucks be-
       dienen darf, mit seinem Pfund wuchere.
       Ich weiß  wohl, wie  man im etwas edleren Stil antworten soll und
       muß, nämlich  es sollen solche Gaben zur eignen Veredlung benutzt
       werden, und  das ist  es gewiß  nicht, was ich bestreite. Ja, man
       soll sie  zu seiner Veredlung benutzen. Aber wie? Man ist Mensch,
       geistiges Wesen und Mitglied der Gesellschaft, Staatsbürger. Also
       physische, moralische,  intellektuelle und  politische Veredlung.
       Nur wenn in den Bestrebungen zu diesem großen Zwecke Einklang und
       Harmonie gebracht  wird, kann  ein schönes, anziehendes Ganze zum
       Vorschein kommen,  das Gott,  den Menschen, den Eltern und seinem
       Mädchen wohlgefällig  ist, mit  mehr Wahrheit und Natur ein wahr-
       haft plastisches  Gemälde zu nennen, als das Wiedersehn eines al-
       ten Schulkameraden. -
       Aber wie  gesagt, nur  in der Bestrebung, die Veredlung in gemes-
       senem gleichem  Verhältnisse auf alle Teile auszudehnen, wird der
       Wille bekundet,  sich dieser  Gaben würdig zu beweisen; nur durch
       die Gleichmäßigkeit  dieser Verteilung  kann das  schöne Gebilde,
       die wahre Harmonie gefunden werden.
       Ja, auf  einzelne Teile beschränkt, liefert das aufrichtigste Be-
       streben nicht allein kein gutes Resultat, nein, es gebärt Karika-
       turen; auf  dem physischen Teil Gecken, auf dem moralischen exal-
       tierte Schwärmer,  auf dem  politischen Intriganten  und auf  dem
       geistigen gelehrte Bären.
       a) Ja, es  mußte dies ein junger Mann sich zum Ziele setzen, wenn
       er seinen Eltern, deren Verdienste um ihn seinem Herzen zu würdi-
       gen überlassen  wird, wirklich  Freude bereiten wollte; besonders
       dann, wenn  er wußte,  daß diese Eltern ihre schönsten Hoffnungen
       in ihn setzten;
       b) Ja, er mußte bedenken, daß er eine, möglicherweise seine Jahre
       übersteigende, aber  desto  heiligere  Pflicht  übernommen,  sich
       selbst dem  Wohl eines Mädchens zu opfern, das seiner ausgezeich-
       neten Verdienste  und seiner  geselligen Stellung nach ein großes
       Opfer brachte,  wenn sie  ihre glänzende Lage und ihre Aussichten
       für eine schwankende und
       
       #637# Briefe
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       grauere Zukunft  hingab und  sich dem  Schicksale eines  jüngeren
       Mannes ankettete.  Ihr eine  Zukunft zu schaffen ist die einfache
       und praktische  Auflösung, ihrer  würdig, in der wirklichen Welt,
       nicht im beräucherten Zimmer bei der dampfenden Öllampe neben ei-
       nem verwilderten Gelehrten;
       c) Ja, er hat eine große Schuld abzutragen, und eine edle Familie
       fordert großes  Vergeltungsrecht für  ihre dahingegebenen schönen
       und durch  die treffliche Persönlichkeit ihres Kindes so sehr ge-
       gründeten Hoffnungen.  Denn wahrlich,  Tausende von Eltern würden
       ihre Einwilligung  versagt haben.  Und  in  düstern  Augenblicken
       wünscht Dein eigner Vater beinahe, sie hätten es getan -, denn zu
       sehr liegt  mir das  Wohl dieses Engelmädchens am Herzen, das ich
       zwar wie eine Tochter liebe, aber für deren Glück mir eben deswe-
       gen so  sehr bangt Alle diese Verpflichtungen zusammen bilden ein
       solches festgewebtes  Band, das allein hinreichen mußte, alle bö-
       sen Geister  zu bannen,  alle Verirrungen  zu verscheuchen,  alle
       Mängel auszugleichen,  neue und bessere Triebe zu entwickeln; aus
       einem verwilderten  Burschen einen geregelten Menschen, aus einem
       negierenden Genie  einen gediegenen  Denker, aus einem wüsten Rä-
       delsführer wüster  Burschen einen  geselligen Menschen zu bilden,
       der zwar  Stolz genug  beibehalten mag, um nicht wie ein Aal sich
       zu schmiegen,  aber praktischen  Verstand und  Takt  genug  haben
       soll, um  zu fühlen,  daß nur  im Umgange mit gesitteten Menschen
       die Kunst zu erlernen ist, sich der Welt von der angenehmsten und
       vorteilhaftesten Seite zu zeigen, sich Achtung, Liebe und Ansehen
       zu erwerben,  so schnell als möglich zu erwerben, und praktischen
       Gebrauch der  Talente zu  machen, die die Mutter Natur ihm in der
       Tat verschwenderisch  verliehen. Das  war in  kurzen  Worten  die
       A u f g a b e.   Wie ist sie gelöst? Das sei Gott geklagt!!! Ord-
       nungslosigkeit, dumpfes  Herumschweben in  allen Teilen  des Wis-
       sens, dumpfes Brüten bei der düsteren Öllampe; Verwildrung im ge-
       lehrten Schlafrock  und ungekämmter  Haare statt  der Verwildrung
       bei dem  Bierglase; zurückscheuchende  Ungeselligkeit  mit  Hint-
       ansetzung alles  Anstandes und  selbst aller  Rücksicht gegen den
       V a t e r.   - Die  Kunst, mit  der Welt  zu verkehren,  auf  die
       schmutzige Stube beschränkt, wo vielleicht in der klassischen Un-
       ordnung die Liebesbriefe einer J [enny] und die wohlgemeinten und
       vielleicht mit  Tränen geschriebenen  Ermahnungen des  Vaters zum
       fidibus, was übrigens besser wäre, als wenn sie durch noch unver-
       antwortlichere Unordnung  in die  Hände dritter kämen. - Und hier
       in dieser  Werkstätte unsinniger und unzweckmäßiger Gelehrsamkeit
       sollen die  Früchte reifen,  die Dich und Deine Geliebten erquic-
       ken, die  Ernte gesammelt  werden, die  dazu diene,  heilige Ver-
       pflichtungen zu erfüllen!?
       3. Es geht mir zwar trotz meines Vorsatzes sehr tief, es erdrückt
       mich beinahe das Gefühl, Dir weh zu tun, und schon weht mich wie-
       der meine
       
       #638# Beilagen
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       Schwäche an,  aber, um mir zu helfen -  ganz wörtlich - nehme ich
       die mir vorgeschriebnen reellen Pillen,  verschlucke alles herun-
       ter, denn ich  will einmal  hart sein  und meine Klagen ganz aus-
       hauchen.  Ich will nicht weich werden, denn ich fühle es, daß ich
       zu nachsichtig  war, zu  wenig  mich in Beschwerden ergoß und da-
       durch  gewissermaßen Dein  Mitschuldiger geworden  bin.  Ich will
       und  muß Dir  sagen, daß Du  Deinen Eltern vielen Verdruß gemacht
       und wenig oder keine Freude.
       Kaum war das wilde Treiben in Bonn zu Ende, kaum war Dein Schuld-
       buch vernichtet  - und  es bestand  wahrhaftig in so mannigfacher
       Beziehung - als zu unserer Bestürzung die Liebesleiden eintraten;
       und mit  der Gutmütigkeit  wahrer Romaneneltern  wurden wir deren
       Herolde und deren Kreuzträger. Doch tief fühlend, daß sich hierin
       das Glück Deines Lebens konzentrierte, erduldeten wir das Unabän-
       derliche und  spielten vielleicht selbst unangemessene Rollen. So
       jung noch  warst Du Deiner Familie entfremdet, doch den wohltäti-
       gen Einfluß auf Dich mit den Augen von Eltern sehend, hofften wir
       die guten  Wirkungen bald  entwickelt zu  sehn, weil  in der  Tat
       Überlegung und  Notwendigkeit sich gleichmäßig dafür aussprachen.
       Doch welche Früchte ernteten wir?
       Nie haben  wir den Genuß einer vernünftigen Korrespondenz gehabt,
       in der Regel der Trost der Abwesenheit. Denn Korrespondenz unter-
       stellt folgerechte  und fortgesetzte Verhandlung, ineinandergrei-
       fend und  harmonisch von  beiden Teilen  betrieben. Nie erhielten
       wir Antwort  auf unsere  Schreiben; nie  enthielt Dein  folgender
       Brief eine  Ankettung weder  an Deinen vorhergehenden noch an den
       unsrigen.
       Wenn wir heute die Anmeldung einer angeknüpften Bekanntschaft er-
       hielten, so  war dieselbe  ein für  allemal wieder  auf ewig ver-
       schwunden, ein totgeborenes Kind gleichsam.
       Was unser nur zu geliebter Sohn eigentlich treibe, denke, handle,
       kaum war  darüber zuweilen  eine rhapsodische Phrase hingeworfen,
       als sich schon das gehaltvolle Register wie bezaubert verschloß.
       Mehrere Malen  waren wir  Monate lang ohne Brief und zum letzten-
       male, als  Du wußtest,  daß Eduard  1*) krank, die Mutter duldend
       und ich leidend war und dazu die Cholera in Berlin herrschte; und
       als erheische dies nicht einmal eine Entschuldigung, erwähnte der
       nächste Brief  kein Wort  hiervon, sondern  enthielt kaum  einige
       schlecht geschriebene  Zeilen und  einen Auszug aus dem Tagebuch,
       betitelt "Besuch"  [2], dem  ich ganz offen lieber die Türe weise
       als aufnehme,  ein tolles  Machwerk, das  bloß bekundet,  wie  Du
       Deine Gaben  verschwendest und Nächte durchwachst, um Ungetüme zu
       gebären; daß  Du in  den Fußtapfen der neuen Unholde trittst, die
       ihre Worte  schrauben, bis  sie selbst sie nicht hören; die einen
       Schwall von  Worten, weil  sie keine oder verwirrte Gedanken dar-
       stellen, als eine Geburt des Genies taufen. -
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       1*) Bruder von Karl Marx
       
       #639# Briefe
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       Ja,  etwas  enthielt  das  Schreiben,  Klagen,  daß  Jenny  nicht
       schreibe, ungeachtet im Grunde Du die Überzeugung hattest, daß Du
       von allen Seiten begünstigt warst - wenigstens war kein Grund zur
       Verzweiflung und  zur Zerrissenheit-,  aber das  war nicht genug,
       das liebe  Ego schmachtete  nach dem  Genüsse zu  lesen, was  man
       wußte (was  freilich im gegebenen Falle ganz billig ist), und das
       war beinahe  alles, was  der Herr  Sohn seinen  Eltern  zu  sagen
       wußte, die er leidend zu sein überzeugt war, die er durch ein un-
       sinniges Stillschweigen gedrückt hatte.
       Als wären  wir Goldmännchen, verfügt der Herr Sohn in einem Jahre
       für beinahe  700 Taler  gegen alle  Abrede, gegen alle Gebräuche,
       während die  Reichsten keine  500 ausgeben.  Und warum? Ich lasse
       ihm die Gerechtigkeit widerfahren, daß er kein Prasser, kein Ver-
       schwender ist.  Aber wie  kann ein  Mann, der alle 8 oder 14 Tage
       neue Systeme  erfinden und  die alten  mühsam erwirkten  Arbeiten
       zerreißen muß,  wie kann  der, frage  ich, sich mit Kleinigkeiten
       abgeben? Wie  kann der  sich der kleinlichen Ordnung fügen? Jeder
       hat die  Hand in seiner Tasche, und jeder hintergeht ihn, verwir-
       ret nur  seine Zirkel nicht - und eine neue Anweisung ist ja bald
       wieder geschrieben. Kleinliche Menschen wie G. R. und Evers mögen
       sich darum  kümmern, es  sind gemeine Kerle. Zwar suchen diese in
       ihrer Einfalt die Vorlesungen - wäre es auch nur nach Worten - zu
       verdauen und  sich hin und wieder Gönner und Freunde zu verschaf-
       fen, denn bei dem Examen sitzen Menschen, sitzen Professoren, Pe-
       danten und  zuweilen rachsüchtige  Bösewichte, die  gerade  einen
       Selbständigen gerne beschämen, nur 1*) darin besteht ja die Größe
       des Menschen, daß er schafft und zerstört!!!
       Zwar schlafen diese armen jungen Leute ganz ruhig, außer wenn sie
       zuweilen eine  halbe oder  ganze Nacht dem Vergnügen weihen, wäh-
       rend mein  tüchtiger talentvoller  Karl elende Nächte durchwacht,
       seinen Geist und Körper ermattet im ernsthaften Studium, sich al-
       ler Vergnügungen  entschlagt, um in der Tat abstrakten, gediegnen
       Studien obzuliegen,  aber was  er heute baut, zerstört er morgen,
       und am Ende hat er das Seinige zerstört und das Fremde sich nicht
       zugeeignet. Am Ende wird der Körper siech und der Geist verwirrt,
       während die gemeinen Leutchen so ungestört fortschleichen und zu-
       weilen besser,  wenigstens bequemer  zum Ziele gelangen als jene,
       welche ihre Jugendfreuden verschmähen und ihre Gesundheit zerstö-
       ren, um  den Schatten  der Gelehrsamkeit  zu erhaschen,  den  sie
       wahrscheinlich in  einer Stunde geselligen Verkehrs mit kompeten-
       ten Männern  besser gebannt  hätten, und  das gesellige Vergnügen
       noch in den Kauf!!!
       Ich schließe,  denn ich  fühle an meinen heftigeren Pulsschlägen,
       daß ich  nahe dran  bin, im  weichlichen Tone  zu fallen, und ich
       will heute unbarmherzig sein.
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       1*) In der Handschrift nicht eindeutig zu entziffern
       
       #640# Beilagen
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       Auch Klagen  Deiner Geschwister habe ich nachzutragen. Kaum sieht
       man in  Deinen Briefen,  daß Du  deren hast;  und die gute Sophie
       1*), die  für Dich  und Jenny  so viel  gelitten und Dir so über-
       schwenglich ergeben ist, Du denkst ihrer nicht, wenn Du sie nicht
       bedarfst.
       Deine Anweisung  von 160  Taler habe  ich [ge]zahlt. Ich kann sie
       nicht oder  kaum auf  das alte  akademische Jahr imputieren, denn
       das hat  wahrlich seine volle Last. Und für das künftige will ich
       doch viele dergleichen nicht erwarten. -
       In diesem  Augenblicke hierher  zu kommen,  wäre Unsinn! Ich weiß
       zwar, daß  Du Dir  wenig aus  Vorlesungen machst - wahrscheinlich
       doch bezahlst  aber ich  will wenigstens  das decorum beobachten.
       Ich bin gewiß kein Sklave der Meinung, aber ich liebe auch nicht,
       daß auf  meine Kosten geklatscht werde. Zu den Osterferien - auch
       14 Tage  früher, so  pedantisch bin  ich nicht  - komm, und trotz
       meines gegenwärtigen  Epistels kannst  Du versichert  [sein], daß
       ich Dich  mit offenen Armen empfange und ein väterliches Herz Dir
       entgegenschlägt, das eigentlich nur an Überreiz kränkelt.
       Dein Vater
       Marx
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       1*) Schwester von Karl Marx
       

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