Quelle: MEW 40 Marx: Schriften/Briefe Nov. 1837 bis Aug. 1844


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       #641# Beilagen
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       Jenny von Westphalen an Karl Marx
       in Bonn
       
       [Trier, 10. August 1841]
       Schwarzwildchen, wie  freu' ich  mich, daß  Du froh  bist und daß
       mein Brief Dich erheitert und daß Du Dich nach mir sehnst und daß
       Du in  tapezierten Zimmern  wohnst und  daß Du in Köln Champagner
       getrunken hast und daß es da Hegel-Klubs gibt und daß Du geträumt
       hast und  daß Du, kurz, daß Du mein, mein Liebchen, mein Schwarz-
       wildchen bist.  Aber bei alldem vermiß' ich doch eins: Du hättest
       mich wohl  ein bißchen loben können wegen meines Griechischen und
       meiner Gelehrsamkeit einen kleinen belobenden Artikel widmen kön-
       nen; so  seid ihr  aber mal, ihr Herrn Hegelinge - nichts erkennt
       ihr an,  und wenn  es das Allervortrefflichste wäre, wenn's nicht
       grade in  Eurem Sinne ist, und so muß ich mich denn auch beschei-
       den und  auf meinen   e i g n e n  Lorbeeren ruhen. Ja, Herzchen,
       ruhen muß  ich leider  Gottes noch immer, und zwar auf Federn und
       Kissen, und  selbst diese kleine Epistel wird von meinem Bettchen
       aus in die Welt gesendet.
       Am Sonntag wagt' ich mal einen kühnen Ausflug in die vordem Räume
       - das  ist mir aber schlecht bekommen, und nun muß ich dafür wie-
       der büßen. Schleicher sagte mir eben, daß er von einem jungen Re-
       volutionär einen Brief bekommen und daß der sich aber gewaltig in
       seinen Landsleuten  verrechne. Er glaube, weder Aktien noch sonst
       was anschaffen  zu können.  Ach lieb,  lieb Liebchen,  nun menge-
       lierst Du  Dich noch  gar in die Politik. Das ist ja das Halsbre-
       chendste. Karlchen,  bedenk nur immer, daß Du daheim ein Liebchen
       hast, das  da hofft  und jammert  und ganz  abhängig  von  Deinem
       Schicksal ist.  Du lieb,  lieb Herzchen,  hätt' ich Dich nur erst
       mal wiedergesehen.
       Leider kann  und darf  ich den  Tag noch nicht bestimmen. Ehe ich
       mich wieder ganz wohl fühle, bekomm' ich keinen Reisepaß. Die Wo-
       che halt  ich aber  noch fest. Sonst zöge ja am Ende unser lieber
       Synoptiker 1*)  weg, und  ich hätte den Ehrwürdigen nicht gesehn.
       Heut morgen  in aller  Frühe hab ich schon in der Augsburger stu-
       diert, 3 Hegeische Artikel und Brunos Bücheranzeige! [138] --
       Eigentlich, lieb  Herzchen, sollt'  ich Dir jetzt schon mein vale
       faveque 2*)  zurufen, denn  Du hast  ja nur 2 Zeilen begehrt, und
       schon hat sich das Blättchen fast bis zur Neige gefüllt. Ich will
       mich heute aber nicht so
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       1*) Bruno Bauer - 2*) lebe wohl und bleib mir zugetan
       
       #642# Beilagen
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       streng am  Buchstaben des Gesetzes halten und denke die geforder-
       ten  Zeilen  auf  soviel  Seiten  auszudehnen.  Und  nicht  wahr,
       Herzchen, darüber bist Du Deinem Jennychen nicht bös, und was den
       Inhalt selbst betrifft, so hältst Du Dich daran fest, daß nur ein
       Schelm mehr  gibt als  er hat. Es ist heut gar jämmerlich leer in
       meinem sausenden,  brausenden Köpfchen,  und fast ist nichts mehr
       drin als  Räder und  Klappern und  Mühlen. Die Gedanken sind alle
       raus, dafür  aber ist  das Herzchen so voll, so überströmend voll
       von Liebe und Sehnsucht und heißem Verlangen nach Dir, dem unend-
       lich Geliebten.
       Hast Du  denn in  der Zwischenzeit  keine Bleistiftsendung  durch
       Vauban erhalten?  Am Ende  taugt die Zwischenstation nichts mehr,
       und ich muß künftig direkt an meinen Herrn und Gebieter die Send-
       schreiben richten.
       Eben zieht  der Commodore  Napier mit  weißem Dollmantei durch. -
       Das bißchen Hören und Sehen vergeht einem bei der Erscheinung. Es
       ist mir  grade zu  Sinn wie  in der  Wolfsschlucht im Freischütz,
       wenn da plötzlich das wilde Heer und all die kuriosen, phantasti-
       schen Gestalten vorbeiziehn. Nur sah man dabei auf unsrer kleinen
       Jammerbühne immer  die Seiler,  woran die  Adler  und  Eulen  und
       Krokodile festgebunden waren - hier ist der Mechanismus nur etwas
       anderer Art.
       Vaterchen 1*)  wird morgen zum ersten Mal aus der Zwangslage raus
       auf einen  Stuhl gebracht  werden. Er ist durch das sehr langsame
       Voranschreiten der Heilung etwas entmutigt, kommandiert aber ohne
       Unterlaß tüchtig  drauflos, und  lange wird's  nicht dauern, dann
       hat er das Großkreuz des Kommandeurordens.
       Wenn ich  nur jetzt nicht so elend daläge, schnürt ich schon bald
       meinen Ranzen.  Alles ist parat. Kleider und Kragen und Hauben in
       der schönsten Ordnung und nur die Trägerin nicht disponibel. Ach,
       Liebchen, wieviel denk ich in den schlaflosen Nächten an Dich und
       Deine Liebe,  wie oft hab ich für Dich gebetet, Dich gesegnet und
       Segen auf  Dich herabgefleht,  und wie  süß hab  ich dann oft ge-
       träumt von all der Seligkeit, die war und sein wird. - Heut abend
       spielt die  Haizinger in  Bonn. Gehst  Du dahin?  Ich hab sie als
       Donna Diana gesehen.
       Karlchen, gern sagt ich Dir noch viel, noch alles - aber die Mut-
       ter 2*)  leidet's nicht  länger -, sie nimmt mir sonst die Feder,
       und ich kann Dir nicht einmal mehr den heißesten Liebesgruß zuru-
       fen. Auf  jeden Finger  einen Kuß,  und nun  hinaus in die Weite.
       Fliegt, fliegt  zu meinem  Karl und  preßt euch so heiß auf seine
       Lippen, als  sie ihnen  warm und  innig entströmt  sind; und dann
       hört auf, stumme Boten der Liebe zu sein und flüstert ihm zu all'
       die kleinen  süßen heimlichen Lieblichkeiten, die Liebe euch ein-
       gibt - erzählt ihm alles aber nein, laßt noch was  ü b r i g  für
       eure Herrin.
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       1*) Ludwig von Westphalen - 2*) Caroline von Westphalen
       
       #643# Briefe
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       Leb wohl, teurer Einzig.
       Ich kann nicht mehr, sonst wird's mir ganz wirr im Kopf [...] 1*)
       weißt Du noch und  quadrupedante putrem sonitu 2*)  etc.  etc. -
       Adieu, liebes Männchen  von  der Eisenbahn.  Adieu,  Du deuerlich
       Männchen.  -  Gelt, ich kann  Dich  doch heiraten? Ade. Ade, mein
       Liebchen.
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       1*) Hier folgen  3 fehlerhaft geschriebene lateinische Worte, die
       keinen Sinn  ergeben -  2*) vierfüßiger Hufschall Getöse (Vergil,
       Aeneis VIII, 596)

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