Quelle: MEW 40 Marx: Schriften/Briefe Nov. 1837 bis Aug. 1844


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       #92#
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       Epikureische Philosophie
       
       DRITTES HEFT
       
       III. Plutarchus. 1. De eo, quod secundum Epicurum non beate
       vivi possit. [10] 2. Colotes
       
       [III.] Plutarchus. 1. De eo, quod secundum Epicurum non beate
       vivi possit
       
       [...] ????? ??????  (sc. ???????)  ?????? '??????????  ??? ??????
       ??? ??????????  ?????????? ???????????,  ?? ???  ?????? ????  ???
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       ??? ??????? ??????????? ?? ????? ??? ??? ????? [...]. S. 1088 [C-
       D. c. 3]
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       ??? ???  ??? ???????, ?? ? ?????? ????? ???????, ??? ?? ??? ?????
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       Die Antwort darauf ist, dieser Übergang sei recht, aber ......
       
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       ??? ??????????; S. 1088 [D.-E. c. 4].
       
       Auch hier  versteht Plutarch die Konsequenz des Epikur nicht; daß
       er einen  spezifischen Übergang  von der voluptas corporis ad vo-
       luptatem animi vermißt, ist immer wichtig und näher zu bestimmen,
       wie sich dies beim Epikur verhält.
       
       [...] ? ???? ?????????? ??? ??????, [...] ???? ?? ?????, ????????
       ... ???  ?? ??????????????  ????? ??????? ???? ... S. 1088 [F. c.
       4].
       ??? ??  ??? ???????????  ?? ??????????,  ?????? ??  ???? ????????
       '???????? ?????????,  ???? ???????  ??????????? ??????? ???? ????
       ?????, ???? ??????
       
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       Epikureische Philosophie
       
       DRITTES HEFT
       
       III. Plutarch. 1. Beweis, daß man nach Epikur nicht glücklich
       leben kann. 2. Kolotes
       
       [III.] Plutarch. 1. Beweis, daß man nach Epikur nicht glücklich
       leben kann
       
       "[...] als  gemeinsames Ziel  für sie  (d.h. die Lust) hat Epikur
       die Beseitigung allen Schmerzes gesetzt, indem die Natur die Lust
       bis zum  Verschwinden des  Schmerzes steigere,  ihr aber sie noch
       Weiler zu  steigern nicht gestatte, sondern nur einige nicht not-
       wendige Varianten  zulasse, wenn  die Schmerzlosigkeit  nicht er-
       reicht sei.  Der Weg  aber, der durch Verlangen hierzu führt, das
       Maß der  Lust, ist  ganz kurz und nicht weit. Da sie die Unergie-
       bigkeit der  Sache hier  empfinden, deshalb verlegen sie das Ziel
       gleichsam aus  dem armseligen  Gehäuse des  Körpers in  die Seele
       [...]." S. 1088.
       "[...] 'Du  meinst also,  die Leute machen es nicht richtig, wenn
       sie ausgehend  vom Körper, in dem sich zuerst die Entstehung [der
       Lust] zeigte,  zur Seele  übergehen als  festerer Basis  und  das
       Ganze in ihr zur Vollendung bringen?'"
       
       Die Antwort darauf ist, dieser Übergang sei recht, aber......
       
       "Wenn du  sie beteuern  und schreien  hörst, daß  die Seele  über
       nichts von  dem, was  ist, glücklich  und froh sein kann als über
       die augenblickliche oder erwartete körperliche Lust, und dies ihr
       höchstes Gut  ist, sieht  es nicht  so aus, als benutzten sie die
       Seele als  Trichter des  Körpers, durch  den sie  die Lust so wie
       Wein aus einem kaputten und undichten Gefäß in ein anderes umgie-
       ßen und  dort alt  werden lassen,  in dem  Glauben, sie etwas ge-
       schätzter und wertvoller zu machen?" S. 1088.
       
       Auch hier  versteht Plutarch die Konsequenz des Epikur nicht; daß
       er einen  spezifischen Übergang  von der voluptas corporis ad vo-
       luptatem animi  1*) vermißt,  ist immer wichtig und näher' zu be-
       stimmen, wie sich dies beim Epikur verhält.
       
       "[...] so nimmt die Seele die Erinnerung [...] auf, etwas anderes
       aber bewahrt  sie nicht...  und die Erinnerung daran [d.h. an die
       Lust] ist dunkel..." S. 1088.
       "Sieh aber,  wieviel gemäßigter  die Kyrenaiker  sind, obwohl sie
       mit Epikur  aus einer Weinkanne getrunken haben: sie glauben, man
       solle die Liebe nicht bei Licht
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       1*) körperlichen Lust zur Sinnenlust
       
       #94# Epikureische Philosophie
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       ?????? ???????  ?? ???? ? ??????? ???????? ??????? ??? ??????. ??
       ?? ?????  ??????? ???  ????? ?????????  ?????????, ?? ???????????
       ??????? ???  ???????? ?? ???? ?? ???? ??? ?????? ??????? ??? ????
       ??? ????????,  ?? ???  ????? ?????  [??????]  ???????????,  ?????
       ??????? ?????  ?? ????  ??? ????? ?? ??? ?????? ?????????? ??????
       ??????, ?? ???????. S. 1089 [A-B. c. 4].
       ?????? ???  ??????? ??? ??????? ???? ?? ???????? ??? ????????????
       ??? ??????  ???? ???????  ... ? ??????? ???? ?????????? ?????????
       ????? ??? ????? ??? ?????????. S. 1089 [C-D. c. 4].
       ???? ?????  ??? ????????,  ?????? ?????????? ??? ???????, ??? ???
       ??????? ???  ??? ??????????  ?????????? ??? ?????? ....... ?? ???
       ???????? ??????  ?????????, ???  ?? ???? ?????? ????? ??????? ???
       ?????????  ?????   ???  ???????????   ????   ????   ?????????????
       ?????????? ??? ?? ?????? ??? ??? ????????, ??? ???? ?????? ??????
       ???? ???????,  ? ?????????,  ???  ???  ????  ???????????  ??  ???
       ??????? ???  ??? ?????,  ???? ?????  ?? ??????  ??? ??????  ?? ??
       ??????? ???????????  ... ?????????????  ?? ????  ????????? ??? ??
       ???  ????????  (??  ????)  ???  ??????,  ??  ????????  ???  ?????
       ????????????, ?????  ?? ???  ????????? ???  ?? ???????? ?? ??????
       ???????????. S. 1089 [D. E. c. 4-5].
       
       Dies ist  eine wichtige  Bemerkung für die epikureische Dialektik
       des Vergnügens,  obgleich Plutarch  sie falsch  kritisiert.  Nach
       Epikur ist  der Weise selbst in diesem schwankenden Zustande, der
       als die Bestimmung der ????? erscheint. Die ??????????, die reine
       Ruhe des  Nichts in  sich, die völlige Entleerung aller Bestimmt-
       heit, ist  erst Gott; weswegen er auch nicht wie der Weise inner-
       halb der Welt, sondern außerhalb derselben wohnt.
       
       ????????? ???  ??? ????????  ?????? ???????  ????????, ??????? ??
       ?????? ????  ??????, ???  ??????? ???  ????? ??  ???? ???? ??????
       ???????? [...]. S. 1090 [A. c. 5].
       
       Wenn Plutarch  dem Epikur vorwirft, daß wegen der Möglichkeit des
       Schmerzes die  Freiheit in einer gesunden Gegenwart nicht vorhan-
       den sein  könne, so  ist erstens der epikureische Geist kein sol-
       cher, der sich mit dergleichen Möglichkeiten herumtreibt, sondern
       weil die  absolute Relativität, die Zufälligkeit der Beziehung an
       sich nur Beziehungslosigkeit ist, so nimmt der epikureische Weise
       seinen Zustand als beziehungslos, und insofern ist er ihm ein si-
       cherer. Die Zeit ist ihm ja nur das Akzidens der Akzidenzien, wie
       sollte ihr Schatten eindringen in die feste Phalanx der ?????????
       Wenn er aber die nächste Voraussetzung des individuellen Geistes,
       
       #95# Drittes Heft
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       genießen, sondern  die  Dunkelheit  vorziehen,  damit  nicht  der
       Geist, indem  er die  Bilder des  Vorgangs durch  den Anblick  zu
       deutlich in sich aufnimmt, die Begierde zu häufig entzünde. Diese
       aber glauben,  der Weise  zeichne sich besonders dadurch aus, daß
       er sich  an die  Erscheinungen, Empfindungen  und Bewegungen  der
       Lust lebhaft erinnere und sie in sich bewahre, um nicht zu sagen,
       daß sie  nichts [der Weisheit] Würdiges erklären, wenn sie wie im
       Hause des Körpers in der Seele des Weisen den Unrat der Lust sich
       festsetzen lassen." S. 1089.
       
       "Denn ein gewaltiges und tierisches Verlangen ... nach den augen-
       blicklichen und noch erhofften Genüssen der Lust verrät eine der-
       artige bacchantische Schwärmerei und Hingabe der Seele an Erinne-
       rungen." S. 1089.
       "Da sie  diesen Widerspruch  selbst  empfinden,  nehmen  sie,  so
       scheint mir,  ihre Zuflucht zur Schmerzlosigkeit und zum Wohlsein
       des Fleisches.......  Denn das  dauerhafte Wohlbefinden des Flei-
       sches und das feste Vertrauen darauf bereitet dem, der nachdenken
       kann, das  größte und  beständigste Vergnügen.  Sieh also zuerst,
       wie sie  verfahren, wenn  sie, sei  es diese  ihre Lust,  sei  es
       Schmerzlosigkeit oder Wohlbehagen, hin und her versetzen, aus dem
       Körper in  die Seele und dann wieder aus dieser in den Körper, da
       sie die sich verflüchtigende ... Lust nicht festhalten können, so
       sind sie  gezwungen, wieder von Anfang anzufangen, und legen zwar
       die Fleischeslust  (wie er  sagt) der  Freude der Seele zugrunde,
       lassen aber wieder die Freude durch die Hoffnung in die Lust aus-
       gehen." S. 1089.
       
       Dies ist  eine wichtige  Bemerkung für die epikureische Dialektik
       des Vergnügens,  obgleich Plutarch  sie falsch  kritisiert.  Nach
       Epikur ist  der Weise selbst in diesem schwankenden Zustande, der
       als die  Bestimmung der  ????? 1*) erscheint. Die ?????????? 2*),
       die reine  Ruhe des  Nichts in sich, die völlige Entleerung aller
       Bestimmtheit, ist erst Gott; weswegen er auch nicht wie der Weise
       innerhalb der Welt, sondern außerhalb derselben wohnt.
       
       "Denn ein  dauerhaftes Wohlbefinden  des Fleisches  ist zwar  oft
       vorhanden, ein  festes und  beständiges Vertrauen auf das Fleisch
       aber kann  in einer verständigen Seele nicht entstehen [...]." S.
       1090.
       
       Wenn Plutarch  dem Epikur vorwirft, daß wegen der Möglichkeit des
       Schmerzes die  Freiheit in einer gesunden Gegenwart nicht vorhan-
       den sein  könne, so  ist erstens der epikureische Geist kein sol-
       cher, der sich mit dergleichen Möglichkeiten herumtreibt, sondern
       weil die  absolute Relativität, die Zufälligkeit der Beziehung an
       sich nur Beziehungslosigkeit ist, so nimmt der epikureische Weise
       seinen Zustand als beziehungslos, und insofern ist er ihm ein si-
       cherer. Die Zeit ist ihm ja nur das Akzidens der Akzidenzien, wie
       sollte ihr  Schatten eindringen in die feste Phalanx der ????????
       3*)? Wenn  er aber  die nächste  Voraussetzung des  individuellen
       Geistes,
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       1*) (hedone) Lust - 2*) (makariotes) Glückseligkeit - 3*) (atara-
       xia) Ataraxie
       
       #96# Epikureische Philosophie
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       den Körper,  als gesunden voraussetzt, so ist dies nur die Bezie-
       hungslosigkeit dem  Geiste in  die Nähe  gerückt, seine angeborne
       Natur, d.  h. ein gesunder, nicht nach außen differenzierter Kör-
       per. Wenn  ihm im  Leiden diese  seine Natur  als Phantasien  und
       Hoffnungen einzelner  Zustände vorschwebt, in denen jener charak-
       teristische Stand  seines Geistes  sich offenbarte,  so heißt das
       nichts, als daß das Individuum als solches seine ideale Subjekti-
       vität auf  individuelle Art  anschaut, eine  vollständig richtige
       Bemerkung. Nach Epikur heißt Plutarchs Einwendung nichts als, die
       Freiheit des Geistes im gesunden Körper ist nicht vorhanden, weil
       sie vorhanden  ist; denn  die Möglichkeit  außerhalb schieben ist
       überflüssig, eben  weil die Wirklichkeit nur als Möglichkeit, als
       Zufall bestimmt  ist. Wird  dagegen die Sache in ihrer Allgemein-
       heit betrachtet,  so ist es eben Aufgeben der Allgemeinheit, wenn
       der wahre positive Zustand 1*) durch zufällige Einzelnheiten sich
       soll umdüstern  lassen; d.h. ja grade im freien Äther an die ein-
       zelnen Mixturen  denken, an  den Atem  giftiger Pflanzen,  an das
       Einatmen kleiner  Tiere, d.h. nicht leben, weil man sterben kann,
       etc.; das heißt, sich den Genuß der Allgemeinheit nicht gewähren,
       um aus  ihr heraus  in Einzelnheiten zu fallen. Ein solcher Geist
       treibt sich bloß mit dem Allerkleinsten herum, er ist so vorsich-
       tig, daß  er nicht  sieht. Will endlich Plutarch sagen, man müsse
       Sorge tragen, die Gesundheit des Körpers zu erhalten, so sagt 1*)
       auch 1*)  diese Trivialität Epikur, aber genialer: wer den allge-
       meinen Zustand  als den wahren empfindet, der sorgt am besten da-
       für, ihn  zu erhalten.  So ist  der gemeine  Menschenverstand. Er
       glaubt, seine albernsten Pinseleien und Gemeinplätze den Philoso-
       phen als  eine terra  incognita  gegenüberhalten  zu  dürfen.  Er
       glaubt, wenn  er Eierschalen auf die Köpfe wirft, ein Kolumbus zu
       sein. Darin  hat Epikur,  abgesehn von seinem System (denn dieses
       ist sein  Recht, summum  jus), überhaupt recht, daß der Weise die
       Krankheit als  ein Nichtsein  betrachtet, aber  der  Schein  ver-
       schwindet. Ist  er daher krank, so ist ihm dies ein Verschwinden,
       das keine  Dauer hat;  ist er  gesund, in seinem wesentlichen Be-
       stehn, so  existiert nicht für ihn der Schein, und er hat mehr zu
       tun, als  dran zu denken, daß dieser sein könne. Ist er krank, so
       glaubt er  nicht an  die Krankheit,  ist er gesund, so tut er so,
       als sei das sein ihm gebührender Zustand, d.h. er handelt als ein
       Gesunder. Wie  jämmerlich ist gegen dies entschloßne, gesunde In-
       dividuum ein  Plutarch, der  an den  Aeschylus, den Euripides und
       gar an den Doktor Hippokrates sich erinnert, um nur nicht der Ge-
       sundheit froh zu werden!
       -----
       1*) Nicht eindeutig zu entziffern
       
       #97# Drittes Heft
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       den Körper,  als gesunden voraussetzt, so ist dies nur die Bezie-
       hungslosigkeit dem  Geiste in  die Nähe  gerückt, seine angeborne
       Natur, d.h.  ein gesunder,  nicht nach außen differenzierter Kör-
       per. Wenn  ihm im  Leiden diese  seine Natur  als Phantasien  und
       Hoffnungen einzelner  Zustände vorschwebt, in denen jener charak-
       teristische Stand  seines Geistes  sich offenbarte,  so heißt das
       nichts, als daß das Individuum als solches seine ideale Subjekti-
       vität auf  individuelle Art  anschaut, eine  vollständig richtige
       Bemerkung. Nach Epikur heißt Plutarchs Einwendung nichts als, die
       Freiheit des Geistes im gesunden Körper ist nicht vorhanden, weil
       sie vorhanden  ist; denn  die Möglichkeit  außerhalb schieben ist
       überflüssig, eben  weil die Wirklichkeit nur als Möglichkeit, als
       Zufall bestimmt  ist. Wird  dagegen die Sache in ihrer Allgemein-
       heit betrachtet,  so ist es eben Aufgeben der Allgemeinheit, wenn
       der wahre positive Zustand 1*) durch zufällige Einzelnheiten sich
       soll umdüstern  lassen; d.h. ja grade im freien Äther an die ein-
       zelnen Mixturen  denken, an  den Atem  giftiger Pflanzen,  an das
       Einatmen kleiner  Tiere, d.h. nicht leben, weil man sterben kann,
       etc.; das heißt, sich den Genuß der Allgemeinheit nicht gewähren,
       um aus  ihr heraus  in Einzelnheiten zu fallen. Ein solcher Geist
       treibt sich bloß mit dem Allerkleinsten herum, er ist so vorsich-
       tig, daß  er nicht  sieht. Will endlich Plutarch sagen, man müsse
       Sorge tragen, die Gesundheit des Körpers zu erhalten, so sagt 1*)
       auch 1*)  diese Trivialität Epikur, aber genialer: wer den allge-
       meinen Zustand  als den wahren empfindet, der sorgt am besten da-
       für, ihn  zu erhalten.  So ist  der gemeine  Menschenverstand. Er
       glaubt, seine albernsten Pinseleien und Gemeinplätze den Philoso-
       phen als  eine terra  incognita  gegenüberhalten  zu  dürfen.  Er
       glaubt, wenn  er Eierschalen auf die Köpfe wirft, ein Kolumbus zu
       sein. Darin  hat Epikur,  abgesehn von seinem System (denn dieses
       ist sein  Recht, summum  jus 2*)), überhaupt recht, daß der Weise
       die Krankheit  als ein Nichtsein betrachtet, aber der Schein ver-
       schwindet. Ist  er daher krank, so ist ihm dies ein Verschwinden,
       das keine  Dauer hat;  ist er  gesund, in seinem wesentlichen Be-
       stehn, so  existiert nicht für ihn der Schein, und er hat mehr zu
       tun, als  dran zu denken, daß dieser sein könne. Ist er krank, so
       glaubt er  nicht an  die Krankheit,  ist er gesund, so tut er so,
       als sei das sein ihm gebührender Zustand, d.h. er handelt als ein
       Gesunder. Wie  jämmerlich ist gegen dies entschloßne, gesunde In-
       dividuum ein  Plutarch, der  an den  Aeschylus, den Euripides und
       gar an den Doktor Hippokrates sich erinnert, um nur nicht der Ge-
       sundheit froh zu werden!
       -----
       1*) Nicht eindeutig  zu entziffern  -  2*)  höchstes,  strengstes
       Recht
       
       #98# Epikureische Philosophie
       -----
       Die Gesundheit,  als der  identische Zustand,  vergißt  sich  von
       selbst, da ist gar keine Beschäftigung mit dem Körper; diese Dif-
       ferenz beginnt erst in der Krankheit.
       Epikur will  ja kein ewiges Leben: wieviel weniger kann ihm daran
       liegen, daß der nächste Augenblick ein Unglück bergen kann.
       Ebenso falsch ist folgender Vorwurf des Plutarch:
       
       ???? ???  ?????????? ???  ????????????? ?????? ???? ??? ?????????
       ??? ???  ????? ??????  ??? ???  ?????? ????????.  ?????? ???? ???
       ?????? ??????  ???????? ?????.  ???? ?  ??? ?????????  ???  ?????
       ?????????? ???  ?? ???????.  ???? ???????  ??? ????  ??? ???????.
       ?????? ?? ??? ???? ??????? ????????? ?????????. ????????? ??? ???
       ???? ???  ????????? ?? ?????? ????????. ?????? ?? ?????? ???? ???
       ?????????, ????????.  ?????? ??  ??????????? ??? ??????? ??? ????
       ?? ?????? ???? ??? ???????. S. 1090 [C-D. c. 6].
       
       Die Sache  verhält sich  grade umgekehrt, wie Plutarch meint. So-
       bald der  einzelne das Gesetz bricht und die allgemeine Sitte, so
       fangen sie  erst an, Voraussetzung für ihn zu werden, er tritt in
       Differenz mit  ihnen, seine Rettung aus dieser Differenz wäre nur
       die ??????, die aber durch nichts verbürgt ist.
       Es ist  überhaupt das  Interessante am  Epikur, wie  er in  jeder
       Sphäre den Zustand entfernt, wodurch die Voraussetzung als solche
       zu erscheinen  gereizt wird,  und den  Zustand als  den  normalen
       preist, in  dem die  Voraussetzung verhüllt  ist. Von  der bloßen
       ???? ist  überhaupt nirgends  die Rede. In der strafenden Gerech-
       tigkeit tritt  grade der  innere Zusammenhang, die stumme Notwen-
       digkeit hervor, und diese entfernt Epikur, wie aus der Logik ihre
       Kategorie, so aus dem Leben des Weisen den Schein ihrer Wirklich-
       keit. Der  Zufall dagegen, daß ein Gerechter leidet, ist eine 1*)
       äußre Beziehung,  reißt ihn  nicht aus seiner Beziehungslosigkeit
       heraus.
       Wie falsch  daher auch  folgender Einwurf  des  Plutarch,  ergibt
       sich.
       
       ?? ??  ????? ???????,  ?????? ????  ???? ??  ???????. ??  ???  ??
       ??????? ??????, ???? ?? ??????, ???????. S. 1090 [D. c. 6).
       
       Plutarch meint  nämlich, so  müsse Epikur seinen Grundsätzen nach
       räsonieren. Es  fällt ihm nicht ein, daß Epikur vielleicht andere
       Grundsätze hat, als er ihm zuschiebt.
       
       ????? ???  ? ?????  ??? ??????,.????  ?????? ?????  ?? ?????, ???
       ????? ??  ?? ??????????, ?? ??? ???? ???? ??????? ??????????, ???
       ????????? ?? ??? ???????,
       -----
       1*) Nicht eindeutig zu entziffern
       
       #99# Drittes Heft
       -----
       Die Gesundheit,  als der  identische Zustand,  vergißt  sich  von
       selbst, da ist gar keine Beschäftigung mit dem Körper; diese Dif-
       ferenz beginnt erst in der Krankheit.
       Epikur will  ja kein ewiges Leben: wieviel weniger kann ihm daran
       liegen, daß der nächste Augenblick ein Unglück bergen kann.
       Ebenso falsch ist folgender Vorwurf des Plutarch:
       
       "Denn die Verbrecher und Gesetzesübertreter, sagen sie, leben die
       ganze Zeit über bedrückt und in großer Angst, weil es ihnen, auch
       wenn es  ihnen gelingt, verborgen zu bleiben, unmöglich ist, eine
       Sicherheit zu  bekommen, verborgen  zu bleiben.  Deshalb läßt die
       ständig auf  ihnen lastende Furcht vor der Zukunft sie nicht froh
       sein und  nicht auf  die Gegenwart  vertrauen. Es  ist ihnen aber
       entgangen, daß sie damit auch gegen sich selbst gesprochen haben.
       Denn daß der Körper sich wohlfühlt und gesund ist, ist häufig der
       Fall, aber  darauf zu vertrauen, daß es so bleibt, ist unmöglich.
       Also muß man, was die Zukunft anbetrifft, wegen des Körpers stän-
       dig beunruhigt und in Sorge sein." S. 1090.
       
       Die Sache  verhält sich  grade umgekehrt, wie Plutarch meint. So-
       bald der  einzelne das Gesetz bricht und die allgemeine Sitte, so
       fangen sie  erst an, Voraussetzung für ihn zu werden, er tritt in
       Differenz mit  ihnen, seine Rettung aus dieser Differenz wäre nur
       die ?????? 1*), die aber durch nichts verbürgt ist.
       Es ist  überhaupt das  Interessante am  Epikur, wie  er in  jeder
       Sphäre den Zustand entfernt, wodurch die Voraussetzung als solche
       zu erscheinen  gereizt wird,  und den  Zustand als  den  normalen
       preist, in  dem die  Voraussetzung verhüllt  ist. Von  der bloßen
       ???? 2*)  ist überhaupt  nirgends die Rede. In der strafenden Ge-
       rechtigkeit tritt  grade der innere Zusammenhang, die stumme Not-
       wendigkeit hervor,  und diese  entfernt Epikur, wie aus der Logik
       ihre Kategorie,  so aus  dem Leben  des Weisen  den Schein  ihrer
       Wirklichkeit. Der  Zufall dagegen,  daß ein Gerechter leidet, ist
       eine 3*)  äußre Beziehung, reißt ihn nicht aus seiner Beziehungs-
       losigkeit heraus.
       
       Wie falsch  daher auch  folgender Einwurf  des  Plutarch,  ergibt
       sich.
       "Kein Unrecht zu tun ist noch kein Grund, zuversichtlich zu sein.
       Denn nicht das verdientermaßen Leiden, sondern das Leiden an sich
       flößt Furcht ein." S. 1090.
       
       Plutarch meint  nämlich, so  müsse Epikur seinen Grundsätzen nach
       räsonieren. Es  fällt ihm nicht ein, daß Epikur vielleicht andere
       Grundsätze hat, als er ihm zuschiebt.
       
       "Denn es genügt die Natur des Fleisches, die Stoff zu Krankheiten
       in sich  trägt und nach dem Scherzwort 'aus dem Stier die Riemen'
       die Schmerzen aus dem Körper
       
       #100# Epikureische Philosophie
       -----
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       ?????? ???  ???????, ??  ??? ???  ????? ???  ?? ???? ????? ??????
       ???????. ???? ?? ??????. ??????? ??? ???????, ?? '????????? ?? ??
       ?????? ???????  ???????, ??? ??????? ? ???? ???? ??????. S. 1090-
       1091 [1090E-1091 A. c. 6].
       ????? ??????  ????? ???????  ?? ?????? ???? ??? ?? ?????? ???? ??
       ????? ????? ???? ??????????? ?? ????? ????? [...]. S. 1091 [A. c.
       7].
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       ????? ???  ????? ???  ?????, ???  ??? ??????  ??? ??????????? ???
       ???????, ???  ????? ??????????  ????, ?????????.  ??  ???  ??????
       (?????) ???????????? ????? ?? ???' ???? ?????????? ???? ????? ???
       ???? ?????  ??????. ??  ??? ????? ????????, ??????? ?????, ??? ??
       ????? ???????? ???? ?????? ??????. S. 1091 [A-B. c. 7].
       
       Plutarch ruft hier pfui aus!
       
       ???? ????  ???? ????????????,  ???? ????????  ...  ????  ????  ??
       ??????????? ???  ????????????? ???  ????  ???  ????  ?????  ?????
       ?????? 1*)  .... ????  ?????? ??  ?????, ???????  ???????? ??????
       ?????? ??  ???? ???  ?? ???????? ??? ????????? ?? ??????? ???? ??
       ?????? ???  ??????? ??? ?????????? ????????? ??? ????????. ?? ???
       ????????? ???  ?????? ?????,  ???' ????????  ??? ?????  ??? ?????
       ?????? ?? ?????? ??? ?? ??????? ... S. 1091 [C. D. c. 7-8}. (quod
       enim necessarium  est, id  bonum non est *): sed ultra fugam mali
       situm est id quod appeti 2*) et deligi debet [...].)
       
       Plutarch hat  große Weisheit zu reden, wenn er sagt, das Tier su-
       che außer  der Notwendigkeit, welche die Flucht vom Übel ist, das
       Gute, das  jenseits der  Flucht liegende  Gute. Daß das Tier noch
       ein Gutes  jenseits sucht,  ist grade  das Tierische  an ihm. Bei
       Epikur gibt es nichts Gutes, was für den Menschen außer ihm läge;
       das einzige  Gute, was  er in der Beziehung auf die Welt hat, ist
       die negative Bewegung, frei von ihr zu sein.
       Daß dies  alles bei Epikur individuell gefaßt ist, liegt im Prin-
       zip seiner  Philosophie, die  er in allen ihren Konsequenzen aus-
       spricht; die  synkretistische gedankenlose  Manier Plutarchs kann
       dagegen nicht aufkommen.
       
       ?? ???  ?? ?? ??????? ??? ????? ??? ????? ??? ???????? ?????????,
       ??? ??? ??
       
       ---
       *) (ganz andre  Ansichten hat  hiervon Aristoteles,  der  in  der
       "Metaphysik" lehrt,  bei den  Freien herrsche  die  Notwendigkeit
       mehr als bei den Sklaven)
       -----
       1*) Text korrupt - 2*) in der Handschrift: appetiti
       
       #101# Drittes Heft
       -----
       nimmt, um  für die  Schlechten ebenso wie für die Guten das Leben
       unsicher und  gefährlich zu  machen, wenn  sie nur gelernt haben,
       auf das  Fleisch und  die Hoffnung auf das fleisch und auf nichts
       andres ihre  Freude und  ihr Vertrauen  zu gründen, wie Epikur in
       vielen Schriften  und besonders  in der  Schrift über das höchste
       Gut geschrieben hat." S. 1090 u. 1091.
       
       "Wenn nun  für sie [d.h. die Epikureer] Flucht vom Übel das Glück
       und das  Gute ist. Etwas andres aber, sagen sie, lasse sich nicht
       denken, und  die Natur  habe überhaupt  nichts, wo das Gute einen
       Platz finden könne, außer allein dort, von wo das Übel vertrieben
       wird [...]." S. 1091.
       "Ähnlich ist  auch die  Meinung Epikurs,  wenn er sagt, das Wesen
       des Guten  entspringe aus der Flucht vom Übel, aus der Erinnerung
       daran, dem  Nachdenken und der Freude darüber, daß einem dies be-
       gegnet ist.  'Denn was'  (sagt er)  'eine unbändige Freude macht,
       ist das  Gefühl, daß  man einem  großen Übel  entronnen ist;  und
       darin liegt die Natur des Guten, wenn man es richtig überlegt und
       dann darauf beharrt und sich nicht in leerem Gerede über das Gute
       ergeht.'" S. 1091.
       
       Plutarch ruft hier pfui aus!
       
       "So stehen  sie weder  den Schweinen  noch den Schafen nach... Im
       übrigen ist  für die  gewandteren und  feineren  Lebewesen  nicht
       Flucht vom  Übel das Ziel 1*) ....., da es ihnen von Natur einge-
       geben ist,  wenn das  Übel sich verflüchtigt hat, das Gute zu su-
       chen oder  besser gesagt, da sie überhaupt alles Schmerzhafte und
       Fremdartige als  hinderlich für das Streben nach dem eigentlichen
       und bessern Kern ihrer Natur von sich wegstoßen. Denn das Notwen-
       dige ist  kein Gut *), sondern jenseits der Flucht vom Übel liegt
       das Erstrebens- und Wählenswerte..." S. 1091. 2*)
       
       Plutarch hat  große Weisheit zu reden, wenn er sagt, das Tier su-
       che außer  der Notwendigkeit, welche die Flucht vom Übel ist, das
       Gute, das  jenseits der  Flucht liegende  Gute. Daß das Tier noch
       ein Gutes  jenseits sucht,  ist grade  das Tierische  an ihm. Bei
       Epikur gibt es nichts Gutes, was für den Menschen außer ihm läge;
       das einzige  Gute, was  er in der Beziehung auf die Welt hat, ist
       die negative Bewegung, frei von ihr zu sein.
       Daß dies  alles bei Epikur individuell gefaßt ist, liegt im Prin-
       zip seiner  Philosophie, die  er in allen ihren Konsequenzen aus-
       spricht; die  synkretistische gedankenlose  Manier Plutarchs kann
       dagegen nicht aufkommen.
       
       "Denn wenn  es auch  unangenehm ist, die Krätze am Leibe zu haben
       und triefäugig  zu sein, so ist es noch nichts Besondres, sich zu
       kratzen und sich die Augen
       ---
       *) (ganz andre  Ansichten hat  hiervon Aristoteles,  der  in  der
       "Metaphysik" lehrt,  bei den  Freien herrsche  die  Notwendigkeit
       mehr als bei den Sklaven)
       -----
       1*) Originaltext korrupt, unsere Übersetzung folgt der in der Xy-
       lander-Ausgabe beigegebenen lateinischen Übersetzung - 2*) in der
       Handschrift folgt hier in runden Klammern der letzte Satz des Zi-
       tats in lateinischer Ubersetzung
       
       #102# Epikureische Philosophie
       -----
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       ????????? ??  ????, ??? ??????????? ???? ?? ????, ?????, ? ??????
       ??????? ???????????  ??????? [...].  S. 1091  [E-F. c.  8].  ????
       ?????? ???? ????? ??? ??????? ??????????? ??? ????? .... ? ??????
       1*) ????  ??? ????? ????? ????????, ??? ????? ???????? ??? ??????
       ?????, ?  ??????? ???????  ???????? ???? ???????. ?? ??? ???? ???
       ??????? ???  ??????? ??  ???????? ???????  ??' ????  ? ?????  ???
       ?????? ????? ?????, ???? ???? ??? ????????? ??? ????? ?????? ????
       ?? ??'  ???? ?  ???? ?????  ????? ????? ???? ?? ???????????. ....
       ??? ???  ???? ?????????  ??? ?????? ????? ????? ???????, ?? ?? ??
       ??????????? ???? ?? ???? ??? ???? ???? ??????????, ???? ?????????
       ????? ???? ????????? ???? [...]. [S. 1091 F-1092 B. c. 8.]
       ????? ????  '?????????, ?????  ??  ??  ?????  ????  ??  ????  ???
       ???????? ??????  ?????????, ???  ??? ????  ??????? ??? ?????????,
       ??? ??  ???? ????????????  ??????????? ???  ?????. S. 1092 [B. c.
       8].
       [...] ???? ????? ?? ??? ???????? ????? ?? ?? ????????? ????, ????
       ????????? ?????????????,  ??????????? ?????  ????? ????????  ????
       ???? ??  ?????? ????,  ? ????  ????? ?? ????????? ???????????. ??
       ???  ??????????  ??????????????,  ???'  ????  ????????????,  ????
       ??????????? ???  ??????????? ??????? ???? ????, ???' ???' ??????.
       ?? ?? ???? ??? ???? ??? ?? ???? ???????. S. 1092 [B-C. c. 8].
       [...] ?? ?'  ?????????? ???  ????????? ????  ???  ???????,  ?????
       ????????? ???  ?? ??????? ??????? ????????, ? ???? ??????????????
       ?? ?????  ???? ???? ? ???????. ???? ??? ?? ??????? ????? ??' ????
       ???? ?????  ????????????? ???  ???????? ?? ?? ???? ?????????? ???
       ?????????? ??? ?? ???? ?????, ?????? ?? ???????? ??? ???????? ???
       ??????, ?????  ??? ???????  ???????? ? ??? ??????? ??????? ?????.
       S. 1092 [C-D. c. 8].
       
       Daß die Epikureer die Mathematik zu fliehen gebieten.
       Plutarch. l.c. S. 1094 D. [c. 12.]
       
       '??????? ??  ???? ???????????  ??? ???????????????, ????????? ???
       ??? ????????? ??????????? ?? ????? ?????? ?????? ???????. l.c.
       
       Ebenso Geschichte  etc. sieh Sext. Empiricus. Was Plutarch zu ei-
       nem schweren Verbrechen des Metrodorus macht, daß er schreibt:
       
       [...] ???? ????  ??????? ??????  ???? ???????  ?? ? ?????, ? ????
       ??????? ???????  ??? '??????  ????????, ?  ????? ??  ??  ????  ??
       ????????. l.c. [E. c. 12.]
       -----
       1*) Text korrupt
       #103# Drittes Heft
       -----
       auszuwischen; ebensowenig ist, wenn es ein Übel ist, Schmerzen zu
       haben, sich  vor dem  Tun der  Götter zu fürchten und in Sorge zu
       sein vor  dem, was  einen im Hades erwarte, die Befreiung hiervon
       ein beneidenswertes  Glück [...]." S. 1091. "Aber nur einen klei-
       nen und  unwichtigen Raum  weist ihre Vorstellungswelt der Freude
       zu ....  indem sie über die üblichen törichten Vorstellungen hin-
       ausgeht und  das zum  Ziel der  Weisheit setzt, was bei den nicht
       vernunftbegabten  Tieren   ganz  von  selbst  vorhanden  zu  sein
       scheint. Denn wenn es für die Schmerzlosigkeit des Körpers nichts
       ausmacht, ob er durch sich oder von Natur von Schmerzen frei ist,
       ist es  auch für  die Ataraxie der Seele nicht weiter wichtig, ob
       sie es sich oder der Natur verdankt, daß sie von Unruhe frei
       ist. ....  Denn auch  so wird  sich zeigen,  daß sie  den  Tieren
       nichts voraushaben,  wenn sie  nicht beunruhigt werden durch das,
       was einen  im Hades  erwartet, und durch das, was über die Götter
       gesagt wird,  und weder  Leiden noch Schmerzen ohne Ende erwarten
       [...]." [S. 1091-1092.]
       "Sagt doch Epikur selbst: 'Wenn uns nicht die Befürchtungen wegen
       der Meteore beunruhigten und dazu Angst vor Tod und Schmerzen, so
       brauchten wir hierfür keine Physiologie.'" S. 1092.
       "[...] da es  aber Ziel  ihrer Götterlehre  war, Gott  nicht mehr
       fürchten zu  müssen und  so die  Beunruhigung loszuwerden, glaube
       ich, ist dies sicherer für die möglich, die sich überhaupt keinen
       Gott denken,  als für  die, die  zu denken gelernt haben, es gebe
       einen, der  niemand schade.  Denn sie [d.h. die Tiere] sind nicht
       vom Aberglauben  befreit worden,  vielmehr sind sie ihm gar nicht
       erst verfallen,  noch haben sie die beunruhigende Vorstellung von
       den Göttern  abgelegt, da  sie keine  gehabt haben. Dasselbe läßt
       sich auch über die Dinge im Hades sagen." S. 1092.
       "[...] Furcht und  Angst vor  dem, was  nach dem  Tode kommt, be-
       herrscht aber  weniger die,  die keine  Prolepsis vom Tode haben,
       als die, die erst zu der Vorstellung gelangen müssen, daß der Tod
       uns nichts  angeht. Diese  geht er  insofern an, als sie über ihn
       Gedanken und  Überlegungen anstellen.  Jene [d.h. die Tiere] aber
       sind völlig  frei davon, sich um etwas zu kümmern, was sie nichts
       angeht, und  wenn sie  sich vor Schlägen hüten und vor Verwundung
       und Tötung,  so fürchten  sie am Tode nur das, was auch für diese
       furchtbar ist." S. 1092.
       
       Daß die Epikureer die Mathematik zu fliehen gebieten.
       Plutarch. a.a.O. S. 1094 D.
       
       "Einen gewissen Apelles bewundern und loben sie, weil er, wie sie
       schreiben, die Mathematik von Anfang an gemieden und sich dadurch
       rein gehalten habe." a.a.O.
       
       Ebenso Geschichte  etc. sieh Sext. Empiricus. Was Plutarch zu ei-
       nem schweren Verbrechen des Metrodorus macht, daß er schreibt:
       
       "[...] wenn  du daher  zugeben mußt, nicht zu wissen, auf welcher
       Seite Hektor  stand oder welches die ersten Verse in Homers Dich-
       tung sind  oder welche  in der Mitte stehen, brauchst du nicht zu
       erschrecken." a.a.O.
       
       #104# Epikureische Philosophie
       -----
       [...] '????????? ?????,  ?????????? ???  ????????? ???  ?????  ??
       ???? .... ??? ???????? ???' ???????? ?????? ????????? ??? ???????
       ????????????, ??????????  ?? ?????????  ???  ????????  ??????????
       ????????? ???? ???? ?????? ????? etc. S. 1095 [C. c. 13].
       
       ????? ??  ??  ???  ????????  ??  ??  ??  ??????  ?????  ????  ???
       ???????.S. 1097 [A. c. 15].
       
       Diese ????? sind nämlich die qui in haeresim Epicuri illapsi.
       
       ??? ???  ???  ?????  ????????  ?????  '?????????  ????????.  (sc.
       ???????.) S. 1099 [F. c. 18].
       
       [...] 1*) eher der Betrachtung wert als die vorhergehenden seich-
       ten moralischen Einwürfe des Plutarch ist seine Polemik gegen die
       epikureische Theologie, nicht ihrer selbst wegen, sondern weil es
       sich zeigt,  wie das gewöhnliche Bewußtsein, im ganzen auf epiku-
       reischem Boden  stehend, sich  nur scheut vor der philosophischen
       offnen Konsequenz. Und dabei muß man immer im Auge halten, daß es
       dem Epikur weder um die voluptas noch um die sinnliche Gewißheit,
       noch um  irgend etwas  zu tun  ist, außer um die Freiheit und Be-
       stimmungslosigkeit des  Geistes. Wir gehn daher die einzelnen Be-
       trachtungen des Plutarch durch.
       
       [...] ???? ????  ?????? ??? ??????? ?????? [...] (sc. '?????????)
       ?? ???????  ??? ????????  ? ?????  ????? ?????  ??????? ????  ???
       ??????????????,  ??????????   ??  ???  ?????  ???  ???  ????  ???
       ?????????. ???'  ????? ????? ????? ???? ?????? ??? ?? ???????????
       ???? ?????? (d.h. beziehungslos sein) 2*), ?? ???? ???? '????????
       ????? [16]  ??????, ????  ???????  ?????  ????  ?????  ??'  ?????
       ????????????. ?? ?? ??? ?????????? ?? ???? ??????????, ?????? ???
       ???? ????????  ???' ?????  ?????? ???  ???? ?????????  ?????  ???
       ?????? ???  ?????????? ??? ???? ??? ????? ????????, ????????, ???
       ??????? ???  ??? ??  ?????? ??????????  ??????? ??'  ?????? ?????
       ???????? ????????, ????????? ? ?????????? ??????? ??? ??????. ???
       ??????? ??  ??????? ?????, ??? 3*) ?????????, ??? ?? ????????????
       3*) ????  ????????? ??? ????????, ??? ??? ?? ???????????? ??? 3*)
       ?????????, ?????  ????? ?????  ??? ???????  ???????. ????? ??? ??
       ?????? ??  ??????? '?????????  ??????... S.  [1100 E-]1101 [B. c.
       20].
       
       Die Furcht  vor Gott im Sinne Epikurs versteht Plutarch überhaupt
       nicht, er  begreift nicht, wie das philosophische Bewußtsein sich
       davon zu  befreien wünscht.  Der  gewöhnliche  Mensch  kennt  das
       nicht. Plutarch
       -----
       1*) Vor "eher"  steht in der Handschrift ein unleserliches Wort -
       2*) Bemerkung von Marx - 3*) Text korrupt
       
       #105# Drittes Heft
       -----
       "[...] Epikur,  der zwar  den Weisen in den .... als einen Freund
       der Schauspiele  darstellt und als einen, der sich über musikali-
       sche und  dramatische Darbietungen  an den Dionysien ebenso freut
       wie jeder  andere, aber für die musikalischen Probleme und philo-
       logischen Untersuchungen der Kritiker sogar beim Trinkgelage kei-
       nen Raum läßt, sagt" etc. S. 1095.
       "Sie sagen  sogar selbst, daß es angenehmer sei, Gutes zu tun als
       zu empfangen." S. 1097.
       
       Diese ?????? 1*) sind nämlich die qui in haeresim Epicuri illapsi
       2*).
       
       "Ja selbst  Epikur gab zu, daß aus dem Ruhm manche (d.h. Freuden)
       entstehen." S. 1099.
       [...] 3*) eher der Betrachtung wert als die vorhergehenden seich-
       ten moralischen Einwürfe des Plutarch ist seine Polemik gegen die
       epikureische Theologie, nicht ihrer selbst wegen, sondern weil es
       sich zeigt,  wie das  gewöhnliche Bewußtsein im ganzen auf epiku-
       reischem Boden  stehend, sich  nur scheut vor der philosophischen
       offnen Konsequenz. Und dabei muß man immer im Auge halten, daß es
       dem Epikur weder um die voluptas 4*) noch um die sinnliche Gewiß-
       heit, noch  um irgend etwas zu tun ist, außer um die Freiheit und
       Bestimmungslosigkeit des  Geistes. Wir  gehn daher  die einzelnen
       Betrachtungen des Plutarch durch.
       
       "[...] also  über die Lust ist ungefähr gesagt worden [...] (d.h.
       [vom] Epikur 5*)): ihre Lehre, wenn sie Glück hat und erfolgreich
       ist, hebt  in gewisser  Weise Furcht  und Aberglauben auf, Freude
       aber und  Gunst der  Götter gibt sie nicht, sondern sie leiht uns
       zu ihnen  durch Entfernung aller Angstigung und Freude" (d.h. be-
       ziehungslos sein)  6*) "das  Verhältnis, das  wir zu den hyrkani-
       schen Fischen [16] haben, von denen wir weder Nutzen noch Schaden
       erwarten. Wenn  aber dem  Gesagten noch  etwas hinzuzufügen  ist,
       dann kann  man das,  meine ich,  ihnen selbst entnehmen; erstens,
       daß sie  denen, die  Trauer, Tränen  und Klagen  über den Tod der
       Freunde abschaffen  wollen, widersprechen  und sagen, die bis zur
       Unempfindlichkeit gehende Schmerzlosigkeit erwachse aus einem an-
       deren, noch  größeren Übel, Roheit oder maßlosem Ehrgeiz und Ver-
       blendung. Deshalb sei es besser, zu leiden und zu trauern, ja die
       Augen naß  werden zu  lassen und sich zu grämen und, was derglei-
       chen Empfindungen  noch sind,  zu äußern, wodurch es scheint, als
       sei man  zartfühlend und  teilnahmsvoll. Denn  dies hat Epikur an
       vielen andern Stellen gesagt..." S. [1100-]1101.
       
       Die Furcht  vor Gott im Sinne Epikurs versteht Plutarch überhaupt
       nicht, er  begreift nicht, wie das philosophische Bewußtsein sich
       davon zu  befreien wünscht.  Der  gewöhnliche  Mensch  kennt  das
       nicht. Plutarch
       -----
       1*) (autoi) sie  selbst -  2*) die der Lehre des Epikur verfallen
       sind -  3*) vor "eher" steht in der Handschrift ein unleserliches
       Wort- 4*) Lust  - 5*) genauer;  von dem  platonischen Philosophen
       und Freund  des Plutarch  Aristodemus über die Lehre des Epikur -
       6*) Bemerkung von Marx
       
       #106# Epikureische Philosophie
       -----
       bringt uns  daher triviale  Beispiele aus  der Empirie, wie wenig
       schrecklich dieser Glaube dem Publikum ist.
       Plutarch betrachtet im Gegensatz zu Epikur zuerst den Glauben der
       ?????? an  Gott und  sagt, bei  diesen habe  allerdings von einer
       Seite diese  Richtung die Gestalt der Furcht, nämlich die sinnli-
       che Furcht  ist die  einzige Form, unter welcher er die Angst des
       freien Geistes  vor einem persönlichen allmächtigen, die Freiheit
       in sich  absorbierenden, also  von sich ausschließenden Wesen be-
       greifen kann. Nun meint er:
       
       1. Diese Fürchtenden:  ???????? ??? ????? ??????? ???????? ?????,
       ?????? ?? ???????, ??? ???? ??' ?? ?? ?????? ?????? ?????????????
       ??? ??  ??????? 1*),  ??? ???'  ?????? ??????  ??? ?????? ???????
       ???? ????????????????,  ????? ???????????  ??? ????????  ???? ???
       ?????????, ????  ????? ????????  ??? ?????????????. S. 1101 [C-D.
       c. 21].
       
       Also durch  diese sinnliche  Furcht werden  sie beschützt vor dem
       Bösen als  wenn diese  immanente Furcht  nicht das Böse wäre? Was
       ist denn  der Kern des empirisch Bösen? Daß der einzelne in seine
       empirische Natur  gegen seine  ewige Natur sich verschließt; aber
       ist das  nicht dasselbe,  als wenn  er seine ewige Natur von sich
       ausschließt, sie  in der  Form des  Beharrens der  Einzelnheit in
       sich, der  Empirie faßt,  also als  einen empirischen  Gott außer
       sich anschaut?  Oder soll  auf der  Form der Beziehung der Akzent
       liegen? So ist der Gott bestrafend den Bösen, mild dem Guten, und
       zwar ist  das Böse  hier das  dem empirischen Individuum Böse und
       das Gute  das dem  empirischen Individuum  Gute, denn  wo  sollte
       sonst diese  Furcht und  Hoffnung herkommen, da es dem Individuum
       um das ihm Gute und Böse zu tun ist? Gott ist in dieser Beziehung
       nichts als  die Gemeinschaftlichkeit aller Folgen, die empirische
       böse Handlungen  haben können.  Also aus  Furcht, daß  durch  das
       Gute, welches  das empirische  Individuum in  böser Tat  sich er-
       wirbt, größre  Übel folgen  und größre  Güter entgehn, handelt es
       nicht bös,  also damit die Kontinuität seines Wohlseins nicht ge-
       stört wird durch die immanente Möglichkeit, aus derselben heraus-
       gerissen zu werden?
       Ist das  nicht dasselbe,  was Epikur  mit platten  Worten  lehrt:
       handle nicht  unrecht, damit  du nicht die stete Furcht behältst,
       bestraft zu  werden. Diese immanente Beziehung des Individuums zu
       seiner ????????  wird daher 2*) vorgestellt 2*) als die Beziehung
       zu einem  außer ihm  seienden Gott, der aber wieder keinen Inhalt
       hat als eben diese ????????, die hier Kontinuität des
       -----
       1*) Text korrupt - 2*) in der Handschrift nicht eindeutig zu ent-
       ziffern
       
       #107# Drittes Heft
       -----
       bringt uns  daher triviale  Beispiele aus  der Empirie, wie wenig
       schrecklich dieser Glaube dem Publikum ist.
       Plutarch betrachtet im Gegensatz zu Epikur zuerst den Glauben der
       ?????? 1*) an Gott und sagt, bei diesen habe allerdings von einer
       Seite diese  Richtung die Gestalt der Furcht, nämlich die sinnli-
       che Furcht  ist die  einzige Form, unter welcher er die Angst des
       freien Geistes  vor einem persönlichen allmächtigen, die Freiheit
       in sich  absorbierenden, also  von sich ausschließenden Wesen be-
       greifen kann. Nun meint er:
       
       1. Diese Fürchtenden: "Wenn sie ihn als einen Herrscher fürchten,
       der den  Guten gnädig,  den Schlechten aber feind ist, werden sie
       durch diese  eine Furcht  [vom] Unrechttun [befreit] und brauchen
       nicht erst viele Befreier, und indem sie bei sich das Böse in al-
       ler Ruhe absterben lassen, werden sie weniger beunruhigt als die-
       jenigen, die  sich seiner bedienen und sich dreist gebärden, dann
       aber plötzlich Angst haben und Reue empfinden." S. 1101.
       
       Also durch  diese sinnliche  Furcht werden  sie beschützt vor dem
       Bösen, als  wenn diese  immanente Furcht nicht das Böse wäre? Was
       ist denn  der Kern des empirisch Bösen? Daß der einzelne in seine
       empirische Natur  gegen seine  ewige Natur sich verschließt; aber
       ist das  nicht dasselbe,  als wenn  er seine ewige Natur von sich
       ausschließt, sie  in der  Form des  Beharrens der  Einzelnheit in
       sich, der  Empirie faßt,  also als  einen empirischen  Gott außer
       sich anschaut?  Oder soll  auf der  Form der Beziehung der Akzent
       liegen? So ist der Gott bestrafend den Bösen, mild dem Guten, und
       zwar ist  das Böse  hier das  dem empirischen Individuum Böse und
       das Gute  das dem  empirischen Individuum  Gute, denn  wo  sollte
       sonst diese  Furcht und  Hoffnung herkommen, da es dem Individuum
       um das ihm Gute und Böse zu tun ist? Gott ist in dieser Beziehung
       nichts als  die Gemeinschaftlichkeit aller Folgen, die empirische
       böse Handlungen  haben können.  Also aus  Furcht, daß  durch  das
       Gute, welches  das empirische  Individuum in  böser Tat  sich er-
       wirbt, größre  Übel folgen  und größre  Güter entgehn, handelt es
       nicht bös,  also damit die Kontinuität seines Wohlseins nicht ge-
       stört wird durch die immanente Möglichkeit, aus derselben heraus-
       gerissen zu werden?
       Ist das  nicht dasselbe,  was Epikur  mit platten  Worten  lehrt:
       handle nicht  unrecht, damit  du nicht die stete Furcht behältst,
       bestraft zu  werden. Diese immanente Beziehung des Individuums zu
       seiner ???????? 2*) wird daher 3*) vorgestellt 3*) als die Bezie-
       hung zu einem außer ihm seienden Gott, der aber wieder keinen In-
       halt hat als eben diese ????????, die hier Kontinuität des
       ---
       1*) (polloi) Menge,  Masse - 2*) (ataraxia) Ataraxie - 3*) in der
       Handschrift nicht eindeutig zu entziffern
       
       #108# Epikureische Philosophie
       -----
       Wohlseins ist. Die Furcht vor der Zukunft, dieser Zustand der Un-
       sicherheit wird hier eingeschoben in das ferne Bewußtsein Gottes,
       als ein  Zustand betrachtet,  der in ihm schon präexistiert, aber
       auch erst  als Drohung,  also grade  wie im individuellen Bewußt-
       sein.
       2. sagt Plutarch,  daß diese  Richtung auf Gott auch voluptas ge-
       währe.
       
       [...] ???' ???? ??????? ??????? ??? ?????????? ???????? ??? ????,
       ???? ???????
       
       ????? ???  ??????, (sc.  ? ????)  ??? ??  ?????????? ????????? ??
       ??????? ?????
       
       ????? ???  ??????? ???  ???????, ??????? ?? ???? ???????? .... S.
       1101 [E. c. 21].
       
       Ferner erzählt  er, daß Greise, Frauen, Kaufleute, Könige sich an
       festlichen religiösen Tagen freuen.....
       
       ?? ???  ????? ??????, ???? ??????? ????? ????? ?? ????????? ?????
       ?? ???? ???????,
       
       ???? ???  ????? ?????  ??? ???? ??? ???????? ??? ???? ??????, ???
       ???????? ?? ???????? ????????????. S. 1102 [A. c. 21].
       
       Es ist etwas näher zuzusehn, wie Plutarch diese Freude, diese vo-
       luptas, beschreibt.
       Erstens sagt  er, daß  die Seele  dann am meisten befreit ist von
       Trauer, Furcht und Sorge, wenn Gott gegenwärtig ist. Also ist die
       Gegenwart Gottes  bestimmt als die Freiheit der Seele von Furcht,
       Trauer, Sorge.  Diese Freiheit  äußert sich in ausgelaßnem Jubel,
       denn das  ist die  positive Äußerung  der individuellen Seele von
       diesem ihrem Zustand.
       Ferner: die  zufällige Verschiedenheit der individuellen Stellung
       fällt bei  dieser Freude weg. Also ist die Entleerung des Indivi-
       duums von  seinen anderweitigen  Bestimmungen, das Individuum als
       solches in  dieser Feier  bestimmt, und  das ist eine wesentliche
       Bestimmung. Endlich  ist es nicht der separate Genuß, sondern die
       Sicherheit, daß  der Gott  nichts Getrenntes ist, sondern den In-
       halt hat,  sich zu  freun an dieser Freude des Individuums, wohl-
       wollend auf  sie herabzusehn,  also selbst  in der Bestimmung des
       sich freuenden  Individuums zu sein. Was also hier vergöttert und
       gefeiert wird,  ist die  vergötterte Individualität,  als solche,
       von ihren  gewöhnlichen Banden  1*) befreit,  also der  ????? des
       Epikur mit seiner ????????. Es ist das Nichtdasein des Gottes als
       Gott, sondern  als das Dasein der Freude des Individuums, die an-
       gebetet wird.  Weiter hat  dieser Gott  keine Bestimmung. Ja, die
       wirkliche Form,  in der  diese Freiheit des Individuums hier her-
       vortritt, ist  der Genuß,  und zwar  der einzelne, der sinnliche,
       der Genuß,  der nicht gestört wird. Die ???????? schwebt also als
       das allgemeine Bewußtsein
       -----
       1*) Nicht eindeutig zu entziffern
       
       #109# Drittes Heft
       -----
       Wohlseins ist. Die Furcht vor der Zukunft, dieser Zustand der Un-
       sicherheit wird hier eingeschoben in das ferne Bewußtsein Gottes,
       als ein  Zustand betrachtet,  der in ihm schon präexistiert, aber
       auch erst  als Drohung,  also grade  wie im individuellen Bewußt-
       sein.
       2. sagt Plutarch,  daß diese  Richtung auf Gott auch voluptas 1*)
       gewähre.
       
       "[...] sondern  wo sie  (d.h. die Seele) sich Gott am meisten ge-
       genwärtig glaubt und denkt, da verscheucht sie am meisten Trauer,
       Furcht und  Sorge und  überläßt sich  der Freude  bis zu  Rausch,
       Scherz und Lachen in den Dingen der Liebe ...." S. 1101.
       
       Ferner erzählt  er, daß Greise, Frauen, Kaufleute, Könige sich an
       festlichen religiösen Tagen freuen...
       
       "Denn nicht  die Menge  an Wein  und nicht der Reiz des Fleisches
       ist es,  was bei  den Festen  die Freude  hervorruft, sondern die
       frohe Zuversicht  und der Glaube, daß der gütige Gott gegenwärtig
       sei und das Geschehnis gnädig aufnehme." S. 1102.
       
       Es ist etwas näher zuzusehn, wie Plutarch diese Freude, diese vo-
       luptas, beschreibt.
       Erstens sagt  er, daß  die Seele  dann am meisten befreit ist von
       Trauer, Furcht und Sorge, wenn Gott gegenwärtig ist. Also ist die
       Gegenwart Gottes  bestimmt als die Freiheit der Seele von Furcht,
       Trauer, Sorge.  Diese Freiheit  äußert sich in ausgelaßnem Jubel,
       denn das  ist die  positive Äußerung  der individuellen Seele von
       diesem ihrem Zustand.
       Ferner: die  zufällige Verschiedenheit der individuellen Stellung
       fällt bei  dieser Freude weg. Also ist die Entleerung des Indivi-
       duums von  seinen anderweitigen  Bestimmungen, das Individuum als
       solches in  dieser Feier  bestimmt, und  das ist eine wesentliche
       Bestimmung. Endlich  ist es nicht der separate Genuß, sondern die
       Sicherheit, daß  der Gott  nichts Getrenntes ist, sondern den In-
       halt hat,  sich zu  freun an dieser Freude des Individuums, wohl-
       wollend auf  sie herabzusehn,  also selbst  in der Bestimmung des
       sich freuenden  Individuums zu sein. Was also hier vergöttert und
       gefeiert wird,  ist die  vergötterte Individualität,  als solche,
       von ihren gewöhnlichen Banden 2*) befreit, also der ????? 3*) des
       Epikur mit  seiner ????????.  Es ist das Nicht- dasein des Gottes
       als Gott,  sondern als das Dasein der Freude des Individuums, die
       angebetet wird.  Weiter hat dieser Gott keine Bestimmung. Ja, die
       wirkliche Form,  in der  diese Freiheit des Individuums hier her-
       vortritt, ist  der Genuß,  und zwar  der einzelne, der sinnliche,
       der Genuß,  der nicht gestört wird. Die ???????? schwebt also als
       das allgemeine Bewußtsein
       -----
       1*) Freude -  2*) nicht eindeutig  zu entziffern  -  3*) (sophos)
       Weise
       
       #110# Epikureische Philosophie
       -----
       über den  Köpfen, aber  ihre Erscheinung ist die sinnliche volup-
       tas, wie  bei Epikur, nur daß dort totales Bewußtsein des Lebens,
       was hier  lebendiger einzeler  Zustand, daß aus diesem Grunde bei
       Epikur die  einzelne Erscheinung gleichgiltiger und beseelter von
       ihrer Seele,  der ????????,  dort sich  dies Element  mehr in die
       Einzelnheit verliert  und beides sich unmittelbar vermischt, also
       auch unmittelbar  geschieden ist. So traurig steht es mit der Un-
       terscheidung des  Göttlichen, die  Plutarch gegen den Epikur gel-
       tend macht,  und wenn, um noch eine Bemerkung zu machen, Plutarch
       sagt, daß  Könige sich  nicht so sehr an ihren publicis conviviis
       et viscerationibus  als an  den Opfermahlzeiten  freuen, so heißt
       das nichts, als daß dort der Genuß als etwas Menschliches, Zufäl-
       liges, hier aber als Göttliches, der individuelle Genuß als Gött-
       liches angeschaut wird; was also grade epikureisch ist.
       Von 1*)  diesem Verhältnis  der ??????? und ?????? zu Gott unter-
       scheidet  Plutarch   das  Verhältnis  des  ???????  ????????  ???
       ????????????? ?????  [S. 1102  D. c. 22]. Wir wollen sehn, was er
       hier dem Epikur abgewinnt.
       Plutarch sagt:
       
       [...] ?? ???????  ??????? ????????  ???? ???? ????? ???????? 2*),
       ?? ??????  ??? ?????? ??????, ?????? ?? ????? ????? ??????? ????,
       ??? ?????? ????? ?????? ???? ?????, ????? ???? ??????. ?????? ???
       ????, ?????  ?? ????  ?????? ?????????  ??????, ????  ?????, ????
       ????, ?  ?????. ????  ??? ??????  ?? ??????,  ???? ??  ??????????
       ????? ????  ??????  ??  ????????.  ????  ??  ???????,  ???  ?????
       ?????????, ???  ??? ???????????  ??? ???????????  ?? ???????? ???
       ?????????? ????  ???  ??????????.  ??  ?????  ??????  ???  ??????
       ????????? ??  ?????, ???'  ??? ??? ????????? ??? ??????? ???????,
       ?????????? ?? ??? ????? ?????? ?? ??????? [...]. S. 1102 [D-E. c.
       22].
       
       Der philosophische Sinn davon, daß Gott der ?????? ?????? und der
       Vater ??????  ????? ist,  ist der,  daß dieses nicht ein Prädikat
       Gottes, sondern  daß die Idee des Guten das Göttliche selbst ist.
       Allein in  der Bestimmung  des Plutarch liegt ein ganz andres Re-
       sultat. Das  Gute wird im strengsten Gegensatz gegen das Böse ge-
       nommen; denn  das erste ist eine Manifestation der Tugend und der
       Macht, das  andre der Schwäche, der Privation und der Schlechtig-
       keit. Aus  Gott ist  also das Urteil, die Differenz entfernt, und
       das ist  grade ein  Hauptsatz des Epikur, der deswegen konsequent
       diese Differenzlosigkeit im Menschen sowohl theoretisch als prak-
       tisch
       -----
       1*) Nicht eindeutig zu entziffern - 2*) Text korrupt
       
       #111# Drittes Heft
       -----
       über den  Köpfen, aber  ihre Erscheinung ist die sinnliche volup-
       tas, wie  bei Epikur, nur daß dort totales Bewußtsein des Lebens,
       was hier  lebendiger einzeler  Zustand, daß aus diesem Grunde bei
       Epikur die  einzelne Erscheinung gleichgiltiger und beseelter von
       ihrer Seele,  der ????????,  dort sich  dies Element  mehr in die
       Einzelnheit verliert  und beides sich unmittelbar vermischt, also
       auch unmittelbar  geschieden ist. So traurig steht es mit der Un-
       terscheidung des  Göttlichen, die  Plutarch gegen den Epikur gel-
       tend macht,  und wenn, um noch eine Bemerkung zu machen, Plutarch
       sagt, daß  Könige sich  nicht so sehr an ihren publicis conviviis
       et visceratiombus 1*) als an den Opfermahlzeiten freuen, so heißt
       das nichts, als daß dort der Genuß als etwas Menschliches, Zufäl-
       liges, hier aber als Göttliches, der individuelle Genuß als Gött-
       liches angeschaut wird; was also grade epikureisch ist.
       Von 2*)  diesem Verhältnis der ??????? 3*) und ?????? 4*) zu Gott
       unterscheidet Plutarch  das Verhältnis  des ???????  ???????? ???
       ????????????? ?????  5*). Wir wollen sehn, was er hier dem Epikur
       abgewinnt.
       Plutarch sagt:
       
       "[...] welche  großen Freuden  haben sie doch durch ihre lauteren
       Vorstellungen von  Gott, der für sie der Urheber alles Guten, Va-
       ter alles  Schönen ist  und der so wenig etwas Schlechtes tun wie
       erleiden kann.  Denn er ist gut, ein Guter aber kennt weder Neid,
       noch Furcht,  noch Zorn  oder Haß.  Denn so  wie das  Warme nicht
       kühlt, sondern  wärmt, liegt  es auch dem Guten fern, zu schaden.
       Zorn aber und Gnade, Grimm und Wohlwollen, Menschenliebe und Güte
       einerseits, Feindseligkeit  und  abstoßendes  Wesen  andererseits
       sind von Natur unendlich weit voneinander entfernt. Denn das eine
       ist ein Kennzeichen von Tugend und Kraft, das andere von Schwäche
       und Schlechtigkeit. Darum kann das Göttliche nicht Zorn und Gunst
       zusammen in  sich haben,  sondern weil  es in seinem Wesen liegt,
       gnädig und  hilfreich zu sein, liegt es nicht in seinem Wesen, zu
       zürnen und Böses zu tun [...]." S. 1102.
       
       Der philosophische Sinn davon, daß Gott der ?????? ?????? 6*) und
       der Vater  ?????? ?????  7*) ist,  ist der,  daß dieses nicht ein
       Prädikat Gottes,  sondern daß  die Idee  des Guten  das Göttliche
       selbst ist.  Allein in der Bestimmung des Plutarch liegt ein ganz
       andres Resultat.  Das Gute wird im strengsten Gegensatz gegen das
       Böse genommen;  denn das  erste ist eine Manifestation der Tugend
       und der  Macht, das  andre der  Schwäche, der  Privation und  der
       Schlechtigkeit. Aus  Gott ist also das Urteil, die Differenz ent-
       fernt, und  das ist  grade ein Hauptsatz des Epikur, der deswegen
       konsequent diese  Differenzlosigkeit im  Menschen sowohl  theore-
       tisch als praktisch
       -----
       1*) öffentlichen Gelagen und Bewirtungen - 2*) nicht eindeutig zu
       entziffern -  3*)  (poneroi)  Schlechten  -  4*) (polloi)  Menge,
       Masse -  5*) bessern und  von Liebe  zu Gott  erfüllten Teils der
       Menschen -  6*) (hegemon agathon) Urheber des Guten - 7*) (panton
       kalon) alles Schönen
       
       #112# Epikureische Philosophie
       -----
       in seiner  unmittelbaren Identität,  der Sinnlichkeit  findet, in
       Gott als  Leere, reines  otium 1*).  Der Gott,  der als  das Gute
       durch Wegschieben  des Urteils  bestimmt ist, ist das Leere, denn
       jede Bestimmtheit  trägt eine Seite an sich, die sie gegen andres
       erhält und  in sich  verschließt, offenbart also im Gegensatz und
       Widerspruch ihre ????, ihren ?????, ihren ?????, sich aufzugeben.
       Plutarch hat  also dieselbe  Bestimmung wie Epikur, nur als Bild,
       als Vorstellung,  was dieser bei seinem begrifflichen Namen nennt
       und das menschliche Bild wegstreift.
       Schlecht klingt daher die Frage:
       
       ???  ??  ?????  ??????  ??????  [???????]  ????  ???????????  ???
       ????????, ???  ??? ??????  ?????, ???????????  ?????? ??????  ???
       ????? ????????; [S. 1102 F-1103 A. c. 22.]
       
       Denn es  ist im  Gegenteil zu  behaupten, daß der mehr Wollust in
       der Betrachtung des Göttlichen fühle, der es als die reine Selig-
       keit in sich, ohne alle begriffslos anthropomorphischen Beziehun-
       gen anschaut,  als umgekehrt.  Es ist schon die Seligkeit selbst,
       den Gedanken  reiner Seligkeit zu haben, sei sie noch so abstrakt
       gefaßt, was  wir an  den  indischen  Mönchen  sehn.  Ohnedem  hat
       Plutarch die ??????? aufgehoben, indem er das Böse, die Differenz
       Gott gegenübergesetzt  hat. Seine  weiteren Ausmalungen sind rein
       begriffslos und synkretistisch; ohnehin zeigt er in allem, daß es
       ihm bloß  um das Individuum, nicht um Gott zu tun ist. Epikur ist
       daher so  ehrlich, Gott  sich auch nicht um das Individuum beküm-
       mern zu lassen.
       Die innere  Dialektik seiner  Gedanken führt  daher den  Plutarch
       notwendig  darauf   zurück,  statt   vom   Göttlichen   von   der
       individuellen Seele  zu sprechen, und er kommt auf den ????? ????
       ?????. Vom Epikur wird gesagt:
       
       [...] ????  ???????????   ??  ????????   ?????  ?????  ???  ?????
       ???????????? (sc. ?????), ??? ??? ?????? 2*) ???????? ????? ?????
       ???? ??  ????????? ???  ???????? ???  ????? ?????. S. 1103 [E. c.
       23].
       
       Man muß sich ja nicht durch die salbungsvollen Worte des Plutarch
       irremachen lassen. Wir werden sehn, wie er jede seiner Bestimmun-
       gen aufhebt.  Schon  der  künstliche  Fallschirm  ???  ?????  2*)
       ???????? ?????   und  dann das  ????????? und  ???????? und ?????
       ????? im  Gegensatz zeigt, wo der Schwerpunkt liegt, wie dünn die
       eine Seite und wie dreifach intensiv die andere.
       -----
       1*) "reines otium" steht in der Handschrift über "Leere" - 2*) in
       der Handschrift: ?????
       
       #113# Drittes Heft
       -----
       in seiner  unmittelbaren Identität,  der Sinnlichkeit  findet, in
       Gott als  Leere, reines  otium 1*).  Der Gott,  der als  das Gute
       durch Wegschieben  des Urteils  bestimmt ist, ist das Leere, denn
       jede Bestimmtheit  trägt eine Seite an sich, die sie gegen andres
       erhält und  in sich  verschließt, offenbart also im Gegensatz und
       Widerspruch ihre ???? 2*), ihren ????? 3*), ihren ????? 4*), sich
       aufzugeben. Plutarch hat also dieselbe Bestimmung wie Epikur, nur
       als Bild,  als Vorstellung,  was dieser  bei seinem begrifflichen
       Namen nennt und das menschliche Bild wegstreift.
       Schlecht klingt daher die Frage:
       
       "Glaubt ihr  nun, daß,  wer die Vorsehung leugnet, noch eine wei-
       tere Strafe  [braucht] und  nicht genug  daran hat,  daß er  sich
       selbst einer so großen Lust und Freude beraubt?" [S. 1102-1103.]
       
       Denn es  ist im  Gegenteil zu  behaupten, daß der mehr Wollust in
       der Betrachtung des Göttlichen fühle, der es als die reine Selig-
       keit in sich, ohne alle begriffslos anthropomorphischen Beziehun-
       gen anschaut,  als umgekehrt.  Es ist schon die Seligkeit selbst,
       den Gedanken  reiner Seligkeit zu haben, sei sie noch so abstrakt
       gefaßt, was  wir an  den  indischen  Mönchen  sehn.  Ohnedem  hat
       Plutarch die ??????? 5*)aufgehoben, indem er das Böse, die Diffe-
       renz Gott  gegenübergesetzt hat.  Seine weiteren Ausmalungen sind
       rein begrifflos  und synkretistisch;  ohnehin zeigt  er in allem,
       daß es ihm bloß um das Individuum, nicht um Gott zu tun ist. Epi-
       kur ist  daher so ehrlich, Gott sich auch nicht um das Individuum
       bekümmern zu lassen.
       Die innere  Dialektik seiner  Gedanken führt  daher den  Plutarch
       notwendig darauf zurück, statt vom Göttlichen von der individuel-
       len Seele zu sprechen, und er kommt auf den ????? ???? ????? 6*).
       Vom Epikur wird gesagt:
       
       "[...] sie (d.h. die Seele) muß sich über alle Maßen freuen, wenn
       sie diesen  gar weisen  und göttlichen Lehrsatz vernimmt, daß das
       Ende allen  Leidens für  sie Untergang, Zerstörtwerden und Nicht-
       sein sei." S. 1103.
       
       Man muß sich ja nicht durch die salbungsvollen Worte des Plutarch
       irremachen lassen. Wir werden sehn, wie er jede seiner Bestimmun-
       gen aufhebt.  Schon der  künstliche Fallschirm ??? ????? ????????
       ????? 7*)  und dann  das ????????? 8*) und ???????? 9*) und ?????
       ????? 10*)  im Gegensatz,  zeigt, wo  der Schwerpunkt  liegt, wie
       dünn die eine Seite und wie dreifach intensiv die andere.
       -----
       1*) "reines otium"  steht  in  der  Handschrift  über  "Leere"  -
       2*) (orge) Zorn,  Gereiztheit -  3*) (misos) Haß  -  4*) (phobos)
       Furcht -  5*) (pronoia)  Vorsehung - 6*) (logos peri psyches) Be-
       trachtung über  die Seele  - 7*) (tou  kakos prattein peras) Ende
       allen  Leidens   -  8*) (apolesthai)   Untergehen,  Untergang   -
       9*) (phtharenai) Zerstörtwerden - 10*) (meden einai) Nichtsein
       
       #114# Epikureische Philosophie
       -----
       Die Betrachtung  wird wieder  eingeteilt in  das  Verhältnis  ???
       ?????? ???  ???????, dann  der ?????? ??? ??????? und endlich der
       ???????? ???  ???? ??????? (S. 1104 [A. c. 25]) [17] zu der Lehre
       von der Fortdauer der Seele. Schon diese Einteilung in feste qua-
       litative Unterschiede  zeigt, wie  wenig Plutarch den Epikur ver-
       steht, der  als Philosoph  das Verhältnis  der menschlichen Seele
       überhaupt betrachtet,  und wenn er trotz ihrer Bestimmung als ei-
       ner vergänglichen  der ????? gewiß bleibt, so hätte Plutarch sehn
       müssen, daß  jeder Philosoph unwillkürlich eine ????? preist, die
       ihm fremd  ist in  seiner Borniertheit.  Für die Ungerechten wird
       nun wieder  die Furcht  angeführt als Besserungsmittel. Wir haben
       diesen Einwurf  schon betrachtet.  Indem in  der Furcht, und zwar
       einer innern,  nicht zu  erlöschenden Furcht, der Mensch als Tier
       bestimmt ist,  so ist  es bei einem Tiere überhaupt gleichgiltig,
       wie es  in Schranken  gehalten wird.  Hält ein Philosoph es nicht
       für das  Schimpflichste, den  Menschen als Tier zu betrachten, so
       ist ihm überhaupt nichts mehr begreiflich zu machen.
       
       ???? ?? ??????? ??? ???? ????? ???? ??? ?? ???? ? ???? ?? ???????
       ??? ??????????  ?????, ???  ?  ?????  ???  ?????,  ??????  ??????
       ??????????? ??  ??? ????????, ????? ?????????? ??? ??????????? ??
       ???????? ?????  ????. 1*)  S. 1104  [B-C. c. 26]. ? ??? ????? ???
       ??????? ???  ????? ????????????,  ????? ???  ?????? ????????  ???
       ????????? ?????????????,  ? ??????????  ????????? ???  ??????????
       ??? ????????? ?? ?????. ????? ?? ??? ???????? ??? ??????????? ???
       ????????? ???  ????????????, ???  ??? ?????  ?????????  ????  ???
       ?????, ?? ??????, ??? ??????? ????????? ..... S. 1104 [C. c. 26]
       .... ???  ???? ??  ???????, ???  ?? ????????,  ??? ??  ???  ????,
       ??????????? ....  ? ??? ????????????????? ?? ????? ????????, ????
       ???????? ?????????,  ??? ?? ??? ???? ???????? ........ ??? ??? ??
       ????? ??  ??????,  ??????  ??  ?????????,  ???  ??  ???  ????????
       ??????????? ???????????  ????????,  ???  ???????????  ??????  ???
       ???????,  ????   ????????????,  ???   ??????????????  ???????  ??
       ???????? ???  ????????? ???  ???? ?????? ?????????. [S. 1104 E-F.
       c. 26.27.]  ?? ???  ?????????? ??? ???? ??? ????? ????? ???? ????
       ?? ???????????,  ??? ???????  ?? ???  ???????  ????,  ???'  ?????
       ?????????   ????? ??????????.  ???? ???  ????? ????? ? ???????? ?
       ?????, ....  ??? ??? ?? ?? ??????? ???? ???????????? ???????? ???
       ?????, ??  '????????? ???  ????? ??? ??????? ????????? ?????, ???
       ?????? ????????  ??? ?????? ??? ???????? ??' ?? ?????? ??? ??????
       ?????? ????? ??? ????? ????????? ??
       -----
       1*) Text korrupt
       
       #115# Drittes Heft
       -----
       Die Betrachtung  wird wieder  eingeteilt in  das  Verhältnis  ???
       ?????? ???  ??????? 1*), dann der ?????? ??? ??????? 2*) und end-
       lich der  ???????? ???  ???? ???????  3*) (S.  1104) [17]  zu der
       Lehre von  der Fortdauer der Seele. Schon diese Einteilung in fe-
       ste qualitative Unterschiede zeigt, wie wenig Plutarch den Epikur
       versteht, der als Philosoph das Verhältnis der menschlichen Seele
       überhaupt betrachtet,  und wenn er trotz ihrer Bestimmung als ei-
       ner vergänglichen  der ?????  4*) gewiß bleibt, so hätte Plutarch
       sehn müssen, daß jeder Philosoph unwillkürlich eine ????? preist,
       die ihm  fremd ist  in seiner  Borniertheit. Für  die Ungerechten
       wird nun  wieder die  Furcht angeführt  als Besserungsmittel. Wir
       haben diesen  Einwurf schon  betrachtet. Indem in der Furcht, und
       zwar einer  innern, nicht  zu erlöschenden Furcht, der Mensch als
       Tier bestimmt ist, so ist es bei einem Tiere überhaupt gleichgil-
       tig, wie  es in  Schranken gehalten  wird. Hält  ein Philosoph es
       nicht für  das Schimpflichste,  den Menschen als Tier zu betrach-
       ten, so ist ihm überhaupt nichts mehr begreiflich zu machen.
       
       "Bei der  Menge, die  ohne Furcht  ist vor  dem, was im Hades ge-
       schieht, erzeugt  die mit  den Mythen verbundene Hoffnung auf das
       ewige Leben  und der  Wunsch des  Seins, der älteste aller Triebe
       und mächtigste,  Freude und Glücksgefühl und überwindet jene kin-
       dische Furcht." S. 1104. "Also, wer Kinder, Weib und Freunde ver-
       liert, wünscht eher, daß sie irgendwo seien und weiterexistieren,
       wenn es  ihnen auch  schlecht geht,  als daß sie gänzlich hinweg-
       gerafft, zugrunde  gegangen und zu nichts geworden sind. Gern da-
       gegen hören  sie die  Worte, 'der Sterbende gehe woanders hin und
       Wechsle die  Wohnstatt' und was sonst deutlich macht, daß der Tod
       ein Aufenthaltswechsel  der Seele  sei, nicht eine Zerstörung" S.
       1104.
       ".... und  bei Ausdrücken wie 'es ist aus', 'er ist dahin und 'er
       ist nicht  mehr geraten  sie außer  sich Die  aber bereiten ihnen
       gänzlich den  Tod, die sagen: 'Einmal nur sind wir Menschen gebo-
       ren, zweimal kann man nicht geboren werden......' Denn die Gegen-
       wart gilt  ihnen wenig,  eher noch nichts gegenüber der Ewigkeit,
       und sie  lassen sie  verstreichen, ohne  sie zu genießen, und sie
       vernachlässigen Tugend und Tätigkeit, mutlos und sich selbst ver-
       achtend wie  Eintagsgeschöpfe und  unbeständige und zu nichts der
       Rede wertem entstandene Wesen." [S. 1104.] "Denn das Empfindungs-
       los- und  Aufgelöstsein und  die Lehre,  das Empfindungslose gehe
       uns nichts  an, beseitigt  nicht die Furcht vor dem Tode, sondern
       wirkt eher  als Beweis dafür. Denn gerade das ist es, was die Na-
       tur fürchtet,  .... die  Auflösung der  Seele in etwas, was weder
       denkt noch  empfindet. Indem Epikur diese zu einer Zerstreuung in
       leeren Raum und Atome macht, zerstört er die Hoffnung auf die Un-
       sterblichkeit noch mehr, derentwegen, ich möchte fast sagen, alle
       Menschen beiderlei  Geschlechts bereit  wären, sich  vom Cerberus
       zerfleischen zu lassen und in
       -----
       1*) (ton adjkon  kai poneron)  der Ungerechten und Schurken - 2*)
       (poll on kai idioton) Vielen und Ungebildeten - 3*) (epieikon kai
       noun ech onton) Anständigen und Vernünftigen - 4*) (hedone) Lust
       
       #116# Epikureische Philosophie
       -----
       ??????? ????????????,  ??? ?????????  ??? ???????,  ???? ?? ?????
       ????? ?????????, ???? ??????????. S. 1105 [A. c. 27].
       
       Wir kommen jetzt zur Ansicht der ??????, obgleich es sich am Ende
       zeigt, daß  wenige davon  ausgenommen sind,  ja, um eigentlich zu
       reden, alle, ??? ?????? ??????, zu dieser Fahne schwören.
       Der qualitative  Unterschied von  der vorhergehenden  Stufe  exi-
       stiert eigentlich  nicht, sondern  was früher  in der Gestalt der
       tierischen Furcht  erschien, erscheint  hier in  der Gestalt  der
       menschlichen Furcht, der Gefühlsform. Der Inhalt bleibt derselbe.
       Es wird  uns gesagt,  daß der  Wunsch des Seins die älteste Liebe
       ist; allerdings, die abstrakteste und daher älteste Liebe ist die
       Selbstliebe, die  Liebe seines  partikularen Seins.  Doch das war
       eigentlich zu  sehr die  Sache herausgesagt,  sie wird wieder zu-
       rückgenommen und  ein veredelter  Glanz um sie geworfen durch den
       Schein des  Gefühls. Also  wer Weib  und Kinder verliert, wünscht
       eher, daß  sie   i r g e n d w o    seien,  wenn  es  ihnen  auch
       s c h l e c h t   g e h t,  als daß sie gänzlich aufgehört haben.
       Wenn es sich bloß um Liebe handelte, so ist das Weib und das Kind
       des Individuums  als solches  am tiefsten und reinsten aufbewahrt
       im Herzen  dieses Individuums,  ein viel höheres Sein als das der
       empirischen Existenz. Allein die Sache steht anders. Das Weib und
       Kind ist bloß als Weib und Kind in empirischer Existenz, insofern
       das Individuum selbst empirisch existiert. Daß es sie also lieber
       irgendwo,  in   räumlicher  Sinnlichkeit,   gehe  es  ihnen  auch
       schlecht, wissen will als gar nicht, heißt weiter nichts, als daß
       das Individuum  das Bewußtsein seiner eignen empirischen Existenz
       haben will.  Der Mantel der Liebe war bloß ein Schatten, das nude
       empirische Ich,  die Selbstliebe, die älteste Liebe ist der Kern,
       hat in keine konkretere, idealere Gestalt sich verjüngt. Angeneh-
       mer, meint  Plutarch, klingt  der Name  der Veränderung  als  des
       gänzlichen Aufhörens.  Allein die Veränderung soll keine qualita-
       tive sein, das einzelne Ich in seinem einzelnen Sein soll verhar-
       ren, der Name ist also bloß die sinnliche Vorstellung dessen, was
       es ist,  und soll das Gegenteil bedeuten. Er ist also eine lügen-
       hafte Fiktion.  Die Sache  soll nicht  verändert, sondern  nur in
       einen dunkeln  Ort gestellt  werden, das Zwischenschieben phanta-
       stischer Ferne  soll den  qualitativen Sprung, und jeder qualita-
       tive Unterschied ist ein Sprung, ohne dies Springen keine Ideali-
       tät, soll ihn verhüllen.
       Ferner meint  Plutarch, dies Bewußtsein der Endlichkeit mache un-
       kräftig und  tatlos, zeuge 1*) Verstimmung gegen das gegenwärtige
       Leben;
       -----
       1*) Nicht eindeutig zu entziffern
       
       #117# Drittes Heft
       -----
       das Faß [der Danaiden] dauernd [Wasser] zu tragen, um nur im Sein
       zu bleiben und nicht ausgelöscht zu werden." S. 1105.
       Wir kommen  jetzt zur  Ansicht der ?????? 1*) obgleich es sich am
       Ende zeigt,  daß wenige davon ausgenommen sind, ja, um eigentlich
       zu reden, alle, ??? ?????? ?????? 2*), zu dieser Fahne schwören.
       Der qualitative  Unterschied von  der vorhergehenden  Stufe  exi-
       stiert eigentlich  nicht, sondern  was früher  in der Gestalt der
       tierischen Furcht  erschien, erscheint  hier in  der Gestalt  der
       menschlichen Furcht, der Gefühlsform. Der Inhalt bleibt derselbe.
       Es wird  uns gesagt,  daß der  Wunsch des Seins die älteste Liebe
       ist; allerdings, die abstrakteste und daher älteste Liebe ist die
       Selbstliebe, die  Liebe seines  partikularen Seins.  Doch das war
       eigentlich zu  sehr die  Sache herausgesagt,  sie wird wieder zu-
       rückgenommen und  ein veredelter  Glanz um sie geworfen durch den
       Schein des  Gefühls. Also  wer Weib  und Kinder verliert, wünscht
       eher, daß  sie   i r g e n d w o    seien,  wenn  es  ihnen  auch
       s c h l e c h t   g e h t,  als daß sie gänzlich aufgehört haben.
       Wenn es sich bloß um Liebe handelte, so ist das Weib und das Kind
       des Individuums  als solches  am tiefsten und reinsten aufbewahrt
       im Herzen  dieses Individuums,  ein viel höheres Sein als das der
       empirischen Existenz. Allein die Sache steht anders. Das Weib und
       Kind ist bloß als Weib und Kind in empirischer Existenz, insofern
       das Individuum selbst empirisch existiert. Daß es sie also lieber
       irgendwo,  in   räumlicher  Sinnlichkeit,   gehe  es  ihnen  auch
       schlecht, wissen will als gar nicht, heißt weiter nichts, als daß
       das Individuum  das Bewußtsein seiner eignen empirischen Existenz
       haben will.  Der Mantel der Liebe war bloß ein Schatten, das nude
       empirische Ich,  die Selbstliebe, die älteste Liebe ist der Kern,
       hat in keine konkretere, idealere Gestalt sich verjüngt. Angeneh-
       mer, meint  Plutarch, klingt  der Name  der Veränderung  als  des
       gänzlichen Aufhörens.  Allein die Veränderung soll keine qualita-
       tive sein, das einzelne Ich in seinem einzelnen Sein soll verhar-
       ren, der Name ist also bloß die sinnliche Vorstellung dessen, was
       es ist,  und soll das Gegenteil bedeuten. Er ist also eine lügen-
       hafte Fiktion.  Die Sache  soll nicht  verändert, sondern  nur in
       einen dunkeln  Ort gestellt  werden, das Zwischenschieben phanta-
       stischer Ferne  soll den  qualitativen Sprung, und jeder qualita-
       tive Unterschied ist ein Sprung, ohne dies Springen keine Ideali-
       tät, soll ihn verhüllen.
       Ferner meint  Plutarch, dies Bewußtsein der Endlichkeit mache un-
       kräftig und  tatlos, zeuge 3*) Verstimmung gegen das gegenwärtige
       Leben;
       -----
       1*) (polloi) Menge,  Masse -  2*) (deo legein pantas) - 3*) nicht
       eindeutig zu entziffern
       
       #118# Epikureische Philosophie
       -----
       allein das  Leben vergeht  ja nicht,  sondern dies einzelne Sein.
       Betrachtet sich  dies einzelne  Sein als  1*) ausgeschlossen  von
       diesem verharrenden  allgemeinen Leben,  kann es  dadurch reicher
       und voller  werden, daß  es seine  Winzigkeit eine Ewigkeit fort-
       trägt? Ändert  diese sein  Verhältnis, oder  bleibt  es  vielmehr
       nicht in  seiner Unlebendigkeit  verknöchert? Ist  es nicht  das-
       selbe, ob es heute in diesem indifferenten Verhältnisse zum Leben
       sich befindet oder ob dies Epikur Jahrtausende dauert?
       Endlich spricht  Plutarch es gradezu heraus, daß es nicht auf den
       Inhalt, auf die Form, sondern auf das Sein des einzelnen ankomme.
       Sein, wenn auch vom Cerberus zerfleischt werden. Welches ist also
       der Inhalt  seiner Unsterblichkeitslehre? Daß das Individuum, von
       der Qualität  abstrahiert, die  ihm hier seine individuelle Stel-
       lung gibt,  nicht als  das Sein von einem Inhalt, sondern als die
       atomistische Form des Seins verharrt; ist das nicht dasselbe, was
       Epikur sagt, daß die individuelle Seele aufgelöst wird und in die
       Form der  Atome zurückfällt? Diesen Atomen als solchen Gefühl zu-
       schreiben, obgleich zugegeben wird, daß der Inhalt dieses Gefühls
       gleichgiltig  ist,   ist  bloß  eine  inkonsequente  Vorstellung.
       Plutarch trägt  also in seiner Polemik gegen Epikur die epikurei-
       sche Lehre vor: er vergißt jedoch nicht, überall das ?? ????? als
       das Schrecklichste darzustellen. Dieses reine Fürsichsein ist das
       Atom. Wenn  überhaupt dem Individuum nicht in seinem Inhalt, der,
       insofern er  allgemeiner ist, an sich selbst allgemein existiert,
       insofern er  Form ist,  sich ewig  individualisiert, wenn ihm als
       individuellem Sein die Unsterblichkeit zugesichert wird, so fällt
       der konkrete  Unterschied des  Fürsichseins, denn der Unterschied
       heiße nicht,  daß das  Individuum fortexistiert,  sondern daß das
       Ewige gegen  das  Vergängliche  besteht,  und  es  ist  bloß  die
       Behauptung, daß das Atom als solches ewig ist und das Beseelte in
       diese seine Grundform zurückgeht.
       Epikur trägt  insofern diese  Unsterblichkeitslehre vor,  aber er
       ist philosophisch  und konsequent  genug, es  bei seinem Namen zu
       nennen, zu  sagen, daß  das Beseelte in die atomistische Form zu-
       rückkehrt. Es  hilft da  keine Halbheit.  Muß irgendein konkreter
       Unterschied des  Individuums fallen,  was das Leben selbst zeigt,
       so müssen alle fallen, die nicht an sich allgemein und ewig sind.
       Soll  das  Individuum  nichtsdestoweniger  gegen  diese  ????????
       gleichgiltig sein,  so bleibt  bloß diese  atomistische Hülse des
       frühern Inhalts, das ist die Lehre von der Ewigkeit der Atome.
       -----
       1*) Nicht eindeutig zu entziffern
       
       #119# Drittes Heft
       -----
       allein das  Leben vergeht  ja nicht,  sondern dies einzelne Sein.
       Betrachtet sich  dies einzelne  Sein als  1*) ausgeschlossen  von
       diesem verharrenden  allgemeinen Leben,  kann es  dadurch reicher
       und  voller   werden,  daß  es  seine  Winzigkeit  eine  Ewigkeit
       fortträgt? Ändert  diese sein Verhältnis, oder bleibt es vielmehr
       nicht  in   seiner  Unlebendigkeit   verknöchert?  Ist  es  nicht
       dasselbe, ob  es heute  in diesem  indifferenten Verhältnisse zum
       Leben sich befindet oder ob dies Epikur Jahrtausende dauert?
       Endlich spricht  Plutarch es gradezu heraus, daß es nicht auf den
       Inhalt, auf die Form, sondern auf das Sein des einzelnen ankomme.
       Sein, wenn auch vom Cerberus zerfleischt werden. Welches ist also
       der Inhalt  seiner Unsterblichkeitslehre? Daß das Individuum, von
       der Qualität  abstrahiert, die  ihm hier seine individuelle Stel-
       lung gibt,  nicht als  das Sein von einem Inhalt, sondern als die
       atomistische Form des Seins verharrt; ist das nicht dasselbe, was
       Epikur sagt, daß die individuelle Seele aufgelöst wird und in die
       Form der  Atome zurückfällt? Diesen Atomen als solchen Gefühl zu-
       schreiben, obgleich zugegeben wird, daß der Inhalt dieses Gefühls
       gleichgiltig  ist,   ist  bloß  eine  inkonsequente  Vorstellung.
       Plutarch trägt  also in seiner Polemik gegen Epikur die epikurei-
       sche Lehre vor: er vergißt jedoch nicht, überall das ?? ????? 2*)
       als das Schrecklichste darzustellen. Dieses reine Fürsichsein ist
       das Atom.  Wenn überhaupt  dem Individuum nicht in seinem Inhalt,
       der, insofern  er allgemeiner  ist, an sich selbst allgemein exi-
       stiert, insofern  er Form  ist, sich  ewig individualisiert, wenn
       ihm als  individuellem Sein die Unsterblichkeit zugesichert wird,
       so fällt  der konkrete Unterschied des Fürsichseins, denn der Un-
       terschied heiße  nicht, daß das Individuum fortexistiert, sondern
       daß das Ewige gegen das Vergängliche besteht, und es ist bloß die
       Behauptung, daß das Atom als solches ewig ist und das Beseelte in
       diese seine Grundform zurückgeht.
       Epikur trägt  insofern diese  Unsterblichkeitslehre vor,  aber er
       ist philosophisch  und konsequent  genug, es  bei seinem Namen zu
       nennen, zu  sagen, daß  das Beseelte in die atomistische Form zu-
       rückkehrt. Es  hilft da  keine Halbheit.  Muß irgendein konkreter
       Unterschied des  Individuums fallen,  was das Leben selbst zeigt,
       so müssen alle fallen, die nicht an sich allgemein und ewig sind.
       Soll das  Individuum nichtsdestoweniger  gegen diese ???????? 3*)
       gleichgiltig sein,  so bleibt  bloß diese  atomistische Hülse des
       frühern Inhalts, das ist die Lehre von der Ewigkeit der Atome.
       -----
       1*) Nicht eindeutig  zu entziffern - 2*) (me einai) Nichtsein - 3
       (metabole) Veränderung
       
       #120# Epikureische Philosophie
       -----
       Wem Ewigkeit ist wie Zeit
       Und Zeit wie Ewigkeit,
       Der ist befreit
       Von allem Streit [18],
       
       sagt Jacobus Bohemus.
       
       ??? ??  ???? ??? ????????? ????????????? ??? ???????? ??????? ???
       ????????? ??? ??????. S. 1105 [B-C. c. 28].
       
       Wenn also  Plutarch sagt,  daß Epikur mit der Unsterblichkeit die
       süßesten Hoffnungen der Menge hinwegnimmt, so hätte er viel rich-
       tiger gesagt, was er anders meinend sagt,
       
       [...] ???  ??????? [...],  ???' ????? ????????? [...] ??????????.
       [S. 1105 A. 27.]
       
       Epikur hebt  diese Ansicht  nicht auf,  er erklärt sie, er bringt
       sie auf ihren begriffsmäßigen Ausdruck.
       Wir kommen  jetzt zu der Klasse der ???????? und ???? ???????: Es
       versteht sich, daß durchaus nicht über das Frühere hinausgegangen
       wird, sondern was zuerst als tierische Furcht, dann als menschli-
       che Furcht,  als bange  Klage, als  das Sträuben vor dem Aufgeben
       des atomistischen Seins erschien, erscheint jetzt in der Form der
       Arroganz, der  Fordrung und  der Berechtigung. Dieser Klasse geht
       daher, wie  Plutarch sie  bestimmt, am  meisten der Verstand aus.
       Die unterste  Klasse macht  keine Prätensionen,  die zweite weint
       und will  sich alles gefallen lassen, um das Atomistische zu ret-
       ten, die  dritte ist  der Philister,  der ausruft, mein Gott, das
       wäre aber  noch schöner! So ein kluger, ehrlicher Kerl sollte zum
       Teufel müssen!
       
       ?? ????  ??? ??????  ??????? ???  ?????????? ?????  ???  ???????,
       ????? ???  ????? ????,  ?? ??  ???????? ???  ???????? ??????????;
       ?????? ???  ??? ??????? ???????? ??? ???????????? ?? ???????????,
       ???? ????????????  ??? ?????????? ????? ????????? ???? ??????? ??
       ?????????  ???  ????  ????  ???  ????  ????????,  ?????????  ????
       ???????? ?? ?????, ???? ??????? ??? ??????? ?? ??? ????, ??? ????
       ??? ?????????? ??? ??????? ??? ????????, ??? ???????????? ???????
       ??? ??????????, ??????? ????? ????? ????????. ?????? ??? ????????
       ??? ????  ??? ?????  ?????? ???????  ??? ??????? ????????? ??????
       ??????, .....  ???? ????  ?? ???  ????? ?????  ?????? ??????? ???
       ????????, ??  ???? ?????  ?????????? ????  ???  ?????,  ???  ????
       ?????, ???' ????????? ????? ?????????. S. 1105 [C-D. c. 28].
       
       #121# Drittes Heft
       -----
       Wem Ewigkeit ist wie Zeit
       Und Zeit wie Ewigkeit,
       Der ist befreit
       Von allem Streit! [18],
       
       sagt Jacobus Bohemus.
       
       "Deshalb nehmen  sie [d.h.  die Epikureer] mit dem Glauben an die
       Unsterblichkeit zugleich  die süßesten und größten Hoffnungen der
       Menge hinweg." S. 1105.
       
       Wenn also  Plutarch sagt,  daß Epikur mit der Unsterblichkeit die
       süßesten Hoffnungen der Menge hinwegnimmt, so hätte er viel rich-
       tiger gesagt, was er anders meinend sagt,
       
       "[...] er hebt sie [...] nicht auf, sondern liefert [...] gleich-
       sam die Erklärung". [S. 1105.]
       
       Epikur hebt  diese Ansicht  nicht auf,  er erklärt sie, er bringt
       sie auf ihren begriffsmäßigen Ausdruck.
       
       Wir kommen jetzt zu der Klasse der ???????? und ???? ??????? 1*):
       Es versteht  sich, daß  durchaus nicht über das Frühere hinausge-
       gangen wird,  sondern was  zuerst als  tierische Furcht, dann als
       menschliche Furcht,  als bange  Klage, als  das Sträuben  vor dem
       Aufgeben des atomistischen Seins erschien, erscheint jetzt in der
       Form der  Arroganz, der  Fordrung und  der  Berechtigung.  Dieser
       Klasse geht daher, wie Plutarch sie bestimmt, am meisten der Ver-
       stand aus.  Die unterste  Klasse macht  keine  Prätensionen,  die
       zweite weint  und will  sich alles gefallen lassen, um das Atomi-
       stische zu  retten, die  dritte ist  der Philister,  der ausruft,
       mein Gott,  das wäre  aber noch schöner! So ein kluger, ehrlicher
       Kerl sollte zum Teufel müssen!
       
       "Was also  glauben wir  wohl von  den Hoffnungen  der Guten,  die
       fromm und  rechtschaffen gelebt  haben und  die im  Jenseits kein
       Übel, sondern die schönsten und göttlichsten Gaben erwarten? Denn
       erstens, wie  Athleten einen  Kranz nicht bekommen, ohne gekämpft
       zu haben,  sondern wenn sie gekämpft und gesiegt haben, so ist es
       bewundernswert, wie  die, die  glauben, daß den Guten der Sieges-
       preis des Lebens erst nach dem Leben zuteil werde, auf die Tugend
       bedacht sind;  zu diesen  Hoffnungen gehört  es auch, diejenigen,
       die hier  infolge von  Reichtum und  Macht übermütig sind und die
       Bessern in ihrem Wahn auslachen, die Verdiente Strafe erleiden zu
       sehen. Ferner  hat hier noch keiner von denen, die nach der Wahr-
       heit und  dem Anblick  des Seienden verlangen, volle Befriedigung
       finden können.  ..... So  halte ich  den Tod  für ein  großes und
       vollkommenes Gut,  da die  Seele erst dort ihr wahres Leben leben
       wird, während sie [hier] nicht wirklich lebt, sondern sich wie im
       Traum befindet." S. 1105.
       -----
       1*) (epieikon und noun echonton) Anständigen und Vernünftigen
       
       #122# Epikureische Philosophie
       -----
       Also diese  guten und  klugen Männer erwarten den Lohn des Lebens
       nach dem  Leben, allein  wie unkonsequent  ist es in diesem Fall,
       wieder als Lohn das Leben zu erwarten, da ihnen doch der Lohn des
       Lebens ein qualitativ vom Leben Unterschiednes ist. Dieser quali-
       tative Unterschied  wird wieder in eine Fiktion eingekleidet, das
       Leben wird in keine höhre Sphäre aufgehoben, sondern an einen an-
       dern Ort getragen. Sie stellen sich also nur, als verachteten sie
       das Leben,  es ist ihnen um nichts Beßres zu tun, sie kleiden nur
       ihre Hoffnung in eine Fordrung ein.
       Sie verachten  das Leben, aber ihre atomistische Existenz ist das
       Gute in demselben, und die Ewigkeit ihrer Atomistik, die das Gute
       ist, begehren  sie. Wenn  ihnen das ganze Leben als Schattenbild,
       als ein Schlechtes vorkam, woher haben sie das Bewußtsein, gut zu
       sein? Bloß in dem Wissen von sich als dem atomistischen Sein, und
       Plutarch geht  so weit,  daß sie  nicht zufrieden sind mit diesem
       Bewußtsein, daß, weil der empirisch einzelne nur ist, insofern er
       von einem andern gesehn wird, diese guten Männer sich nun freuen,
       daß nach  dem Tode  diejenigen, die sie bis dato verachtet haben,
       nun wirklich sie sehn als die Guten und anerkennen müssen und ge-
       straft werden,  weil sie  sie nicht  für das  Gute halten. Welche
       Forderung! Die  Schlechten sollen sie anerkennen im Leben als die
       Guten, und  sie erkennen selbst die allgemeinen Mächte des Lebens
       nicht als  das Gute an! Ist das nicht den Stolz des Atoms auf die
       höchste Spitze geschraubt?
       Ist es  da nicht mit dürren Worten gesagt, wie übermütig und dün-
       kelhaft das Ewige und wie ewig das trockne Fürsichsein ohne allen
       Inhalt gemacht  wird !  Es hilft  nichts, dies  unter Floskeln zu
       verbergen, zu  sagen, daß keiner hier seine Wißbegierde befriedi-
       gen kann.
       Diese Forderung  drückt weiter nichts aus, als daß das Allgemeine
       in der Form der Einzelnheit, als Bewußtsein sein müsse, und diese
       Forderung erfüllt  das Allgemeine ewig. Insofern aber wieder ver-
       langt wird, daß es in diesem empirischen ausschließenden Fürsich-
       sein vorhanden  sei, so heißt das nichts, als daß es nicht um das
       Allgemeine, sondern um das Atom zu tun ist.
       Wir sehn  also, wie  Plutarch  in  seiner  Polemik  gegen  Epikur
       Schritt vor  Schritt dem  Epikur sich  in die Arme wirft, nur daß
       dieser einfach,  abstrakt, wahr und dürr die Konsequenzen entwic-
       kelt und weiß, was er sagt, während Plutarch überall etwas andres
       sagt, als  er zu  sagen meint,  aber im  Grund auch  etwas andres
       meint, als er sagt.
       Das ist überhaupt das Verhältnis des gewöhnlichen Bewußtseins zum
       philosophischen.
       
       #123# Drittes Heft
       -----
       Also diese  guten und  klugen Männer erwarten den Lohn des Lebens
       nach dem  Leben, allein  wie unkonsequent  ist es in diesem Fall,
       wieder als Lohn das Leben zu erwarten, da ihnen doch der Lohn des
       Lebens ein qualitativ vom Leben Unterschiednes ist. Dieser quali-
       tative Unterschied  wird wieder in eine Fiktion eingekleidet, das
       Leben wird in keine höhre Sphäre aufgehoben, sondern an einen an-
       dern Ort getragen. Sie stellen sich also nur, als verachteten sie
       das Leben,  es ist ihnen um nichts Beßres zu tun, sie kleiden nur
       ihre Hoffnung in eine Fordrung ein.
       Sie verachten  das Leben, aber ihre atomistische Existenz ist das
       Gute in demselben, und die Ewigkeit ihrer Atomistik, die das Gute
       ist, begehren  sie. Wenn  ihnen das ganze Leben als Schattenbild,
       als ein Schlechtes vorkam, woher haben sie das Bewußtsein, gut zu
       sein? Bloß in dem Wissen von sich als dem atomistischen Sein, und
       Plutarch geht  so weit,  daß sie  nicht zufrieden sind mit diesem
       Bewußtsein, daß, weil der empirisch einzelne nur ist, insofern er
       von einem andern gesehn wird, diese guten Männer sich nun freuen,
       daß nach  dem Tode  diejenigen, die sie bis dato verachtet haben,
       nun wirklich sie sehn als die Guten und anerkennen müssen und ge-
       straft werden,  weil sie  sie nicht  für das  Gute halten. Welche
       Forderung! Die  Schlechten sollen sie anerkennen im Leben als die
       Guten, und  sie erkennen selbst die allgemeinen Mächte des Lebens
       nicht als  das Gute an! Ist das nicht den Stolz des Atoms auf die
       höchste Spitze geschraubt?
       Ist es  da nicht mit dürren Worten gesagt, wie übermütig und dün-
       kelhaft das Ewige und wie ewig das trockne Fürsichsein ohne allen
       Inhalt gemacht wird! Es hilft nichts, dies unter Floskeln zu ver-
       bergen, zu  sagen, daß  keiner hier seine Wißbegierde befriedigen
       kann.
       Diese Forderung  drückt weiter nichts aus, als daß das Allgemeine
       in der Form der Einzelnheit, als Bewußtsein sein müsse, und diese
       Forderung erfüllt  das Allgemeine ewig. Insofern aber wieder ver-
       langt wird, daß es in diesem empirischen ausschließenden Fürsich-
       sein vorhanden  sei, so heißt das nichts, als daß es nicht um das
       Allgemeine, sondern um das Atom zu tun ist.
       Wir sehn  also, wie  Plutarch  in  seiner  Polemik  gegen  Epikur
       Schritt vor  Schritt dem  Epikur sich  in die Arme wirft, nur daß
       dieser einfach,  abstrakt, wahr und dürr die Konsequenzen entwic-
       kelt und weiß, was er sagt, während Plutarch überall etwas andres
       sagt, als  er zu  sagen meint,  aber im  Grund auch  etwas andres
       meint, als er sagt.
       Das ist überhaupt das Verhältnis des gewöhnlichen Bewußtseins zum
       philosophischen.
       
       
       #124# Epikureische Philosophie
       -----
       [III.] 2. Plutarchi Colotes. ex editione Xylandri
       
       ???????,  ??   '?????????  ??????  ?????????  ??????????????  ???
       ??????????, ?  ?????????, ?????? ????????, ????????? ???? ??? ???
       ?? ??? ????? ????????? ???????, ??? ?????. S. 1107 [D. c. 1].
       
       Hat im  vorigen Dialog  Plutarch dem Epikur nachzuweisen gesucht,
       quod non  beate vivi  possit nach seiner Philosophie, so sucht er
       jetzt die  ??????? der  übrigen Philosophen  gegen diesen Vorwurf
       von Seiten  der Epikureer  zu rechtfertigen.  Wir werden sehn, ob
       diese Aufgabe  ihm besser  gelingt als  die vorige, deren Polemik
       eigentlich ein  Panegyrikos auf Epikur genannt werden kann. Wich-
       tig ist dieser Dialog für das Verhältnis des Epikur zu den andern
       Philosophen. Es  ist ein  guter Witz des Kolotes, wenn er dem So-
       krates statt Brot Heu anbietet und ihn fragt, warum er die Speise
       nicht ins Ohr, sondern in den Mund steckt. Sokrates trieb sich in
       ganz Kleinem  herum, eine notwendige Folge seiner geschichtlichen
       Stellung.
       
       [...] ????????  .....  ???????  [...]  ????  ???  ??????????  ???
       '?????????, ???  ?? ???????? ??????? ??? ????? ??????? ... ??? ??
       ?????????? ????? ???????? ???? ?????? ???? ??????. S. 1108 [E. c.
       3]  ?   ??  ?????   ???????????  ????   ???????,  ??   ?????????,
       ???????????, ? ?? ????? ???????? ??????????????, ?? ?? ??????? ??
       ?? ??????  ????? ?????  ? ????  ???????  ??????????  ???  ???????
       [,????? ??????????]. S. 1110 [A-B. c. 6].
       
       Plutarch fühlt  überall ein  Jucken, wo die philosophische Konse-
       quenz des  Epikur hervorbricht.  Der Philister  meint, wenn einer
       bestreite, daß das Kalte nicht kalt, das Warme nicht warm sei, je
       nachdem es  die Menge  nach ihrem Sensorium beurteilt, so täusche
       er sich  selbst, wenn  er nicht  behaupte, es  sei weder das eine
       noch das  andre. Der  Mann sieht  nicht ein, daß damit der Unter-
       schied bloß  aus der  Sache in das Bewußtsein geschoben ist. Will
       man diese Dialektik der sinnlichen Gewißheit in ihr selbst lösen,
       so muß es heißen, die Eigenschaft sei in dem Zusammen, in der Be-
       ziehung des  sinnlichen Wissens auf das Sinnliche, also, da diese
       Beziehung eine  unmittelbar verschiedene  ist,  unmittelbar  ver-
       schieden. Es wird damit weder in die Sache noch in das Wissen der
       Fehler geschoben, sondern das Ganze der sinnlichen Gewißheit wird
       als dieser schwankende Prozeß betrachtet. Wer nicht die dialekti-
       sche Macht hat, diese Sphäre total zu negieren, wer sie stehnlas-
       sen will,  der muß  auch mit der Wahrheit zufrieden sein, wie sie
       sich innerhalb  ihrer vorfindet. Plutarch ist zu dem einen zu im-
       potent, zu dem andern ein zu ehrlicher, kluger Herr.
       ----
       1*) daß man nicht glücklich leben kann - 2*) (dogmata) Lehrsätze,
       Lehren
       
       #125# Drittes Heft
       -----
       [III.] 2. Plutarch. Kolotes. Ausgabe von Xylander
       
       "Kolotes, den  Epikur seinen  lieben kleinen  Kolotes  zu  nennen
       pflegte, mein Saturninus, hat ein Buch veröffentlicht mit dem Ti-
       tel 'Nachweis, daß man nach den Lehrsätzen der andern Philosophen
       nicht leben kann'." S. 1107.
       
       Hat im  vorigen Dialog  Plutarch dem Epikur nachzuweisen gesucht,
       quod non  beate vivi possit 1*) nach seiner Philosophie, so sucht
       er jetzt  die ???????  2*) der  übrigen Philosophen  gegen diesen
       Vorwurf von  Seiten der  Epikureer zu  rechtfertigen. Wir  werden
       sehn, ob  diese Aufgabe  ihm besser gelingt als die vorige, deren
       Polemik eigentlich  ein Panegyrikos  auf  Epikur  genannt  werden
       kann. Wichtig  ist dieser Dialog für das Verhältnis des Epikur zu
       den andern  Philosophen. Es  ist ein guter Witz des Kolotes, wenn
       er dem  Sokrates statt  Brot Heu anbietet und ihn fragt, warum er
       die Speise  nicht ins  Ohr, sondern  in den Mund steckt. Sokrates
       trieb sich  in ganz  Kleinem herum,  eine notwendige Folge seiner
       geschichtlichen Stellung.
       
       "[...] Leonteus  .... behauptet  [...], Demokrit werde von Epikur
       geehrt, weil  er früher zur wahren Lehre sich bekannt ... weil er
       früher die Prinzipien der Natur entdeckt habe." S. 1108.
       "Wer also  behauptet, die  Menge täusche sich, indem sie annehme,
       das Warme  sei warm  oder  das  Kalte  kalt,  [der  täuscht  sich
       selbst,] wenn  er nicht  glaubt, daß  aus dem,  was er behauptet,
       folgt, nichts sei mehr so als so beschaffen." S. 1110.
       
       Plutarch fühlt  überall ein  Jucken, wo die philosophische Konse-
       quenz des  Epikur hervorbricht.  Der Philister  meint, wenn einer
       bestreite, daß das Kalte nicht kalt, das Warme nicht warm sei, je
       nachdem es  die Menge  nach ihrem Sensorium beurteilt, so täusche
       er sich  selbst, wenn  er nicht  behaupte, es  sei weder das eine
       noch das  andre. Der  Mann sieht  nicht ein, daß damit der Unter-
       schied bloß  aus der  Sache in das Bewußtsein geschoben ist. Will
       man diese Dialektik der sinnlichen Gewißheit in ihr selbst lösen,
       so muß es heißen, die Eigenschaft sei in dem Zusammen, in der Be-
       ziehung des  sinnlichen Wissens auf das Sinnliche, also, da diese
       Beziehung eine  unmittelbar verschiedene  ist,  unmittelbar  ver-
       schieden. Es wird damit weder in die Sache noch in das Wissen der
       Fehler geschoben, sondern das Ganze der sinnlichen Gewißheit wird
       als dieser schwankende Prozeß betrachtet. Wer nicht die dialekti-
       sche Macht hat, diese Sphäre total zu negieren, wer sie stehnlas-
       sen will,  der muß  auch mit der Wahrheit zufrieden sein, wie sie
       sich innerhalb  ihrer vorfindet. Plutarch ist zu dem einen zu im-
       potent, zu dem andern ein zu ehrlicher, kluger Herr.
       -----
       1*) daß man nicht glücklich leben kann - 2*) (dogmata) Lehrsätze,
       Lehren
       
       #126# Epikureische Philosophie
       -----
       ???? ???? ????? ????????? ??????, ?? ?? ?????? ?????, ? ?? ?????,
       ????????????.
       ???? ???  ???? ?????????  ????? ????????,  ??? ??????  ?? ???? ??
       ????????. S. 1110 [D. c. 7].
       
       Also, sagt  Plutarch, müßte  man von jeder Eigenschaft sagen, daß
       sie nicht mehr ist als nicht ist; denn dies ändert sich, je nach-
       dem einer  affiziert wird. Allein seine Frage zeigt schon, daß er
       die Sache  nicht versteht.  Er spricht von einem festen Sein oder
       Nichtsein als  Prädikat. Aber  das Sein  des Sinnlichen ist viel-
       mehr, kein solches Prädikat zu sein, kein festes Sein oder Nicht-
       sein. Wenn  ich diese  so trenne, so trenne ich grade, was in der
       Sinnlichkeit nicht getrennt ist. Das gewöhnliche Denken hat immer
       abstrakte Prädikate  fertig, die  es trennt von dem Subjekt. Alle
       Philosophen haben die Prädikate selbst zu Subjekten gemacht.
       
       a) Epikur und Demokrit
       
       ?? ???  ????? ??????  ?????, ???  ????  ?????  ????????  1*)  ???
       ??????? ?????????  ????? ???  ????????? ????  ?????????, ???  ???
       ????????? ??  ???? [?????]  ???  ????????  ???'  ??  ?????  ?  ??
       ???????????, ????  ?????? ????????? ???? ??? ????? ??? ??? ?????,
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       ??? ? ??????????, ???? ??? ??????????? ???? ?????? ????????, ????
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       ????? ???????.  ????????? ?? ????????? ??? ??????, ??????????????
       ? '????????? ?????, ????? ??? ??????????? ??? ?????, ?? ?????? ??
       ????? ?????? ... ??? ??? ????? ?????????. ?? ??? ??? ?? ?? ??????
       ???????? ?????, ??? ???????? ??? ?????????? ?? ?????. ??? ??? ???
       ???????? ???????,  ????????? ????????? ????? ??? ??? ?????? ?????
       ??? ??????  ??????????, ????  ??? ?????  ???  ????????  ?????????
       ??????????? ???  ?? ???  ??? ????????  ???????????, ?? ?? ??? ???
       ???? ??  ????????. ......................  [S. 1110  E-1111 B. c.
       8.]
       -----
       1*) An dieser Stelle eine Lücke im Text der Xylander-Ausgabe
       
       #127# Drittes Heft
       -----
       "So könnte  man von  jeder Eigenschaft  in der Tat sagen, daß sie
       nicht mehr ist als nicht ist. Denn für den, der von ihr affiziert
       wird, ist  sie, für  den aber,  der nicht affiziert wird, ist sie
       nicht." S. 1110.
       
       Also, sagt  Plutarch, müßte  man von jeder Eigenschaft sagen, daß
       sie nicht mehr ist als nicht ist; denn dies ändert sich, je nach-
       dem einer  affiziert wird. Allein seine Frage zeigt schon, daß er
       die Sache  nicht versteht.  Er spricht von einem festen Sein oder
       Nichtsein als  Prädikat. Aber  das Sein  des Sinnlichen ist viel-
       mehr, kein solches Prädikat zu sein, kein festes Sein oder Nicht-
       sein. Wenn  ich diese  so trenne, so trenne ich grade, was in der
       Sinnlichkeit nicht getrennt ist. Das gewöhnliche Denken hat immer
       abstrakte Prädikate  fertig, die  es trennt von dem Subjekt. Alle
       Philosophen haben die Prädikate selbst zu Subjekten gemacht.
       
       a) Epikur und Demokrit
       
       "Denn was  Demokrit gesagt  habe, nur der Meinung nach sei Farbe,
       der Meinung  nach Süßes,  der Meinung  nach  Zusammensetzung  [in
       Wirklichkeit aber  nur das  Leere und]  die Atome, sagt er [d. h.
       Kolotes], [widerspreche] dm sinnlichen Wahrnehmungen, und wer auf
       [diesem] Satz  bestehe und  ihn anwende, sei nicht zu der Überle-
       gung fähig, ob er [tot] sei oder lebe. Gegen diesen Satz habe ich
       zwar nichts  einzuwenden, muß aber sagen, daß dies mit den Lehren
       des Epikur  ebenso untrennbar verbunden ist wie nach ihrer eignen
       Aussage die  Gestalt und  die Schwere mit dem Atom. Was sagt denn
       Demokrit? Substanzen,  unendlich an  Zahl, unteilbar  und  unter-
       schiedlich, dazu  ohne Qualität und Empfindung, schwirren im lee-
       ren Raum zerstreut umher; wenn sie sich aber einander nähern oder
       zusammentreffen oder  sich verketten,  so erscheine  von dem, was
       sich dann  bilde, das  eine als Wasser, das andere als Feuer, das
       dritte als  Pflanze, das  vierte als  Mensch. Es seien aber alles
       Atome, die von ihm Ideen genannt werden, und nichts anderes. Denn
       aus dem  Nichtseienden gebe  es kein  Entstehen, aus dem Seienden
       aber gehe  nichts hervor, weil die Atome infolge ihrer Festigkeit
       weder affiziert noch verändert werden. Daher entstehe weder Farbe
       aus  Farblosem,  noch  Natur  oder  Seele  aus  Qualitätslosem...
       Demokrit ist  daher zu  tadeln, nicht Weil er die Folgerungen aus
       seinen Prinzipien gutheißt, sondern weil er Prinzipien aufstellt,
       die solche  Folgerungen haben. Denn er durfte die Grundprinzipien
       nicht als  unveränderlich annehmen, nachdem er diese Annahme aber
       gemacht hatte,  durfte er nicht bemerken, daß dadurch die Entste-
       hung jeder Eigenschaft unmöglich wird, und leugnen, obwohl er die
       Unmöglichkeit bemerkt  hatte. Ganz unvernünftig aber sagt Epikur,
       er lege  zwar die  gleichen Prinzipien zugrunde, sage aber nicht,
       daß es Farbe ... und die andern Qualitäten der Meinung nach gebe.
       Wenn es  nun mit  dem Nicht-sagen  so ist, gesteht er dann nicht,
       daß er etwas tut, was er schon gewöhnt ist? Denn er hebt die Vor-
       sehung auf und sagt dabei, er lasse die Frömmigkeit bestehen; und
       er hält  des Vergnügens wegen die Freundschaft für erstrebenswert
       und sagt,  'er wolle  wegen der Freunde die größten Schmerzen auf
       sich nehmen';  und er  nimmt zwar  das All als unendlich an, hebt
       aber oben und unten nicht auf." ................. [S. 1110-1111.]
       
       #128# Epikureische Philosophie
       -----
       ??  ???   ????  ???   ???????  ?????????   ???'  ???????????  ???
       ??????????, ??????  ?? ?? ?????? ... ??? ????? ?????? ?? ????????
       ????? ???  ?????? ???????; ... ??? ???????? ??? ????? ?? ????????
       ??  ?????  ????  ???  ???????  ???????,  ?????  ????????  ???????
       ???????? ???  ?? ??????  ?????????, ???  ???? ?????????? ??? ????
       ??? ?????????  ?????? ????,  ??? ?????  ??????? etc.  .... ??????
       ????????? ?????????  ??'  ???????,  ???  ????????????  ??'  ????,
       ?????? ??' ?????? ??????? ???????????? ???????. ? ?? ??????, ????
       ?? ???'  ?????? ?????? ???? ??? ????? ????? ??????? ????????, ???
       ???? ?????  ???????????, ???????  ??? ??????????? ??? ??????????,
       ???? ??  ????? ????? ???? ??????? ?????, ???? ???????? ??? ??????
       ?? ??????  ??????, ????  ????? ??? ?????????? ??? ??? ???????????
       ????????? ?????????. S. 1111 [D-F. c. 9].
       
       b) Epikur und Empedokles
       
       ? ?? ??????? ... ????? ?????????? ??? '???????????? ??? ????????,
       
       '???? ?? ??? ???? ????? ??????? ????? ???????
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       '????, ?????  ?' ???  ???? ??????????  ?????????? S.  1111 [F. c.
       10].
       
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       ??? ??? ???????????
       
       #129# Drittes Heft
       -----
       "Was denn?  Erging es  so nicht auch Plato, Aristoteles und Xeno-
       krates, daß  sie Gold  aus keinem  Gold ...  und alles andere aus
       vier einfachen  und ursprünglichen  Körpern entstehen lassen? ...
       Aber bei  ihnen vereinigen  sich die Prinzipien gleich von Anfang
       an zur  Entstehung eines  jeden Dings  und bringen  die in  ihnen
       steckenden Eigenschaften  als gewichtige  Gaben mit, und Wenn sie
       sich vereinigt haben und mit Trockenem Nasses und Kaltes mit War-
       mem etc. ...zusammengekommen ist, Körper, die gegenseitig aufein-
       ander einwirken  und sich  völlig verändern,  so erzeugen sie bei
       einer anderen  Mischung auch  ein anderes  Produkt. Das Atom aber
       ist sowohl  selbst an  sich alleinstehend als auch ohne alle Zeu-
       gungskraft, und  wenn es auf ein anderes trifft, erfährt es durch
       seine Härte  und seinen  Rückstoß eine Erschütterung, aber es er-
       fährt weder,  noch übt es eine andere Einwirkung aus, sondern sie
       [d.h. die  Atome] Werden  gestoßen und  stoßen selbst  alle Zeit,
       ohne daß  sie ein Lebewesen oder eine Seele oder sonst ein natür-
       liches Wesen  oder auch  nur aus  sich eine gemeinsame Masse oder
       einen einzigen  Haufen bei  ihrem ständigen  Zusammenprallen  und
       wieder Auseinandergehen hervorzubringen vermögen." S. 1111.
       
       b) Epikur und Empedokles
       
       "Kolotes aber greift ... wieder den Empedokles an, der schreibt:
       
       'Noch eins sage ich dir: kein Werden der sterblichen Wesen
       Gibt es, es gibt auch keine Zerstörung der Dinge im Tode;
       Sondern Mischung allein und Trennung des Vorhergemischten
       Ist, was unter dem Namen Natur die Menschen begreifen.'" S. 1111.
       
       "Ich jedenfalls  sehe nicht  ein, inwiefern dies dem Leben wider-
       spricht, wenn man annimmt, daß Weder ein Werden des Nichtseienden
       möglich ist,  noch eine  Vernichtung des  Seienden,  sondern  die
       Verbindung von seienden Dingen miteinander Werden, deren Trennung
       voneinander aber  Tod genannt  werde. Denn daß er das Wort Physis
       für Werden  verwendet, hat  Empedokles dadurch  deutlich gemacht,
       daß er  ihm das  Wort Tod gegenüberstellt. Wenn aber die, die das
       Werden als eine Mischung, die Vernichtung aber als eine Auflösung
       betrachten, nicht  leben und  nicht leben  können, was  tun  denn
       diese [d.h. die Epikureer] andres? Empedokles nun aber, der durch
       Wärme, Weichheit  etc. die Elemente aneinanderleimt und zusammen-
       fügt, gesteht ihnen immerhin noch eine Mischung und enge Vereini-
       gung zu;  diese [d.h.  die Epikureer] aber, die die unveränderli-
       chen und  kommunikationslosen Atome  an eine Stelle zusammentrei-
       ben, machen  aus ihnen  nichts, verursachen  dafür aber viele und
       unausgesetzte Stöße der Atome. Denn eine Verkettung, die die Auf-
       lösung verhindern  soll, verstärkt  eher den Zusammenstoß, so daß
       weder Mischung sei, noch feste Verbindung, sondern Verwirrung und
       Kampf, was  sie selbst Werden nennen. ... so daß von ihnen nichts
       zustande gebracht  werden könne, auch nicht ein unbelebtes Wesen.
       Wie aber  sinnliche Wahrnehmung,  Seele, Vernunft und Einsicht im
       Leeren und  in den Atomen entstehen sollen, läßt sich beim besten
       Willen nicht begreifen; ihnen ist weder an sich eine Qualität ei-
       gen, noch erfahren sie eine Einwirkung oder Veränderung, wenn sie
       zusammentreffen; vielmehr  bewirkt ein  Zusammentreffen oder eine
       Verschmelzung weder Mischung noch Vereinigung,
       
       #130# Epikureische Philosophie
       -----
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       ???? ??  ??? ?????, ??? ?? ????? ??? ????????????? ??? ?????????,
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       ???? ?????,  ??? ??  ??????? ??????? ???????????, ????? ?? ??????
       ?? ????,  ??? ?????????  ????????? ?????????  ?? ???????????.  S.
       [1111 F-]1112 [D. c. 10-11].
       ?? ????????,  (????? Colotes  scilicet adversus  Empedoclem) ????
       ??????, ?????????????  ???? ?????  ?????,  ???  ??????????  ?????
       ?????????, ??? ????????????? ???? ????????; ???? ??? ????? ?????,
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       ??? ???????? ??????? ????? ????? ?????????, ???? ??? ???????? ???
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       ?????? ?????  ????????,  ??  ????  ??  ???  ?????  ????  ??  ????
       ?????????? ??????  ?? ???? ????????, ????? ?? ?????; ????? ??????
       ??? ?????  ?????, ????  ?? ?????,  ??? ?? ??? ?? ??? ?????? ?????
       ????????? ?????. S. 1112 [D-F. c. 11].
       ?? ???  ?????? ?  '?????????? ????????, ??????? ??? ????? ???? ??
       ???????? ?????  ?????, ????  ??????? ???? ?? ???????. S. 1112 [F.
       c. 11].
       Empedokles wird angeführt:
       
       ?? ?' ??? ????? ???? ????? ??? ?????? 2*)
       '? ???? ????? ????????? ????? ? ???? ??????
       '?? ???' ??????, ???? ??? ??? .... 1*) ????????.
       ?? ?? ?' ??????????, ?? ?' ?? ?????????? ??????
       ????? ?????????.
       
       ???? ?'  ???????, ??? ????? ? ??????? ??????????? ?? ???????? ???
       ????? ???  ??? ?????,  ???. ? '?????????? ??? ????????. ? ?? ????
       ?????????? ??? ????????? ????????????, ???? ?? ?? ????????? ?????
       ??? ?????????  ?????  ????  ???  ??????  ??????????  ???  ???????
       ??????? ???????????????,  ? ??????????  ???????, ???  ???????? ??
       ??????? ???? ?????????? ?????? ???? ?????. [S. 1113 A-B. c. 11.]
       -----
       1*) Textlücke - 2*) Lücke in der Xylander-Ausgabe
       
       #131# Drittes Heft
       -----
       sondern nur Stöße und Gegenstöße. Daher wird durch derartige Leh-
       ren das  Leben und  die Existenz von Lebewesen unmöglich gemacht,
       da sie Prinzipien zugrunde legen, die leer, ohne Empfindung, ohne
       Gott sind  und sich  außerdem nicht vermischen und verbinden. In-
       wiefern nun  lassen sie  Natur, Seele  und Lebewesen bestehen? So
       wie Eid, wie Gebet, wie Opfer, wie Gottesverehrung mit Worten und
       mit dem  Mund, dem  Schein, dem Vorgeben und dem Namen nach, wäh-
       rend sie dies alles mit ihren Prinzipien und mit ihren Lehren ab-
       schaffen. So  also nennen sie das natürlich Gewachsene selbst Na-
       tur und  das Gewordene  Werden, so wie man gemeinhin das Hölzerne
       Holz und das Harmonierende Harmonie nennt." S. [1111-]1112.
       "Was plagen  wir uns  (sagte Colotes scilicet adversus Empedoclem
       1*)), indem wir uns für uns selbst abmühen, gewisse Dinge erstre-
       ben und  andere Dinge vermeiden? Denn wir sind weder selbst, noch
       leben wir im Umgang mit andern. Sei unbesorgt (könnte man sagen),
       mein lieber  kleiner Kolotes,  niemand  hindert  dich,  für  dich
       selbst zu sorgen, wenn er lehrt, daß die Natur des Kolotes nichts
       andres sei  als Kolotes  selbst, oder  den Geschäften nachzugehen
       (die Geschäfte  aber sind für euch die Vergnügungen), wenn er be-
       weist, daß  es keine  Natur des  Kuchens, der  Gerüche, des  Bei-
       schlafs gibt,  dafür aber  Kuchen, Salböl  und Frauen. Denn weder
       der Grammatiker,  der sagt,  die herakleische  Kraft sei Herakles
       selbst[, leugnet  die Existenz des Herakles], noch sagen diejeni-
       gen, die  behaupten, die  Harmonien und  die Verriegelungen seien
       nur Worte, daß es weder Töne noch Riegel gebe [...].
       Wenn aber  Epikur sagt:  'Die Natur des Seienden besteht aus Kör-
       pern und  Raum", haben  wir das so zu verstehen, als wolle er sa-
       gen, die Natur sei etwas andres außer dem Seienden, oder er wolle
       zeigen, sie  sei das  Seiende und  nichts andres? Wie er übrigens
       auch als  Natur des  Leeren das  Leere selbst und, beim Zeus, das
       All als Natur des Alls zu bezeichnen pflegt." S. 1112.
       "Was hat  also Empedokles  andres getan, wenn er gelehrt hat, daß
       die Natur  von dem,  was entsteht, nicht verschieden sei und auch
       nicht der Tod von dem, was stirbt." S. 1112.
       
       Empedokles wird angeführt:
       
       "'Wenn durch Mischung ein Mensch an das Licht des Tages
       [hervortritt],
       Oder auch eines der Tiere des Feldes, der grünen Gesträuche,
       Oder des Vogelgeschlechts, so [nennt man] dieses Entstehung;
       Werden sie wieder geschieden, von düst'rem Tod oder Verderben
       Redet gewöhnlich man dann.'
       
       Dennoch muß  ich dazu sagen, auch Kolotes selbst, der diese Verse
       anführt, hat  nicht gesehen,  daß Empedokles  Menschen und  Tiere
       etc. nicht aufgehoben hat, wenn er sagt, sie entstünden aus einer
       Mischung der  Elemente, und,  wenn er  zeigte, inwiefern die sich
       irren, die eine solche Vereinigung und Trennung etwa Natur, unse-
       liges Geschick  und grausigen Tod nennen, auch nicht den Gebrauch
       der hierfür üblichen Ausdrücke abschaffen wollte." [S. 1113.]
       -----
       1*) Kolotes nämlich zu Empedokles
       
       #132# Epikureische Philosophie
       -----
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       ?? ?? ??????? ????? ??? ??? ??????????,
       '???? ???????????? ?? ??? ?????????? ?????.
       
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       ???????, ???? ??? ?? ?? ?????, ???? ??????, ???? ??????, ???? ???
       ?????, ???????? ??? ??? ?? ?? ??
       
       ??????????. [S. 1113 C. c. 12.]
       
       [...] ??? ?? ????? ??????? ????? ????? ???????????,
       '?? ???? ??? ?????, ?? ?? ?????? ????????
       ????? ??? ??? ???? ??? ??? ???? ???? ??? ?????,
       ???? ?? ??????? ??? ???????? ????? ??' ????.
       
       ????? ???  ??? ??????????  ?? ?????  ???? ?????????  ???  ??????,
       ?????, ?????  ?? ??????  ???????? ???  ???? ?????? ?????????, ???
       ???? ??????????. [S. 1113 D. c. 12.]
       [...] ?????  ?? (Colotes  nimirum) ???' ????? ???????? ????, ????
       ????????????. ???  ??? ?  ??? ???  ???? ???  ???? ??? ???? ??????
       ????? ???????? ????? ??? ????? ???? ???? ??????, ??? ????????? ??
       ???????; ????  ???  ??????  ??????  ??  ??  ??????????????,  ????
       ??????, ?  ??????; ???? ???? ?? ?????? ??? ????? ????????????, ??
       ???????? ????????  ?????????. ???  ?? ????? ??????, ???' ??? ????
       ?????? ??  ??????? ????  ????, ???  ??? ??????  ??  ?????????  ??
       ????????, ???  ?? ?????  ?? ????????? ??' ?????. S. 1113 [D-E. c.
       12].
       
       c) Epikur und Parmenides
       
       [...] ?? ??  ??? ??  ?????, ???  ???? ???? ??? ???? ????????. ???
       ??? '?????????  ???? ????  ?? ???  ??????? ???? ??? ????????? ???
       ????????, ??? ???? ?????????, ???? ??????????, ?? ???? ???? ?????
       ?????????? ???  ??????. ?? ???? ?? ??? ??????????? ?????? ??? ???
       ????? ?????  ?????? ?????  ??? ?????,  ?? ?????  ?????,  ???  ???
       ?????????  ???  ?????????,  ??  ??????  ?????  ???  ?????  ?????,
       ?????????? ??  ??' ????  ?????? ??? ????? ??? ?????????. ???? ???
       ???? ??  ?? ???  ?????. ...  ??? ??? ???? ?????????? ???? ???????
       ?????, ???????? ??? ????? ?? ?? ???, ????????, ??????, ???????? ?
       ??, ???????,  ??????, ??????????, ????? ????????? ??? ??????????,
       ?? ??  ?????????? ????  ????????? ???  ??????. ???' ??? ?????????
       ???? ???  ????????, ??? ???? ... ???? ?????? (?? ???? ???????) ??
       ?????? ???  '???? ?????????????.  ...  ????  ??  ???  ??????  ???
       ????????? ??? ???????? ???????? ?? ???? ?? ???????? ? ?????, ????
       ?? ??? ?????? [...]. [S. 1113 F-1114 A. B. C. c. 13.]
       
       #133# Drittes Heft
       -----
       "'Toren! sie quälen sich nicht mit Sorgen und Zweifelgedanken,
       Bilden sich ein, daß das was niemals gewesen entstehe,
       Oder daß etwas ersterbe und völlig in Nichts sich verliere.'
       
       Denn dies sind die Worte eines Menschen, der denen, die Ohren ha-
       ben zu  hören, laut und vernehmlich zuruft, daß er nicht die Ent-
       stehung aufhebt, sondern die Entstehung aus dem Nichts, und nicht
       das Vergehen,  sondern das  totale Vergehen, das heißt die Auflö-
       sung in das Nichts. [S. 1113.]
       
       "[...] 'Niemals wird wohl ein Weiser auf solche Gedanken geraten,
       Daß nur solange sie leben, nach dem was Leben genannt wird,
       Wirklich die Menschen sind und Schlimmes und Gutes erfahren,
       Eh sie geworden dagegen und wenn sie gegangen, ein Nichts sind.'
       
       Denn das sagt nicht einer, der leugnet, daß die Geborenen und Le-
       benden existieren,  sondern eher  einer, der glaubt, daß auch die
       noch nicht Geborenen und die bereits Gestorbenen existieren." [S.
       1113.]
       "[...] er sagt aber(Colotes nimirum 1*)), daß wir ihm [d.h. Empe-
       dokles] zufolge  weder krank werden noch verwundet werden können.
       Und wie  kann er,  der sagt, daß jedem vor dem Leben und nach dem
       Leben Schlechtes  und Gutes  begegne, bei den Lebenden das Leiden
       nicht gelten  lassen? Auf  wen trifft es denn wirklich zu, daß er
       weder verwundet  werden, noch  krank werden  kann,  Kolotes?  Auf
       euch, die  ihr aus  Atomen und  Leerem zusammengesetzt  seid, die
       beide der  Empfindung nicht  teilhaftig sind.  Und nicht  das ist
       schlimm, sondern  daß es  nichts gibt,  was euch Lust verschaffen
       könnte, da  das Atom das, was sie verschafft, nicht aufnimmt, das
       Leere aber sich davon nicht affineren läßt." S. 1113.
       
       c) Epikur und Parmenides
       
       [...] "wie  er aber durch die Aussage, das All sei ein Eines, uns
       zu leben  unmöglich gemacht  haben soll, sehe ich nicht ein. Denn
       auch Epikur  spricht, wenn  er sagt, das All sei unendlich, unge-
       worden und  unzerstörbar und werde weder größer noch kleiner, vom
       All als  von einem  Einen. Da er aber am Anfang seiner Arbeit ge-
       sagt hat, die Natur des Seienden bestehe aus Körpern und dem Lee-
       ren, so hat er sie als ein Eines in zwei Teile geteilt, von denen
       der eine  in Wirklichkeit nichts ist und von euch nicht anfaßbar,
       leer und  unkörperlich genannt  wird; also  ist auch für euch das
       All ein Eines ... Sieh doch, welche Prinzipien ihr für das Werden
       voraussetzt, Unendlichkeit  und Leere;  davon ist  diese inaktiv,
       empfindungslos und  körperlos; jene  aber ohne Ordnung, ohne Ver-
       nunft, nicht  faßbar, sich  selbst auflösend und verwirrend, weil
       sie wegen  ihrer Menge weder bewältigt noch begrenzt werden kann.
       Parmenides jedenfalls  hat weder Feuer noch Wasser aufgehoben ...
       noch bewohnte  Städte in Europa und Asien (wie Kolotes sagt). ...
       Hat er  doch früher als alle andern und sogar als Sokrates einge-
       sehen, daß  die Natur  etwas Vorstellbares,  aber auch  etwas Ge-
       dachtes hat; [...]." [S. 1113 bis 1114.]
       -----
       1*) nämlich Kolotes
       
       #134# Epikureische Philosophie
       -----
       [...] '??? ??? (?? ??????)
             ????????? ?? ??? ???????, ??' ????????,
       ?? ????? ??????, ??? ?????? ????? ??? ??????? ?? ?? ????? ... [S.
       1114 C-D. c. 13.]
       [...] ???????  ... ????? ???? ????? ???????? ?? ?? ?? ???????????
       ??? ??????????. [S. 1114 D. c. 13.]
       [... ??  ??????, ...]  ?? ???,  ?? ??????  ???  ????????,  ??  ??
       ??????????  ????   ????,  ???   ??   ??   ??   ??????   ????????,
       ?????????????, ...  ??? ?? ??? ??????? ??? ?????????, ?? ????????
       [...]. [S. 1114 D. c. 13.]
             '? ??? ??????? ?????????...
       ??? ?????? ??? ???? ????? ??????? ??????? ?????????,
             '??? ?????? ?????, ??? ??? ??? ?????? ??????,
       ??? ??  ?????????? ????????? ??? ???? ??? ???????????? ??????????
       ??????? ????????. S. 1114 [D-E. c. 13].
       ?? ???  ? ????  ??? ?????,  ?? ??  ???, ?????,  ??? ????????? ???
       ?????? ???  ????????, ????  ??????? ??????  ???  ????  ??  ??????
       ???????? [...]. S. 1114 [E-F. c. 13].
       
       d) Epikur und Plato
       
       Als ein Beweis des unphilosophischen Sinns des Plutarch kann z.B.
       folgende Stelle über den Aristoteles dienen:
       
       ??? ??  ??? ?????  ???? ??  ??????? ?? ??????? (sc. Colotes 1*)),
       ???????? ????? ? '???????????, ??? ????? ?????? ?????? ??????, ??
       ???? ???????  ???????????, ??  ???? ????????,  ??? ??? ??????????
       ????????, ????????????????  ?????? ??????  ? ????????????? ?? ???
       ???????? ??????, ?? ?????????? ??? ???????? ????????? ??????????.
       S. 1115 [B-C. c. 14].
       [...] ?  ?' ???  ?? ??????  ???' ??????  ??????, ?? ?? ??? ??????
       ????? ??  ?? ?????  ??? ????????, ??? ?? ????? ?? ?? ??? ????????
       ?? ???????  ?? ?????????  ?????? ?????????  ?? ?? ????? ??? ?? ??
       ?????  ??  ???  ???  ?????????  ??????  ?????,  ??  ??  ?????????
       ????????? ???  ???????? ??? ??? ??????????, ?? ?? ??? ??????? ???
       ?????? ???  ??????? ...  ???????? ??????  ?????,  ???????  ??  ??
       ????????, ??? ??????????? ??????? ??????????.
       
       (Wieder eine  Stelle, aus  der man die immanente, selbstgefällige
       Dummheit beati Plutarchi erkennen kann.)
       
       ???? ??  ??? ???????? ???? ?? ??????? ????? ?? ????? ?? ???? ????
       ????, ??? ?????????? ???? ??????, ??? ??????? ???? ?????. S. 1115
       [D-E. c. 15].
       -----
       1*) In der Handschrift: Aristoteles
       
       #135# Drittes Heft
       -----
       "[...] denn es (das Gedachte) ist
              'Einzig für sich, erschütterlich nicht und ungeworden",
       wie er  selbst gesagt hat, sich selbst immer gleich und beständig
       im Sein..." [S. 1114.]
       "[...] Kolotes  ... sagt  einfach, durch  die Behauptung, das All
       sei ein Eines, hebe Parmenides alle Dinge auf." [S. 1114.]
       "[... das  Gedachte,] das  er seiend nennt, da es ewig und unzer-
       störbar sei,  Eins wegen  der Gleichheit mit sich selbst und weil
       es keinen  Unterschied zuläßt ... dagegen zählt er zur ungeordne-
       ten und  in Bewegung befindlichen Natur das Sinnliche [...]." [S.
       1114.]
              "'Selbstüberzeugende Wahrheit hier ...',
       die sich  mit dem  Gedachten und  sich immer Gleichbleibenden be-
       schäftigt,
              'Menschliche Meinungen dort, nicht wirklich Gewisses
              in ihnen',
       weil sie  es mit Dingen zu tun haben, die alle möglichen Verände-
       rungen, Affekte und Ungleichheiten zulassen." S. 1114.
       "Also war  der Satz, das Seiende sei ein Eines, nicht eine Aufhe-
       bung des Vielen und Sinnlichen, sondern eine Deutlichmachung sei-
       nes Unterschieds zum Gedachten." S-1114.
       
       d) Epikur und Plato
       
       Als ein Beweis des unphilosophischen Sinns des Plutarch kann z.B.
       folgende Stelle über den Aristoteles dienen:
       
       "Da die  Ideen nun,  die er (d.h. Kolotes 1*)) dem Plato zum Vor-
       wurf macht,  Aristoteles überall angreift und gegen sie alle mög-
       lichen Bedenken  vorbringt, in  den ethischen  Schriften, in  den
       Schriften über  die Physik,  in den populären Dialogen, waren ei-
       nige der  Meinung, er tue dies mehr aus Streitsucht als aus Liebe
       zur Weisheit auf Grund dieser Lehrsätze, in der Absicht, die Phi-
       losophie Platos herabzusetzen." S. 1115.
       "[...] er  [d.h. Kolotes]  aber, der auch nicht ein bißchen Weis-
       heit abbekommen  hat, betrachtet die Sätze, der Mensch ist nicht,
       und der  Mensch ist nicht existierend als ein und dasselbe; Plato
       aber schien  es außerordentlich wichtig, das Nichtsein vom Nicht-
       Existierend-Sein zu  unterscheiden; denn durch das eine offenbare
       sich die Aufhebung allen Seins, durch das andere die Verschieden-
       heit des  Teilhabenden und des Teilnehmenden, welche die Späteren
       allein zum Unterschied zwischen Gattung und Art ... machten, wei-
       ter aber gingen sie nicht, da sie auf größere logische Schwierig-
       keiten stießen."
       
       (Wieder eine  Stelle, aus  der man die immanente, selbstgefällige
       Dummheit beati Plutarchi 2*) erkennen kann.)
       
       "Es steht  aber das, woran etwas Teil hat, zu dem, was daran Teil
       nimmt, im  gleichen Verhältnis  wie die  Ursache zur Materie, das
       Urbild zum Abbild und die Kraft zur Wirkung." S. 1115.
       -----
       1*) In  der   Handschrift:  Aristoteles  -  2*) des  glückseligen
       Plutarch
       
       #136# Epikureische Philosophie
       -----
       Wenn Plutarch über die Ideenlehrer, Plato, sagt:
       
       [...] ?? ??????  ?? ????????, ???? ?? ?????? ????? ?????, S. 1116
       [A. c. 15],
       
       so sieht der dumme Eklektiker nicht, daß eben dies dem Plato vor-
       zuwerfen ist.  Er hebt das Sinnliche nicht auf, aber er behauptet
       vom Gedachten  das Sein. Das sinnliche Sein kömmt so nicht zu Ge-
       danken, und das Gedachte fällt auch in ein Sein, so daß zwei sei-
       ende Reiche  nebeneinander bestehn.  Man kann  hier sehn, welchen
       Anklang der  platonische Pedantismus besonders leicht beim gemei-
       nen Mann findet, und Plutarch können wir hinsichtlich seiner phi-
       losophischen Einsichten  zu dem  gemeinen Mann  rechnen. Versteht
       sich, was  bei Plato  originell, notwendig,  auf  einer  gewissen
       Stufe der allgemeinen philosophischen Bildung prächtig erscheint,
       das ist  bei einem Individuum, das an der Schwelle der alten Welt
       sitzt, die schale Erinnrung an den Rausch eines Toten, eine Lampe
       aus der  diluvianischen Zeit,  die Widerlichkeit eines alten Man-
       nes, der in das Kindesalter zurückgefallen ist.
       Besser kann  man den  Plato nicht  kritisieren, als  Plutarch ihn
       lobt:
       
       ???? ???????  ?? ???????? ??? ????????? ???? ???? ??? ?????, ????
       ??? ????????? ?????? ????? ??? ??????????
       
       (lauter begriffslose,  aus der Sinnlichkeit abstrahierte Vorstel-
       lungen)
       
       ???? ??????,  ????, ??  ?????  ????????,  ????  ??????????,  ????
       ???????
       
       (man bemerke ???? - ???? - ???? 3 negative Bestimmungen),
       
       ????? ??????????? ???? ?????????, ???? ??????????, ???? ???????
       
       (richtig, der Unterschied ist ein nomineller),
       
       ?? ???, ????, ?? ??, ???????? ?????????????. S. 1116 [A-B.c. 15].
       ????? ??  ???? ????????  ?????????. ????? ??? ??? ?????? ????????
       ??? ???  ????? ???????????  ???????????, ??  ?????, ??? ??????, ,
       ??? ?????,  ????? ??  ??? ??????  ?????, ??  ? ???  ??????  ?????
       ??????. ?????  ??? ????  ???, ??  ?????, ????  ??  ?????  ???????
       ???????? ??  ?????? ??  ???????? ???  ?????????? ?? ?? ??? ??? ??
       ?????????? ???????????. S. 1116 [B-C. c. 16].
       
       Nun wendet  sich Plutarch  an den Kolotes und fragt, ob sie nicht
       selbst den Unterschied zwischen festem und vergänglichem Sein ma-
       chen etc.
       
       #137# Drittes Heft
       -----
       Wenn Plutarch über die Ideenlehrer, Plato, sagt:
       
       "[...] er hebt das Sinnliche nicht auf, aber er behauptet vom Ge-
       dachten das Sein", S. 1116,
       
       so sieht der dumme Eklektiker nicht, daß eben dies dem Plato vor-
       zuwerfen ist.  Er hebt das Sinnliche nicht auf, aber er behauptet
       vom Gedachten  das Sein. Das sinnliche Sein kömmt so nicht zu Ge-
       danken, und das Gedachte fällt auch in ein Sein, so daß zwei sei-
       ende Reiche  nebeneinander bestehn.  Man kann  hier sehn, welchen
       Anklang der  platonische Pedantismus besonders leicht beim gemei-
       nen Mann findet, und Plutarch können wir hinsichtlich seiner phi-
       losophischen Einsichten  zu dem  gemeinen Mann  rechnen. Versteht
       sich, was  bei Plato  originell, notwendig,  auf  einer  gewissen
       Stufe der allgemeinen philosophischen Bildung prächtig erscheint,
       das ist  bei einem Individuum, das an der Schwelle der alten Welt
       sitzt, die schale Erinnrung an den Rausch eines Toten, eine Lampe
       aus der  diluvianischen Zeit,  die Widerlichkeit eines alten Man-
       nes, der in das Kindesalter zurückgefallen ist.
       Besser kann  man den  Plato nicht  kritisieren, als  Plutarch ihn
       lobt:
       
       "Er hebt  auch nicht  die Einwirkungen  auf, die auf uns erfolgen
       und an  uns sichtbar werden, sondern zeigt denen, die ihm folgen,
       daß es noch etwas anderes gibt, was fester und beständiger"
       
       (lauter begriffslose,  aus der Sinnlichkeit abstrahierte Vorstel-
       lungen)
       
       "im Wesen ist, weil es weder entsteht, noch vergeht, noch irgend-
       welchen Einwirkungen unterliegt"
       
       (man bemerke ???? - ???? - ???? 1*) 3 negative Bestimmungen),
       
       "und lehrt, indem er den Unterschied klarer in Worte faßt"
       
       (richtig, der Unterschied ist ein nomineller),
       
       "das eine seiend, das andere werdend zu nennen." S. 1116.
       "Dies ist  aber auch bei den neuern [Philosophen] geschehen. Denn
       vielen und wichtigen Dingen sprechen sie die Bezeichnung des Sei-
       enden ab,  dem Leeren,  der Zeit, dem Raum, überhaupt der Gattung
       der benennbaren  Dinge, worunter  auch alle wirklichen sind. Denn
       diese, sagen  sie, seien  zwar nicht  das Seiende, aber sie seien
       etwas; und  sie bedienen  sich ihrer  ständig im Leben und in der
       Philosophie als bestehende und vorhandene Größen." S. 1116.
       Nun wendet  sich Plutarch  an den Kolotes und fragt, ob sie nicht
       selbst den Unterschied zwischen festem und vergänglichem Sein ma-
       chen etc.
       
       #138# Epikureische Philosophie
       -----
       Jetzt wird Plutarch schalkhaft und spricht wie folgt:
       
       [...] ????????? ?? ??? ???????? ? '?????????, ? ????? ?????? ????
       ???????????? ....  ??? ????  1*)  ?????????  ??????  ????????  ??
       ?????? ....  ??? ????????  ??? ?????  ????????? ????????  ??????,
       ??????? ??  ?? ??  ??????? ???  ??????????? ?? ?????, ???? ??????
       ????? ???????  ????????.  ??  ??  ???????  ???  ???????  ????????
       ??????? ?  ??????, ????????  ???????  ???????  ?????????  ???????
       ??????? ????  ??????????? ?????????? ???????.... S. 1116 [D-E. c.
       16].
       
       Es ist  amüsant, dieser gespreizten, sich klug dünkenden Ehrlich-
       keit zuzuhören.  Er selbst, nämlich Plutarch, bringt die platoni-
       sche Differenz des Seins auf zwei Namen herab, und dennoch sollen
       von der andern Seite die Epikureer unrecht haben, wenn sie beiden
       Seiten ein festes Sein zuschreiben (sie unterscheiden indes recht
       gut das  ??????? und ????????? von dem, was durch Zusammensetzung
       ist); tut  dies nicht  auch Plato,  wenn das  ????? fest  auf der
       einen Seite, auf der andern das ???????? sitzt?
       
       #139# Drittes Heft
       -----
       Jetzt wird Plutarch schalkhaft und spricht wie folgt:
       
       "[...] weiser  aber als  Plato ist  Epikur, insofern  er allem in
       gleicher Weise ein Sein zuerkennt.... Er glaubt, das Vergängliche
       habe das gleiche Sein wie das Ewige 1*)....
       und Naturen, die niemals aus ihrem Sein herauskönnen, das gleiche
       wie die,  deren Sein  darin besteht,  Einwirkung und  Veränderung
       ausgesetzt zu sein und die niemals gleichbleiben. Wenn aber Plato
       sich hierin wirklich ganz besonders geirrt hat, dann müßte er we-
       gen Konfusion  von Begriffen  von diesen zur Rechenschaft gezogen
       werden, die ein besseres Griechisch sprechen...." S. 1116.
       
       Es ist  amüsant, dieser gespreizten, sich klug dünkenden Ehrlich-
       keit zuzuhören.  Er selbst, nämlich Plutarch, bringt die platoni-
       sche Differenz des Seins auf zwei Namen herab, und dennoch sollen
       von der andern Seite die Epikureer unrecht haben, wenn sie beiden
       Seiten ein festes Sein zuschreiben (sie unterscheiden indes recht
       gut das  ???????? 2*)  und  ?????????  3*)  von  dem,  was  durch
       Zusammensetzung ist);  tut dies  nicht auch Plato, wenn das ?????
       4*) fest  auf der  einen Seite,  auf der  andern das ???????? 5*)
       sitzt?
       -----
       1*) Originaltext korrupt; unsere Übersetzung folgt der der Xylan-
       der-Ausgabe beigegebenen  lateinischen  Übersetzung  -  2*) (aph-
       tharton) Unzerstörbare,  Unvergängliche -  3*) (agenneton)  Uner-
       schaffene, Anfanglose - 4*) (einai) Sein - 5 (genesthai) Werden

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