Quelle: MEW 42 Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858

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       #15#
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       Einleitung
       [zu den "Grundrissen der Kritik
       der politischen Ökonomie"] [7]
       
       #16#
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       Inhalt
       
       A. Einleitung
       1. Die Produktion im allgemeinen
       2. Allgemeines Verhältnis von Produktion, Distribution, Austausch
       und Konsumtion
       3. Die Methode der politischen Ökonomie
       4. Produktionsmittel (-kräfte)  und Produktionsverhältnisse, Pro-
       duktionsverhältnisse und Verkehrsverhältnisse etc.
       
       #17#
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       Zweite Umschlagseite des Heftes M
       
       #18#
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       #19#
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       ¦¦M-1¦ A. Einleitung
       
       I. Produktion, Konsumtion, Distribution, Austausch (Zirkulation)
       
       1. Produktion
       
       a) Der vorliegende  Gegenstand zunächst  die  m a t e r i e l l e
       P r o d u k t i o n.
       In Gesellschaft produzierende Individuen - daher gesellschaftlich
       bestimmte Produktion  der Individuen  ist natürlich der Ausgangs-
       punkt. Der  einzelne und  vereinzelte Jäger  und  Fischer,  womit
       Smith und  Ricardo beginnen, gehört zu den phantasielosen Einbil-
       dungen des  18. Jahrhunderts.  Robinsonaden, die  keineswegs, wie
       Kulturhistoriker sich  einbilden,  bloß  einen  Rückschlag  gegen
       Überverfeinerung und  Rückkehr zu einem mißverstandnen Naturleben
       ausdrücken. Sowenig  wie Rousseaus  "Contrat social" [8], der die
       von Natur  independenten 1*) Subjekte durch Vertrag in Verhältnis
       und Verbindung  bringt, auf  solchem  Naturalismus  beruht.  Dies
       Schein und  nur der ästhetische Schein der kleinen und großen Ro-
       binsonaden. Es ist vielmehr die Vorwegnahme der "bürgerlichen Ge-
       sellschaft", die  seit dem  16. Jahrhundert sich vorbereitete und
       im 18.  Riesenschritte zu  ihrer Reife  machte. In dieser Gesell-
       schaft der freien Konkurrenz erscheint der einzelne losgelöst von
       den Naturbanden  usw., die  ihn in  frühren Geschichtsepochen zum
       Zubehör eines  bestimmten, begrenzten  menschlichen  Konglomerats
       machen. Den  Propheten des  18. Jahrhunderts, auf deren Schultern
       Smith und  Ricardo noch ganz stehn, schwebt dieses Individuum des
       18. Jahrhunderts  - das Produkt einerseits der Auflösung der feu-
       dalen Gesellschaftsformen,  andrerseits der seit dem 16. Jahrhun-
       dert neuentwickelten Produktivkräfte - als Ideal vor, dessen Exi-
       stenz eine  vergangne sei.  Nicht als  ein historisches Resultat,
       sondern als  Ausgangspunkt der  Geschichte. Weil als das naturge-
       mäße Individuum,  angemessen ihrer  Vorstellung von der menschli-
       chen Natur, nicht als ein geschichtlich entstehendes, sondern von
       der Natur  gesetztes. Diese Täuschung ist jeder neuen Epoche bis-
       her eigen  gewesen. Steuart, der in mancher Hinsicht im Gegensatz
       zum 18.  Jahrhundert und als Aristokrat mehr auf historischem Bo-
       den steht, hat diese Einfältigkeit vermieden.
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       1*) unabhängigen
       
       #20# Einleitung zu den "Grundrissen"
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       Je tiefer  wir in  der Geschichte  zurückgehen, je mehr erscheint
       das Individuum,  daher auch das produzierende Individuum, als un-
       selbständig, einem  größren Ganzen  angehörig: erst  noch in ganz
       natürlicher Weise  in der  Familie und  der zum Stamm erweiterten
       Familie; später  in dem  aus dem  Gegensatz und Verschmelzung der
       Stämme hervorgehenden  Gemeinwesen in seinen verschiednen Formen.
       Erst in  dem 18. Jahrhundert, in der "bürgerlichen Gesellschaft",
       treten die  verschiednen Formen  des gesellschaftlichen Zusammen-
       hangs dem einzelnen als bloßes Mittel für seine Privatzwecke ent-
       gegen, als  äußerliche Notwendigkeit. Aber die Epoche, die diesen
       Standpunkt erzeugt, den des vereinzelten einzelnen, ist grade die
       der bisher  entwickeltsten  gesellschaftlichen  (allgemeinen  von
       diesem Standpunkt  aus) Verhältnisse. Der Mensch ist im wörtlich-
       sten Sinn  ein ????  ????????? 2*)  [9], nicht nur ein geselliges
       Tier, sondern  ein Tier,  das nur  in der  Gesellschaft ¦¦2¦ sich
       vereinzeln kann. Die Produktion des vereinzelten einzelnen außer-
       halb der  Gesellschaft -  eine Rarität, die einem durch Zufall in
       die Wildnis  verschlagnen Zivilisierten  wohl vorkommen kann, der
       in sich dynamisch schon die Gesellschaftskräfte besitzt - ist ein
       ebensolches Unding  als Sprachentwicklung  ohne zusammen  lebende
       und zusammen  sprechende Individuen. Es ist sich dabei nicht län-
       ger aufzuhalten.  Der Punkt  wäre gar nicht zu berühren, wenn die
       Fadaise, die  bei den  Leuten des  18. Jahrhunderts Sinn und Ver-
       stand hatte,  von Bastiat,  Carey,  Proudhon  etc.  nicht  wieder
       ernsthaft mitten  in die  modernste Ökonomie hereingezogen würde.
       Für Proudhon  u. a. ist es natürlich angenehm, den Ursprung eines
       ökonomischen Verhältnisses,  dessen geschichtliche  Entstehung er
       nicht kennt,  dadurch geschichtsphilosophisch  zu entwickeln, daß
       er mythologisiert,  Adam oder Prometheus sei auf die Idee fix und
       fertig gefallen, dann sei sie eingeführt worden etc. [10]. Nichts
       ist langweilig  trockener als  der phantasierende  locus communis
       3*).
       Wenn also  von Produktion  die Rede  ist, ist  immer die Rede von
       Produktion auf  einer bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungs-
       stufe -  von der  Produktion  gesellschaftlicher  Individuen.  Es
       könnte daher  scheinen, daß,  um überhaupt  von der Produktion zu
       sprechen, wir  entweder den geschichtlichen Entwicklungsprozeß in
       seinen verschiednen  Phasen verfolgen  müssen oder von vornherein
       erklären, daß  wir es mit einer bestimmten historischen Epoche zu
       tun haben,  also z.  B. mit der modernen bürgerlichen Produktion,
       die in  der Tat unser eigentliches Thema ist. Allein alle Epochen
       der Produktion  haben gewisse Merkmale gemein, gemeinsame Bestim-
       mungen. Die  P r o d u k t i o n  i m  a l l g e m e i n e n  ist
       eine Abstraktion, aber eine verständige Abstraktion, sofern sie
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       2*) zoon politikon - gesellschaftliches Wesen - 3*) Gemeinplatz
       
       #21# 1. Produktion
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       wirklich das  Gemeinsame hervorhebt,  fixiert und  uns daher  die
       Wiederholung erspart.  Indes dies  A l l g e m e i n e,  oder das
       durch Vergleichung  herausgesonderte Gemeinsame,  ist selbst  ein
       vielfach Gegliedertes,  in verschiedne  Bestimmungen Auseinander-
       fahrendes. Einiges davon gehört allen Epochen; andres einigen ge-
       meinsam. [Einige]  Bestimmungen werden  der modernsten Epoche mit
       der ältesten  gemeinsam sein.  Es wird sich keine Produktion ohne
       sie denken  lassen; allein,  wenn die entwickeltsten Sprachen Ge-
       setze und  Bestimmungen mit den unentwickeltsten gemein haben, so
       ist grade das, was ihre Entwicklung ausmacht, der Unterschied von
       diesem Allgemeinen und Gemeinsamen. Die Bestimmungen, die für die
       Produktion überhaupt gelten, müssen grade gesondert werden, damit
       4*) über  der Einheit - die schon daraus hervorgeht, daß das Sub-
       jekt, die  Menschheit, und das Objekt, die Natur, dieselben - die
       wesentliche Verschiedenheit  nicht vergessen wird. In diesem Ver-
       gessen liegt  z.B. die  ganze Weisheit der modernen Ökonomen, die
       die Ewigkeit  und Harmonie  der bestehenden sozialen Verhältnisse
       beweisen. Z.  B. Keine Produktion möglich ohne ein Produktionsin-
       strument, wäre  dies Instrument  auch nur die Hand. Keine möglich
       ohne vergangne,  aufgehäufte Arbeit,  wäre diese  Arbeit auch nur
       die Fertigkeit, die in der Hand des Wilden durch wiederholte ¦¦3¦
       Übung angesammelt und konzentriert ist. Das Kapital ist unter an-
       drem auch  Produktionsinstrument, auch  vergangne,  objektivierte
       Arbeit. Also  ist das  Kapital ein  allgemeines, ewiges Naturver-
       hältnis; d.h.,  wenn ich  grade  das  Spezifische  weglasse,  was
       "Produktionsinstrument", "aufgehäufte  Arbeit" erst  zum  Kapital
       macht. Die ganze Geschichte der Produktionsverhältnisse erscheint
       daher z.  B. bei  Carey als  eine durch die Regierungen böswillig
       veranlaßte Verfälschung.
       Wenn es  keine Produktion  im allgemeinen  gibt, so  gibt es auch
       keine allgemeine  Produktion. Die  Produktion ist  immer ein  be-
       sondrer Produktionszweig - z.B. Agrikultur, Viehzucht, Manufaktur
       etc. - oder sie ist Totalität. Allein die politische Ökonomie ist
       nicht Technologie.  Das Verhältnis  der allgemeinen  Bestimmungen
       der Produktion auf einer gegebnen gesellschaftlichen Stufe zu den
       besondren Produktionsformen anderswo zu entwickeln (später).
       Endlich ist  die Produktion  auch nicht  nur besondre. Sondern es
       ist stets  ein gewisser  Gesellschaftskörper, ein gesellschaftli-
       ches Subjekt,  das in einer größren oder dürftigren Totalität von
       Produktionszweigen tätig  ist. Das  Verhältnis, das  die  wissen-
       schaftliche Darstellung  zur reellen  Bewegung hat,  gehört eben-
       falls noch  nicht hierher.  Produktion im  allgemeinen.  Besondre
       Produktionszweige. Totalität der Produktion.
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       4*) In der handschrift: um
       
       #22# Einleitung zu den "Grundrissen"
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       Es ist Mode, der Ökonomie einen allgemeinen Teil vorherzuschicken
       - und  es ist  grade der,  der unter dem Titel "Produktion" figu-
       riert (siehe  z.B. J.  St. Mill)  [11] -,  worin die   a l l g e-
       m e i n e n   B e d i n g u n g e n  aller Produktion abgehandelt
       werden. Dieser  allgemeine Teil  besteht oder  soll angeblich be-
       stehn: 1.  aus den Bedingungen, ohne welche Produktion nicht mög-
       lich ist.  D. h. also in der Tat nichts, als die wesentlichen Mo-
       mente aller Produktion angeben. Es reduziert sich dies in der Tat
       aber, wie wir sehn werden, auf einige sehr einfache Bestimmungen,
       die  in   flachen  Tautologien  breitgeschlagen  werden;  2.  den
       Bedingungen, die  mehr oder  weniger die  Produktion fördern, wie
       z.B. Adam  Smiths fortschreitender  und stagnanter Gesellschafts-
       zustand [12]. Um dies, was als Aperçu bei ihm seinen Wert hat, zu
       wissenschaftlicher Bedeutung  zu  erheben,  wären  Untersuchungen
       nötig über  die Perioden  der   G r a d e   d e r    P r o d u k-
       t i v i t ä t   in der Entwicklung einzelner Völker - eine Unter-
       suchung, die außerhalb der eigentlichen Grenzen des Themas liegt,
       soweit sie  aber in  dasselbe gehört,  bei  der  Entwicklung  der
       Konkurrenz, Akkumulation etc. anzubringen ist. In der allgemeinen
       Fassung läuft  die Antwort  auf das  Allgemeine hinaus,  daß  ein
       industrielles Volk  die Höhe  seiner  Produktion  in  dem  Moment
       besitzt, worin  es überhaupt  seine geschichtliche Höhe einnimmt.
       In fact.  Industrielle Höhe  eines Volks,  solange noch nicht der
       Gewinn, sondern  das Gewinnen  ihm  Hauptsache  ist.  Sofern  die
       Yankees über den Engländern. Oder aber: daß z.B. gewisse Racenan-
       lagen, Klimate, Naturverhältnisse, wie Seelage, Fruchtbarkeit des
       Bodens etc.,  der Produktion günstiger sind als andre. Läuft auch
       wieder auf  die Tautologie  hinaus, daß der Reichtum in dem Grade
       leichter geschaffen  wird, als  subjektiv und objektiv seine Ele-
       mente in höherm Grad vorhanden sind.
       ¦¦4¦ Das  ist es aber alles nicht, worum es den Ökonomen wirklich
       in diesem  allgemeinen Teil  sich handelt.  Die  Produktion  soll
       vielmehr - siehe z. B. Mill - im Unterschied von der Distribution
       etc. als  eingefaßt in von der Geschichte unabhängigen ewigen Na-
       turgesetzen dargestellt werden, bei welcher Gelegenheit dann ganz
       unter der  Hand bürgerliche Verhältnisse als unumstößliche Natur-
       gesetze der Gesellschaft in abstracto untergeschoben werden. Dies
       ist der mehr oder minder bewußte Zweck des ganzen Verfahrens. Bei
       der Distribution  dagegen sollen die Menschen in der Tat allerlei
       Willkür sich erlaubt haben. Ganz abgesehn von dem rohen Auseinan-
       derreißen von  Produktion und  Distribution und  ihrem wirklichen
       Verhältnis, muß  soviel von vornherein einleuchten, daß, wie ver-
       schiedenartig die Distribution auf verschiednen Gesellschaftsstu-
       fen sein  mag, es  ebenso möglich  sein muß, ebensogut wie in der
       Produktion gemeinsame Bestimmungen herauszuheben, und ebenso mög-
       lich, alle  historischen Unterschiede zu konfundieren oder auszu-
       löschen
       
       #23# 1. Produktion
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       in   a l l g e m e i n   m e n s c h l i c h e n   Gesetzen. Z.B.
       der Sklave,  der Leibeigne,  der Lohnarbeiter  erhalten alle  ein
       Quantum  Nahrung,  das  ihnen  möglich  macht,  als  Sklave,  als
       Leibeigner, als Lohnarbeiter zu existieren. Der Eroberer, der vom
       Tribut, oder der Beamte, der von der Steuer, oder der Grundeigen-
       tümer, der  von der  Rente, oder der Mönch, der vom Almosen, oder
       der Levit, der vom Zehnten lebt, erhalten alle ein Quotum der ge-
       sellschaftlichen Produktion,  das nach  andren Gesetzen  bestimmt
       ist als  das des  Sklaven etc.  Die beiden  Hauptpunkte, die alle
       Ökonomen unter diese Rubrik stellen, sind: 1. Eigentum; 2. Siche-
       rung desselben durch Justiz, Polizei etc. Es ist darauf sehr kurz
       zu antworten:
       ad 1. Alle Produktion  ist Aneignung der Natur von Seiten des In-
       dividuums innerhalb  und  vermittelst  einer  bestimmten  Gesell-
       schaftsform. In  diesem Sinn  ist es Tautologie zu sagen, daß Ei-
       gentum (Aneignen)  eine Bedingung  der Produktion sei. Lächerlich
       aber ist es, hiervon einen Sprung auf eine bestimmte Form des Ei-
       gentums, z.B. des Privateigentums, zu machen. (Was dazu noch eine
       gegensätzliche Form,  die   N i c h t e i g e n t u m  ebensowohl
       als Bedingung unterstelle.) Die Geschichte zeigt vielmehr Gemein-
       eigentum (z.B. bei den Indern, Slawen, alten Kelten etc.) als die
       ursprünglichere Form,  eine Form,  die unter  der Gestalt des Ge-
       meindeeigentums noch  lange eine bedeutende Rolle spielt. Von der
       Frage, ob  der Reichtum  sich besser unter dieser oder jener Form
       des Eigentums  entwickle, ist  hier noch  gar nicht die Rede. Daß
       aber von keiner Produktion, also auch von keiner Gesellschaft die
       Rede sein  kann, wo  keine Form des Eigentums existiert, ist eine
       Tautologie. Eine  Aneignung, die  sich nichts zu eigen macht, ist
       contradictio in subjecto 5*).
       ad 2. Sicherstellung des  Erworbnen etc. Wenn diese Trivialitäten
       auf ihren  wirklichen Gehalt  reduziert werden,  so sprechen  sie
       mehr aus,  als ihre  Prediger wissen.  Nämlich daß  jede Form der
       Produktion ihre  eignen Rechtsverhältnisse,  Regierungsform  etc.
       erzeugt. Die  Roheit und  Begriffslosigkeit liegt eben darin, das
       organisch ¦¦5¦ Zusammengehörende zufällig aufeinander zu beziehn,
       in einen  bloßen Reflexionszusammenhang zu bringen. Den bürgerli-
       chen Ökonomen  schwebt nur vor, daß sich mit der modernen Polizei
       besser produzieren  lasse als  z. B. im Faustrecht. Sie vergessen
       nur, daß  auch das Faustrecht ein Recht ist und daß das Recht des
       Stärkeren unter andrer Form auch in ihrem "Rechtsstaat" fortlebt.
       Wenn die einer bestimmten Stufe der Produktion entsprechenden ge-
       sellschaftlichen Zustände  erst entstehn oder wenn sie schon ver-
       gehn, treten  natürlich Störungen der Produktion ein, obgleich in
       verschiednem Grad und von verschiedner Wirkung.
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       5*) ein Widersinn
       
       #24# Einleitung zu den "Grundrissen"
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       Zu resümieren: Es gibt allen Produktionsstufen gemeinsame Bestim-
       mungen, die  vom Denken  als allgemeine  fixiert werden; aber die
       sog.  a l l g e m e i n e n  B e d i n g u n g e n  aller Produk-
       tion sind  nichts als  diese abstrakten  Momente, mit denen keine
       wirkliche geschichtliche Produktionsstufe begriffen ist.
       
       2. Das allgemeine Verhältnis der Produktion
       zu Distribution, Austausch, Konsumtion
       
       Ehe in  eine weitre  Analyse der Produktion eingegangen wird, ist
       es nötig,  die verschiednen  Rubriken, die die Ökonomen neben sie
       stellen, ins Aug zu fassen.
       Die flach  auf der  Hand liegende  Vorstellung: In der Produktion
       eignen (bringen  hervor, gestalten)  die Gesellschaftsglieder die
       Naturprodukte menschlichen  Bedürfnissen an; die Distribution be-
       stimmt das  Verhältnis, worin  der einzelne  teilnimmt an  diesen
       Produkten; der  Austausch führt ihm die besondren Produkte zu, in
       die er  das ihm durch die Distribution zugefallne Quotum umsetzen
       will; endlich  in der  Konsumtion werden  die Produkte 1*) Gegen-
       stände des  Genusses, der individuellen Aneignung. Die Produktion
       bringt die  den Bedürfnissen  entsprechenden Gegenstände  hervor;
       die Distribution  verteilt sie  nach gesellschaftlichen Gesetzen;
       der Austausch  verteilt wieder  das schon Verteilte nach dem ein-
       zelnen Bedürfnis; endlich in der Konsumtion tritt das Produkt aus
       dieser gesellschaftlichen Bewegung heraus, wird direkt Gegenstand
       und Diener des einzelnen Bedürfnisses und befriedigt es im Genuß.
       Produktion erscheint so als der Ausgangspunkt, Konsumtion als der
       Endpunkt, Distribution  und Austausch  als die  Mitte, die selbst
       wieder doppelt  ist, indem  die Distribution  als das von der Ge-
       sellschaft, der  Austausch als  das von den Individuen ausgehende
       Moment bestimmt ist. In der Produktion objektiviert sich die Per-
       son, in  der Konsumtion  2*) subjektiviert sich die Sache; in der
       Distribution übernimmt  die Gesellschaft in der Form allgemeiner,
       herrschender Bestimmungen die Vermittlung zwischen der Produktion
       und Konsumtion;  in dem  Austausch sind  sie vermittelt durch die
       zufällige Bestimmtheit des Individuums.
       Die Distribution bestimmt das Verhältnis (das Quantum), worin die
       Produkte an  die Individuen  fallen; der  Austausch bestimmt  die
       Produkte, worin das Individuum den ihm durch die Distribution zu-
       gewiesnen ¦¦6¦ Anteil verlangt.
       -----
       1*) in der Handschrift: Produktion - 2*) in der Handschrift: Per-
       son
       
       #25# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
       -----
       Produktion, Distribution,  Austausch, Konsumtion  bilden so einen
       regelrechten Schluß;  Produktion die  Allgemeinheit, Distribution
       und Austausch die Besonderheit, Konsumtion die Einzelnheit, worin
       sich das  Ganze zusammenschließt.  Dies ist allerdings ein Zusam-
       menhang, aber  ein flacher.  Die Produktion  ist durch allgemeine
       Naturgesetze bestimmt;  die Distribution durch gesellschaftlichen
       Zufall, und  sie kann  daher mehr oder weniger befördernd auf die
       Produktion  wirken;  der  Austausch  liegt  zwischen  beiden  als
       formalgesellschaftliche Bewegung,  und der  schließende  Akt  der
       Konsumtion, der  nicht nur als Endziel, sondern auch als Endzweck
       gefaßt wird,  liegt eigentlich  außerhalb der Ökonomie, außer so-
       weit er  wieder zurückwirkt  auf den Ausgangspunkt und den ganzen
       Vorgang von neuem einleitet.
       Die Gegner  der politischen  Ökonomen - seien es Gegner innerhalb
       oder außerhalb  ihres Berings, die ihnen barbarische Auseinander-
       reißung des Zusammengehörigen vorwerfen, stehn entweder mit ihnen
       auf demselben Boden oder unter ihnen. Nichts gewöhnlicher als der
       Vorwurf, die  politischen Ökonomen  faßten die Produktion zu aus-
       schließlich als Selbstzweck ins Auge. Es komme ebensosehr auf die
       Distribution an.  Diesem Vorwurf liegt grade die ökonomische Vor-
       stellung zugrunde,  daß die  Distribution als selbständige, unab-
       hängige Sphäre  neben der Produktion haust. Oder die Momente wür-
       den nicht in ihrer Einheit gefaßt. Als wenn das Auseinanderreißen
       nicht aus  der Wirklichkeit  in die Lehrbücher, sondern umgekehrt
       aus den  Lehrbüchern in  die Wirklichkeit  gedrungen sei,  und es
       sich hier um eine dialektische Ausgleichung von Begriffen handele
       und nicht um die Auffassung realer Verhältnisse!
       
       a) [Produktion und Konsumtion]
       
       Die Produktion  ist unmittelbar auch Konsumtion. Doppelte Konsum-
       tion, subjektive  und objektive: das Individuum, das im Produzie-
       ren seine Fähigkeiten entwickelt, gibt sie auch aus, verzehrt sie
       im Akt  der Produktion,  ganz wie das natürliche Zeugen eine Kon-
       sumtion von Lebenskräften ist. Zweitens: Konsumtion der Produkti-
       onsmittel, die  gebraucht und  abgenutzt werden und zum Teil (wie
       z.B. bei  der Feurung)  in die allgemeinen Elemente wieder aufge-
       löst werden. Ebenso Konsumtion des Rohstoffs, der nicht in seiner
       natürlichen Gestalt  und Beschaffenheit bleibt, die vielmehr auf-
       gezehrt wird.  Der Akt  der Produktion  selbst ist daher in allen
       seinen Momenten  auch ein Akt der Konsumtion. Aber dies geben die
       Ökonomen zu.  Die Produktion  als unmittelbar  identisch mit  der
       Konsumtion, die  Konsumtion als  unmittelbar zusammenfallend  mit
       der Produktion  nennen sie    p r o d u k t i v e    K o n s u m-
       t i o n.
       
       #26# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       Diese Identität  von Produktion  und Konsumtion  kömmt hinaus auf
       Spinozas Satz: determinatio est negatio [13].
       ¦¦7¦ Aber  diese Bestimmung  der produktiven Konsumtion wird eben
       nur aufgestellt,  um die mit der Produktion identische Konsumtion
       zu trennen von der eigentlichen Konsumtion, die vielmehr als ver-
       nichtender Gegensatz  der Produktion  gefaßt wird. Betrachten wir
       also die eigentliche Konsumtion.
       Die Konsumtion  ist unmittelbar auch Produktion, wie in der Natur
       die Konsumtion  der Elemente und der chemischen Stoffe Produktion
       der Pflanze  ist. Daß in der Nahrung z.B., einer Form der Konsum-
       tion, der Mensch seinen eignen Leib produziert, ist klar. Es gilt
       dies aber  von jeder andren Art der Konsumtion, die in einer oder
       der andren Art den Menschen nach einer Seite hin produziert. Kon-
       sumtive Produktion. Allein, sagt die Ökonomie, diese mit der Kon-
       sumtion identische  Produktion ist  eine zweite, aus der Vernich-
       tung des  ersten Produkts  hervorgehende. In  der ersten versach-
       lichte sich der Produzent, in der zweiten personifiziert sich die
       von ihm  geschaffne Sache. Also ist diese konsumtive Produktion -
       obgleich sie  eine unmittelbare  Einheit zwischen  Produktion und
       Konsumtion ist - wesentlich verschieden von der eigentlichen Pro-
       duktion. Die  unmittelbare Einheit,  worin die Produktion mit der
       Konsumtion und  die Konsumtion  mit der Produktion zusammenfällt,
       läßt ihre unmittelbare Zweiheit bestehn.
       Die Produktion  ist also  unmittelbar Konsumtion,  die Konsumtion
       ist unmittelbar  Produktion. Jede  ist unmittelbar ihr Gegenteil.
       Zugleich aber  findet eine  vermittelnde Bewegung zwischen beiden
       statt. Die  Produktion vermittelt  die Konsumtion, deren Material
       sie schafft, der ohne sie der Gegenstand fehlte. Aber die Konsum-
       tion vermittelt auch die Produktion, indem sie den Produkten erst
       das Subjekt  schafft, für  das sie Produkte sind. Das Produkt er-
       hält erst  den letzten  finish 1*) in der Konsumtion. Eine Eisen-
       bahn, auf  der nicht  gefahren wird,  die also  nicht  abgenutzt,
       nicht konsumiert  wird, ist nur eine Eisenbahn ??????? 2*), nicht
       der Wirklichkeit  nach. Ohne  Produktion keine  Konsumtion;  aber
       auch ohne  Konsumtion keine  Produktion,  da  die  Produktion  so
       zwecklos wäre.  Die Konsumtion produziert die Produktion doppelt,
       1. indem  erst in  der Konsumtion  das Produkt wirkliches Produkt
       wird. Z.  B. ein Kleid wird erst wirklich Kleid durch den Akt des
       Tragens; ein Haus, das nicht bewohnt wird, ist in fact kein wirk-
       liches Haus;  also als Produkt im Unterschied von bloßem Naturge-
       genstand, bewährt  sich, wird das Produkt erst in der Konsumtion.
       Die Konsumtion  gibt, indem sie das Produkt auflöst, ihm erst den
       finishing stroke 3*);
       -----
       1*) die letzte  Vollendung - 2*) der Möglichkeit nach - 3*) letz-
       ten Schliff
       
       #27# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
       -----
       denn Produkt  ist die  Produktion nicht als 4*) versachlichte Tä-
       tigkeit, sondern  auch nur als Gegenstand für das tätige Subjekt.
       2. Indem  die Konsumtion  das Bedürfnis neuer Produktion schafft,
       also den  idealen, innerlich treibenden Grund der Produktion, der
       ihre Voraussetzung ist. Die Konsumtion schafft den Trieb der Pro-
       duktion; sie schafft auch den Gegenstand, der als zweckbestimmend
       in der Produktion tätig ist. Wenn es klar ist, daß die Produktion
       den Gegenstand  der Konsumtion  äußerlich darbietet,  so ist ¦¦8¦
       daher ebenso  klar, daß die Konsumtion den Gegenstand der Produk-
       tion   i d e a l  setzt, als innerliches Bild, als Bedürfnis, als
       Trieb und  als Zweck.  Sie schafft die Gegenstände der Produktion
       in noch  subjektiver Form.  Ohne Bedürfnis keine Produktion. Aber
       die Konsumtion reproduziert das Bedürfnis.
       Dem entspricht  von Seiten der Produktion, daß sie 1. der Konsum-
       tion 5*)  das Material,  den Gegenstand  liefert. Eine Konsumtion
       ohne Gegenstand  ist keine  Konsumtion; also  schafft nach dieser
       Seite, produziert  die Produktion  die Konsumtion. 2. Aber es ist
       nicht nur  der Gegenstand,  den  die  Produktion  der  Konsumtion
       schafft. Sie  gibt auch  der Konsumtion  ihre Bestimmtheit, ihren
       Charakter, ihren  finish. Ebenso  wie die  Konsumtion dem Produkt
       seinen finish als Produkt gab, gibt die Produktion den finish der
       Konsumtion. Einmal  ist der Gegenstand kein Gegenstand überhaupt,
       sondern ein bestimmter Gegenstand, der in einer bestimmten, durch
       die Produktion  selbst wieder  vermittelten Art konsumiert werden
       muß. Hunger  ist Hunger,  aber Hunger,  der sich durch gekochtes,
       mit Gabeln und Messer gegeßnes Fleisch befriedigt, ist ein andrer
       Hunger als  der rohes  Fleisch mit Hilfe von Hand, Nagel und Zahn
       verschlingt. Nicht  nur der  Gegenstand der  Konsumtion,  sondern
       auch die  Weise der  Konsumtion wird  daher durch  die Produktion
       produziert, nicht  nur objektiv, sondern auch subjektiv. Die Pro-
       duktion schafft  also den Konsumenten. 3. 6*) Die Produktion lie-
       fert dem  Bedürfnis nicht  nur ein  Material, sondern sie liefert
       dem Material  auch ein  Bedürfnis. Wenn  die Konsumtion aus ihrer
       ersten Naturroheit und Unmittelbarkeit heraustritt - und das Ver-
       weilen in  derselben wäre  selbst noch  das Resultat einer in der
       Naturroheit steckenden  Produktion-, so  ist sie selbst als Trieb
       vermittelt durch  den Gegenstand. Das Bedürfnis, das sie nach ihm
       fühlt, ist durch die Wahrnehmung desselben geschaffen. Der Kunst-
       gegenstand - ebenso jedes andre Produkt - schafft ein kunstsinni-
       ges und  schönheitsgenußfähiges Publikum.  Die Produktion  produ-
       ziert daher  nicht nur  einen Gegenstand für das Subjekt, sondern
       auch ein  Subjekt für  den Gegenstand.  Die Produktion produziert
       die Konsumtion  daher, 1.  indem sie ihr das Material schafft; 2.
       indem sie die Weise der Konsumtion bestimmt;
       -----
       4*) In der  Handschrift: nicht  nur als - 5*) in der Handschrift:
       Produktion - 6*) in der Handschrift: 2.
       
       #28# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       3. indem sie  die erst  von ihr als Gegenstand gesetzten Produkte
       als Bedürfnis im Konsumenten erzeugt. Sie produziert daher Gegen-
       stand der Konsumtion, Weise der Konsumtion, Trieb der Konsumtion.
       Ebenso produziert  die Konsumtion die  A n l a g e  des Produzen-
       ten, indem  sie ihn  als zweckbestimmendes Bedürfnis sollizitiert
       7*).
       Die Identitäten  zwischen Konsumtion  und  Produktion  erscheinen
       also dreifach:
       
       1.  U n m i t t e l b a r e   I d e n t i t ä t:   Die Produktion
       ist Konsumtion; die Konsumtion ist Produktion. Konsumtive Produk-
       tion. Produktive  Konsumtion. Die  Nationalökonomen nennen beides
       ¦¦9¦ produktive  Konsumtion. Machen  aber noch einen Unterschied.
       Die erste  figuriert als  Reproduktion; die zweite als produktive
       Konsumtion. Alle Untersuchungen über die erste sind die über pro-
       duktive oder  unproduktive Arbeit;  die über die zweite über pro-
       duktive oder nicht produktive Konsumtion.
       2. Daß jede  als Mittel  der andren erscheint; von ihr vermittelt
       wird; was  als ihre wechselseitige Abhängigkeit ausgedrückt wird;
       eine Bewegung,  wodurch sie  aufeinander bezogen  werden und sich
       wechselseitig unentbehrlich  erscheinen, aber  sich doch noch äu-
       ßerlich bleiben. Die Produktion schafft das Material als äußerli-
       chen Gegenstand  für die  Konsumtion; die  Konsumtion schafft das
       Bedürfnis als  innern Gegenstand,  als Zweck  für die Produktion.
       Ohne Produktion  keine Konsumtion;  ohne Konsumtion keine Produk-
       tion. Figuriert in der Ökonomie in vielen Formen.
       3. Die Produktion  ist nicht  nur unmittelbar  Konsumtion und die
       Konsumtion unmittelbar  Produktion; noch  ist die  Produktion nur
       Mittel für  die Konsumtion  und die Konsumtion Zweck für die Pro-
       duktion, d. h., daß jede der andren ihren Gegenstand liefert, die
       Produktion äußerlichen der Konsumtion, die Konsumtion vorgestell-
       ten der  Produktion; sondern  jede derselben ist nicht nur unmit-
       telbar die  andre, noch  die andere nur vermittelnd, sondern jede
       der beiden schafft, indem sie sich vollzieht, die andre; sich als
       die andre.  Die Konsumtion vollzieht erst den Akt der Produktion,
       indem sie  das Produkt  als Produkt  vollendet, indem sie es auf-
       löst, die  selbständig sachliche  Form an ihm verzehrt; indem sie
       die in dem ersten Akt der Produktion entwickelte Anlage durch das
       Bedürfnis der  Wiederholung zur Fertigkeit steigert; sie ist also
       nicht nur  der abschließende  Akt, wodurch  das Produkt  Produkt,
       sondern auch,  wodurch der  Produzent Produzent wird. Andrerseits
       produziert die Produktion die Konsumtion, indem sie die bestimmte
       Weise der  Konsumtion schafft,  und dann,  indem sie den Reiz der
       Konsumtion, die Konsumtionsfähigkeit selbst
       -----
       7*) anregt
       
       #29# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
       -----
       schafft als Bedürfnis. Diese letztre unter 3. bestimmte Identität
       in der  Ökonomie vielfach  erläutert in  dem Verhältnis von Nach-
       frage und  Zufuhr, von  Gegenständen und  Bedürfnissen, von durch
       die Sozietät geschaffnen und natürlichen Bedürfnissen.
       Hiernach für einen Hegelianer nichts einfacher als Produktion und
       Konsumtion identisch  zu setzen.  Und das  ist geschehn nicht nur
       von sozialistischen  Belletristen [14],  sondern von  prosaischen
       Ökonomen selbst,  z.B. Say;  in der  Form, daß, wenn man ein Volk
       betrachte, seine  Produktion seine  Konsumtion sei. Oder auch die
       Menschheit in  abstracto. Storch  hat dem Say das Falsche nachge-
       wiesen [15],  indem ein  Volk z.B. nicht rein sein Produkt konsu-
       miert, sondern auch Produktionsmittel schafft etc., fixes Kapital
       etc. Die  Gesellschaft als  ein einziges  Subjekt betrachten, ist
       sie überdem  falsch betrachten; spekulativ. Bei einem Subjekt er-
       scheinen Produktion  und Konsumtion  als Momente  eines Akts. Das
       wichtige ist  hier nur  ¦¦9'¦ [16]  hervorzuheben, daß, betrachte
       man Produktion und Konsumtion als Tätigkeiten eines Subjekts oder
       vieler Individuen, sie jedenfalls als Momente eines Prozesses er-
       scheinen, worin  die Produktion  der wirkliche  Ausgangspunkt und
       darum auch  das übergreifende Moment ist. Die Konsumtion als Not-
       durft, als Bedürfnis ist selbst ein innres Moment der produktiven
       Tätigkeit. Aber  die letztre  ist der Ausgangspunkt der Realisie-
       rung und daher auch ihr übergreifendes Moment, der Akt, worin der
       ganze Prozeß  sich wieder  verläuft.  Das  Individuum  produziert
       einen Gegenstand und kehrt durch dessen Konsumtion wieder in sich
       zurück, aber  als produktives Individuum und sich selbst reprodu-
       zierendes. Die Konsumtion erscheint so als Moment der Produktion.
       In der  Gesellschaft aber  ist die  Beziehung des Produzenten auf
       das Produkt, sobald es fertig ist, eine äußerliche, und die Rück-
       kehr desselben  zu dem Subjekt hängt ab von seinen Beziehungen zu
       andren Individuen.  Es wird  desselben nicht unmittelbar habhaft.
       Auch ist  die unmittelbare  Aneignung desselben nicht sein Zweck,
       wenn es  in der Gesellschaft produziert. Zwischen den Produzenten
       und die  Produkte tritt  die  D i s t r i b u t i o n,  die durch
       gesellschaftliche Gesetze  seinen Anteil an der Welt der Produkte
       bestimmt, also zwischen die Produktion und Konsumtion tritt.
       Steht nun  die Distribution als selbständige Sphäre neben und au-
       ßerhalb der Produktion?
       
       #30# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       b) Produktion und Distribution
       
       Wenn man die gewöhnlichen Ökonomien betrachtet, muß zunächst auf-
       fallen, daß  alles in  ihnen doppelt  gesetzt wird.  Z. B. in der
       Distribution figurieren Grundrente, Arbeitslohn, Zins und Profit,
       während in  der Produktion  Erde, Arbeit,  Kapital figurieren als
       Agenten der  Produktion. Mit  dem Kapital  nun ist von vornherein
       einleuchtend, daß  es doppelt  gesetzt ist,  1. als  Produktions-
       agent; 2.  als Einnahmequelle; als bestimmend bestimmte Distribu-
       tionsformen. Zins  und Profit figurieren daher auch als solche in
       der Produktion,  insofern sie  Formen sind,  in denen das Kapital
       sich vermehrt,  anwächst, also  Momente seiner Produktion selbst.
       Zins und  Profit als Distributionsformen unterstellen das Kapital
       als Agenten der Produktion. Sie sind Distributionsweisen, die zur
       Voraussetzung das  Kapital als Produktionsagenten haben. Sie sind
       ebenso Reproduktionsweisen des Kapitals.
       Arbeitslohn ist  ebenso die unter einer andren Rubrik betrachtete
       Lohnarbeit: Die  Bestimmtheit, die  die Arbeit hier als Produkti-
       onsagent hat, erscheint als Distributionsbestimmung. Wäre die Ar-
       beit nicht  als Lohnarbeit  bestimmt, so erschiene die Art, worin
       sie an  den Produkten teilnimmt, nicht als Arbeitslohn, wie z. B.
       in der  Sklaverei. Endlich  die Grundrente,  um gleich  die  ent-
       wickeltste Form der Distribution zu nehmen, worin das Grundeigen-
       tum an  den Produkten  ¦¦10¦  teilnimmt,  unterstellt  das  große
       Grundeigentum (eigentlich  die große Agrikultur) als Produktions-
       agenten, nicht  die Erde  schlechthin, sowenig wie das Salair die
       Arbeit schlechthin.  Die  Distributionsverhältnisse  und  -weisen
       erscheinen daher  nur als  Kehrseite der  Produktionsagenten. Ein
       Individuum, das  in der  Form der  Lohnarbeit an  der  Produktion
       teilnimmt, nimmt  in der  Form des Arbeitslohns an den Produkten,
       den  Resultaten   der  Produktion   teil.  Die   Gliederung   der
       Distribution ist  vollständig bestimmt  durch die  Gliederung der
       Produktion.  Die   Distribution  ist   selbst  ein   Produkt  der
       Produktion, nicht  nur dem Gegenstand nach, daß nur die Resultate
       der Produktion  distribuiert werden können, sondern auch der Form
       nach, daß  die bestimmte  Art der Teilnahme an der Produktion die
       besondren  Formen  der  Distribution,  die  Form,  worin  an  der
       Distribution teilgenommen  wird, bestimmt.  Es ist  durchaus eine
       Illusion, in  der Produktion Erde, in der Distribution Grundrente
       zu setzen etc.
       Ökonomen wie Ricardo, denen am meisten vorgeworfen wird, sie hät-
       ten nur  die Produktion  im Auge,  haben daher ausschließlich die
       Distribution als  Gegenstand der  Ökonomie bestimmt, weil sie in-
       stinktiv die  Distributionsformen als  den bestimmtesten Ausdruck
       faßten, worin  die Produktionsagenten  in einer  gegebnen Gesell-
       schaft sich fixieren.
       
       #31# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
       -----
       Dem einzelnen  Individuum gegenüber  erscheint natürlich die Dis-
       tribution als  ein gesellschaftliches  Gesetz, das seine Stellung
       innerhalb der  Produktion bedingt, innerhalb deren es produziert,
       die also  der Produktion  vorausgeht. Das Individuum hat von Haus
       aus kein  Kapital, kein  Grundeigentum. Es ist von Geburt auf die
       Lohnarbeit angewiesen  durch die  gesellschaftliche Distribution.
       Aber dies  Angewiesensein selbst  ist das  Resultat, daß Kapital,
       Grundeigentum als selbständige Produktionsagenten existieren.
       Ganze Gesellschaften  betrachtet, scheint  die Distribution  noch
       nach einer  Seite hin  der Produktion vorherzugehn und sie zu be-
       stimmen; gleichsam  als anteökonomisches fact 1*). Ein eroberndes
       Volk verteilt  das Land  unter die Eroberer und imponiert so eine
       bestimmte Verteilung  und Form des Grundeigentums; bestimmt daher
       die Produktion.  Oder es macht die Eroberten zu Sklaven und macht
       so Sklavenarbeit  zur Grundlage  der Produktion.  Oder ein  Volk,
       durch Revolution,  zerschlägt das  große Grundeigentum in Parzel-
       len; gibt also durch diese neue Distribution der Produktion einen
       neuen Charakter. Oder die Gesetzgebung verewigt das Grundeigentum
       in gewissen  Familien oder  verteilt die  Arbeit [als]  erbliches
       Privileg und  fixiert sie so kastenmäßig. In allen diesen Fällen,
       und sie  sind alle  historisch, scheint  die  Distribution  nicht
       durch die  Produktion, sondern umgekehrt die Produktion durch die
       Distribution gegliedert und bestimmt.
       ¦¦11¦ Die  Distribution in der flachsten Auffassung erscheint als
       Distribution der  Produkte und  so weiter  entfernt von und quasi
       selbständig gegen  die Produktion. Aber ehe die Distribution Dis-
       tribution der  Produkte ist, ist sie: 1. Distribution der Produk-
       tionsinstrumente und  2., was  eine weitere  Bestimmung desselben
       Verhältnisses ist,  Distribution der  Mitglieder der Gesellschaft
       unter die  verschiednen Arten der Produktion. (Subsumtion der In-
       dividuen unter  bestimmte Produktionsverhältnisse.) Die Distribu-
       tion der  Produkte ist offenbar nur Resultat dieser Distribution,
       die innerhalb  des Produktionsprozesses  selbst einbegriffen  ist
       und die Gliederung der Produktion bestimmt. Die Produktion, abge-
       sehn von  dieser in  ihr eingeschloßnen  Distribution betrachten,
       ist offenbar  leere Abstraktion,  während umgekehrt die Distribu-
       tion der  Produkte von selbst gegeben ist mit dieser ursprünglich
       ein Moment der Produktion bildenden Distribution. Ricardo, dem es
       darum zu  tun war, die moderne Produktion in ihrer bestimmten so-
       zialen Gliederung  aufzufassen, und der der Ökonom der Produktion
       par excellence  ist, erklärt  eben deswegen nicht die Produktion,
       sondern die  Distribution für  das eigentliche Thema der modernen
       Ökonomie. Es folgt hieraus wieder die Abgeschmacktheit der Ökono-
       men,
       -----
       1*) vorökonomische Tatsache
       
       #32# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       die die Produktion als ewige Wahrheit entwickeln, während sie die
       Geschichte in den Bereich der Distribution bannen.
       Welches Verhältnis  diese die  Produktion selbst bestimmende Dis-
       tribution zu ihr einnimmt, ist offenbar eine Frage, die innerhalb
       der Produktion  selbst fällt.  Sollte gesagt werden, daß dann we-
       nigstens, da  die Produktion  von einer gewissen Distribution der
       Produktionsinstrumente ausgehn  muß, die  Distribution in  dieser
       Bedeutung der  Produktion vorhergeht,  ihre Voraussetzung bildet,
       so ist  darauf zu  antworten, daß  die Produktion in der Tat ihre
       Bedingungen und  Voraussetzungen hat,  die Momente derselben bil-
       den. Diese  mögen im  ersten Beginn  als naturwüchsig erscheinen.
       Durch den  Prozeß der Produktion selbst werden sie aus naturwüch-
       sigen in geschichtliche verwandelt, und wenn sie für eine Periode
       als natürliche Voraussetzung der Produktion erscheinen, waren sie
       für eine  andre ihr  geschichtliches Resultat. Innerhalb der Pro-
       duktion selbst werden sie beständig verändert. Z.B. die Anwendung
       der Maschinerie  veränderte die Distribution sowohl der Produkti-
       onsinstrumente als  der Produkte. Das moderne große Grundeigentum
       selbst ist  das Resultat  sowohl des modernen Handels und der mo-
       dernen Industrie wie der Anwendung der letzteren auf die Agrikul-
       tur.
       Die oben  aufgeworfnen Fragen  lösen sich alle in letzter Instanz
       dahin auf,  wie allgemeingeschichtliche  Verhältnisse in die Pro-
       duktion hineinspielen  und ihr Verhältnis zur geschichtlichen Be-
       wegung überhaupt. Die Frage gehört offenbar in die Erörterung und
       Entwicklung der Produktion selbst.
       ¦¦12¦ Indes  in der  trivialen Form,  worin sie  oben aufgeworfen
       sind, können sie ebenso kurz abgefertigt werden. Bei allen Erobe-
       rungen ist  dreierlei möglich.  Das erobernde Volk unterwirft das
       Eroberte seiner  eignen Produktionsweise  (z.B. die  Engländer in
       Irland in  diesem Jahrhundert,  zum Teil in Indien); oder es läßt
       die alte bestehn und begnügt sich mit Tribut (z.B. Türken und Rö-
       mer); oder  es tritt  eine Wechselwirkung  ein, wodurch ein Neues
       entsteht, eine  Synthese (zum  Teil in den germanischen Eroberun-
       gen). In  allen Fällen  ist die  Produktionsweise, sei es des er-
       obernden Volks,  sei es  des eroberten,  sei es  die aus der Ver-
       schmelzung beider  hervorgehende, bestimmend für die neue Distri-
       bution, die  eintritt. Obgleich  diese als  Voraussetzung für die
       neue Produktionsperiode  erscheint, ist  sie so selbst wieder ein
       Produkt der  Produktion, nicht  nur der geschichtlichen im allge-
       meinen, sondern der bestimmten geschichtlichen Produktion.
       Die Mongolen mit ihren Verwüstungen in Rußland z.B. handelten ih-
       rer Produktion,  der Viehweide,  gemäß, für  die große unbewohnte
       Strecken eine  Hauptbedingung. Die germanischen Barbaren, für die
       Ackerbau mit  Leibeignen hergebrachte Produktion war und isolier-
       tes Leben auf dem Land,
       
       #33# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
       -----
       konnten die römischen Provinzen um so leichter diesen Bedingungen
       unterwerfen, als die dort stattgehabte Konzentration des Grundei-
       gentums die  älteren Agrikulturverhältnisse schon ganz umgeworfen
       hatte.
       Es ist  eine hergebrachte  Vorstellung, daß  in gewissen Perioden
       nur vom  Raub gelebt ward. Um aber rauben zu können, muß etwas zu
       rauben da sein, also Produktion. Und die Art des Raubs ist selbst
       wieder durch  die Art  der Produktion bestimmt. Eine stockjobbing
       nation 2*)  z.B. kann  nicht beraubt  werden, wie eine Nation von
       Kuhhirten.
       In dem  Sklaven wird  das Produktionsinstrument  direkt  geraubt.
       Dann aber muß die Produktion des Landes, für das er geraubt wird,
       so gegliedert  sein, um  Sklavenarbeit zuzulassen,  oder (wie  in
       Südamerika etc.  [17]) es muß eine dem Sklaven entsprechende Pro-
       duktionsweise geschaffen werden.
       Gesetze können  ein Produktionsinstrument, z.B. Land, in gewissen
       Familien verewigen. Diese Gesetze bekommen nur ökonomische Bedeu-
       tung, wenn  das große  Grundeigentum in  Harmonie mit der gesell-
       schaftlichen Produktion  ist, wie z. B. in England. In Frankreich
       wurde kleine  Agrikultur getrieben  trotz des  großen Grundeigen-
       tums, letztres  daher auch  von der  Revolution zerschlagen. Aber
       die Verewigung der Parzellierung z.B. durch Gesetze? Trotz dieser
       Gesetze konzentriert  sich das  Eigentum wieder.  Der Einfluß der
       Gesetze zur  Festhaltung von  Distributionsverhältnissen und  da-
       durch ihre Einwirkung auf die Produktion besonders zu bestimmen.
       
       ¦¦13¦ c) Austausch endlich und Zirkulation
       
       Die Zirkulation  selbst nur  ein bestimmtes Moment des Austauschs
       oder auch der Austausch in seiner Totalität betrachtet.
       Insofern der   A u s t a u s c h   nur  ein vermittelndes  Moment
       zwischen der Produktion und der durch sie bestimmten Distribution
       mit der  Konsumtion ist; insofern letztre aber selbst als ein Mo-
       ment der Produktion erscheint, ist der Austausch offenbar auch in
       letztrer einbegriffen als Moment.
       Es ist erstens klar, daß der Austausch von Tätigkeiten und Fähig-
       keiten, der in der Produktion selbst geschieht, direkt zu ihr ge-
       hört und sie wesentlich ausmacht. Dasselbe gilt zweitens vom Aus-
       tausch der  Produkte, soweit er zur Herstellung des fertigen, für
       die unmittelbare  Konsumtion bestimmten  Produkts Mittel ist. So-
       weit ist  der Austausch  selbst in  der Produktion  einbegriffner
       Akt. Drittens,  der  sogenannte  Exchange  zwischen  dealers  und
       dealers 1*) [18] ist
       -----
       2*) Nation von  Börsenspekulanten -  1*) Austausch  zwischen  Ge-
       schäftsleuten untereinander
       
       #34# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       sowohl seiner  Organisation nach  ganz durch  die Produktion  be-
       stimmt als  selbst produzierende  Tätigkeit.  Der  Austausch  er-
       scheint nur unabhängig neben, indifferent gegen die Produktion in
       dem letzten  Stadium, wo  das Produkt unmittelbar für die Konsum-
       tion ausgetauscht  wird. Aber  1. kein Austausch ohne Teilung der
       Arbeit, sei diese nun naturwüchsig oder selbst schon geschichtli-
       ches Resultat.  2. Privataustausch setzt Privatproduktion voraus;
       3. die  Intensivität des  Austauschs, wie  seine  Extension,  wie
       seine Art durch die Entwicklung und Gliederung der Produktion be-
       stimmt. Z.B. Austausch zwischen Stadt und Land; Austausch auf dem
       Land, in  der Stadt etc. Der Austausch erscheint so in allen sei-
       nen Momenten  in der Produktion entweder direkt einbegriffen oder
       durch sie bestimmt.
       Das Resultat,  wozu wir gelangen, ist nicht, daß Produktion, Dis-
       tribution, Austausch,  Konsumtion identisch sind, sondern daß sie
       alle Glieder einer Totalität bilden, Unterschiede innerhalb einer
       Einheit. Die  Produktion greift über, sowohl über sich in der ge-
       gensätzlichen Bestimmung  der Produktion, als über die andren Mo-
       mente. Von  ihr beginnt  der Prozeß  immer wieder  von neuem. Daß
       Austausch und Konsumtion nicht das Übergreifende sein können, ist
       von selbst klar. Ebenso von der Distribution als Distribution der
       Produkte. Als  Distribution der  Produktionsagenten aber  ist sie
       selbst ein  Moment der  Produktion. Eine bestimmte Produktion be-
       stimmt also  eine bestimmte  Konsumtion, Distribution,  Austausch
       und   b e s t i m m t e    V e r h ä l t n i s s e    d i e s e r
       v e r s c h i e d n e n  M o m e n t e  z u e i n a n d e r.  Al-
       lerdings wird auch die Produktion, in ihrer einseitigen Form, ih-
       rerseits bestimmt  durch die andren Momente. Z.B., wenn der Markt
       sich ausdehnt, d.h. die Sphäre des Austauschs, wächst die Produk-
       tion dem  Umfang nach  und teilt  sich tiefer ab. Mit Veränderung
       der Distribution  ändert sich die Produktion; z.B. mit Konzentra-
       tion des  Kapitals, verschiedner  Distribution der Bevölkerung in
       Stadt und  Land etc. Endlich bestimmen die Konsumtionsbedürfnisse
       die Produktion.  Es findet Wechselwirkung zwischen den verschied-
       nen Momenten statt. Dies der Fall bei jedem organischen Ganzen.
       
       ¦¦14¦ 3. Die Methode der politischen Ökonomie
       
       Wenn wir  ein gegebnes  Land politisch-ökonomisch  betrachten, so
       beginnen wir mit seiner Bevölkerung, ihrer Verteilung in Klassen,
       Stadt, Land,  See, den  verschiednen Produktionszweigen, Aus- und
       Einfuhr, jährlicher Produktion und Konsumtion, Warenpreisen etc.
       Es scheint  das richtige  zu sein,  mit dem Realen und Konkreten,
       der wirklichen
       
       #35# 3. Die Methode der politischen Ökonomie
       -----
       Voraussetzung zu  beginnen, also z.B. in der Ökonomie mit der Be-
       völkerung, die  die Grundlage  und das Subjekt des ganzen gesell-
       schaftlichen Produktionsakts ist. Indes zeigt sich dies bei nähe-
       rer Betrachtung  [als] falsch.  Die Bevölkerung ist eine Abstrak-
       tion, wenn ich z.B. die Klassen, aus denen sie besteht, weglasse.
       Diese Klassen  sind wieder ein leeres Wort, wenn ich die Elemente
       nicht kenne,  auf denen sie beruhn. Z.B. Lohnarbeit, Kapital etc.
       Diese unterstellen Austausch, Teilung der Arbeit, Preise etc. Ka-
       pital z.B.  ohne Lohnarbeit  ist nichts,  ohne Wert,  Geld, Preis
       etc. Finge  ich also  mit der  Bevölkerung an,  so wäre  das eine
       chaotische Vorstellung  des Ganzen,  und durch  nähere Bestimmung
       würde ich  analytisch immer  mehr auf einfachere Begriffe kommen;
       von dem  vorgestellten Konkreten auf immer dünnere Abstrakta, bis
       ich bei  den einfachsten Bestimmungen angelangt wäre. Von da wäre
       nun die Reise wieder rückwärts anzutreten, bis ich endlich wieder
       bei der  Bevölkerung anlangte,  diesmal aber  nicht als bei einer
       chaotischen Vorstellung  eines Ganzen,  sondern als einer reichen
       Totalität von  vielen Bestimmungen und Beziehungen. Der erste Weg
       ist der,  den die  Ökonomie in ihrer Entstehung geschichtlich ge-
       nommen hat.  Die Ökonomen  des 17. Jahrhunderts z.B. fangen immer
       mit dem  lebendigen Ganzen,  der Bevölkerung,  der Nation, Staat,
       mehren Staaten  etc., an;  sie enden  aber immer  damit, daß  sie
       durch Analyse  einige bestimmende abstrakte, allgemeine Beziehun-
       gen, wie  Teilung der  Arbeit, Geld, Wert etc., herausfinden. So-
       bald diese  einzelnen Momente  mehr oder  weniger fixiert und ab-
       strahiert waren,  begannen die  ökonomischen Systeme, die von dem
       Einfachen, wie Arbeit, Teilung der Arbeit, Bedürfnis, Tauschwert,
       aufstiegen bis  zum Staat,  Austausch der Nationen und Weltmarkt.
       Das letztre  ist offenbar  die wissenschaftlich richtige Methode.
       Das Konkrete  ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler Be-
       stimmungen ist,  also Einheit  des Mannigfaltigen.  Im Denken er-
       scheint es  daher als  Prozeß der  Zusammenfassung, als Resultat,
       nicht als  Ausgangspunkt, obgleich es der wirkliche Ausgangspunkt
       und daher  auch der Ausgangspunkt der Anschauung und der Vorstel-
       lung ist. Im ersten Weg wurde die volle Vorstellung zu abstrakter
       Bestimmung verflüchtigt; im zweiten führen die abstrakten Bestim-
       mungen zur  Reproduktion des  Konkreten im Weg des Denkens. Hegel
       geriet daher auf die Illusion, das Reale als Resultat des sich in
       sich zusammenfassenden,  in sich vertiefenden und aus sich selbst
       sich bewegenden  Denkens zu  fassen, während die Methode, vom Ab-
       strakten zum  Konkreten aufzusteigen,  nur die Art für das Denken
       ist, sich  das Konkrete  anzueignen, es als ein geistig Konkretes
       zu reproduzieren.  Keineswegs aber der Entstehungsprozeß des Kon-
       kreten selbst. Z.B. die einfachste ökonomische Kategorie, sage z.
       B. Tauschwert,  unterstellt Bevölkerung, Bevölkerung produzierend
       in bestimmten Verhältnissen;
       
       #36# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       auch ¦¦15¦  gewisse  Sorte  von  Familien-  oder  Gemeinde-  oder
       Staatswesen etc. Er kann nie existieren außer als abstrakte, ein-
       seitige Beziehung eines schon gegebnen konkreten, lebendigen Gan-
       zen. Als  Kategorie führt dagegen der Tauschwert ein antediluvia-
       nisches 1*)  Dasein. Für  das Bewußtsein daher - und das philoso-
       phische Bewußtsein ist so bestimmt -, dem das begreifende Denken,
       der wirkliche  Mensch und  die begriffne Welt als solche erst die
       wirkliche ist  - erscheint  daher die Bewegung der Kategorien als
       der wirkliche  Produktionsakt -  der leider  nur einen Anstoß von
       außen erhält -, dessen Resultat die Welt ist; und dies ist - dies
       ist aber  wieder eine  Tautologie -  soweit richtig, als die kon-
       krete Totalität als Gedankentotalität, als ein Gedankenkonkretum,
       in fact  ein Produkt  des Denkens, des Begreifens ist; keineswegs
       aber des außer oder über der Anschauung und Vorstellung denkenden
       und sich selbst gebärenden Begriffs, sondern der Verarbeitung von
       Anschauung und  Vorstellung in  Begriffe. Das  Ganze, wie  es  im
       Kopfe als Gedankenganzes erscheint, ist ein Produkt des denkenden
       Kopfes, der  sich die  Welt in  der ihm  einzig  möglichen  Weise
       aneignet, einer Weise, die verschieden ist von der künstlerisch-,
       religiös-, praktisch-geistigen  Aneignung dieser  Welt. Das reale
       Subjekt bleibt  nach wie  vor  außerhalb  des  Kopfes  in  seiner
       Selbständigkeit bestehn; solange sich der Kopf nämlich nur speku-
       lativ verhält,  nur theoretisch.  Auch bei  der theoretischen Me-
       thode daher  muß das Subjekt, die Gesellschaft, als Voraussetzung
       stets der Vorstellung vorschweben.
       Aber haben diese einfachen Kategorien nicht auch eine unabhängige
       historische oder  natürliche Existenz  vor den  konkretem? Ça dé-
       pend. 2*)  Z.B. Hegel fängt die Rechtsphilosophie richtig mit dem
       Besitz an,  als der  einfachsten rechtlichen  Beziehung des  Sub-
       jekts. Es  existiert aber  kein Besitz vor der Familie oder Herr-
       schafts- und  Knechtsverhältnissen, die  viel konkretre  Verhält-
       nisse sind. Dagegen wäre es richtig zu sagen, daß Familien, Stam-
       mesganze existieren, die nur noch besitzen, nicht Eigentum haben.
       Die einfachere Kategorie erscheint also als Verhältnis einfachrer
       Familien- oder  Stammgenossenschaften im Verhältnis zum Eigentum.
       In der  höhern Gesellschaft erscheint sie als das einfachere Ver-
       hältnis einer entwickelten Organisation. Das konkretere Substrat,
       dessen Beziehung  der Besitz  ist, ist  aber immer vorausgesetzt.
       Man kann  sich einen  einzelnen Wilden besitzend vorstellen. Dann
       ist aber  der Besitz kein Rechtsverhältnis. Es ist unrichtig, daß
       der Besitz sich historisch zur Familie entwickelt. Er unterstellt
       vielmehr immer  diese "konkretere  Rechtskategorie". Indes bliebe
       dann immer  soviel, daß  die einfachen  Kategorien Ausdrücke  von
       Verhältnissen sind, in denen das unentwickeltere Konkrete
       -----
       1*) vorsintflutliches - 2*) Das kommt darauf an
       
       #37# 3. Die Methode der politischen Ökonomie
       -----
       sich realisiert  haben mag,  ohne noch die vielseitigre Beziehung
       oder Verhältnis,  das in  der konkretem  Kategorie geistig ausge-
       drückt ist,  gesetzt zu haben; während das entwickeltere Konkrete
       dieselbe Kategorie  als ein untergeordnetes Verhältnis beibehält.
       Geld kann  existieren und  hat historisch  existiert, ehe Kapital
       existierte, ehe  Banken existierten,  ehe  Lohnarbeit  existierte
       etc. Nach  dieser Seite hin kann also gesagt werden, daß die ein-
       fachre Kategorie  herrschende Verhältnisse  eines  unentwickeltem
       Ganzen oder untergeordnete Verhältnisse eines entwickeltem Ganzen
       ausdrücken kann,  die historisch  schon Existenz  hatten, eh  das
       Ganze sich nach der Seite entwickelte, die in einer konkretem Ka-
       tegorie ausgedrückt  ist. Insofern  entspräche der  Gang des  ab-
       strakten Denkens, das vom Einfachsten zum Kombinierten aufsteigt,
       dem wirk¦¦l6¦lichen historischen Prozeß.
       Andrerseits kann  gesagt werden,  daß es  sehr entwickelte,  aber
       doch historisch  unreifere Gesellschaftsformen gibt, in denen die
       höchsten Formen  der Ökonomie, z.B. Kooperation, entwickelte Tei-
       lung der  Arbeit etc.,  stattfinden, ohne daß irgendein Geld exi-
       stiert, z.B.  Peru. Auch bei den slawischen Gemeinwesen tritt das
       Geld und  der es  bedingende Austausch nicht oder wenig innerhalb
       der einzelnen  Gemeinwesen hervor,  sondern an  ihrer Grenze,  im
       Verkehr mit  andren, wie  es denn  überhaupt falsch ist, den Aus-
       tausch mitten  in d.  Gemeinwesen zu  setzen als das ursprünglich
       konstituierende Element.  Er tritt vielmehr im Anfang eher in der
       Beziehung der  verschiednen Gemeinwesen  aufeinander als  für die
       Mitglieder innerhalb eines und desselben hervor. Ferner: Obgleich
       das Geld  sehr früh und allseitig eine Rolle spielt, so ist es im
       Altertum doch  als herrschendes  Element nur einseitig bestimmten
       Nationen, Handelsnationen, zugewiesen. Und selbst im gebildetsten
       Altertum, bei  Griechen und  Römern, erscheint seine völlige Ent-
       wicklung, die in der modernen bürgerlichen Gesellschaft vorausge-
       setzt ist,  nur in  der Periode  ihrer Auflösung. Also diese ganz
       einfache Kategorie  erscheint in  ihrer Intensivität nicht histo-
       risch als  in den entwickeltsten Zuständen der Gesellschaft. Kei-
       neswegs alle  ökonomischen Verhältnisse  durchwadend 3*). Z.B. im
       römischen Reich in seiner größten Entwicklung blieb Naturalsteuer
       und Naturallieferung  Grundlage.  Das  Geldwesen  eigentlich  nur
       vollständig dort entwickelt in der Armee. Es ergriff auch nie das
       ganze der Arbeit. So, obgleich die einfachre Kategorie historisch
       existiert haben mag vor der konkretem, kann sie in ihrer völligen
       intensiven und  extensiven Entwicklung  grade einer  kombinierten
       Gesellschaftsform angehören,  während die konkretere in einer we-
       niger entwickelten 4*) Gesellschaftsform völliger entwickelt war.
       -----
       3*) durchdringend (engl.:  to wade  through) -  4*) in der  Hand-
       schrift: wenig entwickeltern
       
       #38# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       Arbeit scheint eine ganz einfache Kategorie. Auch die Vorstellung
       derselben in  dieser Allgemeinheit  - als  Arbeit überhaupt - ist
       uralt. Dennoch,  ökonomisch in  dieser  Einfachheit  gefaßt,  ist
       "Arbeit" eine  ebenso moderne Kategorie wie die Verhältnisse, die
       diese einfache Abstraktion erzeugen. Das Monetarsystem z.B. setzt
       den Reichtum noch ganz objektiv als Sache außer sich im Geld. Ge-
       genüber diesem Standpunkt war es ein großer Fortschritt, wenn das
       Manufaktur- oder  kommerzielle System  aus dem  Gegenstand in die
       subjektive Tätigkeit  - die  kommerzielle und  Manufakturarbeit -
       die Quelle des Reichtums setzt, aber immer noch bloß diese Tätig-
       keit selbst  in der  Begrenztheit als geldmachend auffaßt. Diesem
       System gegenüber das physiokratische, das eine bestimmte Form der
       Arbeit -  die Agrikultur  - als die reichtumschaffende setzt, und
       das Objekt  selbst nicht  mehr in  der  Verkleidung  des  Geldes,
       sondern als  Produkt überhaupt,  als allgemeines Resultat der Ar-
       beit. Dieses  Produkt noch  der Begrenztheit  der Tätigkeit gemäß
       als immer  noch naturbestimmtes Produkt - Agrikulturprodukt, Erd-
       produkt par excellence.
       ¦¦17¦ Es  war ein  ungeheurer Fortschritt von Ad. Smith, jede Be-
       stimmtheit der  reichtumzeugenden Tätigkeit fortzuwerfen - Arbeit
       schlechthin, weder  Manufaktur- noch  kommerzielle, noch Agrikul-
       turarbeit, aber sowohl die eine wie die andre. Mit der abstrakten
       Allgemeinheit der reichtumschaffenden Tätigkeit nun auch die All-
       gemeinheit des  als  Reichtum  bestimmten  Gegenstandes,  Produkt
       überhaupt oder  wieder Arbeit überhaupt, aber als vergangne, ver-
       gegenständlichte Arbeit.  Wie schwer  und groß  dieser  Übergang,
       geht daraus  hervor, wie  Ad. Smith  selbst noch von Zeit zu Zeit
       wieder in  das physiokratische  System zurückfällt. Nun könnte es
       scheinen, als  ob damit  nur der  abstrakte Ausdruck für die ein-
       fachste und  urälteste Beziehung  gefunden, worin  die Menschen -
       sei es in welcher Gesellschaftsform immer - als produzierend auf-
       treten. Das  ist nach  einer Seite  hin richtig.  Nach der andren
       nicht. Die  Gleichgültigkeit gegen  eine bestimmte Art der Arbeit
       setzt eine  sehr entwickelte  Totalität  wirklicher  Arbeitsarten
       voraus, von denen keine mehr die alles beherrschende ist. So ent-
       stehn die  allgemeinsten  Abstraktionen  überhaupt  nur  bei  der
       reichsten konkreten  Entwicklung, wo  eines vielen  gemeinsam er-
       scheint, allen  gemein. Dann  hört es  auf, nur in besondrer Form
       gedacht werden  zu können.  Andrerseits ist diese Abstraktion der
       Arbeit überhaupt  nicht nur das geistige Resultat einer konkreten
       Totalität von  Arbeiten. Die Gleichgültigkeit gegen die bestimmte
       Arbeit entspricht  einer Gesellschaftsform,  worin die Individuen
       mit Leichtigkeit  aus einer  Arbeit in die andre Übergehn und die
       bestimmte Art  der Arbeit ihnen zufällig, daher gleichgültig ist.
       Die Arbeit  ist hier  nicht nur  in der Kategorie, sondern in der
       Wirklichkeit als  Mittel zum Schaffen des Reichtums überhaupt ge-
       worden und hat aufgehört,
       
       #39# 3. Die Methode der politischen Ökonomie
       -----
       als Bestimmung  mit den Individuen in einer Besonderheit verwach-
       sen zu sein. Ein solcher Zustand ist am entwickeltsten in der mo-
       dernsten Daseinsform der bürgerlichen Gesellschaften - den Verei-
       nigten Staaten.  Hier also  wird die  Abstraktion  der  Kategorie
       "Arbeit", "Arbeit  überhaupt", Arbeit  sans phrase, der Ausgangs-
       punkt der  modernen Ökonomie, erst praktisch wahr. Die einfachste
       Abstraktion also,  welche die  moderne  Ökonomie  an  die  Spitze
       stellt und  die eine uralte und für alle Gesellschaftsformen gül-
       tige Beziehung  ausdrückt, erscheint  doch nur in dieser Abstrak-
       tion praktisch  wahr als  Kategorie der  modernsten Gesellschaft.
       Man könnte sagen, was in den Vereinigten Staaten als historisches
       Produkt, erscheine  bei den  Russen z.B. - diese Gleichgültigkeit
       gegen die  bestimmte Arbeit  - als  naturwüchsige Anlage.  Allein
       einmal verteufelter  Unterschied, ob Barbaren Anlage haben zu al-
       lem verwandt  zu werden oder ob Zivilisierte sich selbst zu allem
       verwenden. Und  dann entspricht  praktisch bei  den Russen dieser
       Gleichgültigkeit gegen  die Bestimmtheit der Arbeit das traditio-
       nelle Festgerittensein  in eine ganz bestimmte Arbeit, woraus sie
       nur durch Einflüsse von außen herausgeschleudert werden.
       ¦¦18¦ Dies  Beispiel der  Arbeit zeigt  schlagend, wie selbst die
       abstraktesten Kategorien  trotz ihrer Gültigkeit - eben wegen ih-
       rer Abstraktion  - für alle Epochen doch in der Bestimmtheit die-
       ser Abstraktion  selbst ebensosehr  das Produkt historischer Ver-
       hältnisse sind und ihre Vollgültigkeit nur für und innerhalb die-
       ser Verhältnisse besitzen.
       Die bürgerliche Gesellschaft ist die entwickeltste und mannigfal-
       tigste historische  Organisation der  Produktion. Die Kategorien,
       die ihre  Verhältnisse ausdrücken,  das Verständnis ihrer Gliede-
       rung gewähren  daher zugleich  Einsicht in die Gliederung und die
       Produktionsverhältnisse aller  der untergegangnen  Gesellschafts-
       formen, mit  deren Trümmern und Elementen sie sich aufgebaut, von
       denen teils  noch unüberwundne  Reste sich  in ihr fortschleppen,
       bloße Andeutungen  sich zu  ausgebildeten Bedeutungen  entwickelt
       haben etc. Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anato-
       mie des Affen. Die Andeutungen auf Höhres in den untergeordnetren
       Tierarten können  dagegen nur  verstanden werden, wenn das Höhere
       selbst schon bekannt ist. Die bürgerliche Ökonomie liefert so den
       Schlüssel zur  antiken etc. Keineswegs aber in der Art der Ökono-
       men, die  alle historischen  Unterschiede verwischen und in allen
       Gesellschaftsformen die  bürgerlichen  sehen.  Man  kann  Tribut,
       Zehnten etc. verstehn, wenn man die Grundrente kennt. Man muß sie
       aber nicht identifizieren. Da ferner die bürgerliche Gesellschaft
       selbst nur  eine gegensätzliche  Form der  Entwicklung, so werden
       Verhältnisse frührer  Formen oft nur ganz verkümmert in ihr anzu-
       treffen sein oder gar travestiert. Z.B. Gemeindeeigentum.
       
       #40# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       Wenn daher wahr ist, daß die Kategorien der bürgerlichen Ökonomie
       eine Wahrheit  für alle  andren Gesellschaftsformen  besitzen, so
       ist das  nur cum grano salis zu nehmen. Sie können dieselben ent-
       wickelt, verkümmert, karikiert etc. enthalten, immer in wesentli-
       chem Unterschied.  Die sog.  historische Entwicklung beruht über-
       haupt darauf,  daß die  letzte Form  die vergangnen als Stufen zu
       sich selbst  betrachtet und, da sie selten und nur unter ganz be-
       stimmten Bedingungen  fähig ist,  sich selbst zu kritisieren - es
       ist hier  natürlich nicht  von solchen  historischen Perioden die
       Rede, die sich selbst als Verfallzeit vorkommen -, sie immer ein-
       seitig auffaßt.  Die christliche Religion war erst fähig, zum ob-
       jektiven Verständnis der frühern Mythologien zu verhelfen, sobald
       ihre Selbstkritik  zu einem gewissen Grad, sozusagen ??????? 5*),
       fertig war.  So kam die bürgerliche Ökonomie erst zum Verständnis
       der feudalen,  antiken, Orientalen,  sobald die  Selbstkritik der
       bürgerlichen Gesellschaft begonnen. Soweit die bürgerliche Ökono-
       mie nicht  mythologisierend sich  rein identifiziert mit den ver-
       gangnen, glich  ihre Kritik der frühern, namentlich der feudalen,
       mit der  sie noch  direkt zu  kämpfen hatte,  der Kritik, die das
       Christentum am  Heidentum oder auch der Protestantismus am Katho-
       lizismus ausübte.
       ¦¦19¦ Wie überhaupt bei jeder historischen, sozialen Wissenschaft
       ist bei  dem Gang der ökonomischen Kategorien immer festzuhalten,
       daß, wie  in der  Wirklichkeit so  im Kopf, das Subjekt, hier die
       moderne bürgerliche Gesellschaft, gegeben ist und daß die Katego-
       rien daher  Daseinsformen, Existenzbestimmungen, oft nur einzelne
       Seiten dieser bestimmten Gesellschaft, dieses Subjekts ausdrücken
       und daß  sie daher  auch wissenschaftlich  keineswegs da erst an-
       fängt, wo  nun von ihr als solcher die Rede ist. Dies ist festzu-
       halten, weil  es gleich  über die  Einteilung Entscheidendes  zur
       Hand gibt.  Z. B. nichts scheint naturgemäßer, als mit der Grund-
       rente zu  beginnen, dem  Grundeigentum, da  es an  die Erde,  die
       Quelle aller  Produktion und  allen Daseins,  gebunden ist und an
       die erste  Produktionsform aller einigermaßen befestigten Gesell-
       schaften -  die Agrikultur.  Aber nichts  wäre falscher. In allen
       Gesellschaftsformen ist  es eine  bestimmte Produktion, die allen
       übrigen und  deren Verhältnisse daher auch allen übrigen Rang und
       Einfluß anweist.  Es ist  eine allgemeine Beleuchtung, worin alle
       übrigen Farben  getaucht sind und [die] sie in ihrer Besonderheit
       modifiziert. Es  ist ein besondrer Äther, der das spezifische Ge-
       wicht alles  in ihm  hervorstechenden Daseins  bestimmt. Z.B. bei
       Hirtenvölkern (bloße  Jäger- und  Fischer-Völker liegen außer dem
       Punkt, wo die wirkliche Entwicklung beginnt). Bei ihnen kömmt ge-
       wisse Form des Ackerbaus vor,
       -----
       5*) der Möglichkeit nach
       
       #41# 3. Die Methode der politischen Ökonomie
       -----
       sporadische. Das  Grundeigentum ist  dadurch bestimmt. Es ist ge-
       meinsames und  hält diese  Form mehr  oder minder bei, je nachdem
       diese Völker mehr oder minder noch an ihrer Tradition festhalten,
       z.B. das Gemeindeeigentum der Slawen. Bei Völkern von festsitzen-
       dem Ackerbau  - dies  Festsetzen schon  große Stufe  -, wo dieser
       vorherrscht wie  bei den Antiken und Feudalen, hat selbst die In-
       dustrie und  ihre Organisation  und die Formen des Eigentums, die
       ihr entsprechen,  mehr oder minder grundeigentümlichen Charakter;
       ist entweder  ganz von ihm 6*) abhängig wie bei den ältern Römern
       oder, wie im Mittelalter, ahmt die Organisation des Landes in der
       Stadt und ihren Verhältnissen nach. Das Kapital selbst im Mittel-
       alter - soweit es nicht reines Geldkapital ist - als traditionel-
       les Handwerkszeug  etc. hat diesen grundeigentümlichen Charakter.
       In der bürgerlichen Gesellschaft ist es umgekehrt. Die Agrikultur
       wird mehr und mehr ein bloßer Industriezweig und ist ganz vom Ka-
       pital beherrscht.  Ebenso die  Grundrente. In allen Formen, worin
       das Grundeigentum  herrscht,  die  Naturbeziehung  noch  vorherr-
       schend. In  denen, wo das Kapital herrscht, das gesellschaftlich,
       historisch geschaffne Element. Die Grundrente kann nicht verstan-
       den werden  ohne das  Kapital. Das  Kapital aber  wohl  ohne  die
       Grundrente. Das  Kapital ist  die alles beherrschende ökonomische
       Macht der  bürgerlichen Gesellschaft.  Es muß  Ausgangspunkt  wie
       Endpunkt bilden  und vor  dem  Grundeigentum  entwickelt  werden.
       Nachdem beide  besonders betrachtet  sind,  muß  ihre  Wechselbe-
       ziehung betrachtet werden.
       ¦¦20¦ Es  wäre also  untubar und falsch, die ökonomischen Katego-
       rien in der Folge aufeinander folgen zu lassen, in der sie histo-
       risch die  bestimmenden waren.  Vielmehr ist ihre Reihenfolge be-
       stimmt durch  die Beziehung, die sie in der modernen bürgerlichen
       Gesellschaft aufeinander  haben und die gerade das umgekehrte von
       dem ist,  was als  ihre naturgemäße  erscheint oder der Reihe der
       historischen Entwicklung entspricht. Es handelt sich nicht um das
       Verhältnis, das die ökonomischen Verhältnisse in der Aufeinander-
       folge  verschiedener  Gesellschaftsformen  historisch  einnehmen.
       Noch weniger  um ihre  Reihenfolge "in der Idee" (Proudhon) [19],
       (einer verschwimmelten  Vorstellung der  historischen  Bewegung).
       Sondern um  ihre Gliederung  innerhalb der  modernen bürgerlichen
       Gesellschaft.
       Die Reinheit (abstrakte Bestimmtheit), in der die Handelsvölker -
       Phönizier, Karthaginienser  - in  der alten  Welt erscheinen, ist
       eben durch  das Vorherrschen der Agrikulturvölker selbst gegeben.
       Das Kapital  als Handels-  oder  Geldkapital  erscheint  eben  in
       dieser Abstraktion,  wo das  Kapital noch nicht das beherrschende
       Element der Gesellschaften ist. Lombarden, Juden
       -----
       6*) In der Handschrift: ihr
       
       #42# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       nehmen dieselbe  Stellung gegenüber den agrikulturtreibenden mit-
       telaltrigen Gesellschaften ein.
       Als weitres Beispiel der verschiednen Stellung, die dieselben Ka-
       tegorien in  verschiednen Gesellschaftsstufen einnehmen: Eine der
       letzten Formen  der bürgerlichen  Gesellschaft: joint-stockcompa-
       nies 7*).  Erscheinen aber auch im Beginn derselben in den großen
       privilegierten und mit Monopol versehnen Handelskompanien.
       Der Begriff  des Nationalreichtums  selbst schleicht sich bei den
       Ökonomen des 17. Jahrhunderts so ein - eine Vorstellung, die noch
       zum Teil bei denen des 18. fortgeht -, daß bloß für den Staat der
       Reichtum geschaffen  wird, seine Macht aber im Verhältnis zu die-
       sem Reichtum steht. Es war dies noch unbewußt heuchlerische Form,
       worin sich  der Reichtum  selbst und die Produktion desselben als
       Zweck der  modernen Staaten ankündigt und sie nur noch als Mittel
       zur Produktion des Reichtums betrachtet.
       Die Einteilung  offenbar so zu machen, daß 1. die allgemeinen ab-
       strakten Bestimmungen,  die daher  mehr oder minder allen Gesell-
       schaftsformen zukommen,  aber im  oben auseinandergesetzten Sinn.
       2. Die  Kategorien, die die innre Gliederung der bürgerlichen Ge-
       sellschaft ausmachen und worauf die fundamentalen Klassen beruhn.
       Kapital, Lohnarbeit,  Grundeigentum. Ihre  Beziehung  zueinander.
       Stadt und  Land. Die drei großen gesellschaftlichen Klassen. Aus-
       tausch zwischen denselben. Zirkulation. Kreditwesen (private). 3.
       Zusammenfassung der  bürgerlichen Gesellschaft  in der  Form  des
       Staats. In  Beziehung zu sich selbst betrachtet. Die "unprodukti-
       ven" Klassen. Steuern. Staatsschuld. Öffentlicher Kredit. Die Be-
       völkerung. Die  Kolonien. Auswanderung.  4. Internationales  Ver-
       hältnis  der   Produktion.  Internationale  Teilung  der  Arbeit.
       Internationaler Austausch.  Aus- und Einfuhr. Wechselkurs. 5. Der
       Weltmarkt und die Krisen.
       -----
       7*) Aktiengesellschaften
       
       #43# 4. Produktion, Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse
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       ¦¦21¦ 4. Produktion.
       Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse.
       Produktionsverhältnisse und Verkehrsverhältnisse.
       Staats- und Bewußtseinsformen im Verhältnis
       zu den Produktions- und Verkehrsverhältnissen.
       Rechtsverhältnisse. Familienverhältnisse
       
       Notabene in bezug auf Punkte, die hier zu erwähnen und nicht ver-
       gessen werden dürfen:
       1. K r i e g   früher ausgebildet wie Frieden; Art, wie durch den
       Krieg und  in den  Armeen etc.  gewisse ökonomische Verhältnisse,
       wie Lohnarbeit, Maschinerie etc., früher entwickelt als im Innren
       der bürgerlichen Gesellschaft. Auch das Verhältnis von Produktiv-
       kraft und  Verkehrsverhältnissen besonders anschaulich in der Ar-
       mee.
       
       2.  V e r h ä l t n i s   d e r   b i s h e r i g e n    i d e a-
       l e n  G e s c h i c h t s c h r e i b u n g  z u r  r e a l e n.
       N a m e n t l i c h   d e r  s o g.  K u l t u r g e s c h i c h-
       t e n,  die alle Religions- und Staatengeschichte. (Bei der Gele-
       genheit kann auch etwas gesagt werden über die verschiednen Arten
       der bisherigen  Geschichtschreibung. Sog.  Objektive.  Subjektive
       (Moralische u.a.). Philosophische.)
       3.  S e k u n d ä r e s   u n d    T e r t i ä r e s,    ü b e r-
       h a u p t   a b g e l e i t e t e,   ü b e r t r a g n e,   nicht
       ursprüngliche Produktionsverhältnisse.  Einspielen hier  interna-
       tionaler Verhältnisse.
       4.  V o r w ü r f e   ü b e r   M a t e r i a l i s m u s  d i e-
       s e r   A u f f a s s u n g.   V e r h ä l t n i s   z u m   n a-
       t u r a l i s t i s c h e n  M a t e r i a l i s m u s.
       5.  D i a l e k t i k  d e r  B e g r i f f e  P r o d u k t i v-
       k r a f t   (P r o d u k t i o n s m i t t e l)   u n d    P r o-
       d u k t i o n s v e r h ä l t n i s s e,   eine Dialektik,  deren
       Grenzen zu bestimmen und die realen Unterschied nicht aufhebt.
       6.  D a s   u n e g a l e   V e r h ä l t n i s   d e r    E n t-
       w i c k l u n g    d e r    m a t e r i e l l e n    P r o d u k-
       t i o n   z. B.   z u r   k ü n s t l e r i s c h e n.  Überhaupt
       der Begriff  des Fortschritts  nicht in der gewöhnlichen Abstrak-
       tion zu fassen. Mit der Kunst etc. diese Disproportion noch nicht
       so wichtig  und schwierig  zu fassen  als innerhalb praktisch-so-
       zialer Verhältnisse  selbst. Z.B.  der  Bildung.  Verhältnis  der
       United States zu Europa. Der eigentlich schwierige Punkt, hier zu
       erörtern, ist  aber  der,  wie  die  Produktionsverhältnisse  als
       Rechtsverhältnisse in ungleiche Entwicklung treten. Also z.B. das
       Verhältnis  des  römischen  Privatrechts  (im  Kriminalrecht  und
       öffentlichen das weniger der Fall) zur modernen Produktion.
       7.  D i e s e   A u f f a s s u n g    e r s c h e i n t    a l s
       n o t w e n d i g e   E n t w i c k l u n g.   Aber  Berechtigung
       des Zufalls.  Wie. (Der Freiheit u.a. auch.) (Einwirkung der Kom-
       munikationsmittel.
       
       #44# Einleitung zu den "Grundrissen"
       -----
       Weltgeschichte existierte nicht immer; die Geschichte als Weltge-
       schichte Resultat.)
       8.  D e r   A u s g a n g s p u n k t   n a t ü r l i c h   v o n
       d e r   N a t u r b e s t i m m t h e i t;   subjektiv und objek-
       tiv. Stämme, Racen etc.
       1. Bei der  Kunst bekannt,  daß bestimmte  Blütezeiten  derselben
       keineswegs im  Verhältnis zur allgemeinen Entwicklung der Gesell-
       schaft, also  auch der  materiellen Grundlage, gleichsam des Kno-
       chenbaus ihrer Organisation, stehn. Z. B. die Griechen verglichen
       mit den  Modernen oder  auch Shakespeare. Von gewissen Formen der
       Kunst, z. B. dem Epos, sogar anerkannt, daß sie in ihrer weltepo-
       chemachenden, klassischen  Gestalt nie  produziert werden können,
       sobald die  Kunstproduktion als  solche eintritt; also daß inner-
       halb des Berings der Kunst selbst gewisse bedeutende Gestaltungen
       derselben nur auf einer unentwickelten Stufe der Kunstentwicklung
       möglich sind. Wenn dies im Verhältnis der verschiednen Kunstarten
       innerhalb des  Bereichs der  Kunst selbst  der Fall  ist, ist  es
       schon weniger  auffallend, daß  es im  Verhältnis des  ganzen Be-
       reichs der Kunst zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft der
       Fall ist.  Die Schwierigkeit  besteht nur in der allgemeinen Fas-
       sung dieser  Widersprüche. Sobald  sie spezifiziert  werden, sind
       sie schon erklärt.
       ¦¦22¦ Nehmen wir  z. B. das Verhältnis der griechischen Kunst und
       dann Shakespeares zur Gegenwart. Bekannt, daß die griechische My-
       thologie nicht  nur das  Arsenal der  griechischen Kunst, sondern
       ihr Boden.  Ist die  Anschauung der Natur und der gesellschaftli-
       chen Verhältnisse,  die der  griechischen Phantasie und daher der
       griechischen [Kunst]  zugrunde liegt, möglich mit selfactors [20]
       und Eisenbahnen  und Lokomotiven und elektrischen Telegraphen? Wo
       bleibt Vulkan gegen Roberts et Co., Jupiter gegen den Blitzablei-
       ter und  Hermes gegen  den Crédit  mobilier [21]? Alle Mythologie
       überwindet und  beherrscht und  gestaltet die  Naturkräfte in der
       Einbildung und  durch die  Einbildung; verschwindet  also mit der
       wirklichen Herrschaft über dieselben. Was wird aus der Fama neben
       Printinghouse square  [22]? Die griechische Kunst setzt die grie-
       chische Mythologie  voraus, d.h., die Natur und die gesellschaft-
       lichen Formen selbst schon in einer unbewußt künstlerischen Weise
       verarbeitet durch die Volksphantasie. Das ist ihr Material. Nicht
       jede beliebige  Mythologie, d.  h. nicht  jede beliebige unbewußt
       künstlerische Verarbeitung  der Natur (hier darunter alles Gegen-
       ständliche, also die Gesellschaft eingeschlossen). Ägyptische My-
       thologie konnte  nie der  Boden oder der Mutterschoß griechischer
       Kunst sein.  Aber jedenfalls  eine Mythologie.  Also  keinesfalls
       eine Gesellschaftsentwicklung, die alles mythologische Verhältnis
       zur Natur ausschließt,
       
       #45# 4. Produktion, Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse
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       alles mythologisierende Verhältnis zu ihr; also vom Künstler eine
       von Mythologie unabhängige Phantasie verlangt.
       Von einer andren Seite: Ist Achilles möglich mit Pulver und Blei?
       Oder überhaupt  die "Iliade" mit der Druckerpresse und gar Druck-
       maschine? Hört das Singen und Sagen und die Muse mit dem Preßben-
       gel nicht  notwendig auf  1*), also verschwinden nicht notwendige
       Bedingungen der epischen Poesie?
       Aber die  Schwierigkeit liegt  nicht darin zu verstehn, daß grie-
       chische Kunst und Epos an gewisse gesellschaftliche Entwicklungs-
       formen geknüpft  sind. Die  Schwierigkeit ist,  daß sie  uns noch
       Kunstgenuß gewähren  und in gewisser Beziehung als Norm und uner-
       reichbare Muster gelten.
       Ein Mann  kann nicht  wieder zum  Kind werden,  oder er wird kin-
       disch. Aber  freut ihn  die Naivetät des Kindes nicht, und muß er
       nicht selbst  wieder auf  einer höhern Stufe streben, seine Wahr-
       heit zu  reproduzieren? Lebt  in der  Kindernatur nicht  in jeder
       Epoche ihr  eigner Charakter  in seiner  Naturwahrheit auf? Warum
       sollte die  geschichtliche Kindheit  der Menschheit,  wo  sie  am
       schönsten entfaltet, als eine nie wiederkehrende Stufe nicht ewi-
       gen Reiz  ausüben? Es  gibt ungezogne Kinder und altkluge Kinder.
       Viele der alten Völker gehören in diese Kategorie. Normale Kinder
       waren die  Griechen. Der  Reiz ihrer Kunst für uns steht nicht im
       Widerspruch zu  der unentwickelten Gesellschaftsstufe, worauf sie
       wuchs. Ist  vielmehr ihr  Resultat und hängt vielmehr unzertrenn-
       lich damit  zusammen, daß  die unreifen gesellschaftlichen Bedin-
       gungen, unter  denen sie entstand und allein entstehn konnte, nie
       wiederkehren können.
       -----
       1*) In der Handschrift: aus
       

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