Quelle: MEW 42 Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858
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Einleitung
[zu den "Grundrissen der Kritik
der politischen Ökonomie"] [7]
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Inhalt
A. Einleitung
1. Die Produktion im allgemeinen
2. Allgemeines Verhältnis von Produktion, Distribution, Austausch
und Konsumtion
3. Die Methode der politischen Ökonomie
4. Produktionsmittel (-kräfte) und Produktionsverhältnisse, Pro-
duktionsverhältnisse und Verkehrsverhältnisse etc.
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Zweite Umschlagseite des Heftes M
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¦¦M-1¦ A. Einleitung
I. Produktion, Konsumtion, Distribution, Austausch (Zirkulation)
1. Produktion
a) Der vorliegende Gegenstand zunächst die m a t e r i e l l e
P r o d u k t i o n.
In Gesellschaft produzierende Individuen - daher gesellschaftlich
bestimmte Produktion der Individuen ist natürlich der Ausgangs-
punkt. Der einzelne und vereinzelte Jäger und Fischer, womit
Smith und Ricardo beginnen, gehört zu den phantasielosen Einbil-
dungen des 18. Jahrhunderts. Robinsonaden, die keineswegs, wie
Kulturhistoriker sich einbilden, bloß einen Rückschlag gegen
Überverfeinerung und Rückkehr zu einem mißverstandnen Naturleben
ausdrücken. Sowenig wie Rousseaus "Contrat social" [8], der die
von Natur independenten 1*) Subjekte durch Vertrag in Verhältnis
und Verbindung bringt, auf solchem Naturalismus beruht. Dies
Schein und nur der ästhetische Schein der kleinen und großen Ro-
binsonaden. Es ist vielmehr die Vorwegnahme der "bürgerlichen Ge-
sellschaft", die seit dem 16. Jahrhundert sich vorbereitete und
im 18. Riesenschritte zu ihrer Reife machte. In dieser Gesell-
schaft der freien Konkurrenz erscheint der einzelne losgelöst von
den Naturbanden usw., die ihn in frühren Geschichtsepochen zum
Zubehör eines bestimmten, begrenzten menschlichen Konglomerats
machen. Den Propheten des 18. Jahrhunderts, auf deren Schultern
Smith und Ricardo noch ganz stehn, schwebt dieses Individuum des
18. Jahrhunderts - das Produkt einerseits der Auflösung der feu-
dalen Gesellschaftsformen, andrerseits der seit dem 16. Jahrhun-
dert neuentwickelten Produktivkräfte - als Ideal vor, dessen Exi-
stenz eine vergangne sei. Nicht als ein historisches Resultat,
sondern als Ausgangspunkt der Geschichte. Weil als das naturge-
mäße Individuum, angemessen ihrer Vorstellung von der menschli-
chen Natur, nicht als ein geschichtlich entstehendes, sondern von
der Natur gesetztes. Diese Täuschung ist jeder neuen Epoche bis-
her eigen gewesen. Steuart, der in mancher Hinsicht im Gegensatz
zum 18. Jahrhundert und als Aristokrat mehr auf historischem Bo-
den steht, hat diese Einfältigkeit vermieden.
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1*) unabhängigen
#20# Einleitung zu den "Grundrissen"
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Je tiefer wir in der Geschichte zurückgehen, je mehr erscheint
das Individuum, daher auch das produzierende Individuum, als un-
selbständig, einem größren Ganzen angehörig: erst noch in ganz
natürlicher Weise in der Familie und der zum Stamm erweiterten
Familie; später in dem aus dem Gegensatz und Verschmelzung der
Stämme hervorgehenden Gemeinwesen in seinen verschiednen Formen.
Erst in dem 18. Jahrhundert, in der "bürgerlichen Gesellschaft",
treten die verschiednen Formen des gesellschaftlichen Zusammen-
hangs dem einzelnen als bloßes Mittel für seine Privatzwecke ent-
gegen, als äußerliche Notwendigkeit. Aber die Epoche, die diesen
Standpunkt erzeugt, den des vereinzelten einzelnen, ist grade die
der bisher entwickeltsten gesellschaftlichen (allgemeinen von
diesem Standpunkt aus) Verhältnisse. Der Mensch ist im wörtlich-
sten Sinn ein ???? ????????? 2*) [9], nicht nur ein geselliges
Tier, sondern ein Tier, das nur in der Gesellschaft ¦¦2¦ sich
vereinzeln kann. Die Produktion des vereinzelten einzelnen außer-
halb der Gesellschaft - eine Rarität, die einem durch Zufall in
die Wildnis verschlagnen Zivilisierten wohl vorkommen kann, der
in sich dynamisch schon die Gesellschaftskräfte besitzt - ist ein
ebensolches Unding als Sprachentwicklung ohne zusammen lebende
und zusammen sprechende Individuen. Es ist sich dabei nicht län-
ger aufzuhalten. Der Punkt wäre gar nicht zu berühren, wenn die
Fadaise, die bei den Leuten des 18. Jahrhunderts Sinn und Ver-
stand hatte, von Bastiat, Carey, Proudhon etc. nicht wieder
ernsthaft mitten in die modernste Ökonomie hereingezogen würde.
Für Proudhon u. a. ist es natürlich angenehm, den Ursprung eines
ökonomischen Verhältnisses, dessen geschichtliche Entstehung er
nicht kennt, dadurch geschichtsphilosophisch zu entwickeln, daß
er mythologisiert, Adam oder Prometheus sei auf die Idee fix und
fertig gefallen, dann sei sie eingeführt worden etc. [10]. Nichts
ist langweilig trockener als der phantasierende locus communis
3*).
Wenn also von Produktion die Rede ist, ist immer die Rede von
Produktion auf einer bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungs-
stufe - von der Produktion gesellschaftlicher Individuen. Es
könnte daher scheinen, daß, um überhaupt von der Produktion zu
sprechen, wir entweder den geschichtlichen Entwicklungsprozeß in
seinen verschiednen Phasen verfolgen müssen oder von vornherein
erklären, daß wir es mit einer bestimmten historischen Epoche zu
tun haben, also z. B. mit der modernen bürgerlichen Produktion,
die in der Tat unser eigentliches Thema ist. Allein alle Epochen
der Produktion haben gewisse Merkmale gemein, gemeinsame Bestim-
mungen. Die P r o d u k t i o n i m a l l g e m e i n e n ist
eine Abstraktion, aber eine verständige Abstraktion, sofern sie
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2*) zoon politikon - gesellschaftliches Wesen - 3*) Gemeinplatz
#21# 1. Produktion
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wirklich das Gemeinsame hervorhebt, fixiert und uns daher die
Wiederholung erspart. Indes dies A l l g e m e i n e, oder das
durch Vergleichung herausgesonderte Gemeinsame, ist selbst ein
vielfach Gegliedertes, in verschiedne Bestimmungen Auseinander-
fahrendes. Einiges davon gehört allen Epochen; andres einigen ge-
meinsam. [Einige] Bestimmungen werden der modernsten Epoche mit
der ältesten gemeinsam sein. Es wird sich keine Produktion ohne
sie denken lassen; allein, wenn die entwickeltsten Sprachen Ge-
setze und Bestimmungen mit den unentwickeltsten gemein haben, so
ist grade das, was ihre Entwicklung ausmacht, der Unterschied von
diesem Allgemeinen und Gemeinsamen. Die Bestimmungen, die für die
Produktion überhaupt gelten, müssen grade gesondert werden, damit
4*) über der Einheit - die schon daraus hervorgeht, daß das Sub-
jekt, die Menschheit, und das Objekt, die Natur, dieselben - die
wesentliche Verschiedenheit nicht vergessen wird. In diesem Ver-
gessen liegt z.B. die ganze Weisheit der modernen Ökonomen, die
die Ewigkeit und Harmonie der bestehenden sozialen Verhältnisse
beweisen. Z. B. Keine Produktion möglich ohne ein Produktionsin-
strument, wäre dies Instrument auch nur die Hand. Keine möglich
ohne vergangne, aufgehäufte Arbeit, wäre diese Arbeit auch nur
die Fertigkeit, die in der Hand des Wilden durch wiederholte ¦¦3¦
Übung angesammelt und konzentriert ist. Das Kapital ist unter an-
drem auch Produktionsinstrument, auch vergangne, objektivierte
Arbeit. Also ist das Kapital ein allgemeines, ewiges Naturver-
hältnis; d.h., wenn ich grade das Spezifische weglasse, was
"Produktionsinstrument", "aufgehäufte Arbeit" erst zum Kapital
macht. Die ganze Geschichte der Produktionsverhältnisse erscheint
daher z. B. bei Carey als eine durch die Regierungen böswillig
veranlaßte Verfälschung.
Wenn es keine Produktion im allgemeinen gibt, so gibt es auch
keine allgemeine Produktion. Die Produktion ist immer ein be-
sondrer Produktionszweig - z.B. Agrikultur, Viehzucht, Manufaktur
etc. - oder sie ist Totalität. Allein die politische Ökonomie ist
nicht Technologie. Das Verhältnis der allgemeinen Bestimmungen
der Produktion auf einer gegebnen gesellschaftlichen Stufe zu den
besondren Produktionsformen anderswo zu entwickeln (später).
Endlich ist die Produktion auch nicht nur besondre. Sondern es
ist stets ein gewisser Gesellschaftskörper, ein gesellschaftli-
ches Subjekt, das in einer größren oder dürftigren Totalität von
Produktionszweigen tätig ist. Das Verhältnis, das die wissen-
schaftliche Darstellung zur reellen Bewegung hat, gehört eben-
falls noch nicht hierher. Produktion im allgemeinen. Besondre
Produktionszweige. Totalität der Produktion.
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4*) In der handschrift: um
#22# Einleitung zu den "Grundrissen"
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Es ist Mode, der Ökonomie einen allgemeinen Teil vorherzuschicken
- und es ist grade der, der unter dem Titel "Produktion" figu-
riert (siehe z.B. J. St. Mill) [11] -, worin die a l l g e-
m e i n e n B e d i n g u n g e n aller Produktion abgehandelt
werden. Dieser allgemeine Teil besteht oder soll angeblich be-
stehn: 1. aus den Bedingungen, ohne welche Produktion nicht mög-
lich ist. D. h. also in der Tat nichts, als die wesentlichen Mo-
mente aller Produktion angeben. Es reduziert sich dies in der Tat
aber, wie wir sehn werden, auf einige sehr einfache Bestimmungen,
die in flachen Tautologien breitgeschlagen werden; 2. den
Bedingungen, die mehr oder weniger die Produktion fördern, wie
z.B. Adam Smiths fortschreitender und stagnanter Gesellschafts-
zustand [12]. Um dies, was als Aperçu bei ihm seinen Wert hat, zu
wissenschaftlicher Bedeutung zu erheben, wären Untersuchungen
nötig über die Perioden der G r a d e d e r P r o d u k-
t i v i t ä t in der Entwicklung einzelner Völker - eine Unter-
suchung, die außerhalb der eigentlichen Grenzen des Themas liegt,
soweit sie aber in dasselbe gehört, bei der Entwicklung der
Konkurrenz, Akkumulation etc. anzubringen ist. In der allgemeinen
Fassung läuft die Antwort auf das Allgemeine hinaus, daß ein
industrielles Volk die Höhe seiner Produktion in dem Moment
besitzt, worin es überhaupt seine geschichtliche Höhe einnimmt.
In fact. Industrielle Höhe eines Volks, solange noch nicht der
Gewinn, sondern das Gewinnen ihm Hauptsache ist. Sofern die
Yankees über den Engländern. Oder aber: daß z.B. gewisse Racenan-
lagen, Klimate, Naturverhältnisse, wie Seelage, Fruchtbarkeit des
Bodens etc., der Produktion günstiger sind als andre. Läuft auch
wieder auf die Tautologie hinaus, daß der Reichtum in dem Grade
leichter geschaffen wird, als subjektiv und objektiv seine Ele-
mente in höherm Grad vorhanden sind.
¦¦4¦ Das ist es aber alles nicht, worum es den Ökonomen wirklich
in diesem allgemeinen Teil sich handelt. Die Produktion soll
vielmehr - siehe z. B. Mill - im Unterschied von der Distribution
etc. als eingefaßt in von der Geschichte unabhängigen ewigen Na-
turgesetzen dargestellt werden, bei welcher Gelegenheit dann ganz
unter der Hand bürgerliche Verhältnisse als unumstößliche Natur-
gesetze der Gesellschaft in abstracto untergeschoben werden. Dies
ist der mehr oder minder bewußte Zweck des ganzen Verfahrens. Bei
der Distribution dagegen sollen die Menschen in der Tat allerlei
Willkür sich erlaubt haben. Ganz abgesehn von dem rohen Auseinan-
derreißen von Produktion und Distribution und ihrem wirklichen
Verhältnis, muß soviel von vornherein einleuchten, daß, wie ver-
schiedenartig die Distribution auf verschiednen Gesellschaftsstu-
fen sein mag, es ebenso möglich sein muß, ebensogut wie in der
Produktion gemeinsame Bestimmungen herauszuheben, und ebenso mög-
lich, alle historischen Unterschiede zu konfundieren oder auszu-
löschen
#23# 1. Produktion
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in a l l g e m e i n m e n s c h l i c h e n Gesetzen. Z.B.
der Sklave, der Leibeigne, der Lohnarbeiter erhalten alle ein
Quantum Nahrung, das ihnen möglich macht, als Sklave, als
Leibeigner, als Lohnarbeiter zu existieren. Der Eroberer, der vom
Tribut, oder der Beamte, der von der Steuer, oder der Grundeigen-
tümer, der von der Rente, oder der Mönch, der vom Almosen, oder
der Levit, der vom Zehnten lebt, erhalten alle ein Quotum der ge-
sellschaftlichen Produktion, das nach andren Gesetzen bestimmt
ist als das des Sklaven etc. Die beiden Hauptpunkte, die alle
Ökonomen unter diese Rubrik stellen, sind: 1. Eigentum; 2. Siche-
rung desselben durch Justiz, Polizei etc. Es ist darauf sehr kurz
zu antworten:
ad 1. Alle Produktion ist Aneignung der Natur von Seiten des In-
dividuums innerhalb und vermittelst einer bestimmten Gesell-
schaftsform. In diesem Sinn ist es Tautologie zu sagen, daß Ei-
gentum (Aneignen) eine Bedingung der Produktion sei. Lächerlich
aber ist es, hiervon einen Sprung auf eine bestimmte Form des Ei-
gentums, z.B. des Privateigentums, zu machen. (Was dazu noch eine
gegensätzliche Form, die N i c h t e i g e n t u m ebensowohl
als Bedingung unterstelle.) Die Geschichte zeigt vielmehr Gemein-
eigentum (z.B. bei den Indern, Slawen, alten Kelten etc.) als die
ursprünglichere Form, eine Form, die unter der Gestalt des Ge-
meindeeigentums noch lange eine bedeutende Rolle spielt. Von der
Frage, ob der Reichtum sich besser unter dieser oder jener Form
des Eigentums entwickle, ist hier noch gar nicht die Rede. Daß
aber von keiner Produktion, also auch von keiner Gesellschaft die
Rede sein kann, wo keine Form des Eigentums existiert, ist eine
Tautologie. Eine Aneignung, die sich nichts zu eigen macht, ist
contradictio in subjecto 5*).
ad 2. Sicherstellung des Erworbnen etc. Wenn diese Trivialitäten
auf ihren wirklichen Gehalt reduziert werden, so sprechen sie
mehr aus, als ihre Prediger wissen. Nämlich daß jede Form der
Produktion ihre eignen Rechtsverhältnisse, Regierungsform etc.
erzeugt. Die Roheit und Begriffslosigkeit liegt eben darin, das
organisch ¦¦5¦ Zusammengehörende zufällig aufeinander zu beziehn,
in einen bloßen Reflexionszusammenhang zu bringen. Den bürgerli-
chen Ökonomen schwebt nur vor, daß sich mit der modernen Polizei
besser produzieren lasse als z. B. im Faustrecht. Sie vergessen
nur, daß auch das Faustrecht ein Recht ist und daß das Recht des
Stärkeren unter andrer Form auch in ihrem "Rechtsstaat" fortlebt.
Wenn die einer bestimmten Stufe der Produktion entsprechenden ge-
sellschaftlichen Zustände erst entstehn oder wenn sie schon ver-
gehn, treten natürlich Störungen der Produktion ein, obgleich in
verschiednem Grad und von verschiedner Wirkung.
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5*) ein Widersinn
#24# Einleitung zu den "Grundrissen"
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Zu resümieren: Es gibt allen Produktionsstufen gemeinsame Bestim-
mungen, die vom Denken als allgemeine fixiert werden; aber die
sog. a l l g e m e i n e n B e d i n g u n g e n aller Produk-
tion sind nichts als diese abstrakten Momente, mit denen keine
wirkliche geschichtliche Produktionsstufe begriffen ist.
2. Das allgemeine Verhältnis der Produktion
zu Distribution, Austausch, Konsumtion
Ehe in eine weitre Analyse der Produktion eingegangen wird, ist
es nötig, die verschiednen Rubriken, die die Ökonomen neben sie
stellen, ins Aug zu fassen.
Die flach auf der Hand liegende Vorstellung: In der Produktion
eignen (bringen hervor, gestalten) die Gesellschaftsglieder die
Naturprodukte menschlichen Bedürfnissen an; die Distribution be-
stimmt das Verhältnis, worin der einzelne teilnimmt an diesen
Produkten; der Austausch führt ihm die besondren Produkte zu, in
die er das ihm durch die Distribution zugefallne Quotum umsetzen
will; endlich in der Konsumtion werden die Produkte 1*) Gegen-
stände des Genusses, der individuellen Aneignung. Die Produktion
bringt die den Bedürfnissen entsprechenden Gegenstände hervor;
die Distribution verteilt sie nach gesellschaftlichen Gesetzen;
der Austausch verteilt wieder das schon Verteilte nach dem ein-
zelnen Bedürfnis; endlich in der Konsumtion tritt das Produkt aus
dieser gesellschaftlichen Bewegung heraus, wird direkt Gegenstand
und Diener des einzelnen Bedürfnisses und befriedigt es im Genuß.
Produktion erscheint so als der Ausgangspunkt, Konsumtion als der
Endpunkt, Distribution und Austausch als die Mitte, die selbst
wieder doppelt ist, indem die Distribution als das von der Ge-
sellschaft, der Austausch als das von den Individuen ausgehende
Moment bestimmt ist. In der Produktion objektiviert sich die Per-
son, in der Konsumtion 2*) subjektiviert sich die Sache; in der
Distribution übernimmt die Gesellschaft in der Form allgemeiner,
herrschender Bestimmungen die Vermittlung zwischen der Produktion
und Konsumtion; in dem Austausch sind sie vermittelt durch die
zufällige Bestimmtheit des Individuums.
Die Distribution bestimmt das Verhältnis (das Quantum), worin die
Produkte an die Individuen fallen; der Austausch bestimmt die
Produkte, worin das Individuum den ihm durch die Distribution zu-
gewiesnen ¦¦6¦ Anteil verlangt.
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1*) in der Handschrift: Produktion - 2*) in der Handschrift: Per-
son
#25# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
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Produktion, Distribution, Austausch, Konsumtion bilden so einen
regelrechten Schluß; Produktion die Allgemeinheit, Distribution
und Austausch die Besonderheit, Konsumtion die Einzelnheit, worin
sich das Ganze zusammenschließt. Dies ist allerdings ein Zusam-
menhang, aber ein flacher. Die Produktion ist durch allgemeine
Naturgesetze bestimmt; die Distribution durch gesellschaftlichen
Zufall, und sie kann daher mehr oder weniger befördernd auf die
Produktion wirken; der Austausch liegt zwischen beiden als
formalgesellschaftliche Bewegung, und der schließende Akt der
Konsumtion, der nicht nur als Endziel, sondern auch als Endzweck
gefaßt wird, liegt eigentlich außerhalb der Ökonomie, außer so-
weit er wieder zurückwirkt auf den Ausgangspunkt und den ganzen
Vorgang von neuem einleitet.
Die Gegner der politischen Ökonomen - seien es Gegner innerhalb
oder außerhalb ihres Berings, die ihnen barbarische Auseinander-
reißung des Zusammengehörigen vorwerfen, stehn entweder mit ihnen
auf demselben Boden oder unter ihnen. Nichts gewöhnlicher als der
Vorwurf, die politischen Ökonomen faßten die Produktion zu aus-
schließlich als Selbstzweck ins Auge. Es komme ebensosehr auf die
Distribution an. Diesem Vorwurf liegt grade die ökonomische Vor-
stellung zugrunde, daß die Distribution als selbständige, unab-
hängige Sphäre neben der Produktion haust. Oder die Momente wür-
den nicht in ihrer Einheit gefaßt. Als wenn das Auseinanderreißen
nicht aus der Wirklichkeit in die Lehrbücher, sondern umgekehrt
aus den Lehrbüchern in die Wirklichkeit gedrungen sei, und es
sich hier um eine dialektische Ausgleichung von Begriffen handele
und nicht um die Auffassung realer Verhältnisse!
a) [Produktion und Konsumtion]
Die Produktion ist unmittelbar auch Konsumtion. Doppelte Konsum-
tion, subjektive und objektive: das Individuum, das im Produzie-
ren seine Fähigkeiten entwickelt, gibt sie auch aus, verzehrt sie
im Akt der Produktion, ganz wie das natürliche Zeugen eine Kon-
sumtion von Lebenskräften ist. Zweitens: Konsumtion der Produkti-
onsmittel, die gebraucht und abgenutzt werden und zum Teil (wie
z.B. bei der Feurung) in die allgemeinen Elemente wieder aufge-
löst werden. Ebenso Konsumtion des Rohstoffs, der nicht in seiner
natürlichen Gestalt und Beschaffenheit bleibt, die vielmehr auf-
gezehrt wird. Der Akt der Produktion selbst ist daher in allen
seinen Momenten auch ein Akt der Konsumtion. Aber dies geben die
Ökonomen zu. Die Produktion als unmittelbar identisch mit der
Konsumtion, die Konsumtion als unmittelbar zusammenfallend mit
der Produktion nennen sie p r o d u k t i v e K o n s u m-
t i o n.
#26# Einleitung zu den "Grundrissen"
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Diese Identität von Produktion und Konsumtion kömmt hinaus auf
Spinozas Satz: determinatio est negatio [13].
¦¦7¦ Aber diese Bestimmung der produktiven Konsumtion wird eben
nur aufgestellt, um die mit der Produktion identische Konsumtion
zu trennen von der eigentlichen Konsumtion, die vielmehr als ver-
nichtender Gegensatz der Produktion gefaßt wird. Betrachten wir
also die eigentliche Konsumtion.
Die Konsumtion ist unmittelbar auch Produktion, wie in der Natur
die Konsumtion der Elemente und der chemischen Stoffe Produktion
der Pflanze ist. Daß in der Nahrung z.B., einer Form der Konsum-
tion, der Mensch seinen eignen Leib produziert, ist klar. Es gilt
dies aber von jeder andren Art der Konsumtion, die in einer oder
der andren Art den Menschen nach einer Seite hin produziert. Kon-
sumtive Produktion. Allein, sagt die Ökonomie, diese mit der Kon-
sumtion identische Produktion ist eine zweite, aus der Vernich-
tung des ersten Produkts hervorgehende. In der ersten versach-
lichte sich der Produzent, in der zweiten personifiziert sich die
von ihm geschaffne Sache. Also ist diese konsumtive Produktion -
obgleich sie eine unmittelbare Einheit zwischen Produktion und
Konsumtion ist - wesentlich verschieden von der eigentlichen Pro-
duktion. Die unmittelbare Einheit, worin die Produktion mit der
Konsumtion und die Konsumtion mit der Produktion zusammenfällt,
läßt ihre unmittelbare Zweiheit bestehn.
Die Produktion ist also unmittelbar Konsumtion, die Konsumtion
ist unmittelbar Produktion. Jede ist unmittelbar ihr Gegenteil.
Zugleich aber findet eine vermittelnde Bewegung zwischen beiden
statt. Die Produktion vermittelt die Konsumtion, deren Material
sie schafft, der ohne sie der Gegenstand fehlte. Aber die Konsum-
tion vermittelt auch die Produktion, indem sie den Produkten erst
das Subjekt schafft, für das sie Produkte sind. Das Produkt er-
hält erst den letzten finish 1*) in der Konsumtion. Eine Eisen-
bahn, auf der nicht gefahren wird, die also nicht abgenutzt,
nicht konsumiert wird, ist nur eine Eisenbahn ??????? 2*), nicht
der Wirklichkeit nach. Ohne Produktion keine Konsumtion; aber
auch ohne Konsumtion keine Produktion, da die Produktion so
zwecklos wäre. Die Konsumtion produziert die Produktion doppelt,
1. indem erst in der Konsumtion das Produkt wirkliches Produkt
wird. Z. B. ein Kleid wird erst wirklich Kleid durch den Akt des
Tragens; ein Haus, das nicht bewohnt wird, ist in fact kein wirk-
liches Haus; also als Produkt im Unterschied von bloßem Naturge-
genstand, bewährt sich, wird das Produkt erst in der Konsumtion.
Die Konsumtion gibt, indem sie das Produkt auflöst, ihm erst den
finishing stroke 3*);
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1*) die letzte Vollendung - 2*) der Möglichkeit nach - 3*) letz-
ten Schliff
#27# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
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denn Produkt ist die Produktion nicht als 4*) versachlichte Tä-
tigkeit, sondern auch nur als Gegenstand für das tätige Subjekt.
2. Indem die Konsumtion das Bedürfnis neuer Produktion schafft,
also den idealen, innerlich treibenden Grund der Produktion, der
ihre Voraussetzung ist. Die Konsumtion schafft den Trieb der Pro-
duktion; sie schafft auch den Gegenstand, der als zweckbestimmend
in der Produktion tätig ist. Wenn es klar ist, daß die Produktion
den Gegenstand der Konsumtion äußerlich darbietet, so ist ¦¦8¦
daher ebenso klar, daß die Konsumtion den Gegenstand der Produk-
tion i d e a l setzt, als innerliches Bild, als Bedürfnis, als
Trieb und als Zweck. Sie schafft die Gegenstände der Produktion
in noch subjektiver Form. Ohne Bedürfnis keine Produktion. Aber
die Konsumtion reproduziert das Bedürfnis.
Dem entspricht von Seiten der Produktion, daß sie 1. der Konsum-
tion 5*) das Material, den Gegenstand liefert. Eine Konsumtion
ohne Gegenstand ist keine Konsumtion; also schafft nach dieser
Seite, produziert die Produktion die Konsumtion. 2. Aber es ist
nicht nur der Gegenstand, den die Produktion der Konsumtion
schafft. Sie gibt auch der Konsumtion ihre Bestimmtheit, ihren
Charakter, ihren finish. Ebenso wie die Konsumtion dem Produkt
seinen finish als Produkt gab, gibt die Produktion den finish der
Konsumtion. Einmal ist der Gegenstand kein Gegenstand überhaupt,
sondern ein bestimmter Gegenstand, der in einer bestimmten, durch
die Produktion selbst wieder vermittelten Art konsumiert werden
muß. Hunger ist Hunger, aber Hunger, der sich durch gekochtes,
mit Gabeln und Messer gegeßnes Fleisch befriedigt, ist ein andrer
Hunger als der rohes Fleisch mit Hilfe von Hand, Nagel und Zahn
verschlingt. Nicht nur der Gegenstand der Konsumtion, sondern
auch die Weise der Konsumtion wird daher durch die Produktion
produziert, nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv. Die Pro-
duktion schafft also den Konsumenten. 3. 6*) Die Produktion lie-
fert dem Bedürfnis nicht nur ein Material, sondern sie liefert
dem Material auch ein Bedürfnis. Wenn die Konsumtion aus ihrer
ersten Naturroheit und Unmittelbarkeit heraustritt - und das Ver-
weilen in derselben wäre selbst noch das Resultat einer in der
Naturroheit steckenden Produktion-, so ist sie selbst als Trieb
vermittelt durch den Gegenstand. Das Bedürfnis, das sie nach ihm
fühlt, ist durch die Wahrnehmung desselben geschaffen. Der Kunst-
gegenstand - ebenso jedes andre Produkt - schafft ein kunstsinni-
ges und schönheitsgenußfähiges Publikum. Die Produktion produ-
ziert daher nicht nur einen Gegenstand für das Subjekt, sondern
auch ein Subjekt für den Gegenstand. Die Produktion produziert
die Konsumtion daher, 1. indem sie ihr das Material schafft; 2.
indem sie die Weise der Konsumtion bestimmt;
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4*) In der Handschrift: nicht nur als - 5*) in der Handschrift:
Produktion - 6*) in der Handschrift: 2.
#28# Einleitung zu den "Grundrissen"
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3. indem sie die erst von ihr als Gegenstand gesetzten Produkte
als Bedürfnis im Konsumenten erzeugt. Sie produziert daher Gegen-
stand der Konsumtion, Weise der Konsumtion, Trieb der Konsumtion.
Ebenso produziert die Konsumtion die A n l a g e des Produzen-
ten, indem sie ihn als zweckbestimmendes Bedürfnis sollizitiert
7*).
Die Identitäten zwischen Konsumtion und Produktion erscheinen
also dreifach:
1. U n m i t t e l b a r e I d e n t i t ä t: Die Produktion
ist Konsumtion; die Konsumtion ist Produktion. Konsumtive Produk-
tion. Produktive Konsumtion. Die Nationalökonomen nennen beides
¦¦9¦ produktive Konsumtion. Machen aber noch einen Unterschied.
Die erste figuriert als Reproduktion; die zweite als produktive
Konsumtion. Alle Untersuchungen über die erste sind die über pro-
duktive oder unproduktive Arbeit; die über die zweite über pro-
duktive oder nicht produktive Konsumtion.
2. Daß jede als Mittel der andren erscheint; von ihr vermittelt
wird; was als ihre wechselseitige Abhängigkeit ausgedrückt wird;
eine Bewegung, wodurch sie aufeinander bezogen werden und sich
wechselseitig unentbehrlich erscheinen, aber sich doch noch äu-
ßerlich bleiben. Die Produktion schafft das Material als äußerli-
chen Gegenstand für die Konsumtion; die Konsumtion schafft das
Bedürfnis als innern Gegenstand, als Zweck für die Produktion.
Ohne Produktion keine Konsumtion; ohne Konsumtion keine Produk-
tion. Figuriert in der Ökonomie in vielen Formen.
3. Die Produktion ist nicht nur unmittelbar Konsumtion und die
Konsumtion unmittelbar Produktion; noch ist die Produktion nur
Mittel für die Konsumtion und die Konsumtion Zweck für die Pro-
duktion, d. h., daß jede der andren ihren Gegenstand liefert, die
Produktion äußerlichen der Konsumtion, die Konsumtion vorgestell-
ten der Produktion; sondern jede derselben ist nicht nur unmit-
telbar die andre, noch die andere nur vermittelnd, sondern jede
der beiden schafft, indem sie sich vollzieht, die andre; sich als
die andre. Die Konsumtion vollzieht erst den Akt der Produktion,
indem sie das Produkt als Produkt vollendet, indem sie es auf-
löst, die selbständig sachliche Form an ihm verzehrt; indem sie
die in dem ersten Akt der Produktion entwickelte Anlage durch das
Bedürfnis der Wiederholung zur Fertigkeit steigert; sie ist also
nicht nur der abschließende Akt, wodurch das Produkt Produkt,
sondern auch, wodurch der Produzent Produzent wird. Andrerseits
produziert die Produktion die Konsumtion, indem sie die bestimmte
Weise der Konsumtion schafft, und dann, indem sie den Reiz der
Konsumtion, die Konsumtionsfähigkeit selbst
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7*) anregt
#29# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
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schafft als Bedürfnis. Diese letztre unter 3. bestimmte Identität
in der Ökonomie vielfach erläutert in dem Verhältnis von Nach-
frage und Zufuhr, von Gegenständen und Bedürfnissen, von durch
die Sozietät geschaffnen und natürlichen Bedürfnissen.
Hiernach für einen Hegelianer nichts einfacher als Produktion und
Konsumtion identisch zu setzen. Und das ist geschehn nicht nur
von sozialistischen Belletristen [14], sondern von prosaischen
Ökonomen selbst, z.B. Say; in der Form, daß, wenn man ein Volk
betrachte, seine Produktion seine Konsumtion sei. Oder auch die
Menschheit in abstracto. Storch hat dem Say das Falsche nachge-
wiesen [15], indem ein Volk z.B. nicht rein sein Produkt konsu-
miert, sondern auch Produktionsmittel schafft etc., fixes Kapital
etc. Die Gesellschaft als ein einziges Subjekt betrachten, ist
sie überdem falsch betrachten; spekulativ. Bei einem Subjekt er-
scheinen Produktion und Konsumtion als Momente eines Akts. Das
wichtige ist hier nur ¦¦9'¦ [16] hervorzuheben, daß, betrachte
man Produktion und Konsumtion als Tätigkeiten eines Subjekts oder
vieler Individuen, sie jedenfalls als Momente eines Prozesses er-
scheinen, worin die Produktion der wirkliche Ausgangspunkt und
darum auch das übergreifende Moment ist. Die Konsumtion als Not-
durft, als Bedürfnis ist selbst ein innres Moment der produktiven
Tätigkeit. Aber die letztre ist der Ausgangspunkt der Realisie-
rung und daher auch ihr übergreifendes Moment, der Akt, worin der
ganze Prozeß sich wieder verläuft. Das Individuum produziert
einen Gegenstand und kehrt durch dessen Konsumtion wieder in sich
zurück, aber als produktives Individuum und sich selbst reprodu-
zierendes. Die Konsumtion erscheint so als Moment der Produktion.
In der Gesellschaft aber ist die Beziehung des Produzenten auf
das Produkt, sobald es fertig ist, eine äußerliche, und die Rück-
kehr desselben zu dem Subjekt hängt ab von seinen Beziehungen zu
andren Individuen. Es wird desselben nicht unmittelbar habhaft.
Auch ist die unmittelbare Aneignung desselben nicht sein Zweck,
wenn es in der Gesellschaft produziert. Zwischen den Produzenten
und die Produkte tritt die D i s t r i b u t i o n, die durch
gesellschaftliche Gesetze seinen Anteil an der Welt der Produkte
bestimmt, also zwischen die Produktion und Konsumtion tritt.
Steht nun die Distribution als selbständige Sphäre neben und au-
ßerhalb der Produktion?
#30# Einleitung zu den "Grundrissen"
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b) Produktion und Distribution
Wenn man die gewöhnlichen Ökonomien betrachtet, muß zunächst auf-
fallen, daß alles in ihnen doppelt gesetzt wird. Z. B. in der
Distribution figurieren Grundrente, Arbeitslohn, Zins und Profit,
während in der Produktion Erde, Arbeit, Kapital figurieren als
Agenten der Produktion. Mit dem Kapital nun ist von vornherein
einleuchtend, daß es doppelt gesetzt ist, 1. als Produktions-
agent; 2. als Einnahmequelle; als bestimmend bestimmte Distribu-
tionsformen. Zins und Profit figurieren daher auch als solche in
der Produktion, insofern sie Formen sind, in denen das Kapital
sich vermehrt, anwächst, also Momente seiner Produktion selbst.
Zins und Profit als Distributionsformen unterstellen das Kapital
als Agenten der Produktion. Sie sind Distributionsweisen, die zur
Voraussetzung das Kapital als Produktionsagenten haben. Sie sind
ebenso Reproduktionsweisen des Kapitals.
Arbeitslohn ist ebenso die unter einer andren Rubrik betrachtete
Lohnarbeit: Die Bestimmtheit, die die Arbeit hier als Produkti-
onsagent hat, erscheint als Distributionsbestimmung. Wäre die Ar-
beit nicht als Lohnarbeit bestimmt, so erschiene die Art, worin
sie an den Produkten teilnimmt, nicht als Arbeitslohn, wie z. B.
in der Sklaverei. Endlich die Grundrente, um gleich die ent-
wickeltste Form der Distribution zu nehmen, worin das Grundeigen-
tum an den Produkten ¦¦10¦ teilnimmt, unterstellt das große
Grundeigentum (eigentlich die große Agrikultur) als Produktions-
agenten, nicht die Erde schlechthin, sowenig wie das Salair die
Arbeit schlechthin. Die Distributionsverhältnisse und -weisen
erscheinen daher nur als Kehrseite der Produktionsagenten. Ein
Individuum, das in der Form der Lohnarbeit an der Produktion
teilnimmt, nimmt in der Form des Arbeitslohns an den Produkten,
den Resultaten der Produktion teil. Die Gliederung der
Distribution ist vollständig bestimmt durch die Gliederung der
Produktion. Die Distribution ist selbst ein Produkt der
Produktion, nicht nur dem Gegenstand nach, daß nur die Resultate
der Produktion distribuiert werden können, sondern auch der Form
nach, daß die bestimmte Art der Teilnahme an der Produktion die
besondren Formen der Distribution, die Form, worin an der
Distribution teilgenommen wird, bestimmt. Es ist durchaus eine
Illusion, in der Produktion Erde, in der Distribution Grundrente
zu setzen etc.
Ökonomen wie Ricardo, denen am meisten vorgeworfen wird, sie hät-
ten nur die Produktion im Auge, haben daher ausschließlich die
Distribution als Gegenstand der Ökonomie bestimmt, weil sie in-
stinktiv die Distributionsformen als den bestimmtesten Ausdruck
faßten, worin die Produktionsagenten in einer gegebnen Gesell-
schaft sich fixieren.
#31# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
-----
Dem einzelnen Individuum gegenüber erscheint natürlich die Dis-
tribution als ein gesellschaftliches Gesetz, das seine Stellung
innerhalb der Produktion bedingt, innerhalb deren es produziert,
die also der Produktion vorausgeht. Das Individuum hat von Haus
aus kein Kapital, kein Grundeigentum. Es ist von Geburt auf die
Lohnarbeit angewiesen durch die gesellschaftliche Distribution.
Aber dies Angewiesensein selbst ist das Resultat, daß Kapital,
Grundeigentum als selbständige Produktionsagenten existieren.
Ganze Gesellschaften betrachtet, scheint die Distribution noch
nach einer Seite hin der Produktion vorherzugehn und sie zu be-
stimmen; gleichsam als anteökonomisches fact 1*). Ein eroberndes
Volk verteilt das Land unter die Eroberer und imponiert so eine
bestimmte Verteilung und Form des Grundeigentums; bestimmt daher
die Produktion. Oder es macht die Eroberten zu Sklaven und macht
so Sklavenarbeit zur Grundlage der Produktion. Oder ein Volk,
durch Revolution, zerschlägt das große Grundeigentum in Parzel-
len; gibt also durch diese neue Distribution der Produktion einen
neuen Charakter. Oder die Gesetzgebung verewigt das Grundeigentum
in gewissen Familien oder verteilt die Arbeit [als] erbliches
Privileg und fixiert sie so kastenmäßig. In allen diesen Fällen,
und sie sind alle historisch, scheint die Distribution nicht
durch die Produktion, sondern umgekehrt die Produktion durch die
Distribution gegliedert und bestimmt.
¦¦11¦ Die Distribution in der flachsten Auffassung erscheint als
Distribution der Produkte und so weiter entfernt von und quasi
selbständig gegen die Produktion. Aber ehe die Distribution Dis-
tribution der Produkte ist, ist sie: 1. Distribution der Produk-
tionsinstrumente und 2., was eine weitere Bestimmung desselben
Verhältnisses ist, Distribution der Mitglieder der Gesellschaft
unter die verschiednen Arten der Produktion. (Subsumtion der In-
dividuen unter bestimmte Produktionsverhältnisse.) Die Distribu-
tion der Produkte ist offenbar nur Resultat dieser Distribution,
die innerhalb des Produktionsprozesses selbst einbegriffen ist
und die Gliederung der Produktion bestimmt. Die Produktion, abge-
sehn von dieser in ihr eingeschloßnen Distribution betrachten,
ist offenbar leere Abstraktion, während umgekehrt die Distribu-
tion der Produkte von selbst gegeben ist mit dieser ursprünglich
ein Moment der Produktion bildenden Distribution. Ricardo, dem es
darum zu tun war, die moderne Produktion in ihrer bestimmten so-
zialen Gliederung aufzufassen, und der der Ökonom der Produktion
par excellence ist, erklärt eben deswegen nicht die Produktion,
sondern die Distribution für das eigentliche Thema der modernen
Ökonomie. Es folgt hieraus wieder die Abgeschmacktheit der Ökono-
men,
-----
1*) vorökonomische Tatsache
#32# Einleitung zu den "Grundrissen"
-----
die die Produktion als ewige Wahrheit entwickeln, während sie die
Geschichte in den Bereich der Distribution bannen.
Welches Verhältnis diese die Produktion selbst bestimmende Dis-
tribution zu ihr einnimmt, ist offenbar eine Frage, die innerhalb
der Produktion selbst fällt. Sollte gesagt werden, daß dann we-
nigstens, da die Produktion von einer gewissen Distribution der
Produktionsinstrumente ausgehn muß, die Distribution in dieser
Bedeutung der Produktion vorhergeht, ihre Voraussetzung bildet,
so ist darauf zu antworten, daß die Produktion in der Tat ihre
Bedingungen und Voraussetzungen hat, die Momente derselben bil-
den. Diese mögen im ersten Beginn als naturwüchsig erscheinen.
Durch den Prozeß der Produktion selbst werden sie aus naturwüch-
sigen in geschichtliche verwandelt, und wenn sie für eine Periode
als natürliche Voraussetzung der Produktion erscheinen, waren sie
für eine andre ihr geschichtliches Resultat. Innerhalb der Pro-
duktion selbst werden sie beständig verändert. Z.B. die Anwendung
der Maschinerie veränderte die Distribution sowohl der Produkti-
onsinstrumente als der Produkte. Das moderne große Grundeigentum
selbst ist das Resultat sowohl des modernen Handels und der mo-
dernen Industrie wie der Anwendung der letzteren auf die Agrikul-
tur.
Die oben aufgeworfnen Fragen lösen sich alle in letzter Instanz
dahin auf, wie allgemeingeschichtliche Verhältnisse in die Pro-
duktion hineinspielen und ihr Verhältnis zur geschichtlichen Be-
wegung überhaupt. Die Frage gehört offenbar in die Erörterung und
Entwicklung der Produktion selbst.
¦¦12¦ Indes in der trivialen Form, worin sie oben aufgeworfen
sind, können sie ebenso kurz abgefertigt werden. Bei allen Erobe-
rungen ist dreierlei möglich. Das erobernde Volk unterwirft das
Eroberte seiner eignen Produktionsweise (z.B. die Engländer in
Irland in diesem Jahrhundert, zum Teil in Indien); oder es läßt
die alte bestehn und begnügt sich mit Tribut (z.B. Türken und Rö-
mer); oder es tritt eine Wechselwirkung ein, wodurch ein Neues
entsteht, eine Synthese (zum Teil in den germanischen Eroberun-
gen). In allen Fällen ist die Produktionsweise, sei es des er-
obernden Volks, sei es des eroberten, sei es die aus der Ver-
schmelzung beider hervorgehende, bestimmend für die neue Distri-
bution, die eintritt. Obgleich diese als Voraussetzung für die
neue Produktionsperiode erscheint, ist sie so selbst wieder ein
Produkt der Produktion, nicht nur der geschichtlichen im allge-
meinen, sondern der bestimmten geschichtlichen Produktion.
Die Mongolen mit ihren Verwüstungen in Rußland z.B. handelten ih-
rer Produktion, der Viehweide, gemäß, für die große unbewohnte
Strecken eine Hauptbedingung. Die germanischen Barbaren, für die
Ackerbau mit Leibeignen hergebrachte Produktion war und isolier-
tes Leben auf dem Land,
#33# 2. Das allg. Verhältnis der Produktion zu Distribution...
-----
konnten die römischen Provinzen um so leichter diesen Bedingungen
unterwerfen, als die dort stattgehabte Konzentration des Grundei-
gentums die älteren Agrikulturverhältnisse schon ganz umgeworfen
hatte.
Es ist eine hergebrachte Vorstellung, daß in gewissen Perioden
nur vom Raub gelebt ward. Um aber rauben zu können, muß etwas zu
rauben da sein, also Produktion. Und die Art des Raubs ist selbst
wieder durch die Art der Produktion bestimmt. Eine stockjobbing
nation 2*) z.B. kann nicht beraubt werden, wie eine Nation von
Kuhhirten.
In dem Sklaven wird das Produktionsinstrument direkt geraubt.
Dann aber muß die Produktion des Landes, für das er geraubt wird,
so gegliedert sein, um Sklavenarbeit zuzulassen, oder (wie in
Südamerika etc. [17]) es muß eine dem Sklaven entsprechende Pro-
duktionsweise geschaffen werden.
Gesetze können ein Produktionsinstrument, z.B. Land, in gewissen
Familien verewigen. Diese Gesetze bekommen nur ökonomische Bedeu-
tung, wenn das große Grundeigentum in Harmonie mit der gesell-
schaftlichen Produktion ist, wie z. B. in England. In Frankreich
wurde kleine Agrikultur getrieben trotz des großen Grundeigen-
tums, letztres daher auch von der Revolution zerschlagen. Aber
die Verewigung der Parzellierung z.B. durch Gesetze? Trotz dieser
Gesetze konzentriert sich das Eigentum wieder. Der Einfluß der
Gesetze zur Festhaltung von Distributionsverhältnissen und da-
durch ihre Einwirkung auf die Produktion besonders zu bestimmen.
¦¦13¦ c) Austausch endlich und Zirkulation
Die Zirkulation selbst nur ein bestimmtes Moment des Austauschs
oder auch der Austausch in seiner Totalität betrachtet.
Insofern der A u s t a u s c h nur ein vermittelndes Moment
zwischen der Produktion und der durch sie bestimmten Distribution
mit der Konsumtion ist; insofern letztre aber selbst als ein Mo-
ment der Produktion erscheint, ist der Austausch offenbar auch in
letztrer einbegriffen als Moment.
Es ist erstens klar, daß der Austausch von Tätigkeiten und Fähig-
keiten, der in der Produktion selbst geschieht, direkt zu ihr ge-
hört und sie wesentlich ausmacht. Dasselbe gilt zweitens vom Aus-
tausch der Produkte, soweit er zur Herstellung des fertigen, für
die unmittelbare Konsumtion bestimmten Produkts Mittel ist. So-
weit ist der Austausch selbst in der Produktion einbegriffner
Akt. Drittens, der sogenannte Exchange zwischen dealers und
dealers 1*) [18] ist
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2*) Nation von Börsenspekulanten - 1*) Austausch zwischen Ge-
schäftsleuten untereinander
#34# Einleitung zu den "Grundrissen"
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sowohl seiner Organisation nach ganz durch die Produktion be-
stimmt als selbst produzierende Tätigkeit. Der Austausch er-
scheint nur unabhängig neben, indifferent gegen die Produktion in
dem letzten Stadium, wo das Produkt unmittelbar für die Konsum-
tion ausgetauscht wird. Aber 1. kein Austausch ohne Teilung der
Arbeit, sei diese nun naturwüchsig oder selbst schon geschichtli-
ches Resultat. 2. Privataustausch setzt Privatproduktion voraus;
3. die Intensivität des Austauschs, wie seine Extension, wie
seine Art durch die Entwicklung und Gliederung der Produktion be-
stimmt. Z.B. Austausch zwischen Stadt und Land; Austausch auf dem
Land, in der Stadt etc. Der Austausch erscheint so in allen sei-
nen Momenten in der Produktion entweder direkt einbegriffen oder
durch sie bestimmt.
Das Resultat, wozu wir gelangen, ist nicht, daß Produktion, Dis-
tribution, Austausch, Konsumtion identisch sind, sondern daß sie
alle Glieder einer Totalität bilden, Unterschiede innerhalb einer
Einheit. Die Produktion greift über, sowohl über sich in der ge-
gensätzlichen Bestimmung der Produktion, als über die andren Mo-
mente. Von ihr beginnt der Prozeß immer wieder von neuem. Daß
Austausch und Konsumtion nicht das Übergreifende sein können, ist
von selbst klar. Ebenso von der Distribution als Distribution der
Produkte. Als Distribution der Produktionsagenten aber ist sie
selbst ein Moment der Produktion. Eine bestimmte Produktion be-
stimmt also eine bestimmte Konsumtion, Distribution, Austausch
und b e s t i m m t e V e r h ä l t n i s s e d i e s e r
v e r s c h i e d n e n M o m e n t e z u e i n a n d e r. Al-
lerdings wird auch die Produktion, in ihrer einseitigen Form, ih-
rerseits bestimmt durch die andren Momente. Z.B., wenn der Markt
sich ausdehnt, d.h. die Sphäre des Austauschs, wächst die Produk-
tion dem Umfang nach und teilt sich tiefer ab. Mit Veränderung
der Distribution ändert sich die Produktion; z.B. mit Konzentra-
tion des Kapitals, verschiedner Distribution der Bevölkerung in
Stadt und Land etc. Endlich bestimmen die Konsumtionsbedürfnisse
die Produktion. Es findet Wechselwirkung zwischen den verschied-
nen Momenten statt. Dies der Fall bei jedem organischen Ganzen.
¦¦14¦ 3. Die Methode der politischen Ökonomie
Wenn wir ein gegebnes Land politisch-ökonomisch betrachten, so
beginnen wir mit seiner Bevölkerung, ihrer Verteilung in Klassen,
Stadt, Land, See, den verschiednen Produktionszweigen, Aus- und
Einfuhr, jährlicher Produktion und Konsumtion, Warenpreisen etc.
Es scheint das richtige zu sein, mit dem Realen und Konkreten,
der wirklichen
#35# 3. Die Methode der politischen Ökonomie
-----
Voraussetzung zu beginnen, also z.B. in der Ökonomie mit der Be-
völkerung, die die Grundlage und das Subjekt des ganzen gesell-
schaftlichen Produktionsakts ist. Indes zeigt sich dies bei nähe-
rer Betrachtung [als] falsch. Die Bevölkerung ist eine Abstrak-
tion, wenn ich z.B. die Klassen, aus denen sie besteht, weglasse.
Diese Klassen sind wieder ein leeres Wort, wenn ich die Elemente
nicht kenne, auf denen sie beruhn. Z.B. Lohnarbeit, Kapital etc.
Diese unterstellen Austausch, Teilung der Arbeit, Preise etc. Ka-
pital z.B. ohne Lohnarbeit ist nichts, ohne Wert, Geld, Preis
etc. Finge ich also mit der Bevölkerung an, so wäre das eine
chaotische Vorstellung des Ganzen, und durch nähere Bestimmung
würde ich analytisch immer mehr auf einfachere Begriffe kommen;
von dem vorgestellten Konkreten auf immer dünnere Abstrakta, bis
ich bei den einfachsten Bestimmungen angelangt wäre. Von da wäre
nun die Reise wieder rückwärts anzutreten, bis ich endlich wieder
bei der Bevölkerung anlangte, diesmal aber nicht als bei einer
chaotischen Vorstellung eines Ganzen, sondern als einer reichen
Totalität von vielen Bestimmungen und Beziehungen. Der erste Weg
ist der, den die Ökonomie in ihrer Entstehung geschichtlich ge-
nommen hat. Die Ökonomen des 17. Jahrhunderts z.B. fangen immer
mit dem lebendigen Ganzen, der Bevölkerung, der Nation, Staat,
mehren Staaten etc., an; sie enden aber immer damit, daß sie
durch Analyse einige bestimmende abstrakte, allgemeine Beziehun-
gen, wie Teilung der Arbeit, Geld, Wert etc., herausfinden. So-
bald diese einzelnen Momente mehr oder weniger fixiert und ab-
strahiert waren, begannen die ökonomischen Systeme, die von dem
Einfachen, wie Arbeit, Teilung der Arbeit, Bedürfnis, Tauschwert,
aufstiegen bis zum Staat, Austausch der Nationen und Weltmarkt.
Das letztre ist offenbar die wissenschaftlich richtige Methode.
Das Konkrete ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler Be-
stimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen. Im Denken er-
scheint es daher als Prozeß der Zusammenfassung, als Resultat,
nicht als Ausgangspunkt, obgleich es der wirkliche Ausgangspunkt
und daher auch der Ausgangspunkt der Anschauung und der Vorstel-
lung ist. Im ersten Weg wurde die volle Vorstellung zu abstrakter
Bestimmung verflüchtigt; im zweiten führen die abstrakten Bestim-
mungen zur Reproduktion des Konkreten im Weg des Denkens. Hegel
geriet daher auf die Illusion, das Reale als Resultat des sich in
sich zusammenfassenden, in sich vertiefenden und aus sich selbst
sich bewegenden Denkens zu fassen, während die Methode, vom Ab-
strakten zum Konkreten aufzusteigen, nur die Art für das Denken
ist, sich das Konkrete anzueignen, es als ein geistig Konkretes
zu reproduzieren. Keineswegs aber der Entstehungsprozeß des Kon-
kreten selbst. Z.B. die einfachste ökonomische Kategorie, sage z.
B. Tauschwert, unterstellt Bevölkerung, Bevölkerung produzierend
in bestimmten Verhältnissen;
#36# Einleitung zu den "Grundrissen"
-----
auch ¦¦15¦ gewisse Sorte von Familien- oder Gemeinde- oder
Staatswesen etc. Er kann nie existieren außer als abstrakte, ein-
seitige Beziehung eines schon gegebnen konkreten, lebendigen Gan-
zen. Als Kategorie führt dagegen der Tauschwert ein antediluvia-
nisches 1*) Dasein. Für das Bewußtsein daher - und das philoso-
phische Bewußtsein ist so bestimmt -, dem das begreifende Denken,
der wirkliche Mensch und die begriffne Welt als solche erst die
wirkliche ist - erscheint daher die Bewegung der Kategorien als
der wirkliche Produktionsakt - der leider nur einen Anstoß von
außen erhält -, dessen Resultat die Welt ist; und dies ist - dies
ist aber wieder eine Tautologie - soweit richtig, als die kon-
krete Totalität als Gedankentotalität, als ein Gedankenkonkretum,
in fact ein Produkt des Denkens, des Begreifens ist; keineswegs
aber des außer oder über der Anschauung und Vorstellung denkenden
und sich selbst gebärenden Begriffs, sondern der Verarbeitung von
Anschauung und Vorstellung in Begriffe. Das Ganze, wie es im
Kopfe als Gedankenganzes erscheint, ist ein Produkt des denkenden
Kopfes, der sich die Welt in der ihm einzig möglichen Weise
aneignet, einer Weise, die verschieden ist von der künstlerisch-,
religiös-, praktisch-geistigen Aneignung dieser Welt. Das reale
Subjekt bleibt nach wie vor außerhalb des Kopfes in seiner
Selbständigkeit bestehn; solange sich der Kopf nämlich nur speku-
lativ verhält, nur theoretisch. Auch bei der theoretischen Me-
thode daher muß das Subjekt, die Gesellschaft, als Voraussetzung
stets der Vorstellung vorschweben.
Aber haben diese einfachen Kategorien nicht auch eine unabhängige
historische oder natürliche Existenz vor den konkretem? Ça dé-
pend. 2*) Z.B. Hegel fängt die Rechtsphilosophie richtig mit dem
Besitz an, als der einfachsten rechtlichen Beziehung des Sub-
jekts. Es existiert aber kein Besitz vor der Familie oder Herr-
schafts- und Knechtsverhältnissen, die viel konkretre Verhält-
nisse sind. Dagegen wäre es richtig zu sagen, daß Familien, Stam-
mesganze existieren, die nur noch besitzen, nicht Eigentum haben.
Die einfachere Kategorie erscheint also als Verhältnis einfachrer
Familien- oder Stammgenossenschaften im Verhältnis zum Eigentum.
In der höhern Gesellschaft erscheint sie als das einfachere Ver-
hältnis einer entwickelten Organisation. Das konkretere Substrat,
dessen Beziehung der Besitz ist, ist aber immer vorausgesetzt.
Man kann sich einen einzelnen Wilden besitzend vorstellen. Dann
ist aber der Besitz kein Rechtsverhältnis. Es ist unrichtig, daß
der Besitz sich historisch zur Familie entwickelt. Er unterstellt
vielmehr immer diese "konkretere Rechtskategorie". Indes bliebe
dann immer soviel, daß die einfachen Kategorien Ausdrücke von
Verhältnissen sind, in denen das unentwickeltere Konkrete
-----
1*) vorsintflutliches - 2*) Das kommt darauf an
#37# 3. Die Methode der politischen Ökonomie
-----
sich realisiert haben mag, ohne noch die vielseitigre Beziehung
oder Verhältnis, das in der konkretem Kategorie geistig ausge-
drückt ist, gesetzt zu haben; während das entwickeltere Konkrete
dieselbe Kategorie als ein untergeordnetes Verhältnis beibehält.
Geld kann existieren und hat historisch existiert, ehe Kapital
existierte, ehe Banken existierten, ehe Lohnarbeit existierte
etc. Nach dieser Seite hin kann also gesagt werden, daß die ein-
fachre Kategorie herrschende Verhältnisse eines unentwickeltem
Ganzen oder untergeordnete Verhältnisse eines entwickeltem Ganzen
ausdrücken kann, die historisch schon Existenz hatten, eh das
Ganze sich nach der Seite entwickelte, die in einer konkretem Ka-
tegorie ausgedrückt ist. Insofern entspräche der Gang des ab-
strakten Denkens, das vom Einfachsten zum Kombinierten aufsteigt,
dem wirk¦¦l6¦lichen historischen Prozeß.
Andrerseits kann gesagt werden, daß es sehr entwickelte, aber
doch historisch unreifere Gesellschaftsformen gibt, in denen die
höchsten Formen der Ökonomie, z.B. Kooperation, entwickelte Tei-
lung der Arbeit etc., stattfinden, ohne daß irgendein Geld exi-
stiert, z.B. Peru. Auch bei den slawischen Gemeinwesen tritt das
Geld und der es bedingende Austausch nicht oder wenig innerhalb
der einzelnen Gemeinwesen hervor, sondern an ihrer Grenze, im
Verkehr mit andren, wie es denn überhaupt falsch ist, den Aus-
tausch mitten in d. Gemeinwesen zu setzen als das ursprünglich
konstituierende Element. Er tritt vielmehr im Anfang eher in der
Beziehung der verschiednen Gemeinwesen aufeinander als für die
Mitglieder innerhalb eines und desselben hervor. Ferner: Obgleich
das Geld sehr früh und allseitig eine Rolle spielt, so ist es im
Altertum doch als herrschendes Element nur einseitig bestimmten
Nationen, Handelsnationen, zugewiesen. Und selbst im gebildetsten
Altertum, bei Griechen und Römern, erscheint seine völlige Ent-
wicklung, die in der modernen bürgerlichen Gesellschaft vorausge-
setzt ist, nur in der Periode ihrer Auflösung. Also diese ganz
einfache Kategorie erscheint in ihrer Intensivität nicht histo-
risch als in den entwickeltsten Zuständen der Gesellschaft. Kei-
neswegs alle ökonomischen Verhältnisse durchwadend 3*). Z.B. im
römischen Reich in seiner größten Entwicklung blieb Naturalsteuer
und Naturallieferung Grundlage. Das Geldwesen eigentlich nur
vollständig dort entwickelt in der Armee. Es ergriff auch nie das
ganze der Arbeit. So, obgleich die einfachre Kategorie historisch
existiert haben mag vor der konkretem, kann sie in ihrer völligen
intensiven und extensiven Entwicklung grade einer kombinierten
Gesellschaftsform angehören, während die konkretere in einer we-
niger entwickelten 4*) Gesellschaftsform völliger entwickelt war.
-----
3*) durchdringend (engl.: to wade through) - 4*) in der Hand-
schrift: wenig entwickeltern
#38# Einleitung zu den "Grundrissen"
-----
Arbeit scheint eine ganz einfache Kategorie. Auch die Vorstellung
derselben in dieser Allgemeinheit - als Arbeit überhaupt - ist
uralt. Dennoch, ökonomisch in dieser Einfachheit gefaßt, ist
"Arbeit" eine ebenso moderne Kategorie wie die Verhältnisse, die
diese einfache Abstraktion erzeugen. Das Monetarsystem z.B. setzt
den Reichtum noch ganz objektiv als Sache außer sich im Geld. Ge-
genüber diesem Standpunkt war es ein großer Fortschritt, wenn das
Manufaktur- oder kommerzielle System aus dem Gegenstand in die
subjektive Tätigkeit - die kommerzielle und Manufakturarbeit -
die Quelle des Reichtums setzt, aber immer noch bloß diese Tätig-
keit selbst in der Begrenztheit als geldmachend auffaßt. Diesem
System gegenüber das physiokratische, das eine bestimmte Form der
Arbeit - die Agrikultur - als die reichtumschaffende setzt, und
das Objekt selbst nicht mehr in der Verkleidung des Geldes,
sondern als Produkt überhaupt, als allgemeines Resultat der Ar-
beit. Dieses Produkt noch der Begrenztheit der Tätigkeit gemäß
als immer noch naturbestimmtes Produkt - Agrikulturprodukt, Erd-
produkt par excellence.
¦¦17¦ Es war ein ungeheurer Fortschritt von Ad. Smith, jede Be-
stimmtheit der reichtumzeugenden Tätigkeit fortzuwerfen - Arbeit
schlechthin, weder Manufaktur- noch kommerzielle, noch Agrikul-
turarbeit, aber sowohl die eine wie die andre. Mit der abstrakten
Allgemeinheit der reichtumschaffenden Tätigkeit nun auch die All-
gemeinheit des als Reichtum bestimmten Gegenstandes, Produkt
überhaupt oder wieder Arbeit überhaupt, aber als vergangne, ver-
gegenständlichte Arbeit. Wie schwer und groß dieser Übergang,
geht daraus hervor, wie Ad. Smith selbst noch von Zeit zu Zeit
wieder in das physiokratische System zurückfällt. Nun könnte es
scheinen, als ob damit nur der abstrakte Ausdruck für die ein-
fachste und urälteste Beziehung gefunden, worin die Menschen -
sei es in welcher Gesellschaftsform immer - als produzierend auf-
treten. Das ist nach einer Seite hin richtig. Nach der andren
nicht. Die Gleichgültigkeit gegen eine bestimmte Art der Arbeit
setzt eine sehr entwickelte Totalität wirklicher Arbeitsarten
voraus, von denen keine mehr die alles beherrschende ist. So ent-
stehn die allgemeinsten Abstraktionen überhaupt nur bei der
reichsten konkreten Entwicklung, wo eines vielen gemeinsam er-
scheint, allen gemein. Dann hört es auf, nur in besondrer Form
gedacht werden zu können. Andrerseits ist diese Abstraktion der
Arbeit überhaupt nicht nur das geistige Resultat einer konkreten
Totalität von Arbeiten. Die Gleichgültigkeit gegen die bestimmte
Arbeit entspricht einer Gesellschaftsform, worin die Individuen
mit Leichtigkeit aus einer Arbeit in die andre Übergehn und die
bestimmte Art der Arbeit ihnen zufällig, daher gleichgültig ist.
Die Arbeit ist hier nicht nur in der Kategorie, sondern in der
Wirklichkeit als Mittel zum Schaffen des Reichtums überhaupt ge-
worden und hat aufgehört,
#39# 3. Die Methode der politischen Ökonomie
-----
als Bestimmung mit den Individuen in einer Besonderheit verwach-
sen zu sein. Ein solcher Zustand ist am entwickeltsten in der mo-
dernsten Daseinsform der bürgerlichen Gesellschaften - den Verei-
nigten Staaten. Hier also wird die Abstraktion der Kategorie
"Arbeit", "Arbeit überhaupt", Arbeit sans phrase, der Ausgangs-
punkt der modernen Ökonomie, erst praktisch wahr. Die einfachste
Abstraktion also, welche die moderne Ökonomie an die Spitze
stellt und die eine uralte und für alle Gesellschaftsformen gül-
tige Beziehung ausdrückt, erscheint doch nur in dieser Abstrak-
tion praktisch wahr als Kategorie der modernsten Gesellschaft.
Man könnte sagen, was in den Vereinigten Staaten als historisches
Produkt, erscheine bei den Russen z.B. - diese Gleichgültigkeit
gegen die bestimmte Arbeit - als naturwüchsige Anlage. Allein
einmal verteufelter Unterschied, ob Barbaren Anlage haben zu al-
lem verwandt zu werden oder ob Zivilisierte sich selbst zu allem
verwenden. Und dann entspricht praktisch bei den Russen dieser
Gleichgültigkeit gegen die Bestimmtheit der Arbeit das traditio-
nelle Festgerittensein in eine ganz bestimmte Arbeit, woraus sie
nur durch Einflüsse von außen herausgeschleudert werden.
¦¦18¦ Dies Beispiel der Arbeit zeigt schlagend, wie selbst die
abstraktesten Kategorien trotz ihrer Gültigkeit - eben wegen ih-
rer Abstraktion - für alle Epochen doch in der Bestimmtheit die-
ser Abstraktion selbst ebensosehr das Produkt historischer Ver-
hältnisse sind und ihre Vollgültigkeit nur für und innerhalb die-
ser Verhältnisse besitzen.
Die bürgerliche Gesellschaft ist die entwickeltste und mannigfal-
tigste historische Organisation der Produktion. Die Kategorien,
die ihre Verhältnisse ausdrücken, das Verständnis ihrer Gliede-
rung gewähren daher zugleich Einsicht in die Gliederung und die
Produktionsverhältnisse aller der untergegangnen Gesellschafts-
formen, mit deren Trümmern und Elementen sie sich aufgebaut, von
denen teils noch unüberwundne Reste sich in ihr fortschleppen,
bloße Andeutungen sich zu ausgebildeten Bedeutungen entwickelt
haben etc. Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anato-
mie des Affen. Die Andeutungen auf Höhres in den untergeordnetren
Tierarten können dagegen nur verstanden werden, wenn das Höhere
selbst schon bekannt ist. Die bürgerliche Ökonomie liefert so den
Schlüssel zur antiken etc. Keineswegs aber in der Art der Ökono-
men, die alle historischen Unterschiede verwischen und in allen
Gesellschaftsformen die bürgerlichen sehen. Man kann Tribut,
Zehnten etc. verstehn, wenn man die Grundrente kennt. Man muß sie
aber nicht identifizieren. Da ferner die bürgerliche Gesellschaft
selbst nur eine gegensätzliche Form der Entwicklung, so werden
Verhältnisse frührer Formen oft nur ganz verkümmert in ihr anzu-
treffen sein oder gar travestiert. Z.B. Gemeindeeigentum.
#40# Einleitung zu den "Grundrissen"
-----
Wenn daher wahr ist, daß die Kategorien der bürgerlichen Ökonomie
eine Wahrheit für alle andren Gesellschaftsformen besitzen, so
ist das nur cum grano salis zu nehmen. Sie können dieselben ent-
wickelt, verkümmert, karikiert etc. enthalten, immer in wesentli-
chem Unterschied. Die sog. historische Entwicklung beruht über-
haupt darauf, daß die letzte Form die vergangnen als Stufen zu
sich selbst betrachtet und, da sie selten und nur unter ganz be-
stimmten Bedingungen fähig ist, sich selbst zu kritisieren - es
ist hier natürlich nicht von solchen historischen Perioden die
Rede, die sich selbst als Verfallzeit vorkommen -, sie immer ein-
seitig auffaßt. Die christliche Religion war erst fähig, zum ob-
jektiven Verständnis der frühern Mythologien zu verhelfen, sobald
ihre Selbstkritik zu einem gewissen Grad, sozusagen ??????? 5*),
fertig war. So kam die bürgerliche Ökonomie erst zum Verständnis
der feudalen, antiken, Orientalen, sobald die Selbstkritik der
bürgerlichen Gesellschaft begonnen. Soweit die bürgerliche Ökono-
mie nicht mythologisierend sich rein identifiziert mit den ver-
gangnen, glich ihre Kritik der frühern, namentlich der feudalen,
mit der sie noch direkt zu kämpfen hatte, der Kritik, die das
Christentum am Heidentum oder auch der Protestantismus am Katho-
lizismus ausübte.
¦¦19¦ Wie überhaupt bei jeder historischen, sozialen Wissenschaft
ist bei dem Gang der ökonomischen Kategorien immer festzuhalten,
daß, wie in der Wirklichkeit so im Kopf, das Subjekt, hier die
moderne bürgerliche Gesellschaft, gegeben ist und daß die Katego-
rien daher Daseinsformen, Existenzbestimmungen, oft nur einzelne
Seiten dieser bestimmten Gesellschaft, dieses Subjekts ausdrücken
und daß sie daher auch wissenschaftlich keineswegs da erst an-
fängt, wo nun von ihr als solcher die Rede ist. Dies ist festzu-
halten, weil es gleich über die Einteilung Entscheidendes zur
Hand gibt. Z. B. nichts scheint naturgemäßer, als mit der Grund-
rente zu beginnen, dem Grundeigentum, da es an die Erde, die
Quelle aller Produktion und allen Daseins, gebunden ist und an
die erste Produktionsform aller einigermaßen befestigten Gesell-
schaften - die Agrikultur. Aber nichts wäre falscher. In allen
Gesellschaftsformen ist es eine bestimmte Produktion, die allen
übrigen und deren Verhältnisse daher auch allen übrigen Rang und
Einfluß anweist. Es ist eine allgemeine Beleuchtung, worin alle
übrigen Farben getaucht sind und [die] sie in ihrer Besonderheit
modifiziert. Es ist ein besondrer Äther, der das spezifische Ge-
wicht alles in ihm hervorstechenden Daseins bestimmt. Z.B. bei
Hirtenvölkern (bloße Jäger- und Fischer-Völker liegen außer dem
Punkt, wo die wirkliche Entwicklung beginnt). Bei ihnen kömmt ge-
wisse Form des Ackerbaus vor,
-----
5*) der Möglichkeit nach
#41# 3. Die Methode der politischen Ökonomie
-----
sporadische. Das Grundeigentum ist dadurch bestimmt. Es ist ge-
meinsames und hält diese Form mehr oder minder bei, je nachdem
diese Völker mehr oder minder noch an ihrer Tradition festhalten,
z.B. das Gemeindeeigentum der Slawen. Bei Völkern von festsitzen-
dem Ackerbau - dies Festsetzen schon große Stufe -, wo dieser
vorherrscht wie bei den Antiken und Feudalen, hat selbst die In-
dustrie und ihre Organisation und die Formen des Eigentums, die
ihr entsprechen, mehr oder minder grundeigentümlichen Charakter;
ist entweder ganz von ihm 6*) abhängig wie bei den ältern Römern
oder, wie im Mittelalter, ahmt die Organisation des Landes in der
Stadt und ihren Verhältnissen nach. Das Kapital selbst im Mittel-
alter - soweit es nicht reines Geldkapital ist - als traditionel-
les Handwerkszeug etc. hat diesen grundeigentümlichen Charakter.
In der bürgerlichen Gesellschaft ist es umgekehrt. Die Agrikultur
wird mehr und mehr ein bloßer Industriezweig und ist ganz vom Ka-
pital beherrscht. Ebenso die Grundrente. In allen Formen, worin
das Grundeigentum herrscht, die Naturbeziehung noch vorherr-
schend. In denen, wo das Kapital herrscht, das gesellschaftlich,
historisch geschaffne Element. Die Grundrente kann nicht verstan-
den werden ohne das Kapital. Das Kapital aber wohl ohne die
Grundrente. Das Kapital ist die alles beherrschende ökonomische
Macht der bürgerlichen Gesellschaft. Es muß Ausgangspunkt wie
Endpunkt bilden und vor dem Grundeigentum entwickelt werden.
Nachdem beide besonders betrachtet sind, muß ihre Wechselbe-
ziehung betrachtet werden.
¦¦20¦ Es wäre also untubar und falsch, die ökonomischen Katego-
rien in der Folge aufeinander folgen zu lassen, in der sie histo-
risch die bestimmenden waren. Vielmehr ist ihre Reihenfolge be-
stimmt durch die Beziehung, die sie in der modernen bürgerlichen
Gesellschaft aufeinander haben und die gerade das umgekehrte von
dem ist, was als ihre naturgemäße erscheint oder der Reihe der
historischen Entwicklung entspricht. Es handelt sich nicht um das
Verhältnis, das die ökonomischen Verhältnisse in der Aufeinander-
folge verschiedener Gesellschaftsformen historisch einnehmen.
Noch weniger um ihre Reihenfolge "in der Idee" (Proudhon) [19],
(einer verschwimmelten Vorstellung der historischen Bewegung).
Sondern um ihre Gliederung innerhalb der modernen bürgerlichen
Gesellschaft.
Die Reinheit (abstrakte Bestimmtheit), in der die Handelsvölker -
Phönizier, Karthaginienser - in der alten Welt erscheinen, ist
eben durch das Vorherrschen der Agrikulturvölker selbst gegeben.
Das Kapital als Handels- oder Geldkapital erscheint eben in
dieser Abstraktion, wo das Kapital noch nicht das beherrschende
Element der Gesellschaften ist. Lombarden, Juden
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6*) In der Handschrift: ihr
#42# Einleitung zu den "Grundrissen"
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nehmen dieselbe Stellung gegenüber den agrikulturtreibenden mit-
telaltrigen Gesellschaften ein.
Als weitres Beispiel der verschiednen Stellung, die dieselben Ka-
tegorien in verschiednen Gesellschaftsstufen einnehmen: Eine der
letzten Formen der bürgerlichen Gesellschaft: joint-stockcompa-
nies 7*). Erscheinen aber auch im Beginn derselben in den großen
privilegierten und mit Monopol versehnen Handelskompanien.
Der Begriff des Nationalreichtums selbst schleicht sich bei den
Ökonomen des 17. Jahrhunderts so ein - eine Vorstellung, die noch
zum Teil bei denen des 18. fortgeht -, daß bloß für den Staat der
Reichtum geschaffen wird, seine Macht aber im Verhältnis zu die-
sem Reichtum steht. Es war dies noch unbewußt heuchlerische Form,
worin sich der Reichtum selbst und die Produktion desselben als
Zweck der modernen Staaten ankündigt und sie nur noch als Mittel
zur Produktion des Reichtums betrachtet.
Die Einteilung offenbar so zu machen, daß 1. die allgemeinen ab-
strakten Bestimmungen, die daher mehr oder minder allen Gesell-
schaftsformen zukommen, aber im oben auseinandergesetzten Sinn.
2. Die Kategorien, die die innre Gliederung der bürgerlichen Ge-
sellschaft ausmachen und worauf die fundamentalen Klassen beruhn.
Kapital, Lohnarbeit, Grundeigentum. Ihre Beziehung zueinander.
Stadt und Land. Die drei großen gesellschaftlichen Klassen. Aus-
tausch zwischen denselben. Zirkulation. Kreditwesen (private). 3.
Zusammenfassung der bürgerlichen Gesellschaft in der Form des
Staats. In Beziehung zu sich selbst betrachtet. Die "unprodukti-
ven" Klassen. Steuern. Staatsschuld. Öffentlicher Kredit. Die Be-
völkerung. Die Kolonien. Auswanderung. 4. Internationales Ver-
hältnis der Produktion. Internationale Teilung der Arbeit.
Internationaler Austausch. Aus- und Einfuhr. Wechselkurs. 5. Der
Weltmarkt und die Krisen.
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7*) Aktiengesellschaften
#43# 4. Produktion, Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse
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¦¦21¦ 4. Produktion.
Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse.
Produktionsverhältnisse und Verkehrsverhältnisse.
Staats- und Bewußtseinsformen im Verhältnis
zu den Produktions- und Verkehrsverhältnissen.
Rechtsverhältnisse. Familienverhältnisse
Notabene in bezug auf Punkte, die hier zu erwähnen und nicht ver-
gessen werden dürfen:
1. K r i e g früher ausgebildet wie Frieden; Art, wie durch den
Krieg und in den Armeen etc. gewisse ökonomische Verhältnisse,
wie Lohnarbeit, Maschinerie etc., früher entwickelt als im Innren
der bürgerlichen Gesellschaft. Auch das Verhältnis von Produktiv-
kraft und Verkehrsverhältnissen besonders anschaulich in der Ar-
mee.
2. V e r h ä l t n i s d e r b i s h e r i g e n i d e a-
l e n G e s c h i c h t s c h r e i b u n g z u r r e a l e n.
N a m e n t l i c h d e r s o g. K u l t u r g e s c h i c h-
t e n, die alle Religions- und Staatengeschichte. (Bei der Gele-
genheit kann auch etwas gesagt werden über die verschiednen Arten
der bisherigen Geschichtschreibung. Sog. Objektive. Subjektive
(Moralische u.a.). Philosophische.)
3. S e k u n d ä r e s u n d T e r t i ä r e s, ü b e r-
h a u p t a b g e l e i t e t e, ü b e r t r a g n e, nicht
ursprüngliche Produktionsverhältnisse. Einspielen hier interna-
tionaler Verhältnisse.
4. V o r w ü r f e ü b e r M a t e r i a l i s m u s d i e-
s e r A u f f a s s u n g. V e r h ä l t n i s z u m n a-
t u r a l i s t i s c h e n M a t e r i a l i s m u s.
5. D i a l e k t i k d e r B e g r i f f e P r o d u k t i v-
k r a f t (P r o d u k t i o n s m i t t e l) u n d P r o-
d u k t i o n s v e r h ä l t n i s s e, eine Dialektik, deren
Grenzen zu bestimmen und die realen Unterschied nicht aufhebt.
6. D a s u n e g a l e V e r h ä l t n i s d e r E n t-
w i c k l u n g d e r m a t e r i e l l e n P r o d u k-
t i o n z. B. z u r k ü n s t l e r i s c h e n. Überhaupt
der Begriff des Fortschritts nicht in der gewöhnlichen Abstrak-
tion zu fassen. Mit der Kunst etc. diese Disproportion noch nicht
so wichtig und schwierig zu fassen als innerhalb praktisch-so-
zialer Verhältnisse selbst. Z.B. der Bildung. Verhältnis der
United States zu Europa. Der eigentlich schwierige Punkt, hier zu
erörtern, ist aber der, wie die Produktionsverhältnisse als
Rechtsverhältnisse in ungleiche Entwicklung treten. Also z.B. das
Verhältnis des römischen Privatrechts (im Kriminalrecht und
öffentlichen das weniger der Fall) zur modernen Produktion.
7. D i e s e A u f f a s s u n g e r s c h e i n t a l s
n o t w e n d i g e E n t w i c k l u n g. Aber Berechtigung
des Zufalls. Wie. (Der Freiheit u.a. auch.) (Einwirkung der Kom-
munikationsmittel.
#44# Einleitung zu den "Grundrissen"
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Weltgeschichte existierte nicht immer; die Geschichte als Weltge-
schichte Resultat.)
8. D e r A u s g a n g s p u n k t n a t ü r l i c h v o n
d e r N a t u r b e s t i m m t h e i t; subjektiv und objek-
tiv. Stämme, Racen etc.
1. Bei der Kunst bekannt, daß bestimmte Blütezeiten derselben
keineswegs im Verhältnis zur allgemeinen Entwicklung der Gesell-
schaft, also auch der materiellen Grundlage, gleichsam des Kno-
chenbaus ihrer Organisation, stehn. Z. B. die Griechen verglichen
mit den Modernen oder auch Shakespeare. Von gewissen Formen der
Kunst, z. B. dem Epos, sogar anerkannt, daß sie in ihrer weltepo-
chemachenden, klassischen Gestalt nie produziert werden können,
sobald die Kunstproduktion als solche eintritt; also daß inner-
halb des Berings der Kunst selbst gewisse bedeutende Gestaltungen
derselben nur auf einer unentwickelten Stufe der Kunstentwicklung
möglich sind. Wenn dies im Verhältnis der verschiednen Kunstarten
innerhalb des Bereichs der Kunst selbst der Fall ist, ist es
schon weniger auffallend, daß es im Verhältnis des ganzen Be-
reichs der Kunst zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft der
Fall ist. Die Schwierigkeit besteht nur in der allgemeinen Fas-
sung dieser Widersprüche. Sobald sie spezifiziert werden, sind
sie schon erklärt.
¦¦22¦ Nehmen wir z. B. das Verhältnis der griechischen Kunst und
dann Shakespeares zur Gegenwart. Bekannt, daß die griechische My-
thologie nicht nur das Arsenal der griechischen Kunst, sondern
ihr Boden. Ist die Anschauung der Natur und der gesellschaftli-
chen Verhältnisse, die der griechischen Phantasie und daher der
griechischen [Kunst] zugrunde liegt, möglich mit selfactors [20]
und Eisenbahnen und Lokomotiven und elektrischen Telegraphen? Wo
bleibt Vulkan gegen Roberts et Co., Jupiter gegen den Blitzablei-
ter und Hermes gegen den Crédit mobilier [21]? Alle Mythologie
überwindet und beherrscht und gestaltet die Naturkräfte in der
Einbildung und durch die Einbildung; verschwindet also mit der
wirklichen Herrschaft über dieselben. Was wird aus der Fama neben
Printinghouse square [22]? Die griechische Kunst setzt die grie-
chische Mythologie voraus, d.h., die Natur und die gesellschaft-
lichen Formen selbst schon in einer unbewußt künstlerischen Weise
verarbeitet durch die Volksphantasie. Das ist ihr Material. Nicht
jede beliebige Mythologie, d. h. nicht jede beliebige unbewußt
künstlerische Verarbeitung der Natur (hier darunter alles Gegen-
ständliche, also die Gesellschaft eingeschlossen). Ägyptische My-
thologie konnte nie der Boden oder der Mutterschoß griechischer
Kunst sein. Aber jedenfalls eine Mythologie. Also keinesfalls
eine Gesellschaftsentwicklung, die alles mythologische Verhältnis
zur Natur ausschließt,
#45# 4. Produktion, Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse
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alles mythologisierende Verhältnis zu ihr; also vom Künstler eine
von Mythologie unabhängige Phantasie verlangt.
Von einer andren Seite: Ist Achilles möglich mit Pulver und Blei?
Oder überhaupt die "Iliade" mit der Druckerpresse und gar Druck-
maschine? Hört das Singen und Sagen und die Muse mit dem Preßben-
gel nicht notwendig auf 1*), also verschwinden nicht notwendige
Bedingungen der epischen Poesie?
Aber die Schwierigkeit liegt nicht darin zu verstehn, daß grie-
chische Kunst und Epos an gewisse gesellschaftliche Entwicklungs-
formen geknüpft sind. Die Schwierigkeit ist, daß sie uns noch
Kunstgenuß gewähren und in gewisser Beziehung als Norm und uner-
reichbare Muster gelten.
Ein Mann kann nicht wieder zum Kind werden, oder er wird kin-
disch. Aber freut ihn die Naivetät des Kindes nicht, und muß er
nicht selbst wieder auf einer höhern Stufe streben, seine Wahr-
heit zu reproduzieren? Lebt in der Kindernatur nicht in jeder
Epoche ihr eigner Charakter in seiner Naturwahrheit auf? Warum
sollte die geschichtliche Kindheit der Menschheit, wo sie am
schönsten entfaltet, als eine nie wiederkehrende Stufe nicht ewi-
gen Reiz ausüben? Es gibt ungezogne Kinder und altkluge Kinder.
Viele der alten Völker gehören in diese Kategorie. Normale Kinder
waren die Griechen. Der Reiz ihrer Kunst für uns steht nicht im
Widerspruch zu der unentwickelten Gesellschaftsstufe, worauf sie
wuchs. Ist vielmehr ihr Resultat und hängt vielmehr unzertrenn-
lich damit zusammen, daß die unreifen gesellschaftlichen Bedin-
gungen, unter denen sie entstand und allein entstehn konnte, nie
wiederkehren können.
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1*) In der Handschrift: aus
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