Quelle: MEW 42 Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858


       zurück

       #188# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       ¦¦18¦ 2. Der aus der Zirkulation herkommende Tauschwert
       sich ihr voraussetzend, sich in ihr erhaltend
       und vervielfältigend vermittelst der Arbeit
       
       {I. 1.  Allgemeiner Begriff  des Kapitals.  - 2. Besonderheit des
       Kapitals: capital  circulant, capital  fixe. (Kapital als Lebens-
       mittel, als  Rohstoff, als Arbeitsinstrument.) 3. Das Kapital als
       Geld. II.  1.   Q u a n t i t ä t   d e s  K a p i t a l s.  A k-
       k u m u l a t i o n.   - 2.   D a s   a n   s i c h   s e l b s t
       g e m e ß n e   K a p i t a l.   P r o f i t.   Z i n s.  W e r t
       d e s  K a p i t a l s:  d.h. das Kapital im Unterschied von sich
       als Zins  und  Profit.  3.  Die    Z i r k u l a t i o n    d e r
       K a p i t a l i e n,   alpha) Austausch des Kapitals mit Kapital.
       Austausch des  Kapitals mit  Revenue. Kapital  und   P r e i s e,
       beta)   K o n k u r r e n z   d e r  K a p i t a l i e n.  gamma)
       K o n z e n t r a t i o n   d e r  K a p i t a l i e n.  III. Das
       Kapital als  Kredit. IV. Das Kapital als Aktienkapital. V.  D a s
       K a p i t a l   a l s   G e l d m a r k t.   VI. Das  Kapital als
       Quelle des  Reichtums. Der Kapitalist. Nach dem Kapital wäre dann
       das Grundeigentum  zu behandeln. Nach diesem die Lohnarbeit. Alle
       drei vorausgesetzt,   d i e  B e w e g u n g  d e r  P r e i s e,
       als die  Zirkulation nun  bestimmt in ihrer innern Totalität. An-
       derseits die  drei Klassen  als die  Produktion gesetzt  in ihren
       drei Grundformen  und Voraussetzungen  der Zirkulation.  Dann der
       S t a a t.   (Staat und  bürgerliche Gesellschaft.  - Die  Steuer
       oder die  Existenz der unproduktiven Klassen. - Die Staatsschuld.
       - Die  Population. -  Der Staat nach außen: Kolonien. Auswärtiger
       Handel. Wechselkurs. Geld als internationale Münze. - Endlich der
       Weltmarkt. Übergreifen  der bürgerlichen  Gesellschaft  über  den
       Staat. Die  Krisen. Auflösung  der auf den Tauschwert gegründeten
       Produktionsweise und Gesellschaftsform. Reales Setzen der indivi-
       duellen Arbeit als gesellschaftlicher und vice versa.)}
       (Nichts  ist   falscher  als  die  Art,  wie  die    G e s e l l-
       s c h a f t  sowohl von Ökonomen wie von Sozialisten in bezug auf
       die ökonomischen  Bedingungen betrachtet wird. Z.B. Proudhon sagt
       gegen Bastiat (XVI, 29) [120]:
       
       #189# Verwandlung von Geld in Kapital
       -----
       "F ü r  d i e  G e s e l l s c h a f t  existiert der Unterschied
       zwischen Kapital  und Produkt  nicht. Dieser  Unterschied besteht
       ganz  s u b j e k t i v  für die Individuen."
       
       Also grade das Gesellschaftliche nennt er subjektiv; und die sub-
       jektive Abstraktion  nennt er  die Gesellschaft.  Der Unterschied
       zwischen Produkt  und Kapital  ist grade der, daß als Kapital das
       Produkt eine  bestimmte, einer historischen Gesellschaftsform an-
       gehörige Beziehung  ausdrückt. Das sog. Betrachten vom Standpunkt
       der Gesellschaft aus heißt nichts, als die   U n t e r s c h i e-
       d e   übersehen, die grade die  g e s e l l s c h a f t l i c h e
       B e z i e h u n g  (Beziehung der bürgerlichen Gesellschaft) aus-
       drücken. Die  Gesellschaft besteht  nicht aus Individuen, sondern
       drückt die  Summe der  Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese
       Individuen zueinander  stehn. Als  ob  einer  sagen  wollte:  Vom
       Standpunkt der  Gesellschaft aus  existieren Sklaven und citizens
       1*) nicht:  sind beide  Menschen. Vielmehr sind sie das außer der
       Gesellschaft. Sklav sein und Citizen sein, sind gesellschaftliche
       Bestimmungen, Beziehungen  der Menschen A und B. Der Mensch A ist
       als solcher  nicht Sklav.  Sklav ist  er in  der  und  durch  die
       Gesellschaft. Was  Herr Proudhon  hier von  Kapital  und  Produkt
       sagt, meint bei ihm, daß vom Standpunkt der Gesellschaft aus kein
       Unterschied zwischen  Kapitalisten und  Arbeitern existiert,  ein
       Unterschied, der  eben nur  vom Standpunkt  der Gesellschaft  aus
       existiert.)
       (Proudhon in  der Streitschrift  gegen Bastiat: "Gratuité du Cré-
       dit" läuft alles darauf hinaus, daß er den Austausch zwischen Ka-
       pital und  Arbeit auf  den  einfachen  Austausch  von  Waren  als
       Tauschwerten, auf  die Momente der einfachen Zirkulation reduzie-
       ren will, d.h. eben von dem spezifischen Unterschied, auf den al-
       les ankommt, abstrahiert. Er sagt:
       
       "Jedes Produkt  wird in  einem gegebenen Augenblick Kapital, weil
       alles, was  konsumiert wird, in einem gewissen Moment sich repro-
       duktiv verbraucht."  [p. 177.] Dies sehr falsch, aber tut nichts.
       "Was führt  dazu, daß  der Begriff  Produkt sich plötzlich in den
       des Kapitals verwandelt? Das ist der Wertbegriff. D. h., das Pro-
       dukt muß,  um Kapital zu werden, eine echte Einschätzung durchge-
       macht haben,  gekauft oder verkauft worden sein, sein Preis erör-
       tert und  durch eine  Art legale  Vereinbarung festgelegt  worden
       sein. Z.B.  das Leder, das die Schlächterei verläßt, ist das Pro-
       dukt des  Schlächters. Wird  dieses Leder  vom Lohgerber gekauft?
       Sofort trägt dieser es oder trägt dessen Wert in sein Betriebsla-
       ger. Durch  die Arbeit  des Lohgerbers wird dieses Kapital wieder
       zum Produkt usw." [p. 179/180.]
       
       Jedes Kapital  ist hier  "une valeur faite" 2*). Das Geld ist die
       "valeur la  plus parfaite" 3*), die valeur faite auf der höchsten
       Potenz. D.  h. also: 1. Produkt wird dadurch Kapital, daß es Wert
       wird. Oder Kapital ist eben nichts als einfacher
       -----
       1*) Bürger -  2*) "ein vollendeter Wert" - 3*) der "vollkommenste
       Wert"
       
       #190# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       Wert. Es existiert kein Unterschied zwischen ihnen. Daher sagt er
       abwechselnd einmal  Ware (die natürliche Seite derselben als Pro-
       dukt ausgedrückt), das andremal Wert oder vielmehr, da er den Akt
       des Kaufens und Verkaufens unterstellt, Preis. 2. Da das Geld als
       die vollendete  Form des Werts erscheint, wie er in der einfachen
       Zirkulation ist, daher auch das Geld die wahre valeur faite.)
       Der Übergang  aus dem einfachen Tauschwert und seiner Zirkulation
       in das  Kapital kann  auch so ausgedrückt werden: In der Zirkula-
       tion erscheint der Tauschwert doppelt: einmal als Ware, das andre
       Mal als  Geld. Wenn  er in der einen Bestimmung ist, ist er nicht
       in der  andren. Dies  gilt für jede besondre Ware. Aber das Ganze
       der Zirkulation  an sich  betrachtet liegt  darin,  daß  derselbe
       Tauschwert, der Tauschwert als Subjekt, sich einmal als Ware, das
       andre Mal  als Geld setzt und eben die Bewegung ist, sich in die-
       ser doppelten  Bestimmung zu  setzen und  sich in jeder derselben
       als ihr  Gegenteil, in  der Ware als Geld und im Geld als Ware zu
       erhalten. Dies,  was an sich in der einfachen Zirkulation vorhan-
       den ist,  ist aber nicht an ihr gesetzt. Der als Einheit von Ware
       und Geld  gesetzte Tauschwert  ist das   K a p i t a l,  und dies
       Setzen selbst  erscheint als  die Zirkulation  des Kapitals. (Die
       aber Spirallinie,  sich erweiternde  Kurve, nicht einfacher Kreis
       ist.)
       Analysieren wir  zunächst die einfachen Bestimmungen, die im Ver-
       hältnis von  Kapital und  Arbeit enthalten sind, um so den innern
       Zusammenhang -  sowohl dieser Bestimmungen als ihrer Fortentwick-
       lungen - zum Frühern zu finden.
       ¦¦19¦ Die  erste Voraussetzung  ist, daß  auf der einen Seite das
       Kapital steht  und auf der andren die Arbeit, beide als selbstän-
       dige Gestalten  gegeneinander; beide  also auch fremd gegeneinan-
       der. Die Arbeit, die dem Kapital gegenübersteht, ist  f r e m d e
       Arbeit und  das  Kapital,  das  der  Arbeit  gegenübersteht,  ist
       f r e m d e s   Kapital. Die  Extreme, die  sich  gegenüberstehn,
       sind  s p e z i f i s c h  verschieden. In der ersten Setzung des
       einfachen Tauschwerts war die Arbeit so bestimmt, daß das Produkt
       nicht unmittelbarer Gebrauchswert für den Arbeiter war, nicht di-
       rektes Subsistenzmittel.  Dies war  die allgemeine  Bedingung des
       Schaffens eines  Tauschwerts und  des Austauschs überhaupt. Sonst
       hätte  der  Arbeiter  nur  ein  Produkt  hervorgebracht  -  einen
       unmittelbaren Gebrauchswert  für sich  -, aber keinen Tauschwert.
       Dieser Tauschwert jedoch war materialisiert in einem Produkt, das
       als  solches  Gebrauchswert  für  andre  hatte  und  als  solches
       Gegenstand ihrer  Bedürfnisse war. Der Gebrauchswert, den der Ar-
       beiter  dem   Kapital  gegenüber  anzubieten  hat,  den  er  also
       überhaupt anzubieten  hat für  andre, ist nicht materialisiert in
       einem Produkt,  existiert überhaupt  nicht außer  ihm, also nicht
       wirklich, sondern nur der Möglichkeit nach, als seine
       
       #191#
       -----
       Seite 19 des Heftes II
       
       #192#
       -----
       
       #193# Verwandlung von Geld in Kapital
       -----
       Fähigkeit. Wirklichkeit  wird er  erst, sobald er von dem Kapital
       sollizitiert, in  Bewegung gesetzt wird, da Tätigkeit ohne Gegen-
       stand nichts  ist oder  höchstens Gedankentätigkeit,  von der  es
       sich hier  nicht handelt.  Sobald er die Bewegung vom Kapital er-
       halten, ist  dieser Gebrauchswert  als die  bestimmte, produktive
       Tätigkeit des  Arbeiters; es ist seine auf einen bestimmten Zweck
       gerichtete und  darum in  bestimmter Form sich äußernde Lebendig-
       keit selbst.
       Im Verhältnis  von Kapital  und Arbeit  sind Tauschwert  und  Ge-
       brauchswert in Verhältnis zueinander gesetzt, die eine Seite (das
       Kapital) ist  zunächst der  andren Seite als  T a u s c h w e r t
       gegenüber *) und die andre (die Arbeit) dem Kapital gegenüber als
       Gebrauchswert. In der einfachen Zirkulation kann abwechselnd
       ---
       *) {Ist nicht   W e r t   als  die Einheit  von Gebrauchswert und
       Tauschwert zu  fassen? An  und für  sich ist Wert als solcher das
       Allgemeine gegen  Gebrauchswert und  Tauschwert als  b e s o n d-
       r e   Formen desselben?  Hat dies  Bedeutung in der Ökonomie? Der
       Gebrauchswert vorausgesetzt  auch  im  einfachen  Austausch  oder
       reinen  Austausch.  Aber  hier,  wo  der  Tausch  grade  nur  des
       wechselseitigen Gebrauchs  der Ware  wegen stattfindet,  hat  der
       Gebrauchswert, d.h.  der Inhalt,  die natürliche Besonderheit der
       Ware als solche kein Bestehn als ökonomische Formbestimmung. Ihre
       Formbestimmung ist  vielmehr der Tauschwert. Der Inhalt außerhalb
       dieser Form  ist gleichgültig; ist nicht Inhalt des Verhältnisses
       als sozialen  Verhältnisses. Aber  entwickelt sich  dieser Inhalt
       als solcher  nicht in  einem System  von Bedürfnissen und Produk-
       tion? Tritt  nicht der  Gebrauchswert als  solcher  in  die  Form
       selbst ein,  als die  ökonomische Form selbst bestimmend, z.B. im
       Verhältnis von  Kapital und  Arbeit? den  verschiednen Formen der
       Arbeit? -  Agrikultur, Industrie etc. - Grundrente? - Einfluß der
       Jahreszeiten auf  Preise der  Rohprodukte? etc.  Wenn  n u r  der
       Tauschwert als solcher Rolle in der Ökonomie spielte, wie könnten
       später solche  Elemente hereinkommen,  die sich  rein auf den Ge-
       brauchswert beziehn,  wie gleich z.B. in dem Kapital als Rohstoff
       etc. Wie  kommt bei Ricardo auf einmal hereingeschneit die physi-
       sche Beschaffenheit  der Erde?  etc. Das  Wort  W a r e  (deutsch
       G ü t e r   vielleicht als denrée 4*) im Unterschied von marchan-
       dise 5*)  ?) enthält  die Beziehung. Der Preis erscheint als bloß
       formelle Bestimmung  an ihr.  Es widerspricht  dem gar nicht, daß
       der Tauschwert die überwiegende Bestimmung ist. Aber der Gebrauch
       hört natürlich dadurch nicht auf, daß er  n u r  durch den Tausch
       bestimmt ist; obgleich er natürlich seine Richtung selbst dadurch
       erhält. Jedenfalls  ist dies  bei der  Untersuchung über den Wert
       genau zu  untersuchen und  nicht, wie  Ricardo tut, rein davon zu
       abstrahieren, noch  wie der fade Say mit der bloßen Voraussetzung
       des Wortes  "Nützlichkeit" wichtig zu tun. Vor allem wird und muß
       es sich bei der Entwicklung der einzelnen Abschnitte zeigen, wie-
       weit der Gebrauchswert nicht nur als vorausgesetzter Stoff außer-
       halb der  Ökonomie und  ihrer Formbestimmungen bleibt und wieweit
       er in sie eingeht. Proudhons Fadaise sieh die "Misère" [121]. So-
       viel ist  sicher: Im Austausch haben wir (in der Zirkulation) die
       Ware "Gebrauchswert  "als Preis;  daß sie  außer ihrem Preis Ware
       ist, Gegenstand des Bedürfnisses, versteht sich von selbst. Beide
       Bestimmungen treten  durchaus nicht in Verhältnis zueinander, au-
       ßer soweit  der besondre  Gebrauchs[wert] als natürliche Schranke
       der Ware  erscheint und  daher das  Geld, d. h. ihren Tauschwert,
       zugleich als  Existenz außer  ihr selbst  im Geld setzt, aber nur
       formell. Das  Geld selbst  ist Ware,  hat einen Gebrauchswert zur
       Substanz.}
       ----
       4*) Gebrauchswert - 5*) Tauschwert
       
       #194# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       jede der  Waren in  der einen  oder andren  Bestimmung betrachtet
       werden. In  beiden Fällen,  wenn sie  als Ware  als solche  gilt,
       tritt sie aus der Zirkulation als Gegenstand des Bedürfnisses und
       fällt ganz  außerhalb des  ökonomischen Verhältnisses. Sofern die
       Ware als  Tauschwert fixiert  wird - Geld - treibt sie zur selben
       Formlosigkeit,  aber  als  innerhalb  die  ökonomische  Beziehung
       fallend. Jedenfalls  haben die  Waren nur Interesse im Tauschver-
       hältnisse (einfache  Zirkulation), soweit  sie Tauschwerte haben;
       anderseits hat  ihr Tauschwert nur ein vorübergehendes Interesse,
       indem er die Einseitigkeit - nur auf das bestimmte Individuum be-
       zogene 6*)  und daher  u n m i t t e l b a r  für es existierende
       Brauchbarkeit,  Gebrauchswert  aufhebt,  aber  nicht  diesen  Ge-
       brauchswert selbst;  vielmehr ihn  setzt und  vermittelt; als Ge-
       brauchswert für andre etc. Soweit aber der Tauschwert als solcher
       fixiert wird  im Geld,  steht ihm  der Gebrauchswert nur noch als
       abstraktes Chaos  gegenüber; und eben durch die Trennung von sei-
       ner Substanz  fällt er in sich zusammen und treibt aus der Sphäre
       des einfachen  Tauschwerts, dessen  höchste Bewegung die einfache
       Zirkulation und  dessen höchste Vollendung das Geld ist, weg. In-
       nerhalb der  Sphäre selbst aber existiert in fact der Unterschied
       nur als eine oberflächliche Verschiedenheit, rein formelle Unter-
       scheidung. Das  Geld selbst  in seiner  höchsten Fixiertheit  ist
       selbst wieder Ware und unterscheidet sich als solche von den and-
       ren nur  dadurch, daß  es   v o l l k o m m n e r  den Tauschwert
       ausdrückt, eben  daher aber als Münze seinen  T a u s c h w e r t
       als immanente  Bestimmung ¦¦20¦  verliert und   b l o ß e r   Ge-
       brauchswert wird,  wenn auch  Gebrauchswert für  die Preissetzung
       etc. der Waren. Die Bestimmungen fallen noch unmittelbar zusammen
       und ebenso  unmittelbar auseinander.  Wo sie sich selbständig ge-
       geneinander verhalten,   p o s i t i v,  wie in der Ware, die Ge-
       genstand der  Konsumtion wird,  hört sie auf, Moment des ökonomi-
       schen Prozesses  zu sein;  wo negativ,  wie  im  Geld,  wird  sie
       V e r r ü c k t h e i t;  die Verrücktheit allerdings als ein Mo-
       ment der Ökonomie und das praktische Leben der Völker bestimmend.
       Wir haben  vorher gesehen, daß nicht gesagt werden kann, daß sich
       der Tauschwert  in der  einfachen Zirkulation  realisiert 7*). Es
       geschieht dies  aber deswegen,  weil ihm  der Gebrauchswert nicht
       als solcher  gegenübertritt, als  ein durch  ihn selbst  als  Ge-
       brauchswert bestimmter;  während umgekehrt  der Gebrauchswert als
       solcher nicht im Verhältnis steht zum Tauschwert, sondern nur da-
       durch bestimmter  Tauschwert wird,  daß die Gemeinsamkeit der Ge-
       brauchswerte -  Arbeitszeit zu  sein -  als äußrer Maßstab an sie
       angelegt wird.  Ihre Einheit  fällt noch  unmittelbar auseinander
       und ihr Unterschied noch
       -----
       6*) In der  Handschrift: existierende  - 7*) siehe vorl. Band, S.
       184
       
       #195# Verwandlung von Geld in Kapital
       -----
       unmittelbar in eins. Daß der Gebrauchswert als solcher wird durch
       den Tauschwert  und daß  der Tauschwert  sich  selbst  vermittelt
       durch den  Gebrauchswert, muß nun gesetzt sein. In der Geldzirku-
       lation hatten  wir nur  zwei verschiedne  Formen des  Tauschwerts
       (Preis der Ware - Geld) oder nur verschiedne Gebrauchswerte (Ware
       - W),  für die  das Geld,  der Tauschwert,  bloße  verschwindende
       Vermittlung ist.  Ein wirkliches  Verhältnis von  Tauschwert  und
       Gebrauchswert fand  nicht statt.  Die  Ware  als  solche  -  ihre
       Besonderheit -  ist daher auch ein gleichgültiger, nur zufälliger
       und en général 8*) vorgestellter Inhalt, der außerhalb der ökono-
       mischen Formbeziehung  fällt; oder  die ökonomische Formbeziehung
       ist eine  nur oberflächliche Form, formelle Bestimmung, außerhalb
       deren Bereich die wirkliche Substanz liegt und die sich zu dieser
       als solcher  gar nicht  verhält; soll  daher diese Formbestimmung
       als solche  festgehalten werden  im Geld,  so verwandelt sie sich
       unter der Hand in ein gleichgültiges natürliches Produkt, ein Me-
       tall, an  dem auch  die letzte  Beziehung, sei es zum Individuum,
       sei es  zum Verkehr  der Individuen,  ausgelöscht ist. Metall als
       solches drückt natürlich keine sozialen Beziehungen aus; auch die
       Form der  Münze an ihm ausgelöscht; das letzte Lebenszeichen sei-
       ner sozialen Bedeutung.
       Der dem  Gebrauchswert selbst,  als Seite  des Verhältnisses  ge-
       setzt, gegenübertretende  Tauschwert, tritt  ihm als  Geld gegen-
       über, aber  das ihm so gegenübertretende Geld ist Geld nicht mehr
       in seiner  Bestimmung als  solches, sondern  als   K a p i t a l.
       Der dem  Kapital oder  dem gesetzten  T a u s c h w e r t  gegen-
       übertretende  G e b r a u c h s w e r t  oder Ware ist nicht mehr
       die Ware,  wie sie  dem Geld  gegenüber erschien,  deren  Formbe-
       stimmtheit ebenso  gleichgültig war  wie ihr  Inhalt, und nur als
       irgendeine Substanz überhaupt erschien.
       1. Erstens als  Gebrauchswert für das Kapital, d. h. also als ein
       Gegenstand durch  Austausch, mit  welchem das Kapital nicht seine
       Wertbestimmung verliert,  wie z.B.  das Geld, indem es gegen eine
       bestimmte Ware  ausgetauscht wird.  Die einzige Nützlichkeit, die
       ein Gegenstand  überhaupt für  das Kapital  haben kann,  kann nur
       sein, es  zu erhalten  oder zu  vermehren. Wir haben schon gesehn
       beim Geld,  wie der  als solcher verselbständigte Wert - oder die
       allgemeine Form  des Reichtums - keiner andren Bewegung fähig ist
       als einer  quantitativen; sich  zu vermehren  9*). Seinem Begriff
       nach ist  er der  Inbegriff aller  Gebrauchswerte; aber als immer
       nur ein  bestimmtes Quantum Geld (hier Kapital) ist seine quanti-
       tative Schranke im Widerspruch zu seiner Qualität. Es liegt daher
       in  seiner   Natur,   beständig   über   seine   eigne   Schranke
       hinauszutreiben. (Als  genießender Reichtum,  z. B.  in der römi-
       schen Kaiserzeit, erscheint
       -----
       8*) im allgemeinen - 9*) siehe vorl. Band, S. 132
       
       #196# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       er daher als grenzenlose Verschwendung, die auch den Genuß in die
       eingebildete Grenzenlosigkeit  zu erheben sucht, durch Verschlin-
       gen von  Perlsalat etc.) Für den Wert, der an sich als Wert fest-
       hält, fällt schon deswegen Vermehren mit Selbsterhalten zusammen,
       und er  erhält sich eben nur dadurch, daß er beständig über seine
       quantitative Schranke  hinaustreibt, die  seiner  Formbestimmung,
       seiner innerlichen Allgemeinheit widerspricht. Das Bereichern ist
       so Selbstzweck.  Die zweckbestimmende Tätigkeit des Kapitals kann
       nur die  der Bereicherung,  d.h. der  Vergrößrung, der Vermehrung
       seiner selbst  sein. Eine  bestimmte Summe  Geldes (und  das Geld
       existiert für seinen Besitzer immer nur in einer bestimmten Quan-
       tität, ist immer da als bestimmte Geldsumme) (dies schon im Kapi-
       tel Geld  zu entwickeln)  kann zu  einer  bestimmten  Konsumtion,
       worin es  eben aufhört,  Geld zu  sein, vollständig genügen. Aber
       als Repräsentant des allgemeinen Reichtums kann es das nicht. Als
       quantitativ bestimmte  Summe, beschränkte  Summe, ist es auch nur
       beschränkter Repräsentant  des allgemeinen  Reichtums oder Reprä-
       sentant eines  beschränkten Reichtums,  der grade soweit geht wie
       sein Tauschwert;  exakt an  ihm gemessen ist. Es hat also keines-
       wegs die  Fähigkeit, die es seinem allgemeinen Begriff nach haben
       soll, alle  Genüsse, alle  Waren, die  Totalität der  materiellen
       Reichtumssubstanzen zu kaufen; es ist nicht ein "précis de toutes
       les choses"  [91] etc.  Als Reichtum festgehalten, als allgemeine
       Form des  Reichtums, als Wert, der als Wert gilt, ist es also der
       beständige Trieb,  über seine  quantitative Schranke  fortzugehn;
       endloser Prozeß.  Seine eigne Lebendigkeit besteht ausschließlich
       darin; es   e r h ä l t   sich  nur als  vom Gebrauchswert unter-
       schiedner,  für   sich  geltender   Tauschwert,  indem   es  sich
       b e s t ä n d i g  v e r v i e l f ä l t i g t.  (Den Herren Öko-
       nomen wird  es verdammt  schwer, theoretisch fortzukommen von der
       Selbsterhaltung des  Werts im Kapital zu seiner Vervielfältigung;
       nämlich diese  in seiner  Grundbestimmung, nicht nur als Akzidens
       oder nur  als Resultat. Sieh z.B. Storch, wie er durch ein Adverb
       "eigentlich" [122] diese Grundbestimmung hereinbringt. Allerdings
       suchen die  Ökonomen dies  in das Verhältnis des Kapitals als we-
       sentlich hereinzubringen,  aber wenn  das nicht  in der  brutalen
       Form geschieht,  daß Kapital  als das  bestimmt wird,  was Profit
       bringt, wo  die Vermehrung des Kapitals selbst schon als besondre
       ö k o n o m i s c h e   F o r m   im Profit  gesetzt ist,  so ge-
       schieht ¦¦21¦  es nur verstohlen und sehr schwach, wie wir später
       durch kurze  Review alles dessen, was die Ökonomen über Begriffs-
       bestimmung des Kapitals beigebracht haben, zeigen werden. Das Ge-
       schwätz, daß  niemand sein  Kapital anwenden  würde, ohne  Gewinn
       daraus zu  ziehn, läuft  entweder auf  die Albernheit hinaus, daß
       die  braven   Kapitalisten  Kapitalisten   bleiben  würden,  auch
       o h n e   ihr Kapital  anzuwenden; oder darauf, daß in einer sehr
       hausmannskostartigen Form  gesagt ist, daß gewinnbringende Anwen-
       dung
       
       #197# Verwandlung von Geld in Kapital
       -----
       im Begriff  des Kapitals  liegt. Well  10*). Dann  wäre das  eben
       nachzuweisen.) -  Das Geld als Geldsumme ist gemessen durch seine
       Quantität. Dies  Gemessensein widerspricht seiner Bestimmung, die
       auf das  Maßlose gerichtet sein muß. Alles das, was hier vom Geld
       gesagt ist,  gilt noch mehr vom Kapital, worin das Geld in seiner
       vollendeten Bestimmung  sich eigentlich  erst entwickelt. Als Ge-
       brauchswert, d.h.  als nützlich, kann dem Kapital als solchem ge-
       genüber nur  das es  Vermehrende, Vervielfältigende und daher als
       Kapital Erhaltende stehn.
       2. Das Kapital seinem Begriff nach ist Geld, aber Geld, das nicht
       mehr in  der einfachen  Form von  Gold und Silber auch nicht mehr
       als Geld  im Gegensatz  zur Zirkulation existiert, sondern in der
       Form aller  Substanzen - Waren. Insofern steht es als Kapital da-
       her nicht im Gegensatz zum Gebrauchswert, sondern existiert außer
       dem Geld eben nur in Gebrauchswerten. Diese seine Substanz selbst
       ist jetzt  also eine  vergängliche, die  einmal keinen Tauschwert
       hätten, wenn  sie keinen  Gebrauchswert hätten;  die aber als Ge-
       brauchswerte ihren Wert verlieren, durch den einfachen Stoffwech-
       sel der Natur aufgelöst werden, wenn sie nicht wirklich gebraucht
       werden; und  die, wenn  sie wirklich gebraucht werden, erst recht
       verschwinden. Nach  dieser Seite hin kann das Gegenteil des Kapi-
       tals nicht selbst wieder eine besondre Ware sein; denn als solche
       bildet sie  keinen Gegensatz zum Kapital, da die Substanz des Ka-
       pitals selbst  Gebrauchswert ist;  es nicht diese oder jene Ware,
       sondern jede  Ware ist.  Die gemeinschaftliche Substanz aller Wa-
       ren, d.h.,  ihre Substanz wieder nicht als ihr materieller Stoff,
       also physische  Bestimmung, sondern  ihre gemeinschaftliche  Sub-
       stanz als  W a r e n  und darum  T a u s c h w e r t e,  ist die,
       daß  sie     v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e    A r b e i t
       sind. {Es  kann aber von dieser ökonomischen (gesellschaftlichen)
       Substanz der  Gebrauchswerte, d.h.  ihrer ökonomischen Bestimmung
       als  Inhalt  im  Unterschied  von  ihrer  Form  (als  diese  Form
       W e r t,   weil bestimmtes  Quantum dieser   A r b e i t)  allein
       die Rede sein, wenn Gegensatz zu ihnen gesucht wird. Was ihre na-
       türlichen Verschiedenheiten  angeht, so  schließt keine derselben
       das Kapital  aus, in ihr Platz zu ergreifen, sie zu seinem eignen
       Körper zu machen, soweit keine die Bestimmung des Tauschwerts und
       der Ware ausschließt.}
       Der  einzige  Unterschied  von  der    v e r g e g e n s t ä n d-
       l i c h t e n   Arbeit  ist  die    n i c h t    v e r g e g e n-
       s t ä n d l i c h t e,   sondern sich noch vergegenständlichende,
       die   A r b e i t   als Subjektivität. Oder die  v e r g e g e n-
       s t ä n d l i c h t e,  d.h. als  r ä u m l i c h  v o r h a n d-
       n e   A r b e i t   kann auch als  v e r g a n g n e  A r b e i t
       der   z e i t l i c h  v o r h a n d n e n  entgegengestellt wer-
       den. Soweit  sie als  zeitlich, als lebendig vorhanden sein soll,
       kann sie nur
       -----
       10*) Nun gut
       
       #198# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       als   l e b e n d i g e s   S u b j e k t  vorhanden sein, in dem
       sie als  Fähigkeit existiert,  als Möglichkeit;  als   A r b e i-
       t e r   daher. Der einzige  G e b r a u c h s w e r t  daher, der
       einen Gegensatz  zum Kapital bilden kann, ist die  A r b e i t {,
       und   z w a r   w e r t s c h a f f e n d e,  i. e.  p r o d u k-
       t i v e   A r b e i t.   Diese Nebenbemerkung ist vorweggenommen;
       muß erst  entwickelt werden;  by and  by 11*).  Arbeit als  bloße
       Dienstleistung zur  Befriedigung von  unmittelbaren  Bedürfnissen
       hat gar  nichts mit  dem Kapital  zu tun,  da es sie nicht sucht.
       Wenn ein Kapitalist sich Holz hacken läßt, um sein mutton 12*) zu
       rösten, so  verhält sich nicht nur der Holzhacker zu ihm, sondern
       er zum  Holzhacker im  Verhältnis des  einfachen Austauschs.  Der
       Holzhacker gibt  ihm seinen  Dienst, einen Gebrauchswert, der das
       Kapital nicht vermehrt, sondern worin es sich konsumiert, und der
       Kapitalist gibt  ihm eine  andre Ware  dafür unter  der Form  von
       Geld. So verhält es sich mit allen Dienstleistungen, die Arbeiter
       direkt austauschen  gegen das  Geld andrer  Personen und  die von
       diesen Personen konsumiert werden. Es ist dies Konsumtion der Re-
       venu, die  als solche  immer in  die einfache  Zirkulation fällt,
       nicht des  Kapitals. Indem  der eine  der Kontrahenten dem andren
       nicht als Kapitalist gegenübersteht, kann diese Leistung des Die-
       nenden nicht  unter die  Kategorie der produktiven Arbeit fallen.
       Von der  Hure bis zum Papst gibt es eine Masse solchen Gesindels.
       Aber auch  das ehrliche  und "arbeitende" Lumpenproletariat fällt
       darunter; z.  B. große  Bande von  hülfsleistenden Schürgen  13*)
       etc. in  Hafenstädten etc. Der das Geld Repräsentierende verlangt
       nur den  Dienst seines Gebrauchswerts halber, der unmittelbar für
       ihn verschwindet;  aber der  Schürge verlangt das Geld, und da es
       so dem  Geldleistenden um die Ware und ihm, dem die Ware Leisten-
       den, um  das Geld  zu tun,  vertreten sie nur die zwei Seiten der
       einfachen Zirkulation gegeneinander; immer klar, daß der Schürge,
       als dem es um das Geld zu tun, also unmittelbar um die allgemeine
       Form des  Reichtums, sich  zu bereichern  sucht auf Kosten seines
       improvisierten Freundes,  was diesen, einen hard calculator 14*),
       um so  tiefer kränkt,  als diese  Dienstleistung,  die  er  jetzt
       braucht,  bloß   seiner  allgemein  menschlichen  Schwäche  zuzu-
       schreiben ist,  keineswegs aber  von ihm    q u a    K a p i t a-
       l i s t   verlangt wird.  A. Smith  hatte  im    w e s e n t l i-
       c h e n   recht mit  seiner   p r o d u k t i v e n   u n d  u n-
       p r o d u k t i v e n   Arbeit, recht  vom Standpunkt der bürger-
       lichen Ökonomie.  [123] Was  die andren Ökonomen dagegen vorbrin-
       gen, entweder  Seichbeutelei (f.i. 15*) Storch, Senior [124] noch
       nisserner 16*)  etc.), nämlich  daß jede Aktion doch irgend etwas
       agiert, also  Verwechseln von  Produkt in  seinem natürlichen und
       ökonomischen  Sinn;   in  der  Art  ist  ein  Spitzbub  auch  ein
       produktiver Arbeiter, indem
       -----
       11*) nach  und   nach  -   12*) Hammelfleisch   13*) Schergen   -
       14*) tüchtigen Rechner - 15*) z.B. - 16*) lausiger (Mundart)
       
       #199# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       er ¦¦22¦  mittelbar Bücher über Kriminalrecht produziert; (wenig-
       stens dies  Raisonnement ebenso richtig, als wenn ein Richter ein
       produktiver Arbeiter  genannt, weil  er   v o r    dem  Diebstahl
       schützt). Oder  die  modernen  Ökonomen  haben  sich  zu  solchen
       Sykophanten des  Bourgeois gemacht,  daß sie demselben weismachen
       wollen, es  sei produktive  Arbeit, wenn  einer ihm die Läuse auf
       dem Kopf  suche oder ihm den Schwanz reibe, weil etwa die letztre
       Bewegung ihm  den dicken Kopf - blockhead 17*) - den nächsten Tag
       aufgeräumter für  das Comptoir  machen werde.  Es ist  daher ganz
       richtig -  zugleich aber  auch charakteristisch -, daß den konse-
       quenten Ökonomen die Arbeiter z.B. von Luxusshops 18*) produktive
       Arbeiter sind, obgleich die Kerls, die solche Gegenstände verzeh-
       ren, ausdrücklich  als unproduktive  Verschwender kastigiert wer-
       den. Das  fact ist,  daß diese  Arbeiter indeed  19*),  produktiv
       sind, as far as they increase the capital of their master; unpro-
       ductive as  to the  material result of their labour 20*). In fact
       ist ja  dieser "produktive" Arbeiter grade ebenso interessiert in
       dem Scheißdreck,  den er  machen muß,  wie der Kapitalist selber,
       der ihn  anwendet und der auch den Teufel nach dem Plunder fragt.
       Genauer aber genommen, findet sich dann in der Tat, daß die wahre
       Definition eines produktiven Arbeiters darin besteht: Ein Mensch,
       der exakt  nicht mehr  bedarf und  verlangt als nötig ist, ihn zu
       befähigen, seinem  Kapitalisten  den  größtmöglichen  Vorteil  zu
       bringen. All this nonsense. 21*) Abschweifung. Aber näher zurück-
       zukommen auf das Produktiv und Nichtproduktiv}.
       
       [Austausch zwischen Kapital und Arbeit]
       
       Der dem  Kapital als  dem gesetzten  Tauschwert gegenübertretende
       G e b r a u c h s w e r t   ist die   A r b e i t.   Das  Kapital
       tauscht sich aus oder ist in dieser Bestimmtheit nur in Beziehung
       auf das   N i c h t - K a p i t a l,   die Negation des Kapitals,
       in bezug  auf welche  es allein Kapital ist; das wirkliche Nicht-
       Kapital ist die  A r b e i t.
       Wenn wir den Austausch zwischen Kapital und Arbeit betrachten, so
       finden wir,  daß er in zwei nicht nur formell, sondern qualitativ
       verschiedne und selbst entgegengesetzte Prozesse zerfällt:
       1. Der Arbeiter  tauscht seine  Ware, die  Arbeit, den Gebrauchs-
       wert, die  als Ware  auch einen   P r e i s  hat, wie alle andren
       Waren, aus gegen eine bestimmte
       -----
       17*) "Dummkopf   -    18*) Ateliers   -   19*) "in   Wirklichkeit
       "20*) soweit sie  das Kapital ihres Herrn vermehren; unproduktiv,
       was das  materielle Ergebnis ihrer Arbeit anbetrifft - 21*) Alles
       das ist Unsinn.
       
       #200# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       Summe Tauschwerte,  bestimmte Summe  Geld, die das Kapital an ihn
       abläßt.
       2. Der Kapitalist  tauscht die  Arbeit selbst ein, die Arbeit als
       wertsetzende Tätigkeit,  als produktive  Arbeit; d.h., er tauscht
       die Produktivkraft ein, die das Kapital erhält und vervielfältigt
       und die  damit zur  Produktivkraft und reproduzierenden Kraft des
       Kapitals, eine dem Kapital selbst angehörige Kraft wird.
       Die Trennung  dieser beiden  Prozesse ist so augenfällig, daß sie
       in der  Zeit auseinanderfallen können und keineswegs zusammenfal-
       len müssen. Der erste Prozeß kann vollendet sein und ist zu einem
       gewissen Grade  meist vollendet, ehe der zweite auch nur beginnt.
       Die Vollendung  des zweiten  Aktes unterstellt die Vollendung des
       Produkts. Die  Zahlung des Arbeitslohns kann nicht auf diese war-
       ten. Wir  werden es  selbst als  eine wesentliche  Bestimmung des
       Verhältnisses finden, daß sie nicht auf dieselbe wartet.
       Beim einfachen Austausch, Zirkulation, findet nicht dieser gedop-
       pelte Prozeß statt. Wenn die Ware a gegen das Geld b ausgetauscht
       und dieses  dann gegen  die zur Konsumtion bestimmte Ware c - das
       ursprüngliche Objekt  des Austauschs für a, so fällt der Gebrauch
       der Ware  c, ihr Konsum, ganz außerhalb der Zirkulation; geht die
       Form des  Verhältnisses nichts an; liegt jenseits der Zirkulation
       selbst und  ist ein  rein stoffliches Interesse, das nur noch ein
       Verhältnis des Individuums A in seiner Natürlichkeit zu einem Ge-
       genstande seines  vereinzelten Bedürfnisses ausdrückt. Was es mit
       der Ware  c anfängt,  ist eine  Frage, die außerhalb des ökonomi-
       schen Verhältnisses  liegt.  Hier  erscheint  umgekehrt  der  Ge-
       brauchswert des  gegen das Geld Eingetauschten als besondres öko-
       nomisches Verhältnis,  und die bestimmte Verwendung des gegen das
       Geld Eingetauschten  bildet den  letzten Zweck  beider  Prozesse.
       Dies unterscheidet  also schon formell den Austausch zwischen Ka-
       pital und  Arbeit vom einfachen Austausch - zwei verschiedne Pro-
       zesse.
       Fassen wir nun ferner, wie dem Inhalt nach der Austausch zwischen
       Kapital und  Arbeit verschieden  ist von  dem einfachen Austausch
       (Zirkulation), so  finden wir, daß dieser Unterschied nicht durch
       eine äußere  Beziehung oder Vergleichung herauskömmt, sondern daß
       in der  Totalität des  letztren Prozesses  die zweite  Form  sich
       selbst von  der  ersten  unterscheidet,  daß  diese  Vergleichung
       selbst eingeschlossen  ist. Der  Unterschied des zweiten Akts vom
       ersten - nämlich der besondre Prozeß der Aneignung der Arbeit von
       Seiten des  Kapitals ist der zweite Akt - ist exactly 1*) der Un-
       terschied des  Austauschs zwischen  Kapital und  Arbeit vom  Aus-
       tausch, wie das Geld ihn zwischen Waren
       -----
       1*) genau
       
       #201# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       vermittelt. Im  Austausch zwischen Kapital und Arbeit ist der er-
       ste Akt ein Austausch, fällt ganz in die gewöhnliche Zirkulation;
       der zweite  ist ein qualitativ vom Austausch verschiedner Prozeß,
       und es  ist nur by misuse 2*), daß er überhaupt Austausch irgend-
       einer Art  genannt werden  könnte. Er  steht direkt dem Austausch
       gegenüber; wesentlich andre Kategorie.
       {K a p i t a l.  I.  A l l g e m e i n h e i t:  1. a) Werden des
       Kapitals aus  dem Geld,  b) Kapital  und Arbeit (sich vermittelnd
       durch  f r e m d e  Arbeit), c) Die Elemente des Kapitals, aufge-
       löst nach  ihrem Verhältnis zur Arbeit (Produkt. Rohmaterial. Ar-
       beitsinstrument).  2.    B e s o n d r u n g    d e s    K a p i-
       t a l s:   a) Capital  circulant, capital  fixe. Umlauf des Kapi-
       tals. 3.   D i e   E i n z e l n h e i t  d e s  K a p i t a l s.
       Kapital und  Profit. Kapital  und Zins. Das Kapital als  W e r t,
       unterschieden von sich als Zins und Profit.
       II.  B e s o n d e r h e i t:  1. Akkumulation der Kapitalien. 2.
       Konkurrenz  der   Kapitalien.  3.  Konzentration  der  Kapitalien
       (quantitativer Unterschied  des Kapitals als zugleich qualitativ,
       als  M a ß  seiner Größe und Wirkung).
       ¦¦23¦ III.  E i n z e l n h e i t:  1. Das Kapital als Kredit. 2.
       Das Kapital  als Aktienkapital.  3. Das Kapital als Geldmarkt. Im
       Geldmarkt ist  das Kapital in seiner Totalität gesetzt; darin ist
       es  p r e i s b e s t i m m e n d,  a r b e i t g e b e n d,  die
       P r o d u k t i o n     r e g u l i e r e n d,    in  einem  Wort
       P r o d u k t i o n s q u e l l e   -, aber das Kapital nicht nur
       als sich  selbst produzierend  (materiell  durch  Industrie  etc.
       Preise setzend,  Produktivkräfte entwickelnd),  sondern  zugleich
       als Schöpfer  von Werten  muß einen vom Kapital spezifisch unter-
       schiednen Wert  oder Form  des Reichtums  setzen.  Dies  ist  die
       G r u n d r e n t e.   Es ist die einzige Wertschöpfung des Kapi-
       tals als  von ihm selbst, seiner eignen Produktion unterschiedner
       Wert.. Sowohl  seiner Natur  nach wie  historisch ist das Kapital
       der   S c h ö p f e r   des modernen  Grundeigentums, der  Grund-
       rente; wie  seine Aktion  daher auch als Auflösung der alten Form
       des Grundeigentums  erscheint. Die neue entsteht durch die Aktion
       des Kapitals  auf die  alte. Das  Kapital ist  dies -  nach einer
       Seite hin  betrachtet -  als Schöpfer der modernen Agrikultur. In
       den ökonomischen  Verhältnissen des  modernen Grundeigentums, das
       als ein  Prozeß erscheint: Grundrente - Kapital - Lohnarbeit (die
       Form des Schlusses kann auch anders gefaßt werden: als Lohnarbeit
       - Kapital  - Grundrente;  aber Kapital  muß immer  als die tätige
       Mitte erscheinen),  ist daher die innre Konstruktion der modernen
       Gesellschaft oder das Kapital in der Totalität seiner Beziehungen
       gesetzt.
       Es fragt  sich nun, wie ergibt sich der Übergang aus dem Grundei-
       gentum in die Lohnarbeit? (Der Übergang aus der Lohnarbeit in das
       Kapital ergibt sich
       -----
       2*) durch Mißbrauch
       
       #202# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       von selbst; da dieses hier in seinen aktiven Grund zurückgegangen
       ist.) Historisch  ist der  Übergang unstreitig.  Er  liegt  schon
       darin, daß das Grundeigentum Produkt des Kapitals ist. Wir finden
       daher überall, daß da, wo durch Reaktion des Kapitals auf die äl-
       teren Formen  des Grundeigentums  das letztre  sich in  Geldrente
       verwandelt (dasselbe findet in andrer Weise statt, wo der moderne
       Bauer geschaffen  wird) und daher gleichzeitig die Agrikultur als
       durch das  Kapital betrieben  sich in industrielle Agronomie ver-
       wandelt, notwendig  aus den cottiers 3*), Leibeignen, Fronbauern,
       Erbpächtern, Häuslern  etc. Taglöhner  werden, Lohnarbeiter, also
       die  L o h n a r b e i t  in ihrer Totalität erst geschaffen wird
       durch Aktion  des Kapitals auf das Grundeigentum und dann, sobald
       dies einmal  als Form herausgearbeitet ist, durch den Grundeigen-
       tümer selbst.  Dieser selbst  clears 4*)  dann, wie Steuart sagt,
       das Land  von seinen  5*) überflüssigen Mäulern, reißt die Kinder
       der Erde  los von der Brust, worauf sie gewachsen, und verwandelt
       so selbst  die Erdarbeit,  die ihrer  Natur nach als unmittelbare
       Subsistenzquelle erscheint,  in vermittelte Subsistenzquelle, von
       gesellschaftlichen Beziehungen  rein abhängige.  (Die wechselsei-
       tige Abhängigkeit  muß erst  rein herausgearbeitet  sein,  eh  an
       wirkliche soziale Gemeinschaftlichkeit gedacht werden kann. [125]
       Alle Verhältnisse  als von  der Gesellschaft  gesetzte, nicht als
       von der  Natur bestimmte.)  Dadurch allein die Anwendung der Wis-
       senschaft erst möglich und die volle Produktivkraft entwickelt.
       Es kann  also kein  Zweifel existieren,  daß  die    L o h n a r-
       b e i t   in ihrer   k l a s s i s c h e n   Form,  als die ganze
       Breite der  Gesellschaft durchwadend  6*) und sich statt der Erde
       zu dem  Boden machend,  worauf sie  steht, erst durch das moderne
       Grundeigentum geschaffen  wird, d.h.  durch das Grundeigentum als
       vom  Kapital  selbst  geschaffter  Wert.  Daher  führt  also  das
       Grundeigentum zurück zur Lohnarbeit. Es ist, nach einer Seite hin
       betrachtet, nichts  als die  Übertragung der  Lohnarbeit aus  den
       Städten auf  das Land, also die über die ganze Oberfläche der Ge-
       sellschaft verbreitete Lohnarbeit. Der alte Grundeigentümer, wenn
       er reich  ist, braucht keinen Kapitalisten, um zu modernem Grund-
       eigentümer zu werden. Er braucht nur seine Arbeiter in Lohnarbei-
       ter zu verwandeln und für Profit statt für Revenu zu produzieren.
       Dann ist  in seiner  Person der  moderne Pächter  und der moderne
       Grundeigentümer vorausgesetzt.  Dies ist  aber kein formeller Un-
       terschied, daß  die Form,  in der  er seine  Revenu bezieht, sich
       verändert, oder  die Form,  worin der Arbeiter bezahlt wird, son-
       dern es  unterstellt   e i n e    t o t a l e    U m g e s t a l-
       t u n g  d e r  P r o d u k t i o n s w e i s e  (der Agrikultur)
       selbst; hat daher Voraussetzungen, die auf bestimmter Entwicklung
       -----
       3*) Kätnern -  4*) reinigt  - 5*)  in der  Handschrift:  ihren  -
       6*) durchdringend (engl.: to wade through)
       
       #203# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       der  Industrie,  des  Handels  und  der  Wissenschaft,  kurz  der
       Produktivkräfte beruhn. Wie überhaupt die auf dem Kapital und der
       Lohnarbeit beruhende Produktion nicht nur formell von andren Pro-
       duktionsweisen verschieden  ist, sondern  ebensosehr eine  totale
       Revolution und  Entwicklung der  materiellen  Produktion  voraus-
       setzt. Obgleich  das Kapital  als Handelskapital sich vollständig
       entwickeln kann  (bloß nicht soweit quantitativ) ohne diese Umge-
       staltung des  Grundeigentums, so nicht als industrielles Kapital.
       Selbst die  Entwicklung der Manufaktur setzt eine beginnende Auf-
       lösung der  alten ökonomischen Grundeigentumsverhältnisse voraus.
       Andrerseits wird  aus dieser  punktuellen Auflösung erst die neue
       Form in  ihrer Totalität und Breite, sobald die moderne Industrie
       sich zu  einem hohen Grad der Ausbildung entwickelt hat, die aber
       selbst stets  um so  rascher vorangeht,  je mehr sich die moderne
       Agrikultur, die  ihr entsprechende  Eigentumsform, die  ihr  ent-
       sprechenden ökonomischen  Verhältnisse  entwickelt  haben.  Daher
       England in dieser Beziehung Musterland für die andren kontinenta-
       len Länder.  Ebenso: Wenn die erste Form der Industrie, die große
       Manufaktur, schon  Auflösung des  Grundeigentums voraussetzt,  so
       ist diese  wieder bedingt  durch die  in den Städten vor sich ge-
       gangne untergeordnete  Entwicklung des Kapitals, in seinen selbst
       noch unentwickelten  Formen (mittelaltrigen)  und zugleich  durch
       die Wirkung der in andren Ländern zugleich mit dem Handel blühen-
       den Manufaktur  (so wirkt  Holland auf  England im 16. und ersten
       Hälfte des 17. Jahrhunderts). In diesen Ländern selbst der Prozeß
       schon durchgemacht  und die Agrikultur für Viehzucht geopfert und
       das Getreide  von zurückgebliebnen  Ländern verschafft, wie Polen
       etc. durch Einfuhr (Holland again 7*)).
       Es  ist   zu  bedenken,   daß  die   neuen  Produktivkräfte   und
       Produktionsverhältnisse sich  nicht aus   N i c h t s  entwickeln
       noch aus  der Luft,  noch aus dem Schoß der sich selbst setzenden
       Idee; sondern  innerhalb und  gegensätzlich gegen  vorhandne Ent-
       wicklung der  Produktion und  überlieferte, traditionelle  Eigen-
       tumsverhältnisse. Wenn  im vollendeten  bürgerlichen System jedes
       ökonomische Verhältnis  das andre  in der bürgerlich-ökonomischen
       Form voraussetzt  und so  jedes Gesetzte  zugleich  Voraussetzung
       ist, so ist das mit jedem ¦¦24¦ organischen System der Fall. Dies
       organische System selbst als Totalität hat seine Voraussetzungen,
       und seine  Entwicklung zur  Totalität besteht  eben [darin], alle
       Elemente der  Gesellschaft sich  unterzuordnen oder  die ihm noch
       fehlenden Organe  aus ihr  heraus zu  schaffen. Es wird so histo-
       risch zur  Totalität. Das  Werden zu  dieser Totalität bildet ein
       Moment seines  Prozesses, seiner Entwicklung. - Andrerseits, wenn
       innerhalb einer Gesellschaft
       -----
       7*) wieder
       
       #204# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       die modernen  Produktionsverhältnisse, d.h. das Kapital zu seiner
       Totalität entwickelt  ist, und  diese Gesellschaft sich nun eines
       neuen Terrains  bemächtigt wie  z.B. in  den Kolonien,  so findet
       sie, namentlich  ihr Repräsentant, der Kapitalist, daß sein Kapi-
       tal aufhört,  Kapital zu  sein ohne  Lohnarbeit und  daß eine der
       Voraussetzungen hiervon  nicht nur  Grundeigentum überhaupt, son-
       dern modernes  Grundeigentum  ist;  Grundeigentum,  das  als  ka-
       pitalisierte Rente teuer ist und als solches die unmittelbare Be-
       nutzung der  Erde durch  die Individuen  ausschließt. Daher Wake-
       fields Kolonietheorie  [126], von der englischen Regierung in Au-
       stralien in  der Praxis  befolgt.  Das  Grundeigentum  wird  hier
       künstlich verteuert,  um die  Arbeiter in Lohnarbeiter zu verwan-
       deln, das  Kapital als  Kapital wirken  zu machen und so die neue
       Kolonie  p r o d u k t i v  zu machen; Reichtum in ihr zu entwic-
       keln, statt  sie, wie  in Amerika,  zur momentanen  Lieferung der
       Lohnarbeiter zu verwenden. Wakefields Theorie ist unendlich wich-
       tig zur richtigen Auffassung des modernen Grundeigentums.
       - Das Kapital,  als Grundrente schaffend, geht also zurück in die
       Produktion der  Lohnarbeit als  seines allgemeinen schöpferischen
       Grundes. Das  Kapital geht  aus der  Zirkulation hervor und setzt
       die Arbeit  als Lohnarbeit;  bildet sich  so aus,  und als Ganzes
       entwickelt, setzt  das Grundeigentum,  sowohl als seine Bedingung
       wie als  seinen Gegensatz. Es zeigt sich aber, daß es hiermit nur
       die Lohnarbeit als seine allgemeine Voraussetzung geschaffen hat.
       Diese ist  also nun  für sich zu betrachten. Anderseits erscheint
       das moderne  Grundeigentum selbst  am mächtigsten in dem Prozesse
       des Clearing  of estates [40] und Verwandlung der Landarbeiter in
       Lohnarbeiter. So  doppelter Übergang in die Lohnarbeit. Dies nach
       der positiven  Seite hin. Negativ, nachdem das Kapital das Grund-
       eigentum gesetzt  und damit  seinen doppelten  Zweck erreicht: 1.
       Industriellen Ackerbau und dadurch Entwicklung der Produktivkraft
       der Erde;  2. Lohnarbeit,  also Herrschaft des Kapitals allgemein
       auf dem  Lande, betrachtet  es die  Existenz  des  Grundeigentums
       selbst als  eine bloß  vorübergehende Entwicklung,  die nötig ist
       als Aktion des Kapitals auf die alten Grundeigentumsverhältnisse,
       und ein  P r o d u k t  i h r e r  Z e r s e t z u n g;  die aber
       als solche  - diesen  Zweck einmal  erreicht - bloße Beschränkung
       des Profits ist, keine Notwendigkeit für die Produktion. Es sucht
       also das  Grundeigentum als Privateigentum aufzulösen und auf den
       Staat zu  übertragen. Dies die negative Seite. So die ganze innre
       Gesellschaft in Kapitalisten und Lohnarbeiter zu verwandeln. Wenn
       das Kapital so weit ist, ist die Lohnarbeit auch so weit, daß sie
       einerseits den  Grundeigentümer als Superfötation 8*) zur Verein-
       fachung des
       -----
       8*) Auswucherung
       
       #205# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       Verhältnisses, Milderung  der Steuern etc. zu beseitigen sucht in
       derselben Form  wie der Bourgeois; andrerseits, um der Lohnarbeit
       zu entrinnen  und selbständiger  - für  unmittelbaren Gebrauch  -
       Produzent zu  werden, die  Zerschlagung des großen Grundeigentums
       verlangt.
       Das Grundeigentum  wird so von zwei Seiten her negiert; die Nega-
       tion von  seiten des  Kapitals ist  nur Formveränderung zu seiner
       Alleinherrschaft.  (Grundrente  als  die  allgemeine  Staatsrente
       (-steuer), so  daß die  bürgerliche Gesellschaft  in andrer Weise
       das mittelaltrige System, aber als die vollständige Negation des-
       selben, reproduziert.) Die Negation von seiten der Lohnarbeit ist
       nur versteckte Negation des Kapitals, also auch ihrer selbst. Als
       selbständig dem  Kapital gegenüber ist sie also jetzt zu betrach-
       ten. So  der Übergang  doppelt: 1.   P o s i t i v e r   Ü b e r-
       g a n g   aus dem  modernen Grundeigentum  oder des Kapitals ver-
       mittelst des  modernen  Grundeigentums  [zu]  der  allgemeinen  I
       Lohnarbeit; 2.   n e g a t i v e r   Ü b e r g a n g:  Verneinung
       des Grundeigentums  durch das  Kapital, d. h. also Verneinung des
       selbständigen Werts  durch das Kapital, d. h. eben Verneinung des
       Kapitals  durch   sich  selbst.  Aber  ihre  Verneinung  ist  die
       L o h n a r b e i t.  Dann Verneinung des Grundeigentums und ver-
       mittelst seiner  des Kapitals von seiten der Lohnarbeit. D.h. die
       Lohnarbeit, die sich als das Selbständige setzen will.}
       {Der  M a r k t,  der im Anfang in der Ökonomie als abstrakte Be-
       stimmung erscheint,  nimmt totale  Gestaltungen  an.  Einmal  der
       G e l d m a r k t.  Dieser umschließt den Wechselmarkt; überhaupt
       den  Anleihemarkt;   also  Geldhandel,   Bullionmarkt  9*).   Als
       G e l d l e i h m a r k t   erscheint er  sowohl an  den  Banken,
       f.i. 10*)  dem Discount, wozu sie diskontieren: loanmarket, bill-
       brokers 11*) etc.; aber dann auch als Markt aller  z i n s t r a-
       g e n d e n   P a p i e r e:   Staatsfunds und Share market 12*).
       Die  letztren   sondern  sich  in  größre  Gruppen:  Erstens  die
       S h a r e s  13*)  d e r  G e l d i n s t i t u t e  selbst; Bank
       shares; jointstock bank shares 14*);  S h a r e s  der Kommunika-
       tionsmittel  (r a i l w a y  s h a r e s  15*) die bedeutendsten;
       c a n a l   shares; steam  navigation shares,  telegraph  shares,
       omnibus shares  16*));   s h a r e s  a l l g e m e i n e r  i n-
       d u s t r i e l l e r   e n t e r p r i s e s  17*)  (m i n i n g
       s h a r e s   18*) die  hauptsächlichsten). Dann  für Zufuhr all-
       gemeiner Elemente   (g a s   shares  19*), Wasserleitung shares).
       M i s c e l l a n e o u s   20*)  ins  tausendfache  gehend.  Zur
       A u f b e w a h r u n g   d e r   W a r e n   (dock  shares  21*)
       etc.).  M i s c e l l a n e o u s  ins unendliche gehend, wie der
       auf Aktien  gegründeten entreprises,  industrieller oder Handels-
       kompanien. Endlich als Sicherung des
       -----
       9*) Gold- und  Silbermarkt  -  10*) z.B.  -  11*) "Anleihenmarkt,
       Wechselmakler - 12*) Aktienmarkt - 13*) Aktien - 14*) Bankaktien;
       Aktien von  Aktienbanken -  15*) Eisenbahnaktien -  16*) Kanalak-
       tien; Dampfschiffahrtsaktien;  Telegraphenaktien; Omnibusaktien -
       17*) Unternehmen  -   18*) Berghauaktien   -   19*) Gasaktien   -
       20*) Vielseitigkeit - 21*) Hafenaktien
       
       #206# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       Ganzen   I n s u r a n c e   s h a r e s   22*) aller Sorten. Wie
       nun der  Markt im  großen und  ganzen in  home market und Foreign
       market 23*) zerfällt, so der innre Markt selbst wieder zerfallend
       in Market  of Home Shares, national funds etc. und Foreign funds,
       foreign ¦¦25¦  shares 24*)  etc. Eigentlich gehört diese Entwick-
       lung aber  zum Weltmarkt,  der nicht  nur der innre Markt im Ver-
       hältnis zu allen außer ihm existierenden foreign markets, sondern
       zugleich der  innre [Markt]  aller foreign markets als wieder Be-
       standteile des home market ist.  D i e  K o n z e n t r a t i o n
       d e s   G e l d m a r k t s  auf einem Hauptplatz innerhalb eines
       Landes, während  sich die  übrigen Märkte mehr verteilen nach der
       Teilung der  Arbeit; obgleich auch hier große Konzentration [auf]
       die Hauptstadt,  wenn diese zugleich Exporthafen. - Die vom Geld-
       markt unterschiednen  Märkte sind  erstens so  verschieden als es
       Produkte und Produktionszweige sind und bilden ebenso verschiedne
       Märkte. Hauptmärkte von diesen verschiednen Produkten bilden sich
       in Zentren,  die solche sind entweder in bezug auf Ein- oder Aus-
       fuhr oder  weil sie entweder selbst Zentren einer bestimmten Pro-
       duktion sind oder die unmittelbaren Zufuhrplätze solcher Zentren.
       Von der bloßen Verschiedenheit gehn diese Märkte aber noch zu ei-
       ner mehr oder minder organischen Sonderung in großen Gruppen fort
       25*), die  notwendig nach  den Grundelementen des Kapitals selbst
       zerfallen  in:   Produktenmarkt  und  Rohproduktmarkt.  Das  Pro-
       duktionsinstrument als  solches bildet keinen besondren Markt; es
       ist als solches hauptsächlich vorhanden erstens in den Rohstoffen
       selbst, die  als Produktionsmittel  verkauft werden; dann aber im
       besondren in  den Metallen,  da diese allen Gedanken an unmittel-
       bare Konsumtion ausschließen, und dann den Produkten, wie Kohlen,
       Öl, chemische  Stoffe, die  bestimmt sind zu verschwinden als ak-
       zessorische Mittel  der Produktion.  Ebenso Farben,  Holz,  drugs
       26*) etc. Danach:
       I.   P r o d u k t e.   1.   K o r n m a r k t   mit seinen  ver-
       schiednen Unterabteilungen. Z.B. Seedmarkt 27*): Reis, Sago, Kar-
       toffel etc.  Dieser ökonomisch  sehr wichtig;  zugleich Markt für
       Produktion und  für unmittelbare  Konsumtion. 2.  C o l o n i a l
       P r o d u c e m a r k e t  28*): Kaffee, Tee, Kakao, Zucker; Tob-
       acco, spices  (Pfeffer, Pimento, Cinnamon, Cassia lignea, cloves,
       ginger, mace,  nutmegs, etc.);  3.  F r ü c h t e.  Almonds, Cur-
       rants,  Figs,   Plums,  Prunes,  Raisins,  Oranges,  Lemons  etc.
       M o l a s s e s   (für Produktion etc.); 4.  P r o v i s i o n s.
       Butter;   cheese;    bacon;   hams;   lard;   pork;   beef   29*)
       (geräuchertes), Fische etc. 5.  S p i r i t s.  Wein, Rum, Bier
       -----
       22*) Versicherungsaktien  -  23*) Binnenmarkt  und  Außenmarkt  -
       24*) Markt für  Binnenaktien, staatliche  Obligationen  etc.  und
       Auslandsfonds, ausländische  Aktien -  25*) in  der  Handschrift:
       statt -  26*) Drogen - 27*) Saatgutmarkt - 28*) Markt für Koloni-
       alwaren -  29*) Gewürze (Pfeffer,  Gewürzkörner, Zimt,  Zimtbaum,
       Gewürznelken, Ingwer Muskatblüte, Muskatnuß, etc.); - 3. Früchte.
       Mandeln Korinthen,
       
       #207# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       etc. II.   R o h p r o d u k t e.   1.   D i e  R o h s t o f f e
       d e r  m e c h a n i s c h e n  I n d u s t r i e.  Flachs; Hanf;
       Baumwolle; Seide;  Wolle; Häute;  Leder; Gutta  Percha  etc.;  2.
       R o h s t o f f e  d e r  c h e m i s c h e n  I n d u s t r i e.
       Pottasche,  Salpeter;   Terpentin;  Nitrat   of  Soda  etc.  III.
       R o h s t o f f e ,                                         d i e
       P r o d u k t i o n s i n s t r u m e n t e      z u g l e i c h.
       M e t a l l e   (Kupfer, Eisen,  Zinn, Zink,  Blei, Stahl  etc.),
       H o l z.   Wood. Timber  30*).  Färbehölzer.  Schiffbauholz  etc.
       A k z e s s o r i s c h e       P r o d u k t i o n s m i t t e l
       u n d   R o h s t o f f e.  Drugs und Dyes 31*). (Cochenille, In-
       digo etc.). Teer. Talg. Öle. Kohlen etc. Jedes Produkt muß natür-
       lich in  den Markt; aber wirklich große Märkte im Unterschied vom
       Detailhandel  bilden   nur  die   großen  Produkte   zum   Konsum
       (ökonomisch wichtig  nur der  Kornmarkt, Tee-,  Zucker-,  Coffee-
       markt; Weinmarkt einigermaßen und Spiritmarkt überhaupt) oder die
       die Rohstoffe  der Industrie  bilden: (Woll-, Seiden-, Holz-, Me-
       tallmarkt etc.)  An welcher  Stelle die  abstrakte Kategorie  des
       Marktes hinein muß, wird sich finden.}
       Der Austausch  des Arbeiters  mit dem Kapitalisten ist ein einfa-
       cher Austausch;  jeder erhält  ein Äquivalent; der eine Geld, der
       andre eine  Ware, deren   P r e i s  exakt gleich ist dem für sie
       gezahlten Geld;  was der Kapitalist in diesem einfachen Austausch
       erhält, ist  ein Gebrauchswert:  Disposition über  fremde Arbeit.
       Von seiten  des Arbeiters  - und dies ist der Austausch, worin er
       als Verkäufer erscheint - ist es evident, daß bei ihm sowenig wie
       bei dem  Verkäufer irgendeiner andren Ware, eines Gebrauchswerts,
       der Gebrauch,  den der  Käufer von  der an  ihn  abgelaßnen  Ware
       macht, die  Formbestimmung des  Verhältnisses angeht. Was er ver-
       kauft, ist  die Disposition über seine Arbeit, die eine bestimmte
       ist, bestimmte Kunstfertigkeit etc.
       Es ist  ganz gleichgültig,  was der  Kapitalist mit seiner Arbeit
       macht, obgleich er sie natürlich nur ihrer Bestimmtheit nach ver-
       wenden kann  und seine  Disposition  selbst  sich  nur  auf  eine
       b e s t i m m t e    Arbeit  und  eine    z e i t l i c h    b e-
       s t i m m t e  Verfügung über dieselbe (soundso viel Arbeitszeit)
       beschränkt 32*).  Das Stückarbeitzahlen-System  bringt allerdings
       den Schein  herein, als  ob er einen bestimmten Anteil am Produkt
       erhielte. Es  ist dies  aber nur  eine andre  Form, die  Zeit  zu
       messen (statt  zu sagen,  du arbeitest  während 12  Stunden, wird
       gesagt, du  erhälst soviel  per Stück; d.h., wir messen die Zeit,
       die du  gearbeitet hast,  an der  Anzahl der  Produkte); geht uns
       hier bei  Betrachten des allgemeinen Verhältnisses gar nichts an.
       Wenn der  Kapitalist sich begnügte mit der bloßen Dispositionsfä-
       higkeit, ohne  den Arbeiter  wirklich arbeiten zu lassen, z.B. um
       seine Arbeit  als Reserve  zu haben etc. oder seinem Konkurrenten
       die Dispositionsfähigkeit
       -----
       Feigen, Pflaumen,  Backpflaumen, Rosinen,  Orangen, Zitronen etc.
       Melasse (für  Produktion etc.);  4. Lebensmittel.  Butter;  Käse;
       Speck; Schinken;  Schweineschmalz; Schweinefleisch; Rindfleisch -
       30*) Holz. Bauholz  - 31*) Drogen  und Farben - 32*) in der Hand-
       schrift: beschränkt ist
       
       #208# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       zu entziehen (wie z. B. Schauspieldirektoren Sängerinnen für eine
       season 33*)  kaufen, nicht um sie singen zu lassen, sondern damit
       sie nicht  auf einem  Konkurrenztheater singt),  so hat  der Aus-
       tausch vollständig  stattgefunden. Im  Geld erhält  der  Arbeiter
       zwar den  Tauschwert, die  allgemeine Form des Reichtums in einem
       bestimmten Quantum,  und das  Mehr oder  Weniger, das  er erhält,
       verschafft ihm  größren  oder  geringren  Anteil  am  allgemeinen
       Reichtum. Wie dies Mehr oder Weniger bestimmt wird, wie die Quan-
       tität Geld,  die er  erhält, gemessen  wird, geht  das allgemeine
       Verhältnis so  wenig an,  daß es  aus demselben als solchen nicht
       entwickelt werden  kann.  Im  allgemeinen  betrachtet,  kann  der
       Tauschwert seiner Ware nur bestimmt sein nicht durch die Art, wie
       der Käufer  seine Ware  g e b r a u c h t,  sondern nur durch das
       Quantum vergegenständlichter  Arbeit, das in ihr selbst vorhanden
       ist; also  hier durch  das Quantum Arbeit, das es kostet, den Ar-
       beiter selbst  zu produzieren.  Denn der Gebrauchswert, den ¦¦26¦
       er anbietet,  existiert nur  als Fähigkeit, Vermögen seiner Leib-
       lichkeit; hat kein Dasein außerhalb derselben. Die vergegenständ-
       lichte Arbeit,  die nötig ist, um sowohl die allgemeine Substanz,
       an der  sein Arbeitsvermögen existiert, also ihn selbst, leiblich
       zu erhalten, wie um diese allgemeine Substanz zur Entwicklung des
       besondren Vermögens  zu modifizieren,  ist die  in ihr  vergegen-
       ständlichte Arbeit.  Diese mißt  im allgemeinen  das Quantum  des
       Werts, die  Summe Geldes,  die er im Austausch erhält. Die weitre
       Entwicklung, wie der Arbeitslohn gemessen wird, gleich allen and-
       ren Waren  durch die  Arbeitszeit, die nötig ist, um den Arbeiter
       als solchen zu produzieren, gehört noch nicht hierher.
       In der Zirkulation, wenn ich eine Ware gegen Geld austausche, da-
       für Ware  kaufe und  mein Bedürfnis  befriedige, ist  der Akt  am
       Ende. So  ist es  beim Arbeiter. Aber er hat die Möglichkeit, ihn
       von vorn  anzufangen, weil  seine Lebendigkeit  die Quelle, worin
       sein eigner  Gebrauchswert bis zu einer gewissen Zeit, bis er ab-
       genutzt ist,  stets wieder von neuem sich entzündet und dem Kapi-
       tal stets gegenüberstehn bleibt, um denselben Austausch von neuem
       zu beginnen. Wie bei jedem als Subjekt in der Zirkulation stehen-
       den Individuum ist der Arbeiter Besitzer eines Gebrauchswerts; er
       setzt ihn  um gegen Geld, die allgemeine Form des Reichtums, aber
       nur um  diese wieder gegen Waren als Gegenstände seiner unmittel-
       baren Konsumtion,  als die Mittel zur Befriedigung seiner Bedürf-
       nisse umzusetzen. Da er seinen Gebrauchswert gegen die allgemeine
       Form des Reichtums umtauscht, wird er Mitgenießer des allgemeinen
       Reichtums bis zur Grenze seines Äquivalents - einer quantitativen
       Grenze, die allerdings in eine qualitative umschlägt, wie bei je-
       dem Austausch.
       -----
       33*) Saison
       
       #209# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       Er ist  aber nicht  an besondre Gegenstände noch an eine besondre
       Weise der  Befriedigung gebunden.  Er ist nicht qualitativ ausge-
       schlossen -  der Kreis  seiner Genüsse,  sondern nur quantitativ.
       Dies unterscheidet  ihn vom  Sklaven, Leibeignen etc. Die Konsum-
       tion wirkt  certainly 34*) auf die Produktion selbst zurück; aber
       dieser Rückschlag geht weder den Arbeiter bei seinem Austausch an
       sowenig wie  jeden andren  Verkäufer einer  Ware; vielmehr  fällt
       sie, vom  Standpunkt der  bloßen Zirkulation - und wir haben noch
       kein andres entwickeltes Verhältnis vor uns ", außerhalb des öko-
       nomischen Verhältnisses.  Soviel kann indes nebenbei bemerkt wer-
       den schon  jetzt, daß die relative, nur quantitativ, nicht quali-
       tativ, und nur durch die Quantität gesetzte qualitative Beschrän-
       kung des  Kreises der  Genüsse der Arbeiter ihnen auch als Konsu-
       menten (bei  der weitren  Entwicklung des  Kapitals muß überhaupt
       das Verhältnis  von Konsumtion  und Produktion  näher  betrachtet
       werden) eine  ganz andre  Wichtigkeit als  Agenten der Produktion
       gibt, denn  die sie z. B. in der antiken Zeit oder im Mittelalter
       oder in Asien besitzen und besaßen. Aber dies gehört, wie gesagt,
       noch nicht hierher.
       Ebenso, indem  der Arbeiter  das Äquivalenterhält in der Form des
       Geldes, der Form des allgemeinen Reichtums, ist er in diesem Aus-
       tausch als  Gleicher dem  Kapitalist gegenüber,  wie jeder  andre
       Austauschende; wenigstens  dem   S c h e i n  nach. Dem fact nach
       ist diese  Gleichheit schon  dadurch gestört, daß sein Verhältnis
       als Arbeiter  zum Kapitalisten,  als Gebrauchswert  in der spezi-
       fisch vom  Tauschwert verschiednen  Form, im Gegensatz zu dem als
       Wert gesetzten  Wert, vorausgesetzt ist für diesen scheinbar ein-
       fachen Austausch;  daß er  also schon  in einem anders ökonomisch
       bestimmten Verhältnis steht - außer dem des Austauschs, worin die
       Natur des Gebrauchswerts, der besondre Gebrauchswert der Ware als
       solcher gleichgültig ist.
       Dieser Schein existiert indes als Illusion seinerseits und zu ei-
       nem gewissen  Grade auf  der andren  Seite und  modifiziert daher
       auch wesentlich sein Verhältnis im Unterschied von dem der Arbei-
       ter in andren gesellschaftlichen Produktionsweisen. Aber, was das
       Wesentliche ist, der Zweck des Austauschs für ihn ist die Befrie-
       digung seines  Bedürfnisses. Der Gegenstand seines Austauschs ist
       unmittelbarer Gegenstand  des Bedürfnisses,  nicht der Tauschwert
       als solcher.  Er erhält  zwar Geld, aber nur in seiner Bestimmung
       als Münze; d.h. nur als sich selbst aufhebende und verschwindende
       Vermittlung. Was  er austauscht,  ist daher nicht der Tauschwert,
       nicht der  Reichtum, sondern Lebensmittel, Gegenstände zur Erhal-
       tung seiner  Lebendigkeit, Befriedigung  seiner Bedürfnisse über-
       haupt, physischer, sozialer etc. Es ist ein
       -----
       34*) zweifellos
       
       #210# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       bestimmtes Äquivalent  in Lebensmitteln, vergegenständlichter Ar-
       beit, gemessen  durch die Produktionskosten seiner Arbeit. Was er
       abläßt, ist die Disposition über sie. Anderseits ist es nun wahr,
       daß selbst innerhalb der einfachen Zirkulation die Münze zum Geld
       fortgeht und daß also, insofern er im Austausch Münze erhält - er
       diese in  Geld verwandeln  kann, indem  er sie aufhäuft etc., der
       Zirkulation entzieht;  sie fixiert als allgemeine Form des Reich-
       tums statt  als verschwindendes  Tauschmittel. Nach  dieser Seite
       könnte also gesagt werden, daß im Austausch des Arbeiters mit dem
       Kapital sein  Objekt - und also auch das Produkt für ihn des Aus-
       tauschs - nicht das Lebensmittel, sondern der Reichtum sei, nicht
       ein besondrer  Gebrauchswert, sondern der Tauschwert als solcher.
       Der Arbeiter  könnte hiernach den Tauschwert nur zu seinem eignen
       P r o d u k t   machen, wie  der Reichtum  überhaupt  allein  als
       P r o d u k t   d e r   e i n f a c h e n  Z i r k u l a t i o n,
       worin  Äquivalente   ausgetauscht  werden,    e r s c h e i n e n
       kann, nämlich  indem er die substantielle Befriedigung opfert der
       F o r m  des Reichtums, also durch  E n t s a g e n,  Sparen, Ab-
       knappen an  seiner Konsumtion  weniger der  Zirkulation entzieht,
       als er  ihr   G ü t e r  gibt. Dies ist die einzig mögliche Form,
       sich zu bereichern, die durch die Zirkulation selbst gesetzt ist.
       Die Entsagung  könnte dann auch in der mehr aktiven Form erschei-
       nen, die  nicht in  der einfachen Zirkulation gesetzt ist, daß er
       in höhrem  Grade der Ruhe, überhaupt seinem Sein als getrennt von
       seinem Sein  als Arbeiter entsagt, und möglichst nur als Arbeiter
       ist; also  den Akt des Austauschs öfter erneuert oder quantitativ
       wieder 35*)  zieht, also durch  F l e i ß.  Es wird daher auch in
       der heutigen  Gesellschaft die  Forderung des Fleißes und nament-
       lich auch  des   S p a r e n s,  der  E n t s a g u n g  nicht an
       die Kapitalisten,  sondern an  die Arbeiter gestellt, und nament-
       lich von  den ¦[27¦ Kapitalisten. Die jetzige Gesellschaft stellt
       grade die  paradoxe Forderung, daß der entsagen soll, bei dem der
       Gegenstand des  Austauschs das  Lebensmittel ist,  nicht der, für
       den er  die Bereicherung. Die Illusion, als wenn die Kapitalisten
       faktisch "entsagten"  - und  dadurch Kapitalisten  wurden -  eine
       Forderung und Vorstellung, die überhaupt nur Sinn hatte innerhalb
       der Vorzeit,  worin sich  das  Kapital  aus  feudalen  etc.  Ver-
       hältnissen herausbildet - ist von allen zurechnungsfähigen moder-
       nen Ökonomen  aufgegeben. Der  Arbeiter soll sparen, und viel We-
       sens ist gemacht worden mit Sparkassen etc.
       (Bei letztren  wird indes  selbst von den Ökonomen zugegeben, daß
       ihr eigentlicher  Zweck auch  nicht  der  Reichtum,  sondern  nur
       zweckmäßigre Verteilung der Ausgabe ist, so daß sie im Alter oder
       wenn Krankheiten, Krisen
       -----
       35*) weiter
       
       #211# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       etc. dazwischen  kommen, nicht  den Armenhäusern,  dem Staat, dem
       Bettel (in  einem Wort  der Arbeiterklasse  selbst und namentlich
       nicht den  Kapitalisten) zur Last fallen und auf deren Tasche ve-
       getieren, also  sparen für  die Kapitalisten; ihre Produktionsko-
       sten für  dieselben vermindern.) Allein kein Ökonom wird leugnen,
       daß, wenn  die Arbeiter  a l l g e m e i n,  also als  A r b e i-
       t e r  (was der einzelne Arbeiter im Unterschied von seinem genus
       tut oder tun kann, kann eben nur als  A u s n a h m e,  nicht als
       R e g e l   existieren, weil  es nicht in der Bestimmung des Ver-
       hältnisses selbst  liegt), also als  R e g e l  diese Forderungen
       erfüllten (abgesehn  von dem  Schaden, den  sie  der  allgemeinen
       Konsumtion zufügen  würden -  der Ausfall wäre enorm ", also auch
       der Produktion,  also auch  der Anzahl  und Masse der Austausche,
       die sie  mit dem  Kapital machen  könnten, also  sich selbst  als
       Arbeitern), er  absolut Mittel  anwendete, die ihren eignen Zweck
       aufheben und  ihn grade  degradieren müßten  zum Irländer, zu der
       Stufe  des   Lohnarbeiters,  wo   das  tierischste   Minimum  von
       Bedürfnissen, von  Lebensmitteln ihm  als der  einzige Gegenstand
       und Zweck  seines Austauschs  mit dem  Kapital erscheint. Mit dem
       Zweck, den  Reichtum, statt des Gebrauchswerts zu seinem Zweck zu
       machen, würde  er nicht  nur daher  zu  keinem  Reichtum  kommen,
       sondern den  Gebrauchswert obendrein  in den Kauf verlieren. Denn
       als Regel  würde das  Maximum des  Fleißes, der  Arbeit, und  das
       Minimum der Konsumtion - und dieses ist das Maximum seiner Entsa-
       gung und seines Geldmachens - zu weiter nichts führen können, als
       daß er  für ein Maximum von Arbeit ein Minimum von Lohn erhielte.
       Er würde  durch die  Anstrengung nur  das allgemeine  N i v e a u
       der Produktionskosten seiner eignen Arbeit und darum ihren allge-
       meinen Preis  vermindert haben.  Es ist nur als Ausnahme, daß der
       Arbeiter durch  Willenskraft, physische  Kraft und Ausdauer, Geiz
       etc. seine Münze in Geld verwandeln kann, als Ausnahme von seiner
       Klasse und  den allgemeinen Bedingungen seines Daseins. Sind alle
       oder die  Mehrzahl überfleißig  (soweit der Fleiß in der modernen
       Industrie überhaupt  ihrem Gutdünken  überlassen ist,  was in den
       wichtigsten und  entwickeltsten Produktionszweigen nicht der Fall
       ist), so  vermehren sie  nicht den  Wert ihrer  Ware, sondern nur
       ihre  Quantität;  also  die  Forderungen,  die  an  sie  als  Ge-
       brauchswert gestellt würden. Sparen sie alle, so wird eine allge-
       meine Reduktion  des Lohns sie schon wieder auf den richtigen Fuß
       setzen; denn  das allgemeine  Sparen zeigte dem Kapitalisten, daß
       ihr Lohn allgemein zu hoch steht, daß sie mehr als ihr Äquivalent
       für ihre Ware, die Dispositionsfähigkeit über ihre Arbeit, erhal-
       ten; da  es gerade  das Wesen  des einfachen  Austauschs - und in
       diesem Verhältnis  stehn sie zu ihm - ist, daß keiner mehr in die
       Zirkulation hereinwirft,  als er entzieht; aber ihr auch nur ent-
       ziehn kann,  was er  hereingeworfen hat.  Ein einzelner  Arbeiter
       kann nur  f l e i ß i g  sein über das Niveau
       
       #212# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       hinaus, mehr  als er  es sein muß, um als Arbeiter zu leben, weil
       ein andrer  unter dem  Niveau steht, fauler ist; er kann nur spa-
       ren, weil und wenn ein andrer verschwendet.
       Das Höchste,  wozu er  es im  Durchschnitt mit seiner Sparsamkeit
       bringen kann,  ist, die  Ausgleichung der  Preise - hohe und nie-
       dere, ihren  Kreislauf -  besser ertragen  zu  können;  also  nur
       zweckmäßiger seine Genüsse zu verteilen, nicht Reichtum zu erwer-
       ben. Und das ist auch die eigentliche Forderung der Kapitalisten.
       Die Arbeiter sollen in der guten Geschäftszeit soviel sparen, daß
       sie in  der schlechten  mehr oder minder leben können, short time
       36*) ertragen  oder das Herabsetzen der Löhne etc. (Er würde dann
       noch tiefer fallen.) Also Forderung, daß sie sich immer auf einem
       Minimum von  Lebensgenuß halten  sollen und  den Kapitalisten die
       Krisen erleichtern etc. Sich als reine Arbeitsmaschinen und ihren
       tear and wear 37*) selbst möglichst zahlen sollen. Von der reinen
       Vertierung, worin  dies ausliefe  - und  solche Vertierung machte
       selbst unmöglich, den Reichtum in allgemeiner Form, als Geld, als
       angehäuftes Geld,  nur anzustreben  -, abgesehn  (und der Anteil,
       den der  Arbeiter an höheren, auch geistigen Genüssen, nimmt; die
       Agitation für  seine eignen  Interessen, Zeitungen halten, Vorle-
       sungen hören,  Kinder erziehen,  Geschmack entwickeln  etc., sein
       einziger Anteil  an der  Zivilisation, der ihn vom Sklaven schei-
       det, ist  ökonomisch nur dadurch möglich, daß er den Kreis seiner
       Genüsse in  den guten Geschäftszeiten erweitert, also in den Zei-
       ten, wo  Sparen zu einem gewissen Grade möglich) davon, würde er,
       wenn er  recht in asketischer Weise sparte und so Prämien für das
       Lumpenproletariat, Spitzbuben  etc. aufhäufte,  die im Verhältnis
       zur Nachfrage  wachsen würden  - seine Ersparnisse, wenn sie über
       die Sparbüchse der offiziellen Sparkassen hinausgehn, die ihm ein
       Minimum von  Zins zahlen, damit die Kapitalisten große Zinsen aus
       ihren Ersparnissen  schlagen oder  der Staat sie aufißt, womit er
       bloß die  Macht seiner  Gegner und  seine eigne Abhängigkeit ver-
       mehrt -  seine Ersparnisse  bloß konservieren  und fruchtbringend
       machen können,  indem er sie in Banken etc. legt, so daß er nach-
       her in  Zeiten der Krisen seine Depositen verliert, während er in
       Zeiten der  Prosperität allem  Lebensgenuß entsagt  hat,  um  die
       Macht des  Kapitals zu  vermehren; also  in jeder  Weise    f ü r
       d a s  Kapital, nicht ¦¦28¦ für sich gespart hat.
       Übrigens -  soweit das  Ganze nicht heuchlerische Phrase der bür-
       gerlichen "Philanthropie"  ist, die  überhaupt darin besteht, den
       Arbeiter mit  "frommen Wünschen" abzuspeisen - verlangt jeder Ka-
       pitalist  zwar,  daß  seine  Arbeiter  sparen  sollen,  aber  nur
       s e i n e,   weil sie  ihm als  Arbeiter gegenüberstehn; beileibe
       nicht die  übrige   W e l t   d e r   A r b e i t e r,   denn sie
       stehn ihm als Konsumenten gegenüber.
       -----
       36*) Kurzarbeit - 37*) Verschleiß
       
       #213# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       In spite  38*) aller  "frommen" Redensarten  sucht er  daher alle
       Mittel auf,  um sie zum Konsum anzuspornen, neue Reize seinen Wa-
       ren zu  geben, neue  Bedürfnisse ihnen  anzuschwatzen etc. Es ist
       grade diese  Seite des  Verhältnisses von Kapital und Arbeit, die
       ein wesentliches  Zivilisationsmoment ist und worauf die histori-
       sche Berechtigung,  aber auch die gegenwärtige Macht des Kapitals
       beruht. (Dies  Verhältnis von  Produktion und  Konsumtion zu ent-
       wickeln erst unter: Kapital und Profit etc.) (oder auch unter der
       Akkumulation und Konkurrenz der Kapitalien.)
       Dies sind indes alles exoterische Betrachtungen, soweit am Platz,
       als die  Forderungen der heuchlerischen Bürgerphilanthropie nach-
       gewiesen werden, sich in sich selbst aufzulösen und also grade zu
       bestätigen, was  sie widerlegen  sollen, daß im Austausch des Ar-
       beiters mit  dem Kapital er sich im Verhältnis der einfachen Zir-
       kulation befindet,  also nicht  Reichtum erhält,  sondern nur Le-
       bensmittel, Gebrauchswerte  für die  unmittelbare Konsumtion. Daß
       die Forderung  dem Verhältnis  selbst widerspricht,  geht aus der
       einfachen Reflexion  hervor (über  die  neuerdings  manchmal  mit
       Selbstgefälligkeit vorgebrachte  Forderung, den  Arbeitern  einen
       gewissen Anteil  am Profit  zu geben,  ist  unter  dem  Abschnitt
       A r b e i t s l o h n   zu sprechen;  außer als   b e s o n d r e
       P r ä m i e,   die nur als Ausnahme von der Regel ihren Zweck er-
       reichen kann  und sich  in fact  auch beschränkt in nennenswerter
       Praxis auf  Einkaufen von  einzelnen Overlookers 39*) etc. in dem
       Interesse des  Arbeitgebers gegen  das Interesse  seiner  Klasse;
       oder auf  Commis etc.,  kurz nicht  mehr   e i n f a c h e   A r-
       b e i t e r,  also auch nicht mehr auf das allgemeine Verhältnis;
       oder es  ist eine  besondre Manier,  die Arbeiter  zu prellen und
       ihnen   e i n e n   T e i l   i h r e s   A r b e i t s l o h n s
       unter der  prekärem Form eines vom Stand des Geschäfts abhängigen
       Profits   v o r z u e n t h a l t e n),   daß, wenn die Ersparung
       des Arbeiters nicht bloßes Produkt der Zirkulation bleiben soll -
       abgespartes Geld,  das nur  verwirklicht werden  kann,  indem  es
       früher oder später gegen den substantiellen Inhalt des Reichtums,
       Genüsse, umgesetzt  wird -  das aufgehäufte  Geld selbst  Kapital
       werden,  d.h.  Arbeit  kaufen  müßte,  sich  zu  der  Arbeit  als
       Gebrauchswert  verhalten   müßte.  Sie  unterstellt  also  wieder
       Arbeit, die  nicht Kapital  ist, und  unterstellt, daß die Arbeit
       ihr Gegenteil  geworden ist - Nicht-Arbeit. Um Kapital zu werden,
       unterstellt sie selbst die Arbeit als Nicht-Kapital gegenüber dem
       Kapital. Also die Herstellung des Gegensatzes, der an einem Punkt
       aufgehoben werden  soll, an  einem andren  Punkt.  Ware  also  im
       ursprünglichen  Verhältnis   selbst  der   Gegenstand   und   das
       P r o d u k t   des Austauschs  des Arbeiters  - als  Produkt des
       bloßen Austauschs  kann es  kein andres  Produkt sein - nicht der
       Gebrauchswert, Lebensmittel,
       -----
       38*) Trotz - 39*) Aufsehern
       
       #214# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
       -----
       Befriedigung des  unmittelbaren Bedürfnisses,  Entziehung aus der
       Zirkulation des  Äquivalents, was  in sie  eingesetzt ist,  um es
       durch die  Konsumtion zu  vernichten ",  so stünde die Arbeit dem
       Kapital nicht als Arbeit, nicht als Nicht-Kapital gegenüber, son-
       dern als Kapital. Aber auch Kapital kann dem Kapital nicht gegen-
       überstehn, wenn dem Kapital nicht Arbeit gegenübersteht, da Kapi-
       tal nur  Kapital ist  als Nicht-Arbeit; in dieser gegensätzlichen
       Beziehung. Also  wäre der Begriff und das Verhältnis des Kapitals
       selbst vernichtet.
       Daß es Zustände gibt, worin selbstarbeitende Eigentümer miteinan-
       der austauschen,  wird certainly 40*) nicht geleugnet. Solche Zu-
       stände aber  sind nicht  die Zustände der Gesellschaft, worin das
       Kapital als  solches entwickelt  existiert; sie werden daher auch
       an allen  Punkten durch seine Entwicklung vernichtet. Als Kapital
       kann es  sich nur setzen, indem es die Arbeit als Nicht- Kapital,
       als reinen  Gebrauchswert setzt.  (Als Sklave  hat  der  Arbeiter
       T a u s c h w e r t,  einen  W e r t;  als freier Arbeiter hat er
       k e i n e n  W e r t;  sondern nur die Disposition über seine Ar-
       beit, durch Austausch mit ihm bewirkt, hat Wert. Er steht dem Ka-
       pitalisten nicht als Tauschwert gegenüber, sondern der Kapitalist
       ihm. Seine   W e r t l o s i g k e i t   und  E n t w e r t u n g
       ist  die   Voraussetzung  des  Kapitals  und  die  Bedingung  der
       f r e i e n   Arbeit überhaupt.  Linguet betrachtet sie als Rück-
       schritt [127];  er vergißt,  daß damit  der Arbeiter  formell als
       Person gesetzt  ist, der  noch etwas  a u ß e r  s e i n e r  Ar-
       beit für  sich ist und der seine Lebensäußerung nur veräußert als
       Mittel für  sein eignes  Leben. Solange  der Arbeiter als solcher
       T a u s c h w e r t    hat,  kann  das    i n d u s t r i e l l e
       K a p i t a l  als solches nicht existieren, also überhaupt nicht
       das entwickelte  Kapital. Diesem  gegenüber muß  die  Arbeit  als
       r e i n e r   G e b r a u c h s w e r t   stehn, der als Ware von
       seinem Besitzer  selbst gegen  es angeboten  wird,  gegen  seinen
       T a u s c h w e r t   [die Münze], die allerdings in der Hand des
       Arbeiters nur  in ihrer  Bestimmung als  allgemeines Tauschmittel
       wirklich wird;  sonst verschwindet.)  Well 41*). Der Arbeiter be-
       findet sich also nur im Verhältnis der einfachen Zirkulation, des
       einfachen Austauschs  und erhält  nur   M ü n z e  für seinen Ge-
       brauchswert; Lebensmittel;  aber vermittelt.  Diese Form der Ver-
       mittlung ist, wie wir gesehn, wesentlich und charakteristisch für
       das Verhältnis. Daß er fortgehn kann zur Verwandlung der Münze in
       Geld -  zum Sparen  -, beweist  eben nur, daß sein Verhältnis das
       der einfachen  Zirkulation ist; er kann mehr oder weniger sparen;
       aber darüber hinaus kommt er nicht; verwirklichen kann er das Ge-
       sparte nur, indem er nun den Kreis seiner Genüsse momentan erwei-
       tert. Wichtig  ist dies - und in die Bestimmung des Verhältnisses
       selbst eingreifend ", daß, indem
       -----
       40*) gewiß - 41*) Nun gut
       
       #215# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       das Geld  das Produkt seines Austauschs ist, allgemeiner Reichtum
       als Illusion  ihn vorantreibt;  ihn industriell  macht.  Zugleich
       wird dadurch  nicht nur formell ein Spielraum der Willkür für die
       Verwirk¦¦[29][1281¦[lichung ...]
       {Der Arbeiter  in diesem Austausch erhält das Geld in der Tat nur
       als   M ü n z e,  d.h. bloß verschwindende Form der Lebensmittel,
       gegen die  er es austauscht. Lebensmittel nicht Reichtum, für ihn
       der Zweck des Austauschs.
       Man hat  das  A r b e i t s v e r m ö g e n  insofern das Kapital
       des Arbeiters  genannt, als  es der  fonds ist, den er nicht auf-
       zehrt durch einen vereinzelten Austausch, sondern stets von neuem
       während seiner   L e b e n s d a u e r   a l s    A r b e i t e r
       wiederholen kann.  Demnach wäre  alles Kapital, was ein fonds von
       wiederholten} ¦¦III-8¦ [129] Prozessen desselben Subjekts ist; so
       z.B.: die  Substanz des  Auges das  Kapital des Sehns etc. Solche
       belletristische Phrasen,  die nach irgendeiner Analogie alles un-
       ter alles  rangieren, mögen  sogar geistreich  scheinen, wenn sie
       das erstemal  gesagt werden,  und um  so mehr so, je mehr sie das
       Disparateste identifizieren.  Wiederholt, und nun gar mit Selbst-
       gefälligkeit, als  Aussprüche von wissenschaftlichem Wert wieder-
       holt, sind  sie tout  bonnement 42*) albern. Nur für belletristi-
       sche Grünfärber  und Schwätzer  ins Blaue  gut, die  alle Wissen-
       schaften anschmieren  mit ihrem lakritzensüßen Dreck. Daß die Ar-
       beit stets  neue Quelle  des Austauschs für den Arbeiter, solange
       er arbeitsfähig  - nämlich nicht des Austauschs schlechthin, son-
       dern des  Austauschs mit  dem Kapital -, liegt in der Begriffsbe-
       stimmung selbst,  daß er nur zeitliche Disposition über seine Ar-
       beitsfähigkeit verkauft,  also den  Tausch stets wieder von neuem
       beginnen kann,  sobald er das gehörige Maß von Stoff eingenommen,
       um wieder  seine Lebensäußerung  reproduzieren zu  können.  Statt
       ihre Verwunderung  dahin zu richten - und es dem Arbeiter als ein
       großes Verdienst des Kapitals anzurechnen, daß er überhaupt lebt,
       also bestimmte Lebensprozesse täglich wiederholen kann, sobald er
       sich ausgeschlafen und sattgegessen hat - hätten die schönfärben-
       den Sykophanten  der bürgerlichen Ökonomie ihr Augenmerk vielmehr
       darauf richten  sollen, daß er nach stets wiederholter Arbeit im-
       mer nur seine lebendige, unmittelbare Arbeit selbst auszutauschen
       hat. Die  Wiederholung selbst  ist in  fact nur scheinbar.  W a s
       e r  a u s t a u s c h t  g e g e n  d a s  K a p i t a l,  i s t
       s e i n e   g a n z e   A r b e i t s f ä h i g k e i t,    d i e
       e r,   s a y  43*),  i n  2 0  J a h r e n  a u s g i b t.  Statt
       ihm diese auf einmal zu zahlen, zahlt sie das Kapital dosenweise,
       wie er  sie ihm  zur Disposition stellt, sage wöchentlich. Es än-
       dert dies  also absolut nichts an der Natur der Sache und berech-
       tigt zu  nichts weniger  als dem Schlüsse, daß, weil der Arbeiter
       10-12 Stunden  schlafen muß, bevor er fähig ist, seine Arbeit und
       seinen Austausch mit dem Kapital zu wiederholen
       -----
       42*) aufrichtig - 43*) sagen wir
       
       #216# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       - die  Arbeit  s e i n  K a p i t a l  bildet. Was danach als Ka-
       pital, in  fact, aufgefaßt  ist, ist  die Schranke, die Unterbre-
       chung seiner  Arbeit, daß er kein perpetuum mobile ist. Der Kampf
       um die  Zehnstundenbill [130]  etc. beweist,  daß der  Kapitalist
       nichts mehr  wünscht, als  daß er  seine  D o s e n  L e b e n s-
       k r a f t  s o v i e l  w i e  m ö g l i c h  o h n e  U n t e r-
       b r e c h u n g  v e r g e u d e t.
       Wir kommen  jetzt zum  zweiten Prozeß,  der nach diesem Austausch
       die Beziehung zwischen Arbeit und Kapital bildet. Wir wollen hier
       nur noch zufügen, daß die Ökonomen selbst den obigen Satz so aus-
       drücken: daß das  S a l a i r  n i c h t  p r o d u k t i v  ist.
       Produktiv sein  heißt bei  ihnen, of  course 44*),  produktiv von
       Reichtum. Da  das Salair  nun das Produkt des Austauschs zwischen
       Arbeiter und Kapital ist - und das einzige Produkt, das in diesem
       Akt selbst  gesetzt ist -, geben sie zu, daß der Arbeiter in die-
       sem Austausch   k e i n e n   R e i c h t u m   produziert, weder
       für den  Kapitalisten -  denn für  diesen ist das Zahlen von Geld
       für einen  Gebrauchswert - und dies  Z a h l e n  bildet die ein-
       zige Funktion  des Kapitals  in diesem  Verhältnis - Aufgeben von
       Reichtum, nicht  Schaffen desselben,  weswegen er möglichst wenig
       zu zahlen  sucht; noch  für den Arbeiter, denn es schafft ihm nur
       Lebensmittel, Befriedigung  individueller Bedürfnisse,  mehr oder
       weniger -   n i e   die allgemeine Form des Reichtums, nie Reich-
       tum. Kann es auch nicht, da der Inhalt der Ware, die er verkauft,
       sie in  keiner Weise über die allgemeinen Gesetze der Zirkulation
       stellt: durch  den Wert,  den er  in die  Zirkulation wirft,  ein
       Äquivalent, vermittelst der Münze, in einem andern Gebrauchswert,
       den er  verzehrt, zu  erhalten. Eine  solche Operation  kann,  of
       course, nie bereichern, sondern muß ihren Vollbringer am Ende des
       Prozesses grade  auf den  Punkt zurückbringen, auf dem er sich im
       Anfang befand.  Dies schließt,  wie wir  gesehn haben, nicht aus,
       schließt vielmehr ein, daß der Kreis seiner unmittelbaren Befrie-
       digungen einer  gewissen Verengerung  oder  Erweiterungen  fähig.
       Andrerseits, wenn  der Kapitalist  - der in diesem Austausch noch
       gar nicht als Kapitalist, sondern nur als  G e l d  gesetzt ist -
       diesen Akt immer von neuem wiederholte, würde sein Geld bald auf-
       gegessen sein vom Arbeiter und er ¦¦9¦ es in einer Reihe von and-
       ren Genüssen,  geflickten Hosen,  geputzten Stiefeln - kurz, emp-
       fangnen Dienstleistungen  - verschwendet  haben. Jedenfalls würde
       die Wiederholung  dieser Operation  exakt gemessen sein durch die
       Grenze seines  Beutels. Sie  würde ihn  nicht mehr bereichern als
       die dépense  45*) von  Geld für  andre Gebrauchswerte  für  seine
       liebe Person,  die  bekanntlich  alle  ihm  nicht  -  einbringen,
       sondern kosten.
       Es kann  sonderbar scheinen, daß, da im Verhältnis von Arbeit und
       Kapital und  auch in diesem ersten Verhältnis des Austauschs zwi-
       schen beiden, der
       -----
       44*) selbstverständlich - 45*) Ausgabe
       
       #217# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       Arbeiter den  Tauschwert kauft  und der Kapitalist den Gebrauchs-
       wert, indem  die Arbeit  dem Kapital nicht als  e i n  Gebrauchs-
       wert, sondern  als   d e r   Gebrauchswert schlechthin gegenüber-
       steht, der Kapitalist Reichtum, der Arbeiter nur einen Gebrauchs-
       wert, der  in der Konsumtion erlischt, erhalten soll. {Soweit das
       den Kapitalisten  angeht, erst  bei dem  zweiten Prozeß  zu  ent-
       wickeln.} Es  erscheint dies als eine Dialektik, die grade in das
       Umgekehrte von dem umschlägt, was erwartet werden sollte. Allein,
       genauer betrachtet,  zeigt sich, daß der Arbeiter, der seine Ware
       austauscht, im  Austauschprozeß die Form W-G-G-W durchmacht. Wenn
       in der  Zirkulation von der Ware, dem Gebrauchswert als dem Prin-
       zip des Tauschs ausgegangen wird, langen wir notwendig wieder bei
       der Ware  an, indem  das Geld  nur als  Münze erscheint  und  als
       Tauschmittel eine  nur verschwindende  Vermittlung ist;  die Ware
       als solche, nachdem sie ihren Kreislauf beschrieben, als direktes
       Objekt des  Bedürfnisses aber konsumiert wird. Andrerseits reprä-
       sentiert das Kapital G-W-W-G; das entgegengesetzte Moment.
       T r e n n u n g     d e s     E i g e n t u m s    v o n    d e r
       A r b e i t   erscheint als  notwendiges Gesetz dieses Austauschs
       zwischen Kapital  und Arbeit.  Die Arbeit  als das    N i c h t -
       K a p i t a l   als solches  gesetzt, ist: 1.  N i c h t - v e r-
       g e g e n s t ä n d l i c h t e     A r b e i t,    n e g a t i v
       g e f a ß t   (selbst noch  gegenständlich; das  Nichtgegenständ-
       liche selbst  in objektiver  Form). Als  solche  ist  sie  Nicht-
       Rohstoff,  Nicht-Arbeitsinstrument,   Nicht-Rohprodukt:  die  von
       allen Arbeitsmitteln  und Arbeitsgegenständen,  von ihrer  ganzen
       Objektivität getrennte  Arbeit. Die lebendige als  A b s t r a k-
       t i o n   von diesen  Momenten  ihrer  realen  Wirklichkeit  exi-
       stierende Arbeit  (ebenso Nicht-Wert);  diese völlige Entblößung,
       aller Objektivität bare, rein subjektive Existenz der Arbeit. Die
       Arbeit als  die absolute  Armut: die  Armut,  nicht  als  Mangel,
       sondern als völliges Ausschließen des gegenständlichen Reichtums.
       Oder auch  als   d e r   existierende   N i c h t - W e r t   und
       daher  rein   gegenständliche  Gebrauchswert,   ohne  Vermittlung
       existierend, kann diese Gegenständlichkeit nur eine nicht von der
       Person getrennte:  nur eine  mit ihrer unmittelbaren Leiblichkeit
       zusammenfallende sein.  Indem die  Gegenständlichkeit rein unmit-
       telbar ist,  ist sie ebenso unmittelbar Nicht-Gegenständlichkeit.
       In andren  Worten keine  außer dem unmittelbaren Dasein des Indi-
       viduums  selbst  fallende  Gegenständlichkeit.  2.    N i c h t -
       v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e   A r b e i t,  N i c h t -
       W e r t,   p o s i t i v   gefaßt, oder  sich auf sich beziehende
       Negativität,  ist  sie  die    nicht - v e r g e g e n s t ä n d-
       l i c h t e,   also ungegenständliche,  i. e. subjektive Existenz
       der Arbeit  selbst. Die  Arbeit nicht als Gegenstand, sondern als
       Tätigkeit; nicht  als selbst   W e r t,   sondern  als die   l e-
       b e n d i g e   Q u e l l e  des Werts. Der allgemeine  Reichtum,
       gegenüber dem  Kapital, worin er gegenständlich, als Wirklichkeit
       existiert, als   a l l g e m e i n e  M ö g l i c h k e i t  des-
       selben,  die   sich  in   der  Aktion   als  solche  bewährt.  Es
       widerspricht sich also
       
       #218# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       in keiner  Weise oder vielmehr der in jeder Weise sich widerspre-
       chende Satz,  daß die  Arbeit  einerseits  die    a b s o l u t e
       A r m u t   a l s   G e g e n s t a n d,  andrerseits die  a l l-
       g e m e i n e   M ö g l i c h k e i t   des Reichtums als Subjekt
       und als Tätigkeit ist, bedingen sich wechselseitig und folgen aus
       dem Wesen  der Arbeit, wie sie als Gegensatz, als gegensätzliches
       Dasein des  Kapitals vom  Kapital  v o r a u s g e s e t z t  ist
       und andrerseits ihrerseits das Kapital voraussetzt.
       Der letzte  Punkt, worauf  noch aufmerksam  zu machen ist, in der
       Arbeit, wie  sie dem Kapital gegenübersteht, ist der, daß sie als
       d e r   dem als  Kapital  gesetzten  Geld  gegenüberstehende  Ge-
       brauchswert nicht  diese oder  jene Arbeit,  sondern  A r b e i t
       s c h l e c h t h i n,   abstrakte Arbeit ist; absolut gleichgül-
       tig gegen ihre besondre  B e s t i m m t h e i t,  aber jeder Be-
       stimmtheit fähig.  Der besondren  Substanz, worin  ein bestimmtes
       Kapital besteht,  muß natürlich  die Arbeit als besondre entspre-
       chen; aber da das Kapital  a l s  s o l c h e s  gleichgültig ge-
       gen jede Besonderheit seiner Substanz, und sowohl als die Totali-
       tät derselben  wie als Abstraktion von allen ihren Besonderheiten
       ist, so  die ihm  gegenüberstehende Arbeit hat subjektiv dieselbe
       Totalität und  Abstraktion an  sich. In  der zunftmäßigen,  hand-
       werksmäßigen Arbeit  z.B., wo  das Kapital  selbst noch eine bor-
       nierte Form  hat, noch  ganz in  bestimmte Substanz versenkt ist,
       also noch  nicht   K a p i t a l   a l s  s o l c h e s  ist, er-
       scheint auch  die Arbeit  noch als  versenkt in ihre besondre Be-
       stimmtheit: nicht  in der  Totalität und  Abstraktion, als  d i e
       Arbeit, wie  sie dem Kapital gegenübersteht. D.h., die Arbeit ist
       zwar in  jedem einzelnen  Fall eine  bestimmte; aber  das Kapital
       kann sich  jeder   b e s t i m m t e n   Arbeit gegenüberstellen;
       die  T o t a l i t ä t  aller Arbeiten steht ihm ??????? 46*) ge-
       genüber, und es ist zufällig, welche ihm gerade gegenübersteht.
       Andrerseits ist  der Arbeiter  selbst absolut  gleichgültig gegen
       die Bestimmtheit  seiner Arbeit;  sie hat als solche nicht Inter-
       esse für  ihn, sondern nur soweit sie überhaupt  A r b e i t  und
       als solche  Gebrauchswert für  das Kapital  ist. ¦¦10¦ Träger der
       Arbeit als  solcher, d.h.  der  Arbeit  als    G e b r a u c h s-
       w e r t  für das Kapital zu sein, macht daher seinen ökonomischen
       Charakter aus;  er ist   A r b e i t e r   im  Gegensatz zum  Ka-
       pitalisten. Dies  ist nicht  der Charakter der Handwerker, Zunft-
       genossen etc.,  deren ökonomischer  Charakter grade  in der  B e-
       s t i m m t h e i t   ihrer Arbeit  und dem  Verhältnis zu  einem
       b e s t i m m t e n   M e i s t e r   liegt etc. Dies ökonomische
       Verhältnis -  der Charakter,  den Kapitalist und Arbeiter als die
       Extreme eines  Produktionsverhältnisses tragen - wird daher desto
       reiner und  adäquater entwickelt, je mehr die Arbeit allen Kunst-
       charakter verliert;  ihre besondre  Fertigkeit immer  mehr  etwas
       Abstraktes, Gleichgültiges  wird und  sie mehr  und mehr  r e i n
       47*)   a b s t r a k t e   T ä t i g k e i t,   rein mechanische,
       daher
       -----
       46*) potentiell - 37*) in der Handschrift: mehr in rein
       
       #219# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       gleichgültige, gegen  ihre besondre  Form indifferente  Tätigkeit
       wird; bloß   f o r m e l l e   Tätigkeit  oder, was dasselbe ist,
       bloß  s t o f f l i c h e,  Tätigkeit überhaupt, gleichgültig ge-
       gen die  Form. Hier  zeigt es  sich denn wieder, wie die besondre
       Bestimmtheit des  Produktionsverhältnisses, der Kategorie - Kapi-
       tal und  Arbeit hier  - erst  wahr wird mit der Entwicklung einer
       besondren   m a t e r i e l l e n  W e i s e  d e r  P r o d u k-
       t i o n   und einer  besondren Stufe  der Entwicklung  der  indu-
       striellen   P r o d u k t i v k r ä f t e.   (Dieser Punkt  über-
       haupt bei  diesem Verhältnis  besonders zu entwickeln, später; da
       er hier  schon   g e s e t z t  ist im Verhältnis selbst, während
       er bei  den  abstrakten  Bestimmungen,  Tauschwert,  Zirkulation,
       Geld, mehr noch in unsre subjektive Reflexion fällt.)
       2  Wir  kommen nun zur zweiten Seite des Prozesses. Der Austausch
       zwischen Kapital  oder Kapitalist  und dem   A r b e i t e r  ist
       nun  fertig,   soweit  es   sich  überhaupt  um  den  Prozeß  des
       A u s t a u s c h s   handelt. Er  geht jetzt  fort zur Beziehung
       des Kapitals  zur Arbeit als seinem Gebrauchswert. Die Arbeit ist
       nicht nur  der dem  Kapital gegenüberstehende  G e b r a u c h s-
       w e r t,   sondern sie ist  d e r  G e b r a u c h s w e r t  des
       Kapitals  selbst.   Als  das   Nichtsein  der   Werte  als   ver-
       gegenständlichter ist  die Arbeit  ihr  Sein  als  nichtvergegen-
       ständlichter, ihr  ideelles Sein;  die Möglichkeit  der Werte und
       als Tätigkeit  die Wertsetzung. Dem Kapital gegenüber ist sie die
       bloße abstrakte  Form, die  bloße Möglichkeit  der  wertsetzenden
       Tätigkeit, die  nur als  Fähigkeit,  Vermögen  existiert  in  der
       Leiblichkeit des  Arbeiters.  Aber  durch  den  Kontakt  mit  dem
       Kapital zur  wirklichen Tätigkeit  gebracht -  aus sich  kann sie
       nicht dazu  kommen, da sie gegenstandlos ist "wird sie eine wirk-
       liche wertsetzende,  produktive Tätigkeit. In bezug auf das Kapi-
       tal kann  die Tätigkeit  überhaupt nur in der Reproduktion seiner
       selbst -  der Erhaltung  und Vermehrung  seiner als des  w i r k-
       l i c h e n   und   w i r k s a m e n   Wertes,  nicht  des  bloß
       gemeinten, wie  im Geld  als solchem bestehn. Durch den Austausch
       mit  dem   Arbeiter  hat  sich  das  Kapital  die  Arbeit  selbst
       angeeignet; sie ist eins seiner Momente geworden, die nun als be-
       fruchtende Lebendigkeit  auf seine  nur daseiende  und daher tote
       Gegenständlichkeit wirkt.
       Das Kapital  ist Geld (für sich gesetzter Tauschwert), aber nicht
       mehr Geld  als in einer besondren Substanz und daher ausgeschlos-
       sen von  den andren  Substanzen der Tauschwerte, neben ihnen exi-
       stierend, sondern  in allen  Substanzen, den  Tauschwerten  jeder
       Form  und  Daseinsweise  der  vergegenständlichten  Arbeit  seine
       ideale Bestimmung  erhaltend. Insofern  das Kapital, als in allen
       besondren Formen  der vergegenständlichten  Arbeit  existierendes
       Geld, nun  in Prozeß  tritt mit  der nicht  vergegenständlichten,
       sondern lebendigen,  als Prozeß und Akt existierenden Arbeit, ist
       es zunächst  dieser qualitative  Unterschied der Substanz, in der
       es besteht, von der Form, worin es nun  a u c h  als
       
       #220# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Arbeit besteht.  Es ist  der Prozeß dieser Unterscheidung und der
       Aufhebung derselben, worin das Kapital selbst Prozeß wird.
       Die Arbeit  ist das  Ferment, das in es geworfen wird, es nun zur
       Gärung bringt.  Einerseits muß  die Gegenständlichkeit,  worin es
       besteht, verarbeitet,  d. h.  von der  Arbeit aufgezehrt, andrer-
       seits die bloße Subjektivität der Arbeit als bloßer Form aufgeho-
       ben und  sie in dem Material des Kapitals vergegenständlicht wer-
       den. Die  Beziehung des  Kapitals seinem  Inhalt nach auf die Ar-
       beit, der  vergegenständlichten Arbeit auf die lebendige Arbeit -
       in dieser  Beziehung, wo  das Kapital passiv gegen die Arbeit er-
       scheint, ist  es sein passives Dasein, als besondre Substanz, das
       in bezug auf die Arbeit als formende Tätigkeit tritt - kann über-
       haupt nur  die Beziehung  der Arbeit auf ihre Gegenständlichkeit,
       ihren Stoff  sein -  (was 48*)  schon im ersten Kapitel auseinan-
       derzusetzen, das dem [vom] Tauschwert vorhergehn und von der Pro-
       duktion im  allgemeinen handeln  muß) -, und in bezug auf die Ar-
       beit als Tätigkeit hat der Stoff, die vergegenständlichte Arbeit,
       nur zwei Beziehungen, die des  R o h s t o f f s,  d.h. des form-
       losen Stoffs, des bloßen Materials für die formsetzende, zweckmä-
       ßige Tätigkeit  der  Arbeit,  und  die  des    A r b e i t s i n-
       s t r u m e n t s,   des selbst gegenständlichen Mittels, wodurch
       die subjektive  Tätigkeit zwischen sich und den Gegenstand selbst
       einen Gegenstand als ihren Leiter schiebt. [131]
       Die Bestimmung als  P r o d u k t,  die die Ökonomen hier herein-
       bringen, gehört  noch gar nicht hierher, als von Rohstoff und Ar-
       beitsinstrument   u n t e r s c h i e d n e   Bestimmung. Es  er-
       scheint als   R e s u l t a t,     nicht als   V o r a u s s e t-
       z u n g   des Prozesses zwischen dem passiven Inhalt des Kapitals
       und der Arbeit als Tätigkeit. Als  V o r a u s s e t z u n g  ist
       Produkt kein  von  Rohstoff  und  Arbeitsinstrument  verschiednes
       Verhältnis des  Gegenstands zur  Arbeit, da Rohstoff und Arbeits-
       instrument, weil  als  die  Substanz  von  Werten,  selbst  schon
       v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e  A r b e i t,  P r o d u k-
       t e   sind. Die  Substanz des  Werts ist  überhaupt nicht die be-
       sondre natürliche  Substanz, sondern  die vergegenständlichte Ar-
       beit. Diese  selbst ¦¦11¦  erscheint  wieder  in  bezug  auf  die
       l e b e n d i g e   A r b e i t   a l s   R o h s t o f f   u n d
       A r b e i t s i n s t r u m e n t.  Den bloßen Akt der Produktion
       an sich  betrachtet, mag  das Arbeitsinstrument  und der Rohstoff
       als  in  der  Natur  vorgefunden  erscheinen,  so  daß  sie  bloß
       a n g e e i g n e t   zu werden brauchen, d.h. zum Gegenstand und
       Mittel der Arbeit gemacht, was nicht selbst ein Prozeß der Arbeit
       ist. Ihnen  gegenüber erscheint  also das  P r o d u k t  als ein
       qualitativ andres  und ist  Produkt nicht  nur als  Resultat  der
       Arbeit durch  das Instrument  auf den  Stoff, sondern  als  erste
       V e r g e g e n s t ä n d l i c h u n g     d e r     A r b e i t
       neben ihnen. Als Bestandteile des
       -----
       48*) In der Handschrift: und diese (was
       
       #221# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       Kapitals aber  sind Rohstoff  und Arbeitsinstrument  selbst schon
       vergegenständlichte Arbeit,  also  P r o d u k t.  Dies erschöpft
       noch nicht die Beziehung. Denn z. B. in der Produktion, worin gar
       keine Tauschwerte,  kein Kapital also existiert, kann das Produkt
       der Arbeit  zum Mittel  und Gegenstand neuer Arbeit werden. Z. B.
       in der  rein für den Gebrauchswert produzierenden Agrikultur. Der
       Bogen des  Jägers, das  Netz des  Fischers, kurz, die einfachsten
       Zustände setzen schon Produkt voraus, was aufhört, als Produkt zu
       gelten, und  R o h m a t e r i a l  oder namentlich  P r o d u k-
       t i o n s i n s t r u m e n t   wird, denn  dies  eigentlich  die
       erste  spezifische   Form,  worin  das  Produkt  als  Mittel  der
       Reproduktion erscheint. Diese Beziehung erschöpft also keineswegs
       das Verhältnis,  worin   R o h s t o f f  und  A r b e i t s i n-
       s t r u m e n t  als Momente des Kapitals selbst auftreten.
       Die Ökonomen  bringen übrigens  noch in ganz andrer Beziehung das
       P r o d u k t  als drittes Element der Substanz des Kapitals her-
       ein. Es  ist das Produkt, sofern es die Bestimmung hat sowohl aus
       dem Produktionsprozeß  wie aus der Zirkulation herauszutreten und
       unmittelbarer Gegenstand  der individuellen  Konsumtion zu  sein,
       das   A p p r o v i s i o n n e m e n t   49*), wie Cherbuliez es
       nennt [132].  Nämlich die Produkte, die vorausgesetzt sind, damit
       der Arbeiter als Arbeiter lebt und fähig ist, während der Produk-
       tion, bevor  ein neues  Produkt geschaffen ist, zu leben. Daß der
       Kapitalist diese  Fähigkeit besitzt, ist gesetzt darin, daß jedes
       Element des Kapitals Geld ist und als solches aus sich als allge-
       meiner Form  des Reichtums  verwandelt werden  kann in  den Stoff
       desselben, Konsumtionsgegenstand. Das  A p p r o v i s i o n n e-
       m e n t  der Ökonomen bezieht sich daher nur auf die Arbeiter; d.
       h., es  ist das  in der  Form  von  Verzehrungsgegenständen,  Ge-
       brauchswert ausgedrückte  Geld, das  sie vom  Kapitalisten im Akt
       des Austauschs  zwischen beiden erhalten. Aber dies gehört in den
       ersten Akt.  Soweit dieser  erste in Beziehung zum zweiten steht,
       davon handelt  es sich  hier noch  nicht. Die  einzige  Diremtion
       50*), die durch den Produktionsprozeß selbst gesetzt ist, ist die
       ursprüngliche  Diremtion,  die  durch  den  Unterschied  zwischen
       gegenständlicher Arbeit  und lebendiger selbst gesetzte, d.h. die
       zwischen     R o h s t o f f    und    A r b e i t s i n s t r u-
       m e n t.   Daß die  Ökonomen  diese  Bestimmungen  durcheinander-
       werfen, ist  ganz in  der Ordnung,  da sie  die zwei  Momente der
       Beziehung zwischen  Kapital und Arbeit durcheinanderwerfen müssen
       und ihren spezifischen Unterschied nicht festhalten dürfen.
       Also: Der  Rohstoff wird konsumiert, indem er verändert wird, ge-
       formt durch  die Arbeit,  und das  Arbeitsinstrument wird  konsu-
       miert, indem  es verbraucht  wird in  diesem  Prozeß,  aufgenutzt
       wird. Andrerseits wird die Arbeit ebenfalls konsumiert, indem sie
       angewandt, in Bewegung gesetzt wird und so
       -----
       49*) der Lebesmittelfonds - 50*) Trennung
       
       #222# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       ein bestimmtes  Quantum Muskelkraft etc. des Arbeiters verausgabt
       wird, wodurch  er sich  erschöpft. Aber sie wird nicht nur konsu-
       miert, sondern zugleich aus der Form der Tätigkeit in der des Ge-
       genstandes, der Ruhe fixiert, materialisiert; als Veränderung des
       Gegenstandes verändert sie ihre eigne Gestalt und wird aus Tätig-
       keit Sein.  Das Ende des Prozesses ist das  P r o d u k t,  worin
       der Rohstoff  als mit  der Arbeit  verbunden  erscheint  und  das
       Arbeitsinstrument aus  der bloßen  Möglichkeit sich  ebenfalls in
       Wirklichkeit übersetzt  hat, indem  es zum  wirklichen Leiter der
       Arbeit geworden,  damit aber, durch seine mechanische oder chemi-
       sche Beziehung  zum Arbeitsmaterial,  selbst in  seiner  ruhenden
       Form aufgezehrt  worden ist. Alle drei Momente des Prozesses, das
       Material, das Instrument, die Arbeit, fallen zusammen in ein neu-
       trales Resultat  - das   P r o d u k t.    In  dem  Produkt  sind
       zugleich reproduziert  die Momente  des Produktionsprozesses, die
       in ihm  aufgezehrt worden  sind. Der ganze Prozeß erscheint daher
       als   p r o d u k t i v e  K o n s u m t i o n,  d.h. als Konsum-
       tion, die weder im  N i c h t s  endet noch in der bloßen Subjek-
       tivierung des Gegenständlichen, sondern die selbst wieder als ein
       G e g e n s t a n d   gesetzt ist. Das Verzehren ist nicht einfa-
       ches Verzehren  des Stofflichen, sondern Verzehren des Verzehrens
       selbst; im Aufheben des Stofflichen Aufheben dieses Aufhebens und
       daher  S e t z e n  desselben. Die  f o r m g e b e n d e  Tätig-
       keit verzehrt  den Gegenstand  und verzehrt sich selbst, aber sie
       verzehrt nur  die gegebne  Form des  Gegenstands, um ihn in neuer
       gegenständlicher Form zu setzen, und sie verzehrt sich selbst nur
       in ihrer  subjektiven Form als Tätigkeit. Sie verzehrt das Gegen-
       ständliche des Gegenstandes - die Gleichgültigkeit gegen die Form
       -  und  das  Subjektive  der  Tätigkeit;  formt  den  einen,  ma-
       terialisiert die andre. Als  P r o d u k t  ist aber das Resultat
       des Produktionsprozesses  G e b r a u c h s w e r t.
       ¦¦12¦ Betrachten  wir nun das bisher erhaltne Resultat, so finden
       wir:
       E r s t e n s:   Durch die Aneignung, Einverleibung der Arbeit in
       das Kapital  - das Geld, i. e. der Akt des Kaufens der Dispositi-
       onsfähigkeit über  den Arbeiter erscheint hier nur als Mittel, um
       diesen Prozeß  herbeizuführen, nicht  als Moment  seiner selbst -
       gerät dies in Gärung und wird zum Prozeß,  P r o d u k t i o n s-
       p r o z e ß,   worin es  sich als Totalität, als lebendige Arbeit
       auf sich  selbst nicht nur als vergegenständlichte, sondern, weil
       vergegenständlichte,  [als]  bloßer    G e g e n s t a n d    der
       Arbeit bezieht.
       Z w e i t e n s:   In der  einfachen Zirkulation war die Substanz
       der Ware  und des  Geldes selbst gleichgültig für die Formbestim-
       mung, d. h. soweit Ware und Geld Momente der Zirkulation blieben.
       Die Ware,  soweit es  auf ihre Substanz ankam, fiel außerhalb des
       ökonomischen Verhältnisses als Gegenstand der Konsumtion (des Be-
       dürfnisses); das Geld, soweit seine Form sich verselbständigte,
       
       #223# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
       -----
       bezog sich noch auf die Zirkulation, aber nur negativ und war nur
       dies negative  Beziehen. Für sich fixiert, erlöschte es ebenfalls
       in toter Materialität, hörte auf, Geld zu sein. Ware und Geld wa-
       ren beide  Ausdrücke des Tauschwerts und nur verschieden als all-
       gemeiner und  besondrer Tauschwert.  Diese Verschiedenheit selbst
       war wieder  bloß eine  gemeinte, indem  sowohl in  der wirklichen
       Zirkulation beide  Bestimmungen vertauscht  wurden, als jede, für
       sich betrachtet, das Geld selbst eine besondre Ware, und die Ware
       als Preis  selbst allgemeines  Geld war.  Der Unterschied war nur
       formell. Jedes  war nur in der einen Bestimmung gesetzt, weil und
       sofern es  nicht in der andren gesetzt war. Jetzt jedoch, im Pro-
       duktionsprozeß, unterscheidet  sich das  Kapital selbst  als Form
       von sich  als Substanz.  Beide Bestimmungen  ist es  zugleich und
       zugleich die Beziehung beider aufeinander. Aber:
       D r i t t e n s:   Erschien es  als diese Beziehung nur noch  a n
       s i c h.  Sie ist noch nicht  g e s e t z t,  oder sie ist selbst
       nur erst  gesetzt unter  der Bestimmung eines der beiden Momente,
       des   s t o f f l i c h e n,   das in  sich  selbst  als  Materie
       (Rohstoff und  Instrument) und  Form (Arbeit)  unterschieden ist,
       und als Beziehung heider, als wirklicher Prozeß selbst wieder nur
       stoffliche Beziehung  ist - Beziehung der beiden stofflichen Ele-
       mente, die den Inhalt des Kapitals unterschieden von seiner Form-
       beziehung als Kapital bilden. Betrachten wir das Kapital nach der
       Seite, worin  es ursprünglich  im Unterschied  von der Arbeit er-
       scheint, so ist es im Prozeß nur passives Dasein, nur gegenständ-
       liches, an  dem die  Formbestimmung, wonach es Kapital ist - also
       ein für  sich seiendes  gesellschaftliches Verhältnis vollständig
       erloschen ist.  Es tritt  nur nach der Seite seines Inhalts - als
       vergegenständlichte Arbeit überhaupt - in den Prozeß; aber daß es
       vergegenständlichte Arbeit  ist, ist der Arbeit, und deren Bezie-
       hung auf  es bildet  den Prozeß, vollständig gleichgültig; es ist
       vielmehr  nur   als  Gegenstand,   nicht  als    v e r g e g e n-
       s t ä n d l i c h t e   A r b e i t,  daß es in den Prozeß tritt,
       verarbeitet wird.  Die Baumwolle,  die zum Baumwollgarn, oder das
       Baumwollgarn, das  zum Gewebe,  oder das Gewebe, das zum Material
       des Druckens  und Färbens  wird, existiert für die Arbeit nur als
       vorhandne Baumwolle,  Baumwollgarn,  Gewebe.  Soweit  sie  selbst
       Produkte der  Arbeit, vergegenständlichte Arbeit sind, treten sie
       in gar  keinen Prozeß,  sondern nur als materielle Existenzen mit
       bestimmten natürlichen  Eigenschaften.   W i e   diese  an  ihnen
       gesetzt worden sind, geht die Beziehung der lebendigen Arbeit auf
       sie nichts  an; für  sie existieren  sie  nur,  insofern  sie  im
       Unterschied von  derselben,  d.h.  als  Arbeitsstoff  existieren.
       Dies, soweit  ausgegangen wird  von dem  Kapital  in  seiner  der
       Arbeit vorausgesetzten gegenständlichen Form. Andrerseits, soweit
       die Arbeit selbst eines seiner gegenständlichen Elemente geworden
       ist durch den Austausch mit dem Arbeiter, ist ihr Unterschied von
       
       #224# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       den gegenständlichen Elementen des Kapitals selbst nur ein gegen-
       ständlicher; die  einen in  der Form  der Ruhe,  die andre in der
       Form der  Tätigkeit. Die  Beziehung ist  die stoffliche Beziehung
       eines seiner  Elemente auf  das  andre;  aber  nicht    s e i n e
       e i g n e  Beziehung zu beiden.
       Es  erscheint   also  einerseits   nur   als      p a s s i v e r
       G e g e n s t a n d,   worin alle  Formbeziehung ausgelöscht;  es
       erscheint andrerseits  nur als  einfacher  P r o d u k t i o n s-
       p r o z e ß,   in den  das Kapital  als solches,  als von  seiner
       Substanz verschieden,  nicht  eingeht.  Es  erscheint  gar  nicht
       einmal  in   seiner  Substanz,  die  ihm  selbst  zukommt  -  als
       vergegenständlichte Arbeit,  denn  diese  ist  die  Substanz  des
       Tauschwerts -  sondern nur  in der natürlichen Daseinsform dieser
       Substanz,   worin   alle   Beziehung   auf   Tauschwert,   verge-
       genständlichte Arbeit,  auf die  Arbeit selbst  als Gebrauchswert
       des Kapitals  - und darum alle Beziehung auf das Kapital selbst -
       ausgelöscht ist.  Nach dieser  Seite ¦¦13¦  hin betrachtet, fällt
       der Prozeß  des Kapitals mit 51*) dem einfachen Produktionsprozeß
       als solchen  zusammen, worin  seine Bestimmung  als Kapital  ganz
       ebenso ausgelöscht  ist in  der Form  des Prozesses, wie das Geld
       als Geld  in der  Form des  Werts ausgelöscht war. Soweit wir den
       Prozeß bisher  betrachtet, tritt  das für  sich seiende Kapital -
       i.e. der  Kapitalist -  gar nicht  herein. Es ist nicht der Kapi-
       talist, der  von der  Arbeit als  Rohstoff und  Arbeitsinstrument
       aufgezehrt wird.  Es ist auch nicht der Kapitalist, der aufzehrt,
       sondern die  Arbeit. Der Produktionsprozeß des Kapitals erscheint
       so nicht  als Produktionsprozeß des Kapitals, sondern als Produk-
       tionsprozeß schlechthin,  und im   U n t e r s c h i e d    v o n
       d e r   A r b e i t  erscheint das Kapital nur in der stofflichen
       Bestimmtheit  von    R o h s t o f f    und    A r b e i t s i n-
       s t r u m e n t.   Es ist  diese Seite - die nicht nur eine will-
       kürliche Abstraktion ist, sondern eine Abstraktion, die im Prozeß
       selbst vergeht,  die die  Ökonomen fixieren,  um das  Kapital als
       notwendiges Element  alles Produktionsprozesses darzustellen. Sie
       tun das  natürlich nur,  indem sie  vergessen, daß  auf sein Ver-
       halten als Kapital während dieses Prozesses aufzupassen.
       Es ist  hier am Ort auf ein Moment aufmerksam zu machen, das hier
       erst nicht  nur vom  Standpunkt der  Beobachtung aus hervortritt,
       sondern im  ökonomischen Verhältnis selbst gesetzt ist. Im ersten
       Akt, im  Austausch zwischen  Kapital und Arbeit, erschien die als
       solche,   f ü r  s i c h  existierende Arbeit notwendig als  A r-
       b e i t e r.   Ebenso hier  im zweiten  Prozeß: Kapital überhaupt
       ist als  für sich  seiender,   s e l b s t i s c h e r   Wert so-
       zusagen gesetzt  (was im  Geld nur  angestrebt war). Aber das für
       sich seiende  Kapital ist der  K a p i t a l i s t.  Es wird wohl
       von Sozialisten  gesagt, wir brauchen Kapital, aber nicht den Ka-
       pitalisten.
       -----
       51*) In der Handschrift: in
       
       #225# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       [133] Dann  erscheint das  Kapital als  reine  Sache,  nicht  als
       Produktionsverhältnis, das, in sich reflektiert, eben der Kapita-
       list ist.  Ich kann das Kapital wohl von diesem einzelnen Kapita-
       listen scheiden,  und es kann auf einen andern Übergehn. Aber in-
       dem er das Kapital verliert, verliert er die Eigenschaft, Kapita-
       list zu  sein. Das Kapital ist daher wohl vom einzelnen Kapitali-
       sten trennbar,  nicht von   d e m   Kapitalisten, der als solcher
       dem Arbeiter  gegenübersteht. So  kann auch der einzelne Arbeiter
       aufhören, das Fürsichsein der Arbeit zu sein; er kann Geld erben,
       stehlen etc.  Aber dann  hört er  auf,  A r b e i t e r  zu sein.
       Als Arbeiter  ist er nur die für sich seiende Arbeit. (Dies nach-
       her weiterzuentwickeln.)
       
       [Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß]
       
       Es kann  am Ende  des Prozesses nichts herauskommen, was nicht im
       Anfang desselben  als Voraussetzung  und Bedingung  desselben er-
       schien. Andrerseits  muß aber auch alles herauskommen. Wenn daher
       am Ende des Produktionsprozesses, der unter der Voraussetzung des
       Kapitals begonnen  war, das  Kapital am  Ende, als Formbeziehung,
       verschwunden erscheint, kann dies nur der Fall sein, weil die un-
       sichtbaren Fäden,  die es  durch denselben  durchzieht,  übersehn
       worden sind. Betrachten wir also diese Seite.
       Es ist also das erste Resultat:
       alpha) Durch die Einverleibung der Arbeit in das Kapital wird das
       Kapital Produktionsprozeß;  zunächst aber   m a t e r i e l l e r
       Produktionsprozeß; Produktionsprozeß  überhaupt, so  daß der Pro-
       duktionsprozeß des Kapitals nicht unterschieden ist von materiel-
       lem Produktionsprozeß  überhaupt. Seine Formbestimmung ist völlig
       erloschen. Dadurch,  daß das  Kapital ausgetauscht hat einen Teil
       seines gegenständlichen  Seins gegen Arbeit, ist sein gegenständ-
       liches Dasein selbst dirimiert 1*) in sich als Gegenstand und Ar-
       beit; die Beziehung beider bildet den Produktionsprozeß oder noch
       genauer den   A r b e i t s p r o z e ß.   Es  erscheint  hiermit
       d e r   v o r   d e m  W e r t,  a l s  A u s g a n g s p u n k t
       g e s e t z t e   A r b e i t s p r o z e ß   - der  wegen seiner
       Abstraktheit,  reinen   Stofflichkeit,  allen   Produktionsformen
       gleich eigen  ist -   w i e d e r  i n n e r h a l b  d e s  K a-
       p i t a l s,   als ein  Prozeß, der  innerhalb seines Stoffs vor-
       geht, seinen Inhalt bildet.
       (Daß  auch   innerhalb  des   Produktionsprozesses  selbst  diese
       A u s l ö s c h u n g   d e r   F o r m b e s t i m m u n g   nur
       Schein ist, wird sich zeigen.)
       -----
       1*) getrennnt
       
       #226# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Insofern das Kapital Wert ist, aber als Prozeß zunächst unter der
       Form des  einfachen Produktionsprozesses, des in keiner besondren
       ö k o n o m i s c h e n   Bestimmtheit gesetzten  Produktionspro-
       zesses, sondern  des Produktionsprozesses überhaupt erscheint, so
       kann - je nachdem irgendeine besondre Seite des einfachen Produk-
       tionsprozesses (der als solcher, wie wir gesehn haben, keineswegs
       Kapital voraussetzt,  sondern allen  Produktionsweisen eigen ist)
       fixiert wird,  gesagt werden,  das Kapital werde Produkt, oder es
       sei Arbeitsinstrument oder auch Rohstoff der Arbeit. Wird es fer-
       ner wieder  als eine  der Seiten  aufgefaßt, die  der Arbeit  als
       Stoff oder  bloßes Mittel  gegenübersteht, so  wird mit Recht ge-
       sagt, daß  das Kapital  nicht produktiv  sei, [134]  weil es dann
       eben nur  als der  der Arbeit gegenüberstehende Gegenstand, Mate-
       rie, betrachtet wird; als bloß passiv. Das Richtige aber ist, daß
       es nicht  als eine  der Seiten oder als Verschiedenheit der einen
       Seite an  sich selbst  noch als  bloßes  Resultat  (Produkt)  er-
       scheint, sondern  als der  einfache Produktionsprozeß selbst; daß
       dieser jetzt  als der sich selbst bewegende  I n h a l t  des Ka-
       pitals erscheint.
       ¦¦14¦ beta)  Nun die  Seite der Formbestimmung zu betrachten, wie
       sie sich in dem Produktionsprozeß erhält und modifiziert.
       {Was  p r o d u k t i v e  A r b e i t  ist oder  n i c h t,  ein
       Punkt, worüber  viel gestritten worden ist hin und her, seit Adam
       Smith diese  Unterscheidung  machte,"  [135]  muß  sich  aus  der
       Auseinanderlegung der  verschiednen Seiten  des  Kapitals  selbst
       ergeben.   P r o d u k t i v e   A r b e i t   ist bloß  die, die
       K a p i t a l   produziert. Ist es nicht toll, fragt z.B. (wenig-
       stens ähnlich)  Herr Senior,  daß der  Klaviermacher ein   p r o-
       d u k t i v e r   A r b e i t e r   sein soll,  aber der   K l a-
        v i e r s p i e l e r    nicht,  obgleich  doch  ohne  den  Kla-
       vierspieler das  Klavier ein  Nonsens wäre?  [136] Aber so ist es
       exakt. Der  Klaviermacher reproduziert   K a p i t a l;  der Kla-
       vierspieler tauscht  seine Arbeit nur gegen Revenue aus. Aber der
       Klavierspieler produziert  Musik und  befriedigt unsern  Tonsinn,
       produziert ihn  auch gewissermaßen? In fact, so tut er: Seine Ar-
       beit produziert  etwas; darum  ist sie nicht  p r o d u k t i v e
       A r b e i t   im   ö k o n o m i s c h e n  Sinn; sowenig als die
       Arbeit des  Narren produktiv  ist, der  Hirngespinste produziert.
       P r o d u k t i v   i s t   d i e  A r b e i t  n u r,  i n d e m
       s i e     i h r    e i g n e s    G e g e n t e i l    p r o d u-
       z i e r t.   Andre Ökonomen  lassen daher  den sog. improduktiven
       Arbeiter indirekt  produktiv sein.  Z.B. der  Klavierspieler gibt
       Stimulus zur  Produktion; teils  indem  er  unsre  Individualität
       tatkräftiger, lebensvoller  stimmt, oder  auch  in  dem  gemeinen
       Sinn, daß  er ein neues Bedürfnis erweckt, zu dessen Befriedigung
       mehr Fleiß  in der unmittelbaren materiellen Produktion angewandt
       wird. Darin  ist schon zugegeben, daß nur die Arbeit, die Kapital
       produziert, produktiv  ist; daß  also die  Arbeit, die  das nicht
       tut, wie   n ü t z l i c h    sie  immer  sein  mag  -  sie  kann
       ebensogut schädlich sein - für die Kapitalisierung
       
       #227# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       nicht produktive, hence 2*) unproduktive Arbeit ist. Andre Ökono-
       men sagen,  der Unterschied  von produktiv  und unproduktiv müsse
       nicht auf die Produktion, sondern auf die Konsumtion bezogen wer-
       den. Quite  the contrary.  3*) Der  Tabakproduzent ist produktiv,
       obgleich der  Tabakkonsum improduktiv ist. Die Produktion für un-
       produktive Konsumtion ist quite as productive as that for produc-
       tive consumption;  always supposed that it produces or reproduces
       capitale 4*).
       
       "Produktiver Arbeiter [ist] derjenige, der  u n m i t t e l b a r
       seines  M e i s t e r s  R e i c h t u m  vermehrt",
       
       sagt Malthus daher sehr richtig (X, 40)[137]; wenigstens nach ei-
       ner Seite  hin richtig.  Der Ausdruck  ist zu  abstrakt, da er in
       dieser Fassung  ebenso vom Sklaven gilt. Des master's wealth 5*),
       im Verhältnis  zum Arbeiter, ist die Form des Reichtums selbst in
       seinem Verhältnis zur Arbeit, das Kapital. Productive labourer he
       that directly augments capital. 6*)}
       Als   G e b r a u c h s w e r t  ist die Arbeit nur  f ü r  d a s
       K a p i t a l  und ist  d e r  Gebrauchswert des Kapitals selbst,
       d.h.  die   vermittelnde  Tätigkeit,  wodurch  es  sich    v e r-
       w e r t e t.   Das Kapital  als seinen  Wert  reproduzierend  und
       vermehrend ist der selbständige Tauschwert (das Geld) als Prozeß,
       als   P r o z e ß   d e r   V e r w e r t u n g.   Die Arbeit ist
       daher nicht  als Gebrauchswert  für den  Arbeiter; sie  ist daher
       nicht   f ü r   ihn als   P r o d u k t i v k r a f t  des Reich-
       tums, als  Mittel oder  als Tätigkeit der Bereicherung. Er bringt
       sie als  Gebrauchswert in  den Austausch mit dem Kapital, das ihm
       so nicht als Kapital, sondern als  G e l d  gegenübersteht. Kapi-
       tal als  Kapital ist  es erst in bezug auf den Arbeiter durch die
       Konsumtion der  Arbeit, die  zunächst außerhalb dieses Austauschs
       fällt und unabhängig von ihm ist.  G e b r a u c h s w e r t  für
       das Kapital,  ist die  Arbeit   b l o ß e r   T a u s c h w e r t
       für den  Arbeiter; vorhandner  T a u s c h w e r t.   Als solcher
       wird sie gesetzt im Akt des Austauschs mit dem Kapital, durch ih-
       ren Verkauf  für Geld.  Der Gebrauchswert  einer Sache geht ihren
       Verkäufer als  solchen nichts  an, sondern  nur ihren Käufer. Die
       Eigenschaft des Salpeter, zum Pulver verbraucht werden zu können,
       bestimmt nicht  den Preis des Salpeters, sondern dieser Preis ist
       bestimmt durch  die Produktionskosten  des Salpeters  selbst, das
       Quantum der  in ihm  vergegenständlichten Arbeit. In der Zirkula-
       tion, worein  die Gebrauchswerte  als Preise  eingehn, resultiert
       ihr Wert  nicht von  der Zirkulation, obgleich er sich nur in ihr
       realisiert; er  ist ihr   v o r a u s g e s e t z t  und wird nur
       verwirklicht durch  den Austausch  gegen Geld. So die Arbeit, die
       vom Arbeiter als  G e b r a u c h s w e r t
       -----
       2*) folglich -  3*) Ganz das  Gegenteil. -  4*) ganz so produktiv
       wie die  für produktive  Konsumtion; immer vorausgesetzt, daß sie
       Kapital produziert  oder reproduziert  - 5*) Meisters  Reichtum -
       6*) Produktiver Arbeiter [ist] derjenige, der unmittelbar Kapital
       vermehrt.
       
       #228# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       dem  Kapital   verkauft  wird,   ist  für   den   Arbeiter   sein
       T a u s c h w e r t,   den er  realisieren will,  der aber  schon
       b e s t i m m t  ist vor dem Akt dieses Austauschs, als Bedingung
       ihm vorausgesetzt  ist, bestimmt  wie der  Wert jeder andren Ware
       durch Nachfrage und Zufuhr oder im allgemeinen, womit wir es hier
       allein  zu   tun  haben,   die  Produktionskosten,   das  Quantum
       vergegenständlichter Arbeit, wodurch die Arbeitsfähigkeit des Ar-
       beiters produziert  worden ist  und die  sie daher als Äquivalent
       erhält.
       Der ¦¦15¦  Tauschwert der  Arbeit, dessen  Realisierung im Prozeß
       des  Austauschs   mit  dem   Kapitalisten  vorgeht,   ist   daher
       v o r a u s g e s e t z t,   vorausbestimmt, und erleidet nur die
       formelle Modifikation,  die jeder nur ideell gesetzte Preis durch
       seine Realisierung  erhält. Er  ist nicht  bestimmt durch den Ge-
       brauchswert der  Arbeit. Für  den Arbeiter selbst hat sie nur Ge-
       brauchswert,  insofern  sie    T a u s c h w e r t    ist,  nicht
       Tauschwerte produziert.  Für das  Kapital hat sie nur Tauschwert,
       insofern sie  Gebrauchswert ist.  Gebrauchswert als unterschieden
       von ihrem  Tauschwert ist sie nicht für den Arbeiter selbst, son-
       dern nur  für das  Kapital. Der  Arbeiter tauscht also die Arbeit
       als einfachen,  vorherbestimmten, durch  einen vergangnen  Prozeß
       bestimmten Tauschwert  aus -  er tauscht  die Arbeit  selbst  als
       v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e   A r b e i t;   nur soweit
       sie schon  ein bestimmtes Quantum Arbeit vergegenständlicht, also
       ihr Äquivalent  schon ein  gemeßnes, gegebnes  ist -; das Kapital
       tauscht sie  ein als lebendige Arbeit, als die allgemeine Produk-
       tivkraft des  Reichtums; den  Reichtum vermehrende Tätigkeit. Daß
       der Arbeiter  sich also  durch diesen Austausch nicht  b e r e i-
       c h e r n   kann, indem er, wie Esau für ein Gericht Linsen seine
       7*) Erstgeburt, so er für die Arbeitsfähigkeit als eine vorhandne
       Größe ihre   s c h ö p f e r i s c h e   K r a f t   hingibt, ist
       klar. Er  muß sich vielmehr verarmen, wie wir weiter sehn werden,
       indem die  schöpferische Kraft  seiner Arbeit  als die  Kraft des
       Kapitals, als   f r e m d e   M a c h t  sich ihm gegenüber etab-
       liert. Er   e n t ä u ß e r t  sich der Arbeit als Produktivkraft
       des Reichtums;  das Kapital  eignet sie  sich als  solche an. Die
       Trennung von  Arbeit und  Eigentum am  Produkt  der  Arbeit,  von
       Arbeit und Reichtum ist daher in diesem Akt des Austauschs selbst
       gesetzt. Was  als   R e s u l t a t  paradox scheint, liegt schon
       in der  Voraussetzung selbst. Die Ökonomen haben mehr oder minder
       empirisch dies ausgedrückt.
       Dem Arbeiter  gegenüber   w i r d   also die Produktivität seiner
       Arbeit eine  f r e m d e  M a c h t,  überhaupt seine Arbeit, so-
       weit sie  nicht   V e r m ö g e n,   sondern Bewegung,   w i r k-
       l i c h e   Arbeit ist;  das  Kapital  umgekehrt  verwertet  sich
       selbst durch   A n e i g n u n g    f r e m d e r    A r b e i t.
       (Wenigstens ist  die Möglichkeit  der Verwertung dadurch gesetzt;
       als Resultat des Austauschs zwischen Arbeit und
       -----
       7*) In der Handschrift: Linsen auf seine
       
       #229# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       Kapital. Realisiert  wird das  Verhältnis erst  im Produktionsakt
       selbst, wo  das Kapital  wirklich die  fremde Arbeit konsumiert.)
       Wie ihm  Arbeit als   v o r a u s  g e s e t z t e r   Tauschwert
       gegen ein  Äquivalent in Geld, wird dies wieder gegen ein Äquiva-
       lent in  W a r e  ausgetauscht, die verzehrt wird. In diesem Pro-
       zeß des  Austauschs ist die Arbeit nicht produktiv; sie wird dies
       erst für  das Kapital;  aus der  Zirkulation kann sie nur heraus-
       ziehn, was  sie in  sie hineingeworfen hat, ein  p r ä d e t e r-
       m i n i e r t e s   Quantum Ware, die ebensowenig ihr eignes Pro-
       dukt ist, wie ihr eigner Wert.
       
       Die Arbeiter,  sagt Sismondi,  tauschen ihre Arbeit aus gegen Ge-
       treide und  verzehren es,  während sie "zum  K a p i t a l  f ü r
       ihren Herrn geworden ist". (Sism[ondi] VI.) "Ihre Arbeit zum Aus-
       tausch gebend,   v e r w a n d e l n   die  Arbeiter sie in Kapi-
       tal." (id. VIII.) [138]
       
       Indem der Arbeiter seine Arbeit an den Kapitalisten verkauft, er-
       hält er  ein Recht  nur auf  den  A r b e i t s p r e i s,  nicht
       auf das   P r o d u k t   d i e s e r   A r b e i t, noch auf den
       Wert, den   s i e   i h m   z u g e f ü g t   h a t.  (Cherbuliez
       XXVIII.) [139]
       
       "Verkaufen der  Arbeit =  Renunziation auf  alle Früchte  der Ar-
       beit." (l.c.)
       
       Alle Fortschritte  der Zivilisation daher, oder in andren Worten,
       alle Vermehrung  der  g e s e l l s c h a f t l i c h e n  P r o-
       d u k t i v k r ä f t e,  if you want 8*) der  P r o d u k t i v-
       k r ä f t e   d e r   A r b e i t   s e l b s t  - wie sie resul-
       tieren von Wissenschaft, Erfindungen, Teilung und Kombination der
       Arbeit, verbesserten  Kommunikationsmitteln, Schaffen  des  Welt-
       markts, Maschinerie etc. - bereichern nicht den Arbeiter, sondern
       das   K a p i t a l;   vergrößern also nur die die Arbeit beherr-
       schende Macht;  vermehren nur die Produktivkraft des Kapitals. Da
       das Kapital  der Gegensatz  des Arbeiters  ist, vermehren sie nur
       die   o b j e k t i v e   M a c h t  über die Arbeit. Die  V e r-
        w a n d l u n g   d e r   A r b e i t  (a l s  lebendiger zweck-
       mäßiger Tätigkeit)  in  K a p i t a l  ist  a n  s i c h  das Re-
       sultat des  Austauschs zwischen  Kapital und Arbeit, insofern sie
       dem Kapitalisten  das Eigentumsrecht  auf das  Produkt der Arbeit
       gibt (und  das Kommando  über dieselbe).    G e s e t z t    wird
       d i e s e  V e r w a n d l u n g  erst im  P r o d u k t i o n s-
       p r o z e ß  selbst. Die Frage, ob das Kapital produktiv sei oder
       nicht, ist  also absurd.  Die Arbeit  selbst ist   n u r   p r o-
       d u k t i v   als in  das Kapital aufgenommen, wo das Kapital die
       Grundlage der  Produktion bildet,  und der  Kapitalist  also  der
       Kommandeur der  Produktion ist. Die Produktivität der Arbeit wird
       ebenso  zur  Produktivkraft  des  Kapitals,  wie  der  allgemeine
       Tauschwert der Waren sich im Geld fixiert. Die Arbeit, wie sie im
       Gegensatz zum Kapital  f ü r  s i c h  im Arbeiter existiert, die
       Arbeit also  in ihrem   u n m i t t e l b a r e n    D a s e i n,
       getrennt vom  Kapital, ist   n i c h t   p r o d u k t i v.   Als
       Tätigkeit des  Arbeiters wird  sie auch  nie   p r o d u k t i v,
       dieweil sie nur in den einfachen, nur formell verändernden Prozeß
       -----
       8*) wenn sie wollen
       
       #230# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       der Zirkulation  eingeht. Diejenigen  daher, die  nachweisen, daß
       alle  dem   ¦¦16¦  Kapital   zugeschriebne  Produktivkraft   eine
       V e r r ü c k u n g   ist, eine  T r a n s p o s i t i o n  d e r
       P r o d u k t i v k r a f t   der Arbeit, vergessen eben, daß das
       Kapital selbst  wesentlich diese  V e r r ü c k u n g,  d i e s e
       T r a n s p o s i t i o n   ist und daß die Lohnarbeit als solche
       das Kapital  voraussetzt, also  auch ihrerseits  betrachtet diese
       T r a n s s u b s t a n t i a t i o n   ist; der  notwendige Pro-
       zeß, ihre eignen Kräfte als dem Arbeiter  f r e m d e  zu setzen.
       Zugleich die  Lohnarbeit bestehn lassen und das Kapital aufheben,
       ist daher  sich selbst  widersprechende und auflösende Forderung.
       Andre, selbst  Ökonomen, z. B. Ricardo, Sismondi etc., sagen, daß
       n u r   d i e   A r b e i t,   nicht das  Kapital produktiv  ist.
       [140]  Aber   dann  fassen   sie  das  Kapital  nicht  in  seiner
       s p e z i f i s c h e n  F o r m b e s t i m m t h e i t  als ein
       in sich reflektiertes  P r o d u k t i o n s v e r h ä l t n i s,
       sondern denken  nur an  seine stoffliche  Substanz, Rohstoff etc.
       Diese stofflichen  Elemente aber machen nicht das Kapital zum Ka-
       pital. Andrerseits  fällt ihnen  dann wieder ein, daß das Kapital
       nach der  einen Seite   W e r t   ist,  also etwas   I m m a t e-
       r i e l l e s,  Gleichgültiges gegen sein stoffliches Bestehn. So
       Say:
       
       "D a s   K a p i t a l   i s t   s e i n e m   W e s e n  n a c h
       i m m e r   i m m a t e r i e l l,   da es nicht die Materie ist,
       die das  Kapital ausmacht,  sondern der  W e r t  dieser Materie,
       Wert, der nichts Körperliches hat." (Say. 21.) [141]
       
       Oder Sismondi:
       
       "Das Kapital  ist ein kaufmännischer  B e g r i f f."  (Sismondi.
       LX.) [142]
       
       Aber dann  fällt ihnen ein, daß capital doch auch eine andre öko-
       nomische Bestimmung  ist als   v a l e u r  9*), weil sonst über-
       haupt nicht  von Kapital   i m    U n t e r  s c h i e d    v o n
       v a l e u r   zu sprechen  wäre und,  wenn alle Kapitalien Werte,
       die Werte  als solche  noch nicht Kapital sind. Dann flüchten sie
       wieder zu  seiner stofflichen  Gestalt innerhalb des Produktions-
       prozesses zurück, z.B. wenn Ricardo [116] das Kapital erklärt als
       accumulated labour employed in the production of new labour 10*),
       d.h.  als   bloßes     A r b e i t s i n s t r u m e n t     oder
       A r b e i t s m a t e r i a l.  In diesem Sinne spricht Say [1439
       gar von  dem service  productif du  capital   11*), auf  den sich
       seine Remuneration  gründen soll,  als wenn das Arbeitsinstrument
       als solches  Anspruch auf  den Dank  des Arbeiters  hätte und  es
       nicht grade  nur durch  ihn als  Arbeitsinstrument, als    p r o-
       d u k t i v   gesetzt werde.  Die  Selbständigkeit  des  Arbeits-
       instruments, d.  h. eine   g e s e l l s c h a f t l i c h e  Be-
       stimmung desselben,  d.h. seine  Bestimmung als  Kapital wird  so
       vorausgesetzt, um  die  Ansprüche  des  Kapitals  zu  deduzieren.
       Proudhons: "le  capital vaut, le travail produit" 12*), heißt ab-
       solut nichts als : Das Kapital ist Wert, [144] und da hier weiter
       nichts vom  Kapital gesagt ist, als daß es Wert ist, der Wert ist
       Wert (das
       -----
       9*) Wert -  10*) akkumulierte Arbeit verwendet bei der Produktion
       neuer Arbeit  - 11*) produktiven  Dienst des Kapitals - 12*) "das
       Kapital hat Wert, die Arbeit produziert"
       
       #231# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       Subjekt des  Urteils ist hier bloß andrer Name für das Prädikat),
       und die  Arbeit produziert,  ist produktive  Tätigkeit, d.h., die
       Arbeit ist  Arbeit, da  sie eben  nichts ist außer dem "produire"
       13*). Daß  diese identischen  Urteile keinen besondren fonds 14*)
       von Weisheit enthalten, muß augenfällig sein, und daß sie nament-
       lich nicht  ein Verhältnis  ausdrücken können, worin der Wert und
       die Arbeit  in ein  Verhältnis treten, worin sie sich selbst auf-
       einander beziehn und voneinander unterscheiden, nicht als gleich-
       gültige  Indifferente  nebeneinander  hegen.  Schon  daß    d i e
       A r b e i t   dem Kapital  gegenüber als Subjekt erscheint, d. h.
       der Arbeiter  nur in  der Bestimmung der  A r b e i t,  und diese
       ist nicht   e r   s e l b s t,   müßte die Augen öffnen. Es liegt
       darin schon, abgesehn vom Kapital, eine Beziehung, ein Verhältnis
       des Arbeiters  zu seiner  eignen Tätigkeit,  das  keineswegs  das
       "n a t ü r l i c h e"  ist, sondern selbst schon eine spezifische
       ö k o n o m i s c h e  Bestimmung enthält.
       Das Kapital, soweit wir es hier betrachten, als zu unterscheiden-
       des Verhältnis  von Wert  und Geld  ist das   K a p i t a l   i m
       a l l g e m e i n e n,   d.h. der Inbegriff der Bestimmungen, die
       den Wert  als Kapital  von sich  als bloßem Wert oder Geld unter-
       scheiden.  Wert,   Geld,  Zirkulation   etc.,  Preise  etc.  sind
       vorausgesetzt, ebenso  Arbeit etc.  Aber wir  haben es weder noch
       mit einer   b e s o n d r e n   Form des Kapitals zu tun noch mit
       dem  e i n z e l n e n  K a p i t a l  als unterschieden von and-
       ren einzelnen Kapitalien etc. Wir wohnen seinem Entstehungsprozeß
       bei. Dieser  dialektische Entstehungsprozeß  ist nur  der  ideale
       Ausdruck der  wirklichen Bewegung,  worin das  Kapital wird.  Die
       späteren Beziehungen  sind als Entwicklung aus diesem Keim heraus
       zu betrachten. Aber es ist nötig, die bestimmte Form zu fixieren,
       auf der  es auf  einem  g e w i s s e n  Punkt gesetzt ist. Sonst
       entsteht Konfusion.
       ¦¦17¦ Das  Kapital ist  bisher seiner  stofflichen Seite nach als
       e i n f a c h e r   P r o d u k t i o n s p r o z e ß  betrachtet
       worden. Dieser  Prozeß ist  aber der  Seite der  Formbestimmtheit
       nach   S e l b s t v e r w e r t u n g s p r o z e ß.  Selbstver-
       wertung schließt  ein sowohl  Erhalten des  vorausgesetzten Werts
       als Vervielfältigung desselben.
       Der Wert tritt als Subjekt auf. Die Arbeit ist zweckmäßige Tätig-
       keit, und so ist der stofflichen Seite nach vorausgesetzt, daß im
       Produktionsprozeß das  Arbeitsinstrument wirklich  als Mittel  zu
       einem Zweck gebraucht worden ist und daß das Rohmaterial als Pro-
       dukt einen höhern Gebrauchswert erhalten hat, sei es durch chemi-
       schen Stoffwechsel  oder mechanische  Veränderung, als  es vorher
       besaß. Allein  diese Seite selbst, als bloß den Gebrauchswert be-
       treffend, gehört noch dem einfachen Produktionsprozeß an. Es han-
       delt sich  hier nicht  darum -  dies ist vielmehr eingeschlossen,
       vorausgesetzt -, daß ein
       -----
       13*) "produzieren" - 14*) Schatz
       
       #232# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       höhrer Gebrauchswert  erzeugt ist  (dies selbst ist sehr relativ;
       wenn Korn  in Branntwein  verwandelt wird,  so ist  der höhre Ge-
       brauchswert selbst  schon mit Bezug auf die Zirkulation gesetzt);
       es ist  auch kein  höhrer Gebrauchswert  für das  Individuum, den
       Produzenten erzeugt.  Dies ist  wenigstens zufällig  und geht das
       Verhältnis als  solches nichts  an; sondern ein höhrer Gebrauchs-
       wert   f ü r   a n d r e.  Worum es sich handelt, daß ein  h ö h-
       r e r  T a u s c h w e r t  hervorgebracht ist. Bei der einfachen
       Zirkulation endete  für die  einzelne Ware  der Prozeß damit, daß
       sie als  Gebrauchswert an  ihren Mann  kam, konsumiert wurde. Sie
       trat damit  aus der  Zirkulation heraus; verlor ihren Tauschwert,
       überhaupt ihre  ökonomische Formbestimmung.  Das Kapital hat sein
       Material durch  die Arbeit  und die  Arbeit durch  sein  Material
       konsumiert; es  hat sich  als Gebrauchswert  konsumiert, aber nur
       als   G e b r a u c h s w e r t   f ü r   e s   s e l b s t,  als
       Kapital. Seine  Konsumtion  als  Gebrauchswert  fällt  also  hier
       selbst in  die Zirkulation,  oder vielmehr  es setzt  selbst  den
       A n f a n g  d e r  Z i r k u l a t i o n  oder ihr Ende, wie man
       will. Die Konsumtion des Gebrauchswertes fällt hier selbst in den
       ökonomischen Prozeß, weil der Gebrauchswert hier selbst durch den
       Tauschwert bestimmt  ist. In keinem Moment des Produktionsprozes-
       ses hört  das Kapital  auf, Kapital  zu sein,  oder der Wert auf,
       Wert zu  sein und  als solcher   T a u s c h w e r t.  Nichts ist
       alberner als,  wie Herr  Proudhon tut,  sagen, durch  den Akt des
       Austauschs, d. h. dadurch, daß es wieder in die einfache Zirkula-
       tion tritt,  wird das  Kapital nun  aus Produkt Tauschwert. [120]
       Wir wären  damit wieder  an den Anfang zurückgeschleudert, selbst
       bis zum unmittelbaren Tauschhandel, wo die Entstehung des Tausch-
       werts aus dem Produkt betrachtet wird. Daß das Kapital nach Been-
       digung des  Produktionsprozesses, nach  seiner Konsumtion als Ge-
       brauchswert, wieder  als Ware  in Zirkulation  tritt  und  treten
       kann, liegt  schon darin,  daß es als sich erhaltender Tauschwert
       vorausgesetzt war.  Soweit es  aber nur  als Produkt jetzt wieder
       Ware und  als Ware  Tauschwert wird, Preis erhält und als solcher
       im Geld  realisiert wird,  ist es einfache Ware, Tauschwert über-
       haupt, und  als solcher  ist es in der Zirkulation ebensosehr dem
       Schicksal ausgesetzt,  daß es sich im Geld realisiert, als daß es
       sich nicht in ihm realisiert; d. h. daß sein Tauschwert Geld wird
       oder nicht.  Sein Tauschwert ist daher vielmehr problematisch ge-
       worden  -   der  vorhin   ideell  gesetzt   war  -   als  daß  er
       e n t s t ü n d e.   Und nun  gar, daß es als ein höherer Tausch-
       wert   r e e l l  in der Zirkulation gesetzt wird, kann nicht aus
       der Zirkulation  selbst herstammen,  worin nur Äquivalente, ihrer
       einfachen Bestimmung  nach, ausgetauscht werden. Wenn es als höh-
       rer Tauschwert  aus ihr  herauskommt, muß  es als  solcher in sie
       hereingetreten sein.
       Das Kapital  besteht der  Form nach nicht aus Arbeitsgegenständen
       und Arbeit,  sondern aus   W e r t e n   und  noch bestimmter aus
       P r e i s e n.  Daß
       
       #233# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       seine 15*)  Wertelemente verschiedne  Substanzen angenommen haben
       während des  Produktionsprozesses, geht ihre Bestimmung als Werte
       nicht an;  sie werden  dadurch nicht  verändert. Wenn sie aus der
       Form der  Unruhe -  des Prozesses  - am  Ende desselben wieder in
       ruhnde, objektive  Gestalt sich zusammenfassen im Produkt, so ist
       dies ebenfalls ein bloßer Stoffwechsel in bezug auf den Wert, der
       ihn nicht  alteriert. Allerdings  sind die  Substanzen als solche
       zerstört worden, aber nicht in Nichts, sondern in eine anders ge-
       formte  Substanz.   Früher  erschienen  sie  als  elementarische,
       gleichgültige Bedingungen  des Produkts.  Jetzt sind sie Produkt.
       Der Wert  des Produkts  kann also nur = sein der Summe der Werte,
       die in  den bestimmten  stofflichen Elementen  des Prozesses  ma-
       terialisiert waren, als Rohstoff, Arbeitsinstrument (dazu gehören
       auch die  bloß instrumentellen  Waren) und als Arbeit selbst. Der
       Rohstoff ist  ganz verzehrt  worden, die Arbeit ist ganz verzehrt
       worden, das  Instrument ist  nur zum  Teil verzehrt worden, fährt
       also fort, einen Teil des Werts des Kapitals in seiner bestimmten
       vor dem  Prozeß ihm angehörigen Existenzweise zu besitzen. Dieser
       Teil kömmt  also gar nicht in Betracht hier, da er keine Verände-
       rung erlitten.  Die verschiednen  Existenzweisen der  Werte waren
       reiner Schein,  der Wert selbst bildete in ihrem Verschwinden das
       sich gleichbleibende Wesen. Das Produkt, als Wert betrachtet, ist
       dieser Seite  nach nicht   P r o d u k t,  sondern vielmehr iden-
       tisch geblieben, unveränderter Wert, der nur in einer andren Exi-
       stenzweise ist, die ihm aber auch gleichgültig ist und gegen Geld
       ausgetauscht werden kann.
       Der Wert des Produkts ist = dem Wert des Rohstoffs + dem Wert des
       vernichteten Teils,  also an das Produkt übergegangnen, in seiner
       ursprünglichen Form aufgehobnen des Arbeitsinstruments + dem Wert
       der Arbeit. Oder der Preis des Produkts ist gleich seinen Produk-
       tionskosten, i.e.  = der  Summe der  Preise der Waren, die in dem
       Produktionsprozeß konsumiert  worden sind.  D.h. in andren Worten
       nichts, als  daß der  Produktionsprozeß nach  seiner  stofflichen
       Seite gleichgültig für den Wert ¦¦18¦ war; daß er daher identisch
       mit sich  geblieben ist  und nur  eine andre stoffliche Existenz-
       weise angenommen  hat, in andrer Substanz und Form materialisiert
       ist. (Die  Form der  Substanz geht die ökonomische  F o r m,  den
       Wert als  solchen nichts  an.) War das Kapital ursprünglich = 100
       Taler, so  ist es  nach wie  vor gleich  100 Taler geblieben, ob-
       gleich die  100 Taler im Produktionsprozeß existierten als 50 Ta-
       ler Baumwolle,  40 Taler Arbeitslohn + 10 Taler Spinnmaschine und
       jetzt als Baumwollgarn zum Preis von 100 Talern existieren. Diese
       Reproduktion der 100 Taler ist einfaches Sichselbstgleichbleiben,
       bloß daß es durch den materiellen
       -----
       15*) In der Handschrift: Daß es seine
       
       #234# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Produktionsprozeß vermittelt  ist. Dieser  muß daher  zum Produkt
       fortgehn, denn  sonst verliert  Baumwolle ihren  Wert, Arbeitsin-
       strument umsonst  aufgenutzt, Arbeitslohn  umsonst  bezahlt.  Die
       einzige Bedingung  für die Sichselbsterhaltung des Werts ist, daß
       der Produktionsprozeß wirklicher totaler Prozeß ist, also bis zum
       Produkt fortgeht.  Die Totalität  des Produktionsprozesses, d.h.,
       daß er  bis zum  Produkt fortgeht,  ist hier in der Tat Bedingung
       des Sicherhaltens,  Sichgleichbleibens des Werts, aber dies liegt
       schon in  der ersten  Bedingung, daß  das  Kapital  wirklich  Ge-
       brauchswert wird,  wirklicher Produktionsprozeß;  ist  an  diesem
       Punkt also  v o r a u s g e s e t z t.
       Andrerseits ist  der Produktionsprozeß   n u r  Produktionsprozeß
       für das  Kapital, insofern  es sich als Wert in diesem Prozeß er-
       hält, also  im Produkt.  Der Satz, daß der notwendige Preis = der
       Summe der  Preise der  Produktionskosten, ist  daher rein  analy-
       tisch. Es  ist die  Voraussetzung  der  Produktion  des  Kapitals
       selbst. Einmal  ist das Kapital als 100 Taler gesetzt, als einfa-
       cher Wert;  dann ist  es in  diesem Prozeß  gesetzt als Summe von
       Preisen bestimmter,  durch den  Produktionsprozeß selbst bestimm-
       ter, Wertelemente  seiner selbst.  Der Preis  des Kapitals,  sein
       Wert in Geld ausgedrückt, = dem Preise seines Produkts. D.h., der
       Wert des  Kapitals als Resultat des Produktionsprozesses ist der-
       selbe, der er als Voraussetzung desselben war. Nur bleibt er wäh-
       rend des  Prozesses nicht  bestehn, weder in der Einfachheit, die
       er am  Anfang, noch  die er am Ende als Resultat wieder hat, son-
       dern zerlegt sich in zunächst durchaus gleichgültige quantitative
       Bestandteile als Wert der Arbeit (Arbeitslohn), Wert des Arbeits-
       instruments und  Wert des  Rohmaterials. Es ist weiter noch keine
       Beziehung gesetzt, als daß im Produktionsprozeß der einfache Wert
       sich numerisch  auseinanderlegt, als  eine Anzahl von Werten, die
       im Produkt wieder in ihrer Einfachheit zusammengeht, aber nun als
       S u m m e   ist. Die Summe ist aber = der ursprünglichen Einheit.
       Es ist  hier sonst,  den Wert betrachtet, außer der quantitativen
       Teilung, durchaus noch kein Unterschied in der Beziehung zwischen
       den verschiednen  Wertquantis enthalten  16*). 100  Taler war das
       ursprüngliche Kapital;  100 Taler  ist das  Produkt, aber die 100
       Taler jetzt  als Summe  von 50 + 40 + 10 Taler. Ich hätte die 100
       Taler auch  ursprünglich als  eine Summe  von 50 + 40 + 10 Talern
       betrachten können, aber ebensogut als eine Summe von 60 + 30 + 10
       Talern etc.  Daß sie  jetzt als Summe von bestimmten Anzahlen von
       Einheiten erscheinen,  ist dadurch  gesetzt, daß die verschiednen
       stofflichen Elemente, worin das Kapital sich im Produktionsprozeß
       zerlegte, jedes  einen Teil  seines Werts, aber einen bestimmten,
       darstellten.
       -----
       16*) In der Handschrift: erhalten
       
       #235# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       Es wird  sich später  zeigen, daß  diese Anzahlen,  worin die ur-
       sprüngliche Einheit  zerlegt wird,  selbst bestimmte Verhältnisse
       zueinander haben,  aber das  geht uns hier noch nichts an. Soweit
       eine Bewegung  während des  Produktionsprozesses im  Werte selbst
       gesetzt ist,  ist sie  rein formelle, die aus folgendem einfachen
       Akt besteht:  daß der  Wert erst  als Einheit existiert: eine be-
       stimmte Anzahl  von Einheiten, die selbst als Einheit, ein Ganzes
       betrachtet wird:  Kapital von  100 Talern;  zweitens, daß während
       des Produktionsprozesses  diese Einheit geteilt wird in 50 Taler,
       40 Taler und 10 Taler, eine Teilung, die wesentlich ist, insofern
       Arbeitsmaterial, Instrument  und Arbeit in bestimmten Quantis ge-
       braucht werden,  aber hier  in bezug auf die 100 Taler selbst nur
       als ein gleichgültiges Zerlegen in verschiedne Anzahlen derselben
       Einheit sind;  endlich, daß  im Produkt  die 100  Taler als Summe
       wiedererscheinen. Der  einzige Prozeß  in bezug auf den Wert, daß
       er einmal  als ein  Ganzes, Einheit; dann als Teilung dieser Ein-
       heit in  bestimmte Anzahl;  endlich als  Summe erscheint. Die 100
       Taler, die am Ende als Summe erscheinen, sind ebensogut und grade
       dieselbe Summe,  die im  Anfang als Einheit erschien. Die Bestim-
       mung der  Summe, des  Zusammenaddierens kam nur durch das Teilen,
       das im Produktionsakt vor sich ging, heraus; existiert aber nicht
       im Produkt als solchem. Weiter also sagt der Satz nichts, daß der
       Preis des  Produkts =  dem Preise  der Produktionskosten oder daß
       der Wert  des Kapitals  = dem Wert des Produkts ist, als daß sich
       der Wert  des Kapitals  im Produktionsakt  erhalten hat und jetzt
       als Summe  erscheint. Mit  dieser bloßen  Identität des  Kapitals
       oder Reproduktion  seines Werts  durch den Produktionsprozeß hin-
       durch wären  wir noch  nicht weiter, als wir im Anfang waren. Was
       im Anfang  als Voraussetzung da war, ist jetzt ¦¦19¦ als Resultat
       da, und  zwar in  unveränderter Form. Daß die Ökonomen das in der
       Tat nicht  meinen, wenn  sie von der Bestimmung des Preises durch
       die Produktionskosten sprechen, ist klar. Es könnte sonst nie ein
       größrer Wert  geschaffen werden,  als ursprünglich vorhanden war;
       kein größrer  Tauschwert, obgleich ein größrer Gebrauchswert, von
       dem  hier  gar  nicht  die  Rede.  Es  handelt  sich  vom    G e-
       b r a u c h s w e r t  d e s  K a p i t a l s  als solchen, nicht
       vom Gebrauchswert einer Ware.
       Wenn man  sagt, die  Produktionskosten oder  der notwendige Preis
       einer Ware ist = 110, so rechnet man so: Ursprüngliches Kapital =
       100 (also  z.B. Rohstoff = 50; Arbeit = 40; Instrument = 10) + 5%
       Zins +  5% Profit. Also die Produktionskosten = 110, nicht = 100;
       die Produktionskosten  also größer als die Kosten der Produktion.
       Es hilft  nun durchaus  nichts, wie  einige Ökonomen  heben,  vom
       Tauschwert zum  Gebrauchswert der Ware zu flüchten. Ob dieser als
       Gebrauchswert höher  oder niedriger  ist,  bestimmt  als  solches
       nicht den  Tauschwert. Die  Waren fallen oft unter ihre Produkti-
       onspreise [79],
       
       #236# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       obgleich sie  unstreitig höhren Gebrauchswert erhalten haben, den
       sie in  der Epoche   v o r   der Produktion hatten. Ebenso unnütz
       ist es,  zur Zirkulation zu flüchten. Ich produziere zu 100, aber
       ich verkaufe zu 110.
       
       "Profit wird  nicht gemacht, indem man austauscht. Hätte er nicht
       zuvor existiert,  könnte  er  es  auch  nach  dieser  Transaktion
       nicht." (Ramsay. IX, 88.) [145]
       
       D.h. aus  der einfachen  Zirkulation die Vermehrung des Werts er-
       klären wollen, während sie 17*) vielmehr  a u s d r ü c k l i c h
       ihn nur  als Äquivalent  setzt. Auch  empirisch ist  es klar, daß
       wenn alle  um 10% zu teuer verkaufen, dies dasselbe ist, als wenn
       sie alle  zu den Produktionskosten verkauften. Der Mehrwert [146]
       wäre damit rein nominell, factice 18*), konventionell, eine bloße
       Phrase. Und  da das  Geld selbst  Ware ist,  Produkt, so würde es
       auch um 10% zu teuer verkauft, d. h. der Verkäufer, der 110 Taler
       erhielte, erhielte  in fact  nur 100.  (Sieh auch   R i c a r d o
       über den auswärtigen Handel, den er als einfache Zirkulation faßt
       und daher sagt:
       
       "Der auswärtige  Handel kann nie die Tauschwerte eines Landes er-
       höhn." (Ricardo, 39, 40.) [147]
       
       Die Gründe,  die er  dafür beibringt, sind absolut dieselben, die
       "beweisen", daß  der Austausch als solcher, die einfache Zirkula-
       tion, also  der Handel  überhaupt, sofern  er als  solche  gefaßt
       wird, nie   T a u s c h w e r t e   erhöhn, nie den  T a u s c h-
       w e r t   erzeugen kann.)  Der Satz,  daß der Preis = den Produk-
       tionskosten, müßte  sonst auch  heißen: Der  Preis einer Ware ist
       stets größer  als ihre  Produktionskosten.  Außer  der  einfachen
       numerischen  Teilung   und  Zusammenaddierung   kömmt   im   Pro-
       duktionsprozeß noch  das Formelement zu dem Wert hinzu, daß seine
       Elemente nun  als  P r o d u k t i o n s k o s t e n  erscheinen,
       d. h.  eben, daß  die Elemente  des  Produktionsprozesses  selbst
       nicht [in] ihrer stofflichen Bestimmtheit, sondern als  W e r t e
       festgehalten werden,  die in  der Daseinsweise,  worin sie  v o r
       dem Produktionsprozeß sind, aufgezehrt werden.
       Andrerseits ist es klar, daß, wenn der Produktionsakt nur die Re-
       produktion des Werts des Kapitals ist, nur eine stoffliche, keine
       ökonomische Veränderung  mit ihm  vorgegangen wäre  und daß  eine
       solche einfache  Erhaltung seines  Werts  seinem  Begriff  wider-
       spricht. Es  bliebe zwar nicht wie das ·?selbständige Geld außer-
       halb der  Zirkulation; sondern  nähme  die  Gestalt  verschiedner
       Waren an, aber für nichts; es wäre dies ein zweckloser Prozeß, da
       es schließlich nur die identische Summe Geldes repräsentierte und
       nur das  Risiko gelaufen hätte, beschädigt aus dem Produktionsakt
       - der  mißlingen kann;  worin das  Geld seine unvergängliche Form
       aufgibt - herauszutreten. Well.
       -----
       17*) In der Handschrift: es - 18*) künstlich
       
       #237# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       Der Produktionsprozeß  ist nun zu Ende. Das Produkt ist auch wie-
       der realisiert  in Geld und hat wieder die ursprüngliche Form der
       100 Taler  angenommen. Aber  der Kapitalist  muß auch  essen  und
       trinken; er  kann nicht  von diesem Formwechsel des Geldes leben.
       Ein Teil  der 100 Taler müßte also nicht als Kapital, sondern als
       Münze ausgewechselt  werden gegen Waren als Gebrauchswerte und in
       dieser Form konsumiert werden. Aus den 100 Talern wären 90 gewor-
       den, und  da er  das Kapital  immer schließlich  in der  Form des
       Geldes wiederproduziert,  und zwar  des Quantums Geldes, womit er
       die Produktion begonnen, so wären am Ende die 100 Taler aufgeges-
       sen und  das Kapital  verschwunden. Aber  der Kapitalist wird für
       die   A r b e i t  bezahlt, die 100 Taler als Kapital in den Pro-
       duktionsprozeß zu  werfen, statt  sie aufzuessen. Aber wovon soll
       er bezahlt werden? Und erscheint seine Arbeit nicht rein nutzlos,
       da das Kapital einschließt den Arbeitslohn; also die Arbeiter le-
       ben könnten  durch einfache  Reproduktion der  Produktionskosten,
       was der  Kapitalist nicht  kann?  Er  erschiene  also  unter  den
       f a u x  f r a i s  d e  p r o d u c t i o n  19*).  Was aber im-
       mer sein Verdienst sein mag, - möglich wäre die Reproduktion ohne
       ihn, da die Arbeiter im Produktionsprozeß nur den Wert verlangen,
       den sie  hereinbringen, also  das ganze  Verhältnis des  Kapitals
       nicht brauchen,  um ihn  stets von neuem anzufangen; und zweitens
       wäre kein  fund 20*) da, woraus seinen Verdienst bezahlen, da der
       Preis der  Ware =  den Produktionskosten. Würde seine Arbeit aber
       als besondre aufgefaßt neben und außer der der Arbeiter, etwa der
       superintendence 21*)  der Arbeit  etc., so  erhielte er  wie  sie
       einen bestimmten  Arbeitslohn, fiele  also in  ihre Kategorie und
       verhielte sich  keineswegs als  Kapitalist zur Arbeit; würde sich
       auch nie  bereichern, sondern  nur einen Tauschwert erhalten, den
       er durch die Zirkulation konsumieren müßte.
       Das Dasein  des Kapitals  gegenüber der  Arbeit verlangt, daß das
       für sich  seiende Kapital,  der Kapitalist  als  N i c h t - A r-
       b e i t e r  da sein, leben kann. Andrerseits ist es ebenso klar,
       daß auch von ¦¦20¦ den gewöhnlichen ökonomischen Bestimmungen aus
       das Kapital,  das nur  seinen   W e r t    erhalten  könnte,  ihn
       n i c h t   erhielte.   D i e  R i s i k o s  d e r  P r o d u k-
       t i o n   m ü s s e n   k o m p e n s i e r t   sein. Das Kapital
       muß sich  erhalten in den Schwankungen der Preise. Die Entwertung
       des Kapitals,  die fortwährend  vor sich  geht durch Erhöhung der
       Produktivkraft, muß  kompensiert sein etc. Platt sagen daher auch
       die Ökonomen,  daß, wenn  kein Gewinn,  kein  Profit  herauskäme,
       jeder sein  Geld aufessen, statt es in die Produktion werfen, als
       Kapital anwenden  würde. Kurz, dies  N i c h t v e r w e r t e n,
       d.h. das  Nichtvervielfältigen des  Werts  des  Kapitals  voraus-
       gesetzt, ist  vorausgesetzt, daß  es kein  wirkliches  Glied  der
       Produktion,  kein     b e s o n d r e s    P r o d u k t i o n s-
       v e r h ä l t n i s;
       -----
       19*) Produktionsnebenkosten - 20*) Kapital - 21*) Oberaufsicht
       
       #238# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       ist ein  Zustand vorausgesetzt, worin die Produktionskosten nicht
       die Form  des Kapitals  haben und das Kapital nicht als Bedingung
       der Produktion gesetzt ist.
       Es ist  einfach zu  begreifen, wie  die Arbeit  den Gebrauchswert
       vermehren kann;  die Schwierigkeit  hegt  darin,  wie  sie  höhre
       Tauschwerte als die vorausgesetzten schaffen kann.
       Gesetzt, der  Tauschwert, den das Kapital dem Arbeiter zahlt, sei
       ein exaktes  Äquivalent für den Wert, den die Arbeit im Produkti-
       onsprozeß schafft.  In diesem  Falle wäre  Vermehrung des Tausch-
       werts des  Produkts unmöglich.  Was die  Arbeit als solche in den
       Produktionsprozeß hereingebracht  hätte über  den vorausgesetzten
       Wert des Rohmaterials und des Arbeitsinstruments hinaus, wäre dem
       Arbeiter gezahlt.  Der Wert  des Produkts  selbst, soweit  er ein
       Surplus ist  über den  Wert des  Rohstoffs und Instruments, fiele
       dem Arbeiter  anheim; nur,  daß der  Kapitalist ihm  diesen  Wert
       zahlt im  Arbeitslohn und  daß er ihn dem Kapitalisten zurückgibt
       im Produkt.
       {Daß unter  den   P r o d u k t i o n s k o s t e n    nicht  die
       Summe der  Werte verstanden wird, die in die Produktion eingehn -
       selbst von  den Ökonomen,  die das behaupten ", ist handgreiflich
       am Zins  für geliehnes Kapital. Dieser gehört für den industriel-
       len  Kapitalisten   direkt  zu   seinen   Ausgaben,   zu   seinen
       w i r k l i c h e n   Produktionskosten. Der Zins selbst aber un-
       terstellt schon,  daß das Kapital aus der Produktion als Mehrwert
       herauskommt, da er selbst nur  e i n e  F o r m  dieses Mehrwerts
       ist. Da  der Zins  also vom Standpunkt des Leihers schon in seine
       u n m i t t e l b a r e n       P r o d u k t i o n s k o s t e n
       eingeht, zeigt sich, daß das Kapital als solches in die Produkti-
       onskosten eingeht, das Kapital als solches aber nicht bloße Addi-
       tion seiner Wertbestandteile ist. - Im Zins erscheint das Kapital
       selbst wieder in der Bestimmung der  W a r e,  aber als einer von
       allen andren  Waren    s p e z i f i s c h    verschiednen  Ware;
       d a s   K a p i t a l   a l s   s o l c h e s   - nicht  als eine
       bloße Summe  von Tauschwerten - tritt in die Zirkulation und wird
       W a r e.   Hier ist  der Charakter  der Ware  selbst als   ö k o-
       n o m i s c h e,   s p e z i f i s c h e   Bestimmung  vorhanden,
       nicht gleichgültig  wie in  der einfachen Zirkulation noch direkt
       auf die  Arbeit als  Gegensatz, als  seinen Gebrauchswert bezogen
       wie in  dem industriellen  Kapital; dem Kapital, wie es in seinen
       nächsten,  aus  der  Produktion  und  Zirkulation  hervorgehenden
       Bestimmungen ist.  Die Ware  als Kapital  oder  das  Kapital  als
       W a r e   wird daher  nicht ausgetauscht in der Zirkulation gegen
       ein Äquivalent;  es  e r h ä l t  s e i n  F ü r s i c h s e i n,
       indem es in die Zirkulation tritt; es erhält also seine ursprüng-
       liche Beziehung  zu seinem  Eigentümer, auch wenn es in die Hände
       eines  fremden  Besitzers  tritt.  Es  wird  daher  nur    v e r-
       l i e h n.   Sein Gebrauchswert als solcher für seinen Eigentümer
       ist seine   V e r w e r t u n g,  Geld als Geld, nicht als Zirku-
       lationsmittel; sein   G e b r a u c h s w e r t   a l s  K a p i-
       t a l.  Die von
       
       #239# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       Herrn Proudhon aufgestellte Forderung, daß das Kapital nicht aus-
       geliehen werden  und Zins tragen, sondern als Ware für sein Äqui-
       valent verkauft  werden soll,  wie jede andre Ware, ist überhaupt
       nur die Forderung, daß der Tauschwert nie Kapital werden, sondern
       einfacher Tauschwert  bleiben soll; daß das  K a p i t a l  a l s
       K a p i t a l  n i c h t  e x i s t i e r e n  soll. Diese Forde-
       rung, zusammen  mit der andren, daß die Lohnarbeit die allgemeine
       Basis der  Produktion bleiben soll, zeigt eine erfreuliche Konfu-
       sion über  die einfachsten  ökonomischen Begriffe.  Daher die mi-
       serable Rolle,  die er in der Polemik mit Bastiat spielt, worüber
       später. Das  Geschwätz über  Billigkeits-  und  Rechtsrücksichten
       läuft nur  darauf hinaus, das Eigentumsverhältnis oder Rechtsver-
       hältnis, wie  es dem  einfachen Austausch  entspricht, dem Eigen-
       tums- und Rechtsverhältnis einer höhern Stufe des Tauschwerts als
       Maßstab anlegen zu wollen. Daher Bastiat, unbewußt, selbst wieder
       die Momente  in der einfachen Zirkulation hervorhebt, die zum Ka-
       pital hindrängen.  [148] -  Das Kapital  selbst als Ware, ist das
       G e l d   a l s   K a p i t a l   oder das   K a p i t a l  a l s
       G e l d.}
       {Das dritte  Moment, das zu entwickeln ist in der Formung des Be-
       griffs  des   Kapitals,  ist   die      u r s p r ü n g l i c h e
       A k k u m u l a t i o n   der Arbeit gegenüber, also auch die ge-
       genstandslose Arbeit  der Akkumulation  gegenüber. Das  e r s t e
       M o m e n t   ging aus  vom Wert, als aus der Zirkulation herkom-
       mend und  sie voraussetzend.  Es war  der   e i n f a c h e  B e-
       g r i f f  des Kapitals; das Geld, wie es unmittelbar zum Kapital
       fortbestimmt wird;  das   z w e i t e    M o m e n t    ging  vom
       Kapital als  Voraussetzung der  Produktion und Resultat derselben
       aus; das   d r i t t e    M o m e n t    setzt  das  Kapital  als
       b e s t i m m t e  E i n h e i t  der Zirkulation und Produktion.
       Es ist zu unterscheiden zwischen der Akkumulation ¦¦21¦ der Kapi-
       talien; diese  setzt voraus  Kapitalien; das Verhältnis des Kapi-
       tals als  d a s e i e n d  u n d  unterstellt also auch seine Be-
       ziehungen zur  Arbeit, Preisen (capital fixe und circulant), Zins
       und Profit.  Aber das  Kapital, um  zu werden, setzt eine gewisse
       Akkumulation voraus;  die schon  im selbständigen  Gegensatz  der
       vergegenständlichten Arbeit  gegen die  lebendige hegt;  im selb-
       ständigen Bestehn dieses Gegensatzes. Diese Akkumulation, die zum
       Werden des Kapitals nötig, die also schon als Voraussetzung - als
       ein Moment  - in  seinen Begriff  aufgenommen ist,  ist zu unter-
       scheiden wesentlich  von der Akkumulation des als Kapital geword-
       nen Kapitals,  wo schon  K a p i t a l i e n  vorhanden sein müs-
       sen.}
       {Wir haben  bisher schon  gesehn, daß das Kapital voraussetzt: 1.
       den Produktionsprozeß  überhaupt, wie er allen gesellschaftlichen
       Zuständen  eigen   ist,   also   ohne   historischen   Charakter,
       m e n s c h l i c h,   if you please 22*); 2. die  Z i r k u l a-
       t i o n,
       -----
       22*) wenn sie wollen
       
       #240# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       die selbst  schon in  jedem ihrer  Momente und noch mehr in ihrer
       Totalität bestimmtes   h i s t o r i s c h e s   Produkt  ist; 3.
       K a p i t a l  als  b e s t i m m t e  Einheit von beiden. Inwie-
       fern nun der allgemeine Produktionsprozeß selbst historisch modi-
       fiziert wird,  sobald er  nur noch  als Element  des Kapitals er-
       scheint, muß sich in seiner Entwicklung ergeben; wie aus der ein-
       fachen Auffassung  der  spezifischen  Unterschiede  des  Kapitals
       seine historischen  Voraussetzungen überhaupt  sich ergeben  müs-
       sen.}
       {Alles andre  ist Hin-  und Herschwatzen.  Welche Bestimmungen in
       den  ersten   Abschnitt,    v o n    d e r    P r o d u k t i o n
       ü b e r h a u p t,   und in  den ersten Abschnitt des zweiten Ab-
       schnitts, vom  T a u s c h w e r t  ü b e r h a u p t,  aufzuneh-
       men sind,  kann erst am Resultat und als Resultat der ganzen Ent-
       wicklung heraustreten.  Z. B. haben wir schon gesehn, daß die Un-
       terscheidung von  Gebrauchswert und  Tauschwert in  die  Ökonomie
       selbst gehört  und nicht,  wie Ricardo tut, der Gebrauchswert als
       einfache Voraussetzung  tot liegen  bleibt. Das  Kapitel von  der
       Produktion endet  objektiv mit  dem Produkt als Resultat; das von
       der Zirkulation  beginnt mit  der   W a r e,   die selbst  wieder
       G e b r a u c h s w e r t   und   T a u s c h w e r t  (also auch
       von beiden  verschiedner  W e r t),  Zirkulation als Einheit bei-
       der; -  die aber nur formell ist und daher in die Ware als bloßen
       Gegenstand des  Konsums, außerökonomisch,  und den Tauschwert als
       verselbständigtes Geld - zusammenfällt.}
       D e r   M e h r w e r t,   d e n  d a s  K a p i t a l  a m  E n-
       d e  d e s  P r o d u k t i o n s p r o z e s s e s  h a t  - ein
       Mehrwert, der  als höherer  Preis des  Produkts erst  in der Zir-
       kulation realisiert  wird, aber wie alle Preise in ihr realisiert
       werden, dadurch,  daß sie  schon  ideell  ihr    v o r a u s g e-
       s e t z t   sind, bestimmt  sind, ehe sie in sie eingehn - heißt,
       dem allgemeinen  Begriff des  Tauschwerts gemäß  ausgedrückt, daß
       die im  Produkt vergegenständlichte  Arbeitszeit -  oder  Quantum
       Arbeit (ruhend  ausgedrückt, erscheint  die Größe  der Arbeit als
       Raumquantum, aber  bewegt ausgedrückt, ist sie nur durch die Zeit
       meßbar) -  größer ist als die in den ursprünglichen Bestandteilen
       des Kapitals  vorhandne. Dies  nun ist  nur möglich,  wenn die im
       Arbeitspreis  vergegenständlichte  Arbeit  kleiner  ist  als  die
       lebendige Arbeitszeit,  die mit  ihr gekauft  worden ist.  Die im
       Kapital vergegenständlichte Arbeitszeit erscheint, wie wir gesehn
       haben, als  eine aus  drei Teilen  bestehnde  Summe:  a)  die  im
       Rohstoff vergegenständlichte Arbeitszeit;
       b) die  im Instrument  vergegenständlichte Arbeitszeit; c) die im
       Arbeitspreis vergegenständlichte  Arbeitszeit.  Nun  bleiben  die
       Teile a)  und b)  unverändert als Bestandteile des Kapitals; wenn
       sie auch  im Prozeß  ihre Gestalt verändern, ihre materiellen Da-
       seinsweisen, bleiben  sie als  Werte unverändert.  Es ist nur c),
       das das  Kapital austauscht  gegen ein qualitativ andres: ein ge-
       gebnes
       
       #241# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       Quantum vergegenständlichter  Arbeit gegen ein Quantum lebendiger
       Arbeit. Soweit die lebendige Arbeitszeit nur die im Arbeitspreise
       vergegenständlichte Arbeitszeit reproduzierte, wäre auch dies nur
       formell, und  es hätte  überhaupt, was den Wert betrifft, nur ein
       Wechsel stattgefunden  gegen lebendige  Arbeit als andre Daseins-
       weise desselben Werts, wie in bezug auf den Wert des Arbeitsmate-
       rials und  Instruments nur eine Veränderung ihrer stofflichen Da-
       seinsweise stattgefunden  hat. Hat  der Kapitalist  dem  Arbeiter
       einen Preis = einem Arbeitstag gezahlt und der Arbeitstag des Ar-
       beiters fügt dem Rohstoff und Instrument nur einen Arbeitstag zu,
       so hätte  der Kapitalist  einfach ausgetauscht, den Tauschwert in
       einer Form  gegen den  Tauschwert in einer andren. Er hätte nicht
       als Kapital  gewirkt. Andrerseits wäre der Arbeiter nicht im ein-
       fachen Prozeß  des Austauschs  geblieben: Er hätte in der Tat das
       Produkt seiner Arbeit in Zahlung erhalten, nur daß der Kapitalist
       ihm den Gefallen getan hätte, ihm den Preis des Produkts vor sei-
       ner Realisation  vorauszuzahlen. Der  Kapitalist hätte ihm Kredit
       gegeben, und  zwar gratis,  pour le  roi de  Prusse [149].  Voilà
       tout. 23*)  Der Austausch zwischen Kapital und Arbeit, dessen Re-
       sultat der  Arbeitspreis ist,  sosehr er von Seiten des Arbeiters
       einfacher Austausch  ist, muß  von seiten des Kapitalisten Nicht-
       Austausch sein.  Er muß  mehr Wert  erhalten, als er gegeben hat.
       Der Austausch,  von seiten  des Kapitals  betrachtet, muß nur ein
       s c h e i n b a r e r    sein,  d.h.  einer  andren  ökonomischen
       Formbestimmung als der des Austauschs angehören, oder das Kapital
       als Kapital  und die  Arbeit als  Arbeit im Gegensatz zu ihm 24*)
       wären unmöglich.  Sie tauschten  sich nur aus als gleiche Tausch-
       werte, die  in verschiednen Daseinsweisen stofflich existieren. -
       Um das  Kapital zu  rechtfertigen, zu  apologisieren, nehmen  die
       Ökonomen daher  ihre Zuflucht  zu diesem  einfachen ¦¦22¦ Prozeß,
       erklären es  eben durch  einen Prozeß,  der sein Dasein unmöglich
       macht. Um  es zu  demonstrieren, demonstrieren  sie  es  weg.  Du
       zahlst mir  meine Arbeit,  tauschst sie ein gegen ihr eignes Pro-
       dukt und  ziehst mir ab den Wert des Rohstoffs und Materials, das
       du mir  geliefert hast.  D.h., wir sind Associés, die verschiedne
       Elemente in den Produktionsprozeß hereinbringen und nach dem Wert
       derselben austauschen. Also, das Produkt wird in Geld verwandelt,
       und das  Geld wird so geteilt, daß du Kapitalist den Preis deines
       Rohstoffs und  Instruments erhältst,  ich Arbeiter den Preis, den
       die Arbeit  ihnen zugefügt  hat. Der  Nutzen ist für dich, daß du
       Rohstoff und  Instrument nun in einer konsumablen Form besitzest,
       für mich,  daß meine Arbeit sich verwertet hat. Du würdest aller-
       dings bald  in den Fall kommen, in der Form des Geldes dein Kapi-
       tal aufgegessen  zu haben, während ich als Arbeiter in den Besitz
       beider kommen würde. -
       -----
       23*) Das ist alles. - 24*) in der Handschrift: ihr
       
       #242# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Was der  Arbeiter austauscht  gegen das Kapital, ist seine Arbeit
       selbst  (im  Austausch  die  Dispositionsfähigkeit  darüber);  er
       e n t ä u ß e r t  sie. Was er als Preis erhält, ist der  W e r t
       dieser Entäußerung.  Er tauscht  die wertsetzende Tätigkeit gegen
       einen vorherbestimmten Wert aus, abgesehn von dem Resultat seiner
       Tätigkeit.
       {Es ist  eine ungeheure  Weisheit  von  Herrn  Bastiat,  daß  das
       S a l a r i a t  eine unwesentliche, bloß formelle Form ist, eine
       Form der  Assoziation, die   a l s  s o l c h e  mit dem ökonomi-
       schen Verhältnis von Arbeit und Kapital nichts zu tun hat. Wären,
       sagt er, die Arbeiter so reich, um das Fertigsein und Verkauf des
       Produkts abwarten zu können, so würde das Salariat sie nicht hin-
       dern, die  Lohnarbeit nicht,  einen ebenso vorteilhaften Kontrakt
       mit dem  Kapitalisten zu  machen, wie  ihn ein Kapitalist mit dem
       andren macht.  Also liegt  das Übel nicht in der Form des Salari-
       ats, sondern  in von  ihm unabhängigen Bedingungen. Daß diese Be-
       dingungen selbst  die  B e d i n g u n g e n  d e s  S a l a r i-
       a t s   sind, fällt  ihm natürlich  nicht ein.  Wenn die Arbeiter
       zugleich Kapitalisten  wären, so würden sie sich in der Tat nicht
       als arbeitende  Arbeiter, sondern  als arbeitende  Kapitalisten -
       d.h. nicht  in der Form von Lohnarbeitern - zum nicht arbeitenden
       Kapital verhalten.  Darum ist  ihm auch  Arbeitslohn  und  Profit
       w e s e n t l i c h   dasselbe wie   P r o f i t   und   Z i n s.
       [150]  Dies  nennt  er    H a r m o n i e    d e r    ö k o n o -
        m i s c h e n     V e r h ä l t n i s s e,     daß  nämlich  nur
       s c h e i n b a r   ökonomische Verhältnisse  existieren, in  der
       Tat, im  Wesen aber  nur  ein  Verhältnis  -  das  des  einfachen
       Austauschs. Die   w e s e n t l i c h e n   Formen erscheinen ihm
       daher an  sich als  i n  h a l t s l o s,  d.h. als keine wirkli-
       chen Formen.}
       Wie ist nun sein Wert bestimmt? Durch die vergegenständlichte Ar-
       beit, die  in seiner  Ware enthalten ist. Diese Ware existiert in
       seiner Lebendigkeit.  Um sie  von heute  auf morgen zu erhalten -
       von der  Arbeiterklasse, also  dem Ersatz für wear und tear 25*),
       damit sie  sich als Klasse erhalten kann, haben wir es noch nicht
       zu tun,  da der  Arbeiter hier  als   A r b e i t e r,  daher als
       vorausgesetztes perennierendes  Subjekt  dem  Kapital  gegenüber-
       steht, noch  nicht als vergängliches Individuum der Arbeiterart -
       muß er  bestimmte Masse  Lebensmittel verzehren,  das aufgezehrte
       Blut ersetzen  etc. Er  erhält nur  ein Äquivalent.  Also morgen,
       nach vollbrachtem  Austausch -  und wenn er den Austausch formell
       beendigt hat,  führt er  ihn  erst  aus  im  Produktionsprozeß  -
       existiert seine Arbeitsfähigkeit in derselben Weise wie zuvor: Er
       hat ein  exaktes Äquivalent  erhalten, denn  der  Preis,  den  er
       erhalten hat,  läßt ihn  im Besitz  desselben Tauschwerts, den er
       vorher hatte.  Das Quantum  vergegenständlichte  Arbeit,  das  in
       seiner Lebendigkeit enthalten ist, ist ihm vom Kapital
       -----
       25*) Verschleiß
       
       #243# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       gezahlt worden.  Er hat  es konsumiert,  und da es nicht als Ding
       existierte, sondern  als Fähigkeit  in einem  Lebendigen, kann er
       von wegen  der   s p e z i f i s c h e n  Natur seiner Ware - der
       spezifischen Natur  des Lebensprozesses  - den  Tausch von  neuem
       eingehn.  Daß   außer  der   in  seiner   Lebendigkeit  vergegen-
       ständlichten Arbeitszeit  - d.h.  der Arbeitszeit, die nötig war,
       um die  nötigen Produkte für die Erhaltung seiner Lebendigkeit zu
       zahlen noch weitre Arbeit vergegenständlicht ist in seinem unmit-
       telbaren Dasein,  nämlich die  Werte, die  er konsumiert  hat, um
       eine bestimmte   A r b e i t s f ä h i g k e i t,   eine besondre
       G e  s c h i c k l i c h k e i t   zu erzeugen  - und  deren Wert
       zeigt sich  darin, zu welchen Produktionskosten ein ähnliches be-
       stimmtes Arbeitsgeschick  produziert werden  kann - geht uns hier
       noch nicht  an, wo es sich nicht um eine  b e s o n d e r s  qua-
       lifizierte Arbeit, sondern um Arbeit schlechthin, einfache Arbeit
       handelt.
       Wäre ein  Arbeitstag nötig, um einen Arbeiter einen Arbeitstag am
       Leben zu  erhalten, so existierte das Kapital nicht, weil der Ar-
       beitstag sich  gegen sein  eignes Produkt austauschen würde, also
       das Kapital als Kapital sich nicht verwerten und daher auch nicht
       erhalten kann. Die Selbsterhaltung des Kapitals ist seine Selbst-
       verwertung. Müßte das Kapital, um zu leben, auch arbeiten, so er-
       hielte es  sich nicht als Kapital, sondern als Arbeit. Das Eigen-
       tum von  Rohstoffen und  Arbeitsinstrumenten wäre  nur   n o m i-
       n e l l;  sie gehörten öko¦¦23¦nomisch grade dem Arbeiter soweit,
       als sie  dem Kapitalisten  gehörten, da  sie  ihm  nur    W e r t
       schafften, soweit  er selbst  Arbeiter wäre.  Er  verhielte  sich
       daher nicht zu ihnen als Kapital, sondern als einfachem Stoff und
       Mittel der  Arbeit, wie  der Arbeiter  selbst es  im Produktions-
       prozeß tut.  Ist dagegen z.B. nur ein halber Arbeitstag nötig, um
       einen Arbeiter  einen ganzen  Arbeitstag am Leben zu erhalten, so
       ergibt sich  der Mehrwert  des  Produkts  von  selbst,  weil  der
       Kapitalist im  Preis nur  einen halben Arbeitstag bezahlt hat und
       im Produkt  einen ganzen  vergegenständlicht erhält; also für die
       zweite Hälfte  des Arbeitstags   n i c h t s   ausgetauscht  hat.
       Nicht der  Austäusch, sondern ein Prozeß, worin er ohne Austausch
       v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e      A r b e i t s z e i t,
       d.h.   W e r t,  erhält, kann ihn allein zum Kapitalisten machen.
       Der halbe  Arbeitstag kostet dem Kapital  n i c h t s;  es erhält
       also einen  Wert, für den es kein Äquivalent gegeben hat. Und die
       Vermehrung der  Werte kann  nur dadurch stattfinden, daß ein Wert
       über das  Äquivalent hinaus  erhalten, also   g e s c h a f f e n
       wird.
       Mehrwert ist  überhaupt Wert  über das Äquivalent hinaus. Äquiva-
       lent seiner  Bestimmung nach  ist nur die Identität des Werts mit
       sich. Aus  dem Äquivalent heraus kann daher nie der Mehrwert ent-
       sprießen; also  auch nicht  ursprünglich aus  der Zirkulation; er
       muß aus  dem Produktionsprozeß  des Kapitals  selbst entspringen.
       Die Sache  kann auch so ausgedrückt werden: Wenn der Arbeiter nur
       einen halben Arbeitstag braucht, um einen ganzen zu
       
       #244# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       leben, so  braucht er, um seine Existenz als Arbeiter zu fristen,
       nur einen  halben Tag zu arbeiten. Die zweite Hälfte des Arbeits-
       tags ist  Zwangsarbeit; surplus  Arbeit [151]. Was auf seiten des
       Kapitals als  Mehrwert erscheint,  erscheint exakt  auf seite des
       Arbeiters als Mehrarbeit über sein Bedürfnis als Arbeiter hinaus,
       also über  sein unmittelbares  Bedürfnis zur Erhaltung seiner Le-
       bendigkeit hinaus.  Die große  geschichtliche Seite  des Kapitals
       ist, diese   S u r p l u s a r b e i t,   überflüssige Arbeit vom
       Standpunkt des  bloßen Gebrauchswerts, der bloßen Subsistenz aus,
       zu   s c h a f f e n,   und seine  historische Bestimmung ist er-
       füllt, sobald einerseits die Bedürfnisse so weit entwickelt sind,
       daß die Surplusarbeit über das Notwendige hinaus selbst allgemei-
       nes Bedürfnis ist, aus den individuellen Bedürfnissen selbst her-
       vorgeht -  andrerseits die  allgemeine  Arbeitsamkeit  durch  die
       strenge Disziplin  des Kapitals,  wodurch die  sich folgenden Ge-
       schlechter durchgegangen sind, entwickelt ist als allgemeiner Be-
       sitz des  neuen Geschlechts  - endlich  durch die Entwicklung der
       Produktivkräfte der  Arbeit, die  das  Kapital  in  seiner  unbe-
       schränkten Bereicherungssucht  und den  Bedingungen, worin es sie
       allein realisieren  kann, beständig voranpeitscht, so weit gedie-
       hen ist,  daß der Besitz und die Erhaltung des allgemeinen Reich-
       tums einerseits  nur eine  geringre Arbeitszeit für die ganze Ge-
       sellschaft erfordert und die arbeitende Gesellschaft sich wissen-
       schaftlich zu dem Prozeß ihrer fortschreitenden Reproduktion, ih-
       rer Reproduktion in stets größrer Fülle verhält; also die Arbeit,
       wo der Mensch in ihr tut, was er Sachen für sich tun lassen kann,
       aufgehört hat.  Kapital und  Arbeit verhalten sich demnach hierin
       wie Geld  und Ware;  ist das  eine die allgemeine Form des Reich-
       tums, die andre nur die Substanz, die unmittelbare Konsumtion be-
       zweckt. Als  das rastlose  Streben nach  der allgemeinen Form des
       Reichtums treibt  aber das  Kapital die  Arbeit über  die Grenzen
       seiner Naturbedürftigkeit  hinaus und  schafft so die materiellen
       Elemente für  die Entwicklung  der  reichen  Individualität,  die
       ebenso allseitig in ihrer Produktion als Konsumtion ist und deren
       Arbeit daher  auch nicht  mehr als Arbeit, sondern als volle Ent-
       wicklung der  Tätigkeit selbst erscheint, in der die Naturnotwen-
       digkeit in ihrer unmittelbaren Form verschwunden ist; weil an die
       Stelle des Naturbedürfnisses ein geschichtlich erzeugtes getreten
       ist. Daher  ist   d a s   K a p i t a l  p r o d u k t i v;  d.h.
       ein   w e s e n t l i c h e s   V e r h ä l t n i s  f ü r  d i e
       E n t w i c k l u n g  d e r  g e s e l l s c h a f t l i c h e n
       P r o d u k t i v k r ä f t e.   Es hört  erst  auf,  solches  zu
       sein, wo die Entwicklung dieser Produktivkräfte selbst an dem Ka-
       pital selbst eine Schranke findet.
       In der  Times vom  November 1857  findet sich  ein  allerliebster
       Wutschrei von seiten eines westindischen Planters 26*). [152] Mit
       großer sittlicher Entrüstung
       -----
       26*) Plantagenbesitzer
       
       #245# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       setzt dieser  Advokat - als Plädoyer für die Wiedereinführung der
       Negersklaverei -  auseinander, wie  die Quashees (die freien nig-
       gers von  Jamaica) sich damit begnügen, das für ihren eignen Kon-
       sum strikt  Notwendige zu  produzieren, und  als den eigentlichen
       Luxusartikel neben  diesem "Gebrauchswert" die Faulenzerei selbst
       betrachten (indulgence  and idleness 27*)); wie sie sich den Teu-
       fel um  Zucker und das in den plantations 28*) ausgelegte capital
       fixe scheren, vielmehr mit ironischer Schadenfreude den zugrunde-
       gehenden Planter  anschmunzeln, und  selbst das  ihnen angelernte
       Christentum nur  ausbeuten als Schönfärberei dieser schadenfrohen
       Stimmung und Indolenz. Sie haben aufgehört, Sklaven zu sein, aber
       nicht, um  Lohnarbeiter zu  werden, sondern self-sustaining 29*),
       für den  eignen notdürftigen Konsum arbeitende peasants 30*). Das
       Kapital als  Kapital existiert  ihnen gegenüber  nicht, weil  der
       verselbständigte Reichtum  überhaupt   n u r   existiert entweder
       durch   u n m i t t e l b a r e   Zwangsarbeit,  Sklaverei,  oder
       v e r m i t t e l t e   Zwangsarbeit,   L o h n a r b e i t.  Der
       unmittelbaren Zwangsarbeit  steht der  Reichtum nicht als Kapital
       gegenüber,  sondern   als    H e r r s c h a f t s v e r h ä l t-
       n i s;   es wird  daher  auf  ihrer  Basis  auch  nur  das  Herr-
       schaftsverhältnis reproduziert,  für das  der Reichtum selbst nur
       Wert als  Genuß hat,  nicht als  Reichtum selbst, das ¦¦24¦ daher
       auch nie  die   a l l g e m e i n e   I n d u s t r i e  schaffen
       kann. (Auf  dies Verhältnis  von Sklaverei  und Lohnarbeit werden
       wir zurückkommen.)
       Die Schwierigkeit,  die Entstehung  des Werts zu begreifen, zeigt
       sich 1. in den modernen englischen Ökonomen, die dem Ricardo vor-
       werfen, er habe das Surplus nicht begriffen, den  M e h r w e r t
       nicht begriffen  [153] (siehe  Malthus On value [154], der wenig-
       stens wissenschaftlich  zu verfahren sucht), obgleich Ricardo al-
       lein von allen Ökonomen es begriffen hat, wie seine Polemik gegen
       A. Smiths  Verwechslung der  Wertbestimmung durch  das Salair und
       durch die  in der  Ware vergegenständlichte  Arbeitszeit beweist.
       Die Neuen  sind rein  flache Einfaltspinsel. Allerdings gerät Ri-
       cardo selbst  oft in  Konfusion, da  er wohl  die Entstehung  des
       Mehrwerts als Voraussetzung des Kapitals begreift, aber oft daran
       irre wird,  auf dieser  Basis hin die Vermehrung der Werte zu be-
       greifen, außer  dadurch, daß  m e h r  v e r g e g e n s t ä n d-
       l i c h t e   A r b e i t s z e i t  im selben Produkt investiert
       wird, in andren Worten, daß die Produktion  s c h w i e r i g e r
       wird.  [155]  Daher  bei  ihm  der  absolute  Gegensatz  zwischen
       v a l u e   31*) und   R e i c h t u m.   Daher die Einseitigkeit
       seiner Theorie  von der  Grundrente; seine  falsche  Theorie  vom
       internationalen  Handel,   der  nur  den  Gebrauchswert  (was  er
       Reichtum nennt),  nicht Tauschwert  produzieren soll.  [147]  Der
       einzige Ausweg  zur Vermehrung der Werte als solcher bleibt außer
       der  w a c h s e n d e n  S c h w i e r i g k e i t
       -----
       27*) Nachsicht  und Trägheiz  - 28*) Plantagen  - 29*) selbstver-
       sorgende - 30*) Bauern - 31*) Wert
       
       #246# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       d e r   P r o d u k t i o n   (Rententheorie) nur der Anwachs der
       P o p u l a t i o n   (die  natürliche  Vermehrung  der  Arbeiter
       durch die  Zunahme des Kapitals), obgleich er selbst diese Bezie-
       hung nirgends einfach zusammengefaßt hat. Der Grundfehler, daß er
       nirgends untersucht,  wo denn eigentlich der Unterschied zwischen
       der Wertbestimmung  durch das  Salair und der durch die vergegen-
       ständlichte Arbeit  herkommt. Das  Geld und  der Austausch selbst
       (die Zirkulation)  erscheint daher nur als rein formelles Element
       in seiner  Ökonomie, und obgleich es sich nach ihm  n u r  um den
       Tauschwert in  der Ökonomie  handelt, erscheinen  Profit etc. nur
       als Rate  des Anteils  am Produkt,  die ebenso  auf der Basis der
       Sklaverei stattfindet.  Die Form  der Vermittlung hat er nirgends
       untersucht.
       2)  D i e  P h y s i o k r a t e n  [156]. Hier tritt die Schwie-
       rigkeit, das  Kapital, die  Selbstverwertung des Werts, hinc 32*)
       den Mehrwert,  den das  Kapital im Produktionsakt schafft, zu be-
       greifen, handgreiflich  hervor, und sie 33*) mußte bei den Vätern
       der modernen  Ökonomie hervortreten,  wie bei dem letzten klassi-
       schen Abschluß  derselben in Ricardo die Schöpfung des Mehrwerts,
       die er  in der  Form der Rente [auffaßt]. Es ist au fond 34*) die
       Frage nach  dem Begriff des Kapitals und der Lohnarbeit und daher
       die Fundamentalfrage,  die an der Schwelle des Systems der moder-
       nen Gesellschaft sich aufwirft. Das Monetärsystem hatte die Selb-
       ständigkeit des  Werts nur  begriffen, wie  er aus  der einfachen
       Zirkulation resultiert  -   G e l d;   sie  machten  daher  diese
       a b s t r a k t e   F o r m   des Reichtums  zum ausschließlichen
       Objekt der  Nationen, die  grade in die Periode eintraten, wo die
       B e r e i c h e r u n g   a l s   s o l c h e   als der Zweck der
       Gesellschaft selbst erschien.
       Dann kam das  M e r k a n t i l s y s t e m,  fallend in die Epo-
       che, wo  das industrielle Kapital und daher die Lohnarbeit in der
       Manufaktur auftritt  und sich entwickelt im Gegensatz und auf Ko-
       sten des  nichtindustriellen Reichtums,  des feudalen Grundeigen-
       tums. Ihnen  schwebt das Geld schon als Kapital vor, aber eigent-
       lich nur  selbst wieder  in der  Form des Geldes, der Zirkulation
       des   m e r k a n t i l e n   Kapitals,  des  sich  in    G e l d
       v e r w a n d e l n d e n  Kapitals. Das industrielle Kapital hat
       für sie Wert, und zwar den höchsten Wert - als Mittel - nicht als
       der Reichtum  selbst in  seinem produktiven Prozeß -, weil es das
       merkantile Kapital  schafft und  dies in  der Zirkulation zu Geld
       wird. Die  Manufakturarbeif -  d.h. au  fond die industrielle Ar-
       beit, aber  die Agrikulturarbeit war und erschien ihnen im Gegen-
       satz als  hauptsächlich Gebrauchswert  produzierend;  Rohprodukt,
       verarbeitet, ist  wertvoller, weil  in klarer Form, also mehr für
       Zirkulation, den  commerce 35*) geeigneter, merkantiler Form mehr
       Geld schaffend
       -----
       32*) daher -  33*) in der  Handschrift: es  -  34*) im  Grunde  -
       35*) Handel
       
       #247# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       (dabei  die   historische  Anschauung  des  Reichtums  der  nicht
       ackerbauenden Völker, wie Holland namentlich, im Gegensatz zu den
       ackerbauenden, feudalen; der Ackerbau erschien überhaupt nicht in
       industrieller, sondern in feudaler Form, also als Quelle des feu-
       dalen Reichtums,  nicht des  bürgerlichen). Eine  Form der  Lohn-
       arbeit, die  industrielle,  und  eine  des  Kapitals,  des  indu-
       striellen, war  also als Quelle des Reichtums anerkannt, aber nur
       sofern sie  Geld schufen.  Der Tauschwert selbst daher noch nicht
       in der Form des Kapitals begriffen.
       Nun die  P h y s i o k r a t e n.  Unterscheiden Kapital von Geld
       und fassen  es in  seiner allgemeinen  Form als verselbständigten
       Tauschwert, der  sich in der Produktion erhält 36*) und durch sie
       vermehrt. Sie  betrachten daher auch das Verhältnis für sich, wie
       es nicht  selbst Moment  der einfachen Zirkulation, sondern viel-
       mehr ihre  Voraussetzung ist  und aus  ihr selbst  sich beständig
       wieder als  ihre Voraussetzung herstellt. Sind also die Väter der
       modernen Ökonomie.  Sie begreifen  auch, daß das Setzen des Mehr-
       werts durch  die Lohnarbeit  die Selbstverwertung,  d.h. die Ver-
       wirklichung des  Kapitals ist.  Aber wie wird durch Kapital, d.h.
       vorhandne Werte, ein Mehrwert geschaffen, vermittelst der Arbeit?
       Hier lassen  sie ganz die Form fallen und betrachten nur den ein-
       fachen Produktionsprozeß.  Nur die  Arbeit kann  daher  produktiv
       sein, die  in einem  solchen Felde  vorgeht, wo handgreiflich die
       Naturkraft des  Arbeitsinstruments  dem  Arbeiter  erlaubt,  mehr
       Werte zu  produzieren als  er konsumiert. Der Mehrwert geht daher
       nicht aus der Arbeit als solcher, sondern aus der Naturkraft her-
       vor, die  von der  Arbeit benutzt und geleitet ¦¦25¦ wird - Agri-
       kultur. Diese  ist daher  die einzig   p r o d u k t i v e   A r-
       b e i t,   denn so  weit sind  sie, daß   n u r   d i e  M e h r-
       w e r t   s c h a f f e n d e    A r b e i t    p r o d u k t i v
       i s t   (daß der  Mehrwert  sich  in  einem  materiellen  Produkt
       ausdrücken muß,  rohe, noch  bei A.  Smith vorkommende Anschauung
       [157]. Schauspieler  sind produktive  Arbeiter, nicht  sofern sie
       das Schauspiel  produzieren, sondern  increase  their  employer's
       wealth 37*).  Doch welche  Sorte von  Arbeit geschieht,  also  in
       welcher  Form   die  Arbeit   sich  materialisiert,  ist  absolut
       gleichgültig für   d i e s   V e r h ä l t n i s.   Es ist wieder
       nicht gleichgültig  von spätren Gesichtspunkten aus); aber dieser
       Mehrwert verwandelt  sich unter  der Hand  in größres Quantum des
       Gebrauchswerts, der aus der Produktion herauskommt, über den, der
       in ihr  konsumiert worden  ist. Nur im Verhältnis des natürlichen
       Samens zu seinem Produkt erscheint diese Vervielfältigung der Ge-
       brauchswerte, der  Überschuß des  Produkts über  den  Bestandteil
       desselben, der  zu neuer Produktion dienen muß - von dem also ein
       Teil unproduktiv konsumiert werden kann - handgreiflich.
       -----
       36*) In der  Handschrift: verhält  - 37*) den Reichtum ihres Auf-
       traggebers vermehren
       
       #248# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Von der Ernte braucht nur ein Teil als Samen der Erde direkt wie-
       dergegeben zu  werden; in selbst natürlich sich vorfindenden Pro-
       dukten, den  Elementen, Luft, Wasser, Erde, Licht und den im Dün-
       ger und  anderswie zugeführten Substanzen, erzeugen ihn die Samen
       dann wieder  in vervielfältigtem  Quantum als Korn etc. Kurz, die
       menschliche Arbeit  hat den chemischen Stoffwechsel (in der Agri-
       kultur) nur zu leiten, zum Teil auch mechanisch zu befördern oder
       die Lebensreproduktion  selbst (Viehzucht), um das Surplus zu er-
       halten, d.  h. dieselben  Natursubstanzen aus  einer für  den Ge-
       brauch wertlosen  Form in eine wertvolle zu verwandeln. Die wahre
       Gestalt des  allgemeinen Reichtums  ist daher  der Überschuß  der
       Erdprodukte (Korn, Vieh, Rohstoffe).
       Ökonomisch betrachtet  ist daher  nur die   R e n t e   Form  des
       Reichtums. So kommt es, daß die ersten Propheten des Kapitals nur
       den Nicht-Kapitalisten,  den    f e u d a l e n    G r u n d e i-
       g e n t ü m e r,  als Repräsentanten des  b ü r g e r l i c h e n
       Reichtum s  fassen. Die  Konsequenz, die Legung aller Steuern auf
       die Rente,  ist aber  dann auch ganz zum Vorteil des bürgerlichen
       Kapitals. Der  Feudalismus ist  nur  bürgerlich  verherrlicht  im
       Prinzip - was manche Feudale, wie den alten Mirabeau, düpiert hat
       - um  ihn in  der Nutzanwendung  zu ruinieren.  Alle andren Werte
       repräsentieren  nur   Rohstoff  +   Arbeit;  die   Arbeit  selbst
       repräsentiert das  Korn oder  andre Erdprodukte, die der Arbeiter
       konsumiert; also  setzt der  Fabrikarbeiter etc.  nicht mehr  dem
       Rohstoff zu,  als er  von  Rohstoffen  konsumiert.  Seine  Arbeit
       ebensowohl wie  sein Arbeitsgeber  fügen also dem Reichtum nichts
       zu -  der Reichtum  ist das  Surplus über  die in  der Produktion
       aufgezehrten  Waren  -,  sondern  geben  ihm  nur  angenehme  und
       nützliche Konsumtionsformen.
       Damals hatte  sich die Anwendung der Naturkräfte in der Industrie
       noch nicht  entwickelt, noch die Teilung der Arbeit etc., die die
       Naturkraft der  Arbeit selbst  vermehrt. Dies  aber zu  A. Smiths
       Zeit der  Fall. Bei  ihm also  die Arbeit  überhaupt  Quelle  der
       Werte, ebenso  des Reichtums,  aber Mehrwert setzt sie eigentlich
       auch nur, soweit in der Teilung der Arbeit das Surplus ebenso als
       natürliche Gabe,  Naturkraft der  Gesellschaft erscheint  wie bei
       den Physiokraten  der Erde.  Daher das  Gewicht, das A. Smith auf
       die Teilung  der  Arbeit  legt.  Andrerseits  erscheint  bei  ihm
       K a p i t a l  - (weil er zwar die Arbeit als wertschaffend faßt,
       aber die  Arbeit selbst  als Gebrauchswert, für sich seiende Pro-
       duktivität,   m e n s c h l i c h e   Naturkraft überhaupt  (dies
       unterscheidet ihn  von den  Physiokraten), aber nicht als Lohnar-
       beit, nicht  in ihrer  s p e z i f i s c h e n  Formbestimmung im
       Gegensatz zum  Kapital) -  ursprünglich nicht  als das Moment der
       Lohnarbeit gegensätzlich  in sich  enthaltend, sondern wie es aus
       der Zirkulation herkömmt, als Geld, und daher aus der Zirkulation
       wird, durch  E r s p a r u n g.  Das Kapital ursprünglich verwer-
       tet sich also nicht selbst - weil
       
       #249# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       eben die  Aneignung fremder Arbeit nicht in seinen Begriff selbst
       aufgenommen  ist.  Es  erscheint  nur    n a c h t r ä g l i c h,
       nachdem es  schon als  K a p i t a l  vorausgesetzt ist - mauvais
       cercle 38*)  -,  als    K o m m a n d o    ü b e r    f r e m d e
       A r b e i t.   Die Arbeit  sollte daher  eigentlich nach A. Smith
       ihr eignes Produkt zum Lohn haben, das Salair = dem Produkt sein,
       also die  Arbeit nicht  Lohnarbeit und  das Kapital nicht Kapital
       sein. Um  daher den  Profit und  die Rente als ursprüngliche Ele-
       mente der Produktionskosten hereinzubringen, d.h. aus dem Produk-
       tionsprozeß des  Kapitals einen  Mehrwert herauskommen zu lassen,
       setzt er  sie in  höchst ruder  39*) Form  voraus. Der Kapitalist
       will den  Gebrauch seines  Kapitals  nicht  umsonst;  ebenso  der
       Grundeigentümer nicht  den Grund und Boden umsonst der Produktion
       geben. Sie  verlangen etwas  dafür. So  sind sie, als historische
       facts mit ihren Ansprüchen hereingenommen, nicht erklärt. Eigent-
       lich ist  das Salair  der   e i n z i g  ö k o n o m i s c h  be-
       rechtigte, weil  notwendige  Bestandteil  der  Produktionskosten.
       Profit und  Rente sind  nur  A b z ü g e  vom Salair, willkürlich
       erzwungen im geschichtlichen Prozeß von Kapital und Grundeigentum
       und   g e s e t z l i c h,   nicht ökonomisch  berechtigt. Da  er
       andrerseits aber  wieder der Arbeit in der Form von Grundeigentum
       und Kapital  die Produktionsmittel und -materialien als selbstän-
       dige Gestalten  gegenübersetzt, hat er sie wesentlich als Lohnar-
       beit gesetzt.  So Widersprüche. Daher sein Schwanken in der Wert-
       bestimmung; das  Setzen auf  gleiche Stufe  von Profit und Grund-
       rente: falsche  ¦¦26¦ Ansichten  vom Einfluß  des Salairs auf die
       Preise etc.
       Nun Ricardo  (Siehe 1  40*)). Bei ihm wird aber wieder Lohnarbeit
       und Kapital  als natürliche,  nicht bestimmt  historische Gesell-
       schaftsform für die Erzeugung des Reichtums als Gebrauchswert ge-
       faßt, d.h.  ist  ihre  Form  als  solche,  eben  weil  natürlich,
       g l e i c h g ü l t i g     und  wird   nicht  in   ihrer    b e-
       s t i m m t e n  Beziehung zur Form des Reichtums gefaßt, wie der
       Reichtum selbst  in seiner  Form als Tauschwert als bloß formelle
       Vermittlung seines  stofflichen  Bestehns  erscheint;  daher  der
       bestimmte Charakter  des bürgerlichen Reichtums nicht begriffen -
       eben weil er als adäquate Form des Reichtums überhaupt erscheint,
       und daher  auch  ö k o n o m i s c h,  obgleich vom  T a u s c h-
       w e r t   ausgegangen wird,  die  b e s t i m m t e n  ö k o n o-
       m i s c h e n   F o r m e n   d e s   A u s t a u s c h s  selbst
       gar keine  Rolle in  seiner Ökonomie  spielen 41*), sondern immer
       nur von  Verteilung des  allgemeinen Produkts  der Arbeit und der
       Erde unter den drei Klassen gesprochen, als ob es sich in dem auf
       den   T a u s c h w e r t  gegründeten Reichtum nur um den  G e -
        b r a u c h s w e r t   handelte und  der  Tauschwert  nur  eine
       zeremonielle Form  wäre, die bei Ricardo ganz so verschwindet wie
       das Geld  als Zirkulationsmittel  im Austausch. Um die wahren Ge-
       setze der Ökonomie geltend zu machen, liebt
       -----
       38*) fehlerhafter Kreislauf  -  39*) grober  -  40*) siehe  vorl.
       Band, S. 245/246 - 41*) in der Handschrift: bilden
       
       #250# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       er es daher, auch auf dies Verhältnis des Geldes als bloß formel-
       len sich  zu beziehn.  Daher auch seine Schwäche in der eigentli-
       chen Lehre vom Geld selbst.
       Die exakte  Entwicklung des  Kapitalbegriffs  nötig,  da  er  der
       Grundbegriff der  modernen Ökonomie, wie das Kapital selbst, des-
       sen abstraktes  Gegenbild sein Begriff, die Grundlage der bürger-
       lichen Gesellschaft. Aus der scharfen Auffassung der Grundvoraus-
       setzung des  Verhältnisses müssen sich alle Widersprüche der bür-
       gerlichen Produktion ergeben, wie die Grenze, an der es über sich
       selbst hinaustreibt.
       {Es ist  wichtig zu bemerken, daß der Reichtum als solcher, i. e.
       der bürgerliche  Reichtum, immer  in der  höchsten Potenz  ausge-
       drückt ist in dem Tauschwert, wo er als  V e r m i t t l e r  ge-
       setzt, als  die Vermittlung  der Extreme  von Tauschwert  und Ge-
       brauchswert selbst.  Diese Mitte  erscheint immer als das vollen-
       dete   ö k o n o m i s c h e   Verhältnis, weil es die Gegensätze
       zusammenfaßt, und  erscheint schließlich immer als eine einseitig
       höhere Potenz  gegenüber den  Extremen selbst;  weil die Bewegung
       oder das  Verhältnis, das  als vermittelnd  zwischen den Extremen
       u r s p r ü n g l i c h   erscheint, dialektisch  dazu  notwendig
       fortführt, daß  es als Vermittlung mit sich selbst erscheint, als
       das Subjekt, dessen Momente nur die Extreme sind, deren selbstän-
       dige Voraussetzung  es aufhebt,  um  sich  durch  ihre  Aufhebung
       selbst als  das allein Selbständige zu setzen. So in der religiö-
       sen Sphäre  Christus der Mittler zwischen Gott und dem Menschen -
       bloßes Zirkulationsinstrument  zwischen beiden  - wird  ihre Ein-
       heit, Gottmensch,  und wird  als solcher wichtiger denn Gott; die
       Heiligen wichtiger  als Christus;  die Pfaffen  wichtiger als die
       Heiligen. Der totale ökonomische Ausdruck, selbst einseitig gegen
       die Extreme,  ist immer der Tauschwert, wo er als Mittelglied ge-
       setzt ist; z.B. Geld in der einfachen Zirkulation; Kapital selbst
       als Vermittler zwischen Produktion und Zirkulation. Innerhalb des
       Kapitals selbst nimmt eine Form desselben wieder die Stellung des
       Gebrauchswerts gegen  die andre  als Tauschwert  an. So  z.B. das
       industrielle Kapital  erscheint als Produzent gegenüber dem Kauf-
       mann, der  als Zirkulation  erscheint. So  stellt das  erste  die
       stoffliche, der andre die Formseite, also den Reichtum als Reich-
       tum dar.  Zugleich ist  das merkantile Kapital selbst wieder Ver-
       mittler zwischen  der Produktion  (dem industriellen Kapital) und
       der Zirkulation  (dem konsumierenden  Publikum) oder zwischen dem
       Tauschwert und  Gebrauchswert, wo  abwechselnd beide  Seiten, die
       Produktion als  Geld, die  Zirkulation  als  Gebrauchswert  (kon-
       sumierendes Publikum) oder die erste als Gebrauchswert (Produkt),
       die zweite  als Tauschwert  (Geld) gesetzt  ist. Ebenso innerhalb
       des  Handels   selbst:  der   Großhändler  als  Mittler  zwischen
       Fabrikant  und   Detaillist  oder   zwischen  dem  Fabrikant  und
       Agriculturist
       
       #251# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       42*) oder verschiednen Fabrikanten, ist dieselbe höhere Mitte. So
       wieder die Warenmäkler dem Großhändler gegenüber. Dann der Banker
       den Industriellen  und Kaufleuten  gegenüber;  die  Aktiengesell-
       schaft gegenüber der einfachen Produktion; der Financier als Ver-
       mittler zwischen  dem Staat  und [der]  bürgerlichen Gesellschaft
       auf der  höchsten Stufe.   D e r   R e i c h t u m  a l s  s o l-
        c h e r   repräsentiert sich am distinktesten und breitesten, je
       weiter er  von der  unmittelbaren Produktion  entfernt und selbst
       wieder vermittelt zwischen Seiten, die, jede für sich betrachtet,
       schon als  ökonomische Formbeziehungen gesetzt sind. Daß das Geld
       aus dem  Mittel zum  Zweck wird  und daß die höhere Form der Ver-
       mittlung überall  das Kapital,  die niedre  selbst wieder als Ar-
       beit, bloß  als Quelle des Mehrwerts setzt. Z. B. der bill-broker
       43*), Bankier  etc. den  Fabrikanten und  farmers 44*) gegenüber,
       die ihm  gegenüber relativ gesetzt sind in der Bestimmung der Ar-
       beit (des  Gebrauchswerts), während er sich ihnen gegenüber setzt
       als Kapital,  Schöpfung von Mehrwert; in der tollsten Form im Fi-
       nancier.}
       K a p i t a l   ist   u n m i t t e l b a r e  E i n h e i t  von
       Produkt und  Geld oder  besser von Produktion und Zirkulation. So
       ist es  wieder selbst  ein  U n m i t t e l b a r e s,  und seine
       Entwicklung besteht darin, als diese Einheit - die als bestimmtes
       und daher  einfaches Verhältnis gesetzt ist - sich selbst zu set-
       zen und aufzuheben. Die Einheit erscheint zunächst im Kapital als
       etwas  E i n f a c h e s.
       ¦¦27¦ {Ricardos  Gedankengang ist  einfach der: Produkte tauschen
       sich aus  - also  Kapital gegen Kapital - nach den Quanten verge-
       genständlichter Arbeit,  die in  ihnen enthalten sind. Arbeitstag
       tauscht sich  immer aus gegen Arbeitstag. Dies ist Voraussetzung.
       Der Austausch selbst kann also ganz beiseite gelassen werden. Das
       Produkt -  das Kapital  als Produkt  gesetzt -  ist  a n  s i c h
       Tauschwert, wozu  der Austausch  nur Form hinzufügt, bei ihm for-
       melle Form.  Die Frage  ist nun  nur, in welchen  R a t e n  sich
       dies Produkt  verteilt. Diese   R a t e n,   ob sie als bestimmte
       Quota des  vorausgesetzten Tauschwerts  oder seines  Inhalts, des
       materiellen Reichtums  betrachtet werden,  dasselbe. Ja,  da  der
       Austausch als  solcher bloße  Zirkulation ist - Geld als Zirkula-
       tion ",  so ist  es besser, ganz von ihm zu abstrahieren und bloß
       die Quota  des materiellen Reichtums zu betrachten, die innerhalb
       des Produktionsprozesses  oder als Resultat desselben an die ver-
       schiednen Agenten  verteilt werden.  In  der  Form  des    A u s-
       t a u s c h s   ist aller  Wert etc. nur  n o m i n e l l;  reell
       ist er  in der Form der  R a t e.  Der ganze Austausch, soweit er
       nicht  größre     m a t e r i e l l e     Varietät  schafft,  ist
       n o m i n e l l.  Da immer ein ganzer Arbeitstag gegen einen gan-
       zen Arbeitstag ausgetauscht wird, bleibt die Summe der  W e r t e
       dieselbe - das Wachstum der
       -----
       42*) Landwirt - 43*) Wechselmakler - 44*) Pächtern
       
       #252# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Produktivkräfte wirkt  nur auf  den Inhalt  des Reichtums,  nicht
       seine Form.  Vermehrung der  Werte kann  daher nur entstehn durch
       vergrößerte Schwierigkeit  der Produktion  - und  diese kann  nur
       stattfinden da,  wo die  Naturkraft gleichen Quantis menschlicher
       Arbeit nicht mehr gleichen Dienst leistet, also die Fruchtbarkeit
       der natürlichen  Elemente abnimmt - in der Agrikultur. Das Fallen
       der Profite  wird daher  verursacht durch  die Rente. Erstens die
       falsche   Voraussetzung,    daß   immer    ein        g a n z e r
       A r b e i t s t a g  in allen Zuständen der Gesellschaft gearbei-
       tet wird; etc. etc. (sieh oben 45*)).}
       Wir haben  gesehn 46*): Der Arbeiter braucht nur einen halben Ar-
       beitstag z.  B. zu  arbeiten, um einen ganzen zu leben; und daher
       den andren  Tag denselben  Prozeß wieder  anfangen zu  können. In
       seiner Arbeitsfähigkeit  - soweit  sie in  ihm  als    L e b e n-
       d i g e m   existiert, oder  in ihm als  l e b e n d i g e m  Ar-
       beitsinstrument, ist  vergegenständlicht nur  ein halber Arbeits-
       tag. Der  ganze lebendige  Tag (Lebenstag)  des Arbeiters ist das
       ruhende  Result,   die  Vergegenständlichung  eines  halben  Tags
       Arbeit. Der Kapitalist, indem er durch den Austausch gegen die im
       Arbeiter vergegenständlichte Arbeit - d.h. gegen einen halben Tag
       Arbeit  den   ganzen  Arbeitstag   sich  aneignet,  und  dann  im
       Produktionsprozeß an  dem Stoff,  woraus  sein  Kapital  besteht,
       konsumiert,  schafft   so  den  Mehrwert  seines  Kapitals  -  im
       vorausgesetzten Fall einen halben Tag vergegenständlichte Arbeit.
       Gesetzt, die Produktivkräfte der Arbeit verdoppeln sich nun, d.h.
       in  derselben   Zeit  liefere   dieselbe  Arbeit   den  doppelten
       G e b r a u c h s w e r t.     (Als  Gebrauchswert   ist  in  dem
       jetzigen Verhältnis einstweilen nur noch bestimmt, was der Arbei-
       ter konsumiert,  um sich  am Leben  als Arbeiter zu erhalten; das
       Quantum Lebensmittel, wogegen er durch die Vermittlung des Geldes
       die in seiner lebendigen Arbeitsfähigkeit vergegenständlichte Ar-
       beit austauscht.) Der Arbeiter würde dann nur 1/4 Tag zu arbeiten
       haben, um  einen ganzen zu leben; der Kapitalist braucht dann nur
       noch 1/4 Tag vergegenständlichte Arbeit im Austausch dem Arbeiter
       zu geben, um vermittelst des Produktionsprozesses seinen Mehrwert
       von 1/2  auf 3/4  zu vermehren; indem er statt 1/2 Tags vergegen-
       ständlichte Arbeit  3/4 Tag  vergegenständlichte Arbeit  gewänne.
       Der Wert  des Kapitals,  wie es aus dem Produktionsprozeß heraus-
       kommt, wäre  um  3/4  statt  um  2/4  gestiegen.  Der  Kapitalist
       brauchte also  nur mehr 3/4 Tage arbeiten zu lassen, um denselben
       Mehrwert -  den von  1/2 oder 2/4 vergegenständlichter Arbeit dem
       Kapital zuzufügen.  Das Kapital  aber als die allgemeine Form des
       Reichtums -  das Geld  - repräsentierend,  ist der schranken- und
       maßlose Trieb,  über seine Schranke hinauszugehn. Jede Grenze ist
       und muß Schranke für es sein. Es hörte sonst auf, Kapital - das
       -----
       45*) Siehe vorl. Band, S. 245 - 46*) siehe vorl. Band, S. 343-245
       
       #253# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       Geld als  sich selbst  produzierend zu  sein. Sobald  es eine be-
       stimmte Grenze nicht mehr als Schranke fühlte, sondern als Grenze
       sich in  ihr wohl  fühlte, wäre  es selbst  von Tauschwert zu Ge-
       brauchswert, von  der allgemeinen Form des Reichtums zu einem be-
       stimmten substantiellen  Bestehn desselben herabgesunken. Das Ka-
       pital als solches schafft einen bestimmten Mehrwert, weil es kei-
       nen unendlichen at once 47*) setzen kann; aber es ist die bestän-
       dige Bewegung,  mehr davon  zu schaffen.  Die quantitative Grenze
       des Mehrwerts erscheint ihm nur als Naturschranke, als Notwendig-
       keit, die  es beständig zu überwältigen und über die es beständig
       hinauszugehn sucht.
       {Die Schranke  erscheint als  ein Zufall,  der überwältigt werden
       muß. Selbst  in der  oberflächlichsten Anschauung tritt dies her-
       vor. Wenn  das Kapital  von 100  auf 1000 wächst, so ist nun 1000
       der Ausgangspunkt,  von dem die Vermehrung vor sich gehn muß; die
       Verzehnfachung um  1000% zählt  für nichts;  Profit und Zins wird
       selbst  wieder  Kapital.  Was    a l s    M e h r w e r t    e r-
       s c h i e n,   e r s c h e i n t   n u n   a l s  e i n f a c h e
       V o r a u s s e t z u n g   e t c.,   als in  s e i n  e i n f a-
       c h e s  B e s t e h n  s e l b s t  aufgenommen.}
       Der Kapitalist  wird also (ganz abgesehn von den später hinzukom-
       menden Bestimmungen, Konkurrenz, Preisen etc.) den Arbeiter nicht
       nur 3/4  Tag arbeiten  lassen, weil die 3/4 Tag ihm  d e n s e l-
       b e n   M e h r w e r t   verschaffen wie  vorher der  ganze Tag,
       sondern er  wird ihn  den ganzen  Tag arbeiten  lassen;  und  die
       Vermehrung der Produktivkraft, die den Arbeiter befähigt, mit 3/4
       Arbeitstag den ganzen Tag zu leben, drückt sich nun einfach darin
       aus, daß  er nun  3/4 Tag  ¦¦28¦ für  das Kapital  arbeiten  muß,
       während er  früher nur  2/4 Tag für es arbeitete. Die vergrößerte
       Produktivkraft seiner  Arbeit, soweit  sie Abkürzung der Zeit für
       die Ersetzung  der in  ihm vergegenständlichten  Arbeit (für  den
       Gebrauchswert, die Subsistenz), erscheint als Verlängerung seiner
       Arbeitszeit für die Verwertung des Kapitals (für den Tauschwert).
       Vom Standpunkt des Arbeiters betrachtet, muß er nun eine Surplus-
       arbeit von  3/4 Tag tun, um einen Tag zu leben, während er früher
       nur eine  Surplusarbeit von  2/4 Tag tun mußte. Durch die Vermeh-
       rung der  Produktivkraft, die  Verdopplung  derselben,  hat  sich
       seine Surplusarbeit vermehrt um 1/4 [Tag], Eins hier zu bemerken:
       Die Produktivkraft hat sich verdoppelt, die Surplusarbeit für den
       Arbeiter hat  sich nicht verdoppelt, sondern ist nur um 1/4 [Tag]
       gewachsen; ebensowenig hat sich der Surpluswert des Kapitals ver-
       doppelt, sondern  ist auch  nur um  1/4 [Tag]  gewachsen 48*). Es
       zeigt sich  also, daß  nicht in demselben numerischen Verhältnis,
       worin die  Produktivkraft wächst,  die Surplusarbeit  (vom Stand-
       punkt
       -----
       47*) sofort - 48*) in der Handschrift: gefallen
       
       #254# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       des Arbeiters aus) oder der Surpluswert (vom Standpunkt des Kapi-
       tals aus)  wächst. Woher dies? Die Verdopplung der Produktivkraft
       ist die Reduktion der notwendigen Arbeit [158] (für den Arbeiter)
       um 1/4  [Tag], also  auch die  Produktion des Surpluswerts um 1/4
       [Tag größer],  weil das  ursprüngliche Verhältnis gesetzt war wie
       1/2. Hätte  der Arbeiter ursprünglich 2/3 Tag arbeiten müssen, um
       einen Tag  zu leben,  so wäre der Surpluswert 1/3 gewesen, ebenso
       wie die Surplusarbeit. Die Verdopplung der Produktivkraft der Ar-
       beit hätte  also den Arbeiter befähigt, seine Arbeit für das Not-
       wendige zu beschränken auf die Hälfte von 2/3 oder 2/(3 x 2), 2/6
       oder 1/3  Tag, und  der Kapitalist  würde 1/3 [Tag] Wert gewonnen
       haben. Die  gesamte Surplusarbeit  aber würde  2/3 [Tag] geworden
       sein. Die  Verdopplung der Produktivkraft, die im ersten Beispiel
       in 1/4  [Tag] Surpluswert  und -arbeit  resultierte,  resultierte
       jetzt in '/3 [Tag] Surpluswert oder -arbeit.
       Der Multiplikator der Produktivkraft - die Zahl, womit sie multi-
       pliziert wird "ist also nicht der Multiplikator der Surplusarbeit
       oder des  Surpluswerts, sondern  war das ursprüngliche Verhältnis
       der im  Arbeitspreis vergegenständlichten Arbeit 1/2 der in 1 Ar-
       beitstag, der  immer als  Grenze erscheint (die Herrn Fabrikanten
       haben ihn  allerdings auch  in die  Nacht verlängert,    Z e h n-
       s t u n d e n b i l l   [130].  Sieh  den  Bericht  von  Leonhard
       Horner.) (Der  Arbeitstag selbst  hat keine Grenze am natürlichen
       Tag; er  kann   t i e f   i n   d i e  N a c h t  49*) verlängert
       werden;  dies  gehört  in  das  Kapitel  vom    Arbeits l o h n),
       vergegenständlichten Arbeit,  so ist  die Verdopplung  gleich der
       Division von  1/2 (dem  ursprünglichen 50*)  Verhältnis) durch  2
       oder 1/4.  War das  ursprüngliche Verhältnis 2/3, so ist die Ver-
       doppelung gleich  der Division  von 2/3  durch 2  51*) = 2/6 oder
       1/3. Der  Multiplikator der  Produktivkraft ist  also immer nicht
       der Multiplikator,  sondern der  Divisor des  ursprünglichen Ver-
       hältnisses, nicht  der Multiplikator seines Zählers, sondern sei-
       nes Nenners.  Wäre er  das erstere 52*), so entspräche der Multi-
       plikation der Produktivkraft die Multiplikation des Surpluswerts.
       Aber der Surpluswert 53*) ist immer gleich einer Division des ur-
       sprünglichen Verhältnisses durch den Multiplikator der Produktiv-
       kraft. Wenn  das ursprüngliche  Verhältnis 8/9 war, d. h. der Ar-
       beiter 8/9  Arbeitstag braucht,  um zu leben, also das Kapital im
       Austausch gegen  die lebendige  Arbeit nur  1/9 gewinnt, die Sur-
       plusarbeit gleich  1/9, so  wird der  Arbeiter nun mit der Hälfte
       von 8/9 Arbeitstag leben können, i.e., mit 8/18 = 4/9 (ob wir den
       Zähler dividieren  oder den  Nenner multiplizieren dasselbe), und
       der Kapitalist, der nun den ganzen Tag
       -----
       49*) In der Handschrift: Arbeit - 50*) in der Handschrift: (durch
       das ursprüngliche  - 51*) in  der Handschrift:  durch 3 - 52*) in
       der Handschrift:  letztre -  53*) sollte eigentlich  heißen:  das
       Wachstum des Surpluswerts
       
       #255# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
        arbeiten  läßt, hätte einen ganzen Surpluswert von 5/9  54*) Ar-
       beitstag; davon abgezogen den ursprünglichen Surpluswert von 1/9,
       läßt 4/9   55*).  Die Verdopplung  der Produktivkraft hier also =
       Wachstum des  Surpluswerts oder  [der] Surpluszeit  um 4/9  56*).
       Dies kommt  einfach daher,  daß der  Surpluswert immer gleich ist
       dem Verhältnis  des ganzen  Arbeitstags zu  dem Teil des Arbeits-
       tags, der  nötig, um  den Arbeiter am Leben zu erhalten. Die Ein-
       heit, wonach sich der Surpluswert berechnet, ist immer ein Bruch,
       i.e. der  bestimmte Teil  eines Tags,  der exakt den Arbeitspreis
       repräsentiert. Ist  dieser =  1/2, so ist die Vermehrung 57*) der
       ¦¦29¦ Produktivkraft = der Reduzierung der notwendigen Arbeit auf
       1/4; ist  sie =  1/3, so  Verminderung der notwendigen Arbeit auf
       1/6; also im ersten [Fall] der totale Surpluswert = 3/4; im zwei-
       ten =  5/6,; der relative Surpluswert [159], d.h. der im Verhält-
       nis zu  dem früher  vorhandnen, im  ersten Fall  = 74, im zweiten
       gleich 1/6  58*).
       Der Wert  des Kapitals  wächst also  nicht im  selben Verhältnis,
       worin die  Produktivkraft sich  vermehrt, sondern  im Verhältnis,
       worin die  Vermehrung der  Produktivkraft, der  Multiplikator der
       Produktivkraft, den Bruchteil des Arbeitstags, der seinen dem Ar-
       beiter angehörigen Teil ausdrückt, dividiert. Um wieviel die Pro-
       duktivkraft der Arbeit den Wert des Kapitals vermehrt, hängt also
       von dem ursprünglichen Verhältnis ab, worin der Anteil der im Ar-
       beiter vergegenständlichten  Arbeit zu  seiner lebendigen  Arbeit
       steht. Dieser  Anteil drückt sich immer aus als ein Bruchteil des
       ganzen Arbeitstags,  1/3, 2/3, etc. Die Vermehrung der Produktiv-
       kraft, d.h.  ihre Multiplikation  durch eine  gewisse Anzahl, ist
       gleich einer  Division des  Zählers oder  der Multiplikation  des
       Nenners dieses  Bruchteils durch  dieselbe Anzahl.  Wie groß oder
       klein also  die Vermehrung des Werts ist, hängt nicht nur von der
       Zahl ab,  die die  Vervielfältigung der Produktivkraft ausdrückt,
       sondern ebensosehr  von dem  vorher gegebnen  Verhältnis, das den
       59*) dem  Arbeitspreis gehörigen  Teil des  Arbeitstags ausmacht.
       Ist dieses  Verhältnis 73,  so ist die Verdopplung der Produktiv-
       kraft des  Arbeitstages = einer Reduktion desselben auf 1 ist sie
       2/3, so  Reduktion desselben auf 2/6. Die vergegenständlichte Ar-
       beit, die  im Arbeitspreis  enthalten ist, ist immer gleich einem
       Bruchteil des  ganzen Tags;  immer, arithmetisch ausgedrückt, ein
       Bruch; stets  ein Zahlenverhältnis,  nie eine einfache Zahl. Wenn
       die Produktivkraft  sich  verdoppelt,  mit  2  multipliziert,  so
       braucht der  Arbeiter nur noch 1/2 der früheren Zeit zu arbeiten,
       um den  Arbeitspreis herauszuschlagen;  aber es hängt von dem er-
       sten gegebnen Verhältnis ab, nämlich von der Zeit, die er vor der
       Vermehrung der Produktivkraft
       -----
       54*) In der  Handschrift: 4/9 - 55*) in der Handschrift: 3/9 oder
       1/3 -  56*) in der Handschrift: 1/3 - 57*) sollte eigentlich hei-
       ßen: Verdoppelung  - 58*) in  der Handschrift:  2/6  oder  1/3  -
       59*) in der Handschrift: das das
       
       #256# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       so brauchte,  wieviel Arbeitszeit  er nun  noch zu  diesem  Behuf
       braucht. Der  Multiplikator der  Produktivkraft ist  der  Divisor
       dieses ursprünglichen  Bruchteils. Der  [surplus] Wert  oder  die
       Surplusarbeit wächst  daher nicht  in demselben  numerischen Ver-
       hältnis wie  die Produktivkraft. Ist das ursprüngliche Verhältnis
       1/2 und  die Produktivkraft  verdoppelt, so  reduziert  sich  die
       n o t w e n d i g e   (für den Arbeiter) Arbeitszeit auf 1/4, und
       der Surpluswert  wächst nur  um 1/4.  Ist die Produktivkraft ver-
       vierfacht, so  wird das  ursprüngliche Verhältnis  1/8,  und  der
       [surplus] Wert  wächst nur  um 3/8  60*). Der [surplus] Wert kann
       nie gleich  dem ganzen Arbeitstag sein; d.h., ein bestimmter Teil
       des Arbeitstags  muß stets  gegen die  in dem  Arbeiter vergegen-
       ständlichte Arbeit  ausgetauscht werden.  Der Mehrwert  ist über-
       haupt nur  Verhältnis der  lebendigen Arbeit  zu der  im Arbeiter
       vergegenständlichten;     d a s     e i n e    G l i e d    d e s
       V e r h ä l t n i s s e s     m u ß      d a h e r      i m m e r
       b l e i b e n.   Schon dadurch,  daß das  Verhältnis konstant ist
       als Verhältnis,  obgleich seine  Faktoren wechseln,  ist ein  be-
       stimmtes Verhältnis  zwischen Vermehrung  der Produktivkraft  und
       Vermehrung des  Werts gegeben. Einerseits sehn wir daher, daß der
       relative Surpluswert  exakt gleich  ist der  relativen Surplusar-
       beit: war der [notwendige] Arbeitstag 1/2 und verdoppelt sich die
       Produktivkraft, so  reduziert sich  der dem Arbeiter gehörige An-
       teil, die   n o t w e n d i g e   A r b e i t,   auf 1/4, und der
       neu  hinzukommende   Wert  ist  auch  exakt  1/4;  aber  der  To-
       tal[surplus]wert ist  nun 3/4. Während der Surpluswert um 1/4 ge-
       stiegen ist, also im Verhältnis von 1:4, ist der Totalsurpluswert
       = 3/4 = 3:4.
       Nehmen wir nun an, V4 sei der  n o t w e n d i g e  ursprüngliche
       Arbeitstag gewesen,  und  Verdopplung  der  Produktivkraft  fände
       statt, so  wird die  notwendige Arbeit reduziert auf 1/8, und die
       [vermehrte] Surplusarbeit oder [der vermehrte surplus] Wert exakt
       = 1/8  = 1:8.  Dagegen ist  der Totalsurpluswert = 7:8. Im ersten
       Beispiel war  der ursprüngliche  Totalsurpluswert =1:2  (1/2) und
       stieg nun  auf 3:4;  im zweiten Fall war der ursprüngliche Total-
       surpluswert 3/4  und ist  nun gestiegen  auf 7:8 (7/8). Im ersten
       Fall ist  er gewachsen  von 1/2  oder 2/4 auf 3/4; im zweiten von
       3/4 oder  6/8 auf  7/8; im ersten Fall um 1/4, im zweiten um 1/8;
       d.h., im  ersten Fall  ist er  doppelt so  hoch gestiegen, wie im
       zweiten; ¦¦30¦  abelr im ersten Fall ist der Totalsurpluswert nur
       3/4 "oder 6/8, während er im zweiten 7/8 ist, also 1/8 mehr.
       Gesetzt, die   n o t w e n d i g e  A r b e i t  1/16, so der to-
       tale Surpluswert  = 15/16;  der im vorigen Verhältnis [160] 6/8 =
       12/16   61*) war; also der totale Surpluswert, der vorausgesetzt,
       ist höher  um 3/16   62*)  als im  vorigen Fall. Gesetzt nun, die
       Produktivkraft verdopple  sich, so  die notwendige Arbeit = 1/32;
       die früher  = 2/32  (1/16) war;  also ist die Surpluszeit um 1/32
       gestiegen, also auch der Surpluswert.
       -----
       60*) In der  Handschrift: 1/8  - 61*) in  der Handschrift:  5/8 =
       10/16 - 62*)in der Handschrift: 5/16
       
       #257# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       Betrachten wir den totalen Surpluswert, der 15/]6 oder 30/32 war,
       so ist  er jetzt 31/32. Verglichen mit dem frühern Verhältnis (wo
       die   n o t w e n d i g e  Arbeit 1/4 war oder 8/32), ist der To-
       talsurpluswert jetzt  31/32, während  er früher  nur 28/32   63*)
       war, also  um 3/32  64*) gewachsen. Aber relativ betrachtet, ver-
       mehrte er  sich im  ersten Fall durch die Verdopplung der Produk-
       tion um  1/8 oder 4/32, während er sich jetzt nur vermehrt hat um
       1/32, also um 3/32 weniger.
       Wäre die   n o t w e n d i g e   A r b e i t  schon reduziert auf
       1/1000, so  wäre der  Total Surpluswert  = 999/1000.  Vertausend-
       fachte   sich    nun   die    Produktivkraft,   so    fiele   die
       n o t w e n d i g e   A r b e i t  auf 1/1 000 000 Arbeitstag und
       der Totalsurpluswert betrüge 999 999/1 000 000 eines Arbeitstags;
       während er  vor dieser Vermehrung der Produktivkraft nur 999/1000
       oder  999 000/1 000 000   betrug;  er   wäre  also  gewachsen  um
       999/1 000 000 = 1/1001  65*)
                       1
       (dazu noch ------------), 66*) d.h., das Totalsurplus wäre
                  1001 + 1/999
       mit der Vertausendfachung der Produktivkraft noch nicht um 1/1001
       67*) gestiegen,  d.h. noch  nicht um  3/3003  68*), während es im
       vorigen Fall  durch bloße  Verdopplung der Produktivkraft um 1/32
       stieg. Fällt die notwendige Arbeit von 1/1000 auf 1/1 000 000, so
       fällt sie  exakt um 999/1 000 000 (denn 1/1000 = 1000/1 000 000),
       d.h. um den Surpluswert 69*).
       Resümieren wir dies, so finden wir:
       E r s t e n s:   Die Vermehrung der Produktivkraft der lebendigen
       Arbeit vermehrt  den   W e r t  des Kapitals (oder vermindert den
       Wert des  Arbeiters) nicht  dadurch, daß  sie das Quantum der mit
       derselben Arbeit  geschaffnen Produkte  oder Gebrauchswerte  ver-
       mehrt -  Produktivkraft der Arbeit ist ihre Naturkraft ", sondern
       weil sie  die   n o t w e n d i g e   Arbeit vermindert,  also in
       demselben Verhältnis, worin sie diese vermindert,  S u r p l u s-
       a r b e i t   oder, was  dasselbe ist,  Surpluswert schafft; weil
       der Mehrwert  des Kapitals,  den es  durch den  Produktionsprozeß
       erlangt, überhaupt  nur in  dem Überschuß  der Surplusarbeit über
       die   n o t w e n d i g e   A r b e i t   besteht. Die Vermehrung
       der Produktivkraft  kann die  Surplusarbeit nur  vermehren - d.h.
       den Überschuß  der im  Kapital als  Produkt  vergegenständlichten
       Arbeit über  die in  dem  Tauschwert  des  Arbeitstags  vergegen-
       ständlichte Arbeit,  soweit  sie  das  Verhältnis  der    n o t -
        w e n d i g e n   A r b e i t   zur    S u r p l u s a r b e i t
       vermindert, und  nur in dem Verhältnis, worin sie dies Verhältnis
       vermindert. Der  Surpluswert ist  exakt gleich der Surplusarbeit;
       die Vermehrung  des einen  exakt gemessen  durch die Verminderung
       der  n o t w e n d i g e n  A r b e i t.
       -----
       63) In der  Handschrift: 20/32 - 64*) in der Handschrift: 11/32 -
       65*) in der Handschrift: 1/11 - 66*) in der Handschrift:
                      1
       (dazu noch ----------)
                  11 + 1/999
       67*) in der  Handschrift: 1/11  - 68*) in der Handschrift: 3/33 -
       69*) sollte eigentlich heißen: um den Zuwachs des Surpluswerts
       
       #258# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Z w e i t e n s.   Der Mehrwert  des Kapitals vermehrt sich nicht
       wie der Multiplikator der Produktivkraft, d. h. die Anzahl, worin
       die Produktivkraft  (als Einheit,  als Multiplikand gesetzt) sich
       vermehrt; sondern  um das  Surplus des  Bruchteils des lebendigen
       Arbeitstags, der  ursprünglich die  notwendige Arbeit  darstellt,
       über diesen  selben Bruchteil,  dividiert durch den Multiplikator
       der  Produktivkraft.   Also,  wenn   die      n o t w e n d i g e
       A r b e i t   = 1/4 des lebendigen Arbeitstags und die Produktiv-
       kraft sich  verdoppelt, so  wächst der Wert des Kapitals nicht um
       das Doppelte,  sondern ¦¦31¦  um 1/8; welches gleich ist 1/4 oder
       2/8 (der ursprüngliche Bruchteil des Arbeitstags, der die notwen-
       dige Arbeit darstellt) - 1/4 dividiert durch 2 oder = 2/8 - 1/8 =
       1/8- (Der  Wert verdoppelt sich, kann auch ausgedrückt werden, er
       4/2 oder  16/8 sich.  Wäre also im obigen Beispiel die Produktiv-
       kraft um  10/8 gewachsen,  so der Profit nur um 1/8. Sein Wachsen
       verhielte sich  zu dem  der Produktivkraft = 1:16. [161] (That is
       it! 70*))  War der Bruchteil 1/1000 und wächst die Produktivkraft
       um das Tausendfache, so wächst der Wert des Kapitals nicht um das
       Tausendfache, sondern  noch nicht  um 1/1001   71*); er wächst um
       1/1000 -  1/1 000 000, d.h.  um 1000/1 000 000  -  1/1 000 000  =
       999/1 000 000.)
       Also hängt  die   a b s o l u t e   S u m m e,  worin das Kapital
       seinen Wert  durch eine  bestimmte Vermehrung  der Produktivkraft
       vermehrt, ab von dem  g e g e b n e n  B r u c h t e i l  des Ar-
       beitstags, von  dem aliquoten  72*) Teil  des Arbeitstags ab, der
       die   n o t w e n d i g e   Arbeit darstellt und der also das ur-
       sprüngliche Verhältnis  der notwendigen Arbeit zum lebendigen Ar-
       beitstag ausdrückt.  Die Vermehrung  der Produktivkraft  in einem
       bestimmten Verhältnis  kann also  den Wert  des Kapitals  in  den
       v e r s c h i e d n e n   L ä n d e r n  z.B. verschieden vermeh-
       ren. Eine allgemeine Vermehrung der Produktivkraft im selben Ver-
       hältnis kann den Wert des Kapitals in den verschiednen Industrie-
       zweigen verschieden vermehren und wird dies tun, je nach dem ver-
       schiednen Verhältnis in diesen Zweigen der  n o t w e n d i g e n
       A r b e i t   zum lebendigen Arbeitstag. Dies Verhältnis wäre na-
       türlich in  einem System  der freien Konkurrenz dasselbe in allen
       Geschäftszweigen, wenn  die Arbeit  überall einfache Arbeit wäre,
       also die   n o t w e n d i g e  A r b e i t  dieselbe. (Dieselben
       Quanten vergegenständlichter Arbeit darstellte.)
       D r i t t e n s:   Je größer  der Surpluswert des Kapitals  v o r
       d e r   V e r m e h r u n g   d e r  P r o d u k t i v k r a f t,
       je größer das Quantum der vorausgesetzten Surplusarbeit oder Sur-
       pluswerts des  Kapitals oder je kleiner bereits der Bruchteil des
       Arbeitstags, der das Äquivalent des Arbeiters bildet, die notwen-
       dige Arbeit  ausdrückt, desto  geringer ist das Wachstum des Sur-
       pluswerts, das  das Kapital von der Vermehrung der Produktivkraft
       erhält. Sein Surpluswert steigt, aber in immer geringrem Verhält-
       nis zur Entwicklung der Produktivkraft. Je entwickelter also
       -----
       70*) So ist das! - 71*) in der Handschrift: 1/11 - 72*) ohne Rest
       aufgehenden
       
       #259# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
       -----
       schon das Kapital, je mehr Surplusarbeit es geschaffen hat, um so
       furchtbarer muß  es die Produktivkraft entwickeln, um sich nur in
       geringem Verhältnis  verwerten, d.  h. Mehrwert  zuzufügen - weil
       seine Schranke immer bleibt das Verhältnis zwischen dem Bruchteil
       des Tages,  der die  n o t w e n d i g e  A r b e i t  ausdrückt,
       und dem  ganzen Arbeitstag. Innerhalb dieser Grenzen kann es sich
       allein bewegen.  Je kleiner  schon der  Bruchteil,  der  auf  die
       n o t w e n d i g e   Arbeit fällt, je größer die  S u r p l u s-
       a r b e i t,   desto weniger  kann irgendeine Vermehrung der Pro-
       duktivkraft die  notwendige Arbeit  sensibly 73*)  vermindern; da
       der Nenner enorm gewachsen ist. Die Selbstverwertung des Kapitals
       wird schwieriger  im  Maße,  wie  es  schon  verwertet  ist.  Die
       Vermehrung der  Produktivkräfte würde  dem Kapital  gleichgültig;
       die Verwertung selbst, weil ihre Proportionen minim 74*) geworden
       sind;  und   es  hätte  aufgehört,  Kapital  zu  sein.  Wäre  die
       notwendige Arbeit  1/1000 und  verdreifachte sich  die Produktiv-
       kraft, so  würde sie  nur fallen [auf] 1/3000 oder die Surplusar-
       beit wäre  nur gewachsen um 2/3000. Es geschieht dies aber nicht,
       weil der Arbeitslohn gewachsen oder der Anteil der Arbeit am Pro-
       dukt, sondern  weil er  s c h o n  so tief gefallen ist, betrach-
       tet im  Verhältnis zum  Produkt der  Arbeit oder  zum  lebendigen
       Arbeitstag.
       {Die im  Arbeiter  vergegenständlichte  Arbeit  zeigt  sich  hier
       selbst als  Bruchteil   s e i n e s   e i g n e n  l e b e n d i-
       g e n   A r b e i t s t a g s;   denn das ist dasselbe, als worin
       die vergegenständlichte  Arbeit, die  er  vom  Kapital  als  Lohn
       erhält, zum ganzen Arbeitstag steht.}
       (Alle diese  Sätze nur richtig in dieser Abstraktion für das Ver-
       hältnis auf dem jetzigen Standpunkt. Es werden weitre Beziehungen
       hineinkommen, die  sie bedeutend  modifizieren. Das Ganze, soweit
       es sich  nicht ganz  im  allgemeinen  [darstellt],    g e h ö r t
       ü b e r h a u p t   s c h o n   i n   d i e    L e h r e    v o m
       P r o f i t.)
       Soviel zunächst  im allgemeinen:  Die Entwicklung  der Produktiv-
       kraft der  Arbeit -  erst das Setzen der Surplusarbeit - ist not-
       wendige Bedingung  für das Wachstum des Werts oder die Verwertung
       des Kapitals.  Als unendlicher  Trieb der  Bereicherung strebt es
       also nach  unendlicher Vermehrung  der Produktivkräfte der Arbeit
       und ruft  sie ins  Leben. Aber  andrerseits, jede  Vermehrung der
       Produktivkraft der  Arbeit -  abgesehn davon,  daß  sie  die  Ge-
       brauchswerte für  den Kapitalisten  vermehrt - ist Vermehrung der
       Produktivkraft des Kapitals und ist, vom jetzigen Standpunkt aus,
       nur Produktivkraft  der Arbeit,  insofern sie  Produktivkraft des
       Kapitals ist.
       
       #260# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       [Absoluter und relativer Mehrwert]
       
       ¦¦32¦ Soviel  ist jetzt  schon klar, kann wenigstens vorweg ange-
       deutet werden:  Die Vermehrung der Produktivkraft vermehrt an und
       für sich nicht die Preise. Z.B. der Bushel Weizen. Vergegenständ-
       lichte sich  ein halber Arbeitstag in einem Bushel Weizen und war
       dies der  Preis des  Arbeiters, so  kann die  Surplusarbeit nur 1
       1*) Bushel  Weizen produzieren. 2 Bushel Weizen also der Wert ei-
       nes Arbeitstags  und, wenn  das in  Geld =  26 sh,  = 26  sh. Der
       Bushel =  13 sh.  Verdoppelt sich  nun die Produktivkraft, so der
       Bushel Weizen  nur mehr  = 1/4  Arbeitstag; = 6 1/2 sh. Der Preis
       dieses fraktionellen  Teils der Ware durch die Produktivkraft ge-
       fallen. Aber  der Gesamtpreis geblieben 2*); aber nun Surplus von
       3/4 Arbeitstag.  Jedes Viertel = 1 Bushel Weizen = 6 1/2 sh. Also
       das Gesamtprodukt  = 26  sh =  4 Bushels.  Soviel wie früher. Der
       Wert des  Kapitals sich  vermehrt von  13 auf 18 3/2 sh. Der Wert
       der Arbeit vermindert von 13 auf 6 1/2; die materielle Produktion
       gestiegen von 2 Bushel auf 4. Jetzt 18 3/2. Verdoppelte sich auch
       die Produktivkraft  im Goldproduzieren, so daß, wenn 13 sh früher
       das Produkt  eines halben  Arbeitstags und  ein halber Arbeitstag
       die   n o t w e n d i g e  A r b e i t;  jetzt von 1/4, so produ-
       ziert 52 sh oder 52-13 oder 39 sh 3*) mehr. 1 Bushel Weizen jetzt
       = 13  sh; nach  wie vor derselbe fraktionelle Preis; aber das Ge-
       samtprodukt = 52 sh; früher nur = 26 sh. Andrerseits kauften aber
       die 52 sh jetzt 4 Bushel, während die 26 früher nur 2 kauften.
       Well. D'abord 4*) ist klar, wenn das Kapital bereits die Surplus-
       arbeit so weit gesteigert hat, daß der ganze lebendige Arbeitstag
       konsumiert wird im Produktionsprozeß (und wir nehmen hier den Ar-
       beitstag als  das natürliche  Quantum der Arbeitszeit an, das der
       Arbeiter zur Disposition stellen kann; er stellt seine Arbeitsfä-
       higkeit immer  nur für  eine   b e s t i m m t e   Z e i t,  d.h.
       b e s t i m m t e   A r b e i t s z e i t   zur Disposition),  so
       kann die Vermehrung der Produktivkraft die Arbeitszeit nicht ver-
       mehren, also  auch nicht die vergegenständlichte Arbeitszeit. Ein
       Arbeitstag ist  vergegenständlicht im Produkt, whether the neces-
       sary time of labour be represented by 6 or 3 hours, by 1/2 or 1/4
       des Arbeitstags  5*). Der  Mehrwert des  Kapitals ist  gewachsen;
       d.h. sein  Wert im Verhältnis ztim Arbeiter - denn wenn er früher
       nur =  2/4, ist  er jetzt  = 3/4 vergegenständlichte Arbeitszeit;
       aber sein  Wert ist  gewachsen nicht  weil das   a b s o l u t e,
       sondern das   r e l a t i v e   A r b e i t s q u a n t u m   ge-
       wachsen; d.h. nicht das Totalquantum der Arbeit
       -----
       1*) In der  Handschrift: 2  - 2*) in der Handschrift: gestiegen -
       3*) in der  Handschrift: 12 oder 40 sh - 4*) Gut. Zunächst 5*) ob
       die notwendige  Arbeitszeit von  sechs oder drei Stunden, von 1/2
       oder 1/4 des Arbeitstages repräsentiert wird
       
       #261# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       ist gewachsen;  es wird  nach wie  vor einen Tag gearbeitet; also
       kein absoluter Zuwachs von Surpluszeit (Surplusarbeitszeit); son-
       dern das   Q u a n t u m   d e r    n o t w e n d i g e n    A r-
       b e i t   h a t   s i c h   v e r m i n d e r t,  und dadurch hat
       sich die  relative Surplusarbeit vermehrt. Der Arbeiter arbeitete
       in fact  früher den  ganzen Tag, aber nur 1/2 Tag Surpluszeit; er
       arbeitet nach  wie vor  den ganzen  Tag, aber 3/4 Arbeitstag Sur-
       pluszeit. Insofern hat sich also der Preis (den Gold- und Silber-
       wert als  denselben vorausgesetzt)  oder der Tauschwert des Kapi-
       tals durch  die Verdoppelung  der Produktivkraft  nicht vermehrt.
       Dies betrifft  also  d i e  R a t e  d e s  P r o f i t s,  nicht
       den Preis des Produkts oder den Wert des Kapitals, das im Produkt
       wieder zu Ware geworden ist. In fact aber vermehren sich auch die
       absoluten Werte in dieser Weise, weil sich der Teil des Reichtums
       vermehrt, der  als Kapital gesetzt - als selbstverwertender Wert.
       (A k k u m u l a t i o n   d e r    K a p i t a l i e n.)   Nehme
       an, unser  früheres Beispiel  6*).   K a p i t a l  sei = 100 Ta-
       lern, und  zwar zerfalle  es  im  Produktionsprozeß  in  folgende
       Teile: 50 Taler Baumwolle, 40 Taler Arbeitslohn, 10 Taler Instru-
       ment. Nimm  zugleich an,  um die  Rechnung zu  vereinfachen,  das
       ganze Arbeitsinstrument  werde aufgezehrt in einem Produktionsakt
       (und dies  hier noch ganz gleichgültig), sein Wert erschiene also
       ganz in  der Form  des Produkts wieder. In diesem Fall setze, die
       Arbeit würde  im Austausch  gegen die  40 Taler, die die in ihrem
       lebendigen   Arbeitsvermögen    vergegenständlichte   Arbeitszeit
       ausdrücken, sage  eine  Arbeitszeit  von  4  Stunden,  geben  dem
       Kapital 8  Stunden. Das Instrument und Rohmaterial vorausgesetzt,
       würde das Gesamtprodukt betragen 100 Taler, wenn der Arbeiter nur
       4 Stunden  arbeitet, d.h.,  wenn ihm  das Rohmaterial und das In-
       strument gehörte  und er nur 4 Stunden arbeitete. Er würde die 60
       Taler um 40 vermehren, die er verzehren könnte, da er erstens die
       60 Taler  - das  zur Produktion nötige Rohmaterial und Instrument
       ersetzt und  ihnen einen  Mehrwert von 40 Talern hinzugefügt, als
       Reproduktion seines  eignen lebendigen  Arbeitsvermögens oder der
       in ihm  7*) vergegenständlichten Zeit. Er könnte die Arbeit immer
       wieder von  neuem beginnen, da er im Produktionsprozeß sowohl den
       ¦¦33¦  Wert   des  Rohmaterials   als  des  Instruments  als  des
       Arbeitsvermögens  reproduziert   hatte,  und  zwar  des  letztren
       dadurch, daß  er beständig  den Wert  der erstren  um  4  Stunden
       vergegenständlichte Arbeit  vermehrt. Nun aber erhielte er die 40
       Taler Arbeitslohn nur mehr, indem er 8 Stunden arbeitet, also dem
       Arbeitsmaterial und  Instrument, die ihm jetzt als Kapital gegen-
       überstehn, einen  Mehrwert von 80 Talern gegeben; während der er-
       ste Mehrwert  von 40 Talern, den er ihnen gab, exakt nur der Wert
       seiner Arbeit.  Er würde so hinzufügen einen Mehrwert exakt = der
       Surplusarbeit oder Surpluszeit.
       -----
       6*) Siehe vorl. Band, S. 233-237 - 7*) in der Handschrift: ihr
       
       #262# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       {Es ist durchaus für den Punkt, wo wir hier stehn, noch nicht nö-
       tig anzunehmen,  daß mit  der Surplusarbeit oder Surpluszeit sich
       auch das  Material und  Instrument vermehren  muß. Wie  die bloße
       Surplusarbeit den  Rohstoff vermehrt,  sieh Babbage,  z. B. Gold-
       drahtarbeiten etc. [162]}
       Der Wert des Kapitals wäre also von 100 Talern auf 140 vermehrt.
       {Nimm noch  an, das Rohmaterial verdopple sich und das Arbeitsin-
       strument wachse (der einfachen Rechnung wegen) [in demselben Ver-
       hältnis]. So  würden die Auslagen des Kapitals jetzt betragen 100
       Taler Baumwolle, 20 Taler Instrument, also 120 Taler, und für die
       Arbeit nach  wie vor 40 Taler; altogether 8*) 160 Taler. Vermehrt
       die Surplusarbeit von 4 Stunden 100 Taler um 40%, so vermehrt sie
       160 Taler  um 64  Taler. Also das Gesamtprodukt = 224 Taler. Hier
       ist vorausgesetzt, daß die Rate des Profits mit der Größe des Ka-
       pitals dieselbe  bleibt, und Arbeitsmaterial und -instrument sind
       nicht selbst  schon betrachtet  als Realisierungen von Surplusar-
       beit, Kapitalisierung  von Surplusarbeit;  wie wir gesehn 9*), je
       größer die  schon gesetzte  Surpluszeit, d.h. die Größe des Kapi-
       tals als  solchen, desto mehr vorausgesetzt, daß  a b s o l u t e
       V e r m e h r u n g   d e r  A r b e i t s z e i t  unmöglich und
       relative durch  Vermehrung der  Produktivkraft  in  geometrischer
       Proportion declining 10*).
       Das Kapital  nun, als einfacher Tauschwert betrachtet, wäre abso-
       lut größer,  140 Taler statt 100; aber in fact wäre nur ein neuer
       Wert geschaffen,  d.h. ein Wert, der nicht bloß nötig ist, um die
       60 Taler  Vorlagen für  das Arbeitsmaterial und Instrument und 40
       Taler für  die Arbeit  zu ersetzen, ein neuer Wert von 40 Talern.
       Um 40 Taler wären die in Zirkulation befindlichen Werte vermehrt,
       um 40 Taler mehr vergegenständlichte Arbeitszeit.
       Setze nun  dieselbe Voraussetzung.  100 Taler Kapital; nämlich 50
       für Baumwolle, 40 Taler für Arbeit, 10 für Produktionsinstrument;
       die Surplusarbeitszeit  bleibe dieselbe wie im vorigen Fall, näm-
       lich 4 Stunden und die gesamte Arbeitszeit 8 Stunden. So das Pro-
       dukt in allen Fällen nur = 8 Stunden Arbeitszeit = 140 Taler. Ge-
       setzt nun,  die Produktivkraft  der Arbeit verdopple sich; d.h. 2
       Stunden genügten  dem Arbeiter, um Rohstoff und Instrument soweit
       zu verwerten,  als zur  Erhaltung seines  Arbeitsvermögens nötig.
       Wären 40  Taler vergegenständlichte  Arbeitszeit in  Silber von 4
       Stunden, so  werden 20  Taler die vergegenständlichte Arbeitszeit
       von 2  Stunden sein.  Diese 20  Taler drücken jetzt denselben Ge-
       brauchswert aus  wie früher  die 40 Taler. Der Tauschwert des Ar-
       beitsvermögens hat sich vermindert um die Hälfte, weil die Hälfte
       der ursprünglichen  Arbeitszeit denselben  Gebrauchswert schafft,
       der Tauschwert  des Gebrauchswerts  aber rein  gemessen ist durch
       die in ihm
       -----
       8*)  alles   zusammen  -  9*) siehe  vorl.  Band,  S.  358/259  -
       10*) sinkend
       
       #263# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       vergegenständlichte Arbeitszeit.  Der Kapitalist  läßt aber  nach
       wie vor  den Arbeiter 8 Stunden arbeiten, und sein Produkt reprä-
       sentiert also  nach wie  vor eine  Arbeitszeit von 8 Stunden = 80
       Talern Arbeitszeit,  während der Wert von Rohstoff und Instrument
       11*) derselbe  geblieben, nämlich 60 Taler; altogether wie vorhin
       140 Taler.  (Der Arbeiter  selbst hätte nur mehr nötig gehabt, um
       zu leben, den 60 Talern Rohstoff und Instrument einen Wert von 20
       Talern hinzuzufügen; er hätte also nur mehr einen Wert von 80 Ta-
       lern geschaffen.  Der Gesamtwert  seines Produkts würde sich ver-
       mindert haben  durch die  Verdopplung der  Produktion von 100 auf
       80, um 20 Taler, d.h. um 1/5 von 100 = 20%.) Aber die Surpluszeit
       oder Surpluswert des Kapitals ist jetzt 6 Stunden statt 4 oder 60
       Taler statt 40. Sein Zuwachs ist 2 Stunden, 20 Taler. Seine Rech-
       nung würde sich nun so machen: Für Rohmaterial 50, für Arbeit 20,
       für Instrument  10; Auslagen  = 80  Taler. Gewinn  = 60 Taler. Er
       würde das Produkt nach wie vor zu 140 Taler verkaufen, aber einen
       Gewinn von  60 statt  früher von  40 Talern ziehn. Nach der einen
       Seite hin  wirft er also nur denselben Tauschwert in die Zirkula-
       tion wie früher, 140 Taler. Der Mehrwert seines Kapitals ist aber
       um 20  Taler gewachsen. Danach also nur der Anteil, den er an den
       140 Talern hat, die Rate seines Profits. Der Arbeiter hat in fact
       2 Stunden  länger gratis  für ihn  gearbeitet; nämlich  6 Stunden
       statt 4,  und es ist für ihn dasselbe, als wenn er unter dem frü-
       heren  Verhältnis   statt  8   Stunden   10   gearbeitet,   seine
       a b s o l u t e  A r b e i t s z e i t  vermehrt hätte.
       Aber es  ist in der Tat auch ein  N e u w e r t  entstanden; näm-
       lich 20  Taler mehr sind als  s e l b s t ä n d i g e r  Wert ge-
       setzt, als  vergegenständlichte Arbeit, die freigeworden, entbun-
       den ist  davon, nur zum Austausch für die frühere Arbeitskraft zu
       dienen. Dies  kann doppelt sich darstellen. Entweder wird mit den
       20 Talern  soviel  mehr  Arbeit  in  Bewegung  gesetzt,  wie  sie
       K a p i t a l   werden und vergrößerten Tauschwert schaffen: mehr
       vergegenständlichte Arbeit  zum Ausgangspunkt des neuen Produkti-
       onsprozesses machen; oder der Kapitalist tauscht die 20 Taler als
       Geld aus gegen Waren außer denen, die er in seiner Produktion als
       industrielles ¦¦34¦  Kapital braucht;  sämtliche Waren  außer der
       Arbeit und  dem Geld selbst tauschen sich also aus gegen 20 Taler
       mehr; gegen  2 Stunden  vergegenständlichte Arbeitszeit mehr. Ihr
       T a u s c h w e r t    ist  also  um  eben  diese    f r e i g e-
       w o r d n e   S u m m e   gestiegen. In  fact, 140 Taler sind 140
       Taler, wie  der  sehr  "scharfsinnige"  französische  Herausgeber
       [163] der  Physiokraten gegen   B o i s g u i l l e b e r t   be-
       merkt. Aber  es ist  falsch, daß  diese 140  Taler nur  mehr  Ge-
       brauchswert repräsentieren; sie repräsentieren einen größren Teil
       von     s e l b s t ä n d i g e m     T a u s c h w e r t,    von
       G e l d,    von    l a t e n t e m    K a p i t a l;    also  als
       R e i c h t u m
       -----
       11*) In der Handschrift: Material
       
       #264# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       gesetztem Reichtum.  Dies geben  die Ökonomen selbst zu, wenn sie
       sich später  durch die  Akkumulation der Kapitalien nicht nur die
       Masse der Gebrauchswerte, sondern auch der  T a u s c h w e r t e
       akkumulieren lassen;  da das Element der Akkumulation der Kapita-
       lien nach  Ricardo selbst  durch die  relative Surplusarbeit ganz
       ebenso vollständig gesetzt ist - wie es denn nicht anders möglich
       ist - als durch die absolute.
       Andrerseits liegt  es schon  in der  von Ricardo selbst am besten
       entwickelten Aufstellung,  daß diese überschüssigen 20 Taler, die
       rein durch  die Vermehrung  der Produktivkraft  geschaffen  sind,
       wieder Kapital  werden können.  [1649 Von  den 140 Talern konnten
       früher (den  Konsum des Kapitals einstweilen außer Acht gelassen)
       nur 40  neues Kapital  werden; 100  wurden nicht Kapital, sondern
       blieben Kapital;  jetzt 60,  also ist ein um einen Tauschwert von
       20  Talern   größres  Kapital  vorhanden.  Die  Tauschwerte,  der
       R e i c h t u m   a l s   s o l c h e r   hat sich also vermehrt,
       obgleich nach  wie vor  die Gesamtsumme desselben  n i c h t  un-
       mittelbar gewachsen  ist. Warum  hat er  sich vermehrt?  Weil der
       Teil der Gesamtsumme sich vermehrt hat, der nicht bloß Zirkulati-
       onsmittel, sondern  Geld oder  der nicht bloß Äquivalent, sondern
       f ü r   s i c h   s e i e n d e r  T a u s c h w e r t.  Entweder
       würden die  20 freigewordnen  Taler als Geld akkumuliert, d.h. in
       der abstrakten  Form des  Tauschwerts den vorhandnen Tauschwerten
       zugefügt; oder  sie alle zirkulieren, und dann steigen die Preise
       der damit gekauften Waren; sie repräsentieren alle mehr Gold, und
       da die  Produktionskost des  Goldes nicht  gefallen ist (vielmehr
       gestiegen im  Verhältnis zu der mit dem produktiver gewordnen Ka-
       pital produzierten  Ware) mehr  vergegenständlichte Arbeit  (dies
       führt dazu,  daß der  Überschuß, der  anfangs auf  der Seite  des
       einen produzierenden Kapitals erschien, nun auf der Seite der an-
       dren erscheint, die die teurer gewordnen Waren produzieren); oder
       die 20  Taler werden  direkt von  dem ursprünglich zirkulierenden
       Kapital selbst als Kapital vernutzt. So ist ein neues Kapital von
       20 Talern - Summe sich selbst erhaltenden und verwertenden Reich-
       tums -  gesetzt. Das  Kapital ist um den Tauschwert von 20 Talern
       gestiegen.
       (Die Zirkulation  geht uns  eigentlich noch  nichts an, da wir es
       hier mit  Kapital überhaupt  zu tun haben und die Zirkulation nur
       vermitteln kann  zwischen der Form des Kapitals als Geld und sei-
       ner Form  als Kapital; das erste Kapital mag das Geld als solches
       realisieren, d.h.  gegen Waren austauschen, die es mehr verzehrt,
       als es früher verzehrte; in der Hand des Produzenten dieser Waren
       wird dies  Geld aber  zu Kapital.  Es wird also zu Kapital in der
       Hand direkt des ersten Kapitals oder auf einem Umwege, eines and-
       ren Kapitals. Das andre Kapital ist aber immer wieder Kapital als
       solches; und  wir haben  es hier  mit dem   K a p i t a l   a l s
       s o l c h e m  zu tun, say the capital of the
       
       #265# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       whole society  12*). Die Verschiedenheit etc. der Kapitalien geht
       uns noch nicht an.)
       Diese 20 Taler können überhaupt nur in doppelter Form erscheinen.
       Als Geld,  so daß das Kapital selbst wieder in der Bestimmung von
       noch nicht  zu Kapital gewordnem Geld - seinem Ausgangspunkt exi-
       stiert; der  abstraktselbständigen Form  des Tauschwerts oder des
       allgemeinen Reichtums;  oder selbst  wieder als Kapital, als neue
       Herrschaft vergegenständlichter  Arbeit über lebendige. {Die Pro-
       duktivkraft hat  sich verdoppelt, ist um 100% gestiegen, der Wert
       des Kapitals  ist gestiegen  um 50  13*) % in dem angegebnen Bei-
       spiel.} (Jede  Vermehrung der Masse des angewandten Kapitals kann
       die  P r o d u k t i v k r a f t  vermehren in nicht nur arithme-
       tischem, sondern  geometrischem Verhältnis; während es den Profit
       eben dann  - als  Vermehrer der  Produktivkraft - nur in viel ge-
       ringrem Verhältnis vermehren kann. Die Wirkung der Vermehrung des
       Kapitals auf die Vermehrung der Produktivkraft ist also unendlich
       höher als  die der Vermehrung der Produktivkraft auf das Wachstum
       des Kapitals.)  Als allgemeiner  Reichtum, materialisiert  in der
       Form des  Geldes  (des  Dings,  wo  es  nur  abstrakt  ist)  oder
       n e u e r  lebendiger Arbeit.
       Von den  140 Talern  konsumiert der  Kapitalist sage  20 als  Ge-
       brauchswerte für  sich selbst vermittelst des Geldes als Zirkula-
       tionsmittel. So konnte er in der ersten Voraussetzung nur mit ei-
       nem größren Kapital, mit größrem Tauschwert von 120 Talern (gegen
       100) den  Prozeß der Selbstverwertung beginnen. Nach der Verdopp-
       lung der  Produktivkräfte kann  er es  mit 140 Talern, ohne seine
       Konsumtion einzuschränken. Ein größrer Teil der Tauschwerte befe-
       stigt sich als Tauschwert, statt im Gebrauchswert zu verschwinden
       (mag er  sich nun so befestigen direkt oder vermittelt durch Pro-
       duktion). Größres  Kapital  schaffen  heißt,  größren  Tauschwert
       schaffen, obgleich  der Tauschwert  in seiner    u n m i t t e l-
       b a r e n   F o r m   als einfacher  Tauschwert nicht  durch  das
       Produktivitätswachstum vermehrt  worden ist,  ist er es in seiner
       potenzierten Form  als   K a p i t a l.   Dies größre Kapital von
       140 Talern  repräsentiert absolut mehr vergegenständlichte Arbeit
       als früher das Kapital von 120 Talern.
       ¦¦35¦ Es  setzt daher  auch, wenigstens verhältnismäßig, mehr le-
       bendige Arbeit  in Bewegung  und reproduziert daher auch schließ-
       lich größren  einfachen Tauschwert. Das Kapital von 120 Talern zu
       40% produzierte  ein Produkt oder einfachen Tauschwert von 60 Ta-
       lern zu  40%; das  Kapital von 140 Talern einen einfachen Tausch-
       wert [von]  64 Talern.  [165] Hier  ist dann  die Vermehrung  des
       Tauschwerts in der Form des Kapitals auch unmittelbar gesetzt als
       Vermehrung des Tauschwerts in seiner einfachen Form.
       -----
       12*) sagen wir  dem Kapital der ganzen Gesellschaft - 13*) in der
       Handschrift: 20
       
       #266# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Es ist von der höchsten Wichtigkeit, dies festzuhalten. Es genügt
       nicht, wie  Ricardo zu  sagen, der Tauschwert vermehrt sich nicht
       [166]: i.e.  die abstrakte  Form des  Reichtums; sondern  nur der
       Tauschwert als Kapital. Er hat dabei bloß den ursprünglichen Pro-
       duktionsprozeß im Auge. Aber wenn sich die relative Surplusarbeit
       vermehrt - und daher das Kapital sich absolut vermehrt -, so ver-
       mehrt  sich   notwendig  innerhalb   der  Zirkulation   auch  der
       r e l a t i v e    a l s    Tauschwert    e x i s t i e r e n d e
       T a u s c h w e r t,  das Geld als solches, und darum, durch Ver-
       mittlung   des   Produktionsprozesses,   der      a b s o l u t e
       T a u s c h w e r t.   In andren  Worten, von  demselben  Quantum
       Tauschwert -  oder Geld  - und in dieser einfachen Form erscheint
       das Produkt  des Verwertungsprozesses - (Mehrwert ist das Produkt
       nur in Beziehung zum Kapital, dem Werte, wie er vor dem Produkti-
       onsprozeß existierte;  für sich selbst, als selbständige Existenz
       betrachtet, ist  er bloß   q u a n t i t a t i v   b e s t i m m-
       t e r T a u s c h w e r t)   -   ist  ein Teil  freigeworden, der
       nicht als  Äquivalent für  vorhandne Tauschwerte  existiert  oder
       auch für  vorhandne Arbeitszeit.  Tauscht er  sich gegen die vor-
       handnen aus,  so gibt  er ihnen kein Äquivalent, sondern mehr als
       ein  Äquivalent   und  macht   also  auf  ihrer  Seite  Teil  des
       Tauschwerts frei.  Ruhend kann dieser freigewordne Tauschwert, um
       den sich die Gesellschaft bereichert hat, nur Geld sein, dann ist
       nur die  abstrakte Form des Reichtums vermehrt; bewegt - sich nur
       realisieren in   n e u e r  lebendiger Arbeit (sei es, daß früher
       schlafende Arbeit  in Bewegung  gesetzt wird  oder daß    n e u e
       A r b e i t e r  geschaffen werden (Population beschleunigt wird)
       oder aber daß neuer Kreis der Tauschwerte, der in Zirkulation be-
       findlichen Tauschwerte erweitert wird, was geschehn kann von Sei-
       ten der  Produktion,  indem  der  freigewordne  Tauschwert  einen
       n e u e n   P r o d u k t i o n s z w e i g   auftut, also  neues
       Objekt des Austauschs, die vergegenständlichte Arbeit in der Form
       eines neuen  Gebrauchswerts; oder daß dasselbe erreicht wird, in-
       dem vergegenständlichte  Arbeit in einem neuen Lande durch Erwei-
       terung des  Handels in  den Kreis  der Zirkulation hereingebracht
       wird). Diese muß also geschaffen werden.
       Die Form, worin sich Ricardo die Sache klarzumachen sucht (und er
       ist sehr unklar in dieser Beziehung), sagt au fond 14*) auch wei-
       ter nichts,  als daß  er gleich ein bestimmtes Verhältnis herein-
       bringt, statt einfach zu sagen, daß von derselben Summe einfacher
       Tauschwerte ein  geringrer Teil in der Form des einfachen Tausch-
       werts (Äquivalents)  und ein  größrer Teil in der Form des Geldes
       sich setzt (des Geldes als der ursprünglichen, antediluvianischen
       15*) Form,  woraus das  Kapital immer  von  neuem  entsteht;  des
       Geldes in  seiner Bestimmung als Geld, nicht als Münze etc.); daß
       daher der  a l s  Tauschwert für sich,
       -----
       14*) im Grunde - 15*) vorsintflutlich
       
       #267# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       d.h. als  W e r t  gesetzte Teil sich vergrößert, der  R e i c h-
       t u m   i n  s e i n e r  F o r m  a l s  R e i c h t u m   [167]
       (während er  grade auf  den falschen  Schluß kömmt, daß er nur in
       der  Form  des    m a t e r i e l l e n;    s t o f f l i c h e n
       Reichtums als 16*) Gebrauchswert sich vergrößert). Die Entstehung
       des   R e i c h t u m s   a l s   s o l c h e n,  soweit er nicht
       aus  der     R e n t e,     d.h.   nach   ihm   nicht   aus   der
       V e r m e h r u n g   der Produktivkraft,  sondern umgekehrt  aus
       der   V e r m i n d e r u n g  d e r s e l b e n  hervorgeht, ist
       ihm daher    v ö l l i g    u n b e g r e i f l i c h,    und  er
       verwickelt sich  in die  tollsten Widersprüche. Nehmen wir einmal
       die Sache  in seiner  Form. Kapital  1000 setzte  50 Arbeiter  in
       Bewegung; oder  50 lebendige  Arbeitstage; durch  Verdopplung der
       Produktivkraft könnte  es in  Bewegung  setzen  100  Arbeitstage.
       Diese aber  existieren nicht  in  der  Voraussetzung  und  werden
       willkürlich hereingebracht,  weil er  sonst - wenn nicht  m e h r
       w i r k l i c h e   A r b e i t s t a g e    hereinkommen  -  die
       Vermehrung des  Tauschwerts durch  die vergrößerte  Produktivität
       nicht begreift.  Andrerseits ist  das    W a c h s t u m    d e r
       P o p u l a t i o n   als ein    E l e m e n t    d e r    V e r-
       g r ö ß e r u n g  d e r  T a u s c h w e r t e  nirgends bei ihm
       e n t w i c k e l t;   selbst nirgends  klar und  bestimmt ausge-
       sprochen. Die gegebne Voraussetzung sei Kapital 1000 und Arbeiter
       50. Die  richtige Konsequenz,  die er  a u c h  z i e h t  (siehe
       das Heft)  [168]: 500  Kapital mit  25 Arbeitern  kann  denselben
       Gebrauchswert produzieren  wie früher;  die andren  500  mit  den
       andren 25  Arbeitern stiften  ein neues  Geschäft und produzieren
       auch Tauschwert  von 500. Der Profit bleibt derselbe, da er nicht
       durch den  Austausch der  500 gegen  die 500,  sondern die Raten,
       worin Profit und Arbeitslohn sich ursprünglich in die 500 teilen,
       herauskömmt und  der Austausch vielmehr der von Äquivalenten ist,
       der ebensowenig  wie  im    a u s w ä r t i g e n    H a n d e l,
       woran Ricardo  dies ausdrücklich  entwickelt, den  Wert vermehren
       kann. Da  der Austausch  von Äquivalenten  eben nichts heißt, als
       daß der  Wert, der in der Hand von A existierte vor dem Austausch
       mit B,  noch in  seiner Hand  existiert nach dem Austausch mit B.
       Der  Gesamtwert   oder  Reichtum   ist  derselbe  geblieben.  Der
       Gebrauchswert aber  oder   d e r   S t o f f   d e s   R e i c h-
       t u m s   hat sich  verdoppelt. Es  ist nun  absolut  kein  Grund
       vorhanden,  warum   überhaupt  der     R e i c h t u m      a l s
       R e i c h t u m,   der  T a u s c h w e r t  a l s  s o l c h e r
       wachsen soll  - sofern  die   V e r m e h r u n g   d e r  P r o-
       d u k t i v k r ä f t e     betrachtet  wird.   Wenn   sich   die
       Produktivkräfte wieder  in beiden  ¦¦36¦ Zweigen  verdoppeln,  so
       können nun  wieder Kapital  a in  250 mit 12 1/2 Arbeitstagen und
       250 mit  12 1/2 Arbeitstagen ebenso Kapital b auseinandergehn. Es
       existieren nun  vier Kapitale mit demselben Tauschwert von 1000 £
       St., konsumieren  nach wie  vor zusammen 50 lebendige Arbeitstage
       {Es ist  au fond  falsch zu  sagen, daß  die lebendige Arbeit das
       Kapital konsumiert,  das Kapital (die vergegenständlichte Arbeit)
       konsumiert
       -----
       16*) In der Handschrift: d
       
       #268# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       die lebendige  im Produktionsprozeß.} und produzieren einen vier-
       fachen Gebrauchswert [wie] vor der Verdopplung d[es] Konsumtions-
       wert[es], Ricardo  ist zu  klassisch, Albernheiten  zu begehn wie
       seine Verbesserer,  die den  größren Wert  infolge der Vermehrung
       der Produktivkräfte  dadurch entstehn lassen, daß in der Zirkula-
       tion der  eine teurer verkauft. Statt das Kapital von 500, sobald
       es Ware,  einfacher  Tauschwert  geworden  ist,  gegen  500  aus-
       zutauschen, tauscht  er es  gegen 550 aus (zu 10%), aber dann er-
       hält der  andre offenbar  im Tauschwert nur 450 statt 500 und die
       Gesamtsumme bleibt nach wie Vor 1000. Dies geschieht oft genug im
       Handel, erklärt  aber nur den Profit des einen Kapitals durch den
       Verlust des  andren Kapitals, also nicht den Profit  d e s  Kapi-
       tals, und ohne diese Voraussetzung existiert weder Profit auf der
       einen noch auf der andren Seite.
       Ricardos Prozeß  kann also  fortgehn, ohne  daß eine andre Grenze
       existierte als  die   V e r m e h r u n g   d e r    P r o d u k-
       t i v k r a f t    (und  diese  ist  wieder  stofflich,  zunächst
       außerhalb des  ö k o n o m i s c h e n  V e r h ä l t n i s s e s
       selbst liegend),  die mit einem Kapital von 1000 und 50 Arbeitern
       stattfinden kann. Sieh folgende Stelle:
       
       "Kapital ist  der Teil  des Reichtums eines Landes, der verwendet
       wird mit  der Absicht  auf  künftige  Produktion,    u n d    e r
       k a n n   i n  d e r  g l e i c h e n  W e i s e  v e r m e h r t
       w e r d e n  w i e  R e i c h t u m."
       
       (Nämlich wealth 17*) bei ihm der Überfluß an Gebrauchswerten, und
       vom Standpunkt des einfachen Austauschs aus betrachtet, kann die-
       selbe vergegenständlichte  Arbeit sich in unbegrenzten Gebrauchs-
       werten ausdrücken und bleibt stets  d e r s e l b e  T a u s c h-
       w e r t,  solange sie dasselbe Quantum vergegenständlichte Arbeit
       bleibt, denn  ihr   Ä q u i v a l e n t  ist gemessen nicht durch
       die Masse  der Gebrauchswerte, worin sie existiert, sondern durch
       ihr eignes Quantum.)
       
       "Ein  z u s ä t z l i c h e s  K a p i t a l  wird in der Bildung
       künftigen Reichtums ebenso wirksam sein, ob es durch Vervollkomm-
       nung der  Geschicklichkeit oder der Maschinerie erlangt wird oder
       indem mehr  Revenue produktiv  angewendet  wird;  denn  Reichtum"
       (Gebrauchswert) "hängt immer von der  M e n g e  der produzierten
       Waren ab" (auch etwas von ihrer Mannigfaltigkeit, wie es scheint)
       "ohne Rücksicht  auf die Leichtigkeit, mit der die in der Produk-
       tion angewandten  Werkzeuge hergestellt sein mögen" (d.h., die in
       ihnen vergegenständlichte  Arbeitszeit).  "Eine  bestimmte  Menge
       Kleidung und  Proviant werden die gleiche Anzahl Männer unterhal-
       ten und  beschäftigen; aber  sie werden  von doppeltem Wert sein"
       (Tauschwert), "wenn  200 mit  ihrer Produktion beschäftigt worden
       sind." [169]
       -----
       17*) Reichtum
       
       #269# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       Wenn vermittelst  der Vermehrung  der Produktivkraft  100  soviel
       produzieren an Gebrauchswerten wie früher 200, so:
       
       "wird von  den 200  die Hälfte  entlassen, so produzieren die re-
       stierenden 100  soviel wie  früher die 200. Eine Hälfte des Kapi-
       tals kann  also aus  dem Geschäftszweig  entzogen werden;  es ist
       ebensoviel Kapital  freigeworden wie  Arbeit.  Und  da  die  eine
       Hälfte des  Kapitals ganz  denselben Dienst  tut wie  früher  das
       ganze, so  sind nun  zwei Kapitalien  gebildet etc."  (cf. 39, 40
       ibid.  [170]  über  den  internationalen  18*) Handel,  wozu  wir
       zurückkommen müssen).
       Ricardo spricht  hier nicht  vom Arbeitstag;  daß der Kapitalist,
       wenn er  früher einen halben vergegenständlichten Arbeitstag aus-
       tauschte gegen  den ganzen  lebendigen Arbeitstag  des Arbeiters,
       also au fond nur einen halben lebendigen Arbeitstag gewann, indem
       er die andre Hälfte in der Form der Gegenständlichkeit dem Arbei-
       ter gibt  und in  der Form der Lebendigkeit von ihm erhält, d. h.
       eine Hälfte  des Arbeitstags dem Arbeiter bezahlt, sondern in der
       Form gleichzeitiger Arbeitstage, d.h. also verschiedner Arbeiter;
       dies ändert  nichts an  der Sache, sondern nur am Ausdruck. Jeder
       dieser Arbeitstage  liefert soviel mehr Surpluszeit. Wenn der Ka-
       pitalist als Grenze früher  d e n  Arbeitstag hatte, hat er jetzt
       50 Arbeitstage  etc. Wie  gesagt, in dieser Form ist mit der Ver-
       mehrung der  Kapitalien durch  die Produktivität keine Vermehrung
       der Tauschwerte  gesetzt, und nach Ricardo könnte die Bevölkerung
       daher auch,  gesetzt von 10 000 000, auf 10 000 herabsinken, ohne
       daß der  Tauschwert oder  die Quantität  der Gebrauchswerte  sich
       verminderte (siehe Schluß seines Buchs [171]).
       Daß Widersprüche  im  K a p i t a l  enthalten sind, sind wir die
       letzten zu  leugnen. Unser Zweck ist vielmehr, sie völlig zu ent-
       wickeln. Ricardo  aber   e n t w i c k e l t   s i e   n i c h t,
       sondern shifts  them off  by considering the value in exchange as
       indifferent for  the formation of wealth. That is to say, he con-
       tends that  in a  society based  upon the  value of exchange, and
       wealth resulting  from such  value, the contradictions which this
       form of  wealth is  driven to  with the development of productive
       powers etc. do not exist, and that a progress of value is not ne-
       cessary in such a society to secure the progress of wealth, ¦¦37¦
       consequently that value as the form of wealth does not at all af-
       fect that  wealth itself  and its  development 19*), d.h., er be-
       trachtet den Tauschwert
       -----
       18*) In der  Handschrift: nationalen  - 19*) schafft sie sich vom
       Halse, indem  er den  Wert im  Austausch als gleichgültig für die
       Bildung von  Reichtum betrachtet. D. h., er behauptet, daß in ei-
       ner auf  dem Tauschwert beruhenden Gesellschaft und Reichtum, der
       aus einem  solchen Wert  resultiert, die  Widersprüche, zu  denen
       diese Form  des Reichtums getrieben wird, mit der Entwicklung der
       Produktivkräfte usw.  nicht existieren  und daß  in einer solchen
       Gesellschaft eine Zunahme an Wert nicht nötig ist, um die Zunahme
       des Reichtums  zu sichern,  daß folglich  Wert als  die Form  des
       Reichtums diesen  Reichtum selbst und seine Entwicklung überhaupt
       nicht beeinflußt
       
       #270# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       als bloß   f o r m e l l.   Nun fällt ihm aber doch wieder ein 1.
       daß es  den Kapitalisten  um value 20*) zu tun ist, 2. daß histo-
       risch mit dem Progreß der Produktivkräfte (ebenso des internatio-
       nalen Handels hätte er denken  s o l l e n)  der  R e i c h t u m
       a l s   s o l c h e r,  i. e. die Wertsumme, wächst. Wie dies nun
       erklären? Die  Kapitalien akkumulieren sich schneller als die Be-
       völkerung; damit  steigt das  Salair; damit die Population; damit
       die Kornpreise;  damit die Schwierigkeit der Produktion und damit
       die  T a u s c h w e r t e.  Bei diesen wird also endlich auf Um-
       weg angelangt.  Das Moment mit der Rente wollen wir hier noch, wo
       es sich nicht um größre Schwierigkeit der Produktion, sondern um-
       gekehrt um  Wachstum der Produktivkräfte handelt, ganz weglassen.
       Mit der  Akkumulation der  Kapitalien steigt das Salair, wenn die
       Population nicht  gleichzeitig  wächst;  der  Arbeiter  heiratet,
       Sporn wird der Produktion [der Kinder] gegeben, oder seine Kinder
       leben besser,  sterben nicht  vorzeitig etc. Kurz, die Population
       wächst. Ihr  Wachstum aber  bringt Konkurrenz unter den Arbeitern
       hervor und zwingt so den Arbeiter, sein Arbeitsvermögen wieder zu
       seinem  W e r t e  dem Kapitalist zu verkaufen oder momentan auch
       noch darunter.  Jetzt nun  verfügt 21*) das akkumulierte Kapital,
       das unterdes  langsamer herangewachsen ist, über das Surplus, das
       es früher  in der Form des Salairs, also als Münze ausgab, um den
       Gebrauchswert der  Arbeit zu  kaufen, wieder  als Geld, um es als
       Kapital in  der lebendigen  Arbeit zu  verwerten, und da es jetzt
       auch  über   größre  Menge   Arbeitstage  verfügt,   wächst  sein
       T a u s c h w e r t  wieder.
       (Selbst das  nicht recht  bei Ricardo entwickelt, sondern mit der
       Rententheorie durcheinander;  da das Wachstum der Bevölkerung das
       Surplus, das  früher in der Form des Salairs dem Kapital abhanden
       kam, ihm  nun in  der Form  der Rente  entzieht.) Aber selbst das
       Wachsen der Population ist nicht recht in seiner Theorie begreif-
       lich. Er  hat nirgends  entwickelt, daß  ein  i m m a n e n t e s
       Verhältnis  stattfindet   zwischen  dem  Ganzen  der  im  Kapital
       vergegenständlichten Arbeit  und dem  lebendigen  Arbeitstag  (ob
       dieser als  ein Arbeitstag  von 50  x 12  Stunden oder  als zwölf
       stündliche Arbeit  von 50 Arbeitern vorgestellt wird, ist für das
       Verhältnis dasselbe) und daß dieses immanente Verhältnis eben das
       V e r h ä l t n i s   d e s   B r u c h t e i l s   d e s    l e-
       b e n d i g e n  A r b e i t s t a g s,  oder des Äquivalents für
       die vergegenständlichte  Arbeit, womit der Arbeiter bezahlt wird,
       zu 22*)  dem lebendigen  Arbeitstag ist;  wo das  Ganze  der  Tag
       selbst und  das immanente Verhältnis das variable Verhältnis (der
       Tag selbst  ist konstante  Größe) zwischen dem  B r u c h t e i l
       d e r   n o t w e n d i g e n   A r b e i t s s t u n d e n   und
       der   S u r p l u s a r b e i t s s t u n d e n.    Er  hat  auch
       nicht, eben  weil er dies Verhältnis flicht entwickelt hat, nicht
       entwickelt (was uns bisher noch nichts anging, da es sich
       -----
       20*) Wert -  21*) in der  Handschrift: eintauscht  - 22*) in  der
       Handschrift: und
       
       #271# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       uns um das  K a p i t a l  a l s  s o l c h e s  handelte und die
       Entwicklung der  Produktivkräfte als  äußres Verhältnis hereinge-
       nommen), daß die Entwicklung der Produktivkraft selbst sowohl die
       Vermehrung des  Kapitals als  der gleichzeitigen Arbeitstage vor-
       aussetzt, innerhalb  der gegebnen Schranke des Kapitals aber, das
       einen Arbeitstag  (sei es  auch einen  von 50  x 12  Stunden, 600
       Stunden) in  Bewegung setzt, selbst die Schranke für die Entwick-
       lung seiner Produktivkraft ist.
       Das Salair  schließt nicht  nur den  Arbeiter ein,  sondern  auch
       seine Reproduktion; so daß, wenn dies Exemplar der Arbeiterklasse
       stirbt, ein  andres dasselbe remplaciert 23*); wenn die 50 Arbei-
       ter tot  sind, 50  neue da sind, sie zu ersetzen. Die 50 Arbeiter
       selbst -  als lebendige  Arbeitsvermögen -  stellen nicht nur die
       Kosten ihrer eignen Produktion dar, sondern die Kosten, die ihren
       Eltern über  ihr Salair  als Individuen gezahlt werden mußten, um
       sich in 50 neuen Individuen zu remplacieren. Also die Bevölkerung
       geht voran  auch ohne  Erhöhung des  Salairs. Warum  geht sie nun
       nicht rasch  genug voran?  und muß  besondren Stimulus  erhalten?
       Doch nur,  weil dem  Kapital nicht  damit gedient  ist, bloß mehr
       "wealth" im  Ricardoschen Sinn  zu erhalten, sondern weil es mehr
       value, mehr  vergegenständlichte Arbeit  kommandieren will. Diese
       kann es  aber in der Tat nach ihm nur dann kommandieren, wenn der
       Arbeitslohn fällt;  d.h. mehr  lebendige Arbeitstage für dasselbe
       Kapital mit  vergegenständlichter Arbeit  ausgetauscht und  daher
       größre value  geschaffen  wird.  Um  den  Arbeitslohn  fallen  zu
       machen,  setzt  er  Vermehrung  der  Population  voraus.  Und  um
       Vermehrung der  Population hier zu beweisen, setzt er voraus, daß
       die Nachfrage  nach Arbeitstagen  zunimmt, in  andren Worten, daß
       das Kapital  mehr   v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e    A r-
       b e i t   (im Arbeitsvermögen  vergegenständlichte) kaufen  kann,
       daß also  seine value  gewachsen ist.  Er ging  aber ursprünglich
       grade von  der entgegengesetzten Voraussetzung aus und machte den
       Umweg nur,   w e i l   er  von  ihr  ausging.  Wenn  1000  £  500
       Arbeitstage kaufen  konnte und die Produktivkraft wächst, so kann
       es entweder fortfahren, im selben Arbeitszweig die 500 anzuwenden
       oder sich  spalten und  im einen  Arbeitszweig 250, im andren 250
       anwenden, so  daß sich  auch das  Kapital in 2 Kapitalien von 500
       spaltet. Aber  es kann nie mehr als 500 Arbeitstage kommandieren,
       da  sonst  nach  Ricardo  nicht  nur  die  von  ihm  produzierten
       Gebrauchswerte, sondern  ihr   T a u s c h w e r t  sich verviel-
       fältigt haben  müßte,   d i e  v e r g e g e n s t ä n d l i c h-
       t e   A r b e i t s  z e i t,   worüber es  kommandiert. Es  kann
       also von  seiner Voraussetzung  aus keine  größre Nachfrage  nach
       Arbeit stattfinden.  Findet sie  aber ¦¦38¦  statt,  so  ist  der
       T a u s c h w e r t   des Kapitals  gewachsen. Vgl.   Malthus  on
       value, der die
       -----
       23*) ersetzt
       
       #272# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Widersprüche   f ü h l t,   nun aber  in die  Plumpe fällt, wo er
       selbst entwickeln will. [154]
       Wir sprachen  immer nur  von den zwei Elementen des Kapitals, den
       zwei Teilen  des lebendigen  Arbeitstags, von  denen der eine das
       Salair, der andre den Profit, der eine die notwendige Arbeit, der
       andre die  Surplusarbeit darstellt. Wo bleiben dann die zwei and-
       ren Teile des Kapitals, die im Arbeitsmaterial und Arbeitsinstru-
       ment realisiert sind? Was den einfachen Produktionsprozeß angeht,
       so unterstellt  die Arbeit das Dasein von Instrument, das die Ar-
       beit erleichtert,  und Material,  in dem  sie sich darstellt, das
       sie formt.  Diese Form  gibt ihm  24*) den Gebrauchswert. Im Aus-
       tausch wird dieser Gebrauchswert soweit Tauschwert, als er verge-
       genständlichte Arbeit enthält. Aber als Bestandteile des Kapitals
       sind sie  Werte, die die Arbeit ersetzen muß? Also im obigen Bei-
       spiel (und  solche Einwände  massenhaft gegen Ricardo gemacht; er
       betrachte bloß  Profit und  Salair als Bestandteile der Produkti-
       onskosten, nicht  die Maschine und das Material) scheint es, daß,
       wenn das  Kapital 100,  zerfallend [in]  50 für Baumwolle, 40 für
       Arbeitslohn, 10 für Instrument; und der Arbeitslohn von 40 Talern
       = 4 Stunden vergegenständlichte Arbeit, nun das Kapital 8 Stunden
       arbeiten läßt, der Arbeiter, der reproduzieren müßte 40 Taler für
       Salair, 40  Taler Surpluszeit  (Profit), 10  Taler Instrument, 50
       Taler Baumwolle  = 140  Taler, nur reproduziert 80 Taler. Denn 40
       Taler sind  das Produkt  eines halben  Arbeitstags, 40  die andre
       Surplushälfte. Aber  60 Taler  ist der Wert der beiden andern Be-
       standteile des Kapitals 25*). Da das wirkliche Produkt des Arbei-
       ters 80Taler,  so kann  er nur  80 reproduzieren,  nicht 140.  Er
       hätte vielmehr  den Wert  der 60 vermindert; da von den 80 40 Er-
       satz für seinen Arbeitslohn und die übrigen 40 Surplusarbeit [um]
       20 kleiner  sind als 60. Statt eines Profits von 40 hätte der Ka-
       pitalist Verlust  von 20 auf seinen ursprünglichen Teil des Kapi-
       tals, der aus Instrument und Material besteht.
       Wie soll  der Arbeiter  außer den 80 noch 60 Taler Wert schaffen,
       da eine  Hälfte seines  Arbeitstags, wie  sein Lohn zeigt, nur 40
       Taler schafft  mit Instrument  und Material; die andre Hälfte nur
       dasselbe; und  er nur über den einen Arbeitstag verfügt, in einem
       Arbeitstag nicht  zwei arbeiten kann. Setze die 50 Taler Material
       = x  Pfund Baumwollgarn;  die 10 Taler Instrument = Spindel [172l
       Was nun  den   G e b r a u c h s w e r t  zunächst angeht, so ist
       klar, daß  der Arbeiter,  wenn die Baumwolle nicht schon die Form
       des Garns  und Holz  und Eisen  die der  Spindel hätte,  er  kein
       G e w e b e,   keinen höheren  Gebrauchswert produzieren  könnte.
       Für ihn  selbst im Produktionsprozeß sind die 50 Taler und die 10
       Taler   n i c h t s   a l s    G a r n    u n d    S p i n d e l,
       k e i n e  T a u s c h w e r t e.  Seine Arbeit hat
       -----
       24*) In der Handschrift: ihr - 25*) in der Handschrift: Salairs
       
       #273# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
        diesen  einen höhern Gebrauchswert gegeben und ihnen ein Quantum
       vergegenständlichter Arbeit  von 80  Talern zugefügt,  nämlich 40
       Taler, worin  er seinen Arbeitslohn reproduziert, 40 Surpluszeit.
       Der Gebrauchswert  - das  Gewebe - enthält einen Arbeitstag mehr,
       wovon aber die eine Hälfte nur den Teil des Kapitals ersetzt, wo-
       gegen die  Disposition über das Arbeitsvermögen ausgetauscht ist.
       Die vergegenständlichte Arbeitszeit, die in Garn und Spindel ent-
       halten ist  und den  Teil des  Werts des Produkts bildet, hat der
       Arbeiter  nicht   geschaffen;  für  ihn  waren  und  blieben  sie
       Material,  dem   er  eine   andre  Form   gab  und   neue  Arbeit
       einverleibte. Die  einzige Bedingung ist, daß er sie nicht wasted
       26*) hat,  und das  hat  er  nicht  getan,  soweit  sein  Produkt
       Gebrauchswert und  höhern  Gebrauchswert  wie  früher  hatte.  Es
       enthält jetzt  zwei Teile  vergegenständlichter Arbeit  -  seinen
       Arbeitstag und  die in  seinem Material,  Garn und  Spindel schon
       unabhängig von  ihm und  vor seiner  Arbeit enthaltne. Die früher
       vergegenständlichte  Arbeit   war  die   Bedingung    s e i n e r
       Arbeit; sie  machte  sie  erst  zur  Arbeit,  kostet  ihm  keine.
       Unterstelle, sie  seien nicht schon als Bestandteile des Kapitals
       vorausgesetzt, als   W e r t e,    und  hätten    i h m    nichts
       gekostet. So wäre der Wert des Produkts, wenn er einen ganzen Tag
       gearbeitet, 80, wenn einen halben, 40 Taler. Er wäre eben = einem
       vergegenständlichten Arbeitstag. Sie kosten ihm in der Tat in der
       Produktion nichts; das hebt aber die in ihnen vergegenständlichte
       Arbeitszeit nicht  auf, die  bleibt und  nur andre  Form  erhält.
       Hätte der  Arbeiter außer  dem Gewebe  auch noch das Garn und die
       Spindel im  selben Arbeitstag  schaffen müssen, so war der Prozeß
       in fact unmöglich. Daß sie also weder als Gebrauchswerte in ihrer
       ursprünglichen Form  noch als Tauschwerte seine Arbeit erfordern,
       sondern   v o r h a n d e n   sind, macht  eben, daß  der  Zusatz
       eines Arbeitstags  von ihm  ein Produkt von höherm Wert als einem
       Arbeitstag schafft.  Er schafft  dies aber, sofern er dieses Mehr
       über den  Arbeitstag nicht zu schaffen hat, sondern als Material,
       als Voraussetzung   v o r f i n d e t.  Es kann also nur insofern
       gesagt werden,  daß er diese Werte reproduziert, als sie  o h n e
       die Arbeit  verfaulen würden, nutzlos wären; aber ebenso wäre die
       A r b e i t   o h n e   sie nutzlos.  Soweit der  Arbeiter  diese
       Werte reproduziert,  geschieht es  nicht dadurch,  daß  er  ihnen
       höhern Tauschwert  gibt oder  in  irgendeinen  Prozeß  mit  ihrem
       Tauschwert tritt,  sondern sie überhaupt dem einfachen Prozeß der
       Produktion unterwirft, überhaupt  a r b e i t e t.  ¦¦39¦ Aber es
       kostet ihm  keine höhere  Arbeitszeit   n e b e n  der, die er zu
       ihrer Verarbeitung  und höhern  Verwertung braucht.  Es ist  eine
       Bedingung, worin  ihn das  Kapital gestellt  hat, zu arbeiten. Er
       reproduziert sie  nur dadurch,  daß er  ihnen einen  höhern  Wert
       gibt, und dieses höhern Wert geben ist = seinem Arbeitstag. Sonst
       -----
       26*) vergeudet
       
       #274# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       läßt er  sie, wie  sie sind.  Daß ihr alter Wert erhalten bleibt,
       geschieht dadurch,  daß ihnen  ein neuer  zugefügt, nicht daß der
       alte selbst   r e p r o d u z i e r t  wird, geschaffen wird. So-
       weit sie  Produkt frührer Arbeit sind, bleibt ein Produkt frührer
       Arbeit, eine  Summe früher  vergegenständlichter Arbeit, ein Ele-
       ment seines   P r o d u k t s,   enthält das Produkt außer seinem
       Neuwert auch  noch den  alten. Er  produziert also  in der Tat an
       diesem Produkt nur den Arbeitstag, den er ihm zufügt, und die Er-
       haltung des  alten Werts  kostet ihm absolut nichts, außer was es
       ihm kostet,  den neuen zuzufügen. Für ihn ist er nur Material und
       bleibt solches,  wie es  auch die  Form ändert;  also    u n a b-
       h ä n g i g   von seiner  Arbeit Vorhandnes. Daß dieses Material,
       das bleibt, da es nur andre Form erhält, selbst schon Arbeitszeit
       enthält, ist  Sache des  Kapitals,  nicht  seine;  ist  ebenfalls
       u n a b h ä n g i g e n   seiner Arbeit und besteht fort  n a c h
       derselben, wie es vor derselben bestand.
       Diese sog. Reproduktion kostet ihm keine Arbeitszeit, sondern ist
       die Bedingung  seiner Arbeitszeit,  da sie  nichts ist,  denn den
       vorhandenen Stoff  als Material seiner Arbeit setzen, sich zu ihm
       als Material verhalten. Er ersetzt also durch den  A k t  des Ar-
       beitens selbst, nicht durch die Hinzufügung besondrer Arbeitszeit
       zu diesem  Behufe, die  alte Arbeitszeit.  Er ersetzt sie einfach
       durch Zufügen   n e u e r,   wodurch die alte im Produkt erhalten
       bleibt und  Element eines  neuen Produkts  wird. Der Arbeiter er-
       setzt also  nicht mit  seinem Arbeitstag den Rohstoff und das In-
       strument, soweit  sie Werte sind. Diese  E r h a l t u n g  d e s
       a l t e n   W e r t s   e r h ä l t   d e r   K a p i t a l i s t
       a l s o   e b e n s o   g r a t i s  a l s  d i e  S u r p l u s-
       a r b e i t.   Aber er  erhält sie  gratis, [nicht]  weil sie dem
       Arbeiter nichts  kostet, sondern  das Resultat davon ist, daß das
       Material und  Arbeitsinstrument in  seiner Hand  sich  schon  der
       V o r a u s s e t z u n g   nach sich  befindet und  der Arbeiter
       daher nicht   a r b e i t e n  kann, ohne die in gegenständlicher
       Form schon in der Hand des Kapitals vorhandne Arbeit zum Material
       seiner Arbeit  zu machen  und daher  auch die  in diesem Material
       vergegenständlichte Arbeit  zu konservieren. Der Kapitalist zahlt
       also dem  Arbeiter nichts  dafür, daß  das Garn und die Spindel -
       ihr Wert  - sich  dem Wert  nach  im  Gewebe  wiederfindet,  also
       erhalten hat.  Dies Erhalten geschieht einfach durch das Zusetzen
       neuer Arbeit, die höhern Wert zusetzt.
       Aus dem  ursprünglichen Verhältnis  zwischen Kapital  und  Arbeit
       geht also  hervor, daß  derselbe Dienst, den die lebendige Arbeit
       durch ihre  Beziehung als lebendige Arbeit der vergegenständlich-
       ten erweist - dem Kapital nichts kostet, wie er 27*) auch dem Ar-
       beiter nichts  kostet, sondern  nur die  Beziehung ausdrückt, daß
       das Material und Instrument der Arbeit ihm gegenüber Kapital
       -----
       27*) In der Handschrift: sie
       
       #275# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       sind, von ihm  u n a b h ä n g i g e  Voraussetzungen. Die Erhal-
       tung des alten Werts ist kein von der Zufügung des neuen getrenn-
       ter Akt, sondern macht sich von selbst; erscheint als natürliches
       Resultat desselben.  Daß aber  diese Erhaltung dem Kapital nichts
       kostet und  dem Arbeiter auch nichts kostet, ist schon gesetzt in
       dem Verhältnis  von   K a p i t a l   u n d  A r b e i t,  das an
       sich schon  der Profit  des einen und das Salair 28 *) des andren
       ist.
       Der einzelne  Kapitalist kann sich einbilden (und für seine Rech-
       nung tut  es denselben  Dienst), daß, wenn er ein Kapital von 100
       Talern besitzt, 50 Taler Baumwolle, 40 Taler Lebensmittel, um Ar-
       beit zu  erhalten, 10  Taler Instrument, und einen Profit von 10%
       mit zu  seinen Produktionskosten  rechnet, daß die Arbeit ihm er-
       setzen muß  50 Taler auf Baumwolle, 40 Taler Lebensmittel, 10 Ta-
       ler Instrument  und 10% auf 50, auf 40 und auf 10; so daß in sei-
       ner Vorstellung  ihm die Arbeit schafft 55 Taler Rohstoff, 44 Ta-
       ler Lebensmittel,  11 Taler Instrument, together 29*) = 110. Aber
       für Ökonomen  ist dies eine merkwürdige Vorstellung, obgleich mit
       großer Prätention  geltend gemacht  als eine  Neuerung gegen  Ri-
       cardo. [173]  Wenn der  Arbeitstag des Arbeiters = 10 Stunden und
       er in 8 Stunden 40 Taler schaffen kann, d.h. sein Salair schaffen
       oder, was  dasselbe ist, sein Arbeitsvermögen erhalten und erset-
       zen kann, so braucht er 4/5 Tag, um dem Kapital das Salair zu er-
       setzen, und gibt ihm 1/5 Surplusarbeit oder 10 Taler. Das Kapital
       erhält also  im Austausch  für die 40 Taler Salair, für 8 Stunden
       vergegenständlichter Arbeit,  10 lebendige,  und dieser Überschuß
       konstituiert seinen  ganzen Profit. Die ganze vergegenständlichte
       Arbeit, die  der Arbeiter  also geschaffen hat, ist 50 Taler, und
       was immer  die Kosten  des Instruments und des Rohstoffs sein mö-
       gen, mehr  kann er  ihnen nicht zufügen, denn in mehr Arbeit kann
       sich sein  Tag nicht vergegenständlichen; daß nun dadurch, daß er
       den 60  Talern Rohstoff und Instrument die 50 Taler zugefügt - 10
       Stunden Arbeit (wovon 8 nur Ersatz des Salairs) - er zugleich das
       Material und Instrument erhalten - sie werden eben dadurch erhal-
       ten, daß  sie mit  der lebendigen Arbeit wieder in Kontakt kommen
       und als  Instrument und  Material benutzt werden - das kostet ihm
       keine Arbeit  (er hätte  auch keine  überflüssige Zeit  für sie),
       noch wird  es ihm  vom Kapitalist  gezahlt. Diese  belebende  Na-
       turkraft der  Arbeit - daß, indem sie Material und Instrument be-
       nutzt, sie dieselben erhält, in dieser oder jener Form, also auch
       die in ihnen vergegenständlichte Arbeit, ihren Tauschwert - wird,
       wie jede  Natur- oder  gesellschaftliche Kraft  der  Arbeit,  die
       nicht das  Produkt frührer  Arbeit oder nicht das Produkt solcher
       frühren  Arbeit,   die  wiederholt   werden  muß  (z.B.  die  ge-
       schichtliche Entwicklung  des Arbeiters  etc.),  K r a f t  d e s
       K a p i t a l s,  nicht der
       -----
       28*) In der Handschrift: d. Profits - 29*) zustimmen
       
       #276# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       Arbeit. Also  auch nicht vom Kapital gezahlt. Sowenig wie dem Ar-
       beiter bezahlt wird, daß er denken kann etc.
       ¦¦40¦ Wir haben gesehn, wie ursprünglich der  g e g e n  die Zir-
       kulation verselbständigte   W e r t  - d.h. die Ware, für die die
       Bestimmung des  Tauschwerts nicht  bloß formelle,  verschwindende
       Bestimmung, um  sich gegen andren Gebrauchswert auszutauschen und
       schließlich als  Objekt der  Konsumtion zu  verschwinden  -,  das
       G e l d   a l s   G e l d,  das der Zirkulation entzogne und sich
       ihr gegenüber   n e g a t i v  behauptende Geld die Voraussetzung
       ist, aus  der das   K a p i t a l   wird. Andrerseits das Produkt
       des Kapitals,  soweit es  nicht seine  eigne  bloße    R e p r o-
       d u k t i o n   ist (diese  Reproduktion aber ist nur formell; da
       von den  drei Teilen  seiner Werte nur einer wirklich konsumiert,
       also reproduziert  wird,  der  den  Arbeitslohn  ersetzende;  der
       Profit aber  ist nicht  Reproduktion, sondern  Zusatz  von  Wert,
       Surpluswert), hat  zum Resultat  wieder den  Wert, der nicht mehr
       als Äquivalent  in die  Zirkulation eingeht  und andrerseits noch
       nicht wieder  zu Kapital  potenziert  ist,  also    n e g a t i v
       gegen die  Zirkulation verselbständigter  Wert -   G e l d    (in
       seiner dritten, adäquaten Form). Wie das Geld erst als Vorausset-
       zung des  Kapitals erschien,  als Ursache desselben, so erscheint
       es jetzt  als seine Wirkung. In der ersten Bewegung ging das Geld
       aus der  einfachen Zirkulation  hervor; in  der zweiten geht [es]
       aus dem  Produktionsprozeß des  Kapitals hervor.  In  der  ersten
       g e h t   e s   ü b e r   i n  Kapitalen der zweiten erscheint es
       als eine  vom Kapital selbst gesetzte Voraussetzung des Kapitals;
       und ist daher schon  a n  s i c h  als Kapital gesetzt; hat schon
       die ideelle Beziehung auf das Kapital in sich. Es geht nicht mehr
       einfach in  das Kapital  über, sondern als  G e l d  ist schon an
       ihm gesetzt, daß es in Kapital verwandelt werden kann.
       Die Vermehrung  der Werte ist also das Resultat der Selbstverwer-
       tung des Kapitals; ob diese Selbstverwertung nun das Resultat ab-
       soluter   S u r p l u s z e i t   oder   r e l a t i v e r,  d.h.
       einer wirklichen  Vermehrung der absoluten Arbeitszeit oder einer
       Vermehrung der  relativen Surplusarbeit,  d. h.  Verminderung des
       aliquoten 30*) Teils des Arbeitstags, der als notwendige Arbeits-
       zeit  für   Erhaltung  des  Arbeitsvermögens  bestimmt  ist;  als
       n o t w e n d i g e  Arbeit überhaupt.
       Die lebendige  Arbeitszeit reproduziert  nichts als  den Teil der
       vergegenständlichten Arbeitszeit  (des Kapitals), der als Äquiva-
       lent für  die Disposition  über das lebendige Arbeitsvermögen er-
       scheint und  der daher, als Äquivalent, die in diesem Arbeitsver-
       mögen vergegenständlichte Arbeitszeit ersetzen muß, d.h. die Pro-
       duktionskosten der lebendigen Arbeitsvermögen ersetzen, in andren
       Worten, den  Arbeiter als Arbeiter am Leben erhalten muß. Was sie
       mehr produziert,  ist nicht Reproduktion, sondern neue Schöpfung,
       und zwar
       -----
       30*) ohne Rest aufgehenden
       
       #277# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       neue Wertschöpfung,  weil Vergegenständlichung  neuer Arbeitszeit
       in einem  Gebrauchswert. Daß  zugleich erhalten  wird die im Roh-
       stoff  und   Instrument  enthaltne   Arbeitszeit,  ist   Resultat
       n i c h t  d e r  Q u a n t i t ä t  d e r  A r b e i t,  sondern
       ihrer  Q u a l i t ä t  als Arbeit überhaupt; und ihre allgemeine
       Qualität, die  keine besondre Qualifikation derselben ist - nicht
       spezifisch bestimmte  Arbeit ",  sondern  daß  die    A r b e i t
       a l s   A r b e i t   A r b e i t   ist, wird nicht besonders be-
       zahlt, da  das Kapital   d i e s e  Q u a l i t ä t  im Austausch
       mit dem Arbeiter gekauft hat.
       Das Äquivalent  aber für  diese Qualität  (den  spezifischen  Ge-
       brauchswert  der   Arbeit)  gemessen   ist  einfach   durch   das
       Q u a n t u m   Arbeitszeit, das sie produziert hat. Der Arbeiter
       fügt zunächst  dem Wert  des Rohstoffs und Instruments, durch die
       Anwendung des  Instruments als Instruments und die Formierung des
       Rohstoffs, soviel  neue Form 31*) zu als = ist der in seinem eig-
       nen Salair  enthaltnen 32*)  Arbeitszeit; was  er mehr hinzufügt,
       ist Surplusarbeitszeit, Surpluswert. Aber durch das einfache Ver-
       hältnis, daß  das Instrument  als Instrument benutzt wird und das
       Rohmaterial als  Rohmaterial der  Arbeit gesetzt  wird, durch den
       einfachen Prozeß,  daß sie  in Kontakt mit der Arbeit kommen, als
       ihr Mittel und Gegenstand gesetzt und so als Vergegenständlichung
       der lebendigen  Arbeit, Momente  der Arbeit  selbst gesetzt sind,
       werden sie  erhalten nicht der Form, aber der Substanz nach, und,
       ökonomisch betrachtet,  ist vergegenständlichte  Arbeitszeit ihre
       Substanz. Die  vergegenständlichte Arbeitszeit  hört auf, in ein-
       seitiger gegenständlicher Form zu existieren - und daher der Auf-
       lösung durch  den chemischen etc. Prozeß als bloßes Ding preisge-
       geben zu  sein [dadurch],  daß sie  als materielle Daseinsweise -
       Mittel und  Objekt - der lebendigen Arbeit gesetzt wird. Aus bloß
       vergegenständlichter Arbeitszeit,  in deren dinglichem Dasein die
       Arbeit  nur  noch  als  verschwunden,  als    ä u ß e r l i c h e
       F o r m   ihrer natürlichen Substanz besteht, die dieser Substanz
       selbst äußerlich ist (z.B. dem Holz die Form des Tisches oder dem
       Eisen die  Form der  Walze), als  bloß existierend in der äußeren
       Form des  Stofflichen, entwickelt  sich die  Gleichgültigkeit des
       Stoffs gegen  die Form; sie erhält sie durch kein lebendiges, im-
       manentes Gesetz  der Reproduktion,  wie der  Baum z.B. seine Form
       als Baum  erhält (das  Holz erhält  sich als  Baum in  bestimmter
       Form, weil  diese Form eine Form des Holzes ist; während die Form
       als Tisch  dem Holz zufällig ist, nicht die immanente Form seiner
       Substanz), sie  existiert nur  als dem  Stofflichen äußere  Form,
       oder sie  existiert selbst  nur stofflich. Die Auflösung, der ihr
       Stoff daher  ausgesetzt ist, löst sie ebenso auf. Aber als Bedin-
       gungen der  lebendigen Arbeit  gesetzt, werden  sie selbst wieder
       beseelt. Die  vergegenständlichte Arbeit  hört auf,  tot  an  dem
       Stoff als äußere,
       -----
       31*) Sollte wahrscheinlich  heißen: Arbeit  - 32*) in  der  Hand-
       schrift: erhalten
       
       #278# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
        gleichgültige  Form zu  existieren, da sie selbst wieder als Mo-
       ment der  lebendigen Arbeit gesetzt ist; als Beziehung der leben-
       digen Arbeit  auf sich selbst in einem gegenständlichen Material,
       als   G e g e n s t ä n d l i c h k e i t  lebendiger Arbeit (als
       Mittel und  Objekt) (die  g e g e n s t ä n d l i c h e n  Bedin-
       gungen der lebendigen Arbeit).
       Indem so  die lebendige Arbeit durch ihre Verwirklichung im Mate-
       rial dieses  selbst verändert,  eine Veränderung,  die durch  den
       Zweck der Arbeit bestimmt und die zweckmäßige Tätigkeit derselben
       - (eine Veränderung, die nicht wie im toten Gegenstand das Setzen
       der Form  als äußerlich  dem Stoff, bloßer verschwindender Schein
       seines Bestehens)  - wird  das Material so in bestimmter Form er-
       halten, der Formwechsel des Stoffs dem Zweck der Arbeit unterwor-
       fen.  Die  Arbeit  ist  das  lebendige,  gestaltende  Feuer;  die
       Vergänglichkeit der Dinge, ihre Zeitlichkeit, ¦¦41¦ als ihre For-
       mung durch  die lebendige  Zeit. Im einfachen Produktionsprozeß -
       abgesehn vom  Verwertungsprozeß -  wird die  Vergänglichkeit  der
       Form der  Dinge benutzt,  um ihre  Brauchbarkeit zu setzen. Indem
       aus der  Baumwolle Garn wird, aus dem Garn Gewebe, aus dem Gewebe
       gedrucktes etc.  Gewebe oder  gefärbtes etc.  und aus diesem sage
       ein Kleid, hat sich 1. die Substanz der Baumwolle in allen diesen
       Formen erhalten.  (Im chemischen Prozeß haben sich im von der Ar-
       beit geregelten  Stoffwechsel  überall  Äquivalente  (natürliche)
       ausgetauscht etc.);  2. in  allen diesen sub- sequenten Prozessen
       hat der  Stoff eine nützlichere Form erhalten, weil eine ihn mehr
       dem Konsum aneignende; bis er zuletzt die Form erhalten, worin er
       direkt Gegenstand  desselben werden  kann, wo also die Aufzehrung
       des Stoffs und die Aufhebung seiner Form menschlicher Genuß wird,
       seine Veränderung  sein Gebrauch  selbst ist. Der Stoff der Baum-
       wolle erhält  sich in  allen diesen  Prozessen; in der einen Form
       des Gebrauchswerts  geht er  unter, um   e i n e r    h ö h r e n
       P l a t z   z u  m a c h e n ,  b i s  d e r  G e g e n s t a n d
       a l s   G e g e n s t a n d    d e r    u n m i t t e l b a r e n
       K o n s u m t i o n   d a   i s t.   Indem aber die Baumwolle als
       Twist gesetzt ist, ist sie in einer bestimmten Beziehung auf eine
       fernere Art  der Arbeit gesetzt. Träte diese Arbeit nicht ein, so
       ist nicht  nur die  Form nutzlos an ihr gesetzt worden, d.h., die
       frühere Arbeit  wird nicht durch die neue bestätigt, sondern auch
       der Stoff  ist verdorben,  indem er in der Form als Twist nur Ge-
       brauchswert hat,  insofern er  wieder verarbeitet  wird: nur noch
       Gebrauchswert ist  in bezug auf den Gebrauch, den die fernere Ar-
       beit davon  macht; nur Gebrauchswert ist, insofern seine Form als
       Twist aufgehoben wird zu der von Gewebe; während die Baumwolle in
       ihrem Dasein als Baumwolle unendlicher Nutzanwendungen fähig ist.
       So wäre  ohne die  fernere Arbeit der Gebrauchswert von Baumwolle
       und Twist,  Material und Form verhunzt; er wäre vernichtet, statt
       produziert worden.  Das Material  sowohl wie  die Form, der Stoff
       wie die Form wird
       
       #279#  Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       erhalten durch  die fernere Arbeit - als Gebrauchswerte erhalten,
       bis sie die Gestalt des Gebrauchswerts als solches erhalten, des-
       sen Gebrauch  die Konsumtion ist. Es liegt also im einfachen Pro-
       duktionsprozeß, daß  die frühere  Stufe der  Produktion  erhalten
       wird durch  die spätere  und daß  durch das Setzen des höhern Ge-
       brauchswerts der  alte erhalten  oder nur  soweit verändert wird,
       als er  erhöht wird  als Gebrauchswert.  Es ist die lebendige Ar-
       beit, die den Gebrauchswert des unvollendeten Arbeitsprodukts er-
       hält, dadurch daß sie es zum Material einer weitern Arbeit macht.
       Sie erhält  es 33*)  aber nur  dadurch, d. h. schützt es 33*) nur
       dadurch vor  der Unbrauchbarkeit und dem Vergehn, daß sie es 33*)
       ihrem Zweck gemäß bearbeitet, überhaupt zum Objekt neuer lebendi-
       ger Arbeit macht.
       Dies   E r h a l t e n   d e s    a l t e n    G e b r a u c h s-
       w e r t s   ist kein  Prozeß, der  neben dem  Vermehren desselben
       oder dem  Vollenden desselben  durch neue  Arbeit vor  sich geht;
       sondern geschieht  durch diese  neue Arbeit  der Erhöhung des Ge-
       brauchswerts selbst.  Dadurch, daß die Arbeit des Webens das Garn
       in  Gewebe  verwandelt,  also  als  Rohstoff  des  Webens  (einer
       besondren Art der lebendigen Arbeit) behandelt (und der Twist hat
       nur  Gebrauchswert,  indem  er  verwebt  wird),  erhält  sie  den
       Gebrauchswert, den  die Baumwolle als solche hatte und spezifisch
       im Garn  erhalten hatte. Sie erhält das Produkt der Arbeit, indem
       sie es  zum Rohstoff  neuer Arbeit macht; aber sie setzt nicht 1.
       neue Arbeit  hinzu und  erhält 2. daneben durch eine andre Arbeit
       den Gebrauchswert  des Rohstoffs.   S i e    e r h ä l t    d e n
       N u t z e n  d e r  B a u m w o l l e  a l s  G a r n,  i n d e m
       s i e   d a s   G a r n  v e r w e b t.  (Alles dies gehört schon
       ins 1.  Kapitel v   o n  d e r  P r o d u k t i o n  i m  a l l -
        g e m e i n e n.)     E r h ä l t    s i e    d u r c h    d i e
       V e r w e b u n g.   Dies Erhalten  der Arbeit  als Produkt, oder
       des Gebrauchswerts  des Produkts  der Arbeit, dadurch, daß es zum
       Rohstoff neuer Arbeit wird, wieder als materielle Gegenständlich-
       keit der zweckmäßigen lebendigen Arbeit gesetzt wird, ist im ein-
       fachen Produktionsprozeß  gegeben. In bezug auf den Gebrauchswert
       besitzt die  Arbeit diese  Eigenschaft, daß  sie dadurch den vor-
       handnen Gebrauchswert  erhält, daß sie ihn erhöht, und sie erhöht
       ihn, indem  sie ihn zum Gegenstand einer neuen durch den Endzweck
       bestimmten Arbeit  macht; wieder  aus der Form des gleichgültigen
       Bestehns in  die des  gegenständlichen Materials,  des Leibes der
       Arbeit macht.
       (D a s s e l b e   g i l t   v o m   I n s t r u m e n t.    Eine
       Spindel erhält  sich nur als Gebrauchswert, indem sie zum Spinnen
       vernutzt wird.  Sonst wäre  durch die bestimmte Form, die hier am
       Eisen und  Holz gesetzt  wird, sowohl die Arbeit, die sie setzte,
       als der  Stoff, an  dem sie  sie 34*)  setzte, verdorben  zum Ge-
       brauch. Nur indem sie
       -----
       33*) In der Handschrift: sie - 34*) in der Handschrift: sie ihn
       
       #280# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       als Mittel  der lebendigen  Arbeit, als  ein gegenständliches Da-
       seinsmoment ihrer  Lebendigkeit gesetzt wird, wird der Gebrauchs-
       wert von  Holz und Eisen ganz ebenso wie ihre Form erhalten. Auf-
       genutzt zu  werden, ist  ihre Bestimmung  als  Arbeitsinstrument,
       aber im Spinnprozeß aufgenutzt zu werden. Die größere Produktivi-
       tät, die sie der Arbeit verleiht, schafft mehr Gebrauchswerte und
       ersetzt so  den in  der Konsumtion  des Instruments  aufgezehrten
       Gebrauchswert. Am  klarsten erscheint  dies in der Agrikultur, da
       [ihr Produkt]  unmittelbar als  Lebensmittel und Gebrauchswert am
       leichtesten, weil  am ursprünglichsten, in seinem Unterschied vom
       Tauschwert -  als Gebrauchswert  erscheint. Wenn  die  Hacke  dem
       Landbauer doppelt  soviel Korn  verschafft, als er sonst erhalten
       könnte, so  braucht er  weniger Zeit auf die Produktion der Hacke
       selbst anzuwenden;  er hat  Proviant genug, um eine neue Hacke zu
       machen.)
       Nun erscheinen  im Verwertungsprozeß die Wertbestandteile des Ka-
       pitals -  von denen einer in der Form des Materials, der andre in
       der Form des Instruments existiert - dem Arbeiter gegenüber, d.h.
       der lebendigen Arbeit (denn als solche existiert der Arbeiter nur
       in diesem  Prozeß), nicht als Werte, sondern als einfache Momente
       des Produktionsprozesses;  als Gebrauchswerte für die Arbeit, als
       die gegenständlichen  Bedingungen ihrer Wirksamkeit oder als ihre
       gegenständlichen Momente. Daß er sie erhält, indem er das Instru-
       ment als  Instrument benutzt  und dem  Rohstoff ¦¦42¦  eine höhre
       Form des  Gebrauchswerts gibt,  liegt in  der  Natur  der  Arbeit
       selbst. Aber  die so erhaltnen Gebrauchswerte der Arbeit sind als
       Bestandteile des  Kapitals Tauschwerte  und als  solche  bestimmt
       durch die  in ihnen  enthaltnen Produktionskosten, das Quantum in
       ihnen 35*)  vergegenständlichter Arbeit.  (Für den  Gebrauchswert
       handelt es  sich nur  um die  Q u a l i t ä t  der bereits verge-
       genständlichten  Arbeit.)   Das  Quantum  der    v e r g e g e n-
       s t ä n d l i c h t e n   A r b e i t   wird erhalten, indem ihre
       Q u a l i t ä t     a l s    G e b r a u c h s w e r t e    f ü r
       f e r n e r e   A r b e i t   erhalten wird durch den Kontakt mit
       der lebendigen  Arbeit. Der  Gebrauchswert der  Baumwolle wie ihr
       Gebrauchswert als  Garn wird  dadurch erhalten,  daß sie als Garn
       verwebt wird;  dadurch, daß  sie als  eines der  gegenständlichen
       Momente  (neben   dem  Spinnrad   36*))   im   Weben   existiert.
       D a d u r c h   e r h ä l t   s i c h   a l s o   a u c h   d a s
       Q u a n t u m     A r b e i t s z e i t,    d a s    i n    d e r
       B a u m w o l l e   u n d   B a u m w o l l g a r n  e n t h a l-
       t e n   w a r.   W a s   i m    e i n f a c h e n    P r o d u k-
       t i o n s p r o z e ß   a l s   E r h a l t e n   d e r    Q u a-
       l i t ä t   d e r   v o r h e r g e g a n g n e n  A r b e i t  -
       u n d  d a d u r c h  auch des Materials, worin sie gesetzt ist -
       erscheint,  erscheint   im  Verwertungsprozeß  als  Erhalten  des
       Quantums der  schon vergegenständlichten  Arbeit.   F ü r   d a s
       K a p i t a l   ist diese  Erhaltung [das  Erhalten] des Quantums
       der vergegenständlichten  Arbeit   d u r c h    den  Produktions-
       prozeß;
       -----
       35*) In der  Handschrift: ihr  - 36*) sollte  eigentlich  heißen:
       Webstuhl
       
       #281# Absoluter und relativer Mehrwert
       -----
       für die  l e b e n d i g e  A r b e i t  selbst nur das des schon
       vorhandnen, für die Arbeit vorhandnen Gebrauchswerts.
       Die lebendige  Arbeit setzt ein n e u e s  A r b e i t s q u a n-
       t u m   z u;   aber nicht  durch dieses   q u a n t i t a t i v e
       Z u s e t z e n     erhält  sie   das  schon  vergegenständlichte
       Arbeitsquantum,  sondern   durch  ihre     Q u a l i t ä t    als
       l e b e n d i g e   A r b e i t   oder dadurch,  daß sie sich als
       Arbeit zu den Gebrauchswerten verhält, worin die vergangne Arbeit
       existiert. Bezahlt  wird die lebendige Arbeit aber auch nicht für
       diese Qualität,  die sie als lebendige Arbeit besitzt - sie würde
       gar nicht  gekauft, wenn  sie  nicht  lebendige  Arbeit  wäre  ",
       sondern für  das in  ihr selbst enthaltne  Arbeits q u a n t u m.
       Bezahlt wird  nur der   P r e i s   ihres Gebrauchswerts, wie der
       aller andren  Waren. Die  spezifische Qualität,  die sie besitzt,
       dadurch, daß  sie neues  Arbeitsquantum dem  schon vergegenständ-
       lichten Arbeitsquantum  zufügt, zugleich  die vergegenständlichte
       Arbeit  in  ihrer  Qualität  als  vergegenständlichte  Arbeit  zu
       erhalten, wird  ihr nicht  bezahlt und  kostet dem  Arbeiter auch
       nichts, da  sie die Natureigenschaft seines Arbeitsvermögens ist.
       In dem  Produktionsprozeß ist  die Trennung  der Arbeit von ihren
       gegenständlichen Daseinsmomenten  -  Instrument  und  Material  -
       a u f g e h o b e n .  A u f  d e r  T r e n n u n g  b e r u h t
       d a s   D a s e i n    d e s    K a p i t a l s    u n d    d e r
       L o h n a r b e i t.   D i e   A u f h e b u n g  d e r  T r e n-
       n u n g,  d i e  i m  P r o d u k t i o n s p r o z e ß  w i r k-
       l i c h   v o r g e h t  - denn sonst könnte gar nicht gearbeitet
       werden ",   z a h l t   d a s   K a p i t a l   n i c h t.   (Die
       Aufhebung geschieht  auch  nicht  durch  den  Austausch  mit  dem
       Arbeiter -  sondern   d u r c h   d i e  A r b e i t  s e l b s t
       i m       P r o d u k t i o n s p r o z e ß.        Als    solche
       g e g e n w ä r t i g e   A r b e i t   aber ist sie selbst schon
       dem Kapital  einverleibt, ein  Moment desselben. Diese erhaltende
       Kraft der  Arbeit  erscheint  also  als    S e l b s t e r h a l-
       t u n g s k r a f t   des Kapitals.  Der Arbeiter  hat  nur  neue
       Arbeit hinzugefügt; die vergangne - indem das Kapital existiert -
       hat eine  ewige Existenz als Wert, durchaus unabhängig von seinem
       stofflichen Dasein.  So erscheint  die Sache  dem Kapital und dem
       Arbeiter.) Müßte  es diese  auch zahlen,  so hörte  es eben  auf,
       Kapital zu  sein. Es fällt dies rein in die stoffliche Rolle, die
       die Arbeit im Produktionsprozeß ihrer Natur nach spielt; in ihren
       Gebrauchswert. Als  Gebrauchswert  gehört  die  Arbeit  aber  dem
       Kapitalisten; als  bloßer Tauschwert dem Arbeiter. Ihre lebendige
       Qualität im  Produktionsprozeß  selbst,  die  vergegenständlichte
       Arbeitszeit dadurch  zu erhalten,  daß sie  dieselbe  zur  gegen-
       ständlichen  Daseinsweise   lebendiger  Arbeit  macht,  geht  den
       Arbeiter nichts an.  D i e s e  A n e i g n u n g,  w o d u r c h
       i m     P r o d u k t i o n s p r o z e ß    s e l b s t    d i e
       l e b e n d i g e     A r b e i t    I n s t r u m e n t    u n d
       M a t e r i a l   zum Leibe ihrer Seele macht und dadurch von den
       Toten auf  erweckt, steht  in der  Tat im Gegensatz dazu, daß die
       Arbeit gegenstandslos  oder  nur  in  unmittelbarer  Lebendigkeit
       Wirklichkeit  im   Arbeiter  [ist]   -  und  Arbeitsmaterial  und
       Instrument als  für sich  selbst seiende  im Kapital  existieren.
       (Darauf zurückzukommen.) Der Verwertungsprozeß
       
       #282# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       des Kapitals  geht durch  den und  im einfachen Produktionsprozeß
       vor sich,  dadurch, daß  die lebendige Arbeit in ihre naturgemäße
       Beziehung zu ihren materiellen Daseinsmomenten gesetzt wird. Aber
       soweit sie  in diese  Beziehung tritt,  existiert diese Beziehung
       nicht für  sie selbst,  sondern für  das Kapital;  ist sie selbst
       schon Moment des Kapitals.
       Es zeigt  sich also,  daß vermittelst  des Austauschprozesses mit
       dem Arbeiter  der Kapitalist  - indem  er in der Tat dem Arbeiter
       ein Äquivalent zahlt für die in seinem Arbeitsvermögen enthaltnen
       Produktionskosten, d.h. ihm die Mittel gibt, sein Arbeitsvermögen
       zu erhalten  - sich aber die lebendige Arbeit aneignet, zweierlei
       gratis erhält, erstens die Surplusarbeit, die den Wert seines Ka-
       pitals vermehrt, aber zugleich zweitens die Qualität der lebendi-
       gen Arbeit,  die die in den Bestandteilen des Kapitals materiali-
       sierte vergangne  Arbeit erhält  und so  den vorher existierenden
       Wert des  Kapitals erhält.  Diese Erhaltung  geschieht aber nicht
       dadurch, daß  die lebendige  Arbeit das    Q u a n t u m    d e r
       v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e n               A r b e i t
       v e r g r ö ß e r t,   Wert schafft, sondern einfach dadurch, daß
       sie im  Zufügen von  neuem Arbeitsquantum  als  l e b e n d i g e
       Arbeit existiert, in dem durch den Produktionsprozeß 37*) gesetz-
       ten immanenten  Verhältnis zu Material und Instrument der Arbeit;
       also durch  ihre  Q u a l i t ä t  als lebendige Arbeit. Als sol-
       che Qualität aber ist sie selbst ein Moment des einfachen Produk-
       tionsprozesses und  kostet dem  Kapitalisten gerade  sowenig, wie
       ihm das  Garn und  die Spindel  38*) außer ihrem Preis noch etwas
       dafür kosten,  daß sie ebenfalls Momente des Produktionsprozesses
       sind.
       Wenn z.B.  in Zeiten von stagnations of trade 39*) etc. die mills
       40*) stillgesetzt werden,  so zeigt  sich in der Tat, daß die Ma-
       schine einrostet  und das  Garn nutzloser  Ballast ist,  außerdem
       verdirbt, sobald  ihre Beziehung  zur lebendigen  Arbeit aufhört.
       Wenn der  Kapitalist bloß  ¦¦43¦ arbeiten  läßt, um  Mehrwert  zu
       schaffen -  um noch nicht vorhandnen Wert zu schaffen ", so zeigt
       sich, daß, sobald er aufhört, arbeiten zu lassen, auch sein schon
       vorhandnes Kapital  entwertet wird; daß also die lebendige Arbeit
       nicht nur neuen Wert zufügt, sondern durch den very act of adding
       a new  value to  the old  one, maintains, eternizes it 41*). (Die
       Albernheit des  dem Ricardo  gemachten Vorwurfs,  daß er    n u r
       Profit und  Salair als notwendige Bestandteile der Produktionsko-
       sten auffaßt,  nicht auch den im Rohstoff und Instrument enthalt-
       nen Teil  des Kapitals  zeigt sich  so klar.  Soweit der in ihnen
       vorhandne Wert  nur erhalten wird, macht dies keine neuen Produk-
       tionskosten. Was aber diese vorhandnen
       -----
       37*) In der  Handschrift: das Produktionsgesetz - 38*) sollte ei-
       gentlich  heißen:   Webstuhl  -  39*) Stockungen  des  Handels  -
       40*) Fabriken -  41*) allein durch  den Akt des Hinzufügens eines
       neuen Wertes zum alten, es unterhält und verewigt
       
       #283# Mehrwert und Profit
       -----
       Werte selbst angeht, lösen sie sich alle wieder in vergegenständ-
       lichte Arbeit  auf - notwendige Arbeit und Surplusarbeit - Salair
       und Profit. Das bloße Naturmaterial, soweit  k e i n e  menschli-
       che Arbeit  in ihm  vergegenständlicht ist, soweit es daher bloße
       Materie ist,  unabhängig von  der menschlichen  Arbeit existiert,
       hat keinen  W e r t,  da Wert nur vergegenständlichte Arbeit ist;
       sowenig Wert  wie die allgemeinen Elemente überhaupt.) Die Erhal-
       tung des vorhandnen Kapitals durch die sie verwertende Arbeit ko-
       stet daher  dem Kapital nichts und gehört daher nicht zu den Pro-
       duktionskosten; obgleich die vorhandnen Werte im Produkt erhalten
       sind und  also im Austausch für dieselben Äquivalente dafür gege-
       ben werden  müssen. Aber  die    E r h a l t u n g    d i e s e r
       W e r t e   im Produkt  kostet dem  Kapital nichts und kann daher
       von ihm  auch nicht  unter die Produktionskosten rangiert werden.
       Sie werden auch nicht ersetzt durch die Arbeit, da sie nicht kon-
       sumiert werden,  außer insofern  sie in ihrer für die 42*) Arbeit
       gleichgültigen, außer  ihr  bestehenden  Daseinsweise  konsumiert
       werden,  d.h.  eben  ihre    V e r g ä n g l i c h k e i t    a n
       i h n e n  k o n s u m i e r t  wird durch die Arbeit (aufgehoben
       wird). Real konsumiert wird nur das Salair.
       
       [Mehrwert und Profit]
       
       Kehren wir noch einmal zu unserm Beispiel zurück. 100 Taler Kapi-
       tal, nämlich  50 Taler  Rohmaterial, 40  Taler Arbeit,  10  Taler
       Produktionsinstrument. Der  Arbeiter brauche 4 Stunden, um die 40
       Taler, die zu seinem Leben nötigen Mittel, oder den zu seiner Er-
       haltung nötigen  Teil der Produktion zu schaffen; sein Arbeitstag
       sei 8  Stunden. Der Kapitalist erhält dadurch Surplus von 4 Stun-
       den gratis;  sein Surpluswert gleich 4 vergegenständlichten Stun-
       den, 40  Talern; also  sein Produkt  = 50  + 10  (erhaltne Werte,
       nicht reproduzierte;  als  Werte    k o n s t a n t    geblieben,
       u n v e r ä n d e r t  geblieben) + 40 Taler (Arbeitslohn, repro-
       duziert, weil  in der  Form des  Salairs konsumiert)  + 40  Taler
       Mehrwert.   S u m m a:  140 Taler. Von diesen 140 Talern sind nun
       40 Überschuß.  Der Kapitalist  mußte leben während der Produktion
       und, bevor  er zu  produzieren anfing; sage 20 Taler. Diese mußte
       er außer  seinem Kapital  von 100 Talern besitzen; es mußten also
       Äquivalente für sie in der Zirkulation vorhanden sein. (Wie diese
       entstanden sind,  geht uns  hier nichts  an.) Das  Kapital unter-
       stellt die  Zirkulation als  konstante Größe.  Diese  Äquivalente
       wieder von neuem vorhanden. Verzehrt also 20 Taler von seinem Ge-
       winn. Diese gehn in die
       -----
       42*) In der Handschrift: v.d.
       
       #284# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       einfache Zirkulation ein. Die 100 Taler gehn auch in die einfache
       Zirkulation, aber  um wieder  verwandelt zu werden in Bedingungen
       neuer Produktion,  50 Taler  Rohmaterial, 40 Lebensmittel für Ar-
       beiter, 10 Instrument. Bleibt Mehrwert zugefügt als solcher, neu-
       geschaffen, von  20 Talern.  Dieser ist   G e l d,  negativ selb-
       ständig gesetzter  Wert gegen die Zirkulation. In die Zirkulation
       als bloßes  Äquivalent, um Gegenstände der bloßen Konsumtion aus-
       zutauschen, kann  es nicht  eingehn, da  die Zirkulation als kon-
       stant vorausgesetzt  ist. Die selbständige, illusorische Existenz
       des Geldes ist aber aufgehoben; es existiert nur noch, um sich zu
       verwerten; d.h. Kapital zu werden. Um solches zu werden, müßte es
       aber von  neuem gegen  die Momente  des Produktionsprozesses, Le-
       bensmittel für Arbeiter, Rohstoff und Instrument 1*) ausgetauscht
       werden; diese  alle lösen sich in vergegenständlichte Arbeit auf,
       können nur  durch lebendige gesetzt werden. Das  G e l d,  soweit
       es jetzt  schon   a n   s i c h  als Kapital existiert, ist daher
       einfach   A n w e i s u n g   a u f   z u k ü n f t i g e  (neue)
       Arbeit. Gegenständlich  existiert es  nur als  G e l d.  Der Sur-
       pluswert, der  Zuwachs  der    v e r g e g e n s t ä n d l i c h-
       t e n   A r b e i t,  soweit er für sich existiert, ist  G e l d;
       aber das Geld ist jetzt  a n  s i c h  schon Kapital; als solches
       A n w e i s u n g   a u f   n e u e  A r b e i t.  Hier tritt das
       Kapital schon nicht mehr nur in Verhältnis zur vorhandnen Arbeit;
       sondern zu zukünftiger. Es erscheint auch nicht mehr aufgelöst in
       seine einfachen Elemente im Produktionsprozeß, sondern in das als
       Geld; aber  nicht mehr  als Geld, das bloß die abstrakte Form des
       allgemeinen  Reichtums,   sondern   Anweisung   auf   die   reale
       Möglichkeit des  allgemeinen Reichtums - das Arbeitsvermögen, und
       zwar das   w e r d e n d e   A r b e i t s v e r m ö g e n   ist.
       Als solche  Anweisung ist  seine  materielle  Existenz  als  Geld
       gleichgültig und  kann durch  jeden Titel  ersetzt werden. So gut
       wie  der  Staatsgläubiger  besitzt  jeder  Kapitalist  in  seinem
       neuerworbnen Wert  Anweisung auf  zukünftige Arbeit  und hat sich
       durch  die   Aneignung  der   gegenwärtigen  zugleich  schon  die
       zukünftige  angeeignet.  (Diese  Seite  des  Kapitals  später  zu
       entwickeln. Es zeigt sich hier schon seine Eigenschaft, als Wert,
       getrennt von  seiner Substanz,  zu bestehn. Die Basis des Kredits
       ist hierin schon gelegt.) Seine Aufhäufung in der Form des Geldes
       ist keineswegs  daher materielle  Aufhäufung der  materiellen Be-
       dingungen der  Arbeit. Sondern  Aufhäufung der Eigentumstitel auf
       Arbeit. Setzen  zukünftiger Arbeit als  L o h n a r b e i t,  als
       Gebrauchswert des  Kapitals. Für  den  neugeschaffnen  Wert  kein
       Ä q u i v a l e n t   vorhanden; seine  Möglichkeit nur  in neuer
       ¦¦44¦ Arbeit.
       In diesem  Beispiel also  durch absolute Surplusarbeitszeit - Ar-
       beiten von  8 Stunden  statt 4  - neuer Wert von 20 Talern, Geld,
       und Geld schon in bezug
       -----
       1*) In der Handschrift: Instrument und Rohmaterial
       
       #285# Mehrwert und Profit
       -----
       auf  seine   Form  als   Kapital  (schon   als    g e s e t z t e
       M ö g l i c h k e i t   des Kapitals, nicht wie früher als solche
       dadurch werdend,  daß es  aufhörte, Geld als solches zu sein) ge-
       schaffen; den  alten Werten der vorhandnen Welt des Reichtums zu-
       gefügt.
       Verdoppelt sich nun die Produktivkraft, so daß der Arbeiter statt
       4 Stunden  nur 2  Stunden   n o t w e n d i g e   A r b e i t  zu
       liefern hat,  und läßt  ihn der  Kapitalist consequently 2*) nach
       wie vor  8 Stunden  arbeiten, so  steht die Rechnung so: 50 Taler
       Material, 20  Arbeitslohn, 10  Arbeitsinstrument, 60 Surpluswert.
       (6 Stunden, früher 4.) Zuwachs von absolutem Surpluswert: 2 Stun-
       den oder 20 Taler. S u m m a:  140 Taler (im Produkt). [174]
       Summa 140  Taler nach  wie vor;  davon aber 60 Mehrwert; wovon 40
       wie vorher  für absolute Vermehrung der Surpluszeit, 20 für rela-
       tive. Es  sind aber  nach wie  vor nur  140  Taler  in  einfachem
       Tauschwert enthalten.  Sind nun bloß die Gebrauchswerte vermehrt,
       oder ist ein neuer Wert geschaffen? Vorhin mußte das Kapital wie-
       der mit  100 beginnen, um sich von neuem um 40% zu vermehren. Was
       wird aus  den 20 Mehrwert? Vorher aß das Kapital 20 auf; es blie-
       ben ihm  20 Wert. Jetzt ißt es 20 auf; es bleiben ihm 40. Andrer-
       seits blieb  vorhin das in die Produktion eingehende Kapital 100;
       jetzt ist  es 80 geworden. Was auf der einen Seite an Wert in der
       einen Bestimmung  gewonnen ist, ist auf der andren Seite als Wert
       in der  andren verloren.  Das erste Kapital geht in den Produkti-
       onsprozeß wieder  ein; produziert  wieder 20 (seinen Konsum abge-
       rechnet) Mehrwert.  Am Ende dieser zweiten Operation neugeschaff-
       ner Wert für kein Äquivalent vorhanden. 20 Taler zusammen mit den
       ersten 40. Nehmen wir nun das zweite Kapital.
       50 Material,  20 Arbeitslohn (= 2 Stunden), 10 Arbeitsinstrument.
       Mit den 2 Stunden produziert es aber Wert von 8, nämlich 80 Taler
       (wovon 20  für Produktionskosten). Bleiben 60, da 20 nur reprodu-
       zieren das  Salair (also verschwunden sind als Salair). 60 + 60 =
       120. Am  Ende dieser zweiten Operation 20 Taler Konsumtion, blei-
       ben 20  Surpluswert [175];  zusammen mit  der ersten  60. Bei der
       dritten Operation  bei dem  ersten [Kapital]  60, bei dem zweiten
       80; bei  der vierten [Operation] bei dem ersten [Kapital] 80, bei
       dem zweiten  100. Um wieviel sich der Tauschwert des ersten Kapi-
       tals als  produktives Kapital  vermindert hat,  hat es  sich  als
       W e r t  vermehrt.
       Gesetzt, beide  Kapitalien seien  imstande, als Kapital mit ihrem
       Surplus verwandt werden zu können; d. h. für das Surplus sich ge-
       gen neue  lebendige Arbeit austauschen zu können. So erhalten wir
       folgende   Rechnung    (die   Konsumtion    beiseite   gelassen):
       e r s t e s  K a p i t a l  produziert 40%; das zweite
       -----
       2*) folglich
       
       #286# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
       -----
       60%. 40%  von 140  sind 56;  60% von  140 (nämlich 80 Kapital, 60
       Surpluswert) sind 84. Das Gesamtprodukt im ersten Fall 140 + 56 =
       196; im zweiten 140 + 84 = 224. Im zweiten Fall also der absolute
       Tauschwert höher  um 28.  Das erste Kapital hat 40 Taler, um neue
       Arbeitszeit zu  kaufen; der  Wert der Arbeitsstunde war vorausge-
       setzt 10  Taler; also  kauft er mit 40 Talern 4 neue Arbeitsstun-
       den, die  ihm  80  produzieren  (wovon  40  Ersatz  des  Salairs)
       (nämlich 8  Arbeitsstunden, geben).  Es war  am  Ende  140  +  80
       (nämlich Reproduktion  des Kapitals von 100: Mehrwert 40 oder Re-
       produktion von  140; die  ersten 100 Taler reproduzieren sich als
       140; die  zweiten 40 (da sie nur zum Ankauf neuer Arbeit ausgege-
       ben werden,  also keinen  Wert   e i n f a c h   ersetzen, -  un-
       mögliche Voraussetzung  übrigens ")  produzieren 80.  140 +  80 =
       220. Das  zweite Kapital von 140; die 80 produzieren 40; oder die
       80 Taler  reproduzieren sich als 120; die übrigbleibenden 60 aber
       reproduzieren sich  (denn   r e i n   zum Ankauf von  A r b e i t
       ausgegeben und sie also keinen Wert einfach ersetzen, sondern aus
       sich selbst  reproduzieren und  das Surplus setzen) als 180; also
       120 + 120 = 240. (40 Taler mehr produziert als das erste Kapital,
       exakt die  Surpluszeit von 2 Stunden, denn das erste ist Surplus-
       zeit von 2 Stunden auch im ersten Kapital unterstellt). Also grö-
       ßrer Tauschwert  als Resultat,  weil mehr  Arbeit  vergegenständ-
       licht; 2 Stunden mehr Surplusarbeit.
       ¦¦45¦ Hier  noch ein  andres zu bemerken: 140 Taler zu 40% werfen
       ab 56; Kapital und Zins zusammen = 140 + 56 = 196; aber wir haben
       erhalten 220;  wonach der Zins der 140 wäre nicht 56, sondern 84;
       was wäre  60% für  140 (140:84  = 100:  x; x  = 8 400/440  = 60).
       Ebenso im zweiten Fall: 140 zu 60% = 84; Kapital und Zins = 140 +
       84 =  224; wir  erhalten aber  240; wonach der Zins der 140 nicht
       84, sondern  100; (140  + 100  = 240);  d.h. Prozent  (140:100  =
       100:x; x = 10 000/140) 3*) 71 3/7 %. Woher kommt das nun? (Im er-
       sten Fall  60% statt  40; im  zweiten 71 3/7 % 4*) statt 60%.) Im
       ersten Fall,  wo 60  statt 40, also 20% zuviel herausgekommen; in
       dem zweiten  Fall 71 3/7  4*) statt 60, also 11 3/7 % 6*) zuviel.
       Woher also erstens die Verschiedenheit in beiden Fällen und zwei-
       tens der Unterschied in jedem Falle?
       Im ersten  Falle das ursprüngliche Kapital 100 = 60 (Material und
       Arbeitsinstrument) und 40 Arbeit; 2/5 Arbeit, 3/5 (Material). Die
       ersten 3/5 bringen gar keinen Zins; die letzten 2/5 bringen 100%.
       Aber auf das ganze Kapital gerechnet, hat es sich nur um 40% ver-
       mehrt; 2/5  von 100  = 40.  Die 100% auf dieselben geben aber nur
       40% auf  das ganze  100; d.h.  eine Vermehrung des Ganzen um 2/5.
       Hätte sich  nun von dem neuhinzugekommnen Kapital von 40 auch nur
       2/5
       -----
       3*) In der Handschrift: 1000/149 - 4*) in der Handschrift: 70 1/7
       % -  5*) in  der Handschrift:  70 1/7 -  6*) in  der  Handschrift
       10 1/7 %
       
       #287# Mehrwert und Profit
       -----
        um  100% vermehrt, so gäbe das eine Vermehrung des Ganzen um 16.
       40 +  16 =  56. Dieses zusammen mit den 140 = 196; was denn wirk-
       lich 40% auf 156 ist, Kapital und Zinsen zusammengerechnet. 40 um
       100% vermehrt,  verdoppelt, ist  80; 2/5  von 40 um 100% vermehrt
       ist 16. Von den 80 ersetzen 40 das Kapital. 40 Gewinn.
       Rechnung also:  100c + 40Zins + 40c + 40Z = 220; oder Kapital von
       140 mit  Zins von 80; hätten wir aber gerechnet: 100c + 40Z + 40c
       + 16Z = 196; oder das Kapital von 140 mit Zins von 56.
       Es sind  zu viel Zins gerechnet, auf 40 Kapital 24; 24 aber = 3/5
       von 40  (3 x  8 = 24); d.h. neben dem Kapital nur 2/5 vom Kapital
       sind um  100% gewachsen;  das ganze Kapital also nur um 2/5, i.e.
       16 Taler  7*). Die  Zinsberechnung um 24 Taler 8*) zu groß auf 40
       (um 100  % auf  3/s des  Kapitals); 24 auf 24 sind 100% auf 3 x 8
       (3/5 von  40). Auf  die ganze Summe von 140 aber kommen 60% statt
       40; d.h. auf 40 zuviel gerechnet 24 (3/5), 24 auf 40 sind 60%. Es
       sind also  auf Kapital  40   60% zuviel  gerechnet (60  = 3/5 von
       100). Auf  140 aber  24 zuviel gerechnet (und dies ist der Unter-
       schied von 220 zu 1%), sind erst 1/5 vom 100 und 1/12 vom 100 zu-
       viel gerechnet;  1/5 vom  100 = 20%;  1/12  9*) vom 100  8 4/12 %
       oder 81 1/3  %; also zusammen 28 1/3 % zuviel. Also auf das Ganze
       nicht wie  [auf] die 40 Kapital 60%, sondern nur 28 1/3 % zuviel;
       was eine Differenz von 31 2/3 %  10*) macht, je nachdem 24 zuviel
       auf 40  der 140 Kapital gerechnet wird. Ebenso in dem andren Bei-
       spiel.
       In den  ersten 80,  die 120  produzieren, war 50 + 10 einfach er-
       setzt; 20  aber reproduzierte  das Dreifache von sich 60; (20 Re-
       produktion, 40 Surplus).
       Arbeitsstunden
       Wenn 20  ... 60  setzt, die  ihren dreifachen  Wert  [ausmachen],
       setzt 60 ... 180.
       
       ¦¦IV-1¦ Es  ist sich  nicht länger  bei dieser  höchst ennuyanten
       Rechnung aufzuhalten.  Der Witz ist einfach der: Betragen wie bei
       unsrem ersten  Beispiel 3/5 (60 vom 100) Material und Instrument,
       2/5 Arbeitslohn  (40) und  warf das Kapital 40% Gewinn ab, so ist
       es am Schluß gleich 140 (diese 40% Gewinn dem gleich, daß der Ka-
       pitalist mit  6 notwendigen Arbeitsstunden 12 arbeiten ließ, also
       100% auf  die notwendige  Arbeitszeit gewann). Arbeiteten nun die
       gewonnenen 40 Taler wieder als Kapital unter denselben Vorausset-
       zungen - und auf dem Punkt, worauf wir stehn, haben sich die Vor-
       aussetzungen noch  nicht verändert  ", so  muß von  den 40 Talern
       wieder 3/5, i.e. 24 Taler, auf
       -----
       7*) In der  Handschrift: 16%  - 8*) in  der  Handschrift:  24%  -
       9*) in der Handschrift: 11/12 - 10*) in der Handschrift: 32 1/3 %
       
       #288# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       Material und  Instrument verwandt  werden und  2/5 auf Arbeit; so
       daß dann  auch nur  der Arbeitslohn  von 16  sich verdoppelt,  32
       wird, 16 so zur Reproduktion, 16 Surplusarbeit; also all together
       11*) am  Ende der Produktion 40 + 16 = 56 oder 40%. Das Gesamtka-
       pital von  140 hätte  also unter  denselben Umständen  produziert
       196. Es  darf nicht,  wie es  in den meisten Ökonomien geschieht,
       angenommen werden, daß die 40 Taler rein in Arbeitslohn ausgelegt
       sind, im  Ankauf lebendiger  Arbeit, und daher am Schluß der Pro-
       duktion 80 Taler liefern.
       Wird gesagt:  Ein Kapital  von 100  bringt 10%  in einer gewissen
       Epoche, 5  % in  einer andren, so ist nichts falscher, zu schlie-
       ßen, wie  Carey und  Konsorten [176]  tun, daß im ersten Fall der
       Anteil des  Kapitals an  der Produktion 1/10, also der der Arbeit
       nur 9/10;  daß im  zweiten Fall der Anteil des Kapitals nur 1/10,
       also der der Arbeit 9/10 war; also da die Rate des Profits fällt,
       die der Arbeit steigt. Der Profit von 10% auf ein Kapital von 100
       ist natürlich vom Standpunkt des Kapitals aus, das keineswegs ein
       Bewußtsein über die Natur seines Verwertungsprozesses hat und nur
       in  K r i s e n  ein Interesse hat, ein Bewußtsein darüber zu ha-
       ben, so  betrachtet, daß  die Wertbestandteile  seines Kapitals -
       Material, Instrument,  Arbeitslohn sich  indifferent um  10% ver-
       mehrt haben,  also das Kapital als Summe von 100 Talern Wert, als
       diese Anzahl  einer gewissen Einheit von Werten, sich um 10% ver-
       mehrt hat.  In der Tat aber fragt es sich: 1. wie verhielten sich
       die Bestandteile  des Kapitals zueinander und 2. wieviel Surplus-
       arbeit hat  es mit  dem Salair - mit den im Salair vergegenständ-
       lichten Arbeitsstunden gekauft. Kenne ich die Gesamtsumme des Ka-
       pitals,  das   Verhältnis  seiner   Wertbestandteile   zueinander
       (praktisch müßte  ich auch wissen, der wievielte Teil des Produk-
       tionsinstruments sich  im Prozeß  abnutzt, also  wirklich in  ihn
       eingeht), und kenne ich den Profit, so weiß ich, wieviel Surplus-
       arbeit geschaffen  worden ist. Bestand das Kapital zu 3/5 aus Ma-
       terial (von dem hier der Bequemlichkeit wegen vorausgesetzt wird,
       daß es  ganz Material  der Produktion wird, ganz produktiv konsu-
       miert wird),  also 60  Taler und  dem Arbeitslohn 40, und ist der
       Profit der  100 Taler 10, so hat die mit 40 Talern vergegenständ-
       lichte Arbeitszeit  gekaufte Arbeit im Produktionsprozeß 50 Taler
       vergegenständlichte Arbeit  geschaffen, also eine Surpluszeit ge-
       arbeitet oder  Surpluswert geschaffen von 25% = 1/4 der notwendi-
       gen Arbeitszeit.  Arbeitet der  Arbeiter also  einen Tag  von  12
       Stunden [177],  so hat  er 3  Stunden Surpluszeit gearbeitet, und
       seine notwendige Arbeitszeit, um ihn einen Tag am Leben zu erhal-
       ten, war  9 Arbeitsstunden. Der in der Produktion geschaffne Neu-
       wert ist  zwar nur  10 Taler,  aber der wirklichen Rate nach sind
       diese 10 Taler auf die 40, nicht auf die 100 zu berechnen. Die 60
       Taler Wert
       -----
       11*) alles zusammen
       
       #289# Mehrwert und Profit
       -----
       haben keinen  neuen Wert  geschaffen; sondern der Arbeitstag. Der
       Arbeiter hat also das gegen das Arbeitsvermögen ausgetauschte Ka-
       pital um  25% vermehrt, nicht um 10%. Das Gesamtkapital hat einen
       Zuwachs von  10% erhalten.  10 ist 25% auf 40; es ist nur 10% auf
       100. Die  Profitrate des Kapitals drückt also keineswegs die Rate
       aus, worin  die lebendige  Arbeit die  gegenständliche  vermehrt;
       denn diese  Vermehrung ist bloß = dem Surplus, womit der Arbeiter
       seinen Arbeitslohn reproduziert, d.h. = der Zeit, die er mehr ar-
       beitet, als er arbeiten müßte, um seinen Arbeitslohn zu produzie-
       ren.
       Wäre im obigen Beispiel der Arbeiter nicht Arbeiter des Kapitali-
       sten und  verhielte er  sich zu  den in den 100 Talern enthaltnen
       Gebrauchswerten nicht  als zu Kapital, sondern einfach als zu ge-
       genständlichen Bedingungen  seiner Arbeit, so besäße er, bevor er
       den Produktionsprozeß  von neuem  beginnt, 40 Taler Lebensmittel,
       die er  verzehrt während des Arbeitstags, 60 Taler Instrument und
       Material. Er würde nur 3/4 Tag arbeiten, 9 Stunden, und sein Pro-
       dukt wäre  am Ende  des Tags nicht 110 Taler, sondern 100, die er
       wieder austauschen  würde in den obigen Proportionen und den Pro-
       zeß immer  wieder von  neuem beginnen.  Aber er  würde auch  drei
       Stunden weniger  arbeiten; d.  h. 25%  Surplusarbeit sparen = 25%
       Surpluswert auf  den Austausch,  den er zwischen 40 Taler Lebens-
       mitteln und  seiner Arbeitszeit gemacht hätte, und wenn er einmal
       drei Stunden  mehr arbeitete, weil er Material daliegen hätte und
       ebenso das  Instrument, so würde es ihm nicht einfallen zu sagen,
       daß er einen Neugewinn von 10% geschaffen, sondern einen von 25%;
       weil er  für ein  Viertel mehr  Lebensmittel kaufen könnte; statt
       für 40  Taler für 50, und die Lebensmittel allein würden ihm, dem
       es um den Gebrauchswert zu tun, Wert haben.
       Auf der  Illusion, daß  nicht der  Neugewinn ¦¦2¦ geschaffen wird
       durch den  Austausch der  in den 40 Talern vergegenständlichten 9
       Arbeitsstunden gegen  12 lebendige,  also ein Surpluswert von 25%
       geschaffen wird  auf diesen  Teil, sondern  daß das Gesamtkapital
       gleichmäßig sich um 10% vermehrt hat "10% auf 60 ist 6 und auf 40
       ist 4  -, beruht  die   z u s a m m e n g e s e t z t e  Z i n s-
       b e r e c h n u n g   des berüchtigten  Dr. Price  [178], die den
       heaven born 12*) Pitt zum Blödsinn seines  s i n k i n g  f u n d
       [179] veranlaßte.  Durch die  Identität des  Mehrgewinns mit  der
       Surplusarbeitszeit  -   absoluten  und   relativen  -   ist  eine
       qualitative Grenze für die Akkumulation des Kapitals gesetzt, der
       A r b e i t s t a g,  die Zeit, worin das Arbeitsvermögen des Ar-
       beiters innerhalb  24 Stunden  tätig sein  kann -  der  Grad  der
       Produktivkraftsentwicklung  -  und  die  Population,  welche  die
       Anzahl der gleichzeitigen Arbeitstage ausdrückt etc. Wird dagegen
       der Mehrgewinn nur
       -----
       12*) himmlischen
       
       
       #290# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       als Zins gefaßt - d.h. als Verhältnis, wonach das Kapital vermit-
       telst irgendeiner  imaginären sleight of hand 13*) sich vermehrt,
       so ist  die Grenze nur quantitativ, und es ist dann absolut nicht
       einzusehen, warum  das Kapital nicht jeden andren Morgen die Zin-
       sen wieder  zu sich  als Kapital  schlägt und  so Zins von seinem
       Zins  schafft   in  unendlicher  geometrischer  Progression.  Die
       U n m ö g l i c h  k e i t   der Priceschen  Zinsvermehrung haben
       die Ökonomen aus der Praxis gesehn; den in ihr enthaltnen blunder
       14*) nie aufgedeckt.
       Von den 110 Talern, die am Ende der Produktion herauskommen, sind
       60 Taler  (Material und Instrument), soweit sie Werte sind, abso-
       lut unverändert geblieben. Der Arbeiter hat ihnen nichts genommen
       und nichts  zugesetzt. Daß  er dem Kapital gratis, durch das very
       fact of  his labour  being living labour 15*), die vergegenständ-
       lichte Arbeit  erhält - erscheint vom Standpunkt des Kapitalisten
       allerdings so,  daß er ihm noch herauszahlen müsse die Erlaubnis,
       daß er,  Kapitalist, ihn  als Arbeit in die adäquate Beziehung zu
       den vergegenständlichten  Momenten - gegenständlichen Bedingungen
       - treten  läßt. Was  nun die übrigen 50 Taler betrifft, so reprä-
       sentieren 40  Taler davon  nun  nicht  bloße  Erhaltung,  sondern
       w i r k l i c h e   R e p r o d u k t i o n,   da das Kapital sie
       in der  Form des  Salairs von sich entäußert und der Arbeiter sie
       konsumiert hat;  10 Taler  repräsentieren die Produktion über die
       Reproduktion hinaus,  nämlich 1/4  Surplusarbeit (von 3 Stunden).
       Produkt des  Produktionsprozesses sind  nur diese  50 Taler. Wenn
       der Arbeiter daher, wie falsch behauptet wird, das Produkt so mit
       dem Kapitalisten  teilte, daß er 9/10 erhielte, müßte er nicht 40
       Taler erhalten (und er hat sie vorauserhalten, dafür sie reprodu-
       ziert; in  der Tat  also dem Kapital völlig zurückbezahlt und ihm
       in den  Kauf den schon bestehenden Wert gratis erhalten), was nur
       8/io; sondern  er müßte 45 erhalten, was dem Kapital nur 5 ließe.
       Der Kapitalist  hätte also  am Ende  nur 65 Taler als Produkt des
       Produktionsprozesses, den  er mit  100 Talern  begonnen. Aber von
       den reproduzierten  40 Talern erhält der Arbeiter nichts, ebenso-
       wenig wie  von den 10 Talern Mehrwert. Sollen die 40 reproduzier-
       ten Taler  so aufgefaßt  werden, daß sie bestimmt sind, von neuem
       als Salair  zu dienen, also auch von neuem dem Kapital zum Ankauf
       der lebendigen Arbeit, so kann, wenn von Verhältnis die Rede sein
       soll, nur gesagt werden, daß die vergegenständlichte Arbeit von 9
       Stunden (40  Talern) eine  lebendige von  12 Stunden  (50 Talern)
       kauft und  so einen  Mehrwert von  25% auf  das wirkliche Produkt
       (teils als  Fonds für  den Arbeitslohn  reproduziert,  teils  als
       Mehrwert neuproduziert) des Verwertungsprozesses macht.
       -----
       13*) Taschenspielerkunststücks -  14*) groben Fehler - 15*) durch
       die alleinige Tatsache, daß seine Arbeit lebendige Arbeit ist
       
       #291# Mehrwert und Profit
       -----
       Eben war das ursprüngliche Kapital von 100:
       
       Arbeitsbe-     Instru-     Lohn-
       dingungen:     ment:       arbeit:
       
          50      -    10     -     40. Produzierte Mehrgewinn von 10
                                        Talern
                                        (25 % Surpluszeit).
                                        Zusammen 110 Taler.
       
       Gesetzt nun, es sei gewesen:
       60-20-20. Das  Resultat sei  110 Taler;  so sagt  der gewöhnliche
       Ökonom und  der noch  gewöhnlichere Kapitalist, daß 10% aus allen
       Teilen des  Kapitals gleichmäßig  produziert worden  sei. Es wäre
       wieder 80  Taler Kapital nur erhalten; keine Veränderung mit sei-
       nem Wert  vorgegangen. Nur  die 20 Taler hätten sich ausgetauscht
       gegen 30;  also hätte  sich die  Surplusarbeit vermehrt  um  50%,
       nicht wie vorhin um 25%.
       Nimm den dritten Fall:
       
               [Arbeitsbe-    [Instru-    [Lohn-
               dingungen:]    ment:]      arbeit:]
       
       100:       70     -      20     -    10     -. Resultat 110.
       
       So der  unveränderte Wert  90. Das neue Produkt 20; also Mehrwert
       oder Surpluszeit  100%. Wir haben hier drei Fälle, in denen immer
       der Profit  des ganzen Kapitals 10  16*), aber im ersten Fall der
       geschaffne Neuwert  25% auf  die zum Ankauf der lebendigen Arbeit
       ausgegebne vergegenständlichte  Arbeit, im  zweiten Fall  50%, im
       dritten: 100%.
       Diese verfluchten falschen Rechnungen soll der Teufel holen. Aber
       never mind  17*). Commençons de nouveau 18*). Im ersten Fall hat-
       ten wir:
       
       Unveränderlichen Wert   Lohnarbeit   Mehrwert   Summa
       
               60                 40           10       110.
       
       Wir unterstellen  fortwährend den  Arbeitstag =  12 Stunden. (Wir
       könnten auch  den Arbeitstag  als wachsend  annehmen, z.B. daß er
       früher nur x Stunden war, nun aber x + b Stunden, und die Produk-
       tivkraft als gleichbleibend; oder beide Faktoren als wechselnd.)
                             Stunden         Taler
       ¦¦3¦ Produziert der
       Arbeiter in             12             50;
       so in                   1 Stunde      4 1/6 Taler } in 12
       so in                   9 3/5 Stunde  40 Taler    } Stunden
       so in                   2 2/5 Stunden 10 Taler    } 50 Taler
       -----
       16*) In  der   Handschrift:  110   -  17*) das   tut   nichts   -
       18*) Beginnen wir von neuem
       
       #292# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       Die notwendige  Arbeit des  Arbeiters beträgt  also 9 3/5 Stunden
       (40 Taler);  die Surplusarbeit  daher 2 2/5  Stunden (Wert von 10
       Talern). 2 2/5 Stunden ist der 5te Teil des Arbeitstags. Die Sur-
       plusarbeit des  Arbeiters 19*)  beträgt 1/5  Tag, also = dem Wert
       von 10  Talern. Betrachten  wir diese  2 2/5 Stunden nun als Pro-
       zent, die  das Kapital  auf die  in 9 3/5  Stunden vergegenständ-
       lichte Arbeitszeit im Austausch gegen die lebendige Arbeit gewon-
       nen hat, so 2 2/5 : 9 3/5 = 12/5 : 48/5, d.h. = 12:48 = 1:4. Also
       1/4 des Kapitals = 25% auf dasselbe. Ebenso 10 Taler : 40 Taler =
       1:4 = 25%.
       Fassen wir nun das ganze Resultat zusammen:
       
       No. Ur-      Unver-   Repro-   Mehr- Total- Surplus- % auf
       I)  sprüng-  änderter duzier-  wert  summe: zeit     die aus-
           liches   Wert     ter Wert der          und      getauschte
           Kapital:          für      Produk-      -wert:   vergegen-
                             Lohn:    tion:                 ständlichte
                                                            Arbeit
            100      60       40       10     110  2 2/5       25%
           Taler    Taler    Taler    Taler  Taler Stunden
                                                   oder
                                                   10 Taler
       
       (Es könnte  gesagt werden,  daß das    A r b e i t s i n s t r u-
       m e n t,   der Wert  desselben, reproduziert,  nicht nur  ersetzt
       werden muß;  da es  in  der  Tat  abgenutzt,  in  der  Produktion
       konsumiert wird. Dies beim capital fixe zu betrachten. In der Tat
       übersetzt sich  der Wert des Instruments in den des Materials; er
       ändert, soweit  er vergegenständlichte  Arbeit ist, nur die Form.
       War im  obigen Beispiel  der Wert  des Materials  50 und  der des
       Arbeitsinstruments 10,  so nun,  wo das Instrument um 5 abgenutzt
       ist, der des Materials 55 und der des Instruments 5; verschwindet
       es ganz,  so hat  der des Materials 60 erreicht. Dies ist Element
       des einfachen  Produktionsprozesses. Das Instrument ist nicht wie
       das Salair    a u ß e r h a l b   d e s    P r o d u k t i o n s-
       p r o z e s s e s  konsumiert worden.)
       Kommen wir nun zur zweiten Voraussetzung:
       
            Ursprüng-     Unver-   Repro-    Mehrwert    Total-
            liches        änderter duzierter der         summe:
            kapital:      Wert:    Wert      Produk-
                                   für Lohn: tion:
       
             100           80        20        10         110
                                              Taler       Taler
       
       Produziert der  Arbeiter in  12 Stunden  30 Taler, so in 1 Stunde
       2 2/4 Taler,  so in 8 Stunden 20 Taler; so in 4 Stunden 10 Taler.
       10 Taler sind 50% auf
       -----
       19*) In der Handschrift: d. Arbeit
       
       #293# Mehrwert und Profit
       -----
       20 Taler;  so sind  4 Stunden  auf 8 Stunden; der Surpluswert = 4
       Stunden, 1/3 Tages- oder 10 Taler Surpluswert.
       Also:
       
       No. Ur-      Unver-   Repro-   Mehr- Total- Surplus- % auf
       II) sprüng-  änderter duzier-  wert  summe: zeit     das
           liches   Wert     ter Wert der          und      Kapital
           Kapital:          für      Produk-      -wert:
                             Lohn:    tion:
       
            100      860       20       10     110  4         50%
                             Taler    Taler        Stunden
                             8 Stun-               oder
                             den                   10 Taler
       
       Im ersten  Fall wie im zweiten ist der Profit auf das Gesamtkapi-
       tal von  100 =  10%, aber  im ersten Fall ist der wirkliche Mehr-
       wert, den das Kapital erhält im Produktionsprozeß, 25, im zweiten
       50%.
       Die Voraussetzungen in No. II sind an sich ebenso möglich wie die
       in No.  I. Aber aufeinander bezogen, erscheinen sie in No. II ab-
       geschmackt. Das  Material und  das Instrument  sind von 60 auf 80
       Taler erhöht,  die Produktivität  der Arbeit  ist von 4 1/6 Taler
       per Stunde gefallen auf 2 2/4 Taler, und der Mehrwert hat sich um
       100% vermehrt. (Unterstelle aber, daß die Mehrausgabe für Lohn im
       ersten Fall  mehr Arbeitstage  ausdrückt, im  zweiten weniger, so
       ist die  Voraussetzung richtig.)  Daß der notwendige Arbeitslohn,
       also der  Wert der  Arbeit in  Talern ausgedrückt,  gefallen ist,
       wäre an  sich gleichgültig.  Ob der Wert einer Arbeitsstunde in 2
       oder 4  Talern ausgedrückt, im ersten Fall wie im zweiten tauscht
       sich das Produkt von 12 Arbeitsstunden (in der Zirkulation) gegen
       12 Arbeitsstunden  aus, und  in beiden  Fällen erscheint die Sur-
       plusarbeit als  Mehrwert. Die  Abgeschmacktheit der Voraussetzung
       geht daraus hervor, daß wir 1. das Maximum der Arbeitszeit als 12
       Stunden gesetzt  haben; also  nicht mehr oder weniger Arbeitstage
       hereinbringen können;  2. je  mehr wir  das Kapital auf der einen
       Seite wachsen  lassen,  desto  mehr  lassen  wir  nicht  nur  die
       n o t w e n d i g e   Arbeits z e i t  vermindern, sondern müssen
       ihren   W e r t   verringern; während  der Wert  derselbe ist. Im
       zweiten Fall  müßte der  Preis vielmehr steigen. Daß der Arbeiter
       mit weniger  Arbeit leben  kann, d.  h. in denselben Stunden mehr
       produziert, müßte sich zeigen nicht in der ¦¦4¦ Abnahme der Taler
       für die notwendige Arbeitsstunde, sondern an der Zahl der notwen-
       digen Arbeitsstunden.  Wenn er  z.B. wie im ersten Beispiel 4 1/6
       Taler  erhält,   aber  der   Gebrauchswert  dieses   Werts,   der
       k o n s t a n t   sein muß,  um   W e r t    auszudrücken  (nicht
       Preis), sich  so vervielfacht hätte, daß er nicht mehr wie im er-
       sten Fall  9 3/5, sondern nur 4 Stunden zur Produktion seines le-
       bendigen Arbeitsvermögens  brauchte, so müßte das sich im Surplus
       des Werts ausdrücken. Aber
       
       #294# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       
       hier haben  wir, wie wir die Bedingungen gestellt haben, variabel
       den "unveränderten  Wert", unverändert die 10%, die hier konstant
       sind als  Zufügung zur  reproduktiven Arbeit,  obgleich sie  ver-
       schiedne Prozentteile derselben ausdrücken.
       Wir haben  im ersten  Fall den  unveränderten Wert kleiner als im
       zweiten Fall,  das Gesamtprodukt  der Arbeit größer; da, wenn ein
       Bestandteil von  100 kleiner  ist, der andre größer sein muß; und
       da zugleich  die Fixität  der absoluten  Arbeitszeit dieselbe; da
       ferner das  Gesamtprodukt der  Arbeit sich  verkleinert, wie  der
       "unveränderte Wert"  sich vergrößert,  und vergrößert, wie dieser
       sich verkleinert,  so erhalten wir für dieselbe Arbeitszeit weni-
       ger Arbeitsprodukt  (absolutes) im selben Verhältnis wie mehr Ka-
       pital angewandt  wird. Dies  wäre nun  ganz richtig, da, wenn von
       einer gegebnen  Summe wie 100 mehr in "unverändertem Wert" ausge-
       legt wird, weniger in Arbeitszeit ausgelegt werden kann und daher
       r e l a t i v   zum ausgelegten  Kapital überhaupt  weniger neuer
       Wert geschaffen  werden kann;  aber dann  muß die  A r b e i t s-
       z e i t   nicht wie hier fixiert sein, oder wenn sie fixiert ist,
       muß der   W e r t   d e r   A r b e i t s s t u n d e   nicht wie
       hier kleiner  werden, was  unmöglich ist,  wenn der "unveränderte
       Wert" größer  und der   M e h r w e r t   g r ö ß e r   wird; die
       A n z a h l   der Arbeitsstunden  müßte kleiner  werden. Dies ist
       aber bei  unsrem  Beispiel  vorausgesetzt.  Wir  unterstellen  im
       ersten Fall, daß in 12 Stunden Arbeit 50 Taler produziert werden;
       im zweiten  nur 30 Taler. Im ersten lassen wir den Arbeiter 9 3/5
       Stunden arbeiten;  im zweiten  nur 6,  obgleich er weniger in der
       Stunde produziere. C'est absurde. 20*)
       Ist aber  doch nicht etwas Richtiges, anders aufgefaßt, in diesen
       Zahlen? Vermindert  sich nicht der absolute Neuwert, obgleich der
       relative wächst, sobald in die Bestandteile des Kapitals verhält-
       nismäßig mehr Material und Instrument zur Arbeit eingeht? Es wird
       im Verhältnis  zu einem gegebnen Kapital weniger lebendige Arbeit
       angewandt; also  wenn auch der Überschuß dieser lebendigen Arbeit
       über ihre Kosten größer ist und daher der Prozentsatz eben in be-
       zug auf  den Arbeitslohn sich vergrößert, d.h. der Prozentsatz in
       bezug auf  das wirklich  konsumierte Kapital,  wird der  absolute
       Neuwert nicht  notwendig relativ kleiner als bei dem Kapital, das
       weniger Arbeitsmaterial  und Instrument  (dies namentlich ist der
       Hauptpunkt in  der Veränderung  des unveränderten, i.e. durch den
       Produktionsprozeß als Wert unveränderten Werts) anwendet und mehr
       lebendige Arbeit  21*); eben  weil mehr  lebendige Arbeit relativ
       angewandt wird?  Der Vermehrung des Arbeitsinstruments entspricht
       dann das  Wachsen der Produktivkraft, da sein Mehrwert wie in der
       früheren Produktionsweise  in keinem  Verhältnis  zu  seinem  Ge-
       brauchswert, seiner Produktivkraft
       -----
       20*) das ist unsinnig - 21*) in der Handschrift: Material
       
       #295# Mehrwert und Profit
       -----
       steht  und  die  bloße  Vermehrung  der  Produktivkraft  Mehrwert
       schafft, wenn  auch keineswegs in demselben Zahlenverhältnis. Die
       Vermehrung der  Produktivkraft, die  sich in der Vergrößerung des
       Werts des Instruments - des Raums, den es in den Auslagen des Ka-
       pitals einnimmt,  aussprechen muß,  führt notwendig mit sich Ver-
       mehrung des  Materials, da  mehr Material  bearbeitet werden muß,
       damit mehr  Produkt produziert  werden kann.  (Die Vermehrung der
       Produktivkraft bezieht  sich aber auch auf Qualität; doch nur auf
       Quantität für  ein gegebnes  Produkt von bestimmter Qualität; auf
       Qualität für  eine bestimmt gegebne Quantität; kann sich auf bei-
       des beziehn.)  Obgleich nun  weniger Arbeit  (notwendige) im Ver-
       hältnis zur  Surplusarbeit vorhanden als überhaupt notwendig, we-
       niger lebendige  Arbeit überhaupt  zum Kapital vorhanden, kann so
       nicht sein  Mehrwert zunehmen, obgleich er im Verhältnis zum gan-
       zen Kapital  abnimmt, also  die sog. Rate des Profits abnimmt? Z.
       B. nehme  Kapital von  100. Material sei ursprünglich 30. Instru-
       ment 30.  (Zusammen 60  unveränderlicher Wert.) Arbeitslohn 40 (4
       Arbeitstage). Profit  10. Hier  der Profit 25% Neuwert auf die im
       Arbeitslohn vergegenständlichte  Arbeit und  10% in bezug auf das
       Kapital. Nun  werde Material 40, Instrument 40. Die Produktivität
       verdopple sich, so daß nur mehr 2 Arbeitstage nötig = 20. Gesetzt
       nun, der absolute Profit sei kleiner als 10; d. h. der Profit auf
       das Gesamtkapital.  Kann nicht  der auf  die beschäftigte  Arbeit
       mehr als  25%, i.e.  im angegebnen  Fall mehr als nur den vierten
       Teil von  20 [betragen]?  In fact,  der dritte  Teil von  20  ist
       6 2/3; also weniger als Zehn, ¦¦5¦ aber doch 33 1/3 % auf die an-
       gewandte Arbeit,  während es  im vorigen  Fall nur  25% war. Hier
       hätten wir  am Ende  nur 106 2/3,  während wir früher 110 hätten,
       und doch  wäre mit  derselben Summe  (100) die Surplusarbeit, der
       Mehrgewinn größer  in bezug  auf die angewandte Arbeit als im er-
       sten; aber  da absolut weniger Arbeit angewandt war von 50%, wäh-
       rend der  größere Profit auf die angewandte Arbeit nur 8 1/3 mehr
       beträgt als  im ersten  Fall, muß  das absolute  Ergebnis kleiner
       sein, als  auch der Profit auf das Totalkapital. Denn 20 x 33 1/3
       kleiner als 40 x 25.
       Dieser ganze  Fall ist  unwahrscheinlich und  kann nicht  als ein
       allgemeines Beispiel  in der Ökonomie gelten; denn Vermehrung des
       Arbeitsinstruments, Vermehrung  des  bearbeiteten  Materials  ist
       hier vorausgesetzt,  obgleich nicht nur die relative, sondern die
       absolute Arbeiterzahl  sich vermindert hat. (Natürlich, wenn zwei
       Faktoren =  einem dritten,  muß der  eine sich verkleinern, indem
       sich der  andre vergrößert.) Aber Vergrößerung des Arbeitsinstru-
       ments dem  Wert nach,  den es im Kapital einnimmt, und Vermehrung
       des Arbeitsmaterials  dem Wert  nach mit relativ verminderter Ar-
       beit setzt  im ganzen  voraus Teilung der Arbeit, also Vermehrung
       der Arbeiter  wenigstens absolut,  wenn auch  nicht im Verhältnis
       zur Größe des angewandten Kapitals.
       
       #296# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       Indes z.B.  bei der  lithographischen Maschine,  die jeder selbst
       zum Abzug  von Lithographien gebrauchen kann, setze, der  W e r t
       des ersterfundnen  Instruments sei  größer gewesen als der, den 4
       Arbeiter früher anwandten, bevor diese handlichen Dinger erfunden
       waren; sie  brauche nur mehr 2 Arbeiter (hier, wie bei vielen Ma-
       schinen, die instrumentartig sind, von gar keiner weitern Teilung
       der Arbeit  die Rede,  sondern vielmehr  die qualitative  Teilung
       verschwindet); die  Instrumente seien  ursprünglich nur  vom Wert
       von 30 gewesen, aber die nötige Arbeit (d.h. für den Kapitalisten
       nötig, um  Profit zu machen) von 4 Arbeitstagen. (Es gibt Maschi-
       nen, z.B.  Luftheizungsröhren, wo die Arbeit als solche ganz ver-
       schwindet, außer  an einem  Punkt; die  Röhre wird an einem Punkt
       geöffnet; um sie an die übrigen zu übertragen, sind gar keine Ar-
       beiter  nötig.  Dies  überhaupt  der  Fall  (siehe  Babbage)  bei
       Kraftleitern, [180] wo früher die Kraft in materieller Form durch
       ebenso viele  Arbeiter, vorhin  Heizer, von  einem Ort zum andern
       [übertragen wurde]  - die  Leitung aus  einem Raum in den andern,
       die jetzt physischer Prozeß geworden ist, als Arbeit von soundso-
       viel Arbeitern  erschien.) Wendet  er diese Lithographiermaschine
       als Erwerbsquelle,  als Kapital  an, nicht  als Gebrauchswert, so
       vermehrt sich  das Material  notwendig, da  er in  derselben Zeit
       mehr Lithographien abziehn kann und eben daher sein Profit kommt.
       Dieser Lithograph  wende daher Instrument von 40 an, Material von
       40, Arbeitstage  2 (20), die ihm 33 1/3 %, d.h. 6 2/3 auf 20 ver-
       gegenständlichte Arbeitszeit  [einbringen], so besteht sein Kapi-
       tal wie  das des  andern aus 100, bringt ihm nur 6 2/3 %, aber er
       gewinnt auf  die angewandte  Arbeit 33 1/3; der andre gewinnt auf
       das Kapital  10, auf  die angewandte  Arbeit nur 25%. Der auf die
       angewandte Arbeit  erhaltne Wert  mag kleiner sein, aber die Pro-
       fite des  ganzen Kapitals  sind größer, wenn die übrigen Bestand-
       teile des  Kapitals im Verhältnis kleiner. Dennoch könnte das Ge-
       schäft mit den 6 2/3 % auf das Gesamtkapital und 33 1/3 % auf die
       angewandte Arbeit  profitlicher werden,  als das ursprünglich ba-
       sierte auf  25% von  der Arbeit  und 10% Profit vom Totalkapital.
       Unterstelle z.B.  Korn etc.  stiegen so,  daß der Lebensunterhalt
       des Arbeiters um 25% im Wert stiege. Die 4 Arbeitstage würden dem
       ersten Lithographen  jetzt 50  statt 40 kosten. Seine Instrumente
       und Material  blieben dieselben: 60 Taler. Also müßte er auslegen
       Kapital von  110. Sein Profit mit Kapital von 110 wäre auf die 50
       Taler für  4 Arbeitstage  12 (25%  [181)). Also 12 Taler auf 110;
       (i.e. 9 1/6  % auf  das Gesamtkapital  von 110). Der andre Litho-
       graph: Maschine  40; Material 40; aber die 2 Arbeitstage statt 20
       werden ihm  kosten 25% mehr, d.h. 25. Er müßte also auslegen 105;
       sein Mehrwert  auf die  Arbeit 33'/3%,  d.h. 1/3,  also 8 1/3. Er
       würde also  auf 105  gewinnen 8 1/3; 13 1/8 %. Also nimm in einem
       Zyklus von 10 Jahren 5 schlechte und 5 gute Herbste zu den obigen
       
       #297# Mehrwert und Profit
       -----
       average 22*)  Proportionen an;  so würde der erste Lithograph ge-
       winnen gegen den zweiten in den ersten 5 Jahren 50 Taler Zins; in
       den zweiten  45 5/6; zusammen  95 5/6 Taler; average Zins auf die
       10 Jahre  9 7/12 Taler. Der andre Kapitalist würde gewonnen haben
       erste 5  Jahre 31 1/3;  zweite 5 Jahre 65 5/8; zusammen: 96 23/24
       Taler; average  23*) von den 10 Jahren 87/120. Da No. II mehr Ma-
       terial verarbeitet zum selben Preis, liefert er es wohlfeiler. Es
       könnte dagegen gesagt werden, da er mehr Instrument abnutzt, lie-
       fert er  es teurer;  besonders da  das Verhältnis, in dem er mehr
       Maschinenwert braucht,  dasselbe ist, in dem er mehr Material ab-
       nutzt; allein  es ist praktisch ¦¦6¦ falsch, daß sich die Maschi-
       nen im  selben Maß mehr abnutzen, d.h. daß sie in demselben Zeit-
       raum ersetzt  werden müssen,  als sie  mehr Material  bearbeiten.
       Doch alles das gehört nicht hierher. Das Verhältnis zwischen Wert
       von Maschine  und Material  sei konstant  in beiden Fällen unter-
       stellt. -
       Das Beispiel  gewinnt erst Wichtigkeit, wenn wir unterstellen ein
       kleinres Kapital,  das mehr  Arbeit anwendet und weniger Material
       und Maschinerie,  aber höhern  Prozentsatz auf  das ganze Kapital
       gewinnt; und  ein größres Kapital, das mehr Maschinerie, mehr Ma-
       terial anwendet, verhältnismäßig weniger, aber absolut 24*) eben-
       soviel Arbeitstag  und kleinren  Prozentsatz auf  das Ganze, weil
       weniger auf  die Arbeit,  die produktiver ist, Teilung der Arbeit
       angewandt etc.  Es muß dabei unterstellt sein, daß der Gebrauchs-
       wert der Maschine (was oben nicht unterstellt war) bedeutend grö-
       ßer als ihr Wert; d.h.. daß ihre Entwertung im Dienst der Produk-
       tion nicht in demselben Verhältnis steht, wie ihre Vermehrung der
       Produktion.
       Also wie  oben Presse (dies Mal Druckpresse, aber Handpresse; das
       zweite Mal selfacting 25*) Druckpresse).
       Kapital I  von 100  wende an in Material 30; in Handpresse 30; in
       Arbeit 4 Arbeitstage = 40 Taler; Gewinn 10%; also 25% auf die le-
       bendige Arbeit (' U Surpluszeit).
       Kapital II  von 200  wende an Material 100, Presse 60, 4 Arbeits-
       tage (40 Taler); Gewinn auf die 4 Arbeitstage 13 1/3  26*) Taler:
       1 Arbeitstag  und 1/3,  während im  ersten Fall nur 1 Arbeitstag;
       Gesamtsumme: 413 1/3.  D.h. 3 1/3 % [182], während im ersten Fall
       10%. Dennoch  ist in  diesem zweiten  Fall der  Mehrwert auf  die
       angewandte Arbeit  13 1/3, im ersten nur 10; im ersten schaffen 4
       Tage in  4 Tagen 1 Surplustag; im zweiten 4 [Tage] 1 1/3 Surplus-
       tag. Die Rate des Profits auf das gesamte Kapital ist aber um den
       3.Teil oder  33 1/3 %  kleiner als  im ersten; die Totalsumme des
       Gewinns ist  um 1/3  größer. Nehmen  wir nun  an, die  30 und 100
       Material seien Druckbogen; das Instrument zehre sich in
       -----
       22*) durchschnittlichen -  23*) Durchschnitt -  24*) in der Hand-
       schrift: relativ  - 25*) automatische  - 26*) in der Handschrift:
       13 1/3 %
       
       #298# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       derselben Zeit  auf, in 10 Jahren oder 1/10 in einem Jahr. So hat
       No. I  zu ersetzen  1/10 von 30 im Instrument 27*), i.e. 3; No.II
       1/10 von  60, i.e.  6. Weiter geht das Instrument 27*) auf beiden
       Seiten in  die jährliche Produktion (die 4 Arbeitstage können als
       Tage von  3 Monaten  gelten) nicht  ein, die im obigen betrachtet
       ist.
       Kapital I  verkauft 30 Druckbogen zu 30 Material + 3 Instrument +
       50 (vergegenständlichte Arbeitszeit) 28*) = 83.
       Kapital II verkauft 100 Druckbogen zu 100 Material + 6 Instrument
       + 53 1/3 = 159 1/3.
       Kapital I  verkauft 30  Druckbogen zu  83 Talern; I Druckbogen zu
       83/30 Talern = 2 Taler 23 Silbergroschen.
       Kapital II  verkauft 100  Druckbogen zu  159 Talern 10 Silbergro-
       schen
                       159 Talern 10 Silbergroschen
       1 Druckbogen zu ----------------------------; i.e. zu 1 Taler
                                   100
       9 Silbergroschen 10 Pfennig.
       Es ist  also klar,  daß Kapital I im Arsch ist, weil es unendlich
       zu teuer verkauft. Obgleich nun im ersten Fall der Profit auf das
       Gesamtkapital 10% war und im zweiten 3 1/3 % nur, so hat doch das
       erste Kapital  nur 25%  genommen auf die Arbeitszeit, während das
       zweite -  33 1/3 nimmt.  Bei dem Kapital I ist das Verhältnis der
       notwendigen Arbeit  größer zum angewandten Gesamtkapital, und da-
       her erscheint  die Surplusarbeit, obgleich absolut kleiner als in
       Kapital II, als größre Rate des Profits auf das kleinre Gesamtka-
       pital. 4  Arbeitstage zu  60 größer als 4 zu 160; das erste 1 Ar-
       beitstag auf vorhandnes , Kapital von 15; im zweiten 1 Arbeitstag
       auf 40.  Aber im  zweiten Kapital ist die Arbeit produktiver (was
       gesetzt ist  sowohl durch den  g r ö ß r e n  Bestand der Maschi-
       nerie; daher  auch den größren Raum, den sie unter den Werten des
       Kapitals einnimmt;  als durch das größre Material, worin sich der
       ¦¦7¦ mehr  Surpluszeit arbeitende, daher mehr Material in dersel-
       ben Zeit  verbrauchende Arbeitstag  ausdrückt). Es  schafft  mehr
       Surpluszeit (relative Surpluszeit, also durch die Entwicklung der
       Produktivkraft bedingte). Im ersten Fall ist die Surpluszeit 1/4,
       im zweiten  1/3. Sie  schafft daher  in derselben  Zeit mehr  Ge-
       brauchswerte wie  einen größren  Tauschwert;  den  letztren  aber
       nicht im  selben Verhältnis  wie den erstren, da, wie wir gesehn,
       der Tauschwert  nicht in  demselben numerischen Verhältnis wächst
       wie die  Produktivität der Arbeit. Der fraktionelle Preis ist da-
       her kleiner als der Totalpreis der Produktion - i.e. der fraktio-
       nelle Preis  multipliziert mit dem Quantum der produzierten frak-
       tionellen Preise 29*) größer. Hätten wir nun, obgleich die Total-
       summe der Arbeitstage
       -----
       27*) In der  Handschrift: Material - 28*) n der Handschrift steht
       über diesen  Worten ohne  Einfügungszeichen: (Produktionszeit)  -
       29*) sollte wahrscheinlich heißen: Produkte
       
       #299# Mehrwert und Profit
       -----
       relativ kleiner  wie in  No. I,  als   a b s o l u t  g r ö ß e r
       angenommen, so  wäre die  Sache noch  frappanter. Der  Profit des
       größren, mit  größrer Maschinerie  arbeitenden Kapitals erscheint
       daher kleiner  als der des kleinren mit relativ oder absolut mehr
       lebendiger  Arbeit   arbeitenden,  eben  weil  der    g r ö ß r e
       P r o f i t   a u f  d i e  l e b e n d i g e  A r b e i t  klei-
       ner erscheint  auf ein  Gesamtkapital verteilt,  in dem die ange-
       wandte lebendige Arbeit in geringrem Verhältnis steht zum Gesamt-
       kapital, als  der   k l e i n r e   P r o f i t    a u f    d i e
       l e b e n d i g e   A r b e i t,  der in einem größren Verhältnis
       steht zum  kleinren Gesamtkapital. Daß das Verhältnis aber in No.
       II so ist, daß mehr Material verarbeitet werden kann, und größrer
       Teil des  Werts in  Arbeitsinstrument angelegt  ist, ist  nur der
       Ausdruck für die Produktivität der Arbeit.
       Dies also  ist der  berühmte Witz  des unglücklichen Bastiat, der
       sich fest  eingeredet hatte  - worauf  Herr Proudhon ihm nicht zu
       antworten wußte  - daß,  weil die  Profitrate auf  das größre und
       produktivere Gesamtkapital  kleiner erscheint, der Anteil des Ar-
       beiters größer  geworden, während grade  u m g e k e h r t  seine
       Surplusarbeit größer geworden. [183]
       Ricardo scheint  die Sache  auch nicht verstanden zu haben, da er
       otherwise 30*) das periodische Sinken des Profits sich nicht bloß
       aus dem  durch das  Steigen der  Kornpreise (und damit der Rente)
       verursachten Steigen  der Salaire erklärt haben würde [184]. Aber
       au fond  31*) ist der Mehrwert - soweit er zwar die Grundlage des
       Profits, aber  auch von dem commonly 32*) sog. Profit unterschie-
       den ist, nie entwickelt worden. Der unglückliche Bastiat würde im
       angegebnen Fall  gesagt haben, daß da im ersten Beispiel der Pro-
       fit 10%  (i.e. 1/10),  im zweiten nur 3 1/3 %, i.e. 1/33 (laß den
       Prozentteil weg)  [185], der  Arbeiter im  ersten Fall  9/10,  im
       zweiten 32/33 erhält. Weder ist das Verhältnis in irgendeinem der
       beiden cases 33*) richtig noch ihr Verhältnis untereinander.
       Was nun die weitre Beziehung angeht des Neuwerts des Kapitals zum
       Kapital als   i n d i f f e r e n t e m  G e s a m t w e r t  (so
       erschien uns überhaupt das Kapital, bevor wir zum Produktionspro-
       zeß fortgingen,  und so  muß es  uns wieder am Ende desselben er-
       scheinen), so  ist das  zu  entwickeln  teils  unter  der  Rubrik
       P r o f i t,   wo der  Neuwert eine neue Bestimmung erhält, teils
       unter der  Rubrik der  A k k u m u l a t i o n.  Hier gilt es uns
       nur, zunächst die Natur des Mehrwerts als Äquivalent der über die
       notwendige Arbeitszeit  hinaus vom Kapital ins Werk gesetzten ab-
       soluten oder relativen Arbeitszeit zu entwickeln.
       Daß die Konsumtion im Produktionsakt des Wertbestandteils, der im
       Instrument besteht,  durchaus nicht das Produktionsinstrument vom
       Material unterscheiden  kann - hier, wo bloß noch die Setzung des
       Mehrwerts zu erklären,
       -----
       30*) andernfalls - 31*) im Grunde - 32*) gewöhnlichen - 33*) Fäl-
       le
       
       #300# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       die Selbstverwertung - geht einfach daraus hervor, daß diese Kon-
       sumtion dem einfachen Produktionsprozeß selbst angehört, daß also
       schon in  diesem - damit er die Fähigkeit hat, von sich von neuem
       zu beginnen  - der  Wert des konsumierten Instruments (sei es des
       e i n f a c h e n   G e b r a u c h s w e r t s   selbst oder des
       Tauschwerts, wenn  die Produktion  schon zur  Teilung der  Arbeit
       fortgegangen und  wenigstens das  Surplus ausgetauscht wird) sich
       im Wert (Tauschwert oder Gebrauchswert) des Produkts wiederfinden
       muß. Das  Instrument verliert  seinen Gebrauchswert  in demselben
       Maße, wie es den Tauschwert von Rohmaterial erhöhen hilft und als
       Mittel der  Arbeit dient.  Dieser Punkt  muß, indeed 34*), unter-
       sucht werden,  da die  Unterscheidung zwischen  dem unveränderten
       Wert als  einem Teil  des Kapitals, der erhalten bleibt, dem and-
       ren, der reproduziert wird  (r e p r o d u z i e r t  für das Ka-
       pital; vom  Standpunkt der  wirklichen Produktion der Arbeit aus,
       p r o d u z i e r t)   und dem,  der neu produziert wird, wesent-
       lich wichtig.
       It is  now time to finir avec la question regardant la valeur ré-
       sultant de l'accroissement des forces productives. 35*) Wir haben
       gesehn: Ein  M e h r w e r t  (nicht bloß größerer Gebrauchswert)
       wird geschaffen, wie bei dem absoluten Zuwachs der Surplusarbeit.
       Wenn eine bestimmte Grenze gegeben ist, sage z.B., daß der Arbei-
       ter nur  einen halben Tag braucht, um sich Lebensmittel für einen
       g a n z e n  zu produzieren - die natürliche Grenze sei erreicht,
       die der  Arbeiter 36*) mit einem gegebnen Arbeitsquantum Surplus-
       arbeit liefert,  so ist eine Vermehrung der absoluten Arbeitszeit
       nur möglich, dadurch, daß  g l e i c h z e i t i g  mehr Arbeiter
       angewandt werden,  der wirkliche  Arbeitstag sich  simultaneously
       37*) vervielfältigt,  statt nur  verlängert wird  - (der einzelne
       Arbeiter kann  unter der  Voraussetzung nur  12 Stunden arbeiten;
       soll die  Surpluszeit von 24 Stunden gewonnen werden, so müssen 2
       Arbeiter dran).  In diesem  Fall muß  das Kapital,  bevor es  den
       Selbstverwertungsprozeß eingeht,  in dem Tauschakt mit dem Arbei-
       ter 6  Arbeitsstunden mehr  kaufen, also  größren Teil  von  sich
       abgeben; andrerseits  im Durchschnitt  mehr in Material auslegen,
       das bearbeitet werden soll (abgesehn davon, daß der überschüssige
       Arbeiter     v o r h a n d e n     sein,  d.  h.  die  arbeitende
       Population gewachsen  sein muß).  Also hängt  die Möglichkeit des
       weitren Verwertungs¦¦8¦prozesses  hier  ab  von  einer  vorherge-
       gangnen Akkumulation  des Kapitals  (seinem  stofflichen  Bestehn
       nach betrachtet). Wächst dagegen die Produktivkraft und daher die
       relative Surpluszeit,  so ist  - auf dem jetzigen Standpunkt kann
       das Kapital immer noch
       -----
       34*) allerdings -  35*) Es ist  jetzt Zeit,  Schluß zu machen mit
       dem Problem, das den aus der Vergrößerung der Produktivkräfte re-
       sultierenden Wert  betrifft. - 36*) sollte wahrscheinlich heißen:
       innerhalb deren der Arbeiter - 37*) gleichzeitig
       
       #301# Mehrwert und Profit
       -----
       betrachtet werden  als direkt  Lebensmittel, Rohstoff etc. produ-
       zierend 38*)  - geringre Auslage für Salair nötig, und das Wachs-
       tum im  Material ist  durch den Verwertungsprozeß selbst geschaf-
       fen.  Doch   diese  Frage   bezieht  sich  rather  39*)  auf  die
       A k k u m u l a t i o n  der Kapitalien.
       Kommen wir  nun zu dem Punkt, an dem wir zuletzt abgebrochen. Die
       wachsende Produktivität vermehrt den  S u r p l u s w e r t,  ob-
       gleich sie  40*) nicht  die absolute  Summe der  Tauschwerte ver-
       mehrt. Sie  40*) vermehrt  die Werte,  weil sie  40*) einen neuen
       W e r t  a l s  W e r t,  d.h. einen Wert schafft, der nicht bloß
       als Äquivalent  ausgetauscht werden soll, sondern sich behaupten;
       in einem  Worte, mehr  Geld. Die  Frage ist:  Vermehrt  sie  40*)
       schließlich auch  die Summe der Tauschwerte? Au fond ist dies zu-
       gegeben, da auch Ricardo zugibt, daß mit der Akkumulation der Ka-
       pitalien die Ersparnisse, hence 41*) die Tauschwerte wachsen, die
       produziert werden.  Das Wachsen  der Ersparungen heißt nichts als
       Wachsen selbständiger Werte - Geldes. Aber Ricardos Demonstration
       widerspricht dieser seiner eignen Behauptung.
       Unser altes  Beispiel. 100  Taler Kapital; 60 Taler unveränderter
       Wert; 40 Salair; produziere 80; also Produkt = 140.
       {Hier zeigt es sich wieder, daß der Surpluswert auf das Ganze des
       Kapitals =  der Hälfte  des neuproduzierten  Werts ist,  da  eine
       Hälfte desselben  = der  notwendigen Arbeit.  Welches  Verhältnis
       dieser Surpluswert,  der immer gleich der Surpluszeit ist, also =
       dem Gesamtprodukt  des Arbeiters  minus den Teil, der sein Salair
       bildet, hängt ab 1. von dem Verhältnis, das der unveränderte Teil
       des Kapitals zum produktiven; 2. das 42*) die notwendige Arbeits-
       zeit zur Surpluszeit einnimmt. Im obigen Fall 100% das Verhältnis
       der Surpluszeit  zur notwendigen;  macht 40%  auf das Kapital von
       100; also  3. auch nicht nur von dem in 2. angegebnen Verhältnis,
       sondern von der absoluten Größe der notwendigen Arbeitszeit. Wäre
       von dem Kapital von 100 der unveränderte Teil 80, so wäre der ge-
       gen die  notwendige Arbeit ausgetauschte = 20, und wenn dies 100%
       Surpluszeit schaffe,  der Profit  des Kapitals 20%. Wäre aber das
       Kapital =  200 mit  demselben Verhältnis des konstanten und vari-
       ablen Teils  [186] (nämlich  Vs zu 2/5), so die Summe 280, was 40
       auf 100  macht. In  diesem Fall  wüchse das  absolute Quantum des
       Profits von 40 auf 80, aber das Verhältnis bliebe 40%. Wäre dage-
       gen in den 200 sage wieder das konstante Element 120, das Quantum
       der notwendigen  Arbeit 80, aber diese vermehrte sich nur um 10%,
       also um  8, so  wäre die  Gesamtsumme =  208, also Profit von 4%;
       vermehrte sie  sich nur  um 5  43*), so die Gesamtsumme 205; also
       2 1/2 %.}
       -----
       38*) In der  Handschrift: produzieren  - 39*) eher  - 40*) in der
       Handschrift: es  - 41*) folglich - 42*) in der Handschrift: den -
       43) in der Handschrift um 5%
       
       #302# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       Diese 40 Surpluswert sei absolute Arbeitszeit.
       Gesetzt nun,  die Produktivkraft  verdopple  sich:  der  Arbeiter
       könne also wenn 40 8 notwendige Arbeitsstunden [187] liefern, nun
       in 4  Stunden einen  ganzen Tag lebendiger Arbeit produzieren. Es
       würde dann die Surpluszeit wachsen (früher 2/3 Tag, um einen gan-
       zen zu  produzieren, jetzt  1/3 Tag)  um 1/3. Von dem Produkt des
       Arbeitstags wäre  2/3  44*) Mehrwert, und wenn die notwendige Ar-
       beitsstunde =  5 Taler (5 x 8 = 40), brauchte er jetzt nur noch 5
       x 4 = 20 Taler. Dem Kapital also Surplusgewinn von 20, nämlich 60
       statt 40. Am Schluß 140, wovon 60 = dem konstanten Wert, 20 = dem
       Salair und  60 = dem Mehrgewinn; zusammen 140. Mit 80 Taler Kapi-
       tal kann der Kapitalist nun die Produktion von neuem beginnen:
       Der Kapitalist  45*) A  auf derselben  Stufe der alten Produktion
       wende sein Kapital 140 zu neuer Produktion an. Nach dem ursprüng-
       lichen Verhältnis  braucht er  3/5 zum invariablen Teil des Kapi-
       tals, also 3 x 140/5 = 3 x 28 = 84, bleibt für die notwendige Ar-
       beit 56.  Er wandte  vorhin 40  für die  Arbeit an, jetzt 56; 2/5
       46*) von  40 mehr.  Also am  Schluß sein Kapital = 84 + 56 + 56 =
       196.
       Der Kapitalist  45*) B  auf der  Stufe der gewachsenen Produktion
       würde ebenfalls  die 140 Taler zu neuer Produktion anwenden. Wenn
       er Kapital von 80 braucht, 60 als invariablen Wert und nur 20 für
       Arbeit, so  von 60  braucht er 45 für invariablen Wert und 15 für
       Arbeit; also Summe wäre = 1. 60 + 20 + 20 = 100 und zweitens 45 +
       15 +  15 =  75. Also  sein Gesamtergebnis 1751 [188], während das
       des ersten  = 196.  Die Vermehrung  der Produktivität  der Arbeit
       heißt nichts, als daß dasselbe Kapital denselben Wert schafft mit
       weniger Arbeit  oder daß  die geringre  Arbeit  dasselbe  Produkt
       schafft mit  größrem Kapital. Weniger notwendige Arbeit mehr Sur-
       plusarbeit produziert.  Daß notwendige Arbeit ¦¦9¦ ist kleiner im
       Verhältnis zum Kapital, für seinen Verwertungsprozeß ist offenbar
       dasselbe als:  Das Kapital ist verhältnismäßig größer zur notwen-
       digen Arbeit,  die es  in Bewegung  setzt; denn  dasselbe Kapital
       setzt mehr  Surplusarbeit in  Bewegung, also  weniger notwendige.
       Wird vorausgesetzt,  wie in unsrem Fall, daß das Kapital dasselbe
       bleibt, d.h., daß beide wieder mit 140 Taler beginnen, so muß bei
       dem produktivren  größrer Teil  auf das  Kapital fallen  (nämlich
       seinen invariablen  Teil), bei dem unproduktivren größrer auf Ar-
       beit. Das erste Kapital von 140 setzt daher notwendige Arbeit von
       56 in  Bewegung, und diese notwendige Arbeit unterstellt zu ihrem
       Prozeß einen  invariablen Teil  des Kapitals  von 84.  Das zweite
       setzt in  Bewegung Arbeit von 20 + 15 = 35, und invariables Kapi-
       tal 60  + 45  = 105  (und aus dem früher Entwickelten folgt auch,
       daß die Vermehrung der Produktivkraft
       -----
       44*) In der  Handschrift: 1/3 - 45*) in der Handschrift: D. Kapi-
       tal - 46*) in der Handschrift: jetzt 16; 2/3
       
       #303# Mehrwert und Profit
       -----
       nicht in  demselben Maß  den Wert  vermehrt, wie  sie sich selbst
       vermehrt).}
       {Im ersten  Fall, wie  vorhin schon gezeigt, der absolute Neuwert
       größer als  im zweiten,  weil die Masse angewandter Arbeit größer
       ist im Verhältnis zum invariablen; während im zweiten diese klei-
       ner ist,  eben weil  die Arbeit produktiver. Allein 1. der Unter-
       schied, daß der Neuwert im ersten Fall nur 40 war, im zweiten 60,
       schließt aus,  daß der erste mit demselben Kapital die Produktion
       neubeginnen kann  wie im  zweiten; denn ein Teil des Neuwerts auf
       beiden Seiten  muß als Äquivalent in die Zirkulation eingehn, da-
       mit der Kapitalist lebe, und zwar vom Kapital. Verzehren beide 20
       Taler, so fängt der erste die neue Arbeit an mit 120 Kapital, der
       andre auch mit 120 etc. Sieh oben. Auf dies Ganze noch einmal zu-
       rückzukommen; aber die Frage, wie sich der Neuwert, der durch die
       größre Produktivkraft  geschaffen ist,  verhält zum  Neuwert, der
       durch absolut  vermehrte Arbeit geschaffen ist, gehört in das Ka-
       pitel von  der   A k k u m u l a t i o n   u n d   d e m   P r o-
       f i t.}
       Es  wird   daher  auch   von  der  Maschinerie  gesagt,  daß  sie
       A r b e i t   s p a r t;   das   b l o ß e  Sparen der Arbeit ist
       indes, wie  Lauderdale richtig  bemerkt hat [189], nicht das Cha-
       rakteristische; da  mit Hülfe der Maschinerie die menschliche Ar-
       beit Dinge tut und schafft, die sie absolut ohne sie nicht schaf-
       fen könnte.  Letztres bezieht  sich auf den Gebrauchswert der Ma-
       schinerie. Das   S p a r e n   der  notwendigen  Arbeit  und  das
       Schaffen der   S u r p l u s a r b e i t   ist das Charakteristi-
       sche. Die  größre Produktivität der Arbeit drückt sich darin aus,
       daß das  Kapital weniger notwendige Arbeit zu kaufen hat, um den-
       selben Wert  und größre  Quanta von  Gebrauchswerten zu schaffen,
       oder daß geringre notwendige Arbeit denselben Tauschwert schafft,
       mehr Material verwertet und eine größre Masse Gebrauchswerte. Das
       Wachsen   der   Produktivkraft   unterstellt   also,   wenn   der
       G e s a m t w e r t   d e s    K a p i t a l s    d e r s e l b e
       b l e i b t,   daß der  konstante Teil desselben (in Material und
       Maschinen bestehende) wächst im Verhältnis zum variablen, d.h. zu
       dem Teil  desselben, der  sich mit  der  lebendigen  Arbeit  aus-
       tauscht, den  Fonds des  Arbeitslohns bildet.  Es erscheint  dies
       zugleich so, daß geringres Quantum Arbeit ein größres Quantum Ka-
       pital in  Bewegung setzt.  Wächst der  G e s a m t w e r t  d e s
       K a p i t a l s,   das in  den Produktionsprozeß  eingeht, so muß
       der   Arbeitsfonds    (dieser   variable   Teil   des   Kapitals)
       r e l a t i v   abnehmen, verglichen mit dem Verhältnis, wenn die
       Produktivität der Arbeit, also das Verhältnis der notwendigen Ar-
       beit zur Surplusarbeit, dasselbe geblieben wäre.
       Nehmen wir im obigen Fall an, das Kapital 100 sei Agrikulturkapi-
       tal gewesen. 40 Taler Samen, Dünger etc., 20 Taler Arbeitsinstru-
       ment und 40 Taler Lohnarbeit auf dem alten Standpunkt der Produk-
       tion (Unterstelle diese
       
       #304# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       40 Taler  = 4 notwendigen Arbeitstagen.) Diese schaffen Summe von
       140 auf  dem alten  Standpunkt der  Produktion. Die Fruchtbarkeit
       vermehre sich  um das  Doppelte, sei  es durch Verbeßrung des In-
       struments oder  beßren Dünger etc. In diesem Fall muß das Produkt
       sein = 140 Taler (unterstellt, das Instrument sich ganz aufzuzeh-
       ren). Die Fruchtbarkeit verdopple sich, so daß der Preis des not-
       wendigen Arbeitstags  um die  Hälfte falle  oder daß  nur 4 halbe
       notwendige Arbeitstage  (i.e. 2 ganze) nötig sind, um 8 zu produ-
       zieren, 2  Arbeitstage um  8 zu produzieren ist dasselbe, daß auf
       den einzelnen Arbeitstag 1/4 (3 Stunden) fällt für die notwendige
       Arbeit. Statt  40 Taler hat der Pächter jetzt nur mehr 20 auf Ar-
       beit zu  spenden. 47*)  Am Ende des Prozesses haben sich also die
       Bestandteile des Kapitals geändert; von den ursprünglichen 40 auf
       Samen etc.,  die jetzt doppelten Gebrauchswert haben; 20 Arbeits-
       instrument und  20 Arbeit  (2 ganze Arbeitstage). Früher das Ver-
       hältnis des konstanten Teils des Kapitals zum variablen = 60:40 =
       3:2; jetzt  = 80:20 oder = 4:1. Oder betrachten wir das ganze Ka-
       pital, so  verhielt sich  die notwendige  Arbeit = 2/5; jetzt wie
       1/5. Will der Pächter nun fortfahren, die Arbeit im früheren Ver-
       hältnis anzuwenden,  um wieviel  müßte dann sein Kapital wachsen?
       Oder, damit wir die  b ö s a r t i g e  V o r a u s s e t z u n g
       vermeiden, daß  er fortfuhr, mit 60 konstantem Kapital und 40 Ar-
       beitsfonds zu  arbeiten -  nachdem die Verdopplung der Produktiv-
       kraft eingetreten,  wodurch falsche  Verhältnisse  hereingekommen
       {obgleich dies  z. B. beim Pächter ganz richtig, wenn die seasons
       48*) an  Fruchtbarkeit verdoppelt  oder für  jeden  Industriellen
       richtig, wenn nicht in seiner Branche, sondern in den von ihm be-
       nutzten die  Produktivkraft sich  verdoppelt; also  z.B. die Roh-
       wolle um 50%  49*) weniger kostete, ferner das Getreide (also der
       Arbeitslohn), endlich  das Instrument; er würde dann nach wie vor
       fortfahren, erstens 40 Taler in Rohwolle auszulegen, aber doppelt
       soviel Quantum,  20 in  Maschinerie, 40 in Arbeit}; es wird damit
       nämlich unterstellt,  daß trotz  der verdoppelten  Produktivkraft
       das Kapital  fortfuhr, in  denselben Bestandteilen  zu  arbeiten,
       dieselbe Quantität notwendige Arbeit anzuwenden, ohne mehr auszu-
       geben für  Rohmaterial und  Arbeitsinstrument {Setze, daß nur die
       Baumwolle sich  verdoppelt in  Produktivkraft, die  Maschine die-
       selbe geblieben,  so - dies weiter zu untersuchen}; also die Pro-
       duktivkraft verdopple  sich, so  daß, wenn er früher 40 Taler für
       Arbeit ausgeben mußte, er nun nur 20 Taler braucht.
       (Ist unterstellt,  daß 4  ganze Arbeitstage nötig waren - jeder =
       10 Taler,  um ihm  Surplus von 4 ganzen Arbeitstagen zu schaffen,
       und dies  Surplus werde  ihm verschafft, indem die 40 Taler Baum-
       wolle in Garn verwandelt werden, so
       -----
       47*) zu verausgaben  (engl.:  to  spend)  -  48*) Jahreszeiten  -
       49*) in der Handschrift: 100%
       
       #305# Mehrwert und Profit
       -----
       braucht er jetzt nur 2 ganze Arbeitstage, ¦¦10¦ um denselben Wert
       zu schaffen  - nämlich  8 Arbeitstage; der Wert des Garns drückte
       früher Surpluszeit  von 4 Arbeitstagen aus, jetzt von 6. Oder je-
       der der  Arbeiter brauchte  früher 6  Stunden notwendige Arbeits-
       zeit, um  12 zu  schaffen;  j e t z t  3. Die notwendige Arbeits-
       zeit betrug  12 x  4 =  48 [Stunden] oder 4 Tage. In jedem dieser
       Tage die  Surpluszeit =  1/2 Tag (6 Stunden). Sie [die notwendige
       Arbeitszeit] beträgt  jetzt nur noch 12 x 2 = 24 [Stunden] oder 2
       Tage; 3  Stunden [im  Tage]. Um  den Surpluswert herauszubringen,
       mußte jeder  der 4  Arbeiter arbeiten  6 x 2 Stunden; d.h. 1 Tag;
       jetzt braucht er nur mehr zu arbeiten 3 x 2, d.h. 1/2 Tag. Ob nun
       4 einen  1/2 Tag  arbeiten oder 2 einen ganzen Tag, ist dasselbe.
       Der Kapitalist  könnte 2  Arbeiter entlassen.  Er müßte sie sogar
       entlassen, da  er aus  einem bestimmten Quantum Baumwolle nur ein
       bestimmtes Quantum Garn machen kann; also nicht mehr 4 ganze Tage
       arbeiten lassen kann; sondern nur noch 4 halbe. Wenn der Arbeiter
       aber  12   Stunden  arbeiten   muß,  um   3  Stunden,  d.h.  sein
       n o t w e n d i g e s   Salair zu erhalten, so wird er, wenn er 6
       Stunden arbeitet,  nur 1 1/2 Stunden Tauschwert erhalten. Wenn er
       aber mit 3 notwendigen Arbeitsstunden 12, kann er mit 1 1/2 nur 6
       leben. Jeder  der 4  Arbeiter könnte  also, wenn sie alle 4 ange-
       wandt würden,  nur einen  halben Tag  leben, d.h.  alle 4  können
       nicht als  A r b e i t e r  von demselben Kapital am Leben erhal-
       ten werden, sondern nur 2. Der Kapitalist könnte 4 zahlen mit dem
       alten Fonds  für 4 halbe Arbeitstage; dann zahlte er 2 zuviel und
       machte den  Arbeitern ein  Geschenk aus der Produktivkraft; da er
       nur  4   halbe  lebendige   Arbeitstage  anwenden   kann;  solche
       "Möglichkeiten" kommen  weder in der Praxis vor, und noch weniger
       kann davon die Rede sein, hier, wo es sich um das Kapitalverhält-
       nis als solches handelt.)
       20 Taler  von dem  Kapital von 100 sind jetzt nicht direkt in der
       Produktion angewandt. Der Kapitalist wendet nach wie vor 40 Taler
       für Rohstoff, 20 für Instrument an, also 60, aber nur noch 20 Ta-
       ler für  Arbeit (2  Arbeitstage). Von  dem ganzen  Kapital von 80
       wendet er 3/4 (60) für den konstanten Teil an und nur 1/4 für Ar-
       beit. Wendet  er also  die restierenden 20 in derselben Weise an,
       so 3/4  für konstantes  Kapital, 1/4  für Arbeit; i.e. 15 für das
       erste, 5 für die zweite. Da nun ein Arbeitstag = 10 Taler voraus-
       gesetzt, wäre  5 nur  = 6  Stunden =  1/2 Arbeitstag. Das Kapital
       könnte mit  dem Neuwert von 20, durch die Produktivität gewonnen,
       nur 1/2  Arbeitstag mehr  kaufen, um sich in demselben Verhältnis
       zu verwerten.  Es müßte  wachsen um  das Dreifache  (nämlich  60)
       (zusammen mit  den 20,  80), um die 2 entlaßnen Arbeiter oder die
       früher angewandten  2 Arbeitstage  ganz anwenden  zu können. Nach
       dem neuen  Verhältnis wendet  das Kapital 3/4 an konstantes Kapi-
       tal, um 1/4 Arbeitsfonds anzuwenden.
       
       #306# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       Mit 20  ganzem Kapital daher 3/4, i. e. 15 konstantes und 1/4 Ar-
       beit (i.e. 5) = 1/2 Arbeitstag.
       Mit 4  x 20 ganzem Kapital, daher 4 x 15 = 60 konstantem, daher 4
       x 5 Arbeitslohn = 4/2 Arbeitstage = 2 Arbeitstage.
       Wenn also  die Produktivkraft  der Arbeit sich verdoppelt, so daß
       ein Kapital von 60 Talern Rohwolle und Instrument nur mehr 20 Ta-
       ler Arbeit  (2 Arbeitstage)  braucht zu  seiner Verwertung, wo es
       früher 100  [Gesamtkapital] brauchte,  so müßte das Gesamtkapital
       von 100 auf 160 wachsen, oder das nun zu rechnende Kapital von 80
       müßte sich  verdoppeln, um die ganze außer Arbeit gesetzte Arbeit
       beizubehalten. Durch  die Verdopplung  der Produktionskraft  wird
       aber nur  ein neues Kapital gebildet von 20 Talern = 1/2 der frü-
       her angewandten Arbeitszeit; und diese reicht nur hin, um 1/2 Ar-
       beitstag mehr  anzuwenden. Das  Kapital, welches vor der Verdopp-
       lung der Produktivkraft 100 war und 4 Arbeitstage anwandte (unter
       der Voraussetzung,  daß 2/5  = 40 Arbeitsfonds war), müßte jetzt,
       wo der  Arbeitsfonds auf 1/5 von 100 gefallen ist, auf 20 = 2 Ar-
       beitstagen (auf 1/4 aber von 80, dem neu in den Verwertungsprozeß
       tretenden Kapital),  steigen auf  160, um 60%, um die alten 4 Ar-
       beitstage mehr  anwenden zu  können. Es  kann mit den infolge der
       Vermehrung der  Produktivkraft dem  Arbeitsfonds entzognen 20 Ta-
       lern jetzt  nur 1/2  Arbeitstag von  neuem anwenden, wenn mit dem
       ganzen alten Kapital fortgearbeitet werden soll. Es wandte früher
       mit 100  an 16/4  (4 Tage)  Arbeitstage; es könnte jetzt nur noch
       anwenden 10/4   50*).  Wenn also  die Produktivkraft sich verdop-
       pelt, so  braucht das  Kapital sich  nicht zu verdoppeln, um die-
       selbe notwendige  Arbeit in  Bewegung zu  setzen, 4  Arbeitstage,
       also nicht  zu wachsen auf 200, sondern es braucht nur zu wachsen
       um das Ganze minus den dem Arbeitsfonds entzognen Teil. (100 - 20
       = 80)  x 2  = 160. (Dagegen das erste Kapital, vor der Vermehrung
       der Produktivkraft,  das mit 100 ausgab: 60 konstant, 40 Arbeits-
       lohn (4  Arbeitstage), brauchte,  um 2  Tage mehr anzuwenden, von
       100 nur  zu wachsen  auf 150; nämlich 3/5 konstantes Kapital (30)
       und 2/5  Arbeitsfonds (20).  Während vorausgesetzt, daß in beiden
       Fällen der  [Gesamt-]Arbeitstag sich  um 2  Tage vergrößert 51*),
       das zweite 52*) am Ende betragen würde ¦¦11¦ 160  53*); das erste
       nur 150   54*)).  Von dem  dem Arbeitsfonds infolge des Wachstums
       der Produktivkraft  entzognen Teil des Kapitals muß ein Teil wie-
       der verwandelt  werden in  Rohmaterial und Instrument, ein andrer
       mit lebendiger Arbeit ausgetauscht; dies kann nur geschehn in den
       Proportionen zwischen den verschiednen Teilen, die durch die neue
       Produktivität gesetzt sind. Es kann nicht mehr
       -----
       50*) In der Handschrift: 5/4 - 51*) in der Handschrift: sich ver-
       doppelt -  52*) in der  Handschrift: erste  - 53*)  in der  Hand-
       schrift: 250 - 54*) in der Handschrift: 160
       
       #307# Mehrwert und Profit
       -----
       geschehn in  dem alten  Verhältnis; denn  das Verhältnis  von Ar-
       beitsfonds zu dem konstanten Fonds ist gesunken. Wandte das Kapi-
       tal von 100 2/5 für Arbeitsfonds an (40) und infolge der Verdopp-
       lung der  Produktivkraft nur  noch 1/5 (20), so ist 1/5 des Kapi-
       tals freigeworden (20 Taler); der beschäftigte Teil 80 wendet nur
       noch 1/4 als Arbeitsfonds an. Also ebenso die 20 nur noch 5 Taler
       (1/2 Arbeitstag).  Das ganze Kapital von 100 wendet also jetzt an
       2 1/2 Arbeitstag;  oder es müßte wachsen auf 160, um 4 wieder an-
       zuwenden.
       Wäre das  ursprüngliche Kapital  1000 gewesen  und  in  derselben
       Weise geteilt:  3/5 konstantes Kapital, 2/5 Arbeitsfonds, so also
       600 +  400 (400  sei gleich  40 Arbeitstagen; Arbeitstag = 10 Ta-
       ler). Verdopplung  der Produktivkraft nun der Arbeit, also 20 Ar-
       beitstage für  dasselbe Produkt erheischt (= 200 Taler), so würde
       das erheischte  Kapital, um die Produktion von neuem zu beginnen,
       sein =  800; nämlich  600 + 200; es wären freigeworden 200 Taler.
       Diese im selben Verhältnis angewandt, so 3/4 konstantes Kapital =
       150 und 1/4 Arbeitsfonds = 50. Wenn daher die 1000 Taler ganz an-
       gewandt werden, so nun 750 konstant + 250 Arbeitsfonds = 1000 Ta-
       ler. 250  Arbeitsfonds wäre aber = 25 Arbeitstagen (i.e. der neue
       Fonds kann  nur im  neuen Verhältnis, d.h. zu 1/4 die Arbeitszeit
       anwenden; um die ganze alte Arbeitszeit anzuwenden, müßte er sich
       v e r v i e r f a c h e n).   Das freigewordne  Kapital  von  200
       wendete an Arbeitsfonds von 50 = 5 Arbeitstagen (1/4 der freigew-
       ordnen Arbeitszeit). (Der von dem Kapital losgelöste Teil des Ar-
       beitsfonds ist  selbst als  Kapital angewandt nur mehr zu 1/4 Ar-
       beitsfonds; d.h.  gerade in  dem Verhältnis,  worin der  Teil des
       neuen Kapitals der Arbeitsfonds ist, zur Gesamtsumme des Kapitals
       steht.) Um  also 20  Arbeitstage anzuwenden  (4 x 5 Arbeitstage),
       müßte dieser  Fonds wachsen  von 50  auf 4 x 50 = 200; also müßte
       sich der  freigewordne Teil  von 200 auf 600 vermehren, d.h. ver-
       dreifachen; so  daß das  gesamte neue Kapital 800 betrüge. So das
       Gesamtkapital 1600;  von diesem  1200 konstanter Teil und 400 Ar-
       beitsfonds. Wenn  also das Kapital 1000 ursprünglich Arbeitsfonds
       von 400  enthielt (40 Arbeitstage) und durch Verdopplung der Pro-
       duktivkraft nur  mehr Arbeitsfonds von 200 anzuwenden braucht, um
       die   n o t w e n d i g e  A r b e i t  zu kaufen, d. h. nur mehr
       1/2 der  früheren Arbeit; so müßte das Kapital wachsen um 600, um
       die Gesamtheit  der früheren Arbeit anzuwenden (und dieselbe Sur-
       pluszeit zu gewinnen). Es müßte den doppelten Arbeitsfonds anwen-
       den können, nämlich 2 x 200 = 400; da aber das Verhältnis des Ar-
       beitsfonds zum  Gesamtkapital jetzt = 1/4, so erheischte dies ein
       Gesamtkapital von 4 x 400 = 1600.
       {Das Gesamtkapital, das nötig wäre, um die alte Arbeitszeit anzu-
       wenden, ist  also =   d e m   a l t e n   A r b e i t s f o n d s
       m u l t i p l i z i e r t   m i t  d e m  N e n n e r  des Bruch-
       teils, der  nun das Verhältnis des Arbeitsfonds zum neuen Gesamt-
       kapital ausdrückt.
       
       #308# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       Wenn die  Verdopplung der  Produktivkraft dies  auf 1/4 reduziert
       hat, so  multipliziert mit  4; wenn auf 1/3, so multipliziert mit
       3. Ist  die Produktivkraft  verdoppelt, so  die notwendige Arbeit
       und damit  der Arbeitsfonds  reduziert  auf  1/2  seines  frühern
       Werts; aber macht 1/4 in bezug auf das neue Gesamtkapital von 800
       oder 1/5  in bezug  auf das alte Gesamtkapital von 1000.  O d e r
       d a s   n e u e  G e s a m t k a p i t a l  i s t  =  2  x  d e m
       a l t e n   K a p i t a l   m i n u s   d e n  f r e i g e w o r-
       d n e n  T e i l  des  A r b e i t s f o n d s;  (1000 - 200) x 2
       = (800)  x 2  = 1600.  Das neue Gesamtkapital drückt eben aus die
       Gesamtsumme von  konstantem und  variablem Kapital, die nötig, um
       die Hälfte  der alten  Arbeitszeit (1/3,  1/4 etc. 1/x je nachdem
       sich die Produktivkraft 3 x, 4 x, x x vermehrt hat) anzuwenden; 2
       x also  das Kapital,  um sie  ganz anzuwenden (oder 3 x, 4 x, x x
       etc., je  nach  dem  Verhältnis,  worin  die  Produktivkraft  ge-
       wachsen).  Gegeben   muß  hier   immer  sein    (t e c h n o l o-
       g i s c h)   das Verhältnis,  worin ursprünglich die Kapitalteile
       zueinander standen;  davon hängt z. B. ab, in welchen Bruchteilen
       sich die  Vervielfältigung der  Produktivkraft als  Division  der
       n o t w e n d i g e n  A r b e i t  ausdrückt.}
       Oder es  ist, was  dasselbe ist,  ¦¦12¦ =  2 x   d e m  n e u e n
       K a p i t a l ,  das infolge  der neuen Produktivkraft die Stelle
       des alten  in der  Produktion ersetzt  (800 x 2) (also hätte sich
       die Produktivkraft  vervierfacht, verfünffacht  etc. =  4 x,  5 x
       d e m   n e u e n   Kapital etc. Hat sich die Produktivkraft ver-
       doppelt, so  ist die  n o t w e n d i g e  A r b e i t  reduziert
       auf 1/2;  ebenso der Arbeitsfonds. Betrug sie also, wie im obigen
       Fall von  dem alten  Kapital 1000  ... 400, i. e. 2/5 vom Gesamt-
       kapital, so jetzt 1/5 oder 200. Dies Verhältnis, um das sie redu-
       ziert ist,  ist der  freigewordne Teil des Arbeitsfonds = 1/5 des
       alten Kapitals = 200. 1/5 des alten = 1/4 des neuen. Das neue Ka-
       pital ist  = dem  alten +  3/5 desselben.  Näher diese Pimpeleien
       später etc.).
       Dieselben ursprünglichen Verhältnisse zwischen den Teilen des Ka-
       pitals vorausgesetzt  und dieselbe Vermehrung der Produktivkraft,
       so ist  die Größe oder Kleinheit des Kapitals völlig gleichgültig
       für die  allgemeinen Sätze.  Eine ganz  andre Frage ist, ob, wenn
       das Kapital  sich  v e r g r ö ß e r t,  die Verhältnisse diesel-
       ben bleiben  (dies gehört  aber in  die Akkumulation).  Aber dies
       vorausgesetzt, sehen  wir, wie  die Vermehrung der Produktivkraft
       die Verhältnisse in den Bestandteilen des Kapitals verändert. Wie
       für 100,  so für 1000 wirkt die Verdopplung der Produktivkraft in
       derselben Weise,  wenn in beiden Fällen ursprünglich 3/5 konstan-
       tes, 2/5  Arbeitsfonds war.  (Das Wort    A r b e i t s f o n d s
       wird hier  nur der  Bequemlichkeit wegen gebraucht; wir haben das
       Kapital noch  nicht in  dieser   B e s t i m m t h e i t  entwic-
       kelt. Bisher  zwei  Teile;  der  eine  ausgetauscht  gegen  Waren
       (Material und  Instrument), der andre gegen das Arbeitsvermögen.)
       (Das  n e u e  K a p i t a l  - d.h. der Teil des alten Kapitals,
       der seine   F u n k t i o n   vertritt, ist = dem alten minus dem
       freigewordnen Teil des Arbeitsfonds;
       
       #309# Mehrwert und Profit
       -----
        dieser  freigewordne Teil  aber = dem Bruchteil, der die notwen-
       dige Arbeit  ausdrückte (oder was dasselbe, den Arbeitsfonds) di-
       vidiert durch den Multiplikator der Produktivkraft. Also wenn das
       alte Kapital  1000, der Bruchteil, der die notwendige Arbeit oder
       Arbeitsfonds ausdrückt  = 2/5;  und die Produktivkraft verdoppelt
       sich, so das neue Kapital, das die Funktion des alten vertritt, =
       800, nämlich  2/5 des alten Kapitals = 400; diese dividiert durch
       2, den Multiplikator der Produktivkraft, = 2/10 = 1/5 - 200. Also
       das neue Kapital = 800 und der freigewordne Teil des Arbeitsfonds
       = 200).
       Wir haben  gesehn, daß unter diesen Verhältnissen ein Kapital von
       100 Talern  zu 160  und eins  von 1000  zu 1600 anwachsen muß, um
       dieselbe Arbeitszeit  (von 4  oder 40  Arbeitstagen)  zu  halten,
       etc.; beide müssen wachsen um 60%, i.e. 3/5 ihrer selbst (des al-
       ten Kapitals),  um das  freigesetzte (im ersten Fall 20 Taler, im
       zweiten 200)  1/5 -  den freigesetzten Arbeitsfonds - als solchen
       wieder anwenden zu können.
       {N o t a b e n e.  Vorhin sahen wir, wie derselbe Prozentsatz auf
       das Gesamtkapital  sehr verschiedne Verhältnisse ausdrücken kann,
       worin das  Kapital seinen  Mehrwert schafft,  d.h. Surplusarbeit,
       relative oder  absolute, setzt.  Wäre das Verhältnis zwischen dem
       unveränderten Wertteil des Kapitals und dem veränderlichen (gegen
       Arbeit ausgetauscht) so, daß der letztre = 1/2 des Gesamtkapitals
       (also Kapital  100 =  50 (konstantem)  +  50  (verändertem)),  so
       brauchte der  gegen die Arbeit ausgetauschte Teil sich nur um 50%
       zu vermehren, um 25% auf das Kapital zu geben; nämlich 50 + 50 (+
       25) =  125; während im obigen Beispiel 75 + 25 (+ 25) = 125; also
       der gegen  die lebendige  Arbeit ausgetauschte  Teil um 100% sich
       vermehrte, um  25 auf  das Kapital  zu geben. Hier sehn wir, wie,
       wenn die Verhältnisse dieselben bleiben, derselbe Prozentsatz auf
       das Gesamtkapital bleibt, wie groß oder klein es immer sei; d.h.,
       wenn das  Verhältnis des  Arbeitsfonds zum Gesamtkapital dasselbe
       bleibt; also  oben 1/4.  Nämlich: 100  gibt 125,80 gibt 100, 1000
       gibt 1250, 800 gibt 1000, 1600 gibt 2000  55*) etc., immer = 25%.
       Wenn Kapitalien,  worin die Bestandteile in verschiednem Verhält-
       nisse stehn, also auch die Produktivkraft, dieselben Prozente auf
       das ganze  Kapital geben, so muß der wirkliche Mehrwert sehr ver-
       schieden sein in den verschiednen Zweigen.}
       {So ist das Beispiel richtig, die Produktivkraft verglichen unter
       denselben Verhältnissen mit demselben Kapital  v o r  dem Steigen
       der Produktivkraft.  Kapital von 100 wende an 50 konstanten Wert,
       50 =  Arbeitsfonds. Der  Fonds vermehre sich um 50%, i.e. 1/2, so
       das Gesamtprodukt  = 125.  Der Arbeitsfonds  von  50  Talern  em-
       ployiere 10 Arbeitstage, zahle für den Tag 5 Taler. Da der
       -----
       55*) In der Handschrift: 200
       
       #310# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       Neuwert 1/2,  so muß  die Surpluszeit = 5 Arbeitstagen sein; d.h.
       der Arbeiter,  der nur 10 Arbeitstage zu arbeiten brauchte, um 15
       zu leben,  muß für  den Kapitalisten 15 arbeiten, um 15 zu leben;
       und seine Surplusarbeit von 5 Tagen konstituiert den Mehrwert des
       Kapitals. In  Stunden ausgedrückt, wenn der Arbeitstag = 12 Stun-
       den, so  die Surplusarbeit = 6 auf den Tag. Arbeitet so in 10 Ta-
       gen oder  120 Stunden  zuviel 60  = 5 Tage. Nun aber bei der Ver-
       dopplung der  ¦¦13¦ Produktivität wäre das Verhältnis der 100 Ta-
       ler 75  und 25, d.h. dasselbe Kapital braucht nur mehr 5 Arbeiter
       anzuwenden, um  denselben Wert von 125 zu schaffen; so also die 5
       Arbeitstage = 10; sich verdoppelt; d.h. bezahlt werden 5 Arbeits-
       tage, produziert  10. Der  Arbeiter brauchte nur 5 Tage zu arbei-
       ten, um 10 zu leben (vor der Vergrößrung der Produktivkraft mußte
       er 10 arbeiten, um 15 zu leben; konnte also, wenn er 5 arbeitete,
       nur 7V2  leben); er muß aber für den Kapitalisten 10 arbeiten, um
       10 zu  leben; dieser  profitiert also  5 Tage; 1 Tag auf den Tag;
       oder, auf den Tag ausgedrückt, früher mußte er 1/2 arbeiten, um 1
       zu leben  (i.e. 6 Stunden, um 12 zu leben); jetzt brauchte er nur
       1/4 zu  arbeiten, um  1 zu  leben (i.e. 3 Stunden). Wenn er einen
       ganzen Tag  arbeitete, könnte  er 2 leben; wenn er 12 Stunden ar-
       beitete, 24;  wenn er  6 arbeitete, 12 Stunden. Er muß aber jetzt
       12 Stunden  arbeiten, um  12 zu leben. Er brauchte nur 1/2 zu ar-
       beiten, um  1 zu leben; er muß aber 2 x 1/2 = 1 arbeiten, um 1 zu
       leben. Unter  dem alten  Zustand der  Produktivkraft mußte  er 10
       Tage arbeiten,  um 15  zu leben, oder 12 Stunden, um 18 zu leben;
       oder 1 Stunde, um 1 1/2 zu leben, oder 8 Stunden, um 12 zu leben,
       d.h. 2/3  Tag, um  3/3 zu leben. Er muß aber 3/3 arbeiten, um 3/3
       zu leben,  d.h. 1/3   56*) zuviel. Die Verdopplung der Produktiv-
       kraft steigert das Verhältnis der Surpluszeit von 1 : 1 1/2 (d.h.
       50%) zu  1:2 (d.h. 100%). [190] Im Verhältnis von der frühern Ar-
       beitszeit: er  brauchte 8,  um 12  zu leben,  d.h. 2/3 notwendige
       Zeit des  ganzen Arbeitstags; er braucht jetzt nur noch 1/2, d.h.
       6, um  12 zu  leben. Deswegen  wendet das  Kapital nun 5 Arbeiter
       statt 10 an. Wenn vorhin die 10 (kosteten 50) produzierten 75, so
       produzieren jetzt  die [5,  die] 25 [kosten,] 50; d.h. die ersten
       nur 50%;  die zweiten  100   57*). Die Arbeiter arbeiten nach wie
       vor 12  Stunden; aber  im ersten  Fall kaufte  das Kapital 10 Ar-
       beitstage, jetzt nur mehr 5; weil die Produktivkraft sich verdop-
       pelt hat,  produzieren die  5 - 5 Surplusarbeitstage; weil im er-
       sten Fall  10 Arbeitstage  nur 5 Surplusarbeitstage gaben; jetzt,
       wo die  Produktivkraft sich verdoppelt, also von 50% auf 100% ge-
       stiegen - 5 [Arbeitstage] 5; im ersten Fall 120 Arbeitsstunden (=
       10 Arbeitstagen)  produzieren 180, im zweiten 60 [Arbeitsstunden]
       60; d.h.  im ersten  Fall beträgt  die Surpluszeit auf den ganzen
       Tag 1/3  (auf die notwendige Arbeitszeit 50%); (d.h. auf 12 Stun-
       den 4;
       -----
       56*) In der Handschrift: 2/3 - 57*) in der Handschrift: 50
       
       #311# Mehrwert und Profit
       -----
       die notwendige  Zeit 8);  im zweiten Fall beträgt die Surpluszeit
       auf den  ganzen Tag  1/2 (auf  die notwendige  Arbeitszeit  100%)
       (d.h. auf 12 Stunden 6; die notwendige Zeit 6); darum die 10 Tage
       im ersten Fall gaben 5 Tage Surpluszeit (-arbeit), und im zweiten
       die 5  geben 5.  (Die relative  Surpluszeit hat sich also verdop-
       pelt; im  Verhältnis zum  ersten Verhältnis ist sie nur gewachsen
       um 1/2 gegen 1/3; d.h. um 1/6, d.h. um 16 4/6 %.)}
       
                 konst.     variabel
       
       100        60    +      40    (ursprüngliches Verhältnis)
       100        75    +      25       (+25) = 125 (25%)
       160       120    +      40       (+40) = 200 (25%)
       
       Da Surplusarbeit  oder Surpluszeit die Voraussetzung des Kapitals
       ist, so  beruht es  also auf der Grundvoraussetzung, daß ein Sur-
       plus über  die zur Erhaltung und Fortpflanzung des einzelnen not-
       wendige Arbeitszeit  existiert; daß  z. B.  das Individuum  nur 6
       Stunden zu  arbeiten braucht,  um einen Tag zu leben, oder 1 Tag,
       um 2  zu leben etc. Mit der Entwicklung der Produktivkräfte nimmt
       die notwendige  Arbeitszeit ab und damit die Surpluszeit zu. Oder
       auch, daß ein Individuum für zwei etc. arbeiten kann.
       
       ("Reichtum ist  verfügbare Zeit  und nichts  weiter, [p.  6.] ...
       Wäre die ganze Arbeit eines Landes nur hinreichend, den Unterhalt
       der ganzen  Bevölkerung aufzubringen,  gäbe es  keine    M e h r-
       a r b e i t,   folglich nichts,  was man als Kapital akkumulieren
       lassen könnte.  I p.  4.]... Wahrhaft  reich  eine  Nation,  wenn
       k e i n   Z i n s    existiert  oder  wenn  statt  12  Stunden  6
       gearbeitet wird.  [p. 6.] ... Was dem Kapitalisten auch immer zu-
       stehen mag,  er kann  nur die  M e h r a r b e i t  des Arbeiters
       erhalten; denn  der Arbeiter  muß leben." ("The source and remedy
       of the national difficulties".) (p. 27, 28.) [191])
       
       Eigentum. Ursprung von der Produktivität der Arbeit.
       
       "Wenn einer  nur für einen produzieren kann, jeder Arbeiter; dann
       kann es  kein Eigentum  geben. Wenn  die Arbeit eines Mannes fünf
       unterhalten kann,  werden vier  Untätige auf einen in der Produk-
       tion Beschäftigten  entfallen. Eigentum  entwickelt sich  aus der
       Verbesserung der  Art und  Weise der  Produktion ... Das Wachstum
       des Eigentums, diese größere Fähigkeit, untätige Menschen und un-
       produktive Industrie  zu unterhalten  = Kapital  ...  Maschinerie
       selbst kann  selten mit  Erfolg verwendet werden, um die Anstren-
       gungen eines  Individuums einzuschränken; mehr Zeit ginge bei ih-
       rer Konstruktion verloren, als durch ihre Verwendung erspart wer-
       den könnte.  Sie ist  nur wirklich  nützlich, wenn  sie auf große
       Mengen einwirkt,  wenn eine einzige Maschine die Arbeiten Tausen-
       der unterstützen kann. Demgemäß ist sie in den bevölkerungsreich-
       sten Ländern, wo es die meisten untätigen Menschen gibt, immer am
       reichlichsten vorhanden. Sie wird nicht in Betrieb genommen wegen
       des Mangels an Menschen, sondern infolge der Möglichkeit, mit der
       sie zusammengebracht werden ... Nicht 1/4 der englischen Bevölke-
       rung liefert  ¦¦14¦ alles,  was von  allen verzehrt  wird.  Unter
       William dem Eroberer
       
       #312# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       z.B. die  Anzahl der  direkt an  der Produktion  Beteiligten viel
       größer als zu den Untätigen." (Ravenstone. IX, 32.) [192]
       
       Wenn einerseits  das Kapital  die Surplusarbeit  schafft, ist die
       Surplusarbeit ebensosehr Voraussetzung für die Existenz des Kapi-
       tals. Auf  Schaffen disponibler Zeit beruht die ganze Entwicklung
       des Reichtums.  Das Verhältnis  der   n o t w e n d i g e n   Ar-
       beitszeit zur   ü b e r f l ü s s i g e n   (so  zunächst ist sie
       vom Standpunkt  der notwendigen  Arbeit aus)  ändert sich auf den
       verschiednen Stufen  der Entwicklung der Produktivkräfte. Auf den
       primitivem Stufen des Austauschs tauschen die Menschen nichts aus
       als ihre   ü b e r f l ü s s i g e   A r b e i t s z e i t;   sie
       ist das  Maß ihres  Austauschs, der sich daher auch nur auf über-
       flüssige Produkte  erstreckt. In  der auf  dem Kapital  beruhnden
       Produktion ist  die Existenz der  n o t w e n d i g e n  Arbeits-
       zeit bedingt  durch Schaffen  ü b e r f l ü s s i g e r  Arbeits-
       zeit. Auf  den untersten  Stufen der Produktion sind erstens noch
       wenige menschliche  Bedürfnisse produziert,  also auch  wenige zu
       befriedigen. Die  notwendige Arbeitszeit  ist  daher  beschränkt,
       nicht weil  die Arbeit  produktiv, sondern  weil wenig notwendig;
       und zweitens  existiert auf  allen Stufen  der Produktion gewisse
       Gemeinsamkeit der  Arbeit,    g e s e l l s c h a f t l i c h e r
       Charakter derselben,  etc. Später  entwickelt  sich  die  gesell-
       schaftliche Produktivkraft etc. (Hierauf zurückzukommen.)
       Die   S u r p l u s z e i t  existiert als Überschuß des Arbeits-
       tags über  den Teil  desselben, den  wir die  n o t w e n d i g e
       Arbeitszeit nennen;  zweitens als  Vermehrung der    g l e i c h-
       z e i t i g e n   A r b e i t s t a g e,   i.e. der    a r b e i-
       t e n d e n   B e v ö l k e r u n g.    (Sie  kann  auch  erzeugt
       werden -  doch dies  nur anspielungsweis hier zu erwähnen, gehört
       in das Kapitel von der Lohnarbeit - durch gewaltsame Verlängerung
       des Arbeitstags  über seine  natürlichen  Grenzen  hinaus;  durch
       Hinzufügung von Weibern und Kindern zur arbeitenden Bevölkerung.)
       Das  erste   Verhältnis  der  Surpluszeit  des  Tages  zu  seiner
       notwendigen kann  und wird  durch Entwicklung der Produktivkräfte
       modifiziert, so daß die notwendige Arbeit auf immer kleinern ali-
       quoten 58*)  Teil beschränkt wird. Dasselbe gilt dann für die Be-
       völkerung relativ. Eine arbeitende Bevölkerung, say of 6 Millions
       59*), kann  betrachtet werden als ein Arbeitstag von 6 x 12, i.e.
       72 Millionen Stunden: so daß dieselben Gesetze hier anwendbar.
       Es ist,  wie wir gesehn, Gesetz des Kapitals, Surplusarbeit, dis-
       ponible  Zeit   zu  schaffen;   es  kann   dies  nur,   indem  es
       n o t w e n d i g e   A r b e i t   in Bewegung setzt - d. h. den
       Tausch mit dem Arbeiter eingeht. Es ist daher seine Tendenz, mög-
       lichst viel  Arbeit zu  schaffen; wie es ebensosehr seine Tendenz
       ist, die  notwendige Arbeit auf ein Minimum zu reduzieren. Es ist
       daher ebensosehr
       -----
       58*) "ohne Rest aufgehenden - 59*) sagen wir von 6 Millionen
       
       #313# Mehrwert und Profit
       -----
       Tendenz des  Kapitals, die  arbeitende Bevölkerung  zu vermehren,
       wie einen  Teil derselben  beständig als Surplusbevölkerung - Be-
       völkerung, die  zunächst nutzlos ist, bis das Kapital sie verwer-
       ten kann - zu setzen. (Daher die Richtigkeit der Theorie von Sur-
       plusbevölkerung und  Surpluskapital.) Es  ist ebensosehr  Tendenz
       des Kapitals,  menschliche Arbeit überflüssig zu machen (relativ)
       als menschliche  Arbeit ins Maßlose zu treiben. Wert ist nur ver-
       gegenständlichte Arbeit,  und Surpluswert  (Verwertung des  Kapi-
       tals) ist  nur Überschuß  über den  Teil der vergegenständlichten
       Arbeit, der  notwendig zur Reproduktion des Arbeitsvermögens. Ar-
       beit überhaupt  ist und  bleibt aber  die Voraussetzung,  und die
       Surplusarbeit existiert  nur im  Verhältnis zur notwendigen, also
       nur insofern  diese existiert.  Das Kapital  muß daher  beständig
       notwendige Arbeit  setzen, um Surplusarbeit zu setzen; es muß sie
       vermehren (nämlich  die   g l e i c h z e i t i g e n    Arbeits-
       tage), um das Surplus vermehren zu können; aber es muß' sie eben-
       sosehr aufheben  als notwendige, um sie als Surplusarbeit zu set-
       zen.
       Den einzelnen  Arbeitstag betrachtet,  ist der  Prozeß  natürlich
       einfach: 1. ihn bis an die Grenzen der natürlichen Möglichkeit zu
       verlängern; 2.  den notwendigen Teil desselben immer mehr zu ver-
       kürzen (also  die Produktivkräfte  maßlos zu  steigern). Aber der
       Arbeitstag, räumlich  betrachtet -  die Zeit  selbst räumlich be-
       trachtet -,  ist  das    N e b e n e i n a n d e r    v i e l e r
       A r b e i t s t a g e.  Mit je mehr Arbeitstagen at once 60*) das
       Kapital  den   Austausch  eingehn  kann,  worin  es    v e r g e-
       g e n s t ä n d l i c h t e   A r b e i t   g e g e n  l e b e n-
       d i g e  austauscht, desto größer seine Verwertung  a t  o n c e.
       Es kann  die   n a t ü r l i c h e   Grenze,  die  der  lebendige
       Arbeitstag eines  Individuums bildet,   a u f   e i n e r    g e-
       g e b n e n   S t u f e   d e r    E n t w i c k l u n g    d e r
       P r o d u k t i v k r ä f t e   (und es ändert selbst nichts, daß
       diese  Stufe  changing  61*)  ist)  nur  überspringen,  indem  es
       n e b e n   dem einen Arbeitstag einen  a n d r e n  gleichzeitig
       setzt  -   durch  das   räumliche  Zufügen     v o n      m e h r
       g l e i c h z e i t i g e n   A r b e i t s t a g e n.   Ich kann
       z. B.  die Surplusarbeit  von A  nur auf  3 Stunden treiben; aber
       wenn ich  die Tage von B, C, D etc. hinzufüge, werden es 12 Stun-
       den. Statt  eine Surpluszeit  von 3 habe ich eine von 12 geschaf-
       fen. Daher sollizitiert 62*) das Kapital die Vermehrung der Popu-
       lation und  der very  process 63*), wodurch die notwendige Arbeit
       reduziert wird, macht es möglich, neue notwendige Arbeit (und da-
       her Surplusarbeit)  ins Werk  zu setzen. (D.h., die  P r o d u k-
       t i o n   d e r   A r b e i t e r  wird wohlfeiler, mehr Arbeiter
       können in  derselben Zeit produziert werden, in demselben Maß als
       die  n o t w e n d i g e  A r b e i t s z e i t  kleiner oder die
       zur   P r o d u k t i o n    d e s    l e b e n d i g e n    A r-
       b e i t s v e r m ö g e n s   erforderliche Zeit relativ geringer
       wird. Dies  sind identische  Sätze.) (Dies  noch  ohne  Rücksicht
       darauf, daß die Vermehrung
       -----
       60*) zugleich -  61*) im Verändern  begriffen -  62*) regt  an  -
       63*) eben der Prozeß
       
       #314# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
       -----
       der Population  die Produktivkraft der Arbeit vermehrt, indem sie
       größre Teilung  und größre  Kombination der  Arbeit etc.  möglich
       macht.  Die  Vermehrung  der  Population  ist  eine    N a t u r-
       k r a f t   ¦¦15¦ der Arbeit, die nicht gezahlt wird.  N a t u r-
       k r a f t   nennen wir  auf diesem  Standpunkt die   g e s e l l-
       s c h a f t l i c h e  K r a f t.  A l l e  N a t u r k r ä f t e
       d e r   g e s e l l s c h a f t l i c h e n   A r b e i t    sind
       selbst historische  Produkte). Andrerseits ist es die Tendenz des
       Kapitals - ebensosehr, wie früher beim einzelnen Arbeitstag - nun
       in bezug  auf die  vielen gleichzeitigen  notwendigen Arbeitstage
       (die,  insofern   nur  der  Wert  betrachtet  wird,  als    e i n
       Arbeitstag betrachtet  werden können),  sie auf  ein  Minimum  zu
       reduzieren,  d.h.   möglichst  viele  derselben  als    n i c h t
       n o t w e n d i g   zu setzen,  und  wie  vorhin  beim  einzelnen
       Arbeitstag  die   notwendigen  Arbeitsstunden,   so   jetzt   die
       notwendigen Arbeitstage zu reduzieren im Verhältnis zum Total der
       vergegenständlichten Arbeitszeit.  (Wenn 6 nötig, um 12 überflüs-
       sige Arbeitsstunden  zu produzieren, so arbeitet das Kapital dar-
       auf hin, [daß] nur 4 dazu nötig sind. Oder die 6 Arbeitstage kön-
       nen als  ein Arbeitstag von 72 Stunden betrachtet werden; gelingt
       es, die  notwendige Arbeitszeit  um 24  Stunden zu verringern, so
       fallen 2 notwendige Arbeitstage weg - i. e. 2 Arbeiter.)
       Andrerseits das  neue Surpluskapital,  das geschaffen  wird, kann
       als solches  nur verwertet werden durch Austausch gegen lebendige
       Arbeit.  Daher   ebensosehr  Tendenz  des  Kapitals,  die    A r-
       b e i t s b e v ö l k e r u n g   zu vermehren  als den    n o t-
       w e n d i g e n   T e i l    derselben  beständig  zu  vermindern
       (einen Teil beständig wieder als Reserve zu setzen). Und die Ver-
       mehrung der  Bevölkerung selbst Hauptmittel zur Verminderung der-
       selben.   A u f o n d   i s t   d i e s  n u r  A n w e n d u n g
       d e s   V e r h ä l t n i s s e s  [ d e r  n o t w e n d i g e n
       u n d   d e r   S u r p l u s a r b e i t ]   z u m  e i n z e l-
       n e n   A r b e i t s t a g.   Hier liegen  also schon  sämtliche
       Widersprüche, die  in der  modernen Populationstheorie als solche
       ausgesprochen, obgleich  nicht begriffen worden sind. Das Kapital
       als Setzen  der Surplusarbeit  ist ebensosehr  und  in  demselben
       Moment Setzen und Nichtsetzen der notwendigen Arbeit; es ist nur,
       insofern sie ist und zugleich nicht ist.
       {Es gehört noch nicht hierher, kann hier aber schon erinnert wer-
       den, wie  dem Schaffen der Surplusarbeit auf der einen Seite ent-
       spricht ein  Schaffen von  Minus-Arbeit, relativer  idleness 64*)
       (oder   n i c h t p r o d u k t i v e r   Arbeit im  besten Fall)
       auf der  andren. Es  versteht sich  dies erstens  vom Kapital von
       selbst; dann  aber auch den Klassen, mit denen es teilt; also von
       den vom Surplusproduce 65*) lebenden Paupers 66*), flunkeys 67*),
       Jenkinses 68*)  etc., kurz,  dem ganzen train von retainers 69*);
       dem Teil  der   d i e n e n d e n  Klasse, der nicht von Kapital,
       sondern von
       -----
       64*) Untätigkeit - 65*) Mehrprodukt - 66*) Armen - 67*) Lakaien -
       68*) Speichelleckern - 69*) Gefolge von Dienstmannen
       
       #315# Mehrwert und Profit
       -----
       Revenue lebt.  Wesentlicher Unterschied dieser  d i e n e n d e n
       und der   a r b e i t e n d e n   Klasse.  In bezug auf die ganze
       Gesellschaft das  Schaffen der   d i s p o n i b l e n    Z e i t
       dann auch  als Schaffen der Zeit zur Produktion von Wissenschaft,
       Kunst etc.  Es ist  keineswegs der  Entwicklungsgang der  Gesell-
       schaft, daß, weil ein Individuum seine Not befriedigt hat, es nun
       seinen Überfluß schafft; sondern, weil ein Individuum oder Klasse
       von Individuen gezwungen wird, mehr zu arbeiten als zur Befriedi-
       gung seiner  Not nötig - weil  S u r p l u s a r b e i t  auf der
       einen Seite  -, wird Nichtarbeit und Surplusreichtum auf der and-
       ren gesetzt.  Der Wirklichkeit nach existiert die Entwicklung des
       Reichtums nur  in diesen  Gegensätzen: der  Möglichkeit nach  ist
       eben seine  Entwicklung die  Möglichkeit der Aufhebung dieser Ge-
       gensätze. Oder weil ein Individuum nur  s e i n e  e i g n e  Not
       befriedigen kann,  indem es zugleich die Not und ein Surplus über
       dieselbe für  ein   a n d r e s   Individuum befriedigt.  Bei der
       Sklaverei dies  brutal. Erst  unter der  Bedingung der Lohnarbeit
       führt es  zur  I n d u s t r i e,  i n d u s t r i e l l e n  Ar-
       beit. -  Malthus daher  auch ganz  konsequent, wenn er neben Sur-
       plusarbeit und  Surpluskapital das  Verlangen stellt von Surplus-
       idlers, consuming  without producing  70*) oder die Notwendigkeit
       von Verschwendung, Luxus, Spendieren 71*) etc.}
       Wenn das  Verhältnis der  notwendigen Arbeitstage  zum Total  der
       vergegenständlichten Arbeitstage = 9:12 war (also Surplusarbeit =
       1/4), so ist das Bestreben des Kapitals, es zu reduzieren auf 6:9
       (also 2/3,  also Surplusarbeit = 1/3). (Dies später näher zu ent-
       wickeln; indes  die Hauptgrundzüge hier, wo es sich vom allgemei-
       nen Begriff des Kapitals handelt.)
       -----
       70*) Überschuß an  Müßiggängern, die  konsumieren, ohne zu produ-
       zieren - 71*) Verausgabung

       zurück