Quelle: MEW 42 Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858
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#188# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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¦¦18¦ 2. Der aus der Zirkulation herkommende Tauschwert
sich ihr voraussetzend, sich in ihr erhaltend
und vervielfältigend vermittelst der Arbeit
{I. 1. Allgemeiner Begriff des Kapitals. - 2. Besonderheit des
Kapitals: capital circulant, capital fixe. (Kapital als Lebens-
mittel, als Rohstoff, als Arbeitsinstrument.) 3. Das Kapital als
Geld. II. 1. Q u a n t i t ä t d e s K a p i t a l s. A k-
k u m u l a t i o n. - 2. D a s a n s i c h s e l b s t
g e m e ß n e K a p i t a l. P r o f i t. Z i n s. W e r t
d e s K a p i t a l s: d.h. das Kapital im Unterschied von sich
als Zins und Profit. 3. Die Z i r k u l a t i o n d e r
K a p i t a l i e n, alpha) Austausch des Kapitals mit Kapital.
Austausch des Kapitals mit Revenue. Kapital und P r e i s e,
beta) K o n k u r r e n z d e r K a p i t a l i e n. gamma)
K o n z e n t r a t i o n d e r K a p i t a l i e n. III. Das
Kapital als Kredit. IV. Das Kapital als Aktienkapital. V. D a s
K a p i t a l a l s G e l d m a r k t. VI. Das Kapital als
Quelle des Reichtums. Der Kapitalist. Nach dem Kapital wäre dann
das Grundeigentum zu behandeln. Nach diesem die Lohnarbeit. Alle
drei vorausgesetzt, d i e B e w e g u n g d e r P r e i s e,
als die Zirkulation nun bestimmt in ihrer innern Totalität. An-
derseits die drei Klassen als die Produktion gesetzt in ihren
drei Grundformen und Voraussetzungen der Zirkulation. Dann der
S t a a t. (Staat und bürgerliche Gesellschaft. - Die Steuer
oder die Existenz der unproduktiven Klassen. - Die Staatsschuld.
- Die Population. - Der Staat nach außen: Kolonien. Auswärtiger
Handel. Wechselkurs. Geld als internationale Münze. - Endlich der
Weltmarkt. Übergreifen der bürgerlichen Gesellschaft über den
Staat. Die Krisen. Auflösung der auf den Tauschwert gegründeten
Produktionsweise und Gesellschaftsform. Reales Setzen der indivi-
duellen Arbeit als gesellschaftlicher und vice versa.)}
(Nichts ist falscher als die Art, wie die G e s e l l-
s c h a f t sowohl von Ökonomen wie von Sozialisten in bezug auf
die ökonomischen Bedingungen betrachtet wird. Z.B. Proudhon sagt
gegen Bastiat (XVI, 29) [120]:
#189# Verwandlung von Geld in Kapital
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"F ü r d i e G e s e l l s c h a f t existiert der Unterschied
zwischen Kapital und Produkt nicht. Dieser Unterschied besteht
ganz s u b j e k t i v für die Individuen."
Also grade das Gesellschaftliche nennt er subjektiv; und die sub-
jektive Abstraktion nennt er die Gesellschaft. Der Unterschied
zwischen Produkt und Kapital ist grade der, daß als Kapital das
Produkt eine bestimmte, einer historischen Gesellschaftsform an-
gehörige Beziehung ausdrückt. Das sog. Betrachten vom Standpunkt
der Gesellschaft aus heißt nichts, als die U n t e r s c h i e-
d e übersehen, die grade die g e s e l l s c h a f t l i c h e
B e z i e h u n g (Beziehung der bürgerlichen Gesellschaft) aus-
drücken. Die Gesellschaft besteht nicht aus Individuen, sondern
drückt die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese
Individuen zueinander stehn. Als ob einer sagen wollte: Vom
Standpunkt der Gesellschaft aus existieren Sklaven und citizens
1*) nicht: sind beide Menschen. Vielmehr sind sie das außer der
Gesellschaft. Sklav sein und Citizen sein, sind gesellschaftliche
Bestimmungen, Beziehungen der Menschen A und B. Der Mensch A ist
als solcher nicht Sklav. Sklav ist er in der und durch die
Gesellschaft. Was Herr Proudhon hier von Kapital und Produkt
sagt, meint bei ihm, daß vom Standpunkt der Gesellschaft aus kein
Unterschied zwischen Kapitalisten und Arbeitern existiert, ein
Unterschied, der eben nur vom Standpunkt der Gesellschaft aus
existiert.)
(Proudhon in der Streitschrift gegen Bastiat: "Gratuité du Cré-
dit" läuft alles darauf hinaus, daß er den Austausch zwischen Ka-
pital und Arbeit auf den einfachen Austausch von Waren als
Tauschwerten, auf die Momente der einfachen Zirkulation reduzie-
ren will, d.h. eben von dem spezifischen Unterschied, auf den al-
les ankommt, abstrahiert. Er sagt:
"Jedes Produkt wird in einem gegebenen Augenblick Kapital, weil
alles, was konsumiert wird, in einem gewissen Moment sich repro-
duktiv verbraucht." [p. 177.] Dies sehr falsch, aber tut nichts.
"Was führt dazu, daß der Begriff Produkt sich plötzlich in den
des Kapitals verwandelt? Das ist der Wertbegriff. D. h., das Pro-
dukt muß, um Kapital zu werden, eine echte Einschätzung durchge-
macht haben, gekauft oder verkauft worden sein, sein Preis erör-
tert und durch eine Art legale Vereinbarung festgelegt worden
sein. Z.B. das Leder, das die Schlächterei verläßt, ist das Pro-
dukt des Schlächters. Wird dieses Leder vom Lohgerber gekauft?
Sofort trägt dieser es oder trägt dessen Wert in sein Betriebsla-
ger. Durch die Arbeit des Lohgerbers wird dieses Kapital wieder
zum Produkt usw." [p. 179/180.]
Jedes Kapital ist hier "une valeur faite" 2*). Das Geld ist die
"valeur la plus parfaite" 3*), die valeur faite auf der höchsten
Potenz. D. h. also: 1. Produkt wird dadurch Kapital, daß es Wert
wird. Oder Kapital ist eben nichts als einfacher
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1*) Bürger - 2*) "ein vollendeter Wert" - 3*) der "vollkommenste
Wert"
#190# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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Wert. Es existiert kein Unterschied zwischen ihnen. Daher sagt er
abwechselnd einmal Ware (die natürliche Seite derselben als Pro-
dukt ausgedrückt), das andremal Wert oder vielmehr, da er den Akt
des Kaufens und Verkaufens unterstellt, Preis. 2. Da das Geld als
die vollendete Form des Werts erscheint, wie er in der einfachen
Zirkulation ist, daher auch das Geld die wahre valeur faite.)
Der Übergang aus dem einfachen Tauschwert und seiner Zirkulation
in das Kapital kann auch so ausgedrückt werden: In der Zirkula-
tion erscheint der Tauschwert doppelt: einmal als Ware, das andre
Mal als Geld. Wenn er in der einen Bestimmung ist, ist er nicht
in der andren. Dies gilt für jede besondre Ware. Aber das Ganze
der Zirkulation an sich betrachtet liegt darin, daß derselbe
Tauschwert, der Tauschwert als Subjekt, sich einmal als Ware, das
andre Mal als Geld setzt und eben die Bewegung ist, sich in die-
ser doppelten Bestimmung zu setzen und sich in jeder derselben
als ihr Gegenteil, in der Ware als Geld und im Geld als Ware zu
erhalten. Dies, was an sich in der einfachen Zirkulation vorhan-
den ist, ist aber nicht an ihr gesetzt. Der als Einheit von Ware
und Geld gesetzte Tauschwert ist das K a p i t a l, und dies
Setzen selbst erscheint als die Zirkulation des Kapitals. (Die
aber Spirallinie, sich erweiternde Kurve, nicht einfacher Kreis
ist.)
Analysieren wir zunächst die einfachen Bestimmungen, die im Ver-
hältnis von Kapital und Arbeit enthalten sind, um so den innern
Zusammenhang - sowohl dieser Bestimmungen als ihrer Fortentwick-
lungen - zum Frühern zu finden.
¦¦19¦ Die erste Voraussetzung ist, daß auf der einen Seite das
Kapital steht und auf der andren die Arbeit, beide als selbstän-
dige Gestalten gegeneinander; beide also auch fremd gegeneinan-
der. Die Arbeit, die dem Kapital gegenübersteht, ist f r e m d e
Arbeit und das Kapital, das der Arbeit gegenübersteht, ist
f r e m d e s Kapital. Die Extreme, die sich gegenüberstehn,
sind s p e z i f i s c h verschieden. In der ersten Setzung des
einfachen Tauschwerts war die Arbeit so bestimmt, daß das Produkt
nicht unmittelbarer Gebrauchswert für den Arbeiter war, nicht di-
rektes Subsistenzmittel. Dies war die allgemeine Bedingung des
Schaffens eines Tauschwerts und des Austauschs überhaupt. Sonst
hätte der Arbeiter nur ein Produkt hervorgebracht - einen
unmittelbaren Gebrauchswert für sich -, aber keinen Tauschwert.
Dieser Tauschwert jedoch war materialisiert in einem Produkt, das
als solches Gebrauchswert für andre hatte und als solches
Gegenstand ihrer Bedürfnisse war. Der Gebrauchswert, den der Ar-
beiter dem Kapital gegenüber anzubieten hat, den er also
überhaupt anzubieten hat für andre, ist nicht materialisiert in
einem Produkt, existiert überhaupt nicht außer ihm, also nicht
wirklich, sondern nur der Möglichkeit nach, als seine
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Seite 19 des Heftes II
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#193# Verwandlung von Geld in Kapital
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Fähigkeit. Wirklichkeit wird er erst, sobald er von dem Kapital
sollizitiert, in Bewegung gesetzt wird, da Tätigkeit ohne Gegen-
stand nichts ist oder höchstens Gedankentätigkeit, von der es
sich hier nicht handelt. Sobald er die Bewegung vom Kapital er-
halten, ist dieser Gebrauchswert als die bestimmte, produktive
Tätigkeit des Arbeiters; es ist seine auf einen bestimmten Zweck
gerichtete und darum in bestimmter Form sich äußernde Lebendig-
keit selbst.
Im Verhältnis von Kapital und Arbeit sind Tauschwert und Ge-
brauchswert in Verhältnis zueinander gesetzt, die eine Seite (das
Kapital) ist zunächst der andren Seite als T a u s c h w e r t
gegenüber *) und die andre (die Arbeit) dem Kapital gegenüber als
Gebrauchswert. In der einfachen Zirkulation kann abwechselnd
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*) {Ist nicht W e r t als die Einheit von Gebrauchswert und
Tauschwert zu fassen? An und für sich ist Wert als solcher das
Allgemeine gegen Gebrauchswert und Tauschwert als b e s o n d-
r e Formen desselben? Hat dies Bedeutung in der Ökonomie? Der
Gebrauchswert vorausgesetzt auch im einfachen Austausch oder
reinen Austausch. Aber hier, wo der Tausch grade nur des
wechselseitigen Gebrauchs der Ware wegen stattfindet, hat der
Gebrauchswert, d.h. der Inhalt, die natürliche Besonderheit der
Ware als solche kein Bestehn als ökonomische Formbestimmung. Ihre
Formbestimmung ist vielmehr der Tauschwert. Der Inhalt außerhalb
dieser Form ist gleichgültig; ist nicht Inhalt des Verhältnisses
als sozialen Verhältnisses. Aber entwickelt sich dieser Inhalt
als solcher nicht in einem System von Bedürfnissen und Produk-
tion? Tritt nicht der Gebrauchswert als solcher in die Form
selbst ein, als die ökonomische Form selbst bestimmend, z.B. im
Verhältnis von Kapital und Arbeit? den verschiednen Formen der
Arbeit? - Agrikultur, Industrie etc. - Grundrente? - Einfluß der
Jahreszeiten auf Preise der Rohprodukte? etc. Wenn n u r der
Tauschwert als solcher Rolle in der Ökonomie spielte, wie könnten
später solche Elemente hereinkommen, die sich rein auf den Ge-
brauchswert beziehn, wie gleich z.B. in dem Kapital als Rohstoff
etc. Wie kommt bei Ricardo auf einmal hereingeschneit die physi-
sche Beschaffenheit der Erde? etc. Das Wort W a r e (deutsch
G ü t e r vielleicht als denrée 4*) im Unterschied von marchan-
dise 5*) ?) enthält die Beziehung. Der Preis erscheint als bloß
formelle Bestimmung an ihr. Es widerspricht dem gar nicht, daß
der Tauschwert die überwiegende Bestimmung ist. Aber der Gebrauch
hört natürlich dadurch nicht auf, daß er n u r durch den Tausch
bestimmt ist; obgleich er natürlich seine Richtung selbst dadurch
erhält. Jedenfalls ist dies bei der Untersuchung über den Wert
genau zu untersuchen und nicht, wie Ricardo tut, rein davon zu
abstrahieren, noch wie der fade Say mit der bloßen Voraussetzung
des Wortes "Nützlichkeit" wichtig zu tun. Vor allem wird und muß
es sich bei der Entwicklung der einzelnen Abschnitte zeigen, wie-
weit der Gebrauchswert nicht nur als vorausgesetzter Stoff außer-
halb der Ökonomie und ihrer Formbestimmungen bleibt und wieweit
er in sie eingeht. Proudhons Fadaise sieh die "Misère" [121]. So-
viel ist sicher: Im Austausch haben wir (in der Zirkulation) die
Ware "Gebrauchswert "als Preis; daß sie außer ihrem Preis Ware
ist, Gegenstand des Bedürfnisses, versteht sich von selbst. Beide
Bestimmungen treten durchaus nicht in Verhältnis zueinander, au-
ßer soweit der besondre Gebrauchs[wert] als natürliche Schranke
der Ware erscheint und daher das Geld, d. h. ihren Tauschwert,
zugleich als Existenz außer ihr selbst im Geld setzt, aber nur
formell. Das Geld selbst ist Ware, hat einen Gebrauchswert zur
Substanz.}
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4*) Gebrauchswert - 5*) Tauschwert
#194# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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jede der Waren in der einen oder andren Bestimmung betrachtet
werden. In beiden Fällen, wenn sie als Ware als solche gilt,
tritt sie aus der Zirkulation als Gegenstand des Bedürfnisses und
fällt ganz außerhalb des ökonomischen Verhältnisses. Sofern die
Ware als Tauschwert fixiert wird - Geld - treibt sie zur selben
Formlosigkeit, aber als innerhalb die ökonomische Beziehung
fallend. Jedenfalls haben die Waren nur Interesse im Tauschver-
hältnisse (einfache Zirkulation), soweit sie Tauschwerte haben;
anderseits hat ihr Tauschwert nur ein vorübergehendes Interesse,
indem er die Einseitigkeit - nur auf das bestimmte Individuum be-
zogene 6*) und daher u n m i t t e l b a r für es existierende
Brauchbarkeit, Gebrauchswert aufhebt, aber nicht diesen Ge-
brauchswert selbst; vielmehr ihn setzt und vermittelt; als Ge-
brauchswert für andre etc. Soweit aber der Tauschwert als solcher
fixiert wird im Geld, steht ihm der Gebrauchswert nur noch als
abstraktes Chaos gegenüber; und eben durch die Trennung von sei-
ner Substanz fällt er in sich zusammen und treibt aus der Sphäre
des einfachen Tauschwerts, dessen höchste Bewegung die einfache
Zirkulation und dessen höchste Vollendung das Geld ist, weg. In-
nerhalb der Sphäre selbst aber existiert in fact der Unterschied
nur als eine oberflächliche Verschiedenheit, rein formelle Unter-
scheidung. Das Geld selbst in seiner höchsten Fixiertheit ist
selbst wieder Ware und unterscheidet sich als solche von den and-
ren nur dadurch, daß es v o l l k o m m n e r den Tauschwert
ausdrückt, eben daher aber als Münze seinen T a u s c h w e r t
als immanente Bestimmung ¦¦20¦ verliert und b l o ß e r Ge-
brauchswert wird, wenn auch Gebrauchswert für die Preissetzung
etc. der Waren. Die Bestimmungen fallen noch unmittelbar zusammen
und ebenso unmittelbar auseinander. Wo sie sich selbständig ge-
geneinander verhalten, p o s i t i v, wie in der Ware, die Ge-
genstand der Konsumtion wird, hört sie auf, Moment des ökonomi-
schen Prozesses zu sein; wo negativ, wie im Geld, wird sie
V e r r ü c k t h e i t; die Verrücktheit allerdings als ein Mo-
ment der Ökonomie und das praktische Leben der Völker bestimmend.
Wir haben vorher gesehen, daß nicht gesagt werden kann, daß sich
der Tauschwert in der einfachen Zirkulation realisiert 7*). Es
geschieht dies aber deswegen, weil ihm der Gebrauchswert nicht
als solcher gegenübertritt, als ein durch ihn selbst als Ge-
brauchswert bestimmter; während umgekehrt der Gebrauchswert als
solcher nicht im Verhältnis steht zum Tauschwert, sondern nur da-
durch bestimmter Tauschwert wird, daß die Gemeinsamkeit der Ge-
brauchswerte - Arbeitszeit zu sein - als äußrer Maßstab an sie
angelegt wird. Ihre Einheit fällt noch unmittelbar auseinander
und ihr Unterschied noch
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6*) In der Handschrift: existierende - 7*) siehe vorl. Band, S.
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#195# Verwandlung von Geld in Kapital
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unmittelbar in eins. Daß der Gebrauchswert als solcher wird durch
den Tauschwert und daß der Tauschwert sich selbst vermittelt
durch den Gebrauchswert, muß nun gesetzt sein. In der Geldzirku-
lation hatten wir nur zwei verschiedne Formen des Tauschwerts
(Preis der Ware - Geld) oder nur verschiedne Gebrauchswerte (Ware
- W), für die das Geld, der Tauschwert, bloße verschwindende
Vermittlung ist. Ein wirkliches Verhältnis von Tauschwert und
Gebrauchswert fand nicht statt. Die Ware als solche - ihre
Besonderheit - ist daher auch ein gleichgültiger, nur zufälliger
und en général 8*) vorgestellter Inhalt, der außerhalb der ökono-
mischen Formbeziehung fällt; oder die ökonomische Formbeziehung
ist eine nur oberflächliche Form, formelle Bestimmung, außerhalb
deren Bereich die wirkliche Substanz liegt und die sich zu dieser
als solcher gar nicht verhält; soll daher diese Formbestimmung
als solche festgehalten werden im Geld, so verwandelt sie sich
unter der Hand in ein gleichgültiges natürliches Produkt, ein Me-
tall, an dem auch die letzte Beziehung, sei es zum Individuum,
sei es zum Verkehr der Individuen, ausgelöscht ist. Metall als
solches drückt natürlich keine sozialen Beziehungen aus; auch die
Form der Münze an ihm ausgelöscht; das letzte Lebenszeichen sei-
ner sozialen Bedeutung.
Der dem Gebrauchswert selbst, als Seite des Verhältnisses ge-
setzt, gegenübertretende Tauschwert, tritt ihm als Geld gegen-
über, aber das ihm so gegenübertretende Geld ist Geld nicht mehr
in seiner Bestimmung als solches, sondern als K a p i t a l.
Der dem Kapital oder dem gesetzten T a u s c h w e r t gegen-
übertretende G e b r a u c h s w e r t oder Ware ist nicht mehr
die Ware, wie sie dem Geld gegenüber erschien, deren Formbe-
stimmtheit ebenso gleichgültig war wie ihr Inhalt, und nur als
irgendeine Substanz überhaupt erschien.
1. Erstens als Gebrauchswert für das Kapital, d. h. also als ein
Gegenstand durch Austausch, mit welchem das Kapital nicht seine
Wertbestimmung verliert, wie z.B. das Geld, indem es gegen eine
bestimmte Ware ausgetauscht wird. Die einzige Nützlichkeit, die
ein Gegenstand überhaupt für das Kapital haben kann, kann nur
sein, es zu erhalten oder zu vermehren. Wir haben schon gesehn
beim Geld, wie der als solcher verselbständigte Wert - oder die
allgemeine Form des Reichtums - keiner andren Bewegung fähig ist
als einer quantitativen; sich zu vermehren 9*). Seinem Begriff
nach ist er der Inbegriff aller Gebrauchswerte; aber als immer
nur ein bestimmtes Quantum Geld (hier Kapital) ist seine quanti-
tative Schranke im Widerspruch zu seiner Qualität. Es liegt daher
in seiner Natur, beständig über seine eigne Schranke
hinauszutreiben. (Als genießender Reichtum, z. B. in der römi-
schen Kaiserzeit, erscheint
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8*) im allgemeinen - 9*) siehe vorl. Band, S. 132
#196# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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er daher als grenzenlose Verschwendung, die auch den Genuß in die
eingebildete Grenzenlosigkeit zu erheben sucht, durch Verschlin-
gen von Perlsalat etc.) Für den Wert, der an sich als Wert fest-
hält, fällt schon deswegen Vermehren mit Selbsterhalten zusammen,
und er erhält sich eben nur dadurch, daß er beständig über seine
quantitative Schranke hinaustreibt, die seiner Formbestimmung,
seiner innerlichen Allgemeinheit widerspricht. Das Bereichern ist
so Selbstzweck. Die zweckbestimmende Tätigkeit des Kapitals kann
nur die der Bereicherung, d.h. der Vergrößrung, der Vermehrung
seiner selbst sein. Eine bestimmte Summe Geldes (und das Geld
existiert für seinen Besitzer immer nur in einer bestimmten Quan-
tität, ist immer da als bestimmte Geldsumme) (dies schon im Kapi-
tel Geld zu entwickeln) kann zu einer bestimmten Konsumtion,
worin es eben aufhört, Geld zu sein, vollständig genügen. Aber
als Repräsentant des allgemeinen Reichtums kann es das nicht. Als
quantitativ bestimmte Summe, beschränkte Summe, ist es auch nur
beschränkter Repräsentant des allgemeinen Reichtums oder Reprä-
sentant eines beschränkten Reichtums, der grade soweit geht wie
sein Tauschwert; exakt an ihm gemessen ist. Es hat also keines-
wegs die Fähigkeit, die es seinem allgemeinen Begriff nach haben
soll, alle Genüsse, alle Waren, die Totalität der materiellen
Reichtumssubstanzen zu kaufen; es ist nicht ein "précis de toutes
les choses" [91] etc. Als Reichtum festgehalten, als allgemeine
Form des Reichtums, als Wert, der als Wert gilt, ist es also der
beständige Trieb, über seine quantitative Schranke fortzugehn;
endloser Prozeß. Seine eigne Lebendigkeit besteht ausschließlich
darin; es e r h ä l t sich nur als vom Gebrauchswert unter-
schiedner, für sich geltender Tauschwert, indem es sich
b e s t ä n d i g v e r v i e l f ä l t i g t. (Den Herren Öko-
nomen wird es verdammt schwer, theoretisch fortzukommen von der
Selbsterhaltung des Werts im Kapital zu seiner Vervielfältigung;
nämlich diese in seiner Grundbestimmung, nicht nur als Akzidens
oder nur als Resultat. Sieh z.B. Storch, wie er durch ein Adverb
"eigentlich" [122] diese Grundbestimmung hereinbringt. Allerdings
suchen die Ökonomen dies in das Verhältnis des Kapitals als we-
sentlich hereinzubringen, aber wenn das nicht in der brutalen
Form geschieht, daß Kapital als das bestimmt wird, was Profit
bringt, wo die Vermehrung des Kapitals selbst schon als besondre
ö k o n o m i s c h e F o r m im Profit gesetzt ist, so ge-
schieht ¦¦21¦ es nur verstohlen und sehr schwach, wie wir später
durch kurze Review alles dessen, was die Ökonomen über Begriffs-
bestimmung des Kapitals beigebracht haben, zeigen werden. Das Ge-
schwätz, daß niemand sein Kapital anwenden würde, ohne Gewinn
daraus zu ziehn, läuft entweder auf die Albernheit hinaus, daß
die braven Kapitalisten Kapitalisten bleiben würden, auch
o h n e ihr Kapital anzuwenden; oder darauf, daß in einer sehr
hausmannskostartigen Form gesagt ist, daß gewinnbringende Anwen-
dung
#197# Verwandlung von Geld in Kapital
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im Begriff des Kapitals liegt. Well 10*). Dann wäre das eben
nachzuweisen.) - Das Geld als Geldsumme ist gemessen durch seine
Quantität. Dies Gemessensein widerspricht seiner Bestimmung, die
auf das Maßlose gerichtet sein muß. Alles das, was hier vom Geld
gesagt ist, gilt noch mehr vom Kapital, worin das Geld in seiner
vollendeten Bestimmung sich eigentlich erst entwickelt. Als Ge-
brauchswert, d.h. als nützlich, kann dem Kapital als solchem ge-
genüber nur das es Vermehrende, Vervielfältigende und daher als
Kapital Erhaltende stehn.
2. Das Kapital seinem Begriff nach ist Geld, aber Geld, das nicht
mehr in der einfachen Form von Gold und Silber auch nicht mehr
als Geld im Gegensatz zur Zirkulation existiert, sondern in der
Form aller Substanzen - Waren. Insofern steht es als Kapital da-
her nicht im Gegensatz zum Gebrauchswert, sondern existiert außer
dem Geld eben nur in Gebrauchswerten. Diese seine Substanz selbst
ist jetzt also eine vergängliche, die einmal keinen Tauschwert
hätten, wenn sie keinen Gebrauchswert hätten; die aber als Ge-
brauchswerte ihren Wert verlieren, durch den einfachen Stoffwech-
sel der Natur aufgelöst werden, wenn sie nicht wirklich gebraucht
werden; und die, wenn sie wirklich gebraucht werden, erst recht
verschwinden. Nach dieser Seite hin kann das Gegenteil des Kapi-
tals nicht selbst wieder eine besondre Ware sein; denn als solche
bildet sie keinen Gegensatz zum Kapital, da die Substanz des Ka-
pitals selbst Gebrauchswert ist; es nicht diese oder jene Ware,
sondern jede Ware ist. Die gemeinschaftliche Substanz aller Wa-
ren, d.h., ihre Substanz wieder nicht als ihr materieller Stoff,
also physische Bestimmung, sondern ihre gemeinschaftliche Sub-
stanz als W a r e n und darum T a u s c h w e r t e, ist die,
daß sie v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e A r b e i t
sind. {Es kann aber von dieser ökonomischen (gesellschaftlichen)
Substanz der Gebrauchswerte, d.h. ihrer ökonomischen Bestimmung
als Inhalt im Unterschied von ihrer Form (als diese Form
W e r t, weil bestimmtes Quantum dieser A r b e i t) allein
die Rede sein, wenn Gegensatz zu ihnen gesucht wird. Was ihre na-
türlichen Verschiedenheiten angeht, so schließt keine derselben
das Kapital aus, in ihr Platz zu ergreifen, sie zu seinem eignen
Körper zu machen, soweit keine die Bestimmung des Tauschwerts und
der Ware ausschließt.}
Der einzige Unterschied von der v e r g e g e n s t ä n d-
l i c h t e n Arbeit ist die n i c h t v e r g e g e n-
s t ä n d l i c h t e, sondern sich noch vergegenständlichende,
die A r b e i t als Subjektivität. Oder die v e r g e g e n-
s t ä n d l i c h t e, d.h. als r ä u m l i c h v o r h a n d-
n e A r b e i t kann auch als v e r g a n g n e A r b e i t
der z e i t l i c h v o r h a n d n e n entgegengestellt wer-
den. Soweit sie als zeitlich, als lebendig vorhanden sein soll,
kann sie nur
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10*) Nun gut
#198# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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als l e b e n d i g e s S u b j e k t vorhanden sein, in dem
sie als Fähigkeit existiert, als Möglichkeit; als A r b e i-
t e r daher. Der einzige G e b r a u c h s w e r t daher, der
einen Gegensatz zum Kapital bilden kann, ist die A r b e i t {,
und z w a r w e r t s c h a f f e n d e, i. e. p r o d u k-
t i v e A r b e i t. Diese Nebenbemerkung ist vorweggenommen;
muß erst entwickelt werden; by and by 11*). Arbeit als bloße
Dienstleistung zur Befriedigung von unmittelbaren Bedürfnissen
hat gar nichts mit dem Kapital zu tun, da es sie nicht sucht.
Wenn ein Kapitalist sich Holz hacken läßt, um sein mutton 12*) zu
rösten, so verhält sich nicht nur der Holzhacker zu ihm, sondern
er zum Holzhacker im Verhältnis des einfachen Austauschs. Der
Holzhacker gibt ihm seinen Dienst, einen Gebrauchswert, der das
Kapital nicht vermehrt, sondern worin es sich konsumiert, und der
Kapitalist gibt ihm eine andre Ware dafür unter der Form von
Geld. So verhält es sich mit allen Dienstleistungen, die Arbeiter
direkt austauschen gegen das Geld andrer Personen und die von
diesen Personen konsumiert werden. Es ist dies Konsumtion der Re-
venu, die als solche immer in die einfache Zirkulation fällt,
nicht des Kapitals. Indem der eine der Kontrahenten dem andren
nicht als Kapitalist gegenübersteht, kann diese Leistung des Die-
nenden nicht unter die Kategorie der produktiven Arbeit fallen.
Von der Hure bis zum Papst gibt es eine Masse solchen Gesindels.
Aber auch das ehrliche und "arbeitende" Lumpenproletariat fällt
darunter; z. B. große Bande von hülfsleistenden Schürgen 13*)
etc. in Hafenstädten etc. Der das Geld Repräsentierende verlangt
nur den Dienst seines Gebrauchswerts halber, der unmittelbar für
ihn verschwindet; aber der Schürge verlangt das Geld, und da es
so dem Geldleistenden um die Ware und ihm, dem die Ware Leisten-
den, um das Geld zu tun, vertreten sie nur die zwei Seiten der
einfachen Zirkulation gegeneinander; immer klar, daß der Schürge,
als dem es um das Geld zu tun, also unmittelbar um die allgemeine
Form des Reichtums, sich zu bereichern sucht auf Kosten seines
improvisierten Freundes, was diesen, einen hard calculator 14*),
um so tiefer kränkt, als diese Dienstleistung, die er jetzt
braucht, bloß seiner allgemein menschlichen Schwäche zuzu-
schreiben ist, keineswegs aber von ihm q u a K a p i t a-
l i s t verlangt wird. A. Smith hatte im w e s e n t l i-
c h e n recht mit seiner p r o d u k t i v e n u n d u n-
p r o d u k t i v e n Arbeit, recht vom Standpunkt der bürger-
lichen Ökonomie. [123] Was die andren Ökonomen dagegen vorbrin-
gen, entweder Seichbeutelei (f.i. 15*) Storch, Senior [124] noch
nisserner 16*) etc.), nämlich daß jede Aktion doch irgend etwas
agiert, also Verwechseln von Produkt in seinem natürlichen und
ökonomischen Sinn; in der Art ist ein Spitzbub auch ein
produktiver Arbeiter, indem
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11*) nach und nach - 12*) Hammelfleisch 13*) Schergen -
14*) tüchtigen Rechner - 15*) z.B. - 16*) lausiger (Mundart)
#199# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
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er ¦¦22¦ mittelbar Bücher über Kriminalrecht produziert; (wenig-
stens dies Raisonnement ebenso richtig, als wenn ein Richter ein
produktiver Arbeiter genannt, weil er v o r dem Diebstahl
schützt). Oder die modernen Ökonomen haben sich zu solchen
Sykophanten des Bourgeois gemacht, daß sie demselben weismachen
wollen, es sei produktive Arbeit, wenn einer ihm die Läuse auf
dem Kopf suche oder ihm den Schwanz reibe, weil etwa die letztre
Bewegung ihm den dicken Kopf - blockhead 17*) - den nächsten Tag
aufgeräumter für das Comptoir machen werde. Es ist daher ganz
richtig - zugleich aber auch charakteristisch -, daß den konse-
quenten Ökonomen die Arbeiter z.B. von Luxusshops 18*) produktive
Arbeiter sind, obgleich die Kerls, die solche Gegenstände verzeh-
ren, ausdrücklich als unproduktive Verschwender kastigiert wer-
den. Das fact ist, daß diese Arbeiter indeed 19*), produktiv
sind, as far as they increase the capital of their master; unpro-
ductive as to the material result of their labour 20*). In fact
ist ja dieser "produktive" Arbeiter grade ebenso interessiert in
dem Scheißdreck, den er machen muß, wie der Kapitalist selber,
der ihn anwendet und der auch den Teufel nach dem Plunder fragt.
Genauer aber genommen, findet sich dann in der Tat, daß die wahre
Definition eines produktiven Arbeiters darin besteht: Ein Mensch,
der exakt nicht mehr bedarf und verlangt als nötig ist, ihn zu
befähigen, seinem Kapitalisten den größtmöglichen Vorteil zu
bringen. All this nonsense. 21*) Abschweifung. Aber näher zurück-
zukommen auf das Produktiv und Nichtproduktiv}.
[Austausch zwischen Kapital und Arbeit]
Der dem Kapital als dem gesetzten Tauschwert gegenübertretende
G e b r a u c h s w e r t ist die A r b e i t. Das Kapital
tauscht sich aus oder ist in dieser Bestimmtheit nur in Beziehung
auf das N i c h t - K a p i t a l, die Negation des Kapitals,
in bezug auf welche es allein Kapital ist; das wirkliche Nicht-
Kapital ist die A r b e i t.
Wenn wir den Austausch zwischen Kapital und Arbeit betrachten, so
finden wir, daß er in zwei nicht nur formell, sondern qualitativ
verschiedne und selbst entgegengesetzte Prozesse zerfällt:
1. Der Arbeiter tauscht seine Ware, die Arbeit, den Gebrauchs-
wert, die als Ware auch einen P r e i s hat, wie alle andren
Waren, aus gegen eine bestimmte
-----
17*) "Dummkopf - 18*) Ateliers - 19*) "in Wirklichkeit
"20*) soweit sie das Kapital ihres Herrn vermehren; unproduktiv,
was das materielle Ergebnis ihrer Arbeit anbetrifft - 21*) Alles
das ist Unsinn.
#200# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
-----
Summe Tauschwerte, bestimmte Summe Geld, die das Kapital an ihn
abläßt.
2. Der Kapitalist tauscht die Arbeit selbst ein, die Arbeit als
wertsetzende Tätigkeit, als produktive Arbeit; d.h., er tauscht
die Produktivkraft ein, die das Kapital erhält und vervielfältigt
und die damit zur Produktivkraft und reproduzierenden Kraft des
Kapitals, eine dem Kapital selbst angehörige Kraft wird.
Die Trennung dieser beiden Prozesse ist so augenfällig, daß sie
in der Zeit auseinanderfallen können und keineswegs zusammenfal-
len müssen. Der erste Prozeß kann vollendet sein und ist zu einem
gewissen Grade meist vollendet, ehe der zweite auch nur beginnt.
Die Vollendung des zweiten Aktes unterstellt die Vollendung des
Produkts. Die Zahlung des Arbeitslohns kann nicht auf diese war-
ten. Wir werden es selbst als eine wesentliche Bestimmung des
Verhältnisses finden, daß sie nicht auf dieselbe wartet.
Beim einfachen Austausch, Zirkulation, findet nicht dieser gedop-
pelte Prozeß statt. Wenn die Ware a gegen das Geld b ausgetauscht
und dieses dann gegen die zur Konsumtion bestimmte Ware c - das
ursprüngliche Objekt des Austauschs für a, so fällt der Gebrauch
der Ware c, ihr Konsum, ganz außerhalb der Zirkulation; geht die
Form des Verhältnisses nichts an; liegt jenseits der Zirkulation
selbst und ist ein rein stoffliches Interesse, das nur noch ein
Verhältnis des Individuums A in seiner Natürlichkeit zu einem Ge-
genstande seines vereinzelten Bedürfnisses ausdrückt. Was es mit
der Ware c anfängt, ist eine Frage, die außerhalb des ökonomi-
schen Verhältnisses liegt. Hier erscheint umgekehrt der Ge-
brauchswert des gegen das Geld Eingetauschten als besondres öko-
nomisches Verhältnis, und die bestimmte Verwendung des gegen das
Geld Eingetauschten bildet den letzten Zweck beider Prozesse.
Dies unterscheidet also schon formell den Austausch zwischen Ka-
pital und Arbeit vom einfachen Austausch - zwei verschiedne Pro-
zesse.
Fassen wir nun ferner, wie dem Inhalt nach der Austausch zwischen
Kapital und Arbeit verschieden ist von dem einfachen Austausch
(Zirkulation), so finden wir, daß dieser Unterschied nicht durch
eine äußere Beziehung oder Vergleichung herauskömmt, sondern daß
in der Totalität des letztren Prozesses die zweite Form sich
selbst von der ersten unterscheidet, daß diese Vergleichung
selbst eingeschlossen ist. Der Unterschied des zweiten Akts vom
ersten - nämlich der besondre Prozeß der Aneignung der Arbeit von
Seiten des Kapitals ist der zweite Akt - ist exactly 1*) der Un-
terschied des Austauschs zwischen Kapital und Arbeit vom Aus-
tausch, wie das Geld ihn zwischen Waren
-----
1*) genau
#201# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
-----
vermittelt. Im Austausch zwischen Kapital und Arbeit ist der er-
ste Akt ein Austausch, fällt ganz in die gewöhnliche Zirkulation;
der zweite ist ein qualitativ vom Austausch verschiedner Prozeß,
und es ist nur by misuse 2*), daß er überhaupt Austausch irgend-
einer Art genannt werden könnte. Er steht direkt dem Austausch
gegenüber; wesentlich andre Kategorie.
{K a p i t a l. I. A l l g e m e i n h e i t: 1. a) Werden des
Kapitals aus dem Geld, b) Kapital und Arbeit (sich vermittelnd
durch f r e m d e Arbeit), c) Die Elemente des Kapitals, aufge-
löst nach ihrem Verhältnis zur Arbeit (Produkt. Rohmaterial. Ar-
beitsinstrument). 2. B e s o n d r u n g d e s K a p i-
t a l s: a) Capital circulant, capital fixe. Umlauf des Kapi-
tals. 3. D i e E i n z e l n h e i t d e s K a p i t a l s.
Kapital und Profit. Kapital und Zins. Das Kapital als W e r t,
unterschieden von sich als Zins und Profit.
II. B e s o n d e r h e i t: 1. Akkumulation der Kapitalien. 2.
Konkurrenz der Kapitalien. 3. Konzentration der Kapitalien
(quantitativer Unterschied des Kapitals als zugleich qualitativ,
als M a ß seiner Größe und Wirkung).
¦¦23¦ III. E i n z e l n h e i t: 1. Das Kapital als Kredit. 2.
Das Kapital als Aktienkapital. 3. Das Kapital als Geldmarkt. Im
Geldmarkt ist das Kapital in seiner Totalität gesetzt; darin ist
es p r e i s b e s t i m m e n d, a r b e i t g e b e n d, die
P r o d u k t i o n r e g u l i e r e n d, in einem Wort
P r o d u k t i o n s q u e l l e -, aber das Kapital nicht nur
als sich selbst produzierend (materiell durch Industrie etc.
Preise setzend, Produktivkräfte entwickelnd), sondern zugleich
als Schöpfer von Werten muß einen vom Kapital spezifisch unter-
schiednen Wert oder Form des Reichtums setzen. Dies ist die
G r u n d r e n t e. Es ist die einzige Wertschöpfung des Kapi-
tals als von ihm selbst, seiner eignen Produktion unterschiedner
Wert.. Sowohl seiner Natur nach wie historisch ist das Kapital
der S c h ö p f e r des modernen Grundeigentums, der Grund-
rente; wie seine Aktion daher auch als Auflösung der alten Form
des Grundeigentums erscheint. Die neue entsteht durch die Aktion
des Kapitals auf die alte. Das Kapital ist dies - nach einer
Seite hin betrachtet - als Schöpfer der modernen Agrikultur. In
den ökonomischen Verhältnissen des modernen Grundeigentums, das
als ein Prozeß erscheint: Grundrente - Kapital - Lohnarbeit (die
Form des Schlusses kann auch anders gefaßt werden: als Lohnarbeit
- Kapital - Grundrente; aber Kapital muß immer als die tätige
Mitte erscheinen), ist daher die innre Konstruktion der modernen
Gesellschaft oder das Kapital in der Totalität seiner Beziehungen
gesetzt.
Es fragt sich nun, wie ergibt sich der Übergang aus dem Grundei-
gentum in die Lohnarbeit? (Der Übergang aus der Lohnarbeit in das
Kapital ergibt sich
-----
2*) durch Mißbrauch
#202# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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von selbst; da dieses hier in seinen aktiven Grund zurückgegangen
ist.) Historisch ist der Übergang unstreitig. Er liegt schon
darin, daß das Grundeigentum Produkt des Kapitals ist. Wir finden
daher überall, daß da, wo durch Reaktion des Kapitals auf die äl-
teren Formen des Grundeigentums das letztre sich in Geldrente
verwandelt (dasselbe findet in andrer Weise statt, wo der moderne
Bauer geschaffen wird) und daher gleichzeitig die Agrikultur als
durch das Kapital betrieben sich in industrielle Agronomie ver-
wandelt, notwendig aus den cottiers 3*), Leibeignen, Fronbauern,
Erbpächtern, Häuslern etc. Taglöhner werden, Lohnarbeiter, also
die L o h n a r b e i t in ihrer Totalität erst geschaffen wird
durch Aktion des Kapitals auf das Grundeigentum und dann, sobald
dies einmal als Form herausgearbeitet ist, durch den Grundeigen-
tümer selbst. Dieser selbst clears 4*) dann, wie Steuart sagt,
das Land von seinen 5*) überflüssigen Mäulern, reißt die Kinder
der Erde los von der Brust, worauf sie gewachsen, und verwandelt
so selbst die Erdarbeit, die ihrer Natur nach als unmittelbare
Subsistenzquelle erscheint, in vermittelte Subsistenzquelle, von
gesellschaftlichen Beziehungen rein abhängige. (Die wechselsei-
tige Abhängigkeit muß erst rein herausgearbeitet sein, eh an
wirkliche soziale Gemeinschaftlichkeit gedacht werden kann. [125]
Alle Verhältnisse als von der Gesellschaft gesetzte, nicht als
von der Natur bestimmte.) Dadurch allein die Anwendung der Wis-
senschaft erst möglich und die volle Produktivkraft entwickelt.
Es kann also kein Zweifel existieren, daß die L o h n a r-
b e i t in ihrer k l a s s i s c h e n Form, als die ganze
Breite der Gesellschaft durchwadend 6*) und sich statt der Erde
zu dem Boden machend, worauf sie steht, erst durch das moderne
Grundeigentum geschaffen wird, d.h. durch das Grundeigentum als
vom Kapital selbst geschaffter Wert. Daher führt also das
Grundeigentum zurück zur Lohnarbeit. Es ist, nach einer Seite hin
betrachtet, nichts als die Übertragung der Lohnarbeit aus den
Städten auf das Land, also die über die ganze Oberfläche der Ge-
sellschaft verbreitete Lohnarbeit. Der alte Grundeigentümer, wenn
er reich ist, braucht keinen Kapitalisten, um zu modernem Grund-
eigentümer zu werden. Er braucht nur seine Arbeiter in Lohnarbei-
ter zu verwandeln und für Profit statt für Revenu zu produzieren.
Dann ist in seiner Person der moderne Pächter und der moderne
Grundeigentümer vorausgesetzt. Dies ist aber kein formeller Un-
terschied, daß die Form, in der er seine Revenu bezieht, sich
verändert, oder die Form, worin der Arbeiter bezahlt wird, son-
dern es unterstellt e i n e t o t a l e U m g e s t a l-
t u n g d e r P r o d u k t i o n s w e i s e (der Agrikultur)
selbst; hat daher Voraussetzungen, die auf bestimmter Entwicklung
-----
3*) Kätnern - 4*) reinigt - 5*) in der Handschrift: ihren -
6*) durchdringend (engl.: to wade through)
#203# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
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der Industrie, des Handels und der Wissenschaft, kurz der
Produktivkräfte beruhn. Wie überhaupt die auf dem Kapital und der
Lohnarbeit beruhende Produktion nicht nur formell von andren Pro-
duktionsweisen verschieden ist, sondern ebensosehr eine totale
Revolution und Entwicklung der materiellen Produktion voraus-
setzt. Obgleich das Kapital als Handelskapital sich vollständig
entwickeln kann (bloß nicht soweit quantitativ) ohne diese Umge-
staltung des Grundeigentums, so nicht als industrielles Kapital.
Selbst die Entwicklung der Manufaktur setzt eine beginnende Auf-
lösung der alten ökonomischen Grundeigentumsverhältnisse voraus.
Andrerseits wird aus dieser punktuellen Auflösung erst die neue
Form in ihrer Totalität und Breite, sobald die moderne Industrie
sich zu einem hohen Grad der Ausbildung entwickelt hat, die aber
selbst stets um so rascher vorangeht, je mehr sich die moderne
Agrikultur, die ihr entsprechende Eigentumsform, die ihr ent-
sprechenden ökonomischen Verhältnisse entwickelt haben. Daher
England in dieser Beziehung Musterland für die andren kontinenta-
len Länder. Ebenso: Wenn die erste Form der Industrie, die große
Manufaktur, schon Auflösung des Grundeigentums voraussetzt, so
ist diese wieder bedingt durch die in den Städten vor sich ge-
gangne untergeordnete Entwicklung des Kapitals, in seinen selbst
noch unentwickelten Formen (mittelaltrigen) und zugleich durch
die Wirkung der in andren Ländern zugleich mit dem Handel blühen-
den Manufaktur (so wirkt Holland auf England im 16. und ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts). In diesen Ländern selbst der Prozeß
schon durchgemacht und die Agrikultur für Viehzucht geopfert und
das Getreide von zurückgebliebnen Ländern verschafft, wie Polen
etc. durch Einfuhr (Holland again 7*)).
Es ist zu bedenken, daß die neuen Produktivkräfte und
Produktionsverhältnisse sich nicht aus N i c h t s entwickeln
noch aus der Luft, noch aus dem Schoß der sich selbst setzenden
Idee; sondern innerhalb und gegensätzlich gegen vorhandne Ent-
wicklung der Produktion und überlieferte, traditionelle Eigen-
tumsverhältnisse. Wenn im vollendeten bürgerlichen System jedes
ökonomische Verhältnis das andre in der bürgerlich-ökonomischen
Form voraussetzt und so jedes Gesetzte zugleich Voraussetzung
ist, so ist das mit jedem ¦¦24¦ organischen System der Fall. Dies
organische System selbst als Totalität hat seine Voraussetzungen,
und seine Entwicklung zur Totalität besteht eben [darin], alle
Elemente der Gesellschaft sich unterzuordnen oder die ihm noch
fehlenden Organe aus ihr heraus zu schaffen. Es wird so histo-
risch zur Totalität. Das Werden zu dieser Totalität bildet ein
Moment seines Prozesses, seiner Entwicklung. - Andrerseits, wenn
innerhalb einer Gesellschaft
-----
7*) wieder
#204# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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die modernen Produktionsverhältnisse, d.h. das Kapital zu seiner
Totalität entwickelt ist, und diese Gesellschaft sich nun eines
neuen Terrains bemächtigt wie z.B. in den Kolonien, so findet
sie, namentlich ihr Repräsentant, der Kapitalist, daß sein Kapi-
tal aufhört, Kapital zu sein ohne Lohnarbeit und daß eine der
Voraussetzungen hiervon nicht nur Grundeigentum überhaupt, son-
dern modernes Grundeigentum ist; Grundeigentum, das als ka-
pitalisierte Rente teuer ist und als solches die unmittelbare Be-
nutzung der Erde durch die Individuen ausschließt. Daher Wake-
fields Kolonietheorie [126], von der englischen Regierung in Au-
stralien in der Praxis befolgt. Das Grundeigentum wird hier
künstlich verteuert, um die Arbeiter in Lohnarbeiter zu verwan-
deln, das Kapital als Kapital wirken zu machen und so die neue
Kolonie p r o d u k t i v zu machen; Reichtum in ihr zu entwic-
keln, statt sie, wie in Amerika, zur momentanen Lieferung der
Lohnarbeiter zu verwenden. Wakefields Theorie ist unendlich wich-
tig zur richtigen Auffassung des modernen Grundeigentums.
- Das Kapital, als Grundrente schaffend, geht also zurück in die
Produktion der Lohnarbeit als seines allgemeinen schöpferischen
Grundes. Das Kapital geht aus der Zirkulation hervor und setzt
die Arbeit als Lohnarbeit; bildet sich so aus, und als Ganzes
entwickelt, setzt das Grundeigentum, sowohl als seine Bedingung
wie als seinen Gegensatz. Es zeigt sich aber, daß es hiermit nur
die Lohnarbeit als seine allgemeine Voraussetzung geschaffen hat.
Diese ist also nun für sich zu betrachten. Anderseits erscheint
das moderne Grundeigentum selbst am mächtigsten in dem Prozesse
des Clearing of estates [40] und Verwandlung der Landarbeiter in
Lohnarbeiter. So doppelter Übergang in die Lohnarbeit. Dies nach
der positiven Seite hin. Negativ, nachdem das Kapital das Grund-
eigentum gesetzt und damit seinen doppelten Zweck erreicht: 1.
Industriellen Ackerbau und dadurch Entwicklung der Produktivkraft
der Erde; 2. Lohnarbeit, also Herrschaft des Kapitals allgemein
auf dem Lande, betrachtet es die Existenz des Grundeigentums
selbst als eine bloß vorübergehende Entwicklung, die nötig ist
als Aktion des Kapitals auf die alten Grundeigentumsverhältnisse,
und ein P r o d u k t i h r e r Z e r s e t z u n g; die aber
als solche - diesen Zweck einmal erreicht - bloße Beschränkung
des Profits ist, keine Notwendigkeit für die Produktion. Es sucht
also das Grundeigentum als Privateigentum aufzulösen und auf den
Staat zu übertragen. Dies die negative Seite. So die ganze innre
Gesellschaft in Kapitalisten und Lohnarbeiter zu verwandeln. Wenn
das Kapital so weit ist, ist die Lohnarbeit auch so weit, daß sie
einerseits den Grundeigentümer als Superfötation 8*) zur Verein-
fachung des
-----
8*) Auswucherung
#205# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
-----
Verhältnisses, Milderung der Steuern etc. zu beseitigen sucht in
derselben Form wie der Bourgeois; andrerseits, um der Lohnarbeit
zu entrinnen und selbständiger - für unmittelbaren Gebrauch -
Produzent zu werden, die Zerschlagung des großen Grundeigentums
verlangt.
Das Grundeigentum wird so von zwei Seiten her negiert; die Nega-
tion von seiten des Kapitals ist nur Formveränderung zu seiner
Alleinherrschaft. (Grundrente als die allgemeine Staatsrente
(-steuer), so daß die bürgerliche Gesellschaft in andrer Weise
das mittelaltrige System, aber als die vollständige Negation des-
selben, reproduziert.) Die Negation von seiten der Lohnarbeit ist
nur versteckte Negation des Kapitals, also auch ihrer selbst. Als
selbständig dem Kapital gegenüber ist sie also jetzt zu betrach-
ten. So der Übergang doppelt: 1. P o s i t i v e r Ü b e r-
g a n g aus dem modernen Grundeigentum oder des Kapitals ver-
mittelst des modernen Grundeigentums [zu] der allgemeinen I
Lohnarbeit; 2. n e g a t i v e r Ü b e r g a n g: Verneinung
des Grundeigentums durch das Kapital, d. h. also Verneinung des
selbständigen Werts durch das Kapital, d. h. eben Verneinung des
Kapitals durch sich selbst. Aber ihre Verneinung ist die
L o h n a r b e i t. Dann Verneinung des Grundeigentums und ver-
mittelst seiner des Kapitals von seiten der Lohnarbeit. D.h. die
Lohnarbeit, die sich als das Selbständige setzen will.}
{Der M a r k t, der im Anfang in der Ökonomie als abstrakte Be-
stimmung erscheint, nimmt totale Gestaltungen an. Einmal der
G e l d m a r k t. Dieser umschließt den Wechselmarkt; überhaupt
den Anleihemarkt; also Geldhandel, Bullionmarkt 9*). Als
G e l d l e i h m a r k t erscheint er sowohl an den Banken,
f.i. 10*) dem Discount, wozu sie diskontieren: loanmarket, bill-
brokers 11*) etc.; aber dann auch als Markt aller z i n s t r a-
g e n d e n P a p i e r e: Staatsfunds und Share market 12*).
Die letztren sondern sich in größre Gruppen: Erstens die
S h a r e s 13*) d e r G e l d i n s t i t u t e selbst; Bank
shares; jointstock bank shares 14*); S h a r e s der Kommunika-
tionsmittel (r a i l w a y s h a r e s 15*) die bedeutendsten;
c a n a l shares; steam navigation shares, telegraph shares,
omnibus shares 16*)); s h a r e s a l l g e m e i n e r i n-
d u s t r i e l l e r e n t e r p r i s e s 17*) (m i n i n g
s h a r e s 18*) die hauptsächlichsten). Dann für Zufuhr all-
gemeiner Elemente (g a s shares 19*), Wasserleitung shares).
M i s c e l l a n e o u s 20*) ins tausendfache gehend. Zur
A u f b e w a h r u n g d e r W a r e n (dock shares 21*)
etc.). M i s c e l l a n e o u s ins unendliche gehend, wie der
auf Aktien gegründeten entreprises, industrieller oder Handels-
kompanien. Endlich als Sicherung des
-----
9*) Gold- und Silbermarkt - 10*) z.B. - 11*) "Anleihenmarkt,
Wechselmakler - 12*) Aktienmarkt - 13*) Aktien - 14*) Bankaktien;
Aktien von Aktienbanken - 15*) Eisenbahnaktien - 16*) Kanalak-
tien; Dampfschiffahrtsaktien; Telegraphenaktien; Omnibusaktien -
17*) Unternehmen - 18*) Berghauaktien - 19*) Gasaktien -
20*) Vielseitigkeit - 21*) Hafenaktien
#206# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
-----
Ganzen I n s u r a n c e s h a r e s 22*) aller Sorten. Wie
nun der Markt im großen und ganzen in home market und Foreign
market 23*) zerfällt, so der innre Markt selbst wieder zerfallend
in Market of Home Shares, national funds etc. und Foreign funds,
foreign ¦¦25¦ shares 24*) etc. Eigentlich gehört diese Entwick-
lung aber zum Weltmarkt, der nicht nur der innre Markt im Ver-
hältnis zu allen außer ihm existierenden foreign markets, sondern
zugleich der innre [Markt] aller foreign markets als wieder Be-
standteile des home market ist. D i e K o n z e n t r a t i o n
d e s G e l d m a r k t s auf einem Hauptplatz innerhalb eines
Landes, während sich die übrigen Märkte mehr verteilen nach der
Teilung der Arbeit; obgleich auch hier große Konzentration [auf]
die Hauptstadt, wenn diese zugleich Exporthafen. - Die vom Geld-
markt unterschiednen Märkte sind erstens so verschieden als es
Produkte und Produktionszweige sind und bilden ebenso verschiedne
Märkte. Hauptmärkte von diesen verschiednen Produkten bilden sich
in Zentren, die solche sind entweder in bezug auf Ein- oder Aus-
fuhr oder weil sie entweder selbst Zentren einer bestimmten Pro-
duktion sind oder die unmittelbaren Zufuhrplätze solcher Zentren.
Von der bloßen Verschiedenheit gehn diese Märkte aber noch zu ei-
ner mehr oder minder organischen Sonderung in großen Gruppen fort
25*), die notwendig nach den Grundelementen des Kapitals selbst
zerfallen in: Produktenmarkt und Rohproduktmarkt. Das Pro-
duktionsinstrument als solches bildet keinen besondren Markt; es
ist als solches hauptsächlich vorhanden erstens in den Rohstoffen
selbst, die als Produktionsmittel verkauft werden; dann aber im
besondren in den Metallen, da diese allen Gedanken an unmittel-
bare Konsumtion ausschließen, und dann den Produkten, wie Kohlen,
Öl, chemische Stoffe, die bestimmt sind zu verschwinden als ak-
zessorische Mittel der Produktion. Ebenso Farben, Holz, drugs
26*) etc. Danach:
I. P r o d u k t e. 1. K o r n m a r k t mit seinen ver-
schiednen Unterabteilungen. Z.B. Seedmarkt 27*): Reis, Sago, Kar-
toffel etc. Dieser ökonomisch sehr wichtig; zugleich Markt für
Produktion und für unmittelbare Konsumtion. 2. C o l o n i a l
P r o d u c e m a r k e t 28*): Kaffee, Tee, Kakao, Zucker; Tob-
acco, spices (Pfeffer, Pimento, Cinnamon, Cassia lignea, cloves,
ginger, mace, nutmegs, etc.); 3. F r ü c h t e. Almonds, Cur-
rants, Figs, Plums, Prunes, Raisins, Oranges, Lemons etc.
M o l a s s e s (für Produktion etc.); 4. P r o v i s i o n s.
Butter; cheese; bacon; hams; lard; pork; beef 29*)
(geräuchertes), Fische etc. 5. S p i r i t s. Wein, Rum, Bier
-----
22*) Versicherungsaktien - 23*) Binnenmarkt und Außenmarkt -
24*) Markt für Binnenaktien, staatliche Obligationen etc. und
Auslandsfonds, ausländische Aktien - 25*) in der Handschrift:
statt - 26*) Drogen - 27*) Saatgutmarkt - 28*) Markt für Koloni-
alwaren - 29*) Gewürze (Pfeffer, Gewürzkörner, Zimt, Zimtbaum,
Gewürznelken, Ingwer Muskatblüte, Muskatnuß, etc.); - 3. Früchte.
Mandeln Korinthen,
#207# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
-----
etc. II. R o h p r o d u k t e. 1. D i e R o h s t o f f e
d e r m e c h a n i s c h e n I n d u s t r i e. Flachs; Hanf;
Baumwolle; Seide; Wolle; Häute; Leder; Gutta Percha etc.; 2.
R o h s t o f f e d e r c h e m i s c h e n I n d u s t r i e.
Pottasche, Salpeter; Terpentin; Nitrat of Soda etc. III.
R o h s t o f f e , d i e
P r o d u k t i o n s i n s t r u m e n t e z u g l e i c h.
M e t a l l e (Kupfer, Eisen, Zinn, Zink, Blei, Stahl etc.),
H o l z. Wood. Timber 30*). Färbehölzer. Schiffbauholz etc.
A k z e s s o r i s c h e P r o d u k t i o n s m i t t e l
u n d R o h s t o f f e. Drugs und Dyes 31*). (Cochenille, In-
digo etc.). Teer. Talg. Öle. Kohlen etc. Jedes Produkt muß natür-
lich in den Markt; aber wirklich große Märkte im Unterschied vom
Detailhandel bilden nur die großen Produkte zum Konsum
(ökonomisch wichtig nur der Kornmarkt, Tee-, Zucker-, Coffee-
markt; Weinmarkt einigermaßen und Spiritmarkt überhaupt) oder die
die Rohstoffe der Industrie bilden: (Woll-, Seiden-, Holz-, Me-
tallmarkt etc.) An welcher Stelle die abstrakte Kategorie des
Marktes hinein muß, wird sich finden.}
Der Austausch des Arbeiters mit dem Kapitalisten ist ein einfa-
cher Austausch; jeder erhält ein Äquivalent; der eine Geld, der
andre eine Ware, deren P r e i s exakt gleich ist dem für sie
gezahlten Geld; was der Kapitalist in diesem einfachen Austausch
erhält, ist ein Gebrauchswert: Disposition über fremde Arbeit.
Von seiten des Arbeiters - und dies ist der Austausch, worin er
als Verkäufer erscheint - ist es evident, daß bei ihm sowenig wie
bei dem Verkäufer irgendeiner andren Ware, eines Gebrauchswerts,
der Gebrauch, den der Käufer von der an ihn abgelaßnen Ware
macht, die Formbestimmung des Verhältnisses angeht. Was er ver-
kauft, ist die Disposition über seine Arbeit, die eine bestimmte
ist, bestimmte Kunstfertigkeit etc.
Es ist ganz gleichgültig, was der Kapitalist mit seiner Arbeit
macht, obgleich er sie natürlich nur ihrer Bestimmtheit nach ver-
wenden kann und seine Disposition selbst sich nur auf eine
b e s t i m m t e Arbeit und eine z e i t l i c h b e-
s t i m m t e Verfügung über dieselbe (soundso viel Arbeitszeit)
beschränkt 32*). Das Stückarbeitzahlen-System bringt allerdings
den Schein herein, als ob er einen bestimmten Anteil am Produkt
erhielte. Es ist dies aber nur eine andre Form, die Zeit zu
messen (statt zu sagen, du arbeitest während 12 Stunden, wird
gesagt, du erhälst soviel per Stück; d.h., wir messen die Zeit,
die du gearbeitet hast, an der Anzahl der Produkte); geht uns
hier bei Betrachten des allgemeinen Verhältnisses gar nichts an.
Wenn der Kapitalist sich begnügte mit der bloßen Dispositionsfä-
higkeit, ohne den Arbeiter wirklich arbeiten zu lassen, z.B. um
seine Arbeit als Reserve zu haben etc. oder seinem Konkurrenten
die Dispositionsfähigkeit
-----
Feigen, Pflaumen, Backpflaumen, Rosinen, Orangen, Zitronen etc.
Melasse (für Produktion etc.); 4. Lebensmittel. Butter; Käse;
Speck; Schinken; Schweineschmalz; Schweinefleisch; Rindfleisch -
30*) Holz. Bauholz - 31*) Drogen und Farben - 32*) in der Hand-
schrift: beschränkt ist
#208# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
-----
zu entziehen (wie z. B. Schauspieldirektoren Sängerinnen für eine
season 33*) kaufen, nicht um sie singen zu lassen, sondern damit
sie nicht auf einem Konkurrenztheater singt), so hat der Aus-
tausch vollständig stattgefunden. Im Geld erhält der Arbeiter
zwar den Tauschwert, die allgemeine Form des Reichtums in einem
bestimmten Quantum, und das Mehr oder Weniger, das er erhält,
verschafft ihm größren oder geringren Anteil am allgemeinen
Reichtum. Wie dies Mehr oder Weniger bestimmt wird, wie die Quan-
tität Geld, die er erhält, gemessen wird, geht das allgemeine
Verhältnis so wenig an, daß es aus demselben als solchen nicht
entwickelt werden kann. Im allgemeinen betrachtet, kann der
Tauschwert seiner Ware nur bestimmt sein nicht durch die Art, wie
der Käufer seine Ware g e b r a u c h t, sondern nur durch das
Quantum vergegenständlichter Arbeit, das in ihr selbst vorhanden
ist; also hier durch das Quantum Arbeit, das es kostet, den Ar-
beiter selbst zu produzieren. Denn der Gebrauchswert, den ¦¦26¦
er anbietet, existiert nur als Fähigkeit, Vermögen seiner Leib-
lichkeit; hat kein Dasein außerhalb derselben. Die vergegenständ-
lichte Arbeit, die nötig ist, um sowohl die allgemeine Substanz,
an der sein Arbeitsvermögen existiert, also ihn selbst, leiblich
zu erhalten, wie um diese allgemeine Substanz zur Entwicklung des
besondren Vermögens zu modifizieren, ist die in ihr vergegen-
ständlichte Arbeit. Diese mißt im allgemeinen das Quantum des
Werts, die Summe Geldes, die er im Austausch erhält. Die weitre
Entwicklung, wie der Arbeitslohn gemessen wird, gleich allen and-
ren Waren durch die Arbeitszeit, die nötig ist, um den Arbeiter
als solchen zu produzieren, gehört noch nicht hierher.
In der Zirkulation, wenn ich eine Ware gegen Geld austausche, da-
für Ware kaufe und mein Bedürfnis befriedige, ist der Akt am
Ende. So ist es beim Arbeiter. Aber er hat die Möglichkeit, ihn
von vorn anzufangen, weil seine Lebendigkeit die Quelle, worin
sein eigner Gebrauchswert bis zu einer gewissen Zeit, bis er ab-
genutzt ist, stets wieder von neuem sich entzündet und dem Kapi-
tal stets gegenüberstehn bleibt, um denselben Austausch von neuem
zu beginnen. Wie bei jedem als Subjekt in der Zirkulation stehen-
den Individuum ist der Arbeiter Besitzer eines Gebrauchswerts; er
setzt ihn um gegen Geld, die allgemeine Form des Reichtums, aber
nur um diese wieder gegen Waren als Gegenstände seiner unmittel-
baren Konsumtion, als die Mittel zur Befriedigung seiner Bedürf-
nisse umzusetzen. Da er seinen Gebrauchswert gegen die allgemeine
Form des Reichtums umtauscht, wird er Mitgenießer des allgemeinen
Reichtums bis zur Grenze seines Äquivalents - einer quantitativen
Grenze, die allerdings in eine qualitative umschlägt, wie bei je-
dem Austausch.
-----
33*) Saison
#209# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
-----
Er ist aber nicht an besondre Gegenstände noch an eine besondre
Weise der Befriedigung gebunden. Er ist nicht qualitativ ausge-
schlossen - der Kreis seiner Genüsse, sondern nur quantitativ.
Dies unterscheidet ihn vom Sklaven, Leibeignen etc. Die Konsum-
tion wirkt certainly 34*) auf die Produktion selbst zurück; aber
dieser Rückschlag geht weder den Arbeiter bei seinem Austausch an
sowenig wie jeden andren Verkäufer einer Ware; vielmehr fällt
sie, vom Standpunkt der bloßen Zirkulation - und wir haben noch
kein andres entwickeltes Verhältnis vor uns ", außerhalb des öko-
nomischen Verhältnisses. Soviel kann indes nebenbei bemerkt wer-
den schon jetzt, daß die relative, nur quantitativ, nicht quali-
tativ, und nur durch die Quantität gesetzte qualitative Beschrän-
kung des Kreises der Genüsse der Arbeiter ihnen auch als Konsu-
menten (bei der weitren Entwicklung des Kapitals muß überhaupt
das Verhältnis von Konsumtion und Produktion näher betrachtet
werden) eine ganz andre Wichtigkeit als Agenten der Produktion
gibt, denn die sie z. B. in der antiken Zeit oder im Mittelalter
oder in Asien besitzen und besaßen. Aber dies gehört, wie gesagt,
noch nicht hierher.
Ebenso, indem der Arbeiter das Äquivalenterhält in der Form des
Geldes, der Form des allgemeinen Reichtums, ist er in diesem Aus-
tausch als Gleicher dem Kapitalist gegenüber, wie jeder andre
Austauschende; wenigstens dem S c h e i n nach. Dem fact nach
ist diese Gleichheit schon dadurch gestört, daß sein Verhältnis
als Arbeiter zum Kapitalisten, als Gebrauchswert in der spezi-
fisch vom Tauschwert verschiednen Form, im Gegensatz zu dem als
Wert gesetzten Wert, vorausgesetzt ist für diesen scheinbar ein-
fachen Austausch; daß er also schon in einem anders ökonomisch
bestimmten Verhältnis steht - außer dem des Austauschs, worin die
Natur des Gebrauchswerts, der besondre Gebrauchswert der Ware als
solcher gleichgültig ist.
Dieser Schein existiert indes als Illusion seinerseits und zu ei-
nem gewissen Grade auf der andren Seite und modifiziert daher
auch wesentlich sein Verhältnis im Unterschied von dem der Arbei-
ter in andren gesellschaftlichen Produktionsweisen. Aber, was das
Wesentliche ist, der Zweck des Austauschs für ihn ist die Befrie-
digung seines Bedürfnisses. Der Gegenstand seines Austauschs ist
unmittelbarer Gegenstand des Bedürfnisses, nicht der Tauschwert
als solcher. Er erhält zwar Geld, aber nur in seiner Bestimmung
als Münze; d.h. nur als sich selbst aufhebende und verschwindende
Vermittlung. Was er austauscht, ist daher nicht der Tauschwert,
nicht der Reichtum, sondern Lebensmittel, Gegenstände zur Erhal-
tung seiner Lebendigkeit, Befriedigung seiner Bedürfnisse über-
haupt, physischer, sozialer etc. Es ist ein
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34*) zweifellos
#210# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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bestimmtes Äquivalent in Lebensmitteln, vergegenständlichter Ar-
beit, gemessen durch die Produktionskosten seiner Arbeit. Was er
abläßt, ist die Disposition über sie. Anderseits ist es nun wahr,
daß selbst innerhalb der einfachen Zirkulation die Münze zum Geld
fortgeht und daß also, insofern er im Austausch Münze erhält - er
diese in Geld verwandeln kann, indem er sie aufhäuft etc., der
Zirkulation entzieht; sie fixiert als allgemeine Form des Reich-
tums statt als verschwindendes Tauschmittel. Nach dieser Seite
könnte also gesagt werden, daß im Austausch des Arbeiters mit dem
Kapital sein Objekt - und also auch das Produkt für ihn des Aus-
tauschs - nicht das Lebensmittel, sondern der Reichtum sei, nicht
ein besondrer Gebrauchswert, sondern der Tauschwert als solcher.
Der Arbeiter könnte hiernach den Tauschwert nur zu seinem eignen
P r o d u k t machen, wie der Reichtum überhaupt allein als
P r o d u k t d e r e i n f a c h e n Z i r k u l a t i o n,
worin Äquivalente ausgetauscht werden, e r s c h e i n e n
kann, nämlich indem er die substantielle Befriedigung opfert der
F o r m des Reichtums, also durch E n t s a g e n, Sparen, Ab-
knappen an seiner Konsumtion weniger der Zirkulation entzieht,
als er ihr G ü t e r gibt. Dies ist die einzig mögliche Form,
sich zu bereichern, die durch die Zirkulation selbst gesetzt ist.
Die Entsagung könnte dann auch in der mehr aktiven Form erschei-
nen, die nicht in der einfachen Zirkulation gesetzt ist, daß er
in höhrem Grade der Ruhe, überhaupt seinem Sein als getrennt von
seinem Sein als Arbeiter entsagt, und möglichst nur als Arbeiter
ist; also den Akt des Austauschs öfter erneuert oder quantitativ
wieder 35*) zieht, also durch F l e i ß. Es wird daher auch in
der heutigen Gesellschaft die Forderung des Fleißes und nament-
lich auch des S p a r e n s, der E n t s a g u n g nicht an
die Kapitalisten, sondern an die Arbeiter gestellt, und nament-
lich von den ¦[27¦ Kapitalisten. Die jetzige Gesellschaft stellt
grade die paradoxe Forderung, daß der entsagen soll, bei dem der
Gegenstand des Austauschs das Lebensmittel ist, nicht der, für
den er die Bereicherung. Die Illusion, als wenn die Kapitalisten
faktisch "entsagten" - und dadurch Kapitalisten wurden - eine
Forderung und Vorstellung, die überhaupt nur Sinn hatte innerhalb
der Vorzeit, worin sich das Kapital aus feudalen etc. Ver-
hältnissen herausbildet - ist von allen zurechnungsfähigen moder-
nen Ökonomen aufgegeben. Der Arbeiter soll sparen, und viel We-
sens ist gemacht worden mit Sparkassen etc.
(Bei letztren wird indes selbst von den Ökonomen zugegeben, daß
ihr eigentlicher Zweck auch nicht der Reichtum, sondern nur
zweckmäßigre Verteilung der Ausgabe ist, so daß sie im Alter oder
wenn Krankheiten, Krisen
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35*) weiter
#211# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
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etc. dazwischen kommen, nicht den Armenhäusern, dem Staat, dem
Bettel (in einem Wort der Arbeiterklasse selbst und namentlich
nicht den Kapitalisten) zur Last fallen und auf deren Tasche ve-
getieren, also sparen für die Kapitalisten; ihre Produktionsko-
sten für dieselben vermindern.) Allein kein Ökonom wird leugnen,
daß, wenn die Arbeiter a l l g e m e i n, also als A r b e i-
t e r (was der einzelne Arbeiter im Unterschied von seinem genus
tut oder tun kann, kann eben nur als A u s n a h m e, nicht als
R e g e l existieren, weil es nicht in der Bestimmung des Ver-
hältnisses selbst liegt), also als R e g e l diese Forderungen
erfüllten (abgesehn von dem Schaden, den sie der allgemeinen
Konsumtion zufügen würden - der Ausfall wäre enorm ", also auch
der Produktion, also auch der Anzahl und Masse der Austausche,
die sie mit dem Kapital machen könnten, also sich selbst als
Arbeitern), er absolut Mittel anwendete, die ihren eignen Zweck
aufheben und ihn grade degradieren müßten zum Irländer, zu der
Stufe des Lohnarbeiters, wo das tierischste Minimum von
Bedürfnissen, von Lebensmitteln ihm als der einzige Gegenstand
und Zweck seines Austauschs mit dem Kapital erscheint. Mit dem
Zweck, den Reichtum, statt des Gebrauchswerts zu seinem Zweck zu
machen, würde er nicht nur daher zu keinem Reichtum kommen,
sondern den Gebrauchswert obendrein in den Kauf verlieren. Denn
als Regel würde das Maximum des Fleißes, der Arbeit, und das
Minimum der Konsumtion - und dieses ist das Maximum seiner Entsa-
gung und seines Geldmachens - zu weiter nichts führen können, als
daß er für ein Maximum von Arbeit ein Minimum von Lohn erhielte.
Er würde durch die Anstrengung nur das allgemeine N i v e a u
der Produktionskosten seiner eignen Arbeit und darum ihren allge-
meinen Preis vermindert haben. Es ist nur als Ausnahme, daß der
Arbeiter durch Willenskraft, physische Kraft und Ausdauer, Geiz
etc. seine Münze in Geld verwandeln kann, als Ausnahme von seiner
Klasse und den allgemeinen Bedingungen seines Daseins. Sind alle
oder die Mehrzahl überfleißig (soweit der Fleiß in der modernen
Industrie überhaupt ihrem Gutdünken überlassen ist, was in den
wichtigsten und entwickeltsten Produktionszweigen nicht der Fall
ist), so vermehren sie nicht den Wert ihrer Ware, sondern nur
ihre Quantität; also die Forderungen, die an sie als Ge-
brauchswert gestellt würden. Sparen sie alle, so wird eine allge-
meine Reduktion des Lohns sie schon wieder auf den richtigen Fuß
setzen; denn das allgemeine Sparen zeigte dem Kapitalisten, daß
ihr Lohn allgemein zu hoch steht, daß sie mehr als ihr Äquivalent
für ihre Ware, die Dispositionsfähigkeit über ihre Arbeit, erhal-
ten; da es gerade das Wesen des einfachen Austauschs - und in
diesem Verhältnis stehn sie zu ihm - ist, daß keiner mehr in die
Zirkulation hereinwirft, als er entzieht; aber ihr auch nur ent-
ziehn kann, was er hereingeworfen hat. Ein einzelner Arbeiter
kann nur f l e i ß i g sein über das Niveau
#212# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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hinaus, mehr als er es sein muß, um als Arbeiter zu leben, weil
ein andrer unter dem Niveau steht, fauler ist; er kann nur spa-
ren, weil und wenn ein andrer verschwendet.
Das Höchste, wozu er es im Durchschnitt mit seiner Sparsamkeit
bringen kann, ist, die Ausgleichung der Preise - hohe und nie-
dere, ihren Kreislauf - besser ertragen zu können; also nur
zweckmäßiger seine Genüsse zu verteilen, nicht Reichtum zu erwer-
ben. Und das ist auch die eigentliche Forderung der Kapitalisten.
Die Arbeiter sollen in der guten Geschäftszeit soviel sparen, daß
sie in der schlechten mehr oder minder leben können, short time
36*) ertragen oder das Herabsetzen der Löhne etc. (Er würde dann
noch tiefer fallen.) Also Forderung, daß sie sich immer auf einem
Minimum von Lebensgenuß halten sollen und den Kapitalisten die
Krisen erleichtern etc. Sich als reine Arbeitsmaschinen und ihren
tear and wear 37*) selbst möglichst zahlen sollen. Von der reinen
Vertierung, worin dies ausliefe - und solche Vertierung machte
selbst unmöglich, den Reichtum in allgemeiner Form, als Geld, als
angehäuftes Geld, nur anzustreben -, abgesehn (und der Anteil,
den der Arbeiter an höheren, auch geistigen Genüssen, nimmt; die
Agitation für seine eignen Interessen, Zeitungen halten, Vorle-
sungen hören, Kinder erziehen, Geschmack entwickeln etc., sein
einziger Anteil an der Zivilisation, der ihn vom Sklaven schei-
det, ist ökonomisch nur dadurch möglich, daß er den Kreis seiner
Genüsse in den guten Geschäftszeiten erweitert, also in den Zei-
ten, wo Sparen zu einem gewissen Grade möglich) davon, würde er,
wenn er recht in asketischer Weise sparte und so Prämien für das
Lumpenproletariat, Spitzbuben etc. aufhäufte, die im Verhältnis
zur Nachfrage wachsen würden - seine Ersparnisse, wenn sie über
die Sparbüchse der offiziellen Sparkassen hinausgehn, die ihm ein
Minimum von Zins zahlen, damit die Kapitalisten große Zinsen aus
ihren Ersparnissen schlagen oder der Staat sie aufißt, womit er
bloß die Macht seiner Gegner und seine eigne Abhängigkeit ver-
mehrt - seine Ersparnisse bloß konservieren und fruchtbringend
machen können, indem er sie in Banken etc. legt, so daß er nach-
her in Zeiten der Krisen seine Depositen verliert, während er in
Zeiten der Prosperität allem Lebensgenuß entsagt hat, um die
Macht des Kapitals zu vermehren; also in jeder Weise f ü r
d a s Kapital, nicht ¦¦28¦ für sich gespart hat.
Übrigens - soweit das Ganze nicht heuchlerische Phrase der bür-
gerlichen "Philanthropie" ist, die überhaupt darin besteht, den
Arbeiter mit "frommen Wünschen" abzuspeisen - verlangt jeder Ka-
pitalist zwar, daß seine Arbeiter sparen sollen, aber nur
s e i n e, weil sie ihm als Arbeiter gegenüberstehn; beileibe
nicht die übrige W e l t d e r A r b e i t e r, denn sie
stehn ihm als Konsumenten gegenüber.
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36*) Kurzarbeit - 37*) Verschleiß
#213# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
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In spite 38*) aller "frommen" Redensarten sucht er daher alle
Mittel auf, um sie zum Konsum anzuspornen, neue Reize seinen Wa-
ren zu geben, neue Bedürfnisse ihnen anzuschwatzen etc. Es ist
grade diese Seite des Verhältnisses von Kapital und Arbeit, die
ein wesentliches Zivilisationsmoment ist und worauf die histori-
sche Berechtigung, aber auch die gegenwärtige Macht des Kapitals
beruht. (Dies Verhältnis von Produktion und Konsumtion zu ent-
wickeln erst unter: Kapital und Profit etc.) (oder auch unter der
Akkumulation und Konkurrenz der Kapitalien.)
Dies sind indes alles exoterische Betrachtungen, soweit am Platz,
als die Forderungen der heuchlerischen Bürgerphilanthropie nach-
gewiesen werden, sich in sich selbst aufzulösen und also grade zu
bestätigen, was sie widerlegen sollen, daß im Austausch des Ar-
beiters mit dem Kapital er sich im Verhältnis der einfachen Zir-
kulation befindet, also nicht Reichtum erhält, sondern nur Le-
bensmittel, Gebrauchswerte für die unmittelbare Konsumtion. Daß
die Forderung dem Verhältnis selbst widerspricht, geht aus der
einfachen Reflexion hervor (über die neuerdings manchmal mit
Selbstgefälligkeit vorgebrachte Forderung, den Arbeitern einen
gewissen Anteil am Profit zu geben, ist unter dem Abschnitt
A r b e i t s l o h n zu sprechen; außer als b e s o n d r e
P r ä m i e, die nur als Ausnahme von der Regel ihren Zweck er-
reichen kann und sich in fact auch beschränkt in nennenswerter
Praxis auf Einkaufen von einzelnen Overlookers 39*) etc. in dem
Interesse des Arbeitgebers gegen das Interesse seiner Klasse;
oder auf Commis etc., kurz nicht mehr e i n f a c h e A r-
b e i t e r, also auch nicht mehr auf das allgemeine Verhältnis;
oder es ist eine besondre Manier, die Arbeiter zu prellen und
ihnen e i n e n T e i l i h r e s A r b e i t s l o h n s
unter der prekärem Form eines vom Stand des Geschäfts abhängigen
Profits v o r z u e n t h a l t e n), daß, wenn die Ersparung
des Arbeiters nicht bloßes Produkt der Zirkulation bleiben soll -
abgespartes Geld, das nur verwirklicht werden kann, indem es
früher oder später gegen den substantiellen Inhalt des Reichtums,
Genüsse, umgesetzt wird - das aufgehäufte Geld selbst Kapital
werden, d.h. Arbeit kaufen müßte, sich zu der Arbeit als
Gebrauchswert verhalten müßte. Sie unterstellt also wieder
Arbeit, die nicht Kapital ist, und unterstellt, daß die Arbeit
ihr Gegenteil geworden ist - Nicht-Arbeit. Um Kapital zu werden,
unterstellt sie selbst die Arbeit als Nicht-Kapital gegenüber dem
Kapital. Also die Herstellung des Gegensatzes, der an einem Punkt
aufgehoben werden soll, an einem andren Punkt. Ware also im
ursprünglichen Verhältnis selbst der Gegenstand und das
P r o d u k t des Austauschs des Arbeiters - als Produkt des
bloßen Austauschs kann es kein andres Produkt sein - nicht der
Gebrauchswert, Lebensmittel,
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38*) Trotz - 39*) Aufsehern
#214# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft II
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Befriedigung des unmittelbaren Bedürfnisses, Entziehung aus der
Zirkulation des Äquivalents, was in sie eingesetzt ist, um es
durch die Konsumtion zu vernichten ", so stünde die Arbeit dem
Kapital nicht als Arbeit, nicht als Nicht-Kapital gegenüber, son-
dern als Kapital. Aber auch Kapital kann dem Kapital nicht gegen-
überstehn, wenn dem Kapital nicht Arbeit gegenübersteht, da Kapi-
tal nur Kapital ist als Nicht-Arbeit; in dieser gegensätzlichen
Beziehung. Also wäre der Begriff und das Verhältnis des Kapitals
selbst vernichtet.
Daß es Zustände gibt, worin selbstarbeitende Eigentümer miteinan-
der austauschen, wird certainly 40*) nicht geleugnet. Solche Zu-
stände aber sind nicht die Zustände der Gesellschaft, worin das
Kapital als solches entwickelt existiert; sie werden daher auch
an allen Punkten durch seine Entwicklung vernichtet. Als Kapital
kann es sich nur setzen, indem es die Arbeit als Nicht- Kapital,
als reinen Gebrauchswert setzt. (Als Sklave hat der Arbeiter
T a u s c h w e r t, einen W e r t; als freier Arbeiter hat er
k e i n e n W e r t; sondern nur die Disposition über seine Ar-
beit, durch Austausch mit ihm bewirkt, hat Wert. Er steht dem Ka-
pitalisten nicht als Tauschwert gegenüber, sondern der Kapitalist
ihm. Seine W e r t l o s i g k e i t und E n t w e r t u n g
ist die Voraussetzung des Kapitals und die Bedingung der
f r e i e n Arbeit überhaupt. Linguet betrachtet sie als Rück-
schritt [127]; er vergißt, daß damit der Arbeiter formell als
Person gesetzt ist, der noch etwas a u ß e r s e i n e r Ar-
beit für sich ist und der seine Lebensäußerung nur veräußert als
Mittel für sein eignes Leben. Solange der Arbeiter als solcher
T a u s c h w e r t hat, kann das i n d u s t r i e l l e
K a p i t a l als solches nicht existieren, also überhaupt nicht
das entwickelte Kapital. Diesem gegenüber muß die Arbeit als
r e i n e r G e b r a u c h s w e r t stehn, der als Ware von
seinem Besitzer selbst gegen es angeboten wird, gegen seinen
T a u s c h w e r t [die Münze], die allerdings in der Hand des
Arbeiters nur in ihrer Bestimmung als allgemeines Tauschmittel
wirklich wird; sonst verschwindet.) Well 41*). Der Arbeiter be-
findet sich also nur im Verhältnis der einfachen Zirkulation, des
einfachen Austauschs und erhält nur M ü n z e für seinen Ge-
brauchswert; Lebensmittel; aber vermittelt. Diese Form der Ver-
mittlung ist, wie wir gesehn, wesentlich und charakteristisch für
das Verhältnis. Daß er fortgehn kann zur Verwandlung der Münze in
Geld - zum Sparen -, beweist eben nur, daß sein Verhältnis das
der einfachen Zirkulation ist; er kann mehr oder weniger sparen;
aber darüber hinaus kommt er nicht; verwirklichen kann er das Ge-
sparte nur, indem er nun den Kreis seiner Genüsse momentan erwei-
tert. Wichtig ist dies - und in die Bestimmung des Verhältnisses
selbst eingreifend ", daß, indem
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40*) gewiß - 41*) Nun gut
#215# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
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das Geld das Produkt seines Austauschs ist, allgemeiner Reichtum
als Illusion ihn vorantreibt; ihn industriell macht. Zugleich
wird dadurch nicht nur formell ein Spielraum der Willkür für die
Verwirk¦¦[29][1281¦[lichung ...]
{Der Arbeiter in diesem Austausch erhält das Geld in der Tat nur
als M ü n z e, d.h. bloß verschwindende Form der Lebensmittel,
gegen die er es austauscht. Lebensmittel nicht Reichtum, für ihn
der Zweck des Austauschs.
Man hat das A r b e i t s v e r m ö g e n insofern das Kapital
des Arbeiters genannt, als es der fonds ist, den er nicht auf-
zehrt durch einen vereinzelten Austausch, sondern stets von neuem
während seiner L e b e n s d a u e r a l s A r b e i t e r
wiederholen kann. Demnach wäre alles Kapital, was ein fonds von
wiederholten} ¦¦III-8¦ [129] Prozessen desselben Subjekts ist; so
z.B.: die Substanz des Auges das Kapital des Sehns etc. Solche
belletristische Phrasen, die nach irgendeiner Analogie alles un-
ter alles rangieren, mögen sogar geistreich scheinen, wenn sie
das erstemal gesagt werden, und um so mehr so, je mehr sie das
Disparateste identifizieren. Wiederholt, und nun gar mit Selbst-
gefälligkeit, als Aussprüche von wissenschaftlichem Wert wieder-
holt, sind sie tout bonnement 42*) albern. Nur für belletristi-
sche Grünfärber und Schwätzer ins Blaue gut, die alle Wissen-
schaften anschmieren mit ihrem lakritzensüßen Dreck. Daß die Ar-
beit stets neue Quelle des Austauschs für den Arbeiter, solange
er arbeitsfähig - nämlich nicht des Austauschs schlechthin, son-
dern des Austauschs mit dem Kapital -, liegt in der Begriffsbe-
stimmung selbst, daß er nur zeitliche Disposition über seine Ar-
beitsfähigkeit verkauft, also den Tausch stets wieder von neuem
beginnen kann, sobald er das gehörige Maß von Stoff eingenommen,
um wieder seine Lebensäußerung reproduzieren zu können. Statt
ihre Verwunderung dahin zu richten - und es dem Arbeiter als ein
großes Verdienst des Kapitals anzurechnen, daß er überhaupt lebt,
also bestimmte Lebensprozesse täglich wiederholen kann, sobald er
sich ausgeschlafen und sattgegessen hat - hätten die schönfärben-
den Sykophanten der bürgerlichen Ökonomie ihr Augenmerk vielmehr
darauf richten sollen, daß er nach stets wiederholter Arbeit im-
mer nur seine lebendige, unmittelbare Arbeit selbst auszutauschen
hat. Die Wiederholung selbst ist in fact nur scheinbar. W a s
e r a u s t a u s c h t g e g e n d a s K a p i t a l, i s t
s e i n e g a n z e A r b e i t s f ä h i g k e i t, d i e
e r, s a y 43*), i n 2 0 J a h r e n a u s g i b t. Statt
ihm diese auf einmal zu zahlen, zahlt sie das Kapital dosenweise,
wie er sie ihm zur Disposition stellt, sage wöchentlich. Es än-
dert dies also absolut nichts an der Natur der Sache und berech-
tigt zu nichts weniger als dem Schlüsse, daß, weil der Arbeiter
10-12 Stunden schlafen muß, bevor er fähig ist, seine Arbeit und
seinen Austausch mit dem Kapital zu wiederholen
-----
42*) aufrichtig - 43*) sagen wir
#216# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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- die Arbeit s e i n K a p i t a l bildet. Was danach als Ka-
pital, in fact, aufgefaßt ist, ist die Schranke, die Unterbre-
chung seiner Arbeit, daß er kein perpetuum mobile ist. Der Kampf
um die Zehnstundenbill [130] etc. beweist, daß der Kapitalist
nichts mehr wünscht, als daß er seine D o s e n L e b e n s-
k r a f t s o v i e l w i e m ö g l i c h o h n e U n t e r-
b r e c h u n g v e r g e u d e t.
Wir kommen jetzt zum zweiten Prozeß, der nach diesem Austausch
die Beziehung zwischen Arbeit und Kapital bildet. Wir wollen hier
nur noch zufügen, daß die Ökonomen selbst den obigen Satz so aus-
drücken: daß das S a l a i r n i c h t p r o d u k t i v ist.
Produktiv sein heißt bei ihnen, of course 44*), produktiv von
Reichtum. Da das Salair nun das Produkt des Austauschs zwischen
Arbeiter und Kapital ist - und das einzige Produkt, das in diesem
Akt selbst gesetzt ist -, geben sie zu, daß der Arbeiter in die-
sem Austausch k e i n e n R e i c h t u m produziert, weder
für den Kapitalisten - denn für diesen ist das Zahlen von Geld
für einen Gebrauchswert - und dies Z a h l e n bildet die ein-
zige Funktion des Kapitals in diesem Verhältnis - Aufgeben von
Reichtum, nicht Schaffen desselben, weswegen er möglichst wenig
zu zahlen sucht; noch für den Arbeiter, denn es schafft ihm nur
Lebensmittel, Befriedigung individueller Bedürfnisse, mehr oder
weniger - n i e die allgemeine Form des Reichtums, nie Reich-
tum. Kann es auch nicht, da der Inhalt der Ware, die er verkauft,
sie in keiner Weise über die allgemeinen Gesetze der Zirkulation
stellt: durch den Wert, den er in die Zirkulation wirft, ein
Äquivalent, vermittelst der Münze, in einem andern Gebrauchswert,
den er verzehrt, zu erhalten. Eine solche Operation kann, of
course, nie bereichern, sondern muß ihren Vollbringer am Ende des
Prozesses grade auf den Punkt zurückbringen, auf dem er sich im
Anfang befand. Dies schließt, wie wir gesehn haben, nicht aus,
schließt vielmehr ein, daß der Kreis seiner unmittelbaren Befrie-
digungen einer gewissen Verengerung oder Erweiterungen fähig.
Andrerseits, wenn der Kapitalist - der in diesem Austausch noch
gar nicht als Kapitalist, sondern nur als G e l d gesetzt ist -
diesen Akt immer von neuem wiederholte, würde sein Geld bald auf-
gegessen sein vom Arbeiter und er ¦¦9¦ es in einer Reihe von and-
ren Genüssen, geflickten Hosen, geputzten Stiefeln - kurz, emp-
fangnen Dienstleistungen - verschwendet haben. Jedenfalls würde
die Wiederholung dieser Operation exakt gemessen sein durch die
Grenze seines Beutels. Sie würde ihn nicht mehr bereichern als
die dépense 45*) von Geld für andre Gebrauchswerte für seine
liebe Person, die bekanntlich alle ihm nicht - einbringen,
sondern kosten.
Es kann sonderbar scheinen, daß, da im Verhältnis von Arbeit und
Kapital und auch in diesem ersten Verhältnis des Austauschs zwi-
schen beiden, der
-----
44*) selbstverständlich - 45*) Ausgabe
#217# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
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Arbeiter den Tauschwert kauft und der Kapitalist den Gebrauchs-
wert, indem die Arbeit dem Kapital nicht als e i n Gebrauchs-
wert, sondern als d e r Gebrauchswert schlechthin gegenüber-
steht, der Kapitalist Reichtum, der Arbeiter nur einen Gebrauchs-
wert, der in der Konsumtion erlischt, erhalten soll. {Soweit das
den Kapitalisten angeht, erst bei dem zweiten Prozeß zu ent-
wickeln.} Es erscheint dies als eine Dialektik, die grade in das
Umgekehrte von dem umschlägt, was erwartet werden sollte. Allein,
genauer betrachtet, zeigt sich, daß der Arbeiter, der seine Ware
austauscht, im Austauschprozeß die Form W-G-G-W durchmacht. Wenn
in der Zirkulation von der Ware, dem Gebrauchswert als dem Prin-
zip des Tauschs ausgegangen wird, langen wir notwendig wieder bei
der Ware an, indem das Geld nur als Münze erscheint und als
Tauschmittel eine nur verschwindende Vermittlung ist; die Ware
als solche, nachdem sie ihren Kreislauf beschrieben, als direktes
Objekt des Bedürfnisses aber konsumiert wird. Andrerseits reprä-
sentiert das Kapital G-W-W-G; das entgegengesetzte Moment.
T r e n n u n g d e s E i g e n t u m s v o n d e r
A r b e i t erscheint als notwendiges Gesetz dieses Austauschs
zwischen Kapital und Arbeit. Die Arbeit als das N i c h t -
K a p i t a l als solches gesetzt, ist: 1. N i c h t - v e r-
g e g e n s t ä n d l i c h t e A r b e i t, n e g a t i v
g e f a ß t (selbst noch gegenständlich; das Nichtgegenständ-
liche selbst in objektiver Form). Als solche ist sie Nicht-
Rohstoff, Nicht-Arbeitsinstrument, Nicht-Rohprodukt: die von
allen Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenständen, von ihrer ganzen
Objektivität getrennte Arbeit. Die lebendige als A b s t r a k-
t i o n von diesen Momenten ihrer realen Wirklichkeit exi-
stierende Arbeit (ebenso Nicht-Wert); diese völlige Entblößung,
aller Objektivität bare, rein subjektive Existenz der Arbeit. Die
Arbeit als die absolute Armut: die Armut, nicht als Mangel,
sondern als völliges Ausschließen des gegenständlichen Reichtums.
Oder auch als d e r existierende N i c h t - W e r t und
daher rein gegenständliche Gebrauchswert, ohne Vermittlung
existierend, kann diese Gegenständlichkeit nur eine nicht von der
Person getrennte: nur eine mit ihrer unmittelbaren Leiblichkeit
zusammenfallende sein. Indem die Gegenständlichkeit rein unmit-
telbar ist, ist sie ebenso unmittelbar Nicht-Gegenständlichkeit.
In andren Worten keine außer dem unmittelbaren Dasein des Indi-
viduums selbst fallende Gegenständlichkeit. 2. N i c h t -
v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e A r b e i t, N i c h t -
W e r t, p o s i t i v gefaßt, oder sich auf sich beziehende
Negativität, ist sie die nicht - v e r g e g e n s t ä n d-
l i c h t e, also ungegenständliche, i. e. subjektive Existenz
der Arbeit selbst. Die Arbeit nicht als Gegenstand, sondern als
Tätigkeit; nicht als selbst W e r t, sondern als die l e-
b e n d i g e Q u e l l e des Werts. Der allgemeine Reichtum,
gegenüber dem Kapital, worin er gegenständlich, als Wirklichkeit
existiert, als a l l g e m e i n e M ö g l i c h k e i t des-
selben, die sich in der Aktion als solche bewährt. Es
widerspricht sich also
#218# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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in keiner Weise oder vielmehr der in jeder Weise sich widerspre-
chende Satz, daß die Arbeit einerseits die a b s o l u t e
A r m u t a l s G e g e n s t a n d, andrerseits die a l l-
g e m e i n e M ö g l i c h k e i t des Reichtums als Subjekt
und als Tätigkeit ist, bedingen sich wechselseitig und folgen aus
dem Wesen der Arbeit, wie sie als Gegensatz, als gegensätzliches
Dasein des Kapitals vom Kapital v o r a u s g e s e t z t ist
und andrerseits ihrerseits das Kapital voraussetzt.
Der letzte Punkt, worauf noch aufmerksam zu machen ist, in der
Arbeit, wie sie dem Kapital gegenübersteht, ist der, daß sie als
d e r dem als Kapital gesetzten Geld gegenüberstehende Ge-
brauchswert nicht diese oder jene Arbeit, sondern A r b e i t
s c h l e c h t h i n, abstrakte Arbeit ist; absolut gleichgül-
tig gegen ihre besondre B e s t i m m t h e i t, aber jeder Be-
stimmtheit fähig. Der besondren Substanz, worin ein bestimmtes
Kapital besteht, muß natürlich die Arbeit als besondre entspre-
chen; aber da das Kapital a l s s o l c h e s gleichgültig ge-
gen jede Besonderheit seiner Substanz, und sowohl als die Totali-
tät derselben wie als Abstraktion von allen ihren Besonderheiten
ist, so die ihm gegenüberstehende Arbeit hat subjektiv dieselbe
Totalität und Abstraktion an sich. In der zunftmäßigen, hand-
werksmäßigen Arbeit z.B., wo das Kapital selbst noch eine bor-
nierte Form hat, noch ganz in bestimmte Substanz versenkt ist,
also noch nicht K a p i t a l a l s s o l c h e s ist, er-
scheint auch die Arbeit noch als versenkt in ihre besondre Be-
stimmtheit: nicht in der Totalität und Abstraktion, als d i e
Arbeit, wie sie dem Kapital gegenübersteht. D.h., die Arbeit ist
zwar in jedem einzelnen Fall eine bestimmte; aber das Kapital
kann sich jeder b e s t i m m t e n Arbeit gegenüberstellen;
die T o t a l i t ä t aller Arbeiten steht ihm ??????? 46*) ge-
genüber, und es ist zufällig, welche ihm gerade gegenübersteht.
Andrerseits ist der Arbeiter selbst absolut gleichgültig gegen
die Bestimmtheit seiner Arbeit; sie hat als solche nicht Inter-
esse für ihn, sondern nur soweit sie überhaupt A r b e i t und
als solche Gebrauchswert für das Kapital ist. ¦¦10¦ Träger der
Arbeit als solcher, d.h. der Arbeit als G e b r a u c h s-
w e r t für das Kapital zu sein, macht daher seinen ökonomischen
Charakter aus; er ist A r b e i t e r im Gegensatz zum Ka-
pitalisten. Dies ist nicht der Charakter der Handwerker, Zunft-
genossen etc., deren ökonomischer Charakter grade in der B e-
s t i m m t h e i t ihrer Arbeit und dem Verhältnis zu einem
b e s t i m m t e n M e i s t e r liegt etc. Dies ökonomische
Verhältnis - der Charakter, den Kapitalist und Arbeiter als die
Extreme eines Produktionsverhältnisses tragen - wird daher desto
reiner und adäquater entwickelt, je mehr die Arbeit allen Kunst-
charakter verliert; ihre besondre Fertigkeit immer mehr etwas
Abstraktes, Gleichgültiges wird und sie mehr und mehr r e i n
47*) a b s t r a k t e T ä t i g k e i t, rein mechanische,
daher
-----
46*) potentiell - 37*) in der Handschrift: mehr in rein
#219# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
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gleichgültige, gegen ihre besondre Form indifferente Tätigkeit
wird; bloß f o r m e l l e Tätigkeit oder, was dasselbe ist,
bloß s t o f f l i c h e, Tätigkeit überhaupt, gleichgültig ge-
gen die Form. Hier zeigt es sich denn wieder, wie die besondre
Bestimmtheit des Produktionsverhältnisses, der Kategorie - Kapi-
tal und Arbeit hier - erst wahr wird mit der Entwicklung einer
besondren m a t e r i e l l e n W e i s e d e r P r o d u k-
t i o n und einer besondren Stufe der Entwicklung der indu-
striellen P r o d u k t i v k r ä f t e. (Dieser Punkt über-
haupt bei diesem Verhältnis besonders zu entwickeln, später; da
er hier schon g e s e t z t ist im Verhältnis selbst, während
er bei den abstrakten Bestimmungen, Tauschwert, Zirkulation,
Geld, mehr noch in unsre subjektive Reflexion fällt.)
2 Wir kommen nun zur zweiten Seite des Prozesses. Der Austausch
zwischen Kapital oder Kapitalist und dem A r b e i t e r ist
nun fertig, soweit es sich überhaupt um den Prozeß des
A u s t a u s c h s handelt. Er geht jetzt fort zur Beziehung
des Kapitals zur Arbeit als seinem Gebrauchswert. Die Arbeit ist
nicht nur der dem Kapital gegenüberstehende G e b r a u c h s-
w e r t, sondern sie ist d e r G e b r a u c h s w e r t des
Kapitals selbst. Als das Nichtsein der Werte als ver-
gegenständlichter ist die Arbeit ihr Sein als nichtvergegen-
ständlichter, ihr ideelles Sein; die Möglichkeit der Werte und
als Tätigkeit die Wertsetzung. Dem Kapital gegenüber ist sie die
bloße abstrakte Form, die bloße Möglichkeit der wertsetzenden
Tätigkeit, die nur als Fähigkeit, Vermögen existiert in der
Leiblichkeit des Arbeiters. Aber durch den Kontakt mit dem
Kapital zur wirklichen Tätigkeit gebracht - aus sich kann sie
nicht dazu kommen, da sie gegenstandlos ist "wird sie eine wirk-
liche wertsetzende, produktive Tätigkeit. In bezug auf das Kapi-
tal kann die Tätigkeit überhaupt nur in der Reproduktion seiner
selbst - der Erhaltung und Vermehrung seiner als des w i r k-
l i c h e n und w i r k s a m e n Wertes, nicht des bloß
gemeinten, wie im Geld als solchem bestehn. Durch den Austausch
mit dem Arbeiter hat sich das Kapital die Arbeit selbst
angeeignet; sie ist eins seiner Momente geworden, die nun als be-
fruchtende Lebendigkeit auf seine nur daseiende und daher tote
Gegenständlichkeit wirkt.
Das Kapital ist Geld (für sich gesetzter Tauschwert), aber nicht
mehr Geld als in einer besondren Substanz und daher ausgeschlos-
sen von den andren Substanzen der Tauschwerte, neben ihnen exi-
stierend, sondern in allen Substanzen, den Tauschwerten jeder
Form und Daseinsweise der vergegenständlichten Arbeit seine
ideale Bestimmung erhaltend. Insofern das Kapital, als in allen
besondren Formen der vergegenständlichten Arbeit existierendes
Geld, nun in Prozeß tritt mit der nicht vergegenständlichten,
sondern lebendigen, als Prozeß und Akt existierenden Arbeit, ist
es zunächst dieser qualitative Unterschied der Substanz, in der
es besteht, von der Form, worin es nun a u c h als
#220# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
Arbeit besteht. Es ist der Prozeß dieser Unterscheidung und der
Aufhebung derselben, worin das Kapital selbst Prozeß wird.
Die Arbeit ist das Ferment, das in es geworfen wird, es nun zur
Gärung bringt. Einerseits muß die Gegenständlichkeit, worin es
besteht, verarbeitet, d. h. von der Arbeit aufgezehrt, andrer-
seits die bloße Subjektivität der Arbeit als bloßer Form aufgeho-
ben und sie in dem Material des Kapitals vergegenständlicht wer-
den. Die Beziehung des Kapitals seinem Inhalt nach auf die Ar-
beit, der vergegenständlichten Arbeit auf die lebendige Arbeit -
in dieser Beziehung, wo das Kapital passiv gegen die Arbeit er-
scheint, ist es sein passives Dasein, als besondre Substanz, das
in bezug auf die Arbeit als formende Tätigkeit tritt - kann über-
haupt nur die Beziehung der Arbeit auf ihre Gegenständlichkeit,
ihren Stoff sein - (was 48*) schon im ersten Kapitel auseinan-
derzusetzen, das dem [vom] Tauschwert vorhergehn und von der Pro-
duktion im allgemeinen handeln muß) -, und in bezug auf die Ar-
beit als Tätigkeit hat der Stoff, die vergegenständlichte Arbeit,
nur zwei Beziehungen, die des R o h s t o f f s, d.h. des form-
losen Stoffs, des bloßen Materials für die formsetzende, zweckmä-
ßige Tätigkeit der Arbeit, und die des A r b e i t s i n-
s t r u m e n t s, des selbst gegenständlichen Mittels, wodurch
die subjektive Tätigkeit zwischen sich und den Gegenstand selbst
einen Gegenstand als ihren Leiter schiebt. [131]
Die Bestimmung als P r o d u k t, die die Ökonomen hier herein-
bringen, gehört noch gar nicht hierher, als von Rohstoff und Ar-
beitsinstrument u n t e r s c h i e d n e Bestimmung. Es er-
scheint als R e s u l t a t, nicht als V o r a u s s e t-
z u n g des Prozesses zwischen dem passiven Inhalt des Kapitals
und der Arbeit als Tätigkeit. Als V o r a u s s e t z u n g ist
Produkt kein von Rohstoff und Arbeitsinstrument verschiednes
Verhältnis des Gegenstands zur Arbeit, da Rohstoff und Arbeits-
instrument, weil als die Substanz von Werten, selbst schon
v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e A r b e i t, P r o d u k-
t e sind. Die Substanz des Werts ist überhaupt nicht die be-
sondre natürliche Substanz, sondern die vergegenständlichte Ar-
beit. Diese selbst ¦¦11¦ erscheint wieder in bezug auf die
l e b e n d i g e A r b e i t a l s R o h s t o f f u n d
A r b e i t s i n s t r u m e n t. Den bloßen Akt der Produktion
an sich betrachtet, mag das Arbeitsinstrument und der Rohstoff
als in der Natur vorgefunden erscheinen, so daß sie bloß
a n g e e i g n e t zu werden brauchen, d.h. zum Gegenstand und
Mittel der Arbeit gemacht, was nicht selbst ein Prozeß der Arbeit
ist. Ihnen gegenüber erscheint also das P r o d u k t als ein
qualitativ andres und ist Produkt nicht nur als Resultat der
Arbeit durch das Instrument auf den Stoff, sondern als erste
V e r g e g e n s t ä n d l i c h u n g d e r A r b e i t
neben ihnen. Als Bestandteile des
-----
48*) In der Handschrift: und diese (was
#221# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
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Kapitals aber sind Rohstoff und Arbeitsinstrument selbst schon
vergegenständlichte Arbeit, also P r o d u k t. Dies erschöpft
noch nicht die Beziehung. Denn z. B. in der Produktion, worin gar
keine Tauschwerte, kein Kapital also existiert, kann das Produkt
der Arbeit zum Mittel und Gegenstand neuer Arbeit werden. Z. B.
in der rein für den Gebrauchswert produzierenden Agrikultur. Der
Bogen des Jägers, das Netz des Fischers, kurz, die einfachsten
Zustände setzen schon Produkt voraus, was aufhört, als Produkt zu
gelten, und R o h m a t e r i a l oder namentlich P r o d u k-
t i o n s i n s t r u m e n t wird, denn dies eigentlich die
erste spezifische Form, worin das Produkt als Mittel der
Reproduktion erscheint. Diese Beziehung erschöpft also keineswegs
das Verhältnis, worin R o h s t o f f und A r b e i t s i n-
s t r u m e n t als Momente des Kapitals selbst auftreten.
Die Ökonomen bringen übrigens noch in ganz andrer Beziehung das
P r o d u k t als drittes Element der Substanz des Kapitals her-
ein. Es ist das Produkt, sofern es die Bestimmung hat sowohl aus
dem Produktionsprozeß wie aus der Zirkulation herauszutreten und
unmittelbarer Gegenstand der individuellen Konsumtion zu sein,
das A p p r o v i s i o n n e m e n t 49*), wie Cherbuliez es
nennt [132]. Nämlich die Produkte, die vorausgesetzt sind, damit
der Arbeiter als Arbeiter lebt und fähig ist, während der Produk-
tion, bevor ein neues Produkt geschaffen ist, zu leben. Daß der
Kapitalist diese Fähigkeit besitzt, ist gesetzt darin, daß jedes
Element des Kapitals Geld ist und als solches aus sich als allge-
meiner Form des Reichtums verwandelt werden kann in den Stoff
desselben, Konsumtionsgegenstand. Das A p p r o v i s i o n n e-
m e n t der Ökonomen bezieht sich daher nur auf die Arbeiter; d.
h., es ist das in der Form von Verzehrungsgegenständen, Ge-
brauchswert ausgedrückte Geld, das sie vom Kapitalisten im Akt
des Austauschs zwischen beiden erhalten. Aber dies gehört in den
ersten Akt. Soweit dieser erste in Beziehung zum zweiten steht,
davon handelt es sich hier noch nicht. Die einzige Diremtion
50*), die durch den Produktionsprozeß selbst gesetzt ist, ist die
ursprüngliche Diremtion, die durch den Unterschied zwischen
gegenständlicher Arbeit und lebendiger selbst gesetzte, d.h. die
zwischen R o h s t o f f und A r b e i t s i n s t r u-
m e n t. Daß die Ökonomen diese Bestimmungen durcheinander-
werfen, ist ganz in der Ordnung, da sie die zwei Momente der
Beziehung zwischen Kapital und Arbeit durcheinanderwerfen müssen
und ihren spezifischen Unterschied nicht festhalten dürfen.
Also: Der Rohstoff wird konsumiert, indem er verändert wird, ge-
formt durch die Arbeit, und das Arbeitsinstrument wird konsu-
miert, indem es verbraucht wird in diesem Prozeß, aufgenutzt
wird. Andrerseits wird die Arbeit ebenfalls konsumiert, indem sie
angewandt, in Bewegung gesetzt wird und so
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49*) der Lebesmittelfonds - 50*) Trennung
#222# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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ein bestimmtes Quantum Muskelkraft etc. des Arbeiters verausgabt
wird, wodurch er sich erschöpft. Aber sie wird nicht nur konsu-
miert, sondern zugleich aus der Form der Tätigkeit in der des Ge-
genstandes, der Ruhe fixiert, materialisiert; als Veränderung des
Gegenstandes verändert sie ihre eigne Gestalt und wird aus Tätig-
keit Sein. Das Ende des Prozesses ist das P r o d u k t, worin
der Rohstoff als mit der Arbeit verbunden erscheint und das
Arbeitsinstrument aus der bloßen Möglichkeit sich ebenfalls in
Wirklichkeit übersetzt hat, indem es zum wirklichen Leiter der
Arbeit geworden, damit aber, durch seine mechanische oder chemi-
sche Beziehung zum Arbeitsmaterial, selbst in seiner ruhenden
Form aufgezehrt worden ist. Alle drei Momente des Prozesses, das
Material, das Instrument, die Arbeit, fallen zusammen in ein neu-
trales Resultat - das P r o d u k t. In dem Produkt sind
zugleich reproduziert die Momente des Produktionsprozesses, die
in ihm aufgezehrt worden sind. Der ganze Prozeß erscheint daher
als p r o d u k t i v e K o n s u m t i o n, d.h. als Konsum-
tion, die weder im N i c h t s endet noch in der bloßen Subjek-
tivierung des Gegenständlichen, sondern die selbst wieder als ein
G e g e n s t a n d gesetzt ist. Das Verzehren ist nicht einfa-
ches Verzehren des Stofflichen, sondern Verzehren des Verzehrens
selbst; im Aufheben des Stofflichen Aufheben dieses Aufhebens und
daher S e t z e n desselben. Die f o r m g e b e n d e Tätig-
keit verzehrt den Gegenstand und verzehrt sich selbst, aber sie
verzehrt nur die gegebne Form des Gegenstands, um ihn in neuer
gegenständlicher Form zu setzen, und sie verzehrt sich selbst nur
in ihrer subjektiven Form als Tätigkeit. Sie verzehrt das Gegen-
ständliche des Gegenstandes - die Gleichgültigkeit gegen die Form
- und das Subjektive der Tätigkeit; formt den einen, ma-
terialisiert die andre. Als P r o d u k t ist aber das Resultat
des Produktionsprozesses G e b r a u c h s w e r t.
¦¦12¦ Betrachten wir nun das bisher erhaltne Resultat, so finden
wir:
E r s t e n s: Durch die Aneignung, Einverleibung der Arbeit in
das Kapital - das Geld, i. e. der Akt des Kaufens der Dispositi-
onsfähigkeit über den Arbeiter erscheint hier nur als Mittel, um
diesen Prozeß herbeizuführen, nicht als Moment seiner selbst -
gerät dies in Gärung und wird zum Prozeß, P r o d u k t i o n s-
p r o z e ß, worin es sich als Totalität, als lebendige Arbeit
auf sich selbst nicht nur als vergegenständlichte, sondern, weil
vergegenständlichte, [als] bloßer G e g e n s t a n d der
Arbeit bezieht.
Z w e i t e n s: In der einfachen Zirkulation war die Substanz
der Ware und des Geldes selbst gleichgültig für die Formbestim-
mung, d. h. soweit Ware und Geld Momente der Zirkulation blieben.
Die Ware, soweit es auf ihre Substanz ankam, fiel außerhalb des
ökonomischen Verhältnisses als Gegenstand der Konsumtion (des Be-
dürfnisses); das Geld, soweit seine Form sich verselbständigte,
#223# Austausch zwischen Kapital und Arbeit
-----
bezog sich noch auf die Zirkulation, aber nur negativ und war nur
dies negative Beziehen. Für sich fixiert, erlöschte es ebenfalls
in toter Materialität, hörte auf, Geld zu sein. Ware und Geld wa-
ren beide Ausdrücke des Tauschwerts und nur verschieden als all-
gemeiner und besondrer Tauschwert. Diese Verschiedenheit selbst
war wieder bloß eine gemeinte, indem sowohl in der wirklichen
Zirkulation beide Bestimmungen vertauscht wurden, als jede, für
sich betrachtet, das Geld selbst eine besondre Ware, und die Ware
als Preis selbst allgemeines Geld war. Der Unterschied war nur
formell. Jedes war nur in der einen Bestimmung gesetzt, weil und
sofern es nicht in der andren gesetzt war. Jetzt jedoch, im Pro-
duktionsprozeß, unterscheidet sich das Kapital selbst als Form
von sich als Substanz. Beide Bestimmungen ist es zugleich und
zugleich die Beziehung beider aufeinander. Aber:
D r i t t e n s: Erschien es als diese Beziehung nur noch a n
s i c h. Sie ist noch nicht g e s e t z t, oder sie ist selbst
nur erst gesetzt unter der Bestimmung eines der beiden Momente,
des s t o f f l i c h e n, das in sich selbst als Materie
(Rohstoff und Instrument) und Form (Arbeit) unterschieden ist,
und als Beziehung heider, als wirklicher Prozeß selbst wieder nur
stoffliche Beziehung ist - Beziehung der beiden stofflichen Ele-
mente, die den Inhalt des Kapitals unterschieden von seiner Form-
beziehung als Kapital bilden. Betrachten wir das Kapital nach der
Seite, worin es ursprünglich im Unterschied von der Arbeit er-
scheint, so ist es im Prozeß nur passives Dasein, nur gegenständ-
liches, an dem die Formbestimmung, wonach es Kapital ist - also
ein für sich seiendes gesellschaftliches Verhältnis vollständig
erloschen ist. Es tritt nur nach der Seite seines Inhalts - als
vergegenständlichte Arbeit überhaupt - in den Prozeß; aber daß es
vergegenständlichte Arbeit ist, ist der Arbeit, und deren Bezie-
hung auf es bildet den Prozeß, vollständig gleichgültig; es ist
vielmehr nur als Gegenstand, nicht als v e r g e g e n-
s t ä n d l i c h t e A r b e i t, daß es in den Prozeß tritt,
verarbeitet wird. Die Baumwolle, die zum Baumwollgarn, oder das
Baumwollgarn, das zum Gewebe, oder das Gewebe, das zum Material
des Druckens und Färbens wird, existiert für die Arbeit nur als
vorhandne Baumwolle, Baumwollgarn, Gewebe. Soweit sie selbst
Produkte der Arbeit, vergegenständlichte Arbeit sind, treten sie
in gar keinen Prozeß, sondern nur als materielle Existenzen mit
bestimmten natürlichen Eigenschaften. W i e diese an ihnen
gesetzt worden sind, geht die Beziehung der lebendigen Arbeit auf
sie nichts an; für sie existieren sie nur, insofern sie im
Unterschied von derselben, d.h. als Arbeitsstoff existieren.
Dies, soweit ausgegangen wird von dem Kapital in seiner der
Arbeit vorausgesetzten gegenständlichen Form. Andrerseits, soweit
die Arbeit selbst eines seiner gegenständlichen Elemente geworden
ist durch den Austausch mit dem Arbeiter, ist ihr Unterschied von
#224# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
den gegenständlichen Elementen des Kapitals selbst nur ein gegen-
ständlicher; die einen in der Form der Ruhe, die andre in der
Form der Tätigkeit. Die Beziehung ist die stoffliche Beziehung
eines seiner Elemente auf das andre; aber nicht s e i n e
e i g n e Beziehung zu beiden.
Es erscheint also einerseits nur als p a s s i v e r
G e g e n s t a n d, worin alle Formbeziehung ausgelöscht; es
erscheint andrerseits nur als einfacher P r o d u k t i o n s-
p r o z e ß, in den das Kapital als solches, als von seiner
Substanz verschieden, nicht eingeht. Es erscheint gar nicht
einmal in seiner Substanz, die ihm selbst zukommt - als
vergegenständlichte Arbeit, denn diese ist die Substanz des
Tauschwerts - sondern nur in der natürlichen Daseinsform dieser
Substanz, worin alle Beziehung auf Tauschwert, verge-
genständlichte Arbeit, auf die Arbeit selbst als Gebrauchswert
des Kapitals - und darum alle Beziehung auf das Kapital selbst -
ausgelöscht ist. Nach dieser Seite ¦¦13¦ hin betrachtet, fällt
der Prozeß des Kapitals mit 51*) dem einfachen Produktionsprozeß
als solchen zusammen, worin seine Bestimmung als Kapital ganz
ebenso ausgelöscht ist in der Form des Prozesses, wie das Geld
als Geld in der Form des Werts ausgelöscht war. Soweit wir den
Prozeß bisher betrachtet, tritt das für sich seiende Kapital -
i.e. der Kapitalist - gar nicht herein. Es ist nicht der Kapi-
talist, der von der Arbeit als Rohstoff und Arbeitsinstrument
aufgezehrt wird. Es ist auch nicht der Kapitalist, der aufzehrt,
sondern die Arbeit. Der Produktionsprozeß des Kapitals erscheint
so nicht als Produktionsprozeß des Kapitals, sondern als Produk-
tionsprozeß schlechthin, und im U n t e r s c h i e d v o n
d e r A r b e i t erscheint das Kapital nur in der stofflichen
Bestimmtheit von R o h s t o f f und A r b e i t s i n-
s t r u m e n t. Es ist diese Seite - die nicht nur eine will-
kürliche Abstraktion ist, sondern eine Abstraktion, die im Prozeß
selbst vergeht, die die Ökonomen fixieren, um das Kapital als
notwendiges Element alles Produktionsprozesses darzustellen. Sie
tun das natürlich nur, indem sie vergessen, daß auf sein Ver-
halten als Kapital während dieses Prozesses aufzupassen.
Es ist hier am Ort auf ein Moment aufmerksam zu machen, das hier
erst nicht nur vom Standpunkt der Beobachtung aus hervortritt,
sondern im ökonomischen Verhältnis selbst gesetzt ist. Im ersten
Akt, im Austausch zwischen Kapital und Arbeit, erschien die als
solche, f ü r s i c h existierende Arbeit notwendig als A r-
b e i t e r. Ebenso hier im zweiten Prozeß: Kapital überhaupt
ist als für sich seiender, s e l b s t i s c h e r Wert so-
zusagen gesetzt (was im Geld nur angestrebt war). Aber das für
sich seiende Kapital ist der K a p i t a l i s t. Es wird wohl
von Sozialisten gesagt, wir brauchen Kapital, aber nicht den Ka-
pitalisten.
-----
51*) In der Handschrift: in
#225# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
-----
[133] Dann erscheint das Kapital als reine Sache, nicht als
Produktionsverhältnis, das, in sich reflektiert, eben der Kapita-
list ist. Ich kann das Kapital wohl von diesem einzelnen Kapita-
listen scheiden, und es kann auf einen andern Übergehn. Aber in-
dem er das Kapital verliert, verliert er die Eigenschaft, Kapita-
list zu sein. Das Kapital ist daher wohl vom einzelnen Kapitali-
sten trennbar, nicht von d e m Kapitalisten, der als solcher
dem Arbeiter gegenübersteht. So kann auch der einzelne Arbeiter
aufhören, das Fürsichsein der Arbeit zu sein; er kann Geld erben,
stehlen etc. Aber dann hört er auf, A r b e i t e r zu sein.
Als Arbeiter ist er nur die für sich seiende Arbeit. (Dies nach-
her weiterzuentwickeln.)
[Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß]
Es kann am Ende des Prozesses nichts herauskommen, was nicht im
Anfang desselben als Voraussetzung und Bedingung desselben er-
schien. Andrerseits muß aber auch alles herauskommen. Wenn daher
am Ende des Produktionsprozesses, der unter der Voraussetzung des
Kapitals begonnen war, das Kapital am Ende, als Formbeziehung,
verschwunden erscheint, kann dies nur der Fall sein, weil die un-
sichtbaren Fäden, die es durch denselben durchzieht, übersehn
worden sind. Betrachten wir also diese Seite.
Es ist also das erste Resultat:
alpha) Durch die Einverleibung der Arbeit in das Kapital wird das
Kapital Produktionsprozeß; zunächst aber m a t e r i e l l e r
Produktionsprozeß; Produktionsprozeß überhaupt, so daß der Pro-
duktionsprozeß des Kapitals nicht unterschieden ist von materiel-
lem Produktionsprozeß überhaupt. Seine Formbestimmung ist völlig
erloschen. Dadurch, daß das Kapital ausgetauscht hat einen Teil
seines gegenständlichen Seins gegen Arbeit, ist sein gegenständ-
liches Dasein selbst dirimiert 1*) in sich als Gegenstand und Ar-
beit; die Beziehung beider bildet den Produktionsprozeß oder noch
genauer den A r b e i t s p r o z e ß. Es erscheint hiermit
d e r v o r d e m W e r t, a l s A u s g a n g s p u n k t
g e s e t z t e A r b e i t s p r o z e ß - der wegen seiner
Abstraktheit, reinen Stofflichkeit, allen Produktionsformen
gleich eigen ist - w i e d e r i n n e r h a l b d e s K a-
p i t a l s, als ein Prozeß, der innerhalb seines Stoffs vor-
geht, seinen Inhalt bildet.
(Daß auch innerhalb des Produktionsprozesses selbst diese
A u s l ö s c h u n g d e r F o r m b e s t i m m u n g nur
Schein ist, wird sich zeigen.)
-----
1*) getrennnt
#226# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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Insofern das Kapital Wert ist, aber als Prozeß zunächst unter der
Form des einfachen Produktionsprozesses, des in keiner besondren
ö k o n o m i s c h e n Bestimmtheit gesetzten Produktionspro-
zesses, sondern des Produktionsprozesses überhaupt erscheint, so
kann - je nachdem irgendeine besondre Seite des einfachen Produk-
tionsprozesses (der als solcher, wie wir gesehn haben, keineswegs
Kapital voraussetzt, sondern allen Produktionsweisen eigen ist)
fixiert wird, gesagt werden, das Kapital werde Produkt, oder es
sei Arbeitsinstrument oder auch Rohstoff der Arbeit. Wird es fer-
ner wieder als eine der Seiten aufgefaßt, die der Arbeit als
Stoff oder bloßes Mittel gegenübersteht, so wird mit Recht ge-
sagt, daß das Kapital nicht produktiv sei, [134] weil es dann
eben nur als der der Arbeit gegenüberstehende Gegenstand, Mate-
rie, betrachtet wird; als bloß passiv. Das Richtige aber ist, daß
es nicht als eine der Seiten oder als Verschiedenheit der einen
Seite an sich selbst noch als bloßes Resultat (Produkt) er-
scheint, sondern als der einfache Produktionsprozeß selbst; daß
dieser jetzt als der sich selbst bewegende I n h a l t des Ka-
pitals erscheint.
¦¦14¦ beta) Nun die Seite der Formbestimmung zu betrachten, wie
sie sich in dem Produktionsprozeß erhält und modifiziert.
{Was p r o d u k t i v e A r b e i t ist oder n i c h t, ein
Punkt, worüber viel gestritten worden ist hin und her, seit Adam
Smith diese Unterscheidung machte," [135] muß sich aus der
Auseinanderlegung der verschiednen Seiten des Kapitals selbst
ergeben. P r o d u k t i v e A r b e i t ist bloß die, die
K a p i t a l produziert. Ist es nicht toll, fragt z.B. (wenig-
stens ähnlich) Herr Senior, daß der Klaviermacher ein p r o-
d u k t i v e r A r b e i t e r sein soll, aber der K l a-
v i e r s p i e l e r nicht, obgleich doch ohne den Kla-
vierspieler das Klavier ein Nonsens wäre? [136] Aber so ist es
exakt. Der Klaviermacher reproduziert K a p i t a l; der Kla-
vierspieler tauscht seine Arbeit nur gegen Revenue aus. Aber der
Klavierspieler produziert Musik und befriedigt unsern Tonsinn,
produziert ihn auch gewissermaßen? In fact, so tut er: Seine Ar-
beit produziert etwas; darum ist sie nicht p r o d u k t i v e
A r b e i t im ö k o n o m i s c h e n Sinn; sowenig als die
Arbeit des Narren produktiv ist, der Hirngespinste produziert.
P r o d u k t i v i s t d i e A r b e i t n u r, i n d e m
s i e i h r e i g n e s G e g e n t e i l p r o d u-
z i e r t. Andre Ökonomen lassen daher den sog. improduktiven
Arbeiter indirekt produktiv sein. Z.B. der Klavierspieler gibt
Stimulus zur Produktion; teils indem er unsre Individualität
tatkräftiger, lebensvoller stimmt, oder auch in dem gemeinen
Sinn, daß er ein neues Bedürfnis erweckt, zu dessen Befriedigung
mehr Fleiß in der unmittelbaren materiellen Produktion angewandt
wird. Darin ist schon zugegeben, daß nur die Arbeit, die Kapital
produziert, produktiv ist; daß also die Arbeit, die das nicht
tut, wie n ü t z l i c h sie immer sein mag - sie kann
ebensogut schädlich sein - für die Kapitalisierung
#227# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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nicht produktive, hence 2*) unproduktive Arbeit ist. Andre Ökono-
men sagen, der Unterschied von produktiv und unproduktiv müsse
nicht auf die Produktion, sondern auf die Konsumtion bezogen wer-
den. Quite the contrary. 3*) Der Tabakproduzent ist produktiv,
obgleich der Tabakkonsum improduktiv ist. Die Produktion für un-
produktive Konsumtion ist quite as productive as that for produc-
tive consumption; always supposed that it produces or reproduces
capitale 4*).
"Produktiver Arbeiter [ist] derjenige, der u n m i t t e l b a r
seines M e i s t e r s R e i c h t u m vermehrt",
sagt Malthus daher sehr richtig (X, 40)[137]; wenigstens nach ei-
ner Seite hin richtig. Der Ausdruck ist zu abstrakt, da er in
dieser Fassung ebenso vom Sklaven gilt. Des master's wealth 5*),
im Verhältnis zum Arbeiter, ist die Form des Reichtums selbst in
seinem Verhältnis zur Arbeit, das Kapital. Productive labourer he
that directly augments capital. 6*)}
Als G e b r a u c h s w e r t ist die Arbeit nur f ü r d a s
K a p i t a l und ist d e r Gebrauchswert des Kapitals selbst,
d.h. die vermittelnde Tätigkeit, wodurch es sich v e r-
w e r t e t. Das Kapital als seinen Wert reproduzierend und
vermehrend ist der selbständige Tauschwert (das Geld) als Prozeß,
als P r o z e ß d e r V e r w e r t u n g. Die Arbeit ist
daher nicht als Gebrauchswert für den Arbeiter; sie ist daher
nicht f ü r ihn als P r o d u k t i v k r a f t des Reich-
tums, als Mittel oder als Tätigkeit der Bereicherung. Er bringt
sie als Gebrauchswert in den Austausch mit dem Kapital, das ihm
so nicht als Kapital, sondern als G e l d gegenübersteht. Kapi-
tal als Kapital ist es erst in bezug auf den Arbeiter durch die
Konsumtion der Arbeit, die zunächst außerhalb dieses Austauschs
fällt und unabhängig von ihm ist. G e b r a u c h s w e r t für
das Kapital, ist die Arbeit b l o ß e r T a u s c h w e r t
für den Arbeiter; vorhandner T a u s c h w e r t. Als solcher
wird sie gesetzt im Akt des Austauschs mit dem Kapital, durch ih-
ren Verkauf für Geld. Der Gebrauchswert einer Sache geht ihren
Verkäufer als solchen nichts an, sondern nur ihren Käufer. Die
Eigenschaft des Salpeter, zum Pulver verbraucht werden zu können,
bestimmt nicht den Preis des Salpeters, sondern dieser Preis ist
bestimmt durch die Produktionskosten des Salpeters selbst, das
Quantum der in ihm vergegenständlichten Arbeit. In der Zirkula-
tion, worein die Gebrauchswerte als Preise eingehn, resultiert
ihr Wert nicht von der Zirkulation, obgleich er sich nur in ihr
realisiert; er ist ihr v o r a u s g e s e t z t und wird nur
verwirklicht durch den Austausch gegen Geld. So die Arbeit, die
vom Arbeiter als G e b r a u c h s w e r t
-----
2*) folglich - 3*) Ganz das Gegenteil. - 4*) ganz so produktiv
wie die für produktive Konsumtion; immer vorausgesetzt, daß sie
Kapital produziert oder reproduziert - 5*) Meisters Reichtum -
6*) Produktiver Arbeiter [ist] derjenige, der unmittelbar Kapital
vermehrt.
#228# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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dem Kapital verkauft wird, ist für den Arbeiter sein
T a u s c h w e r t, den er realisieren will, der aber schon
b e s t i m m t ist vor dem Akt dieses Austauschs, als Bedingung
ihm vorausgesetzt ist, bestimmt wie der Wert jeder andren Ware
durch Nachfrage und Zufuhr oder im allgemeinen, womit wir es hier
allein zu tun haben, die Produktionskosten, das Quantum
vergegenständlichter Arbeit, wodurch die Arbeitsfähigkeit des Ar-
beiters produziert worden ist und die sie daher als Äquivalent
erhält.
Der ¦¦15¦ Tauschwert der Arbeit, dessen Realisierung im Prozeß
des Austauschs mit dem Kapitalisten vorgeht, ist daher
v o r a u s g e s e t z t, vorausbestimmt, und erleidet nur die
formelle Modifikation, die jeder nur ideell gesetzte Preis durch
seine Realisierung erhält. Er ist nicht bestimmt durch den Ge-
brauchswert der Arbeit. Für den Arbeiter selbst hat sie nur Ge-
brauchswert, insofern sie T a u s c h w e r t ist, nicht
Tauschwerte produziert. Für das Kapital hat sie nur Tauschwert,
insofern sie Gebrauchswert ist. Gebrauchswert als unterschieden
von ihrem Tauschwert ist sie nicht für den Arbeiter selbst, son-
dern nur für das Kapital. Der Arbeiter tauscht also die Arbeit
als einfachen, vorherbestimmten, durch einen vergangnen Prozeß
bestimmten Tauschwert aus - er tauscht die Arbeit selbst als
v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e A r b e i t; nur soweit
sie schon ein bestimmtes Quantum Arbeit vergegenständlicht, also
ihr Äquivalent schon ein gemeßnes, gegebnes ist -; das Kapital
tauscht sie ein als lebendige Arbeit, als die allgemeine Produk-
tivkraft des Reichtums; den Reichtum vermehrende Tätigkeit. Daß
der Arbeiter sich also durch diesen Austausch nicht b e r e i-
c h e r n kann, indem er, wie Esau für ein Gericht Linsen seine
7*) Erstgeburt, so er für die Arbeitsfähigkeit als eine vorhandne
Größe ihre s c h ö p f e r i s c h e K r a f t hingibt, ist
klar. Er muß sich vielmehr verarmen, wie wir weiter sehn werden,
indem die schöpferische Kraft seiner Arbeit als die Kraft des
Kapitals, als f r e m d e M a c h t sich ihm gegenüber etab-
liert. Er e n t ä u ß e r t sich der Arbeit als Produktivkraft
des Reichtums; das Kapital eignet sie sich als solche an. Die
Trennung von Arbeit und Eigentum am Produkt der Arbeit, von
Arbeit und Reichtum ist daher in diesem Akt des Austauschs selbst
gesetzt. Was als R e s u l t a t paradox scheint, liegt schon
in der Voraussetzung selbst. Die Ökonomen haben mehr oder minder
empirisch dies ausgedrückt.
Dem Arbeiter gegenüber w i r d also die Produktivität seiner
Arbeit eine f r e m d e M a c h t, überhaupt seine Arbeit, so-
weit sie nicht V e r m ö g e n, sondern Bewegung, w i r k-
l i c h e Arbeit ist; das Kapital umgekehrt verwertet sich
selbst durch A n e i g n u n g f r e m d e r A r b e i t.
(Wenigstens ist die Möglichkeit der Verwertung dadurch gesetzt;
als Resultat des Austauschs zwischen Arbeit und
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7*) In der Handschrift: Linsen auf seine
#229# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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Kapital. Realisiert wird das Verhältnis erst im Produktionsakt
selbst, wo das Kapital wirklich die fremde Arbeit konsumiert.)
Wie ihm Arbeit als v o r a u s g e s e t z t e r Tauschwert
gegen ein Äquivalent in Geld, wird dies wieder gegen ein Äquiva-
lent in W a r e ausgetauscht, die verzehrt wird. In diesem Pro-
zeß des Austauschs ist die Arbeit nicht produktiv; sie wird dies
erst für das Kapital; aus der Zirkulation kann sie nur heraus-
ziehn, was sie in sie hineingeworfen hat, ein p r ä d e t e r-
m i n i e r t e s Quantum Ware, die ebensowenig ihr eignes Pro-
dukt ist, wie ihr eigner Wert.
Die Arbeiter, sagt Sismondi, tauschen ihre Arbeit aus gegen Ge-
treide und verzehren es, während sie "zum K a p i t a l f ü r
ihren Herrn geworden ist". (Sism[ondi] VI.) "Ihre Arbeit zum Aus-
tausch gebend, v e r w a n d e l n die Arbeiter sie in Kapi-
tal." (id. VIII.) [138]
Indem der Arbeiter seine Arbeit an den Kapitalisten verkauft, er-
hält er ein Recht nur auf den A r b e i t s p r e i s, nicht
auf das P r o d u k t d i e s e r A r b e i t, noch auf den
Wert, den s i e i h m z u g e f ü g t h a t. (Cherbuliez
XXVIII.) [139]
"Verkaufen der Arbeit = Renunziation auf alle Früchte der Ar-
beit." (l.c.)
Alle Fortschritte der Zivilisation daher, oder in andren Worten,
alle Vermehrung der g e s e l l s c h a f t l i c h e n P r o-
d u k t i v k r ä f t e, if you want 8*) der P r o d u k t i v-
k r ä f t e d e r A r b e i t s e l b s t - wie sie resul-
tieren von Wissenschaft, Erfindungen, Teilung und Kombination der
Arbeit, verbesserten Kommunikationsmitteln, Schaffen des Welt-
markts, Maschinerie etc. - bereichern nicht den Arbeiter, sondern
das K a p i t a l; vergrößern also nur die die Arbeit beherr-
schende Macht; vermehren nur die Produktivkraft des Kapitals. Da
das Kapital der Gegensatz des Arbeiters ist, vermehren sie nur
die o b j e k t i v e M a c h t über die Arbeit. Die V e r-
w a n d l u n g d e r A r b e i t (a l s lebendiger zweck-
mäßiger Tätigkeit) in K a p i t a l ist a n s i c h das Re-
sultat des Austauschs zwischen Kapital und Arbeit, insofern sie
dem Kapitalisten das Eigentumsrecht auf das Produkt der Arbeit
gibt (und das Kommando über dieselbe). G e s e t z t wird
d i e s e V e r w a n d l u n g erst im P r o d u k t i o n s-
p r o z e ß selbst. Die Frage, ob das Kapital produktiv sei oder
nicht, ist also absurd. Die Arbeit selbst ist n u r p r o-
d u k t i v als in das Kapital aufgenommen, wo das Kapital die
Grundlage der Produktion bildet, und der Kapitalist also der
Kommandeur der Produktion ist. Die Produktivität der Arbeit wird
ebenso zur Produktivkraft des Kapitals, wie der allgemeine
Tauschwert der Waren sich im Geld fixiert. Die Arbeit, wie sie im
Gegensatz zum Kapital f ü r s i c h im Arbeiter existiert, die
Arbeit also in ihrem u n m i t t e l b a r e n D a s e i n,
getrennt vom Kapital, ist n i c h t p r o d u k t i v. Als
Tätigkeit des Arbeiters wird sie auch nie p r o d u k t i v,
dieweil sie nur in den einfachen, nur formell verändernden Prozeß
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8*) wenn sie wollen
#230# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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der Zirkulation eingeht. Diejenigen daher, die nachweisen, daß
alle dem ¦¦16¦ Kapital zugeschriebne Produktivkraft eine
V e r r ü c k u n g ist, eine T r a n s p o s i t i o n d e r
P r o d u k t i v k r a f t der Arbeit, vergessen eben, daß das
Kapital selbst wesentlich diese V e r r ü c k u n g, d i e s e
T r a n s p o s i t i o n ist und daß die Lohnarbeit als solche
das Kapital voraussetzt, also auch ihrerseits betrachtet diese
T r a n s s u b s t a n t i a t i o n ist; der notwendige Pro-
zeß, ihre eignen Kräfte als dem Arbeiter f r e m d e zu setzen.
Zugleich die Lohnarbeit bestehn lassen und das Kapital aufheben,
ist daher sich selbst widersprechende und auflösende Forderung.
Andre, selbst Ökonomen, z. B. Ricardo, Sismondi etc., sagen, daß
n u r d i e A r b e i t, nicht das Kapital produktiv ist.
[140] Aber dann fassen sie das Kapital nicht in seiner
s p e z i f i s c h e n F o r m b e s t i m m t h e i t als ein
in sich reflektiertes P r o d u k t i o n s v e r h ä l t n i s,
sondern denken nur an seine stoffliche Substanz, Rohstoff etc.
Diese stofflichen Elemente aber machen nicht das Kapital zum Ka-
pital. Andrerseits fällt ihnen dann wieder ein, daß das Kapital
nach der einen Seite W e r t ist, also etwas I m m a t e-
r i e l l e s, Gleichgültiges gegen sein stoffliches Bestehn. So
Say:
"D a s K a p i t a l i s t s e i n e m W e s e n n a c h
i m m e r i m m a t e r i e l l, da es nicht die Materie ist,
die das Kapital ausmacht, sondern der W e r t dieser Materie,
Wert, der nichts Körperliches hat." (Say. 21.) [141]
Oder Sismondi:
"Das Kapital ist ein kaufmännischer B e g r i f f." (Sismondi.
LX.) [142]
Aber dann fällt ihnen ein, daß capital doch auch eine andre öko-
nomische Bestimmung ist als v a l e u r 9*), weil sonst über-
haupt nicht von Kapital i m U n t e r s c h i e d v o n
v a l e u r zu sprechen wäre und, wenn alle Kapitalien Werte,
die Werte als solche noch nicht Kapital sind. Dann flüchten sie
wieder zu seiner stofflichen Gestalt innerhalb des Produktions-
prozesses zurück, z.B. wenn Ricardo [116] das Kapital erklärt als
accumulated labour employed in the production of new labour 10*),
d.h. als bloßes A r b e i t s i n s t r u m e n t oder
A r b e i t s m a t e r i a l. In diesem Sinne spricht Say [1439
gar von dem service productif du capital 11*), auf den sich
seine Remuneration gründen soll, als wenn das Arbeitsinstrument
als solches Anspruch auf den Dank des Arbeiters hätte und es
nicht grade nur durch ihn als Arbeitsinstrument, als p r o-
d u k t i v gesetzt werde. Die Selbständigkeit des Arbeits-
instruments, d. h. eine g e s e l l s c h a f t l i c h e Be-
stimmung desselben, d.h. seine Bestimmung als Kapital wird so
vorausgesetzt, um die Ansprüche des Kapitals zu deduzieren.
Proudhons: "le capital vaut, le travail produit" 12*), heißt ab-
solut nichts als : Das Kapital ist Wert, [144] und da hier weiter
nichts vom Kapital gesagt ist, als daß es Wert ist, der Wert ist
Wert (das
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9*) Wert - 10*) akkumulierte Arbeit verwendet bei der Produktion
neuer Arbeit - 11*) produktiven Dienst des Kapitals - 12*) "das
Kapital hat Wert, die Arbeit produziert"
#231# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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Subjekt des Urteils ist hier bloß andrer Name für das Prädikat),
und die Arbeit produziert, ist produktive Tätigkeit, d.h., die
Arbeit ist Arbeit, da sie eben nichts ist außer dem "produire"
13*). Daß diese identischen Urteile keinen besondren fonds 14*)
von Weisheit enthalten, muß augenfällig sein, und daß sie nament-
lich nicht ein Verhältnis ausdrücken können, worin der Wert und
die Arbeit in ein Verhältnis treten, worin sie sich selbst auf-
einander beziehn und voneinander unterscheiden, nicht als gleich-
gültige Indifferente nebeneinander hegen. Schon daß d i e
A r b e i t dem Kapital gegenüber als Subjekt erscheint, d. h.
der Arbeiter nur in der Bestimmung der A r b e i t, und diese
ist nicht e r s e l b s t, müßte die Augen öffnen. Es liegt
darin schon, abgesehn vom Kapital, eine Beziehung, ein Verhältnis
des Arbeiters zu seiner eignen Tätigkeit, das keineswegs das
"n a t ü r l i c h e" ist, sondern selbst schon eine spezifische
ö k o n o m i s c h e Bestimmung enthält.
Das Kapital, soweit wir es hier betrachten, als zu unterscheiden-
des Verhältnis von Wert und Geld ist das K a p i t a l i m
a l l g e m e i n e n, d.h. der Inbegriff der Bestimmungen, die
den Wert als Kapital von sich als bloßem Wert oder Geld unter-
scheiden. Wert, Geld, Zirkulation etc., Preise etc. sind
vorausgesetzt, ebenso Arbeit etc. Aber wir haben es weder noch
mit einer b e s o n d r e n Form des Kapitals zu tun noch mit
dem e i n z e l n e n K a p i t a l als unterschieden von and-
ren einzelnen Kapitalien etc. Wir wohnen seinem Entstehungsprozeß
bei. Dieser dialektische Entstehungsprozeß ist nur der ideale
Ausdruck der wirklichen Bewegung, worin das Kapital wird. Die
späteren Beziehungen sind als Entwicklung aus diesem Keim heraus
zu betrachten. Aber es ist nötig, die bestimmte Form zu fixieren,
auf der es auf einem g e w i s s e n Punkt gesetzt ist. Sonst
entsteht Konfusion.
¦¦17¦ Das Kapital ist bisher seiner stofflichen Seite nach als
e i n f a c h e r P r o d u k t i o n s p r o z e ß betrachtet
worden. Dieser Prozeß ist aber der Seite der Formbestimmtheit
nach S e l b s t v e r w e r t u n g s p r o z e ß. Selbstver-
wertung schließt ein sowohl Erhalten des vorausgesetzten Werts
als Vervielfältigung desselben.
Der Wert tritt als Subjekt auf. Die Arbeit ist zweckmäßige Tätig-
keit, und so ist der stofflichen Seite nach vorausgesetzt, daß im
Produktionsprozeß das Arbeitsinstrument wirklich als Mittel zu
einem Zweck gebraucht worden ist und daß das Rohmaterial als Pro-
dukt einen höhern Gebrauchswert erhalten hat, sei es durch chemi-
schen Stoffwechsel oder mechanische Veränderung, als es vorher
besaß. Allein diese Seite selbst, als bloß den Gebrauchswert be-
treffend, gehört noch dem einfachen Produktionsprozeß an. Es han-
delt sich hier nicht darum - dies ist vielmehr eingeschlossen,
vorausgesetzt -, daß ein
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13*) "produzieren" - 14*) Schatz
#232# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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höhrer Gebrauchswert erzeugt ist (dies selbst ist sehr relativ;
wenn Korn in Branntwein verwandelt wird, so ist der höhre Ge-
brauchswert selbst schon mit Bezug auf die Zirkulation gesetzt);
es ist auch kein höhrer Gebrauchswert für das Individuum, den
Produzenten erzeugt. Dies ist wenigstens zufällig und geht das
Verhältnis als solches nichts an; sondern ein höhrer Gebrauchs-
wert f ü r a n d r e. Worum es sich handelt, daß ein h ö h-
r e r T a u s c h w e r t hervorgebracht ist. Bei der einfachen
Zirkulation endete für die einzelne Ware der Prozeß damit, daß
sie als Gebrauchswert an ihren Mann kam, konsumiert wurde. Sie
trat damit aus der Zirkulation heraus; verlor ihren Tauschwert,
überhaupt ihre ökonomische Formbestimmung. Das Kapital hat sein
Material durch die Arbeit und die Arbeit durch sein Material
konsumiert; es hat sich als Gebrauchswert konsumiert, aber nur
als G e b r a u c h s w e r t f ü r e s s e l b s t, als
Kapital. Seine Konsumtion als Gebrauchswert fällt also hier
selbst in die Zirkulation, oder vielmehr es setzt selbst den
A n f a n g d e r Z i r k u l a t i o n oder ihr Ende, wie man
will. Die Konsumtion des Gebrauchswertes fällt hier selbst in den
ökonomischen Prozeß, weil der Gebrauchswert hier selbst durch den
Tauschwert bestimmt ist. In keinem Moment des Produktionsprozes-
ses hört das Kapital auf, Kapital zu sein, oder der Wert auf,
Wert zu sein und als solcher T a u s c h w e r t. Nichts ist
alberner als, wie Herr Proudhon tut, sagen, durch den Akt des
Austauschs, d. h. dadurch, daß es wieder in die einfache Zirkula-
tion tritt, wird das Kapital nun aus Produkt Tauschwert. [120]
Wir wären damit wieder an den Anfang zurückgeschleudert, selbst
bis zum unmittelbaren Tauschhandel, wo die Entstehung des Tausch-
werts aus dem Produkt betrachtet wird. Daß das Kapital nach Been-
digung des Produktionsprozesses, nach seiner Konsumtion als Ge-
brauchswert, wieder als Ware in Zirkulation tritt und treten
kann, liegt schon darin, daß es als sich erhaltender Tauschwert
vorausgesetzt war. Soweit es aber nur als Produkt jetzt wieder
Ware und als Ware Tauschwert wird, Preis erhält und als solcher
im Geld realisiert wird, ist es einfache Ware, Tauschwert über-
haupt, und als solcher ist es in der Zirkulation ebensosehr dem
Schicksal ausgesetzt, daß es sich im Geld realisiert, als daß es
sich nicht in ihm realisiert; d. h. daß sein Tauschwert Geld wird
oder nicht. Sein Tauschwert ist daher vielmehr problematisch ge-
worden - der vorhin ideell gesetzt war - als daß er
e n t s t ü n d e. Und nun gar, daß es als ein höherer Tausch-
wert r e e l l in der Zirkulation gesetzt wird, kann nicht aus
der Zirkulation selbst herstammen, worin nur Äquivalente, ihrer
einfachen Bestimmung nach, ausgetauscht werden. Wenn es als höh-
rer Tauschwert aus ihr herauskommt, muß es als solcher in sie
hereingetreten sein.
Das Kapital besteht der Form nach nicht aus Arbeitsgegenständen
und Arbeit, sondern aus W e r t e n und noch bestimmter aus
P r e i s e n. Daß
#233# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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seine 15*) Wertelemente verschiedne Substanzen angenommen haben
während des Produktionsprozesses, geht ihre Bestimmung als Werte
nicht an; sie werden dadurch nicht verändert. Wenn sie aus der
Form der Unruhe - des Prozesses - am Ende desselben wieder in
ruhnde, objektive Gestalt sich zusammenfassen im Produkt, so ist
dies ebenfalls ein bloßer Stoffwechsel in bezug auf den Wert, der
ihn nicht alteriert. Allerdings sind die Substanzen als solche
zerstört worden, aber nicht in Nichts, sondern in eine anders ge-
formte Substanz. Früher erschienen sie als elementarische,
gleichgültige Bedingungen des Produkts. Jetzt sind sie Produkt.
Der Wert des Produkts kann also nur = sein der Summe der Werte,
die in den bestimmten stofflichen Elementen des Prozesses ma-
terialisiert waren, als Rohstoff, Arbeitsinstrument (dazu gehören
auch die bloß instrumentellen Waren) und als Arbeit selbst. Der
Rohstoff ist ganz verzehrt worden, die Arbeit ist ganz verzehrt
worden, das Instrument ist nur zum Teil verzehrt worden, fährt
also fort, einen Teil des Werts des Kapitals in seiner bestimmten
vor dem Prozeß ihm angehörigen Existenzweise zu besitzen. Dieser
Teil kömmt also gar nicht in Betracht hier, da er keine Verände-
rung erlitten. Die verschiednen Existenzweisen der Werte waren
reiner Schein, der Wert selbst bildete in ihrem Verschwinden das
sich gleichbleibende Wesen. Das Produkt, als Wert betrachtet, ist
dieser Seite nach nicht P r o d u k t, sondern vielmehr iden-
tisch geblieben, unveränderter Wert, der nur in einer andren Exi-
stenzweise ist, die ihm aber auch gleichgültig ist und gegen Geld
ausgetauscht werden kann.
Der Wert des Produkts ist = dem Wert des Rohstoffs + dem Wert des
vernichteten Teils, also an das Produkt übergegangnen, in seiner
ursprünglichen Form aufgehobnen des Arbeitsinstruments + dem Wert
der Arbeit. Oder der Preis des Produkts ist gleich seinen Produk-
tionskosten, i.e. = der Summe der Preise der Waren, die in dem
Produktionsprozeß konsumiert worden sind. D.h. in andren Worten
nichts, als daß der Produktionsprozeß nach seiner stofflichen
Seite gleichgültig für den Wert ¦¦18¦ war; daß er daher identisch
mit sich geblieben ist und nur eine andre stoffliche Existenz-
weise angenommen hat, in andrer Substanz und Form materialisiert
ist. (Die Form der Substanz geht die ökonomische F o r m, den
Wert als solchen nichts an.) War das Kapital ursprünglich = 100
Taler, so ist es nach wie vor gleich 100 Taler geblieben, ob-
gleich die 100 Taler im Produktionsprozeß existierten als 50 Ta-
ler Baumwolle, 40 Taler Arbeitslohn + 10 Taler Spinnmaschine und
jetzt als Baumwollgarn zum Preis von 100 Talern existieren. Diese
Reproduktion der 100 Taler ist einfaches Sichselbstgleichbleiben,
bloß daß es durch den materiellen
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15*) In der Handschrift: Daß es seine
#234# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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Produktionsprozeß vermittelt ist. Dieser muß daher zum Produkt
fortgehn, denn sonst verliert Baumwolle ihren Wert, Arbeitsin-
strument umsonst aufgenutzt, Arbeitslohn umsonst bezahlt. Die
einzige Bedingung für die Sichselbsterhaltung des Werts ist, daß
der Produktionsprozeß wirklicher totaler Prozeß ist, also bis zum
Produkt fortgeht. Die Totalität des Produktionsprozesses, d.h.,
daß er bis zum Produkt fortgeht, ist hier in der Tat Bedingung
des Sicherhaltens, Sichgleichbleibens des Werts, aber dies liegt
schon in der ersten Bedingung, daß das Kapital wirklich Ge-
brauchswert wird, wirklicher Produktionsprozeß; ist an diesem
Punkt also v o r a u s g e s e t z t.
Andrerseits ist der Produktionsprozeß n u r Produktionsprozeß
für das Kapital, insofern es sich als Wert in diesem Prozeß er-
hält, also im Produkt. Der Satz, daß der notwendige Preis = der
Summe der Preise der Produktionskosten, ist daher rein analy-
tisch. Es ist die Voraussetzung der Produktion des Kapitals
selbst. Einmal ist das Kapital als 100 Taler gesetzt, als einfa-
cher Wert; dann ist es in diesem Prozeß gesetzt als Summe von
Preisen bestimmter, durch den Produktionsprozeß selbst bestimm-
ter, Wertelemente seiner selbst. Der Preis des Kapitals, sein
Wert in Geld ausgedrückt, = dem Preise seines Produkts. D.h., der
Wert des Kapitals als Resultat des Produktionsprozesses ist der-
selbe, der er als Voraussetzung desselben war. Nur bleibt er wäh-
rend des Prozesses nicht bestehn, weder in der Einfachheit, die
er am Anfang, noch die er am Ende als Resultat wieder hat, son-
dern zerlegt sich in zunächst durchaus gleichgültige quantitative
Bestandteile als Wert der Arbeit (Arbeitslohn), Wert des Arbeits-
instruments und Wert des Rohmaterials. Es ist weiter noch keine
Beziehung gesetzt, als daß im Produktionsprozeß der einfache Wert
sich numerisch auseinanderlegt, als eine Anzahl von Werten, die
im Produkt wieder in ihrer Einfachheit zusammengeht, aber nun als
S u m m e ist. Die Summe ist aber = der ursprünglichen Einheit.
Es ist hier sonst, den Wert betrachtet, außer der quantitativen
Teilung, durchaus noch kein Unterschied in der Beziehung zwischen
den verschiednen Wertquantis enthalten 16*). 100 Taler war das
ursprüngliche Kapital; 100 Taler ist das Produkt, aber die 100
Taler jetzt als Summe von 50 + 40 + 10 Taler. Ich hätte die 100
Taler auch ursprünglich als eine Summe von 50 + 40 + 10 Talern
betrachten können, aber ebensogut als eine Summe von 60 + 30 + 10
Talern etc. Daß sie jetzt als Summe von bestimmten Anzahlen von
Einheiten erscheinen, ist dadurch gesetzt, daß die verschiednen
stofflichen Elemente, worin das Kapital sich im Produktionsprozeß
zerlegte, jedes einen Teil seines Werts, aber einen bestimmten,
darstellten.
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16*) In der Handschrift: erhalten
#235# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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Es wird sich später zeigen, daß diese Anzahlen, worin die ur-
sprüngliche Einheit zerlegt wird, selbst bestimmte Verhältnisse
zueinander haben, aber das geht uns hier noch nichts an. Soweit
eine Bewegung während des Produktionsprozesses im Werte selbst
gesetzt ist, ist sie rein formelle, die aus folgendem einfachen
Akt besteht: daß der Wert erst als Einheit existiert: eine be-
stimmte Anzahl von Einheiten, die selbst als Einheit, ein Ganzes
betrachtet wird: Kapital von 100 Talern; zweitens, daß während
des Produktionsprozesses diese Einheit geteilt wird in 50 Taler,
40 Taler und 10 Taler, eine Teilung, die wesentlich ist, insofern
Arbeitsmaterial, Instrument und Arbeit in bestimmten Quantis ge-
braucht werden, aber hier in bezug auf die 100 Taler selbst nur
als ein gleichgültiges Zerlegen in verschiedne Anzahlen derselben
Einheit sind; endlich, daß im Produkt die 100 Taler als Summe
wiedererscheinen. Der einzige Prozeß in bezug auf den Wert, daß
er einmal als ein Ganzes, Einheit; dann als Teilung dieser Ein-
heit in bestimmte Anzahl; endlich als Summe erscheint. Die 100
Taler, die am Ende als Summe erscheinen, sind ebensogut und grade
dieselbe Summe, die im Anfang als Einheit erschien. Die Bestim-
mung der Summe, des Zusammenaddierens kam nur durch das Teilen,
das im Produktionsakt vor sich ging, heraus; existiert aber nicht
im Produkt als solchem. Weiter also sagt der Satz nichts, daß der
Preis des Produkts = dem Preise der Produktionskosten oder daß
der Wert des Kapitals = dem Wert des Produkts ist, als daß sich
der Wert des Kapitals im Produktionsakt erhalten hat und jetzt
als Summe erscheint. Mit dieser bloßen Identität des Kapitals
oder Reproduktion seines Werts durch den Produktionsprozeß hin-
durch wären wir noch nicht weiter, als wir im Anfang waren. Was
im Anfang als Voraussetzung da war, ist jetzt ¦¦19¦ als Resultat
da, und zwar in unveränderter Form. Daß die Ökonomen das in der
Tat nicht meinen, wenn sie von der Bestimmung des Preises durch
die Produktionskosten sprechen, ist klar. Es könnte sonst nie ein
größrer Wert geschaffen werden, als ursprünglich vorhanden war;
kein größrer Tauschwert, obgleich ein größrer Gebrauchswert, von
dem hier gar nicht die Rede. Es handelt sich vom G e-
b r a u c h s w e r t d e s K a p i t a l s als solchen, nicht
vom Gebrauchswert einer Ware.
Wenn man sagt, die Produktionskosten oder der notwendige Preis
einer Ware ist = 110, so rechnet man so: Ursprüngliches Kapital =
100 (also z.B. Rohstoff = 50; Arbeit = 40; Instrument = 10) + 5%
Zins + 5% Profit. Also die Produktionskosten = 110, nicht = 100;
die Produktionskosten also größer als die Kosten der Produktion.
Es hilft nun durchaus nichts, wie einige Ökonomen heben, vom
Tauschwert zum Gebrauchswert der Ware zu flüchten. Ob dieser als
Gebrauchswert höher oder niedriger ist, bestimmt als solches
nicht den Tauschwert. Die Waren fallen oft unter ihre Produkti-
onspreise [79],
#236# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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obgleich sie unstreitig höhren Gebrauchswert erhalten haben, den
sie in der Epoche v o r der Produktion hatten. Ebenso unnütz
ist es, zur Zirkulation zu flüchten. Ich produziere zu 100, aber
ich verkaufe zu 110.
"Profit wird nicht gemacht, indem man austauscht. Hätte er nicht
zuvor existiert, könnte er es auch nach dieser Transaktion
nicht." (Ramsay. IX, 88.) [145]
D.h. aus der einfachen Zirkulation die Vermehrung des Werts er-
klären wollen, während sie 17*) vielmehr a u s d r ü c k l i c h
ihn nur als Äquivalent setzt. Auch empirisch ist es klar, daß
wenn alle um 10% zu teuer verkaufen, dies dasselbe ist, als wenn
sie alle zu den Produktionskosten verkauften. Der Mehrwert [146]
wäre damit rein nominell, factice 18*), konventionell, eine bloße
Phrase. Und da das Geld selbst Ware ist, Produkt, so würde es
auch um 10% zu teuer verkauft, d. h. der Verkäufer, der 110 Taler
erhielte, erhielte in fact nur 100. (Sieh auch R i c a r d o
über den auswärtigen Handel, den er als einfache Zirkulation faßt
und daher sagt:
"Der auswärtige Handel kann nie die Tauschwerte eines Landes er-
höhn." (Ricardo, 39, 40.) [147]
Die Gründe, die er dafür beibringt, sind absolut dieselben, die
"beweisen", daß der Austausch als solcher, die einfache Zirkula-
tion, also der Handel überhaupt, sofern er als solche gefaßt
wird, nie T a u s c h w e r t e erhöhn, nie den T a u s c h-
w e r t erzeugen kann.) Der Satz, daß der Preis = den Produk-
tionskosten, müßte sonst auch heißen: Der Preis einer Ware ist
stets größer als ihre Produktionskosten. Außer der einfachen
numerischen Teilung und Zusammenaddierung kömmt im Pro-
duktionsprozeß noch das Formelement zu dem Wert hinzu, daß seine
Elemente nun als P r o d u k t i o n s k o s t e n erscheinen,
d. h. eben, daß die Elemente des Produktionsprozesses selbst
nicht [in] ihrer stofflichen Bestimmtheit, sondern als W e r t e
festgehalten werden, die in der Daseinsweise, worin sie v o r
dem Produktionsprozeß sind, aufgezehrt werden.
Andrerseits ist es klar, daß, wenn der Produktionsakt nur die Re-
produktion des Werts des Kapitals ist, nur eine stoffliche, keine
ökonomische Veränderung mit ihm vorgegangen wäre und daß eine
solche einfache Erhaltung seines Werts seinem Begriff wider-
spricht. Es bliebe zwar nicht wie das ·?selbständige Geld außer-
halb der Zirkulation; sondern nähme die Gestalt verschiedner
Waren an, aber für nichts; es wäre dies ein zweckloser Prozeß, da
es schließlich nur die identische Summe Geldes repräsentierte und
nur das Risiko gelaufen hätte, beschädigt aus dem Produktionsakt
- der mißlingen kann; worin das Geld seine unvergängliche Form
aufgibt - herauszutreten. Well.
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17*) In der Handschrift: es - 18*) künstlich
#237# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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Der Produktionsprozeß ist nun zu Ende. Das Produkt ist auch wie-
der realisiert in Geld und hat wieder die ursprüngliche Form der
100 Taler angenommen. Aber der Kapitalist muß auch essen und
trinken; er kann nicht von diesem Formwechsel des Geldes leben.
Ein Teil der 100 Taler müßte also nicht als Kapital, sondern als
Münze ausgewechselt werden gegen Waren als Gebrauchswerte und in
dieser Form konsumiert werden. Aus den 100 Talern wären 90 gewor-
den, und da er das Kapital immer schließlich in der Form des
Geldes wiederproduziert, und zwar des Quantums Geldes, womit er
die Produktion begonnen, so wären am Ende die 100 Taler aufgeges-
sen und das Kapital verschwunden. Aber der Kapitalist wird für
die A r b e i t bezahlt, die 100 Taler als Kapital in den Pro-
duktionsprozeß zu werfen, statt sie aufzuessen. Aber wovon soll
er bezahlt werden? Und erscheint seine Arbeit nicht rein nutzlos,
da das Kapital einschließt den Arbeitslohn; also die Arbeiter le-
ben könnten durch einfache Reproduktion der Produktionskosten,
was der Kapitalist nicht kann? Er erschiene also unter den
f a u x f r a i s d e p r o d u c t i o n 19*). Was aber im-
mer sein Verdienst sein mag, - möglich wäre die Reproduktion ohne
ihn, da die Arbeiter im Produktionsprozeß nur den Wert verlangen,
den sie hereinbringen, also das ganze Verhältnis des Kapitals
nicht brauchen, um ihn stets von neuem anzufangen; und zweitens
wäre kein fund 20*) da, woraus seinen Verdienst bezahlen, da der
Preis der Ware = den Produktionskosten. Würde seine Arbeit aber
als besondre aufgefaßt neben und außer der der Arbeiter, etwa der
superintendence 21*) der Arbeit etc., so erhielte er wie sie
einen bestimmten Arbeitslohn, fiele also in ihre Kategorie und
verhielte sich keineswegs als Kapitalist zur Arbeit; würde sich
auch nie bereichern, sondern nur einen Tauschwert erhalten, den
er durch die Zirkulation konsumieren müßte.
Das Dasein des Kapitals gegenüber der Arbeit verlangt, daß das
für sich seiende Kapital, der Kapitalist als N i c h t - A r-
b e i t e r da sein, leben kann. Andrerseits ist es ebenso klar,
daß auch von ¦¦20¦ den gewöhnlichen ökonomischen Bestimmungen aus
das Kapital, das nur seinen W e r t erhalten könnte, ihn
n i c h t erhielte. D i e R i s i k o s d e r P r o d u k-
t i o n m ü s s e n k o m p e n s i e r t sein. Das Kapital
muß sich erhalten in den Schwankungen der Preise. Die Entwertung
des Kapitals, die fortwährend vor sich geht durch Erhöhung der
Produktivkraft, muß kompensiert sein etc. Platt sagen daher auch
die Ökonomen, daß, wenn kein Gewinn, kein Profit herauskäme,
jeder sein Geld aufessen, statt es in die Produktion werfen, als
Kapital anwenden würde. Kurz, dies N i c h t v e r w e r t e n,
d.h. das Nichtvervielfältigen des Werts des Kapitals voraus-
gesetzt, ist vorausgesetzt, daß es kein wirkliches Glied der
Produktion, kein b e s o n d r e s P r o d u k t i o n s-
v e r h ä l t n i s;
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19*) Produktionsnebenkosten - 20*) Kapital - 21*) Oberaufsicht
#238# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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ist ein Zustand vorausgesetzt, worin die Produktionskosten nicht
die Form des Kapitals haben und das Kapital nicht als Bedingung
der Produktion gesetzt ist.
Es ist einfach zu begreifen, wie die Arbeit den Gebrauchswert
vermehren kann; die Schwierigkeit hegt darin, wie sie höhre
Tauschwerte als die vorausgesetzten schaffen kann.
Gesetzt, der Tauschwert, den das Kapital dem Arbeiter zahlt, sei
ein exaktes Äquivalent für den Wert, den die Arbeit im Produkti-
onsprozeß schafft. In diesem Falle wäre Vermehrung des Tausch-
werts des Produkts unmöglich. Was die Arbeit als solche in den
Produktionsprozeß hereingebracht hätte über den vorausgesetzten
Wert des Rohmaterials und des Arbeitsinstruments hinaus, wäre dem
Arbeiter gezahlt. Der Wert des Produkts selbst, soweit er ein
Surplus ist über den Wert des Rohstoffs und Instruments, fiele
dem Arbeiter anheim; nur, daß der Kapitalist ihm diesen Wert
zahlt im Arbeitslohn und daß er ihn dem Kapitalisten zurückgibt
im Produkt.
{Daß unter den P r o d u k t i o n s k o s t e n nicht die
Summe der Werte verstanden wird, die in die Produktion eingehn -
selbst von den Ökonomen, die das behaupten ", ist handgreiflich
am Zins für geliehnes Kapital. Dieser gehört für den industriel-
len Kapitalisten direkt zu seinen Ausgaben, zu seinen
w i r k l i c h e n Produktionskosten. Der Zins selbst aber un-
terstellt schon, daß das Kapital aus der Produktion als Mehrwert
herauskommt, da er selbst nur e i n e F o r m dieses Mehrwerts
ist. Da der Zins also vom Standpunkt des Leihers schon in seine
u n m i t t e l b a r e n P r o d u k t i o n s k o s t e n
eingeht, zeigt sich, daß das Kapital als solches in die Produkti-
onskosten eingeht, das Kapital als solches aber nicht bloße Addi-
tion seiner Wertbestandteile ist. - Im Zins erscheint das Kapital
selbst wieder in der Bestimmung der W a r e, aber als einer von
allen andren Waren s p e z i f i s c h verschiednen Ware;
d a s K a p i t a l a l s s o l c h e s - nicht als eine
bloße Summe von Tauschwerten - tritt in die Zirkulation und wird
W a r e. Hier ist der Charakter der Ware selbst als ö k o-
n o m i s c h e, s p e z i f i s c h e Bestimmung vorhanden,
nicht gleichgültig wie in der einfachen Zirkulation noch direkt
auf die Arbeit als Gegensatz, als seinen Gebrauchswert bezogen
wie in dem industriellen Kapital; dem Kapital, wie es in seinen
nächsten, aus der Produktion und Zirkulation hervorgehenden
Bestimmungen ist. Die Ware als Kapital oder das Kapital als
W a r e wird daher nicht ausgetauscht in der Zirkulation gegen
ein Äquivalent; es e r h ä l t s e i n F ü r s i c h s e i n,
indem es in die Zirkulation tritt; es erhält also seine ursprüng-
liche Beziehung zu seinem Eigentümer, auch wenn es in die Hände
eines fremden Besitzers tritt. Es wird daher nur v e r-
l i e h n. Sein Gebrauchswert als solcher für seinen Eigentümer
ist seine V e r w e r t u n g, Geld als Geld, nicht als Zirku-
lationsmittel; sein G e b r a u c h s w e r t a l s K a p i-
t a l. Die von
#239# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
-----
Herrn Proudhon aufgestellte Forderung, daß das Kapital nicht aus-
geliehen werden und Zins tragen, sondern als Ware für sein Äqui-
valent verkauft werden soll, wie jede andre Ware, ist überhaupt
nur die Forderung, daß der Tauschwert nie Kapital werden, sondern
einfacher Tauschwert bleiben soll; daß das K a p i t a l a l s
K a p i t a l n i c h t e x i s t i e r e n soll. Diese Forde-
rung, zusammen mit der andren, daß die Lohnarbeit die allgemeine
Basis der Produktion bleiben soll, zeigt eine erfreuliche Konfu-
sion über die einfachsten ökonomischen Begriffe. Daher die mi-
serable Rolle, die er in der Polemik mit Bastiat spielt, worüber
später. Das Geschwätz über Billigkeits- und Rechtsrücksichten
läuft nur darauf hinaus, das Eigentumsverhältnis oder Rechtsver-
hältnis, wie es dem einfachen Austausch entspricht, dem Eigen-
tums- und Rechtsverhältnis einer höhern Stufe des Tauschwerts als
Maßstab anlegen zu wollen. Daher Bastiat, unbewußt, selbst wieder
die Momente in der einfachen Zirkulation hervorhebt, die zum Ka-
pital hindrängen. [148] - Das Kapital selbst als Ware, ist das
G e l d a l s K a p i t a l oder das K a p i t a l a l s
G e l d.}
{Das dritte Moment, das zu entwickeln ist in der Formung des Be-
griffs des Kapitals, ist die u r s p r ü n g l i c h e
A k k u m u l a t i o n der Arbeit gegenüber, also auch die ge-
genstandslose Arbeit der Akkumulation gegenüber. Das e r s t e
M o m e n t ging aus vom Wert, als aus der Zirkulation herkom-
mend und sie voraussetzend. Es war der e i n f a c h e B e-
g r i f f des Kapitals; das Geld, wie es unmittelbar zum Kapital
fortbestimmt wird; das z w e i t e M o m e n t ging vom
Kapital als Voraussetzung der Produktion und Resultat derselben
aus; das d r i t t e M o m e n t setzt das Kapital als
b e s t i m m t e E i n h e i t der Zirkulation und Produktion.
Es ist zu unterscheiden zwischen der Akkumulation ¦¦21¦ der Kapi-
talien; diese setzt voraus Kapitalien; das Verhältnis des Kapi-
tals als d a s e i e n d u n d unterstellt also auch seine Be-
ziehungen zur Arbeit, Preisen (capital fixe und circulant), Zins
und Profit. Aber das Kapital, um zu werden, setzt eine gewisse
Akkumulation voraus; die schon im selbständigen Gegensatz der
vergegenständlichten Arbeit gegen die lebendige hegt; im selb-
ständigen Bestehn dieses Gegensatzes. Diese Akkumulation, die zum
Werden des Kapitals nötig, die also schon als Voraussetzung - als
ein Moment - in seinen Begriff aufgenommen ist, ist zu unter-
scheiden wesentlich von der Akkumulation des als Kapital geword-
nen Kapitals, wo schon K a p i t a l i e n vorhanden sein müs-
sen.}
{Wir haben bisher schon gesehn, daß das Kapital voraussetzt: 1.
den Produktionsprozeß überhaupt, wie er allen gesellschaftlichen
Zuständen eigen ist, also ohne historischen Charakter,
m e n s c h l i c h, if you please 22*); 2. die Z i r k u l a-
t i o n,
-----
22*) wenn sie wollen
#240# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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die selbst schon in jedem ihrer Momente und noch mehr in ihrer
Totalität bestimmtes h i s t o r i s c h e s Produkt ist; 3.
K a p i t a l als b e s t i m m t e Einheit von beiden. Inwie-
fern nun der allgemeine Produktionsprozeß selbst historisch modi-
fiziert wird, sobald er nur noch als Element des Kapitals er-
scheint, muß sich in seiner Entwicklung ergeben; wie aus der ein-
fachen Auffassung der spezifischen Unterschiede des Kapitals
seine historischen Voraussetzungen überhaupt sich ergeben müs-
sen.}
{Alles andre ist Hin- und Herschwatzen. Welche Bestimmungen in
den ersten Abschnitt, v o n d e r P r o d u k t i o n
ü b e r h a u p t, und in den ersten Abschnitt des zweiten Ab-
schnitts, vom T a u s c h w e r t ü b e r h a u p t, aufzuneh-
men sind, kann erst am Resultat und als Resultat der ganzen Ent-
wicklung heraustreten. Z. B. haben wir schon gesehn, daß die Un-
terscheidung von Gebrauchswert und Tauschwert in die Ökonomie
selbst gehört und nicht, wie Ricardo tut, der Gebrauchswert als
einfache Voraussetzung tot liegen bleibt. Das Kapitel von der
Produktion endet objektiv mit dem Produkt als Resultat; das von
der Zirkulation beginnt mit der W a r e, die selbst wieder
G e b r a u c h s w e r t und T a u s c h w e r t (also auch
von beiden verschiedner W e r t), Zirkulation als Einheit bei-
der; - die aber nur formell ist und daher in die Ware als bloßen
Gegenstand des Konsums, außerökonomisch, und den Tauschwert als
verselbständigtes Geld - zusammenfällt.}
D e r M e h r w e r t, d e n d a s K a p i t a l a m E n-
d e d e s P r o d u k t i o n s p r o z e s s e s h a t - ein
Mehrwert, der als höherer Preis des Produkts erst in der Zir-
kulation realisiert wird, aber wie alle Preise in ihr realisiert
werden, dadurch, daß sie schon ideell ihr v o r a u s g e-
s e t z t sind, bestimmt sind, ehe sie in sie eingehn - heißt,
dem allgemeinen Begriff des Tauschwerts gemäß ausgedrückt, daß
die im Produkt vergegenständlichte Arbeitszeit - oder Quantum
Arbeit (ruhend ausgedrückt, erscheint die Größe der Arbeit als
Raumquantum, aber bewegt ausgedrückt, ist sie nur durch die Zeit
meßbar) - größer ist als die in den ursprünglichen Bestandteilen
des Kapitals vorhandne. Dies nun ist nur möglich, wenn die im
Arbeitspreis vergegenständlichte Arbeit kleiner ist als die
lebendige Arbeitszeit, die mit ihr gekauft worden ist. Die im
Kapital vergegenständlichte Arbeitszeit erscheint, wie wir gesehn
haben, als eine aus drei Teilen bestehnde Summe: a) die im
Rohstoff vergegenständlichte Arbeitszeit;
b) die im Instrument vergegenständlichte Arbeitszeit; c) die im
Arbeitspreis vergegenständlichte Arbeitszeit. Nun bleiben die
Teile a) und b) unverändert als Bestandteile des Kapitals; wenn
sie auch im Prozeß ihre Gestalt verändern, ihre materiellen Da-
seinsweisen, bleiben sie als Werte unverändert. Es ist nur c),
das das Kapital austauscht gegen ein qualitativ andres: ein ge-
gebnes
#241# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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Quantum vergegenständlichter Arbeit gegen ein Quantum lebendiger
Arbeit. Soweit die lebendige Arbeitszeit nur die im Arbeitspreise
vergegenständlichte Arbeitszeit reproduzierte, wäre auch dies nur
formell, und es hätte überhaupt, was den Wert betrifft, nur ein
Wechsel stattgefunden gegen lebendige Arbeit als andre Daseins-
weise desselben Werts, wie in bezug auf den Wert des Arbeitsmate-
rials und Instruments nur eine Veränderung ihrer stofflichen Da-
seinsweise stattgefunden hat. Hat der Kapitalist dem Arbeiter
einen Preis = einem Arbeitstag gezahlt und der Arbeitstag des Ar-
beiters fügt dem Rohstoff und Instrument nur einen Arbeitstag zu,
so hätte der Kapitalist einfach ausgetauscht, den Tauschwert in
einer Form gegen den Tauschwert in einer andren. Er hätte nicht
als Kapital gewirkt. Andrerseits wäre der Arbeiter nicht im ein-
fachen Prozeß des Austauschs geblieben: Er hätte in der Tat das
Produkt seiner Arbeit in Zahlung erhalten, nur daß der Kapitalist
ihm den Gefallen getan hätte, ihm den Preis des Produkts vor sei-
ner Realisation vorauszuzahlen. Der Kapitalist hätte ihm Kredit
gegeben, und zwar gratis, pour le roi de Prusse [149]. Voilà
tout. 23*) Der Austausch zwischen Kapital und Arbeit, dessen Re-
sultat der Arbeitspreis ist, sosehr er von Seiten des Arbeiters
einfacher Austausch ist, muß von seiten des Kapitalisten Nicht-
Austausch sein. Er muß mehr Wert erhalten, als er gegeben hat.
Der Austausch, von seiten des Kapitals betrachtet, muß nur ein
s c h e i n b a r e r sein, d.h. einer andren ökonomischen
Formbestimmung als der des Austauschs angehören, oder das Kapital
als Kapital und die Arbeit als Arbeit im Gegensatz zu ihm 24*)
wären unmöglich. Sie tauschten sich nur aus als gleiche Tausch-
werte, die in verschiednen Daseinsweisen stofflich existieren. -
Um das Kapital zu rechtfertigen, zu apologisieren, nehmen die
Ökonomen daher ihre Zuflucht zu diesem einfachen ¦¦22¦ Prozeß,
erklären es eben durch einen Prozeß, der sein Dasein unmöglich
macht. Um es zu demonstrieren, demonstrieren sie es weg. Du
zahlst mir meine Arbeit, tauschst sie ein gegen ihr eignes Pro-
dukt und ziehst mir ab den Wert des Rohstoffs und Materials, das
du mir geliefert hast. D.h., wir sind Associés, die verschiedne
Elemente in den Produktionsprozeß hereinbringen und nach dem Wert
derselben austauschen. Also, das Produkt wird in Geld verwandelt,
und das Geld wird so geteilt, daß du Kapitalist den Preis deines
Rohstoffs und Instruments erhältst, ich Arbeiter den Preis, den
die Arbeit ihnen zugefügt hat. Der Nutzen ist für dich, daß du
Rohstoff und Instrument nun in einer konsumablen Form besitzest,
für mich, daß meine Arbeit sich verwertet hat. Du würdest aller-
dings bald in den Fall kommen, in der Form des Geldes dein Kapi-
tal aufgegessen zu haben, während ich als Arbeiter in den Besitz
beider kommen würde. -
-----
23*) Das ist alles. - 24*) in der Handschrift: ihr
#242# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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Was der Arbeiter austauscht gegen das Kapital, ist seine Arbeit
selbst (im Austausch die Dispositionsfähigkeit darüber); er
e n t ä u ß e r t sie. Was er als Preis erhält, ist der W e r t
dieser Entäußerung. Er tauscht die wertsetzende Tätigkeit gegen
einen vorherbestimmten Wert aus, abgesehn von dem Resultat seiner
Tätigkeit.
{Es ist eine ungeheure Weisheit von Herrn Bastiat, daß das
S a l a r i a t eine unwesentliche, bloß formelle Form ist, eine
Form der Assoziation, die a l s s o l c h e mit dem ökonomi-
schen Verhältnis von Arbeit und Kapital nichts zu tun hat. Wären,
sagt er, die Arbeiter so reich, um das Fertigsein und Verkauf des
Produkts abwarten zu können, so würde das Salariat sie nicht hin-
dern, die Lohnarbeit nicht, einen ebenso vorteilhaften Kontrakt
mit dem Kapitalisten zu machen, wie ihn ein Kapitalist mit dem
andren macht. Also liegt das Übel nicht in der Form des Salari-
ats, sondern in von ihm unabhängigen Bedingungen. Daß diese Be-
dingungen selbst die B e d i n g u n g e n d e s S a l a r i-
a t s sind, fällt ihm natürlich nicht ein. Wenn die Arbeiter
zugleich Kapitalisten wären, so würden sie sich in der Tat nicht
als arbeitende Arbeiter, sondern als arbeitende Kapitalisten -
d.h. nicht in der Form von Lohnarbeitern - zum nicht arbeitenden
Kapital verhalten. Darum ist ihm auch Arbeitslohn und Profit
w e s e n t l i c h dasselbe wie P r o f i t und Z i n s.
[150] Dies nennt er H a r m o n i e d e r ö k o n o -
m i s c h e n V e r h ä l t n i s s e, daß nämlich nur
s c h e i n b a r ökonomische Verhältnisse existieren, in der
Tat, im Wesen aber nur ein Verhältnis - das des einfachen
Austauschs. Die w e s e n t l i c h e n Formen erscheinen ihm
daher an sich als i n h a l t s l o s, d.h. als keine wirkli-
chen Formen.}
Wie ist nun sein Wert bestimmt? Durch die vergegenständlichte Ar-
beit, die in seiner Ware enthalten ist. Diese Ware existiert in
seiner Lebendigkeit. Um sie von heute auf morgen zu erhalten -
von der Arbeiterklasse, also dem Ersatz für wear und tear 25*),
damit sie sich als Klasse erhalten kann, haben wir es noch nicht
zu tun, da der Arbeiter hier als A r b e i t e r, daher als
vorausgesetztes perennierendes Subjekt dem Kapital gegenüber-
steht, noch nicht als vergängliches Individuum der Arbeiterart -
muß er bestimmte Masse Lebensmittel verzehren, das aufgezehrte
Blut ersetzen etc. Er erhält nur ein Äquivalent. Also morgen,
nach vollbrachtem Austausch - und wenn er den Austausch formell
beendigt hat, führt er ihn erst aus im Produktionsprozeß -
existiert seine Arbeitsfähigkeit in derselben Weise wie zuvor: Er
hat ein exaktes Äquivalent erhalten, denn der Preis, den er
erhalten hat, läßt ihn im Besitz desselben Tauschwerts, den er
vorher hatte. Das Quantum vergegenständlichte Arbeit, das in
seiner Lebendigkeit enthalten ist, ist ihm vom Kapital
-----
25*) Verschleiß
#243# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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gezahlt worden. Er hat es konsumiert, und da es nicht als Ding
existierte, sondern als Fähigkeit in einem Lebendigen, kann er
von wegen der s p e z i f i s c h e n Natur seiner Ware - der
spezifischen Natur des Lebensprozesses - den Tausch von neuem
eingehn. Daß außer der in seiner Lebendigkeit vergegen-
ständlichten Arbeitszeit - d.h. der Arbeitszeit, die nötig war,
um die nötigen Produkte für die Erhaltung seiner Lebendigkeit zu
zahlen noch weitre Arbeit vergegenständlicht ist in seinem unmit-
telbaren Dasein, nämlich die Werte, die er konsumiert hat, um
eine bestimmte A r b e i t s f ä h i g k e i t, eine besondre
G e s c h i c k l i c h k e i t zu erzeugen - und deren Wert
zeigt sich darin, zu welchen Produktionskosten ein ähnliches be-
stimmtes Arbeitsgeschick produziert werden kann - geht uns hier
noch nicht an, wo es sich nicht um eine b e s o n d e r s qua-
lifizierte Arbeit, sondern um Arbeit schlechthin, einfache Arbeit
handelt.
Wäre ein Arbeitstag nötig, um einen Arbeiter einen Arbeitstag am
Leben zu erhalten, so existierte das Kapital nicht, weil der Ar-
beitstag sich gegen sein eignes Produkt austauschen würde, also
das Kapital als Kapital sich nicht verwerten und daher auch nicht
erhalten kann. Die Selbsterhaltung des Kapitals ist seine Selbst-
verwertung. Müßte das Kapital, um zu leben, auch arbeiten, so er-
hielte es sich nicht als Kapital, sondern als Arbeit. Das Eigen-
tum von Rohstoffen und Arbeitsinstrumenten wäre nur n o m i-
n e l l; sie gehörten öko¦¦23¦nomisch grade dem Arbeiter soweit,
als sie dem Kapitalisten gehörten, da sie ihm nur W e r t
schafften, soweit er selbst Arbeiter wäre. Er verhielte sich
daher nicht zu ihnen als Kapital, sondern als einfachem Stoff und
Mittel der Arbeit, wie der Arbeiter selbst es im Produktions-
prozeß tut. Ist dagegen z.B. nur ein halber Arbeitstag nötig, um
einen Arbeiter einen ganzen Arbeitstag am Leben zu erhalten, so
ergibt sich der Mehrwert des Produkts von selbst, weil der
Kapitalist im Preis nur einen halben Arbeitstag bezahlt hat und
im Produkt einen ganzen vergegenständlicht erhält; also für die
zweite Hälfte des Arbeitstags n i c h t s ausgetauscht hat.
Nicht der Austäusch, sondern ein Prozeß, worin er ohne Austausch
v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e A r b e i t s z e i t,
d.h. W e r t, erhält, kann ihn allein zum Kapitalisten machen.
Der halbe Arbeitstag kostet dem Kapital n i c h t s; es erhält
also einen Wert, für den es kein Äquivalent gegeben hat. Und die
Vermehrung der Werte kann nur dadurch stattfinden, daß ein Wert
über das Äquivalent hinaus erhalten, also g e s c h a f f e n
wird.
Mehrwert ist überhaupt Wert über das Äquivalent hinaus. Äquiva-
lent seiner Bestimmung nach ist nur die Identität des Werts mit
sich. Aus dem Äquivalent heraus kann daher nie der Mehrwert ent-
sprießen; also auch nicht ursprünglich aus der Zirkulation; er
muß aus dem Produktionsprozeß des Kapitals selbst entspringen.
Die Sache kann auch so ausgedrückt werden: Wenn der Arbeiter nur
einen halben Arbeitstag braucht, um einen ganzen zu
#244# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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leben, so braucht er, um seine Existenz als Arbeiter zu fristen,
nur einen halben Tag zu arbeiten. Die zweite Hälfte des Arbeits-
tags ist Zwangsarbeit; surplus Arbeit [151]. Was auf seiten des
Kapitals als Mehrwert erscheint, erscheint exakt auf seite des
Arbeiters als Mehrarbeit über sein Bedürfnis als Arbeiter hinaus,
also über sein unmittelbares Bedürfnis zur Erhaltung seiner Le-
bendigkeit hinaus. Die große geschichtliche Seite des Kapitals
ist, diese S u r p l u s a r b e i t, überflüssige Arbeit vom
Standpunkt des bloßen Gebrauchswerts, der bloßen Subsistenz aus,
zu s c h a f f e n, und seine historische Bestimmung ist er-
füllt, sobald einerseits die Bedürfnisse so weit entwickelt sind,
daß die Surplusarbeit über das Notwendige hinaus selbst allgemei-
nes Bedürfnis ist, aus den individuellen Bedürfnissen selbst her-
vorgeht - andrerseits die allgemeine Arbeitsamkeit durch die
strenge Disziplin des Kapitals, wodurch die sich folgenden Ge-
schlechter durchgegangen sind, entwickelt ist als allgemeiner Be-
sitz des neuen Geschlechts - endlich durch die Entwicklung der
Produktivkräfte der Arbeit, die das Kapital in seiner unbe-
schränkten Bereicherungssucht und den Bedingungen, worin es sie
allein realisieren kann, beständig voranpeitscht, so weit gedie-
hen ist, daß der Besitz und die Erhaltung des allgemeinen Reich-
tums einerseits nur eine geringre Arbeitszeit für die ganze Ge-
sellschaft erfordert und die arbeitende Gesellschaft sich wissen-
schaftlich zu dem Prozeß ihrer fortschreitenden Reproduktion, ih-
rer Reproduktion in stets größrer Fülle verhält; also die Arbeit,
wo der Mensch in ihr tut, was er Sachen für sich tun lassen kann,
aufgehört hat. Kapital und Arbeit verhalten sich demnach hierin
wie Geld und Ware; ist das eine die allgemeine Form des Reich-
tums, die andre nur die Substanz, die unmittelbare Konsumtion be-
zweckt. Als das rastlose Streben nach der allgemeinen Form des
Reichtums treibt aber das Kapital die Arbeit über die Grenzen
seiner Naturbedürftigkeit hinaus und schafft so die materiellen
Elemente für die Entwicklung der reichen Individualität, die
ebenso allseitig in ihrer Produktion als Konsumtion ist und deren
Arbeit daher auch nicht mehr als Arbeit, sondern als volle Ent-
wicklung der Tätigkeit selbst erscheint, in der die Naturnotwen-
digkeit in ihrer unmittelbaren Form verschwunden ist; weil an die
Stelle des Naturbedürfnisses ein geschichtlich erzeugtes getreten
ist. Daher ist d a s K a p i t a l p r o d u k t i v; d.h.
ein w e s e n t l i c h e s V e r h ä l t n i s f ü r d i e
E n t w i c k l u n g d e r g e s e l l s c h a f t l i c h e n
P r o d u k t i v k r ä f t e. Es hört erst auf, solches zu
sein, wo die Entwicklung dieser Produktivkräfte selbst an dem Ka-
pital selbst eine Schranke findet.
In der Times vom November 1857 findet sich ein allerliebster
Wutschrei von seiten eines westindischen Planters 26*). [152] Mit
großer sittlicher Entrüstung
-----
26*) Plantagenbesitzer
#245# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
-----
setzt dieser Advokat - als Plädoyer für die Wiedereinführung der
Negersklaverei - auseinander, wie die Quashees (die freien nig-
gers von Jamaica) sich damit begnügen, das für ihren eignen Kon-
sum strikt Notwendige zu produzieren, und als den eigentlichen
Luxusartikel neben diesem "Gebrauchswert" die Faulenzerei selbst
betrachten (indulgence and idleness 27*)); wie sie sich den Teu-
fel um Zucker und das in den plantations 28*) ausgelegte capital
fixe scheren, vielmehr mit ironischer Schadenfreude den zugrunde-
gehenden Planter anschmunzeln, und selbst das ihnen angelernte
Christentum nur ausbeuten als Schönfärberei dieser schadenfrohen
Stimmung und Indolenz. Sie haben aufgehört, Sklaven zu sein, aber
nicht, um Lohnarbeiter zu werden, sondern self-sustaining 29*),
für den eignen notdürftigen Konsum arbeitende peasants 30*). Das
Kapital als Kapital existiert ihnen gegenüber nicht, weil der
verselbständigte Reichtum überhaupt n u r existiert entweder
durch u n m i t t e l b a r e Zwangsarbeit, Sklaverei, oder
v e r m i t t e l t e Zwangsarbeit, L o h n a r b e i t. Der
unmittelbaren Zwangsarbeit steht der Reichtum nicht als Kapital
gegenüber, sondern als H e r r s c h a f t s v e r h ä l t-
n i s; es wird daher auf ihrer Basis auch nur das Herr-
schaftsverhältnis reproduziert, für das der Reichtum selbst nur
Wert als Genuß hat, nicht als Reichtum selbst, das ¦¦24¦ daher
auch nie die a l l g e m e i n e I n d u s t r i e schaffen
kann. (Auf dies Verhältnis von Sklaverei und Lohnarbeit werden
wir zurückkommen.)
Die Schwierigkeit, die Entstehung des Werts zu begreifen, zeigt
sich 1. in den modernen englischen Ökonomen, die dem Ricardo vor-
werfen, er habe das Surplus nicht begriffen, den M e h r w e r t
nicht begriffen [153] (siehe Malthus On value [154], der wenig-
stens wissenschaftlich zu verfahren sucht), obgleich Ricardo al-
lein von allen Ökonomen es begriffen hat, wie seine Polemik gegen
A. Smiths Verwechslung der Wertbestimmung durch das Salair und
durch die in der Ware vergegenständlichte Arbeitszeit beweist.
Die Neuen sind rein flache Einfaltspinsel. Allerdings gerät Ri-
cardo selbst oft in Konfusion, da er wohl die Entstehung des
Mehrwerts als Voraussetzung des Kapitals begreift, aber oft daran
irre wird, auf dieser Basis hin die Vermehrung der Werte zu be-
greifen, außer dadurch, daß m e h r v e r g e g e n s t ä n d-
l i c h t e A r b e i t s z e i t im selben Produkt investiert
wird, in andren Worten, daß die Produktion s c h w i e r i g e r
wird. [155] Daher bei ihm der absolute Gegensatz zwischen
v a l u e 31*) und R e i c h t u m. Daher die Einseitigkeit
seiner Theorie von der Grundrente; seine falsche Theorie vom
internationalen Handel, der nur den Gebrauchswert (was er
Reichtum nennt), nicht Tauschwert produzieren soll. [147] Der
einzige Ausweg zur Vermehrung der Werte als solcher bleibt außer
der w a c h s e n d e n S c h w i e r i g k e i t
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27*) Nachsicht und Trägheiz - 28*) Plantagen - 29*) selbstver-
sorgende - 30*) Bauern - 31*) Wert
#246# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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d e r P r o d u k t i o n (Rententheorie) nur der Anwachs der
P o p u l a t i o n (die natürliche Vermehrung der Arbeiter
durch die Zunahme des Kapitals), obgleich er selbst diese Bezie-
hung nirgends einfach zusammengefaßt hat. Der Grundfehler, daß er
nirgends untersucht, wo denn eigentlich der Unterschied zwischen
der Wertbestimmung durch das Salair und der durch die vergegen-
ständlichte Arbeit herkommt. Das Geld und der Austausch selbst
(die Zirkulation) erscheint daher nur als rein formelles Element
in seiner Ökonomie, und obgleich es sich nach ihm n u r um den
Tauschwert in der Ökonomie handelt, erscheinen Profit etc. nur
als Rate des Anteils am Produkt, die ebenso auf der Basis der
Sklaverei stattfindet. Die Form der Vermittlung hat er nirgends
untersucht.
2) D i e P h y s i o k r a t e n [156]. Hier tritt die Schwie-
rigkeit, das Kapital, die Selbstverwertung des Werts, hinc 32*)
den Mehrwert, den das Kapital im Produktionsakt schafft, zu be-
greifen, handgreiflich hervor, und sie 33*) mußte bei den Vätern
der modernen Ökonomie hervortreten, wie bei dem letzten klassi-
schen Abschluß derselben in Ricardo die Schöpfung des Mehrwerts,
die er in der Form der Rente [auffaßt]. Es ist au fond 34*) die
Frage nach dem Begriff des Kapitals und der Lohnarbeit und daher
die Fundamentalfrage, die an der Schwelle des Systems der moder-
nen Gesellschaft sich aufwirft. Das Monetärsystem hatte die Selb-
ständigkeit des Werts nur begriffen, wie er aus der einfachen
Zirkulation resultiert - G e l d; sie machten daher diese
a b s t r a k t e F o r m des Reichtums zum ausschließlichen
Objekt der Nationen, die grade in die Periode eintraten, wo die
B e r e i c h e r u n g a l s s o l c h e als der Zweck der
Gesellschaft selbst erschien.
Dann kam das M e r k a n t i l s y s t e m, fallend in die Epo-
che, wo das industrielle Kapital und daher die Lohnarbeit in der
Manufaktur auftritt und sich entwickelt im Gegensatz und auf Ko-
sten des nichtindustriellen Reichtums, des feudalen Grundeigen-
tums. Ihnen schwebt das Geld schon als Kapital vor, aber eigent-
lich nur selbst wieder in der Form des Geldes, der Zirkulation
des m e r k a n t i l e n Kapitals, des sich in G e l d
v e r w a n d e l n d e n Kapitals. Das industrielle Kapital hat
für sie Wert, und zwar den höchsten Wert - als Mittel - nicht als
der Reichtum selbst in seinem produktiven Prozeß -, weil es das
merkantile Kapital schafft und dies in der Zirkulation zu Geld
wird. Die Manufakturarbeif - d.h. au fond die industrielle Ar-
beit, aber die Agrikulturarbeit war und erschien ihnen im Gegen-
satz als hauptsächlich Gebrauchswert produzierend; Rohprodukt,
verarbeitet, ist wertvoller, weil in klarer Form, also mehr für
Zirkulation, den commerce 35*) geeigneter, merkantiler Form mehr
Geld schaffend
-----
32*) daher - 33*) in der Handschrift: es - 34*) im Grunde -
35*) Handel
#247# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
-----
(dabei die historische Anschauung des Reichtums der nicht
ackerbauenden Völker, wie Holland namentlich, im Gegensatz zu den
ackerbauenden, feudalen; der Ackerbau erschien überhaupt nicht in
industrieller, sondern in feudaler Form, also als Quelle des feu-
dalen Reichtums, nicht des bürgerlichen). Eine Form der Lohn-
arbeit, die industrielle, und eine des Kapitals, des indu-
striellen, war also als Quelle des Reichtums anerkannt, aber nur
sofern sie Geld schufen. Der Tauschwert selbst daher noch nicht
in der Form des Kapitals begriffen.
Nun die P h y s i o k r a t e n. Unterscheiden Kapital von Geld
und fassen es in seiner allgemeinen Form als verselbständigten
Tauschwert, der sich in der Produktion erhält 36*) und durch sie
vermehrt. Sie betrachten daher auch das Verhältnis für sich, wie
es nicht selbst Moment der einfachen Zirkulation, sondern viel-
mehr ihre Voraussetzung ist und aus ihr selbst sich beständig
wieder als ihre Voraussetzung herstellt. Sind also die Väter der
modernen Ökonomie. Sie begreifen auch, daß das Setzen des Mehr-
werts durch die Lohnarbeit die Selbstverwertung, d.h. die Ver-
wirklichung des Kapitals ist. Aber wie wird durch Kapital, d.h.
vorhandne Werte, ein Mehrwert geschaffen, vermittelst der Arbeit?
Hier lassen sie ganz die Form fallen und betrachten nur den ein-
fachen Produktionsprozeß. Nur die Arbeit kann daher produktiv
sein, die in einem solchen Felde vorgeht, wo handgreiflich die
Naturkraft des Arbeitsinstruments dem Arbeiter erlaubt, mehr
Werte zu produzieren als er konsumiert. Der Mehrwert geht daher
nicht aus der Arbeit als solcher, sondern aus der Naturkraft her-
vor, die von der Arbeit benutzt und geleitet ¦¦25¦ wird - Agri-
kultur. Diese ist daher die einzig p r o d u k t i v e A r-
b e i t, denn so weit sind sie, daß n u r d i e M e h r-
w e r t s c h a f f e n d e A r b e i t p r o d u k t i v
i s t (daß der Mehrwert sich in einem materiellen Produkt
ausdrücken muß, rohe, noch bei A. Smith vorkommende Anschauung
[157]. Schauspieler sind produktive Arbeiter, nicht sofern sie
das Schauspiel produzieren, sondern increase their employer's
wealth 37*). Doch welche Sorte von Arbeit geschieht, also in
welcher Form die Arbeit sich materialisiert, ist absolut
gleichgültig für d i e s V e r h ä l t n i s. Es ist wieder
nicht gleichgültig von spätren Gesichtspunkten aus); aber dieser
Mehrwert verwandelt sich unter der Hand in größres Quantum des
Gebrauchswerts, der aus der Produktion herauskommt, über den, der
in ihr konsumiert worden ist. Nur im Verhältnis des natürlichen
Samens zu seinem Produkt erscheint diese Vervielfältigung der Ge-
brauchswerte, der Überschuß des Produkts über den Bestandteil
desselben, der zu neuer Produktion dienen muß - von dem also ein
Teil unproduktiv konsumiert werden kann - handgreiflich.
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36*) In der Handschrift: verhält - 37*) den Reichtum ihres Auf-
traggebers vermehren
#248# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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Von der Ernte braucht nur ein Teil als Samen der Erde direkt wie-
dergegeben zu werden; in selbst natürlich sich vorfindenden Pro-
dukten, den Elementen, Luft, Wasser, Erde, Licht und den im Dün-
ger und anderswie zugeführten Substanzen, erzeugen ihn die Samen
dann wieder in vervielfältigtem Quantum als Korn etc. Kurz, die
menschliche Arbeit hat den chemischen Stoffwechsel (in der Agri-
kultur) nur zu leiten, zum Teil auch mechanisch zu befördern oder
die Lebensreproduktion selbst (Viehzucht), um das Surplus zu er-
halten, d. h. dieselben Natursubstanzen aus einer für den Ge-
brauch wertlosen Form in eine wertvolle zu verwandeln. Die wahre
Gestalt des allgemeinen Reichtums ist daher der Überschuß der
Erdprodukte (Korn, Vieh, Rohstoffe).
Ökonomisch betrachtet ist daher nur die R e n t e Form des
Reichtums. So kommt es, daß die ersten Propheten des Kapitals nur
den Nicht-Kapitalisten, den f e u d a l e n G r u n d e i-
g e n t ü m e r, als Repräsentanten des b ü r g e r l i c h e n
Reichtum s fassen. Die Konsequenz, die Legung aller Steuern auf
die Rente, ist aber dann auch ganz zum Vorteil des bürgerlichen
Kapitals. Der Feudalismus ist nur bürgerlich verherrlicht im
Prinzip - was manche Feudale, wie den alten Mirabeau, düpiert hat
- um ihn in der Nutzanwendung zu ruinieren. Alle andren Werte
repräsentieren nur Rohstoff + Arbeit; die Arbeit selbst
repräsentiert das Korn oder andre Erdprodukte, die der Arbeiter
konsumiert; also setzt der Fabrikarbeiter etc. nicht mehr dem
Rohstoff zu, als er von Rohstoffen konsumiert. Seine Arbeit
ebensowohl wie sein Arbeitsgeber fügen also dem Reichtum nichts
zu - der Reichtum ist das Surplus über die in der Produktion
aufgezehrten Waren -, sondern geben ihm nur angenehme und
nützliche Konsumtionsformen.
Damals hatte sich die Anwendung der Naturkräfte in der Industrie
noch nicht entwickelt, noch die Teilung der Arbeit etc., die die
Naturkraft der Arbeit selbst vermehrt. Dies aber zu A. Smiths
Zeit der Fall. Bei ihm also die Arbeit überhaupt Quelle der
Werte, ebenso des Reichtums, aber Mehrwert setzt sie eigentlich
auch nur, soweit in der Teilung der Arbeit das Surplus ebenso als
natürliche Gabe, Naturkraft der Gesellschaft erscheint wie bei
den Physiokraten der Erde. Daher das Gewicht, das A. Smith auf
die Teilung der Arbeit legt. Andrerseits erscheint bei ihm
K a p i t a l - (weil er zwar die Arbeit als wertschaffend faßt,
aber die Arbeit selbst als Gebrauchswert, für sich seiende Pro-
duktivität, m e n s c h l i c h e Naturkraft überhaupt (dies
unterscheidet ihn von den Physiokraten), aber nicht als Lohnar-
beit, nicht in ihrer s p e z i f i s c h e n Formbestimmung im
Gegensatz zum Kapital) - ursprünglich nicht als das Moment der
Lohnarbeit gegensätzlich in sich enthaltend, sondern wie es aus
der Zirkulation herkömmt, als Geld, und daher aus der Zirkulation
wird, durch E r s p a r u n g. Das Kapital ursprünglich verwer-
tet sich also nicht selbst - weil
#249# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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eben die Aneignung fremder Arbeit nicht in seinen Begriff selbst
aufgenommen ist. Es erscheint nur n a c h t r ä g l i c h,
nachdem es schon als K a p i t a l vorausgesetzt ist - mauvais
cercle 38*) -, als K o m m a n d o ü b e r f r e m d e
A r b e i t. Die Arbeit sollte daher eigentlich nach A. Smith
ihr eignes Produkt zum Lohn haben, das Salair = dem Produkt sein,
also die Arbeit nicht Lohnarbeit und das Kapital nicht Kapital
sein. Um daher den Profit und die Rente als ursprüngliche Ele-
mente der Produktionskosten hereinzubringen, d.h. aus dem Produk-
tionsprozeß des Kapitals einen Mehrwert herauskommen zu lassen,
setzt er sie in höchst ruder 39*) Form voraus. Der Kapitalist
will den Gebrauch seines Kapitals nicht umsonst; ebenso der
Grundeigentümer nicht den Grund und Boden umsonst der Produktion
geben. Sie verlangen etwas dafür. So sind sie, als historische
facts mit ihren Ansprüchen hereingenommen, nicht erklärt. Eigent-
lich ist das Salair der e i n z i g ö k o n o m i s c h be-
rechtigte, weil notwendige Bestandteil der Produktionskosten.
Profit und Rente sind nur A b z ü g e vom Salair, willkürlich
erzwungen im geschichtlichen Prozeß von Kapital und Grundeigentum
und g e s e t z l i c h, nicht ökonomisch berechtigt. Da er
andrerseits aber wieder der Arbeit in der Form von Grundeigentum
und Kapital die Produktionsmittel und -materialien als selbstän-
dige Gestalten gegenübersetzt, hat er sie wesentlich als Lohnar-
beit gesetzt. So Widersprüche. Daher sein Schwanken in der Wert-
bestimmung; das Setzen auf gleiche Stufe von Profit und Grund-
rente: falsche ¦¦26¦ Ansichten vom Einfluß des Salairs auf die
Preise etc.
Nun Ricardo (Siehe 1 40*)). Bei ihm wird aber wieder Lohnarbeit
und Kapital als natürliche, nicht bestimmt historische Gesell-
schaftsform für die Erzeugung des Reichtums als Gebrauchswert ge-
faßt, d.h. ist ihre Form als solche, eben weil natürlich,
g l e i c h g ü l t i g und wird nicht in ihrer b e-
s t i m m t e n Beziehung zur Form des Reichtums gefaßt, wie der
Reichtum selbst in seiner Form als Tauschwert als bloß formelle
Vermittlung seines stofflichen Bestehns erscheint; daher der
bestimmte Charakter des bürgerlichen Reichtums nicht begriffen -
eben weil er als adäquate Form des Reichtums überhaupt erscheint,
und daher auch ö k o n o m i s c h, obgleich vom T a u s c h-
w e r t ausgegangen wird, die b e s t i m m t e n ö k o n o-
m i s c h e n F o r m e n d e s A u s t a u s c h s selbst
gar keine Rolle in seiner Ökonomie spielen 41*), sondern immer
nur von Verteilung des allgemeinen Produkts der Arbeit und der
Erde unter den drei Klassen gesprochen, als ob es sich in dem auf
den T a u s c h w e r t gegründeten Reichtum nur um den G e -
b r a u c h s w e r t handelte und der Tauschwert nur eine
zeremonielle Form wäre, die bei Ricardo ganz so verschwindet wie
das Geld als Zirkulationsmittel im Austausch. Um die wahren Ge-
setze der Ökonomie geltend zu machen, liebt
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38*) fehlerhafter Kreislauf - 39*) grober - 40*) siehe vorl.
Band, S. 245/246 - 41*) in der Handschrift: bilden
#250# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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er es daher, auch auf dies Verhältnis des Geldes als bloß formel-
len sich zu beziehn. Daher auch seine Schwäche in der eigentli-
chen Lehre vom Geld selbst.
Die exakte Entwicklung des Kapitalbegriffs nötig, da er der
Grundbegriff der modernen Ökonomie, wie das Kapital selbst, des-
sen abstraktes Gegenbild sein Begriff, die Grundlage der bürger-
lichen Gesellschaft. Aus der scharfen Auffassung der Grundvoraus-
setzung des Verhältnisses müssen sich alle Widersprüche der bür-
gerlichen Produktion ergeben, wie die Grenze, an der es über sich
selbst hinaustreibt.
{Es ist wichtig zu bemerken, daß der Reichtum als solcher, i. e.
der bürgerliche Reichtum, immer in der höchsten Potenz ausge-
drückt ist in dem Tauschwert, wo er als V e r m i t t l e r ge-
setzt, als die Vermittlung der Extreme von Tauschwert und Ge-
brauchswert selbst. Diese Mitte erscheint immer als das vollen-
dete ö k o n o m i s c h e Verhältnis, weil es die Gegensätze
zusammenfaßt, und erscheint schließlich immer als eine einseitig
höhere Potenz gegenüber den Extremen selbst; weil die Bewegung
oder das Verhältnis, das als vermittelnd zwischen den Extremen
u r s p r ü n g l i c h erscheint, dialektisch dazu notwendig
fortführt, daß es als Vermittlung mit sich selbst erscheint, als
das Subjekt, dessen Momente nur die Extreme sind, deren selbstän-
dige Voraussetzung es aufhebt, um sich durch ihre Aufhebung
selbst als das allein Selbständige zu setzen. So in der religiö-
sen Sphäre Christus der Mittler zwischen Gott und dem Menschen -
bloßes Zirkulationsinstrument zwischen beiden - wird ihre Ein-
heit, Gottmensch, und wird als solcher wichtiger denn Gott; die
Heiligen wichtiger als Christus; die Pfaffen wichtiger als die
Heiligen. Der totale ökonomische Ausdruck, selbst einseitig gegen
die Extreme, ist immer der Tauschwert, wo er als Mittelglied ge-
setzt ist; z.B. Geld in der einfachen Zirkulation; Kapital selbst
als Vermittler zwischen Produktion und Zirkulation. Innerhalb des
Kapitals selbst nimmt eine Form desselben wieder die Stellung des
Gebrauchswerts gegen die andre als Tauschwert an. So z.B. das
industrielle Kapital erscheint als Produzent gegenüber dem Kauf-
mann, der als Zirkulation erscheint. So stellt das erste die
stoffliche, der andre die Formseite, also den Reichtum als Reich-
tum dar. Zugleich ist das merkantile Kapital selbst wieder Ver-
mittler zwischen der Produktion (dem industriellen Kapital) und
der Zirkulation (dem konsumierenden Publikum) oder zwischen dem
Tauschwert und Gebrauchswert, wo abwechselnd beide Seiten, die
Produktion als Geld, die Zirkulation als Gebrauchswert (kon-
sumierendes Publikum) oder die erste als Gebrauchswert (Produkt),
die zweite als Tauschwert (Geld) gesetzt ist. Ebenso innerhalb
des Handels selbst: der Großhändler als Mittler zwischen
Fabrikant und Detaillist oder zwischen dem Fabrikant und
Agriculturist
#251# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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42*) oder verschiednen Fabrikanten, ist dieselbe höhere Mitte. So
wieder die Warenmäkler dem Großhändler gegenüber. Dann der Banker
den Industriellen und Kaufleuten gegenüber; die Aktiengesell-
schaft gegenüber der einfachen Produktion; der Financier als Ver-
mittler zwischen dem Staat und [der] bürgerlichen Gesellschaft
auf der höchsten Stufe. D e r R e i c h t u m a l s s o l-
c h e r repräsentiert sich am distinktesten und breitesten, je
weiter er von der unmittelbaren Produktion entfernt und selbst
wieder vermittelt zwischen Seiten, die, jede für sich betrachtet,
schon als ökonomische Formbeziehungen gesetzt sind. Daß das Geld
aus dem Mittel zum Zweck wird und daß die höhere Form der Ver-
mittlung überall das Kapital, die niedre selbst wieder als Ar-
beit, bloß als Quelle des Mehrwerts setzt. Z. B. der bill-broker
43*), Bankier etc. den Fabrikanten und farmers 44*) gegenüber,
die ihm gegenüber relativ gesetzt sind in der Bestimmung der Ar-
beit (des Gebrauchswerts), während er sich ihnen gegenüber setzt
als Kapital, Schöpfung von Mehrwert; in der tollsten Form im Fi-
nancier.}
K a p i t a l ist u n m i t t e l b a r e E i n h e i t von
Produkt und Geld oder besser von Produktion und Zirkulation. So
ist es wieder selbst ein U n m i t t e l b a r e s, und seine
Entwicklung besteht darin, als diese Einheit - die als bestimmtes
und daher einfaches Verhältnis gesetzt ist - sich selbst zu set-
zen und aufzuheben. Die Einheit erscheint zunächst im Kapital als
etwas E i n f a c h e s.
¦¦27¦ {Ricardos Gedankengang ist einfach der: Produkte tauschen
sich aus - also Kapital gegen Kapital - nach den Quanten verge-
genständlichter Arbeit, die in ihnen enthalten sind. Arbeitstag
tauscht sich immer aus gegen Arbeitstag. Dies ist Voraussetzung.
Der Austausch selbst kann also ganz beiseite gelassen werden. Das
Produkt - das Kapital als Produkt gesetzt - ist a n s i c h
Tauschwert, wozu der Austausch nur Form hinzufügt, bei ihm for-
melle Form. Die Frage ist nun nur, in welchen R a t e n sich
dies Produkt verteilt. Diese R a t e n, ob sie als bestimmte
Quota des vorausgesetzten Tauschwerts oder seines Inhalts, des
materiellen Reichtums betrachtet werden, dasselbe. Ja, da der
Austausch als solcher bloße Zirkulation ist - Geld als Zirkula-
tion ", so ist es besser, ganz von ihm zu abstrahieren und bloß
die Quota des materiellen Reichtums zu betrachten, die innerhalb
des Produktionsprozesses oder als Resultat desselben an die ver-
schiednen Agenten verteilt werden. In der Form des A u s-
t a u s c h s ist aller Wert etc. nur n o m i n e l l; reell
ist er in der Form der R a t e. Der ganze Austausch, soweit er
nicht größre m a t e r i e l l e Varietät schafft, ist
n o m i n e l l. Da immer ein ganzer Arbeitstag gegen einen gan-
zen Arbeitstag ausgetauscht wird, bleibt die Summe der W e r t e
dieselbe - das Wachstum der
-----
42*) Landwirt - 43*) Wechselmakler - 44*) Pächtern
#252# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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Produktivkräfte wirkt nur auf den Inhalt des Reichtums, nicht
seine Form. Vermehrung der Werte kann daher nur entstehn durch
vergrößerte Schwierigkeit der Produktion - und diese kann nur
stattfinden da, wo die Naturkraft gleichen Quantis menschlicher
Arbeit nicht mehr gleichen Dienst leistet, also die Fruchtbarkeit
der natürlichen Elemente abnimmt - in der Agrikultur. Das Fallen
der Profite wird daher verursacht durch die Rente. Erstens die
falsche Voraussetzung, daß immer ein g a n z e r
A r b e i t s t a g in allen Zuständen der Gesellschaft gearbei-
tet wird; etc. etc. (sieh oben 45*)).}
Wir haben gesehn 46*): Der Arbeiter braucht nur einen halben Ar-
beitstag z. B. zu arbeiten, um einen ganzen zu leben; und daher
den andren Tag denselben Prozeß wieder anfangen zu können. In
seiner Arbeitsfähigkeit - soweit sie in ihm als L e b e n-
d i g e m existiert, oder in ihm als l e b e n d i g e m Ar-
beitsinstrument, ist vergegenständlicht nur ein halber Arbeits-
tag. Der ganze lebendige Tag (Lebenstag) des Arbeiters ist das
ruhende Result, die Vergegenständlichung eines halben Tags
Arbeit. Der Kapitalist, indem er durch den Austausch gegen die im
Arbeiter vergegenständlichte Arbeit - d.h. gegen einen halben Tag
Arbeit den ganzen Arbeitstag sich aneignet, und dann im
Produktionsprozeß an dem Stoff, woraus sein Kapital besteht,
konsumiert, schafft so den Mehrwert seines Kapitals - im
vorausgesetzten Fall einen halben Tag vergegenständlichte Arbeit.
Gesetzt, die Produktivkräfte der Arbeit verdoppeln sich nun, d.h.
in derselben Zeit liefere dieselbe Arbeit den doppelten
G e b r a u c h s w e r t. (Als Gebrauchswert ist in dem
jetzigen Verhältnis einstweilen nur noch bestimmt, was der Arbei-
ter konsumiert, um sich am Leben als Arbeiter zu erhalten; das
Quantum Lebensmittel, wogegen er durch die Vermittlung des Geldes
die in seiner lebendigen Arbeitsfähigkeit vergegenständlichte Ar-
beit austauscht.) Der Arbeiter würde dann nur 1/4 Tag zu arbeiten
haben, um einen ganzen zu leben; der Kapitalist braucht dann nur
noch 1/4 Tag vergegenständlichte Arbeit im Austausch dem Arbeiter
zu geben, um vermittelst des Produktionsprozesses seinen Mehrwert
von 1/2 auf 3/4 zu vermehren; indem er statt 1/2 Tags vergegen-
ständlichte Arbeit 3/4 Tag vergegenständlichte Arbeit gewänne.
Der Wert des Kapitals, wie es aus dem Produktionsprozeß heraus-
kommt, wäre um 3/4 statt um 2/4 gestiegen. Der Kapitalist
brauchte also nur mehr 3/4 Tage arbeiten zu lassen, um denselben
Mehrwert - den von 1/2 oder 2/4 vergegenständlichter Arbeit dem
Kapital zuzufügen. Das Kapital aber als die allgemeine Form des
Reichtums - das Geld - repräsentierend, ist der schranken- und
maßlose Trieb, über seine Schranke hinauszugehn. Jede Grenze ist
und muß Schranke für es sein. Es hörte sonst auf, Kapital - das
-----
45*) Siehe vorl. Band, S. 245 - 46*) siehe vorl. Band, S. 343-245
#253# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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Geld als sich selbst produzierend zu sein. Sobald es eine be-
stimmte Grenze nicht mehr als Schranke fühlte, sondern als Grenze
sich in ihr wohl fühlte, wäre es selbst von Tauschwert zu Ge-
brauchswert, von der allgemeinen Form des Reichtums zu einem be-
stimmten substantiellen Bestehn desselben herabgesunken. Das Ka-
pital als solches schafft einen bestimmten Mehrwert, weil es kei-
nen unendlichen at once 47*) setzen kann; aber es ist die bestän-
dige Bewegung, mehr davon zu schaffen. Die quantitative Grenze
des Mehrwerts erscheint ihm nur als Naturschranke, als Notwendig-
keit, die es beständig zu überwältigen und über die es beständig
hinauszugehn sucht.
{Die Schranke erscheint als ein Zufall, der überwältigt werden
muß. Selbst in der oberflächlichsten Anschauung tritt dies her-
vor. Wenn das Kapital von 100 auf 1000 wächst, so ist nun 1000
der Ausgangspunkt, von dem die Vermehrung vor sich gehn muß; die
Verzehnfachung um 1000% zählt für nichts; Profit und Zins wird
selbst wieder Kapital. Was a l s M e h r w e r t e r-
s c h i e n, e r s c h e i n t n u n a l s e i n f a c h e
V o r a u s s e t z u n g e t c., als in s e i n e i n f a-
c h e s B e s t e h n s e l b s t aufgenommen.}
Der Kapitalist wird also (ganz abgesehn von den später hinzukom-
menden Bestimmungen, Konkurrenz, Preisen etc.) den Arbeiter nicht
nur 3/4 Tag arbeiten lassen, weil die 3/4 Tag ihm d e n s e l-
b e n M e h r w e r t verschaffen wie vorher der ganze Tag,
sondern er wird ihn den ganzen Tag arbeiten lassen; und die
Vermehrung der Produktivkraft, die den Arbeiter befähigt, mit 3/4
Arbeitstag den ganzen Tag zu leben, drückt sich nun einfach darin
aus, daß er nun 3/4 Tag ¦¦28¦ für das Kapital arbeiten muß,
während er früher nur 2/4 Tag für es arbeitete. Die vergrößerte
Produktivkraft seiner Arbeit, soweit sie Abkürzung der Zeit für
die Ersetzung der in ihm vergegenständlichten Arbeit (für den
Gebrauchswert, die Subsistenz), erscheint als Verlängerung seiner
Arbeitszeit für die Verwertung des Kapitals (für den Tauschwert).
Vom Standpunkt des Arbeiters betrachtet, muß er nun eine Surplus-
arbeit von 3/4 Tag tun, um einen Tag zu leben, während er früher
nur eine Surplusarbeit von 2/4 Tag tun mußte. Durch die Vermeh-
rung der Produktivkraft, die Verdopplung derselben, hat sich
seine Surplusarbeit vermehrt um 1/4 [Tag], Eins hier zu bemerken:
Die Produktivkraft hat sich verdoppelt, die Surplusarbeit für den
Arbeiter hat sich nicht verdoppelt, sondern ist nur um 1/4 [Tag]
gewachsen; ebensowenig hat sich der Surpluswert des Kapitals ver-
doppelt, sondern ist auch nur um 1/4 [Tag] gewachsen 48*). Es
zeigt sich also, daß nicht in demselben numerischen Verhältnis,
worin die Produktivkraft wächst, die Surplusarbeit (vom Stand-
punkt
-----
47*) sofort - 48*) in der Handschrift: gefallen
#254# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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des Arbeiters aus) oder der Surpluswert (vom Standpunkt des Kapi-
tals aus) wächst. Woher dies? Die Verdopplung der Produktivkraft
ist die Reduktion der notwendigen Arbeit [158] (für den Arbeiter)
um 1/4 [Tag], also auch die Produktion des Surpluswerts um 1/4
[Tag größer], weil das ursprüngliche Verhältnis gesetzt war wie
1/2. Hätte der Arbeiter ursprünglich 2/3 Tag arbeiten müssen, um
einen Tag zu leben, so wäre der Surpluswert 1/3 gewesen, ebenso
wie die Surplusarbeit. Die Verdopplung der Produktivkraft der Ar-
beit hätte also den Arbeiter befähigt, seine Arbeit für das Not-
wendige zu beschränken auf die Hälfte von 2/3 oder 2/(3 x 2), 2/6
oder 1/3 Tag, und der Kapitalist würde 1/3 [Tag] Wert gewonnen
haben. Die gesamte Surplusarbeit aber würde 2/3 [Tag] geworden
sein. Die Verdopplung der Produktivkraft, die im ersten Beispiel
in 1/4 [Tag] Surpluswert und -arbeit resultierte, resultierte
jetzt in '/3 [Tag] Surpluswert oder -arbeit.
Der Multiplikator der Produktivkraft - die Zahl, womit sie multi-
pliziert wird "ist also nicht der Multiplikator der Surplusarbeit
oder des Surpluswerts, sondern war das ursprüngliche Verhältnis
der im Arbeitspreis vergegenständlichten Arbeit 1/2 der in 1 Ar-
beitstag, der immer als Grenze erscheint (die Herrn Fabrikanten
haben ihn allerdings auch in die Nacht verlängert, Z e h n-
s t u n d e n b i l l [130]. Sieh den Bericht von Leonhard
Horner.) (Der Arbeitstag selbst hat keine Grenze am natürlichen
Tag; er kann t i e f i n d i e N a c h t 49*) verlängert
werden; dies gehört in das Kapitel vom Arbeits l o h n),
vergegenständlichten Arbeit, so ist die Verdopplung gleich der
Division von 1/2 (dem ursprünglichen 50*) Verhältnis) durch 2
oder 1/4. War das ursprüngliche Verhältnis 2/3, so ist die Ver-
doppelung gleich der Division von 2/3 durch 2 51*) = 2/6 oder
1/3. Der Multiplikator der Produktivkraft ist also immer nicht
der Multiplikator, sondern der Divisor des ursprünglichen Ver-
hältnisses, nicht der Multiplikator seines Zählers, sondern sei-
nes Nenners. Wäre er das erstere 52*), so entspräche der Multi-
plikation der Produktivkraft die Multiplikation des Surpluswerts.
Aber der Surpluswert 53*) ist immer gleich einer Division des ur-
sprünglichen Verhältnisses durch den Multiplikator der Produktiv-
kraft. Wenn das ursprüngliche Verhältnis 8/9 war, d. h. der Ar-
beiter 8/9 Arbeitstag braucht, um zu leben, also das Kapital im
Austausch gegen die lebendige Arbeit nur 1/9 gewinnt, die Sur-
plusarbeit gleich 1/9, so wird der Arbeiter nun mit der Hälfte
von 8/9 Arbeitstag leben können, i.e., mit 8/18 = 4/9 (ob wir den
Zähler dividieren oder den Nenner multiplizieren dasselbe), und
der Kapitalist, der nun den ganzen Tag
-----
49*) In der Handschrift: Arbeit - 50*) in der Handschrift: (durch
das ursprüngliche - 51*) in der Handschrift: durch 3 - 52*) in
der Handschrift: letztre - 53*) sollte eigentlich heißen: das
Wachstum des Surpluswerts
#255# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
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arbeiten läßt, hätte einen ganzen Surpluswert von 5/9 54*) Ar-
beitstag; davon abgezogen den ursprünglichen Surpluswert von 1/9,
läßt 4/9 55*). Die Verdopplung der Produktivkraft hier also =
Wachstum des Surpluswerts oder [der] Surpluszeit um 4/9 56*).
Dies kommt einfach daher, daß der Surpluswert immer gleich ist
dem Verhältnis des ganzen Arbeitstags zu dem Teil des Arbeits-
tags, der nötig, um den Arbeiter am Leben zu erhalten. Die Ein-
heit, wonach sich der Surpluswert berechnet, ist immer ein Bruch,
i.e. der bestimmte Teil eines Tags, der exakt den Arbeitspreis
repräsentiert. Ist dieser = 1/2, so ist die Vermehrung 57*) der
¦¦29¦ Produktivkraft = der Reduzierung der notwendigen Arbeit auf
1/4; ist sie = 1/3, so Verminderung der notwendigen Arbeit auf
1/6; also im ersten [Fall] der totale Surpluswert = 3/4; im zwei-
ten = 5/6,; der relative Surpluswert [159], d.h. der im Verhält-
nis zu dem früher vorhandnen, im ersten Fall = 74, im zweiten
gleich 1/6 58*).
Der Wert des Kapitals wächst also nicht im selben Verhältnis,
worin die Produktivkraft sich vermehrt, sondern im Verhältnis,
worin die Vermehrung der Produktivkraft, der Multiplikator der
Produktivkraft, den Bruchteil des Arbeitstags, der seinen dem Ar-
beiter angehörigen Teil ausdrückt, dividiert. Um wieviel die Pro-
duktivkraft der Arbeit den Wert des Kapitals vermehrt, hängt also
von dem ursprünglichen Verhältnis ab, worin der Anteil der im Ar-
beiter vergegenständlichten Arbeit zu seiner lebendigen Arbeit
steht. Dieser Anteil drückt sich immer aus als ein Bruchteil des
ganzen Arbeitstags, 1/3, 2/3, etc. Die Vermehrung der Produktiv-
kraft, d.h. ihre Multiplikation durch eine gewisse Anzahl, ist
gleich einer Division des Zählers oder der Multiplikation des
Nenners dieses Bruchteils durch dieselbe Anzahl. Wie groß oder
klein also die Vermehrung des Werts ist, hängt nicht nur von der
Zahl ab, die die Vervielfältigung der Produktivkraft ausdrückt,
sondern ebensosehr von dem vorher gegebnen Verhältnis, das den
59*) dem Arbeitspreis gehörigen Teil des Arbeitstags ausmacht.
Ist dieses Verhältnis 73, so ist die Verdopplung der Produktiv-
kraft des Arbeitstages = einer Reduktion desselben auf 1 ist sie
2/3, so Reduktion desselben auf 2/6. Die vergegenständlichte Ar-
beit, die im Arbeitspreis enthalten ist, ist immer gleich einem
Bruchteil des ganzen Tags; immer, arithmetisch ausgedrückt, ein
Bruch; stets ein Zahlenverhältnis, nie eine einfache Zahl. Wenn
die Produktivkraft sich verdoppelt, mit 2 multipliziert, so
braucht der Arbeiter nur noch 1/2 der früheren Zeit zu arbeiten,
um den Arbeitspreis herauszuschlagen; aber es hängt von dem er-
sten gegebnen Verhältnis ab, nämlich von der Zeit, die er vor der
Vermehrung der Produktivkraft
-----
54*) In der Handschrift: 4/9 - 55*) in der Handschrift: 3/9 oder
1/3 - 56*) in der Handschrift: 1/3 - 57*) sollte eigentlich hei-
ßen: Verdoppelung - 58*) in der Handschrift: 2/6 oder 1/3 -
59*) in der Handschrift: das das
#256# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
so brauchte, wieviel Arbeitszeit er nun noch zu diesem Behuf
braucht. Der Multiplikator der Produktivkraft ist der Divisor
dieses ursprünglichen Bruchteils. Der [surplus] Wert oder die
Surplusarbeit wächst daher nicht in demselben numerischen Ver-
hältnis wie die Produktivkraft. Ist das ursprüngliche Verhältnis
1/2 und die Produktivkraft verdoppelt, so reduziert sich die
n o t w e n d i g e (für den Arbeiter) Arbeitszeit auf 1/4, und
der Surpluswert wächst nur um 1/4. Ist die Produktivkraft ver-
vierfacht, so wird das ursprüngliche Verhältnis 1/8, und der
[surplus] Wert wächst nur um 3/8 60*). Der [surplus] Wert kann
nie gleich dem ganzen Arbeitstag sein; d.h., ein bestimmter Teil
des Arbeitstags muß stets gegen die in dem Arbeiter vergegen-
ständlichte Arbeit ausgetauscht werden. Der Mehrwert ist über-
haupt nur Verhältnis der lebendigen Arbeit zu der im Arbeiter
vergegenständlichten; d a s e i n e G l i e d d e s
V e r h ä l t n i s s e s m u ß d a h e r i m m e r
b l e i b e n. Schon dadurch, daß das Verhältnis konstant ist
als Verhältnis, obgleich seine Faktoren wechseln, ist ein be-
stimmtes Verhältnis zwischen Vermehrung der Produktivkraft und
Vermehrung des Werts gegeben. Einerseits sehn wir daher, daß der
relative Surpluswert exakt gleich ist der relativen Surplusar-
beit: war der [notwendige] Arbeitstag 1/2 und verdoppelt sich die
Produktivkraft, so reduziert sich der dem Arbeiter gehörige An-
teil, die n o t w e n d i g e A r b e i t, auf 1/4, und der
neu hinzukommende Wert ist auch exakt 1/4; aber der To-
tal[surplus]wert ist nun 3/4. Während der Surpluswert um 1/4 ge-
stiegen ist, also im Verhältnis von 1:4, ist der Totalsurpluswert
= 3/4 = 3:4.
Nehmen wir nun an, V4 sei der n o t w e n d i g e ursprüngliche
Arbeitstag gewesen, und Verdopplung der Produktivkraft fände
statt, so wird die notwendige Arbeit reduziert auf 1/8, und die
[vermehrte] Surplusarbeit oder [der vermehrte surplus] Wert exakt
= 1/8 = 1:8. Dagegen ist der Totalsurpluswert = 7:8. Im ersten
Beispiel war der ursprüngliche Totalsurpluswert =1:2 (1/2) und
stieg nun auf 3:4; im zweiten Fall war der ursprüngliche Total-
surpluswert 3/4 und ist nun gestiegen auf 7:8 (7/8). Im ersten
Fall ist er gewachsen von 1/2 oder 2/4 auf 3/4; im zweiten von
3/4 oder 6/8 auf 7/8; im ersten Fall um 1/4, im zweiten um 1/8;
d.h., im ersten Fall ist er doppelt so hoch gestiegen, wie im
zweiten; ¦¦30¦ abelr im ersten Fall ist der Totalsurpluswert nur
3/4 "oder 6/8, während er im zweiten 7/8 ist, also 1/8 mehr.
Gesetzt, die n o t w e n d i g e A r b e i t 1/16, so der to-
tale Surpluswert = 15/16; der im vorigen Verhältnis [160] 6/8 =
12/16 61*) war; also der totale Surpluswert, der vorausgesetzt,
ist höher um 3/16 62*) als im vorigen Fall. Gesetzt nun, die
Produktivkraft verdopple sich, so die notwendige Arbeit = 1/32;
die früher = 2/32 (1/16) war; also ist die Surpluszeit um 1/32
gestiegen, also auch der Surpluswert.
-----
60*) In der Handschrift: 1/8 - 61*) in der Handschrift: 5/8 =
10/16 - 62*)in der Handschrift: 5/16
#257# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
-----
Betrachten wir den totalen Surpluswert, der 15/]6 oder 30/32 war,
so ist er jetzt 31/32. Verglichen mit dem frühern Verhältnis (wo
die n o t w e n d i g e Arbeit 1/4 war oder 8/32), ist der To-
talsurpluswert jetzt 31/32, während er früher nur 28/32 63*)
war, also um 3/32 64*) gewachsen. Aber relativ betrachtet, ver-
mehrte er sich im ersten Fall durch die Verdopplung der Produk-
tion um 1/8 oder 4/32, während er sich jetzt nur vermehrt hat um
1/32, also um 3/32 weniger.
Wäre die n o t w e n d i g e A r b e i t schon reduziert auf
1/1000, so wäre der Total Surpluswert = 999/1000. Vertausend-
fachte sich nun die Produktivkraft, so fiele die
n o t w e n d i g e A r b e i t auf 1/1 000 000 Arbeitstag und
der Totalsurpluswert betrüge 999 999/1 000 000 eines Arbeitstags;
während er vor dieser Vermehrung der Produktivkraft nur 999/1000
oder 999 000/1 000 000 betrug; er wäre also gewachsen um
999/1 000 000 = 1/1001 65*)
1
(dazu noch ------------), 66*) d.h., das Totalsurplus wäre
1001 + 1/999
mit der Vertausendfachung der Produktivkraft noch nicht um 1/1001
67*) gestiegen, d.h. noch nicht um 3/3003 68*), während es im
vorigen Fall durch bloße Verdopplung der Produktivkraft um 1/32
stieg. Fällt die notwendige Arbeit von 1/1000 auf 1/1 000 000, so
fällt sie exakt um 999/1 000 000 (denn 1/1000 = 1000/1 000 000),
d.h. um den Surpluswert 69*).
Resümieren wir dies, so finden wir:
E r s t e n s: Die Vermehrung der Produktivkraft der lebendigen
Arbeit vermehrt den W e r t des Kapitals (oder vermindert den
Wert des Arbeiters) nicht dadurch, daß sie das Quantum der mit
derselben Arbeit geschaffnen Produkte oder Gebrauchswerte ver-
mehrt - Produktivkraft der Arbeit ist ihre Naturkraft ", sondern
weil sie die n o t w e n d i g e Arbeit vermindert, also in
demselben Verhältnis, worin sie diese vermindert, S u r p l u s-
a r b e i t oder, was dasselbe ist, Surpluswert schafft; weil
der Mehrwert des Kapitals, den es durch den Produktionsprozeß
erlangt, überhaupt nur in dem Überschuß der Surplusarbeit über
die n o t w e n d i g e A r b e i t besteht. Die Vermehrung
der Produktivkraft kann die Surplusarbeit nur vermehren - d.h.
den Überschuß der im Kapital als Produkt vergegenständlichten
Arbeit über die in dem Tauschwert des Arbeitstags vergegen-
ständlichte Arbeit, soweit sie das Verhältnis der n o t -
w e n d i g e n A r b e i t zur S u r p l u s a r b e i t
vermindert, und nur in dem Verhältnis, worin sie dies Verhältnis
vermindert. Der Surpluswert ist exakt gleich der Surplusarbeit;
die Vermehrung des einen exakt gemessen durch die Verminderung
der n o t w e n d i g e n A r b e i t.
-----
63) In der Handschrift: 20/32 - 64*) in der Handschrift: 11/32 -
65*) in der Handschrift: 1/11 - 66*) in der Handschrift:
1
(dazu noch ----------)
11 + 1/999
67*) in der Handschrift: 1/11 - 68*) in der Handschrift: 3/33 -
69*) sollte eigentlich heißen: um den Zuwachs des Surpluswerts
#258# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
Z w e i t e n s. Der Mehrwert des Kapitals vermehrt sich nicht
wie der Multiplikator der Produktivkraft, d. h. die Anzahl, worin
die Produktivkraft (als Einheit, als Multiplikand gesetzt) sich
vermehrt; sondern um das Surplus des Bruchteils des lebendigen
Arbeitstags, der ursprünglich die notwendige Arbeit darstellt,
über diesen selben Bruchteil, dividiert durch den Multiplikator
der Produktivkraft. Also, wenn die n o t w e n d i g e
A r b e i t = 1/4 des lebendigen Arbeitstags und die Produktiv-
kraft sich verdoppelt, so wächst der Wert des Kapitals nicht um
das Doppelte, sondern ¦¦31¦ um 1/8; welches gleich ist 1/4 oder
2/8 (der ursprüngliche Bruchteil des Arbeitstags, der die notwen-
dige Arbeit darstellt) - 1/4 dividiert durch 2 oder = 2/8 - 1/8 =
1/8- (Der Wert verdoppelt sich, kann auch ausgedrückt werden, er
4/2 oder 16/8 sich. Wäre also im obigen Beispiel die Produktiv-
kraft um 10/8 gewachsen, so der Profit nur um 1/8. Sein Wachsen
verhielte sich zu dem der Produktivkraft = 1:16. [161] (That is
it! 70*)) War der Bruchteil 1/1000 und wächst die Produktivkraft
um das Tausendfache, so wächst der Wert des Kapitals nicht um das
Tausendfache, sondern noch nicht um 1/1001 71*); er wächst um
1/1000 - 1/1 000 000, d.h. um 1000/1 000 000 - 1/1 000 000 =
999/1 000 000.)
Also hängt die a b s o l u t e S u m m e, worin das Kapital
seinen Wert durch eine bestimmte Vermehrung der Produktivkraft
vermehrt, ab von dem g e g e b n e n B r u c h t e i l des Ar-
beitstags, von dem aliquoten 72*) Teil des Arbeitstags ab, der
die n o t w e n d i g e Arbeit darstellt und der also das ur-
sprüngliche Verhältnis der notwendigen Arbeit zum lebendigen Ar-
beitstag ausdrückt. Die Vermehrung der Produktivkraft in einem
bestimmten Verhältnis kann also den Wert des Kapitals in den
v e r s c h i e d n e n L ä n d e r n z.B. verschieden vermeh-
ren. Eine allgemeine Vermehrung der Produktivkraft im selben Ver-
hältnis kann den Wert des Kapitals in den verschiednen Industrie-
zweigen verschieden vermehren und wird dies tun, je nach dem ver-
schiednen Verhältnis in diesen Zweigen der n o t w e n d i g e n
A r b e i t zum lebendigen Arbeitstag. Dies Verhältnis wäre na-
türlich in einem System der freien Konkurrenz dasselbe in allen
Geschäftszweigen, wenn die Arbeit überall einfache Arbeit wäre,
also die n o t w e n d i g e A r b e i t dieselbe. (Dieselben
Quanten vergegenständlichter Arbeit darstellte.)
D r i t t e n s: Je größer der Surpluswert des Kapitals v o r
d e r V e r m e h r u n g d e r P r o d u k t i v k r a f t,
je größer das Quantum der vorausgesetzten Surplusarbeit oder Sur-
pluswerts des Kapitals oder je kleiner bereits der Bruchteil des
Arbeitstags, der das Äquivalent des Arbeiters bildet, die notwen-
dige Arbeit ausdrückt, desto geringer ist das Wachstum des Sur-
pluswerts, das das Kapital von der Vermehrung der Produktivkraft
erhält. Sein Surpluswert steigt, aber in immer geringrem Verhält-
nis zur Entwicklung der Produktivkraft. Je entwickelter also
-----
70*) So ist das! - 71*) in der Handschrift: 1/11 - 72*) ohne Rest
aufgehenden
#259# Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß
-----
schon das Kapital, je mehr Surplusarbeit es geschaffen hat, um so
furchtbarer muß es die Produktivkraft entwickeln, um sich nur in
geringem Verhältnis verwerten, d. h. Mehrwert zuzufügen - weil
seine Schranke immer bleibt das Verhältnis zwischen dem Bruchteil
des Tages, der die n o t w e n d i g e A r b e i t ausdrückt,
und dem ganzen Arbeitstag. Innerhalb dieser Grenzen kann es sich
allein bewegen. Je kleiner schon der Bruchteil, der auf die
n o t w e n d i g e Arbeit fällt, je größer die S u r p l u s-
a r b e i t, desto weniger kann irgendeine Vermehrung der Pro-
duktivkraft die notwendige Arbeit sensibly 73*) vermindern; da
der Nenner enorm gewachsen ist. Die Selbstverwertung des Kapitals
wird schwieriger im Maße, wie es schon verwertet ist. Die
Vermehrung der Produktivkräfte würde dem Kapital gleichgültig;
die Verwertung selbst, weil ihre Proportionen minim 74*) geworden
sind; und es hätte aufgehört, Kapital zu sein. Wäre die
notwendige Arbeit 1/1000 und verdreifachte sich die Produktiv-
kraft, so würde sie nur fallen [auf] 1/3000 oder die Surplusar-
beit wäre nur gewachsen um 2/3000. Es geschieht dies aber nicht,
weil der Arbeitslohn gewachsen oder der Anteil der Arbeit am Pro-
dukt, sondern weil er s c h o n so tief gefallen ist, betrach-
tet im Verhältnis zum Produkt der Arbeit oder zum lebendigen
Arbeitstag.
{Die im Arbeiter vergegenständlichte Arbeit zeigt sich hier
selbst als Bruchteil s e i n e s e i g n e n l e b e n d i-
g e n A r b e i t s t a g s; denn das ist dasselbe, als worin
die vergegenständlichte Arbeit, die er vom Kapital als Lohn
erhält, zum ganzen Arbeitstag steht.}
(Alle diese Sätze nur richtig in dieser Abstraktion für das Ver-
hältnis auf dem jetzigen Standpunkt. Es werden weitre Beziehungen
hineinkommen, die sie bedeutend modifizieren. Das Ganze, soweit
es sich nicht ganz im allgemeinen [darstellt], g e h ö r t
ü b e r h a u p t s c h o n i n d i e L e h r e v o m
P r o f i t.)
Soviel zunächst im allgemeinen: Die Entwicklung der Produktiv-
kraft der Arbeit - erst das Setzen der Surplusarbeit - ist not-
wendige Bedingung für das Wachstum des Werts oder die Verwertung
des Kapitals. Als unendlicher Trieb der Bereicherung strebt es
also nach unendlicher Vermehrung der Produktivkräfte der Arbeit
und ruft sie ins Leben. Aber andrerseits, jede Vermehrung der
Produktivkraft der Arbeit - abgesehn davon, daß sie die Ge-
brauchswerte für den Kapitalisten vermehrt - ist Vermehrung der
Produktivkraft des Kapitals und ist, vom jetzigen Standpunkt aus,
nur Produktivkraft der Arbeit, insofern sie Produktivkraft des
Kapitals ist.
#260# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
[Absoluter und relativer Mehrwert]
¦¦32¦ Soviel ist jetzt schon klar, kann wenigstens vorweg ange-
deutet werden: Die Vermehrung der Produktivkraft vermehrt an und
für sich nicht die Preise. Z.B. der Bushel Weizen. Vergegenständ-
lichte sich ein halber Arbeitstag in einem Bushel Weizen und war
dies der Preis des Arbeiters, so kann die Surplusarbeit nur 1
1*) Bushel Weizen produzieren. 2 Bushel Weizen also der Wert ei-
nes Arbeitstags und, wenn das in Geld = 26 sh, = 26 sh. Der
Bushel = 13 sh. Verdoppelt sich nun die Produktivkraft, so der
Bushel Weizen nur mehr = 1/4 Arbeitstag; = 6 1/2 sh. Der Preis
dieses fraktionellen Teils der Ware durch die Produktivkraft ge-
fallen. Aber der Gesamtpreis geblieben 2*); aber nun Surplus von
3/4 Arbeitstag. Jedes Viertel = 1 Bushel Weizen = 6 1/2 sh. Also
das Gesamtprodukt = 26 sh = 4 Bushels. Soviel wie früher. Der
Wert des Kapitals sich vermehrt von 13 auf 18 3/2 sh. Der Wert
der Arbeit vermindert von 13 auf 6 1/2; die materielle Produktion
gestiegen von 2 Bushel auf 4. Jetzt 18 3/2. Verdoppelte sich auch
die Produktivkraft im Goldproduzieren, so daß, wenn 13 sh früher
das Produkt eines halben Arbeitstags und ein halber Arbeitstag
die n o t w e n d i g e A r b e i t; jetzt von 1/4, so produ-
ziert 52 sh oder 52-13 oder 39 sh 3*) mehr. 1 Bushel Weizen jetzt
= 13 sh; nach wie vor derselbe fraktionelle Preis; aber das Ge-
samtprodukt = 52 sh; früher nur = 26 sh. Andrerseits kauften aber
die 52 sh jetzt 4 Bushel, während die 26 früher nur 2 kauften.
Well. D'abord 4*) ist klar, wenn das Kapital bereits die Surplus-
arbeit so weit gesteigert hat, daß der ganze lebendige Arbeitstag
konsumiert wird im Produktionsprozeß (und wir nehmen hier den Ar-
beitstag als das natürliche Quantum der Arbeitszeit an, das der
Arbeiter zur Disposition stellen kann; er stellt seine Arbeitsfä-
higkeit immer nur für eine b e s t i m m t e Z e i t, d.h.
b e s t i m m t e A r b e i t s z e i t zur Disposition), so
kann die Vermehrung der Produktivkraft die Arbeitszeit nicht ver-
mehren, also auch nicht die vergegenständlichte Arbeitszeit. Ein
Arbeitstag ist vergegenständlicht im Produkt, whether the neces-
sary time of labour be represented by 6 or 3 hours, by 1/2 or 1/4
des Arbeitstags 5*). Der Mehrwert des Kapitals ist gewachsen;
d.h. sein Wert im Verhältnis ztim Arbeiter - denn wenn er früher
nur = 2/4, ist er jetzt = 3/4 vergegenständlichte Arbeitszeit;
aber sein Wert ist gewachsen nicht weil das a b s o l u t e,
sondern das r e l a t i v e A r b e i t s q u a n t u m ge-
wachsen; d.h. nicht das Totalquantum der Arbeit
-----
1*) In der Handschrift: 2 - 2*) in der Handschrift: gestiegen -
3*) in der Handschrift: 12 oder 40 sh - 4*) Gut. Zunächst 5*) ob
die notwendige Arbeitszeit von sechs oder drei Stunden, von 1/2
oder 1/4 des Arbeitstages repräsentiert wird
#261# Absoluter und relativer Mehrwert
-----
ist gewachsen; es wird nach wie vor einen Tag gearbeitet; also
kein absoluter Zuwachs von Surpluszeit (Surplusarbeitszeit); son-
dern das Q u a n t u m d e r n o t w e n d i g e n A r-
b e i t h a t s i c h v e r m i n d e r t, und dadurch hat
sich die relative Surplusarbeit vermehrt. Der Arbeiter arbeitete
in fact früher den ganzen Tag, aber nur 1/2 Tag Surpluszeit; er
arbeitet nach wie vor den ganzen Tag, aber 3/4 Arbeitstag Sur-
pluszeit. Insofern hat sich also der Preis (den Gold- und Silber-
wert als denselben vorausgesetzt) oder der Tauschwert des Kapi-
tals durch die Verdoppelung der Produktivkraft nicht vermehrt.
Dies betrifft also d i e R a t e d e s P r o f i t s, nicht
den Preis des Produkts oder den Wert des Kapitals, das im Produkt
wieder zu Ware geworden ist. In fact aber vermehren sich auch die
absoluten Werte in dieser Weise, weil sich der Teil des Reichtums
vermehrt, der als Kapital gesetzt - als selbstverwertender Wert.
(A k k u m u l a t i o n d e r K a p i t a l i e n.) Nehme
an, unser früheres Beispiel 6*). K a p i t a l sei = 100 Ta-
lern, und zwar zerfalle es im Produktionsprozeß in folgende
Teile: 50 Taler Baumwolle, 40 Taler Arbeitslohn, 10 Taler Instru-
ment. Nimm zugleich an, um die Rechnung zu vereinfachen, das
ganze Arbeitsinstrument werde aufgezehrt in einem Produktionsakt
(und dies hier noch ganz gleichgültig), sein Wert erschiene also
ganz in der Form des Produkts wieder. In diesem Fall setze, die
Arbeit würde im Austausch gegen die 40 Taler, die die in ihrem
lebendigen Arbeitsvermögen vergegenständlichte Arbeitszeit
ausdrücken, sage eine Arbeitszeit von 4 Stunden, geben dem
Kapital 8 Stunden. Das Instrument und Rohmaterial vorausgesetzt,
würde das Gesamtprodukt betragen 100 Taler, wenn der Arbeiter nur
4 Stunden arbeitet, d.h., wenn ihm das Rohmaterial und das In-
strument gehörte und er nur 4 Stunden arbeitete. Er würde die 60
Taler um 40 vermehren, die er verzehren könnte, da er erstens die
60 Taler - das zur Produktion nötige Rohmaterial und Instrument
ersetzt und ihnen einen Mehrwert von 40 Talern hinzugefügt, als
Reproduktion seines eignen lebendigen Arbeitsvermögens oder der
in ihm 7*) vergegenständlichten Zeit. Er könnte die Arbeit immer
wieder von neuem beginnen, da er im Produktionsprozeß sowohl den
¦¦33¦ Wert des Rohmaterials als des Instruments als des
Arbeitsvermögens reproduziert hatte, und zwar des letztren
dadurch, daß er beständig den Wert der erstren um 4 Stunden
vergegenständlichte Arbeit vermehrt. Nun aber erhielte er die 40
Taler Arbeitslohn nur mehr, indem er 8 Stunden arbeitet, also dem
Arbeitsmaterial und Instrument, die ihm jetzt als Kapital gegen-
überstehn, einen Mehrwert von 80 Talern gegeben; während der er-
ste Mehrwert von 40 Talern, den er ihnen gab, exakt nur der Wert
seiner Arbeit. Er würde so hinzufügen einen Mehrwert exakt = der
Surplusarbeit oder Surpluszeit.
-----
6*) Siehe vorl. Band, S. 233-237 - 7*) in der Handschrift: ihr
#262# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
{Es ist durchaus für den Punkt, wo wir hier stehn, noch nicht nö-
tig anzunehmen, daß mit der Surplusarbeit oder Surpluszeit sich
auch das Material und Instrument vermehren muß. Wie die bloße
Surplusarbeit den Rohstoff vermehrt, sieh Babbage, z. B. Gold-
drahtarbeiten etc. [162]}
Der Wert des Kapitals wäre also von 100 Talern auf 140 vermehrt.
{Nimm noch an, das Rohmaterial verdopple sich und das Arbeitsin-
strument wachse (der einfachen Rechnung wegen) [in demselben Ver-
hältnis]. So würden die Auslagen des Kapitals jetzt betragen 100
Taler Baumwolle, 20 Taler Instrument, also 120 Taler, und für die
Arbeit nach wie vor 40 Taler; altogether 8*) 160 Taler. Vermehrt
die Surplusarbeit von 4 Stunden 100 Taler um 40%, so vermehrt sie
160 Taler um 64 Taler. Also das Gesamtprodukt = 224 Taler. Hier
ist vorausgesetzt, daß die Rate des Profits mit der Größe des Ka-
pitals dieselbe bleibt, und Arbeitsmaterial und -instrument sind
nicht selbst schon betrachtet als Realisierungen von Surplusar-
beit, Kapitalisierung von Surplusarbeit; wie wir gesehn 9*), je
größer die schon gesetzte Surpluszeit, d.h. die Größe des Kapi-
tals als solchen, desto mehr vorausgesetzt, daß a b s o l u t e
V e r m e h r u n g d e r A r b e i t s z e i t unmöglich und
relative durch Vermehrung der Produktivkraft in geometrischer
Proportion declining 10*).
Das Kapital nun, als einfacher Tauschwert betrachtet, wäre abso-
lut größer, 140 Taler statt 100; aber in fact wäre nur ein neuer
Wert geschaffen, d.h. ein Wert, der nicht bloß nötig ist, um die
60 Taler Vorlagen für das Arbeitsmaterial und Instrument und 40
Taler für die Arbeit zu ersetzen, ein neuer Wert von 40 Talern.
Um 40 Taler wären die in Zirkulation befindlichen Werte vermehrt,
um 40 Taler mehr vergegenständlichte Arbeitszeit.
Setze nun dieselbe Voraussetzung. 100 Taler Kapital; nämlich 50
für Baumwolle, 40 Taler für Arbeit, 10 für Produktionsinstrument;
die Surplusarbeitszeit bleibe dieselbe wie im vorigen Fall, näm-
lich 4 Stunden und die gesamte Arbeitszeit 8 Stunden. So das Pro-
dukt in allen Fällen nur = 8 Stunden Arbeitszeit = 140 Taler. Ge-
setzt nun, die Produktivkraft der Arbeit verdopple sich; d.h. 2
Stunden genügten dem Arbeiter, um Rohstoff und Instrument soweit
zu verwerten, als zur Erhaltung seines Arbeitsvermögens nötig.
Wären 40 Taler vergegenständlichte Arbeitszeit in Silber von 4
Stunden, so werden 20 Taler die vergegenständlichte Arbeitszeit
von 2 Stunden sein. Diese 20 Taler drücken jetzt denselben Ge-
brauchswert aus wie früher die 40 Taler. Der Tauschwert des Ar-
beitsvermögens hat sich vermindert um die Hälfte, weil die Hälfte
der ursprünglichen Arbeitszeit denselben Gebrauchswert schafft,
der Tauschwert des Gebrauchswerts aber rein gemessen ist durch
die in ihm
-----
8*) alles zusammen - 9*) siehe vorl. Band, S. 358/259 -
10*) sinkend
#263# Absoluter und relativer Mehrwert
-----
vergegenständlichte Arbeitszeit. Der Kapitalist läßt aber nach
wie vor den Arbeiter 8 Stunden arbeiten, und sein Produkt reprä-
sentiert also nach wie vor eine Arbeitszeit von 8 Stunden = 80
Talern Arbeitszeit, während der Wert von Rohstoff und Instrument
11*) derselbe geblieben, nämlich 60 Taler; altogether wie vorhin
140 Taler. (Der Arbeiter selbst hätte nur mehr nötig gehabt, um
zu leben, den 60 Talern Rohstoff und Instrument einen Wert von 20
Talern hinzuzufügen; er hätte also nur mehr einen Wert von 80 Ta-
lern geschaffen. Der Gesamtwert seines Produkts würde sich ver-
mindert haben durch die Verdopplung der Produktion von 100 auf
80, um 20 Taler, d.h. um 1/5 von 100 = 20%.) Aber die Surpluszeit
oder Surpluswert des Kapitals ist jetzt 6 Stunden statt 4 oder 60
Taler statt 40. Sein Zuwachs ist 2 Stunden, 20 Taler. Seine Rech-
nung würde sich nun so machen: Für Rohmaterial 50, für Arbeit 20,
für Instrument 10; Auslagen = 80 Taler. Gewinn = 60 Taler. Er
würde das Produkt nach wie vor zu 140 Taler verkaufen, aber einen
Gewinn von 60 statt früher von 40 Talern ziehn. Nach der einen
Seite hin wirft er also nur denselben Tauschwert in die Zirkula-
tion wie früher, 140 Taler. Der Mehrwert seines Kapitals ist aber
um 20 Taler gewachsen. Danach also nur der Anteil, den er an den
140 Talern hat, die Rate seines Profits. Der Arbeiter hat in fact
2 Stunden länger gratis für ihn gearbeitet; nämlich 6 Stunden
statt 4, und es ist für ihn dasselbe, als wenn er unter dem frü-
heren Verhältnis statt 8 Stunden 10 gearbeitet, seine
a b s o l u t e A r b e i t s z e i t vermehrt hätte.
Aber es ist in der Tat auch ein N e u w e r t entstanden; näm-
lich 20 Taler mehr sind als s e l b s t ä n d i g e r Wert ge-
setzt, als vergegenständlichte Arbeit, die freigeworden, entbun-
den ist davon, nur zum Austausch für die frühere Arbeitskraft zu
dienen. Dies kann doppelt sich darstellen. Entweder wird mit den
20 Talern soviel mehr Arbeit in Bewegung gesetzt, wie sie
K a p i t a l werden und vergrößerten Tauschwert schaffen: mehr
vergegenständlichte Arbeit zum Ausgangspunkt des neuen Produkti-
onsprozesses machen; oder der Kapitalist tauscht die 20 Taler als
Geld aus gegen Waren außer denen, die er in seiner Produktion als
industrielles ¦¦34¦ Kapital braucht; sämtliche Waren außer der
Arbeit und dem Geld selbst tauschen sich also aus gegen 20 Taler
mehr; gegen 2 Stunden vergegenständlichte Arbeitszeit mehr. Ihr
T a u s c h w e r t ist also um eben diese f r e i g e-
w o r d n e S u m m e gestiegen. In fact, 140 Taler sind 140
Taler, wie der sehr "scharfsinnige" französische Herausgeber
[163] der Physiokraten gegen B o i s g u i l l e b e r t be-
merkt. Aber es ist falsch, daß diese 140 Taler nur mehr Ge-
brauchswert repräsentieren; sie repräsentieren einen größren Teil
von s e l b s t ä n d i g e m T a u s c h w e r t, von
G e l d, von l a t e n t e m K a p i t a l; also als
R e i c h t u m
-----
11*) In der Handschrift: Material
#264# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
gesetztem Reichtum. Dies geben die Ökonomen selbst zu, wenn sie
sich später durch die Akkumulation der Kapitalien nicht nur die
Masse der Gebrauchswerte, sondern auch der T a u s c h w e r t e
akkumulieren lassen; da das Element der Akkumulation der Kapita-
lien nach Ricardo selbst durch die relative Surplusarbeit ganz
ebenso vollständig gesetzt ist - wie es denn nicht anders möglich
ist - als durch die absolute.
Andrerseits liegt es schon in der von Ricardo selbst am besten
entwickelten Aufstellung, daß diese überschüssigen 20 Taler, die
rein durch die Vermehrung der Produktivkraft geschaffen sind,
wieder Kapital werden können. [1649 Von den 140 Talern konnten
früher (den Konsum des Kapitals einstweilen außer Acht gelassen)
nur 40 neues Kapital werden; 100 wurden nicht Kapital, sondern
blieben Kapital; jetzt 60, also ist ein um einen Tauschwert von
20 Talern größres Kapital vorhanden. Die Tauschwerte, der
R e i c h t u m a l s s o l c h e r hat sich also vermehrt,
obgleich nach wie vor die Gesamtsumme desselben n i c h t un-
mittelbar gewachsen ist. Warum hat er sich vermehrt? Weil der
Teil der Gesamtsumme sich vermehrt hat, der nicht bloß Zirkulati-
onsmittel, sondern Geld oder der nicht bloß Äquivalent, sondern
f ü r s i c h s e i e n d e r T a u s c h w e r t. Entweder
würden die 20 freigewordnen Taler als Geld akkumuliert, d.h. in
der abstrakten Form des Tauschwerts den vorhandnen Tauschwerten
zugefügt; oder sie alle zirkulieren, und dann steigen die Preise
der damit gekauften Waren; sie repräsentieren alle mehr Gold, und
da die Produktionskost des Goldes nicht gefallen ist (vielmehr
gestiegen im Verhältnis zu der mit dem produktiver gewordnen Ka-
pital produzierten Ware) mehr vergegenständlichte Arbeit (dies
führt dazu, daß der Überschuß, der anfangs auf der Seite des
einen produzierenden Kapitals erschien, nun auf der Seite der an-
dren erscheint, die die teurer gewordnen Waren produzieren); oder
die 20 Taler werden direkt von dem ursprünglich zirkulierenden
Kapital selbst als Kapital vernutzt. So ist ein neues Kapital von
20 Talern - Summe sich selbst erhaltenden und verwertenden Reich-
tums - gesetzt. Das Kapital ist um den Tauschwert von 20 Talern
gestiegen.
(Die Zirkulation geht uns eigentlich noch nichts an, da wir es
hier mit Kapital überhaupt zu tun haben und die Zirkulation nur
vermitteln kann zwischen der Form des Kapitals als Geld und sei-
ner Form als Kapital; das erste Kapital mag das Geld als solches
realisieren, d.h. gegen Waren austauschen, die es mehr verzehrt,
als es früher verzehrte; in der Hand des Produzenten dieser Waren
wird dies Geld aber zu Kapital. Es wird also zu Kapital in der
Hand direkt des ersten Kapitals oder auf einem Umwege, eines and-
ren Kapitals. Das andre Kapital ist aber immer wieder Kapital als
solches; und wir haben es hier mit dem K a p i t a l a l s
s o l c h e m zu tun, say the capital of the
#265# Absoluter und relativer Mehrwert
-----
whole society 12*). Die Verschiedenheit etc. der Kapitalien geht
uns noch nicht an.)
Diese 20 Taler können überhaupt nur in doppelter Form erscheinen.
Als Geld, so daß das Kapital selbst wieder in der Bestimmung von
noch nicht zu Kapital gewordnem Geld - seinem Ausgangspunkt exi-
stiert; der abstraktselbständigen Form des Tauschwerts oder des
allgemeinen Reichtums; oder selbst wieder als Kapital, als neue
Herrschaft vergegenständlichter Arbeit über lebendige. {Die Pro-
duktivkraft hat sich verdoppelt, ist um 100% gestiegen, der Wert
des Kapitals ist gestiegen um 50 13*) % in dem angegebnen Bei-
spiel.} (Jede Vermehrung der Masse des angewandten Kapitals kann
die P r o d u k t i v k r a f t vermehren in nicht nur arithme-
tischem, sondern geometrischem Verhältnis; während es den Profit
eben dann - als Vermehrer der Produktivkraft - nur in viel ge-
ringrem Verhältnis vermehren kann. Die Wirkung der Vermehrung des
Kapitals auf die Vermehrung der Produktivkraft ist also unendlich
höher als die der Vermehrung der Produktivkraft auf das Wachstum
des Kapitals.) Als allgemeiner Reichtum, materialisiert in der
Form des Geldes (des Dings, wo es nur abstrakt ist) oder
n e u e r lebendiger Arbeit.
Von den 140 Talern konsumiert der Kapitalist sage 20 als Ge-
brauchswerte für sich selbst vermittelst des Geldes als Zirkula-
tionsmittel. So konnte er in der ersten Voraussetzung nur mit ei-
nem größren Kapital, mit größrem Tauschwert von 120 Talern (gegen
100) den Prozeß der Selbstverwertung beginnen. Nach der Verdopp-
lung der Produktivkräfte kann er es mit 140 Talern, ohne seine
Konsumtion einzuschränken. Ein größrer Teil der Tauschwerte befe-
stigt sich als Tauschwert, statt im Gebrauchswert zu verschwinden
(mag er sich nun so befestigen direkt oder vermittelt durch Pro-
duktion). Größres Kapital schaffen heißt, größren Tauschwert
schaffen, obgleich der Tauschwert in seiner u n m i t t e l-
b a r e n F o r m als einfacher Tauschwert nicht durch das
Produktivitätswachstum vermehrt worden ist, ist er es in seiner
potenzierten Form als K a p i t a l. Dies größre Kapital von
140 Talern repräsentiert absolut mehr vergegenständlichte Arbeit
als früher das Kapital von 120 Talern.
¦¦35¦ Es setzt daher auch, wenigstens verhältnismäßig, mehr le-
bendige Arbeit in Bewegung und reproduziert daher auch schließ-
lich größren einfachen Tauschwert. Das Kapital von 120 Talern zu
40% produzierte ein Produkt oder einfachen Tauschwert von 60 Ta-
lern zu 40%; das Kapital von 140 Talern einen einfachen Tausch-
wert [von] 64 Talern. [165] Hier ist dann die Vermehrung des
Tauschwerts in der Form des Kapitals auch unmittelbar gesetzt als
Vermehrung des Tauschwerts in seiner einfachen Form.
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12*) sagen wir dem Kapital der ganzen Gesellschaft - 13*) in der
Handschrift: 20
#266# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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Es ist von der höchsten Wichtigkeit, dies festzuhalten. Es genügt
nicht, wie Ricardo zu sagen, der Tauschwert vermehrt sich nicht
[166]: i.e. die abstrakte Form des Reichtums; sondern nur der
Tauschwert als Kapital. Er hat dabei bloß den ursprünglichen Pro-
duktionsprozeß im Auge. Aber wenn sich die relative Surplusarbeit
vermehrt - und daher das Kapital sich absolut vermehrt -, so ver-
mehrt sich notwendig innerhalb der Zirkulation auch der
r e l a t i v e a l s Tauschwert e x i s t i e r e n d e
T a u s c h w e r t, das Geld als solches, und darum, durch Ver-
mittlung des Produktionsprozesses, der a b s o l u t e
T a u s c h w e r t. In andren Worten, von demselben Quantum
Tauschwert - oder Geld - und in dieser einfachen Form erscheint
das Produkt des Verwertungsprozesses - (Mehrwert ist das Produkt
nur in Beziehung zum Kapital, dem Werte, wie er vor dem Produkti-
onsprozeß existierte; für sich selbst, als selbständige Existenz
betrachtet, ist er bloß q u a n t i t a t i v b e s t i m m-
t e r T a u s c h w e r t) - ist ein Teil freigeworden, der
nicht als Äquivalent für vorhandne Tauschwerte existiert oder
auch für vorhandne Arbeitszeit. Tauscht er sich gegen die vor-
handnen aus, so gibt er ihnen kein Äquivalent, sondern mehr als
ein Äquivalent und macht also auf ihrer Seite Teil des
Tauschwerts frei. Ruhend kann dieser freigewordne Tauschwert, um
den sich die Gesellschaft bereichert hat, nur Geld sein, dann ist
nur die abstrakte Form des Reichtums vermehrt; bewegt - sich nur
realisieren in n e u e r lebendiger Arbeit (sei es, daß früher
schlafende Arbeit in Bewegung gesetzt wird oder daß n e u e
A r b e i t e r geschaffen werden (Population beschleunigt wird)
oder aber daß neuer Kreis der Tauschwerte, der in Zirkulation be-
findlichen Tauschwerte erweitert wird, was geschehn kann von Sei-
ten der Produktion, indem der freigewordne Tauschwert einen
n e u e n P r o d u k t i o n s z w e i g auftut, also neues
Objekt des Austauschs, die vergegenständlichte Arbeit in der Form
eines neuen Gebrauchswerts; oder daß dasselbe erreicht wird, in-
dem vergegenständlichte Arbeit in einem neuen Lande durch Erwei-
terung des Handels in den Kreis der Zirkulation hereingebracht
wird). Diese muß also geschaffen werden.
Die Form, worin sich Ricardo die Sache klarzumachen sucht (und er
ist sehr unklar in dieser Beziehung), sagt au fond 14*) auch wei-
ter nichts, als daß er gleich ein bestimmtes Verhältnis herein-
bringt, statt einfach zu sagen, daß von derselben Summe einfacher
Tauschwerte ein geringrer Teil in der Form des einfachen Tausch-
werts (Äquivalents) und ein größrer Teil in der Form des Geldes
sich setzt (des Geldes als der ursprünglichen, antediluvianischen
15*) Form, woraus das Kapital immer von neuem entsteht; des
Geldes in seiner Bestimmung als Geld, nicht als Münze etc.); daß
daher der a l s Tauschwert für sich,
-----
14*) im Grunde - 15*) vorsintflutlich
#267# Absoluter und relativer Mehrwert
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d.h. als W e r t gesetzte Teil sich vergrößert, der R e i c h-
t u m i n s e i n e r F o r m a l s R e i c h t u m [167]
(während er grade auf den falschen Schluß kömmt, daß er nur in
der Form des m a t e r i e l l e n; s t o f f l i c h e n
Reichtums als 16*) Gebrauchswert sich vergrößert). Die Entstehung
des R e i c h t u m s a l s s o l c h e n, soweit er nicht
aus der R e n t e, d.h. nach ihm nicht aus der
V e r m e h r u n g der Produktivkraft, sondern umgekehrt aus
der V e r m i n d e r u n g d e r s e l b e n hervorgeht, ist
ihm daher v ö l l i g u n b e g r e i f l i c h, und er
verwickelt sich in die tollsten Widersprüche. Nehmen wir einmal
die Sache in seiner Form. Kapital 1000 setzte 50 Arbeiter in
Bewegung; oder 50 lebendige Arbeitstage; durch Verdopplung der
Produktivkraft könnte es in Bewegung setzen 100 Arbeitstage.
Diese aber existieren nicht in der Voraussetzung und werden
willkürlich hereingebracht, weil er sonst - wenn nicht m e h r
w i r k l i c h e A r b e i t s t a g e hereinkommen - die
Vermehrung des Tauschwerts durch die vergrößerte Produktivität
nicht begreift. Andrerseits ist das W a c h s t u m d e r
P o p u l a t i o n als ein E l e m e n t d e r V e r-
g r ö ß e r u n g d e r T a u s c h w e r t e nirgends bei ihm
e n t w i c k e l t; selbst nirgends klar und bestimmt ausge-
sprochen. Die gegebne Voraussetzung sei Kapital 1000 und Arbeiter
50. Die richtige Konsequenz, die er a u c h z i e h t (siehe
das Heft) [168]: 500 Kapital mit 25 Arbeitern kann denselben
Gebrauchswert produzieren wie früher; die andren 500 mit den
andren 25 Arbeitern stiften ein neues Geschäft und produzieren
auch Tauschwert von 500. Der Profit bleibt derselbe, da er nicht
durch den Austausch der 500 gegen die 500, sondern die Raten,
worin Profit und Arbeitslohn sich ursprünglich in die 500 teilen,
herauskömmt und der Austausch vielmehr der von Äquivalenten ist,
der ebensowenig wie im a u s w ä r t i g e n H a n d e l,
woran Ricardo dies ausdrücklich entwickelt, den Wert vermehren
kann. Da der Austausch von Äquivalenten eben nichts heißt, als
daß der Wert, der in der Hand von A existierte vor dem Austausch
mit B, noch in seiner Hand existiert nach dem Austausch mit B.
Der Gesamtwert oder Reichtum ist derselbe geblieben. Der
Gebrauchswert aber oder d e r S t o f f d e s R e i c h-
t u m s hat sich verdoppelt. Es ist nun absolut kein Grund
vorhanden, warum überhaupt der R e i c h t u m a l s
R e i c h t u m, der T a u s c h w e r t a l s s o l c h e r
wachsen soll - sofern die V e r m e h r u n g d e r P r o-
d u k t i v k r ä f t e betrachtet wird. Wenn sich die
Produktivkräfte wieder in beiden ¦¦36¦ Zweigen verdoppeln, so
können nun wieder Kapital a in 250 mit 12 1/2 Arbeitstagen und
250 mit 12 1/2 Arbeitstagen ebenso Kapital b auseinandergehn. Es
existieren nun vier Kapitale mit demselben Tauschwert von 1000 £
St., konsumieren nach wie vor zusammen 50 lebendige Arbeitstage
{Es ist au fond falsch zu sagen, daß die lebendige Arbeit das
Kapital konsumiert, das Kapital (die vergegenständlichte Arbeit)
konsumiert
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16*) In der Handschrift: d
#268# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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die lebendige im Produktionsprozeß.} und produzieren einen vier-
fachen Gebrauchswert [wie] vor der Verdopplung d[es] Konsumtions-
wert[es], Ricardo ist zu klassisch, Albernheiten zu begehn wie
seine Verbesserer, die den größren Wert infolge der Vermehrung
der Produktivkräfte dadurch entstehn lassen, daß in der Zirkula-
tion der eine teurer verkauft. Statt das Kapital von 500, sobald
es Ware, einfacher Tauschwert geworden ist, gegen 500 aus-
zutauschen, tauscht er es gegen 550 aus (zu 10%), aber dann er-
hält der andre offenbar im Tauschwert nur 450 statt 500 und die
Gesamtsumme bleibt nach wie Vor 1000. Dies geschieht oft genug im
Handel, erklärt aber nur den Profit des einen Kapitals durch den
Verlust des andren Kapitals, also nicht den Profit d e s Kapi-
tals, und ohne diese Voraussetzung existiert weder Profit auf der
einen noch auf der andren Seite.
Ricardos Prozeß kann also fortgehn, ohne daß eine andre Grenze
existierte als die V e r m e h r u n g d e r P r o d u k-
t i v k r a f t (und diese ist wieder stofflich, zunächst
außerhalb des ö k o n o m i s c h e n V e r h ä l t n i s s e s
selbst liegend), die mit einem Kapital von 1000 und 50 Arbeitern
stattfinden kann. Sieh folgende Stelle:
"Kapital ist der Teil des Reichtums eines Landes, der verwendet
wird mit der Absicht auf künftige Produktion, u n d e r
k a n n i n d e r g l e i c h e n W e i s e v e r m e h r t
w e r d e n w i e R e i c h t u m."
(Nämlich wealth 17*) bei ihm der Überfluß an Gebrauchswerten, und
vom Standpunkt des einfachen Austauschs aus betrachtet, kann die-
selbe vergegenständlichte Arbeit sich in unbegrenzten Gebrauchs-
werten ausdrücken und bleibt stets d e r s e l b e T a u s c h-
w e r t, solange sie dasselbe Quantum vergegenständlichte Arbeit
bleibt, denn ihr Ä q u i v a l e n t ist gemessen nicht durch
die Masse der Gebrauchswerte, worin sie existiert, sondern durch
ihr eignes Quantum.)
"Ein z u s ä t z l i c h e s K a p i t a l wird in der Bildung
künftigen Reichtums ebenso wirksam sein, ob es durch Vervollkomm-
nung der Geschicklichkeit oder der Maschinerie erlangt wird oder
indem mehr Revenue produktiv angewendet wird; denn Reichtum"
(Gebrauchswert) "hängt immer von der M e n g e der produzierten
Waren ab" (auch etwas von ihrer Mannigfaltigkeit, wie es scheint)
"ohne Rücksicht auf die Leichtigkeit, mit der die in der Produk-
tion angewandten Werkzeuge hergestellt sein mögen" (d.h., die in
ihnen vergegenständlichte Arbeitszeit). "Eine bestimmte Menge
Kleidung und Proviant werden die gleiche Anzahl Männer unterhal-
ten und beschäftigen; aber sie werden von doppeltem Wert sein"
(Tauschwert), "wenn 200 mit ihrer Produktion beschäftigt worden
sind." [169]
-----
17*) Reichtum
#269# Absoluter und relativer Mehrwert
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Wenn vermittelst der Vermehrung der Produktivkraft 100 soviel
produzieren an Gebrauchswerten wie früher 200, so:
"wird von den 200 die Hälfte entlassen, so produzieren die re-
stierenden 100 soviel wie früher die 200. Eine Hälfte des Kapi-
tals kann also aus dem Geschäftszweig entzogen werden; es ist
ebensoviel Kapital freigeworden wie Arbeit. Und da die eine
Hälfte des Kapitals ganz denselben Dienst tut wie früher das
ganze, so sind nun zwei Kapitalien gebildet etc." (cf. 39, 40
ibid. [170] über den internationalen 18*) Handel, wozu wir
zurückkommen müssen).
Ricardo spricht hier nicht vom Arbeitstag; daß der Kapitalist,
wenn er früher einen halben vergegenständlichten Arbeitstag aus-
tauschte gegen den ganzen lebendigen Arbeitstag des Arbeiters,
also au fond nur einen halben lebendigen Arbeitstag gewann, indem
er die andre Hälfte in der Form der Gegenständlichkeit dem Arbei-
ter gibt und in der Form der Lebendigkeit von ihm erhält, d. h.
eine Hälfte des Arbeitstags dem Arbeiter bezahlt, sondern in der
Form gleichzeitiger Arbeitstage, d.h. also verschiedner Arbeiter;
dies ändert nichts an der Sache, sondern nur am Ausdruck. Jeder
dieser Arbeitstage liefert soviel mehr Surpluszeit. Wenn der Ka-
pitalist als Grenze früher d e n Arbeitstag hatte, hat er jetzt
50 Arbeitstage etc. Wie gesagt, in dieser Form ist mit der Ver-
mehrung der Kapitalien durch die Produktivität keine Vermehrung
der Tauschwerte gesetzt, und nach Ricardo könnte die Bevölkerung
daher auch, gesetzt von 10 000 000, auf 10 000 herabsinken, ohne
daß der Tauschwert oder die Quantität der Gebrauchswerte sich
verminderte (siehe Schluß seines Buchs [171]).
Daß Widersprüche im K a p i t a l enthalten sind, sind wir die
letzten zu leugnen. Unser Zweck ist vielmehr, sie völlig zu ent-
wickeln. Ricardo aber e n t w i c k e l t s i e n i c h t,
sondern shifts them off by considering the value in exchange as
indifferent for the formation of wealth. That is to say, he con-
tends that in a society based upon the value of exchange, and
wealth resulting from such value, the contradictions which this
form of wealth is driven to with the development of productive
powers etc. do not exist, and that a progress of value is not ne-
cessary in such a society to secure the progress of wealth, ¦¦37¦
consequently that value as the form of wealth does not at all af-
fect that wealth itself and its development 19*), d.h., er be-
trachtet den Tauschwert
-----
18*) In der Handschrift: nationalen - 19*) schafft sie sich vom
Halse, indem er den Wert im Austausch als gleichgültig für die
Bildung von Reichtum betrachtet. D. h., er behauptet, daß in ei-
ner auf dem Tauschwert beruhenden Gesellschaft und Reichtum, der
aus einem solchen Wert resultiert, die Widersprüche, zu denen
diese Form des Reichtums getrieben wird, mit der Entwicklung der
Produktivkräfte usw. nicht existieren und daß in einer solchen
Gesellschaft eine Zunahme an Wert nicht nötig ist, um die Zunahme
des Reichtums zu sichern, daß folglich Wert als die Form des
Reichtums diesen Reichtum selbst und seine Entwicklung überhaupt
nicht beeinflußt
#270# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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als bloß f o r m e l l. Nun fällt ihm aber doch wieder ein 1.
daß es den Kapitalisten um value 20*) zu tun ist, 2. daß histo-
risch mit dem Progreß der Produktivkräfte (ebenso des internatio-
nalen Handels hätte er denken s o l l e n) der R e i c h t u m
a l s s o l c h e r, i. e. die Wertsumme, wächst. Wie dies nun
erklären? Die Kapitalien akkumulieren sich schneller als die Be-
völkerung; damit steigt das Salair; damit die Population; damit
die Kornpreise; damit die Schwierigkeit der Produktion und damit
die T a u s c h w e r t e. Bei diesen wird also endlich auf Um-
weg angelangt. Das Moment mit der Rente wollen wir hier noch, wo
es sich nicht um größre Schwierigkeit der Produktion, sondern um-
gekehrt um Wachstum der Produktivkräfte handelt, ganz weglassen.
Mit der Akkumulation der Kapitalien steigt das Salair, wenn die
Population nicht gleichzeitig wächst; der Arbeiter heiratet,
Sporn wird der Produktion [der Kinder] gegeben, oder seine Kinder
leben besser, sterben nicht vorzeitig etc. Kurz, die Population
wächst. Ihr Wachstum aber bringt Konkurrenz unter den Arbeitern
hervor und zwingt so den Arbeiter, sein Arbeitsvermögen wieder zu
seinem W e r t e dem Kapitalist zu verkaufen oder momentan auch
noch darunter. Jetzt nun verfügt 21*) das akkumulierte Kapital,
das unterdes langsamer herangewachsen ist, über das Surplus, das
es früher in der Form des Salairs, also als Münze ausgab, um den
Gebrauchswert der Arbeit zu kaufen, wieder als Geld, um es als
Kapital in der lebendigen Arbeit zu verwerten, und da es jetzt
auch über größre Menge Arbeitstage verfügt, wächst sein
T a u s c h w e r t wieder.
(Selbst das nicht recht bei Ricardo entwickelt, sondern mit der
Rententheorie durcheinander; da das Wachstum der Bevölkerung das
Surplus, das früher in der Form des Salairs dem Kapital abhanden
kam, ihm nun in der Form der Rente entzieht.) Aber selbst das
Wachsen der Population ist nicht recht in seiner Theorie begreif-
lich. Er hat nirgends entwickelt, daß ein i m m a n e n t e s
Verhältnis stattfindet zwischen dem Ganzen der im Kapital
vergegenständlichten Arbeit und dem lebendigen Arbeitstag (ob
dieser als ein Arbeitstag von 50 x 12 Stunden oder als zwölf
stündliche Arbeit von 50 Arbeitern vorgestellt wird, ist für das
Verhältnis dasselbe) und daß dieses immanente Verhältnis eben das
V e r h ä l t n i s d e s B r u c h t e i l s d e s l e-
b e n d i g e n A r b e i t s t a g s, oder des Äquivalents für
die vergegenständlichte Arbeit, womit der Arbeiter bezahlt wird,
zu 22*) dem lebendigen Arbeitstag ist; wo das Ganze der Tag
selbst und das immanente Verhältnis das variable Verhältnis (der
Tag selbst ist konstante Größe) zwischen dem B r u c h t e i l
d e r n o t w e n d i g e n A r b e i t s s t u n d e n und
der S u r p l u s a r b e i t s s t u n d e n. Er hat auch
nicht, eben weil er dies Verhältnis flicht entwickelt hat, nicht
entwickelt (was uns bisher noch nichts anging, da es sich
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20*) Wert - 21*) in der Handschrift: eintauscht - 22*) in der
Handschrift: und
#271# Absoluter und relativer Mehrwert
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uns um das K a p i t a l a l s s o l c h e s handelte und die
Entwicklung der Produktivkräfte als äußres Verhältnis hereinge-
nommen), daß die Entwicklung der Produktivkraft selbst sowohl die
Vermehrung des Kapitals als der gleichzeitigen Arbeitstage vor-
aussetzt, innerhalb der gegebnen Schranke des Kapitals aber, das
einen Arbeitstag (sei es auch einen von 50 x 12 Stunden, 600
Stunden) in Bewegung setzt, selbst die Schranke für die Entwick-
lung seiner Produktivkraft ist.
Das Salair schließt nicht nur den Arbeiter ein, sondern auch
seine Reproduktion; so daß, wenn dies Exemplar der Arbeiterklasse
stirbt, ein andres dasselbe remplaciert 23*); wenn die 50 Arbei-
ter tot sind, 50 neue da sind, sie zu ersetzen. Die 50 Arbeiter
selbst - als lebendige Arbeitsvermögen - stellen nicht nur die
Kosten ihrer eignen Produktion dar, sondern die Kosten, die ihren
Eltern über ihr Salair als Individuen gezahlt werden mußten, um
sich in 50 neuen Individuen zu remplacieren. Also die Bevölkerung
geht voran auch ohne Erhöhung des Salairs. Warum geht sie nun
nicht rasch genug voran? und muß besondren Stimulus erhalten?
Doch nur, weil dem Kapital nicht damit gedient ist, bloß mehr
"wealth" im Ricardoschen Sinn zu erhalten, sondern weil es mehr
value, mehr vergegenständlichte Arbeit kommandieren will. Diese
kann es aber in der Tat nach ihm nur dann kommandieren, wenn der
Arbeitslohn fällt; d.h. mehr lebendige Arbeitstage für dasselbe
Kapital mit vergegenständlichter Arbeit ausgetauscht und daher
größre value geschaffen wird. Um den Arbeitslohn fallen zu
machen, setzt er Vermehrung der Population voraus. Und um
Vermehrung der Population hier zu beweisen, setzt er voraus, daß
die Nachfrage nach Arbeitstagen zunimmt, in andren Worten, daß
das Kapital mehr v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e A r-
b e i t (im Arbeitsvermögen vergegenständlichte) kaufen kann,
daß also seine value gewachsen ist. Er ging aber ursprünglich
grade von der entgegengesetzten Voraussetzung aus und machte den
Umweg nur, w e i l er von ihr ausging. Wenn 1000 £ 500
Arbeitstage kaufen konnte und die Produktivkraft wächst, so kann
es entweder fortfahren, im selben Arbeitszweig die 500 anzuwenden
oder sich spalten und im einen Arbeitszweig 250, im andren 250
anwenden, so daß sich auch das Kapital in 2 Kapitalien von 500
spaltet. Aber es kann nie mehr als 500 Arbeitstage kommandieren,
da sonst nach Ricardo nicht nur die von ihm produzierten
Gebrauchswerte, sondern ihr T a u s c h w e r t sich verviel-
fältigt haben müßte, d i e v e r g e g e n s t ä n d l i c h-
t e A r b e i t s z e i t, worüber es kommandiert. Es kann
also von seiner Voraussetzung aus keine größre Nachfrage nach
Arbeit stattfinden. Findet sie aber ¦¦38¦ statt, so ist der
T a u s c h w e r t des Kapitals gewachsen. Vgl. Malthus on
value, der die
-----
23*) ersetzt
#272# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
Widersprüche f ü h l t, nun aber in die Plumpe fällt, wo er
selbst entwickeln will. [154]
Wir sprachen immer nur von den zwei Elementen des Kapitals, den
zwei Teilen des lebendigen Arbeitstags, von denen der eine das
Salair, der andre den Profit, der eine die notwendige Arbeit, der
andre die Surplusarbeit darstellt. Wo bleiben dann die zwei and-
ren Teile des Kapitals, die im Arbeitsmaterial und Arbeitsinstru-
ment realisiert sind? Was den einfachen Produktionsprozeß angeht,
so unterstellt die Arbeit das Dasein von Instrument, das die Ar-
beit erleichtert, und Material, in dem sie sich darstellt, das
sie formt. Diese Form gibt ihm 24*) den Gebrauchswert. Im Aus-
tausch wird dieser Gebrauchswert soweit Tauschwert, als er verge-
genständlichte Arbeit enthält. Aber als Bestandteile des Kapitals
sind sie Werte, die die Arbeit ersetzen muß? Also im obigen Bei-
spiel (und solche Einwände massenhaft gegen Ricardo gemacht; er
betrachte bloß Profit und Salair als Bestandteile der Produkti-
onskosten, nicht die Maschine und das Material) scheint es, daß,
wenn das Kapital 100, zerfallend [in] 50 für Baumwolle, 40 für
Arbeitslohn, 10 für Instrument; und der Arbeitslohn von 40 Talern
= 4 Stunden vergegenständlichte Arbeit, nun das Kapital 8 Stunden
arbeiten läßt, der Arbeiter, der reproduzieren müßte 40 Taler für
Salair, 40 Taler Surpluszeit (Profit), 10 Taler Instrument, 50
Taler Baumwolle = 140 Taler, nur reproduziert 80 Taler. Denn 40
Taler sind das Produkt eines halben Arbeitstags, 40 die andre
Surplushälfte. Aber 60 Taler ist der Wert der beiden andern Be-
standteile des Kapitals 25*). Da das wirkliche Produkt des Arbei-
ters 80Taler, so kann er nur 80 reproduzieren, nicht 140. Er
hätte vielmehr den Wert der 60 vermindert; da von den 80 40 Er-
satz für seinen Arbeitslohn und die übrigen 40 Surplusarbeit [um]
20 kleiner sind als 60. Statt eines Profits von 40 hätte der Ka-
pitalist Verlust von 20 auf seinen ursprünglichen Teil des Kapi-
tals, der aus Instrument und Material besteht.
Wie soll der Arbeiter außer den 80 noch 60 Taler Wert schaffen,
da eine Hälfte seines Arbeitstags, wie sein Lohn zeigt, nur 40
Taler schafft mit Instrument und Material; die andre Hälfte nur
dasselbe; und er nur über den einen Arbeitstag verfügt, in einem
Arbeitstag nicht zwei arbeiten kann. Setze die 50 Taler Material
= x Pfund Baumwollgarn; die 10 Taler Instrument = Spindel [172l
Was nun den G e b r a u c h s w e r t zunächst angeht, so ist
klar, daß der Arbeiter, wenn die Baumwolle nicht schon die Form
des Garns und Holz und Eisen die der Spindel hätte, er kein
G e w e b e, keinen höheren Gebrauchswert produzieren könnte.
Für ihn selbst im Produktionsprozeß sind die 50 Taler und die 10
Taler n i c h t s a l s G a r n u n d S p i n d e l,
k e i n e T a u s c h w e r t e. Seine Arbeit hat
-----
24*) In der Handschrift: ihr - 25*) in der Handschrift: Salairs
#273# Absoluter und relativer Mehrwert
-----
diesen einen höhern Gebrauchswert gegeben und ihnen ein Quantum
vergegenständlichter Arbeit von 80 Talern zugefügt, nämlich 40
Taler, worin er seinen Arbeitslohn reproduziert, 40 Surpluszeit.
Der Gebrauchswert - das Gewebe - enthält einen Arbeitstag mehr,
wovon aber die eine Hälfte nur den Teil des Kapitals ersetzt, wo-
gegen die Disposition über das Arbeitsvermögen ausgetauscht ist.
Die vergegenständlichte Arbeitszeit, die in Garn und Spindel ent-
halten ist und den Teil des Werts des Produkts bildet, hat der
Arbeiter nicht geschaffen; für ihn waren und blieben sie
Material, dem er eine andre Form gab und neue Arbeit
einverleibte. Die einzige Bedingung ist, daß er sie nicht wasted
26*) hat, und das hat er nicht getan, soweit sein Produkt
Gebrauchswert und höhern Gebrauchswert wie früher hatte. Es
enthält jetzt zwei Teile vergegenständlichter Arbeit - seinen
Arbeitstag und die in seinem Material, Garn und Spindel schon
unabhängig von ihm und vor seiner Arbeit enthaltne. Die früher
vergegenständlichte Arbeit war die Bedingung s e i n e r
Arbeit; sie machte sie erst zur Arbeit, kostet ihm keine.
Unterstelle, sie seien nicht schon als Bestandteile des Kapitals
vorausgesetzt, als W e r t e, und hätten i h m nichts
gekostet. So wäre der Wert des Produkts, wenn er einen ganzen Tag
gearbeitet, 80, wenn einen halben, 40 Taler. Er wäre eben = einem
vergegenständlichten Arbeitstag. Sie kosten ihm in der Tat in der
Produktion nichts; das hebt aber die in ihnen vergegenständlichte
Arbeitszeit nicht auf, die bleibt und nur andre Form erhält.
Hätte der Arbeiter außer dem Gewebe auch noch das Garn und die
Spindel im selben Arbeitstag schaffen müssen, so war der Prozeß
in fact unmöglich. Daß sie also weder als Gebrauchswerte in ihrer
ursprünglichen Form noch als Tauschwerte seine Arbeit erfordern,
sondern v o r h a n d e n sind, macht eben, daß der Zusatz
eines Arbeitstags von ihm ein Produkt von höherm Wert als einem
Arbeitstag schafft. Er schafft dies aber, sofern er dieses Mehr
über den Arbeitstag nicht zu schaffen hat, sondern als Material,
als Voraussetzung v o r f i n d e t. Es kann also nur insofern
gesagt werden, daß er diese Werte reproduziert, als sie o h n e
die Arbeit verfaulen würden, nutzlos wären; aber ebenso wäre die
A r b e i t o h n e sie nutzlos. Soweit der Arbeiter diese
Werte reproduziert, geschieht es nicht dadurch, daß er ihnen
höhern Tauschwert gibt oder in irgendeinen Prozeß mit ihrem
Tauschwert tritt, sondern sie überhaupt dem einfachen Prozeß der
Produktion unterwirft, überhaupt a r b e i t e t. ¦¦39¦ Aber es
kostet ihm keine höhere Arbeitszeit n e b e n der, die er zu
ihrer Verarbeitung und höhern Verwertung braucht. Es ist eine
Bedingung, worin ihn das Kapital gestellt hat, zu arbeiten. Er
reproduziert sie nur dadurch, daß er ihnen einen höhern Wert
gibt, und dieses höhern Wert geben ist = seinem Arbeitstag. Sonst
-----
26*) vergeudet
#274# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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läßt er sie, wie sie sind. Daß ihr alter Wert erhalten bleibt,
geschieht dadurch, daß ihnen ein neuer zugefügt, nicht daß der
alte selbst r e p r o d u z i e r t wird, geschaffen wird. So-
weit sie Produkt frührer Arbeit sind, bleibt ein Produkt frührer
Arbeit, eine Summe früher vergegenständlichter Arbeit, ein Ele-
ment seines P r o d u k t s, enthält das Produkt außer seinem
Neuwert auch noch den alten. Er produziert also in der Tat an
diesem Produkt nur den Arbeitstag, den er ihm zufügt, und die Er-
haltung des alten Werts kostet ihm absolut nichts, außer was es
ihm kostet, den neuen zuzufügen. Für ihn ist er nur Material und
bleibt solches, wie es auch die Form ändert; also u n a b-
h ä n g i g von seiner Arbeit Vorhandnes. Daß dieses Material,
das bleibt, da es nur andre Form erhält, selbst schon Arbeitszeit
enthält, ist Sache des Kapitals, nicht seine; ist ebenfalls
u n a b h ä n g i g e n seiner Arbeit und besteht fort n a c h
derselben, wie es vor derselben bestand.
Diese sog. Reproduktion kostet ihm keine Arbeitszeit, sondern ist
die Bedingung seiner Arbeitszeit, da sie nichts ist, denn den
vorhandenen Stoff als Material seiner Arbeit setzen, sich zu ihm
als Material verhalten. Er ersetzt also durch den A k t des Ar-
beitens selbst, nicht durch die Hinzufügung besondrer Arbeitszeit
zu diesem Behufe, die alte Arbeitszeit. Er ersetzt sie einfach
durch Zufügen n e u e r, wodurch die alte im Produkt erhalten
bleibt und Element eines neuen Produkts wird. Der Arbeiter er-
setzt also nicht mit seinem Arbeitstag den Rohstoff und das In-
strument, soweit sie Werte sind. Diese E r h a l t u n g d e s
a l t e n W e r t s e r h ä l t d e r K a p i t a l i s t
a l s o e b e n s o g r a t i s a l s d i e S u r p l u s-
a r b e i t. Aber er erhält sie gratis, [nicht] weil sie dem
Arbeiter nichts kostet, sondern das Resultat davon ist, daß das
Material und Arbeitsinstrument in seiner Hand sich schon der
V o r a u s s e t z u n g nach sich befindet und der Arbeiter
daher nicht a r b e i t e n kann, ohne die in gegenständlicher
Form schon in der Hand des Kapitals vorhandne Arbeit zum Material
seiner Arbeit zu machen und daher auch die in diesem Material
vergegenständlichte Arbeit zu konservieren. Der Kapitalist zahlt
also dem Arbeiter nichts dafür, daß das Garn und die Spindel -
ihr Wert - sich dem Wert nach im Gewebe wiederfindet, also
erhalten hat. Dies Erhalten geschieht einfach durch das Zusetzen
neuer Arbeit, die höhern Wert zusetzt.
Aus dem ursprünglichen Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit
geht also hervor, daß derselbe Dienst, den die lebendige Arbeit
durch ihre Beziehung als lebendige Arbeit der vergegenständlich-
ten erweist - dem Kapital nichts kostet, wie er 27*) auch dem Ar-
beiter nichts kostet, sondern nur die Beziehung ausdrückt, daß
das Material und Instrument der Arbeit ihm gegenüber Kapital
-----
27*) In der Handschrift: sie
#275# Absoluter und relativer Mehrwert
-----
sind, von ihm u n a b h ä n g i g e Voraussetzungen. Die Erhal-
tung des alten Werts ist kein von der Zufügung des neuen getrenn-
ter Akt, sondern macht sich von selbst; erscheint als natürliches
Resultat desselben. Daß aber diese Erhaltung dem Kapital nichts
kostet und dem Arbeiter auch nichts kostet, ist schon gesetzt in
dem Verhältnis von K a p i t a l u n d A r b e i t, das an
sich schon der Profit des einen und das Salair 28 *) des andren
ist.
Der einzelne Kapitalist kann sich einbilden (und für seine Rech-
nung tut es denselben Dienst), daß, wenn er ein Kapital von 100
Talern besitzt, 50 Taler Baumwolle, 40 Taler Lebensmittel, um Ar-
beit zu erhalten, 10 Taler Instrument, und einen Profit von 10%
mit zu seinen Produktionskosten rechnet, daß die Arbeit ihm er-
setzen muß 50 Taler auf Baumwolle, 40 Taler Lebensmittel, 10 Ta-
ler Instrument und 10% auf 50, auf 40 und auf 10; so daß in sei-
ner Vorstellung ihm die Arbeit schafft 55 Taler Rohstoff, 44 Ta-
ler Lebensmittel, 11 Taler Instrument, together 29*) = 110. Aber
für Ökonomen ist dies eine merkwürdige Vorstellung, obgleich mit
großer Prätention geltend gemacht als eine Neuerung gegen Ri-
cardo. [173] Wenn der Arbeitstag des Arbeiters = 10 Stunden und
er in 8 Stunden 40 Taler schaffen kann, d.h. sein Salair schaffen
oder, was dasselbe ist, sein Arbeitsvermögen erhalten und erset-
zen kann, so braucht er 4/5 Tag, um dem Kapital das Salair zu er-
setzen, und gibt ihm 1/5 Surplusarbeit oder 10 Taler. Das Kapital
erhält also im Austausch für die 40 Taler Salair, für 8 Stunden
vergegenständlichter Arbeit, 10 lebendige, und dieser Überschuß
konstituiert seinen ganzen Profit. Die ganze vergegenständlichte
Arbeit, die der Arbeiter also geschaffen hat, ist 50 Taler, und
was immer die Kosten des Instruments und des Rohstoffs sein mö-
gen, mehr kann er ihnen nicht zufügen, denn in mehr Arbeit kann
sich sein Tag nicht vergegenständlichen; daß nun dadurch, daß er
den 60 Talern Rohstoff und Instrument die 50 Taler zugefügt - 10
Stunden Arbeit (wovon 8 nur Ersatz des Salairs) - er zugleich das
Material und Instrument erhalten - sie werden eben dadurch erhal-
ten, daß sie mit der lebendigen Arbeit wieder in Kontakt kommen
und als Instrument und Material benutzt werden - das kostet ihm
keine Arbeit (er hätte auch keine überflüssige Zeit für sie),
noch wird es ihm vom Kapitalist gezahlt. Diese belebende Na-
turkraft der Arbeit - daß, indem sie Material und Instrument be-
nutzt, sie dieselben erhält, in dieser oder jener Form, also auch
die in ihnen vergegenständlichte Arbeit, ihren Tauschwert - wird,
wie jede Natur- oder gesellschaftliche Kraft der Arbeit, die
nicht das Produkt frührer Arbeit oder nicht das Produkt solcher
frühren Arbeit, die wiederholt werden muß (z.B. die ge-
schichtliche Entwicklung des Arbeiters etc.), K r a f t d e s
K a p i t a l s, nicht der
-----
28*) In der Handschrift: d. Profits - 29*) zustimmen
#276# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
Arbeit. Also auch nicht vom Kapital gezahlt. Sowenig wie dem Ar-
beiter bezahlt wird, daß er denken kann etc.
¦¦40¦ Wir haben gesehn, wie ursprünglich der g e g e n die Zir-
kulation verselbständigte W e r t - d.h. die Ware, für die die
Bestimmung des Tauschwerts nicht bloß formelle, verschwindende
Bestimmung, um sich gegen andren Gebrauchswert auszutauschen und
schließlich als Objekt der Konsumtion zu verschwinden -, das
G e l d a l s G e l d, das der Zirkulation entzogne und sich
ihr gegenüber n e g a t i v behauptende Geld die Voraussetzung
ist, aus der das K a p i t a l wird. Andrerseits das Produkt
des Kapitals, soweit es nicht seine eigne bloße R e p r o-
d u k t i o n ist (diese Reproduktion aber ist nur formell; da
von den drei Teilen seiner Werte nur einer wirklich konsumiert,
also reproduziert wird, der den Arbeitslohn ersetzende; der
Profit aber ist nicht Reproduktion, sondern Zusatz von Wert,
Surpluswert), hat zum Resultat wieder den Wert, der nicht mehr
als Äquivalent in die Zirkulation eingeht und andrerseits noch
nicht wieder zu Kapital potenziert ist, also n e g a t i v
gegen die Zirkulation verselbständigter Wert - G e l d (in
seiner dritten, adäquaten Form). Wie das Geld erst als Vorausset-
zung des Kapitals erschien, als Ursache desselben, so erscheint
es jetzt als seine Wirkung. In der ersten Bewegung ging das Geld
aus der einfachen Zirkulation hervor; in der zweiten geht [es]
aus dem Produktionsprozeß des Kapitals hervor. In der ersten
g e h t e s ü b e r i n Kapitalen der zweiten erscheint es
als eine vom Kapital selbst gesetzte Voraussetzung des Kapitals;
und ist daher schon a n s i c h als Kapital gesetzt; hat schon
die ideelle Beziehung auf das Kapital in sich. Es geht nicht mehr
einfach in das Kapital über, sondern als G e l d ist schon an
ihm gesetzt, daß es in Kapital verwandelt werden kann.
Die Vermehrung der Werte ist also das Resultat der Selbstverwer-
tung des Kapitals; ob diese Selbstverwertung nun das Resultat ab-
soluter S u r p l u s z e i t oder r e l a t i v e r, d.h.
einer wirklichen Vermehrung der absoluten Arbeitszeit oder einer
Vermehrung der relativen Surplusarbeit, d. h. Verminderung des
aliquoten 30*) Teils des Arbeitstags, der als notwendige Arbeits-
zeit für Erhaltung des Arbeitsvermögens bestimmt ist; als
n o t w e n d i g e Arbeit überhaupt.
Die lebendige Arbeitszeit reproduziert nichts als den Teil der
vergegenständlichten Arbeitszeit (des Kapitals), der als Äquiva-
lent für die Disposition über das lebendige Arbeitsvermögen er-
scheint und der daher, als Äquivalent, die in diesem Arbeitsver-
mögen vergegenständlichte Arbeitszeit ersetzen muß, d.h. die Pro-
duktionskosten der lebendigen Arbeitsvermögen ersetzen, in andren
Worten, den Arbeiter als Arbeiter am Leben erhalten muß. Was sie
mehr produziert, ist nicht Reproduktion, sondern neue Schöpfung,
und zwar
-----
30*) ohne Rest aufgehenden
#277# Absoluter und relativer Mehrwert
-----
neue Wertschöpfung, weil Vergegenständlichung neuer Arbeitszeit
in einem Gebrauchswert. Daß zugleich erhalten wird die im Roh-
stoff und Instrument enthaltne Arbeitszeit, ist Resultat
n i c h t d e r Q u a n t i t ä t d e r A r b e i t, sondern
ihrer Q u a l i t ä t als Arbeit überhaupt; und ihre allgemeine
Qualität, die keine besondre Qualifikation derselben ist - nicht
spezifisch bestimmte Arbeit ", sondern daß die A r b e i t
a l s A r b e i t A r b e i t ist, wird nicht besonders be-
zahlt, da das Kapital d i e s e Q u a l i t ä t im Austausch
mit dem Arbeiter gekauft hat.
Das Äquivalent aber für diese Qualität (den spezifischen Ge-
brauchswert der Arbeit) gemessen ist einfach durch das
Q u a n t u m Arbeitszeit, das sie produziert hat. Der Arbeiter
fügt zunächst dem Wert des Rohstoffs und Instruments, durch die
Anwendung des Instruments als Instruments und die Formierung des
Rohstoffs, soviel neue Form 31*) zu als = ist der in seinem eig-
nen Salair enthaltnen 32*) Arbeitszeit; was er mehr hinzufügt,
ist Surplusarbeitszeit, Surpluswert. Aber durch das einfache Ver-
hältnis, daß das Instrument als Instrument benutzt wird und das
Rohmaterial als Rohmaterial der Arbeit gesetzt wird, durch den
einfachen Prozeß, daß sie in Kontakt mit der Arbeit kommen, als
ihr Mittel und Gegenstand gesetzt und so als Vergegenständlichung
der lebendigen Arbeit, Momente der Arbeit selbst gesetzt sind,
werden sie erhalten nicht der Form, aber der Substanz nach, und,
ökonomisch betrachtet, ist vergegenständlichte Arbeitszeit ihre
Substanz. Die vergegenständlichte Arbeitszeit hört auf, in ein-
seitiger gegenständlicher Form zu existieren - und daher der Auf-
lösung durch den chemischen etc. Prozeß als bloßes Ding preisge-
geben zu sein [dadurch], daß sie als materielle Daseinsweise -
Mittel und Objekt - der lebendigen Arbeit gesetzt wird. Aus bloß
vergegenständlichter Arbeitszeit, in deren dinglichem Dasein die
Arbeit nur noch als verschwunden, als ä u ß e r l i c h e
F o r m ihrer natürlichen Substanz besteht, die dieser Substanz
selbst äußerlich ist (z.B. dem Holz die Form des Tisches oder dem
Eisen die Form der Walze), als bloß existierend in der äußeren
Form des Stofflichen, entwickelt sich die Gleichgültigkeit des
Stoffs gegen die Form; sie erhält sie durch kein lebendiges, im-
manentes Gesetz der Reproduktion, wie der Baum z.B. seine Form
als Baum erhält (das Holz erhält sich als Baum in bestimmter
Form, weil diese Form eine Form des Holzes ist; während die Form
als Tisch dem Holz zufällig ist, nicht die immanente Form seiner
Substanz), sie existiert nur als dem Stofflichen äußere Form,
oder sie existiert selbst nur stofflich. Die Auflösung, der ihr
Stoff daher ausgesetzt ist, löst sie ebenso auf. Aber als Bedin-
gungen der lebendigen Arbeit gesetzt, werden sie selbst wieder
beseelt. Die vergegenständlichte Arbeit hört auf, tot an dem
Stoff als äußere,
-----
31*) Sollte wahrscheinlich heißen: Arbeit - 32*) in der Hand-
schrift: erhalten
#278# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
gleichgültige Form zu existieren, da sie selbst wieder als Mo-
ment der lebendigen Arbeit gesetzt ist; als Beziehung der leben-
digen Arbeit auf sich selbst in einem gegenständlichen Material,
als G e g e n s t ä n d l i c h k e i t lebendiger Arbeit (als
Mittel und Objekt) (die g e g e n s t ä n d l i c h e n Bedin-
gungen der lebendigen Arbeit).
Indem so die lebendige Arbeit durch ihre Verwirklichung im Mate-
rial dieses selbst verändert, eine Veränderung, die durch den
Zweck der Arbeit bestimmt und die zweckmäßige Tätigkeit derselben
- (eine Veränderung, die nicht wie im toten Gegenstand das Setzen
der Form als äußerlich dem Stoff, bloßer verschwindender Schein
seines Bestehens) - wird das Material so in bestimmter Form er-
halten, der Formwechsel des Stoffs dem Zweck der Arbeit unterwor-
fen. Die Arbeit ist das lebendige, gestaltende Feuer; die
Vergänglichkeit der Dinge, ihre Zeitlichkeit, ¦¦41¦ als ihre For-
mung durch die lebendige Zeit. Im einfachen Produktionsprozeß -
abgesehn vom Verwertungsprozeß - wird die Vergänglichkeit der
Form der Dinge benutzt, um ihre Brauchbarkeit zu setzen. Indem
aus der Baumwolle Garn wird, aus dem Garn Gewebe, aus dem Gewebe
gedrucktes etc. Gewebe oder gefärbtes etc. und aus diesem sage
ein Kleid, hat sich 1. die Substanz der Baumwolle in allen diesen
Formen erhalten. (Im chemischen Prozeß haben sich im von der Ar-
beit geregelten Stoffwechsel überall Äquivalente (natürliche)
ausgetauscht etc.); 2. in allen diesen sub- sequenten Prozessen
hat der Stoff eine nützlichere Form erhalten, weil eine ihn mehr
dem Konsum aneignende; bis er zuletzt die Form erhalten, worin er
direkt Gegenstand desselben werden kann, wo also die Aufzehrung
des Stoffs und die Aufhebung seiner Form menschlicher Genuß wird,
seine Veränderung sein Gebrauch selbst ist. Der Stoff der Baum-
wolle erhält sich in allen diesen Prozessen; in der einen Form
des Gebrauchswerts geht er unter, um e i n e r h ö h r e n
P l a t z z u m a c h e n , b i s d e r G e g e n s t a n d
a l s G e g e n s t a n d d e r u n m i t t e l b a r e n
K o n s u m t i o n d a i s t. Indem aber die Baumwolle als
Twist gesetzt ist, ist sie in einer bestimmten Beziehung auf eine
fernere Art der Arbeit gesetzt. Träte diese Arbeit nicht ein, so
ist nicht nur die Form nutzlos an ihr gesetzt worden, d.h., die
frühere Arbeit wird nicht durch die neue bestätigt, sondern auch
der Stoff ist verdorben, indem er in der Form als Twist nur Ge-
brauchswert hat, insofern er wieder verarbeitet wird: nur noch
Gebrauchswert ist in bezug auf den Gebrauch, den die fernere Ar-
beit davon macht; nur Gebrauchswert ist, insofern seine Form als
Twist aufgehoben wird zu der von Gewebe; während die Baumwolle in
ihrem Dasein als Baumwolle unendlicher Nutzanwendungen fähig ist.
So wäre ohne die fernere Arbeit der Gebrauchswert von Baumwolle
und Twist, Material und Form verhunzt; er wäre vernichtet, statt
produziert worden. Das Material sowohl wie die Form, der Stoff
wie die Form wird
#279# Absoluter und relativer Mehrwert
-----
erhalten durch die fernere Arbeit - als Gebrauchswerte erhalten,
bis sie die Gestalt des Gebrauchswerts als solches erhalten, des-
sen Gebrauch die Konsumtion ist. Es liegt also im einfachen Pro-
duktionsprozeß, daß die frühere Stufe der Produktion erhalten
wird durch die spätere und daß durch das Setzen des höhern Ge-
brauchswerts der alte erhalten oder nur soweit verändert wird,
als er erhöht wird als Gebrauchswert. Es ist die lebendige Ar-
beit, die den Gebrauchswert des unvollendeten Arbeitsprodukts er-
hält, dadurch daß sie es zum Material einer weitern Arbeit macht.
Sie erhält es 33*) aber nur dadurch, d. h. schützt es 33*) nur
dadurch vor der Unbrauchbarkeit und dem Vergehn, daß sie es 33*)
ihrem Zweck gemäß bearbeitet, überhaupt zum Objekt neuer lebendi-
ger Arbeit macht.
Dies E r h a l t e n d e s a l t e n G e b r a u c h s-
w e r t s ist kein Prozeß, der neben dem Vermehren desselben
oder dem Vollenden desselben durch neue Arbeit vor sich geht;
sondern geschieht durch diese neue Arbeit der Erhöhung des Ge-
brauchswerts selbst. Dadurch, daß die Arbeit des Webens das Garn
in Gewebe verwandelt, also als Rohstoff des Webens (einer
besondren Art der lebendigen Arbeit) behandelt (und der Twist hat
nur Gebrauchswert, indem er verwebt wird), erhält sie den
Gebrauchswert, den die Baumwolle als solche hatte und spezifisch
im Garn erhalten hatte. Sie erhält das Produkt der Arbeit, indem
sie es zum Rohstoff neuer Arbeit macht; aber sie setzt nicht 1.
neue Arbeit hinzu und erhält 2. daneben durch eine andre Arbeit
den Gebrauchswert des Rohstoffs. S i e e r h ä l t d e n
N u t z e n d e r B a u m w o l l e a l s G a r n, i n d e m
s i e d a s G a r n v e r w e b t. (Alles dies gehört schon
ins 1. Kapitel v o n d e r P r o d u k t i o n i m a l l -
g e m e i n e n.) E r h ä l t s i e d u r c h d i e
V e r w e b u n g. Dies Erhalten der Arbeit als Produkt, oder
des Gebrauchswerts des Produkts der Arbeit, dadurch, daß es zum
Rohstoff neuer Arbeit wird, wieder als materielle Gegenständlich-
keit der zweckmäßigen lebendigen Arbeit gesetzt wird, ist im ein-
fachen Produktionsprozeß gegeben. In bezug auf den Gebrauchswert
besitzt die Arbeit diese Eigenschaft, daß sie dadurch den vor-
handnen Gebrauchswert erhält, daß sie ihn erhöht, und sie erhöht
ihn, indem sie ihn zum Gegenstand einer neuen durch den Endzweck
bestimmten Arbeit macht; wieder aus der Form des gleichgültigen
Bestehns in die des gegenständlichen Materials, des Leibes der
Arbeit macht.
(D a s s e l b e g i l t v o m I n s t r u m e n t. Eine
Spindel erhält sich nur als Gebrauchswert, indem sie zum Spinnen
vernutzt wird. Sonst wäre durch die bestimmte Form, die hier am
Eisen und Holz gesetzt wird, sowohl die Arbeit, die sie setzte,
als der Stoff, an dem sie sie 34*) setzte, verdorben zum Ge-
brauch. Nur indem sie
-----
33*) In der Handschrift: sie - 34*) in der Handschrift: sie ihn
#280# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
-----
als Mittel der lebendigen Arbeit, als ein gegenständliches Da-
seinsmoment ihrer Lebendigkeit gesetzt wird, wird der Gebrauchs-
wert von Holz und Eisen ganz ebenso wie ihre Form erhalten. Auf-
genutzt zu werden, ist ihre Bestimmung als Arbeitsinstrument,
aber im Spinnprozeß aufgenutzt zu werden. Die größere Produktivi-
tät, die sie der Arbeit verleiht, schafft mehr Gebrauchswerte und
ersetzt so den in der Konsumtion des Instruments aufgezehrten
Gebrauchswert. Am klarsten erscheint dies in der Agrikultur, da
[ihr Produkt] unmittelbar als Lebensmittel und Gebrauchswert am
leichtesten, weil am ursprünglichsten, in seinem Unterschied vom
Tauschwert - als Gebrauchswert erscheint. Wenn die Hacke dem
Landbauer doppelt soviel Korn verschafft, als er sonst erhalten
könnte, so braucht er weniger Zeit auf die Produktion der Hacke
selbst anzuwenden; er hat Proviant genug, um eine neue Hacke zu
machen.)
Nun erscheinen im Verwertungsprozeß die Wertbestandteile des Ka-
pitals - von denen einer in der Form des Materials, der andre in
der Form des Instruments existiert - dem Arbeiter gegenüber, d.h.
der lebendigen Arbeit (denn als solche existiert der Arbeiter nur
in diesem Prozeß), nicht als Werte, sondern als einfache Momente
des Produktionsprozesses; als Gebrauchswerte für die Arbeit, als
die gegenständlichen Bedingungen ihrer Wirksamkeit oder als ihre
gegenständlichen Momente. Daß er sie erhält, indem er das Instru-
ment als Instrument benutzt und dem Rohstoff ¦¦42¦ eine höhre
Form des Gebrauchswerts gibt, liegt in der Natur der Arbeit
selbst. Aber die so erhaltnen Gebrauchswerte der Arbeit sind als
Bestandteile des Kapitals Tauschwerte und als solche bestimmt
durch die in ihnen enthaltnen Produktionskosten, das Quantum in
ihnen 35*) vergegenständlichter Arbeit. (Für den Gebrauchswert
handelt es sich nur um die Q u a l i t ä t der bereits verge-
genständlichten Arbeit.) Das Quantum der v e r g e g e n-
s t ä n d l i c h t e n A r b e i t wird erhalten, indem ihre
Q u a l i t ä t a l s G e b r a u c h s w e r t e f ü r
f e r n e r e A r b e i t erhalten wird durch den Kontakt mit
der lebendigen Arbeit. Der Gebrauchswert der Baumwolle wie ihr
Gebrauchswert als Garn wird dadurch erhalten, daß sie als Garn
verwebt wird; dadurch, daß sie als eines der gegenständlichen
Momente (neben dem Spinnrad 36*)) im Weben existiert.
D a d u r c h e r h ä l t s i c h a l s o a u c h d a s
Q u a n t u m A r b e i t s z e i t, d a s i n d e r
B a u m w o l l e u n d B a u m w o l l g a r n e n t h a l-
t e n w a r. W a s i m e i n f a c h e n P r o d u k-
t i o n s p r o z e ß a l s E r h a l t e n d e r Q u a-
l i t ä t d e r v o r h e r g e g a n g n e n A r b e i t -
u n d d a d u r c h auch des Materials, worin sie gesetzt ist -
erscheint, erscheint im Verwertungsprozeß als Erhalten des
Quantums der schon vergegenständlichten Arbeit. F ü r d a s
K a p i t a l ist diese Erhaltung [das Erhalten] des Quantums
der vergegenständlichten Arbeit d u r c h den Produktions-
prozeß;
-----
35*) In der Handschrift: ihr - 36*) sollte eigentlich heißen:
Webstuhl
#281# Absoluter und relativer Mehrwert
-----
für die l e b e n d i g e A r b e i t selbst nur das des schon
vorhandnen, für die Arbeit vorhandnen Gebrauchswerts.
Die lebendige Arbeit setzt ein n e u e s A r b e i t s q u a n-
t u m z u; aber nicht durch dieses q u a n t i t a t i v e
Z u s e t z e n erhält sie das schon vergegenständlichte
Arbeitsquantum, sondern durch ihre Q u a l i t ä t als
l e b e n d i g e A r b e i t oder dadurch, daß sie sich als
Arbeit zu den Gebrauchswerten verhält, worin die vergangne Arbeit
existiert. Bezahlt wird die lebendige Arbeit aber auch nicht für
diese Qualität, die sie als lebendige Arbeit besitzt - sie würde
gar nicht gekauft, wenn sie nicht lebendige Arbeit wäre ",
sondern für das in ihr selbst enthaltne Arbeits q u a n t u m.
Bezahlt wird nur der P r e i s ihres Gebrauchswerts, wie der
aller andren Waren. Die spezifische Qualität, die sie besitzt,
dadurch, daß sie neues Arbeitsquantum dem schon vergegenständ-
lichten Arbeitsquantum zufügt, zugleich die vergegenständlichte
Arbeit in ihrer Qualität als vergegenständlichte Arbeit zu
erhalten, wird ihr nicht bezahlt und kostet dem Arbeiter auch
nichts, da sie die Natureigenschaft seines Arbeitsvermögens ist.
In dem Produktionsprozeß ist die Trennung der Arbeit von ihren
gegenständlichen Daseinsmomenten - Instrument und Material -
a u f g e h o b e n . A u f d e r T r e n n u n g b e r u h t
d a s D a s e i n d e s K a p i t a l s u n d d e r
L o h n a r b e i t. D i e A u f h e b u n g d e r T r e n-
n u n g, d i e i m P r o d u k t i o n s p r o z e ß w i r k-
l i c h v o r g e h t - denn sonst könnte gar nicht gearbeitet
werden ", z a h l t d a s K a p i t a l n i c h t. (Die
Aufhebung geschieht auch nicht durch den Austausch mit dem
Arbeiter - sondern d u r c h d i e A r b e i t s e l b s t
i m P r o d u k t i o n s p r o z e ß. Als solche
g e g e n w ä r t i g e A r b e i t aber ist sie selbst schon
dem Kapital einverleibt, ein Moment desselben. Diese erhaltende
Kraft der Arbeit erscheint also als S e l b s t e r h a l-
t u n g s k r a f t des Kapitals. Der Arbeiter hat nur neue
Arbeit hinzugefügt; die vergangne - indem das Kapital existiert -
hat eine ewige Existenz als Wert, durchaus unabhängig von seinem
stofflichen Dasein. So erscheint die Sache dem Kapital und dem
Arbeiter.) Müßte es diese auch zahlen, so hörte es eben auf,
Kapital zu sein. Es fällt dies rein in die stoffliche Rolle, die
die Arbeit im Produktionsprozeß ihrer Natur nach spielt; in ihren
Gebrauchswert. Als Gebrauchswert gehört die Arbeit aber dem
Kapitalisten; als bloßer Tauschwert dem Arbeiter. Ihre lebendige
Qualität im Produktionsprozeß selbst, die vergegenständlichte
Arbeitszeit dadurch zu erhalten, daß sie dieselbe zur gegen-
ständlichen Daseinsweise lebendiger Arbeit macht, geht den
Arbeiter nichts an. D i e s e A n e i g n u n g, w o d u r c h
i m P r o d u k t i o n s p r o z e ß s e l b s t d i e
l e b e n d i g e A r b e i t I n s t r u m e n t u n d
M a t e r i a l zum Leibe ihrer Seele macht und dadurch von den
Toten auf erweckt, steht in der Tat im Gegensatz dazu, daß die
Arbeit gegenstandslos oder nur in unmittelbarer Lebendigkeit
Wirklichkeit im Arbeiter [ist] - und Arbeitsmaterial und
Instrument als für sich selbst seiende im Kapital existieren.
(Darauf zurückzukommen.) Der Verwertungsprozeß
#282# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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des Kapitals geht durch den und im einfachen Produktionsprozeß
vor sich, dadurch, daß die lebendige Arbeit in ihre naturgemäße
Beziehung zu ihren materiellen Daseinsmomenten gesetzt wird. Aber
soweit sie in diese Beziehung tritt, existiert diese Beziehung
nicht für sie selbst, sondern für das Kapital; ist sie selbst
schon Moment des Kapitals.
Es zeigt sich also, daß vermittelst des Austauschprozesses mit
dem Arbeiter der Kapitalist - indem er in der Tat dem Arbeiter
ein Äquivalent zahlt für die in seinem Arbeitsvermögen enthaltnen
Produktionskosten, d.h. ihm die Mittel gibt, sein Arbeitsvermögen
zu erhalten - sich aber die lebendige Arbeit aneignet, zweierlei
gratis erhält, erstens die Surplusarbeit, die den Wert seines Ka-
pitals vermehrt, aber zugleich zweitens die Qualität der lebendi-
gen Arbeit, die die in den Bestandteilen des Kapitals materiali-
sierte vergangne Arbeit erhält und so den vorher existierenden
Wert des Kapitals erhält. Diese Erhaltung geschieht aber nicht
dadurch, daß die lebendige Arbeit das Q u a n t u m d e r
v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e n A r b e i t
v e r g r ö ß e r t, Wert schafft, sondern einfach dadurch, daß
sie im Zufügen von neuem Arbeitsquantum als l e b e n d i g e
Arbeit existiert, in dem durch den Produktionsprozeß 37*) gesetz-
ten immanenten Verhältnis zu Material und Instrument der Arbeit;
also durch ihre Q u a l i t ä t als lebendige Arbeit. Als sol-
che Qualität aber ist sie selbst ein Moment des einfachen Produk-
tionsprozesses und kostet dem Kapitalisten gerade sowenig, wie
ihm das Garn und die Spindel 38*) außer ihrem Preis noch etwas
dafür kosten, daß sie ebenfalls Momente des Produktionsprozesses
sind.
Wenn z.B. in Zeiten von stagnations of trade 39*) etc. die mills
40*) stillgesetzt werden, so zeigt sich in der Tat, daß die Ma-
schine einrostet und das Garn nutzloser Ballast ist, außerdem
verdirbt, sobald ihre Beziehung zur lebendigen Arbeit aufhört.
Wenn der Kapitalist bloß ¦¦43¦ arbeiten läßt, um Mehrwert zu
schaffen - um noch nicht vorhandnen Wert zu schaffen ", so zeigt
sich, daß, sobald er aufhört, arbeiten zu lassen, auch sein schon
vorhandnes Kapital entwertet wird; daß also die lebendige Arbeit
nicht nur neuen Wert zufügt, sondern durch den very act of adding
a new value to the old one, maintains, eternizes it 41*). (Die
Albernheit des dem Ricardo gemachten Vorwurfs, daß er n u r
Profit und Salair als notwendige Bestandteile der Produktionsko-
sten auffaßt, nicht auch den im Rohstoff und Instrument enthalt-
nen Teil des Kapitals zeigt sich so klar. Soweit der in ihnen
vorhandne Wert nur erhalten wird, macht dies keine neuen Produk-
tionskosten. Was aber diese vorhandnen
-----
37*) In der Handschrift: das Produktionsgesetz - 38*) sollte ei-
gentlich heißen: Webstuhl - 39*) Stockungen des Handels -
40*) Fabriken - 41*) allein durch den Akt des Hinzufügens eines
neuen Wertes zum alten, es unterhält und verewigt
#283# Mehrwert und Profit
-----
Werte selbst angeht, lösen sie sich alle wieder in vergegenständ-
lichte Arbeit auf - notwendige Arbeit und Surplusarbeit - Salair
und Profit. Das bloße Naturmaterial, soweit k e i n e menschli-
che Arbeit in ihm vergegenständlicht ist, soweit es daher bloße
Materie ist, unabhängig von der menschlichen Arbeit existiert,
hat keinen W e r t, da Wert nur vergegenständlichte Arbeit ist;
sowenig Wert wie die allgemeinen Elemente überhaupt.) Die Erhal-
tung des vorhandnen Kapitals durch die sie verwertende Arbeit ko-
stet daher dem Kapital nichts und gehört daher nicht zu den Pro-
duktionskosten; obgleich die vorhandnen Werte im Produkt erhalten
sind und also im Austausch für dieselben Äquivalente dafür gege-
ben werden müssen. Aber die E r h a l t u n g d i e s e r
W e r t e im Produkt kostet dem Kapital nichts und kann daher
von ihm auch nicht unter die Produktionskosten rangiert werden.
Sie werden auch nicht ersetzt durch die Arbeit, da sie nicht kon-
sumiert werden, außer insofern sie in ihrer für die 42*) Arbeit
gleichgültigen, außer ihr bestehenden Daseinsweise konsumiert
werden, d.h. eben ihre V e r g ä n g l i c h k e i t a n
i h n e n k o n s u m i e r t wird durch die Arbeit (aufgehoben
wird). Real konsumiert wird nur das Salair.
[Mehrwert und Profit]
Kehren wir noch einmal zu unserm Beispiel zurück. 100 Taler Kapi-
tal, nämlich 50 Taler Rohmaterial, 40 Taler Arbeit, 10 Taler
Produktionsinstrument. Der Arbeiter brauche 4 Stunden, um die 40
Taler, die zu seinem Leben nötigen Mittel, oder den zu seiner Er-
haltung nötigen Teil der Produktion zu schaffen; sein Arbeitstag
sei 8 Stunden. Der Kapitalist erhält dadurch Surplus von 4 Stun-
den gratis; sein Surpluswert gleich 4 vergegenständlichten Stun-
den, 40 Talern; also sein Produkt = 50 + 10 (erhaltne Werte,
nicht reproduzierte; als Werte k o n s t a n t geblieben,
u n v e r ä n d e r t geblieben) + 40 Taler (Arbeitslohn, repro-
duziert, weil in der Form des Salairs konsumiert) + 40 Taler
Mehrwert. S u m m a: 140 Taler. Von diesen 140 Talern sind nun
40 Überschuß. Der Kapitalist mußte leben während der Produktion
und, bevor er zu produzieren anfing; sage 20 Taler. Diese mußte
er außer seinem Kapital von 100 Talern besitzen; es mußten also
Äquivalente für sie in der Zirkulation vorhanden sein. (Wie diese
entstanden sind, geht uns hier nichts an.) Das Kapital unter-
stellt die Zirkulation als konstante Größe. Diese Äquivalente
wieder von neuem vorhanden. Verzehrt also 20 Taler von seinem Ge-
winn. Diese gehn in die
-----
42*) In der Handschrift: v.d.
#284# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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einfache Zirkulation ein. Die 100 Taler gehn auch in die einfache
Zirkulation, aber um wieder verwandelt zu werden in Bedingungen
neuer Produktion, 50 Taler Rohmaterial, 40 Lebensmittel für Ar-
beiter, 10 Instrument. Bleibt Mehrwert zugefügt als solcher, neu-
geschaffen, von 20 Talern. Dieser ist G e l d, negativ selb-
ständig gesetzter Wert gegen die Zirkulation. In die Zirkulation
als bloßes Äquivalent, um Gegenstände der bloßen Konsumtion aus-
zutauschen, kann es nicht eingehn, da die Zirkulation als kon-
stant vorausgesetzt ist. Die selbständige, illusorische Existenz
des Geldes ist aber aufgehoben; es existiert nur noch, um sich zu
verwerten; d.h. Kapital zu werden. Um solches zu werden, müßte es
aber von neuem gegen die Momente des Produktionsprozesses, Le-
bensmittel für Arbeiter, Rohstoff und Instrument 1*) ausgetauscht
werden; diese alle lösen sich in vergegenständlichte Arbeit auf,
können nur durch lebendige gesetzt werden. Das G e l d, soweit
es jetzt schon a n s i c h als Kapital existiert, ist daher
einfach A n w e i s u n g a u f z u k ü n f t i g e (neue)
Arbeit. Gegenständlich existiert es nur als G e l d. Der Sur-
pluswert, der Zuwachs der v e r g e g e n s t ä n d l i c h-
t e n A r b e i t, soweit er für sich existiert, ist G e l d;
aber das Geld ist jetzt a n s i c h schon Kapital; als solches
A n w e i s u n g a u f n e u e A r b e i t. Hier tritt das
Kapital schon nicht mehr nur in Verhältnis zur vorhandnen Arbeit;
sondern zu zukünftiger. Es erscheint auch nicht mehr aufgelöst in
seine einfachen Elemente im Produktionsprozeß, sondern in das als
Geld; aber nicht mehr als Geld, das bloß die abstrakte Form des
allgemeinen Reichtums, sondern Anweisung auf die reale
Möglichkeit des allgemeinen Reichtums - das Arbeitsvermögen, und
zwar das w e r d e n d e A r b e i t s v e r m ö g e n ist.
Als solche Anweisung ist seine materielle Existenz als Geld
gleichgültig und kann durch jeden Titel ersetzt werden. So gut
wie der Staatsgläubiger besitzt jeder Kapitalist in seinem
neuerworbnen Wert Anweisung auf zukünftige Arbeit und hat sich
durch die Aneignung der gegenwärtigen zugleich schon die
zukünftige angeeignet. (Diese Seite des Kapitals später zu
entwickeln. Es zeigt sich hier schon seine Eigenschaft, als Wert,
getrennt von seiner Substanz, zu bestehn. Die Basis des Kredits
ist hierin schon gelegt.) Seine Aufhäufung in der Form des Geldes
ist keineswegs daher materielle Aufhäufung der materiellen Be-
dingungen der Arbeit. Sondern Aufhäufung der Eigentumstitel auf
Arbeit. Setzen zukünftiger Arbeit als L o h n a r b e i t, als
Gebrauchswert des Kapitals. Für den neugeschaffnen Wert kein
Ä q u i v a l e n t vorhanden; seine Möglichkeit nur in neuer
¦¦44¦ Arbeit.
In diesem Beispiel also durch absolute Surplusarbeitszeit - Ar-
beiten von 8 Stunden statt 4 - neuer Wert von 20 Talern, Geld,
und Geld schon in bezug
-----
1*) In der Handschrift: Instrument und Rohmaterial
#285# Mehrwert und Profit
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auf seine Form als Kapital (schon als g e s e t z t e
M ö g l i c h k e i t des Kapitals, nicht wie früher als solche
dadurch werdend, daß es aufhörte, Geld als solches zu sein) ge-
schaffen; den alten Werten der vorhandnen Welt des Reichtums zu-
gefügt.
Verdoppelt sich nun die Produktivkraft, so daß der Arbeiter statt
4 Stunden nur 2 Stunden n o t w e n d i g e A r b e i t zu
liefern hat, und läßt ihn der Kapitalist consequently 2*) nach
wie vor 8 Stunden arbeiten, so steht die Rechnung so: 50 Taler
Material, 20 Arbeitslohn, 10 Arbeitsinstrument, 60 Surpluswert.
(6 Stunden, früher 4.) Zuwachs von absolutem Surpluswert: 2 Stun-
den oder 20 Taler. S u m m a: 140 Taler (im Produkt). [174]
Summa 140 Taler nach wie vor; davon aber 60 Mehrwert; wovon 40
wie vorher für absolute Vermehrung der Surpluszeit, 20 für rela-
tive. Es sind aber nach wie vor nur 140 Taler in einfachem
Tauschwert enthalten. Sind nun bloß die Gebrauchswerte vermehrt,
oder ist ein neuer Wert geschaffen? Vorhin mußte das Kapital wie-
der mit 100 beginnen, um sich von neuem um 40% zu vermehren. Was
wird aus den 20 Mehrwert? Vorher aß das Kapital 20 auf; es blie-
ben ihm 20 Wert. Jetzt ißt es 20 auf; es bleiben ihm 40. Andrer-
seits blieb vorhin das in die Produktion eingehende Kapital 100;
jetzt ist es 80 geworden. Was auf der einen Seite an Wert in der
einen Bestimmung gewonnen ist, ist auf der andren Seite als Wert
in der andren verloren. Das erste Kapital geht in den Produkti-
onsprozeß wieder ein; produziert wieder 20 (seinen Konsum abge-
rechnet) Mehrwert. Am Ende dieser zweiten Operation neugeschaff-
ner Wert für kein Äquivalent vorhanden. 20 Taler zusammen mit den
ersten 40. Nehmen wir nun das zweite Kapital.
50 Material, 20 Arbeitslohn (= 2 Stunden), 10 Arbeitsinstrument.
Mit den 2 Stunden produziert es aber Wert von 8, nämlich 80 Taler
(wovon 20 für Produktionskosten). Bleiben 60, da 20 nur reprodu-
zieren das Salair (also verschwunden sind als Salair). 60 + 60 =
120. Am Ende dieser zweiten Operation 20 Taler Konsumtion, blei-
ben 20 Surpluswert [175]; zusammen mit der ersten 60. Bei der
dritten Operation bei dem ersten [Kapital] 60, bei dem zweiten
80; bei der vierten [Operation] bei dem ersten [Kapital] 80, bei
dem zweiten 100. Um wieviel sich der Tauschwert des ersten Kapi-
tals als produktives Kapital vermindert hat, hat es sich als
W e r t vermehrt.
Gesetzt, beide Kapitalien seien imstande, als Kapital mit ihrem
Surplus verwandt werden zu können; d. h. für das Surplus sich ge-
gen neue lebendige Arbeit austauschen zu können. So erhalten wir
folgende Rechnung (die Konsumtion beiseite gelassen):
e r s t e s K a p i t a l produziert 40%; das zweite
-----
2*) folglich
#286# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft III
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60%. 40% von 140 sind 56; 60% von 140 (nämlich 80 Kapital, 60
Surpluswert) sind 84. Das Gesamtprodukt im ersten Fall 140 + 56 =
196; im zweiten 140 + 84 = 224. Im zweiten Fall also der absolute
Tauschwert höher um 28. Das erste Kapital hat 40 Taler, um neue
Arbeitszeit zu kaufen; der Wert der Arbeitsstunde war vorausge-
setzt 10 Taler; also kauft er mit 40 Talern 4 neue Arbeitsstun-
den, die ihm 80 produzieren (wovon 40 Ersatz des Salairs)
(nämlich 8 Arbeitsstunden, geben). Es war am Ende 140 + 80
(nämlich Reproduktion des Kapitals von 100: Mehrwert 40 oder Re-
produktion von 140; die ersten 100 Taler reproduzieren sich als
140; die zweiten 40 (da sie nur zum Ankauf neuer Arbeit ausgege-
ben werden, also keinen Wert e i n f a c h ersetzen, - un-
mögliche Voraussetzung übrigens ") produzieren 80. 140 + 80 =
220. Das zweite Kapital von 140; die 80 produzieren 40; oder die
80 Taler reproduzieren sich als 120; die übrigbleibenden 60 aber
reproduzieren sich (denn r e i n zum Ankauf von A r b e i t
ausgegeben und sie also keinen Wert einfach ersetzen, sondern aus
sich selbst reproduzieren und das Surplus setzen) als 180; also
120 + 120 = 240. (40 Taler mehr produziert als das erste Kapital,
exakt die Surpluszeit von 2 Stunden, denn das erste ist Surplus-
zeit von 2 Stunden auch im ersten Kapital unterstellt). Also grö-
ßrer Tauschwert als Resultat, weil mehr Arbeit vergegenständ-
licht; 2 Stunden mehr Surplusarbeit.
¦¦45¦ Hier noch ein andres zu bemerken: 140 Taler zu 40% werfen
ab 56; Kapital und Zins zusammen = 140 + 56 = 196; aber wir haben
erhalten 220; wonach der Zins der 140 wäre nicht 56, sondern 84;
was wäre 60% für 140 (140:84 = 100: x; x = 8 400/440 = 60).
Ebenso im zweiten Fall: 140 zu 60% = 84; Kapital und Zins = 140 +
84 = 224; wir erhalten aber 240; wonach der Zins der 140 nicht
84, sondern 100; (140 + 100 = 240); d.h. Prozent (140:100 =
100:x; x = 10 000/140) 3*) 71 3/7 %. Woher kommt das nun? (Im er-
sten Fall 60% statt 40; im zweiten 71 3/7 % 4*) statt 60%.) Im
ersten Fall, wo 60 statt 40, also 20% zuviel herausgekommen; in
dem zweiten Fall 71 3/7 4*) statt 60, also 11 3/7 % 6*) zuviel.
Woher also erstens die Verschiedenheit in beiden Fällen und zwei-
tens der Unterschied in jedem Falle?
Im ersten Falle das ursprüngliche Kapital 100 = 60 (Material und
Arbeitsinstrument) und 40 Arbeit; 2/5 Arbeit, 3/5 (Material). Die
ersten 3/5 bringen gar keinen Zins; die letzten 2/5 bringen 100%.
Aber auf das ganze Kapital gerechnet, hat es sich nur um 40% ver-
mehrt; 2/5 von 100 = 40. Die 100% auf dieselben geben aber nur
40% auf das ganze 100; d.h. eine Vermehrung des Ganzen um 2/5.
Hätte sich nun von dem neuhinzugekommnen Kapital von 40 auch nur
2/5
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3*) In der Handschrift: 1000/149 - 4*) in der Handschrift: 70 1/7
% - 5*) in der Handschrift: 70 1/7 - 6*) in der Handschrift
10 1/7 %
#287# Mehrwert und Profit
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um 100% vermehrt, so gäbe das eine Vermehrung des Ganzen um 16.
40 + 16 = 56. Dieses zusammen mit den 140 = 196; was denn wirk-
lich 40% auf 156 ist, Kapital und Zinsen zusammengerechnet. 40 um
100% vermehrt, verdoppelt, ist 80; 2/5 von 40 um 100% vermehrt
ist 16. Von den 80 ersetzen 40 das Kapital. 40 Gewinn.
Rechnung also: 100c + 40Zins + 40c + 40Z = 220; oder Kapital von
140 mit Zins von 80; hätten wir aber gerechnet: 100c + 40Z + 40c
+ 16Z = 196; oder das Kapital von 140 mit Zins von 56.
Es sind zu viel Zins gerechnet, auf 40 Kapital 24; 24 aber = 3/5
von 40 (3 x 8 = 24); d.h. neben dem Kapital nur 2/5 vom Kapital
sind um 100% gewachsen; das ganze Kapital also nur um 2/5, i.e.
16 Taler 7*). Die Zinsberechnung um 24 Taler 8*) zu groß auf 40
(um 100 % auf 3/s des Kapitals); 24 auf 24 sind 100% auf 3 x 8
(3/5 von 40). Auf die ganze Summe von 140 aber kommen 60% statt
40; d.h. auf 40 zuviel gerechnet 24 (3/5), 24 auf 40 sind 60%. Es
sind also auf Kapital 40 60% zuviel gerechnet (60 = 3/5 von
100). Auf 140 aber 24 zuviel gerechnet (und dies ist der Unter-
schied von 220 zu 1%), sind erst 1/5 vom 100 und 1/12 vom 100 zu-
viel gerechnet; 1/5 vom 100 = 20%; 1/12 9*) vom 100 8 4/12 %
oder 81 1/3 %; also zusammen 28 1/3 % zuviel. Also auf das Ganze
nicht wie [auf] die 40 Kapital 60%, sondern nur 28 1/3 % zuviel;
was eine Differenz von 31 2/3 % 10*) macht, je nachdem 24 zuviel
auf 40 der 140 Kapital gerechnet wird. Ebenso in dem andren Bei-
spiel.
In den ersten 80, die 120 produzieren, war 50 + 10 einfach er-
setzt; 20 aber reproduzierte das Dreifache von sich 60; (20 Re-
produktion, 40 Surplus).
Arbeitsstunden
Wenn 20 ... 60 setzt, die ihren dreifachen Wert [ausmachen],
setzt 60 ... 180.
¦¦IV-1¦ Es ist sich nicht länger bei dieser höchst ennuyanten
Rechnung aufzuhalten. Der Witz ist einfach der: Betragen wie bei
unsrem ersten Beispiel 3/5 (60 vom 100) Material und Instrument,
2/5 Arbeitslohn (40) und warf das Kapital 40% Gewinn ab, so ist
es am Schluß gleich 140 (diese 40% Gewinn dem gleich, daß der Ka-
pitalist mit 6 notwendigen Arbeitsstunden 12 arbeiten ließ, also
100% auf die notwendige Arbeitszeit gewann). Arbeiteten nun die
gewonnenen 40 Taler wieder als Kapital unter denselben Vorausset-
zungen - und auf dem Punkt, worauf wir stehn, haben sich die Vor-
aussetzungen noch nicht verändert ", so muß von den 40 Talern
wieder 3/5, i.e. 24 Taler, auf
-----
7*) In der Handschrift: 16% - 8*) in der Handschrift: 24% -
9*) in der Handschrift: 11/12 - 10*) in der Handschrift: 32 1/3 %
#288# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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Material und Instrument verwandt werden und 2/5 auf Arbeit; so
daß dann auch nur der Arbeitslohn von 16 sich verdoppelt, 32
wird, 16 so zur Reproduktion, 16 Surplusarbeit; also all together
11*) am Ende der Produktion 40 + 16 = 56 oder 40%. Das Gesamtka-
pital von 140 hätte also unter denselben Umständen produziert
196. Es darf nicht, wie es in den meisten Ökonomien geschieht,
angenommen werden, daß die 40 Taler rein in Arbeitslohn ausgelegt
sind, im Ankauf lebendiger Arbeit, und daher am Schluß der Pro-
duktion 80 Taler liefern.
Wird gesagt: Ein Kapital von 100 bringt 10% in einer gewissen
Epoche, 5 % in einer andren, so ist nichts falscher, zu schlie-
ßen, wie Carey und Konsorten [176] tun, daß im ersten Fall der
Anteil des Kapitals an der Produktion 1/10, also der der Arbeit
nur 9/10; daß im zweiten Fall der Anteil des Kapitals nur 1/10,
also der der Arbeit 9/10 war; also da die Rate des Profits fällt,
die der Arbeit steigt. Der Profit von 10% auf ein Kapital von 100
ist natürlich vom Standpunkt des Kapitals aus, das keineswegs ein
Bewußtsein über die Natur seines Verwertungsprozesses hat und nur
in K r i s e n ein Interesse hat, ein Bewußtsein darüber zu ha-
ben, so betrachtet, daß die Wertbestandteile seines Kapitals -
Material, Instrument, Arbeitslohn sich indifferent um 10% ver-
mehrt haben, also das Kapital als Summe von 100 Talern Wert, als
diese Anzahl einer gewissen Einheit von Werten, sich um 10% ver-
mehrt hat. In der Tat aber fragt es sich: 1. wie verhielten sich
die Bestandteile des Kapitals zueinander und 2. wieviel Surplus-
arbeit hat es mit dem Salair - mit den im Salair vergegenständ-
lichten Arbeitsstunden gekauft. Kenne ich die Gesamtsumme des Ka-
pitals, das Verhältnis seiner Wertbestandteile zueinander
(praktisch müßte ich auch wissen, der wievielte Teil des Produk-
tionsinstruments sich im Prozeß abnutzt, also wirklich in ihn
eingeht), und kenne ich den Profit, so weiß ich, wieviel Surplus-
arbeit geschaffen worden ist. Bestand das Kapital zu 3/5 aus Ma-
terial (von dem hier der Bequemlichkeit wegen vorausgesetzt wird,
daß es ganz Material der Produktion wird, ganz produktiv konsu-
miert wird), also 60 Taler und dem Arbeitslohn 40, und ist der
Profit der 100 Taler 10, so hat die mit 40 Talern vergegenständ-
lichte Arbeitszeit gekaufte Arbeit im Produktionsprozeß 50 Taler
vergegenständlichte Arbeit geschaffen, also eine Surpluszeit ge-
arbeitet oder Surpluswert geschaffen von 25% = 1/4 der notwendi-
gen Arbeitszeit. Arbeitet der Arbeiter also einen Tag von 12
Stunden [177], so hat er 3 Stunden Surpluszeit gearbeitet, und
seine notwendige Arbeitszeit, um ihn einen Tag am Leben zu erhal-
ten, war 9 Arbeitsstunden. Der in der Produktion geschaffne Neu-
wert ist zwar nur 10 Taler, aber der wirklichen Rate nach sind
diese 10 Taler auf die 40, nicht auf die 100 zu berechnen. Die 60
Taler Wert
-----
11*) alles zusammen
#289# Mehrwert und Profit
-----
haben keinen neuen Wert geschaffen; sondern der Arbeitstag. Der
Arbeiter hat also das gegen das Arbeitsvermögen ausgetauschte Ka-
pital um 25% vermehrt, nicht um 10%. Das Gesamtkapital hat einen
Zuwachs von 10% erhalten. 10 ist 25% auf 40; es ist nur 10% auf
100. Die Profitrate des Kapitals drückt also keineswegs die Rate
aus, worin die lebendige Arbeit die gegenständliche vermehrt;
denn diese Vermehrung ist bloß = dem Surplus, womit der Arbeiter
seinen Arbeitslohn reproduziert, d.h. = der Zeit, die er mehr ar-
beitet, als er arbeiten müßte, um seinen Arbeitslohn zu produzie-
ren.
Wäre im obigen Beispiel der Arbeiter nicht Arbeiter des Kapitali-
sten und verhielte er sich zu den in den 100 Talern enthaltnen
Gebrauchswerten nicht als zu Kapital, sondern einfach als zu ge-
genständlichen Bedingungen seiner Arbeit, so besäße er, bevor er
den Produktionsprozeß von neuem beginnt, 40 Taler Lebensmittel,
die er verzehrt während des Arbeitstags, 60 Taler Instrument und
Material. Er würde nur 3/4 Tag arbeiten, 9 Stunden, und sein Pro-
dukt wäre am Ende des Tags nicht 110 Taler, sondern 100, die er
wieder austauschen würde in den obigen Proportionen und den Pro-
zeß immer wieder von neuem beginnen. Aber er würde auch drei
Stunden weniger arbeiten; d. h. 25% Surplusarbeit sparen = 25%
Surpluswert auf den Austausch, den er zwischen 40 Taler Lebens-
mitteln und seiner Arbeitszeit gemacht hätte, und wenn er einmal
drei Stunden mehr arbeitete, weil er Material daliegen hätte und
ebenso das Instrument, so würde es ihm nicht einfallen zu sagen,
daß er einen Neugewinn von 10% geschaffen, sondern einen von 25%;
weil er für ein Viertel mehr Lebensmittel kaufen könnte; statt
für 40 Taler für 50, und die Lebensmittel allein würden ihm, dem
es um den Gebrauchswert zu tun, Wert haben.
Auf der Illusion, daß nicht der Neugewinn ¦¦2¦ geschaffen wird
durch den Austausch der in den 40 Talern vergegenständlichten 9
Arbeitsstunden gegen 12 lebendige, also ein Surpluswert von 25%
geschaffen wird auf diesen Teil, sondern daß das Gesamtkapital
gleichmäßig sich um 10% vermehrt hat "10% auf 60 ist 6 und auf 40
ist 4 -, beruht die z u s a m m e n g e s e t z t e Z i n s-
b e r e c h n u n g des berüchtigten Dr. Price [178], die den
heaven born 12*) Pitt zum Blödsinn seines s i n k i n g f u n d
[179] veranlaßte. Durch die Identität des Mehrgewinns mit der
Surplusarbeitszeit - absoluten und relativen - ist eine
qualitative Grenze für die Akkumulation des Kapitals gesetzt, der
A r b e i t s t a g, die Zeit, worin das Arbeitsvermögen des Ar-
beiters innerhalb 24 Stunden tätig sein kann - der Grad der
Produktivkraftsentwicklung - und die Population, welche die
Anzahl der gleichzeitigen Arbeitstage ausdrückt etc. Wird dagegen
der Mehrgewinn nur
-----
12*) himmlischen
#290# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
-----
als Zins gefaßt - d.h. als Verhältnis, wonach das Kapital vermit-
telst irgendeiner imaginären sleight of hand 13*) sich vermehrt,
so ist die Grenze nur quantitativ, und es ist dann absolut nicht
einzusehen, warum das Kapital nicht jeden andren Morgen die Zin-
sen wieder zu sich als Kapital schlägt und so Zins von seinem
Zins schafft in unendlicher geometrischer Progression. Die
U n m ö g l i c h k e i t der Priceschen Zinsvermehrung haben
die Ökonomen aus der Praxis gesehn; den in ihr enthaltnen blunder
14*) nie aufgedeckt.
Von den 110 Talern, die am Ende der Produktion herauskommen, sind
60 Taler (Material und Instrument), soweit sie Werte sind, abso-
lut unverändert geblieben. Der Arbeiter hat ihnen nichts genommen
und nichts zugesetzt. Daß er dem Kapital gratis, durch das very
fact of his labour being living labour 15*), die vergegenständ-
lichte Arbeit erhält - erscheint vom Standpunkt des Kapitalisten
allerdings so, daß er ihm noch herauszahlen müsse die Erlaubnis,
daß er, Kapitalist, ihn als Arbeit in die adäquate Beziehung zu
den vergegenständlichten Momenten - gegenständlichen Bedingungen
- treten läßt. Was nun die übrigen 50 Taler betrifft, so reprä-
sentieren 40 Taler davon nun nicht bloße Erhaltung, sondern
w i r k l i c h e R e p r o d u k t i o n, da das Kapital sie
in der Form des Salairs von sich entäußert und der Arbeiter sie
konsumiert hat; 10 Taler repräsentieren die Produktion über die
Reproduktion hinaus, nämlich 1/4 Surplusarbeit (von 3 Stunden).
Produkt des Produktionsprozesses sind nur diese 50 Taler. Wenn
der Arbeiter daher, wie falsch behauptet wird, das Produkt so mit
dem Kapitalisten teilte, daß er 9/10 erhielte, müßte er nicht 40
Taler erhalten (und er hat sie vorauserhalten, dafür sie reprodu-
ziert; in der Tat also dem Kapital völlig zurückbezahlt und ihm
in den Kauf den schon bestehenden Wert gratis erhalten), was nur
8/io; sondern er müßte 45 erhalten, was dem Kapital nur 5 ließe.
Der Kapitalist hätte also am Ende nur 65 Taler als Produkt des
Produktionsprozesses, den er mit 100 Talern begonnen. Aber von
den reproduzierten 40 Talern erhält der Arbeiter nichts, ebenso-
wenig wie von den 10 Talern Mehrwert. Sollen die 40 reproduzier-
ten Taler so aufgefaßt werden, daß sie bestimmt sind, von neuem
als Salair zu dienen, also auch von neuem dem Kapital zum Ankauf
der lebendigen Arbeit, so kann, wenn von Verhältnis die Rede sein
soll, nur gesagt werden, daß die vergegenständlichte Arbeit von 9
Stunden (40 Talern) eine lebendige von 12 Stunden (50 Talern)
kauft und so einen Mehrwert von 25% auf das wirkliche Produkt
(teils als Fonds für den Arbeitslohn reproduziert, teils als
Mehrwert neuproduziert) des Verwertungsprozesses macht.
-----
13*) Taschenspielerkunststücks - 14*) groben Fehler - 15*) durch
die alleinige Tatsache, daß seine Arbeit lebendige Arbeit ist
#291# Mehrwert und Profit
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Eben war das ursprüngliche Kapital von 100:
Arbeitsbe- Instru- Lohn-
dingungen: ment: arbeit:
50 - 10 - 40. Produzierte Mehrgewinn von 10
Talern
(25 % Surpluszeit).
Zusammen 110 Taler.
Gesetzt nun, es sei gewesen:
60-20-20. Das Resultat sei 110 Taler; so sagt der gewöhnliche
Ökonom und der noch gewöhnlichere Kapitalist, daß 10% aus allen
Teilen des Kapitals gleichmäßig produziert worden sei. Es wäre
wieder 80 Taler Kapital nur erhalten; keine Veränderung mit sei-
nem Wert vorgegangen. Nur die 20 Taler hätten sich ausgetauscht
gegen 30; also hätte sich die Surplusarbeit vermehrt um 50%,
nicht wie vorhin um 25%.
Nimm den dritten Fall:
[Arbeitsbe- [Instru- [Lohn-
dingungen:] ment:] arbeit:]
100: 70 - 20 - 10 -. Resultat 110.
So der unveränderte Wert 90. Das neue Produkt 20; also Mehrwert
oder Surpluszeit 100%. Wir haben hier drei Fälle, in denen immer
der Profit des ganzen Kapitals 10 16*), aber im ersten Fall der
geschaffne Neuwert 25% auf die zum Ankauf der lebendigen Arbeit
ausgegebne vergegenständlichte Arbeit, im zweiten Fall 50%, im
dritten: 100%.
Diese verfluchten falschen Rechnungen soll der Teufel holen. Aber
never mind 17*). Commençons de nouveau 18*). Im ersten Fall hat-
ten wir:
Unveränderlichen Wert Lohnarbeit Mehrwert Summa
60 40 10 110.
Wir unterstellen fortwährend den Arbeitstag = 12 Stunden. (Wir
könnten auch den Arbeitstag als wachsend annehmen, z.B. daß er
früher nur x Stunden war, nun aber x + b Stunden, und die Produk-
tivkraft als gleichbleibend; oder beide Faktoren als wechselnd.)
Stunden Taler
¦¦3¦ Produziert der
Arbeiter in 12 50;
so in 1 Stunde 4 1/6 Taler } in 12
so in 9 3/5 Stunde 40 Taler } Stunden
so in 2 2/5 Stunden 10 Taler } 50 Taler
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16*) In der Handschrift: 110 - 17*) das tut nichts -
18*) Beginnen wir von neuem
#292# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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Die notwendige Arbeit des Arbeiters beträgt also 9 3/5 Stunden
(40 Taler); die Surplusarbeit daher 2 2/5 Stunden (Wert von 10
Talern). 2 2/5 Stunden ist der 5te Teil des Arbeitstags. Die Sur-
plusarbeit des Arbeiters 19*) beträgt 1/5 Tag, also = dem Wert
von 10 Talern. Betrachten wir diese 2 2/5 Stunden nun als Pro-
zent, die das Kapital auf die in 9 3/5 Stunden vergegenständ-
lichte Arbeitszeit im Austausch gegen die lebendige Arbeit gewon-
nen hat, so 2 2/5 : 9 3/5 = 12/5 : 48/5, d.h. = 12:48 = 1:4. Also
1/4 des Kapitals = 25% auf dasselbe. Ebenso 10 Taler : 40 Taler =
1:4 = 25%.
Fassen wir nun das ganze Resultat zusammen:
No. Ur- Unver- Repro- Mehr- Total- Surplus- % auf
I) sprüng- änderter duzier- wert summe: zeit die aus-
liches Wert ter Wert der und getauschte
Kapital: für Produk- -wert: vergegen-
Lohn: tion: ständlichte
Arbeit
100 60 40 10 110 2 2/5 25%
Taler Taler Taler Taler Taler Stunden
oder
10 Taler
(Es könnte gesagt werden, daß das A r b e i t s i n s t r u-
m e n t, der Wert desselben, reproduziert, nicht nur ersetzt
werden muß; da es in der Tat abgenutzt, in der Produktion
konsumiert wird. Dies beim capital fixe zu betrachten. In der Tat
übersetzt sich der Wert des Instruments in den des Materials; er
ändert, soweit er vergegenständlichte Arbeit ist, nur die Form.
War im obigen Beispiel der Wert des Materials 50 und der des
Arbeitsinstruments 10, so nun, wo das Instrument um 5 abgenutzt
ist, der des Materials 55 und der des Instruments 5; verschwindet
es ganz, so hat der des Materials 60 erreicht. Dies ist Element
des einfachen Produktionsprozesses. Das Instrument ist nicht wie
das Salair a u ß e r h a l b d e s P r o d u k t i o n s-
p r o z e s s e s konsumiert worden.)
Kommen wir nun zur zweiten Voraussetzung:
Ursprüng- Unver- Repro- Mehrwert Total-
liches änderter duzierter der summe:
kapital: Wert: Wert Produk-
für Lohn: tion:
100 80 20 10 110
Taler Taler
Produziert der Arbeiter in 12 Stunden 30 Taler, so in 1 Stunde
2 2/4 Taler, so in 8 Stunden 20 Taler; so in 4 Stunden 10 Taler.
10 Taler sind 50% auf
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19*) In der Handschrift: d. Arbeit
#293# Mehrwert und Profit
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20 Taler; so sind 4 Stunden auf 8 Stunden; der Surpluswert = 4
Stunden, 1/3 Tages- oder 10 Taler Surpluswert.
Also:
No. Ur- Unver- Repro- Mehr- Total- Surplus- % auf
II) sprüng- änderter duzier- wert summe: zeit das
liches Wert ter Wert der und Kapital
Kapital: für Produk- -wert:
Lohn: tion:
100 860 20 10 110 4 50%
Taler Taler Stunden
8 Stun- oder
den 10 Taler
Im ersten Fall wie im zweiten ist der Profit auf das Gesamtkapi-
tal von 100 = 10%, aber im ersten Fall ist der wirkliche Mehr-
wert, den das Kapital erhält im Produktionsprozeß, 25, im zweiten
50%.
Die Voraussetzungen in No. II sind an sich ebenso möglich wie die
in No. I. Aber aufeinander bezogen, erscheinen sie in No. II ab-
geschmackt. Das Material und das Instrument sind von 60 auf 80
Taler erhöht, die Produktivität der Arbeit ist von 4 1/6 Taler
per Stunde gefallen auf 2 2/4 Taler, und der Mehrwert hat sich um
100% vermehrt. (Unterstelle aber, daß die Mehrausgabe für Lohn im
ersten Fall mehr Arbeitstage ausdrückt, im zweiten weniger, so
ist die Voraussetzung richtig.) Daß der notwendige Arbeitslohn,
also der Wert der Arbeit in Talern ausgedrückt, gefallen ist,
wäre an sich gleichgültig. Ob der Wert einer Arbeitsstunde in 2
oder 4 Talern ausgedrückt, im ersten Fall wie im zweiten tauscht
sich das Produkt von 12 Arbeitsstunden (in der Zirkulation) gegen
12 Arbeitsstunden aus, und in beiden Fällen erscheint die Sur-
plusarbeit als Mehrwert. Die Abgeschmacktheit der Voraussetzung
geht daraus hervor, daß wir 1. das Maximum der Arbeitszeit als 12
Stunden gesetzt haben; also nicht mehr oder weniger Arbeitstage
hereinbringen können; 2. je mehr wir das Kapital auf der einen
Seite wachsen lassen, desto mehr lassen wir nicht nur die
n o t w e n d i g e Arbeits z e i t vermindern, sondern müssen
ihren W e r t verringern; während der Wert derselbe ist. Im
zweiten Fall müßte der Preis vielmehr steigen. Daß der Arbeiter
mit weniger Arbeit leben kann, d. h. in denselben Stunden mehr
produziert, müßte sich zeigen nicht in der ¦¦4¦ Abnahme der Taler
für die notwendige Arbeitsstunde, sondern an der Zahl der notwen-
digen Arbeitsstunden. Wenn er z.B. wie im ersten Beispiel 4 1/6
Taler erhält, aber der Gebrauchswert dieses Werts, der
k o n s t a n t sein muß, um W e r t auszudrücken (nicht
Preis), sich so vervielfacht hätte, daß er nicht mehr wie im er-
sten Fall 9 3/5, sondern nur 4 Stunden zur Produktion seines le-
bendigen Arbeitsvermögens brauchte, so müßte das sich im Surplus
des Werts ausdrücken. Aber
#294# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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hier haben wir, wie wir die Bedingungen gestellt haben, variabel
den "unveränderten Wert", unverändert die 10%, die hier konstant
sind als Zufügung zur reproduktiven Arbeit, obgleich sie ver-
schiedne Prozentteile derselben ausdrücken.
Wir haben im ersten Fall den unveränderten Wert kleiner als im
zweiten Fall, das Gesamtprodukt der Arbeit größer; da, wenn ein
Bestandteil von 100 kleiner ist, der andre größer sein muß; und
da zugleich die Fixität der absoluten Arbeitszeit dieselbe; da
ferner das Gesamtprodukt der Arbeit sich verkleinert, wie der
"unveränderte Wert" sich vergrößert, und vergrößert, wie dieser
sich verkleinert, so erhalten wir für dieselbe Arbeitszeit weni-
ger Arbeitsprodukt (absolutes) im selben Verhältnis wie mehr Ka-
pital angewandt wird. Dies wäre nun ganz richtig, da, wenn von
einer gegebnen Summe wie 100 mehr in "unverändertem Wert" ausge-
legt wird, weniger in Arbeitszeit ausgelegt werden kann und daher
r e l a t i v zum ausgelegten Kapital überhaupt weniger neuer
Wert geschaffen werden kann; aber dann muß die A r b e i t s-
z e i t nicht wie hier fixiert sein, oder wenn sie fixiert ist,
muß der W e r t d e r A r b e i t s s t u n d e nicht wie
hier kleiner werden, was unmöglich ist, wenn der "unveränderte
Wert" größer und der M e h r w e r t g r ö ß e r wird; die
A n z a h l der Arbeitsstunden müßte kleiner werden. Dies ist
aber bei unsrem Beispiel vorausgesetzt. Wir unterstellen im
ersten Fall, daß in 12 Stunden Arbeit 50 Taler produziert werden;
im zweiten nur 30 Taler. Im ersten lassen wir den Arbeiter 9 3/5
Stunden arbeiten; im zweiten nur 6, obgleich er weniger in der
Stunde produziere. C'est absurde. 20*)
Ist aber doch nicht etwas Richtiges, anders aufgefaßt, in diesen
Zahlen? Vermindert sich nicht der absolute Neuwert, obgleich der
relative wächst, sobald in die Bestandteile des Kapitals verhält-
nismäßig mehr Material und Instrument zur Arbeit eingeht? Es wird
im Verhältnis zu einem gegebnen Kapital weniger lebendige Arbeit
angewandt; also wenn auch der Überschuß dieser lebendigen Arbeit
über ihre Kosten größer ist und daher der Prozentsatz eben in be-
zug auf den Arbeitslohn sich vergrößert, d.h. der Prozentsatz in
bezug auf das wirklich konsumierte Kapital, wird der absolute
Neuwert nicht notwendig relativ kleiner als bei dem Kapital, das
weniger Arbeitsmaterial und Instrument (dies namentlich ist der
Hauptpunkt in der Veränderung des unveränderten, i.e. durch den
Produktionsprozeß als Wert unveränderten Werts) anwendet und mehr
lebendige Arbeit 21*); eben weil mehr lebendige Arbeit relativ
angewandt wird? Der Vermehrung des Arbeitsinstruments entspricht
dann das Wachsen der Produktivkraft, da sein Mehrwert wie in der
früheren Produktionsweise in keinem Verhältnis zu seinem Ge-
brauchswert, seiner Produktivkraft
-----
20*) das ist unsinnig - 21*) in der Handschrift: Material
#295# Mehrwert und Profit
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steht und die bloße Vermehrung der Produktivkraft Mehrwert
schafft, wenn auch keineswegs in demselben Zahlenverhältnis. Die
Vermehrung der Produktivkraft, die sich in der Vergrößerung des
Werts des Instruments - des Raums, den es in den Auslagen des Ka-
pitals einnimmt, aussprechen muß, führt notwendig mit sich Ver-
mehrung des Materials, da mehr Material bearbeitet werden muß,
damit mehr Produkt produziert werden kann. (Die Vermehrung der
Produktivkraft bezieht sich aber auch auf Qualität; doch nur auf
Quantität für ein gegebnes Produkt von bestimmter Qualität; auf
Qualität für eine bestimmt gegebne Quantität; kann sich auf bei-
des beziehn.) Obgleich nun weniger Arbeit (notwendige) im Ver-
hältnis zur Surplusarbeit vorhanden als überhaupt notwendig, we-
niger lebendige Arbeit überhaupt zum Kapital vorhanden, kann so
nicht sein Mehrwert zunehmen, obgleich er im Verhältnis zum gan-
zen Kapital abnimmt, also die sog. Rate des Profits abnimmt? Z.
B. nehme Kapital von 100. Material sei ursprünglich 30. Instru-
ment 30. (Zusammen 60 unveränderlicher Wert.) Arbeitslohn 40 (4
Arbeitstage). Profit 10. Hier der Profit 25% Neuwert auf die im
Arbeitslohn vergegenständlichte Arbeit und 10% in bezug auf das
Kapital. Nun werde Material 40, Instrument 40. Die Produktivität
verdopple sich, so daß nur mehr 2 Arbeitstage nötig = 20. Gesetzt
nun, der absolute Profit sei kleiner als 10; d. h. der Profit auf
das Gesamtkapital. Kann nicht der auf die beschäftigte Arbeit
mehr als 25%, i.e. im angegebnen Fall mehr als nur den vierten
Teil von 20 [betragen]? In fact, der dritte Teil von 20 ist
6 2/3; also weniger als Zehn, ¦¦5¦ aber doch 33 1/3 % auf die an-
gewandte Arbeit, während es im vorigen Fall nur 25% war. Hier
hätten wir am Ende nur 106 2/3, während wir früher 110 hätten,
und doch wäre mit derselben Summe (100) die Surplusarbeit, der
Mehrgewinn größer in bezug auf die angewandte Arbeit als im er-
sten; aber da absolut weniger Arbeit angewandt war von 50%, wäh-
rend der größere Profit auf die angewandte Arbeit nur 8 1/3 mehr
beträgt als im ersten Fall, muß das absolute Ergebnis kleiner
sein, als auch der Profit auf das Totalkapital. Denn 20 x 33 1/3
kleiner als 40 x 25.
Dieser ganze Fall ist unwahrscheinlich und kann nicht als ein
allgemeines Beispiel in der Ökonomie gelten; denn Vermehrung des
Arbeitsinstruments, Vermehrung des bearbeiteten Materials ist
hier vorausgesetzt, obgleich nicht nur die relative, sondern die
absolute Arbeiterzahl sich vermindert hat. (Natürlich, wenn zwei
Faktoren = einem dritten, muß der eine sich verkleinern, indem
sich der andre vergrößert.) Aber Vergrößerung des Arbeitsinstru-
ments dem Wert nach, den es im Kapital einnimmt, und Vermehrung
des Arbeitsmaterials dem Wert nach mit relativ verminderter Ar-
beit setzt im ganzen voraus Teilung der Arbeit, also Vermehrung
der Arbeiter wenigstens absolut, wenn auch nicht im Verhältnis
zur Größe des angewandten Kapitals.
#296# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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Indes z.B. bei der lithographischen Maschine, die jeder selbst
zum Abzug von Lithographien gebrauchen kann, setze, der W e r t
des ersterfundnen Instruments sei größer gewesen als der, den 4
Arbeiter früher anwandten, bevor diese handlichen Dinger erfunden
waren; sie brauche nur mehr 2 Arbeiter (hier, wie bei vielen Ma-
schinen, die instrumentartig sind, von gar keiner weitern Teilung
der Arbeit die Rede, sondern vielmehr die qualitative Teilung
verschwindet); die Instrumente seien ursprünglich nur vom Wert
von 30 gewesen, aber die nötige Arbeit (d.h. für den Kapitalisten
nötig, um Profit zu machen) von 4 Arbeitstagen. (Es gibt Maschi-
nen, z.B. Luftheizungsröhren, wo die Arbeit als solche ganz ver-
schwindet, außer an einem Punkt; die Röhre wird an einem Punkt
geöffnet; um sie an die übrigen zu übertragen, sind gar keine Ar-
beiter nötig. Dies überhaupt der Fall (siehe Babbage) bei
Kraftleitern, [180] wo früher die Kraft in materieller Form durch
ebenso viele Arbeiter, vorhin Heizer, von einem Ort zum andern
[übertragen wurde] - die Leitung aus einem Raum in den andern,
die jetzt physischer Prozeß geworden ist, als Arbeit von soundso-
viel Arbeitern erschien.) Wendet er diese Lithographiermaschine
als Erwerbsquelle, als Kapital an, nicht als Gebrauchswert, so
vermehrt sich das Material notwendig, da er in derselben Zeit
mehr Lithographien abziehn kann und eben daher sein Profit kommt.
Dieser Lithograph wende daher Instrument von 40 an, Material von
40, Arbeitstage 2 (20), die ihm 33 1/3 %, d.h. 6 2/3 auf 20 ver-
gegenständlichte Arbeitszeit [einbringen], so besteht sein Kapi-
tal wie das des andern aus 100, bringt ihm nur 6 2/3 %, aber er
gewinnt auf die angewandte Arbeit 33 1/3; der andre gewinnt auf
das Kapital 10, auf die angewandte Arbeit nur 25%. Der auf die
angewandte Arbeit erhaltne Wert mag kleiner sein, aber die Pro-
fite des ganzen Kapitals sind größer, wenn die übrigen Bestand-
teile des Kapitals im Verhältnis kleiner. Dennoch könnte das Ge-
schäft mit den 6 2/3 % auf das Gesamtkapital und 33 1/3 % auf die
angewandte Arbeit profitlicher werden, als das ursprünglich ba-
sierte auf 25% von der Arbeit und 10% Profit vom Totalkapital.
Unterstelle z.B. Korn etc. stiegen so, daß der Lebensunterhalt
des Arbeiters um 25% im Wert stiege. Die 4 Arbeitstage würden dem
ersten Lithographen jetzt 50 statt 40 kosten. Seine Instrumente
und Material blieben dieselben: 60 Taler. Also müßte er auslegen
Kapital von 110. Sein Profit mit Kapital von 110 wäre auf die 50
Taler für 4 Arbeitstage 12 (25% [181)). Also 12 Taler auf 110;
(i.e. 9 1/6 % auf das Gesamtkapital von 110). Der andre Litho-
graph: Maschine 40; Material 40; aber die 2 Arbeitstage statt 20
werden ihm kosten 25% mehr, d.h. 25. Er müßte also auslegen 105;
sein Mehrwert auf die Arbeit 33'/3%, d.h. 1/3, also 8 1/3. Er
würde also auf 105 gewinnen 8 1/3; 13 1/8 %. Also nimm in einem
Zyklus von 10 Jahren 5 schlechte und 5 gute Herbste zu den obigen
#297# Mehrwert und Profit
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average 22*) Proportionen an; so würde der erste Lithograph ge-
winnen gegen den zweiten in den ersten 5 Jahren 50 Taler Zins; in
den zweiten 45 5/6; zusammen 95 5/6 Taler; average Zins auf die
10 Jahre 9 7/12 Taler. Der andre Kapitalist würde gewonnen haben
erste 5 Jahre 31 1/3; zweite 5 Jahre 65 5/8; zusammen: 96 23/24
Taler; average 23*) von den 10 Jahren 87/120. Da No. II mehr Ma-
terial verarbeitet zum selben Preis, liefert er es wohlfeiler. Es
könnte dagegen gesagt werden, da er mehr Instrument abnutzt, lie-
fert er es teurer; besonders da das Verhältnis, in dem er mehr
Maschinenwert braucht, dasselbe ist, in dem er mehr Material ab-
nutzt; allein es ist praktisch ¦¦6¦ falsch, daß sich die Maschi-
nen im selben Maß mehr abnutzen, d.h. daß sie in demselben Zeit-
raum ersetzt werden müssen, als sie mehr Material bearbeiten.
Doch alles das gehört nicht hierher. Das Verhältnis zwischen Wert
von Maschine und Material sei konstant in beiden Fällen unter-
stellt. -
Das Beispiel gewinnt erst Wichtigkeit, wenn wir unterstellen ein
kleinres Kapital, das mehr Arbeit anwendet und weniger Material
und Maschinerie, aber höhern Prozentsatz auf das ganze Kapital
gewinnt; und ein größres Kapital, das mehr Maschinerie, mehr Ma-
terial anwendet, verhältnismäßig weniger, aber absolut 24*) eben-
soviel Arbeitstag und kleinren Prozentsatz auf das Ganze, weil
weniger auf die Arbeit, die produktiver ist, Teilung der Arbeit
angewandt etc. Es muß dabei unterstellt sein, daß der Gebrauchs-
wert der Maschine (was oben nicht unterstellt war) bedeutend grö-
ßer als ihr Wert; d.h.. daß ihre Entwertung im Dienst der Produk-
tion nicht in demselben Verhältnis steht, wie ihre Vermehrung der
Produktion.
Also wie oben Presse (dies Mal Druckpresse, aber Handpresse; das
zweite Mal selfacting 25*) Druckpresse).
Kapital I von 100 wende an in Material 30; in Handpresse 30; in
Arbeit 4 Arbeitstage = 40 Taler; Gewinn 10%; also 25% auf die le-
bendige Arbeit (' U Surpluszeit).
Kapital II von 200 wende an Material 100, Presse 60, 4 Arbeits-
tage (40 Taler); Gewinn auf die 4 Arbeitstage 13 1/3 26*) Taler:
1 Arbeitstag und 1/3, während im ersten Fall nur 1 Arbeitstag;
Gesamtsumme: 413 1/3. D.h. 3 1/3 % [182], während im ersten Fall
10%. Dennoch ist in diesem zweiten Fall der Mehrwert auf die
angewandte Arbeit 13 1/3, im ersten nur 10; im ersten schaffen 4
Tage in 4 Tagen 1 Surplustag; im zweiten 4 [Tage] 1 1/3 Surplus-
tag. Die Rate des Profits auf das gesamte Kapital ist aber um den
3.Teil oder 33 1/3 % kleiner als im ersten; die Totalsumme des
Gewinns ist um 1/3 größer. Nehmen wir nun an, die 30 und 100
Material seien Druckbogen; das Instrument zehre sich in
-----
22*) durchschnittlichen - 23*) Durchschnitt - 24*) in der Hand-
schrift: relativ - 25*) automatische - 26*) in der Handschrift:
13 1/3 %
#298# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
-----
derselben Zeit auf, in 10 Jahren oder 1/10 in einem Jahr. So hat
No. I zu ersetzen 1/10 von 30 im Instrument 27*), i.e. 3; No.II
1/10 von 60, i.e. 6. Weiter geht das Instrument 27*) auf beiden
Seiten in die jährliche Produktion (die 4 Arbeitstage können als
Tage von 3 Monaten gelten) nicht ein, die im obigen betrachtet
ist.
Kapital I verkauft 30 Druckbogen zu 30 Material + 3 Instrument +
50 (vergegenständlichte Arbeitszeit) 28*) = 83.
Kapital II verkauft 100 Druckbogen zu 100 Material + 6 Instrument
+ 53 1/3 = 159 1/3.
Kapital I verkauft 30 Druckbogen zu 83 Talern; I Druckbogen zu
83/30 Talern = 2 Taler 23 Silbergroschen.
Kapital II verkauft 100 Druckbogen zu 159 Talern 10 Silbergro-
schen
159 Talern 10 Silbergroschen
1 Druckbogen zu ----------------------------; i.e. zu 1 Taler
100
9 Silbergroschen 10 Pfennig.
Es ist also klar, daß Kapital I im Arsch ist, weil es unendlich
zu teuer verkauft. Obgleich nun im ersten Fall der Profit auf das
Gesamtkapital 10% war und im zweiten 3 1/3 % nur, so hat doch das
erste Kapital nur 25% genommen auf die Arbeitszeit, während das
zweite - 33 1/3 nimmt. Bei dem Kapital I ist das Verhältnis der
notwendigen Arbeit größer zum angewandten Gesamtkapital, und da-
her erscheint die Surplusarbeit, obgleich absolut kleiner als in
Kapital II, als größre Rate des Profits auf das kleinre Gesamtka-
pital. 4 Arbeitstage zu 60 größer als 4 zu 160; das erste 1 Ar-
beitstag auf vorhandnes , Kapital von 15; im zweiten 1 Arbeitstag
auf 40. Aber im zweiten Kapital ist die Arbeit produktiver (was
gesetzt ist sowohl durch den g r ö ß r e n Bestand der Maschi-
nerie; daher auch den größren Raum, den sie unter den Werten des
Kapitals einnimmt; als durch das größre Material, worin sich der
¦¦7¦ mehr Surpluszeit arbeitende, daher mehr Material in dersel-
ben Zeit verbrauchende Arbeitstag ausdrückt). Es schafft mehr
Surpluszeit (relative Surpluszeit, also durch die Entwicklung der
Produktivkraft bedingte). Im ersten Fall ist die Surpluszeit 1/4,
im zweiten 1/3. Sie schafft daher in derselben Zeit mehr Ge-
brauchswerte wie einen größren Tauschwert; den letztren aber
nicht im selben Verhältnis wie den erstren, da, wie wir gesehn,
der Tauschwert nicht in demselben numerischen Verhältnis wächst
wie die Produktivität der Arbeit. Der fraktionelle Preis ist da-
her kleiner als der Totalpreis der Produktion - i.e. der fraktio-
nelle Preis multipliziert mit dem Quantum der produzierten frak-
tionellen Preise 29*) größer. Hätten wir nun, obgleich die Total-
summe der Arbeitstage
-----
27*) In der Handschrift: Material - 28*) n der Handschrift steht
über diesen Worten ohne Einfügungszeichen: (Produktionszeit) -
29*) sollte wahrscheinlich heißen: Produkte
#299# Mehrwert und Profit
-----
relativ kleiner wie in No. I, als a b s o l u t g r ö ß e r
angenommen, so wäre die Sache noch frappanter. Der Profit des
größren, mit größrer Maschinerie arbeitenden Kapitals erscheint
daher kleiner als der des kleinren mit relativ oder absolut mehr
lebendiger Arbeit arbeitenden, eben weil der g r ö ß r e
P r o f i t a u f d i e l e b e n d i g e A r b e i t klei-
ner erscheint auf ein Gesamtkapital verteilt, in dem die ange-
wandte lebendige Arbeit in geringrem Verhältnis steht zum Gesamt-
kapital, als der k l e i n r e P r o f i t a u f d i e
l e b e n d i g e A r b e i t, der in einem größren Verhältnis
steht zum kleinren Gesamtkapital. Daß das Verhältnis aber in No.
II so ist, daß mehr Material verarbeitet werden kann, und größrer
Teil des Werts in Arbeitsinstrument angelegt ist, ist nur der
Ausdruck für die Produktivität der Arbeit.
Dies also ist der berühmte Witz des unglücklichen Bastiat, der
sich fest eingeredet hatte - worauf Herr Proudhon ihm nicht zu
antworten wußte - daß, weil die Profitrate auf das größre und
produktivere Gesamtkapital kleiner erscheint, der Anteil des Ar-
beiters größer geworden, während grade u m g e k e h r t seine
Surplusarbeit größer geworden. [183]
Ricardo scheint die Sache auch nicht verstanden zu haben, da er
otherwise 30*) das periodische Sinken des Profits sich nicht bloß
aus dem durch das Steigen der Kornpreise (und damit der Rente)
verursachten Steigen der Salaire erklärt haben würde [184]. Aber
au fond 31*) ist der Mehrwert - soweit er zwar die Grundlage des
Profits, aber auch von dem commonly 32*) sog. Profit unterschie-
den ist, nie entwickelt worden. Der unglückliche Bastiat würde im
angegebnen Fall gesagt haben, daß da im ersten Beispiel der Pro-
fit 10% (i.e. 1/10), im zweiten nur 3 1/3 %, i.e. 1/33 (laß den
Prozentteil weg) [185], der Arbeiter im ersten Fall 9/10, im
zweiten 32/33 erhält. Weder ist das Verhältnis in irgendeinem der
beiden cases 33*) richtig noch ihr Verhältnis untereinander.
Was nun die weitre Beziehung angeht des Neuwerts des Kapitals zum
Kapital als i n d i f f e r e n t e m G e s a m t w e r t (so
erschien uns überhaupt das Kapital, bevor wir zum Produktionspro-
zeß fortgingen, und so muß es uns wieder am Ende desselben er-
scheinen), so ist das zu entwickeln teils unter der Rubrik
P r o f i t, wo der Neuwert eine neue Bestimmung erhält, teils
unter der Rubrik der A k k u m u l a t i o n. Hier gilt es uns
nur, zunächst die Natur des Mehrwerts als Äquivalent der über die
notwendige Arbeitszeit hinaus vom Kapital ins Werk gesetzten ab-
soluten oder relativen Arbeitszeit zu entwickeln.
Daß die Konsumtion im Produktionsakt des Wertbestandteils, der im
Instrument besteht, durchaus nicht das Produktionsinstrument vom
Material unterscheiden kann - hier, wo bloß noch die Setzung des
Mehrwerts zu erklären,
-----
30*) andernfalls - 31*) im Grunde - 32*) gewöhnlichen - 33*) Fäl-
le
#300# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
-----
die Selbstverwertung - geht einfach daraus hervor, daß diese Kon-
sumtion dem einfachen Produktionsprozeß selbst angehört, daß also
schon in diesem - damit er die Fähigkeit hat, von sich von neuem
zu beginnen - der Wert des konsumierten Instruments (sei es des
e i n f a c h e n G e b r a u c h s w e r t s selbst oder des
Tauschwerts, wenn die Produktion schon zur Teilung der Arbeit
fortgegangen und wenigstens das Surplus ausgetauscht wird) sich
im Wert (Tauschwert oder Gebrauchswert) des Produkts wiederfinden
muß. Das Instrument verliert seinen Gebrauchswert in demselben
Maße, wie es den Tauschwert von Rohmaterial erhöhen hilft und als
Mittel der Arbeit dient. Dieser Punkt muß, indeed 34*), unter-
sucht werden, da die Unterscheidung zwischen dem unveränderten
Wert als einem Teil des Kapitals, der erhalten bleibt, dem and-
ren, der reproduziert wird (r e p r o d u z i e r t für das Ka-
pital; vom Standpunkt der wirklichen Produktion der Arbeit aus,
p r o d u z i e r t) und dem, der neu produziert wird, wesent-
lich wichtig.
It is now time to finir avec la question regardant la valeur ré-
sultant de l'accroissement des forces productives. 35*) Wir haben
gesehn: Ein M e h r w e r t (nicht bloß größerer Gebrauchswert)
wird geschaffen, wie bei dem absoluten Zuwachs der Surplusarbeit.
Wenn eine bestimmte Grenze gegeben ist, sage z.B., daß der Arbei-
ter nur einen halben Tag braucht, um sich Lebensmittel für einen
g a n z e n zu produzieren - die natürliche Grenze sei erreicht,
die der Arbeiter 36*) mit einem gegebnen Arbeitsquantum Surplus-
arbeit liefert, so ist eine Vermehrung der absoluten Arbeitszeit
nur möglich, dadurch, daß g l e i c h z e i t i g mehr Arbeiter
angewandt werden, der wirkliche Arbeitstag sich simultaneously
37*) vervielfältigt, statt nur verlängert wird - (der einzelne
Arbeiter kann unter der Voraussetzung nur 12 Stunden arbeiten;
soll die Surpluszeit von 24 Stunden gewonnen werden, so müssen 2
Arbeiter dran). In diesem Fall muß das Kapital, bevor es den
Selbstverwertungsprozeß eingeht, in dem Tauschakt mit dem Arbei-
ter 6 Arbeitsstunden mehr kaufen, also größren Teil von sich
abgeben; andrerseits im Durchschnitt mehr in Material auslegen,
das bearbeitet werden soll (abgesehn davon, daß der überschüssige
Arbeiter v o r h a n d e n sein, d. h. die arbeitende
Population gewachsen sein muß). Also hängt die Möglichkeit des
weitren Verwertungs¦¦8¦prozesses hier ab von einer vorherge-
gangnen Akkumulation des Kapitals (seinem stofflichen Bestehn
nach betrachtet). Wächst dagegen die Produktivkraft und daher die
relative Surpluszeit, so ist - auf dem jetzigen Standpunkt kann
das Kapital immer noch
-----
34*) allerdings - 35*) Es ist jetzt Zeit, Schluß zu machen mit
dem Problem, das den aus der Vergrößerung der Produktivkräfte re-
sultierenden Wert betrifft. - 36*) sollte wahrscheinlich heißen:
innerhalb deren der Arbeiter - 37*) gleichzeitig
#301# Mehrwert und Profit
-----
betrachtet werden als direkt Lebensmittel, Rohstoff etc. produ-
zierend 38*) - geringre Auslage für Salair nötig, und das Wachs-
tum im Material ist durch den Verwertungsprozeß selbst geschaf-
fen. Doch diese Frage bezieht sich rather 39*) auf die
A k k u m u l a t i o n der Kapitalien.
Kommen wir nun zu dem Punkt, an dem wir zuletzt abgebrochen. Die
wachsende Produktivität vermehrt den S u r p l u s w e r t, ob-
gleich sie 40*) nicht die absolute Summe der Tauschwerte ver-
mehrt. Sie 40*) vermehrt die Werte, weil sie 40*) einen neuen
W e r t a l s W e r t, d.h. einen Wert schafft, der nicht bloß
als Äquivalent ausgetauscht werden soll, sondern sich behaupten;
in einem Worte, mehr Geld. Die Frage ist: Vermehrt sie 40*)
schließlich auch die Summe der Tauschwerte? Au fond ist dies zu-
gegeben, da auch Ricardo zugibt, daß mit der Akkumulation der Ka-
pitalien die Ersparnisse, hence 41*) die Tauschwerte wachsen, die
produziert werden. Das Wachsen der Ersparungen heißt nichts als
Wachsen selbständiger Werte - Geldes. Aber Ricardos Demonstration
widerspricht dieser seiner eignen Behauptung.
Unser altes Beispiel. 100 Taler Kapital; 60 Taler unveränderter
Wert; 40 Salair; produziere 80; also Produkt = 140.
{Hier zeigt es sich wieder, daß der Surpluswert auf das Ganze des
Kapitals = der Hälfte des neuproduzierten Werts ist, da eine
Hälfte desselben = der notwendigen Arbeit. Welches Verhältnis
dieser Surpluswert, der immer gleich der Surpluszeit ist, also =
dem Gesamtprodukt des Arbeiters minus den Teil, der sein Salair
bildet, hängt ab 1. von dem Verhältnis, das der unveränderte Teil
des Kapitals zum produktiven; 2. das 42*) die notwendige Arbeits-
zeit zur Surpluszeit einnimmt. Im obigen Fall 100% das Verhältnis
der Surpluszeit zur notwendigen; macht 40% auf das Kapital von
100; also 3. auch nicht nur von dem in 2. angegebnen Verhältnis,
sondern von der absoluten Größe der notwendigen Arbeitszeit. Wäre
von dem Kapital von 100 der unveränderte Teil 80, so wäre der ge-
gen die notwendige Arbeit ausgetauschte = 20, und wenn dies 100%
Surpluszeit schaffe, der Profit des Kapitals 20%. Wäre aber das
Kapital = 200 mit demselben Verhältnis des konstanten und vari-
ablen Teils [186] (nämlich Vs zu 2/5), so die Summe 280, was 40
auf 100 macht. In diesem Fall wüchse das absolute Quantum des
Profits von 40 auf 80, aber das Verhältnis bliebe 40%. Wäre dage-
gen in den 200 sage wieder das konstante Element 120, das Quantum
der notwendigen Arbeit 80, aber diese vermehrte sich nur um 10%,
also um 8, so wäre die Gesamtsumme = 208, also Profit von 4%;
vermehrte sie sich nur um 5 43*), so die Gesamtsumme 205; also
2 1/2 %.}
-----
38*) In der Handschrift: produzieren - 39*) eher - 40*) in der
Handschrift: es - 41*) folglich - 42*) in der Handschrift: den -
43) in der Handschrift um 5%
#302# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
-----
Diese 40 Surpluswert sei absolute Arbeitszeit.
Gesetzt nun, die Produktivkraft verdopple sich: der Arbeiter
könne also wenn 40 8 notwendige Arbeitsstunden [187] liefern, nun
in 4 Stunden einen ganzen Tag lebendiger Arbeit produzieren. Es
würde dann die Surpluszeit wachsen (früher 2/3 Tag, um einen gan-
zen zu produzieren, jetzt 1/3 Tag) um 1/3. Von dem Produkt des
Arbeitstags wäre 2/3 44*) Mehrwert, und wenn die notwendige Ar-
beitsstunde = 5 Taler (5 x 8 = 40), brauchte er jetzt nur noch 5
x 4 = 20 Taler. Dem Kapital also Surplusgewinn von 20, nämlich 60
statt 40. Am Schluß 140, wovon 60 = dem konstanten Wert, 20 = dem
Salair und 60 = dem Mehrgewinn; zusammen 140. Mit 80 Taler Kapi-
tal kann der Kapitalist nun die Produktion von neuem beginnen:
Der Kapitalist 45*) A auf derselben Stufe der alten Produktion
wende sein Kapital 140 zu neuer Produktion an. Nach dem ursprüng-
lichen Verhältnis braucht er 3/5 zum invariablen Teil des Kapi-
tals, also 3 x 140/5 = 3 x 28 = 84, bleibt für die notwendige Ar-
beit 56. Er wandte vorhin 40 für die Arbeit an, jetzt 56; 2/5
46*) von 40 mehr. Also am Schluß sein Kapital = 84 + 56 + 56 =
196.
Der Kapitalist 45*) B auf der Stufe der gewachsenen Produktion
würde ebenfalls die 140 Taler zu neuer Produktion anwenden. Wenn
er Kapital von 80 braucht, 60 als invariablen Wert und nur 20 für
Arbeit, so von 60 braucht er 45 für invariablen Wert und 15 für
Arbeit; also Summe wäre = 1. 60 + 20 + 20 = 100 und zweitens 45 +
15 + 15 = 75. Also sein Gesamtergebnis 1751 [188], während das
des ersten = 196. Die Vermehrung der Produktivität der Arbeit
heißt nichts, als daß dasselbe Kapital denselben Wert schafft mit
weniger Arbeit oder daß die geringre Arbeit dasselbe Produkt
schafft mit größrem Kapital. Weniger notwendige Arbeit mehr Sur-
plusarbeit produziert. Daß notwendige Arbeit ¦¦9¦ ist kleiner im
Verhältnis zum Kapital, für seinen Verwertungsprozeß ist offenbar
dasselbe als: Das Kapital ist verhältnismäßig größer zur notwen-
digen Arbeit, die es in Bewegung setzt; denn dasselbe Kapital
setzt mehr Surplusarbeit in Bewegung, also weniger notwendige.
Wird vorausgesetzt, wie in unsrem Fall, daß das Kapital dasselbe
bleibt, d.h., daß beide wieder mit 140 Taler beginnen, so muß bei
dem produktivren größrer Teil auf das Kapital fallen (nämlich
seinen invariablen Teil), bei dem unproduktivren größrer auf Ar-
beit. Das erste Kapital von 140 setzt daher notwendige Arbeit von
56 in Bewegung, und diese notwendige Arbeit unterstellt zu ihrem
Prozeß einen invariablen Teil des Kapitals von 84. Das zweite
setzt in Bewegung Arbeit von 20 + 15 = 35, und invariables Kapi-
tal 60 + 45 = 105 (und aus dem früher Entwickelten folgt auch,
daß die Vermehrung der Produktivkraft
-----
44*) In der Handschrift: 1/3 - 45*) in der Handschrift: D. Kapi-
tal - 46*) in der Handschrift: jetzt 16; 2/3
#303# Mehrwert und Profit
-----
nicht in demselben Maß den Wert vermehrt, wie sie sich selbst
vermehrt).}
{Im ersten Fall, wie vorhin schon gezeigt, der absolute Neuwert
größer als im zweiten, weil die Masse angewandter Arbeit größer
ist im Verhältnis zum invariablen; während im zweiten diese klei-
ner ist, eben weil die Arbeit produktiver. Allein 1. der Unter-
schied, daß der Neuwert im ersten Fall nur 40 war, im zweiten 60,
schließt aus, daß der erste mit demselben Kapital die Produktion
neubeginnen kann wie im zweiten; denn ein Teil des Neuwerts auf
beiden Seiten muß als Äquivalent in die Zirkulation eingehn, da-
mit der Kapitalist lebe, und zwar vom Kapital. Verzehren beide 20
Taler, so fängt der erste die neue Arbeit an mit 120 Kapital, der
andre auch mit 120 etc. Sieh oben. Auf dies Ganze noch einmal zu-
rückzukommen; aber die Frage, wie sich der Neuwert, der durch die
größre Produktivkraft geschaffen ist, verhält zum Neuwert, der
durch absolut vermehrte Arbeit geschaffen ist, gehört in das Ka-
pitel von der A k k u m u l a t i o n u n d d e m P r o-
f i t.}
Es wird daher auch von der Maschinerie gesagt, daß sie
A r b e i t s p a r t; das b l o ß e Sparen der Arbeit ist
indes, wie Lauderdale richtig bemerkt hat [189], nicht das Cha-
rakteristische; da mit Hülfe der Maschinerie die menschliche Ar-
beit Dinge tut und schafft, die sie absolut ohne sie nicht schaf-
fen könnte. Letztres bezieht sich auf den Gebrauchswert der Ma-
schinerie. Das S p a r e n der notwendigen Arbeit und das
Schaffen der S u r p l u s a r b e i t ist das Charakteristi-
sche. Die größre Produktivität der Arbeit drückt sich darin aus,
daß das Kapital weniger notwendige Arbeit zu kaufen hat, um den-
selben Wert und größre Quanta von Gebrauchswerten zu schaffen,
oder daß geringre notwendige Arbeit denselben Tauschwert schafft,
mehr Material verwertet und eine größre Masse Gebrauchswerte. Das
Wachsen der Produktivkraft unterstellt also, wenn der
G e s a m t w e r t d e s K a p i t a l s d e r s e l b e
b l e i b t, daß der konstante Teil desselben (in Material und
Maschinen bestehende) wächst im Verhältnis zum variablen, d.h. zu
dem Teil desselben, der sich mit der lebendigen Arbeit aus-
tauscht, den Fonds des Arbeitslohns bildet. Es erscheint dies
zugleich so, daß geringres Quantum Arbeit ein größres Quantum Ka-
pital in Bewegung setzt. Wächst der G e s a m t w e r t d e s
K a p i t a l s, das in den Produktionsprozeß eingeht, so muß
der Arbeitsfonds (dieser variable Teil des Kapitals)
r e l a t i v abnehmen, verglichen mit dem Verhältnis, wenn die
Produktivität der Arbeit, also das Verhältnis der notwendigen Ar-
beit zur Surplusarbeit, dasselbe geblieben wäre.
Nehmen wir im obigen Fall an, das Kapital 100 sei Agrikulturkapi-
tal gewesen. 40 Taler Samen, Dünger etc., 20 Taler Arbeitsinstru-
ment und 40 Taler Lohnarbeit auf dem alten Standpunkt der Produk-
tion (Unterstelle diese
#304# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
-----
40 Taler = 4 notwendigen Arbeitstagen.) Diese schaffen Summe von
140 auf dem alten Standpunkt der Produktion. Die Fruchtbarkeit
vermehre sich um das Doppelte, sei es durch Verbeßrung des In-
struments oder beßren Dünger etc. In diesem Fall muß das Produkt
sein = 140 Taler (unterstellt, das Instrument sich ganz aufzuzeh-
ren). Die Fruchtbarkeit verdopple sich, so daß der Preis des not-
wendigen Arbeitstags um die Hälfte falle oder daß nur 4 halbe
notwendige Arbeitstage (i.e. 2 ganze) nötig sind, um 8 zu produ-
zieren, 2 Arbeitstage um 8 zu produzieren ist dasselbe, daß auf
den einzelnen Arbeitstag 1/4 (3 Stunden) fällt für die notwendige
Arbeit. Statt 40 Taler hat der Pächter jetzt nur mehr 20 auf Ar-
beit zu spenden. 47*) Am Ende des Prozesses haben sich also die
Bestandteile des Kapitals geändert; von den ursprünglichen 40 auf
Samen etc., die jetzt doppelten Gebrauchswert haben; 20 Arbeits-
instrument und 20 Arbeit (2 ganze Arbeitstage). Früher das Ver-
hältnis des konstanten Teils des Kapitals zum variablen = 60:40 =
3:2; jetzt = 80:20 oder = 4:1. Oder betrachten wir das ganze Ka-
pital, so verhielt sich die notwendige Arbeit = 2/5; jetzt wie
1/5. Will der Pächter nun fortfahren, die Arbeit im früheren Ver-
hältnis anzuwenden, um wieviel müßte dann sein Kapital wachsen?
Oder, damit wir die b ö s a r t i g e V o r a u s s e t z u n g
vermeiden, daß er fortfuhr, mit 60 konstantem Kapital und 40 Ar-
beitsfonds zu arbeiten - nachdem die Verdopplung der Produktiv-
kraft eingetreten, wodurch falsche Verhältnisse hereingekommen
{obgleich dies z. B. beim Pächter ganz richtig, wenn die seasons
48*) an Fruchtbarkeit verdoppelt oder für jeden Industriellen
richtig, wenn nicht in seiner Branche, sondern in den von ihm be-
nutzten die Produktivkraft sich verdoppelt; also z.B. die Roh-
wolle um 50% 49*) weniger kostete, ferner das Getreide (also der
Arbeitslohn), endlich das Instrument; er würde dann nach wie vor
fortfahren, erstens 40 Taler in Rohwolle auszulegen, aber doppelt
soviel Quantum, 20 in Maschinerie, 40 in Arbeit}; es wird damit
nämlich unterstellt, daß trotz der verdoppelten Produktivkraft
das Kapital fortfuhr, in denselben Bestandteilen zu arbeiten,
dieselbe Quantität notwendige Arbeit anzuwenden, ohne mehr auszu-
geben für Rohmaterial und Arbeitsinstrument {Setze, daß nur die
Baumwolle sich verdoppelt in Produktivkraft, die Maschine die-
selbe geblieben, so - dies weiter zu untersuchen}; also die Pro-
duktivkraft verdopple sich, so daß, wenn er früher 40 Taler für
Arbeit ausgeben mußte, er nun nur 20 Taler braucht.
(Ist unterstellt, daß 4 ganze Arbeitstage nötig waren - jeder =
10 Taler, um ihm Surplus von 4 ganzen Arbeitstagen zu schaffen,
und dies Surplus werde ihm verschafft, indem die 40 Taler Baum-
wolle in Garn verwandelt werden, so
-----
47*) zu verausgaben (engl.: to spend) - 48*) Jahreszeiten -
49*) in der Handschrift: 100%
#305# Mehrwert und Profit
-----
braucht er jetzt nur 2 ganze Arbeitstage, ¦¦10¦ um denselben Wert
zu schaffen - nämlich 8 Arbeitstage; der Wert des Garns drückte
früher Surpluszeit von 4 Arbeitstagen aus, jetzt von 6. Oder je-
der der Arbeiter brauchte früher 6 Stunden notwendige Arbeits-
zeit, um 12 zu schaffen; j e t z t 3. Die notwendige Arbeits-
zeit betrug 12 x 4 = 48 [Stunden] oder 4 Tage. In jedem dieser
Tage die Surpluszeit = 1/2 Tag (6 Stunden). Sie [die notwendige
Arbeitszeit] beträgt jetzt nur noch 12 x 2 = 24 [Stunden] oder 2
Tage; 3 Stunden [im Tage]. Um den Surpluswert herauszubringen,
mußte jeder der 4 Arbeiter arbeiten 6 x 2 Stunden; d.h. 1 Tag;
jetzt braucht er nur mehr zu arbeiten 3 x 2, d.h. 1/2 Tag. Ob nun
4 einen 1/2 Tag arbeiten oder 2 einen ganzen Tag, ist dasselbe.
Der Kapitalist könnte 2 Arbeiter entlassen. Er müßte sie sogar
entlassen, da er aus einem bestimmten Quantum Baumwolle nur ein
bestimmtes Quantum Garn machen kann; also nicht mehr 4 ganze Tage
arbeiten lassen kann; sondern nur noch 4 halbe. Wenn der Arbeiter
aber 12 Stunden arbeiten muß, um 3 Stunden, d.h. sein
n o t w e n d i g e s Salair zu erhalten, so wird er, wenn er 6
Stunden arbeitet, nur 1 1/2 Stunden Tauschwert erhalten. Wenn er
aber mit 3 notwendigen Arbeitsstunden 12, kann er mit 1 1/2 nur 6
leben. Jeder der 4 Arbeiter könnte also, wenn sie alle 4 ange-
wandt würden, nur einen halben Tag leben, d.h. alle 4 können
nicht als A r b e i t e r von demselben Kapital am Leben erhal-
ten werden, sondern nur 2. Der Kapitalist könnte 4 zahlen mit dem
alten Fonds für 4 halbe Arbeitstage; dann zahlte er 2 zuviel und
machte den Arbeitern ein Geschenk aus der Produktivkraft; da er
nur 4 halbe lebendige Arbeitstage anwenden kann; solche
"Möglichkeiten" kommen weder in der Praxis vor, und noch weniger
kann davon die Rede sein, hier, wo es sich um das Kapitalverhält-
nis als solches handelt.)
20 Taler von dem Kapital von 100 sind jetzt nicht direkt in der
Produktion angewandt. Der Kapitalist wendet nach wie vor 40 Taler
für Rohstoff, 20 für Instrument an, also 60, aber nur noch 20 Ta-
ler für Arbeit (2 Arbeitstage). Von dem ganzen Kapital von 80
wendet er 3/4 (60) für den konstanten Teil an und nur 1/4 für Ar-
beit. Wendet er also die restierenden 20 in derselben Weise an,
so 3/4 für konstantes Kapital, 1/4 für Arbeit; i.e. 15 für das
erste, 5 für die zweite. Da nun ein Arbeitstag = 10 Taler voraus-
gesetzt, wäre 5 nur = 6 Stunden = 1/2 Arbeitstag. Das Kapital
könnte mit dem Neuwert von 20, durch die Produktivität gewonnen,
nur 1/2 Arbeitstag mehr kaufen, um sich in demselben Verhältnis
zu verwerten. Es müßte wachsen um das Dreifache (nämlich 60)
(zusammen mit den 20, 80), um die 2 entlaßnen Arbeiter oder die
früher angewandten 2 Arbeitstage ganz anwenden zu können. Nach
dem neuen Verhältnis wendet das Kapital 3/4 an konstantes Kapi-
tal, um 1/4 Arbeitsfonds anzuwenden.
#306# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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Mit 20 ganzem Kapital daher 3/4, i. e. 15 konstantes und 1/4 Ar-
beit (i.e. 5) = 1/2 Arbeitstag.
Mit 4 x 20 ganzem Kapital, daher 4 x 15 = 60 konstantem, daher 4
x 5 Arbeitslohn = 4/2 Arbeitstage = 2 Arbeitstage.
Wenn also die Produktivkraft der Arbeit sich verdoppelt, so daß
ein Kapital von 60 Talern Rohwolle und Instrument nur mehr 20 Ta-
ler Arbeit (2 Arbeitstage) braucht zu seiner Verwertung, wo es
früher 100 [Gesamtkapital] brauchte, so müßte das Gesamtkapital
von 100 auf 160 wachsen, oder das nun zu rechnende Kapital von 80
müßte sich verdoppeln, um die ganze außer Arbeit gesetzte Arbeit
beizubehalten. Durch die Verdopplung der Produktionskraft wird
aber nur ein neues Kapital gebildet von 20 Talern = 1/2 der frü-
her angewandten Arbeitszeit; und diese reicht nur hin, um 1/2 Ar-
beitstag mehr anzuwenden. Das Kapital, welches vor der Verdopp-
lung der Produktivkraft 100 war und 4 Arbeitstage anwandte (unter
der Voraussetzung, daß 2/5 = 40 Arbeitsfonds war), müßte jetzt,
wo der Arbeitsfonds auf 1/5 von 100 gefallen ist, auf 20 = 2 Ar-
beitstagen (auf 1/4 aber von 80, dem neu in den Verwertungsprozeß
tretenden Kapital), steigen auf 160, um 60%, um die alten 4 Ar-
beitstage mehr anwenden zu können. Es kann mit den infolge der
Vermehrung der Produktivkraft dem Arbeitsfonds entzognen 20 Ta-
lern jetzt nur 1/2 Arbeitstag von neuem anwenden, wenn mit dem
ganzen alten Kapital fortgearbeitet werden soll. Es wandte früher
mit 100 an 16/4 (4 Tage) Arbeitstage; es könnte jetzt nur noch
anwenden 10/4 50*). Wenn also die Produktivkraft sich verdop-
pelt, so braucht das Kapital sich nicht zu verdoppeln, um die-
selbe notwendige Arbeit in Bewegung zu setzen, 4 Arbeitstage,
also nicht zu wachsen auf 200, sondern es braucht nur zu wachsen
um das Ganze minus den dem Arbeitsfonds entzognen Teil. (100 - 20
= 80) x 2 = 160. (Dagegen das erste Kapital, vor der Vermehrung
der Produktivkraft, das mit 100 ausgab: 60 konstant, 40 Arbeits-
lohn (4 Arbeitstage), brauchte, um 2 Tage mehr anzuwenden, von
100 nur zu wachsen auf 150; nämlich 3/5 konstantes Kapital (30)
und 2/5 Arbeitsfonds (20). Während vorausgesetzt, daß in beiden
Fällen der [Gesamt-]Arbeitstag sich um 2 Tage vergrößert 51*),
das zweite 52*) am Ende betragen würde ¦¦11¦ 160 53*); das erste
nur 150 54*)). Von dem dem Arbeitsfonds infolge des Wachstums
der Produktivkraft entzognen Teil des Kapitals muß ein Teil wie-
der verwandelt werden in Rohmaterial und Instrument, ein andrer
mit lebendiger Arbeit ausgetauscht; dies kann nur geschehn in den
Proportionen zwischen den verschiednen Teilen, die durch die neue
Produktivität gesetzt sind. Es kann nicht mehr
-----
50*) In der Handschrift: 5/4 - 51*) in der Handschrift: sich ver-
doppelt - 52*) in der Handschrift: erste - 53*) in der Hand-
schrift: 250 - 54*) in der Handschrift: 160
#307# Mehrwert und Profit
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geschehn in dem alten Verhältnis; denn das Verhältnis von Ar-
beitsfonds zu dem konstanten Fonds ist gesunken. Wandte das Kapi-
tal von 100 2/5 für Arbeitsfonds an (40) und infolge der Verdopp-
lung der Produktivkraft nur noch 1/5 (20), so ist 1/5 des Kapi-
tals freigeworden (20 Taler); der beschäftigte Teil 80 wendet nur
noch 1/4 als Arbeitsfonds an. Also ebenso die 20 nur noch 5 Taler
(1/2 Arbeitstag). Das ganze Kapital von 100 wendet also jetzt an
2 1/2 Arbeitstag; oder es müßte wachsen auf 160, um 4 wieder an-
zuwenden.
Wäre das ursprüngliche Kapital 1000 gewesen und in derselben
Weise geteilt: 3/5 konstantes Kapital, 2/5 Arbeitsfonds, so also
600 + 400 (400 sei gleich 40 Arbeitstagen; Arbeitstag = 10 Ta-
ler). Verdopplung der Produktivkraft nun der Arbeit, also 20 Ar-
beitstage für dasselbe Produkt erheischt (= 200 Taler), so würde
das erheischte Kapital, um die Produktion von neuem zu beginnen,
sein = 800; nämlich 600 + 200; es wären freigeworden 200 Taler.
Diese im selben Verhältnis angewandt, so 3/4 konstantes Kapital =
150 und 1/4 Arbeitsfonds = 50. Wenn daher die 1000 Taler ganz an-
gewandt werden, so nun 750 konstant + 250 Arbeitsfonds = 1000 Ta-
ler. 250 Arbeitsfonds wäre aber = 25 Arbeitstagen (i.e. der neue
Fonds kann nur im neuen Verhältnis, d.h. zu 1/4 die Arbeitszeit
anwenden; um die ganze alte Arbeitszeit anzuwenden, müßte er sich
v e r v i e r f a c h e n). Das freigewordne Kapital von 200
wendete an Arbeitsfonds von 50 = 5 Arbeitstagen (1/4 der freigew-
ordnen Arbeitszeit). (Der von dem Kapital losgelöste Teil des Ar-
beitsfonds ist selbst als Kapital angewandt nur mehr zu 1/4 Ar-
beitsfonds; d.h. gerade in dem Verhältnis, worin der Teil des
neuen Kapitals der Arbeitsfonds ist, zur Gesamtsumme des Kapitals
steht.) Um also 20 Arbeitstage anzuwenden (4 x 5 Arbeitstage),
müßte dieser Fonds wachsen von 50 auf 4 x 50 = 200; also müßte
sich der freigewordne Teil von 200 auf 600 vermehren, d.h. ver-
dreifachen; so daß das gesamte neue Kapital 800 betrüge. So das
Gesamtkapital 1600; von diesem 1200 konstanter Teil und 400 Ar-
beitsfonds. Wenn also das Kapital 1000 ursprünglich Arbeitsfonds
von 400 enthielt (40 Arbeitstage) und durch Verdopplung der Pro-
duktivkraft nur mehr Arbeitsfonds von 200 anzuwenden braucht, um
die n o t w e n d i g e A r b e i t zu kaufen, d. h. nur mehr
1/2 der früheren Arbeit; so müßte das Kapital wachsen um 600, um
die Gesamtheit der früheren Arbeit anzuwenden (und dieselbe Sur-
pluszeit zu gewinnen). Es müßte den doppelten Arbeitsfonds anwen-
den können, nämlich 2 x 200 = 400; da aber das Verhältnis des Ar-
beitsfonds zum Gesamtkapital jetzt = 1/4, so erheischte dies ein
Gesamtkapital von 4 x 400 = 1600.
{Das Gesamtkapital, das nötig wäre, um die alte Arbeitszeit anzu-
wenden, ist also = d e m a l t e n A r b e i t s f o n d s
m u l t i p l i z i e r t m i t d e m N e n n e r des Bruch-
teils, der nun das Verhältnis des Arbeitsfonds zum neuen Gesamt-
kapital ausdrückt.
#308# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
-----
Wenn die Verdopplung der Produktivkraft dies auf 1/4 reduziert
hat, so multipliziert mit 4; wenn auf 1/3, so multipliziert mit
3. Ist die Produktivkraft verdoppelt, so die notwendige Arbeit
und damit der Arbeitsfonds reduziert auf 1/2 seines frühern
Werts; aber macht 1/4 in bezug auf das neue Gesamtkapital von 800
oder 1/5 in bezug auf das alte Gesamtkapital von 1000. O d e r
d a s n e u e G e s a m t k a p i t a l i s t = 2 x d e m
a l t e n K a p i t a l m i n u s d e n f r e i g e w o r-
d n e n T e i l des A r b e i t s f o n d s; (1000 - 200) x 2
= (800) x 2 = 1600. Das neue Gesamtkapital drückt eben aus die
Gesamtsumme von konstantem und variablem Kapital, die nötig, um
die Hälfte der alten Arbeitszeit (1/3, 1/4 etc. 1/x je nachdem
sich die Produktivkraft 3 x, 4 x, x x vermehrt hat) anzuwenden; 2
x also das Kapital, um sie ganz anzuwenden (oder 3 x, 4 x, x x
etc., je nach dem Verhältnis, worin die Produktivkraft ge-
wachsen). Gegeben muß hier immer sein (t e c h n o l o-
g i s c h) das Verhältnis, worin ursprünglich die Kapitalteile
zueinander standen; davon hängt z. B. ab, in welchen Bruchteilen
sich die Vervielfältigung der Produktivkraft als Division der
n o t w e n d i g e n A r b e i t ausdrückt.}
Oder es ist, was dasselbe ist, ¦¦12¦ = 2 x d e m n e u e n
K a p i t a l , das infolge der neuen Produktivkraft die Stelle
des alten in der Produktion ersetzt (800 x 2) (also hätte sich
die Produktivkraft vervierfacht, verfünffacht etc. = 4 x, 5 x
d e m n e u e n Kapital etc. Hat sich die Produktivkraft ver-
doppelt, so ist die n o t w e n d i g e A r b e i t reduziert
auf 1/2; ebenso der Arbeitsfonds. Betrug sie also, wie im obigen
Fall von dem alten Kapital 1000 ... 400, i. e. 2/5 vom Gesamt-
kapital, so jetzt 1/5 oder 200. Dies Verhältnis, um das sie redu-
ziert ist, ist der freigewordne Teil des Arbeitsfonds = 1/5 des
alten Kapitals = 200. 1/5 des alten = 1/4 des neuen. Das neue Ka-
pital ist = dem alten + 3/5 desselben. Näher diese Pimpeleien
später etc.).
Dieselben ursprünglichen Verhältnisse zwischen den Teilen des Ka-
pitals vorausgesetzt und dieselbe Vermehrung der Produktivkraft,
so ist die Größe oder Kleinheit des Kapitals völlig gleichgültig
für die allgemeinen Sätze. Eine ganz andre Frage ist, ob, wenn
das Kapital sich v e r g r ö ß e r t, die Verhältnisse diesel-
ben bleiben (dies gehört aber in die Akkumulation). Aber dies
vorausgesetzt, sehen wir, wie die Vermehrung der Produktivkraft
die Verhältnisse in den Bestandteilen des Kapitals verändert. Wie
für 100, so für 1000 wirkt die Verdopplung der Produktivkraft in
derselben Weise, wenn in beiden Fällen ursprünglich 3/5 konstan-
tes, 2/5 Arbeitsfonds war. (Das Wort A r b e i t s f o n d s
wird hier nur der Bequemlichkeit wegen gebraucht; wir haben das
Kapital noch nicht in dieser B e s t i m m t h e i t entwic-
kelt. Bisher zwei Teile; der eine ausgetauscht gegen Waren
(Material und Instrument), der andre gegen das Arbeitsvermögen.)
(Das n e u e K a p i t a l - d.h. der Teil des alten Kapitals,
der seine F u n k t i o n vertritt, ist = dem alten minus dem
freigewordnen Teil des Arbeitsfonds;
#309# Mehrwert und Profit
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dieser freigewordne Teil aber = dem Bruchteil, der die notwen-
dige Arbeit ausdrückte (oder was dasselbe, den Arbeitsfonds) di-
vidiert durch den Multiplikator der Produktivkraft. Also wenn das
alte Kapital 1000, der Bruchteil, der die notwendige Arbeit oder
Arbeitsfonds ausdrückt = 2/5; und die Produktivkraft verdoppelt
sich, so das neue Kapital, das die Funktion des alten vertritt, =
800, nämlich 2/5 des alten Kapitals = 400; diese dividiert durch
2, den Multiplikator der Produktivkraft, = 2/10 = 1/5 - 200. Also
das neue Kapital = 800 und der freigewordne Teil des Arbeitsfonds
= 200).
Wir haben gesehn, daß unter diesen Verhältnissen ein Kapital von
100 Talern zu 160 und eins von 1000 zu 1600 anwachsen muß, um
dieselbe Arbeitszeit (von 4 oder 40 Arbeitstagen) zu halten,
etc.; beide müssen wachsen um 60%, i.e. 3/5 ihrer selbst (des al-
ten Kapitals), um das freigesetzte (im ersten Fall 20 Taler, im
zweiten 200) 1/5 - den freigesetzten Arbeitsfonds - als solchen
wieder anwenden zu können.
{N o t a b e n e. Vorhin sahen wir, wie derselbe Prozentsatz auf
das Gesamtkapital sehr verschiedne Verhältnisse ausdrücken kann,
worin das Kapital seinen Mehrwert schafft, d.h. Surplusarbeit,
relative oder absolute, setzt. Wäre das Verhältnis zwischen dem
unveränderten Wertteil des Kapitals und dem veränderlichen (gegen
Arbeit ausgetauscht) so, daß der letztre = 1/2 des Gesamtkapitals
(also Kapital 100 = 50 (konstantem) + 50 (verändertem)), so
brauchte der gegen die Arbeit ausgetauschte Teil sich nur um 50%
zu vermehren, um 25% auf das Kapital zu geben; nämlich 50 + 50 (+
25) = 125; während im obigen Beispiel 75 + 25 (+ 25) = 125; also
der gegen die lebendige Arbeit ausgetauschte Teil um 100% sich
vermehrte, um 25 auf das Kapital zu geben. Hier sehn wir, wie,
wenn die Verhältnisse dieselben bleiben, derselbe Prozentsatz auf
das Gesamtkapital bleibt, wie groß oder klein es immer sei; d.h.,
wenn das Verhältnis des Arbeitsfonds zum Gesamtkapital dasselbe
bleibt; also oben 1/4. Nämlich: 100 gibt 125,80 gibt 100, 1000
gibt 1250, 800 gibt 1000, 1600 gibt 2000 55*) etc., immer = 25%.
Wenn Kapitalien, worin die Bestandteile in verschiednem Verhält-
nisse stehn, also auch die Produktivkraft, dieselben Prozente auf
das ganze Kapital geben, so muß der wirkliche Mehrwert sehr ver-
schieden sein in den verschiednen Zweigen.}
{So ist das Beispiel richtig, die Produktivkraft verglichen unter
denselben Verhältnissen mit demselben Kapital v o r dem Steigen
der Produktivkraft. Kapital von 100 wende an 50 konstanten Wert,
50 = Arbeitsfonds. Der Fonds vermehre sich um 50%, i.e. 1/2, so
das Gesamtprodukt = 125. Der Arbeitsfonds von 50 Talern em-
ployiere 10 Arbeitstage, zahle für den Tag 5 Taler. Da der
-----
55*) In der Handschrift: 200
#310# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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Neuwert 1/2, so muß die Surpluszeit = 5 Arbeitstagen sein; d.h.
der Arbeiter, der nur 10 Arbeitstage zu arbeiten brauchte, um 15
zu leben, muß für den Kapitalisten 15 arbeiten, um 15 zu leben;
und seine Surplusarbeit von 5 Tagen konstituiert den Mehrwert des
Kapitals. In Stunden ausgedrückt, wenn der Arbeitstag = 12 Stun-
den, so die Surplusarbeit = 6 auf den Tag. Arbeitet so in 10 Ta-
gen oder 120 Stunden zuviel 60 = 5 Tage. Nun aber bei der Ver-
dopplung der ¦¦13¦ Produktivität wäre das Verhältnis der 100 Ta-
ler 75 und 25, d.h. dasselbe Kapital braucht nur mehr 5 Arbeiter
anzuwenden, um denselben Wert von 125 zu schaffen; so also die 5
Arbeitstage = 10; sich verdoppelt; d.h. bezahlt werden 5 Arbeits-
tage, produziert 10. Der Arbeiter brauchte nur 5 Tage zu arbei-
ten, um 10 zu leben (vor der Vergrößrung der Produktivkraft mußte
er 10 arbeiten, um 15 zu leben; konnte also, wenn er 5 arbeitete,
nur 7V2 leben); er muß aber für den Kapitalisten 10 arbeiten, um
10 zu leben; dieser profitiert also 5 Tage; 1 Tag auf den Tag;
oder, auf den Tag ausgedrückt, früher mußte er 1/2 arbeiten, um 1
zu leben (i.e. 6 Stunden, um 12 zu leben); jetzt brauchte er nur
1/4 zu arbeiten, um 1 zu leben (i.e. 3 Stunden). Wenn er einen
ganzen Tag arbeitete, könnte er 2 leben; wenn er 12 Stunden ar-
beitete, 24; wenn er 6 arbeitete, 12 Stunden. Er muß aber jetzt
12 Stunden arbeiten, um 12 zu leben. Er brauchte nur 1/2 zu ar-
beiten, um 1 zu leben; er muß aber 2 x 1/2 = 1 arbeiten, um 1 zu
leben. Unter dem alten Zustand der Produktivkraft mußte er 10
Tage arbeiten, um 15 zu leben, oder 12 Stunden, um 18 zu leben;
oder 1 Stunde, um 1 1/2 zu leben, oder 8 Stunden, um 12 zu leben,
d.h. 2/3 Tag, um 3/3 zu leben. Er muß aber 3/3 arbeiten, um 3/3
zu leben, d.h. 1/3 56*) zuviel. Die Verdopplung der Produktiv-
kraft steigert das Verhältnis der Surpluszeit von 1 : 1 1/2 (d.h.
50%) zu 1:2 (d.h. 100%). [190] Im Verhältnis von der frühern Ar-
beitszeit: er brauchte 8, um 12 zu leben, d.h. 2/3 notwendige
Zeit des ganzen Arbeitstags; er braucht jetzt nur noch 1/2, d.h.
6, um 12 zu leben. Deswegen wendet das Kapital nun 5 Arbeiter
statt 10 an. Wenn vorhin die 10 (kosteten 50) produzierten 75, so
produzieren jetzt die [5, die] 25 [kosten,] 50; d.h. die ersten
nur 50%; die zweiten 100 57*). Die Arbeiter arbeiten nach wie
vor 12 Stunden; aber im ersten Fall kaufte das Kapital 10 Ar-
beitstage, jetzt nur mehr 5; weil die Produktivkraft sich verdop-
pelt hat, produzieren die 5 - 5 Surplusarbeitstage; weil im er-
sten Fall 10 Arbeitstage nur 5 Surplusarbeitstage gaben; jetzt,
wo die Produktivkraft sich verdoppelt, also von 50% auf 100% ge-
stiegen - 5 [Arbeitstage] 5; im ersten Fall 120 Arbeitsstunden (=
10 Arbeitstagen) produzieren 180, im zweiten 60 [Arbeitsstunden]
60; d.h. im ersten Fall beträgt die Surpluszeit auf den ganzen
Tag 1/3 (auf die notwendige Arbeitszeit 50%); (d.h. auf 12 Stun-
den 4;
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56*) In der Handschrift: 2/3 - 57*) in der Handschrift: 50
#311# Mehrwert und Profit
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die notwendige Zeit 8); im zweiten Fall beträgt die Surpluszeit
auf den ganzen Tag 1/2 (auf die notwendige Arbeitszeit 100%)
(d.h. auf 12 Stunden 6; die notwendige Zeit 6); darum die 10 Tage
im ersten Fall gaben 5 Tage Surpluszeit (-arbeit), und im zweiten
die 5 geben 5. (Die relative Surpluszeit hat sich also verdop-
pelt; im Verhältnis zum ersten Verhältnis ist sie nur gewachsen
um 1/2 gegen 1/3; d.h. um 1/6, d.h. um 16 4/6 %.)}
konst. variabel
100 60 + 40 (ursprüngliches Verhältnis)
100 75 + 25 (+25) = 125 (25%)
160 120 + 40 (+40) = 200 (25%)
Da Surplusarbeit oder Surpluszeit die Voraussetzung des Kapitals
ist, so beruht es also auf der Grundvoraussetzung, daß ein Sur-
plus über die zur Erhaltung und Fortpflanzung des einzelnen not-
wendige Arbeitszeit existiert; daß z. B. das Individuum nur 6
Stunden zu arbeiten braucht, um einen Tag zu leben, oder 1 Tag,
um 2 zu leben etc. Mit der Entwicklung der Produktivkräfte nimmt
die notwendige Arbeitszeit ab und damit die Surpluszeit zu. Oder
auch, daß ein Individuum für zwei etc. arbeiten kann.
("Reichtum ist verfügbare Zeit und nichts weiter, [p. 6.] ...
Wäre die ganze Arbeit eines Landes nur hinreichend, den Unterhalt
der ganzen Bevölkerung aufzubringen, gäbe es keine M e h r-
a r b e i t, folglich nichts, was man als Kapital akkumulieren
lassen könnte. I p. 4.]... Wahrhaft reich eine Nation, wenn
k e i n Z i n s existiert oder wenn statt 12 Stunden 6
gearbeitet wird. [p. 6.] ... Was dem Kapitalisten auch immer zu-
stehen mag, er kann nur die M e h r a r b e i t des Arbeiters
erhalten; denn der Arbeiter muß leben." ("The source and remedy
of the national difficulties".) (p. 27, 28.) [191])
Eigentum. Ursprung von der Produktivität der Arbeit.
"Wenn einer nur für einen produzieren kann, jeder Arbeiter; dann
kann es kein Eigentum geben. Wenn die Arbeit eines Mannes fünf
unterhalten kann, werden vier Untätige auf einen in der Produk-
tion Beschäftigten entfallen. Eigentum entwickelt sich aus der
Verbesserung der Art und Weise der Produktion ... Das Wachstum
des Eigentums, diese größere Fähigkeit, untätige Menschen und un-
produktive Industrie zu unterhalten = Kapital ... Maschinerie
selbst kann selten mit Erfolg verwendet werden, um die Anstren-
gungen eines Individuums einzuschränken; mehr Zeit ginge bei ih-
rer Konstruktion verloren, als durch ihre Verwendung erspart wer-
den könnte. Sie ist nur wirklich nützlich, wenn sie auf große
Mengen einwirkt, wenn eine einzige Maschine die Arbeiten Tausen-
der unterstützen kann. Demgemäß ist sie in den bevölkerungsreich-
sten Ländern, wo es die meisten untätigen Menschen gibt, immer am
reichlichsten vorhanden. Sie wird nicht in Betrieb genommen wegen
des Mangels an Menschen, sondern infolge der Möglichkeit, mit der
sie zusammengebracht werden ... Nicht 1/4 der englischen Bevölke-
rung liefert ¦¦14¦ alles, was von allen verzehrt wird. Unter
William dem Eroberer
#312# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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z.B. die Anzahl der direkt an der Produktion Beteiligten viel
größer als zu den Untätigen." (Ravenstone. IX, 32.) [192]
Wenn einerseits das Kapital die Surplusarbeit schafft, ist die
Surplusarbeit ebensosehr Voraussetzung für die Existenz des Kapi-
tals. Auf Schaffen disponibler Zeit beruht die ganze Entwicklung
des Reichtums. Das Verhältnis der n o t w e n d i g e n Ar-
beitszeit zur ü b e r f l ü s s i g e n (so zunächst ist sie
vom Standpunkt der notwendigen Arbeit aus) ändert sich auf den
verschiednen Stufen der Entwicklung der Produktivkräfte. Auf den
primitivem Stufen des Austauschs tauschen die Menschen nichts aus
als ihre ü b e r f l ü s s i g e A r b e i t s z e i t; sie
ist das Maß ihres Austauschs, der sich daher auch nur auf über-
flüssige Produkte erstreckt. In der auf dem Kapital beruhnden
Produktion ist die Existenz der n o t w e n d i g e n Arbeits-
zeit bedingt durch Schaffen ü b e r f l ü s s i g e r Arbeits-
zeit. Auf den untersten Stufen der Produktion sind erstens noch
wenige menschliche Bedürfnisse produziert, also auch wenige zu
befriedigen. Die notwendige Arbeitszeit ist daher beschränkt,
nicht weil die Arbeit produktiv, sondern weil wenig notwendig;
und zweitens existiert auf allen Stufen der Produktion gewisse
Gemeinsamkeit der Arbeit, g e s e l l s c h a f t l i c h e r
Charakter derselben, etc. Später entwickelt sich die gesell-
schaftliche Produktivkraft etc. (Hierauf zurückzukommen.)
Die S u r p l u s z e i t existiert als Überschuß des Arbeits-
tags über den Teil desselben, den wir die n o t w e n d i g e
Arbeitszeit nennen; zweitens als Vermehrung der g l e i c h-
z e i t i g e n A r b e i t s t a g e, i.e. der a r b e i-
t e n d e n B e v ö l k e r u n g. (Sie kann auch erzeugt
werden - doch dies nur anspielungsweis hier zu erwähnen, gehört
in das Kapitel von der Lohnarbeit - durch gewaltsame Verlängerung
des Arbeitstags über seine natürlichen Grenzen hinaus; durch
Hinzufügung von Weibern und Kindern zur arbeitenden Bevölkerung.)
Das erste Verhältnis der Surpluszeit des Tages zu seiner
notwendigen kann und wird durch Entwicklung der Produktivkräfte
modifiziert, so daß die notwendige Arbeit auf immer kleinern ali-
quoten 58*) Teil beschränkt wird. Dasselbe gilt dann für die Be-
völkerung relativ. Eine arbeitende Bevölkerung, say of 6 Millions
59*), kann betrachtet werden als ein Arbeitstag von 6 x 12, i.e.
72 Millionen Stunden: so daß dieselben Gesetze hier anwendbar.
Es ist, wie wir gesehn, Gesetz des Kapitals, Surplusarbeit, dis-
ponible Zeit zu schaffen; es kann dies nur, indem es
n o t w e n d i g e A r b e i t in Bewegung setzt - d. h. den
Tausch mit dem Arbeiter eingeht. Es ist daher seine Tendenz, mög-
lichst viel Arbeit zu schaffen; wie es ebensosehr seine Tendenz
ist, die notwendige Arbeit auf ein Minimum zu reduzieren. Es ist
daher ebensosehr
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58*) "ohne Rest aufgehenden - 59*) sagen wir von 6 Millionen
#313# Mehrwert und Profit
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Tendenz des Kapitals, die arbeitende Bevölkerung zu vermehren,
wie einen Teil derselben beständig als Surplusbevölkerung - Be-
völkerung, die zunächst nutzlos ist, bis das Kapital sie verwer-
ten kann - zu setzen. (Daher die Richtigkeit der Theorie von Sur-
plusbevölkerung und Surpluskapital.) Es ist ebensosehr Tendenz
des Kapitals, menschliche Arbeit überflüssig zu machen (relativ)
als menschliche Arbeit ins Maßlose zu treiben. Wert ist nur ver-
gegenständlichte Arbeit, und Surpluswert (Verwertung des Kapi-
tals) ist nur Überschuß über den Teil der vergegenständlichten
Arbeit, der notwendig zur Reproduktion des Arbeitsvermögens. Ar-
beit überhaupt ist und bleibt aber die Voraussetzung, und die
Surplusarbeit existiert nur im Verhältnis zur notwendigen, also
nur insofern diese existiert. Das Kapital muß daher beständig
notwendige Arbeit setzen, um Surplusarbeit zu setzen; es muß sie
vermehren (nämlich die g l e i c h z e i t i g e n Arbeits-
tage), um das Surplus vermehren zu können; aber es muß' sie eben-
sosehr aufheben als notwendige, um sie als Surplusarbeit zu set-
zen.
Den einzelnen Arbeitstag betrachtet, ist der Prozeß natürlich
einfach: 1. ihn bis an die Grenzen der natürlichen Möglichkeit zu
verlängern; 2. den notwendigen Teil desselben immer mehr zu ver-
kürzen (also die Produktivkräfte maßlos zu steigern). Aber der
Arbeitstag, räumlich betrachtet - die Zeit selbst räumlich be-
trachtet -, ist das N e b e n e i n a n d e r v i e l e r
A r b e i t s t a g e. Mit je mehr Arbeitstagen at once 60*) das
Kapital den Austausch eingehn kann, worin es v e r g e-
g e n s t ä n d l i c h t e A r b e i t g e g e n l e b e n-
d i g e austauscht, desto größer seine Verwertung a t o n c e.
Es kann die n a t ü r l i c h e Grenze, die der lebendige
Arbeitstag eines Individuums bildet, a u f e i n e r g e-
g e b n e n S t u f e d e r E n t w i c k l u n g d e r
P r o d u k t i v k r ä f t e (und es ändert selbst nichts, daß
diese Stufe changing 61*) ist) nur überspringen, indem es
n e b e n dem einen Arbeitstag einen a n d r e n gleichzeitig
setzt - durch das räumliche Zufügen v o n m e h r
g l e i c h z e i t i g e n A r b e i t s t a g e n. Ich kann
z. B. die Surplusarbeit von A nur auf 3 Stunden treiben; aber
wenn ich die Tage von B, C, D etc. hinzufüge, werden es 12 Stun-
den. Statt eine Surpluszeit von 3 habe ich eine von 12 geschaf-
fen. Daher sollizitiert 62*) das Kapital die Vermehrung der Popu-
lation und der very process 63*), wodurch die notwendige Arbeit
reduziert wird, macht es möglich, neue notwendige Arbeit (und da-
her Surplusarbeit) ins Werk zu setzen. (D.h., die P r o d u k-
t i o n d e r A r b e i t e r wird wohlfeiler, mehr Arbeiter
können in derselben Zeit produziert werden, in demselben Maß als
die n o t w e n d i g e A r b e i t s z e i t kleiner oder die
zur P r o d u k t i o n d e s l e b e n d i g e n A r-
b e i t s v e r m ö g e n s erforderliche Zeit relativ geringer
wird. Dies sind identische Sätze.) (Dies noch ohne Rücksicht
darauf, daß die Vermehrung
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60*) zugleich - 61*) im Verändern begriffen - 62*) regt an -
63*) eben der Prozeß
#314# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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der Population die Produktivkraft der Arbeit vermehrt, indem sie
größre Teilung und größre Kombination der Arbeit etc. möglich
macht. Die Vermehrung der Population ist eine N a t u r-
k r a f t ¦¦15¦ der Arbeit, die nicht gezahlt wird. N a t u r-
k r a f t nennen wir auf diesem Standpunkt die g e s e l l-
s c h a f t l i c h e K r a f t. A l l e N a t u r k r ä f t e
d e r g e s e l l s c h a f t l i c h e n A r b e i t sind
selbst historische Produkte). Andrerseits ist es die Tendenz des
Kapitals - ebensosehr, wie früher beim einzelnen Arbeitstag - nun
in bezug auf die vielen gleichzeitigen notwendigen Arbeitstage
(die, insofern nur der Wert betrachtet wird, als e i n
Arbeitstag betrachtet werden können), sie auf ein Minimum zu
reduzieren, d.h. möglichst viele derselben als n i c h t
n o t w e n d i g zu setzen, und wie vorhin beim einzelnen
Arbeitstag die notwendigen Arbeitsstunden, so jetzt die
notwendigen Arbeitstage zu reduzieren im Verhältnis zum Total der
vergegenständlichten Arbeitszeit. (Wenn 6 nötig, um 12 überflüs-
sige Arbeitsstunden zu produzieren, so arbeitet das Kapital dar-
auf hin, [daß] nur 4 dazu nötig sind. Oder die 6 Arbeitstage kön-
nen als ein Arbeitstag von 72 Stunden betrachtet werden; gelingt
es, die notwendige Arbeitszeit um 24 Stunden zu verringern, so
fallen 2 notwendige Arbeitstage weg - i. e. 2 Arbeiter.)
Andrerseits das neue Surpluskapital, das geschaffen wird, kann
als solches nur verwertet werden durch Austausch gegen lebendige
Arbeit. Daher ebensosehr Tendenz des Kapitals, die A r-
b e i t s b e v ö l k e r u n g zu vermehren als den n o t-
w e n d i g e n T e i l derselben beständig zu vermindern
(einen Teil beständig wieder als Reserve zu setzen). Und die Ver-
mehrung der Bevölkerung selbst Hauptmittel zur Verminderung der-
selben. A u f o n d i s t d i e s n u r A n w e n d u n g
d e s V e r h ä l t n i s s e s [ d e r n o t w e n d i g e n
u n d d e r S u r p l u s a r b e i t ] z u m e i n z e l-
n e n A r b e i t s t a g. Hier liegen also schon sämtliche
Widersprüche, die in der modernen Populationstheorie als solche
ausgesprochen, obgleich nicht begriffen worden sind. Das Kapital
als Setzen der Surplusarbeit ist ebensosehr und in demselben
Moment Setzen und Nichtsetzen der notwendigen Arbeit; es ist nur,
insofern sie ist und zugleich nicht ist.
{Es gehört noch nicht hierher, kann hier aber schon erinnert wer-
den, wie dem Schaffen der Surplusarbeit auf der einen Seite ent-
spricht ein Schaffen von Minus-Arbeit, relativer idleness 64*)
(oder n i c h t p r o d u k t i v e r Arbeit im besten Fall)
auf der andren. Es versteht sich dies erstens vom Kapital von
selbst; dann aber auch den Klassen, mit denen es teilt; also von
den vom Surplusproduce 65*) lebenden Paupers 66*), flunkeys 67*),
Jenkinses 68*) etc., kurz, dem ganzen train von retainers 69*);
dem Teil der d i e n e n d e n Klasse, der nicht von Kapital,
sondern von
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64*) Untätigkeit - 65*) Mehrprodukt - 66*) Armen - 67*) Lakaien -
68*) Speichelleckern - 69*) Gefolge von Dienstmannen
#315# Mehrwert und Profit
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Revenue lebt. Wesentlicher Unterschied dieser d i e n e n d e n
und der a r b e i t e n d e n Klasse. In bezug auf die ganze
Gesellschaft das Schaffen der d i s p o n i b l e n Z e i t
dann auch als Schaffen der Zeit zur Produktion von Wissenschaft,
Kunst etc. Es ist keineswegs der Entwicklungsgang der Gesell-
schaft, daß, weil ein Individuum seine Not befriedigt hat, es nun
seinen Überfluß schafft; sondern, weil ein Individuum oder Klasse
von Individuen gezwungen wird, mehr zu arbeiten als zur Befriedi-
gung seiner Not nötig - weil S u r p l u s a r b e i t auf der
einen Seite -, wird Nichtarbeit und Surplusreichtum auf der and-
ren gesetzt. Der Wirklichkeit nach existiert die Entwicklung des
Reichtums nur in diesen Gegensätzen: der Möglichkeit nach ist
eben seine Entwicklung die Möglichkeit der Aufhebung dieser Ge-
gensätze. Oder weil ein Individuum nur s e i n e e i g n e Not
befriedigen kann, indem es zugleich die Not und ein Surplus über
dieselbe für ein a n d r e s Individuum befriedigt. Bei der
Sklaverei dies brutal. Erst unter der Bedingung der Lohnarbeit
führt es zur I n d u s t r i e, i n d u s t r i e l l e n Ar-
beit. - Malthus daher auch ganz konsequent, wenn er neben Sur-
plusarbeit und Surpluskapital das Verlangen stellt von Surplus-
idlers, consuming without producing 70*) oder die Notwendigkeit
von Verschwendung, Luxus, Spendieren 71*) etc.}
Wenn das Verhältnis der notwendigen Arbeitstage zum Total der
vergegenständlichten Arbeitstage = 9:12 war (also Surplusarbeit =
1/4), so ist das Bestreben des Kapitals, es zu reduzieren auf 6:9
(also 2/3, also Surplusarbeit = 1/3). (Dies später näher zu ent-
wickeln; indes die Hauptgrundzüge hier, wo es sich vom allgemei-
nen Begriff des Kapitals handelt.)
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70*) Überschuß an Müßiggängern, die konsumieren, ohne zu produ-
zieren - 71*) Verausgabung
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