Quelle: MEW 42 Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858
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[Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen]
Wenn freie Arbeit und Austausch dieser freien Arbeit gegen Geld,
um das Geld zu reproduzieren und verwerten, um von dem Geld als
Gebrauchswert nicht für den Genuß, sondern als Gebrauchswert für
Geld verzehrt zu werden, Voraussetzung der Lohnarbeit und eine
der historischen Bedingungen des Kapitals ist, so ist die Tren-
nung der freien Arbeit von den objektiven Bedingungen ihrer Ver-
wirklichung - von dem Arbeitsmittel und dem Arbeitsmaterial -
eine andre Voraussetzung. Also vor allem Loslösung des Arbeiters
von der Erde als seinem natürlichen Laboratorium - daher Auflö-
sung des kleinen freien Grundeigentums sowohl wie des gemein-
schaftlichen, auf der orientalischen Kommune beruhenden Grundei-
gentums. In beiden Formen verhält sich der Arbeiter zu den objek-
tiven Bedingungen seiner Arbeit als seinem Eigentum; es ist dies
die natürliche Einheit der Arbeit mit ihren sachlichen Vorausset-
zungen. Der Arbeiter hat daher unabhängig von der Arbeit eine ge-
genständliche Existenz. Das Individuum verhält sich zu sich
selbst als Eigentümer, als Herr ¦¦5l¦ der Bedingungen seiner
Wirklichkeit. Es verhält sich ebenso zu den andren - und je nach-
dem diese V o r a u s s e t z u n g gesetzt ist als von dem Ge-
meinwesen ausgehend oder als von den einzelnen Familien, die die
Gemeinde konstituieren ", verhält es sich zu den andren als
Miteigentümern, ebensoviel Inkarnationen des Gemeineigentums,
oder als selbständigen
#384# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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Eigentümern neben ihm, selbständigen Privateigentümern - neben
denen das früher alles absorbierende und über alle übergreifende
Gemeineigentum selbst als besondrer ager publicus 1*) neben den
vielen Privatgrundeigentümern gesetzt ist.
In beiden Formen verhalten sich die Individuen nicht als
Arbeiter, sondern als Eigentümer - und Mitglieder eines Gemeinwe-
sens, die zugleich arbeiten. Der Zweck dieser Arbeit ist nicht
W e r t s c h ö p f u n g - obgleich sie Surplusarbeit tun mö-
gen, um sich f r e m d e, i.e. Surplusprodukte, auszutauschen
"; sondern ihr Zweck ist Erhaltung des einzelnen Eigentümers und
seiner Familie wie des Gesamtgemeindewesens. Die Setzung des In-
dividuums als eines A r b e i t e r s in dieser Nacktheit ist
selbst h i s t o r i s c h e s Produkt.
In der ersten Form dieses Grundeigentums - erscheint zunächst ein
naturwüchsiges Gemeinwesen als erste Voraussetzung. Familie und
die im Stamm [222] erweiterte Familie oder durch intermarriage
2*) zwischen Familien, oder Kombination von Stämmen. Da wir an-
nehmen können, daß das H i r t e n w e s e n, überhaupt
W a n d e r u n g die erste Form der Existenzweise, nicht daß
der Stamm sich niederläßt auf einem bestimmten Sitz, sondern daß
er abweidet, was er vorfindet - die Menschen sind nicht von Natur
seßhaft (es müßte denn sein in so besonders fruchtbarer Naturum-
gebung, daß sie wie Affen auf einem Baum sitzen; sonst roaming
3*), wie die wilden Tiere), so erscheint die S t a m m g e-
m e i n s c h a f t, das natürliche Gemeinwesen nicht als
R e s u l t a t, sondern als V o r a u s s e t z u n g d e r
g e m e i n s c h a f t l i c h e n A n e i g n u n g (temporä-
ren) und B e n u t z u n g d e s B o d e n s. Lassen sie sich
endlich nieder, so wird es von verschiednen äußerlichen, kli-
matischen, geographischen, physischen etc. Bedingungen sowohl wie
von ihrer besondren Naturanlage etc. abhängen - ihrem Stamm-
charakter -, wie mehr oder minder diese ursprüngliche Gemein-
schaft modifiziert wird. Die naturwüchsige Stammgemeinschaft
oder, wenn man will, das Heidenwesen ist die erste Voraussetzung
- die Gemeinschaftlichkeit in Blut, Sprache, Sitten etc. - der
A n e i g n u n g d e r o b j e k t i v e n B e d i n g u n-
g e n ihres Lebens und der sich reproduzierenden und ver-
gegenständlichenden Tätigkeit desselben (Tätigkeit als Hirten,
Jäger, Ackerbauer etc.).
Die Erde ist das große Laboratorium, das Arsenal, das sowohl das
Arbeitsmittel wie das Arbeitsmaterial liefert wie den Sitz, die
B a s i s des Gemeinwesens. Sie verhalten sich naiv zu derselben
als dem Eigentum d e s G e m e i n w e s e n s und des in der
lebendigen Arbeit sich produzierenden und reproduzierenden Ge-
meinwesens. Jeder einzelne verhält sich nur als Glied, als member
4*) dieses Gemeinwesens als E i g e n t ü m e r oder B e-
s i t z e r. Die wirkliche
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1*) besonderes Gemeindeland - 2*) Heiraten untereinander -
3*) umherstreifend - 4*) Mitglied
#385# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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A n e i g n u n g durch den Prozeß der Arbeit geschieht unter
diesen V o r a u s s e t z u n g e n, die selbst nicht P r o-
d u k t der Arbeit sind, sondern als ihre natürlichen oder
g ö t t l i c h e n Voraussetzungen erscheinen. Diese Form, wo
dasselbe Grundverhältnis zugrunde liegt, kann sich selbst sehr
verschieden realisieren. Z.B. es widerspricht ihr durchaus nicht,
daß, wie in den meisten a s i a t i s c h e n Grundformen, die
z u s a m m e n f a s s e n d e E i n h e i t, die über allen
diesen kleinen Gemeinwesen steht, als der höhere E i g e n t ü-
m e r oder als der e i n z i g e E i g e n t ü m e r er-
scheint, die wirklichen Gemeinden daher nur als e r b l i c h e
Besitzer. Da die E i n h e i t der wirkliche Eigentümer ist und
die wirkliche Voraussetzung des gemeinschaftlichen Eigentums - so
kann diese selbst als ein B e s o n d r e s über den vielen
wirklichen besondren Gemeinwesen erscheinen, wo der einzelne dann
in fact eigentumslos ist oder das Eigentum - i.e. das Verhalten
des einzelnen zu den n a t ü r l i c h e n Bedingungen der
Arbeit und Reproduktion als ihm gehörigen, als den objektiven,
als unorganische Natur vorgefundner Leib seiner Subjektivität -
für ihn vermittelt erscheint durch das Ablassen der Gesamtein-
heit, die im Despoten realisiert ist als dem Vater der vielen
Gemeinwesen - an den einzelnen durch die Vermittlung der
besondren Gemeinde. Das Surplusprodukt - das übrigens legal
bestimmt wird infolge der wirklichen Aneignung durch Arbeit -
gehört damit von selbst dieser höchsten Einheit. Mitten im
orientalischen Despotismus und der Eigentumslosigkeit, die juri-
stisch in ihm zu existieren scheint, existiert daher in der Tat
als Grundlage dieses Stamm- oder Gemeindeeigentum, erzeugt meist
durch eine Kombination von Manufaktur und Agrikultur innerhalb
der kleinen Gemeinde, die so durchaus self-sustaining 5*) wird
und alle Bedingungen der Reproduktion und Mehrproduktion in sich
selbst enthält. Ein Teil ihrer Surplusarbeit gehört der höhern
Gemeinschaft, die zuletzt als P e r s o n existiert, und diese
Surplusarbeit macht sich geltend sowohl im Tribut etc. wie in
gemeinsamen Arbeiten zur Verherrlichung der Einheit, teils des
wirklichen Despoten, teils des gedachten Stammwesens, des Gottes.
Diese Art Gemeindeeigentum kann nun, soweit es nun wirklich in
der Arbeit sich realisiert, entweder so erscheinen, daß die klei-
nen Gemeinden unabhängig nebeneinander vegetieren und in sich
selbst der einzelne auf dem ihm an- gewiesnen Los unabhängig mit
seiner Familie arbeitet (eine bestimmte Arbeit für g e m e i n-
s c h a f t l i c h e n V o r r a t, I n s u r a n c e 6*)
sozusagen, einerseits, und für B e s t r e i t u n g d e r
K o s t e n d e s G e m e i n w e s e n s a l s s o l-
c h e n, also für Krieg, Gottesdienst etc.; das herrschaftliche
dominium 7*) im ursprünglichsten Sinn findet sich erst hier, z.B.
in den slawischen Gemeinden, in den rumänischen etc. Hierin
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5*) selbsterhaltend - 6*) Versicherung - 7*) Verfügungsrecht
#386# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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liegt der Übergang in Frondienst etc.); oder die Einheit kann auf
die Gemeinschaftlichkeit in der Arbeit selbst sich erstrecken,
die ein förmliches System sein kann, wie in Mexico, Peru beson-
ders, bei den alten Kelten, einigen indischen Stämmen. Es kann
ferner die Gemeinschaftlichkeit innerhalb des Stammwesens mehr so
erscheinen, daß die Einheit in einem Haupt der Stammfamilie re-
präsentiert ist oder als die Beziehung der Familienväter aufein-
ander. Danach dann entweder mehr despotische oder demokratische
Form dieses Gemeinwesens. Die gemeinschaftlichen Bedingungen der
wirklichen Aneignung durch die Arbeit, W a s s e r l e i-
t u n g e n, sehr wichtig bei den asiatischen Völkern, Kommuni-
kationsmittel etc. erscheinen dann als Werk der höhren Einheit -
der über den kleinen Gemeinden schwebenden despotischen Re-
gierung. Die eigentlichen Städte bilden sich hier neben diesen
Dörfern bloß da, wo besonders günstiger Punkt für auswärtigen
Handel oder wo das Staatsoberhaupt und seine Satrapen ihre Revenu
(Surplusprodukt) austauschen gegen Arbeit, sie als labour-fonds
8*) verausgaben.
¦¦52¦ Die zweite Form - und sie wie die erste hat wesentliche
Modifikationen, lokal, historisch etc. hervorgebracht - das Pro-
dukt mehr bewegten, historischen Lebens, [der] Schicksale und Mo-
difikation der ursprünglichen Stämme - unterstellt auch das
G e m e i n w e s e n als erste Voraussetzung, aber nicht wie im
ersten Fall als Substanz, von der die Individuen bloß Akzidenzen
9*) sind oder von der sie rein naturwüchsig Bestandteile bilden
-, sie unterstellt nicht das Land als die Basis, sondern die
Stadt als schon geschaffnen Sitz der Landleute. (Grundeigen-
tümer.) Der Acker erscheint als Territorium der Stadt; nicht das
Dorf als bloßer Zubehör zum Land. Die Erde an sich - so sehr sie
Hindernisse darbieten mag, um sie zu bearbeiten, sich wirklich
anzueignen - bietet kein Hindernis dar, sich zu ihr als der
unorganischen Natur des lebendigen Individuums, seiner Werk-
stätte, dem Arbeitsmittel, Arbeitsobjekt und Lebensmittel des
Subjekts zu verhalten. Die Schwierigkeiten, die das Gemeindewesen
trifft, können nur von andren Gemeindewesen herrühren, die entwe-
der den Grund und Boden schon okkupiert haben oder die Gemeinde
in ihrer Okkupation beunruhigen. Der Krieg ist daher die große
Gesamtaufgabe, die große gemeinschaftliche Arbeit, die erheischt
ist, sei es um die objektiven Bedingungen des lebendigen Daseins
zu okkupieren, sei es um die Okkupation derselben zu beschützen
und zu verewigen. Die aus Familien bestehende Gemeinde daher
zunächst kriegerisch organisiert - als Kriegs- und Heerwesen, und
dies eine der Bedingungen ihres Daseins als Eigentümerin. Die
Konzentration der Wohnsitze in der Stadt Grundlage dieser kriege-
rischen Organisation.
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8*) Arbeitsfonds - 9*) zufällige Erscheinungen
#387# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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Das Stammwesen an sich führt zu höhren und niedren Geschlechtern,
ein Unterschied, der noch mehr entwickelt durch Mischung mit un-
terjochten Stämmen etc.
Das Gemeindeeigentum - als Staatseigentum - ager publicus hier
getrennt von dem Privateigentum. Das Eigentum des einzelnen hier
nicht wie im ersten case 10*), selbst unmittelbar Gemeindeeigen-
tum, wonach also nicht Eigentum des einzelnen als von der Ge-
meinde getrennt, der vielmehr nur ihr Besitzer ist. Je weniger
faktisch das Eigentum des einzelnen nur verwertet werden kann
durch gemeinsame Arbeit - also z.B. wie die Wasserleitungen im
Orient -, je mehr der rein naturwüchsige Charakter des Stammes
durch historische Bewegung, Wandrung gebrochen; je mehr ferner
der Stamm sich entfernt von seinem ursprünglichen Sitz und
f r e m d e n Boden okkupiert, also in wesentlich neue Arbeits-
bedingungen tritt und die Energie des einzelnen mehr entwickelt
ist - sein gemeinsamer Charakter mehr als negative Einheit nach
außen erscheint - und so erscheinen muß - um so mehr die Bedin-
gungen gegeben, daß der einzelne P r i v a t e i g e n t ü m e r
von Grund und Boden - besondrer Parzelle wird, deren besondre Be-
arbeitung ihm und seiner Familie anheimfällt. Die Gemeinde - als
Staat - ist einerseits die Beziehung dieser freien und gleichen
Privateigentümer aufeinander, ihre Verbindung gegen außen, und
ist zugleich ihre Garantie. Das Gemeindewesen beruht hier ebenso-
sehr darauf, daß seine Mitglieder aus arbeitenden Grundeigentü-
mern, Parzellenbauern bestehn, wie die Selbständigkeit der letz-
tren durch ihre Beziehung als Gemeindeglieder aufeinander, Siche-
rung des ager publicus für die gemeinschaftlichen Bedürfnisse und
den gemeinschaftlichen Ruhm etc. besteht. Voraussetzung bleibt
hier für die Aneignung des Grund und Bodens, Mitglied der Ge-
meinde zu sein, aber als Gemeindemitglied ist der einzelne Pri-
vateigentümer. Er bezieht sich zu seinem Privateigentum als Grund
und Boden aber zugleich als seinem Sein als Gemeindemitglied, und
die Erhaltung seiner als solchen ist ebenso die Erhaltung der Ge-
meinde, wie umgekehrt etc. Da die Gemeinde, obgleich hier schon
h i s t o r i s c h e s P r o d u k t, nicht nur dem fact nach,
sondern als solches gewußt, daher e n t s t a n d e n, hier
Voraussetzung des E i g e n t u m s am Grund und Boden - d.h.
der Beziehung des arbeitenden Subjekts zu den natürlichen Voraus-
setzungen der Arbeit als ihm gehörigen -, diese Gehörigkeit aber
vermittelt durch sein Sein als Staatsmitglied, durch das Sein des
Staats - daher durch eine V o r a u s s e t z u n g, die als
göttlich etc. betrachtet wird. Konzentration in der Stadt mit
Land als Territorium; für den unmittelbaren Konsum arbeitende
kleine Landwirtschaft; Manufaktur als häusliches Nebengewerb der
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10*) Fall
#388# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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Frauen und Töchter (Spinnen und Weben) oder nur verselbständigt
in einzelnen Branchen (fabri [223] etc.).
Die Voraussetzung der Fortdauer dieses Gemeinwesens ist die Er-
haltung der Gleichheit unter seinen freien self-sustaining
peasants 11*) und die eigne Arbeit als die Bedingung der Fort-
dauer ihres Eigentums. Sie verhalten sich als Eigentümer zu den
natürlichen Bedingungen der Arbeit; aber diese Bedingungen müssen
noch fortwährend durch persönliche Arbeit wirklich als Be-
dingungen und objektive Elemente der Persönlichkeit des Individu-
ums, seiner persönlichen Arbeit, gesetzt werden. Andrerseits
treibt die Richtung dieses kleinen kriegerischen Gemeinwesens
hinaus über diese Schranken etc. (Rom, Griechenland, Juden etc.).
"Als die Augurien", sagt Niebuhr, "Numa der göttlichen Billigung
seiner Wahl versichert hatten, war die erste Sorge des frommen
Königs nicht Tempeldienst, sondern menschlich. Er teilte die Län-
dereien, welche Romulus im Krieg gewonnen und der Okkupation
überlassen hatte: Er stiftete den Dienst des Terminus. Alle alten
Gesetzgeber, und vor allen Moses, gründeten den Erfolg ihrer An-
ordnungen für Tugend, Rechtlichkeit und gute Sitte auf Landeigen-
tum oder wenigstens gesicherten erblichen Landbesitz, für die
möglich größte Zahl der Bürger." (Bd. I, 245, 2. Ausgabe. Rom.
Gesch.) [224]
Das Individuum ist placed in such conditions of gaining his life
as to make not the acquiring of wealth his object, but self-
sustainance, its own reproduction as a member of the Community;
the reproduction of himself as proprietor of the parcel of ground
and, in that quality, as a member of the commune 12*). Die Fort-
dauer der commune 13*) ist die Reproduktion aller der members
14*) derselben als self-sustaining peasants 15*), deren Surplus-
zeit eben der Commune, der Arbeit des Kriegs etc. gehört. Das Ei-
gentum an der eignen Arbeit ist vermittelt durch das Eigentum an
der Bedingung der Arbeit - der Hufe Land, seinerseits garantiert
durch das Dasein der Gemeinde und diese wieder durch die Surplus-
arbeit in Form von Kriegsdienst etc. der Gemeindeglieder. Es ist
nicht Kooperation in der wealth producing 16*) Arbeit, wodurch
sich das Gemeindemitglied reproduziert, sondern Kooperation in
der Arbeit für die gemeinschaftlichen Interessen (imaginären und
wirklichen) zur Aufrechterhaltung des Verbandes nach außen und
innen. Das Eigentum ist quiritarium [225], römisches, der Privat-
grundeigentümer ist solcher nur als Römer, aber als Römer ist er
Privatgrundeigentümer.
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11*) sich selbst erhaltenden Bauern - 12*) befindet sich in sol-
chen Bedingungen des Erwerbs des Lebensunterhaltes, daß sein Ziel
nicht die Gewinnung von Reichtum sein kann, sondern die Selbst-
erhaltung, seine eigene Reproduktion als Mitglied des Gemeinwe-
sens; die Reproduktion seiner selbst als Eigentümer der Bodenpar-
zelle und, als solcher, als ein Mitglied der Gemeinde -
13*) Gemeinde - 14*) Mitglieder - 15*) sich selbst erhaltende
Bauern - 16*) Reichtum erzeugenden
#389# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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¦¦53¦ Eine dritte Form des Eigentums der arbeitenden Individuen,
self-sustaining members of the Community 17*), an den Naturbe-
dingungen ihrer Arbeit ist das g e r m a n i s c h e. Hier ist
weder wie in der spezifisch orientalischen Form das Gemeindemit-
glied als solches Mitbesitzer des gemeinschaftlichen Eigentums
(wo das Eigentum n u r als Gemeindeeigentum existiert, ist das
einzelne Glied als solches nur B e s i t z e r eines besondren
Teils, erblicher oder nicht, da jede Fraktion des Eigentums kei-
nem Glied gehört für sich, sondern als unmittelbarem Glied der
Gemeinde, also als direkt in der Einheit mit ihr, nicht im Unter-
schied von ihr. Dieser einzelne 18*) ist also nur Besitzer. Es
existiert nur g e m e i n s c h a f t l i c h e s Eigentum und
nur P r i v a t b e s i t z. Die Weise dieses Besitzes im Ver-
hältnis zum gemeinschaftlichen Eigentum kann historisch, lokal
etc. ganz verschieden modifiziert sein, je nachdem die Arbeit
selbst von dem Privatbesitzer isoliert geschieht oder selbst wie-
der von der Gemeinde bestimmt ist oder der über der besondren Ge-
meinde schwebenden Einheit); noch ist wie in der römischen, grie-
chischen Form (kurz der klassisch antiken) - hier ist der Boden
okkupiert von der Gemeinde, römischer Boden: ein Teil bleibt der
Gemeinde als solcher im Unterschied von den Gemeindegliedern,
ager publicus in seinen verschiednen Formen; der andre Teil wird
verteilt und jede Parzelle des Bodens ist dadurch römisch, daß
sie das Privateigentum, die Domäne eines Römers, sein ihm gehöri-
ger Anteil an dem Laboratorium ist; er ist aber auch nur Römer,
insofern er dies souveräne Recht über seinen Teil der römischen
Erde besitzt.
{"Im Altertum städtisches Gewerb und Handel gering-, Ackerbau
aber hochgeachtet; im Mittelalter die entgegengesetzte Beurtei-
lung." [Niebuhr, S. 418.]}
{"Das Recht der B e n u t z u n g des Gemeindelandes durch
B e s i t z kam ursprünglich den Patriziern [zu], die dann ihre
Klienten [226] belehnten; die Ü b e r w e i s u n g v o n
E i g e n t u m von dem ager publicus kam ausschließlich den
Plebejern zu; alle Assignationen zugunsten der Plebejer und Ab-
findung für einen Anteil am Gemeindeland. E i g e n t l i-
c h e s L a n d e i g e n t u m, die Gegend unter den Mauern
der Stadt ausgenommen, ursprünglich nur in den Händen der
Plebejer" [S. 435/436] (später aufgenommene Landgemeinden).}
{"Grundwesen der römischen Plebs als einer Gesamtheit von Land-
leuten, wie es in ihrem quiritarischen Eigentum bezeichnet ist.
Den Landbau achteten die Alten einstimmig für das e i g e n t-
l i c h e G e s c h ä f t des freien Mannes, Schule des Sol-
daten. In ihm erhält sich der alte Stamm der Nation; sie ändert
sich in den Städten, wo fremde Kaufleute und Gewerbtreibende sich
niederlassen, wie die einheimischen dorthin ziehn, wo der Erwerb
sie lockt. Allenthalben, wo Sklaverei ist, sucht der Freigelaßne
seinen Unterhalt durch solche Geschäfte, bei denen er dann oft
Reichtümer sammelt: so waren diese Gewerbe auch im Altertum
meistens in ihren Händen und dadurch für den Bürger nicht
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17*) sich selbst erhaltenden Mitglieder des Gemeinwesens -
18*) in der Handschrift: Diese Einheit
#390# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft IV
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geziemend: daher die Meinung, daß Zulassung der Handwerker zum
vollen Bürgerrecht bedenklich sei (in der Regel waren sie bei den
altern Griechen ausgeschlossen). ?????? ???? '??????? ????
??????? ???? ??????????? ???? ?????. 19*) [227] Die Alten hatten
keine Ahnung von einem würdigen Zunftwesen wie in der mittelal-
terlichen Städtegeschichte; und selbst hier sank der kriegerische
Geist, wie die Zünfte gegen die Geschlechter obsiegten, und er-
losch zuletzt ganz; also auch der Städte äußre Achtung und Frei-
heit." [S. 614/615.]}
{"Die Stämme der alten Staaten waren auf zweierlei Art begründet,
entweder nach G e s c h l e c h t e r n oder nach O r t e n.
Die G e s c h l e c h t e r s t ä m m e gehn dem Alter nach vor
den Ortsstämmen und werden fast allenthalben von ihnen verdrängt.
Ihre äußerste strengste Form ist die Kasteneinrichtung, wo eine
von der andren getrennt ist, ohne wechselseitiges Eherecht, der
Würde nach ganz verschieden; jede mit einem ausschließlichen, un-
abänderlichen Beruf. Die O r t s s t ä m m e entsprechen ur-
sprünglich einer Einteilung der Landschaft in Gauen und Dörfer;
so daß, wer zu der Zeit, als diese angelegt ward, in Attika unter
Klisthenes in einem Dorf angesessen war, als dessen Demotes [228]
in der Phyle [229], zu deren Region jenes gehörte, eingeschrieben
ward. Nun blieben der Regel nach seine Nachkommen ohne Rücksicht
auf ihren Wohnort, in derselben Phyle und demselben Demos; womit
auch diese Einteilung einen Schein von Ahnenwesen annahm." [S.
317, 318.]
Daß römische G e s c h l e c h t e r nicht Blutsverwandte: Ci-
cero fügt als Merkmal zu gemeinschaftlichem Namen Abstammung von
Freien hinzu. Den römischen Gentilen 20*) gemeinschaftliche Sacra
21*), hörte später auf (schon zu Ciceros Zeit). Am längsten er-
hielt sich die Beerbung der ohne Angehörige und Verfügung ver-
storbenen Mitgeschlechter. Verpflichtung in der ältesten Zeit der
Geneten [230], dem Hülfsbedürftigen unter den Ihrigen ungewöhnli-
che Lasten tragen zu helfen. (Bei den Deutschen überall ursprüng-
lich, am längsten unter den Dithmarsen [231].) [S. 326, 328, 329,
331.] Die Gentes Innungen.
"Eine allgemeine Anordnung als die Geschlechter gab es in der al-
ten Welt nicht. So bei den Galen [2321232' die adligen Campbells
und ihre Vasallen einen Clan bildend." [S. 333, 335.]}
Da der Patrizier im höhern Grad das Gemeinwesen repräsentiert,
ist er der possessor 22*) des ager publicus und benutzt ihn durch
seine Klienten etc. (eignet ihn sich auch nach und nach an). Die
germanische Gemeinde konzentriert sich nicht in der Stadt; durch
welche bloße Konzentration - der Stadt als Zentrum des Landle-
bens, dem Wohnsitz der Landarbeiter, wie ebenso dem Zentrum der
Kriegsführung - die Gemeinde als solche nun eine äußerliche Exi-
stenz besitzt, unterschieden von der des einzelnen. Die klassi-
sche alte Geschichte ist Stadtgeschichte, aber von Städten, ge-
gründet auf Grundeigentum und
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19*) Kein Römer durfte seinen Lebensunterhalt als Händler oder
Handwerker verdienen. - 20*) Geschlechtsverwandten - 21*) Heilig-
tümer - 22*) Besitzer
#391# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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Agrikultur; die asiatische Geschichte ist eine Art indifferenter
Einheit von Stadt und Land; (die eigentlich großen Städte sind
bloß als fürstliche Lager hier zu betrachten, als Superfötation
23*) über die eigentlich ökonomische Konstruktion); das Mittelal-
ter (germanische Zeit) geht vom Land als Sitz der Geschichte aus,
deren Fortentwicklung dann im Gegensatz von Stadt und Land vor
sich geht; die moderne [Geschichte] ist Verstädtischung des Lan-
des, nicht wie bei den Antiken Verländlichung der Stadt.
¦¦V-1¦ [233] Bei der Vereinigung in der Stadt besitzt die Ge-
meinde als solche eine ökonomische Existenz; das bloße D a-
s e i n der Stadt als solcher ist verschieden von bloßer
Vielheit von unabhängigen Häusern. Das Ganze ist nicht hier aus
seinen Teilen bestehend. Es ist eine Art selbständiger Organis-
mus. Bei den Germanen, wo die einzelnen Familienhäupter sich in
Wäldern festsetzen, getrennt durch lange Strecken, existiert,
schon ä u ß e r l i c h betrachtet, die Gemeinde nur durch die
jedesmalige Vereinigung der Gemeindeglieder, obgleich ihre a n
s i c h s e i e n d e Einheit gesetzt ist in Abstammung, Spra-
che, gemeinsamer Vergangenheit und Geschichte etc. Die G e-
m e i n d e erscheint also als V e r e i n i g u n g nicht als
V e r e i n, als Einigung, deren selbständige Subjekte die
Landeigentümer bilden, nicht als Einheit. Die Gemeinde existiert
daher in fact nicht als S t a a t, S t a a t s w e s e n, wie
bei den Antiken, weil sie nicht als S t a d t existiert. Damit
die Gemeinde in wirkliche Existenz trete, müssen die freien
Landeigentümer V e r s a m m l u n g halten, während sie in Rom
z.B. e x i s t i e r t, außer diesen Versammlungen, in dem Da-
sein der S t a d t s e l b s t und der Beamten, die ihr vorge-
setzt sind etc.
Zwar kommt auch bei den Germanen der ager publicus, das Gemeinde-
land vor oder Volksland, im Unterschied von dem Eigentum des ein-
zelnen. Er ist Jagdgrund, Weidegrund, Holzungsgrund etc., der
Teil des Landes, der nicht geteilt werden kann, wenn er in dieser
bestimmten Form als Produktionsmittel dienen soll. Indes er-
scheint nicht, wie bei den Römern z.B., dieser ager publicus als
das besondre ökonomische Dasein des Staats neben den Privat-
eigentümern, so daß diese eigentlich P r i v a t eigentümer als
solche sind, soweit sie a u s g e s c h l o s s e n waren, pri-
viert 24*) waren, wie die Plebejer, [von] der Benutzung des ager
publicus. Der ager publicus erscheint vielmehr nur als Ergänzung
des individuellen Eigentums bei den Germanen und figuriert als
Eigentum nur, soweit er gegen feindliche Stämme als Gemeinbesitz
des einen Stammes verfochten wird. Das Eigentum des einzelnen er-
scheint nicht vermittelt durch die Gemeinde, sondern das Dasein
der Gemeinde und des Gemeindeeigentums als vermittelt, d. h. als
Beziehung der selbständigen Subjekte
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23*) Überlagerungen - 24*) beraubt
#392# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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aufeinander. Das ökonomische Ganze ist au fond 25*) in jedem ein-
zelnen Hause enthalten, das für sich ein selbständiges Zentrum
der Produktion bildet (Manufaktur rein als häusliche Nebenarbeit
der Weiber etc.). In der antiken Welt ist die Stadt mit ihrer
Landmark das ökonomische Ganze; in der germanischen der einzelne
Wohnsitz, der selbst nur als Punkt in dem zu ihm gehörigen Land
erscheint, keine Konzentration vieler Eigentümer ist, sondern Fa-
milie als selbständige Einheit. In der asiatischen (wenigstens
vorherrschenden) Form kein Eigentum, sondern nur Besitz des ein-
zelnen; die Gemeinde der eigentliche wirkliche Eigentümer - also
Eigentum nur als g e m e i n s c h a f t l i c h e s E i g e n-
t u m an dem Boden.
Bei den Antiken (Römer als das klassischste Beispiel, die Sache
in der reinsten, ausgeprägtesten Form) gegensätzliche Form von
Staatsgrundeigentum und Privatgrundeigentum, so daß das letztre
durch das erstre vermittelt oder das erstre selbst in dieser dop-
pelten Form existiert. Der Privatgrundeigentümer daher zugleich
städtischer Bürger. Ökonomisch löst sich das Staatsbürgertum in
die einfache Form auf, daß der Landmann Bewohner einer Stadt. In
der germanischen Form der Landmann nicht Staatsbürger, d. h.
nicht Städtebewohner, sondern Grundlage die isolierte, selbstän-
dige Familienwohnung, garantiert durch den Verband mit andren
solchen Familienwohnungen vom selben Stamm und ihr gelegentli-
ches, für Krieg, Religion, Rechtsschlichtung etc. Zusammenkommen
für solche wechselseitige Bürgschaft. Das individuelle Grundei-
gentum erscheint hier nicht als gegensätzliche Form des Grundei-
gentums der Gemeinde noch als durch sie vermittelt, sondern um-
gekehrt. Die Gemeinde existiert nur in der Beziehung dieser indi-
viduellen Grundeigentümer als solcher aufeinander. Das Gemeinde-
eigentum als solches erscheint nur als gemeinschaftliches Zubehör
zu den individuellen Stammsitzen und Bodenaneignungen. Weder ist
die Gemeinde die Substanz, an der der einzelne nur als Akzident
erscheint; noch das Allgemeine, das als solches, sowohl in seiner
Vorstellung wie in der Existenz der Stadt und ihrer städtischen
Bedürfnisse im Unterschied von denen des einzelnen oder in ihrem
städtischen Grund und Boden als ihrem besondren Dasein im Unter-
schied von dem besondren ökonomischen Dasein des Gemeindeglieds
eine s e i e n d e E i n h e i t ist; sondern einerseits ist
die Gemeinde an sich als das Gemeinschaftliche in Sprache, Blut
etc. dem individuellen Eigentümer vorausgesetzt; als Dasein exi-
stiert sie aber nur andrerseits in ihrer w i r k l i c h e n
V e r s a m m l u n g für gemeinschaftliche Zwecke und, soweit
sie besondre ökonomische Existenz hat, in dem gemeinsam benutzten
Jagd-, Weideland etc., wird sie so benutzt von
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25*) im Grunde
#393# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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jedem individuellen Eigentümer als solchem nicht als Repräsentan-
ten (wie in Rom) des Staats; wirklich gemeinsames Eigentum der
individuellen Eigentümer, nicht des Vereins dieser Eigentümer,
als in der Stadt selbst von sich als einzelnen eine gesonderte
Existenz besitzend.
Worauf es hier eigentlich ankommt, ist dies: In allen diesen For-
men, worin Grundeigentum und Agrikultur die Basis der ökonomi-
schen Ordnung bilden und daher die Produktion von Gebrauchswerten
ökonomischer Zweck ist, die R e p r o d u k t i o n d e s
I n d i v i d u u m s in den bestimmten Verhältnissen zu seiner
Gemeinde, in denen es deren Basis bildet - ist vorhanden: 1. An-
eignung nicht durch Arbeit, sondern als der Arbeit vorausgesetzt,
der natürlichen Bedingung der Arbeit, der E r d e als des ur-
sprünglichen Arbeitsinstruments, sowohl Laboratoriums wie Behäl-
ters der Rohstoffe. Das Individuum verhält sich einfach zu den
objektiven Bedingungen der Arbeit als den seinen; zu ihnen, als
der unorganischen Natur seiner Subjektivität, worin diese sich
selbst realisiert; die hauptobjektive Bedingung der Arbeit er-
scheint nicht selbst als Produkt der Arbeit, sondern findet sich
vor als N a t u r; ¦¦2¦ auf der einen Seite das lebendige Indi-
viduum, auf der andren die Erde, als die objektive Bedingung sei-
ner Reproduktion; 2. aber dieses V e r h a l t e n zu dem Grund
und Boden, zur Erde, als dem Eigentum des arbeitenden Individuums
- welches daher von vornherein nicht als bloß arbeitendes Indivi-
duum erscheint in dieser Abstraktion, sondern im Eigentum an der
Erde eine o b j e k t i v e E x i s t e n z w e i s e hat, die
seiner Tätigkeit v o r a u s g e s e t z t ist und nicht als
deren bloßes Resultat erscheint und ebenso eine Voraussetzung
seiner Tätigkeit ist, wie seine Haut oder seine Sinnesorgane, die
er zwar auch im Lebensprozeß reproduziert und entwickelt etc.,
die aber diesem Reproduktionsprozeß seinerseits vorausgesetzt
sind - ist sofort vermittelt durch das naturwüchsige, mehr oder
minder historisch entwickelte und modifizierte Dasein des Indivi-
duums als M i t g l i e d e i n e r G e m e i n d e - sein
naturwüchsiges Dasein als Glied eines Stammes etc.
Ein isoliertes Individuum könnte sowenig Eigentum haben am Grund
und Boden wie sprechen. Es könnte allerdings an ihm als der Sub-
stanz zehren, wie die Tiere tun. Das Verhalten zur Erde als Ei-
gentum ist immer vermittelt durch die Okkupation, friedliche oder
gewaltsame, von Grund und Boden durch den Stamm, die Gemeinde in
irgendeiner mehr oder minder naturwüchsigen oder schon historisch
entwickeltern Form. Das Individuum kann hier nie in der Punktua-
lität auftreten, in der es als bloßer freier Arbeiter erscheint.
Wenn die objektiven Bedingungen seiner Arbeit vorausgesetzt sind
als ihm gehörig, so ist es selbst subjektiv vorausgesetzt als
Glied einer Gemeinde, durch 26*) welche
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26*) In der Handschrift: als
#394# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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sein Verhältnis zum Grund und Boden vermittelt ist. Seine Bezie-
hung zu den objektiven Bedingungen der Arbeit ist vermittelt
durch sein Dasein als Gemeindeglied; andrerseits ist das wirkli-
che Dasein der Gemeinde bestimmt durch die bestimmte Form seines
Eigentums an den objektiven Bedingungen der Arbeit. Ob dies durch
das Dasein in der Gemeinde vermittelte Eigentum als g e m e i n-
s c h a f t l i c h e s E i g e n t u m erscheint, wo der
einzelne nur Besitzer ist und es kein Privateigentum an Grund und
Boden gibt - oder ob das Eigentum in der doppelten Form von
Staats- und Privateigentum nebeneinander erscheint, so daß das
letztre aber als durch das erstre gesetzt erscheint, daher nur
der Staatsbürger Privateigentümer ist und sein muß, andrerseits
aber sein Eigentum als Staatsbürger zugleich eine besondre
Existenz hat - oder ob endlich das Gemeindeeigentum nur als Er-
gänzung des individuellen Eigentums, dieses aber als die Basis
und die Gemeinde überhaupt nicht Existenz für sich hat außer in
der V e r s a m m l u n g der Gemeindeglieder und ihrer Verei-
nigung zu gemeinsamen Zwecken - diese verschiednen Formen des
Verhaltens der Gemeinde- oder Stammglieder zum Grund und Boden
des Stammes - der Erde, worauf er sich niedergelassen hat -
hängen ab teils von den Naturanlagen des Stammes, teils von den
ökonomischen Bedingungen, unter denen er nun wirklich sich als
Eigentümer zum Grund und Boden verhält, d.h. sich seine Früchte
durch Arbeit aneignet, und dies wird selbst abhängen von Klima,
physischer Beschaffenheit des Grund und Bodens, der physisch
bedingten Weise seiner Exploitation, dem Verhalten zu-feindlichen
Stämmen oder Nachbarstämmen und den Veränderungen, die
Wanderungen, historische Erlebnisse etc. hineinbringen. Damit die
Gemeinde fortexistiere in der alten Weise, als solche, ist die
Reproduktion ihrer Glieder unter den vorausgesetzten objektiven
Bedingungen nötig. Die Produktion selbst, Fortschritt der
Bevölkerung (auch dieser gehört zur Produktion) hebt notwendig
nach und nach diese Bedingungen auf; zerstört sie, statt sie zu
reproduzieren etc., und damit geht das Gemeinwesen unter mit den
Eigentumsverhältnissen, auf denen es gegründet war. Am zähsten
und längsten hält sich notwendig die asiatische Form. Es liegt
dies in ihrer Voraussetzung; daß der einzelne nicht der Gemeinde
gegenüber selbständig wird; daß self-sustaining 27*) Kreis der
Produktion, Einheit von Agrikultur und Handmanufaktur etc.
Verändert der einzelne sein Verhältnis zur Gemeinde, so verändert
er damit und wirkt zerstörend auf die Gemeinde wie auf ihre
ökonomische Voraussetzung; andrerseits die Änderung dieser
ökonomischen Voraussetzung - durch ihre eigne Dialektik
hervorgebracht, Verarmung etc. Namentlich der Einfluß des
Kriegswesens und der Eroberung,
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27*) der sich selbst erhaltende
#395# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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der in Rom z.B. wesentlich zu den ökonomischen Bedingungen der
Gemeinde selbst gehört - hebt auf das reale Band, worauf sie be-
ruht.
In allen diesen Formen ist die R e p r o d u k t i o n v o-
r a u s g e s e t z t e r - mehr oder minder naturwüchsiger oder
auch historisch gewordner, aber traditionell gewordner - Ver-
hältnisse des einzelnen zu seiner Gemeinde und ein b e-
s t i m m t e s, ihm v o r h e r b e s t i m m t e s o b-
j e k t i v e s Dasein, sowohl im Verhalten zu den Bedingungen
der Arbeit wie zu seinen Mitarbeitern, Stammesgenossen etc. -
Grundlage der Entwicklung, die von vornherein daher eine
b e s c h r ä n k t e ist, aber mit Aufhebung der Schranke Ver-
fall und Untergang darstellt. Die Entwicklung der Sklaverei, die
Konzentration des Grundbesitzes, Austausch, Geldwesen, Eroberung
etc. so bei den Römern, obgleich alle diese Elemente bis zu einem
gewissen Punkt verträglich scheinen mit der Grundlage und sie
teils nur unschuldig zu erweitern scheinen, teils als bloße Miß-
bräuche aus ihr hervorzuwachsen. Es können hier große Entwicklun-
gen stattfinden innerhalb eines bestimmten Kreises. Die Indivi-
duen können groß erscheinen. Aber an freie und volle Entwicklung,
weder des Individuums, noch der Gesellschaft nicht hier zu den-
ken, da solche Entwicklung mit dem ursprünglichen Verhältnis im
Widerspruch steht.
¦¦3¦ Wir finden bei den Alten nie eine Untersuchung, welche Form
des Grundeigentums etc. die produktivste, den größten Reichtum
schafft? Der Reichtum erscheint nicht als Zweck der Produktion,
obgleich sehr wohl Cato untersuchen kann, welche Bestellung des
Feldes die einträglichste, oder gar Brutus sein Geld zu den be-
sten Zinsen ausborgen kann. Die Untersuchung ist immer, welche
Weise des Eigentums die besten Staatsbürger schafft. Als Selbst-
zweck erscheint der Reichtum nur bei den wenigen Handelsvölkern -
Monopolisten des carrying trade 28*) -, die in den Poren der al-
ten Welt leben, wie die Juden in der mittelaltrigen Gesellschaft.
Nun ist der Reichtum einerseits Sache, verwirklicht in Sachen,
materiellen Produkten, denen der Mensch als Subjekt gegenüber-
steht; andrerseits als Wert ist er bloßes Kommando über fremde
Arbeit nicht zum Zweck der Herrschaft, sondern des Privatgenusses
etc. In allen Formen erscheint er in dinglicher Gestalt, sei es
Sache, sei es Verhältnis vermittelst der Sache, die außer und zu-
fällig neben dem Individuum liegt. So erscheint die alte Anschau-
ung, wo der Mensch, in welcher bornierten nationalen, religiösen,
politischen Bestimmung auch immer als Zweck der Produktion er-
scheint, sehr erhaben zu sein gegen die moderne Welt, wo die Pro-
duktion als Zweck des Menschen und der Reichtum als Zweck der
Produktion erscheint. In fact 29*) aber, wenn die bornierte bür-
gerliche Form abgestreift
-----
28*) Frachtgeschäfts - 29*) In Wirklichkeit
#396# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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wird, was ist der Reichtum anders, als die im universellen Aus-
tausch erzeugte Universalität der Bedürfnisse, Fähigkeiten,
Genüsse, Produktivkräfte etc. der Individuen? Die volle Entwick-
lung der menschlichen Herrschaft über die Naturkräfte, die der
sog. Natur sowohl wie seiner eignen Natur? Das absolute Herausar-
beiten seiner schöpferischen Anlagen, ohne andre Voraussetzung
als die vorhergegangne historische Entwicklung, die diese Totali-
tät der Entwicklung, d.h. der Entwicklung aller menschlichen
Kräfte als solcher, nicht gemessen an einem v o r h e r-
g e g e b n e n Maßstab, zum Selbstzweck macht? Wo er sich nicht
reproduziert in einer Bestimmtheit, sondern seine Totalität
produziert? Nicht irgend etwas Gewordnes zu bleiben sucht,
sondern in der absoluten Bewegung des Werdens ist? In der
bürgerlichen Ökonomie - und der Produktionsepoche, der sie ent-
spricht - erscheint diese völlige Herausarbeitung des menschli-
chen Innern als völlige Entleerung; diese universelle Vergegen-
ständlichung als totale Entfremdung und die Niederreißung aller
bestimmten einseitigen Zwecke als Aufopferung des Selbstzwecks
unter einen ganz äußeren Zweck. Daher erscheint einerseits die
kindische alte Welt als das Höhere. Andrerseits ist sie es in al-
ledem, wo geschloßne Gestalt, Form und gegebne Begrenzung gesucht
wird. Sie ist Befriedigung auf einem bornierten Standpunkt; wäh-
rend das Moderne unbefriedigt läßt oder, wo es in sich befriedigt
erscheint, g e m e i n ist.
Was Herr Proudhon die a u ß e r ö k o n o m i s c h e Entste-
hung des Eigentums nennt, [234] worunter er eben das Grundeigen-
tum versteht, ist das v o r b ü r g e r l i c h e Verhältnis
des Individuums zu den objektiven Bedingungen der Arbeit und
zunächst den n a t ü r l i c h e n objektiven Bedingungen der
Arbeit - denn, wie das arbeitende Subjekt natürliches Individuum,
natürliches Dasein [war, so] erschien die erste objektive Bedin-
gung seiner Arbeit als Natur, Erde, sein unorganischer 30*) Leib;
es selbst ist nicht nur der organische Leib, sondern diese unor-
ganische Natur als Subjekt. Diese Bedingung ist nicht sein Pro-
dukt, sondern vorgefunden; als natürliches Dasein außer ihm vor-
ausgesetzt. Eh wir dies weiter analysieren, noch dies: Der brave
Proudhon könnte nicht nur, sondern müßte ebensogut das K a p i-
t a l und die L o h n a r b e i t - als Eigentumsformen -
a u ß e r ö k o n o m i s c h e r E n t s t e h u n g bezichti-
gen. Denn das Vorfinden der objektiven Bedingungen der Arbeit als
von ihm getrennter, als K a p i t a l von seiten des Arbeiters
und das Vorfinden des A r b e i t e r s als Eigentumslosen, als
abstrakten Arbeiters von Seiten des Kapitalisten - der Austausch,
wie er zwischen Wert und lebendiger Arbeit vorgeht, unterstellt
einen h i s t o r i s c h e n P r o z e ß - sosehr Kapital und
Lohnarbeit selbst dies Verhältnis reproduzieren
-----
30*) In der Handschrift: seinem unorganischem
#397# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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und in seinem objektiven Umfang ausarbeiten, wie ebenso in die
Tiefe hinein - einen historischen Prozeß, wie wir gesehn haben,
der die Entstehungsgeschichte des Kapitals und der Lohnarbeit
bildet. In andren Worten: Die a u ß e r ö k o n o m i s c h e
E n t s t e h u n g des Eigentums heißt nichts als die h i-
s t o r i s c h e E n t s t e h u n g der bürgerlichen Öko-
nomie, der Produktionsformen, die durch die Kategorien der poli-
tischen Ökonomie theoretisch oder ideal ausgedrückt werden. Daß
die vorbürgerliche Geschichte, und jede Phase derselben, aber
auch ihre Ö k o n o m i e hat und eine ö k o n o m i s c h e
G r u n d l a g e der Bewegung, ist au fond die bloße Tautolo-
gie, daß das Leben der Menschen von jeher auf Produktion, d'une
manière ou d'une autre 31*) g e s e l l s c h a f t l i c h e
Produktion beruhte, deren Verhältnisse wir eben ökonomische Ver-
hältnisse nennen.
D i e u r s p r ü n g l i c h e n B e d i n g u n g e n d e r
P r o d u k t i o n - (oder, was dasselbe ist, die Reproduktion
einer durch den natürlichen Prozeß der beiden Geschlechter fort-
schreitenden Menschenzahl; denn diese Reproduktion, wenn sie auf
der einen Seite als Aneignen der Objekte durch die Subjekte er-
scheint, erscheint auf der andren ebenso als Formung, Unterwer-
fung der Objekte unter einen subjektiven Zweck; Verwandlung der-
selben in Resultate und Behälter der subjektiven Tätigkeit -)
können ursprünglich n i c h t s e l b s t p r o d u z i e r t
sein - Resultate der Produktion sein. Nicht die E i n h e i t
der lebenden und tätigen Menschen mit den natürlichen, unorgani-
schen Bedingungen ihres Stoffwechsels mit der Natur und daher
ihre Aneignung der Natur - bedarf der Erklärung oder ist Resultat
eines ¦¦4¦ historischen Prozesses, sondern die T r e n n u n g
zwischen diesen unorganischen Bedingungen des menschlichen Das-
eins und diesem tätigen Dasein, eine Trennung, wie sie vollstän-
dig erst gesetzt ist im Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital. In
dem Sklaven- und Leibeigenschaftsverhältnis findet diese Trennung
nicht statt; sondern ein Teil der Gesellschaft wird von dem and-
ren selbst als bloß u n o r g a n i s c h e u n d n a t ü r-
l i c h e Bedingung seiner eignen Reproduktion behandelt. Der
Sklave steht in gar keinem Verhältnis zu den objektiven
Bedingungen seiner Arbeit; sondern die A r b e i t selbst
sowohl in der Form des Sklaven wie der des Leibeignen wird a l s
u n o r g a n i s c h e B e d i n g u n g der Produktion in die
Reihe der andren Naturwesen gestellt, neben das Vieh oder als An-
hängsel der Erde.
In andren Worten: Die ursprünglichen Bedingungen der Produktion
erscheinen als Naturvoraussetzungen, n a t ü r l i c h e E x i-
s t e n z b e d i n g u n g e n d e s P r o d u z e n t e n,
ganz so wie sein lebendiger Leib, sosehr er ihn reproduziert und
entwickelt, ursprünglich nicht gesetzt ist von ihm selbst, als
die V o r a u s s e t z u n g seiner selbst erscheint; sein
eignes Dasein (leibliches) ist eine natürliche
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31*) auf die eine oder andere Weise
#398# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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Voraussetzung, die er nicht gesetzt hat. Diese n a t ü r-
l i c h e n E x i s t e n z b e d i n g u n g e n, zu denen er
sich als zu ihm selbst gehörigem, unorganischem Leib verhält,
sind selbst doppelt: 1. subjektiver und 2. objektiver Natur. Er
findet sich vor als Glied einer Familie, Stammes, Tribus etc. -
die dann durch Mischung und Gegensatz mit andren historisch
verschiedne Gestalt annehmen; und als solches Glied bezieht er
sich auf eine bestimmte Natur (sag hier noch Erde, Grund und
Boden) als unorganisches Dasein seiner selbst, als Bedingung
seiner Produktion und Reproduktion. Als natürliches Glied des Ge-
meinwesens hat er Teil am gemeinschaftlichen Eigentum und besond-
ren Teil desselben zum Besitz; ebenso wie er als geborner römi-
scher Bürger idealen Anspruch (at least 32*)) auf den ager publi-
cus und realen auf soundso viel juggera 33*) Land hat etc. Sein
E i g e n t u m, d.h. die Beziehung auf die natürlichen Voraus-
setzungen seiner Produktion als ihm zugehörige, als d i e
s e i n i g e n, ist dadurch vermittelt, daß er selbst natürli-
ches Mitglied eines Gemeinwesens. (Die Abstraktion eines Gemein-
wesens, worin die Mitglieder nichts gemein haben als etwa Sprache
etc. und kaum diese, ist offenbar das Produkt viel späterer hi-
storischer Zustände.) In bezug auf den einzelnen ist z. B. klar,
daß er selbst zur Sprache als s e i n e r e i g n e n sich nur
verhält als natürliches Mitglied eines menschlichen Gemeinwesens.
Sprache als das Produkt eines einzelnen ist ein Unding. Aber
ebensosehr ist es Eigentum.
Die Sprache selbst ist ebenso das Produkt eines Gemeinwesens, wie
sie in andrer Hinsicht selbst das Dasein des Gemeinwesens und das
selbstredende Dasein desselben. {Die gemeinschaftliche Produktion
und das Gemeineigentum, wie es z. B. in Peru vorkommt, ist offen-
bar eine s e k u n d ä r e Form; eingeführt und übertragen von
erobernden Stämmen, die bei sich selbst das Gemeineigentum und
gemeinschaftliche Produktion in der alten einfachem Form kannten,
wie sie in Indien und bei den Slawen vorkommt. Ebenso scheint die
Form, die wir bei den Kelten in Wales z. B. finden, eine übertra-
gne in dieselben, s e k u n d ä r e, von Eroberern bei den
niedriger stehenden eroberten Stämmen eingeführt. Die Vollendung
und systematische Ausarbeitung dieser Systeme von einem
o b e r s t e n Z e n t r u m aus zeigt ihre spätere Entste-
hung. Ganz wie der in England eingeführte Feudalismus vollendeter
war in der Form, wie der in Frankreich naturwüchsig entstandne.}
{Bei wandernden Hirtenstämmen - und alle Hirtenvölker sind ur-
sprünglich wandernd - erscheint die Erde gleich den andren
Naturbedingungen in elementarischer Unbegrenztheit, z. B. in den
asiatischen Steppen und der asiatischen Hochebne. Sie wird
abgeweidet etc., konsumiert durch die Herden, an denen wieder die
Herdenvölker existieren.
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32*) wenigstens - 33*) Joche
#399# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
-----
Sie verhalten sich zu ihr als ihrem Eigentum, obgleich sie dies
Eigentum nie fixieren. Der Jagdgrund so bei den wilden Indianer-
stämmen in Amerika; der Stamm betrachtet eine gewisse Region als
sein Jagdgebiet und behauptet es gewaltsam gegen andre Stämme
oder sucht andre Stämme aus dem von ihnen behaupteten zu vertrei-
ben. Bei den wandernden Hirtenstämmen ist die Gemeinde in der Tat
stets vereinigt, Reisegesellschaft, Karawane, Horde, und die For-
men der Über- und Unterordnung entwickeln sich aus den Bedingun-
gen dieser Lebensweise. A n g e e i g n e t und r e p r o-
d u z i e r t wird in der Tat hier nur die Herde, nicht die
Erde; die aber stets temporär g e m e i n s c h a f t l i c h
benutzt wird an dem jedesmaligen Aufenthaltsplatz.} Die einzige
Schranke, die das Gemeinwesen finden kann in seinem Verhalten zu
den natürlichen Produktionsbedingungen - der Erde - (wenn wir
gleich zu den ansässigen Völkern überspringen) als den s e i-
n e n, ist ein a n d r e s G e m e i n w e s e n, das sie
schon als seinen anorganischen Leib in Anspruch nimmt. Der
K r i e g ist daher eine der ursprünglichsten Arbeiten jedes
dieser naturwüchsigen Gemeinwesen, sowohl zur Behauptung des
Eigentums als zum Neuerwerb desselben. (Wir können uns hier in
der Tat damit begnügen, vom ursprünglichen Eigentum am Grund und
Boden zu sprechen, denn bei Hirtenvölkern ist das Eigentum an
natürlich vorgefundnen Erdprodukten - den Schafen f.i. 34*) -
zugleich das an den Weiden, die sie durchziehn. Überhaupt ist bei
dem Eigentum an dem Grund und Boden das an seinen organischen
Produkten mit einbegriffen.) {Wird der ¦¦5¦ Mensch selbst als
organisches Zubehör des Grund und Bodens mit ihm erobert, so wird
er miterobert als eine der Produktionsbedingungen, und so ent-
steht Sklaverei und Leibeigenschaft, die die ursprünglichen
Formen aller Gemeinwesen bald verfälscht und modifiziert und
selbst zu ihrer Basis wird. Die einfache Konstruktion wird
dadurch negativ bestimmt.}
E i g e n t u m meint also ursprünglich nichts als Verhalten des
Menschen zu seinen natürlichen Produktionsbedingungen als ihm ge-
hörigen, als den seinen, als mit seinem e i g n e n D a s e i n
v o r a u s g e s e t z t e n; Verhalten zu denselben als n a-
t ü r l i c h e n V o r a u s s e t z u n g e n seiner selbst,
die sozusagen nur seinen verlängerten Leib bilden. Er verhält
sich eigentlich nicht zu seinen Produktionsbedingungen; sondern
ist doppelt da, sowohl subjektiv als er selbst wie objektiv in
diesen natürlichen anorganischen Bedingungen seiner Existenz. Die
Formen dieser n a t ü r l i c h e n P r o d u k t i o n s b e-
d i n g u n g e n sind doppelt: 1. sein Dasein als Glied eines
Gemeinwesens; also das Dasein dieses Gemeinwesens, das in seiner
ursprünglichen Form S t a m m w e s e n, mehr oder minder modi-
fiziertes S t a m m w e s e n ist; 2. das Verhalten zum
G r u n d u n d B o d e n vermittelst des
-----
34*) z.B.
#400# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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Gemeinwesens als d e m s e i n i g e n, gemeinschaftliches Bo-
deneigentum, zugleich E i n z e l b e s i t z für den einzel-
nen, oder so, daß nur die Früchte geteilt werden; der Boden
selbst und die Bearbeitung aber gemeinsam bleibt. (Indes
W o h n s i t z e etc., seien es auch die Wagen der Skythen, er-
scheinen dann doch immer im Besitze des einzelnen.) Eine natürli-
che Produktionsbedingung für das lebendige Individuum ist sein
Zubehören zu einer n a t u r w ü c h s i g e n G e s e l l-
s c h a f t, Stamm etc. Dieses ist z.B. schon Bedingung für seine
Sprache etc. Sein eignes produktives Dasein ist nur unter dieser
Bedingung. Sein subjektives Dasein ist dadurch als solches
bedingt, ebensosehr wie es bedingt ist durch das Verhalten zur
Erde als seinem Laboratorium. (Eigentum ist zwar ursprünglich
m o b i l, denn der Mensch bemächtigt sich d'abord 35*) der
fertigen Früchte der Erde, wozu unter andrem auch die Tiere
gehören und für ihn speziell die zähmbaren. Indes selbst dieser
Zustand - Jagd, Fischerei, Hirtenwesen, Leben von Baumfrüchten
etc. unterstellt immer Aneignung der Erde, sei es zu festem
Wohnplatz, sei es zum roaming 36*), sei es zum Weiden für die
Tiere etc.)
Das E i g e n t u m meint also G e h ö r e n z u e i n e m
S t a m m (Gemeinwesen) (in ihm subjektiv-objektive Existenz ha-
ben) und vermittelst des Verhaltens dieses Gemeinwesens zum Grund
und Boden, zur Erde als seinem unorganischen Leib, Verhalten des
Individuums zum Grund und Boden, zur äußeren Urbedingung der
Produktion - da die Erde in einem Rohmaterial, Instrument, Frucht
ist - als zu seiner Individualität gehörigen Voraussetzungen,
Daseinsweisen derselben. Wir r e d u z i e r e n d i e s
E i g e n t u m a u f d a s V e r h a l t e n z u d e n
B e d i n g u n g e n d e r P r o d u k t i o n. Warum nicht
der Konsumtion, da ursprünglich das Produzieren des Individuums
sich auf das Reproduzieren seines eignen Leibs durch Aneignen
fertiger, von der Natur selbst für den Konsum zubereiteter Gegen-
stände beschränkt? Selbst wo nur noch zu f i n d e n ist und zu
e n t d e c k e n, erfordert dies bald Anstrengung, Arbeit - wie
in Jagd, Fischfang, Hirtenwesen - und Produktion (i.e. Entwick-
lung) gewisser Fähigkeiten auf Seiten des Subjekts. Dann aber
sind Zustände, wo zu dem Vorhandnen zugegriffen werden kann, ohne
alle Instrumente (also selbst schon zur Produktion bestimmte Pro-
dukte der Arbeit), ohne Änderung der Form (die selbst schon beim
Hirtenwesen stattfindet) etc. sehr bald vorübergehende und nir-
gendswo als Normalzustände zu betrachten; auch nicht als Norma-
lurzustände. Übrigens schließen die ursprünglichen Bedingungen
der Produktion direkt, ohne Arbeit konsumierbare Stoffe, wie
Früchte, Tiere etc. von selbst ein; also der Konsumtionsfonds er-
scheint selbst als ein Bestandteil des u r s p r ü n g-
l i c h e n P r o d u k t i o n s f o n d s.
-----
35*) zunächst - 36*) Umherstreifen
#401# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
-----
Die Grundbedingung des auf dem Stammwesen (worin sich das Gemein-
wesen ursprünglich auflöst) ruhenden Eigentums - Mitglied des
Stammes sein - macht den vom Stamm eroberten fremden Stamm, den
unterworfnen, e i g e n t u m s l o s und wirft ihn selbst un-
ter die u n o r g a n i s c h e n B e d i n g u n g e n seiner
Reproduktion, wozu sich das Gemeinwesen als den seinen verhält.
Sklaverei und Leibeigenschaft sind daher nur weitre Entwicklungen
des auf dem Stammwesen beruhnden Eigentums. Sie modifizieren not-
wendig alle Formen desselben. Am wenigsten können sie dies in der
asiatischen Form. In der self-sustaining 37*) Einheit von Manu-
faktur und Agrikultur, worauf diese Form beruht, die Eroberung
nicht so notwendige Bedingung als da, wo das G r u n d-
e i g e n t u m, A g r i k u l t u r ausschließlich vorherr-
schend. Andrerseits, da der einzelne nie zum Eigentümer, sondern
nur zum Besitzer in dieser Form wird, ist er au fond selbst das
Eigentum, der Sklave dessen, [in] dem die Einheit der Gemeinde
existiert, und Sklaverei hebt hier weder die Bedingungen der
Arbeit auf, noch modifiziert sie das wesentliche Verhältnis.
¦¦6¦ Es ist nun ferner klar:
Das Eigentum, soweit es nur das bewußte Verhalten - und in bezug
auf den einzelnen vom Gemeinwesen gesetzte und als Gesetz prokla-
mierte und garantierte - zu den Produktionsbedingungen als den
s e i n e n ist, das Dasein des Produzenten also als ein Dasein
in den i h m g e h ö r i g e n objektiven Bedingungen erscheint
- wird erst verwirklicht durch die Produktion selbst. Die wirkli-
che Aneignung geschieht erst nicht in der gedachten, sondern in
der tätigen, realen Beziehung auf diese Bedingungen - das wirkli-
che Setzen derselben als der Bedingungen seiner subjektiven Tä-
tigkeit.
Damit ist aber zugleich klar, daß d i e s e B e d i n g u n-
g e n s i c h ä n d e r n. Durch das Jagen der Stämme wird
eine Erdregion erst zum Jagdrevier; durch den Ackerbau die Erde,
der Grund und Boden erst als der verlängerte Leib des Individuums
gesetzt. Nachdem die S t a d t R o m erbaut war und die
umliegende Feldmark bestellt von ihren Bürgern - waren die
Bedingungen des Gemeinwesens andre geworden als vorher. Der Zweck
aller dieser Gemeinwesen ist Erhaltung; d.h. Reproduktion der
Individuen, die es bilden, als Eigentümer, d. h. in derselben
objektiven Existenzweise, die zugleich das Verhalten der Glieder
zueinander und daher die Gemeinde selbst bildet. Diese
Reproduktion ist aber zugleich notwendig Neuproduktion und De-
struktion der alten Form. Z.B. wo der Individuen jedes soviel Ac-
ker Land besitzen soll, schon der Fortschritt der Bevölkerung im
Wege. Soll dem gesteuert werden, so Kolonisation, und diese macht
Eroberungskrieg nötig. Damit Sklaven etc. Vergrößerung des ager
#402# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
-----
publicus z.B. auch, und damit der Patrizier, die das Gemeinwesen
repräsentieren etc. So die Erhaltung des alten Gemeinwesens
schließt ein die Destruktion der Bedingungen, auf denen es be-
ruht, schlägt ins Gegenteil um. Sollte z.B. gedacht werden, die
Produktivität auf demselben Raum könne vermehrt werden durch Ent-
wicklung der Produktivkräfte etc. (diese beim altherkömmlichen
Ackerbau gerade das allerlangsamste), so würde das neue Weisen,
Kombinationen der Arbeit, großen Teil des Tags auf Agrikultur
verwandt etc. einschließen und damit wieder die alten ökonomi-
schen Bedingungen des Gemeinwesens aufheben. In dem Akt der Re-
produktion selbst ändern sich nicht nur die objektiven Bedingun-
gen, z.B. aus dem Dorf wird Stadt, aus der Wildnis gelichteter
Acker etc., sondern die Produzenten ändern sich, indem sie neue
Qualitäten aus sich heraus setzen, sich selbst durch die Produk-
tion entwickeln, umgestalten, neue Kräfte und neue Vorstellungen
bilden, neue Verkehrsweisen, neue Bedürfnisse und neue Sprache.
Je altherkömmlicher die Produktionsweise selbst - und diese dau-
ert lang in der Agrikultur; noch länger in der orientalischen Er-
gänzung von Agrikultur und Manufaktur -, d.h. je mehr sich
gleichbleibend der w i r k l i c h e P r o z e ß der Aneig-
nung, um so konstanter die alten Eigentumsformen und damit das
Gemeinwesen überhaupt. Wo Trennung schon der Gemeindeglieder als
Privateigentümer von sich als Stadtgemeinde und Stadtterritori-
umeignern, da treten auch schon Bedingungen ein, wodurch der ein-
zelne v e r l i e r e n kann sein Eigentum, d. h. das doppelte
Verhältnis, das ihn zum ebenbürtigen Bürger, Mitglied des Gemein-
wesens, und das ihn zum E i g e n t ü m e r macht. In der ori-
entalischen Form ist dies V e r l i e r e n kaum möglich, außer
durch ganz äußere Einflüsse, da das einzelne Mitglied der Ge-
meinde nie in die freie Beziehung zu ihr tritt, wodurch es sein
Band (objektives, ökonomisches zu ihr) verlieren könnte. Es ist
festgewachsen. Es liegt dies auch an der Vereinigung von Manufak-
tur und Agrikultur, von Stadt (dem Dorf) und Land. Bei den Alten
erscheint die Manufaktur schon als Verderb (Geschäft der Liber-
tini 38*), Klienten, Fremden) etc. Diese Entwicklung der produk-
tiven Arbeit (losgelöst von der reinen Unterordnung unter die
Agrikultur als häusliche, Freienarbeit, die nur für Agrikultur
und Krieg bestimmte oder auf Gottesdienst und Gemeinwesen - wie
Häuserbau, Straßenbau, Tempelbau - gewandte Manufaktur), die sich
notwendig entwickelt durch Verkehr mit Fremden, Sklaven, Lust das
Surplusprodukt auszutauschen etc., löst die Produktionsweise auf,
auf der das Gemeinwesen beruht und daher der o b j e k t i v
e i n z e l n e, i.e. als Römer, Grieche etc. bestimmte ein-
zelne. Der Austausch wirkt ebenso; die Verschuldung etc.
-----
38*) Freigelassene
#403# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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Die ursprüngliche Einheit zwischen einer besondren Form des Ge-
mein- (Stammwesens) und damit zusammenhängenden Eigentums an der
Natur oder Verhalten zu den objektiven Bedingungen der Produktion
als Naturdasein, als durch die Gemeinde vermitteltem objektivem
Dasein des einzelnen - diese Einheit, die einerseits als die be-
sondre Eigentumsform erscheint - hat ihre lebendige Wirklichkeit
in einer bestimmten W e i s e d e r P r o d u k t i o n
selbst, einer Weise, die ebensosehr als Verhalten der Individuen
zueinander erscheint, wie ihr bestimmtes tätiges Verhalten ¦¦7¦
zur unorganischen Natur, bestimmte Arbeitsweise (die immer Fami-
lienarbeit, oft Gemeindearbeit). Als die erste große Produktiv-
kraft erscheint das Gemeinwesen selbst; für die besondre Art der
Produktionsbedingungen (z.B. Viehzucht, Landbau) entwickeln sich
besondre Produktionsweise und besondre Produktivkräfte, sowohl
subjektive, als Eigenschaften der Individuen erscheinend, wie ob-
jektive.
Eine bestimmte Stufe der Entwicklung der Produktivkräfte der ar-
beitenden Subjekte, der bestimmte Verhältnisse derselben zueinan-
der und zur Natur entsprechen - darin löst sich in letzter In-
stanz sowohl ihr Gemeinwesen auf wie das auf demselben begründete
Eigentum. Bis zu einem gewissen Punkt Reproduktion. Schlägt dann
in Auflösung um.
E i g e n t u m meint also ursprünglich - und so in seiner asia-
tischen, slawischen, antiken, germanischen Form - Verhalten des
arbeitenden (produzierenden) Subjekts (oder sich reproduzieren-
den) zu den Bedingungen seiner Produktion oder Reproduktion als
den seinen. Es wird daher auch verschiedne Formen haben nach den
Bedingungen dieser Produktion. Die Produktion selbst bezweckt die
Reproduktion des Produzenten in und mit diesen seinen objektiven
Daseinsbedingungen. Dieses Verhalten als Eigentümer - nicht als
Resultat, sondern Voraussetzung der Arbeit, i.e. der Produktion -
setzt voraus ein bestimmtes Dasein des Individuums als Glied ei-
nes Stamm- oder Gemeinwesens (dessen Eigentum es selbst ist bis
zu einem gewissen Punkt). Sklaverei, Leibeigenschaft etc., wo der
Arbeiter selbst unter den Naturbedingungen der Produktion für ein
drittes Individuum oder Gemeinwesen erscheint (dies ist z.B. bei
der allgemeinen Sklaverei des Orients n i c h t der Fall,
n u r vom europäischen point of view 39*) aus) - also Eigentum
nicht mehr das Verhalten des selbstarbeitenden Individuums zu den
objektiven Bedingungen der Arbeit -, ist immer sekundär, nie ur-
sprünglich, obgleich notwendiges und konsequentes Resultat des
auf dem Gemeinwesen und Arbeit im Gemeinwesen gegründeten Eigen-
tums. Es ist zwar sehr einfach, sich vorzustellen, daß ein Gewal-
tiger, physisch Überlegner, nachdem er erst das Tier
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39*) Gesichtspunkt
#404# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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gefangen, dann Menschen fängt, um durch ihn Tiere fangen zu las-
sen; mit einem Worte sich ebenso des Menschen als einer natürlich
vorgefundnen Bedingung für seine Reproduktion bedient (wobei
seine eigne Arbeit in Herrschen sich auflöst etc.) wie irgendei-
nes andren Naturwesens. Aber solche Ansicht ist abgeschmackt -
sosehr richtig vom Standpunkt gegebner Stamm- oder Gemeinwesen -,
da sie von der Entwicklung v e r e i n z e l t e r Menschen
ausgeht. Der Mensch vereinzelt sich erst durch den historischen
Prozeß. Er erscheint ursprünglich als ein G a t t u n g s-
w e s e n, S t a m m w e s e n, H e r d e n t i e r - wenn
auch keineswegs als ein ???? ????????? 40*) [9] im politischen
Sinn. Der Austausch selbst ist ein Hauptmittel dieser
Vereinzelung. Er macht das Herdenwesen überflüssig und löst es
auf. Sobald die Sache sich so gedreht, daß er als Vereinzelter
nur mehr sich auf sich bezieht, die Mittel aber, um sich als
Vereinzelter zu setzen, sein sich Allgemein- und Gemeinmachen
geworden sind. In diesem Gemeinwesen ist das objektive Dasein des
einzelnen als Eigentümer, sage z.B. Grundeigentümer, voraus-
gesetzt, und zwar unter gewissen Bedingungen, die ihn an das
Gemeinwesen ketten oder vielmehr einen Ring in seiner Kette
machen. In der bürgerlichen Gesellschaft steht der Arbeiter z. B.
rein objektivlos, subjektiv da; aber die Sache, die ihm
g e g e n ü b e r s t e h t, ist das w a h r e G e m e i n-
w e s e n nun geworden, das er zu verspeisen sucht und von dem
er verspeist wird.
Alle Formen (mehr oder minder naturwüchsig, alle zugleich aber
auch Resultate historischen Prozesses), worin das Gemeinwesen die
Subjekte in bestimmter objektiver Einheit mit ihren Produktions-
bedingungen oder ein bestimmtes subjektives Dasein die Gemeinwe-
sen selbst als Produktionsbedingungen unterstellt, entsprechen
notwendig nur limitierter und prinzipiell limitierter Entwicklung
der Produktivkräfte. Die Entwicklung der Produktivkräfte löst sie
auf, und ihre Auflösung selbst ist eine Entwicklung der menschli-
chen Produktivkräfte. Es wird erst gearbeitet von gewisser Grund-
lage aus - erst naturwüchsig - dann historische Voraussetzung.
Dann aber wird diese Grundlage oder Voraussetzung selbst aufgeho-
ben oder gesetzt als eine verschwindende Voraussetzung, die zu
eng geworden für die Entfaltung des progressiven Menschenpacks.
Soweit antikes Grundeigentum im modernen Parzelleneigentum
wiedererscheint, gehört es selbst in die politische Ökonomie und
kommen wir darauf im Abschnitt vom Grundeigentum.
¦¦8¦ (Auf alles dies tiefer und ausführlicher zurückzukommen.)
Das, um das es sich uns hier zunächst handelt: Das Verhalten der
Arbeit
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40*) zoon politicon - gesellschaftliches Wesen
#405# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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zum Kapital oder zu den objektiven Bedingungen der Arbeit als Ka-
pital setzt voraus historischen Prozeß, der die verschiednen For-
men auflöst, in denen der Arbeiter Eigentümer ist oder der Eigen-
tümer arbeitet. Also vor allem 1. A u f l ö s e n des Verhal-
tens zur Erde - Grund und Boden - als natürlicher Pro-
duktionsbedingung ", zu der er sich als seinem eignen unorgani-
schen Dasein verhält; dem Laboratorium seiner Kräfte und der Do-
mäne seines Willens. Alle Formen, worin dies Eigentum vorkommt,
unterstellen ein G e m e i n w e s e n, dessen Mitglieder, ob-
gleich formelle Unterschiede zwischen ihnen sein mögen, als Mit-
glieder desselben E i g e n t ü m e r sind. Die ursprüngliche
Form dieses Eigentums ist daher selbst u n m i t t e l b a r e s
G e m e i n e i g e n t u m (o r i e n t a l i s c h e F o r m,
modifiziert im slawischen; bis zum Gegensatz entwickelt, aber
doch noch als die geheime, wenn auch gegensätzliche Grundlage im
antiken und germanischen Eigentum). 2. A u f l ö s e n d e r
V e r h ä l t n i s s e, worin er als E i g e n t ü m e r
d e s I n s t r u m e n t s erscheint. Wie die obige Form des
Grundeigentums r e a l e s G e m e i n w e s e n unterstellt,
so dieses Eigentum des Arbeiters an Instrument eine besondre Form
der Entwicklung der Manufakturarbeit als H a n d w e r k s-
a r b e i t; damit verknüpft das Zunft-Korporationswesen etc.
(Das altorientalische Manufakturwesen kann schon unter 1.
betrachtet werden.) Hier die Arbeit selbst noch halb künstle-
risch, halb Selbstzweck etc. Meisterschaft. Kapitalist selbst
noch Meister. Mit dem besondren Arbeitsgeschick auch der Besitz
am Instrument gesichert etc. etc. Erblichkeit dann gewissermaßen
der Arbeitsweise mit der Arbeitsorganisation und dem Arbeits-
instrument. Mittelaltriges Städtewesen. Die Arbeit noch als seine
eigne; bestimmte selbstgenügende Entwicklung einseitiger Fähig-
keiten etc. 3. Einbegriffen in beidem, daß er die Kon-
sumtionsmittel vor der Produktion im Besitz hat, nötig, um als
Produzent - also während seiner Produktion, v o r der Vollen-
dung derselben - zu leben. Als Grundeigentümer erscheint er di-
rekt mit dem nötigen Konsumtionsfonds versehn. Als Handwerksmei-
ster hat er denselben ererbt, verdient, aufgespart, und als Hand-
werksbursch ist er erst L e h r l i n g, wo er noch gar nicht
als eigentlicher, selbständiger Arbeiter erscheint, sondern pa-
triarchalisch teilt die Kost mit dem Meister. Als Gesell
(wirklicher) ist eine gewisse Gemeinschaftlichkeit des vom Mei-
ster beseßnen Konsumtionsfonds. Ist er auch nicht das E i g e n-
t u m des Gesellen, so doch durch die Gesetze der Zunft, ihr
Herkommen etc. sein Mitbesitz wenigstens etc. (Weiter hierauf
einzugehn.) 4. A u f l ö s u n g a n d r e r s e i t s eben-
sosehr der Verhältnisse, worin die A r b e i t e r s e l b s t,
die l e b e n d i g e n A r b e i t s v e r m ö g e n selbst
noch u n m i t t e l b a r u n t e r d i e o b j e k t i-
v e n P r o d u k t i o n s b e d i n g u n g e n gehören und
als solche angeeignet werden - also Sklaven oder Leibeigne sind.
Für das Kapital ist der Arbeiter keine Produktionsbedingung,
sondern nur die Arbeit. Kann es sie durch Maschinen verrichten
lassen oder
#406# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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gar durch Wasser, Luft, tant mieux 41*). Und es eignet sich nicht
den Arbeiter an, sondern seine Arbeit - nicht unmittelbar, son-
dern vermittelt durch Austausch.
Dies sind nun auf der einen Seite historische Voraussetzungen,
damit der Arbeiter als freier Arbeiter, als objektivloses, rein
subjektives Arbeitsvermögen den objektiven Bedingungen der Pro-
duktion als seinem N i c h t e i g e n t u m, als f r e m-
d e m E i g e n t u m, als für sich seiendem W e r t, als
Kapital gegenüber gefunden wird. Andrerseits fragt es sich aber,
welche Bedingungen sind nötig, damit er ein K a p i t a l sich
gegenüber findet?
{In der Formel des Kapitals, wo die lebendige Arbeit sich sowohl
zum Rohmaterial wie zum Instrument, wie zu den während der Arbeit
erforderlichen Lebensmitteln als negativ, Nicht-Eigentum verhält,
ist d'abord N i c h t - G r u n d e i g e n t u m e i n g e-
s c h l o s s e n oder der Zustand negiert, wo das arbeitende
Individuum sich zum Grund und Boden, der Erde, als seinem eignen
verhält, i. e. als Eigentümer des Grund und Bodens arbeitet,
produziert. Es verhält sich im besten Fall nicht nur als-Arbeiter
zum Grund und Boden, sondern als Eigentümer des Grund und Bodens
zu sich selbst als arbeitendem Subjekt. Das Grund- und Boden-
eigentum schließt der Potenz nach ein sowohl das Eigentum am
Rohmaterial wie am Urinstrument, der Erde selbst, wie an den
spontanen Früchten derselben. In der ursprünglichsten Form ge-
setzt heißt es, sich zur Erde als Eigner verhalten, in ihr Rohma-
terial vorfinden, Instrument, und nicht durch die Arbeit, sondern
durch die Erde selbst geschaffne Lebensmittel. Dies Verhältnis
schon reproduziert, erscheinen sekundäre Instrumente und durch
die Arbeit selbst geschaffne Erdfrüchte als eingeschlossen in das
Grundeigentum in seinen primitiven Formen. Dieser historische Zu-
stand also d'abord negiert als das vollere Eigentumsverhalten in
dem Verhältnis des Arbeiters zu den Arbeitsbedingungen als Kapi-
tal. Dies ist historischer Zustand No. I, der in diesem Verhält-
nis negiert oder als historisch aufgelöst vorausgesetzt ist.
Zweitens ¦¦9¦ aber, wo das E i g e n t u m a n d e m I n-
s t r u m e n t oder das Verhalten des Arbeiters zum Instrument
als eignem, wo er als Eigentümer des Instruments arbeitet (was
zugleich die Subsumtion des Instruments unter seine individuelle
Arbeit voraussetzt, d.h. besondre bornierte Entwicklungsstufe der
Produktivkraft der Arbeit voraussetzt), wo diese Form des
A r b e i t e r s a l s E i g e n t ü m e r oder des a r-
b e i t e n d e n E i g e n t ü m e r s schon als selbständige
Form gesetzt ist, neben und außer dem G r u n d e i g e n t u m
- die handwerksmäßige und städtische Entwicklung der Arbeit -
nicht wie im ersten Fall als Akzident des Grundeigentums und
subsumiert unter dasselbe - also auch das Rohmaterial
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41*) um so besser
#407# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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und die Lebensmittel erst v e r m i t t e l t sind als Eigentum
des Handwerkers, durch sein Handwerk vermittelt, durch sein Ei-
gentum am Instrument - ist schon eine zweite historische Stufe
vorausgesetzt neben und außer der ersten, die selbst schon
bedeutend modifiziert erscheinen muß durch die V e r s e l b-
s t ä n d i g u n g d i e s e r z w e i t e n S o r t e v o n
E i g e n t u m oder von a r b e i t e n d e m E i g e n-
t ü m e r. Da das Instrument selbst schon Produkt der Arbeit,
also das Element, welches das Eigentum konstituiert, schon als
durch die Arbeit gesetzt ist, kann das Gemeinwesen hier nicht
mehr in der naturwüchsigen Form erscheinen wie im ersten Fall -
das Gemeinwesen, worauf diese Art des Eigentums begründet -,
sondern als selbst schon produziertes, entstandnes, sekundäres
durch den Arbeiter selbst produziertes Gemeinwesen. Es ist klar,
daß, wo das Eigentum am Instrument das Verhalten zu den Pro-
duktionsbedingungen der Arbeit als Eigentum ist, in der
wirklichen Arbeit das Instrument n u r als M i t t e l der
individuellen Arbeit erscheint; die Kunst, sich das Instrument
wirklich anzueignen, es als Arbeitsmittel zu handhaben, als eine
besondre Fertigkeit des Arbeiters erscheint, die ihn als
Eigentümer des Instruments setzt. Kurz, der wesentliche Charakter
des Zunft-Korporationswesens, der handwerksmäßigen Arbeit als ihr
Subjekt, als Eigentümer konstituierend - ist aufzulösen in das
Verhalten zum Produktionsinstrument - Arbeitsinstrument als
Eigentum - im Unterschied zum Verhalten zur Erde, zum Grund und
Boden (zum Rohstoff als solchen) als eignem. Daß das Verhalten zu
diesem einen Moment der Produktionsbedingungen das arbeitende
Subjekt als Eigentümer konstituiert, ihn zum arbeitenden
Eigentümer macht, dieser historische Zustand No. II, der seiner
Natur nach nur als Gegensatz oder, wenn man will, zugleich als
Ergänzung des modifizierten ersten existieren kann - ebenfalls
negiert in der ersten Formel des Kapitals.
Die dritte m ö g l i c h e F o r m, sich als Eigentümer zu
verhalten nur zu den Lebensmitteln, sie vorfinden als natürliche
Bedingung des arbeitenden Subjekts, ohne weder zum Grund und Bo-
den noch zum Instrument, also auch nicht der Arbeit selbst sich
als eignen zu verhalten, ist au fond die Formel der Sklaverei und
Leibeigenschaft, die ebenfalls negiert ist, als historisch auf-
gelöster Zustand gesetzt ist im Verhältnis des Arbeiters zu den
Produktionsbedingungen als Kapital. Die Urformen des Eigentums
lösen sich notwendig auf in das Verhältnis zu den verschiednen
objektiven Momenten, die die Produktion bedingen, als eignen; sie
bilden ebensowohl die ökonomische Grundlage verschiedner Formen
des Gemeinwesens, wie sie ihrerseits bestimmte Formen des Gemein-
wesens zur Voraussetzung haben. Diese Formen wesentlich modifi-
ziert durch das Versetzen der Arbeit selbst unter die
o b j e k t i v e n P r o d u k t i o n s b e d i n g u n g e n
(Leibeigenschaft und Sklaverei), wodurch der
#408# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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einfach affirmative Charakter aller unter No. I rangierenden Ei-
gentumsformen verlorengeht und modifiziert wird. Sie enthalten
alle die Sklaverei als Möglichkeit und daher als ihre eigne Auf-
hebung in sich. Was No. II angeht, wo die besondre Art der Arbeit
- die Meisterschaft in derselben und dementsprechend das Eigentum
am Arbeitsinstrument = Eigentum an den Produktionsbedingungen -
so schließt es zwar Sklaverei und Leibeigenschaft aus; kann aber
in der Form des Kastenwesens eine analoge negative Entwicklung
erhalten.} {Die dritte Form des Eigentums an den Lebensmitteln -
wenn sie nicht sich in Sklaverei und Leibeigenschaft auflöst -
kann nicht enthalten Verhältnis des a r b e i t e n d e n
Individuums zu den Produktions- und daher Daseinsbedingungen; sie
kann daher nur das Verhältnis des seines Grundeigentums verlustig
gegangnen und noch nicht zu No. II Sorte des Eigentums
fortgegangenen Mitglieds der ursprünglichen, auf Grundeigentum
gegründeten Gemeinwesen sein, wie die römische Plebs zur Zeit der
panes et circenses [235].} {Das Verhältnis der retainer 42*) zu
ihrem Grundherrn oder der persönlichen Dienstleistung ist
wesentlich verschieden. Denn sie bildet au fond nur Existenzweise
des Grundeigentümers selbst, der nicht mehr arbeitet, sondern
dessen Eigentum einschließt unter den Produktionsbedingungen die
Arbeiter selbst als Leibeigne etc. Hier H e r r s c h a f t s-
v e r h ä l t n i s als wesentliches Verhältnis der Aneignung.
Zum Tier, Boden etc. kann au fond kein Herrschaftsverhältnis
stattfinden durch die Aneignung, obgleich das Tier dient. Die
Aneignung fremden W i l l e n s ist Voraussetzung des Herr-
schaftsverhältnisses. Das Willenlose also, wie Tier z.B., kann
zwar dienen, aber es macht den Eigner nicht zum H e r r e n.
Soviel sehn wir aber hier, wie H e r r s c h a f t s- und
K n e c h t s c h a f t s v e r h ä l t n i s ebenfalls in diese
Formel der Aneignung der Produktionsinstrumente gehören; und sie
bilden notwendiges Ferment der Entwicklung und des Untergangs al-
ler ursprünglichen Eigentumsverhältnisse und Produktionsverhält-
nisse, wie sie auch ihre Borniertheit ausdrücken. Allerdings wer-
den sie im Kapital - in vermittelter Form - reproduziert und bil-
den so ebenfalls Ferment seiner Auflösung und sind Wappen seiner
Borniertheit.}
¦¦10¦ {"Die Befugnis, sich und die seinigen in der Not zu verkau-
fen, war ein leidiges allgemeines Recht; es galt im Norden wie
bei den Griechen und in Asien: Die des Gläubigers den Schuldner,
welcher mit der Zahlung ausblieb, zu seinem Knecht zu nehmen, und
sich durch seine Arbeit oder durch Verkauf seiner Person, soweit
es reichte, bezahlt zu machen, war fast ebenso ausgebreitet."
(Niebuhr. I, p. 600.)}
{Niebuhr sagt an einer Stelle, daß für die griechischen Schrift-
steller, die in der augustäischen Zeit schrieben, die Schwierig-
keit und das falsche Verständnis
-----
42*) Dienstleute
#409# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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des Verhältnisses zwischen Patriziern und Plebejern und ihre Ver-
wechslung dieses Verhältnisses mit dem zwischen Patronen und Kli-
enten daher, daß sie
"schrieben in einer Zeit, wo R e i c h e u n d A r m e d i e
e i n z i g w a h r e n K l a s s e n d e r B ü r g e r
w a r e n; wo der Dürftige, wie edel seine Herkunft sein mochte,
einen Gönner bedurfte, und der Millionär, war er auch ein Freige-
laßner, als Gönner gesucht ward. Von erblichen Verhältnissen der
Anhänglichkeit kannten sie kaum noch eine Spur". (I, 620.)}
{"In beiden Klassen" - M e t ö k e n [236] u n d F r e i-
g e l a ß n e n u n d i h r e n N a c h k o m m e n - "fanden
sich die Handwerker, und zu dem Bürgerrecht, worauf diese
beschränkt waren, ging der Plebejer über, welcher den Ackerbau
aufgab. Auch sie entbehrten die Ehre g e s e t z l i c h e r
I n n u n g e n nicht; und ihre Zünfte waren so hochgeachtet,
daß man Numa als ihren Stifter nannte: Sie waren 9: Pfeifer,
Goldschmiede, Zimmerleute, Färber, Riemer, Gerber, Kupferschmie-
de, Töpfer, und die neunte Zunft der übrigen [Ge]werke insgemein.
Welche von ihnen selbständige Pfahlbürger [237] waren; Isopoliten
[238], die sich keinem Patron aufgetragen - wenn es ein solches
Recht gab; und Nachkommen von Hörigen, deren Band durch Aus-
sterben des Geschlechts ihrer Patrone gelöst war; die sind ohne
Zweifel dem Hader der Altbürger und der Gemeinde ebenso fremd
gewesen wie die florentinischen Zünfte den Fehden der Ge-
schlechter als Guelfen und Ghibellinen [239]: Die Hörigen standen
den Patriziern vielleicht noch sämtlich zu Gebot." (I, 623).}
Auf der einen Seite werden historische Prozesse vorausgesetzt,
die eine Masse Individuen einer Nation etc. in die Lage, wenn
zunächst nicht von wirklichen freien Arbeitern versetzt haben,
doch von solchen, die es ??????? 43*) sind, deren einziges Eigen-
tum ihr Arbeitsvermögen und die Möglichkeit, es auszutauschen ge-
gen vorhandne Werte; Individuen, denen alle objektiven Bedingun-
gen der Produktion als f r e m d e s E i g e n t u m, als ihr
N i c h t - E i g e n t u m gegenüberstehn, aber zugleich als
W e r t e austauschbar, daher aneigenbar zu einem certain degree
44*) durch lebendige Arbeit. Solche historische Auflösungspro-
zesse sind sowohl Auflösung der Hörigkeitsverhältnisse, die den
Arbeiter an Grund und Boden und den Herrn des Grund und Bodens
fesseln, aber sein Eigentum an Lebensmitteln faktisch vorausset-
zen - dieses ist in Wahrheit sein Ablösungsprozeß von der Erde;
Auflösung der Grundeigentumsverhältnisse, die ihn als yeoman
[240] konstituierten, freien arbeitenden kleinen Grundeigentümer
oder Pächter (colonus [241]), freien Bauern. {Die Auflösung der
noch ältern Formen von gemeinschaftlichem Eigentum und realem
Gemeinwesen versteht sich von selbst}; Auflösung der Zunft-
verhältnisse, die sein Eigentum an dem Arbeitsinstrument voraus-
setzen und die Arbeit selbst, als handwerksmäßige bestimmte
Geschicklichkeit, als Eigentum (nicht nur Quelle desselben);
ebenso Auflösung der Klientelverhältnisse in den verschiednen
Formen, worin N i c h t - E i g e n t ü m e r als Mitkonsumen-
ten des Surplusproduce 45*) im Gefolge ihrer
-----
43*) der Möglichkeit nach - 33*) gewissen Grade - 45*) Mehrpro-
dukt
#410# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
-----
Herren erscheinen und als Äquivalente die Livree ihres Herren
tragen, an seinen Fehden teilnehmen, persönliche Dienstleistungen
tun, eingebildete oder reale etc. In allen diesen Auflösungspro-
zessen wird sich bei genauerer Prüfung zeigen, daß Verhältnisse
der Produktion aufgelöst werden, worin vorherrscht: Gebrauchs-
wert, Produktion für den unmittelbaren Gebrauch 46*); der Tausch-
wert und die Produktion desselben das Vorherrschen der andren
Form zur Voraussetzung hat; daher auch in allen diesen Verhält-
nissen Naturallieferungen und Naturaldienste über Geldzahlung und
Geldleistung vorherrscht. Doch dies nur nebenbei. Es wird sich
bei näherer Betrachtung ebenso finden, daß alle die aufgelösten
Verhältnisse nur mit einem bestimmten Grad der Entwicklung der
materiellen (und daher auch der geistigen) Produktivkräfte mög-
lich waren.
Was uns zunächst hier angeht, ist dies: Der Auflösungsprozeß, der
eine Masse Individuen einer Nation etc. in ??????? 47*) freie
Lohnarbeiter - nur durch ihre Eigentumslosigkeit zur Arbeit und
zum Verkauf ihrer Arbeit gezwungne Individuen - verwandelt, un-
terstellt auf der andren Seite, n i c h t, daß die bisherigen
Einkommenquellen und zum Teil Eigentumsbedingungen dieser Indivi-
duen v e r s c h w u n d e n sind, sondern umgekehrt, daß
n u r ihre Verwendung eine andre geworden, die Art ihres Daseins
sich verwandelt hat, als f r e i e r f o n d s in andre Hände
übergegangen oder auch zum Teil in d e n s e l b e n geblieben
ist. Aber soviel ist klar: Derselbe Prozeß, der eine Menge Indi-
viduen von ihren bisherigen - d'une manière or d'une autre 48*) -
affirmativen Beziehungen zu den o b j e k t i v e n B e d i n-
g u n g e n d e r A r b e i t geschieden, diese Beziehungen
negiert und diese Individuen dadurch in f r e i e A r b e i-
t e r verwandelt hat, derselbe Prozeß hat diese o b j e k t i-
v e n B e d i n g u n g e n d e r A r b e i t - Grund und
Boden, Rohmaterial, Lebensmittel, Arbeitsinstrumente, Geld oder
alles dies - ??????? freigemacht von ihrem b i s h e r i g e n
G e b u n d e n s e i n an die nun von ihnen losgelösten
Individuen. Sie sind noch v o r h a n d e n, aber in andrer
Form vorhanden: als f r e i e r f o n d s, a n dem alle alten
politischen etc. relations 49*) ausgelöscht und die nur noch in
der Form von W e r t e n, an sich festhaltenden Werten, jenen
losgelösten eigentumslosen Individuen gegenüberstehn. Derselbe
Prozeß, der die Masse als freie Arbeiter den o b j e k t i v e n
A r b e i t s b e d i n g u n g e n gegenübergestellt, hat auch
diese Bedingungen als ¦¦11¦ K a p i t a l den freien Arbeitern
gegenübergestellt. Der historische Prozeß war die Scheidung
bisher verbundner Elemente - sein Resultat ist daher nicht, daß
eins der Elemente verschwindet, sondern, daß jedes derselben in
negativer Beziehung
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46*) In der Handschrift: Gebrauchswert - 47*) potentille -
48*) auf die eine oder andere Weise - 49*) Beziehungen
#411# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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auf das andre erscheint - der freie Arbeiter (der Möglichkeit
nach) auf der einen Seite, das Kapital (der Möglichkeit nach) auf
der andren. Die Scheidung der objektiven Bedingungen von Seiten
der Klassen, die in freie Arbeiter verwandelt worden, muß ebenso-
sehr als eine Verselbständigung dieser selben Bedingungen am ent-
gegengesetzten Pol erscheinen.
Wenn das Verhältnis von Kapital und Lohnarbeit nicht als selbst
schon maßgebend und übergreifend über das Ganze der Produktion
betrachtet wird, {denn in diesem Fall ist das als Bedingung der
Lohnarbeit vorausgesetzte Kapital ihr eignes Produkt und als Be-
dingung von ihr sich selbst vorausgesetzt, als Voraussetzung für
sie selbst von ihr selbst geschaffen} sondern als historisch ent-
stehend - d.h., wenn die ursprüngliche Verwandlung von Geld in
Kapital betrachtet wird, der Austauschprozeß zwischen dem nur
nach der ??????? 50*) existierenden Kapital auf der einen Seite
mit den der ??????? [nach] existierenden freien Arbeitern auf der
andren - so drängt sich natürlich die einfache Bemerkung auf, aus
der die Ökonomen großes Wesen machen, daß die Seite, die als
Kapital auftritt: im Besitz sein muß von Rohstoffen,
Arbeitsinstrumenten und Lebensmitteln, damit der Arbeiter während
der Produktion leben kann, bevor die Produktion vollendet ist. Es
erscheint dies ferner so, daß eine Akkumulation - eine der Arbeit
vorhergegangne und nicht aus ihr entsproßne Akkumulation - auf
Seiten des Kapitalisten vorgegangen sein muß, die ihn befähigt,
den Arbeiter ans Werk zu setzen und wirksam zu erhalten, als
lebendiges Arbeitsvermögen zu erhalten. (Sobald einmal das Kapi-
tal und Lohnarbeit als ihre eigne Voraussetzung gesetzt sind, als
der Produktion selbst vorausgesetzte Basis, erscheint die Sache
zunächst so, daß der Kapitalist außer dem Fonds von Rohmaterial
und Arbeitsmitteln, nötig, damit der Arbeiter sich selbst repro-
duziert, die nötigen Lebensmittel schafft, i.e. die n o t w e n-
d i g e A r b e i t realisiert, einen Fonds von Rohmaterial und
Arbeitsmitteln besitzt, in dem der Arbeiter seine Surplusarbeit,
d.h. den Profit des Kapitalisten verwirklicht. Bei fernerer
Analyse gestaltet es sich so, daß der Arbeiter beständig einen
doppelten Fonds für den Kapitalisten schafft oder in der Form des
Kapitals schafft, wovon ein Teil die Bedingungen seiner eignen
Existenz und der andre die Bedingungen der Existenz des Kapitals
fortwährend erfüllt. Wie wir gesehn haben, ist im Surpluskapital
- und Surpluskapital im Verhältnis zu seinem antediluvianischen
51*) Verhältnis zur Arbeit - ist alles r e a l e,
g e g e n w ä r t i g e K a p i t a l, jedes Element desselben
gleichmäßig als vergegenständlichte und vom Kapital angeeignete
f r e m d e A r b e i t ohne Austausch, ohne dafür gereichtes
Äquivalent a n g e e i g n e t.} Diese von der Arbeit unabhän-
gige, nicht gesetzte Tat
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50*) Möglichkeit - 51*) vorsintflutlich
#412# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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des Kapitals wird dann ferner aus dieser Geschichte seiner Ent-
stehung verlegt in die Gegenwart, in ein Moment seiner Wirklich-
keit und seines Wirksamseins, seiner Selbstformation verwandelt.
Es wird daraus dann endlich abgeleitet das ewige Recht des Kapi-
tals auf die Früchte fremder Arbeit, oder vielmehr seine Erwerbs-
weise wird aus den einfachen und "gerechten" Gesetzen des Aus-
tauschs von Äquivalenten entwickelt.
Der in der Form von Geld vorhandne Reichtum kann sich nur umset-
zen gegen die objektiven Bedingungen der Arbeit, weil und wenn
diese losgelöst sind von der Arbeit selbst. Daß zum Teil Geld
aufgehäuft werden kann auf dem reinen Weg des Austauschs von
Äquivalenten, haben wir gesehn; indes dies bildet eine so unbe-
deutende Quelle, daß es historisch nicht erwähnenswert - wenn
vorausgesetzt wird, daß das Geld durch Austausch eigner Arbeit
gewonnen. Es ist vielmehr durch Wucher - besonders auch gegen das
Grundeigentum ausgeübten - und durch Kaufmannsgewinne aufgehäuf-
tes mobiles Vermögen - Geldvermögen, das in Kapital im eigentli-
chen Sinn, industrielles Kapital verwandelt wird. Von beiden For-
men werden wir weiter unten Gelegenheit haben, weiter zu sprechen
- soweit sie - nicht als selbst Formen des Kapitals, sondern als
frühere Vermögensformen erscheinen, als Voraussetzungen für das
Kapital.
Es liegt in dem Begriff des Kapitals, wie wir gesehn haben - in
seiner Entstehung, daß es vom G e l d ausgeht und daher vom
Vermögen, das in der Form des Geldes existiert. Es liegt ebenso-
sehr darin, daß es als aus der Zirkulation herkommend, als
P r o d u k t der Zirkulation erscheint. Die Kapitalbildung geht
daher nicht aus vom Grundeigentum (hier höchstens vom P ä c h-
t e r, soweit er Handelsmann mit Agrikulturprodukten ist) ; auch
nicht von der Zunft; (obgleich an letztrem Punkt eine Mög-
lichkeit), sondern vom Kaufmanns- und Wuchervermögen. Dies findet
aber erst die Bedingungen vor, freie Arbeit zu kaufen, sobald
diese durch historischen Prozeß losgelöst von ihren objektiven
Existenzbedingungen. Es findet dann auch erst die Möglichkeit,
diese B e d i n g u n g e n selbst zu kaufen. Unter den
Zunftbedingungen z.B. kann bloßes Geld, das nicht selbst zünftig
ist, meisterschaftlich ist, nicht die Webstühle kaufen, um auf
ihnen arbeiten zu lassen; vorgeschrieben, wie viele einer bear-
beiten darf etc. Kurz, das Instrument selbst ist noch so verwach-
sen mit der lebendigen Arbeit selbst, als deren Domäne es er-
scheint, daß es nicht wahrhaft zirkuliert. Was das Geldvermögen
befähigt, Kapital zu werden, ist das Vorfinden einerseits der
freien Arbeiter; zweitens das Vorfinden der Lebensmittel und Ma-
terialien etc., die sonst d'une manière ou d'une autre
E i g e n t u m der nun objektivlos gewordnen Massen waren, als
ebenfalls f r e i und verkäuflich. Die andre Bedingung der Ar-
beit aber - gewisse Kunstfertigkeit,
#413# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
-----
Instrument als Mittel der Arbeit etc. - ist in dieser Vorperiode
oder ersten Periode des Kapitals von ihm v o r g e f u n d e n,
teils als Resultat des städtischen Zunftwesens, teils der häusli-
chen oder als Akzessorium 52*) am Landbau haftenden Industrie.
Der historische Prozeß ist nicht das Resultat des Kapitals, son-
dern Voraussetzung für dasselbe. Durch ihn schiebt sich dann auch
der Kapitalist als Zwischenperson (historisch) zwischen Grundei-
gentum oder zwischen Eigentum überhaupt und Arbeit. Von den ge-
mütlichen Einbildungen, wonach der Kapitalist und der Arbeiter
Assoziation schließen etc., ¦¦12¦ weiß weder die Geschichte etwas
noch findet sich davon eine Spur in der Begriffsentwicklung des
Kapitals. Sporadisch kann sich die M a n u f a k t u r entwi-
ckeln lokal inmitten eines Rahmens, der noch ganz andrer Periode
angehört, wie z.B. in den italienischen Städten n e b e n den
Zünften. Aber als allgemein beherrschende Form einer Epoche müs-
sen die Bedingungen für das Kapital nicht nur lokal, sondern auf
einer großen Stufenleiter entwickelt sein. (Es steht dem nicht im
Weg, daß bei der Auflösung der Zünfte einzelne Zunftmeister sich
in industrielle Kapitalisten verwandeln; indes ist der Kasus rar
und so der Natur der Sache nach. Im ganzen geht das Zunftwesen
unter, der Meister und der Gesell, wo der Kapitalist und der Ar-
beiter aufkommt.)
Es ist selbstverständlich - und zeigt sich bei näherem Eingehn in
die geschichtliche Epoche, von der hier die Rede ", daß aller-
dings d i e Z e i t d e r A u f l ö s u n g der frühren Pro-
duktionsweisen und Weisen des Verhaltens des Arbeiters zu den ob-
jektiven Bedingungen der Arbeit - z u g l e i c h e i n e
Z e i t ist, wo einerseits das G e l d v e r m ö g e n schon
zu einer gewissen Breite sich entwickelt h a t, anderseits
rasch wächst und sich ausdehnt durch dieselben Umstände, die jene
Auflösung beschleunigen. Es selbst ist zugleich einer der Agenten
jener Auflösung, wie jene Auflösung die Bedingung seiner Verwand-
lung in Kapital ist. Aber das b l o ß e D a s e i n d e s
G e l d v e r m ö g e n s und selbst Gewinnung einer Art supre-
macy 53*) seinerseits reicht keineswegs dazu hin, daß jene
A u f l ö s u n g i n K a p i t a l geschehe. Sonst hätte das
alte Rom, Byzanz etc. mit freier Arbeit und Kapital seine Ge-
schichte geendet oder vielmehr eine neue Geschichte begonnen.
Auch dort war die Auflösung der alten Eigentumsverhältnisse ver-
knüpft mit Entwicklung des Geldvermögens - des Handels etc. Aber
statt zur Industrie führte diese Auflösung in fact zur Herrschaft
des Landes über die Stadt. - Die U r b i l d u n g d e s
K a p i t a l s geht nicht so vor sich, daß das Kapital
a u f h ä u f t e, wie sich das vorgestellt wird, Lebensmittel
und Arbeitsinstrumente und Rohstoffe, kurz, die vom Boden losge-
lösten und selbst schon mit menschlicher Arbeit verquickten
o b j e k t i v e n Bedingungen der Arbeit.
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53*) Beiwerk - 53*) Vorherrschaft
#414# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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{Es ist auf den ersten Blick klar, welch abgeschmackter Zirkel es
wäre, wenn einerseits die A r b e i t e r, die das Kapital ins
Werk setzen muß, um als Kapital sich zu setzen, erst g e-
s c h a f f e n werden müßten, ins Leben gerufen werden müßten
durch s e i n e Aufhäufung, auf sein W e r d e! warteten,
während andrerseits es selbst unfähig wäre, a u f z u h ä u-
f e n ohne fremde Arbeit, höchstens s e i n e e i g n e
A r b e i t aufhäufen könnte, d.h. also selbst existieren in der
Form von N i c h t - K a p i t a l und N i c h t - G e l d, da
die Arbeit vor der Existenz des Kapitals sich nur selbst
verwerten kann in Formen, wie die der handwerksmäßigen Arbeit,
der kleinen Agrikultur etc., kurz, lauter Formen, die n i c h t
oder nur spärlich a u f h ä u f e n können; in Formen, die nur
ein kleines surplus produce zulassen und dies zum großen Teil
a u f z e h r e n. Überhaupt werden wir diese Vorstellung des
A u f h ä u f e n s noch näher zu untersuchen haben.}
Nicht so, daß das Kapital die objektiven Bedingungen der Arbeit
schafft. Sondern seine U r b i l d u n g geschieht einfach da-
durch, daß der als G e l d v e r m ö g e n existierende Wert
durch den historischen Prozeß der Auflösung der alten Produkti-
onsweise befähigt wird, einerseits zu k a u f e n die objekti-
ven Bedingungen der Arbeit, anderseits die l e b e n d i g e
Arbeit selbst gegen Geld von den freigewordnen Arbeitern einzu-
tauschen. Alle diese Momente sind vorhanden; ihre Scheidung
selbst ist ein historischer Prozeß, ein Auflösungsprozeß, und es
ist d i e s e r, der das Geld befähigt, sich in K a p i t a l
zu verwandeln. Das Geld selbst, soweit es mit bei der Geschichte
tätig ist, ist es nur, insofern es selbst als ein höchst energi-
sches Scheidungsmittel in diesen Prozeß eingreift und insofern
zur Herstellung der g e r u p f t e n, objektivlosen f r e i-
e n A r b e i t e r mitwirkt; sicher aber nicht dadurch, daß es
für sie die objektiven Bedingungen ihrer Existenz s c h a f f t;
sondern indem es ihre Trennung von denselben - ihre Eigentums-
losigkeit - beschleunigen hilft. Wenn z.B. die großen englischen
Grundeigentümer ihre retainers 54*) entließen, die mit ihnen das
surplus produce des Landes aufzehrten; ferner ihre Pächter die
kleinen Häusler verjagten etc., so war damit erstens eine Masse
lebendiger Arbeitskräfte auf den A r b e i t s m a r k t
geworfen, eine Masse, die in doppeltem Sinn frei war, frei von
den alten Klientel- oder Hörigkeitsverhältnissen und Dienstver-
hältnissen und zweitens frei von allem Hab und Gut und jeder
objektiven, sachlichen Daseinsform, f r e i v o n a l l e m
E i g e n t u m; auf den Verkauf ihres Arbeitsvermögens oder auf
Bettel, Vagabundage und Raub als die einzige Erwerbsquelle
angewiesen. Daß sie das letztere zuerst versuchten, von diesem
Wege aber durch Galgen, Pranger, Peitsche auf den schmalen Weg
zum Arbeitsmarkt getrieben wurden - wo also die R e g i e-
r u n g e n, f.i. 55*) Henry VII, VIII etc. als Bedingungen des
historischen
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54*) Dienstmannen - 55*) z.B.
#415# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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Auflösungsprozesses und als Hersteller der Bedingungen für die
Existenz des Kapitals erscheinen - ist geschichtlich konstatiert.
Andrerseits die Lebensmittel etc., die die Grundeigentümer früher
mit den retainers aufaßen, standen nun zur Disposition des
Geldes, das sie kaufen wollte, um through their instrumentality
56*) Arbeit zu kaufen. Das Geld hatte diese Lebensmittel weder
g e s c h a f f e n noch a u f g e h ä u f t; sie waren da,
wurden konsumiert und reproduziert, eh sie durch seine Vermitt-
lung konsumiert und reproduziert wurden. Was sich geändert hatte,
war nichts, als [daß] diese Lebensmittel jetzt auf den
A u s t a u s c h m a r k t geworfen waren - getrennt waren von
ihrem unmittelbaren Zusammenhang mit den Mäulern der retainers
etc. und aus Gebrauchswerten in Tauschwerte verwandelt waren, so
in die Domäne und die ¦¦13¦ Oberherrlichkeit des Geldvermögens
fielen.
Ebenso mit den Arbeitsinstrumenten. Weder erfand noch fabrizierte
das Geldvermögen Spinnrad und Webstuhl. Aber losgelöst von ihrem
57*) Grund und Boden, gerieten Spinner und Weber mit ihren Stüh-
len und Rädern in die Botmäßigkeit des Geldvermögens etc.
E i g e n i s t d e m K a p i t a l n i c h t s a l s d i e
V e r e i n i g u n g d e r M a s s e n v o n H ä n d e n
u n d I n s t r u m e n t e n, d i e e s v o r f i n d e t .
E s a g g l o m e r i e r t s i e u n t e r s e i n e r
B o t m ä ß i g k e i t. Das ist sein w i r k l i c h e s
A n h ä u f e n; das Anhäufen von Arbeitern auf Punkten nebst
ihren Instrumenten. Hiervon wird bei der sog. Anhäufung des Kapi-
tals näher zu handeln sein. Das Geldvermögen - als Kaufmannsver-
mögen - hatte allerdings beschleunigen und auflösen helfen die
alten Produktionsverhältnisse und es dem Grundeigentümer z.B.,
wie A. Smith schon hübsch entwickelt, [242] möglich gemacht, sein
Getreide, Vieh etc. auszutauschen gegen aus der Fremde gebrachte
Gebrauchswerte, statt die von ihm selbst produzierten mit seinen
retainers zu verprassen und seinen Reichtum zum großen Teil in
der Masse seiner mitkonsumierenden retainers zu finden. Es hatte
für ihn dem T a u s c h w e r t seiner Revenu eine höhere Be-
deutung gegeben. Ebenso fand dies in bezug auf seine Pächter
statt, die schon halb Kapitalisten waren, aber doch noch sehr
verbrämte.
Die Entwicklung des Tauschwerts - begünstigt durch das in der
Form des Kaufmannsstandes existierende G e l d - löst die mehr
auf den unmittelbaren Gebrauchswert gerichtete Produktion und die
ihr entsprechenden Eigentumsformen - Verhältnisse der Arbeit zu
ihren objektiven Bedingungen - auf und drängt so zur Herstellung
des A r b e i t s m a r k t s (wohl zu unterscheiden vom Skla-
venmarkt). Indes auch diese Wirkung des Geldes nur möglich unter
der Voraussetzung des s t ä d t i s c h e n G e w e r b-
f l e i ß e s, der n i c h t auf Kapital und Lohnarbeit,
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56*) durch ihre Vermittlung - 57*) in der Handschrift: seinem
#416# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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sondern auf Organisation der Arbeit in Zünfte etc. beruht. Die
städtische Arbeit selbst hatte Produktionsmittel geschaffen, für
die die Zünfte ebenso gênant 58*) wurden wie die alten Grundei-
gentumsverhältnisse einer verbesserten Agrikultur, die zum Teil
selbst wieder Folge des größren Absatzes der Agrikulturprodukte
an die Städte etc. Die andren Umstände, die z.B. im 16. Jahr-
hundert die Masse der umlaufenden Waren ebensosehr wie die des
Geldes vermehrten, neue Bedürfnisse schufen und daher den Tausch-
wert der einheimischen Produkte erhöhten etc., Preise steigerten
etc., alles dies beförderte einerseits die Auflösung der alten
Produktionsverhältnisse, beschleunigte die Loslösung des Arbei-
ters oder Nichtarbeiters, aber Arbeitsfähigen von den objektiven
Bedingungen seiner Reproduktion und beförderte so die Verwandlung
des Geldes in Kapital. Es kann daher nichts alberner sein, als
diese U r b i l d u n g des Kapitals so aufzufassen, als habe
es aufgehäuft und geschaffen die o b j e k t i v e n B e d i n-
g u n g e n d e r P r o d u k t i o n - Lebensmittel, Rohmate-
rial, Instrumente - und sie dem davon e n t b l ö ß t e n Ar-
beiter angeboten. Vielmehr half das Geldvermögen zum Teil die
Arbeitskräfte der arbeitsfähigen Individuen e n t b l ö ß e n
von diesen Bedingungen; zum Teil ging dieser Scheidungsprozeß
ohne es voran. Als sie eine gewisse Höhe erreicht hatte, konnte
das Geldvermögen sich als Mittler zwischen die so freigewordnen
objektiven Bedingungen des Lebens und die freigewordnen, aber
auch l o s u n d l e d i g gewordnen lebendigen Arbeitskräfte
stellen und mit den einen die andren kaufen. Was aber nun die
B i l d u n g d e s G e l d v e r m ö g e n s selbst angeht,
vor seiner Verwandlung in Kapital, so gehört sie in die
Vorgeschichte der bürgerlichen Ökonomie. Wucher, Handel, Städte-
wesen und mit ihnen aufkommender Fiskus spielen dabei Hauptrolle.
Auch das H o a r d e n 59*) der Pächter, Bauern etc.; obgleich
in minderem Grad. -
Es zeigt sich hier zugleich, wie die Entwicklung des Austauschs
und des Tauschwerts, der überall durch Handel vermittelt ist oder
dessen Vermittlung Handel genannt werden kann - das Geld erhält
im Kaufmannsstand ebenso wie die Zirkulation im Handel selbstän-
dige Existenz ", mit sich führt sowohl die Auflösung der
E i g e n t u m s v e r h ä l t n i s s e d e r A r b e i t
a n i h r e n Existenzbedingungen auf der einen Seite als die
selbst unter die o b j e k t i v e n B e d i n g u n g e n
d e r P r o d u k t i o n r a n g i e r t e [n] A r b e i t;
lauter Verhältnisse, die ebensosehr ein Vorherrschen des Ge-
brauchswerts und der auf den unmittelbaren Gebrauch gerichteten
Produktion wie eines unmittelbar selbst noch als Voraussetzung
der Produktion vorhandnen realen Gemeinwesens ausdrücken. Die auf
dem Tauschwert basierte Produktion und das auf dem Austausch die-
ser
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58*) lästig - 59*) Horten
#417# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
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Tauschwerte basierte Gemeinwesen - sosehr sie, wie wir im vorigen
Kapitel vom Geld sahen - das Ansehn haben, das Eigentum als Aus-
fluß bloß der A r b e i t zu setzen, das Privateigentum am Pro-
dukt der eignen Arbeit als Bedingung zu setzen - und die Arbeit
als allgemeine Bedingung des Reichtums - unterstellt und produ-
ziert die Trennung der Arbeit von ihren objektiven Bedingungen.
Dieser Austausch von Äquivalenten geht vor, ist nur die ober-
flächliche Schichte einer Produktion, die beruht auf der Aneig-
nung fremder Arbeit o h n e A u s t a u s c h, aber unter dem
S c h e i n d e s A u s t a u s c h s. Dieses System des Aus-
tausche beruht auf dem K a p i t a l als seiner Grundlage, und,
wenn es getrennt von ihm betrachtet wird, wie es sich an der
Oberfläche selbst zeigt, als s e l b s t ä n d i g e s System,
so ist dies bloßer S c h e i n, aber ein n o t w e n d i g e r
S c h e i n. Es ist daher jetzt nicht länger zu verwundern, daß
das System der Tauschwerte - Austausch von durch die Arbeit ge-
meßnen Äquivalenten - umschlägt oder vielmehr als seinen ver-
steckten Hintergrund zeigt A n e i g n u n g f r e m d e r
A r b e i t o h n e A u s t a u s c h, völlige Trennung von
Arbeit und Eigentum. Das Herrschen nämlich des Tauschwerts selbst
und der Tauschwerte produzierenden Produktion u n t e r-
s t e l l t ¦¦14¦ fremdes Arbeitsvermögen selbst als Tauschwert
- d. h. Trennung des lebendigen Arbeitsvermögens von seinen
objektiven Bedingungen; Verhalten zu denselben - oder zu seiner
eignen Objektivität - als fremdem Eigentum; Verhalten zu
denselben in einem Wort als K a p i t a l. Nur in den Zeiten
des Untergangs des Feudalwesens, wo es aber noch kämpft unter
sich - so in England im 14. und ersten Hälfte des 15. Jahrhun-
derts, ist das goldne Zeitalter für die sich emanzipierende Ar-
beit. Damit die Arbeit sich wieder zu ihren objektiven Bedingun-
gen als ihrem Eigentum verhalte, muß ein andres System an die
Stelle des Systems des Privataustauschs treten, der, wie wir ge-
sehn, Austausch von vergegenständlichter Arbeit gegen Arbeits-
vermögen und darum Aneignung der lebendigen Arbeit ohne Austausch
setzt.
Die Art, wie sich das Geld in Kapital verwandelt, zeigt sich oft
historisch ganz einfach handgreiflich so, daß z.B. der Kaufmann
mehre Weber und Spinner, die bisher Weben und Spinnen als ländli-
ches Nebengewerb trieben, für sich arbeiten läßt und ihr Nebenge-
werb zum Haupterwerb für sie macht; dann aber ihrer sicher ist
und sie in seine Botmäßigkeit als Lohnarbeiter gebracht hat. Sie
dann von ihren Heimatstätten fortzuziehn und zu vereinen in ein
Arbeitshaus, ist ein weitrer Schritt. Bei diesem einfachen Prozeß
ist klar, daß er weder Rohmaterial noch Instrument, noch Lebens-
mittel für den Weber und Spinner vorbereitet hat. Alles, was er
getan hat, ist, sie nach und nach auf eine Art Arbeit zu be-
schränken, wo sie abhängig vom Verkauf, vom K ä u f e r werden,
dem K a u f m a n n und schließlich nur noch f ü r und
d u r c h ihn produzieren.
#418# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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Er hat ursprünglich nur durch den Kauf ihres Produkts ihre Arbeit
gekauft; sobald sie sich auf die Produktion dieses Tauschwerts
beschränken und also unmittelbar T a u s c h w e r t e produ-
zieren müssen, ihre Arbeit ganz gegen Geld austauschen müssen, um
fortexistieren zu können, geraten sie in seine Botmäßigkeit, und
zuletzt verschwindet auch der Schein, als ob sie ihm Produkte
v e r k a u f t e n. Er kauft ihre Arbeit und nimmt ihnen das
Eigentum erst am Produkt, bald auch am Instrument oder läßt es
ihnen als S c h e i n e i g e n t u m, um seine eignen Produk-
tionskosten zu vermindern.
Die ursprünglichen historischen Formen, in denen das Kapital zu-
erst sporadisch oder l o k a l erscheint, n e b e n den alten
Produktionsweisen, aber sie nach und nach überall sprengend, ist
die eigentliche M a n u f a k t u r (noch nicht Fabrik) einer-
seits; diese entspringt da, wo in Massen für die Ausfuhr produ-
ziert wird, für den auswärtigen Markt - also auf der B a s i s
v o n g r o ß e m S e e- u n d L a n d h a n d e l, in ihren
Emporien 60*), wie in den italienischen Städten, Konstantinopel,
den flandrischen, holländischen Städten, einigen spanischen, wie
Barcelona etc. Die Manufaktur ergreift zunächst nicht das sog.
s t ä d t i s c h e G e w e r b - sondern das l ä n d l i-
c h e N e b e n g e w e r b, Spinnen und Weben, die Arbeit, die
am wenigsten zünftiges Geschick, künstlerische Ausbildung
verlangt. Außer jenen großen Emporien, wo sie die Basis eines
a u s w ä r t i g e n Markts vorfindet, die Produktion also
sozusagen n a t u r w ü c h s i g auf den Tauschwert gerichtet
ist - also Manufakturen, die direkt mit der Schiffahrt zusammen-
hängen, Schiffsbau selbst etc. -, schlägt sie ihre ersten Wohn-
sitze nicht in den Städten auf, sondern auf dem Land, in
nichtzünftigen Dörfern etc. Das ländliche Nebengewerb enthält die
breite Basis der Manufaktur, während das städtische Gewerb hohen
Fortschritt der Produktion verlangt, um fabrikmäßig betrieben
werden zu können. Ebenso solche Produktionszweige - wie Glas-
fabriken, Metallfabriken, Holzsägereien etc., die von vornherein
mehr Konzentration von Arbeitskräften verlangen; von vornherein
mehr Naturkräfte verwerten, massenweise Produktion verlangen,
ebenso Konzentration der Arbeitsmittel etc. Ebenso Papierfabriken
etc. Anderseits das Aufkommen des Pächters und die Verwandlung
der ackerbauenden Bevölkerung in freie Taglöhner. Obgleich diese
Umwandlung auf dem Lande zuletzt sich in ihren letzten Konsequen-
zen und der reinsten Form durchsetzt, so beginnt sie auf ihm mit
am frühsten. Die Alten, die nie über eigentlich städtischen
Kunstfleiß hinauskamen, konnten daher nie zur großen Industrie
kommen. Ihre erste Voraussetzung ist die Hereinziehung des Landes
in seiner ganzen Breite in die Produktion nicht von Gebrauchswer-
ten, sondern von Tauschwerten. Glasfabriken,
-----
60*) Stapelplätzen
#419# Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen
-----
Papiermühlen, Eisenwerke etc. können nicht zünftig betrieben wer-
den. Sie verlangen Produktion in Masse; Absatz an einem allgemei-
nen Markt; G e l d v e r m ö g e n auf Seiten des Unternehmers
- nicht als ob er die Bedingungen schaffe, weder die subjektiven
noch die objektiven; aber unter den alten Eigentumsverhältnissen
und Produktionsverhältnissen können diese Bedingungen nicht zu-
sammengebracht werden. - Die Auflösung der Leibeigentumsverhält-
nisse, wie das Aufkommen der Manufaktur, verwandeln dann nach und
nach alle Arbeitszweige in vom Kapital betriebne. - Die Städte
selbst enthalten allerdings auch in dem unzünftigen Taglöhnertum,
Handlangern etc. ein Element für die Bildung der eigentlichen
Lohnarbeit. "
¦¦15¦ Wenn wir so gesehn haben, daß die Verwandlung des Geldes in
Kapital einen historischen Prozeß voraussetzt, der die objektiven
Bedingungen der Arbeit losgeschieden hat, verselbständigt hat ge-
gen den Arbeiter ", so ist es anderseits der Effekt des einmal
entstandnen Kapitals und seines Prozesses, sich alle Produktion
zu unterwerfen und überall die Scheidung zwischen Arbeit und Ei-
gentum, zwischen der Arbeit und den objektiven Bedingungen der
Arbeit zu entwickeln und durchzuführen. Es wird sich bei der wei-
tern Entwicklung zeigen, wie das Kapital handwerksmäßige Arbeit,
arbeitendes kleines Grundeigentum etc. und sich selbst vernichtet
in den Formen, wo es n i c h t im Gegensatz zur Arbeit er-
scheint - im k l e i n e n K a p i t a l und den Mittelgattun-
gen, Zwittergattungen zwischen den alten Produktionsweisen (oder
wie sie sich auf Grundlage des Kapitals erneuert haben) und der
klassischen, adäquaten Produktionsweise des Kapitals selbst.
Die einzige Aufhäufung, die bei der Entstehung des Kapitals vor-
ausgesetzt ist, ist die von G e l d v e r m ö g e n, das, an
und für sich betrachtet, durchaus unproduktiv ist, wie es nur aus
der Zirkulation entspringt und nur ihr angehört. Einen innern
Markt bildet sich das Kapital rasch dadurch, daß es alle ländli-
chen Nebengewerbe vernichtet, also für alle spinnt, webt, alle
kleidet etc., kurz, die früher als unmittelbare Gebrauchswerte
geschaffnen Waren in die Form von Tauschwerten bringt, ein Pro-
zeß, der durch die Loslösung der Arbeiter vom Grund und Boden und
dem Eigentum (sei es auch in höriger Form) an den Produktionsbe-
dingungen sich von selbst ergibt. -
Bei dem städtischen Handwerk, obgleich es wesentlich auf Aus-
tausch beruht und Schöpfung von Tauschwerten, ist der unmittel-
bare, der Hauptzweck dieser Produktion S u b s i s t e n z
a l s H a n d w e r k e r, als H a n d w e r k s m e i-
s t e r, also Gebrauchswert; nicht B e r e i c h e r u n g,
nicht T a u s c h w e r t a l s T a u s c h w e r t. Die
Produktion ist daher überall einer vorausgesetzten Konsumtion,
die Zufuhr der Nachfrage untergeordnet und erweitert sich nur
langsam.
Die P r o d u k t i o n v o n K a p i t a l i s t e n u n d
L o h n a r b e i t e r n i s t ; a l s o e i n H a u p t-
p r o d u k t
#420# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft V
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d e s V e r w e r t u n g s p r o z e s s e s d e s K a p i-
t a l s. Die gewöhnliche Ökonomie, die nur die produzierten
Sachen im Auge hält, vergißt dies vollständig. Indem in diesem
Prozeß die vergegenständlichte Arbeit zugleich als N i c h t-
g e g e n s t ä n d l i c h k e i t des Arbeiters, als Gegen-
ständlichkeit einer dem Arbeiter entgegengesetzten Subjektivität
gesetzt ist, als E i g e n t u m eines ihm fremden Willens, ist
das Kapital notwendig zugleich K a p i t a l i s t, und der
Gedanke von einigen Sozialisten, wir brauchten das Kapital, aber
nicht die Kapitalisten, ist durchaus falsch. Im Begriff des
Kapitals ist gesetzt, daß die objektiven Bedingungen der Arbeit -
und diese sind ihr eignes Produkt - ihr gegenüber P e r s ö n-
l i c h k e i t annehmen, oder was dasselbe ist, daß sie als
Eigentum einer dem Arbeiter fremden Persönlichkeit gesetzt sind.
Im Begriff des Kapitals ist der Kapitalist enthalten. Indes ist
dieser Irrtum keineswegs größer als der z. B. aller Philologen,
die von K a p i t a l im Altertum sprechen, römischen, griechi-
schen Kapitalisten. Es ist dies nur ein andrer Ausdruck dafür,
daß die Arbeit in Rom und Griechenland f r e i war, was die
Herrn schwerlich behaupten möchten. Daß wir jetzt die Plantagen-
besitzer in Amerika nicht nur Kapitalisten nennen, sondern daß
sie es s i n d, beruht darauf, daß sie als Anomalien innerhalb
eines auf der freien Arbeit beruhenden Weltmarkts existieren.
Wenn es sich vom Wort Kapital handelt, das bei den Alten nicht
vorkommt {obgleich entsprechend für die principalis summa rei
creditae ?????? [243] bei den Griechen}, so sind die noch
wandernden Horden mit ihren Herden in den Steppen Hochasiens die
größten Kapitalisten, da Kapital ursprünglich Vieh meint,
weswegen noch der aus Mangel an Kapital in Südfrankreich häufig
geschloßne Metairievertrag 61*) grad ausnahmsweis: Bail de bestes
à cheptel 62*). Will man sich auf schlechtes Latein einlassen, so
wären unsere Kapitalisten oder Capitales Homines solche "qui
debent censum de capite" [244].
Bei der Begriffsbestimmung des Kapitals finden sich Schwierigkei-
ten, die beim Geld nicht vorkommen; das Kapital ist wesentlich
K a p i t a l i s t; gleichzeitig aber auch wieder als vom Kapi-
talist unterschiednes Element seines Bestehns oder d[ie] Produk-
tion überhaupt K a p i t a l. So werden wir weiter finden, daß
sich unter K a p i t a l vieles subsumiert, was seinem Begriff
nach nicht hineinzugehören scheint. Kapital wird ausgeliehn z.B.
Es wird aufgehäuft etc. In allen diesen Bezeichnungen scheint es
bloße Sache zu sein und ganz mit der Materie, in der es besteht,
zusammenzufallen. Doch dies und andres wird sich aufklären im
Verlauf der Entwicklung. (Nebenbei noch als Spaß bemerkt: Der
brave Adam Müller [, S. 226, 228], der alle figürlichen Redensar-
ten sehr mystisch nimmt, hat auch von l e b e n d i g e m
K a p i t a l im gemeinen Leben gehört im Gegensatz
-----
61*) Meiereivertrag - 62*) Viehpachtvertrag
#421# Kreislauf des Kapitals
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zu t o t e m und macht sich dies nun theosophisch zurecht. Kö-
nig Aethelstan konnte ihn darüber belehren:
"Reddam de meo proprio decimas Deo tam in Vivente Capitali
(lebendem Vieh), quam in mortuis fructibus 63*) terrae (toten
Erdfrüchten)." [245])
Geld bleibt immer dieselbe Form in demselben Substrat und kann so
leichter als bloße Sache aufgefaßt werden. Aber dasselbe, Ware,
Geld etc. können Kapital vorstellen oder Revenu etc. Es ist so
selbst den Ökonomen klar, daß Geld nichts Handgreifliches ist;
sondern daß dieselbe Sache bald unter der Bestimmung Kapital,
bald unter einer andren und entgegengesetzten Bestimmung subsu-
miert sein kann und danach Kapital i s t oder n i c h t
i s t. Es ist offenbar so ein V e r h ä l t n i s u n d
k a n n n u r e i n P r o d u k t i o n s v e r h ä l t n i s
s e i n.
-----
63*) In der Handschrift: mortis fructuis
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