Quelle: MEW 42 Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858
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[Fixes und zirkulierendes Kapital]
Retournons maintenant à nos moutons. 1*)
Die Phasen, die das Kapital durchläuft, die einen Umlauf des Ka-
pitals bilden, beginnen begrifflich mit Verwandlung des Geldes in
die Produktionsbedingungen. Jetzt aber, wo wir nicht von dem wer-
denden Kapital ausgehn, sondern vom gewordnen, durchläuft es fol-
gende Phasen: 1. Schöpfung des Mehrwerts oder unmittelbarer Pro-
duktionsprozeß. Sein Resultat das Produkt.
2. Bringen des Produkts auf den Markt. Verwandlung des Produkts
in Ware. 3. alpha) Eingehn der Ware in die gewöhnliche Zirkula-
tion. Zirkulation der Ware. Ihr Resultat: Verwandlung in Geld.
Dieses erscheint als erstes Moment der gewöhnlichen Zirkulation,
beta) Rückverwandlung des Geldes in die Produktionsbedingungen:
Geldzirkulation; in der gewöhnlichen Zirkulation erscheint die
Warenzirkulation und Geldzirkulation stets an zwei verschiedne
Subjekte verteilt. Das Kapital zirkuliert erst als Ware, dann als
Geld und vice versa. 4. Erneuung des Produktionsprozesses, was
hier als Reproduktion des ursprünglichen Kapitals und Produkti-
onsprozeß des Surplus¦¦20¦kapitals erscheint.
Die Kosten der Zirkulation lösen sich auf in Bewegungskosten; Ko-
sten, das Produkt auf den Markt zu bringen; die Arbeitszeit, die
erforderlich ist, um die Wandlung aus dem einen Zustand in den
andren zu bewirken; die sich eigentlich alle auflösen in Rechen-
operationen und die Zeit, die sie kosten (begründet ein beson-
dres, technisches Geldgeschäft). (Ob die letztren Kosten als Ab-
züge vom Mehrwert zu betrachten sind oder nicht, wird sich später
ergeben.)
Wenn wir diese Bewegung betrachten, so finden wir, daß die Zirku-
lation des Kapitals vermittelst der Operation von Exchanges 2*)
sich einmal auftut, um das Produkt zu entlassen in die allgemeine
Zirkulation und sich aus dieser als
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1*) Kehren wir nun zu unserer Sache zurück - 2*) Austauschen
#520# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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Äquivalent in Geld herzustellen. Was aus diesem Produkt, das so
aus der Zirkulation des Kapitals herausgefallen und der gewöhnli-
chen Zirkulation heimgefallen ist, wird, geht uns hier nichts an.
Andrerseits wirft das Kapital seine Gestalt als Geld (teilweise,
soweit nicht Salair) wieder aus seinem Zirkulationsprozeß heraus
oder bewegt sich nun in der Geldform, nachdem es sich in ihr als
Wert realisiert und zugleich an sich selbst das Maß seiner Ver-
wertung gesetzt, im Geld nur als Zirkulationsmittel, und saugt so
ein in sich aus der allgemeinen Zirkulation die zur Produktion
nötigen Waren (Produktionsbedingungen). Als Ware wirft es sich
aus seiner Zirkulation in die allgemeine heraus; als Ware entgeht
es auch der allgemeinen Zirkulation und nimmt sie in sich, in
seinen Lauf auf 3*), um in den Produktionsprozeß zu münden. Die
Zirkulation des Kapitals erhält so ein Verhalten zur allgemeinen
Zirkulation, von der seine eigne ein Moment bildet, wie sie
selbst als von ihm gesetzt erscheint. Dies später zu betrachten.
Der Gesamtproduktionsprozeß des Kapitals schließt ein sowohl den
eigentlichen Zirkulationsprozeß wie den eigentlichen Produktions-
prozeß. Sie bilden die 2 großen Abschnitte seiner Bewegung, die
als Totalität dieser 2 Prozesse erscheint. Nach der einen Seite
ist die Arbeitszeit, nach der andren die Zirkulationszeit. Und
das Ganze der Bewegung erscheint als Einheit von Arbeitszeit und
Zirkulationszeit, als Einheit von Produktion und Zirkulation.
Diese Einheit selbst ist Bewegung, Prozeß. Das Kapital erscheint
als diese prozessierende Einheit von Produktion und Zirkulation,
eine Einheit, die sowohl als das Ganze seines Produktionsprozes-
ses wie als bestimmter Verlauf e i n e s Umschlags des Kapi-
tals, e i n e r in sich selbst zurückkehrenden Bewegung be-
trachtet werden kann.
Die Bedingung der Zirkulationszeit - neben der Arbeitszeit - für
das Kapital ist indes nur die Bedingung der auf Teilung der Ar-
beit und Austausch gegründeten Produktion in adäquater Form, in
letzter Form. Die Kosten der Zirkulation sind Kosten der Teilung
der Arbeit und des Austauschs, die in jeder, dem Kapital vorher-
gehnden, minder entwickelten Form der Produktion auf dieser Basis
angetroffen werden müssen.
Als das Subjekt, über die verschiednen Phasen dieser Bewegung
übergreifende, sich in ihr erhaltende und vervielfältigende Wert,
als das Subjekt dieser Wandlungen, die in einem Zirkellauf - als
Spirale, sich erweiterndem Zirkel vor sich gehen ", ist das Kapi-
tal C a p i t a l C i r c u l a n t. Capital circulant ist da-
her zunächst keine b e s o n d r e Form des Kapitals, sondern
es ist d a s Kapital in einer weiterentwickelten Bestimmung als
Subjekt der beschriebnen Bewegung,
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3*) In der Handschrift: ein
#521# Fixes und zirkulierendes Kapital
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die es selbst als sein eigner Verwertungsprozeß ist. Nach dieser
Seite hin ist daher auch jedes Kapital z i r k u l i e r e n-
d e s K a p i t a l. In der einfachen Zirkulation erscheint die
Zirkulation selbst als das Subjekt. Die eine Ware wird aus ihr
herausgeworfen; eine andre tritt herein. Aber dieselbe Ware ist
nur verschwindend in ihr. Das Geld selbst, soweit es aufhört,
Zirkulationsmittel zu sein, und sich als selbständiger Wert
setzt, entzieht sich der Zirkulation. Das Kapital aber ist als
Subjekt der Zirkulation; die Zirkulation als sein eigner
Lebenslauf gesetzt. Aber wenn das Kapital so als Ganzes der
Zirkulation z i r k u l i e r e n d e s K a p i t a l ist, das
Übergehn aus einer Phase in die andre, ist es ebenso in jeder
Phase in einer Bestimmtheit gesetzt, als in besondre Gestalt ge-
bannt, die die Negation seiner als des Subjekts der ganzen Bewe-
gung ist. Das Kapital ist daher in jeder besondren Phase die Ne-
gation seiner als des Subjekts der verschiednen Wandlungen.
Nicht-zirkulierendes Kapital. F i x e s K a p i t a l, eigent-
lich f i x i e r t e s Kapital, in einer der verschiednen Be-
stimmtheiten, Phasen fixiert, die es zu durchlaufen hat. Solang
es in einer dieser Phasen verharrt - die Phase selbst nicht als
flüssiger Übergang erscheint - und jede hat ihre Dauer, ist es
nicht zirkulierend, fixiert. Solange es im Produktionsprozeß ver-
harrt, ist es nicht zirkulationsfähig; und virtualiter 4*) ent-
wertet. Solange es in der Zirkulation verharrt, ist es nicht pro-
duktionsfähig, nicht Mehrwert setzend, nicht als Kapital prozes-
sierend. Solange es nicht auf den Markt geworfen werden kann, ist
es als Produkt fixiert; solange es auf dem Markt bleiben muß, ist
es als Ware fixiert. Solange es sich nicht gegen Produktions-
bedingungen eintauschen kann, ist es als Geld fixiert. Endlich,
wenn die Produktionsbedingungen in ihrer Form als Bedingungen
bleiben und nicht in den Produktionsprozeß eingehn, ist es wieder
fixiert und entwertet. Das Kapital als das alle Phasen durchlau-
fende Subjekt, als die bewegte Einheit, prozessierende Einheit
von Zirkulation und Produktion, ist z i r k u l i e r e n d e s
Kapital; das Kapital als selbst in jeder dieser Phasen einge-
bannt, als in seinen U n t e r s c h i e d e n gesetzt, ist
f i x i e r t e s Kapital, e n g a g i e r t e s Kapital. Als
zirkulierendes Kapital selbst fixiert es sich, und als fixiertes
Kapital zirkuliert es. Die Unterscheidung von c a p i t a l
c i r c u l a n t und c a p i t a l f i x e erscheint daher
zunächst als Formbestimmung des Kapitals, je nachdem es als Ein-
heit des Prozesses oder als bestimmtes Moment desselben er-
scheint. Der Begriff von c a p i t a l d o r m a n t, brach-
liegendem Kapital, kann sich nur auf sein Brachliegen in einer
dieser Bestimmungen beziehn, und es ist Bedingung des Kapitals,
daß es zum Teil immer brachliegt. Dies erscheint so, daß ein Teil
des nationalen Kapitals immer in einer der Phasen, die das Kapi-
tal zu durchlaufen hat, sich festgerannt hat.
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4*) potentiell
#522# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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Das G e l d selbst, soweit es einen besondren Teil des Kapitals
der Nation bildet, aber stets in der Form von Zirkulationsmittel
verharrt, also nie die andren Phasen durchläuft, wird daher von
A. Smith [85] als eine Afterform 5*) des capital fixe betrachtet.
Ebenso kann Kapital in der Form von Geld, der Zirkulation entzo-
gnem Wert, brachliegen, fixiert sein. In Krisen - n a c h dem
Moment der Panik -, in der Zeit des Darniederliegens der Indu-
strie ist das Geld fixiert in den Händen von bankers, billbrokers
6*) etc., und, wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, [2889
schreit es nach field of employment 7*), um als Kapital verwertet
werden zu können.
Dies, daß die Bestimmung von circulant und fixe zunächst weiter
nichts ist, als das Kapital selbst unter den beiden Bestimmungen
gesetzt, einmal als Einheit des Prozesses, dann als besondre
Phase desselben, es selbst als U n t e r s c h i e d von sich
als Einheit - nicht als 2 besondre Arten Kapitalien, das Kapital
in 2 besondren Arten, sondern als verschiedne f o r m e l l e
B e s t i m m u n g e n d e s s e l b e n K a p i t a l s, hat
viel Konfusion in der politischen Ökonomie angerichtet. Wurde an
einem materiellen Produkt eine Seite festgehalten, wonach es Ca-
pital circulant sein sollte, so war es leicht, die entgegenge-
setzte Seite aufzuzeigen, und umgekehrt. Das Kapital als Einheit
der Zirkulation und Produktion ist ebensosehr ihr Unterschied,
und zwar räumlich und zeitlich auseinanderfallender Unterschied.
In jedem Moment hat es eine gleichgültige Form gegen das andre.
Für das einzelne Kapital erscheint das Übergehn aus dem einen in
das andre als Zufall, abhängig von äußeren, unkontrollierbaren
Zuständen. D a s s e l b e Kapital erscheint daher immer in
beiden Bestimmungen 8*), was sich so ausdrückt, daß ein Teil des-
selben in der einen, ¦¦21¦ ein andrer in der andren erscheint,
ein Teil als festliegend, ein andrer als zirkulierend; zirkulie-
rend nicht in dem Sinn hier genommen, als ob es in der
e i g e n t l i c h e n Z i r k u l a t i o n s p h a s e im
Unterschied von der P r o d u k t i o n s p h a s e sich be-
fände, sondern daß in der Phase, worin es sich befindet, es sich
als f l ü s s i g e r Phase befindet, als prozessierender, in
die andre überführender Phase; in keiner als solchen festgeritten
und so in seinem Gesamtprozeß aufgehalten ist.
Z.B.: Der Industrielle wendet nur einen Teil des ihm disponiblen
Kapitals (kreditiert oder selbstbesessen, tut nichts zur Sache
hier und tut, wenn das Gesamtkapital betrachtet wird, auch nichts
zum ökonomischen Prozeß) an in der Produktion, weil ein andrer
eine bestimmte Zeit braucht, ehe er aus der Zirkulation zurück-
kehrt. Der in der Produktion prozessierende Teil ist dann der
zirkulierende; der in der Zirkulation befindliche der fixierte.
Dadurch ist
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5*) Nebenform - 6*) Bankiers, Wechselmaklern - 7*) Anwendungsge-
biet - 8*) in der Handschrift: Bedingungen
#523# Fixes und zirkulierendes Kapital
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also seine Gesamtproduktivität beschränkt; beschränkt der repro-
duzierte Teil, beschränkt daher auch der auf den Markt geworfne.
So der Handelsmann; ein Teil seines Kapitals liegt fest als
s t o c k i n t r a d e 9*), der andere rouliert 10*). Zwar
tritt bald der eine, bald der andre Teil in diese Bestimmung, wie
beim Industriellen, aber sein Gesamtkapital ist fortwährend in
beiden Bestimmungen gesetzt. Andrerseits, da diese aus der Natur
des Verwertungsprozesses selbst hervorgehnde Grenze nicht fix
ist, sondern nach Umständen wechselt und das Kapital mehr oder
weniger seiner adäquaten Bestimmung als Zirkulierendes sich annä-
hern kann; da das Zerfallen in diese beiden Bestimmungen, daß der
Verwertungsprozeß zugleich als Entwertungsprozeß erscheint, der
Tendenz des Kapitals zur möglichsten Verwertung widerspricht, er-
findet es sowohl contrivances 11*), um die Phase der Fixiertheit
abzukürzen; andrerseits, statt des gleichzeitigen Nebeneinander-
bestehns beider Bestimmungen w e c h s e l n s i e a b. In
einer Periode erscheint der Prozeß als durchaus flüssig - Periode
der äußersten Verwertung des Kapitals; in der andren, Reaktion
der ersten, stellt sich das andre Moment um so gewaltsamer her -
Periode der äußersten Entwertung des Kapitals und Stockung des
Produktionsprozesses. Die Momente, wo beide Bestimmungen neben-
einander erscheinen, bilden selbst nur Zwischenperiode zwischen
diesen gewaltsamen Übergängen und Umschlägen.
Es ist durchaus wichtig, diese Bestimmungen von zirkulierendem
und fixiertem Kapital als F o r m b e s t i m m u n g e n des
Kapitals überhaupt zu fassen, da eine Menge Erscheinungen der
bürgerlichen Ökonomie - die Perioden des ökonomischen Zyklus, der
von der einmaligen Umlaufszeit des Kapitals wesentlich sich un-
terscheidet; die Wirkung neuer Nachfrage; selbst die Wirkung
neuer Gold und Silber produzierenden Länder auf die allgemeine
Produktion unbegreiflich. Es nützt nichts, von stimulus 12*) zu
sprechen, den australisches Gold oder ein neuentdeckter Markt
gibt. Läge es nicht in der Natur des Kapitals, nie völlig be-
schäftigt, d.h. stets partialiter 13*) f i x i e r t zu sein,
entwertet zu sein, unproduktiv, so könnten keine Stimuli es zu
größrer Produktion treiben. Andrerseits die abgeschmackten Wider-
sprüche, worin sich die Ökonomen verrennen - selbst Ricardo -,
die voraussetzen, daß das Kapital immer vollauf beschäftigt; also
aus Schöpfung von neuem Kapital allein ein increase 14*) von Pro-
duktion erklären. Jeder increase würde dann frühren increase vor-
aussetzen oder Vermehrung der Produktivkräfte.
Diese Schranken der auf dem Kapital basierenden Produktion sind
den frühren Produktionsweisen, soweit sie auf Austausch beruhn,
noch in viel
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9*) Betriebskapital - 10*) zirkuliert - 11*) Vorrichtungen -
12*) Anreiz - 13*) teilweise - 14*) Zuwachs
#524# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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größrem Maß eigen. Aber sie bilden nicht ein Gesetz der Produk-
tion schlechthin; sobald der Tauschwert keine Schranke der mate-
riellen Produktion mehr bildet, sondern ihre Schranke gesetzt ist
durch ihr Verhältnis zu der Gesamtentwicklung des Individuums,
fällt die ganze Geschichte fort mit ihren Krämpfen und Wehen.
Wenn wir vorhin sahen, daß das Geld die Schranken des Tauschhan-
dels nur aufhebt, indem es sie verallgemeinert - d.h. Kauf und
Verkauf ganz voneinander trennt -, so werden wir später sehn, wie
der K r e d i t diese Schranken der Verwertung des Kapitals
ebenfalls nur aufhebt, indem er sie in ihre allgemeinste Form er-
hebt, Periode der Überproduktion und Unterproduktion als 2 Peri-
oden setzt.
Der Wert, den das Kapital in einer Umlaufzeit, ohne Revolution
15*), einem U m s c h l a g setzt, ist = dem im Produktionspro-
zeß gesetzten Wert, i.e. = dem reproduzierten Wert + dem Neuwert.
Ob wir den Umschlag beendigt betrachten an dem Punkt, wo die Ware
in Geld verwandelt ist, oder an dem Punkt, wo das Geld rückver-
wandelt ist in Produktionsbedingungen, das Resultat ist immer,
entweder in Geld oder in Produktionsbedingungen ausgedrückt, ab-
solut gleich dem im Produktionsprozeß gesetzten Wert. Wir rechnen
hier das physische Bringen des Produkts auf den Markt = 0; oder
wir rechnen es vielmehr ein in den unmittelbaren Produktionspro-
zeß. Die ökonomische Zirkulation des Produkts beginnt erst, so-
bald es als Ware auf dem Markt ist - erst dann zirkuliert es. Es
handelt sich hier nur um die ökonomischen Unterschiede, Bestim-
mungen, Momente der Zirkulation; nicht um die physischen Bedin-
gungen, das fertige Produkt in die zweite Phase, die Zirkulation
als Ware zu bringen, sowenig uns der technologische Prozeß an-
geht, wodurch der Rohstoff in Produkt verwandelt worden ist. Die
größre oder geringre Entfernung des Markts vom Produzenten etc.
geht uns hier noch nicht an. Was wir zunächst konstatieren wol-
len, ist, daß die aus dem Durchlaufen der verschiednen ökonomi-
schen Momente als solcher hervorgehnden Kosten, die Z i r k u-
l a t i o n s k o s t e n als solche, dem Wert des Produkts
nichts zufügen, keine wertsetzende Kosten sind, welche Arbeit
immer damit verbunden sein mag. Sie sind bloß A b z ü g e v o m
g e s c h a f f n e n Wert. Wenn [von] 2 Individuen jedes selbst
der Produzent seines Produkts wäre, aber ihre Arbeit auf Teilung
der Arbeit beruhte, so daß sie untereinander austauschten und die
Verwertung ihres Produkts für die 16*) Befriedigung ihrer
Bedürfnisse von diesem Austausch abhinge, so würde offenbar die
Zeit, die ihnen der Austausch kostet, z. B. das wechselseitige
Markten, Berechnen, ehe sie handelseinig würden, weder ihren Pro-
dukten, noch dem Tauschwert derselben das geringste hinzufügen.
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15*) einem Umschlag - 16*) in der Handschrift: von der
#525# Fixes und zirkulierendes Kapital
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Wenn A gegenüber B geltend machte, daß ihm der Austausch soundso-
viel Zeit wegnehme, so würde B dasselbe gegen A) geltend machen.
Jeder derselben verliert grade soviel Zeit im Austausch wie der
andre. Die Austauschzeit ist ihnen gemeinschaftliche Zeit. Wenn A
10 Taler 17*) für das Produkt verlangte - sein Äquivalent - und
10 Taler 17*) für die Zeit, die es ihm kostet, die 10 Taler 17*)
von B) zu erhalten, würde der ihn fürs Tollhaus reif erklären.
Dieser Zeitverlust geht aus der Teilung der Arbeit und der Not-
wendigkeit des Austauschs hervor. Wenn A) alles selbst produ-
zierte, würde er keinen Teil seiner Zeit damit verlieren, mit B
auszutauschen oder sein Produkt in Geld und das Geld wieder in
Produkt zu verwandeln.
Die eigentlichen Z i r k u l a t i o n s k o s t e n (und sie
erhalten im Geldgeschäft bedeutende selbständige Entwicklung)
sind nicht in produktive Arbeitszeit auflösbar. Sie beschränken
sich aber auch ihrer Natur nach auf die Zeit, die es notwendig
kostet, die Ware in Geld und das Geld wieder in Ware zu ver-
wandeln, d. h. auf die Zeit, die die Übersetzung des Kapitals aus
der einen Form in die andre kostet. Fänden B) und A) nun, daß sie
Zeit sparten, wenn sie eine dritte Person C) als Mittler zwischen
sich schöben, der seine Zeit in diesem Z i r k u l a t i o n s-
p r o z e ß konsumierte - in Umständen, die z.B. eintreten wür-
den, wenn genug Austauschende da wären, genug Subjekte der
Zirkulationsprozesse, daß die [von] 2 zu 2 von ihnen abwechselnd
in einem Jahr gebrauchte Zeit = einem Jahr wäre; jedes Indivi-
duum, sage, hätte 1/50 von einem Jahr im Akt der Zirkulation
abwechselnd zu spenden, und es seien ihrer 50, so könnte 1
Individuum seine ganze Zeit mit dieser Beschäftigung zubringen.
Für dieses Individuum, wenn ihm nur seine notwendige Arbeitszeit
gezahlt würde, d.h., wenn es seine ganze Zeit im Austausch für
die necessaries of life 18*) hergeben müßte, wäre die Belohnung,
die es erhielte, Arbeitslohn. Berechnete es aber seine ganze
Zeit, so wäre der Lohn, den es erhielte, Äquivalent, objek-
tivierte Arbeitszeit. Dies Individuum nun hätte nichts hinzuge-
fügt dem Wert, sondern hätte mit den Kapitalisten A), B) etc. nur
geteilt in ihrem Surpluswert. Sie hätten gewonnen, indem nach der
Voraussetzung ein geringrer Abzug von ihrem Surpluswert stattge-
funden. (Das Kapital ist nicht einfache Quantität noch einfache
Operation; sondern beides zugleich.)
Das G e l d selbst, ¦¦22¦ soweit es aus edlen Metallen besteht
oder seine Produktion überhaupt - wie z. B. selbst in der Papier-
zirkulation - Unkosten macht, soweit es selbst Arbeitszeit ko-
stet, fügt den ausgetauschten Gegenständen - den Tauschwerten -
nichts an Wert hinzu; sondern seine Unkosten sind Abzug von die-
sen Werten, Abzug, der von den Austauschenden zu aliquoten
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17*) In der Handschrift: 10 sh. - 18*) lebensnotwendige Dinge
#526# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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Teilen getragen werden muß. Die Kostbarkeit des Zirkulationsin-
struments, des Austauschinstruments, drückt nur die K o s t e n
d e s A u s t a u s c h s aus 19*). Statt zuzufügen, nehmen sie
vom Wert. Gold- und Silbergeld z. B. sind selbst Werte w i e
a n d r e (nicht im Sinn von Geld), sofern Arbeit in ihnen
vergegenständlicht ist. Aber, daß diese Werte als Z i r k u l a-
t i o n s m i t t e l dienen, ist ein Abzug von dem disponiblen
Reichtum.
Ebenso verhält es sich mit den Produktionskosten der Zirkulation
des Kapitals. Sie fügt nicht den Werten hinzu. Die Z i r k u-
l a t i o n s k o s t e n als solche sind n i c h t w e r t-
s e t z e n d, s o n d e r n K o s t e n d e r R e a l i-
s i e r u n g d e r W e r t e - Abzüge davon. Die Z i r-
k u l a t i o n [erscheint] a l s R e i h e v o n T r a n s-
f o r m a t i o n e n, worin sich das Kapital setzt, aber den
Wert betrachtet, fügt sie nicht ihm zu, sondern setzt es in der
Form des Werts. Der potentielle Wert, der durch die Zirkulation
in Geld verwandelt wird, ist vorausgesetzt als Resultat des
Produktionsprozesses. Soweit diese Reihe von Prozessen in der
Zeit vorgeht und Kosten macht, Arbeitszeit kostet, oder vergegen-
ständlichte Arbeit, sind diese Z i r k u l a t i o n s k o-
s t e n Abzüge vom Quantum des Werts. Die Zirkulationskosten = 0
gesetzt, ist das Resultat e i n e s Umschlags des Kapitals, den
Wert betrachtet = dem im Produktionsprozeß gesetzten Wert. D. h.,
der der Zirkulation vorausgesetzte Wert ist der aus ihr
hervorgehnde. Höchstens kann - durch die Zirkulationskosten - ein
kleinrer heraus- als hereinkommen. Nach dieser Seite hin be-
trachtet, fügt die Zirkulationszeit dem Wert nichts hinzu; die
Zirkulationszeit erscheint nicht als wertsetzende Zeit neben der
Arbeitszeit. Wenn die Produktion eine Ware = dem Wert von 10 l.
geschaffen hat, so ist die Zirkulation nötig, um diese Ware den
10 l. gleichzusetzen, ihrem Wert, der als Geld existiert. Die
Kosten, die dieser Prozeß, diese Formveränderung verursacht, ist
ein Abzug von dem Wert der Ware. D i e Z i r k u l a t i o n
d e s K a p i t a l s i s t d i e F o r m v e r ä n d e-
r u n g , d i e d e r W e r t d u r c h v e r s c h i e d-
n e P h a s e n d u r c h l ä u f t. Die Z e i t, die dieser
Prozeß währt oder kostet, um instand gesetzt zu werden, gehört
z u d e n P r o d u k t i o n s k o s t e n d e r Z i r k u-
l a t i o n, d e r T e i l u n g d e r A r b e i t , d e r
a u f d e n A u s t a u s c h g e g r ü n d e t e n P r o-
d u k t i o n.
Dies gilt von e i n e m U m s c h l a g d e s K a p i-
t a l s, d.h. von dem einmaligen Verlaufen des Kapitals durch
diese seine verschiednen Momente. Der Prozeß des Kapitals als
Wert hat seinen Ausgangspunkt vom Geld und endet in Geld, aber in
größrem Quantum Geldes. Der Unterschied ist nur quantitativ. G-W-
W-G hat so einen Inhalt bekommen. Betrachten wir den Umlauf bis
zu diesem Punkt, so stehn wir wieder am Ausgangspunkt. Das
Kapital ist wieder zu Geld geworden. Aber es ist jetzt zugleich
gesetzt, es ist jetzt Bedingung für
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19*) In der Handschrift: ab
#527# Fixes und zirkulierendes Kapital
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dies Geld geworden, wieder Kapital zu werden, sich durch Kauf von
Arbeit, durch Durchgehn durch den Produktionsprozeß vervielfälti-
gendes und erhaltendes Geld. Seine Form als Geld ist als bloße
Form gesetzt; eine der vielen Formen, die es in seiner Metamor-
phose durchläuft. Betrachten wir diesen Punkt nun nicht als End-
punkt - sondern, wie wir ihn jetzt betrachten müssen - als Durch-
gangspunkt oder neuen Ausgangspunkt, selbst durch den Produkti-
onsprozeß als verschwindender Endpunkt und nur scheinbarer Aus-
gangspunkt gesetzt, so ist klar, daß die Rückverwandlung des als
Geld gesetzten Werts in prozessierenden, in den Produktionsprozeß
eingehnden 20*) Wert nur vor sich gehn kann - daß die E r-
n e u e r u n g d e s P r o d u k t i o n s p r o z e s s e s
nur stattfinden kann, sobald der von dem Produktionsprozeß
unterschiedne Teil des Zirkulationsprozesses vollendet ist. Der
z w e i t e U m s c h l a g d e s Kapitals - die Rückverwand-
lung des Gelds in Kapital als solches oder die Erneurung des
Produktionsprozesses hängt ab von der Zeit, die das Kapital
braucht, um seine Zirkulation zu vollenden; d.h. von seiner
Z i r k u l a t i o n s z e i t, diese hier im Unterschied von
der Produktionszeit. Da wir aber gesehn haben, daß der vom Kapi-
tal geschaffne Gesamtwert (reproduzierter Wert sowohl wie
neugeschaffner), der in der Zirkulation als solcher realisiert
wird, ausschließlich bestimmt ist durch den Produktionsprozeß, so
hängt die Summe der Werte, die in einer bestimmten Zeit geschaf-
fen werden kann, ab von der Anzahl der Wiederholungen des Produk-
tionsprozesses in dieser Zeitperiode. Die Wiederholung des Pro-
duktionsprozesses ist aber bestimmt durch die Zirkulationszeit,
die gleich ist der Geschwindigkeit der Zirkulation. Je rascher
die Zirkulation, je kürzer die Zirkulationszeit, desto öfter kann
dasselbe Kapital den Produktionsprozeß wiederholen. In einem be-
stimmten Zyklus von Umschlägen des Kapitals steht also die Summe
der von ihm geschaffnen Werte (also auch Mehrwerte, denn es setzt
notwendige Arbeit immer nur als für die Surplusarbeit notwendige
Arbeit) i n d i r e k t e m V e r h ä l t n i s z u r
A r b e i t s z e i t u n d i n u m g e k e h r t e m z u r
Z i r k u l a t i o n s z e i t. In einem bestimmten Zyklus ist
der Gesamtwert (folglich auch die Summe der gesetzten neuen Mehr-
werte) = der Arbeitszeit x mit der Anzahl der Umschläge des Kapi-
tals. Oder der vom Kapital gesetzte Mehrwert erscheint jetzt
nicht mehr einfach bestimmt durch die von ihm im Produktions-
prozeß angeeignete Surplusarbeit, sondern durch den Koeffizienten
des Produktionsprozesses; d.h. die Anzahl, die ausdrückt, wie oft
er in einem gegebnen Zeitraum wiederholt ist. Dieser Koeffizient
ist aber bestimmt durch die Zirkulationszeit, die das Kapital in
einem Umschlag braucht. Die Summe der Werte (Mehrwerte) ist also
bestimmt durch den in einem Umschlag gesetzten
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20*) In der Handschrift: aufgehnden
#528# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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Wert, multipliziert mit der Anzahl der Umschläge in einem be-
stimmten Zeitraum. Ein Umschlag des Kapitals ist = der Produkti-
onszeit + der Zirkulationszeit. Die Zirkulationszeit als gegeben
vorausgesetzt, hängt die Gesamtzeit, die der Umschlag braucht,
von der Produktionszeit ab. Die Produktionszeit vorausgesetzt,
hängt die Dauer des Umschlags ab von der Zirkulationszeit. Die
Zirkulationszeit, soweit sie die Gesamtmasse der Produktionszeit
bestimmt, in einem gegebnen Zeitraum, sofern von ihr die Wieder-
holung des Produktionsprozesses, seine Erneurung in einer gegeb-
nen Epoche abhängt, ist daher selbst Produktionsmoment oder er-
scheint vielmehr als Grenze der Produktion.
Es ist dies die Natur des Kapitals, der auf es gegründeten Pro-
duktion, daß die Zirkulationszeit ein bestimmendes Moment für die
Arbeitszeit, für die Wertschöpfung wird. Die Selbständigkeit der
Arbeitszeit ist damit negiert und der Produktionsprozeß selbst
als durch den Austausch bestimmt, gesetzt, so daß die gesell-
schaftliche Beziehung und Abhängigkeit von dieser Beziehung in
der unmittelbaren Produktion - nicht nur als materielles Moment,
sondern als ö k o n o m i s c h e s Moment, Formbestimmung ge-
setzt ist. Das Maximum der Zirkulation - die Grenze der Erneurung
durch sie des Produktionsprozesses - ist offenbar bestimmt durch
die Dauer der Produktionszeit während eines Umschlags.
Gesetzt, der Produktionsprozeß eines bestimmten Kapitals, d.h.
die Zeit, die es braucht, um seinen Wert zu reproduzieren und
Mehrwert zu setzen - daure 3 Monate. (Oder die Zeit, die nötig
ist, um eine Quantität Produkt zu vollenden = dem Gesamtwert des
produzierenden Kapitals + dem Mehrwert.) So könnte das Kapital
unter keinen Umständen öfter als 4mal im Jahr den Produktions-
oder Verwertungsprozeß erneuern. Das Maximum des Umschlags des
Kapitals wären 4 Umschläge im Jahr; d. h., es fänden keine Unter-
brechungen statt zwischen der Beendigung einer Produktionsphase
und der Wiedererneurung. Das Maximum der Umschläge wäre = der
Kontinuität des Produktionsprozesses, so daß, sobald das Produkt
vollendet, neuer Rohstoff wieder in Produkt verarbeitet würde.
Die Kontinuität würde sich nicht erstrecken bloß auf die Konti-
nuität innerhalb einer ¦¦23¦ Produktionsphase, sondern die Konti-
nuität dieser Phasen selbst.
Gesetzt aber nun, das Kapital brauche am Ende jeder Phase einen
Monat Zirkulationszeit - Zeit, um zu der Form von Produktionsbe-
dingungen zurückzukehren -, so könnte es nur 3 Umschläge bewir-
ken. Im ersten Fall war die Zahl der Umschläge = 1 Phase x 4;
oder 12 Monaten dividiert durch 3. Das Maximum der Wertschöpfung
des Kapitals in einem gegebnen Zeitraum ist dieser Zeitraum divi-
diert durch die Dauer des Produktionsprozesses (die
#529# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
Produktionszeit). Im zweiten Fall würde das Kapital nur 3 Um-
schläge im Jahr bewirken; den Verwertungsprozeß nur 3mal wieder-
holen. Die Summe seiner Verwertungsprozesse wäre also = 12/4 = 3.
Der Divisor ist hier die Gesamtzirkulationszeit, die es braucht:
4 Monate; oder die Zirkulationszeit, die es auf eine Produktions-
phase braucht, x mit der Anzahl, worin diese Zirkulationszeit
enthalten ist in dem Jahr.
Im ersten Fall ist die Zahl der Umschläge =12 Monate, Jahr, ge-
gebner Zeit, dividiert durch die Zeit einer Produktionsphase oder
durch die Dauer der Produktionszeit selbst; im zweiten Fall
gleich derselben Zeit, dividiert durch die Zirkulationszeit. Das
Maximum der Verwertung des Kapitals wie der Kontinuität des Pro-
duktionsprozesses oder die Zirkulationszeit = 0 gesetzt; d.h.
also, die Bedingungen, unter denen das Kapital produziert, seine
Beschränktheit durch die Zirkulationszeit, die Notwendigkeit, die
verschiednen Phasen seiner Metamorphose zu durchlaufen, aufgeho-
ben. Es ist die notwendige Tendenz des Kapitals, danach zu stre-
ben, die Zirkulationszeit = 0 zu setzen, d.h., sich selbst aufzu-
heben, da nur durch das Kapital die Zirkulationszeit als die Pro-
duktionszeit bestimmendes Moment gesetzt ist. Es ist dasselbe,
als die Notwendigkeit des Austauschs, des Gelds und der auf ihnen
beruhnden Teilung der Arbeit, also das Kapital selbst aufheben.
Sehn wir einstweilen von dem Verwandeln des Surpluswerts in Sur-
pluskapital ab, so würde also ein Kapital von 100 Talern, das im
Produktionsprozeß einen Mehrwert von 4% auf das Gesamtkapital
produzierte, in der ersten Voraussetzung sich 4mal reproduzieren
und am Schlüsse des Jahres einen Mehrwert von 16 gesetzt haben.
Das Kapital wäre am Schlüsse des Jahres = 116. Es wäre dasselbe,
als hätte ein Kapital von 400 einmal im Jahre umgeschlagen, eben-
falls mit einem Mehrwert von 4%. In bezug auf die Gesamtproduk-
tion der Waren und Werte derselbe vervierfacht. Im andren Fall
ein Kapital von 100 Talern nur Mehrwert geschaffen von 12; das
Gesamtkapital am Ende des Jahres = 112. In bezug auf die Gesamt-
produktion - sei sie in bezug auf Werte oder Gebrauchswerte - der
Unterschied noch bedeutender. Im ersten Fall z. B. für 400 Taler
Leder mit einem Kapital von 100 in Stiefel verwandelt, im zweiten
nur von 300 Talern Leder.
Die Gesamtverwertung des Kapitals daher bestimmt durch die Dauer
der Produktionsphase - die wir hier einstweilen mit der Arbeits-
zeit identisch setzen - x mit der Anzahl der Umschläge oder Er-
neurung dieser Produktionsphase in einem gegebnen Zeitraum. Wären
die Umschläge nur bestimmt durch die Dauer einer Produktions-
phase, so wäre die Gesamtverwertung einfach bestimmt durch die
Anzahl der Produktionsphasen, die in einem gegebnen Zeitraum ent-
halten ist; oder die Umschläge wären absolut bestimmt durch die
#530# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
-----
Produktionszeit selbst. Dies w ä r e d a s M a x i m u m
d e r V e r w e r t u n g. Es ist daher klar, daß die Zirkula-
tionszeit, absolut betrachtet, ein Abzug vom Maximum der Verwer-
tung, < absolute Verwertung ist. Es ist also unmöglich, daß
irgendeine Geschwindigkeit der Zirkulation oder irgendeine Abkür-
zung der Zirkulationszeit eine Verwertung schaffen sollte > als
die durch die Produktionsphase selbst gesetzte Verwertung. Das
Maximum, das die Geschwindigkeit der Zirkulation, wenn sie auf 00
stiege, bewirken könnte, wäre die Zirkulationszeit = 0 zu setzen,
d. h. sich selbst aufzuheben. Sie kann also nicht ein positiv
wertschaffendes Moment sein, da ihre Aufhebung - Zirkulation ohne
Zirkulationszeit - das Maximum der Verwertung, ihre Negation =
der höchsten Position der Produktivität des Kapitals wäre
{Produktivität des Kapitals als Kapital ist nicht die Produktiv-
kraft, die die Gebrauchswerte vermehrt; sondern seine Fähigkeit,
Werte zu schaffen; der Grad, worin es Wert produziert}. Die Ge-
samtproduktivität des Kapitals ist = der Dauer einer Produktions-
phase x mit der Anzahl, worin sie sich wiederholt in einem gewis-
sen Zeitraum. Diese Anzahl aber bestimmt durch die Zirkulations-
zeit.
Nehmen wir an, ein Kapital von 100 schlüge 4mal im Jahr um; setze
den Produktionsprozeß 4x; so würde, wenn der Mehrwert = 5% jedes-
mal, der am Ende des Jahres geschaffene Surpluswert = 20 sein für
ein Kapital von 100; andrerseits für ein Kapital von 400, das
einmal in einem Jahre umschlüge zum selben Prozentsatz, wäre = 20
ebenfalls. So daß ein Kapital von 100 mit 4maliger Zirkulation im
Jahr 20% Gewinn, wo ein 4mal größres Kapital mit einmaligem Um-
schlag nur einen Profit von 5% gäbe. (Es wird sich gleich näher
zeigen, daß der Mehrwert ganz derselbe.) Es scheint also, daß die
Größe des Kapitals ersetzt werden kann durch die Geschwindigkeit
des Umlaufs und die Geschwindigkeit des Umlaufs durch die Größe
des Kapitals. Es kömmt so der Schein hinein, als ob die Zirkula-
tionszeit an sich produktiv sei. Es ist daher an diesem case 21*)
die Sache klarzumachen.
Eine andre Frage, die sich auch aufwirft: Wenn der Umschlag von
100 Talern 4mal im Jahr jedesmal sage zu 5%, so könnte am Beginn
des zweiten Umschlags mit 105 Talern der Produktionsprozeß begon-
nen werden, und das Produkt wäre 110 1/4; am Beginn des 3.
U m s c h l a g s: 110 1/4, wovon das Produkt wäre 115 61/80
22*); am Beginn des 4. Umschlags: 115 61/80 22*) und am Ende
desselben: 121 881/1600 23*). Die Zahl selbst tut hier nichts
zur Sache. Die Sache ist, daß im Fall ein Kapital von 400 nur
einmal im Jahr umschlägt zu 5%, der Gewinn nur sein kann 20;
dagegen, wenn ein 4mal kleineres 4x zu demselben Prozentsatz um-
schlägt, der Gewinn 1 + 881/1600 24*) mehr: So scheint 25*)
durch das bloße Moment
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21*) Fall - 22*) in der Handschrift: 115 41/80 - 23*) in der
Handschrift: 121 221/1600 - 24*) in der Handschrift: 221/1600 -
25*) in der Handschrift: erscheint
#531# Fixes und zirkulierendes Kapital
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des Umschlags - die Wiederholung -, also eines durch die Zirkula-
tionszeit bestimmten Moments oder vielmehr durch die
Z i r k u l a t i o n bestimmten Moments, nicht nur der Wert re-
alisiert zu werden, sondern absolut zu wachsen. Dies auch zu un-
tersuchen.
Die Zirkulationszeit drückt nur die Geschwindigkeit der Zirkula-
tion aus; die Geschwindigkeit der Zirkulation nur Schranke der-
selben. Z i r k u l a t i o n o h n e Z i r k u l a t i o n s-
z e i t - d.h. das Übergehn des Kapitals aus einer Phase in die
andre mit derselben Schnelle, womit der Begriff umschlägt - wäre
das Maximum, d.h. das Zusammenfallen der Erneurung des Produk-
tionsprozesses mit seiner Beendigung.
Der Akt des Austauschs - und die ökonomischen Operationen, wo-
durch die Zirkulation vor sich geht, lösen sich auf in eine Suk-
zession von échanges 26*) - bis auf den Punkt, wo das Kapital
nicht als Ware zu Geld oder als Geld zu Ware sich verhält, son-
dern als Wert zu seinem spezifischen Gebrauchswert, der Arbeit -
der Akt des Austauschs von Wert in einer Form gegen Wert in der
andren, Geld gegen Ware oder Ware gegen Geld (und dies sind die
Momente der einfachen Zirkulation), setzt den Wert der einen Ware
in der andren und realisiert sie so als Tauschwert; oder auch
setzt die Waren als Äquivalente. Der Akt des Austauschs ist so
w e r t s e t z e n d, insofern Werte vorausgesetzt werden; er
realisiert die B e s t i m m u n g d e r Austauschsubjekte als
Werte. Aber ein Akt, der eine Ware als W e r t setzt, oder was
dasselbe ist, der eine andre Ware als ihr Ä q u i v a l e n t
setzt - oder was wieder dasselbe, der den G l e i c h w e r t
beider Waren setzt, fügt offenbar wieder dem Wert selbst nichts
hinzu, sowenig wie das Zeichen ± die Ziffer vergrößert oder ver-
kleinert, die hinter ihm steht. Indem ich 4 als Plus oder Minus
setze - durch diese Operation bleibt 4, unabhängig vom Zeichen,
sich selbst gleich, 4 wird weder 3 noch 5. Ebenso, wenn ich ¦¦24¦
ein lb. Baumwolle von dem Tauschwert von 6 d gegen 6 d austau-
sche, so ist es als Wert gesetzt; und ebenso kann gesagt werden,
daß die 6 d als Wert gesetzt sind in dem lb. Baumwolle; d.h., die
in den 6 d enthaltne Arbeitszeit (hier 6 d als W e r t betrach-
tet) ist nun ausgedrückt in einer andren Materiatur derselben Ar-
beitszeit. Aber da durch den Akt des Austauschs das lb. Baumwolle
wie die 6 d Kupfer jedes = seinem Wert gesetzt wird, so ist es
unmöglich, daß durch diesen Austausch weder der Wert der Baum-
wolle, noch der Wert der 6d, noch die Summe ihrer Werte quantita-
tiv wächst. Der Austausch, als Setzen von Äquivalenten, ändert
nur die Form; realisiert die potentiell existierenden Werte; re-
alisiert die Preise, if you like. 27*) Ein Setzen von Äquiva-
lenten, z.B. von A und B als Äquivalenten, kann den Wert von A
nicht erhöhn,
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26*) Folge von Austauschen - 27*) wenn sie wollen
#532# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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denn es ist der Akt, wodurch A = seinem eignen Wert, also nicht
ihm ungleich gesetzt wird; ungleich nur, was die Form angeht,
insofern es vorher nicht als Wert gesetzt war; es ist zugleich
der Akt, wodurch der Wert von A = dem Wert von B gesetzt wird und
der Wert von B = dem Wert von A. Die Summe der im Austausch umge-
setzten Werte = Wert A + Wert B. Jedes bleibt = seinem eignen
Wert; also bleibt ihre Summe gleich der Summe ihres Werts. Der
Austausch als S e t z e n v o n Ä q u i v a l e n t e n kann
daher seiner Natur nach die Summe der Werte nicht erhöhn, noch
den Wert der ausgetauschten Waren. (Daß es bei dem Austausch mit
Arbeit sich anders verhält, geht daraus hervor, daß der Ge-
brauchswert der Arbeit selbst w e r t s e t z e n d ist, hängt
aber nicht direkt mit ihrem Tauschwert zusammen.)
Sowenig aber eine Operation des Austauschs den Wert des Ausge-
tauschten vermehren kann, sowenig kann es eine Summe von Austau-
schen. {Es ist durchaus nötig, dies klarzumachen; da die Vertei-
lung des Mehrwerts unter den Kapitalien, die B e r e c h n u n g
des Gesamtsurpluswerts unter den einzelnen Kapitalien - diese
s e k u n d ä r e ökonomische Operation - [als] Phänomene er-
scheint, die in den gewöhnlichen Ökonomien mit den primitiven
verwechselt werden.} Ob ich einen Akt, der keinen Wert schafft,
einmal wiederhole oder oo, durch die Wiederholung it cannot
change its nature 28*). Die Wiederholung eines nicht-wertschaf-
fenden Akts kann nie ein Akt der Wertschöpfung werden. 1/4 z.B.
drückt eine bestimmte Proportion aus. Verwandle ich dies 1/4 in
einen Dezimalbruch, setze es also = 0,25, so ist seine Form geän-
dert. Diese Formänderung läßt den Wert denselben. Ebenso wenn ich
eine Ware in die Form des Geldes oder das Geld in die Form der
Ware verwandle, bleibt der Wert derselbe; aber die Form ist ver-
ändert. Es ist also klar, daß die Zirkulation - da sie sich in
eine Reihe Tauschoperationen von Äquivalenten auflöst, den Wert
der zirkulierenden Waren nicht vermehren kann. Ist daher Arbeits-
zeit erheischt, um diese Operation vorzunehmen, d.h., müssen
Werte konsumiert werden, denn alle Konsumtion von Werten löst
sich auf in die Konsumtion von Arbeitszeit oder vergegenständ-
lichter Arbeitszeit, Produkten; verursacht die Zirkulation also
Kosten und kostet die Zirkulationszeit Arbeitszeit, so ist das
ein Abzug, eine relative Aufhebung der zirkulierenden Werte; Ent-
wertung derselben zu dem Betrag der Zirkulationskosten.
Denkt man sich 2 Arbeiter, die austauschen; einen Fischer und
einen Jäger; so würde die Zeit, die beide im Austausch verlieren,
weder Fische noch Wild schaffen, sondern wäre ein Abzug an der
Zeit, worin beide Werte schaffen, der eine fischen, der andre ja-
gen kann, ihre Arbeitszeit vergegenständlichen
-----
28*) kann er seine Natur nicht ändern
#533# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
in einem Gebrauchswert. Wollte der Fischer sich für diesen Ver-
lust an dem Jäger entschädigen: mehr Wild verlangen oder ihm we-
niger Fische geben, so dieser dasselbe Recht. Der Verlust wäre
für sie gemeinsam. Diese Zirkulationskosten, Austauschkosten,
könnten nur als Abzug der Gesamtproduktion und Wertschöpfung der
beiden erscheinen. Wenn sie einen dritten, C), mit diesen exchan-
ges beauftragten und so keine Arbeitszeit direkt verlören, müßte
jeder derselben zu aliquoten 29*) Teilen eine Portion seines Pro-
duktes an den C) ablassen. Was sie dabei gewinnen könnten, wäre
nur ein Mehr oder Weniger von Verlust. Arbeiteten sie aber als
gemeinsame Proprietärs 30*), so würde kein Austausch stattfinden,
sondern gemeinschaftliche Konsumtion. Die Austauschkosten fielen
daher fort. Nicht die Teilung der Arbeit; aber die Teilung der
Arbeit als auf den Austausch gegründet. Es ist daher falsch, wenn
J. St. Mill die Zirkulationskosten a l s n o t w e n d i g e n
P r e i s d e r T e i l u n g d e r A r b e i t betrachtet.
Sie sind nur Kosten der naturwüchsigen, nicht auf Gemeinsamkeit
des Eigentums, sondern dem Privateigentum beruhenden Teilung der
Arbeit.
Die Zirkulationskosten als solche, d.h. die durch die Operation
des Austauschs und durch eine Reihe von Austauschoperationen ver-
ursachte Konsumtion von Arbeitszeit oder vergegenständlichter Ar-
beitszeit, Werten, sind also Abzug entweder von der auf die Pro-
duktion verwandten Zeit oder von den durch die Produktion gesetz-
ten Werten. Sie können nie den Wert vermehren. Sie gehören zu den
faux frais de production 31*), und diese faux frais de production
gehören zu den immanenten Kosten der auf dem Kapital beruhenden
Produktion. Das Kauf mannsgeschäft und still more 32*) das ei-
gentliche Geldgeschäft - soweit sie nichts tun, als die Operatio-
nen der Zirkulation als solcher, also z.B. die Bestimmung der
Preise (das Messen der Werte und ihr Berechnen), überhaupt diese
Tauschoperation als eine durch die Teilung der Arbeit verselb-
ständigte Funktion treiben, diese Funktion des Gesamtprozesses
des Kapitals darstellen - stellen bloß die faux frais de produc-
tion des Kapitals dar. Insofern sie diese faux frais vermindern,
fügen sie der Produktion zu, nicht dadurch, daß sie Wert schaf-
fen, sondern die Negation der geschaffnen Werte vermindern. Wenn
sie rein als solche Funktion agierten, so würden sie immer nur
das Minimum der faux frais de production darstellen. Befähigen
sie die Produzenten, mehr Werte zu schaffen, als sie ohne diese
Teilung der Arbeit könnten, und zwar soviel mehr, daß ein Surplus
bleibt nach Bezahlung dieser Funktion, so haben sie faktisch die
Produktion vermehrt. Die Werte sind dann aber vermehrt, nicht
weil die Zirkulationsoperationen Wert geschaffen, sondern weil
sie weniger Wert absorbiert haben, als sie im andren Fall
------
29*) ohne Rest aufgehenden - 30*) Eigentümer - 31*) Produktions-
nebenkosten - 32*) noch mehr
#534# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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getan hätten. Sie sind aber notwendige Bedingung für die Produk-
tion des Kapitals.
Die Zeit, die ein Kapitalist im Austausch verliert, ist als sol-
che kein Abzug von der Arbeitszeit. Kapitalist - d.h. Repräsen-
tant des Kapitals, personifiziertes Kapital ist er nur, indem er
sich zur Arbeit als fremder Arbeit verhält und sich fremde Ar-
beitszeit aneignet und sie setzt. Die Zirkulationskosten existie-
ren also nicht, insofern s i e d i e Z e i t d e s K a p i-
t a l i s t e n w e g n e h m e n 33*). Seine Zeit ist als
ü b e r f l ü s s i g e Z e i t gesetzt: N i c h t - A r-
b e i t s z e i t, n i c h t - w e r t s c h a f f e n d e
Zeit, obgleich es das Kapital ist, das den geschaffnen Wert
realisiert. Dies, daß der Arbeiter Surpluszeit arbeiten muß, ist
identisch damit, daß der Kapitalist nicht zu arbeiten braucht und
so eine Zeit als Nicht-Arbeitszeit gesetzt ist; daß er auch nicht
die n o t w e n d i g e Zeit arbeitet. Der Arbeiter muß Sur-
pluszeit arbeiten, um die zu seiner Reproduktion notwendige
Arbeitszeit vergegenständlichen, verwerten, i.e. objektivieren zu
dürfen. Andrerseits ist daher auch die n o t w e n d i g e
A r b e i t s z e i t des Kapitalisten f r e i e Zeit, nicht
für die unmittelbare Subsistenz erheischte Zeit. Da alle
f r e i e Z e i t Zeit für die freie Entwicklung ist, usurpiert
der Kapitalist die von den Arbeitern geschaffne f r e i e
Z e i t für die Gesellschaft, d.h. die Zivilisation, und Wade [,
p. 164] hat in diesem Sinn wieder recht, sofern er Kapital = Zi-
vilisation setzt.
Die Zirkulationszeit - soweit sie die Zeit des Kapitalisten als
solchen in Anspruch nimmt, geht uns, ökonomisch betrachtet, grade
soviel an wie die Zeit, die er mit seiner Lorette zubringt. Wenn
time money 34*) ist, so ist es vom Standpunkt des Kapitals aus
nur die fremde Arbeitszeit, die allerdings im eigentlichsten
Worte das money des Kapitals ist. In bezug auf das Kapital als
solches kann die Zirkulationszeit nur insofern mit Arbeitszeit
zusammenfallen, als sie unterbricht die Zeit, während welcher das
Kapital die fremde Arbeitszeit sich aneignen kann, und es ist
klar, daß diese relative Entwertung des Kapitals seiner Verwer-
tung nicht zusetzen, sondern nur von ihr abnehmen kann; oder
insofern die Zirkulation dem Kapital objektivierte fremde Ar-
beitszeit, Werte kostet. ¦¦25¦ (Z.B. weil es einem andren bezah-
len muß, der diese Funktion übernimmt.) In beiden Fällen kömmt
die Zirkulationszeit nur in Betracht, soweit sie die Aufhebung,
die Negation der fremden Arbeitszeit ist; sei es, daß sie das Ka-
pital im Prozeß ihrer Aneignung unterbricht; sei es, daß sie es
zwingt, einen Teil des geschaffnen Werts zu konsumieren, zu kon-
sumieren, um die Zirkulationsoperationen zu vollbringen, d.h., um
sich als Kapital zu setzen. (Sehr zu unterscheiden von der pri-
vate Consumption of the capitalist 35*).) Die Zirkulationszeit
kömmt nur in Betracht in ihrem Verhältnis - als Schranke,
-----
33*) In der Handschrift: wegnimmt - 34*) Zeit Geld - 35*) pri-
vaten Konsumtion des Kapitalisten
#535# Fixes und zirkulierendes Kapital
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Negation - der Produktionszeit des Kapitals; diese Produktions-
zeit ist aber die Zeit, während welcher es sich fremde Arbeit an-
eignet; die durch es gesetzte fremde Arbeitszeit. Es ist die
größte Konfusion, wenn die Zeit, die der Kapitalist in der Zirku-
lation spendet 36*), als wertsetzende Zeit oder gar Surpluswert
setzende Zeit betrachtet wird. Das Kapital als solches hat keine
Arbeitszeit außer seiner Produktionszeit. Der Kapitalist geht uns
hier absolut nichts an außer als Kapital. Als solches fungiert er
auch nur in dem Gesamtprozeß, den wir zu betrachten haben. Es
könnte sich sonst noch eingebildet werden, der K a p i t a-
l i s t k ö n n e s i c h d i e Z e i t k o m p e n s i e-
r e n l a s s e n, w ä h r e n d d e r e r n i c h t a l s
L o h n a r b e i t e r e i n e s a n d r e n K a p i t a l i-
s t e n G e l d v e r d i e n t - oder er v e r l i e r e
d i e s e Z e i t. Sie gehöre mit zu den Produktionskosten. Die
Zeit, die er als Kapitalist verliert oder anwendet, ist überhaupt
v e r l o r n e Z e i t, placé à fonds perdu 37*) von diesem
Gesichtspunkt aus. Die sog. A r b e i t s z e i t d e s
K a p i t a l i s t e n im Unterschied von der Arbeitszeit des
Arbeiters, die die Grundlage seines P r o f i t s als wages sui
generis 38*) bilden soll, haben wir später zu betrachten.
Es ist nichts häufiger, als Transport etc., soweit sie mit dem
Handel zusammenhängen, in die reinen Zirkulationskosten hereinzu-
bringen. Soweit der Handel ein Produkt auf den Markt bringt, gibt
er ihm eine neue Form. Er verändert zwar nur das örtliche Dasein.
Aber die Weise der Formveränderung geht uns nichts an. Er gibt
dem Produkt einen neuen Gebrauchswert (und dies gilt bis herab
zum Detailkrämer, der wiegt, mißt, einpackt und so für den Konsum
dem Produkt Form gibt), und dieser neue Gebrauchswert kostet Ar-
beitszeit; ist also zugleich Tauschwert. Das Bringen auf den
Markt gehört in den Produktionsprozeß selbst. Das Produkt ist
erst Ware, erst in Zirkulation, sobald es sich auf dem Markt be-
findet.
{"In jeder Art der Industrie werden die Unternehmer Verkäufer von
Produkten, während der ganze Rest der Nation und oft selbst
fremde Nationen Käufer dieser Produkte sind ... Die beständige
Bewegung, und ohne Unterlaß wiederholt, die das z i r k u l i e-
r e n d e K a p i t a l macht, um vom Unternehmer wegzugehen
und um zu ihm unter der ersten Form zurückzukehren, ist ver-
gleichbar einem Zirkel, den es beschreibt; daher der Name
zirkulierend, den das Kapital trägt, und Zirkulation für seine
Bewegung." (p. 404/405.) (Storch. "Cours d'économie Politique".
Paris 1823. t. I. p. 405, Heft, S. 34 [289].)
"Im ausgedehnten Sinn begreift Zirkulation die Bewegung jeder
Ware, die sich austauscht." (p. 405.) (l.c.) "Die Zirkulation
macht sich durch die Austausche ... vom Augenblick des Notenum-
laufs an tauschen sie sich nicht mehr aus, sie werden verkauft."
(p. 405/406 39*), l.c.) "Damit eine Ware in Zirkulation sei, ge-
nügt das Angebot... Reichtum
-----
36*) verbringt (engl.: to spend) - 37*) auf das Verlustkonto ge-
setzt - 38*) Arbeitslohn besonderer Art - 39*) in der Hand-
schrift: p. 406.
#536# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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in Zirkulation: W a r e." (p. 407, l.c.) "Der Handel nur ein
Teil der Zirkulation; ersterer begreift nur die Käufe und Ver-
käufe der Händler; letztre aller Unternehmer und selbst aller
Einwohner." (p. 408, l.c.)
"Nur solange die K o s t e n der Zirkulation unumgänglich sind,
um d i e W a r e n z u d e n K o n s u m e n t e n g e-
l a n g e n z u l a s s e n, ist die Zirkulation reell und
vermehrt i h r W e r t das jährliche Produkt. Vom Augenblick
an, wo sie dies Maß überschreitet, ist die Zirkulation überflüs-
sig und trägt nichts mehr zur Bereicherung der Nation bei." (p.
409.)
"Wir haben in den letzten Jahren 40*) in Rußland Beispiele gesehn
zu St. Petersburg von einer überflüssigen Zirkulation. Die flaue
Lage des auswärtigen Handels hatte die Handeltreibenden enga-
giert, auf eine andere Weise ihre brachliegenden Kapitale nutzbar
zu machen; da es ihnen nicht mehr möglich war, sie zu verwenden,
um fremde Waren kommen zu lassen und die des Landes zu exportie-
ren, ließen sie sich einfallen, Vorteil davon zu ziehen, indem
sie die Waren kauften und verkauften, die sich auf dem Platz
fanden. Ungeheure Quantitäten von Zucker, Kaffee, Hanf, Eisen
etc. passierten rasch von einer Hand in die andre, und oft wech-
selte eine Ware 20mal den Eigentümer, ohne vom Lager zu gehen.
Eine derartige Zirkulation bietet den Großhändlern alle Chancen
eines Hasardspieles; aber während sie die einen bereichert, rui-
niert sie die andren, und der Nationalreichtum gewinnt nichts da-
bei. Ebenso in der Zirkulation des Geldes... Man nennt Spekula-
tion eine derartige überflüssige Zirkulation, die nur gegründet
auf einer einfachen Variation der Preise." (p. 410, 411.)
"Die Zirkulation bringt der Gesellschaft nur insofern Profit, als
sie unentbehrlich ist, um die Ware zum Konsumenten gelangen zu
lassen. Jeder Umweg Verzögerung, zwischengeschalteter Austausch,
nicht absolut nötig zu diesem Effekt oder die nicht beitragen,
die Z i r k u l a t i o n s k o s t e n z u v e r m i n-
d e r n, wird schädlich dem Nationalreichtum, indem sie über-
flüssigerweise den Preis der Waren erhöhen." (p. 411.)
"Die Zirkulation um so produktiver, je rapider sie ist, d.h., je
weniger Zeit sie fordert, um den Unternehmer von vollendeter Ar-
beit zu befreien, die er zum Verkauf ausstellt, und um das Kapi-
tal unter seiner ersten Form zu ihm zurückzuführen." (p. 411.)
"Der Unternehmer kann die Produktion nur Wiederbeginnen, nachdem
er das vollendete Produkt verkauft hat und den Preis zum Ankauf
neuer Werkstoffe und neuer Löhne verwandt hat: Je prompter die
Zirkulation also ist, diese beiden Effekte zu operieren, um so
eher ist er imstande, seine Produktion von neuem zu beginnen, und
um so mehr liefert sein Kapital Profite in einem gegebnen Zeit-
raum." (p. 411/412 41*).)
"Die Nation, deren Kapital mit gehöriger Schnelligkeit zirku-
liert, um mehrmals im Jahr zurückzukehren zu dem, der es zuerst
in Bewegung gesetzt, ist in derselben Situation als der Ackermann
der glücklichen Klimate, der demselben Land sukzessiv 3 oder 4
Ernten in demselben Jahr abfordern kann." (p. 412, 413.)
"Eine langsame Zirkulation verteuert die Objekte der Konsumtion
1. indirekt, durch Verminderung der Masse der Waren, die existie-
ren könnten; 2. direkt, weil, solange ein Produkt in Zirkulation,
s e i n W e r t p r o g r e s s i v zunimmt durch die Kapital-
renten, verwandt zu seiner Produktion; je langsamer die Zirkula-
tion 42, je mehr akkumulieren sich diese
-----
40*) In der Handschrift: Tagen - 41*) in der Handschrift: p. 412
- 42*) in der Handschrift: Produktion
#537# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
Renten, was den Preis der Waren unnütz hebt." "Mittel zur Abkür-
zung und Beschleunigung der Zirkulation: 1. Die Separation einer
Klasse von Arbeitern, die sich einzig mit dem Handel beschäftigt;
2. die Leichtigkeit des Transports; 3. der Notenumlauf; 4. der
Kredit." (p. 413.)}
Die einfache Zirkulation bestand aus einer Menge gleichzeitiger
oder sukzessiver Austausche. Die Einheit derselben als Zirkula-
tion betrachtet, war eigentlich nur vom Standpunkt des Beobach-
ters aus vorhanden. (Der Austausch kann zufällig sein, und er hat
mehr oder minder den Charakter, wo er auf den Austausch des Über-
flusses beschränkt, nicht das Ganze des Produktionsprozesses er-
griffen hat.) In der Zirkulation des Kapitals haben wir eine
Reihe von Tauschoperationen, von Tauschakten, deren jede gegen
die andre ein qualitatives Moment vorstellt, ein Moment in der
Reproduktion und Wachstum des Kapitals. Ein System von Austau-
schen, Stoffwechsel, soweit der Gebrauchswert 43*) betrachtet,
Formwechsel, soweit der Wert als solcher 44*) betrachtet wird.
Das Produkt verhält sich zur Ware wie Gebrauchswert zum Tausch-
wert; so die Ware zum Geld. Hier erreicht 45*) die eine Reihe
ihre Höhe. Das Geld verhält sich zur Ware, in die es rückverwan-
delt wird, als Tauschwert zum Gebrauchswert; noch mehr so das
Geld zur Arbeit.
¦¦26¦ Insofern das Kapital in jedem Moment des Prozesses selbst
die Möglichkeit des Übergehns in seine andre, nächste Phase und
so die Möglichkeit des ganzen Prozesses ist, der den Lebensakt
des Kapitals ausdrückt, so erscheint jedes der Momente potentia-
liter als Kapital - daher Warenkapital, Geldkapital - neben dem
im Produktionsprozeß als Kapital sich setzenden Wert. Die Ware
kann Kapital darstellen, solange sie sich in Geld verwandeln,
also Lohnarbeit kaufen kann (Surplusarbeit); dies nach der
F o r m s e i t e hin, die aus der Zirkulation des Kapitals ge-
schöpft ist. Nach der Stoffseite hin bleibt sie Kapital, solange
sie Rohmaterial (eigentliches oder Halbfabrikat), Instrument, Le-
bensmittel für die Arbeiter ausmacht. Jede dieser Formen ist po-
tentielles Kapital. Das Geld ist einerseits das realisierte Kapi-
tal, das Kapital als realisierter Wert. Es ist nach dieser Seite
(als Schlußpunkt der Zirkulation betrachtet, wo es denn auch als
Ausgangspunkt betrachtet werden muß) das Kapital, ???' ??????
46*). Es ist dann wieder Kapital in bezug auf den Produktionspro-
zeß speziell, soweit es sich gegen lebendige Arbeit umtauscht. In
seinem Umtausch gegen Ware (Rückkauf des Rohmaterials etc.) durch
den Kapitalisten erscheint es dagegen nicht als Kapital, sondern
als Zirkulationsmittel; nur verschwindende Vermittlung, wodurch
der Kapitalist sein Produkt gegen die Urelemente desselben aus-
tauscht.
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43*) In der Handschrift: Wert als solcher - 44*) in der Hand-
schrift: Gebrauchswert - 45*) in der Handschrift: erhält -
46*) in höchstem Maße
#538# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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Die Zirkulation ist nicht eine für das Kapital bloß äußerliche
Operation. Wie es durch den Produktionsprozeß erst wird, indem
durch ihn der Wert sich verewigt und vermehrt, so wird es in die
reine F o r m des Werts - an dem die Spuren des Werdens eben-
sowohl, wie sein spezifisches Dasein im Gebrauchswert ausgelöscht
sind - nur rückverwandelt durch den ersten Akt der Zirkulation,
während die Wiederholung dieses Akts, i.e. des Lebensprozesses
[des Kapitals] nur durch den zweiten Akt der Zirkulation möglich,
der im Austausch des Geldes gegen die Produktionsbedingungen be-
steht und die Einleitung zum Produktionsakt bildet. Die Zirkula-
tion gehört also i n den Begriff des Kapitals. Wie ursprünglich
das Geld oder aufgehäufte Arbeit als Voraussetzung vordem Aus-
tausch mit freier Arbeit erschien; die scheinbare Selbständigkeit
des objektiven Moments des Kapitals gegen die Arbeit aber aufge-
hoben wurde und die objektivierte Arbeit, die sich im Wert ver-
selbständigt, nach allen Seiten als P r o d u k t f r e m d e r
A r b e i t, das e n t f r e m d e t e P r o d u k t der Ar-
beit selbst erschien; so jetzt erscheint das Kapital erst seiner
Zirkulation vorausgesetzt (das Kapital als Geld war seinem Werden
zum Kapital vorausgesetzt; aber das Kapital als Resultat des
Werts, der die lebendige Arbeit in sich absorbiert und sich as-
similiert hat, erschien als Ausgangspunkt nicht der Zirkulation
überhaupt, sondern der Z i r k u l a t i o n d e s Kapitals),
so daß es selbständig und gleichgültig auch o h n e diesen Pro-
zeß existierte. Aber die B e w e g u n g d e r M e t a m o r-
p h o s e n , d i e e s d u r c h z u m a c h e n h a t,
e r s c h e i n t j e t z t a l s B e d i n g u n g d e s
P r o d u k t i o n s p r o z e s s e s selbst; ebensosehr wie
als sein Resultat.
Das Kapital in seiner Realität erscheint daher als Reihe von Um-
schlägen in gegebner P e r i o d e. Es ist nicht mehr nur
e i n U m s c h l a g, eine Zirkulation; sondern Setzen von Um-
schlägen; Setzen des ganzen Verlaufs. Sein Wertsetzen selbst er-
scheint daher bedingt (und nur als sich perennierender 47*) und
vervielfältigender Wert ist der Wert Kapital) 1. q u a l i-
t a t i v; indem es, ohne die Phasen der Zirkulation zu durch-
laufen, die Produktionsphase nicht erneuern kann; 2. q u a n-
t i t a t i v, indem die Masse der Werte, die es setzt, von der
Anzahl seiner Umschläge in einer gegebnen Periode abhängt; 3.
indem die Zirkulationszeit so nach beiden Seiten hin als
limitierendes Prinzip, Schranke der Produktionszeit erscheint und
vice versa. Das Kapital ist daher wesentlich c a p i t a l
c i r c u l a n t. Erscheint das Kapital in der Werkstätte des
Produktionsprozesses als Eigentümer und master 48*), so nach der
Seite der Zirkulation hin als abhängig und durch gesellschaftli-
chen Zusammenhang bestimmt, der auf dem Standpunkt, wo wir jetzt
noch stehn, es abwechselnd als W gegen G und G gegen W in die
einfache Zirkulation hineintreten läßt und figurieren läßt.
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47*) beständig erhaltender - 48*) Herr
#539# Fixes und zirkulierendes Kapital
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Aber diese Zirkulation ist ein Nebel, unter dem sich noch eine
ganze Welt versteckt, die Welt der Zusammenhänge des Kapitals,
die dieses aus der Zirkulation herstammende - aus dem gesell-
schaftlichen Verkehr herstammende Eigentum an ihn bannen und ihm
die Unabhängigkeit der self-sustaining property 49*) rauben wie
seinen Charakter. Zwei Aussichten in diese jetzt noch in der
Ferne liegende Welt haben sich bereits auf getan, an den beiden
Punkten, wo die Zirkulation des Kapitals den von ihm in der Form
des Produkts gesetzten und zirkulierten Wert aus seinem Kreis
herausstößt, und zweitens der Punkt, wo es aus der Zirkulation
ein andres Produkt in seinen Kreislauf hereinzieht; dies Produkt
selbst in eins seiner Daseinsmomente verwandelt. An dem zweiten
Punkt setzt es Produktion voraus; nicht seine eigne unmittelbare
Produktion; an dem ersten Punkt kann es Produktion voraussetzen,
wenn sein Produkt selbst Rohstoff für andre Produktion; oder Kon-
sumtion, wenn es die letzte Form für die Konsumtion erhalten hat.
So viel ist klar, daß die Konsumtion nicht d i r e k t in sei-
nen Kreis zu treten braucht. Die eigentliche Zirkulation des Ka-
pitals ist noch, wie wir später sehn werden, Circulation between
dealers and dealers 50*) [18]. Die circulation between dealers
und con sumers 51*), identisch mit dem Retailtrade 52*), ist ein
zweiter Kreis, der nicht in die unmittelbare Zirkulationssphäre
des Kapitals fällt. Eine Bahn, die es beschreibt, nachdem die er-
ste beschrieben ist und gleichzeitig neben ihr. Die G l e i c h-
z e i t i g k e i t d e r v e r s c h i e d n e n B a h n e n
d e s K a p i t a l s, wie die seiner verschieden Bestimmungen
wird erst klar, sobald viele Kapitalien vorausgesetzt sind. So
besteht der Lebensprozeß des Menschen in einem Durchlaufen
verschiedner Alter. Zugleich aber existieren alle Alter des
Menschen nebeneinander, an verschiedne Individuen verteilt.
Insofern der Produktionsprozeß des Kapitals zugleich ein techno-
logischer Prozeß ist "Produktionsprozeß schlechthin"; nämlich
Produktion bestimmter Gebrauchswerte durch bestimmte Arbeit,
kurz, in einer durch diesen Zweck selbst bestimmten Weise; inso-
fern von allen diesen Produktionsprozessen der, wodurch der
Körper sich den nötigen Stoffwechsel reproduziert, d. h. Lebens-
mittel in physiologischem Sinn schafft, als der fundamentalste
erscheint; insofern dieser Produktionsprozeß mit der Agrikultur
zusammenfällt; diese auch gleichzeitig direkt (wie in Baumwolle,
Flachs etc.) oder indirekt, vermittelst der Tiere, die sie nährt
(Seide, Wolle etc.), einen großen Teil der Rohmaterialien für die
Industrie liefert (eigentlich alle, die nicht den extraktiven
Industrien angehören); insofern die Reproduktion in der
Agrikultur
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49*) selbsterhaltenden Besitzung - 50*) Zirkulation zwischen
Händlern und Händlern - 51*) Zirkulation zwischen Händlern und
Verbrauchern - 52*) Kleinhandel
#540# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
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in der gemäßigten Zone (der Heimatstätte des Kapitals) an die
allgemeine tellurische 53*) Zirkulation gebunden ist; d. h. Ern-
ten meist j ä h r l i c h e r N a t u r sind; so ist das
J a h r (nur daß es verschieden für die verschiednen Produktio-
nen gerechnet wird) als der allgemeine Zeitraum angenommen, an
dem die Summe der Umschläge des Kapitals berechnet und gemessen
werden; wie der n a t ü r l i c h e A r b e i t s t a g solche
natürliche Einheit als Maß der Arbeitszeit gab. In der Profit-,
noch mehr Zinsberechnung sehn wir denn auch die Einheit der Zir-
kulations- und Produktionszeit - das Kapital - als solche gesetzt
und sich selbst messend. Das Kapital selbst als p r o z e s-
s i e r e n d - also einen Umschlag zurücklegend - ¦¦27¦ wird
als das a r b e i t e n d e K a p i t a l betrachtet und die
Früchte, which it is supposed to yield 54*), werden 55*) nach
seiner Arbeitszeit - der Gesamtumlaufszeit eines Umschlags
berechnet. Die Mystifikation, die dabei vorgeht, liegt in der
Natur des Kapitals.
Ehe wir nun näher auf die oben angegebnen Bedenken eingehn, wol-
len wir zunächst sehn, welche Unterschiede die Ökonomisten zwi-
schen Capital fixe und Capital circulant angeben. Wir haben oben
schon ein neues Moment gefunden, das bei der Berechnung des Pro-
fits im Unterschied zum Mehrwert hereinkommt. Ebenso muß sich
jetzt auch schon ein neues Moment zwischen Profit und Zins erge-
ben. Der Mehrwert in bezug auf das Capital circulant erscheint
offenbar als Profit im Unterschied vom Z i n s, als dem Mehr-
wert in bezug auf das C a p i t a l f i x e. Profit und Zins
sind beides Formen des Mehrwerts. Profit im P r e i s e enthal-
ten. Endet daher und ist realisiert, sobald das Kapital in den
Punkt seiner Zirkulation getreten, wo es in Geld rückverwandelt
oder aus seiner Form als Ware in die Form von Geld übergeht. Die
frappante Unwissenheit, worauf die Proudhonsche Polemik gegen den
Zins beruht, später. (Hier noch einmal, um es nicht zu vergessen,
ad vocem 56*) Proudhon: Die Surplusvalue 57*), die allen Ricar-
diens und Antiricardiens viel Sorge macht, wird von diesem kühnen
Denker einfach gelöst, indem er sie mystifiziert, "tout travail
laisse un surplus" 58*), "je le pose en axiome" 59*)... Die ei-
gentliche Formel im Heft nachzusehn. [290] Daß über die notwen-
dige Arbeit h i n a u s g e a r b e i t e t wird, verwandelt
Proudhon in eine mystische Eigenschaft der Arbeit. Aus dem bloßen
Wachstum der Produktivkraft der Arbeit dies nicht zu erklären;
sie mag die Produkte einer bestimmten Arbeitszeit vermehren; sie
kann ihnen keine plus-value 60*) geben. Sie kommt hier nur her-
ein, insofern sie surplus time, time 61*) zur Arbeit über die
notwendige hinaus, freisetzt. Das
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53*) irdische - 54*) welche es angeblich hervorbringt - 55*) in
der Handschrift: während - 56*) anläßlich; in der Handschrift:
voce - 57*) Der Mehrwert - 58*) jede Arbeit hinterläßt einen
Überschuß" - 59*) "ich setze das als Grundsatz voraus" -
60*) keinen Mehrwert - 61*) überschüssige Zeit, Zeit
#541# Fixes und zirkulierendes Kapital
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einzige a u ß e r ö k o n o m i s c h e fact dabei ist, daß der
Mensch seine ganze Zeit nicht braucht zur Produktion der necessa-
ries 62*), daß er über die zur Subsistenz notwendige Arbeitszeit
hinaus freie Zeit zur Disposition hat, also auch zur Surplusar-
beit anwenden kann. Dies ist aber durchaus nichts Mystisches, da
seine necessaries im selben Maß klein sind, wie seine Arbeits-
kraft im rohen Zustand. Lohnarbeit tritt überhaupt aber erst ein,
wo die Entwicklung der Produktivkraft schon so fortgeschritten,
daß bedeutendes Quantum Zeit freigeworden; dies Freisetzen ist
hier schon historisches Produkt. Proudhons Unwissenheit nur
equalled by Bastiats décroissante rate du profit qui est supposé
d'être l'équivalent d'une rate du salair croissante 63*). Bastiat
drückt diesen von Carey gepumpten nonsense 64*) doppelt aus:
Erstens, die R a t e des Profits fällt (d.h. das Verhältnis des
Mehrwerts im Verhältnis zum angewandten Kapital); zweitens: Die
Preise vermindern sich, aber der Wert, i.e. die Gesamtsumme der
Preise, wird größer, was auch nur heißt, daß der gross profit
65*), nicht die Rate des Profits wächst.)
Erstens in dem oben von uns gebrauchten Sinn von f i x i e r-
t e m Kapital John St. Mill ("Essays on some unsettled Questions
of Political Econ." Lond. 1844.) (p. 55), als festliegendes,
nicht disposable 66*), nicht available capital 67*). Festgerannt
in einer Phase seines Gesamtzirkulationsprozesses. In diesem Sinn
sagt er richtig, wie auch Bailey in den obigen Zitaten, daß immer
großer Teil des Kapitals eines Landes müßigliegt.
"Der Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital ist
mehr scheinbar als reell; z.B. Gold fixes Kapital; zirkulierend
nur, soweit es konsumiert wird für Vergoldung etc. Schiffe sind
fixes Kapital, obwohl buchstäblich schwimmend. Ausländische Ei-
senbahnaktien sind Handelsartikel auf unseren Märkten; das dürf-
ten auch unsere Eisenbahnen auf den Märkten der Welt sein; und
insofern sind sie zirkulierendes Kapital, vom gleichen Wert wie
Gold." (Anderson. "The recent commercial distress" etc. London
1847. p. 4.) (Heft I, 27 68*).) [291]
Nach Say: Kapital
"derartig gebunden in einem P r o d u k t i o n s z w e i g,
daß es nicht mehr umgeleitet werden kann, um sich e i n e m
a n d e r e n P r o d u k t i o n s z w e i g zu widmen". [292]
Die Identifikation des Kapitals mit einem bestimmten Gebrauchs-
wert, Gebrauchswert für den Produktionsprozeß. Dies G e b u n-
d e n s e i n des Kapitals als Wert an einen besondren Ge-
brauchswert - Gebrauchswert innerhalb der Produktion - ist je-
denfalls wichtige Seite. Es ist drin mehr ausgesprochen als
-----
63*) Notwendigkeiten des Lebens - 63*) hat ihr Gegenstück nur in
Bastiats abnehmender Profitrate, die angeblich das Äquivalent ei-
ner wachsenden Lohnrate sein soll - 64*) Unsinn - 65*) Brutto-
profit 66*) nicht verfügbares 67*) nicht flüssiges Kapital - 68*)
in der Handschrift: 26
#542# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
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in der Zirkulationsunfähigkeit, womit eigentlich nur gesagt ist,
daß das Capital fixe das Gegenteil von Capital circulant ist.
In seiner "Logic of Political Economy" (p. 113/114 69*)) (Heft
X. 4) [293] sagt de Quincey:
"Z i r k u l i e r e n d e s K a p i t a l bedeutet, normal ge-
sehen, ein produktiv genutztes, i r g e n d w i e g e a r t e-
t e s I n s t r u m e n t" (schöner Logiker), "das zugrunde
geht eben während des Verwendungsprozesses."
(Danach wären Kohlen circulating capital und Öl, aber nicht Baum-
wolle etc. Es kann nicht gesagt werden, that cotton perishes by
being transformed into twist or calico, and such transformation
means certainly using it productively 70*)!)
"Fixiert ist das Kapital, wenn die Sache dient, wiederholt immer
wieder zu derselben Operation, und um wieviel größer die Kette
der Wiederholungen gewesen ist, um soviel stärker ist das
G e r ä t, d a s W e r k z e u g oder d i e M a s c h i n e-
r i e b e r e c h t i g t, als fixiert bezeichnet zu werden."
(p. 113/114.) (Heft X, 4.)
Danach ginge das circulating capital unter, würde konsumiert im
Akt der Produktion; das fixe - was zu größrer Deutlichkeit als
tool, engine, or machinery 71*) bestimmt wird (also z.B. die dem
Boden einverleibten improvements 72*) ausgeschlossen) - diente
wiederholt immer zur selben Operation. Die Unterscheidung hat
hier nur Beziehung auf technologischen Unterschied im Produkti-
onsakt, durchaus keine Formbeziehung; circulating und fixed capi-
tal in den Unterschieden, die hier von ihnen angegeben werden,
haben wohl Merkmale, wodurch das eine agent whatever fixed 73*)
und das andre circulating 74*) ist, aber neither of them any qua-
lification which would entitle it to the "denomination" of capi-
tal 75*).
Nach Ramsay [, p. 21, 23, 59] (IX, 83/84 76*)) [267] ist
"bloß der L e b e n s m i t t e l f o n d s z i r k u l i e-
r e n d e s K a p i t a l, weil der Kapitalist es sofort aufge-
ben muß und es g a r n i c h t i n d e n R e p r o d u k-
t i o n s p r o z e ß eingeht, sondern unmittelbar, gegen leben-
dige Arbeit für Konsumtion, sich austauscht. Alles andere Kapital
(auch Rohmaterial) bleibt im Besitz des Eigentümers oder
Auftraggebers bis das P r o d u k t f e r t i g g e s t e l l t
i s t". (l.c.) "Z i r k u l i e r e n d e s K a p i t a l
besteht nur aus Subsistenzmitteln und anderen Bedarfsartikeln,
die den Arbeitern vorgestreckt werden, ehe sie das Produkt ihrer
Arbeit fertiggestellt haben." (l.c.)
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69*) In der Handschrift: p. 114 - 70*) daß Baumwolle zugrunde
geht, wenn sie in Twist oder Kattun umgewandelt wird, und eine
solche Umwandlung bedeutet zweifellos, daß sie produktiv genutzt
wird - 71*) Gerät, Werkzeug oder Maschinerie - 72*) Verbesserun-
gen 73*) ein, wie auch immer fixes Instrument - 74*) zirkulierend
- keins von beiden irgendeine Vorbedingung, die es zu der
"Bezeichnung" Kapital berechtigte - 76*) in der Handschrift: 84
#543# Fixes und zirkulierendes Kapital
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In bezug auf approvisionnement 77*) hat er insofern recht, inso-
fern es der einzige Teil des Kapitals, der während der Produkti-
onsphase selbst zirkuliert und nach dieser Seite hin capital cir-
culant par excellence 78*). Andrerseits ist es falsch, daß fixed
capital remains in the possession of its owner or employer 79*)
nicht länger oder solange "until the produce is completed" 80*).
Er erklärt daher auch später fixed capital als
"irgendeinen Teil jener Arbeit (die in irgendeine Ware eingegan-
gen ist) i n e i n e r F o r m, in welcher sie keine A r-
b e i t u n t e r h ä l t, obwohl sie dazu beiträgt, die künf-
tige Ware zu erzeugen".
(Aber wie viel commodities do not maintain labour 81*)! D.h. ge-
hören nicht zu den Konsumtionsartikeln des Arbeiters. Diese nach
Ramsay alle capital fixe.)
(Wenn der Zins für 100 l. am Ende des ersten Jahres oder der er-
sten 3 Monate 5 l., so das Kapital am Ende des ersten Jahres 105
oder 100 (1 + 0,05); am Ende des 4. Jahres = 100 (1+ 0,05)^4 =
121 l. 55/100 l. und 1/1600 l. = 121 l. 11 sh 3/5 farthing oder
121 l. 11 sh 0,6 farthing. Also über 20 hinaus 1 l. 11 sh 6/10
farthing.)
¦¦28¦ (In der oben aufgestellten Frage angenommen, daß auf der
einen Seite ein Kapital von 400 nur einmal im Jahr umschlägt, auf
der andren [ein Kapital von 100] 4mal, beidemal zu 5%. In dem er-
sten Fall würde das Kapital einmal im Jahr 5% machen = 20 auf
400, im zweiten 4x5 %, ebenfalls = 20 im Jahr auf 100. Die Ge-
schwindigkeit des Umschlags würde die Größe des Kapitals erset-
zen; ganz wie in der einfachen Geldzirkulation 100 000 Taler, die
3mal im Jahr zirkulieren, = 300 000, aber 3 000, die 100mal zir-
kulieren, = 300 000 ebenfalls. Zirkuliert das Kapital aber 4mal
im Jahr, so ist es m ö g l i c h, daß auch der Mehrgewinn
selbst wieder im zweiten Umschlag zum Kapital geschlagen und mit
ihm umgeschlagen wird, und dadurch käme die Differenz von 1 l. 11
sh 0,6 farthing. Diese Differenz folgt aber keineswegs aus der
Voraussetzung. Nur die a b s t r a k t e Möglichkeit ist vor-
handen. Aus der Voraussetzung würde vielmehr folgen, daß 3 Monate
nötig sind für den Umschlag eines Kapitals von 100 l. Z.B. also,
wenn der Monat 30 Tagen, für 105 l. - im selben Um-
schlagsverhältnis, im selben Verhältnis der Umschlagszeit zur
Größe des Kapitals nicht 3 Monate nötig sind,
90 x 105
sondern 105 : x = 100 : 90; x = --------
100
------
77*) Lebensmittelfonds - 78*) zirkulierendes Kapital im wahrsten
Sinne des Wortes ist - 79*) fixes Kapital im Besitz des Eigentü-
mers oder Auftraggebers bleibt - 80*) "bis das Produkt fertigge-
stellt ist" - 81*) Waren enthalten keine Arbeit
#544# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
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9450
= ---- = 94 5/10 Tage = 3 Monate 4 1/2 Tage. Damit ist die erste
100
Schwierigkeit völlig gelöst.)
(Daraus, daß ein größres Kapital mit langsamrem Umschlag nicht
mehr Mehrwert schafft als ein kleinres mit verhältnismäßig ra-
scherem Umlauf, folgt keineswegs von selbst, daß ein kleinres Ka-
pital rascher umläuft als ein größres. Insofern das größre aus
mehr Capital fixe besteht und entferntere Märkte aufsuchen muß,
ist das allerdings der Fall. Die Größe des Markts und die Ge-
schwindigkeit des Umlaufs stehn nicht notwendig in umgekehrtem
Verhältnis. Dies tritt nur ein, sobald der gegenwärtige physische
Markt nicht der ökonomische Markt; d.h. der ökonomische Markt
sich mehr und mehr vom Ort der Produktion entfernt. Soweit es üb-
rigens nicht aus dem reinen Unterschied von Capital fixe und cir-
culant hervorgeht, können die die Zirkulation verschiedner Kapi-
talien bestimmenden Momente noch gar nicht hier entwickelt wer-
den. Nebenbei bemerkt: Soweit der Handel neue Zirkulationspunkte
setzt, i. e. verschiedne Länder in Verkehr bringt, neue Märkte
entdeckt etc., ist das etwas ganz andres als die bloßen Zirkula-
tionskosten, die gebraucht werden, um eine bestimmte Masse Aus-
tauschoperationen auszuführen; es ist Setzen nicht der Operatio-
nen des Austauschs, sondern des Austauschs selbst. Marktschaffen.
Dieser Punkt wird noch besonders zu betrachten sein, eh wir have
done with circulation 82*).)
Fahren wir nun fort in der Revision der Ansichten über "fixed"
und "circulating capital".
"Je nachdem das K a p i t a l mehr oder minder v e r g ä n g-
l i c h ist, also m e h r o d e r m i n d e r o f t
r e p r o d u z i e r t w e r d e n m u ß i n g e g e b n e r
Z e i t, heißt e s z i r k u l i e r e n d e s o d e r
f i x e s K a p i t a l. Ferner zirkuliert oder retourniert
83*) das Kapital zu seinem Anwender i n s e h r ungleichen
Zeiten; z. B. Weizen, den der Pächter zur Aussaat kauft, ist
r e l a t i v f i x e s Kapital gegen den Weizen, den ein
Bäcker kauft, um Brot zu machen." (Ricardo VIII, 19.) [294]
Dann auch bemerkt er:
"Verschiedene P r o p o r t i o n e n v o n C a p i t a l
f i x e u n d c i r c u l a n t in verschiedenen Gewerben;
verschiedene D a u e r h a f t i g k e i t d e s f i x e n
K a p i t a l s selbst." (Ricardo l.c.)
"Zwei Arten von Handel können ein Kapital von gleichem Wert an-
wenden, aber welches in bezug auf die fixe Partie und auf die
zirkulierende Partie auf eine sehr verschiedne Weise geteilt sein
kann. Sie können selbst einen gleichen Wert von fixem und zirku-
lierendem Kapital anwenden, aber die Dauer des fixen Kapitals
kann sehr ungleich sein. Z. B. der eine Dampfmaschinen von 10 000
l., der andere Schiffe." (Dies aus der Sayschen Übersetzung Ri-
cardos, t. I. p. 29, 30.
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82*) mit der Zirkulation fertig sind - 83*) kehrt zurück
#545# Fixes und zirkulierendes Kapital
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Das Unrichtige ist von vornherein, daß nach Ricardo das Kapital
"mehr oder weniger vergänglich" sein soll. Das Kapital als Kapi-
tal ist nicht vergänglich - der W e r t. Aber der Gebrauchs-
wert, worin der Wert fixiert ist, worin er existiert, ist "mehr
oder minder vergänglich" und muß daher "mehr oder minder oft re-
produziert werden in gegebner Zeit". Der Unterschied zwischen ca-
pital fixe und capital circulant also hier reduziert auf das Mehr
oder Weniger der R e p r o d u k t i o n s n o t w e n d i g-
k e i t f ü r e i n g e g e b n e s K a p i t a l, i n
g e g e b n e r Z e i t. Dies ist der eine Unterschied, den
Ricardo macht. Die verschiednen G r a d e d e r D a u e r-
h a f t i g k e i t oder v e r s c h i e d n e n G r a d e
d e s f i x e n K a p i t a l s, d.h. verschiednen Grade,
relative Dauer des relativ Fixen ist der zweite Unterschied. So
daß das fixe Kapital selbst mehr oder minder fix ist.
D a s s e l b e Kapital erscheint in demselben Geschäft in den 2
verschiednen Formen, b e s o n d r e n E x i s t e n z w e i-
s e n von f i x u n d c i r c u l a n t, existiert daher
doppelt. Fix oder circulant zu sein erscheint als eine
b e s o n d r e Bestimmtheit des Kapitals außer der, Kapital zu
sein. Es muß aber zu dieser Besondrung fortgehn. Was endlich den
dritten Unterschied [angeht], "daß das Kapital zirkuliert oder
retourniert in sehr u n g l e i c h e n Z e i t e n", so
versteht Ricardo hierunter, wie sein Beispiel vom Bäcker und
Pächter zeigt, nichts weiter als den Unterschied der Zeit, worin
das Kapital in verschiednen Geschäftszweigen, ihrer Spezialität
gemäß, f i x i e r t, e n g a g i e r t ist in der P r o-
d u k t i o n s p h a s e im Unterschied von der Zir-
kulationsphase. Hier kommt also c a p i t a l f i x e vor, wie
wir es vorher als Fixiertsein in jeder Phase hatten; nur daß das
spezifisch längere oder kürzere Fixiertsein in der Pro-
duktionsphase, in dieser bestimmten Phase, als Eigentümlichkeit,
Besonderheit des Kapitals setzend betrachtet wird. Das Geld
suchte sich als u n v e r g ä n g l i c h e n W e r t, als
ewigen Wert zu setzen, indem es sich negativ gegen die Zirkula-
tion verhielt, d.h. gegen den Austausch mit realem Reichtum, ver-
gänglichen Waren, die sich, wie Petty [100] sehr hübsch be-
schreibt und sehr naiv, in vergängliche Genüsse auflösen. Im Ka-
pital wird die Unvergänglichkeit des Werts (to a certain degree
84*)) gesetzt, indem es zwar sich inkarniert in den vergänglichen
Waren, ihre Gestalt annimmt, aber sie ebenso beständig wechselt;
abwechselt zwischen seiner ewigen Gestalt im Geld und seiner ver-
gänglichen Gestalt in den Waren; die Unvergänglichkeit wird ge-
setzt als dies einzige, was sie sein kann, Vergänglichkeit, die
vergeht - Prozeß - Leben. Diese Fähigkeit erhält das Kapital aber
nur, indem es als ein Vampyr die lebendige Arbeit beständig als
Seele einsaugt. Die Unvergänglichkeit - Dauer des Werts in seiner
Gestalt als Kapital - ist nur gesetzt durch die Reproduktion, die
selbst doppelt ist, Reproduktion als Ware, Reproduktion als Geld
und
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84*) bis zu einem gewissen Grade
#546# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
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Einheit dieser beiden Reproduktionsprozesse. In der Reproduktion
als Ware ist das Kapital in einer bestimmten Form des Gebrauchs-
werts fixiert und so nicht a l l g e m e i n e r T a u s c h-
w e r t noch weniger realisierter W e r t, wie es sein soll.
Daß es sich als solchen in dem Reproduktionsakt, in der
Produktionsphase gesetzt hat, bewährt es erst durch die Zir-
kulation. Die größre oder mindre Vergänglichkeit der Ware, worin
der ¦¦29¦ Wert existiert, erfordert langsamere oder raschere Re-
produktion desselben; d. h. Wiederholung des Arbeitsprozesses.
Die b e s o n d r e N a t u r d e s G e b r a u c h s-
w e r t s, worin der Wert existiert oder die jetzt als Körper
des Kapitals erscheint, erscheint hier als selbst f o r m-
b e s t i m m e n d und die Aktion das Kapitals bestimmend;
einem Kapital eine besondre Eigenschaft gebend gegen das andre;
es besondernd. Wie wir schon an mehren Fällen sahen, ist daher
nichts falscher als zu übersehn, daß die Unterscheidung zwischen
Gebrauchswert und Tauschwert, die in der einfachen Zirkulation,
soweit sie r e a l i s i e r t wird, außerhalb der ökonomischen
Formbestimmung fällt, überhaupt außerhalb derselben fällt. Wir
fanden vielmehr auf den verschiednen Stufen der Entwicklung der
ökonomischen Verhältnisse den Tauschwert und Gebrauchswert in
verschiednen Verhältnissen bestimmt, und diese Bestimmtheit
selbst als verschiedne Bestimmung des Werts als solchen
erscheinend. Der Gebrauchswert spielt selbst als ökonomische
Kategorie eine Rolle. Wo er dies spielt, geht aus der Entwicklung
selbst hervor. Ricardo z.B., der glaubt, die bürgerliche Ökonomie
handle nur vom Tauschwert und nehme bloß exoterisch Bezug auf den
Gebrauchswert, nimmt grade die wichtigsten Bestimmungen des
Tauschwerts aus dem Gebrauchswert, seinem Verhältnis zu ihm: f.i.
85*) G r u n d r e n t e , M i n i m u m d e s S a l a i r s,
U n t e r s c h i e d v o n C a p i t a l f i x e u n d
c i r c u l a n t, dem grade er bedeutendsten Einfluß auf die Be-
stimmung der Preise (through the different reaction produced upon
them by a rise or fall in the rate of wages) 86*) zuschreibt;
ebenso im Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr etc. Dieselbe Be-
stimmung erscheint einmal in der Bestimmung des Gebrauchswerts
und in der des Tauschwerts, aber auf verschiednen Stufen und mit
verschiedner Bedeutung. Brauchen ist konsumieren, sei es für die
Produktion oder Konsumtion. Tauschen ist dieser Akt, vermittelt
durch einen gesellschaftlichen Prozeß. Das Brauchen selbst kann
gesetzt sein und bloße Konsequenz sein des Tauschens: andrerseits
das Tauschen als Moment bloß des Brauchens erscheinen etc. Vom
Standpunkt des Kapitals (in der Zirkulation) erscheint das Tau-
schen als Setzen seines
-----
85*) z.B. - 86*) (durch die unterschiedliche Reaktion, die auf
sie ausgeübt wird bei Anstieg oder Fall der Lohnrate)
#547# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
Gebrauchswerts, während andrerseits sein Brauchen (im Produkti-
onsakt) als Setzen für den Tausch, als Setzen seines Tauschwerts
erscheint. Es ist ebenso mit der Produktion und Konsumtion. In
der bürgerlichen Ökonomie (wie in jeder) sind sie in spezifischen
Unterschieden und in spezifischen Einheiten gesetzt. Es gilt,
eben diese differentia specifica 87*) zu verstehn. Mit Herrn
Proudhons oder der Sozialsentimentalisten [14] [Behauptung], daß
sie d a s s e l b e sind, ist nichts getan.
Das Gute an Ricardos Erklärung ist, daß zunächst das Moment her-
vorgehoben wird der Notwendigkeit der r a s c h r e n o d e r
l a n g s a m r e n R e p r o d u k t i o n; daß also die grö-
ßre oder geringre Vergänglichkeit - Konsumtion (im Sinn des
Selbstaufzehrens), langsamre oder raschre in bezug auf das
K a p i t a l selbst betrachtet wird. Also Verhältnis des Ge-
brauchswerts für das K a p i t a l selbst. S i s m o n d i
dagegen bringt gleich eine dem Kapital zunächst exoterische, Be-
stimmung herein; d i e d i r e k t e o d e r i n d i r e k-
t e K o n s u m t i o n d u r c h d e n M e n s c h e n: ob
der Gegenstand direktes oder indirektes Lebensmittel für ihn ist;
damit bringt er zusammen die r a s c h r e o d e r l a n g-
s a m r e K o n s u m t i o n d e s G e g e n s t a n d e s
selbst. Die Gegenstände, die direkt als Lebensmittel dienen, sind
vergänglicher, weil für das Vergehn bestimmt, als die, die
helfen, Lebensmittel machen. Bei den letztren ist die Dauer ihre
Bestimmung; ihre Vergänglichkeit fatum. Er sagt:
"Das fixe Kapital, indirekt, k o n s u m i e r t s i c h
l a n g s a m, um das, was der Mensch für seinen Gebrauch be-
stimmt, konsumieren zu helfen; das zirkulierende Kapital hört
nicht auf, direkt für den Gebrauch des Menschen appliziert zu
werden. Sooft eine Sache konsumiert ist, ist sie es für einen
sans retour 88*) zu gleicher Zeit kann einer da sein, für welchen
sie mit Reproduktion konsumiert ist." (Sismondi. VI.) [295]
Er stellt das Verhältnis auch so dar, daß:
"die e r s t e V e r w a n d l u n g d e r jährlichen Konsum-
tion in dauerhaften Anlagen geeignet, d i e P r o d u k-
t i o n s k r ä f t e f ü r d i e k o m m e n d e A r b e i t
z u v e r m e h r e n - f i x e s K a p i t a l; diese erste
Arbeit immer vollbracht durch eine Arbeit, dargestellt durch ein
Salair, ausgetauscht gegen Lebensmittel, die der Arbeiter während
der Arbeit verzehrt. D a s f i x e K a p i t a l v e r-
z e h r t s i c h a l l m ä h l i c h" (i.e. wird allmählich
abgenutzt). Zweite Verwandlung: "Z i r k u l i e r e n d e s
K a p i t a l besteht aus A r b e i t s s a m e n (Rohstoff)
und der K o n s u m t i o n d e s A r b e i t e r s." (l.c.
[, p. 97/98, 94.])
Dies bezieht sich mehr auf die Entstehung. Erstens die V e r-
w a n d l u n g, daß das Capital fixe selbst nur stationär
gewordne Form des Capital circulant, f i x i e r t e s Capital
circulant; zweitens die B e s t i m m u n g: das eine bestimmt
als Produktionsmittel, das andre als Produkt konsumiert zu wer-
den; oder die
-----
87*) dieses Unterscheidungsmerkmal - 88*) für immer
#548# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
-----
verschiedne Art der K o n s u m t i o n desselben, bestimmt
durch seine Rolle unter den Produktionsbedingungen im Produkti-
onsprozeß. Cherbuliez vereinfacht die Sache dahin, daß das capi-
tal circulant der consommable 89*), capital fixe der nicht con-
sommable Teil des Kapitals. [296] (Das eine ist aufeßbar, das an-
dre nicht. A very easy method of taking the thing. 90*)) Storch
in einer schon oben angeführten Stelle (34 91*) im Heft) [297]
vindiziert 92*) für das Capital circulant überhaupt die Bestim-
mung des Kapitals zu zirkulieren. Er widerlegt sich selbst, indem
er sagt:
"jedes fixe Kapital entsteht ursprünglich aus einem zirkulieren-
den Kapital und muß notwendigerweise beständig unterhalten werden
auf Kosten dieses letzteren"
(kommt also aus der Zirkulation her oder ist selbst in seinem er-
sten Moment zirkulierend und erneuert sich beständig d u r c h
die Zirkulation; obgleich es also nicht i n d i e
Z i r k u l a t i o n, geht die Zirkulation i n e s ein). Was
Storch ferner hinzusetzt:
"irgendein fixes Kapital kann nur Kapitalrente geben, v e r-
m i t t e l s eines zirkulierenden Kapitals" (26, b 93*). Heft),
so werden wir später darauf zurückkommen.
{"Die reproduzierenden Konsumtionen sind eigentlich nicht Kosten,
sondern nur V o r s c h ü s s e, da sie denen zurückerstattet
werden, die sie geben." p. 54 in Storchs Schrift gegen Say (p. 5
b. Zweites Heft über Storch) [298].
(Der Kapitalist gibt dem Arbeiter einen Teil seiner eignen Sur-
plusarbeit in der Form des a v a n c e zurück, als etwas, für
dessen avance er nicht nur in einem Äquivalent, sondern mit Sur-
plusarbeit remboursieren 94*) muß.)}
(Die Formel für die z u s a m m e n g e s e t z t e
Z i n s e n b e r e c h n u n g ist:
S = c (1 + i)^n. (S die Gesamthöhe des Kapitals c nach Ablauf von
n Jahren zur 95*) Zinsrate von i.)
Die Formel der A n n u i t y b e r e c h n u n g 96*) ist:
c (1+i)^n
x (die annuity) = --------------------------------------.) 97*)
1 + (1+i) + (1+i)^2 + .... + (1+i)^n-1
Wir haben oben das Kapital in k o n s t a n t e n W e r t und
v a r i a b l e n geteilt; es ist dies immer richtig, wenn es
innerhalb der Produktionsphase, i. e. in seinem unmittelbaren
Verwertungsprozeß betrachtet wird. Wie das Kapital selbst, als
-----
89*) konsumierbar - "90*) Eine sehr bequeme Methode, die Sache
hinzunehmen. - 91*) in der Handschrift: 29 - 92*) zuerkennt -
93*) in der Handschrift: a - 94*) zurückerstatten - 95*) in der
Handschrift: zum - 96*) Berechnung der Jahresrente - 97*) in der
Handschrift:
c (1+i)^n
--------------------------------------
1 + (1+i) + (1+i)^2 + (1+i)^n-1
#549# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
vorausgesetzter Wert seinen Wert ändern kann, je nachdem seine
Reproduktionskosten steigen oder fallen oder auch infolge des
Fallens der Profite etc., gehört offenbar erst in den Abschnitt,
wo das Kapital als reelles Kapital, als Wechselwirkung vieler Ka-
pitalien aufeinander betrachtet wird, nicht hier in seinem allge-
meinen Begriff.
{Die Konkurrenz, weil sie historisch als Auflösung von Zunft-
zwang, Regierungsmaßregelung, innren Zöllen und dergleichen in-
nerhalb eines Landes erscheint, auf dem Weltmarkt als Aufhebung
von Absperrung, Prohibition oder Protektion - kurz, historisch
erscheint als Negation der dem Kapital vorhergehenden Produkti-
onsstufen eigentümlichen Grenzen und Schranken; weil sie histo-
risch ganz richtig von den Physiokraten als laissez faire, lais-
sez passer 98*) bezeichnet und ¦¦30¦ befürwortet wurde; ist nun
auch nach dieser bloß negativen Seite, nach dieser ihrer bloß hi-
storischen Seite betrachtet worden und hat andrerseits zu der
noch größeren Albernheit geführt, sie als den Zusammenstoß der
entfesselten, nur durch ihre eignen Interessen bestimmten Indivi-
duen - als Repulsion und Attraktion der freien Individuen in Be-
ziehung aufeinander zu betrachten und so als die absolute Da-
seinsform der freien Individualität in der Sphäre der Produktion
und des Austauschs. Nichts kann falscher sein. 1. Wenn die freie
Konkurrenz aufgelöst hat die Schranken frührer Produktionsver-
hältnisse und -weisen, so muß d'abord 99*) betrachtet werden, daß
was für sie Schranke, für frühere Produktionsweisen immanente
Grenze war, worin sie sich naturgemäß entwickelten und bewegten.
Schranken werden diese Grenzen erst, nachdem die Produktivkräfte
und Verkehrsverhältnisse sich hinreichend entwickelt, damit das
Kapital als solches beginnen konnte, als das regelnde Prinzip der
Produktion aufzutreten. Die Grenzen, die es niederriß, waren
Schranken für seine Bewegung, Entwicklung, Verwirklichung. Es hob
damit keineswegs alle Grenzen auf, noch alle Schranken; sondern
nur die ihm nicht entsprechenden Grenzen, die für es Schranken
waren. Innerhalb seiner eignen Grenzen - sosehr sie von einem hö-
hern Gesichtspunkt aus als Schranken der Produktion erscheinen
und als solche durch seine eigne historische Entwicklung gesetzt
werden - fühlt es sich frei, schrankenlos, d.h. nur durch sich
selbst, nur durch seine eignen Lebensbedingungen begrenzt. Ganz
wie die zünftige Industrie zu ihrer Blütezeit in der zünftigen
Organisation vollständig die Freiheit fand, deren sie bedurfte,
d. h. die ihr entsprechenden Produktionsverhältnisse. Sie selbst
setzte sie ja aus sich heraus und entwickelte sie als i h r e
immanenten Bedingungen und daher keineswegs als äußerliche und
beengende Schranken. Die historische
-----
98*) gewähren lassen, gehen lassen - 99*) zunächst
#550# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
-----
Seite der Negation des Zunft- etc. -wesens von Seite des Kapitals
durch die freie Konkurrenz, heißt weiter nichts, als daß das hin-
reichend erstarkte Kapital durch die ihm adäquate Verkehrsweise
die historischen Schranken niederriß, die die ihm adäquate Bewe-
gung genierten und hemmten.
Aber die Konkurrenz ist weit entfernt, bloß diese historische Be-
deutung zu haben oder bloß d i e s N e g a t i v e zu sein.
Die f r e i e K o n k u r r e n z ist die Beziehung des Kapi-
tals auf sich selbst als ein andres Kapital, d. h. das reelle
Verhalten des Kapitals als Kapitals. Die innern Gesetze des Kapi-
tals - die nur als Tendenzen in den historischen Vorstufen seiner
Entwicklung erscheinen - werden erst als Gesetze gesetzt; die auf
das Kapital gegründete Produktion setzt sich nur in ihren adäqua-
ten Formen, sofern und soweit sich die freie Konkurrenz entwic-
kelt, denn sie ist die freie Entwicklung der auf das Kapital ge-
gründeten Produktionsweise; die freie Entwicklung seiner Bedin-
gungen und seines als diese Bedingungen 100*) beständig reprodu-
zierenden Prozesses. Nicht die Individuen sind frei gesetzt in
der freien Konkurrenz; sondern das Kapital ist frei gesetzt. So-
lange die auf dem Kapital ruhnde Produktion die notwendige, daher
die angemessenste Form für die Entwicklung der gesellschaftlichen
Produktivkraft, erscheint das Bewegen der Individuen innerhalb
der reinen Bedingungen des Kapitals als ihre Freiheit; die aber
dann auch dogmatisch als solche versichert wird durch beständige
Reflexion auf die von der freien Konkurrenz niedergerißnen
Schranken. Die freie Konkurrenz ist die reelle Entwicklung des
Kapitals. Durch sie wird als äußerliche Notwendigkeit für das
einzelne Kapital gesetzt, was der Natur des Kapitals entspricht,
[der] auf das Kapital gegründeten Produktionsweise, was dem Be-
griff des Kapitals entspricht. Der wechselseitige Zwang, den in
ihr die Kapitalien aufeinander, auf die Arbeit etc. ausüben (die
Konkurrenz der Arbeiter unter sich ist nur eine andre Form der
Konkurrenz der Kapitalien), ist die f r e i e, zugleich
r e a l e Entwicklung des Reichtums als Kapital. So sehr ist
dies der Fall, daß die tiefsten ökonomischen Denker, wie Ricardo
z.B., die absolute Herrschaft der freien Konkurrenz
v o r a u s s e t z e n, um die adäquaten Gesetze des Kapitals -
die zugleich als die es beherrschenden vitalen Tendenzen erschei-
nen - studieren und formulieren zu können.
Die freie Konkurrenz ist aber die adäquate Form des produktiven
Prozesses des Kapitals. Je weiter sie entwickelt ist, um so rei-
ner treten die Formen seiner Bewegung hervor. Was Ricardo z.B.
damit, malgré lui 101*), gestanden hat, ist die h i s t o r i-
s c h e N a t u r des Kapitals und der bornierte Charakter der
freien Konkurrenz, die eben nur die freie Bewegung der Kapi-
talien, d.h. ihre Bewegung
-----
100*) In der Handschrift: diese Bedingenden - 101*) gegen seinen
Willen
#551# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
innerhalb Bedingungen, die keinen aufgelösten Vorstufen angehö-
ren, sondern seine eignen Bedingungen sind. Die Herrschaft des
Kapitals ist die Voraussetzung der freien Konkurrenz, ganz wie
die römische Kaiserdespotie die Voraussetzung des freien römi-
schen "Privatrechts" war. Solange das Kapital schwach ist, sucht
es selbst noch nach den Krücken vergangner oder mit seinem Er-
scheinen vergehnder Produktionsweisen. Sobald es sich stark
fühlt, wirft es die Krücken weg und bewegt sich seinen eignen Ge-
setzen gemäß. Sobald es anfängt, sich selbst als Schranke der
Entwicklung zu fühlen und gewußt zu werden, nimmt es zu Formen
Zuflucht, die, indem sie die Herrschaft des Kapitals zu vollenden
scheinen, durch Züglung der freien Konkurrenz zugleich die Ankün-
diger seiner Auflösung und der Auflösung der auf ihm beruhenden
Produktionsweise sind. Was in der Natur des Kapitals liegt,
w i r d nur reell herausgesetzt als äußere Notwendigkeit durch
die Konkurrenz, die weiter nichts ist, als daß die vielen Kapita-
lien die immanenten Bestimmungen des Kapitals einander aufzwingen
und sich selbst aufzwingen. Keine Kategorie der bürgerlichen Öko-
nomie, [auch] nicht die erste, z. B. die Bestimmung des Werts,
wird daher erst wirklich [anders als] durch die freie Konkurrenz;
d. h. durch den wirklichen Prozeß des Kapitals, der als Wechsel-
wirkung der Kapitalien aufeinander erscheint und aller andren vom
Kapital bestimmten Produktions- und Verkehrsverhältnisse. Daher
andrerseits die Abgeschmacktheit, die freie Konkurrenz als die
letzte Entwicklung der menschlichen Freiheit zu betrachten; und
Negation der freien Konkurrenz = Negation individueller Freiheit
und auf individueller Freiheit gegründeter gesellschaftlicher
Produktion. Es ist eben nur die freie Entwicklung auf einer bor-
nierten Grundlage - der Grundlage der Herrschaft des Kapitals.
Diese Art individueller Freiheit ist daher zugleich die völligste
Aufhebung aller individuellen Freiheit und die völlige Unter-
jochung der Individualität unter gesellschaftliche Bedingungen,
die die Form von sachlichen Mächten, ja von übermächtigen Sachen
- von den sich beziehenden Individuen selbst unabhängigen Sachen
annehmen.
Die Entwicklung dessen, was die freie Konkurrenz ist, ist die
einzig rationelle Antwort auf die Verhimmlung derselben durch die
Middleclasspropheten 102*) oder ihre Verteufelung durch die So-
zialisten. Wenn es heißt, daß innerhalb der freien Konkurrenz die
Individuen, rein ihrem Privatinteresse folgend, das gemeinschaft-
liche oder rather 103*) a l l g e m e i n e Interesse
verwirklichen, so heißt das nichts, als daß sie unter den Bedin-
gungen der kapitalistischen Produktion aufeinander pressen und
daher ihr Gegenstoß selbst nur die Wiedererzeugung der Bedingun-
gen ist, unter denen diese Wechselwirkung
-----
102*) Mittelstandspropheten - 103*) vielmehr
#552# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
-----
stattfindet. Sobald übrigens die Illusion über die Konkurrenz als
die angebliche absolute Form der freien Individualität verschwin-
det, ist dies ein Beweis, daß die Bedingungen der Konkurrenz,
d.h. der auf das Kapital gegründeten Produktion, schon als
S c h r a n k e n gefühlt und gedacht werden und es daher schon
s i n d und mehr und mehr werden. Die Behauptung, daß die freie
Konkurrenz = letzter Form der Entwicklung der Produktivkräfte und
daher der menschlichen Freiheit, heißt nichts, als daß die
Middleclassherrschaft 104*) das Ende der Weltgeschichte ist - al-
lerdings ein angenehmer Gedanke für die Parvenüs von vorgestern.}
¦¦31¦ Ehe wir weitergehn in der Revision der Ansichten über capi-
tal fixe und capital circulant, kehren wir für einen Moment zu
früher Entwickeltem zurück.
Wir nehmen einstweilen an, daß Produktionszeit und Arbeitszeit
zusammenfallen. Den case, wo innerhalb der Produktionsphase
selbst durch den technologischen Prozeß bedingte Unterbrechungen
stattfinden, werden wir später betrachten.
Gesetzt, die Produktionsphase eines Kapitals sei gleich 60 Ar-
beitstagen; davon seien 40 notwendige Arbeitszeit. So nach dem
früher entwickelten Gesetz der Surpluswert, oder der vom Kapital
neugesetzte Wert, d.h. angeeignete fremde Arbeitszeit, = 60 - 40
= 20. Nennen wir diesen Surpluswert (= 20) S; die Produktions-
phase - oder die während der Produktionsphase gebrauchte Arbeits-
zeit p. In einem Zeitraum, den wir Z nennen wollen - von 360 Ta-
gen z.B. kann der Gesamtwert nie größer sein als die Zahl der
Produktionsphasen, die in 360 enthalten ist. Der größte Koeffizi-
ent von S - d.h. das Maximum des Surpluswerts, den das Kapital
schaffen kann unter den gegebnen Voraussetzungen - ist gleich der
Anzahl der Wiederholung der Schöpfung von S in 360 Tagen. Die äu-
ßerste Grenze dieser Wiederholung, der Reproduktion des Kapitals
oder vielmehr jetzt, der Reproduktion seines Produktionsprozesses
"ist bestimmt durch das Verhältnis der Produktionsperiode zu der
Gesamtzeitperiode, worin die erstre sich wiederholen soll. Ist
die gegebne Zeit = 360 Tagen und die Produktionsdauer = 60 Tagen,
so ist oder 360/60 oder Z/p -, d.h. 6, der Koeffizient, der an-
zeigt, wie oft p in Z enthalten ist oder wie oft, seinen eignen
immanenten Grenzen gemäß, der Reproduktionsprozeß des Kapitals in
360 Tagen wiederholt werden kann. Es ist selbstsprechend, daß das
Maximum des Schaffens von S, d.h. des Setzens von Surpluswert,
gegeben ist durch die Anzahl der Prozesse, in denen S in einer
gegebnen Zeitdauer
-----
104*) Mittelstandsherrschaft
#553#
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Seite 31 des Heftes VI
#554#
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#555# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
produziert werden kann. Z/p drückt dieses Verhältnis aus. Der
Quotient von Z/p oder q ist der größte Koeffizient von S in der
Zeit von 360 Tagen, überhaupt in Z. SZ/p oder Sq ist das Maximum
des Werts. Wenn Z/p = q, so ist Z = pq; d.h., die ganze Zeitdauer
von Z wäre Produktionszeit; die Produktionsphase p so oft wieder-
holt, als sie in Z enthalten ist. Die Gesamtwertschöpfung des
Kapitals in einer bestimmten Zeit wäre = der Surplusarbeit, die
es in einer Produktionsphase sich aneignet, multipliziert mit der
Anzahl, worin diese Produktionsphase in der gegebnen Zeit ent-
halten ist. Also im obigen Beispiel = 20 x 360/60 = 20 x 6 = 120
Tagen. q, d.h. Z/p würde die Anzahl der U m s c h l ä g e des
Kapitals ausdrücken; da aber Z = pq, so wäre p = Z/q; d.h. die
Dauer einer Produktionsphase wäre gleich der Gesamtzeit, divi-
diert durch die Anzahl der Umschläge. Eine Produktionsphase des
Kapitals wäre also gleich einem Umschlag desselben. Umschlagszeit
und Produktionszeit wären völlig identisch; die Anzahl der Um-
schläge daher ausschließlich bestimmt durch das Verhältnis einer
Produktionsphase zur Gesamtzeit.
Allein in dieser Voraussetzung ist die Zirkulationszeit = 0 ge-
setzt. Sie hat aber eine bestimmte Größe, die nie 0 werden kann.
Unterstelle nun auf 60 Tage Produktionszeit oder auf 60 Produkti-
onstage kommen 30 Zirkulations- tage; nenne diese Zirkulations-
zeit, die auf p kommt, c. In diesem Falle wäre ein Umschlag des
Kapitals, d. h. die Gesamtzeit, die es braucht, ehe es den Ver-
wertungsprozeß - das Setzen von Mehrwert wiederholen kann - = 30
+ 60 = 90 Tagen (= p + c) (1 U (Umschlag) = p + c). Ein Umschlag
von 90 Tagen kann nur wiederholt werden in 360 Tagen 360/90 mal,
i.e. 4mal. Der Surpluswert von 20 könnte also nur gesetzt werden
4mal; 20 x 4 = 80. In 60 Tagen produziert das Kapital 20 Surplus-
tage; aber es muß 30 Tage zirkulieren; d.h. kann während dieser
30 Tage keine Surplusarbeit setzen, keinen Surpluswert. Es ist
für es dasselbe (das Resultat betrachtet), als wenn es in 90 Ta-
gen bloß einen Surpluswert von 20 Tagen gesetzt hätte. War vorhin
die Anzahl der Umläufe bestimmt durch Z/p, so ist sie jetzt be-
stimmt durch Z/(p + c) oder Z/U; das Maximum des Werts war SZ/p;
der wirklich jetzt gesetzte
#556# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
-----
SZ 360 360
Mehrwert ist -----; (20 ------- = 20 --- = 20 x 4 = 80). Die Zahl
p + c p 60 + 30 90
der Umschläge also = der Gesamtzeit, dividiert durch die Summe
der Produktionszeit und der Zirkulationszeit, und der Gesamtwert
= S, multipliziert mit der Anzahl der Umschläge. Dieser Ausdruck
genügt uns aber noch nicht, um die Verhältnisse von Surpluswert,
Produktionszeit und Zirkulationszeit auszudrücken.
Das Maximum der Wertschöpfung enthalten in der Formel SZ/p; das
durch die Zirkulationszeit eingeschränkte SZ/(p + c) (oder SZ/U);
ziehn wir das 105*) zweite Quantum von dem ersten ab, so
SZ SZ SZ(p + c) - SZ(p) SZp + SZc - SZp SZc
-- - ----- = ----------------- = --------------- = --------.
p p + c p(p+c) p(p + c) p(p + c)
SZc SZ
Wir erhalten dann also die Differenz ------- oder -- x
p(p + c) p
c SZ
-----. ----- oder S', wie wir den Wert in der zweiten Bestimmung
p + c p + c
SZ SZ c
nennen können, S' = -- - -- x -----. Ehe wir diese Formel weiter
p p p + c
auslegen, noch andere hereinzubringen.
Z
Wenn wir den Quotient von ----- q' nennen, so drückt q' die An-
p + c
zahl aus, wie oft U = (p + c) in Z enthalten, die Anzahl der Um-
schläge. Z/(p + c) = q'; also Z = ppq' + cq'. pq' drückt dann die
gesamte Produktionszeit aus und cq' die gesamte Zirkulationszeit.
Nennen wir die Gesamtzirkulationszeit C (also cq' = C).
(Z(360) = 4 x 60 (240) + 4 x 30 (120).) q' = 4 in der Vorausset-
zung. C = cq' = 4c; 4 being 106*) = der Anzahl der Umschläge. Wir
sahen vorhin, daß das Maximum der Wertschöpfung = SZ/p; aber in
diesem Fall war Z = Produktionszeit gesetzt. Die wirkliche Pro-
duktionszeit ist aber jetzt Z - cq' 107*); wie auch aus der Glei-
chung folgt. Z = pq' (Gesamtproduktionszeit) + cq'
(Gesamtzirkulationszeit
-----
105*) In der Handschrift: die - 106*) sind hier - 107*) in der
handschrift: Z - q
#557# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
Z - C
oder C). Also Z - C = pq' 108*). Also S----- das Maximum der
p
Wertschöpfung. Indem nicht 360 Tage, sondern 360 Tage - cq', i.e.
360-120 20 x 240
- 4 x 30 - 120 die Produktionszeit; also 10 (-------); --------
60 60
= 80.
¦¦32¦ Was nun schließlich die Formel angeht:
SZ SZ c 360x20 20x240 30
S' = -- - -- x ----- = ------ - ------ 109*) x -----
p p c + p 60 60 30+60
= 120 - 120 x = 30/90 = 6 x 20 - 6 x 20 x 3/9
= 20 x 6 - 20 x 6 x 1/3 oder
= 120 - 120 x 1/3 = 120 - 40 = 80,
so besagt sie, daß der Wert gleich ist dem Maximum des Werts,
d.h. dem bloß durch das Verhältnis der Produktionszeit zur Ge-
samtzeit bestimmten Wert minus der Zahl, die ausdrückt, wie oft
die Zirkulationszeit enthalten ist in diesem Maximum, und diese
Zahl ist das Maximum selbst, multipliziert mit der Zahl, worin
ein Umschlag in c enthalten, in der Zirkulationszeit, die auf
einen Umschlag kommt, oder dividiert durch die Zahl, die aus-
drückt, wie oft c in c + p oder C in Z enthalten. Wäre c = 0, so
wäre S' = SZ/p und stünde auf seinem Maximum. S' wird kleiner in
demselben Maße, wie c wächst, steht in umgekehrtem Verhältnis zu
ihm, denn in demselben Maß wächst der Faktor c/(c + p) oder C in
Z enthalten. Wäre c = 0, so wäre S' = SZ/p und stünde auf seinem
Maximum. S' wird kleiner in demselben Maße, wie c wächst, steht
in umgekehrtem Verhältnis zu ihm, denn in demselben Maß wächst
der Faktor c/(c + p) und die von SZ/p, dem Maximumwert abzzuzie-
hende Zahl SZ/p x c/(c + p) oder SZ/p x c/U. c/(c + p) = c/U c/U
sagt aus, das Verhältnis der Zirkulationszeit zu einem Umschlag
des Kapitals. Multiplizieren wir den Zähler und Nenner mit
cq' C c 30 1
q', so -------- 110*) = - (----- = ----- = -.)
(c + p)q' Z c + p 30+60 3
c
c/(c + p) oder 1/3 drückt das Verhältnis der Zirkulationszeit zur
Gesamtzeit aus, denn 360/3 = 120. Der Umlauf (c + p) ist in c
enthalten c/(c + p) oder 1/3 (C/Z oder) [mal].
-----
108*) In der Handschrift: Z-C = cq' - 109*) in der Handschrift:
(20 x 360)/6 - 110*) in der Handschrift: cq/((c + p)q)
#558# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
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Wir haben also die 3 Formeln:
SZ SZ S(Z - C)
1. S' = ----- = --; 2. S' = -------;
p + c U p
SZ SZ c Z Z c
3. S' = -- - (-- x -----) = S - - - x -----.
p p c + p P p c + p
SZ S(Z - C)
Also: Sq:S' = -- : --------; oder Sq:S' 111*) = Z:(Z - C). Das
p p
Maximum des Werts zum wirklichen Wert wie ein gegebner Zeitraum
zu diesem Zeitraum minus die Gesamtzirkulationszeit. Oder auch
Sq: S' = (pq' + cq'): (pq' + cq' - cq'), i.e. = (p + c): p 112*).
SZ SZ c Z Z c
ad 3. S = -- - -- x ----- = S(- - - x -----) oder
p p c + p p p c + p
Z
da - = q,
p
c c
S' = S(q - q -----) = S(q - q-). Der Gesamtsurpluswert also = dem
c + p U
Surpluswert gesetzt in einer Produktionsphase, dessen Koeffizient
ist die Anzahl, worin die Produktionszeit enthalten in der Ge-
samtzeit minus die Anzahl, worin die Zirkulationszeit eines Um-
schlags enthalten ist in dieser letztern Zahl.
c lc U - c Sqp SZ
S(q - q-) = Sq(1 - --) = Sq(-----) = --- = -----, welches die
U U U U p + c
erste Formel. So heißt Formel 3... Formel 1: Der Gesamtsurplus-
wert gleich dem Surpluswert einer Produktionsphase, multipliziert
mit der Gesamtzeit, dividiert durch die Umschlagszeit oder multi-
pliziert mit der Anzahl, worin die Summe der Produktionszeit und
Zirkulationszeit in der Gesamtzeit enthalten ist.
Formel 2: Der Gesamtwert gleich dem Surpluswert, multipliziert
mit der Gesamtzeit minus die Gesamtzirkulationszeit, dividiert
durch die Dauer einer Produktionsphase.
(In der Konkurrenz ist das Grundgesetz, das entwickelt wird im
Unterschied zu dem über den Wert und Surpluswert aufgestellten,
daß er bestimmt ist nicht durch die in ihm enthaltne Arbeit oder
die Arbeitszeit, worin er produziert
-----
111*) In der Handschrift: Also S:S' ... - 112*) in der Hand-
schrift: S:S' = pq:pq' - q'c; i.e. = p:p - c
#559# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
ist, sondern die Arbeitszeit, worin er produziert werden kann
oder die zur Reproduktion notwendige Arbeitszeit. Dadurch wird
das einzelne Kapital realiter erst in die Bedingungen des Kapi-
tals überhaupt gestellt, obgleich es den Schein hat, als ob das
ursprüngliche Gesetz umgeworfen. Die n o t w e n d i g e Ar-
beitszeit als durch die Bewegung des Kapitals selbst bestimmt,
ist aber so erst gesetzt. Dies ist das Grundgesetz der Konkur-
renz. Nachfrage, Zufuhr, Preis (Produktionskosten) sind weitre
Formbestimmungen; der Preis als Marktpreis; oder der allgemeine
Preis. Dann das Setzen einer allgemeinen Profitrate. Infolge des
Marktpreises verteilen sich dann die Kapitalien an verschiedne
Zweige. Herabsetzen der Produktionskosten etc. Kurz, hier er-
scheinen alle Bestimmungen u m g e k e h r t wie in dem Kapital
im allgemeinen. Dort Preis, bestimmt durch die Arbeit, hier Ar-
beit, bestimmt durch den Preis etc. etc. Wirkung der einzelnen
Kapitalien aufeinander bewirkt eben, daß sie als K a p i t a l
sich verhalten müssen; das scheinbar unabhängige Wirken der ein-
zelnen und ihr regelloses Zusammenstoßen ist grade das Setzen
ihres allgemeinen Gesetzes. Markt erhält hier noch andre Bedeu-
tung. Das Wirken der Kapitalien als einzelner aufeinander wird so
grade ihr Setzen als allgemeiner und Aufheben der scheinbaren Un-
abhängigkeit und selbständigen Bestehns der einzelnen. Noch mehr
findet diese Aufhebung statt im Kredit. Und die äußerste Form,
wozu die Aufhebung geht, die aber zugleich das u l t i m a t e
113*) S e t z e n des Kapitals in seiner ihm adäquaten Form das
Aktienkapital.) (Nachfrage, Zufuhr, Preis, Produktionskosten, Ge-
gensatz von Profit und Zins, verschiedne Relations von Tauschwert
und Gebrauchswert, Konsumtion und Produktion.)
Wir haben also gesehn, daß der Surpluswert, den das Kapital in
einem bestimmten Zeitraum setzen kann, bestimmt ist dadurch, wie
oft der Verwertungsprozeß wiederholt oder das Kapital reprodu-
ziert werden kann in einem bestimmten Zeitraum; daß die Anzahl
dieser Reproduktionen aber bestimmt ist durch das Verhältnis der
Dauer der Produktionsphase nicht zum Gesamtzeitraum, sondern zu
dieser Gesamtzeit minus der Zirkulationszeit. Die Zirkulations-
zeit erscheint also als Zeit, worin die ¦¦33¦ Fähigkeit des Kapi-
tals, sich und darum den Mehrwert zu reproduzieren, aufgehoben
ist. Seine Produktivität - d.h. sein Schaffen von Mehrwerten -
steht also in umgekehrtem Verhältnis zu der Zirkulationszeit und
würde das Maximum erreichen, wenn letztre auf 0 fiele. Die Zirku-
lation, da sie der Verlauf des Kapitals durch die verschiednen,
begrifflich bestimmten Momente seiner notwendigen Metamorphose -
seines Lebensprozesses, ist unerläßliche Bedingung für das
-----
113*) endgültige
#560# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
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Kapital, durch seine eigne Natur gesetzte Bedingung. Soweit die-
ser Verlauf Zeit kostet, ist diese Zeit 114*), worin das Kapital
seinen Wert nicht v e r m e h r e n kann, weil er N i c h t-
produktionszeit ist, Zeit, worin es die lebendige Arbeit
n i c h t aneignet. Diese Zirkulationszeit kann also nie den vom
Kapital geschaffnen Wert vermehren, sondern nur n i c h t
w e r t s e t z e n d e Zeit setzen, also als Schranke
erscheinen der Wertvermehrung, im selben Verhältnisse, worin sie
zur Arbeitszeit steht. Diese Zirkulationszeit kann nicht
gerechnet werden zu der wertschaffenden Zeit, denn diese ist nur
Arbeitszeit, die sich im Wert vergegenständlicht. Sie gehört
nicht zu den Produktionskosten des Werts, und ebensowenig zu den
Produktionskosten des Kapitals; aber sie ist erschwerende Be-
dingung seiner Selbstreproduktion.
Die Hemmnisse, die das Kapital findet, sich zu verwerten - d.h.
lebendige Arbeit anzueignen ", bilden natürlich kein Moment sei-
ner Verwertung, seines Wertsetzens. Daher ist es lächerlich,
P r o d u k t i o n s k o s t e n hier in dem primitiven Sinn zu
nehmen. Oder wir müssen Produktionskosten trennen als besondre
Form von der in dem Wert sich vergegenständlichenden Arbeitszeit
(wie wir Profit vom Mehrwert trennen müssen). Aber selbst dann
gehört die Zirkulationszeit nicht zu den Produktionskosten des
Kapitals, im selben Sinn wie Salair etc.; sondern sie 115*) ist
ein item 116*), was bei der Abrechnung der einzelnen Kapitalien
gegeneinander in Anschlag kommt, weil sie den Surpluswert sich zu
gewissen allgemeinen Proportionen verteilen. Die Zirkulationszeit
ist nicht Zeit, worin das Kapital Wert schafft, sondern den im
Produktionsprozeß geschaffnen Wert realisiert. Sie 117*) vermehrt
nicht seine Quantität; sondern setzt ihn in entsprechende andre
Formbestimmung, aus der Bestimmung des Produkts in die der Ware,
aus der der Ware in die des Geldes etc. Dadurch, daß der Preis,
der früher ideell an der Ware existierte, nun reell gesetzt wird;
dadurch, daß sie sich nun wirklich gegen ihren Preis - Geld -
austauscht, wird dieser Preis natürlich nicht größer.
Die Zirkulationszeit erscheint also nicht als ihn bestimmende
Zeit, und die Anzahl der Umschläge, soweit sie durch die Zirkula-
tionszeit bestimmt ist, erscheint nicht so, daß das Kapital ein
neues wertbestimmendes und ihm im Unterschied von der Arbeit ge-
höriges, sui generis 118*) Element hinzubringt, sondern als limi-
tierendes, negatives Prinzip. Die notwendige Tendenz des Kapitals
daher Z i r k u l a t i o n o h n e Z i r k u l a t i o n s-
z e i t, und diese Tendenz ist die Grundbestimmung des Kredits
und der Credit contrivances 119*) des Kapitals. Andrerseits ist
der Kredit dann auch Form, worin das Kapital sich im Unterschied
-----
114*) In der Handschrift: in dieser Zeit - 115*) in der Hand-
schrift: es - 116*) Posten - 117*) in der Handschrift: Es -
118*) von eigener Art - 119*) Krediteinrichtungen
#561# Fixes und zirkulierendes Kapital
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von den einzelnen Kapitalien oder das einzelne Kapital als Kapi-
tal [sich] im Unterschied von seiner quantitativen Schranke zu
setzen sucht. Die höchsten Resultate, wozu es aber in dieser line
120*) bringt, ist einerseits fictitious Capital 121*); andrer-
seits erscheint der Kredit nur als neues Element der K o n-
z e n t r a t i o n, der Vernichtung der Kapitalien in einzelnen
zentralisierenden Kapitalien. Die Zirkulationszeit nach einer
Seite vergegenständlicht im G e l d. Versuch des Kredits, das
Geld bloß als Formmoment zu setzen; so daß es die Formverwandlung
vermittelt, ohne selbst K a p i t a l zu sein, i.e. Wert. Dies
ist eine Form der Z i r k u l a t i o n o h n e Z i r k u-
l a t i o n s z e i t. Das Geld ist selbst ein Produkt der
Zirkulation. Es wird sich zeigen, wie das Kapital im Kredit neue
Produkte der Zirkulation schafft.
Wenn das Streben aber des Kapitals einerseits ist Z i r k u-
l a t i o n o h n e Z i r k u l a t i o n s z e i t, so
andrerseits Versuch, der Z i r k u l a t i o n s z e i t als
solcher den Wert der P r o d u k t i o n s z e i t in den ver-
schiednen Organen, worin sich der Prozeß der Zirkulationszeit und
Zirkulation vermittelt, W e r t zu geben; sie alle als Geld zu
setzen und in weitrer Bestimmung als Kapital. Dies eine andre
Seite' des Kredits. Alles das entspringt aus derselben Quelle.
Alle Erfordernisse der Zirkulation, Geld, Verwandlung von Ware in
Geld, Verwandlung von Geld in Ware etc. - obgleich sie ver-
schiedne, scheinbar ganz heterogene Formen annehmen, lassen sich
alle rückführen auf Z i r k u l a t i o n s z e i t. Die Ma-
schinerie, diese abzukürzen, gehört 122*) selbst zu ihr. Die
Z i r k u l a t i o n s z e i t ist die Zeit des Kapitals, die
als die Zeit seiner spezifischen Bewegung als Kapital betrachtet
werden kann im Unterschied von der Produktionszeit, worin es sich
reproduziert; dauert, nicht als fertiges Kapital, das nur for-
melle Umwandlungen zu durchlaufen hat, sondern als prozessieren-
des, schöpferisches, seine Lebensseele aus der Arbeit saugendes
Kapital.
Der Gegensatz von Arbeitszeit und Zirkulationszeit enthält die
ganze Lehre vom Kredit, soweit hier namentlich die Currencyge-
schichte etc. hereinkömmt. Nun zeigen sich natürlich später, wo
nicht nur die Zirkulationszeit als Abzug von der möglichen Pro-
duktionszeit ist, außerdem wirkliche Kosten der Zirkulation,
d.h., daß wirklich schon gesetzte Werte in ihr verausgabt werden
müssen. Diese alle aber sind in fact nur Kosten, die das Kapital
sich macht - Abzüge von dem schon geschaffnen Surpluswert -, um
die z.B. in einem Jahr mögliche Summe von Surpluswerten, d.h. dem
aliquoten Teil der auf eine bestimmte Zeit kommenden Produktion-
zeit, zu vermehren - i.e. um die Zirkulationszeit abzukürzen. Al-
lerdings erscheint ferner in der Praxis die Produktionszeit nicht
wirklich unterbrochen durch die Zirkulationszeit (außer
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120*) Linie - 121*) Scheinkapital - 122*) in der Handschrift: ge-
hören
#562# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
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in Krisen und depression of trade 123). Dies aber nur, weil jedes
Kapital sich in Portionen teilt, ein Teil in der Produktions-
phase, der andre in der Zirkulationsphase. Es ist also z.B. (je
nach dem Verhältnis der Zirkulationszeit zur Produktionszeit)
nicht das ganze Kapital tätig, sondern 1/3, 1/x desselben, ein
andres in der Zirkulation begriffen. Oder die Sache kann noch so
sich gestalten, daß ein bestimmtes Kapital (durch Kredit z.B.)
sich verdoppelt. Für dies Kapital dann dasselbe - [für] das ori-
ginelle Kapital -, als ob gar keine Zirkulationszeit existierte.
Dann aber das von ihm geliehne Kapital in diesem plight 124*).
Und wenn von ownership 125*) abgesehn wird, wieder ganz dasselbe,
als ob ein Kapital in 2 geteilt. Statt daß sich a in 2 geteilt
und b in 2, zieht a b an sich und teilt sich in a und b. Illusio-
nen über diesen Prozeß häufig bei den Kreditgläubigen (die selten
Gläubiger, sondern rather 126*) Schuldner sind).
Wir haben oben schon darauf hingedeutet, wie die doppelte und
widersprechende Bedingung des Kapitals, die Kontinuität der Pro-
duktion und die Notwendigkeit der Zirkulationszeit oder auch die
Kontinuität der Zirkulation (nicht Zirkulationszeit) und die Not-
wendigkeit der Produktionszeit nur dadurch vermittelt werden
kann, daß das Kapital sich in Portionen teilt, wovon die eine als
f e r t i g e s P r o d u k t z i r k u l i e r t, die andre
in dem P r o d u k t i o n s p r o z e ß s i c h r e-
p r o d u z i e r t, und diese Portionen abwechseln; wenn die
eine retourniert in Phase P (Produktionsprozeß), verläßt die
andre denselben. Dieser Prozeß findet tagtäglich statt wie auch
in größren Zwischenräumen (Zeitdimensionen). Das ganze Kapital
ist reproduziert und der Gesamtwert, sobald beide Portionen durch
den Produktionsprozeß und Zirkulationsprozeß durchgegangen sind
oder auch sobald die zweite Portion von neuem in die Zirkulation
tritt. Damit ist der Ausgangspunkt Endpunkt. Der Umschlag hängt
daher ab von der Größe des Kapitals oder rather hier noch von der
G e s a m t s u m m e dieser beiden Portionen. Erst sobald sie
reproduziert ist, ist der ganze U m s c h l a g vollendet;
sonst nur 1/2, 1/3, 1/x, je nach dem Verhältnis des beständig
zirkulierenden Teils.
¦¦34¦ Es ist ferner hervorgehoben worden, wie jeder Teil dem and-
ren gegenüber als fix oder als zirkulierend betrachtet werden
kann und wie sie abwechselnd wirklich zueinander in dieser Bezie-
hung stehn. Die Gleichzeitigkeit des Prozesses des Kapitals in
verschiednen Phasen des Prozesses ist nur möglich durch Teilung
desselben und Abstoßen in Portionen, wovon jede Kapital ist, aber
Kapital in einer verschiednen Bestimmung. Dieser Form- und Stoff-
wechsel wie im organischen Leib. Sagt man z.B., der Körper repro-
duziert sich in 24 Stunden, so tut er das nicht auf einmal, son-
dern das Abstoßen in
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123*) Handelsdepressionen - 124*) schlimmen Zustand - 125*) Ei-
gentum - 126*) eher
#563# Fixes und zirkulierendes Kapital
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der einen Form und Erneuern [in] der andren ist verteilt, geht
gleichzeitig vor sich. Übrigens im Körper der Knochenbau das Ca-
pital fixe erneuert sich nicht in derselben Zeit, wie Fleisch,
Blut. Es finden verschiedne Grade in der Geschwindigkeit der Kon-
sumtion (der Selbstkonsumtion) und daher der Reproduktion statt.
(Hier also schon Ü b e r g a n g z u vielen Kapitalien.) Das
wichtige ist hier vor allem zunächst nur, das Kapital als solches
im Auge zu haben; da die Bestimmungen, die hier entwickelt wer-
den, Bestimmungen sind, die den Wert überhaupt zum Kapital ma-
chen; die differentia specifica 127*) des Kapitals als solchen
konstituieren.
Eh wir weitergehn, machen wir noch einmal auf merksam auf den
wichtigen Punkt, daß die Zirkulationszeit - d.h. die Zeit, die
das Kapital getrennt von dem Prozeß [verbringt], worin es die Ar-
beit in sich absorbiert - d. h. die Arbeitszeit des Kapitals als
Kapitals - nur Umsetzen des v o r a u s g e s e t z t e n Werts
aus einer Formbestimmung in die andre, aber nicht w e r t-
s c h a f f e n d e s, - vermehrendes Element ist. Durch Ver-
wandlung eines Werts von 4 Arbeitstagen, der in der Form von
Twist existierte, in die Form von 4 Arbeitstagen, die als Geld
existieren, oder eines als Repräsentant von 4 Arbeitstagen über-
haupt, 4 allgemeinen Arbeitstagen anerkannten Symbols, wird der
v o r a u s g e s e t z t e und g e m e ß n e Wert aus einer
Form in die andre übersetzt, aber er wird nicht vermehrt. Der
Austausch von Äquivalenten läßt sie qua Quanta 128*) von Wert
n a c h dem Austausch, was sie vordem Austausch waren. Wenn man
sich ein Kapital denkt oder die verschiednen Kapitalien eines
Landes als ein Kapital (Nationalkapital) betrachtet im Unter-
schied zu dem von 129*) andren Ländern, so ist es klar, daß die
Zeit, worin dies Kapital nicht als produktives Kapital wirkt, i.
e. keinen Mehrwert setzt, abgeht von der zur Disposition des Ka-
pitals stehenden Verwertungszeit. Sie erscheint - in dieser ab-
strakten Fassung, noch ganz ohne Rücksicht auf Kosten der Zirku-
lation selbst - als Negation nicht der wirklich gesetzten Verwer-
tungszeit, sondern der m ö g l i c h e n Verwertungszeit, d.h.
möglich, wenn die Zirkulationszeit = 0. Es ist nun klar, daß das
nationale Kapital die Zeit, worin es sich nicht vervielfältigt,
nicht als Zeit betrachten kann, worin es sich vervielfältigt, so-
wenig wie ein isolierter Bauer z. B. die Zeit, wo er nicht ern-
ten, nicht säen kann, überhaupt seine Arbeit unterbrochen wird,
als ihn bereichernde Zeit betrachten kann. Daß das Kapital, nach-
dem es, und notwendig so, sich unabhängig von der Arbeit, von der
Absorption der Arbeit durch es, als produktiv, als Früchte brin-
gend betrachtet, sich unterstellt, zu allen Zeiten fruchtbar zu
sein, und seine Zirkulationszeit als werte schaffende Zeit be-
rechnet - als Produktionskost -,
-----
127*) das Unterscheidungsmerkmal - 128*) als Summe - 129*) in der
Handschrift: von dem zu
#564# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital ? Heft VI
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ist quite another thing 130*). Daher sieht man das Falsche, wenn
Ramsay z. B. sagt:
"daß die Anwendung fixen Kapitals das Prinzip, daß der Wert von
der Arbeitsmenge abhängt, erheblich modifiziert. Denn manche Wa-
ren, auf die die gleiche Arbeitsmenge verausgabt wurde, erhei-
schen sehr verschiedene Zeiträume, ehe sie für den Konsum fertig
werden. Aber da während dieser Zeit das Kapital keine Einnahmen
bringt, muß, d a m i t d i e b e t r e f f e n d e A n w e n-
d u n g n i c h t w e n i g e r g e w i n n b r i n g e n d
s e i a l s a n d e r e, i n d e n e n d a s P r o d u k t
f r ü h e r z u m G e b r a u c h f e r t i g i s t, die
Ware, wenn sie schließlich auf den Markt kommt, an Wert u m
s o v i e l gesteigert werden, a l s d e r v o r e n t h a l-
t e n e P r o f i t ausmacht".
(Da ist schon unterstellt, daß das Kapital als solches stets
gleichmäßig Profit bringt, wie ein gesunder Baum Früchte.)
"Dies zeigt, wie das Kapital den Wert unabhängig von der Arbeit
zu bestimmen vermag." Z.B. Wein im Keller. (Ramsay [, p. 43]. IX,
84.) [267]
Hier, als ob Zirkulationszeit neben der Arbeitszeit - oder auf
gleicher Stufe mit ihr W e r t produzierte. Das Kapital enthält
allerdings beide Momente in sich. 1. Die A r b e i t s z e i t
als wertschaffendes Moment. 2. Die Z i r k u l a t i o n s-
z e i t als die Arbeitszeit beschränkendes und so die Gesamt-
wertschöpfung durch das Kapital beschränkendes Moment; als
notwendig, weil der Wert, oder das Kapital, wie es unmittelbares
Resultat des Produktionsprozesses, zwar W e r t, aber nicht in
seiner adäquaten Form gesetzter. Die Zeit, die diese Formver-
wandlungen erheischt - die zwischen Produktion und Reproduktion
also verläuft -, ist das Kapital entwertende Zeit. Wenn
einerseits die K o n t i n u i t ä t, so liegt ebenso die
U n t e r b r e c h u n g der Kontinuität in der Bestimmung des
Kapitals als zirkulierend, prozessierend.
Die Ökonomen, indem sie richtig die Zirkulation, die Revolution,
die das Kapital durchmachen muß, um sich zur Neuproduktion zu
entzünden, als une série d'échanges 131*) bestimmen, geben von
selbst zu, daß diese Zirkulationszeit nicht die Quantität des
Werts vermehrende - also nicht Neuwert setzende Zeit sein kann -,
da eine série d'échanges, wieviel échanges sie einschließen mag
und wieviel Zeit die Vollendung dieser Operationen kosten mag,
nur der Austausch von Äquivalenten ist. Das Setzen der Werte -
der Extreme der Vermittlung - als gleicher, kann sie natürlich
nicht ungleich setzen. Quantitativ betrachtet, können sie sich
weder vermehrt noch vermindert haben durch den Austausch.
Der Surpluswert einer Produktionsphase ist bestimmt durch die
während derselben vom Kapital in Bewegung gesetzte Surplusarbeit
(angeeignete Surplusarbeit); die Summe der Surpluswerte, die das
Kapital in einem bestimmten
-----
130*) etwas ganz anderes - 131*) eine Serie von Austauschen
#565# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
Zeitraum schaffen kann, ist bestimmt durch die Wiederholung der
Produktionsphase in diesem Zeitraum oder durch den
U m s c h l a g des Kapitals. Der Umschlag aber ist gleich der
Zeitdauer der Produktionsphase plus der Zeitdauer der Zirkulation
gleich der Summe der Zirkulationszeit und der Produktionszeit.
Der Umschlag nähert sich um so mehr der Produktionszeit selbst,
je kleiner die Zirkulationszeit, d. h. die Zeit, die verfließt
zwischen dem Capital sortant de la production et rentrant dans
elle 132*).
Der Surpluswert ist in fact bestimmt durch die während einer Pro-
duktiortsphase vergegenständlichte Arbeitszeit. Je öfter die Re-
produktion des Kapitals, desto öfter findet die Produktion des
Surpluswerts statt. Die Anzahl der Reproduktionen = der Anzahl
der U m s c h l ä g e. Also der Gesamtsurpluswert = S x nU
(wenn n die Anzahl der Umschläge). S' = S x nU; also S = S'
133*)/nU.
Wenn die Produktionszeit, die ein Kapital von 100/. in einem ge-
wissen Industriezweig braucht, gleich 3 Monaten, so könnte es im
Jahr 4mal umschlagen, und wenn der jedesmal geschaffne S-Wert= 5,
so wäre der Gesamtsurpluswert = 5 (dem in einer Produktionsphase
geschaffnen S) x 4 (die Anzahl der Umschläge, bestimmt durch das
Verhältnis der Produktionszeit zum Jahr) = 20. Da aber die Zirku-
lationszeit z.B. = 1/4 der Produktionszeit, so wäre 1 Umschlag =
3+1 Monate, gleich 4 Monate, und das Kapital von 100 könnte nur
3mal 134*) im Jahr umschlagen[; S'] = 15. Obgleich daher das Ka-
pital in 3 Monaten einen S-Wert von 5 l. setzt, so ist [es] für
es dasselbe, als wenn es in 4 Monaten nur einen Wert von 5
setzte, weil es im Jahr nur einen von 5x3 setzen kann. Es ist
dasselbe für es, als ob es je 4 Monate einen S von 5 produzierte;
also in 3 Monaten produzierte nur 15/4 oder 3 3/4, in dem einen
Zirkulationsmonat aber 1 1/4. Soweit der Umschlag unterschieden
ist von der durch die Bedingungen der Produktion selbst gesetzten
Dauer, ist er = der Zirkulationszeit. Diese aber ist nicht be-
stimmt durch die Arbeitszeit. So erscheint die Summe der Surplus-
werte, die das Kapital in einem gegebnen Zeitraum setzt, nicht
einfach bestimmt durch die Arbeitszeit, sondern durch Arbeitszeit
und Zirkulationszeit ¦¦35¦ in den oben angegebnen Verhältnissen.
Die Bestimmung, die das Kapital hier aber in die Wertsetzung
hereinbringt, ist, wie oben gezeigt, n e g a t i v, l i m i-
t i e r e n d.
Wenn z.B. ein Kapital von 100 /. braucht 3 Monate für die Produk-
tion, sage 90 Tage, so könnte, wäre die Zirkulationszeit = 0, das
Kapital 4mal im Jahr
-----
132*) Verlassen der Produktion durch das Kapital und seiner Rück-
kehr in dieselbe - 133*) in der Handschrift: S = S/n U - 134*) in
der Handschrift: 3x mal
#566# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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umschlagen; und das Kapital wäre fortwährend g a n z als Kapi-
tal wirksam, d.h. als Surplusarbeit setzend, als sich vervielfäl-
tigender Wert. Repräsentierten von den 90 Tagen 80 die notwendige
Arbeit, so 10 Surplusarbeit. Gesetzt nun, die Zirkulationszeit
betrage 33 1/3 % von der Produktionszeit oder 1/3 derselben. Also
auf 3 Monate 1. Die Zirkulationszeit dann = 90/3; der dritte Teil
der Produktionszeit = 30 Tagen, c= 1/3 p. (c = p/3). Well. 135*)
Die Frage ist, der wievielte Teil des Kapitals kann jetzt fort-
während in der Produktion beschäftigt sein? Während des ganzen
Jahres? Wenn das Kapital von 100 - 90 Tage gearbeitet hätte, und
als Produkt von 105 nun zirkulierte während eines Monats, so
könnte es während dieses Monats gar keine Arbeit beschäftigen.
(Die 90 Arbeitstage können natürlich gleich sein 3, 4, 5, x mal
90, je nach der Zahl beschäftigter Arbeiter während der 90 Tage.
Sie wären nur = 90 Tagen, wenn nur 1 Arbeiter beschäftigt. Dies
geht uns hier einstweilen nichts an.) (Bei allen diesen Berech-
nungen vorausgesetzt, daß der Surpluswert nicht wieder kapitali-
siert wird, sondern das Kapital fortfährt, mit derselben Zahl von
Arbeitern zu arbeiten; aber zur selben Zeit wie das Surplus 136*)
realisiert, wird auch das ganze Kapital erst wieder als Geld re-
alisiert.) D.h., während eines Monats könnte das Kapital gar
nicht beschäftigt werden. (Das Kapital von 100 beschäftigt z. B.
fortwährend 5 Arbeiter; darin ihre Surplusarbeit enthalten, und
das Produkt, das zirkuliert wird, ist nie das ursprüngliche Kapi-
tal, sondern das, welches die Surplusarbeit absorbiert hat und
daher einen Surpluswert hat. Unter dem Zirkulieren eines Kapitals
von 100 also eigentlich zu verstehn z. B. Zirkulieren des Kapi-
tals von 105; d. h. des Kapitals mit dem Profit, der in 1 Produk-
tionsakt gesetzt. Doch dieser erreur 137*) hier gleichgültig; na-
mentlich bei der obigen Frage.)
Gesetzt, für 100 l. Twist am Ende von 3 Monaten produziert. Es
dauert nun 1 Monat, bis ich das Geld einbekomme und die Produk-
tion von neuem beginnen kann. Um nun dieselbe Zahl Arbeiter in
Bewegung zu setzen während 1 Monat, wo das Kapital zirkuliert,
müßte ich haben Surpluskapital von 33 1/3 l.; denn wenn 100 l.
bestimmtes Quantum Arbeit während 3 Monaten in Bewegung setzten,
würde 1/3 100 l. sie während eines Monats in Bewegung setzen. Am
Ende des vierten Monats würde das Kapital von 100 returnen 138*)
in die Produktionsphase und das von 33 1/3 eingehn in die Zirku-
lationsphase. Das letztre würde brauchen zu seiner Zirkulation im
selben Verhältnis 1/3 Monat; würde also rückkehren in die Produk-
tion nach 10 Tagen. Das erste Kapital könnte erst wieder in die
Zirkulation treten am Ende des 7. Monats. Das zweite, das am An-
fang des 5. Monats in Zirkulation getreten, wäre retourniert sage
am 10.
-----
135*) Gut - 136*) der Überschuß - 137*) Irrtum - 138*) zurückkeh-
ren
#567# Fixes und zirkulierendes Kapital
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des 5. Monats, träte wieder in Zirkulation am 10. des 6. Monats
und retournierte am 20. des 6. Monats, um wieder in Zirkulation
zu treten am 20. des 7. Monats; am Ende des 7. Monats wäre es re-
tourniert, wenn das erste Kapital wieder seinen Lauf begänne im
selben Momente, wo das zweite retournierte. Anfang des 8. Monats
und retournieren am etc. Anfang des 9. etc. Mit einem Wort: Wäre
das Kapital um 1/3 größer - grade soviel wie die Zirkulationszeit
beträgt, so könnte es fortwährend dieselbe Zahl Arbeiter beschäf-
tigen. Es kann aber ebenso fortwährend in der Produktionsphase
sein, wenn es beständig 1/3 weniger Arbeit beschäftigt. Begänne
er nur mit Kapital von 75, so am Ende des 3. Monats die Produk-
tion fertig; zirkulierte nun einen Monat; während dieses Monats
könnte er aber die Produktion fortsetzen, da er Kapital von 25 in
der Hand behalten, und wenn er 75 braucht, um eine bestimmte
Masse Arbeit während 3 Monaten in Bewegung zu setzen, braucht er
25, um eine entsprechende Masse während 1 Monat in Bewegung zu
setzen. Er würde fortwährend dieselbe Zahl Arbeiter in Bewegung
haben. Jede seiner Waren braucht 1/12 Jahr, bevor sie verkauft
wird.
Wenn er stets auf seine Waren 1/3 der Produktionszeit braucht, um
sie zu verkaufen, so etc. Diese Sache muß durch eine sehr einfa-
che Gleichung aufzulösen sein, auf die wir später zurückkommen
werden. Sie gehört hier eigentlich nicht her. Aber die Frage
wichtig wegen der Kreditfragen später. Soviel indes klar. Nenne
pt die Produktionszeit, ct die Zirkulationszeit. Das Kapital C. C
kann nicht zugleich in seiner Produktionsphase und seiner
Zirkulationsphase sein. Soll es fortfahren zu produzieren, wäh-
rend es zirkuliert, so muß es in 2 Teile zerfallen, wovon der
eine in der Produktionsphase, während der andre in der Zirkulati-
onsphase, und die Kontinuität des Prozesses wird dadurch auf-
rechterhalten, daß, wenn der Teil a in jener Bestimmtheit, der
Teil b in dieser gesetzt ist. Die immer in der Produktion befind-
liche Portion sei x; so ist x = C - b (b sei der in der Zirkula-
tion befindliche Teil des Kapitals). C = b + x. Wäre et, die Zir-
kulationszeit, = 0, so wäre b ebenfalls = 0 und x = C. b (der in
Zirkulation befindliche Teil des Kapitals): C (dem Gesamtkapital)
= et (die Zirkulationszeit): pt (der Produktionszeit). b:C =
ct:pt; d.h., in dem Verhältnis der Zirkulationszeit zur Produkti-
onszeit verhält sich der in Zirkulation befindliche Teil des Ka-
pitals zum Gesamtkapital.
Wenn ein Kapital von 100 zu 5% Gewinn umschlägt alle 4 Monate, so
daß 1 Monat Zirkulationszeit kommt auf 3 Monate Produktionszeit,
so wird der Gesamtsurpluswert, wie wir gesehn haben, sein
5 . 12
------ M (Monat) = 5 x 3 = 15; statt 20, wenn das c = 0; denn
dann
4
5 x 12
S' = ------ = 20. Nun aber 15 ist der
3
#568# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
-----
Gewinn eines Kapitals von 75 zu 5%, bei dem die Zirkulationszeit
= 0 wäre; das 4mal umschlüge im Jahr; beständig beschäftigt wäre.
Am Ende des ersten Vierteljahrs 33/4; am Ende des Jahres 15. (Es
würde aber nur ein Gesamtkapital von 300 umschlagen, während von
400, wenn im obigen Fall et = 0.) Also kann ein Kapital von 100,
bei dem die Zirkulationszeit 1 Monat auf 3 M Produktionszeit be-
trägt, beständig produktiv employen 139*) ein Kapital von 75; ein
Kapital von 25 ist beständig zirkulierend und unproduktiv. 75:25
= 3 M : 1 M oder, wenn wir den in der Produktion beschäftigten
Teil des Kapitals p nennen, den in der Zirkulation c und die ent-
sprechenden Zeiten c' und p', so p : c = p' : c'. (p : c = 1 :
1/3.) Der in der Produktion befindliche Teil des C verhält sich
beständig zu dem in der Zirkulation befindlichen = 1 : 1/3; dies
1/3 beständig durch wechselnde Bestandteile repräsentiert. Aber p
: C = 75 : 100 = 3/4; c = 1/4; p : C = 1 : 4/3 und c: C= 1:4. Der
Gesamtumlauf =4 M, p:U = 3M:4M = 1 : 4/3.
¦¦36¦ Bei der Zirkulation des Kapitals findet gleichzeitig statt
Form Wechsel und Stoffwechsel. Wir müssen beginnen hier nicht von
G[eld], sondern vom Produktionsprozeß als der Voraussetzung. In
der Produktion, nach der stofflichen Seite hin betrachtet, wird
das Instrument aufgenutzt und das Rohmaterial verarbeitet; das
Resultat ist das Produkt - ein neugeschaffner Gebrauchswert, ver-
schieden von seinen elementarischen Voraussetzungen. Im Produkti-
onsprozeß, nach der stofflichen Seite betrachtet, erst Produkt
geschaffen. Dies ist die erste und wesentliche stoffliche Verän-
derung. Auf dem Markt, im Austausch gegen Geld, wird das Produkt
aus dem Kreislauf des Kapitals ausgestoßen und fällt der Konsum-
tion anheim, wird Gegenstand der Konsumtion, sei es zur finalen
Befriedigung eines individuellen Bedürfnisses oder als Rohmate-
rial eines andren Kapitals. Im Austausch der Ware gegen Geld
fällt die stoffliche und Formveränderung zusammen; da im Geld
eben der Inhalt selbst zur ökonomischen Formbestimmung gehört.
Die Rückverwandlung von Geld in Ware ist aber hier zugleich da in
der Rückverwandlung des Kapitals in die stofflichen Produktions-
bedingungen. Es findet Reproduktion eines bestimmten Gebrauchs-
werts statt ebensogut wie die von Wert als solchem. Wie aber das
stoffliche Element von vornherein hier beim Eintritt in die Zir-
kulation als Produkt gesetzt war, so am Ende derselben die Ware
wieder als Produktionsbedingung. Soweit das Geld als Zirkulati-
onsmittel hier figuriert, ist es in der Tat nur als Vermittlung
der Produktion einerseits mit der Konsumtion, in dem échange
140*), wo das Kapital den Wert in der Form des Produkts von sich
abstößt, und Vermittlung zwischen der Produktion und Produktion
-----
139*) anwenden - 140*) Austausch
#569# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
andrerseits, wo das Kapital sich in der Form des Geldes abstößt
und die Ware in der Form der Produktionsbedingung in seinen
Kreislauf zieht. Nach der stofflichen Seite des Kapitals betrach-
tet, erscheint das Geld bloß als Zirkulationsmittel; nach der
Formseite, als das nominelle Maß seiner Verwertung und für eine
bestimmte Phase als für sich seiender Wert; das Kapital ist daher
ebenso W-G-G-W, wie G-W-W-G, und zwar so, daß beide Formen der
einfachen Zirkulation hier zugleich weiter bestimmt sind 141*),
indem G-G Geld ist, das Geld schafft, und W-W Ware, deren Ge-
brauchswert ebenso reproduziert wie vermehrt wird. In bezug auf
die Geldzirkulation, die hier als in die Kapitalzirkulation ein-
gehend und von ihr bestimmt erscheint wollen wir nur en passant
bemerken - denn die Sache au fond 142*) kann erst behandelt wer-
den, nachdem die vielen Kapitalien betrachtet sind in ihrer Ak-
tion und Reaktion aufeinander, daß offenbar das Geld hier in ver-
schiednen Bestimmungen gesetzt ist. -
Es ist bisher angenommen worden, daß die Produktionszeit zusam-
menfällt mit der Arbeitszeit. Aber nun finden z.B. in der Agri-
kultur Interruptionen der Arbeit statt innerhalb der Produktion
selbst, bevor das Produkt beendigt ist. Es kann dieselbe Arbeits-
zeit angewandt sein und die Dauer der Produktionsphase verschie-
den sein, weil die Arbeit unterbrochen wird. Besteht der Unter-
schied nur darin, daß in einem Fall das Produkt längre Arbeit
erheischt, um gefinished 143*) zu werden, als im andren Fall, so
ist no case at all constituted 144*), weil dann nach dem allge-
meinen Gesetz klar, daß das Produkt, worin größres Arbeitsquantum
enthalten, soviel größrer Wert, und ist die Reproduktion in einem
gegebnen Zeitraum dann weniger häufig, so ist der reproduzierte
Wert um so größer. Und 2 x 100 gerade soviel, wie 4 x 50. Wie mit
dem Gesamtwert, verhält es sich dann mit dem Surpluswert. Die un-
gleiche Dauer, die verschiedne Produkte erheischen, obgleich nur
dieselbe Arbeitszeit (nämlich zusammen in aufgehäufter und
lebendiger Arbeit) auf sie verwandt wird, konstituiert die que-
stion 145*). Das Capital fixe agiert hier angeblich ganz allein,
ohne menschliche Arbeit, wie z.B. der dem Schoß der Erde anver-
traute Samen. Soweit noch Arbeit erheischt wird, diese abzuzie-
hen. Die Frage rein zu stellen. Wenn hier die Zirkulationszeit
dieselbe, so ist der Umschlag seltner, weil die Produktionsphase
größer. Also die Produktionszeit + Umlaufszeit = 1U größer als in
dem Fall, wo die Produktionszeit mit der Arbeitszeit zusammen-
fällt. Die Zeit, die hier gebraucht wird, damit das Produkt zur
Reife kommt, die Unterbrechungen der Arbeit konstituieren hier
Produktionsbedingungen.
-----
141*) In der Handschrift: sich - 142*) im Grunde - 143*) fertig-
gestellt - 144*) überhaupt kein Fall dargestellt - 145*) Frage
#570# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
-----
Die Nicht-Arbeitszeit konstituiert Bedingung für die Arbeitszeit,
um letztre wirklich zur Produktionszeit zu machen. Die Frage ge-
hört offenbar eigentlich erst in die Ausgleichung der Profitrate.
Indes muß hier der Grund gecleart 146*) werden. Der langsamre Re-
turn 147*) - dies ist das Wesentliche - rührt hier nicht her von
der Zirkulationszeit, sondern von den Bedingungen selbst, unter
denen die Arbeit produktiv wird; er 148*) gehört zu den technolo-
gischen Bedingungen des Produktionsprozesses. Es muß absolut ge-
leugnet werden, es ist geradezu abgeschmackt, daß ein natürlicher
Umstand, der das Kapital in einem bestimmten Produktionszweig
hindert, sich in derselben Zeit mit demselben Quantum Arbeitszeit
auszutauschen, wie ein andres Kapital in andrem Produktionszweig,
irgendwie dazu beitragen kann, seinen Wert zu v e r m e h r e n.
Der Wert, also auch der Surpluswert, nicht = der Zeit, welche die
Produktionsphase dauert, sondern der während dieser Produktions-
phase angewandten Arbeitszeit, vergegenständlichten wie lebendi-
gen. Letztre allein - und zwar im Verhältnis, wie sie zur verge-
genständlichten angewandt ist - kann Surpluswert schaffen, weil
Surplusarbeitszeit. {Daß bei der Ausgleichung der Profitrate an-
dre Bestimmungen hereinkommen, klar. Hier aber handelt es sich
nicht um das Verteilen des Surpluswerts, sondern um seine Schöp-
fung.} Es ist daher mit Recht behauptet worden, daß nach dieser
Seite hin die Agrikultur f.i. weniger produktiv (Produktivität
bezieht sich hier auf Produktion von Werten) als andre Indu-
strien. Ebenso wie von der andren Seite - i n s o f e r n
W a c h s e n d e r P r o d u k t i v i t ä t i n i h r di-
rekt d i e n o t w e n d i g e A r b e i t s z e i t v e r-
m i n d e r t - s i e p r o d u k t i v e r i s t a l s
a l l e a n d r e n. Dieser Umstand selbst kann ihr aber nur
zugut kommen, wo das K a p i t a l schon herrscht und die ihm
entsprechende general form of production 149*). Es liegt schon in
dieser Unterbrechung innerhalb der Produktionsphase, daß die
Agrikultur nie die Sphäre sein kann, mit der das Kapital beginnt;
wo es seinen ursprünglichen Sitz aufschlägt. Es widerspricht dies
den ersten Grundbedingungen der industriellen Arbeit. Es ist also
erst durch Rückwirkung, daß die Agrikultur dem Kapital vindiziert
150 wird und der Ackerbau industriell wird. Erheischt einerseits
hohe Entwicklung der Konkurrenz; andrerseits große Entwicklung
von Chemie, Mechanik etc., i.e. der Manufakturindustrie. Es fin-
det sich daher auch historisch, daß die Agrikultur nie r e i n
e r s c h e i n t in den Produktionsweisen, die dem Kapital
vorhergehn oder seinen eignen unentwickelten Stufen entsprechen.
Ländliche Nebenindustrie, wie Spinnen, Weben etc. muß make up
151*) für die Grenze der Anwendung der Arbeitszeit, die hier
gesetzt ist - und die in diesen Unterbrechungen liegt. Das
-----
146*) bereinigt - 147*) Gewinnrücklauf - 148*) in der Hand-
schrift: sie - 149*) allgemeine Produktionsweise - 150*) zuer-
kannt - 151*) Ersatz bieten
#571# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
Nichtzusammenfallen der Produktionszeit mit der Arbeitszeit kann
überhaupt nur an Naturbedingungen liegen, die hier direkt der
Verwertung der Arbeit im Weg stehn, d. h. der Aneignung von Sur-
plusarbeit durch das Kapital. Diese Hindernisse in seinem Wege
konstituieren natürlich keine advantages 152*), sondern, de son
point de vue 153*), Verluste. Der ganze case ist hier eigentlich
nur zu erwähnen, als Beispiel des fixierten, in einer Phase fi-
xierten Kapitals. Was festzuhalten, ist hier nur, daß das Kapital
keinen Mehrwert schafft, solange es keine lebendige Arbeit anwen-
det. Die Reproduktion des angewandten capital fixe selbst ist na-
türlich nicht Setzen von Surpluswert.
(Beim menschlichen Körper, wie beim Kapital, tauschen sich bei
der Reproduktion die verschiednen Portionen nicht in gleichen
Zeiträumen aus, Blut erneuert sich rascher als Muskel, Muskel als
Knochen, die nach dieser Seite als das Capital fixe des menschli-
chen Körpers betrachtet werden können.)
¦¦37¦ Als die Mittel, die Zirkulation zu beschleunigen, zählt
Storch auf: 1. Bildung einer Klasse von "Arbeitern", die sich nur
mit dem Handel beschäftigt; 2. facilité der moyens de transport
154*); 3. Geld; 4. Crédit. (Sieh oben.) 155*)
Aus dieser kunterbunten Zusammenstellung geht die ganze Konfusion
der politischen Ökonomen hervor. Geld und Geldzirkulation - was
wir einfache Zirkulation nannten, ist Voraussetzung, Bedingung
sowohl des Kapitals selbst, wie der Zirkulation des Kapitals. Das
Geld, wie es daher existiert, als einer dem Kapital vorhergehen-
den Stufe der Produktion angehöriges Verhältnis des Verkehrs, das
Geld als Geld, in seiner unmittelbaren Form, kann daher nicht ge-
sagt werden, die Zirkulation des Kapitals zu beschleunigen, son-
dern ist Voraussetzung derselben. Wenn wir vom Kapital und seiner
Zirkulation sprechen, stehn wir auf einer Stufe der gesellschaft-
lichen Entwicklung, wo die Einführung des Geldes nicht als Ent-
deckung etc. hereinkommt, sondern V o r a u s s e t z u n g
ist. Soweit das Geld in seiner unmittelbaren Form selbst Wert
hat, nicht nur der Wert andrer Waren ist, Symbol ihres Werts -
denn wenn ein selbst Unmittelbares ein andres Unmittelbares sein
soll, so kann es dasselbe nur v o r s t e l l e n, d'une ma-
nière ou d'une autre symbol 156*) -, sondern selbst Wert hat,
selbst vergegenständlichte Arbeit in einem bestimmten Gebrauchs-
wert ist, ist das Geld so weit entfernt, die Zirkulation des Ka-
pitals zu beschleunigen, daß es sie vielmehr aufhält. Das Geld
nach beiden Seiten hin betrachtet, wie es in der Zirkulation des
Kapitals vorkommt, sowohl als Zirkulationsmittel wie
-----
152*) Vorteile - 153*) von seinem Standpunkt aus - 154*) zur Ver-
fügung stehende Transportmittel - 155*) siehe vorl. Band, S. 537
- 156*) auf die eine oder andere Weise symbolisch
#572# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
-----
als realisierter Wert des Kapitals gehört zu den Zirkulationsko-
sten, sofern es selbst Arbeitszeit ist, die angewandt wird, um
einerseits die Zirkulationszeit abzukürzen, andrerseits ein qua-
litatives Moment - Rückverwandlung des Kapitals in sich als für
sich seienden Wert - der Zirkulation darzustellen. Nach beiden
Seiten hin vermehrt es den Wert nicht. Nach der einen Seite hin
ist es eine kostbare, Arbeitszeit kostende, also vom Surpluswert
abgehnde Form, den Wert darzustellen. Nach der andren Seite hin
kann es als eine Maschine betrachtet werden, die Zirkulationszeit
spart und so Zeit für die Produktion freisetzt. Insofern es aber
selbst als solche Maschine Arbeit kostet und ein Produkt der Ar-
beit ist, repräsentiert es dem Kapital gegenüber faux frais de la
production 157*) . Es figuriert unter den Zirkulationskosten.
Die ursprüngliche Zirkulationskost ist die Zirkulationszeit
selbst im Gegensatz zur Arbeitszeit. Die reellen Zirkulationsko-
sten sind selbst vergegenständlichte Arbeitszeit - Maschinerie,
um die ursprünglichen Kosten der Zirkulationszeit abzukürzen. Das
Geld in seiner unmittelbaren Form, wie es einer dem Kapital vor-
hergehnden historischen Stufe der Produktion angehört, erscheint
ihm daher als Zirkulationskost, und das Bestreben des Kapitals
geht daher dahin, es sich adäquat umzugestalten; es daher zu ma-
chen zu einem keine Arbeitszeit kostenden, nicht selbst Wert-
vollen, Repräsentanten eines Momentes der Zirkulation. Das Kapi-
tal ist daher darauf gerichtet, es in seiner überlieferten, un-
mittelbaren Realität aufzuheben und es in ein nur vom Kapital
G e s e t z t e s und ebenso Aufgehobnes, rein I d e e l l e s
zu verwandeln. Es kann also nicht, wie Storch tut, gesagt werden,
daß das Geld überhaupt ein Beschleunigungsmittel der Zirkulation
des Kapitals; sondern es muß umgekehrt gesagt werden, daß das Ka-
pital es in ein bloß i d e e l l e s Moment seiner Zirkulation
zu verwandeln und erst in die ihm entsprechende adäquate Form zu
erheben sucht. Aufheben des Geldes in seiner unmittelbaren Form
erscheint als Forderung der zum Moment der Kapitalzirkulation ge-
wordnen Geldzirkulation; weil in seiner unmittelbar vorausgesetz-
ten Form es S c h r a n k e der Zirkulation des Kapitals ist.
Z i r k u l a t i o n o h n e Z i r k u l a t i o n s z e i t
ist die Tendenz des Kapitals; daher auch Setzen der Instrumente,
die nur zur Abkürzung der Zirkulationszeit dienen, in bloß vom
Kapital gesetzte F o r m b e s t i m m u n g e n, wie die un-
terschieden Momente, die das Kapital in der Zirkulation durch-
läuft, qualitative Bestimmungen seiner eignen Metamorphose sind.
Was die Bildung eines besondren Handelsstandes betrifft - d.h.
eine Entwicklung der Teilung der Arbeit, die das Geschäft des
Austauschens selbst in eine besondre Arbeit verwandelt hat - wozu
natürlich die Summe der
-----
157*) Produktionsnebenkosten
#573# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
Tauschoperationen schon gewisse Höhe erreicht haben muß - (nähme
der Austausch bei 100 Leuten den 100. Teil ihrer Arbeitszeit in
Anspruch, so ist jeder Mann 1/100 Austauschender; 100/100 Austau-
schender repräsentierte one single man 158*). Auf die 100 könnte
dann ein Kaufmann kommen. Die Separation des Handels von der Pro-
duktion selbst oder daß der Austausch selbst gegen die Austau-
schenden repräsentiert wird, erfordert überhaupt, daß der Aus-
tausch und Verkehr entwickelt sind to a certain degree 159*). Der
Kaufmann stellt dem Verkäufer gegenüber alle Käufer, dem Käufer
gegenüber alle Verkäufer vor, also 160*) ist er nicht ein Extrem,
sondern die Mitte des Austauschs selbst; erscheint daher als
Mittler) - die Bildung des Kaufmannsstandes, die die des Geldes,
wenn auch nicht in allen seinen Momenten entwickelt, voraussetzt,
ist ebenfalls eine Voraussetzung für das Kapital und kann daher
nicht angeführt werden, als seine spezifische Zirkulation vermit-
telnd. Da der Handel eine V o r a u s s e t z u n g, historisch
sowohl wie begrifflich für die Entstehung des Kapitals, so werden
wir, ehe wir dieses Kapitel abschließen, darauf zurückkommen müs-
sen, da es vor oder in den Abschnitt von der Entstehung des Kapi-
tals gehört.
Erleichterung der Transportmittel, soweit sie meint Erleichterung
der physischen Warenzirkulation, gehört nicht hierhin, wo bloß
die Formbestimmungen der Zirkulation des Kapitals betrachtet wer-
den. Das Produkt wird erst Ware, tritt erst aus der Produktions-
phase heraus, sobald es auf dem M a r k t ist. Andrerseits ge-
hören die Transportmittel insofern herein, als die R e t u r n s
161*) des Kapitals - d. h. die Zirkulationszeit mit der Entfer-
nung des Markts von dem Ort der Produktion 162 wachsen muß.
Abkürzung derselben durch Transportmittel erscheint also direkt,
nach dieser Seite hin direkt, in die Betrachtung der Zirkulation
des Kapitals gehörig. Doch gehört dies eigentlich in die Lehre
vom Markt, die selbst in den Abschnitt vom Kapital gehört.
Endlich K r e d i t. Diese direkt vom Kapital gesetzte Form der
Zirkulation etc. - die also spezifisch aus der Natur des Kapitals
hervorgeht, diese differentia specifica 163 des Kapitals wirft
Storch etc. hier zusammen mit Geld, Handelsstand etc., die über-
haupt der Entwicklung des Austauschs und der more or less 164*)
auf ihr gegründeten Produktion angehören. Die differentia
specifica anzugeben, ist hier sowohl l o g i s c h e Ent-
wicklung als Schlüssel zum Verständnis der h i s t o r i-
s c h e n. Wir finden auch historisch in England z.B. (ebenso in
Frankreich) die Versuche, Geld durch Papier zu ersetzen, andrer-
seits dem
-----
158*) einen einzelnen Mann - 159*) bis zu einem gewissen Grade -
160*) in der Handschrift: alle Verkäufer vor und vice, also -
161*) Gewinnrückläufe - , 162*) in der Handschrift: Produktions-
zeit - 163*) dieses Unterscheidungsmerkmal - 164*) mehr oder we-
niger
#574# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
-----
Kapital, soweit es in der Form des W e r t s existiert, eine
rein von ihm selbst gesetzte Form zu geben, endlich Versuche zur
Gründung des Kredits gleich mit Aufkommen des Kapitals. (Z.B.
Petty, Boisguillebert.)
Wir können innerhalb der Zirkulation als des Gesamtprozesses un-
terscheiden zwischen der großen und der kleinen Zirkulation. Die
erstre umfaßt die ganze Periode von dem Moment, wo das Kapital
aus dem Produktionsprozeß heraustritt, bis es in ihn zurückkehrt.
Die zweite ist kontinuierlich und geht gleichzeitig mit dem Pro-
duktionsprozeß selbst beständig vor sich. Es ist der Teil des Ka-
pitals, der als Salair ausgezahlt wird, ausgetauscht wird gegen
das Arbeitsvermögen. Dieser Zirkulationsprozeß des Kapitals, der
der Form nach gesetzte, aber in der Tat sich aufhebende und als
nur formell setzende Austausch von Äquivalenten (der Übergang von
Wert in Kapital, wo der Austausch von Äquivalenten in sein Gegen-
teil umschlägt und auf der Basis des Austauschs der Austausch
rein formell wird, and the mutuality is all on one side 165), ist
so zu entwickeln: Werte, die ausgetauscht werden, sind immer
vergegenständlichte Arbeitszeit, ein gegenständlich vorhandnes,
w e c h s e l s e i t i g vorausgesetztes Quantum daseiender (in
einem Gebrauchswert) Arbeit. Der Wert als solcher ist immer Ef-
fekt, nie Ursache. Er drückt aus das Quantum Arbeit, wodurch ein
Gegenstand produziert ist, also - dieselbe Stufe der Produktiv-
kräfte vorausgesetzt - reproduziert werden kann. Der Kapitalist
tauscht nicht Kapital direkt gegen Arbeit aus oder Arbeitszeit;
sondern in Waren enthaltne, aufgearbeitete Zeit gegen im lebendi-
gen Arbeitsvermögen enthaltne, ausgearbeitete Zeit. Die lebendige
Arbeitszeit, die er eintauscht, ist nicht der Tauschwert, sondern
der Gebrauchswert des Arbeitsvermögens. Wie eine Maschine nicht
ausgetauscht, bezahlt wird als Ursache von Effekten, sondern als
selbst Effekt; nicht nach ihrem Gebrauchswert im Produktions-
prozeß, sondern als Produkt - bestimmtes Quantum vergegenständ-
lichter Arbeit. Die Arbeitszeit, die im Arbeitsvermögen enthalten
ist, d.h. die Zeit, notwendig, um das lebendige Arbeitsvermögen
herzustellen, ist dieselbe, die nötig ist - unter der Vorausset-
zung derselben Stufe der Produktivkräfte ", es zu reproduzieren,
d. h. zu erhalten.
Der Austausch also, der zwischen Kapitalist und ¦¦38¦ Arbeiter
vorgeht, ist also vollständig den Gesetzen des Austauschs ent-
sprechend; aber nicht nur entsprechend, sondern seine letzte Aus-
bildung. Denn solang das Arbeitsvermögen nicht selbst sich aus-
tauscht, beruht die Grundlage der Produktion noch nicht auf dem
Austausch, sondern der Austausch ist bloß ein enger Kreis, der
auf Nichtaustausch als seiner Basis ruht, wie in allen der bür-
gerlichen
-----
165*) und die Gegenseitigkeit ist ganz auf einer Seite
#575# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
Produktion vorhergehenden Stufen. Der Gebrauchswert des Werts
aber, den der Kapitalist eingetauscht hat, ist selbst das Element
der Verwertung und ihr Maß, die lebendige Arbeit und Arbeitszeit,
und zwar mehr Arbeitszeit als vergegenständlicht ist im Arbeits-
vermögen, d.h. mehr Arbeitszeit, als die Reproduktion des leben-
digen Arbeiters kostet. Dadurch, daß also das Kapital das Ar-
beitsvermögen als Äquivalent eingetauscht, hat es die Arbeitszeit
- soweit sie über die im Arbeitsvermögen enthaltne hinausgeht -
ohne Äquivalent eingetauscht; sich fremde Arbeitszeit o h n e
A u s t a u s c h vermittelst der F o r m des Austauschs ange-
eignet. Der Austausch wird daher bloß formell und, wie wir ge-
sehn, bei der weitren Entwicklung des Kapitals auch der Schein
aufgehoben, als ob das Kapital gegen das Arbeitsvermögen etwas
andres eintauschte als seine eigne vergegenständlichte Arbeit;
also überhaupt etwas gegen es eintauschte. Der Umschlag kommt
also dadurch hervor - daß die letzte Stufe des freien Austauschs
der Austausch des Arbeitsvermögens als Ware, als Wert gegen eine
Ware, gegen Wert ist; daß es eingehandelt wird als vergegenständ-
lichte Arbeit, sein Gebrauchswert aber in lebendiger Arbeit, d.h.
im Setzen von Tauschwert besteht. Der Umschlag kommt daraus her-
vor, daß der Gebrauchswert des Arbeitsvermögens als Wert selbst
das wertschaffende Element, die Substanz des Werts ist und wert-
vermehrende Substanz. In diesem Austausch gibt also der Arbeiter
für das Äquivalent der in ihm vergegenständlichten Arbeitszeit
seine wertschaffende und - vermehrende lebendige Arbeitszeit. Er
verkauft sich als Effekt. Als Ursache, als Tätigkeit, wird er ab-
sorbiert vom und inkarniert in das Kapital. So schlägt der Aus-
tausch in sein Gegenteil um, und die Gesetze des Privateigentums
- die Freiheit, Gleichheit, Eigentum - das Eigentum an der eignen
Arbeit und die freie Disposition darüber - schlagen um in Eigen-
tumslosigkeit des Arbeiters und Entäußerung seiner Arbeit, sein
Verhalten zu ihr als fremdem Eigentum und vice versa.
Die Zirkulation des als Salair gesetzten Teils des Kapitals be-
gleitet den Produktionsprozeß, erscheint als ökonomische Formbe-
ziehung neben ihm und ist gleichzeitig und interwoven 166*) mit
ihm. Diese Zirkulation setzt erst das Kapital als solches; ist
Bedingung seines Verwertungsprozesses und setzt nicht nur eine
Formbestimmung desselben, sondern seine Substanz. Es ist dies der
beständig zirkulierende Teil des Kapitals, der keinen Augenblick
in den Produktionsprozeß selbst eingeht und beständig ihn beglei-
tet. Es ist der Teil des Kapitals, der keinen Augenblick in sei-
nen Reproduktionsprozeß eingeht, was beim Rohmaterial nicht der
Fall. Das Approvisionnement des Arbeiters geht als Produkt aus
dem Produktionsprozeß hervor, als Resultat; aber als solches
-----
166*) verflochten
#576# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
-----
geht es nie ein in den Produktionsprozeß, weil es für die indivi-
duelle Konsumtion finished produce 167*) ist, unmittelbar in die
Konsumtion des Arbeiters eingeht und unmittelbar gegen sie ausge-
tauscht wird. Es ist dies also sowohl im Unterschied von Rohstoff
wie Arbeitsinstrument das circulating capital ???' ?????? 168*).
Hier ist das einzige Moment im Kreislauf des Kapitals, wo die
Konsumtion unmittelbar hereintritt. Da, wo die Ware gegen Geld
ausgetauscht wird, kann sie von einem andren Kapital als Rohstoff
für neue Produktion eingetauscht sein. Ferner tritt nach den Vor-
aussetzungen des Kapitals ihm nicht der einzelne Konsument, son-
dern der Kaufmann entgegen; der die Ware selbst kaufende, um sie
gegen Geld zu verkaufen. (Diese Voraussetzung mit dem Handels-
stand überhaupt zu entwickeln. Damit die Zirkulation unter
dealers 169*) von der zwischen dealers und Konsumenten verschie-
den.)
Das zirkulierende Kapital erscheint hier also direkt als das für
die individuelle Konsumtion der Arbeiter bestimmte; überhaupt für
unmittelbare Konsumtion bestimmte und daher in der Form von fer-
tigem Produkt existierende. Wenn daher einerseits das Kapital als
Voraussetzung des Produkts, erscheint ebensosehr das fertige Pro-
dukt als Voraussetzung des Kapitals - was sich historisch dahin
löst, daß das Kapital nicht die Welt von vorn angefangen, sondern
Produktion und Produkte vorfand, bevor es sie seinem Prozeß
unterwarf. Einmal im Gang, von sich selbst ausgehend, setzt es
sich beständig in seinen verschiednen Formen als konsumierbares
Produkt, Rohstoff und Arbeitsinstrument voraus, um sich in diesen
Formen beständig zu reproduzieren. Sie erscheinen einmal als die
von ihm selbst vorausgesetzten Bedingungen und dann als sein Re-
sultat. Es produziert in seiner Reproduktion seine eignen Bedin-
gungen. Hier finden wir also - durch das Verhältnis des Kapitals
zum lebendigen Arbeitsvermögen - und den Naturbedingungen der Er-
haltung des letztren - das zirkulierende Kapital auch nach der
Seite des Gebrauchswerts hin bestimmt, als direkt in die indivi-
duelle Konsumtion eingehndes und von ihr als Produkt aufzuzehren-
des. Es ist daher falsch geschlossen worden, daß das zirkulie-
rende Kapital überhaupt k o n s u m i e r b a r e s ist, als ob
Kohle, Öl, Farbstoff etc., Instrumente etc., Bodenverbesserungen
etc., Fabrikhäuser nicht ebenfalls alle konsumiert werden, wenn
unter Konsumtion die Aufhebung ihres Gebrauchswerts und ihrer
Form verstanden wird; alle aber ebensogut nicht konsumiert wer-
den, wenn individuelle Konsumtion, Konsumtion im eigentlichen
Sinn darunter verstanden wird.
In dieser Zirkulation stößt sich das Kapital beständig als
vergegenständlichte Arbeit von sich ab, um die lebendige Arbeits-
kraft, seine Lebensluft, sich
-----
167*) gefertigtes Produkt - 168*) in reinster Form - 169*) Händ-
lern
#577# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
zu assimilieren. Was nun die Konsumtion des Arbeiters betrifft,
so reproduziert sie eins - nämlich ihn selbst als lebendiges Ar-
beitsvermögen. Da diese Reproduktion seiner selbst Bedingung für
das Kapital, so erscheint auch die Konsumtion des Arbeiters als
Reproduktion nicht direkt des Kapitals, aber der Verhältnisse,
unter denen es allein Kapital ist. Das lebendige Arbeitsvermögen
gehört ebenso unter seine Existenzbedingungen wie Rohstoff und
Instrument. Es reproduziert sich also doppelt, in seiner eignen
Form, in der Konsumtion des Arbeiters, aber nur soweit sie ihn
als lebendiges Arbeitsvermögen reproduziert. Diese Konsumtion
nennt das Kapital daher produktive Konsumtion - produktiv, nicht
insofern sie das Individuum reproduziert, sondern die Individuen
als Arbeitsvermögen.
Wenn Rossi daran Anstoß nimmt, daß das Salair zweimal in Rechnung
gebracht werde, einmal als Revenu des Arbeiters, dann als repro-
duktive Konsumtion des Kapitals, so gilt der Einwurf nur gegen
die, die das Salair direkt in den Produktionsprozeß des Kapitals
als Wert eingehn lassen. Denn das Zahlen des Salairs ist ein Zir-
kulationsakt, der gleichzeitig mit und neben dem Produktionsakt
vorgeht. Oder wie Sismondi sagt von diesem Gesichtspunkt aus -
der Arbeiter konsumiert sein Salair unreproduktiv; aber der Kapi-
talist konsumiert es produktiv, insofern er Arbeit dagegen ein-
tauscht, die das Salair und mehr als das Salair reproduziert.
[299] Dies bezieht sich auf das Kapital selbst nur, als Objekt
betrachtet. Insofern das Kapital aber Verhältnis ist, und zwar
Verhältnis zum lebendigen Arbeitsvermögen, reproduziert die Kon-
sumtion des Arbeiters dies Verhältnis; oder das Kapital reprodu-
ziert sich doppelt, als Wert durch Eintausch der Arbeit - als
Möglichkeit, den Verwertungsprozeß von neuem zu beginnen, von
neuem als Kapital zu agieren - es reproduziert sich als Verhält-
nis durch die Konsumtion des Arbeiters, die ihn reproduziert als
gegen Kapital - Salair als Teil des Kapitals - austauschbares Ar-
beitsvermögen.
Diese Zirkulation zwischen Kapital und Arbeit ergibt also die Be-
stimmung eines Teils des Kapitals als beständig zirkulierend, das
Approvisionnement; beständig konsumiert; beständig zu reproduzie-
ren. An dieser Zirkulation zeigt sich schlagend der Unterschied
zwischen Kapital und Geld; der Zirkulation des Kapitals und der
Zirkulation des Geldes. Das Kapital zahlt z. B. wöchentlich Ar-
beitslohn; der Arbeiter trägt diesen Lohn zum épicier 170*) etc.;
dieser direkt oder indirekt deponiert es beim banker 171*); und
die folgende Woche nimmt es der Fabrikant wieder vom Bankier, um
es wieder unter dieselben Arbeiter zu verteilen etc. und so fort.
Dieselbe Summe Geldes zirkuliert
-----
170*) Kaufmann - 171*) Bankier
#578# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
-----
beständig neue Portionen Kapital. Die Summe Geldes selbst aber
bestimmt nicht die Portionen Kapital, die so zirkuliert werden.
Steigt der Geldwert des Arbeitslohns, so wird das zirkulierende
Medium steigen, aber die Masse dieses Mediums bestimmt nicht das
Steigen. Wenn die Produktionskosten des Geldes nicht fielen, so
würde keine Vermehrung desselben einen Einfluß auf die von ihm in
diese Zirkulation eingehende Portion ausüben. Hier erscheint das
Geld als bloßes Zirkulationsmittel. Da gleichzeitig viele Arbei-
ter zu zahlen, ist eine bestimmte Summe Geldes gleichzeitig nö-
tig, die mit ihrer Anzahl wächst. Andrerseits, durch die Rasch-
heit des Umschlags des Geldes ist wieder geringre Summe nötig als
in Zuständen, wo weniger Arbeiter, aber die Maschinerie der Geld-
zirkulation nicht so geregelt.
Diese Zirkulation ist Bedingung des Produktionsprozesses und da-
mit auch des Zirkulations¦¦39¦prozesses. Andrerseits, retourniert
172*) das Kapital nicht aus der Zirkulation, so könnte diese Zir-
kulation zwischen Arbeiter und Kapital nicht von neuem beginnen;
sie ist also ihrerseits dadurch bedingt, daß das Kapital die ver-
schiednen Momente seiner Metamorphose a u ß e r h a l b des
Produktionsprozesses durchläuft. Fände dies nicht statt, so wäre
es nicht, weil nicht G e l d genug als Z i r k u l a-
t i o n s m i t t e l vorhanden, sondern weil entweder nicht
Kapital vorhanden in der Form von Produkten, dieser Teil des
z i r k u l i e r e n d e n Kapitals fehlte, oder weil das
Kapital sich nicht in der F o r m d e s G e l d e s gesetzt,
d. h. nicht als Kapital realisiert hätte, was aber wieder nicht
herrührte von dem Quantum des Zirkulationsmittels, sondern weil
das Kapital sich nicht in der q u a l i t a t i v e n B e-
s t i m m u n g als Geld gesetzt, wozu es keineswegs nötig, daß
es in der Form von hard cash 173*) in der unmittelbaren Geldform
gesetzt, und ob oder ob nicht es sich in solcher gesetzt, hinge
wieder nicht ab vom Quantum des als Zirkulationsmittel kur-
sierenden Geldes, sondern vom Austausch des Kapitals gegen Wert
als solchen; wieder ein qualitatives, kein quantitatives Moment,
wie wir näher erörtern werden, wenn wir vom Kapital als Geld
sprechen. (Zins etc.)
Im ganzen betrachtet, erscheint die Zirkulation also dreifach:
1. der Gesamtprozeß - der Verlauf des Kapitals durch seine ver-
schiednen Momente; danach ist es als im Fluß gesetzt; als zirku-
lierend; soweit in jedem der Momente die Kontinuität unterbrochen
ist virtualiter und sich befestigen kann gegen das Übergehn in
die nächste Phase, erscheint das Kapital hier ebenfalls als fi-
xiert in verschiednen Beziehungen, und die verschiednen Weisen
dieses Fixiertseins konstituieren verschiedne Kapitalien,
Warenkapital, Geldkapital, Kapital als Produktionsbedingungen.
-----
172*) kehrt zurück - 173*) barem Geld
#579# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
2. Die kleine Zirkulation zwischen Kapital und Arbeitsvermögen.
Diese begleitet den Produktionsprozeß und erscheint als Kontrakt,
Austausch, Verkehrsform, unter deren Voraussetzung sich der Pro-
duktionsprozeß engagiert. Der in diese Zirkulation eingehende
Teil des Kapitals - das Approvisionnement - ist das capital cir-
culant ???' ?????? 174*). Es ist nicht nur der Form nach be-
stimmt; sondern sein Gebrauchswert, d.h., seine stoffliche Be-
stimmung als konsumierbares und direkt in 175*) die individuelle
Konsumtion eingehndes Produkt macht selbst einen Teil seiner
Formbestimmung aus.
3. Die große Zirkulation; die Bewegung des Kapitals außer der
Produktionsphase, wo seine Zeit im Gegensatz zur Arbeitszeit als
Zirkulationszeit erscheint. Aus diesem Gegensatz des in der Pro-
duktionsphase begriffnen Kapitals zu dem aus derselben heraustre-
tenden ergibt sich der Unterschied von f l ü s s i g e m und
f i x e m K a p i t a l. Das letztre ist das, welches an den
Produktionsprozeß fixiert ist und in ihm selbst konsumiert wird;
zwar aus der großen Zirkulation herkommt, aber nicht in sie zu-
rückkehrt und, soweit es zirkuliert, nur zirkuliert, um im Pro-
duktionsprozeß konsumiert zu werden, gebannt zu werden.
Die 3 verschiednen Unterschiede in der Zirkulation des Kapitals
ergeben die 3 Unterschiede zwischen zirkulierendem und fixiertem
Kapital; setzen einen Teil des Kapitals als das zirkulierende
???' ??????, weil er nie in den Produktionsprozeß eingeht, aber
ihn beständig begleitet; und drittens den Unterschied zwischen
f l ü s s i g e m und f i x e m Kapital. Das zirkulierende Ka-
pital in der Form No. 3 schließt auch die No. 2 ein, da diese
ebenfalls im Gegensatz zum fixen steht; aber die No. 2 nicht die
No. 3. Der Teil des Kapitals, der als solcher dem Produktionspro-
zeß angehört, ist der Teil desselben, der stofflich nur als
P r o d u k t i o n s m i t t e l dient; die Mitte bildet zwi-
schen der lebendigen Arbeit und dem zu bearbeitenden Material.
Ein Teil des flüssigen Kapitals wie Kohlen, Öl, etc. dient auch
bloß als Produktionsmittel. Alles, was nur dient als Mittel, die
Maschine oder die sie bewegende Maschine in Gang zu halten. Die-
ser Unterschied wird noch näher zu untersuchen sein. D'abord wi-
derspricht dies nicht der Bestimmung 1, da das fixe Kapital als
W e r t ebenfalls zirkuliert im Verhältnis, wie es abgenutzt
wird. Es ist grade in dieser Bestimmung als f i x e s Kapital -
d.h. in der Bestimmung, worin das Kapital seine Flüssigkeit ver-
loren und mit einem b e s t i m m t e n Gebrauchswert identifi-
ziert wird, der es seiner Transformationsfähigkeit beraubt, daß
sich das e n t w i c k e l t e K a p i t a l - soweit wir es
bisher als produktives Kapital kennen - am frappantesten dar-
stellt, und es ist grade in dieser scheinbar inadäquaten Form und
im wachsenden
-----
174*) in reinster Form - 175*) in der Handschrift: für
#580# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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Verhältnis derselben zu der Form des zirkulierenden Kapitals in
No. 2, daß sich die Entwicklung des Kapitals als Kapital mißt.
Dieser Widerspruch hübsch. Zu entwickeln.
Die verschiedenen Sorten Kapital, die in der Ökonomie äußerlich
hereingeschneit gekommen, erscheinen hier als ebenso viele Nie-
derschläge der aus der Natur des Kapitals selbst hervorgehenden
Bewegungen oder vielmehr dieser Bewegung selbst in ihren ver-
schiednen Bestimmungen.
Das capital circulant "part" 176*) beständig vom Kapitalisten, um
in der ersten Form zu ihm zurückzukehren. Das C a p i t a l
f i x e tut es nicht (Storch). [300]
"Das zirkulierende Kapital jener Teil des Kapitals, der erst dann
Profit abwirft, wenn man sich davon getrennt hat; fixes usw.
wirft einen solchen Profit ab, während es im Besitz seines Eigen-
tümers bleibt." (Malthus.) [301] "Zirkulierendes Kapital gibt
seinem Herrn nicht Einkommen und Profit, solang es in seinem Be-
sitz bleibt; fixes Kapital, ohne Herrn zu wechseln und ohne Zir-
kulation nötig zu haben, gibt diesem Profit." (A. Smith.) [302]
Nach dieser Seite, da das (partir de son possesseur 177*)) Ver-
reisen des Kapitals von seinem owner 178*) nichts heißt, als die
im Akt des Austauschs stattfindende V e r ä u ß e r u n g des
Eigentums oder Besitzes und dadurch die Veräußerung als Wert für
seinen Besitzer zu werden, die Natur alles Tauschwerts, also al-
len Kapitals ist, kann die Bestimmung in ihrer obigen Fassung
nicht richtig sein. Wenn das fixe Kapital für seinen Eigner wäre
ohne die Vermittlung des Austauschs und des in ihm eingeschloßnen
Tauschwerts 179*), wäre, in fact, das Capital fixe bloßer Ge-
brauchswert, also nicht Kapital. Was aber der obigen Bestimmung
zugrunde liegt, ist dies: als W e r t zirkuliert das Capital
fixe (wenn auch nur portionsweise, sukzessiv, wie wir sehn wer-
den). Als G e b r a u c h s w e r t zirkuliert es nicht. Das
C a p i t a l f i x e, soweit es seiner stofflichen Seite nach
betrachtet wird, als Moment des Produktionsprozesses, verläßt nie
seine boundaries 180*); wird nicht veräußert von seinem Besitzer;
bleibt in seiner Hand. Es zirkuliert nur seiner F o r m-
s e i t e nach als Kapital, perennierender 181*) Wert. In dem
Capital circulant findet dieser Unterschied zwischen Form und
Inhalt, Gebrauchswert und Tauschwert nicht statt. Um als letztrer
zu zirkulieren, zu sein, muß es als erstrer in die Zirkulation
treten, veräußert werden. Der Gebrauchswert für das K a p i-
t a l als solches ist nur Wert selbst. Das Capital circulant
realisiert sich nur als Wert für es, sobald es veräußert wird.
Solang es in seiner Hand bleibt, hat es nur Wert a n s i c h;
ist es aber nicht g e s e t z t; nur ??????? 182*) - aber nicht
actu 183*). Das Capital fixe
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176*) "trennt sich" - 177*) Weggehen von seinem Besitzer -
178*) Eigentümer - 179*) in der Handschrift: Gebrauchswerts -
180*) Grenzen - 181*) beständiger - 182*) der Möglichkeit nach -
183*) wirklich
#581# Fixes und zirkulierendes Kapital
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dagegen realisiert sich nur als Wert, solang es als Gebrauchswert
in der Hand des Kapitalisten bleibt, oder, als sachliche Bezie-
hung ausgedrückt, solang es im Produktionsprozeß bleibt, was als
die innre organische Bewegung des Kapitals, seine Beziehung auf
sich, gegen seine animalische Bewegung, [gegen] sein Dasein für
andres betrachtet werden kann. Da das C a p i t a l f i x e
also, sobald es in den Produktionsprozeß eingetreten ist, in ihm
bleibt, vergeht es auch in ihm, wird in ihm aufgezehrt. Die Dauer
dieses Vergehns geht uns hier noch nicht an.
Nach dieser Seite gehört also das, was Cherbuliez die
m a t i è r e s i n s t r u m e n t a l e s 184*) nennt, [303]
wie Kohlen, Holz, Öl, Talg etc., die vollständig im Produk-
tionsprozeß vernichtet werden, die nur G e b r a u c h s w e r t
für den Prozeß der Produktion selbst haben, zum C a p i t a l
f i x e. Dieselben Materien haben aber auch einen Gebrauchswert
außer der Produktion und können auch in andrer Weise konsumiert
werden, ganz ebensogut wie Baulichkeiten, Häuser etc. nicht not-
wendig für die Produktion bestimmt sind. Sie sind C a p i t a l
f i x e nicht durch die bestimmte Weise ihres Seins, sondern
durch ihren Gebrauch. Sie werden es, sobald sie in den Produkti-
onsprozeß treten. Sie sind C a p i t a l f i x e, sobald sie
als Momente des Produktionsprozesses des Kapitals gesetzt sind;
weil sie ¦¦40¦ dann ihre Eigenschaft, möglicherweise Capital cir-
culant zu sein, verlieren.
Wie also der in den kleinen Kreislauf des Kapitals eingehnde Teil
des Kapitals - oder das Kapital, soweit es in diese Bewegung ein-
geht - die Zirkulation zwischen Kapital und Arbeitsvermögen, der
als Salair zirkulierende Teil des Kapitals - n i e a u s d e r
Z i r k u l a t i o n h e r a u s -, u n d n i e i n d e n
P r o d u k t i o n s p r o z e ß d e s K a p i t a l s
h e r e i n t r i t t, seiner stofflichen Seite nach, als Ge-
brauchswert, sondern er immer als Produkt, Resultat eines vorher-
gehnden Produktionsprozesses von diesem abgestoßen wird, so umge-
kehrt tritt der als C a p i t a l f i x e bestimmte Teil des
Kapitals als Gebrauchswert seinem materiellen Dasein nach, nie
aus dem P r o d u k t i o n s p r o z e ß heraus und nie in die
Z i r k u l a t i o n w i e d e r h i n e i n. Während der
letztre nur als W e r t (als Teil des Werts des fertigen Pro-
dukts) in die Zirkulation eintritt, so tritt der andre nur als
W e r t in den Produktionsprozeß herein, indem die notwendige
Arbeit die Reproduktion des Salairs ist, des Teils des Werts des
Kapitals, der als Salair zirkuliert. Dies also ist die e r s t e
Bestimmung des Capital fixe, und nach dieser Seite hin umfaßt es
auch die m a t i è r e s i n s t r u m e n t a l e s.
Z w e i t e n s: Das Capital fixe kann aber nur als Wert in die
Zirkulation treten, soweit es als Gebrauchswert im Produktions-
prozeß vergeht. Es geht als Wert
-----
184*) Produktionshilfsstoffe
#582# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
-----
in das Produkt ein - d.h. als in ihm aufgearbeitete oder in ihm
aufgehobne Arbeitszeit -, insofern es in seiner selbständigen Ge-
stalt als Gebrauchswert vergeht. Durch seinen Gebrauch wird es
abgenutzt, aber so, daß sein Wert aus seiner Form in die des Pro-
dukts übertragen wird. Wird es nicht benutzt, nicht aufgezehrt im
Produktionsprozeß selbst - steht die Maschine still, rostet das
Eisen, verfault das Holz -, so vergeht natürlich sein Wert mit
seinem vergänglichen Dasein als Gebrauchswert. Seine Zirkulation
als Wert entspricht seiner Konsumtion im Produktionsprozeß als
Gebrauchswert. Vollständig reproduziert, d.h. aus der Zirkulation
zurückkehren, wird sein totaler Wert nur, sobald es vollständig
als Gebrauchswert im Produktionsprozeß verzehrt ist. Sobald es
vollständig in Wert aufgegangen und daher vollständig in die Zir-
kulation eingegangen, ist es vollständig als Gebrauchswert ver-
gangen und muß daher als notwendiges Moment der Produktion durch
einen neuen Gebrauchswert derselben Art 185*) ersetzt, d.h. re-
produziert werden. Die Notwendigkeit, es zu reproduzieren, d. h.
seine Reproduktionszeit, ist bestimmt durch die Zeit, in der es
innerhalb des Produktionsprozesses aufgezehrt, konsumiert wird.
Beim Capital circulant ist die Reproduktion bestimmt durch die
Zirkulationszeit, bei dem Capital fixe ist die Zirkulation be-
stimmt durch die Zeit, worin es als Gebrauchswert, in seinem
stofflichen Dasein aufgezehrt wird innerhalb des Produktionsakts,
d.h. durch die Zeit, innerhalb deren es reproduziert werden muß.
Tausend Pfund Twist können wieder reproduziert werden, sobald sie
verkauft sind und das gegen sie eingelöste Geld wieder gegen
Baumwolle etc., kurz, die Produktionselemente des Twists ausge-
tauscht sind. Ihre Reproduktion ist also bestimmt durch die Zir-
kulationszeit. Eine Maschine von 1000 l. Wert, die 5 Jahre dau-
ert, sich erst nach 5 Jahren abnutzt und dann nur noch altes Ei-
sen ist, nutzt sich in jedem Jahr sage um 1/5 auf, wenn wir das
average 186*) der Konsumtion im Produktionsprozeß nehmen. Es
tritt also jedes Jahr nur 1/5 ihres Werts in Zirkulation, und
erst am Ablauf der 5 Jahre ist sie ganz in die Zirkulation her-
eingetreten und aus ihr retourniert 187*). Ihr Eintreten in die
Zirkulation ist also rein bestimmt durch ihre Abnutzungszeit und
die Zeit, die ihr Wert braucht, um total in die Zirkulation zu
treten und aus ihr zu retournieren durch ihre Gesamtreprodukti-
onszeit, die Zeit, in der sie reproduziert werden muß. Das fixe
Kapital geht nur als Wert in das Produkt ein; während der Ge-
brauchswert des zirkulierenden Kapitals im Produkt als dessen
Substanz geblieben ist und nur eine andre Form erhalten hat.
Durch diese Unterscheidung wird die U m s c h l a g s z e i t
des in zirkulierendes und fixes Kapital gesonderten Gesamtkapi-
tals wesentlich modifiziert. Gesetzt, das Gesamtkapital
-----
185*) In der Handschrift: Arbeit - 186*) den Durchschnitt -
187*) zurückgekehrt
#583# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
S; der zirkulierende Teil desselben = c; der fixe = f; das fixe
Kapital bilde
1 S
- S; das zirkulierende -. Das zirkulierende schlage um 3mal im
x y
Jahr, das fixe nur 2mal alle 10 Jahr. In 10 Jahren wird f oder
S S
- zweimal umschlagen; während in denselben 10 Jahren - 3 x 10 =
x y
S
30mal umschlägt. Wäre S = -, d.h. nur zirkulierendes Kapital, so
y
wäre U, sein Umschlag, = 30; und das gesamte umgeschlagne Kapital
S 188*)
= 30 x ---; das gesamte in 10 Jahren umgeschlagne Kapital. Das
y
fixe Kapital schlägt aber nur um 2mal in 10 Jahren. Sein U' = 2;
2S
und das gesamte umgeschlagne fixe Kapital = --. S ist aber =
x
S S
- + -, und seine Gesamtumschlagszeit = der Gesamtumschlagszeit
y x
dieser beiden Teile. Wenn das fixe Kapital umschlägt in 10 Jahren
2mal, schlägt um in einem Jahr 2/10 oder 1/5 desselben; während
S
in einem Jahr das zirkulierende Kapital 3mal umschlägt. --
5x
schlägt um alle Jahre einmal.
Die Frage einfach, wenn ein Kapital von 1000 Talern = 600 Capital
circulant und 400 Capital fixe; also 3/5 zirkulierendes und 2/5
fixes Kapital; wenn das fixe Kapital 5 Jahre dauert, also einmal
in 5 Jahren umschlägt und das zirkulierende 3mal alle Jahre, wie
groß ist die Durchschnittsumschlagszahl oder -zeit des Gesamtka-
pitals? Wäre es bloß zirkulierendes Kapital, so würde es umschla-
gen 5 x 3, 15mal; das gesamte umgeschlagne Kapital in den 5 Jah-
ren wäre 15 000. Aber 2/5 desselben schlagen nur einmal um in 5
Jahren. Von diesen 400 Talern schlagen also um in einem Jahr
400/5 = 80 Taler. Von den 1000 Talern schlagen jährlich um 600
3mal, 80 einmal; oder im ganzen Jahr würden nur umschlagen 1880;
in den 5 Jahren schlagen also um 5 x 1880 = 9400; d.h. 5600
189*) weniger, als wenn das Gesamtkapital nur aus zirkulierendem
bestünde. Bestünde das ganze Kapital nur aus zirkulierendem Kapi-
tal, so würde es umschlagen in 1/3 Jahr einmal.
¦¦41¦ Ist das Kapital = 1000; c = 600, schlägt 2mal im Jahr um; f
= 400 schlägt 1mal im Jahr um; so schlägt um 600 (3/5 S) in einem
2S
halben Jahr. 400/2 oder (---) ebenfalls in einem halben Jahr. In
5x2
einem halben Jahr schlägt also
-----
S
188*) In der Handschrift: 20 x - - 189*) in der Handschrift: 6600
y
#584# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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um 600 + 200 = 800 (i.e. c + f/2). In einem ganzen Jahr schlägt
um
2 x 800 oder 1600; 1600 Taler in 1 Jahr; also 100 in 12/16 Mona-
ten 190*), also 1000 in 120/16 Monaten = 7 1/2 Monate. Das ganze
Kapital von 1000 schlägt also um in 7 1/2 Monaten, während es in
6 Monaten umschlüge, bestünde es bloß aus zirkulierendem Kapital.
7 1/2 : 6 = 1 : 1 1/4 oder wie 1 : 5/4. 191*) Ist das Kapital =
100, zirkulierendes = 50, fixes = 50; erstes schlägt 2mal im Jahr
um, zweites einmal; so schlägt 1/2 100 um 1mal in 6 Monaten; und
1/4 100 ebenfalls 1mal in 6 Monaten; in 6 Monaten schlägt also um
3/4 des Kapitals, 3/4 100 in 6 Monaten; oder 75 in 6 Monaten, und
100 in 8 Monaten. Wenn 2/4 100 in 6 Monaten umschlagen und in
denselben 6 Monaten 1/4 (1/2 des fixen Kapitals) 100, so schlagen
3/4 100 um in 6 Monaten. Also 1/4 in 6/3 = 2; also 4/4. 100 oder
100 in 6 + 2, in 8 Monaten.
Die Gesamtumschlagszeit des Kapitals = 6 (der Umschlagszeit des
ganzen Capital circulant und 1/2 des Capital fixe oder 1/4 des
Gesamtkapitals) + 6/3, d.h. + diese Umschlagszeit dividiert durch
die Zahl, die ausdrückt, welchen aliquoten Teil das restierende
Capital fixe von dem in der Umschlagszeit des zirkulierenden Ka-
pitals umgeschlagnen Kapital bildet. So in dem obigen Beispiel:
3/5 100 schlägt um in 6 Monaten; ditto 1/5 100; also 4/5 100 in 6
Monaten; also das restierende 1/5 100 in 6/4 Monaten; also das
ganze Kapital in 6 + 6/4 Monaten = 6 + 1 1/2 oder 7 1/2 Monaten.
Allgemein also ausgedrückt:
Die Durchschnittsumschlagszeit = der Umschlagszeit des zirkulie-
renden Kapitals + dieser Umschlagszeit, dividiert durch die An-
zahl, die ausdrückt, wie oft der restierende Teil des Capital
fixe enthalten ist in der Gesamtsumme des Kapitals, die in dieser
Umschlagszeit zirkuliert wurde.
Wenn zwei Kapitalien von 100 Talern, das eine ganz Capital circu-
lant, das andre halb Capital fixe, jedes zu 5% Gewinn, das eine
2mal umschlüge im Jahr ganz und in dem andren das capital circu-
lant ebenfalls 2mal, das Capital fixe aber nur einmal; so wäre
das gesamtumschlagende Kapital im ersten Falle = 200 und der Pro-
fit = 10; im zweiten 1 Umschlag in 8 Monaten, 1/2 in 4 192*);
oder 150 schlüge in 12 Monaten um. Profit dann = 7 1/2. Diese Art
Rechnung hat bestätigt in dem gewöhnlichen Vorurteil, als ob das
Capital circulant oder das Capital fixe durch irgend a mysterious
innate power 193*) Gewinn brächten, wie das selbst in den von
Malthus gebrauchten Phrasen "das Capital circulant bringt Gewinn,
wenn his possessors part with it 194*) etc." .[301]; ebenso bei
den oben zitierten Stellen aus his "Measure of value" etc. die
Art, wie er die Profite
----
190*) In der Handschrift: 12/16 J[ahren] - 191*) sollte eigent-
lich heißen: 7 1/2 : 6 = 1 1/4 : 1 oder wie 5/4 : 1 - 192*) in
der Handschrift: dr[ei] - 193*) eine mysteriöse innewohnende
Kraft - 194*) seine Besitzer sich davon trennen
#585# Fixes und zirkulierendes Kapital
-----
des Capital fixe akkumulieren läßt. Dadurch, daß die Lehre vom
Mehrgewinn nicht rein betrachtet worden ist in den bisherigen
Ökonomien, sondern zusammengeworfen mit der Lehre vom realen Pro-
fit, die herausläuft auf die Partizipation, worin die verschied-
nen Kapitalien partizipieren an der allgemeinen Profitrate, ist
die größte Konfusion und Mystifikation entstanden. Der Profit der
Kapitalisten als Klasse oder der Profit d e s Kapitals muß da
sein, bevor er verteilt werden kann, und es ist äußerst absurd,
seine Entstehung aus seiner Verteilung erklären zu wollen. Nach
obigem vermindert sich der Profit, weil die Umlaufszeit des Kapi-
tals zunimmt, {seine Größe als permanent gesetzt - diese geht uns
hier überhaupt nichts an, da der Satz wahr ist für Kapital von
jeder Größe. Die Kapitalien haben verschiedne Größe. Aber die
Größe jedes einzelnen Kapitals i s t s i c h s e l b s t
g l e i c h, also soweit nur seine Eigenschaft als Kapital be-
trachtet wird, any 195*) Größe. Betrachten wir aber zwei Kapita-
lien im Unterschied voneinander, so tritt ein Verhältnis der qua-
litativen Bestimmungen ein durch den Unterschied ihrer Größe.
Diese wird selbst unterscheidende Qualität derselben. D i e s
i s t e i n w e s e n t l i c h e r G e s i c h t s p u n k t,
wovon die Größe nur one single instance 196*), wie sich unter-
scheidet die Betrachtung des Kapitals als solchen von der Be-
trachtung des Kapitals in Beziehung auf andres Kapital oder der
Betrachtung des Kapitals in seiner Realität} in dem Maße, wie der
Bestandteil desselben, der Capital fixe heißt, zunimmt. Das Kapi-
tal von derselben ¦¦42¦ Größe, 100 im obigen Falle, würde 2mal
ganz umgeschlagen im Jahr, wenn es nur aus Capital circulant be-
stünde. Es wird aber nur 2mal umgeschlagen in 16 Monaten, oder
nur 150 Taler werden umgeschlagen in einem Jahr, weil es zur
Hälfte aus Capital fixe besteht. Wie abnimmt die Anzahl seiner
Reproduktion in einer bestimmten Zeit oder abnimmt das Quantum
desselben, das in dieser bestimmten Zeit reproduziert wird, nimmt
ab die Produktion von Surpluszeit oder Surpluswert, da das Kapi-
tal überhaupt nur Wert setzt, soweit es Surpluswert setzt. (Dies
wenigstens seine Tendenz; seine adäquate Aktion.)
Das Capital fixe, wie wir gesehn haben, zirkuliert nur als Wert
in dem Maß, wie es als Gebrauchswert im Produktionsprozeß abge-
nutzt oder konsumiert wird. Von seiner relativen Dauerhaftigkeit
aber hängt die Zeit ab, in der es so konsumiert wird und in sei-
ner Form als Gebrauchswert reproduziert werden muß. Die Dauerhaf-
tigkeit desselben, oder die größre oder kleinre Vergänglichkeit
desselben - d.h. mehr oder weniger Zeit, worin es fortfahren
kann, in den wiederholten Produktionsprozessen des Kapitals seine
Funktion innerhalb dieser Prozesse zu wiederholen - diese Bestim-
mung seines Gebrauchswerts
-----
195*) irgendeine - 196*) ein einziges Beispiel
#586# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
-----
wird also hier ein formbestimmendes Moment, d.h. bestimmend für
das Kapital seiner Formseite nach, nicht seiner stofflichen nach.
Die notwendige Reproduktionszeit des Capital fixe, ebensosehr wie
die Proportion, in der es zum ganzen Kapital steht, modifizieren
hier also die Umschlagszeit des Gesamtkapitals und damit seine
Verwertung. Die größre Dauerhaftigkeit des Kapitals (die Dauer
seiner notwendigen Reproduktionszeit) und die Proportion des Ca-
pital fixe zum Gesamtkapital wirken hier also ebenso 197 die Ver-
wertung, wie der langsamre Umschlag bewirkt entweder dadurch, daß
der Markt, von dem das Kapital als Geld retourniert, räumlich
entfernter ist, also größre Zeit zur Beschreibung der Bahn der
Zirkulation erfordert ist (wie z.B. Kapitalien, die in England
für den ostindischen Markt arbeiten, langsamer retournieren als
solche, die für nähere auswärtige Märkte oder für den home market
arbeiten), oder weil die Produktionsphase selbst durch Naturbe-
dingungen unterbrochen wird, wie in der Agrikultur. Ricardo, der
zuerst den Einfluß des Capital fixe auf den Verwertungsprozeß
betont hat, wirft alle diese Bestimmungen bunt durcheinander, wie
man aus den oben zitierten Stellen sehn kann.
Im ersten Fall (das Capital fixe) wird der Umschlag des Kapitals
vermindert, weil das Capital fixe sich langsam konsumiert inner-
halb des Produktionsprozesses; oder die Ursache liegt in der
Dauer der zu seiner Reproduktion erheischten Zeit. Im zweiten
Fall rührt der verminderte Umschlag her von der Verlängerung der
Z i r k u l a t i o n s z e i t (im ersten Fall zirkuliert das
Capital fixe notwendig immer so rasch wie das Produkt,
s o w e i t es überhaupt zirkuliert, in Zirkulation tritt, weil
es nicht in seiner stofflichen Existenz zirkuliert, sondern nur
als Wert, d.h. als idealer Bestandteil des Gesamtwerts des Pro-
dukts), und zwar der Zirkulationszeit der zweiten Hälfte des
eigentlichen Zirkulationsprozesses, der Rückverwandlung des
Geldes; im dritten Fall rührt der verminderte Umschlag von der
größeren Zeit, nicht die das Kapital braucht, wie im ersten Fall,
um im Produktionsprozeß zu vergehn, sondern aus ihm hervorzugehn
als Produkt. Der erste Fall ist dem capital fixe spezifisch ei-
gen; der andre gehört zu der Kategorie des nicht flüssigen, fi-
xierten, in irgendeiner Phase des Gesamtzirkulationsprozesses fi-
xierten Kapitals (fixed capital of a considerable degree of dura-
bility, o r circulating capital returnable at distant periods
199*). McCulloch. "Principles of Political Economy" [, p. 300].
Heft, S. 15 [285]).
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197*) In der Handschrift: hier also hier ebenso - 198*) Binnen-
markt - 199*) fixes Kapital von beträchtlicher Dauerhaftigkeit
oder zirkulierendes Kapital, das sich erst in späteren Zeiträumen
umschlagen kann
#587# Fixes und zirkulierendes Kapital
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D r i t t e n s: Wir haben das Capital fixe bisher nur nach der
Seite hin betrachtet, wonach seine Unterschiede durch sein beson-
dres Verhalten, spezifisches Verhalten zum eigentlichen Zirkula-
tionsprozeß gesetzt sind. Es werden sich nach dieser Seite noch
andre Unterschiede ergeben. Erstens des Returns seines Werts als
sukzessiven, während jede Portion des Capital circulant ganz aus-
getauscht wird, weil bei ihm die Existenz des Werts zusammenfällt
mit der des Gebrauchswerts. Zweitens nicht bloß, wie wir bisher
getan, [wegen] seines Einflusses auf die Durchschnittsumschlags-
zeit eines gegebnen Kapitals, sondern auf die Umschlagszeit, die
es hat, für sich betrachtet. Der letztre Umstand wird wichtig, wo
das Capital fixe nicht als bloßes Produktionsinstrument innerhalb
des Produktionsprozesses erscheint, sondern als selbständige Form
des Kapitals, z.B. in der Form von Eisenbahnen, Kanälen, Wegen,
Wasserleitungen, als mit dem Boden vermähltes Kapital etc. Es
wird letztre Bestimmung namentlich wichtig für das Verhältnis,
worin das Gesamtkapital eines Landes sich in diese beiden Formen
teilt. Dann die Art, wie es erneuert und erhalten wird; was bei
den Ökonomen in der Form vorkommt, daß es nur Revenue bringen
kann vermittelst des capital circulant etc. Es ist dies letztre
au fond nichts als Betrachtung des moment, wo es nicht als be-
sondre selbständige Existenz n e b e n und a u ß e r d e m
Capital circulant erscheint, sondern als das in fixes Kapital um-
gewandelte Capital circulant. Was wir aber hier zunächst betrach-
ten wollen, ist die Beziehung des Capital fixe nicht nach außen,
sondern soweit sie gegeben ist durch sein Eingeschlossenbleiben
in dem Produktionsprozeß. Es ist 200*) dadurch gesetzt, daß es
ein bestimmtes Moment des Produktionsprozesses selbst ist.
{Es ist gar nicht gesagt, daß das C a p i t a l f i x e in je-
der Bestimmung Kapital ist, das nicht zur individuellen Konsum-
tion, sondern nur zur Produktion dient. Ein Haus kann zur Produk-
tion dienen wie zur Konsumtion; ebenso alle Vehikel, ein Schiff
und ein Wagen zur Lustfahrt wie zum Transportmittel; eine Straße
als Kommunikationsmittel für die eigentliche Produktion wie für
Spazierengehn etc. Das C a p i t a l f i x e in dieser zweiten
Beziehung geht uns gar nichts an; da wir das Kapital hier nur als
Verwertungsprozeß und Produktionsprozeß betrachten. Bei dem Zins
wird noch die zweite Bestimmung hereinkommen. Ricardo kann nur
diese Bestimmung im Auge haben, wenn er sagt:
"Je nachdem das Kapital mehr oder minder vergänglich ist, also
mehr oder minder oft reproduziert werden muß in gegebner Zeit,
heißt es zirkulierendes oder fixes Kapital." (Ricardo. VIII,
19.), 8294]
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200*) In der Handschrift: muß
#588# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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Danach wäre eine Kaffeekanne fixes Kapital, aber der Kaffee
zirkulierendes. Der grobe Materialismus der Ökonomen, die gesell-
schaftlichen Produktionsverhältnisse der Menschen und die Bestim-
mungen, die die Sachen erhalten, als unter diese Verhältnisse
subsumiert, als n a t ü r l i c h e E i g e n s c h a f t e n
der Dinge zu betrachten, ist ein ebenso grober Idealismus, ja Fe-
tischismus, der den Dingen gesellschaftliche Beziehungen als ih-
nen immanente Bestimmungen zuschreibt und sie so mystifiziert.
Die Schwierigkeit, irgendein Ding als fixes Kapital oder zirku-
lierendes seiner natürlichen Beschaffenheit nach zu fixieren, hat
die Ökonomen hier ausnahmsweise zum Einfall gebracht, daß die
Dinge selbst weder fixes noch zirkulierendes, also wohl überhaupt
nicht Kapital sind, sowenig es natürliche Eigenschaft des Goldes
ist, Geld zu sein.}
(Zu den oben aufgezählten Punkten, um es nicht zu vergessen,
kommt noch hinzu die Zirkulation des fixen Kapitals als zirkulie-
renden Kapitals, d. h. die Transaktionen, wodurch es seine Besit-
zer wechselt.)
"Fixes Kapital - gebunden: Kapital, derartig gebunden in einem
Produktionszweig; daß es nicht mehr umgeleitet werden kann, um
sich einem anderen Produktionszweig zu widmen." (Say. 21.) [304]
"Das fixe Kapital konsumiert sich, um das, was der Mensch für
seinen Gebrauch bestimmt, konsumieren zu helfen ... besteht in
dauerhaften Anlagen, geeignet, die Produktionskräfte für die kom-
mende Arbeit zu vermehren." (Sismondi. VI.) [295]
"Capital fixe das Kapital, das nötig ist, um die Instrumente, Ma-
schinen etc. der Arbeit zu unterhalten." (Smith, t. II, p. 226.)
[305]
"Zirkulierendes Kapital wird konsumiert, fixes Kapital lediglich
im großen Wert der Produktion angewendet." ("Economist". Heft VI.
p. I.) [306]
"Es wird sichtbar gemacht, daß der erste Stock oder der erste
Stein, den er zur Vollendung eines Teils seiner Arbeit in die
Hand nimmt, damit er die Verfolgung seiner Ziele erleichtert, ge-
nau den Dienst der Kapitalien verrichtet, die jetzt von den
handeltreibenden Nationen angewandt werden." (Lauderdale, p. 87,
Heft, 8, a.) [307]
"Einer der Wesenszüge, der die Spezies Mensch charakterisiert und
auszeichnet, ist, daß sie auch die Arbeit durch in Maschinen um-
gewandeltes Kapital ersetzt." (p. 120.) (S. 9, Heft Lauderdale.)
"Man versteht jetzt, daß der Profit der Kapitalisten stets entwe-
der daher stammt, daß sie den Teil der Arbeit ersetzen, die der
Mensch sonst mit seinen Händen verrichten mußte; oder daher, daß
sie den Teil der Arbeit vollenden, die die persönlichen Kräfte
der Menschen übersteigt und die er selbst nicht auszuführen
wußte." (p. 119 l.c.)
Lauderdale polemisiert gegen Smith und Locke, ¦¦43¦ deren Ansicht
von der Arbeit als Schöpferin des Profits darin nach ihm resul-
tiert:
"wäre diese Idee vom Benefiz des Kapitals rigoros richtig, so
folgte daraus, daß es nicht eine ursprüngliche Quelle des Reich-
tums, sondern eine abgeleitete ist; und man könnte daher Kapital
nicht als eine der Quellen des Reichtums betrachten, da sein Pro-
fit nichts
#589# Fixes und zirkulierendes Kapital
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ist als eine Übertragung aus der Tasche des Arbeiters in die des
Kapitalisten". (l.c. 116, 117.)
"Der Profit der Kapitalien stammt stets entweder daher, daß sie
den Teil der Arbeit ersetzen, die der Mensch sonst mit seinen
Händen verrichten müßte; oder daher, daß sie den Teil der Arbeit
vollenden, die die persönlichen Kräfte des Menschen übersteigt
und die er selbst nicht auszuführen wußte." (p. 119, l.c. S. 9,
b.)
"Man muß erkennen, daß der Kapitalist, wenn er der Klasse der
Konsumenten durch den Gebrauch, den er von seinem Gelde macht,
einen bestimmten Teil der Arbeit erspart, diese nicht durch einen
gleichen Teil seiner eigenen [Arbeit] ersetzt; womit bewiesen
ist, daß sein Kapital die Arbeit ausführt und nicht er selbst."
(10, Heft, l.c., p. 132.)
"Wenn Adam Smith, statt sich einzubilden, daß die Wirkung einer
Maschine darin besteht, die Arbeit zu erleichtern oder, wie er
sich ausdrückt, die Produktionskraft der Arbeit zu vergrößern
(nur infolge einer seltsamen Verwirrung der Begriffe konnte Herr
Smith sagen, daß die Wirkung der Kapitalien in der Vergrößerung
der Produktionskräfte der Arbeit besteht. Mit der gleichen Logik
hätte er sehr wohl behaupten können, daß die Verkürzung eines Um-
wegs zwischen zwei gegebenen Orten um die Hälfte gleichbedeutend
ist mit der Verdoppelung der Schnelligkeit des Fußgängers), ent-
deckt hätte, daß die hier eingesetzten Fonds, aus denen man die
Maschinen bezahlt, es sind, die Profit abwerfen, er hätte dem
gleichen Umstand auch den Usprung des Profits zugeschrieben." (S.
11, p. 137.)
"Die Kapitalien im Binnenhandel, ob fix oder zirkulierend, dienen
weder der Aktivierung der Arbeit noch der Erhöhung ihrer Produk-
tionskräfte, sondern sind im Gegenteil nur unter zwei Vorausset-
zungen nützlich und profitabel, daß sie entweder der Notwendig-
keit halber einen Teil der Arbeit ersetzen, die der Mensch sonst
mit seinen Händen verrichten müßte; oder daß sie eine gewisse Ar-
beit ausführen, die selbst auszuführen nicht der Kraft des Men-
schen entspricht."
Dies, sagt Lauderdale, ist kein reiner Wortunterschied.
"Die Vorstellung, daß die Kapitalien die Arbeit in Bewegung set-
zen und ihre Produktionskraft vergrößern, geben der Ansicht Raum,
daß die Arbeit überall der Quantität der vorhandenen Kapitalien
proportional ist; daß die Industrie eines Landes immer auf Grund
der angewandten Fonds besteht: woraus zu folgern ist, daß die
Vergrößerung der Kapitalien das souveräne und uneingeschränkte
Mittel zur Vermehrung des Reichtums ist. Wenn man statt dessen
zugibt, daß die Kapitalien nur nützlich und profitabel zu verwen-
den sind, um eine gewisse Arbeit zu ersetzen oder auszuführen,
wird man die einfache Schlußfolgerung daraus ziehen, daß der
Staat keinerlei Vorteil darin finden würde, mehr Kapitalien zu
besitzen, als er zur Durchführung der Arbeit anwenden oder in der
Produktion und der Fabrikation der Dinge einsetzen kann, die der
Konsument verlangt." (p. 150-152 201*), S. 11, 12.)
Um seine Ansicht zu beweisen, daß das Kapital, unabhängig von der
Arbeit une source sui generis of profit 202*) und daher of wealth
203*) ist, verweist er auf
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201*) In der Handschrift: 151, 152 - 202*) eine Quelle eigener
Art des Profits - 203*) des Reichtums
#590# Grundrisse - Das Kapitel vom Kapital - Heft VI
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die Surplusprofite, die der Besitzer einer neu erfundnen Maschine
hat, bevor sein brevet d'invention 204) abgelaufen und die Kon-
kurrenz die Preise niedergedrückt hat, und schließt dann mit den
Worten:
"Diese Abänderung der Richtschnur für die Preise verhindert
nicht, daß der Profit" (für den Gebrauchswert) "der Maschine
[nicht] aus einem Fonds gleicher Art kommt, wie der, aus dem er
vor Ablauf des Patents saldiert wurde; dieser Fonds ist immer der
Teil des Einkommens eines Landes, der vorher dazu ausersehen
wurde, die Arbeit zu entlohnen, welche die neue Erfindung er-
setzt." (l.c. 125, S. 10, b.)
Dagegen Ravenstone (IX, 32):
"Maschinerie kann selten mit Erfolg dazu gebracht werden, die Ar-
beit eines einzelnen zu vermindern; bei ihrer Konstruktion würde
man mehr Zeit verlieren als durch ihre Anwendung ersparen. Sie
ist nur wirklich nützlich, wenn sie auf große Massen wirkt, wenn
eine einzige Maschine die Arbeit von Tausenden unterstützen kann.
Maschinerie wird daher stets am meisten in den dichtest bevölker-
ten Ländern angewandt, wo es die meisten Arbeitslosen gibt. Sie
wird in Gebrauch genommen nicht wegen Mangel an Arbeitern, son-
dern der Leichtigkeit wegen, mit der diese zur Arbeit in Massen
gebracht werden können." (l.c.) [192]
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204*) Patent für die Erfindung
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