Quelle: MEW 42 Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858


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       [Entstehung und Wesen des Geldes]
       
       Ware a = 1 sh (i.e. = 1/x Silber); Ware b = 2 sh (d.h. - 2/x Sil-
       ber). Daher  Ware b = dem doppelten Wert der Ware a. Das Wertver-
       hältnis zwischen a und b ist ausgedrückt durch die Proportion, in
       der sich  beide gegen das Quantum einer dritten Ware austauschen,
       gegen Silber; nicht gegen ein Wertverhältnis.
       Jede Ware  (Produkt oder  Produktionsinstrument) ist = der Verge-
       genständlichung einer  bestimmten Arbeitszeit. Ihr Wert, das Ver-
       hältnis, worin  sie sich  gegen andre Waren austauscht oder andre
       Waren sich  gegen sie  austauschen, ist = dem in ihr realisierten
       Quantum Arbeitszeit.  Wenn die  Ware z.B. = 1 Stunde Arbeitszeit,
       so tauscht  sie sich  aus mit allen andren Waren, die das Produkt
       von 1 Stunde Arbeitszeit. (Dies ganze Raisonnement in der Voraus-
       setzung, daß  der Tauschwert  = dem Marktwert; der Realwert = dem
       Preis.) Der  Wert der Ware ist von der Ware selbst unterschieden.
       Wert (Tauschwert)  ist die Ware nur im Austausch (wirklichen oder
       vorgestellten): Wert  ist nicht nur die Austauschfähigkeit dieser
       Ware im  allgemeinen, sondern  ihre spezifische Austauschbarkeit.
       Er ist zugleich der Exponent des Verhältnisses,
       
       #76# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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       worin sie  sich austauscht mit andren Waren, und der Exponent des
       Verhältnisses, worin  sie sich bereits in der Produktion mit and-
       ren Waren (materialisierter Arbeitszeit) ausgetauscht hat; er ist
       quantitativ bestimmte  ¦¦13¦ Austauschbarkeit.  Die  Waren,  z.B.
       eine Elle Baumwolle und ein Maß Öl, als Baumwolle und Öl betrach-
       tet, sind natürlich verschieden, besitzen verschiedne Eigenschaf-
       ten, werden  durch verschiedne  Maße gemessen, sind inkommensura-
       bel. Als  Werte sind alle Waren qualitativ gleich und nur quanti-
       tativ unterschieden,  messen sich also alle wechselseitig und er-
       setzen sich  (tauschen sich  aus, sind konvertibel gegeneinander)
       in bestimmten  quantitativen Verhältnissen.  Der Wert ist ihr ge-
       sellschaftliches Verhältnis, ihre ökonomische Qualität. Ein Buch,
       das einen bestimmten Wert besitzt, und ein Laib Brot, das densel-
       ben Wert  besitzt, tauschen sich gegeneinander aus, sind derselbe
       Wert nur in verschiednem Material. Als Wert ist die Ware zugleich
       Äquivalent für  alle andren Waren in einem bestimmten Verhältnis.
       Als Wert  ist die  Ware Äquivalent; als Äquivalent sind alle ihre
       natürlichen Eigenschaften in ihr ausgelöscht; steht sie in keinem
       qualitativen besondren  Verhältnis mehr zu den andren Waren; son-
       dern ist  sie sowohl das allgemeine Maß als der allgemeine Reprä-
       sentant, als  das allgemeine  Austauschmittel aller andren Waren.
       Als Wert ist sie  G e l d.
       Aber weil  die Ware oder vielmehr das Produkt oder Produktionsin-
       strument von  sich als  Wert unterschieden  ist, ist sie als Wert
       von sich  als Produkt  unterschieden. Ihre  Eigenschaft als  Wert
       kann nicht  nur, sondern  muß zugleich eine von ihrer natürlichen
       Existenz verschiedne  gewinnen. Warum?  Weil die  Waren als Werte
       nur quantitativ  voneinander verschieden sind, muß jede Ware qua-
       litativ von  ihrem eignen Wert verschieden sein. Ihr Wert muß da-
       her auch  eine von ihr qualitativ unterscheidbare Existenz besit-
       zen, und im wirklichen Austausch muß diese Trennbarkeit zur wirk-
       lichen Trennung  werden, weil  die natürliche Verschiedenheit der
       Waren mit  ihrer ökonomischen  Äquivalenz in  Widerspruch geraten
       muß und  beide nur  nebeneinander bestehn  können, indem die Ware
       eine doppelte Existenz gewinnt, neben ihrer natürlichen eine rein
       ökonomische, in der sie ein bloßes Zeichen, ein Buchstabe für ein
       Produktionsverhältnis ist,  ein bloßes  Zeichen für  ihren eignen
       Wert. Als Wert ist jede Ware gleichmäßig teilbar; in ihrem natür-
       lichen Dasein ist sie es nicht. Als Wert bleibt sie dieselbe, wie
       viele Metamorphosen  und Existenzformen  sie auch  durchläuft; in
       der Wirklichkeit werden Waren nur ausgetauscht, weil sie ungleich
       sind und  verschiednen Systemen von Bedürfnissen entsprechen. Als
       Wert ist sie allgemein, als wirkliche Ware eine Besonderheit. Als
       Wert ist  sie stets austauschbar; in dem wirklichen Austausch ist
       sie es  nur, wenn  sie besondre Bedingungen erfüllt. Als Wert ist
       das Maß ihrer Austauschbarkeit durch sie
       
       #77# Entstehung und Wesen des Geldes
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       selbst bestimmt;  der Tauschwert  drückt eben das Verhältnis aus,
       in dem  sie andre  Waren ersetzt; im wirklichen Austausch ist sie
       nur austauschbar in Quantitäten, die mit ihren natürlichen Eigen-
       schaften zusammenhängen  und den  Bedürfnissen der Austauschenden
       entsprechen. (Kurz  alle Eigenschaften,  die als  besondre Eigen-
       schaften des  Geldes aufgezählt  werden, sind  Eigenschaften  der
       Ware als  Tauschwert; des  Produkts als  Wert im  Unterschied vom
       Wert als  Produkt.) (Der  Tauschwert der  Ware, als besondre Exi-
       stenz neben  der Ware selbst, ist  G e l d;  die Form, worin alle
       Waren sich  gleichen, sich  vergleichen, sich  messen; worin alle
       Waren sich  auflösen, was  sich in alle Waren auflöst; das allge-
       meine Äquivalent.)
       Jeden Augenblick,  im Rechnen, Buchführen etc. verwandeln wir die
       Waren in Wertzeichen, fixieren wir sie als bloße Tauschwerte, ab-
       strahierend von  ihrem Stoff  und allen  ihren natürlichen Eigen-
       schaften. Auf  dem Papier,  im Kopf geht diese Metamorphose durch
       bloße Abstraktion  vor sich; aber im wirklichen Umtausch ist eine
       wirkliche  V e r m i t t l u n g  notwendig, ein Mittel, um diese
       Abstraktion zu bewerkstelligen. Die Ware ist in ihren natürlichen
       Eigenschaften weder  beständig austauschbar  noch mit   j e d e r
       a n d r e n   W a r e   austauschbar, nicht  in ihrer natürlichen
       Gleichheit mit  sich; sondern als sich selbst ungleich, als etwas
       von sich  ungleiches, als Tauschwert gesetzt. Wir müssen sie erst
       in sich  als Tauschwert  umsetzen, um  diesen Tauschwert dann mit
       andren zu vergleichen und auszuwechseln. Im rohsten Tauschhandel,
       wenn zwei Waren gegeneinander ausgetauscht werden, wird jede erst
       gleichgesetzt einem Zeichen, das ihren Tauschwert ausdrückt, z.B.
       bei gewissen  Negern an  den westafrikanischen  Küsten =  x  bars
       [43]. Die eine Ware ist = 1 bar; die andre 2 bars. In diesem Ver-
       hältnis werden  sie ausgetauscht.  Die Waren  werden im Kopf erst
       und in der Sprache in bars verwandelt, bevor sie sich gegeneinan-
       der austauschen.  Sie werden  geschätzt, bevor  sie  ausgetauscht
       werden, und  um sie  zu schätzen, müssen sie in bestimmte Zahlen-
       verhältnisse zueinander gebracht werden. Um sie in solche Zahlen-
       verhältnisse zu  bringen und  sie kommensurabel zu machen, müssen
       sie dieselbe  Denomination (Einheit)  erhalten. (Die  bar besitzt
       eine bloß  imaginäre Existenz,  wie überhaupt  ein Verhältnis nur
       durch Abstraktion  eine besondre  Verkörperung  erhalten,  selbst
       wieder individualisiert  werden kann.) Um den Überschuß des einen
       Werts über  den andren beim Austausch zu decken, zur Liquidierung
       der Bilanz, wird beim rohsten Tauschhandel, wie jetzt bei dem In-
       ternationalhandel, Zahlung in Geld erforderlich.
       Die Produkte  (oder Tätigkeiten) tauschen sich nur aus als Waren;
       die Waren  im Tausche  selbst existieren  nur als  Werte; nur als
       solche vergleichen  sie sich.  Um das  Gewicht Brot zu bestimmen,
       das ich mit einer Elle Leinwand austauschen
       
       #78# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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       kann, setze  ich erst die Elle Leinwand = ihrem Tauschwert, d. h.
       = 1/x  Arbeitszeit. Ebenso  setze ich  das Pfund  Brot  =  seinem
       Tauschwert =  1/x oder  2/x etc.  Arbeitszeit. Ich setze jede der
       Waren =  einem Dritten;  d.h. ¦¦14¦  sich selbst  ungleich.  Dies
       Dritte, von  beiden verschieden,  da es ein Verhältnis ausdrückt,
       existiert zunächst im Kopfe, in der Vorstellung, wie Verhältnisse
       überhaupt nur gedacht werden können, wenn sie fixiert werden sol-
       len, im  Unterschied von den Subjekten, die sich verhalten. Indem
       ein Produkt  (oder Tätigkeit)  Tauschwert wird, wird es nicht nur
       in ein  bestimmtes quantitatives Verhältnis verwandelt, eine Ver-
       hältniszahl - nämlich in eine Zahl, die ausdrückt, welche Quanti-
       tät von andren Waren ihm gleich ist 1*), sein Äquivalent, oder in
       welchem Verhältnis  es das Äquivalent andrer Waren ist -, sondern
       muß zugleich  qualitativ verwandelt werden, in ein andres Element
       umgesetzt werden,  damit beide  Waren benannte Größen werden, mit
       derselben Einheit,  also kommensurabel  werden. Die Ware muß erst
       in Arbeitszeit, also etwas von ihr qualitativ Verschiednes, umge-
       setzt werden  (qualitativ verschieden; 1. weil sie nicht Arbeits-
       zeit als  Arbeitszeit, sondern  materialisierte Arbeitszeit;  Ar-
       beitszeit nicht in der Form der Bewegung, sondern der Ruhe; nicht
       des Prozesses,  sondern des  Resultats ist; 2. weil sie nicht die
       Vergegenständlichung der  Arbeitszeit im  allgemeinen, die nur in
       der Vorstellung  existiert (selbst nur die von ihrer Qualität ge-
       trennte, nur quantitativ verschiedne Arbeit ist), sondern das be-
       stimmte Resultat einer bestimmten, natürlich bestimmten, von and-
       ren Arbeiten qualitativ verschiednen Arbeit ist), um dann als be-
       stimmtes Quantum  Arbeitszeit, bestimmte Arbeitsgröße, mit andren
       Quantis Arbeitszeit, andren Arbeitsgrößen verglichen zu werden.
       Zum bloßen Vergleichen - Schätzen der Produkte -, zu ihrer ideel-
       len Wertbestimmung,  reicht es hin, diese Transformation im Kopfe
       vorzunehmen (eine Transformation, worin das Produkt bloß als Aus-
       druck quantitativer Produktionsverhältnisse existiert). Beim Ver-
       gleichen der  Waren reicht diese Abstraktion hin; beim wirklichen
       Austausch muß die Abstraktion wieder vergegenständlicht, symboli-
       siert, durch  ein Zeichen  realisiert werden. Diese Notwendigkeit
       tritt ein:  1. wie wir bereits gesagt, die auszutauschenden Waren
       werden beide  im Kopfe  in gemeinsame Größenverhältnisse, Tausch-
       werte, verwandelt und so gegeneinander geschätzt. Sollen sie aber
       nun wirklich vertauscht werden, so treten ihre natürlichen Eigen-
       schaften in  Widerspruch mit ihrer Bestimmung als Tauschwerte und
       bloß benannter Zahlen. Sie sind
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       1*) In der Handschrift: sind
       
       #79# Entstehung und Wesen des Geldes
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       nicht beliebig  teilbar etc.  2. Im  wirklichen Austausch  werden
       stets besondre  Waren gegen  besondre Waren ausgetauscht, und die
       Austauschbarkeit jeder  Ware, wie  das Verhältnis, worin sie aus-
       tauschbar ist,  hängt von lokalen und zeitlichen Bedingungen etc.
       ab. Die  Verwandlung der  Ware in Tauschwert setzt sie aber nicht
       einer bestimmten  andren Ware  gleich 2*), sondern drückt sie als
       Äquivalent, ihr  Austauschbarkeitsverhältnis zu  allen andren Wa-
       ren, aus. Diese Vergleichung, die im Kopf mit einem Schlag vorge-
       nommen ist,  wird in  der Wirklichkeit  nur in  einem bestimmten,
       durch das  Bedürfnis bestimmten, Umkreis realisiert, und nur suk-
       zessive. (Z.B.  ich tausche  der Reihe nach ein Einkommen von 100
       Talern, wie  es meine  Bedürfnisse mit  sich bringen, gegen einen
       ganzen Umkreis  von Waren  aus, deren  Summe = dem Tauschwert von
       100 Talern.)  Um also die Ware auf einen Schlag als Tauschwert zu
       realisieren und ihr die allgemeine Wirkung des Tauschwerts zu ge-
       ben, reicht der Austausch mit einer besondren Ware nicht aus. Sie
       muß mit  einem dritten Ding ausgetauscht werden, das nicht selbst
       wieder eine  besondre Ware  ist, sondern  das Symbol der Ware als
       Ware, des  Tauschwerts der  Ware selbst;  d a s  a l s o  s a g e
       d i e   A r b e i t s z e i t   a l s   s o l c h e    r e p r ä-
       s e n t i e r t,  sage ein Stück Papier oder Leder, welches einen
       aliquoten 3*) Teil Arbeitszeit repräsentiert. (Ein solches Symbol
       unterstellt  die   allgemeine  Anerkennung;   es  kann   nur  ein
       gesellschaftliches Symbol  sein; es  drückt in  der Tat  nur  ein
       gesellschaftliches Verhältnis aus.) Dies Symbol repräsentiert die
       aliquoten  Teile  der  Arbeitszeit;  den  Tauschwert  in  solchen
       aliquoten Teilen,  als fähig  sind durch  einfache  arithmetische
       Kombination alle  Verhältnisse der Tauschwerte untereinander aus-
       zudrücken. Dies  Symbol, dies  materielle Zeichen des Tauschwerts
       ist ein Produkt des Tausches selbst, nicht die Ausführung einer a
       priori gefaßten Idee. (In fact wird die Ware, die als Mittler des
       Austauschs gebraucht wird, erst nach und nach in Geld verwandelt,
       in ein Symbol; sobald das geschehn ist, kann ein Symbol derselben
       sie selbst  wieder ersetzen.  Sie wird jetzt bewußtes Zeichen des
       Tauschwerts.)
       Der Prozeß  ist also  einfach der:  Das Produkt  wird Ware,  d.h.
       b l o ß e s   M o m e n t   d e s  A u s t a u s c h s.  Die Ware
       wird in  Tauschwert verwandelt. Um sie sich selbst als Tauschwert
       gleichzusetzen, wird  sie mit  einem Zeichen  vertauscht, das sie
       als den  Tauschwert als solchen repräsentiert. Als solcher symbo-
       lisierter Tauschwert  kann sie dann wieder in bestimmten Verhält-
       nissen mit  jeder andren  Ware ausgetauscht  werden. Dadurch, daß
       das Produkt  Ware und die Ware Tauschwert wird, erhält es erst im
       Kopfe eine doppelte Existenz. Diese ideelle Verdopplung geht (und
       muß dazu fortgehn), daß die Ware im
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       2*) In der Handschrift: aus - 3*) ohne Rest aufgehenden
       
       #80# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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       wirklichen Austausch  doppelt erscheint:  als natürliches Produkt
       auf der  einen Seite,  als Tauschwert  auf der andren. D. h., ihr
       Tauschwert erhält eine materiell von ihr getrennte Existenz.
       ¦¦15¦ Die  Bestimmung des  Produkts im  Tauschwert bringt es also
       notwendig mit  sich, daß  der Tauschwert  eine  vom  Produkt  ge-
       trennte, losgelöste  Existenz erhält.  Der von  den Waren  selbst
       losgelöste und  selbst als  eine Ware  neben ihnen,  existierende
       Tauschwert ist  -   G e l d.   Alle Eigenschaften  der  Ware  als
       Tauschwert erscheinen  als ein  von ihr  verschiedner Gegenstand,
       eine von  ihrer natürlichen  Existenzform losgelöste soziale Exi-
       stenzform im   G e l d.  (Dies weiter nachzuweisen, indem die ge-
       wöhnlichen Eigenschaften  des Geldes aufgezählt werden.) (Das Ma-
       terial, worin  dieses Symbol  ausgedrückt  wird,  ist  keineswegs
       gleichgültig, so  verschieden es  auch historisch  auftritt.  Die
       Entwicklung der Gesellschaft arbeitet mit dem Symbol auch das ihm
       mehr und  mehr entsprechende Material heraus, von dem sie nachher
       wieder sich  loszuwinden strebt;  ein Symbol, wenn es nicht will-
       kürlich ist, erfordert gewisse Bedingungen in dem Material, worin
       es dargestellt  wird. So  z.B. die  Zeichen für  Worte  eine  Ge-
       schichte haben.  Buchstabenschrift etc.)  Der Tauschwert des Pro-
       dukts erzeugt  also das Geld neben dem Produkt. Wie es nun unmög-
       lich ist,  Verwicklungen und  Widersprüche, die  aus der Existenz
       des Geldes neben den besondren Waren hervorgehn, dadurch aufzuhe-
       ben, daß  man die  Form des Geldes verändert (obgleich Schwierig-
       keiten, die  einer niedrigem Form desselben angehören, durch eine
       höhre vermieden  werden mögen), ebenso unmöglich ist es, das Geld
       selbst aufzuheben,  solange der  Tauschwert die gesellschaftliche
       Form der  Produkte bleibt.  Es ist nötig, dies klar einzusehn, um
       sich keine  unmöglichen Aufgaben  zu stellen  und die  Grenzen zu
       kennen, innerhalb deren Geldreformen und Zirkulationsumwandlungen
       die Produktionsverhältnisse  und die  auf ihnen  ruhenden gesell-
       schaftlichen Verhältnisse neugestalten können.
       Die Eigenschaften  des Geldes als 1. Maß des Warenaustausches; 2.
       als Austauschmittel;  3. als Repräsentant der Waren (deswegen als
       der Gegenstand  der Kontrakte);  4. als allgemeine Ware neben den
       besondren Waren  - folgen  alle einfach aus seiner Bestimmung des
       von den  Waren selbst getrennten und vergegenständlichten Tausch-
       werts. (Die Eigenschaft des Geldes als allgemeine Ware gegen alle
       andren, als Verkörperung ihres Tauschwerts, macht es zugleich zur
       realisierten und  stets realisierbaren  Form  des  Kapitals;  zur
       stets gültigen  Erscheinungsform des  Kapitals, eine Eigenschaft,
       die bei den Bulliondrains 4*) hervortritt; die macht, daß das Ka-
       pital historisch zuerst nur in der
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       4*) Gold- und Silberabflüssen
       
       #81# Entstehung und Wesen des Geldes
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       Form des  Geldes erscheint;  die  endlich  den  Zusammenhang  des
       Geldes mit dem Zinsfuß und seine Einwirkung darauf erklärt.)
       Je mehr  die Produktion sich dermaßen gestaltet, daß jeder Produ-
       zent vom  Tauschwert seiner Ware abhängig wird, d.h., je mehr das
       Produkt wirklich Tauschwert wird und der Tauschwert das unmittel-
       bare  Objekt   der  Produktion,   desto  mehr   müssen  sich  die
       G e l d v e r h ä l t n i s s e  entwickeln und die Widersprüche,
       die dem   G e l d v e r h ä l t n i s s e,   dem Verhältnisse des
       Produkts zu  sich als Geld, immanent sind. Das Bedürfnis des Aus-
       tauschs und  die Verwandlung  des Produkts  in reinen  Tauschwert
       schreitet voran  im selben  Maß wie  die Teilung der Arbeit, d.h.
       mit dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion. Aber in dem-
       selben Maße,  wie dieser  wächst, wächst  die Macht  des   G e l-
       d e s,   d.h. setzt sich das Tauschverhältnis als eine den Produ-
       zenten gegenüber äußere und von ihnen unabhängige Macht fest. Was
       ursprünglich als  Mittel zur  Förderung der  Produktion erschien,
       wird zu  einem den  Produzenten fremden  Verhältnis. In demselben
       Verhältnis, wie  die Produzenten  vom Austausch  abhängig werden,
       scheint der  Austausch von  ihnen unabhängig  zu werden  und  die
       Kluft zwischen  dem Produkt  als  Produkt  und  dem  Produkt  als
       Tauschwert zu  wachsen. Das  Geld bringt diese Gegensätze und Wi-
       dersprüche nicht  hervor; sondern  die Entwicklung  dieser Wider-
       sprüche und Gegensätze bringt die scheinbar transzendentale Macht
       des Geldes hervor. (Auszuführen der Einfluß der Verwandlung aller
       Verhältnisse in  Geldverhältnisse:  der  Naturalsteuer  in  Geld-
       steuer, der  Naturalrente in  Geldrente,  der  Kriegsleistung  in
       Mietstruppe, überhaupt  aller persönlichen Leistungen in Geldlei-
       stungen, der  patriarchalischen, sklavischen, leibeignen, zünfti-
       gen Arbeit in reine Lohnarbeit.)
       Das Produkt  wird zur  Ware; die  Ware wird  zum Tauschwert;  der
       Tauschwert der  Ware ist  ihre immanente  Geldeigenschaft;  diese
       ihre Geldeigenschaft löst sich von ihr als Geld los, gewinnt eine
       allgemeine, von  allen besondren Waren und ihrer natürlichen Exi-
       stenzweise gesonderte  soziale Existenz;  das Verhältnis des Pro-
       dukts zu  sich als Tauschwert wird sein Verhältnis zu einem neben
       ihm existierenden  Gelde oder  aller Produkte  zu dem außer ihnen
       allen existierenden  Geld. Wie  der wirkliche  Austausch der Pro-
       dukte ihren  Tauschwert erzeugt,  so erzeugt  ihr Tauschwert  das
       Geld.
       Die nächste  Frage, die  nun entgegentritt, ist die: Die Existenz
       des Geldes neben den Waren, hüllt sie nicht von vorn Widersprüche
       ein, die mit diesem Verhältnisse selbst gegeben sind?
       E r s t e n s:   Das einfache  Faktum, daß  die Ware doppelt exi-
       stiert, einmal  als bestimmtes  Produkt, das seinen Tauschwert in
       seiner natürlichen  Daseinsform ideell  enthält (latent enthält),
       und dann als manifestierter Tauschwert (G e l d),  der wieder al-
       len Zusammenhang mit der natürlichen Daseinsform des Produkts
       
       #82# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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       abgestreift hat,  diese doppelte  v e r s c h i e d n e  Existenz
       muß zum   U n t e r s c h i e d,  der Unterschied zum  G e g e n-
       s a t z  und ¦¦16¦  W i d e r s p r u c h  fortgehn. Derselbe Wi-
       derspruch zwischen  der besondren  Natur der Ware als Produkt und
       ihrer allgemeinen  Natur als  Tauschwert, der  die  Notwendigkeit
       erzeugte, sie doppelt zu setzen, einmal als diese bestimmte Ware,
       das andre  Mal als Geld, der Widerspruch zwischen ihren besondren
       natürlichen Eigenschaften  und ihren  allgemeinen sozialen Eigen-
       schaften enthält von vornherein die Möglichkeit, daß diese beiden
       getrennten Existenzformen  der Ware  nicht gegeneinander  konver-
       tibel sind.  Die Austauschbarkeit der Ware existiert als ein Ding
       neben ihr  im Gelde,  als etwas  von ihr Verschiednes, nicht mehr
       unmittelbar Identisches.  Sobald das  Geld ein  äußres Ding neben
       der Ware ist, ist die Austauschbarkeit der Ware gegen Geld sofort
       an äußre  Bedingungen geknüpft,  die eintreten können oder nicht;
       äußerlichen Bedingungen  preisgegeben. Die Ware wird im Austausch
       verlangt  wegen   ihrer  natürlichen   Eigenschaften,  wegen  der
       Bedürfnisse, deren  Objekt sie  ist. Das  Geld dagegen nur seines
       Tauschwerts wegen,  als Tauschwert.  Ob die  Ware daher umsetzbar
       ist gegen Geld, gegen es ausgetauscht werden kann, ob für sie ihr
       Tauschwert gesetzt  werden kann,  hängt  von  Umständen  ab,  die
       zunächst mit  ihr als  Tauschwert nichts  zu schaffen  haben  und
       unabhängig davon  sind. Die  Umsetzbarkeit der Ware hängt von den
       natürlichen Eigenschaften  des Produkts  ab; die des Geldes fällt
       zusammen mit  seiner Existenz  als symbolisierter  Tauschwert. Es
       wird also  möglich, daß  die Ware  in ihrer  bestimmten Form  als
       Produkt nicht  mehr umgetauscht,  gleichgesetzt werden  kann  mit
       ihrer allgemeinen Form als Geld.
       Indem die Austauschbarkeit der Ware außer ihr als Geld existiert,
       ist sie etwas von ihr Verschiednes, ihr Fremdes geworden; mit dem
       sie erst  gleichgesetzt werden  muß, dem sie also d'abord 5*) un-
       gleich ist; während die Gleichsetzung selbst von äußren Bedingun-
       gen abhängig wird, also zufällig.
       Z w e i t e n s:   Wie der Tauschwert der Ware doppelt existiert,
       als die bestimmte Ware und als Geld, so zerfällt der Akt des Aus-
       tauschs in  zwei voneinander unabhängige Akte: Austausch der Ware
       gegen Geld, Austausch des Geldes gegen Ware; Kauf und Verkauf. Da
       diese nun  eine räumlich und zeitlich voneinander gesonderte, ge-
       geneinander gleichgültige  Existenzform gewonnen haben, hört ihre
       unmittelbare Identität auf. Sie können sich entsprechen und nicht
       entsprechen; sie  können sich  decken oder  nicht; sie  können in
       Mißverhältnisse zueinander treten. Sie werden sich zwar beständig
       auszugleichen suchen;  aber an die Stelle der frühern unmittelba-
       ren Gleichheit ist jetzt die beständige Bewegung der Ausgleichung
       getreten, die eben beständige Ungleichsetzung
       -----
       5*) zunächst
       
       #83# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       voraussetzt. Die  Konsonanz kann  jetzt voll  möglicherweise  nur
       durch Durchlaufen der äußersten Dissonanzen erreicht werden.
       D r i t t e n s:   Mit der  Trennung des  Kaufs und Verkaufs, der
       Spaltung des Austauschs in zwei voneinander räumlich und zeitlich
       unabhängige Akte,  tritt ferner  ein andres neues Verhältnis her-
       vor.
       Wie sich  der Austausch selbst zerspaltet in zwei voneinander un-
       abhängige Akte,  so trennt sich die Gesamtbewegung des Austauschs
       selbst von  den Austauschenden,  den Produzenten  der Waren.  Der
       Austausch des  Austauschs wegen trennt sich vom Austausch der Wa-
       ren wegen. Ein Kaufmannsstand tritt zwischen die Produzenten, ein
       Stand, der  bloß kauft,  um zu  verkaufen, und  bloß verkauft, um
       wieder zu  kaufen, und  in dieser  Operation nicht den Besitz der
       Waren als  Produkte  bezweckt,  sondern  bloß  das  Erhalten  von
       Tauschwerten als  solchen, von  Geld. (Beim  bloßen  Tauschhandel
       kann sich ein Kaufmannsstand bilden. Da er aber bloß den Überfluß
       der Produktion  auf beiden  Seiten zur Disposition hat, so bleibt
       sein Einfluß  auf die  Produktion selbst  durchaus sekundär,  wie
       seine ganze  Wichtigkeit.) Der  Verselbständigung des Tauschwerts
       im Geld,  von den  Produkten  losgerissen,  entspricht  die  Ver-
       selbständigung des  Austauschs (Handels) als von den Austauschen-
       den losgerißne Funktion. Der Tauschwert war das Maß des Warenaus-
       tauschs; aber  sein Zweck war der direkte Besitz der ausgetausch-
       ten Ware, ihre Konsumtion (ob diese Konsumtion nun darin besteht,
       daß sie  direkt zur  Befriedigung von  Bedürfnissen, als  Produkt
       dient, oder selbst wieder als Produktionswerkzeug). Der Zweck des
       Handels ist nicht direkt die Konsumtion, sondern das Erwerben von
       Geld, von  Tauschwerten. Durch diese Verdopplung des Austauschs -
       des Austauschs  der Konsumtion  wegen und des Austauschs des Aus-
       tauschs wegen - entsteht ein neues Mißverhältnis. Der Kaufmann in
       seinem Austausch  ist bloß  bestimmt durch die Differenz zwischen
       Kauf und Verkauf der Waren; aber der Konsument hat den Tauschwert
       der Ware,  die er  kauft, definitiv zu ersetzen. Die Zirkulation,
       der Austausch  innerhalb des  Kaufmannsstandes, und  das Ende der
       Zirkulation, der  Austausch zwischen  dem Kaufmannsstand  und den
       Konsumenten, sosehr  sie sich  schließlich wechselseitig bedingen
       müssen, sind  durch ganz  andre Gesetze  und Motive  bestimmt und
       können in  den größten  Widerspruch miteinander geraten. Schon in
       dieser Trennung  liegt die  Möglichkeit der Handelskrisen. Da die
       Produktion aber  unmittelbar für den Handel und nur mittelbar für
       die ¦¦17¦  Konsumtion arbeitet, muß sie ebensosehr von dieser In-
       kongruenz zwischen Handel und Konsumtionsaustausch ergriffen wer-
       den, als sie ihrerseits erzeugen. (Die Verhältnisse von Nachfrage
       und Zufuhr  werden gänzlich verkehrt.) (Von dem eigentlichen Han-
       del trennt sich dann wieder das Geldgeschäft.)
       
       #84# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
       -----
       A p h o r i s m e n.   (Alle Waren  sind vergängliches  Geld; das
       Geld ist die unvergängliche Ware. [44] Je weiter sich die Teilung
       der Arbeit  entwickelt, um  so mehr hört das unmittelbare Produkt
       auf, ein  Tauschmittel zu  sein. Es tritt die Notwendigkeit eines
       allgemeinen Tauschmittels ein, d. h. eines Tauschmittels, das von
       der spezifischen  Produktion eines  jeden unabhängig ist. Im Geld
       ist der Wert der Sachen von ihrer Substanz getrennt. Das Geld ist
       ursprünglich der  Repräsentant aller  Werte; in  der Praxis dreht
       sich die  Sache um,  und alle realen Produkte und Arbeiten werden
       die Repräsentanten des Geldes. Im unmittelbaren Tauschhandel kann
       nicht jeder Artikel gegen jeden Artikel und eine bestimmte Tätig-
       keit kann  nur gegen  bestimmte Produkte ausgetauscht werden. Die
       Schwierigkeiten, die  im Tauschhandel  liegen, kann  das Geld nur
       aufheben, indem  es sie verallgemeinert, universell macht. Es ist
       absolut nötig, daß die gewaltsam getrennten Elemente, die wesent-
       lich  zusammengehören,   durch  gewaltsame   Eruption  sich   als
       T r e n n u n g   eines wesentlich  Zusammengehörigen  ausweisen.
       Die Einheit  stellt sich   g e w a l t s a m    her.  Sobald  die
       feindliche Spaltung  zu Eruptionen führt, weisen die Ökonomen auf
       die   w e s e n t l i c h e   E i n h e i t  hin und abstrahieren
       von der  Entfremdung. Ihre  apologetische  Weisheit  besteht  6*)
       darin, in  allen entscheidenden Momenten ihre eignen Bestimmungen
       zu vergessen.  Das Produkt  als unmittelbares Tauschmittel ist 1.
       noch unmittelbar zusammenhängend mit seiner natürlichen Qualität,
       also in jeder Weise beschränkt durch dieselbe; kann sich z.B. de-
       teriorieren etc.; 2. mit dem unmittelbaren Bedürfnis, das der an-
       dre grade  nach diesem Produkt hat oder nicht hat, oder auch nach
       seinem Produkt  habe. Indem das Produkt der Arbeit und die Arbeit
       selbst dem  Austausch unterworfen  wird, kömmt ein Moment herein,
       wo sie  von ihrem  Besitzer getrennt  werden. Ob  sie aus  dieser
       Trennung in einer andren Gestalt wieder zu ihm zurückkehren, wird
       z u f ä l l i g.   Indem das  Geld in  den Austausch hereinkommt,
       bin ich  gezwungen, mein Produkt gegen den allgemeinen Tauschwert
       oder die  allgemeine Tauschfähigkeit  auszutauschen, und  so wird
       mein Produkt vom allgemeinen commerce abhängig und aus seinen lo-
       kalen, natürlichen und individuellen Grenzen herausgerissen. Eben
       hierdurch kann es aufhören, ein Produkt zu sein.)
       V i e r t e n s:   Wie der  Tauschwert im  Geld als    a l l g e-
       m e i n e   W a r e   neben alle  besondren Waren tritt, so tritt
       dadurch zugleich der Tauschwert als  b e s o n d r e  W a r e  im
       Geld (da  es eine  besondre Existenz  besitzt) neben  alle andren
       Waren. Nicht  nur, daß dadurch eine Inkongruenz entsteht, daß das
       Geld, weil  es nur  im Austausch  existiert, als  die  allgemeine
       Tauschfähigkeit der besondren
       -----
       6*) In der Handschrift: bestimmt
       
       #85# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       Tauschfähigkeit der Waren gegenübertritt und sie unmittelbar aus-
       löscht und  trotzdem beide  beständig  gegeneinander  konvertibel
       bleiben sollen;  so tritt  das (leid  dadurch mit sich selbst und
       seiner Bestimmung  in Widerspruch,  daß  es  selbst  eine    b e-
       s o n d r e   Ware ist  (selbst wenn  nur Zeichen)  und daher  in
       seinem Austausch  gegen andre Waren wieder besondren Austauschbe-
       dingungen unterworfen  wird, die  seiner allgemeinen  unbedingten
       Austauschbarkeit widersprechen. (Hier noch gar nicht von Geld als
       fixiert in  der Substanz  eines bestimmten  Produkts etc. gespro-
       chen.) Der  Tauschwert gewann  neben seiner  Existenz in der Ware
       eine eigne  Existenz im  Geld, er  wurde von  seiner Substanz ge-
       trennt, eben  weil die  natürliche Bestimmtheit  dieser  Substanz
       seiner allgemeinen  Bestimmung als  Tauschwert widersprach.  Jede
       Ware ist  der andren  gleich (oder  vergleichbar) als  Tauschwert
       (q u a l i t a t i v:   jede repräsentiert nur noch ein  q u a n-
       t i t a t i v e s   Plus oder  Minus des  Tauschwerts). Darum ist
       diese ihre Gleichheit, diese ihre Einheit unterschieden von ihrer
       natürlichen Verschiedenheit  und erscheint  daher im  Geld sowohl
       als ihr  gemeinsames Element  wie als ein Drittes gegen sie. Aber
       einerseits bleibt  der Tauschwert  natürlich  zugleich  eine  in-
       härente Qualität  der Waren, während er zugleich außer ihnen exi-
       stiert; andrerseits wird das Geld, indem es nicht mehr als Eigen-
       schaft der  Waren, als  ein Allgemeines derselben existiert, son-
       dern neben  ihnen individualisiert ist, selbst eine  b e s o n d-
       r e   Ware neben  den andren  Waren (durch  Nachfrage und  Zufuhr
       bestimmbar; zerfällt  in besondre  Geldsorten etc.). Es wird eine
       Ware wie  die andren  Waren und  ist zugleich  keine Ware wie die
       andren Waren.  Trotz seiner  allgemeinen Bestimmung  ist  es  ein
       Austauschbares neben  andren Austauschbaren. Es ist nicht nur der
       allgemeine Tauschwert;  sondern zugleich ein besondrer Tauschwert
       neben andren  besondren Tauschwerten. Hier neue Quelle von Wider-
       sprüchen, die sich in der Praxis geltend machen. (In der Trennung
       des Geldgeschäfts  vom wirklichen Handel tritt die besondre Natur
       des Geldes wieder hervor.)
       Wir sehn  also, wie es dem Geld immanent ist, seine Zwecke zu er-
       füllen, indem  es sie  zugleich negiert; sich zu verselbständigen
       gegen die  Waren; aus  einem Mittel  zum  Zweck  zu  werden;  den
       Tauschwert der  Waren  zu  realisieren,  indem  es  sie  von  ihm
       lostrennt; den  Austausch zu  erleichtern, indem  es ihn spaltet;
       die Schwierigkeiten  des unmittelbaren  Warenaustauschs zu  ¦¦18¦
       überwinden, indem  es sie verallgemeinert; in demselben Grad, wie
       die Produzenten  vom Austausch abhängig werden, den Austausch ge-
       gen die Produzenten zu verselbständigen.
       (Es wird später nötig sein, eh von dieser Frage abgebrochen wird,
       die idealistische  Manier der Darstellung zu korrigieren, die den
       Schein hervorbringt, als handle es sich nur um Begriffsbestimmun-
       gen und die Dialektik
       
       #86# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
       -----
       dieser Begriffe. Also vor allem die Phrase: Das Produkt (oder Tä-
       tigkeit) wird Ware; die Ware Tauschwert; der Tauschwert Geld.)
       ("Economist". 24  Jan. 1857.  Folgender Satz gelegentlich bei den
       banks zu berücksichtigen:
       
       "Soweit die  kaufmännischen Klassen  an den  Profiten der  Banken
       teilhaben, was  jetzt ziemlich  allgemein der Fall - und ein noch
       höheres Ausmaß  erreichen dürfte infolge der weiteren Ausbreitung
       der Aktienbanken,  der Abschaffung aller Körperschaftsprivilegien
       und der  Ausdehnung der völligen Freiheit auf das Bankgeschäft -,
       ist wegen der gestiegenen Geldkurse ihr Reichtum größer geworden.
       Tatsächlich sind  die kaufmännischen Klassen infolge der Höhe ih-
       rer Einlagen  im Grunde genommen ihre eigenen Bankiers; und inso-
       fern das  zutrifft, muß  für sie der Diskontsatz von geringer Be-
       deutung sein.  Alle Bank-  und anderen Reserven müssen selbstver-
       ständlich Ergebnisse anhaltenden Fleißes und aus Profiten zurück-
       gelegter Ersparnisse  sein; und  wenn man folglich die kaufmänni-
       schen oder  industriellen Klassen  als Ganzes  nimmt, müssen  sie
       ihre eigenen Bankiers sein, und es ist nur nötig, das Prinzip des
       freien Handels  auf alle  Geschäfte auszudehnen,  um für  sie die
       Vorteile und  Nachteile aller  Schwankungen des  Geldmarktes aus-
       zugleichen oder zu neutralisieren.")
       
       Alle Widersprüche  des  G e l d s y s t e m s  und des Produkten-
       austauschs unter dem Geldsystem sind die Entwicklung des Verhält-
       nisses der Produkte als  T a u s c h w e r t e,  ihrer Bestimmung
       als  T a u s c h w e r t  oder  W e r t  schlechthin.
       
       ("Morning Star".  12 Febr.  1857. "Der Gelddruck während des ver-
       gangenen Jahres  und der hohe Diskontsatz, der infolgedessen ein-
       geführt wurde,  waren sehr  vorteilhaft für  die Profite der Bank
       von Frankreich. Ihre Dividende hat sich weiter erhöht: 118 frs im
       Jahre 1852, 154 frs im Jahre 1853, 194 frs im Jahre 1854, 200 frs
       im Jahre 1855, 272 frs im Jahre 1856.")
       
       Zu bemerken auch folgende Stelle:
       
       "Die englischen  Silbermünzen wurden  zu einem  Preis ausgegeben,
       der über  dem in ihnen enthaltenen Silberwert lag. Ein Pfund Sil-
       ber im  Wert von  60-62 sh (3 £ im Durchschnitt in Gold) wurde zu
       Münzen im Wert von 66 sh geprägt. Die Münze zahlt den Tagesmarkt-
       preis von  5 sh  bis 5 sh 2 d je Unze und gibt sie zu einem Kurs-
       wert von  5 sh  6d je  Unze heraus. Zwei Ursachen verhindern, daß
       aus dieser  Anordnung irgendeine  Unannehmlichkeit in  der Praxis
       entsteht: (von   S i l b e r m ü n z e n,   nicht  von wirklichem
       Wert) erstens, die Münze kann nur an der Münzstätte und zu diesem
       Preis erworben  werden; denn als Zirkulationsmittel im Lande kann
       sie nicht  abgewertet werden  und sie kann nicht außer Landes ge-
       schickt werden, weil sie hier über ihren eigentlichen Wert hinaus
       zirkuliert; und  zweitens, da  sie nur  bis zu 40 sh legales Zah-
       lungsmittel ist,  gerät sie  niemals in Konflikt mit den Goldmün-
       zen, noch  beeinflußt sie  deren Wert.  Gibt Frankreich  den Rat,
       ebenso Silbermünzen mit geringerem Wert auszugeben, nicht mit dem
       eigentlichen Wert,  und den  Betrag zu begrenzen, für den sie ein
       legales Zahlungsmittel  sein sollten. Zu gleicher Zeit aber: Wenn
       sie die Qualität der Münze festlegen, einen
       
       #87# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       breiteren Spielraum  zwischen dem  eigentlichen und  dem Nominal-
       wert, den  wir in  England haben, einzuräumen, weil der wachsende
       Wert des  Silbers im  Verhältnis zum  Gold sehr wahrscheinlich in
       Kürze unseren gegenwärtigen Münzpreis erreichen wird und wir dann
       gezwungen sind,  ihn wieder  zu ändern.  Unsere Silbermünze liegt
       gegenwärtig wenig  mehr als 5% unter ihrem eigentlichen Wert: Für
       eine kurze  Zeit danach  waren es  10%."  ("Economist".  24  Jan.
       1857.)
       
       Es könnte nun gedacht werden, daß das Ausgeben von Stundenzetteln
       alle diese  Schwierigkeiten überkömmt. (Die Existenz des Stunden-
       zettels setzt natürlich schon Bedingungen voraus, die bei der Un-
       tersuchung des Verhältnisses von Tauschwert und Geld nicht unmit-
       telbar gegeben  sind und  ohne welche beide existieren können und
       existieren: öffentlicher  Kredit; Bank etc.; doch alles dies hier
       nicht weiter zu berühren; da natürlich die Männer des Stundenzet-
       tels ihn  als letztes  Produkt der  "Serie" [45] betrachten, das,
       wenn es dem "reinen" Begriff des Geldes am meisten entspricht, in
       der Realität  zuletzt "erscheint".) Zunächst: Wenn die Vorausset-
       zungen, worunter  der Preis der Waren = ihrem Tauschwert, als er-
       füllt vorausgesetzt  werden: Decken von Nachfrage und Zufuhr; von
       Produktion und  Konsumtion; in letzter Instanz Proportionate Pro-
       duction 7*)  [46] (die sog. Distributionsverhältnisse sind selbst
       Produktionsverhältnisse), so wird die Geldfrage ganz sekundär und
       speziell die  Frage, ob tickets, blaue oder grüne, blecherne oder
       papierne, ausgegeben  werden oder  in welcher andren Form die ge-
       sellschaftliche Buchführung  gehandhabt wird.  Es ist dann höchst
       abgeschmackt, den Vorwand, als ob Untersuchungen über die wirkli-
       chen Geldverhältnisse angestellt werden sollten, beizubehalten.
       ¦¦19¦ Die  Bank (any  bank 8*))  gibt die  Stundenzettel aus. Die
       Ware a = dem Tauschwert x, d.h. = x Arbeitszeit, tauscht sich aus
       gegen Geld,  repräsentierend x Arbeitszeit. Die Bank müßte ebenso
       die Ware  kaufen, d.  h. gegen  ihren Geldrepräsentanten  austau-
       schen, wie  z.B. jetzt  die Bank von England für Gold Noten geben
       muß. Die  Ware, das  substantielle und darum zufällige Dasein des
       Tauschwerts, wird  ausgetauscht gegen  das symbolische Dasein des
       Tauschwerts als  Tauschwerts. Es  ist so keine Schwierigkeit, sie
       aus der  Form der Ware in die Form des Geldes umzusetzen. Die Ar-
       beitszeit, die  in ihr enthalten ist, braucht nur authentisch ve-
       rifiziert zu  sein (was  nebenbei gesagt nicht so leicht ist, wie
       die Feinheit  und das  Gewicht von  Gold und Silber erproben) und
       erzeugt damit  sofort ihre  contrevaleur 9*); ihr Gelddasein. Wie
       wir immer  die Sache  wenden und  drehn mögen, in letzter Instanz
       läuft sie darauf hinaus: Die Bank, die die Stundenzettel ausgibt,
       käuft die Ware zu
       -----
       7*) proportionale Produktion  - 8*) irgendeine  Bank -  9*) ihren
       Gegenwert
       
       #88# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
       -----
       ihren Produktionskosten,  kauft alle  Waren, und  zwar kostet ihr
       das Kaufen  nichts als  die Produktion  von Papierschnitzeln, die
       dem Verkäufer anstatt des Tauschwerts, den er in einer bestimmten
       substantiellen Form besitzt, den symbolischen Tauschwert der Ware
       gibt, in  andren Worten  eine Anweisung auf alle andren Waren zum
       Belauf desselben Tauschwerts. Der Tauschwert als solcher kann na-
       türlich nur  symbolisch existieren, obgleich dieses Symbol, um es
       als Sache anwenden zu können - nicht bloß als Vorstellungsform -,
       sachliches Dasein  besitzt; nicht  nur ideelle  Vorstellung  ist,
       sondern wirklich  vorgestellt in  einer  gegenständlichen  Weise.
       (Ein Maß  kann in  der Hand behalten werden; der Tauschwert mißt,
       aber er  tauscht nur aus, indem das Maß aus der einen Hand in die
       andre übergeht. [47])
       Also die Bank gibt für die Ware Geld; Geld, das exakt eine Anwei-
       sung auf  den Tauschwert  der Ware, d. h. auf alle Waren von dem-
       selben Wert,  ist: Die  Bank kauft.  Die Bank  ist der allgemeine
       Käufer, der  Käufer nicht nur dieser oder jener Ware, sondern al-
       ler Ware.  Denn sie soll eben den Umsatz jeder Ware in ihr symbo-
       lisches Dasein  als Tauschwert bewerkstelligen. Wenn sie aber der
       allgemeine Käufer  ist, muß  sie auch  der  allgemeine  Verkäufer
       sein, nicht  nur das  Dock, worin  alle Waren  deponiert  werden,
       nicht nur  das allgemeine Warenhaus, sondern der Besitzer der Wa-
       ren, in demselben Sinn, wie es jeder andre Kaufmann ist. Ich habe
       meine Ware  a gegen  den Stundenzettel  b ausgetauscht, der ihren
       Tauschwert vorstellt;  aber nur,  damit ich  dies b  nun beliebig
       wieder in  allen wirklichen  Waren c, d, e, etc. metamorphosieren
       kann. Kann nun dieses Geld zirkulieren außerhalb der Bank? Anders
       als zwischen  dem Inhaber  des Zettels  und der Bank? Wodurch ist
       die Konvertibilität  dieses Zettels  gesichert? Es  sind nur zwei
       Fälle möglich. Entweder sämtliche Wareninhaber (Produkte oder Ar-
       beit) wollen ihre Ware zu ihrem Tauschwert verkaufen, oder einige
       wollen, andre  nicht. Wenn sie alle zu ihrem Tauschwert verkaufen
       wollen, so werden sie nicht den Zufall abwarten, ob sich ein Käu-
       fer findet  oder nicht,  sondern gehn sofort zur Bank, treten ihr
       die Ware  ab und erhalten ihr Tauschwertzeichen, Geld, dafür: lö-
       sen sie  gegen ihr  eignes Geld  ein. In diesem Fall ist die Bank
       zugleich der  allgemeine Käufer  und Verkäufer  in einer  Person.
       Oder das  Gegenteil findet statt. In diesem Fall ist der Bankzet-
       tel bloßes  Papier, behauptet bloß, das allgemein anerkannte Sym-
       bol des Tauschwerts zu sein, hat aber keinen Wert. Denn dies Sym-
       bol hat  das eigen,  daß es  nicht nur  den Tauschwert vorstellt,
       sondern im  wirklichen Austausch  derselbe ist.  Im letztren Fall
       wäre der Bankzettel kein Geld, oder nur konventionelles Geld zwi-
       schen der Bank und ihren Kunden, nicht auf dem allgemeinen Markt.
       Es wäre  dasselbe, was  ein Dutzend Speisekarten sind, die ich im
       Abonnement bei  einem Wirt  erhalte, oder ein Dutzend Theaterbil-
       letts,
       
       #89# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       die beide  Geld vorstellen, aber das eine nur Geld bei dieser be-
       stimmten Speisetafel, das andre in diesem bestimmten Theater. Der
       Bankzettel hätte  aufgehört, den Anforderungen des Geldes zu ent-
       sprechen, da  er nicht  im general  public 10*), sondern nur zwi-
       schen der  Bank und ihren Kunden zirkulierte. Wir müssen also die
       letztre Unterstellung fallen lassen.
       Die Bank wäre also der allgemeine Käufer und Verkäufer. Statt der
       Noten könnte  sie auch Cheques ausgeben und statt dieser einfache
       Bookaccounts 11*) führen. Je nach der Summe der Warenwerte, die X
       an sie abgelassen, hätte er dieselbe Wertsumme in andren Waren an
       sie zu  gut. Ein  zweites Attribut  der Bank  wäre notwendig, den
       Tauschwert aller  Waren, d.  h. die  in ihnen materialisierte Ar-
       beitszeit, authentisch  zu fixieren. Aber hier könnten ihre Funk-
       tionen nicht  enden. Sie  müßte die Arbeitszeit bestimmen, in der
       die Waren  hervorgebracht werden können mit den Durchschnittsmit-
       teln der  Industrie, die  Zeit, in  der sie hervorgebracht werden
       müssen. Aber auch das wäre nicht hinreichend. Sie hätte nicht nur
       die Zeit  zu bestimmen, in der ein gewisses Quantum Produkte her-
       vorgebracht werden muß, und die Produzenten in solche Bedingungen
       zu setzen,  daß ihre  Arbeit gleich  produktiv ist (also auch die
       Distribution der Arbeitsmittel auszugleichen und zu ordnen), son-
       dern sie hätte die Quanta Arbeitszeit zu ¦¦20¦ bestimmen, die auf
       die verschiednen  Produktionszweige  verwandt  werden  soll.  Das
       letztre wäre  nötig, da,  um den  Tauschwert zu  realisieren, ihr
       Geld wirklich  konvertibel zu  machen, die  allgemeine Produktion
       gesichert werden  müßte und in solchen Verhältnissen, daß die Be-
       dürfnisse der  Austauschenden befriedigt  werden.  Das  ist  noch
       nicht alles.  Der größte  Austausch ist nicht der der Waren, son-
       dern der der Arbeit gegen Waren. (Gleich drauf näher.) Die Arbei-
       ter würden  nicht ihre  Arbeit an die Bank verkaufen, sondern den
       Tauschwert für das volle Produkt ihrer Arbeit erhalten etc. Genau
       dann besehn  wäre die  Bank nicht  nur der  allgemeine Käufer und
       Verkäufer: sondern auch der allgemeine Produzent. In der Tat wäre
       sie entweder die despotische Regierung der Produktion und Verwal-
       terin der  Distribution, oder  sie wäre in der Tat nichts als ein
       board 12*),  was für  die gemeinsam  arbeitende Gesellschaft Buch
       und Rechnung  führte. Die Gemeinsamkeit der Produktionsmittel ist
       vorausgesetzt etc.,  etc. Die  Saint-Simonisten machten ihre Bank
       zum Papsttum der Produktion.
       Die Auflösung aller Produkte und Tätigkeiten in Tauschwerte setzt
       voraus   sowohl   die   Auflösung   aller   festen   persönlichen
       (historischen) Abhängigkeitsverhältnisse  in der  Produktion  als
       die allseitige Abhängigkeit der Produzenten voneinander. Die Pro-
       duktion sowohl jedes einzelnen ist abhängig von der
       -----
       10*) in  der   allgemeinen  Öffentlichkeit  -  11*) Bankkonten  -
       12*) Amt
       
       #90# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
       -----
       Produktion aller  andern; als  die Verwandlung seines Produkts in
       Lebensmittel für ihn selbst abhängig geworden ist von der Konsum-
       tion aller  andern. Preise  sind alt;  ebenso der Austausch; aber
       sowohl die Bestimmung der einen mehr und mehr durch die Produkti-
       onskosten wie  das Übergreifen  des andern über alle Produktions-
       verhältnisse sind erst vollständig entwickelt und entwickeln sich
       stets vollständiger in der bürgerlichen Gesellschaft, der Gesell-
       schaft der freien Konkurrenz. Was Adam Smith, in echter 18.-Jahr-
       hundertweise in die antehistorische Periode setzt, der Geschichte
       vorhergehn läßt, ist vielmehr ihr Produkt [48].
       Diese wechselseitige  Abhängigkeit ausgedrückt in der beständigen
       Notwendigkeit des  Austauschs und in dem Tauschwert als allseiti-
       gem Vermittler.  Die Ökonomen  drücken das so aus: Jeder verfolgt
       sein Privatinteresse  und nur  sein Privatinteresse und dient da-
       durch, ohne  es zu wollen und zu wissen, den Privatinteressen al-
       ler, den  allgemeinen Interessen.  Der Witz  besteht nicht darin,
       daß, indem  jeder sein  Privatinteresse verfolgt,  die Gesamtheit
       der Privatinteressen,  also  das  allgemeine  Interesse  erreicht
       wird. Vielmehr könnte aus dieser abstrakten Phrase gefolgert wer-
       den, daß  jeder wechselseitig  die Geltendmachung  des Interesses
       der andern hemmt und statt einer allgemeinen Affirmation vielmehr
       eine allgemeine  Negation aus  diesem bellum  omnium contra omnes
       [49] resultiert.  Die Pointe  liegt vielmehr  darin, daß das Pri-
       vatinteresse selbst  schon ein gesellschaftlich bestimmtes Inter-
       esse ist und nur innerhalb der von der Gesellschaft gesetzten Be-
       dingungen und  mit den  von ihr  gegebnen Mitteln erreicht werden
       kann, also  an die Reproduktion dieser Bedingungen und Mittel ge-
       bunden ist.  Es ist  das Interesse  der Privaten; aber dessen In-
       halt, wie Form und Mittel der Verwirklichung, durch von allen un-
       abhängige gesellschaftliche Bedingungen gegeben.
       Die wechselseitige  und allseitige Abhängigkeit der gegeneinander
       gleichgültigen Individuen  bildet ihren gesellschaftlichen Zusam-
       menhang. Dieser gesellschaftliche Zusammenhang ist ausgedrückt im
       T a u s c h w e r t,   worin für jedes Individuum seine eigne Tä-
       tigkeit oder sein Produkt erst eine Tätigkeit und ein Produkt für
       es wird; es muß ein allgemeines Produkt produzieren - den Tausch-
       wert oder,  diesen für sich isoliert, individualisiert,  G e l d.
       Andrerseits die  Macht, die  jedes Individuum  über die Tätigkeit
       der andren  oder über  die gesellschaftlichen  Reichtümer ausübt,
       besteht in  ihm als  dem Eigner  von Tauschwerten,  von Geld.  Es
       trägt seine  gesellschaftliche Macht, wie seinen Zusammenhang mit
       der Gesellschaft  in der  Tasche mit sich. Die Tätigkeit, welches
       immer ihre individuelle Erscheinungsform, und das Produkt der Tä-
       tigkeit, welches  immer seine  besondre Beschaffenheit,  ist  der
       T a u s c h w e r t,  d.h. ein Allgemeines, worin alle Individua-
       lität, Eigenheit negiert und ausgelöscht
       
       #91# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       ist. Dieses  ist in der Tat ein Zustand sehr verschieden von dem,
       worin das  Individuum oder  das in  Familie und Stamm (später Ge-
       meinwesen) naturwüchsig oder historisch erweiterte Individuum di-
       rekt aus der Natur sich reproduziert oder seine produktive Tätig-
       keit und sein Anteil an der Produktion an eine bestimmte Form der
       Arbeit und des Produkts angewiesen ist und sein Verhältnis zu an-
       dren eben so bestimmt ist.
       Der gesellschaftliche  Charakter der  Tätigkeit, wie  die gesell-
       schaftliche Form  des Produkts, wie der Anteil des Individuums an
       der Produktion, erscheint hier als den Individuen gegenüber Frem-
       des, Sachliches;  nicht als  das Verhalten  ihrer  gegeneinander,
       sondern als  ihr Unterordnen  unter Verhältnisse,  die unabhängig
       von ihnen  bestehn und  aus dem Anstoß der gleichgültigen Indivi-
       duen aufeinander entstehn. Der allgemeine Austausch der Tätigkei-
       ten und  Produkte, der Lebensbedingung für jedes einzelne Indivi-
       duum geworden,  ihr wechselseitiger Zusammenhang, erscheint ihnen
       selbst fremd,  unabhängig, als  eine Sache. Im Tauschwert ist die
       gesellschaftliche Beziehung  der Personen  in ein gesellschaftli-
       ches ¦¦21¦  Verhalten der Sachen verwandelt; das persönliche Ver-
       mögen in  ein sachliches.  Je weniger gesellschaftliche Kraft das
       Tauschmittel besitzt,  je zusammenhängender es noch mit der Natur
       des unmittelbaren  Arbeitsprodukts und  den unmittelbaren Bedürf-
       nissen der  Austauschenden ist,  um so  größer muß noch die Kraft
       des Gemeinwesens  sein, das die Individuen zusammenbindet, patri-
       archalisches Verhältnis,  antikes  Gemeinwesen,  Feudalismus  und
       Zunftwesen. (Sieh mein Heft, XII, 34b.) [50]
       Jedes Individuum  besitzt die  gesellschaftliche Macht  unter der
       Form einer  Sache. Raubt der Sache diese gesellschaftliche Macht,
       und ihr  müßt sie  Personen über  die Personen geben. Persönliche
       Abhängigkeitsverhältnisse (zuerst ganz naturwüchsig) sind die er-
       sten Gesellschaftsformen, in denen sich die menschliche Produkti-
       vität nur  in geringem  Umfang und auf isolierten Punkten entwic-
       kelt. Persönliche Unabhängigkeit, auf sachlicher Abhängigkeit ge-
       gründet, ist  die zweite  große Form,  worin sich erst ein System
       des allgemeinen gesellschaftlichen Stoffwechsels, der universalen
       Beziehungen, allseitiger  Bedürfnisse und  universeller  Vermögen
       bildet. Freie  Individualität, gegründet auf die universelle Ent-
       wicklung der  Individuen und die Unterordnung ihrer gemeinschaft-
       lichen, gesellschaftlichen  Produktivität als ihres gesellschaft-
       lichen Vermögens,  ist die  dritte Stufe.  Die zweite schafft die
       Bedingungen der  dritten. Patriarchalische,  wie antike  Zustände
       (ebenso feudale),  verfallen daher ebensosehr mit der Entwicklung
       des Handels,  des Luxus,  des   G e l d e s,   des   T a u s c h-
       w e r t s,   wie die moderne Gesellschaft in gleichem Schritt mit
       ihnen emporwächst.
       Austausch und  Teilung der Arbeit bedingen sich wechselseitig. Da
       jeder
       
       #92# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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       für sich  arbeitet und  sein Produkt  nichts für sich ist, muß er
       natürlich austauschen, nicht nur, um an dem allgemeinen Produkti-
       onsvermögen teilzunehmen,  sondern um  sein eignes Produkt in ein
       Lebensmittel  für   sich  selbst   zu  verwandeln.   (Sieh  meine
       "Bemerkungen über  Ökonomie" p.  V (13,  14). [51]) Der Austausch
       als vermittelt durch den Tauschwert und das Geld setzt allerdings
       die allseitige  Abhängigkeit der  Produzenten voneinander voraus,
       aber zugleich  die völlige  Isolierung ihrer Privatinteressen und
       eine Teilung  der gesellschaftlichen  Arbeit, deren  Einheit  und
       wechselseitige Ergänzung  gleichsam als ein Naturverhältnis außer
       den Individuen,  unabhängig von  ihnen, existiert.  Der Druck der
       allgemeinen Nachfrage  und Zufuhr  aufeinander vermittelt den Zu-
       sammenhang der gegeneinander Gleichgültigen.
       Die Notwendigkeit  selbst, das Produkt oder die Tätigkeit der In-
       dividuen erst  in  die  Form  des    T a u s c h w e r t s,    in
       G e l d,  zu verwandeln, und daß sie erst in dieser  s a c h l i-
       c h e n  Form ihre gesellschaftliche  M a c h t  erhalten und be-
       weisen, beweist zweierlei: 1. daß die Individuen nur noch für die
       Gesellschaft und  in der  Gesellschaft produzieren;  2. daß  ihre
       Produktion nicht   u n m i t t e l b a r   gesellschaftlich  ist,
       nicht the  off spring  of association  13*), die die Arbeit unter
       sich verteilt.  Die Individuen  sind unter  die gesellschaftliche
       Produktion subsumiert,  die als  ein Verhängnis  außer ihnen exi-
       stiert; aber die gesellschaftliche Produktion ist nicht unter die
       Individuen subsumiert, die sie als ihr gemeinsames Vermögen hand-
       haben. Es  kann also nichts falscher und abgeschmackter sein, als
       auf der  Grundlage des  T a u s c h w e r t s,  des  G e l d e s,
       die  Kontrolle  der  vereinigten  Individuen  über  ihre  Gesamt-
       produktion vorauszusetzen,  wie es oben mit der Stundenzettelbank
       geschah. Der   p r i v a t e   A u s t a u s c h   aller Arbeits-
       produkte, Vermögen  und Tätigkeiten  steht im Gegensatz sowohl zu
       der 14*)  auf Über-und Unterordnung (naturwüchsig oder politisch)
       der Individuen  untereinander begründeten  Verteilung (wobei  der
       eigentliche Austausch  nur nebenherläuft  oder im  großen weniger
       das Leben  ganzer Gemeinwesen  ergreift,  als  vielmehr  zwischen
       verschiednen Gemeinwesen eintritt, überhaupt keineswegs alle Pro-
       duktions- und Verkehrsverhältnisse unterwirft) (welchen Charakter
       diese Über-  und Unterordnung  annehme: patriarchal,  antik  oder
       feudal) wie  zu dem  freien Austausch von Individuen, die assozi-
       iert sind  auf der  Grundlage der  gemeinsamen Aneignung und Kon-
       trolle der  Produktionsmittel. (Letztre  Assoziation  ist  nichts
       Willkürliches: Sie  setzt die Entwicklung materieller und geisti-
       ger Bedingungen  voraus, die  an diesem Punkt nicht weiter auszu-
       führen sind.)  Wie die Teilung der Arbeit Agglomeration, Kombina-
       tion, Kooperation, den Gegensatz der Privatinteressen, Klassenin-
       teressen, die Konkurrenz,
       -----
       13*) das Ergebnis  der Assoziation -  14*) in der Handschrift: zu
       dem
       
       #93# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       Konzentration des Kapitals, Monopol, Aktiengesellschaften erzeugt
       - lauter  gegensätzliche Formen  der Einheit,  die den  Gegensatz
       selbst hervorruft  -, so erzeugt der Privataustausch den Welthan-
       del, die  private Unabhängigkeit eine vollkommne Abhängigkeit vom
       sog. Weltmarkt  und die  zersplitterten Akte  des Austauschs  ein
       Bank- und  Kreditwesen, dessen  Buchführung ¦¦22¦  wenigstens die
       Ausgleichungen des Privataustauschs konstatiert. Im Wechselkurs -
       sosehr die  Privatinteressen jeder Nation sie in ebenso viele Na-
       tionen teilen 15*) als sie fullgrown individuals 16*) besitzt und
       die Interessen  der Exporters und Importers derselben Nation sich
       hier gegenüberstehn  - erhält der Nationalhandel einen Schein von
       Existenz etc.  etc. Niemand  wird deswegen  glauben,  durch  eine
       B ö r s e n r e f o r m   die   G r u n d l a g e n   des  innren
       oder auswärtigen Privathandels aufheben zu können. Aber innerhalb
       der bürgerlichen,  auf dem   T a u s c h w e r t   beruhenden Ge-
       sellschaft erzeugen sich sowohl Verkehrs- als Produktionsverhält-
       nisse, die  ebenso viel  Minen sind,  um sie  zu sprengen.  (Eine
       Masse gegensätzlicher  Formen der gesellschaftlichen Einheit, de-
       ren gegensätzlicher  Charakter jedoch  nie durch  stille Metamor-
       phose zu sprengen ist. Andrerseits, wenn wir nicht in der Gesell-
       schaft, wie  sie ist,  die materiellen Produktionsbedingungen und
       ihnen entsprechenden  Verkehrsverhältnisse für  eine  klassenlose
       Gesellschaft verhüllt  vorfänden, wären  alle Sprengversuche Don-
       quichoterie.)
       Wir haben  gesehn, daß, obgleich der Tauschwert = ist der relati-
       ven Arbeitszeit,  die in  den Produkten  materialisiert ist,  das
       Geld seinerseits  = dem Tauschwert der Waren, losgelöst von ihrer
       Substanz; in diesem Tauschwert oder Geldverhältnisse Widersprüche
       zwischen den  Waren und  ihrem Tauschwert, zwischen den Waren als
       Tauschwerten und  dem Geld  enthalten sind. Wir haben gesehn, daß
       eine Bank,  die unmittelbar das Gegenbild der Ware im Arbeitsgeld
       erzeugt, eine  Utopie ist. Obgleich also das Geld nur der von der
       Substanz der Waren losgelöste Tauschwert und nur der Tendenz die-
       ses Tauschwerts,  sich rein  zu setzen, seinen Ursprung verdankt,
       kann die  Ware nicht unmittelbar in Geld verwandelt werden; d.h.,
       der authentische Ausweis über das Quantum der in ihr realisierten
       Arbeitszeit kann  nicht als  ihr Preis  dienen in  der  Welt  der
       Tauschwerte. How is this? 17*)
       (In einer Form des Geldes - soweit es  Tausch m i t t e l  (nicht
       Maß des  Tauschwerts) -  ist den  Ökonomen klar, daß die Existenz
       des Geldes  die Versachlichung  des gesellschaftlichen  Zusammen-
       hangs voraussetzt;  soweit nämlich  das Geld als  P f a n d  [52]
       erscheint, was  der eine in der Hand des andren zurücklassen muß,
       um eine Ware von ihm zu erhalten. Hier sagen die Ökonomen
       -----
       15*) In der  Handschrift: teilt - 16*) ausgewachsene Individuen -
       17*) Wie ist das?
       
       #94# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
       -----
       selbst, daß  die Menschen  der Sache  (dem  Geld)  das  Vertrauen
       schenken, was  sie sich  nicht als  Personen schenken. Aber warum
       schenken sie  der Sache  das Vertrauen?  Doch  offenbar  nur  als
       v e r s a c h l i c h t e m   V e r h ä l t n i s   der  Personen
       untereinander; als  versachlichtem Tauschwert, und Tauschwert ist
       nichts als  eine Beziehung der produktiven Tätigkeit der Personen
       untereinander. Jedes  andre Pfand mag direkt dem Pfandinhaber als
       solches nützen;  Geld nützt  ihm nur  als "Faustpfand der Gesell-
       schaft" [53], aber solches Faustpfand ist es nur wegen seiner ge-
       sellschaftlichen (symbolischen)  Eigenschaft; und gesellschaftli-
       che Eigenschaft  kann es  nur besitzen,  weil die Individuen ihre
       eigne gesellschaftliche  Beziehung als Gegenstand sich entfremdet
       haben.)
       In den   P r e i s c o u r a n t l i s t e n,   worin  alle Werte
       gemessen sind  im Geld,  scheint 18*) zugleich die Unabhängigkeit
       des gesellschaftlichen  Charakters der  Sachen von  den Personen,
       wie zugleich  die Tätigkeit  des Handels  auf  dieser  Basis  der
       Fremdartigkeit, worin  die Gesamtproduktions-  und  -verkehrsver-
       hältnisse dem  einzelnen, allen  einzelnen gegenüber, erscheinen,
       sie wieder den einzelnen zu unterwerfen. Da die Verselbständigung
       des Weltmarkts,  if you  please 19*),  (worin die Tätigkeit jedes
       einzelnen  eingeschlossen)   wächst  mit   der  Entwicklung   der
       Geldverhältnisse (Tauschwerts)  und vice  versa,  der  allgemeine
       Zusammenhang und  die allseitige  Abhängigkeit in  Produktion und
       Konsumtion zugleich  mit der  Unabhängigkeit und Gleichgültigkeit
       der  Konsumierenden  und  Produzierenden  zueinander;  da  dieser
       Widerspruch zu  Krisen führt  etc., so  wird gleichzeitig mit der
       Entwicklung dieser Entfremdung, auf ihrem eignen Boden, versucht,
       sie aufzuheben;  Preiscourantlisten,  Wechselkurse,  Verbindungen
       der Handelstreibenden  untereinander  durch  Briefe,  Telegraphen
       etc. (die  Kommunikationsmittel wachsen  natürlich gleichzeitig),
       worin jeder  einzelne sich  Auskunft  über  die  Tätigkeit  aller
       andren verschafft  und seine  eigne danach  auszugleichen  sucht.
       (D.h., obgleich die Nachfrage und Zufuhr aller von allen unabhän-
       gig vor  sich geht, so sucht sich jeder über den Stand der allge-
       meinen Nachfrage  und Zufuhr  zu unterrichten;  und  dies  Wissen
       wirkt dann  wieder praktisch auf sie ein. Obgleich alles dies auf
       dem gegebnen  Standpunkt die  Fremdartigkeit  nicht  aufhebt,  so
       führt es  Verhältnisse und  Verbindungen herbei, die die Möglich-
       keit, den  alten Standpunkt  aufzuheben, in  sich  einschließen.)
       (Die Möglichkeit  allgemeiner Statistik  etc.) (Es ist dies übri-
       gens unter  den Kategorien von "Preisen, Nachfrage und Zufuhr" zu
       entwickeln. Übrigens hier nur zu bemerken, daß die Übersicht über
       den Gesamthandel und die Gesamtproduktion, soweit sie faktisch in
       den Preiscourantlisten  vorliegt, in  der Tat  den besten  Beweis
       liefert, wie den einzelnen ihr eigner Austausch
       -----
       18*) In der Handschrift: erscheint - 19*) bitte sehr
       
       #95# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       und ihre eigne Produktion 20*) als  s a c h l i c h e s,  von ih-
       nen  u n a b h ä n g i g e s  Verhältnis gegenübertritt. Im Welt-
       markt hat  sich der  Z u s a m m e n h a n g  d e s  e i n z e l-
       n e n   mit allen,  aber auch  zugleich die  U n a b h ä n g i g-
       k e i t   ¦¦23¦   d i e s e s   Z u s a m m e n h a n g s   v o n
       d e n   e i n z e l n e n   selbst zu  einer  solchen  Höhe  ent-
       wickelt, daß  seine Bildung zugleich schon die Übergangsbedingung
       aus ihm  selbst enthält.)  Die   V e r g l e i c h u n g   an der
       Stelle der wirklichen Gemeinschaftlichkeit und Allgemeinheit.
       (Es ist  gesagt worden  und mag gesagt werden, daß das Schöne und
       Große eben  in diesem  naturwüchsigen, vom  Wissen und Wollen der
       Individuen unabhängigen,  und grade  ihre wechselseitige Unabhän-
       gigkeit und Gleichgültigkeit gegeneinander voraussetzenden Zusam-
       menhang, materiellen  und geistigen Stoffwechsel, beruht. Und si-
       cher ist  dieser sachliche Zusammenhang ihrer Zusammenhangslosig-
       keit vorzuziehn  oder einem auf Bluturenge Natur und Herrschafts-
       und Knechtschaftsfverhältnisse]  gegründet[en] nur lokalen Zusam-
       menhang. Es  ist ebenso sicher, daß die Individuen sich ihre eig-
       nen gesellschaftlichen  Zusammenhänge nicht  unterordnen  können,
       bevor sie  dieselben geschaffen  haben. Aber es ist abgeschmackt,
       jenen nur   s a c h l i c h e n  Z u s a m m e n h a n g  als den
       naturwüchsigen, von  der Natur  der Individualität  (im Gegensatz
       zum reflektierten Wissen und Wollen) unzertrennlichen und ihr im-
       manenten, aufzufassen.  Er ist  ihr Produkt.  Er ist ein histori-
       sches Produkt. Er gehört einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung
       an. Die  Fremdartigkeit und  Selbständigkeit, worin er noch gegen
       sie existiert,  beweist nur,  daß sie  noch in  der Schöpfung der
       Bedingungen ihres  sozialen  Lebens  begriffen  sind,  statt  von
       diesen Bedingungen aus es begonnen zu haben. Es ist der Zusammen-
       hang, der  naturwüchsige, von  Individuen  innerhalb  bestimmter,
       bornierter Produktionsverhältnisse.  Die  universal  entwickelten
       Individuen, deren gesellschaftliche Verhältnisse als ihre eignen,
       gemeinschaftlichen Beziehungen  auch ihrer eignen gemeinschaftli-
       chen Kontrolle  unterworfen sind,  sind 21*) kein Produkt der Na-
       tur, sondern  der Geschichte.  Der Grad und die Universalität der
       Entwicklung der  Vermögen, worin   d i e s e  Individualität mög-
       lich wird,  setzt eben  die Produktion  auf der Basis der Tausch-
       werte voraus, die mit der Allgemeinheit der Entfremdung des Indi-
       viduums von  sich und von andren, aber auch die Allgemeinheit und
       Allseitigkeit seiner Beziehungen und Fähigkeiten erst produziert.
       Auf frühren Stufen der Entwicklung erscheint das einzelne Indivi-
       duum voller, weil es eben die Fülle seiner Beziehungen noch nicht
       herausgearbeitet und  als von  ihm unabhängige  gesellschaftliche
       Mächte und Verhältnisse sich gegenübergestellt hat. So lächerlich
       es ist, sich nach jener
       -----
       
       20*) In der  Handschrift: Produkt  - 21*) in der Handschrift: ist
       kein Produkt
       
       #96# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
       -----
       ursprünglichen  Fülle   zurückzusehnen,  so  lächerlich  ist  der
       Glaube, bei  jener vollen Entleerung stehnbleiben zu müssen. Über
       den Gegensatz  gegen jene romantische Ansicht ist die bürgerliche
       nie herausgekommen,  und darum  wird jene als berechtigter Gegen-
       satz sie bis an ihr seliges Ende begleiten.)
       (Als Beispiel  kann hier  genommen werden das Verhältnis des ein-
       zelnen zur Wissenschaft.)
       (Das Geld mit dem Blute zu vergleichen - das Wort Zirkulation gab
       dazu Anlaß  - ist  ungefähr ebenso  richtig wie das Gleichnis des
       Menenius Agrippa  [54] zwischen  den Patriziern  und dem  Magen.)
       (Das Geld mit der Sprache zu vergleichen ist nicht minder falsch.
       Die Ideen werden nicht in die Sprache verwandelt, so daß ihre Ei-
       gentümlichkeit aufgelöst und ihr gesellschaftlicher Charakter ne-
       ben ihnen in der Sprache existierte, wie die Preise neben den Wa-
       ren. Die  Ideen existieren nicht getrennt von der Sprache. Ideen,
       die aus ihrer Muttersprache erst in eine fremde Sprache übersetzt
       werden müssen, um zu kursieren, um austauschbar zu werden, bieten
       schon mehr  Analogie; die  Analogie liegt  dann aber nicht in der
       Sprache, sondern in ihrer Fremdheit.)
       (Die Austauschbarkeit  aller Produkte,  Tätigkeiten, Verhältnisse
       gegen 22*)  ein Drittes,   S a c h l i c h e s,  was wieder gegen
       alles  o h n e  U n t e r s c h i e d  ausgetauscht werden kann -
       also die  Entwicklung der  Tauschwerte (und der Geldverhältnisse)
       ist identisch  mit der allgemeinen Venalität, Korruption. Die ge-
       nerelle Prostitution erscheint als eine notwendige Phase der Ent-
       wicklung des gesellschaftlichen Charakters der persönlichen Anla-
       gen, Vermögen,  Fähigkeiten,  Tätigkeiten.  Mehr  höflich  ausge-
       drückt: Das  allgemeine Nützlichkeits- und Brauchbarkeitsverhält-
       nis. Das  Gleichsetzen des Ungleichartigen, wie schön Shakespeare
       [55] das  Geld faßt.  Die Bereicherungssucht als solche ohne Geld
       unmöglich; alle  andre Akkumulation  und  Akkumulationssucht  er-
       scheint naturwüchsig, borniert, durch die Bedürfnisse einerseits,
       die bornierte  Natur der  Produkte anderseits bedingt (sacra auri
       fames [56]).)
       (Das Geldwesen  in seiner  Entwicklung unterstellt offenbar schon
       andre allgemeine Entwicklungen.)
       Wenn gesellschaftliche  Verhältnisse betrachtet  werden, die  ein
       unentwickeltes System  des Austauschs,  der Tauschwerte  und  des
       Geldes erzeugen oder denen ein unentwickelter Grad derselben ent-
       spricht, so  ist es  von vornherein klar, daß die Individuen, ob-
       gleich ihre Verhältnisse persönlicher erscheinen, nur als Indivi-
       duen in  einer Bestimmtheit  in Beziehung  zueinander treten, als
       Feudalherr und Vasall, Grundherr und Leibeigner etc. oder als Ka-
       stenglieder etc.  oder als Standesangehörige etc. Im Geldverhält-
       nisse, im entwickelten
       -----
       22*) In der Handschrift: in ein Drittes
       
       #97# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       Austauschsystem (und  dieser Schein verführt die Demokratie) sind
       in der  Tat die  Bande der  persönlichen Abhängigkeit  gesprengt,
       zerrissen, Blutsunterschiede, Bildungsunterschiede etc. (die per-
       sönlichen Bande  erscheinen wenigstens  alle  als    p e r s ö n-
       l i c h e   Verhältnisse); und  die Individuen    s c h e i n e n
       unabhängig  (diese   Unabhängigkeit,  die   überhaupt  bloß  eine
       Illusion ist  und richtiger Gleichgültigkeit - im Sinn der Indif-
       ferenz -  hieße), frei  aufeinander zu stoßen und in dieser Frei-
       heit auszutauschen; sie scheinen so aber nur für den, der von den
       B e d i n g u n g e n,    den    E x i s t e n z b e d i n g u n-
       g e n   (und diese sind wieder von Individuen unabhängige und er-
       scheinen, obgleich  von der  Gesellschaft erzeugt,  gleichsam als
       N a t u r b e d i n g u n g e n,   d.h. von den Individuen unkon-
       trollierbare),  abstrahiert,  unter  denen  diese  Individuen  in
       Berührung treten.
       Die ¦¦24¦  Bestimmtheit, die  im ersten Fall als eine persönliche
       Beschränkung des Individuums durch ein andres, erscheint im letz-
       tren ausgebildet  als eine sachliche Beschränkung des Individuums
       durch von  ihm unabhängige  und in  sich selbst  ruhende Verhält-
       nisse. (Da  das einzelne  Individuum nicht  seine persönliche Be-
       stimmtheit abstreifen,  wohl aber  äußere Verhältnisse überwinden
       und sich  unterordnen kann,  so  s c h e i n t  seine Freiheit im
       Fall 2 größer. Eine nähre Untersuchung jener äußren Verhältnisse,
       jener Bedingungen,  zeigt aber  die Unmöglichkeit  der Individuen
       einer Klasse  etc., sie en masse zu überwinden, ohne sie aufzuhe-
       ben. Der  einzelne kann  zufällig mit  ihnen fertig  werden;  die
       Masse der von ihnen Beherrschten nicht, da ihr bloßes Bestehn die
       Unterordnung und die notwendige Unterordnung der Individuen unter
       sie ausdrückt.)  Diese äußren Verhältnisse sind so wenig eine Be-
       seitigung der "Abhängigkeitsverhältnisse", daß sie nur die Auflö-
       sung derselben in eine allgemeine Form sind; vielmehr das Heraus-
       arbeiten des  allgemeinen Grundes der persönlichen Abhängigkeits-
       verhältnisse sind.  Auch hier  kommen die  Individuen nur als be-
       stimmte zueinander  in Beziehung. Diese  s a c h l i c h e n  Ab-
       hängigkeitsverhältnisse im  Gegensatz zu  den    p e r s ö n l i-
       c h e n   erscheinen auch so (das sachliche Abhängigkeitsverhält-
       nis ist  nichts als  die den  scheinbar  unabhängigen  Individuen
       selbständig  gegenübertretenden  gesellschaftlichen  Beziehungen,
       d.h. ihre  ihnen selbst gegenüber verselbständigten wechselseiti-
       gen Produktionsbeziehungen),  daß die  Individuen nun  von   A b-
       s t r a k t i o n e n   beherrscht  werden,  während  sie  früher
       voneinander abhingen.  Die Abstraktion  oder Idee ist aber nichts
       als der theoretische Ausdruck jener materiellen Verhältnisse, die
       Herr über  sie sind.  Verhältnisse können  natürlich nur in Ideen
       ausgedrückt werden,  und so  haben  Philosophen  als  das  Eigen-
       tümliche der  neuen Zeit  ihr Beherrschtsein  von Ideen aufgefaßt
       und mit dem Sturz dieser Ideenherrschaft die Erzeugung der freien
       Individualität identifiziert.  Der Irrtum  war vom  ideologischen
       Standpunkt aus um so leichter zu begehn, als
       
       #98# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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       jene Herrschaft  der Verhältnisse  (jene sachliche  Abhängigkeit,
       die übrigens wieder in bestimmte, nur aller Illusion entkleidete,
       persönliche Abhängigkeitsverhältnisse  umschlägt) in  dem Bewußt-
       sein der  Individuen selbst als Herrschen von Ideen erscheint und
       der Glaube  an die  Ewigkeit dieser  Ideen, d.h. jener sachlichen
       Abhängigkeitsverhältnisse,  von   den  herrschenden  Klassen,  of
       course 23*),  in jeder  Weise befestigt,  genährt, eingetrichtert
       wird.
       (Es ist  natürlich der  Illusion der  "rein persönlichen Verhält-
       nisse" der  Feudalzeiten etc. gegenüber keinen Augenblick zu ver-
       gessen, 1.  daß diese  Verhältnisse selbst innerhalb ihrer Sphäre
       einen sachlichen  Charakter auf  einer bestimmten Phase annahmen,
       wie die  Entwicklung der Grundeigentumsverhältnisse z.B. aus rein
       militärischen  Subordinationsverhältnissen  zeigt;  aber  2.  das
       sachliche Verhältnis,  worin sie  zugrund gehn,  hat selbst einen
       bornierten, naturbestimmten Charakter und  e r s c h e i n t  da-
       her als persönlich, während in der modernen Welt die persönlichen
       Verhältnisse als  reiner Ausfluß  der Produktions- und Austausch-
       verhältnisse heraustreten.)
       Das Produkt  wird Ware.  Die Ware wird Tauschwert. Der Tauschwert
       der Ware erhält besondre Existenz neben der Ware; d. h. die Ware,
       in der  Form, worin  [sie] 1. austauschbar mit allen andern Waren
       ist; worin  sie 2.  daher allgemeine Ware und ihre natürliche Be-
       sonderheit ausgelöscht  ist; 3. worin das Maß ihrer Austauschbar-
       keit gesetzt ist, das bestimmte Verhältnis, worin sie alle andren
       Waren sich gleichsetzt, ist die Ware als Geld, und zwar nicht als
       Geld überhaupt,  sondern als  eine   b e s t i m m t e  S u m m e
       G e l d,   denn um  den Tauschwert  in allen seinen Unterschieden
       darzustellen, muß das Geld zählbar, quantitativ teilbar sein.
       Das Geld, die gemeinsame Form, worein sich alle Waren als Tausch-
       werte verwandeln,  die  allgemeine  Ware,  muß  selbst  als  eine
       b e s o n d r e   Ware neben  den andren existieren, da sie nicht
       nur im  Kopf an ihm gemessen, sondern im wirklichen Austausch ge-
       gen es  ausgetauscht und  eingewechselt werden müssen. Der Wider-
       spruch, der  dadurch hereinkommt,  an einer andren Stelle zu ent-
       wickeln. Das  Geld entsteht  nicht durch  Konvention, sowenig wie
       der Staat.  Es entsteht aus dem Austausch und im Austausch natur-
       wüchsig, ist  ein  Produkt  desselben.    U r s p r ü n g l i c h
       wird die  Ware als  Geld dienen - d.h. eingetauscht werden, nicht
       als Gegenstand  des Bedürfnisses  und der  Konsumtion, sondern um
       sie wieder  auszutauschen gegen andre Waren  , die am meisten als
       Gegenstand des Bedürfnisses eingetauscht wird, kursiert; die also
       am sichersten ist, wieder gegen andre besondre Waren ausgetauscht
       werden zu können; die also in der gegebnen gesellschaftlichen Or-
       ganisation den Reichtum ???' ?????? 24*)
       -----
       23*) sekbstverständlich - 24*) vorzugsweise
       
       #99# Entstehung und Wesen des Geldes
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       repräsentiert, Gegenstand  der allgemeinsten Nachfrage und Zufuhr
       ist und  einen besondren  Gebrauchswert besitzt.  So Salz, Häute,
       Vieh, Sklaven. Eine solche Ware entspricht faktisch mehr in ihrer
       besondren Gestalt  als Ware sich selbst als (schade, daß im Deut-
       schen der  Unterschied von denrée 25*) und marchandise 26*) nicht
       passend wiederzugeben) Tauschwert, denn die andren Waren.
       Die besondre  Nützlichkeit der Ware, sei es als besondrer Konsum-
       tions-gegenstand (Häute),  sei es  als unmittelbares Produktions-
       werkzeug (Sklave),  stempelt sie  hier zum  Geld. Im Fortgang der
       Entwicklung wird  grade das umgekehrte eintreten, d. h. die Ware,
       die am  wenigsten  unmittelbar  Gegenstand  der  Konsumtion  oder
       Werkzeug der Produktion, wird am besten grade die Seite repräsen-
       tieren, daß  sie dem Bedürfnis  d e s  A u s t a u s c h s  a l s
       s o l c h e n  dient. Im ersten ¦¦25¦ Fall wird die Ware Geld we-
       gen ihres  besondren Gebrauchswerts;"  im zweiten Fall erhält sie
       davon ihren  besondren Gebrauchswert,  daß sie  als  Geld  dient.
       Dauerhaftigkeit,  Unveränderlichkeit,   Teilbarkeit  und  Wieder-
       /usammensetzbarkeit, relativ  leichte  Transportierbarkeit,  weil
       sie großen  Tauschwert in  kleinem Raum  einschließen 27*), alles
       das macht  die edlen  Metalle besonders geeignet auf der letztren
       Stufe. Zugleich  bilden sie  natürlichen Übergang  aus der ersten
       Form des  Geldes. Bei  etwas höhrer  Stufe der Produktion und des
       Austauschs tritt  das Produktionsinstrument   ü b e r   die  Pro-
       dukte; die  M e t a l l e  aber (erst Steine) sind die ersten und
       unentbehrlichsten Produktionswerkzeuge.  Im  K u p f e r,  das im
       Geld der  Alten eine so große Rolle spielt, findet sich noch bei-
       des zusammen,  der besondre  Gebrauchswert als Produktionsinstru-
       ment und  die übrigen  Eigenschaften, die nicht vom Gebrauchswert
       der Ware  herfließen, sondern  ihrer  Bestimmung  als  Tauschwert
       (worin Tauschmittel  eingeschlossen) entsprechen.  Von den andren
       Metallen scheiden  sich dann wieder die  e d l e n  ab, indem sie
       nicht oxydierbar  etc., gleichmäßiger  Qualität etc. und dann der
       höhern Stufe  besser entsprechen,  indem ihre  unmittelbare Nütz-
       lichkeit für Konsumtion und Produktion zurücktritt 28*), sie aber
       schon ihrer  Seltenheit wegen den rein auf dem Tausch gegründeten
       Wert mehr  darstellen. Sie  stellen von  vornherein den  Überfluß
       vor, die  Form, worin  der Reichtum  ursprünglich erscheint. Auch
       Metalle lieber gegen Metalle als andre Waren ausgetauscht.
       Die erste  Form des  Geldes entspricht  einer geringen  Stufe des
       Austauschs und des Tauschhandels, wo das Geld mehr noch in seiner
       Bestimmung als   M a ß   hervortritt, denn als wirkliches  A u s-
       t a u s c h i n s t r u m e n t.  Auf dieser Stufe kann
       -----
       25*) Eßware -  26*) Handelsware -  27*) in der  Handschrift: ein-
       schließt - 28*) in der Handschrift: zurücktreten
       
       #100# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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       das Maß noch rein imaginär sein (indes schließt die bar der Neger
       das Eisen  ein)  (M u s c h e l n  etc. entsprechen aber mehr der
       Reihe, deren 29*) letzte Spitze Gold und Silber ist).
       Daraus, daß die Ware zum allgemeinen Tauschwert, geht hervor, daß
       der Tauschwert  zu einer  besondren Ware  wird: Er kann dies nur,
       indem eine  besondre Ware  allen andren gegenüber das Privilegium
       erhält, ihren  Tauschwert zu  repräsentieren,  zu  symbolisieren;
       d.h.   G e l d   zu werden.  Daß der  Geldeigenschaft aller Waren
       eine besondre Ware als Geldsubjekt erscheint - geht aus dem Wesen
       des Tauschwerts  selbst hervor.  Im Fortgang der Entwicklung kann
       der Tauschwert  des Geldes wieder eine von seiner Materie, seiner
       Substanz, getrennte  Existenz erhalten,  wie im  Papiergeld, ohne
       indes das Privilegium dieser besondren Ware aufzuheben, indem die
       besonderte Existenz  ihre Denomination  von der besondren Ware zu
       erhalten fortfahren muß.
       Weil die  Ware Tauschwert ist, ist sie austauschbar gegen Geld, =
       Geld gesetzt.  Das Verhältnis,  worin sie  dem Geld gleichgesetzt
       wird, d.h.  die Bestimmtheit ihres Tauschwerts, ist  v o r a u s-
       g e s e t z t  ihrer Umsetzung in Geld. Das Verhältnis, worin die
       besondre Ware  gegen Geld  ausgetauscht wird,  d. h.  das Quantum
       Geld, worein  ein bestimmtes Quantum Ware umsetzbar, ist bestimmt
       durch die  in der  Ware vergegenständlichte Arbeitszeit. Als Ver-
       wirklichung einer   b e s t i m m t e n  Arbeitszeit ist die Ware
       Tauschwert; im  Geld ist  das Quotum  Arbeitszeit, das sie reprä-
       sentiert, sowohl  gemessen als in seiner allgemeinen, dem Begriff
       entsprechenden, austauschbaren  Form enthalten.  Das Geld ist das
       sachliche Medium,  worein die  Tauschwerte getaucht,  eine  ihrer
       allgemeinen Bestimmung entsprechende Gestalt erhalten. Adam Smith
       sagt, daß  die Arbeit  (Arbeitszeit) das  ursprüngliche Geld ist,
       womit alle  Waren gekauft  werden. [57]  Den Akt  der  Produktion
       betrachtet, bleibt  dies immer  richtig (ebensowohl  in bezug auf
       die Bestimmung  der relativen  Werte). Jede Ware wird in der Pro-
       duktion fortwährend  gegen Arbeitszeit  ausgetauscht. Die Notwen-
       digkeit eines  von der  Arbeitszeit unterschiednen  Geldes  kömmt
       grade dadurch herein, daß das Quotum Arbeitszeit ausgedrückt wer-
       den soll nicht in ihrem unmittelbaren und besondren Produkt, son-
       dern in  einem vermittelten und allgemeinen Produkt, in ihrem be-
       sondren Produkt als gleich und konvertibel gegen alle andren Pro-
       dukte derselben Arbeitszeit; der Arbeitszeit nicht in einer Ware,
       sondern in  allen Waren  zugleich und  darum in  einer  besondren
       Ware, die  alle andren  repräsentiert. Die Arbeitszeit kann nicht
       unmittelbar selbst  das Geld  sein (eine Forderung, die in andren
       Worten damit  zusammenfällt, daß jede Ware unmittelbar ihr eignes
       Geld sein soll), eben weil sie faktisch stets nur in besondren
       
       #101# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       Produkten existiert  (als Gegenstand): Als allgemeiner Gegenstand
       kann sie  nur symbolisch existieren, eben wieder in einer besond-
       ren Ware,  die als  Geld gesetzt  wird. Die Arbeitszeit existiert
       nicht als allgemeiner, von den natürlichen Besonderheiten der Wa-
       ren unabhängiger  und abgeschiedner  (losgelöster) Gegenstand des
       Austauschs. Als  solcher müßte sie existieren, um die Bedingungen
       des Geldes  unmittelbar zu erfüllen. Die Vergegenständlichung des
       allgemeinen, gesellschaftlichen  Charakters der Arbeit (und darum
       der Arbeitszeit, die im Tauschwert enthalten) macht eben ihr Pro-
       dukt zum  Tauschwert; gibt  der Ware  die Eigenschaft des Geldes,
       die aber ein selbständig außer ihr existierendes Geldsubjekt wie-
       der einschließt.
       Die bestimmte  Arbeitszeit ist  vergegenständlicht in  einer  be-
       stimmten, besondren  Ware von besondren Eigenschaften und besond-
       ren Beziehungen zu den Bedürfnissen; als Tauschwert aber soll sie
       vergegenständlicht sein in einer Ware, die nur ihre Qualität oder
       Quantität ausdrückt,  gleichgültig gegen  ihre natürlichen Eigen-
       schaften ist  und daher in jede andre Ware, die dieselbe Arbeits-
       zeit vergegenständlicht, metamorphosiert, d. h. ausgetauscht wer-
       den kann.  Als Gegenstand  soll sie  diesen allgemeinen Charakter
       besitzen, ¦¦26¦  der ihrer natürlichen Besonderheit widerspricht.
       Dieser Widerspruch kann nur gelöst werden, indem er selbst verge-
       genständlicht wird;  d. h.,  indem die Ware doppelt gesetzt wird,
       einmal in  ihrer natürlichen  unmittelbaren Form,  dann in  ihrer
       vermittelten, als  Geld. Das  letztre ist nur möglich, indem eine
       besondre Ware  gleichsam die  allgemeine Substanz der Tauschwerte
       wird oder indem der Tauschwert der Waren mit einer besondren Sub-
       stanz, einer  besondren Ware  im Unterschied  von allen  übrigen,
       identifiziert wird.  D. h., indem die Ware erst mit dieser allge-
       meinen Ware,  dem symbolischen allgemeinen Produkt oder Vergegen-
       ständlichung der  Arbeitszeit umgetauscht werden muß, um dann als
       Tauschwert gleichgültig  gegen alle  andren  Waren  beliebig  um-
       tauschbar, in sie metamorphosierbar zu sein. Das Geld ist die Ar-
       beitszeit als  allgemeiner Gegenstand  oder die  Vergegenständli-
       chung der  allgemeinen Arbeitszeit,  die Arbeitszeit  als  a l l-
       g e m e i n e  W a r e.  Wenn es daher sehr einfach aussieht, daß
       die Arbeitszeit,  weil sie  die Tauschwerte reguliert, in der Tat
       nicht nur  ihr inhärentes  Maß, sondern  ihre Substanz selbst ist
       (denn als  Tauschwerte besitzen  die Waren  keine andre Substanz,
       keine natürliche  Beschaffenheit) und  auch unmittelbar  als  ihr
       G e l d   dienen könne,  d.h. das  Element  hergeben,  worin  die
       Tauschwerte sich  als solche  realisieren, so trügt dieser Schein
       der Einfachheit. Vielmehr schließt das Verhältnis der Tauschwerte
       - der  Waren als  einander gleicher und gleichsetzbarer Vergegen-
       ständlichungen der Arbeitszeit-Widersprüche ein, die in einem von
       der  Arbeitszeit    v e r s c h i e d n e n    G e l d e    ihren
       sachlichen Ausdruck erhalten.
       
       #102# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
       -----
       Bei Adam Smith [58] erscheint dieser Widerspruch noch als ein Ne-
       beneinandersetzen. Neben  dem besondren  Arbeitsprodukt (der  Ar-
       beitszeit als  besonderm Gegenstand)  muß der  Arbeiter noch  ein
       Quantum allgemeiner  Ware (die Arbeitszeit als allgemeinen Gegen-
       stand) erzeugen. Die beiden Bestimmungen des Tauschwerts erschei-
       nen ihm äußerlich  n e b e n einander.  Das Innre der ganzen Ware
       erscheint noch  nicht ergriffen und durchdrungen vom Widerspruch.
       Dies entspricht der Stufe der Produktion, die er vorliegen hatte,
       wo der  Arbeiter noch einen Teil seiner Subsistenz direkt in sei-
       nem Produkt  besaß; weder  seine ganze Tätigkeit noch sein ganzes
       Produkt vom Austausch abhängig geworden war; d.h. die Subsistenz-
       agrikultur (oder  ähnlich, wie  Steuart sie  nennt [59])  noch zu
       einem großen  Maß herrschte und ebenso die patriarchale Industrie
       (Handweberei, Spinnerei  im Haus  und verknüpft  mit der Agrikul-
       tur). Nur  noch der  Überschuß wird in einem großen Kreis der Na-
       tion ausgetauscht.  Tauschwert und  Bestimmung durch die Arbeits-
       zeit noch nicht völlig entwickelt auf nationalem Maßstab.
       (Incident 30*):  Von Gold  und Silber weniger richtig als von ir-
       gendeiner andren  Ware, daß  ihre Konsumtion  nur wachsen kann im
       Verhältnis zu  ihren verminderten  Produktionskosten. Sie  wächst
       vielmehr im Verhältnis zum Wachstum des allgemeinen Reichtums, da
       ihr Gebrauch  spezifisch den  Reichtum, Überfluß, Luxus repräsen-
       tiert, weil sie selbst den allgemeinen Reichtum  r e p r ä s e n-
       t i e r e n.   Abgesehn vom  Gebrauch als Geld, werden Silber und
       Gold mehr  konsumiert im  Verhältnis zum Wachstum des allgemeinen
       Reichtums. Wenn  daher ihre  Zufuhr plötzlich wächst, selbst ohne
       daß die  Produktionskosten oder  ihr  Wert  sich  verhältnismäßig
       verringerte, finden  sie einen rasch sich erweiternden Markt, der
       ihre Depreziation  aufhält. Manches,  was den Ökonomen - die all-
       gemein Konsumtion  von Gold  und Silber  vom Fall  ihrer  Produk-
       tionskosten  allein  abhängig  machen  -  in  dem    a u s t r a-
       l i s c h - k a l i f o r n i s c h e n   case 31*)  unerklärlich
       [60] und,  wo sie sich in einem Zirkel bewegen, daher erklärt. Es
       hängt dies  genau damit  zusammen, daß sie den Reichtum repräsen-
       tieren, also mit ihrer Eigenschaft als Geld.)
       (Der Gegensatz  des Goldes  und Silbers als der eternal 32*) Ware
       im Gegensatz  zu den andern, den wir bei Petty 33*) finden, schon
       bei Xenophon, de Vectigalibus, c. 1. in bezug auf Marmor und Sil-
       ber.
       
       "Die Erde  verfügt aber nicht nur über das, was alljährlich blüht
       und reift, sondern sie hat auch dauerhafte Güter. Es gibt nämlich
       in ihr  reichliche Vorkommen  von Stein  etc. (nämlich  der  Mar-
       mor)... Es  gibt aber auch Land, das bei agrarischer Nutzung kei-
       nen Ertrag abwirft, bei bergmännischer Nutzung aber das Vielfache
       an Menschen ernährt, als wenn es Getreide trüge.")
       -----
       30*) Nebenbei -  31*) Fall - 32*) ewigen - 33*) siehe vorl. Band,
       S. 158
       
       #103# Entstehung und Wesen des Geldes
       -----
       (Wohl zu  merken, daß der Austausch zwischen verschiednen Stämmen
       oder Völkern  - und  dies, nicht  der Privataustausch,  ist seine
       erste Gestalt  - erst  damit beginnt,  daß einem  unzivilisierten
       Stamm Überfluß abgekauft wird (abgemogelt), der nicht das Produkt
       seiner Arbeit, sondern natürliches Produkt des Bodens und der Na-
       tur, die er okkupiert.)
       (Daraus, daß  das Geld in einer bestimmten Ware symbolisiert sein
       muß, dann  diese Ware  selbst (Gold etc.), die ordinären ökonomi-
       schen Widersprüche,  die daraus  hervorgehn, zu  entwickeln. Dies
       Nr. II.  Dann, da  alle Waren  gegen das Geld ausgetauscht werden
       müssen, um als Preise bestimmt zu werden, ob dieser Austausch nun
       wirklich oder  nur im  Kopf stattfindet, das Verhältnis des Quan-
       tums des  Goldes oder  Silbers zu  den Warenpreisen zu bestimmen.
       Dies Nr.  III. Es  ist klar,  daß, bloß  g e m e s s e n  im Gold
       oder Silber,  ihre Quantität keinen Einfluß auf den Preis der Wa-
       ren ausübt;  durch den  wirklichen Austausch,  soweit es wirklich
       als Zirkulationsinstrument dient, kommt die Schwierigkeit herein;
       die Verhältnisse  von Nachfrage  und Zufuhr  etc. Was aber seinen
       Wert als  Zirkulationsinstrument affiziert, affiziert es offenbar
       als Maß.)
       ¦¦27¦ Die  Arbeitszeit selbst existiert als solche nur subjektiv,
       nur in der Form der Tätigkeit. Insofern sie als solche austausch-
       bar (selbst  Ware) ist,  ist sie  nicht nur  quantitativ, sondern
       qualitativ bestimmt  und verschieden, keineswegs allgemeine, sich
       gleiche Arbeitszeit;  sondern entspricht  als Subjekt ebensowenig
       der die Tauschwerte bestimmenden allgemeinen Arbeitszeit, wie die
       besondren Waren und Produkte ihr als Objekt entsprechen.
       Der Satz  von A.  Smith, daß  der Arbeiter neben seiner besondren
       Ware eine  allgemeine Ware produzieren muß, in andren Worten, daß
       er einem  Teil seiner  Produkte die  Form des  Geldes geben  muß,
       überhaupt seiner  Ware, soweit  sie nicht  als Gebrauchswert  für
       ihn, sondern als Tauschwert dienen soll - heißt, subjektiv ausge-
       drückt, weiter  nichts, als  daß seine besondre Arbeitszeit nicht
       unmittelbar gegen  jede andre  besondre Arbeitszeit  ausgetauscht
       werden kann,  sondern daß  diese ihre allgemeine Austauschbarkeit
       erst vermittelt  werden, daß  sie eine  gegenständliche, von  ihr
       selbst verschiedne  Form annehmen  muß, um  diese allgemeine Aus-
       tauschbarkeit zu erlangen.
       Die Arbeit  des einzelnen,  im Akt der Produktion selbst betrach-
       tet, ist  das Geld,  womit er unmittelbar das Produkt, den Gegen-
       stand  seiner   besondren  Tätigkeit,  kauft;  aber  es  ist  ein
       b e s o n d r e s   Geld, das  eben nur  dies   b e s t i m m t e
       P r o d u k t   kauft. Um  unmittelbar das    a l l g e m e i n e
       Geld zu  sein, müßte  sie von  vornherein nicht   b e s o n d r e
       Arbeit, sondern   a l l g e m e i n e  sein, d. h. von vornherein
       als Glied  der   a l l g e m e i n e n  P r o d u k t i o n  g e-
       s e t z t   sein. In  dieser Voraussetzung  aber würde nicht erst
       der Austausch ihr den allgemeinen Charakter geben, sondern
       
       #104# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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       ihr vorausgesetzter  gemeinschaftlicher Charakter würde die Teil-
       nahme an den Produkten bestimmen. Der gemeinschaftliche Charakter
       der Produktion  würde von vornherein das Produkt zu einem gemein-
       schaftlichen, allgemeinen machen. Der ursprünglich in der Produk-
       tion stattfindende  Austausch - der kein Austausch von Tauschwer-
       ten wäre,  sondern von  Tätigkeiten, die  durch gemeinschaftliche
       Bedürfnisse bestimmt  wären,  durch  gemeinschaftliche  Zwecke  -
       würde von  vornherein die  Teilnahme des einzelnen an der gemein-
       schaftlichen Produktenwelt  einschließen. Auf  der Grundlage  der
       Tauschwerte wird  die Arbeit  erst durch  den   A u s t a u s c h
       als allgemein   g e s e t z t.  Auf dieser Grundlage wäre sie als
       solche   g e s e t z t   vor dem  Austausch; d. h., der Austausch
       der Produkte  wäre überhaupt nicht das  M e d i u m,  wodurch die
       Teilnahme des  einzelnen an der allgemeinen Produktion vermittelt
       würde. Vermittlung muß natürlich stattfinden.
       Im erstren Fall, der von der selbständigen Produktion der einzel-
       nen ausgeht  - sosehr diese selbständigen Produktionen durch ihre
       Beziehungen zueinander  sich post  festum bestimmen, modifizieren
       -, findet  die Vermittlung  statt durch  den Austausch der Waren,
       den Tauschwert,  das Geld, die alle Ausdrücke eines und desselben
       Verhältnisses  sind.  Im  zweiten  Fall  ist  die    V o r a u s-
       s e t z u n g   s e l b s t  v e r m i t t e l t;  d.h., eine ge-
       meinschaftliche Produktion,  die Gemeinschaftlichkeit  als Grund-
       lage der  Produktion, ist vorausgesetzt. Die Arbeit des einzelnen
       ist von  vornherein als gesellschaftliche Arbeit gesetzt. Welches
       daher auch  immer die  besondre materielle  Gestalt des  Produkts
       sei, das er schafft oder schaffen hilft, was er mit seiner Arbeit
       gekauft hat,  ist nicht ein bestimmtes besondres Produkt, sondern
       ein bestimmter  Anteil an  der gemeinschaftlichen  Produktion. Er
       hat darum auch kein besondres Produkt auszutauschen. Sein Produkt
       ist  k e i n  T a u s c h w e r t.  Das Produkt hat nicht erst in
       eine besondre  Form umgesetzt  zu werden,  um  einen  allgemeinen
       Charakter für  den einzelnen zu erhalten. Statt einer Teilung der
       Arbeit, die  in dem  Austausch von  Tauschwerten  sich  notwendig
       erzeugt, fände eine Organisation der Arbeit statt, die den Anteil
       des einzelnen an der gemeinschaftlichen Konsumtion zur Folge hat.
       In dem  ersten Fall  wird  der  gesellschaftliche  Charakter  der
       Produktion erst  durch die  Erhebung der Produkte zu Tauschwerten
       und den Tausch dieser Tauschwerte post festum gesetzt. Im zweiten
       Fall ist  der gesellschaftliche  Charakter der Produktion voraus-
       gesetzt, und  die Teilnahme  an der Produktenwelt, an der Konsum-
       tion, ist  nicht durch  den  Austausch  voneinander  unabhängiger
       Arbeiten oder Arbeitsprodukte vermittelt. Er ist vermittelt durch
       die gesellschaftlichen  Produktionsbedingungen,  innerhalb  deren
       das Individuum  tätig ist.  Die Arbeit  des einzelnen also unmit-
       telbar zum  Geld machen  wollen (d.h.  auch  sein  Produkt),  zum
       r e a l i s i e r t e n
       
       #105# Entstehung und Wesen des Geldes
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       T a u s c h w e r t,  heißt, sie  u n m i t t e l b a r  als all-
       gemeine Arbeit bestimmen, d.h. eben die Bedingungen negieren, un-
       ter denen sie zu Geld und Tauschwerten gemacht werden muß und vom
       Privataustausch abhängt.  Die Forderung kann bloß befriedigt wer-
       den unter Bedingungen, worin sie nicht mehr gestellt werden kann.
       Die Arbeit  auf Grundlage  der Tauschwerte setzt eben voraus, daß
       weder die  Arbeit des  einzelnen noch  sein Produkt    u n m i t-
       t e l b a r   allgemein ist;  daß es  diese Form  erst durch eine
       g e g e n s t ä n d l i c h e   V e r m i t t l u n g    erlangt,
       durch ein von ihm verschiedenes  G e l d.
       Gemeinschaftliche Produktion  vorausgesetzt, bleibt  die  Zeitbe-
       stimmung natürlich  wesentlich. Je  weniger Zeit die Gesellschaft
       bedarf, um  Weizen, Vieh etc. zu produzieren, desto mehr Zeit ge-
       winnt sie  zu andrer  Produktion, materieller oder geistiger. Wie
       bei einem einzelnen Individuum hängt die Allseitigkeit ihrer Ent-
       wicklung, ihres  Genusses und  ihrer Tätigkeit  von Zeitersparung
       ab. Ökonomie  der Zeit, darin löst sich schließlich alle Ökonomie
       auf. Ebenso  muß die Gesellschaft ihre Zeit zweckmäßig einteilen,
       um eine  ihren Gesamtbedürfnissen  gemäße Produktion zu erzielen;
       wie der einzelne seine Zeit richtig einteilen muß, um sich Kennt-
       nisse in  angemeßnen Proportionen  zu erwerben  oder um  den ver-
       schiednen Anforderungen  an seine  Tätigkeit Genüge  zu  leisten.
       Ökonomie der  Zeit sowohl  wie planmäßige Verteilung der Arbeits-
       zeit auf  die verschiednen  Zweige der Produktion bleibt also er-
       stes ökonomisches  Gesetz auf  Grundlage  der  gemeinschaftlichen
       Produktion. Es  wird sogar in viel höherem Grade Gesetz. Dies ist
       jedoch wesentlich  ¦¦28¦ verschieden  vom Messen  der Tauschwerte
       (Arbeiten oder Arbeitsprodukte) durch die Arbeitszeit. Die Arbei-
       ten der  einzelnen in demselben  A r b e i t s z w e i g  und die
       verschiednen Arten  der  Arbeit  sind  nicht  nur    q u a n t i-
       t a t i v,   sondern  q u a l i t a t i v  verschieden. Was setzt
       der nur  quantitative Unterschied  von Dingen voraus? Die Diesel-
       bigkeit ihrer Qualität. Also das quantitative Messen der Arbeiten
       die Ebenbürtigkeit, die Dieselbigkeit ihrer  Q u a l i t ä t.
       (Strabo, liber XI. Von den Albanoi auf dem Kaukasus:
       
       "Auch die  Menschen zeichnen sich durch Schönheit und hohen Wuchs
       aus; sie  sind schlicht  und keine  Krämerseelen; denn gewöhnlich
       benutzen sie  keine Münzen und sie kennen auch keine größere Zahl
       als hundert;  vielmehr vollziehen  sie den  Austausch mit Natura-
       lien." Es heißt daselbst weiter: "Unbekannt sind sie auch mit ge-
       nauen Maßen und Gewichten.")
       
       Das Geld,  früher als   M a ß   erscheinend (wofür z.B. bei Homer
       Ochsen), denn  als Tauschmittel,  weil im  Tauschhandel jede Ware
       selbst noch  ihr Tauschmittel  ist. Sie  kann aber  nicht ihr Maß
       oder eigner Vergleichungsstandard sein.

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