Quelle: MEW 42 Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858
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[Entstehung und Wesen des Geldes]
Ware a = 1 sh (i.e. = 1/x Silber); Ware b = 2 sh (d.h. - 2/x Sil-
ber). Daher Ware b = dem doppelten Wert der Ware a. Das Wertver-
hältnis zwischen a und b ist ausgedrückt durch die Proportion, in
der sich beide gegen das Quantum einer dritten Ware austauschen,
gegen Silber; nicht gegen ein Wertverhältnis.
Jede Ware (Produkt oder Produktionsinstrument) ist = der Verge-
genständlichung einer bestimmten Arbeitszeit. Ihr Wert, das Ver-
hältnis, worin sie sich gegen andre Waren austauscht oder andre
Waren sich gegen sie austauschen, ist = dem in ihr realisierten
Quantum Arbeitszeit. Wenn die Ware z.B. = 1 Stunde Arbeitszeit,
so tauscht sie sich aus mit allen andren Waren, die das Produkt
von 1 Stunde Arbeitszeit. (Dies ganze Raisonnement in der Voraus-
setzung, daß der Tauschwert = dem Marktwert; der Realwert = dem
Preis.) Der Wert der Ware ist von der Ware selbst unterschieden.
Wert (Tauschwert) ist die Ware nur im Austausch (wirklichen oder
vorgestellten): Wert ist nicht nur die Austauschfähigkeit dieser
Ware im allgemeinen, sondern ihre spezifische Austauschbarkeit.
Er ist zugleich der Exponent des Verhältnisses,
#76# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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worin sie sich austauscht mit andren Waren, und der Exponent des
Verhältnisses, worin sie sich bereits in der Produktion mit and-
ren Waren (materialisierter Arbeitszeit) ausgetauscht hat; er ist
quantitativ bestimmte ¦¦13¦ Austauschbarkeit. Die Waren, z.B.
eine Elle Baumwolle und ein Maß Öl, als Baumwolle und Öl betrach-
tet, sind natürlich verschieden, besitzen verschiedne Eigenschaf-
ten, werden durch verschiedne Maße gemessen, sind inkommensura-
bel. Als Werte sind alle Waren qualitativ gleich und nur quanti-
tativ unterschieden, messen sich also alle wechselseitig und er-
setzen sich (tauschen sich aus, sind konvertibel gegeneinander)
in bestimmten quantitativen Verhältnissen. Der Wert ist ihr ge-
sellschaftliches Verhältnis, ihre ökonomische Qualität. Ein Buch,
das einen bestimmten Wert besitzt, und ein Laib Brot, das densel-
ben Wert besitzt, tauschen sich gegeneinander aus, sind derselbe
Wert nur in verschiednem Material. Als Wert ist die Ware zugleich
Äquivalent für alle andren Waren in einem bestimmten Verhältnis.
Als Wert ist die Ware Äquivalent; als Äquivalent sind alle ihre
natürlichen Eigenschaften in ihr ausgelöscht; steht sie in keinem
qualitativen besondren Verhältnis mehr zu den andren Waren; son-
dern ist sie sowohl das allgemeine Maß als der allgemeine Reprä-
sentant, als das allgemeine Austauschmittel aller andren Waren.
Als Wert ist sie G e l d.
Aber weil die Ware oder vielmehr das Produkt oder Produktionsin-
strument von sich als Wert unterschieden ist, ist sie als Wert
von sich als Produkt unterschieden. Ihre Eigenschaft als Wert
kann nicht nur, sondern muß zugleich eine von ihrer natürlichen
Existenz verschiedne gewinnen. Warum? Weil die Waren als Werte
nur quantitativ voneinander verschieden sind, muß jede Ware qua-
litativ von ihrem eignen Wert verschieden sein. Ihr Wert muß da-
her auch eine von ihr qualitativ unterscheidbare Existenz besit-
zen, und im wirklichen Austausch muß diese Trennbarkeit zur wirk-
lichen Trennung werden, weil die natürliche Verschiedenheit der
Waren mit ihrer ökonomischen Äquivalenz in Widerspruch geraten
muß und beide nur nebeneinander bestehn können, indem die Ware
eine doppelte Existenz gewinnt, neben ihrer natürlichen eine rein
ökonomische, in der sie ein bloßes Zeichen, ein Buchstabe für ein
Produktionsverhältnis ist, ein bloßes Zeichen für ihren eignen
Wert. Als Wert ist jede Ware gleichmäßig teilbar; in ihrem natür-
lichen Dasein ist sie es nicht. Als Wert bleibt sie dieselbe, wie
viele Metamorphosen und Existenzformen sie auch durchläuft; in
der Wirklichkeit werden Waren nur ausgetauscht, weil sie ungleich
sind und verschiednen Systemen von Bedürfnissen entsprechen. Als
Wert ist sie allgemein, als wirkliche Ware eine Besonderheit. Als
Wert ist sie stets austauschbar; in dem wirklichen Austausch ist
sie es nur, wenn sie besondre Bedingungen erfüllt. Als Wert ist
das Maß ihrer Austauschbarkeit durch sie
#77# Entstehung und Wesen des Geldes
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selbst bestimmt; der Tauschwert drückt eben das Verhältnis aus,
in dem sie andre Waren ersetzt; im wirklichen Austausch ist sie
nur austauschbar in Quantitäten, die mit ihren natürlichen Eigen-
schaften zusammenhängen und den Bedürfnissen der Austauschenden
entsprechen. (Kurz alle Eigenschaften, die als besondre Eigen-
schaften des Geldes aufgezählt werden, sind Eigenschaften der
Ware als Tauschwert; des Produkts als Wert im Unterschied vom
Wert als Produkt.) (Der Tauschwert der Ware, als besondre Exi-
stenz neben der Ware selbst, ist G e l d; die Form, worin alle
Waren sich gleichen, sich vergleichen, sich messen; worin alle
Waren sich auflösen, was sich in alle Waren auflöst; das allge-
meine Äquivalent.)
Jeden Augenblick, im Rechnen, Buchführen etc. verwandeln wir die
Waren in Wertzeichen, fixieren wir sie als bloße Tauschwerte, ab-
strahierend von ihrem Stoff und allen ihren natürlichen Eigen-
schaften. Auf dem Papier, im Kopf geht diese Metamorphose durch
bloße Abstraktion vor sich; aber im wirklichen Umtausch ist eine
wirkliche V e r m i t t l u n g notwendig, ein Mittel, um diese
Abstraktion zu bewerkstelligen. Die Ware ist in ihren natürlichen
Eigenschaften weder beständig austauschbar noch mit j e d e r
a n d r e n W a r e austauschbar, nicht in ihrer natürlichen
Gleichheit mit sich; sondern als sich selbst ungleich, als etwas
von sich ungleiches, als Tauschwert gesetzt. Wir müssen sie erst
in sich als Tauschwert umsetzen, um diesen Tauschwert dann mit
andren zu vergleichen und auszuwechseln. Im rohsten Tauschhandel,
wenn zwei Waren gegeneinander ausgetauscht werden, wird jede erst
gleichgesetzt einem Zeichen, das ihren Tauschwert ausdrückt, z.B.
bei gewissen Negern an den westafrikanischen Küsten = x bars
[43]. Die eine Ware ist = 1 bar; die andre 2 bars. In diesem Ver-
hältnis werden sie ausgetauscht. Die Waren werden im Kopf erst
und in der Sprache in bars verwandelt, bevor sie sich gegeneinan-
der austauschen. Sie werden geschätzt, bevor sie ausgetauscht
werden, und um sie zu schätzen, müssen sie in bestimmte Zahlen-
verhältnisse zueinander gebracht werden. Um sie in solche Zahlen-
verhältnisse zu bringen und sie kommensurabel zu machen, müssen
sie dieselbe Denomination (Einheit) erhalten. (Die bar besitzt
eine bloß imaginäre Existenz, wie überhaupt ein Verhältnis nur
durch Abstraktion eine besondre Verkörperung erhalten, selbst
wieder individualisiert werden kann.) Um den Überschuß des einen
Werts über den andren beim Austausch zu decken, zur Liquidierung
der Bilanz, wird beim rohsten Tauschhandel, wie jetzt bei dem In-
ternationalhandel, Zahlung in Geld erforderlich.
Die Produkte (oder Tätigkeiten) tauschen sich nur aus als Waren;
die Waren im Tausche selbst existieren nur als Werte; nur als
solche vergleichen sie sich. Um das Gewicht Brot zu bestimmen,
das ich mit einer Elle Leinwand austauschen
#78# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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kann, setze ich erst die Elle Leinwand = ihrem Tauschwert, d. h.
= 1/x Arbeitszeit. Ebenso setze ich das Pfund Brot = seinem
Tauschwert = 1/x oder 2/x etc. Arbeitszeit. Ich setze jede der
Waren = einem Dritten; d.h. ¦¦14¦ sich selbst ungleich. Dies
Dritte, von beiden verschieden, da es ein Verhältnis ausdrückt,
existiert zunächst im Kopfe, in der Vorstellung, wie Verhältnisse
überhaupt nur gedacht werden können, wenn sie fixiert werden sol-
len, im Unterschied von den Subjekten, die sich verhalten. Indem
ein Produkt (oder Tätigkeit) Tauschwert wird, wird es nicht nur
in ein bestimmtes quantitatives Verhältnis verwandelt, eine Ver-
hältniszahl - nämlich in eine Zahl, die ausdrückt, welche Quanti-
tät von andren Waren ihm gleich ist 1*), sein Äquivalent, oder in
welchem Verhältnis es das Äquivalent andrer Waren ist -, sondern
muß zugleich qualitativ verwandelt werden, in ein andres Element
umgesetzt werden, damit beide Waren benannte Größen werden, mit
derselben Einheit, also kommensurabel werden. Die Ware muß erst
in Arbeitszeit, also etwas von ihr qualitativ Verschiednes, umge-
setzt werden (qualitativ verschieden; 1. weil sie nicht Arbeits-
zeit als Arbeitszeit, sondern materialisierte Arbeitszeit; Ar-
beitszeit nicht in der Form der Bewegung, sondern der Ruhe; nicht
des Prozesses, sondern des Resultats ist; 2. weil sie nicht die
Vergegenständlichung der Arbeitszeit im allgemeinen, die nur in
der Vorstellung existiert (selbst nur die von ihrer Qualität ge-
trennte, nur quantitativ verschiedne Arbeit ist), sondern das be-
stimmte Resultat einer bestimmten, natürlich bestimmten, von and-
ren Arbeiten qualitativ verschiednen Arbeit ist), um dann als be-
stimmtes Quantum Arbeitszeit, bestimmte Arbeitsgröße, mit andren
Quantis Arbeitszeit, andren Arbeitsgrößen verglichen zu werden.
Zum bloßen Vergleichen - Schätzen der Produkte -, zu ihrer ideel-
len Wertbestimmung, reicht es hin, diese Transformation im Kopfe
vorzunehmen (eine Transformation, worin das Produkt bloß als Aus-
druck quantitativer Produktionsverhältnisse existiert). Beim Ver-
gleichen der Waren reicht diese Abstraktion hin; beim wirklichen
Austausch muß die Abstraktion wieder vergegenständlicht, symboli-
siert, durch ein Zeichen realisiert werden. Diese Notwendigkeit
tritt ein: 1. wie wir bereits gesagt, die auszutauschenden Waren
werden beide im Kopfe in gemeinsame Größenverhältnisse, Tausch-
werte, verwandelt und so gegeneinander geschätzt. Sollen sie aber
nun wirklich vertauscht werden, so treten ihre natürlichen Eigen-
schaften in Widerspruch mit ihrer Bestimmung als Tauschwerte und
bloß benannter Zahlen. Sie sind
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1*) In der Handschrift: sind
#79# Entstehung und Wesen des Geldes
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nicht beliebig teilbar etc. 2. Im wirklichen Austausch werden
stets besondre Waren gegen besondre Waren ausgetauscht, und die
Austauschbarkeit jeder Ware, wie das Verhältnis, worin sie aus-
tauschbar ist, hängt von lokalen und zeitlichen Bedingungen etc.
ab. Die Verwandlung der Ware in Tauschwert setzt sie aber nicht
einer bestimmten andren Ware gleich 2*), sondern drückt sie als
Äquivalent, ihr Austauschbarkeitsverhältnis zu allen andren Wa-
ren, aus. Diese Vergleichung, die im Kopf mit einem Schlag vorge-
nommen ist, wird in der Wirklichkeit nur in einem bestimmten,
durch das Bedürfnis bestimmten, Umkreis realisiert, und nur suk-
zessive. (Z.B. ich tausche der Reihe nach ein Einkommen von 100
Talern, wie es meine Bedürfnisse mit sich bringen, gegen einen
ganzen Umkreis von Waren aus, deren Summe = dem Tauschwert von
100 Talern.) Um also die Ware auf einen Schlag als Tauschwert zu
realisieren und ihr die allgemeine Wirkung des Tauschwerts zu ge-
ben, reicht der Austausch mit einer besondren Ware nicht aus. Sie
muß mit einem dritten Ding ausgetauscht werden, das nicht selbst
wieder eine besondre Ware ist, sondern das Symbol der Ware als
Ware, des Tauschwerts der Ware selbst; d a s a l s o s a g e
d i e A r b e i t s z e i t a l s s o l c h e r e p r ä-
s e n t i e r t, sage ein Stück Papier oder Leder, welches einen
aliquoten 3*) Teil Arbeitszeit repräsentiert. (Ein solches Symbol
unterstellt die allgemeine Anerkennung; es kann nur ein
gesellschaftliches Symbol sein; es drückt in der Tat nur ein
gesellschaftliches Verhältnis aus.) Dies Symbol repräsentiert die
aliquoten Teile der Arbeitszeit; den Tauschwert in solchen
aliquoten Teilen, als fähig sind durch einfache arithmetische
Kombination alle Verhältnisse der Tauschwerte untereinander aus-
zudrücken. Dies Symbol, dies materielle Zeichen des Tauschwerts
ist ein Produkt des Tausches selbst, nicht die Ausführung einer a
priori gefaßten Idee. (In fact wird die Ware, die als Mittler des
Austauschs gebraucht wird, erst nach und nach in Geld verwandelt,
in ein Symbol; sobald das geschehn ist, kann ein Symbol derselben
sie selbst wieder ersetzen. Sie wird jetzt bewußtes Zeichen des
Tauschwerts.)
Der Prozeß ist also einfach der: Das Produkt wird Ware, d.h.
b l o ß e s M o m e n t d e s A u s t a u s c h s. Die Ware
wird in Tauschwert verwandelt. Um sie sich selbst als Tauschwert
gleichzusetzen, wird sie mit einem Zeichen vertauscht, das sie
als den Tauschwert als solchen repräsentiert. Als solcher symbo-
lisierter Tauschwert kann sie dann wieder in bestimmten Verhält-
nissen mit jeder andren Ware ausgetauscht werden. Dadurch, daß
das Produkt Ware und die Ware Tauschwert wird, erhält es erst im
Kopfe eine doppelte Existenz. Diese ideelle Verdopplung geht (und
muß dazu fortgehn), daß die Ware im
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2*) In der Handschrift: aus - 3*) ohne Rest aufgehenden
#80# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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wirklichen Austausch doppelt erscheint: als natürliches Produkt
auf der einen Seite, als Tauschwert auf der andren. D. h., ihr
Tauschwert erhält eine materiell von ihr getrennte Existenz.
¦¦15¦ Die Bestimmung des Produkts im Tauschwert bringt es also
notwendig mit sich, daß der Tauschwert eine vom Produkt ge-
trennte, losgelöste Existenz erhält. Der von den Waren selbst
losgelöste und selbst als eine Ware neben ihnen, existierende
Tauschwert ist - G e l d. Alle Eigenschaften der Ware als
Tauschwert erscheinen als ein von ihr verschiedner Gegenstand,
eine von ihrer natürlichen Existenzform losgelöste soziale Exi-
stenzform im G e l d. (Dies weiter nachzuweisen, indem die ge-
wöhnlichen Eigenschaften des Geldes aufgezählt werden.) (Das Ma-
terial, worin dieses Symbol ausgedrückt wird, ist keineswegs
gleichgültig, so verschieden es auch historisch auftritt. Die
Entwicklung der Gesellschaft arbeitet mit dem Symbol auch das ihm
mehr und mehr entsprechende Material heraus, von dem sie nachher
wieder sich loszuwinden strebt; ein Symbol, wenn es nicht will-
kürlich ist, erfordert gewisse Bedingungen in dem Material, worin
es dargestellt wird. So z.B. die Zeichen für Worte eine Ge-
schichte haben. Buchstabenschrift etc.) Der Tauschwert des Pro-
dukts erzeugt also das Geld neben dem Produkt. Wie es nun unmög-
lich ist, Verwicklungen und Widersprüche, die aus der Existenz
des Geldes neben den besondren Waren hervorgehn, dadurch aufzuhe-
ben, daß man die Form des Geldes verändert (obgleich Schwierig-
keiten, die einer niedrigem Form desselben angehören, durch eine
höhre vermieden werden mögen), ebenso unmöglich ist es, das Geld
selbst aufzuheben, solange der Tauschwert die gesellschaftliche
Form der Produkte bleibt. Es ist nötig, dies klar einzusehn, um
sich keine unmöglichen Aufgaben zu stellen und die Grenzen zu
kennen, innerhalb deren Geldreformen und Zirkulationsumwandlungen
die Produktionsverhältnisse und die auf ihnen ruhenden gesell-
schaftlichen Verhältnisse neugestalten können.
Die Eigenschaften des Geldes als 1. Maß des Warenaustausches; 2.
als Austauschmittel; 3. als Repräsentant der Waren (deswegen als
der Gegenstand der Kontrakte); 4. als allgemeine Ware neben den
besondren Waren - folgen alle einfach aus seiner Bestimmung des
von den Waren selbst getrennten und vergegenständlichten Tausch-
werts. (Die Eigenschaft des Geldes als allgemeine Ware gegen alle
andren, als Verkörperung ihres Tauschwerts, macht es zugleich zur
realisierten und stets realisierbaren Form des Kapitals; zur
stets gültigen Erscheinungsform des Kapitals, eine Eigenschaft,
die bei den Bulliondrains 4*) hervortritt; die macht, daß das Ka-
pital historisch zuerst nur in der
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4*) Gold- und Silberabflüssen
#81# Entstehung und Wesen des Geldes
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Form des Geldes erscheint; die endlich den Zusammenhang des
Geldes mit dem Zinsfuß und seine Einwirkung darauf erklärt.)
Je mehr die Produktion sich dermaßen gestaltet, daß jeder Produ-
zent vom Tauschwert seiner Ware abhängig wird, d.h., je mehr das
Produkt wirklich Tauschwert wird und der Tauschwert das unmittel-
bare Objekt der Produktion, desto mehr müssen sich die
G e l d v e r h ä l t n i s s e entwickeln und die Widersprüche,
die dem G e l d v e r h ä l t n i s s e, dem Verhältnisse des
Produkts zu sich als Geld, immanent sind. Das Bedürfnis des Aus-
tauschs und die Verwandlung des Produkts in reinen Tauschwert
schreitet voran im selben Maß wie die Teilung der Arbeit, d.h.
mit dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion. Aber in dem-
selben Maße, wie dieser wächst, wächst die Macht des G e l-
d e s, d.h. setzt sich das Tauschverhältnis als eine den Produ-
zenten gegenüber äußere und von ihnen unabhängige Macht fest. Was
ursprünglich als Mittel zur Förderung der Produktion erschien,
wird zu einem den Produzenten fremden Verhältnis. In demselben
Verhältnis, wie die Produzenten vom Austausch abhängig werden,
scheint der Austausch von ihnen unabhängig zu werden und die
Kluft zwischen dem Produkt als Produkt und dem Produkt als
Tauschwert zu wachsen. Das Geld bringt diese Gegensätze und Wi-
dersprüche nicht hervor; sondern die Entwicklung dieser Wider-
sprüche und Gegensätze bringt die scheinbar transzendentale Macht
des Geldes hervor. (Auszuführen der Einfluß der Verwandlung aller
Verhältnisse in Geldverhältnisse: der Naturalsteuer in Geld-
steuer, der Naturalrente in Geldrente, der Kriegsleistung in
Mietstruppe, überhaupt aller persönlichen Leistungen in Geldlei-
stungen, der patriarchalischen, sklavischen, leibeignen, zünfti-
gen Arbeit in reine Lohnarbeit.)
Das Produkt wird zur Ware; die Ware wird zum Tauschwert; der
Tauschwert der Ware ist ihre immanente Geldeigenschaft; diese
ihre Geldeigenschaft löst sich von ihr als Geld los, gewinnt eine
allgemeine, von allen besondren Waren und ihrer natürlichen Exi-
stenzweise gesonderte soziale Existenz; das Verhältnis des Pro-
dukts zu sich als Tauschwert wird sein Verhältnis zu einem neben
ihm existierenden Gelde oder aller Produkte zu dem außer ihnen
allen existierenden Geld. Wie der wirkliche Austausch der Pro-
dukte ihren Tauschwert erzeugt, so erzeugt ihr Tauschwert das
Geld.
Die nächste Frage, die nun entgegentritt, ist die: Die Existenz
des Geldes neben den Waren, hüllt sie nicht von vorn Widersprüche
ein, die mit diesem Verhältnisse selbst gegeben sind?
E r s t e n s: Das einfache Faktum, daß die Ware doppelt exi-
stiert, einmal als bestimmtes Produkt, das seinen Tauschwert in
seiner natürlichen Daseinsform ideell enthält (latent enthält),
und dann als manifestierter Tauschwert (G e l d), der wieder al-
len Zusammenhang mit der natürlichen Daseinsform des Produkts
#82# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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abgestreift hat, diese doppelte v e r s c h i e d n e Existenz
muß zum U n t e r s c h i e d, der Unterschied zum G e g e n-
s a t z und ¦¦16¦ W i d e r s p r u c h fortgehn. Derselbe Wi-
derspruch zwischen der besondren Natur der Ware als Produkt und
ihrer allgemeinen Natur als Tauschwert, der die Notwendigkeit
erzeugte, sie doppelt zu setzen, einmal als diese bestimmte Ware,
das andre Mal als Geld, der Widerspruch zwischen ihren besondren
natürlichen Eigenschaften und ihren allgemeinen sozialen Eigen-
schaften enthält von vornherein die Möglichkeit, daß diese beiden
getrennten Existenzformen der Ware nicht gegeneinander konver-
tibel sind. Die Austauschbarkeit der Ware existiert als ein Ding
neben ihr im Gelde, als etwas von ihr Verschiednes, nicht mehr
unmittelbar Identisches. Sobald das Geld ein äußres Ding neben
der Ware ist, ist die Austauschbarkeit der Ware gegen Geld sofort
an äußre Bedingungen geknüpft, die eintreten können oder nicht;
äußerlichen Bedingungen preisgegeben. Die Ware wird im Austausch
verlangt wegen ihrer natürlichen Eigenschaften, wegen der
Bedürfnisse, deren Objekt sie ist. Das Geld dagegen nur seines
Tauschwerts wegen, als Tauschwert. Ob die Ware daher umsetzbar
ist gegen Geld, gegen es ausgetauscht werden kann, ob für sie ihr
Tauschwert gesetzt werden kann, hängt von Umständen ab, die
zunächst mit ihr als Tauschwert nichts zu schaffen haben und
unabhängig davon sind. Die Umsetzbarkeit der Ware hängt von den
natürlichen Eigenschaften des Produkts ab; die des Geldes fällt
zusammen mit seiner Existenz als symbolisierter Tauschwert. Es
wird also möglich, daß die Ware in ihrer bestimmten Form als
Produkt nicht mehr umgetauscht, gleichgesetzt werden kann mit
ihrer allgemeinen Form als Geld.
Indem die Austauschbarkeit der Ware außer ihr als Geld existiert,
ist sie etwas von ihr Verschiednes, ihr Fremdes geworden; mit dem
sie erst gleichgesetzt werden muß, dem sie also d'abord 5*) un-
gleich ist; während die Gleichsetzung selbst von äußren Bedingun-
gen abhängig wird, also zufällig.
Z w e i t e n s: Wie der Tauschwert der Ware doppelt existiert,
als die bestimmte Ware und als Geld, so zerfällt der Akt des Aus-
tauschs in zwei voneinander unabhängige Akte: Austausch der Ware
gegen Geld, Austausch des Geldes gegen Ware; Kauf und Verkauf. Da
diese nun eine räumlich und zeitlich voneinander gesonderte, ge-
geneinander gleichgültige Existenzform gewonnen haben, hört ihre
unmittelbare Identität auf. Sie können sich entsprechen und nicht
entsprechen; sie können sich decken oder nicht; sie können in
Mißverhältnisse zueinander treten. Sie werden sich zwar beständig
auszugleichen suchen; aber an die Stelle der frühern unmittelba-
ren Gleichheit ist jetzt die beständige Bewegung der Ausgleichung
getreten, die eben beständige Ungleichsetzung
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5*) zunächst
#83# Entstehung und Wesen des Geldes
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voraussetzt. Die Konsonanz kann jetzt voll möglicherweise nur
durch Durchlaufen der äußersten Dissonanzen erreicht werden.
D r i t t e n s: Mit der Trennung des Kaufs und Verkaufs, der
Spaltung des Austauschs in zwei voneinander räumlich und zeitlich
unabhängige Akte, tritt ferner ein andres neues Verhältnis her-
vor.
Wie sich der Austausch selbst zerspaltet in zwei voneinander un-
abhängige Akte, so trennt sich die Gesamtbewegung des Austauschs
selbst von den Austauschenden, den Produzenten der Waren. Der
Austausch des Austauschs wegen trennt sich vom Austausch der Wa-
ren wegen. Ein Kaufmannsstand tritt zwischen die Produzenten, ein
Stand, der bloß kauft, um zu verkaufen, und bloß verkauft, um
wieder zu kaufen, und in dieser Operation nicht den Besitz der
Waren als Produkte bezweckt, sondern bloß das Erhalten von
Tauschwerten als solchen, von Geld. (Beim bloßen Tauschhandel
kann sich ein Kaufmannsstand bilden. Da er aber bloß den Überfluß
der Produktion auf beiden Seiten zur Disposition hat, so bleibt
sein Einfluß auf die Produktion selbst durchaus sekundär, wie
seine ganze Wichtigkeit.) Der Verselbständigung des Tauschwerts
im Geld, von den Produkten losgerissen, entspricht die Ver-
selbständigung des Austauschs (Handels) als von den Austauschen-
den losgerißne Funktion. Der Tauschwert war das Maß des Warenaus-
tauschs; aber sein Zweck war der direkte Besitz der ausgetausch-
ten Ware, ihre Konsumtion (ob diese Konsumtion nun darin besteht,
daß sie direkt zur Befriedigung von Bedürfnissen, als Produkt
dient, oder selbst wieder als Produktionswerkzeug). Der Zweck des
Handels ist nicht direkt die Konsumtion, sondern das Erwerben von
Geld, von Tauschwerten. Durch diese Verdopplung des Austauschs -
des Austauschs der Konsumtion wegen und des Austauschs des Aus-
tauschs wegen - entsteht ein neues Mißverhältnis. Der Kaufmann in
seinem Austausch ist bloß bestimmt durch die Differenz zwischen
Kauf und Verkauf der Waren; aber der Konsument hat den Tauschwert
der Ware, die er kauft, definitiv zu ersetzen. Die Zirkulation,
der Austausch innerhalb des Kaufmannsstandes, und das Ende der
Zirkulation, der Austausch zwischen dem Kaufmannsstand und den
Konsumenten, sosehr sie sich schließlich wechselseitig bedingen
müssen, sind durch ganz andre Gesetze und Motive bestimmt und
können in den größten Widerspruch miteinander geraten. Schon in
dieser Trennung liegt die Möglichkeit der Handelskrisen. Da die
Produktion aber unmittelbar für den Handel und nur mittelbar für
die ¦¦17¦ Konsumtion arbeitet, muß sie ebensosehr von dieser In-
kongruenz zwischen Handel und Konsumtionsaustausch ergriffen wer-
den, als sie ihrerseits erzeugen. (Die Verhältnisse von Nachfrage
und Zufuhr werden gänzlich verkehrt.) (Von dem eigentlichen Han-
del trennt sich dann wieder das Geldgeschäft.)
#84# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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A p h o r i s m e n. (Alle Waren sind vergängliches Geld; das
Geld ist die unvergängliche Ware. [44] Je weiter sich die Teilung
der Arbeit entwickelt, um so mehr hört das unmittelbare Produkt
auf, ein Tauschmittel zu sein. Es tritt die Notwendigkeit eines
allgemeinen Tauschmittels ein, d. h. eines Tauschmittels, das von
der spezifischen Produktion eines jeden unabhängig ist. Im Geld
ist der Wert der Sachen von ihrer Substanz getrennt. Das Geld ist
ursprünglich der Repräsentant aller Werte; in der Praxis dreht
sich die Sache um, und alle realen Produkte und Arbeiten werden
die Repräsentanten des Geldes. Im unmittelbaren Tauschhandel kann
nicht jeder Artikel gegen jeden Artikel und eine bestimmte Tätig-
keit kann nur gegen bestimmte Produkte ausgetauscht werden. Die
Schwierigkeiten, die im Tauschhandel liegen, kann das Geld nur
aufheben, indem es sie verallgemeinert, universell macht. Es ist
absolut nötig, daß die gewaltsam getrennten Elemente, die wesent-
lich zusammengehören, durch gewaltsame Eruption sich als
T r e n n u n g eines wesentlich Zusammengehörigen ausweisen.
Die Einheit stellt sich g e w a l t s a m her. Sobald die
feindliche Spaltung zu Eruptionen führt, weisen die Ökonomen auf
die w e s e n t l i c h e E i n h e i t hin und abstrahieren
von der Entfremdung. Ihre apologetische Weisheit besteht 6*)
darin, in allen entscheidenden Momenten ihre eignen Bestimmungen
zu vergessen. Das Produkt als unmittelbares Tauschmittel ist 1.
noch unmittelbar zusammenhängend mit seiner natürlichen Qualität,
also in jeder Weise beschränkt durch dieselbe; kann sich z.B. de-
teriorieren etc.; 2. mit dem unmittelbaren Bedürfnis, das der an-
dre grade nach diesem Produkt hat oder nicht hat, oder auch nach
seinem Produkt habe. Indem das Produkt der Arbeit und die Arbeit
selbst dem Austausch unterworfen wird, kömmt ein Moment herein,
wo sie von ihrem Besitzer getrennt werden. Ob sie aus dieser
Trennung in einer andren Gestalt wieder zu ihm zurückkehren, wird
z u f ä l l i g. Indem das Geld in den Austausch hereinkommt,
bin ich gezwungen, mein Produkt gegen den allgemeinen Tauschwert
oder die allgemeine Tauschfähigkeit auszutauschen, und so wird
mein Produkt vom allgemeinen commerce abhängig und aus seinen lo-
kalen, natürlichen und individuellen Grenzen herausgerissen. Eben
hierdurch kann es aufhören, ein Produkt zu sein.)
V i e r t e n s: Wie der Tauschwert im Geld als a l l g e-
m e i n e W a r e neben alle besondren Waren tritt, so tritt
dadurch zugleich der Tauschwert als b e s o n d r e W a r e im
Geld (da es eine besondre Existenz besitzt) neben alle andren
Waren. Nicht nur, daß dadurch eine Inkongruenz entsteht, daß das
Geld, weil es nur im Austausch existiert, als die allgemeine
Tauschfähigkeit der besondren
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6*) In der Handschrift: bestimmt
#85# Entstehung und Wesen des Geldes
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Tauschfähigkeit der Waren gegenübertritt und sie unmittelbar aus-
löscht und trotzdem beide beständig gegeneinander konvertibel
bleiben sollen; so tritt das (leid dadurch mit sich selbst und
seiner Bestimmung in Widerspruch, daß es selbst eine b e-
s o n d r e Ware ist (selbst wenn nur Zeichen) und daher in
seinem Austausch gegen andre Waren wieder besondren Austauschbe-
dingungen unterworfen wird, die seiner allgemeinen unbedingten
Austauschbarkeit widersprechen. (Hier noch gar nicht von Geld als
fixiert in der Substanz eines bestimmten Produkts etc. gespro-
chen.) Der Tauschwert gewann neben seiner Existenz in der Ware
eine eigne Existenz im Geld, er wurde von seiner Substanz ge-
trennt, eben weil die natürliche Bestimmtheit dieser Substanz
seiner allgemeinen Bestimmung als Tauschwert widersprach. Jede
Ware ist der andren gleich (oder vergleichbar) als Tauschwert
(q u a l i t a t i v: jede repräsentiert nur noch ein q u a n-
t i t a t i v e s Plus oder Minus des Tauschwerts). Darum ist
diese ihre Gleichheit, diese ihre Einheit unterschieden von ihrer
natürlichen Verschiedenheit und erscheint daher im Geld sowohl
als ihr gemeinsames Element wie als ein Drittes gegen sie. Aber
einerseits bleibt der Tauschwert natürlich zugleich eine in-
härente Qualität der Waren, während er zugleich außer ihnen exi-
stiert; andrerseits wird das Geld, indem es nicht mehr als Eigen-
schaft der Waren, als ein Allgemeines derselben existiert, son-
dern neben ihnen individualisiert ist, selbst eine b e s o n d-
r e Ware neben den andren Waren (durch Nachfrage und Zufuhr
bestimmbar; zerfällt in besondre Geldsorten etc.). Es wird eine
Ware wie die andren Waren und ist zugleich keine Ware wie die
andren Waren. Trotz seiner allgemeinen Bestimmung ist es ein
Austauschbares neben andren Austauschbaren. Es ist nicht nur der
allgemeine Tauschwert; sondern zugleich ein besondrer Tauschwert
neben andren besondren Tauschwerten. Hier neue Quelle von Wider-
sprüchen, die sich in der Praxis geltend machen. (In der Trennung
des Geldgeschäfts vom wirklichen Handel tritt die besondre Natur
des Geldes wieder hervor.)
Wir sehn also, wie es dem Geld immanent ist, seine Zwecke zu er-
füllen, indem es sie zugleich negiert; sich zu verselbständigen
gegen die Waren; aus einem Mittel zum Zweck zu werden; den
Tauschwert der Waren zu realisieren, indem es sie von ihm
lostrennt; den Austausch zu erleichtern, indem es ihn spaltet;
die Schwierigkeiten des unmittelbaren Warenaustauschs zu ¦¦18¦
überwinden, indem es sie verallgemeinert; in demselben Grad, wie
die Produzenten vom Austausch abhängig werden, den Austausch ge-
gen die Produzenten zu verselbständigen.
(Es wird später nötig sein, eh von dieser Frage abgebrochen wird,
die idealistische Manier der Darstellung zu korrigieren, die den
Schein hervorbringt, als handle es sich nur um Begriffsbestimmun-
gen und die Dialektik
#86# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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dieser Begriffe. Also vor allem die Phrase: Das Produkt (oder Tä-
tigkeit) wird Ware; die Ware Tauschwert; der Tauschwert Geld.)
("Economist". 24 Jan. 1857. Folgender Satz gelegentlich bei den
banks zu berücksichtigen:
"Soweit die kaufmännischen Klassen an den Profiten der Banken
teilhaben, was jetzt ziemlich allgemein der Fall - und ein noch
höheres Ausmaß erreichen dürfte infolge der weiteren Ausbreitung
der Aktienbanken, der Abschaffung aller Körperschaftsprivilegien
und der Ausdehnung der völligen Freiheit auf das Bankgeschäft -,
ist wegen der gestiegenen Geldkurse ihr Reichtum größer geworden.
Tatsächlich sind die kaufmännischen Klassen infolge der Höhe ih-
rer Einlagen im Grunde genommen ihre eigenen Bankiers; und inso-
fern das zutrifft, muß für sie der Diskontsatz von geringer Be-
deutung sein. Alle Bank- und anderen Reserven müssen selbstver-
ständlich Ergebnisse anhaltenden Fleißes und aus Profiten zurück-
gelegter Ersparnisse sein; und wenn man folglich die kaufmänni-
schen oder industriellen Klassen als Ganzes nimmt, müssen sie
ihre eigenen Bankiers sein, und es ist nur nötig, das Prinzip des
freien Handels auf alle Geschäfte auszudehnen, um für sie die
Vorteile und Nachteile aller Schwankungen des Geldmarktes aus-
zugleichen oder zu neutralisieren.")
Alle Widersprüche des G e l d s y s t e m s und des Produkten-
austauschs unter dem Geldsystem sind die Entwicklung des Verhält-
nisses der Produkte als T a u s c h w e r t e, ihrer Bestimmung
als T a u s c h w e r t oder W e r t schlechthin.
("Morning Star". 12 Febr. 1857. "Der Gelddruck während des ver-
gangenen Jahres und der hohe Diskontsatz, der infolgedessen ein-
geführt wurde, waren sehr vorteilhaft für die Profite der Bank
von Frankreich. Ihre Dividende hat sich weiter erhöht: 118 frs im
Jahre 1852, 154 frs im Jahre 1853, 194 frs im Jahre 1854, 200 frs
im Jahre 1855, 272 frs im Jahre 1856.")
Zu bemerken auch folgende Stelle:
"Die englischen Silbermünzen wurden zu einem Preis ausgegeben,
der über dem in ihnen enthaltenen Silberwert lag. Ein Pfund Sil-
ber im Wert von 60-62 sh (3 £ im Durchschnitt in Gold) wurde zu
Münzen im Wert von 66 sh geprägt. Die Münze zahlt den Tagesmarkt-
preis von 5 sh bis 5 sh 2 d je Unze und gibt sie zu einem Kurs-
wert von 5 sh 6d je Unze heraus. Zwei Ursachen verhindern, daß
aus dieser Anordnung irgendeine Unannehmlichkeit in der Praxis
entsteht: (von S i l b e r m ü n z e n, nicht von wirklichem
Wert) erstens, die Münze kann nur an der Münzstätte und zu diesem
Preis erworben werden; denn als Zirkulationsmittel im Lande kann
sie nicht abgewertet werden und sie kann nicht außer Landes ge-
schickt werden, weil sie hier über ihren eigentlichen Wert hinaus
zirkuliert; und zweitens, da sie nur bis zu 40 sh legales Zah-
lungsmittel ist, gerät sie niemals in Konflikt mit den Goldmün-
zen, noch beeinflußt sie deren Wert. Gibt Frankreich den Rat,
ebenso Silbermünzen mit geringerem Wert auszugeben, nicht mit dem
eigentlichen Wert, und den Betrag zu begrenzen, für den sie ein
legales Zahlungsmittel sein sollten. Zu gleicher Zeit aber: Wenn
sie die Qualität der Münze festlegen, einen
#87# Entstehung und Wesen des Geldes
-----
breiteren Spielraum zwischen dem eigentlichen und dem Nominal-
wert, den wir in England haben, einzuräumen, weil der wachsende
Wert des Silbers im Verhältnis zum Gold sehr wahrscheinlich in
Kürze unseren gegenwärtigen Münzpreis erreichen wird und wir dann
gezwungen sind, ihn wieder zu ändern. Unsere Silbermünze liegt
gegenwärtig wenig mehr als 5% unter ihrem eigentlichen Wert: Für
eine kurze Zeit danach waren es 10%." ("Economist". 24 Jan.
1857.)
Es könnte nun gedacht werden, daß das Ausgeben von Stundenzetteln
alle diese Schwierigkeiten überkömmt. (Die Existenz des Stunden-
zettels setzt natürlich schon Bedingungen voraus, die bei der Un-
tersuchung des Verhältnisses von Tauschwert und Geld nicht unmit-
telbar gegeben sind und ohne welche beide existieren können und
existieren: öffentlicher Kredit; Bank etc.; doch alles dies hier
nicht weiter zu berühren; da natürlich die Männer des Stundenzet-
tels ihn als letztes Produkt der "Serie" [45] betrachten, das,
wenn es dem "reinen" Begriff des Geldes am meisten entspricht, in
der Realität zuletzt "erscheint".) Zunächst: Wenn die Vorausset-
zungen, worunter der Preis der Waren = ihrem Tauschwert, als er-
füllt vorausgesetzt werden: Decken von Nachfrage und Zufuhr; von
Produktion und Konsumtion; in letzter Instanz Proportionate Pro-
duction 7*) [46] (die sog. Distributionsverhältnisse sind selbst
Produktionsverhältnisse), so wird die Geldfrage ganz sekundär und
speziell die Frage, ob tickets, blaue oder grüne, blecherne oder
papierne, ausgegeben werden oder in welcher andren Form die ge-
sellschaftliche Buchführung gehandhabt wird. Es ist dann höchst
abgeschmackt, den Vorwand, als ob Untersuchungen über die wirkli-
chen Geldverhältnisse angestellt werden sollten, beizubehalten.
¦¦19¦ Die Bank (any bank 8*)) gibt die Stundenzettel aus. Die
Ware a = dem Tauschwert x, d.h. = x Arbeitszeit, tauscht sich aus
gegen Geld, repräsentierend x Arbeitszeit. Die Bank müßte ebenso
die Ware kaufen, d. h. gegen ihren Geldrepräsentanten austau-
schen, wie z.B. jetzt die Bank von England für Gold Noten geben
muß. Die Ware, das substantielle und darum zufällige Dasein des
Tauschwerts, wird ausgetauscht gegen das symbolische Dasein des
Tauschwerts als Tauschwerts. Es ist so keine Schwierigkeit, sie
aus der Form der Ware in die Form des Geldes umzusetzen. Die Ar-
beitszeit, die in ihr enthalten ist, braucht nur authentisch ve-
rifiziert zu sein (was nebenbei gesagt nicht so leicht ist, wie
die Feinheit und das Gewicht von Gold und Silber erproben) und
erzeugt damit sofort ihre contrevaleur 9*); ihr Gelddasein. Wie
wir immer die Sache wenden und drehn mögen, in letzter Instanz
läuft sie darauf hinaus: Die Bank, die die Stundenzettel ausgibt,
käuft die Ware zu
-----
7*) proportionale Produktion - 8*) irgendeine Bank - 9*) ihren
Gegenwert
#88# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
-----
ihren Produktionskosten, kauft alle Waren, und zwar kostet ihr
das Kaufen nichts als die Produktion von Papierschnitzeln, die
dem Verkäufer anstatt des Tauschwerts, den er in einer bestimmten
substantiellen Form besitzt, den symbolischen Tauschwert der Ware
gibt, in andren Worten eine Anweisung auf alle andren Waren zum
Belauf desselben Tauschwerts. Der Tauschwert als solcher kann na-
türlich nur symbolisch existieren, obgleich dieses Symbol, um es
als Sache anwenden zu können - nicht bloß als Vorstellungsform -,
sachliches Dasein besitzt; nicht nur ideelle Vorstellung ist,
sondern wirklich vorgestellt in einer gegenständlichen Weise.
(Ein Maß kann in der Hand behalten werden; der Tauschwert mißt,
aber er tauscht nur aus, indem das Maß aus der einen Hand in die
andre übergeht. [47])
Also die Bank gibt für die Ware Geld; Geld, das exakt eine Anwei-
sung auf den Tauschwert der Ware, d. h. auf alle Waren von dem-
selben Wert, ist: Die Bank kauft. Die Bank ist der allgemeine
Käufer, der Käufer nicht nur dieser oder jener Ware, sondern al-
ler Ware. Denn sie soll eben den Umsatz jeder Ware in ihr symbo-
lisches Dasein als Tauschwert bewerkstelligen. Wenn sie aber der
allgemeine Käufer ist, muß sie auch der allgemeine Verkäufer
sein, nicht nur das Dock, worin alle Waren deponiert werden,
nicht nur das allgemeine Warenhaus, sondern der Besitzer der Wa-
ren, in demselben Sinn, wie es jeder andre Kaufmann ist. Ich habe
meine Ware a gegen den Stundenzettel b ausgetauscht, der ihren
Tauschwert vorstellt; aber nur, damit ich dies b nun beliebig
wieder in allen wirklichen Waren c, d, e, etc. metamorphosieren
kann. Kann nun dieses Geld zirkulieren außerhalb der Bank? Anders
als zwischen dem Inhaber des Zettels und der Bank? Wodurch ist
die Konvertibilität dieses Zettels gesichert? Es sind nur zwei
Fälle möglich. Entweder sämtliche Wareninhaber (Produkte oder Ar-
beit) wollen ihre Ware zu ihrem Tauschwert verkaufen, oder einige
wollen, andre nicht. Wenn sie alle zu ihrem Tauschwert verkaufen
wollen, so werden sie nicht den Zufall abwarten, ob sich ein Käu-
fer findet oder nicht, sondern gehn sofort zur Bank, treten ihr
die Ware ab und erhalten ihr Tauschwertzeichen, Geld, dafür: lö-
sen sie gegen ihr eignes Geld ein. In diesem Fall ist die Bank
zugleich der allgemeine Käufer und Verkäufer in einer Person.
Oder das Gegenteil findet statt. In diesem Fall ist der Bankzet-
tel bloßes Papier, behauptet bloß, das allgemein anerkannte Sym-
bol des Tauschwerts zu sein, hat aber keinen Wert. Denn dies Sym-
bol hat das eigen, daß es nicht nur den Tauschwert vorstellt,
sondern im wirklichen Austausch derselbe ist. Im letztren Fall
wäre der Bankzettel kein Geld, oder nur konventionelles Geld zwi-
schen der Bank und ihren Kunden, nicht auf dem allgemeinen Markt.
Es wäre dasselbe, was ein Dutzend Speisekarten sind, die ich im
Abonnement bei einem Wirt erhalte, oder ein Dutzend Theaterbil-
letts,
#89# Entstehung und Wesen des Geldes
-----
die beide Geld vorstellen, aber das eine nur Geld bei dieser be-
stimmten Speisetafel, das andre in diesem bestimmten Theater. Der
Bankzettel hätte aufgehört, den Anforderungen des Geldes zu ent-
sprechen, da er nicht im general public 10*), sondern nur zwi-
schen der Bank und ihren Kunden zirkulierte. Wir müssen also die
letztre Unterstellung fallen lassen.
Die Bank wäre also der allgemeine Käufer und Verkäufer. Statt der
Noten könnte sie auch Cheques ausgeben und statt dieser einfache
Bookaccounts 11*) führen. Je nach der Summe der Warenwerte, die X
an sie abgelassen, hätte er dieselbe Wertsumme in andren Waren an
sie zu gut. Ein zweites Attribut der Bank wäre notwendig, den
Tauschwert aller Waren, d. h. die in ihnen materialisierte Ar-
beitszeit, authentisch zu fixieren. Aber hier könnten ihre Funk-
tionen nicht enden. Sie müßte die Arbeitszeit bestimmen, in der
die Waren hervorgebracht werden können mit den Durchschnittsmit-
teln der Industrie, die Zeit, in der sie hervorgebracht werden
müssen. Aber auch das wäre nicht hinreichend. Sie hätte nicht nur
die Zeit zu bestimmen, in der ein gewisses Quantum Produkte her-
vorgebracht werden muß, und die Produzenten in solche Bedingungen
zu setzen, daß ihre Arbeit gleich produktiv ist (also auch die
Distribution der Arbeitsmittel auszugleichen und zu ordnen), son-
dern sie hätte die Quanta Arbeitszeit zu ¦¦20¦ bestimmen, die auf
die verschiednen Produktionszweige verwandt werden soll. Das
letztre wäre nötig, da, um den Tauschwert zu realisieren, ihr
Geld wirklich konvertibel zu machen, die allgemeine Produktion
gesichert werden müßte und in solchen Verhältnissen, daß die Be-
dürfnisse der Austauschenden befriedigt werden. Das ist noch
nicht alles. Der größte Austausch ist nicht der der Waren, son-
dern der der Arbeit gegen Waren. (Gleich drauf näher.) Die Arbei-
ter würden nicht ihre Arbeit an die Bank verkaufen, sondern den
Tauschwert für das volle Produkt ihrer Arbeit erhalten etc. Genau
dann besehn wäre die Bank nicht nur der allgemeine Käufer und
Verkäufer: sondern auch der allgemeine Produzent. In der Tat wäre
sie entweder die despotische Regierung der Produktion und Verwal-
terin der Distribution, oder sie wäre in der Tat nichts als ein
board 12*), was für die gemeinsam arbeitende Gesellschaft Buch
und Rechnung führte. Die Gemeinsamkeit der Produktionsmittel ist
vorausgesetzt etc., etc. Die Saint-Simonisten machten ihre Bank
zum Papsttum der Produktion.
Die Auflösung aller Produkte und Tätigkeiten in Tauschwerte setzt
voraus sowohl die Auflösung aller festen persönlichen
(historischen) Abhängigkeitsverhältnisse in der Produktion als
die allseitige Abhängigkeit der Produzenten voneinander. Die Pro-
duktion sowohl jedes einzelnen ist abhängig von der
-----
10*) in der allgemeinen Öffentlichkeit - 11*) Bankkonten -
12*) Amt
#90# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
-----
Produktion aller andern; als die Verwandlung seines Produkts in
Lebensmittel für ihn selbst abhängig geworden ist von der Konsum-
tion aller andern. Preise sind alt; ebenso der Austausch; aber
sowohl die Bestimmung der einen mehr und mehr durch die Produkti-
onskosten wie das Übergreifen des andern über alle Produktions-
verhältnisse sind erst vollständig entwickelt und entwickeln sich
stets vollständiger in der bürgerlichen Gesellschaft, der Gesell-
schaft der freien Konkurrenz. Was Adam Smith, in echter 18.-Jahr-
hundertweise in die antehistorische Periode setzt, der Geschichte
vorhergehn läßt, ist vielmehr ihr Produkt [48].
Diese wechselseitige Abhängigkeit ausgedrückt in der beständigen
Notwendigkeit des Austauschs und in dem Tauschwert als allseiti-
gem Vermittler. Die Ökonomen drücken das so aus: Jeder verfolgt
sein Privatinteresse und nur sein Privatinteresse und dient da-
durch, ohne es zu wollen und zu wissen, den Privatinteressen al-
ler, den allgemeinen Interessen. Der Witz besteht nicht darin,
daß, indem jeder sein Privatinteresse verfolgt, die Gesamtheit
der Privatinteressen, also das allgemeine Interesse erreicht
wird. Vielmehr könnte aus dieser abstrakten Phrase gefolgert wer-
den, daß jeder wechselseitig die Geltendmachung des Interesses
der andern hemmt und statt einer allgemeinen Affirmation vielmehr
eine allgemeine Negation aus diesem bellum omnium contra omnes
[49] resultiert. Die Pointe liegt vielmehr darin, daß das Pri-
vatinteresse selbst schon ein gesellschaftlich bestimmtes Inter-
esse ist und nur innerhalb der von der Gesellschaft gesetzten Be-
dingungen und mit den von ihr gegebnen Mitteln erreicht werden
kann, also an die Reproduktion dieser Bedingungen und Mittel ge-
bunden ist. Es ist das Interesse der Privaten; aber dessen In-
halt, wie Form und Mittel der Verwirklichung, durch von allen un-
abhängige gesellschaftliche Bedingungen gegeben.
Die wechselseitige und allseitige Abhängigkeit der gegeneinander
gleichgültigen Individuen bildet ihren gesellschaftlichen Zusam-
menhang. Dieser gesellschaftliche Zusammenhang ist ausgedrückt im
T a u s c h w e r t, worin für jedes Individuum seine eigne Tä-
tigkeit oder sein Produkt erst eine Tätigkeit und ein Produkt für
es wird; es muß ein allgemeines Produkt produzieren - den Tausch-
wert oder, diesen für sich isoliert, individualisiert, G e l d.
Andrerseits die Macht, die jedes Individuum über die Tätigkeit
der andren oder über die gesellschaftlichen Reichtümer ausübt,
besteht in ihm als dem Eigner von Tauschwerten, von Geld. Es
trägt seine gesellschaftliche Macht, wie seinen Zusammenhang mit
der Gesellschaft in der Tasche mit sich. Die Tätigkeit, welches
immer ihre individuelle Erscheinungsform, und das Produkt der Tä-
tigkeit, welches immer seine besondre Beschaffenheit, ist der
T a u s c h w e r t, d.h. ein Allgemeines, worin alle Individua-
lität, Eigenheit negiert und ausgelöscht
#91# Entstehung und Wesen des Geldes
-----
ist. Dieses ist in der Tat ein Zustand sehr verschieden von dem,
worin das Individuum oder das in Familie und Stamm (später Ge-
meinwesen) naturwüchsig oder historisch erweiterte Individuum di-
rekt aus der Natur sich reproduziert oder seine produktive Tätig-
keit und sein Anteil an der Produktion an eine bestimmte Form der
Arbeit und des Produkts angewiesen ist und sein Verhältnis zu an-
dren eben so bestimmt ist.
Der gesellschaftliche Charakter der Tätigkeit, wie die gesell-
schaftliche Form des Produkts, wie der Anteil des Individuums an
der Produktion, erscheint hier als den Individuen gegenüber Frem-
des, Sachliches; nicht als das Verhalten ihrer gegeneinander,
sondern als ihr Unterordnen unter Verhältnisse, die unabhängig
von ihnen bestehn und aus dem Anstoß der gleichgültigen Indivi-
duen aufeinander entstehn. Der allgemeine Austausch der Tätigkei-
ten und Produkte, der Lebensbedingung für jedes einzelne Indivi-
duum geworden, ihr wechselseitiger Zusammenhang, erscheint ihnen
selbst fremd, unabhängig, als eine Sache. Im Tauschwert ist die
gesellschaftliche Beziehung der Personen in ein gesellschaftli-
ches ¦¦21¦ Verhalten der Sachen verwandelt; das persönliche Ver-
mögen in ein sachliches. Je weniger gesellschaftliche Kraft das
Tauschmittel besitzt, je zusammenhängender es noch mit der Natur
des unmittelbaren Arbeitsprodukts und den unmittelbaren Bedürf-
nissen der Austauschenden ist, um so größer muß noch die Kraft
des Gemeinwesens sein, das die Individuen zusammenbindet, patri-
archalisches Verhältnis, antikes Gemeinwesen, Feudalismus und
Zunftwesen. (Sieh mein Heft, XII, 34b.) [50]
Jedes Individuum besitzt die gesellschaftliche Macht unter der
Form einer Sache. Raubt der Sache diese gesellschaftliche Macht,
und ihr müßt sie Personen über die Personen geben. Persönliche
Abhängigkeitsverhältnisse (zuerst ganz naturwüchsig) sind die er-
sten Gesellschaftsformen, in denen sich die menschliche Produkti-
vität nur in geringem Umfang und auf isolierten Punkten entwic-
kelt. Persönliche Unabhängigkeit, auf sachlicher Abhängigkeit ge-
gründet, ist die zweite große Form, worin sich erst ein System
des allgemeinen gesellschaftlichen Stoffwechsels, der universalen
Beziehungen, allseitiger Bedürfnisse und universeller Vermögen
bildet. Freie Individualität, gegründet auf die universelle Ent-
wicklung der Individuen und die Unterordnung ihrer gemeinschaft-
lichen, gesellschaftlichen Produktivität als ihres gesellschaft-
lichen Vermögens, ist die dritte Stufe. Die zweite schafft die
Bedingungen der dritten. Patriarchalische, wie antike Zustände
(ebenso feudale), verfallen daher ebensosehr mit der Entwicklung
des Handels, des Luxus, des G e l d e s, des T a u s c h-
w e r t s, wie die moderne Gesellschaft in gleichem Schritt mit
ihnen emporwächst.
Austausch und Teilung der Arbeit bedingen sich wechselseitig. Da
jeder
#92# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
-----
für sich arbeitet und sein Produkt nichts für sich ist, muß er
natürlich austauschen, nicht nur, um an dem allgemeinen Produkti-
onsvermögen teilzunehmen, sondern um sein eignes Produkt in ein
Lebensmittel für sich selbst zu verwandeln. (Sieh meine
"Bemerkungen über Ökonomie" p. V (13, 14). [51]) Der Austausch
als vermittelt durch den Tauschwert und das Geld setzt allerdings
die allseitige Abhängigkeit der Produzenten voneinander voraus,
aber zugleich die völlige Isolierung ihrer Privatinteressen und
eine Teilung der gesellschaftlichen Arbeit, deren Einheit und
wechselseitige Ergänzung gleichsam als ein Naturverhältnis außer
den Individuen, unabhängig von ihnen, existiert. Der Druck der
allgemeinen Nachfrage und Zufuhr aufeinander vermittelt den Zu-
sammenhang der gegeneinander Gleichgültigen.
Die Notwendigkeit selbst, das Produkt oder die Tätigkeit der In-
dividuen erst in die Form des T a u s c h w e r t s, in
G e l d, zu verwandeln, und daß sie erst in dieser s a c h l i-
c h e n Form ihre gesellschaftliche M a c h t erhalten und be-
weisen, beweist zweierlei: 1. daß die Individuen nur noch für die
Gesellschaft und in der Gesellschaft produzieren; 2. daß ihre
Produktion nicht u n m i t t e l b a r gesellschaftlich ist,
nicht the off spring of association 13*), die die Arbeit unter
sich verteilt. Die Individuen sind unter die gesellschaftliche
Produktion subsumiert, die als ein Verhängnis außer ihnen exi-
stiert; aber die gesellschaftliche Produktion ist nicht unter die
Individuen subsumiert, die sie als ihr gemeinsames Vermögen hand-
haben. Es kann also nichts falscher und abgeschmackter sein, als
auf der Grundlage des T a u s c h w e r t s, des G e l d e s,
die Kontrolle der vereinigten Individuen über ihre Gesamt-
produktion vorauszusetzen, wie es oben mit der Stundenzettelbank
geschah. Der p r i v a t e A u s t a u s c h aller Arbeits-
produkte, Vermögen und Tätigkeiten steht im Gegensatz sowohl zu
der 14*) auf Über-und Unterordnung (naturwüchsig oder politisch)
der Individuen untereinander begründeten Verteilung (wobei der
eigentliche Austausch nur nebenherläuft oder im großen weniger
das Leben ganzer Gemeinwesen ergreift, als vielmehr zwischen
verschiednen Gemeinwesen eintritt, überhaupt keineswegs alle Pro-
duktions- und Verkehrsverhältnisse unterwirft) (welchen Charakter
diese Über- und Unterordnung annehme: patriarchal, antik oder
feudal) wie zu dem freien Austausch von Individuen, die assozi-
iert sind auf der Grundlage der gemeinsamen Aneignung und Kon-
trolle der Produktionsmittel. (Letztre Assoziation ist nichts
Willkürliches: Sie setzt die Entwicklung materieller und geisti-
ger Bedingungen voraus, die an diesem Punkt nicht weiter auszu-
führen sind.) Wie die Teilung der Arbeit Agglomeration, Kombina-
tion, Kooperation, den Gegensatz der Privatinteressen, Klassenin-
teressen, die Konkurrenz,
-----
13*) das Ergebnis der Assoziation - 14*) in der Handschrift: zu
dem
#93# Entstehung und Wesen des Geldes
-----
Konzentration des Kapitals, Monopol, Aktiengesellschaften erzeugt
- lauter gegensätzliche Formen der Einheit, die den Gegensatz
selbst hervorruft -, so erzeugt der Privataustausch den Welthan-
del, die private Unabhängigkeit eine vollkommne Abhängigkeit vom
sog. Weltmarkt und die zersplitterten Akte des Austauschs ein
Bank- und Kreditwesen, dessen Buchführung ¦¦22¦ wenigstens die
Ausgleichungen des Privataustauschs konstatiert. Im Wechselkurs -
sosehr die Privatinteressen jeder Nation sie in ebenso viele Na-
tionen teilen 15*) als sie fullgrown individuals 16*) besitzt und
die Interessen der Exporters und Importers derselben Nation sich
hier gegenüberstehn - erhält der Nationalhandel einen Schein von
Existenz etc. etc. Niemand wird deswegen glauben, durch eine
B ö r s e n r e f o r m die G r u n d l a g e n des innren
oder auswärtigen Privathandels aufheben zu können. Aber innerhalb
der bürgerlichen, auf dem T a u s c h w e r t beruhenden Ge-
sellschaft erzeugen sich sowohl Verkehrs- als Produktionsverhält-
nisse, die ebenso viel Minen sind, um sie zu sprengen. (Eine
Masse gegensätzlicher Formen der gesellschaftlichen Einheit, de-
ren gegensätzlicher Charakter jedoch nie durch stille Metamor-
phose zu sprengen ist. Andrerseits, wenn wir nicht in der Gesell-
schaft, wie sie ist, die materiellen Produktionsbedingungen und
ihnen entsprechenden Verkehrsverhältnisse für eine klassenlose
Gesellschaft verhüllt vorfänden, wären alle Sprengversuche Don-
quichoterie.)
Wir haben gesehn, daß, obgleich der Tauschwert = ist der relati-
ven Arbeitszeit, die in den Produkten materialisiert ist, das
Geld seinerseits = dem Tauschwert der Waren, losgelöst von ihrer
Substanz; in diesem Tauschwert oder Geldverhältnisse Widersprüche
zwischen den Waren und ihrem Tauschwert, zwischen den Waren als
Tauschwerten und dem Geld enthalten sind. Wir haben gesehn, daß
eine Bank, die unmittelbar das Gegenbild der Ware im Arbeitsgeld
erzeugt, eine Utopie ist. Obgleich also das Geld nur der von der
Substanz der Waren losgelöste Tauschwert und nur der Tendenz die-
ses Tauschwerts, sich rein zu setzen, seinen Ursprung verdankt,
kann die Ware nicht unmittelbar in Geld verwandelt werden; d.h.,
der authentische Ausweis über das Quantum der in ihr realisierten
Arbeitszeit kann nicht als ihr Preis dienen in der Welt der
Tauschwerte. How is this? 17*)
(In einer Form des Geldes - soweit es Tausch m i t t e l (nicht
Maß des Tauschwerts) - ist den Ökonomen klar, daß die Existenz
des Geldes die Versachlichung des gesellschaftlichen Zusammen-
hangs voraussetzt; soweit nämlich das Geld als P f a n d [52]
erscheint, was der eine in der Hand des andren zurücklassen muß,
um eine Ware von ihm zu erhalten. Hier sagen die Ökonomen
-----
15*) In der Handschrift: teilt - 16*) ausgewachsene Individuen -
17*) Wie ist das?
#94# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
-----
selbst, daß die Menschen der Sache (dem Geld) das Vertrauen
schenken, was sie sich nicht als Personen schenken. Aber warum
schenken sie der Sache das Vertrauen? Doch offenbar nur als
v e r s a c h l i c h t e m V e r h ä l t n i s der Personen
untereinander; als versachlichtem Tauschwert, und Tauschwert ist
nichts als eine Beziehung der produktiven Tätigkeit der Personen
untereinander. Jedes andre Pfand mag direkt dem Pfandinhaber als
solches nützen; Geld nützt ihm nur als "Faustpfand der Gesell-
schaft" [53], aber solches Faustpfand ist es nur wegen seiner ge-
sellschaftlichen (symbolischen) Eigenschaft; und gesellschaftli-
che Eigenschaft kann es nur besitzen, weil die Individuen ihre
eigne gesellschaftliche Beziehung als Gegenstand sich entfremdet
haben.)
In den P r e i s c o u r a n t l i s t e n, worin alle Werte
gemessen sind im Geld, scheint 18*) zugleich die Unabhängigkeit
des gesellschaftlichen Charakters der Sachen von den Personen,
wie zugleich die Tätigkeit des Handels auf dieser Basis der
Fremdartigkeit, worin die Gesamtproduktions- und -verkehrsver-
hältnisse dem einzelnen, allen einzelnen gegenüber, erscheinen,
sie wieder den einzelnen zu unterwerfen. Da die Verselbständigung
des Weltmarkts, if you please 19*), (worin die Tätigkeit jedes
einzelnen eingeschlossen) wächst mit der Entwicklung der
Geldverhältnisse (Tauschwerts) und vice versa, der allgemeine
Zusammenhang und die allseitige Abhängigkeit in Produktion und
Konsumtion zugleich mit der Unabhängigkeit und Gleichgültigkeit
der Konsumierenden und Produzierenden zueinander; da dieser
Widerspruch zu Krisen führt etc., so wird gleichzeitig mit der
Entwicklung dieser Entfremdung, auf ihrem eignen Boden, versucht,
sie aufzuheben; Preiscourantlisten, Wechselkurse, Verbindungen
der Handelstreibenden untereinander durch Briefe, Telegraphen
etc. (die Kommunikationsmittel wachsen natürlich gleichzeitig),
worin jeder einzelne sich Auskunft über die Tätigkeit aller
andren verschafft und seine eigne danach auszugleichen sucht.
(D.h., obgleich die Nachfrage und Zufuhr aller von allen unabhän-
gig vor sich geht, so sucht sich jeder über den Stand der allge-
meinen Nachfrage und Zufuhr zu unterrichten; und dies Wissen
wirkt dann wieder praktisch auf sie ein. Obgleich alles dies auf
dem gegebnen Standpunkt die Fremdartigkeit nicht aufhebt, so
führt es Verhältnisse und Verbindungen herbei, die die Möglich-
keit, den alten Standpunkt aufzuheben, in sich einschließen.)
(Die Möglichkeit allgemeiner Statistik etc.) (Es ist dies übri-
gens unter den Kategorien von "Preisen, Nachfrage und Zufuhr" zu
entwickeln. Übrigens hier nur zu bemerken, daß die Übersicht über
den Gesamthandel und die Gesamtproduktion, soweit sie faktisch in
den Preiscourantlisten vorliegt, in der Tat den besten Beweis
liefert, wie den einzelnen ihr eigner Austausch
-----
18*) In der Handschrift: erscheint - 19*) bitte sehr
#95# Entstehung und Wesen des Geldes
-----
und ihre eigne Produktion 20*) als s a c h l i c h e s, von ih-
nen u n a b h ä n g i g e s Verhältnis gegenübertritt. Im Welt-
markt hat sich der Z u s a m m e n h a n g d e s e i n z e l-
n e n mit allen, aber auch zugleich die U n a b h ä n g i g-
k e i t ¦¦23¦ d i e s e s Z u s a m m e n h a n g s v o n
d e n e i n z e l n e n selbst zu einer solchen Höhe ent-
wickelt, daß seine Bildung zugleich schon die Übergangsbedingung
aus ihm selbst enthält.) Die V e r g l e i c h u n g an der
Stelle der wirklichen Gemeinschaftlichkeit und Allgemeinheit.
(Es ist gesagt worden und mag gesagt werden, daß das Schöne und
Große eben in diesem naturwüchsigen, vom Wissen und Wollen der
Individuen unabhängigen, und grade ihre wechselseitige Unabhän-
gigkeit und Gleichgültigkeit gegeneinander voraussetzenden Zusam-
menhang, materiellen und geistigen Stoffwechsel, beruht. Und si-
cher ist dieser sachliche Zusammenhang ihrer Zusammenhangslosig-
keit vorzuziehn oder einem auf Bluturenge Natur und Herrschafts-
und Knechtschaftsfverhältnisse] gegründet[en] nur lokalen Zusam-
menhang. Es ist ebenso sicher, daß die Individuen sich ihre eig-
nen gesellschaftlichen Zusammenhänge nicht unterordnen können,
bevor sie dieselben geschaffen haben. Aber es ist abgeschmackt,
jenen nur s a c h l i c h e n Z u s a m m e n h a n g als den
naturwüchsigen, von der Natur der Individualität (im Gegensatz
zum reflektierten Wissen und Wollen) unzertrennlichen und ihr im-
manenten, aufzufassen. Er ist ihr Produkt. Er ist ein histori-
sches Produkt. Er gehört einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung
an. Die Fremdartigkeit und Selbständigkeit, worin er noch gegen
sie existiert, beweist nur, daß sie noch in der Schöpfung der
Bedingungen ihres sozialen Lebens begriffen sind, statt von
diesen Bedingungen aus es begonnen zu haben. Es ist der Zusammen-
hang, der naturwüchsige, von Individuen innerhalb bestimmter,
bornierter Produktionsverhältnisse. Die universal entwickelten
Individuen, deren gesellschaftliche Verhältnisse als ihre eignen,
gemeinschaftlichen Beziehungen auch ihrer eignen gemeinschaftli-
chen Kontrolle unterworfen sind, sind 21*) kein Produkt der Na-
tur, sondern der Geschichte. Der Grad und die Universalität der
Entwicklung der Vermögen, worin d i e s e Individualität mög-
lich wird, setzt eben die Produktion auf der Basis der Tausch-
werte voraus, die mit der Allgemeinheit der Entfremdung des Indi-
viduums von sich und von andren, aber auch die Allgemeinheit und
Allseitigkeit seiner Beziehungen und Fähigkeiten erst produziert.
Auf frühren Stufen der Entwicklung erscheint das einzelne Indivi-
duum voller, weil es eben die Fülle seiner Beziehungen noch nicht
herausgearbeitet und als von ihm unabhängige gesellschaftliche
Mächte und Verhältnisse sich gegenübergestellt hat. So lächerlich
es ist, sich nach jener
-----
20*) In der Handschrift: Produkt - 21*) in der Handschrift: ist
kein Produkt
#96# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
-----
ursprünglichen Fülle zurückzusehnen, so lächerlich ist der
Glaube, bei jener vollen Entleerung stehnbleiben zu müssen. Über
den Gegensatz gegen jene romantische Ansicht ist die bürgerliche
nie herausgekommen, und darum wird jene als berechtigter Gegen-
satz sie bis an ihr seliges Ende begleiten.)
(Als Beispiel kann hier genommen werden das Verhältnis des ein-
zelnen zur Wissenschaft.)
(Das Geld mit dem Blute zu vergleichen - das Wort Zirkulation gab
dazu Anlaß - ist ungefähr ebenso richtig wie das Gleichnis des
Menenius Agrippa [54] zwischen den Patriziern und dem Magen.)
(Das Geld mit der Sprache zu vergleichen ist nicht minder falsch.
Die Ideen werden nicht in die Sprache verwandelt, so daß ihre Ei-
gentümlichkeit aufgelöst und ihr gesellschaftlicher Charakter ne-
ben ihnen in der Sprache existierte, wie die Preise neben den Wa-
ren. Die Ideen existieren nicht getrennt von der Sprache. Ideen,
die aus ihrer Muttersprache erst in eine fremde Sprache übersetzt
werden müssen, um zu kursieren, um austauschbar zu werden, bieten
schon mehr Analogie; die Analogie liegt dann aber nicht in der
Sprache, sondern in ihrer Fremdheit.)
(Die Austauschbarkeit aller Produkte, Tätigkeiten, Verhältnisse
gegen 22*) ein Drittes, S a c h l i c h e s, was wieder gegen
alles o h n e U n t e r s c h i e d ausgetauscht werden kann -
also die Entwicklung der Tauschwerte (und der Geldverhältnisse)
ist identisch mit der allgemeinen Venalität, Korruption. Die ge-
nerelle Prostitution erscheint als eine notwendige Phase der Ent-
wicklung des gesellschaftlichen Charakters der persönlichen Anla-
gen, Vermögen, Fähigkeiten, Tätigkeiten. Mehr höflich ausge-
drückt: Das allgemeine Nützlichkeits- und Brauchbarkeitsverhält-
nis. Das Gleichsetzen des Ungleichartigen, wie schön Shakespeare
[55] das Geld faßt. Die Bereicherungssucht als solche ohne Geld
unmöglich; alle andre Akkumulation und Akkumulationssucht er-
scheint naturwüchsig, borniert, durch die Bedürfnisse einerseits,
die bornierte Natur der Produkte anderseits bedingt (sacra auri
fames [56]).)
(Das Geldwesen in seiner Entwicklung unterstellt offenbar schon
andre allgemeine Entwicklungen.)
Wenn gesellschaftliche Verhältnisse betrachtet werden, die ein
unentwickeltes System des Austauschs, der Tauschwerte und des
Geldes erzeugen oder denen ein unentwickelter Grad derselben ent-
spricht, so ist es von vornherein klar, daß die Individuen, ob-
gleich ihre Verhältnisse persönlicher erscheinen, nur als Indivi-
duen in einer Bestimmtheit in Beziehung zueinander treten, als
Feudalherr und Vasall, Grundherr und Leibeigner etc. oder als Ka-
stenglieder etc. oder als Standesangehörige etc. Im Geldverhält-
nisse, im entwickelten
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22*) In der Handschrift: in ein Drittes
#97# Entstehung und Wesen des Geldes
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Austauschsystem (und dieser Schein verführt die Demokratie) sind
in der Tat die Bande der persönlichen Abhängigkeit gesprengt,
zerrissen, Blutsunterschiede, Bildungsunterschiede etc. (die per-
sönlichen Bande erscheinen wenigstens alle als p e r s ö n-
l i c h e Verhältnisse); und die Individuen s c h e i n e n
unabhängig (diese Unabhängigkeit, die überhaupt bloß eine
Illusion ist und richtiger Gleichgültigkeit - im Sinn der Indif-
ferenz - hieße), frei aufeinander zu stoßen und in dieser Frei-
heit auszutauschen; sie scheinen so aber nur für den, der von den
B e d i n g u n g e n, den E x i s t e n z b e d i n g u n-
g e n (und diese sind wieder von Individuen unabhängige und er-
scheinen, obgleich von der Gesellschaft erzeugt, gleichsam als
N a t u r b e d i n g u n g e n, d.h. von den Individuen unkon-
trollierbare), abstrahiert, unter denen diese Individuen in
Berührung treten.
Die ¦¦24¦ Bestimmtheit, die im ersten Fall als eine persönliche
Beschränkung des Individuums durch ein andres, erscheint im letz-
tren ausgebildet als eine sachliche Beschränkung des Individuums
durch von ihm unabhängige und in sich selbst ruhende Verhält-
nisse. (Da das einzelne Individuum nicht seine persönliche Be-
stimmtheit abstreifen, wohl aber äußere Verhältnisse überwinden
und sich unterordnen kann, so s c h e i n t seine Freiheit im
Fall 2 größer. Eine nähre Untersuchung jener äußren Verhältnisse,
jener Bedingungen, zeigt aber die Unmöglichkeit der Individuen
einer Klasse etc., sie en masse zu überwinden, ohne sie aufzuhe-
ben. Der einzelne kann zufällig mit ihnen fertig werden; die
Masse der von ihnen Beherrschten nicht, da ihr bloßes Bestehn die
Unterordnung und die notwendige Unterordnung der Individuen unter
sie ausdrückt.) Diese äußren Verhältnisse sind so wenig eine Be-
seitigung der "Abhängigkeitsverhältnisse", daß sie nur die Auflö-
sung derselben in eine allgemeine Form sind; vielmehr das Heraus-
arbeiten des allgemeinen Grundes der persönlichen Abhängigkeits-
verhältnisse sind. Auch hier kommen die Individuen nur als be-
stimmte zueinander in Beziehung. Diese s a c h l i c h e n Ab-
hängigkeitsverhältnisse im Gegensatz zu den p e r s ö n l i-
c h e n erscheinen auch so (das sachliche Abhängigkeitsverhält-
nis ist nichts als die den scheinbar unabhängigen Individuen
selbständig gegenübertretenden gesellschaftlichen Beziehungen,
d.h. ihre ihnen selbst gegenüber verselbständigten wechselseiti-
gen Produktionsbeziehungen), daß die Individuen nun von A b-
s t r a k t i o n e n beherrscht werden, während sie früher
voneinander abhingen. Die Abstraktion oder Idee ist aber nichts
als der theoretische Ausdruck jener materiellen Verhältnisse, die
Herr über sie sind. Verhältnisse können natürlich nur in Ideen
ausgedrückt werden, und so haben Philosophen als das Eigen-
tümliche der neuen Zeit ihr Beherrschtsein von Ideen aufgefaßt
und mit dem Sturz dieser Ideenherrschaft die Erzeugung der freien
Individualität identifiziert. Der Irrtum war vom ideologischen
Standpunkt aus um so leichter zu begehn, als
#98# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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jene Herrschaft der Verhältnisse (jene sachliche Abhängigkeit,
die übrigens wieder in bestimmte, nur aller Illusion entkleidete,
persönliche Abhängigkeitsverhältnisse umschlägt) in dem Bewußt-
sein der Individuen selbst als Herrschen von Ideen erscheint und
der Glaube an die Ewigkeit dieser Ideen, d.h. jener sachlichen
Abhängigkeitsverhältnisse, von den herrschenden Klassen, of
course 23*), in jeder Weise befestigt, genährt, eingetrichtert
wird.
(Es ist natürlich der Illusion der "rein persönlichen Verhält-
nisse" der Feudalzeiten etc. gegenüber keinen Augenblick zu ver-
gessen, 1. daß diese Verhältnisse selbst innerhalb ihrer Sphäre
einen sachlichen Charakter auf einer bestimmten Phase annahmen,
wie die Entwicklung der Grundeigentumsverhältnisse z.B. aus rein
militärischen Subordinationsverhältnissen zeigt; aber 2. das
sachliche Verhältnis, worin sie zugrund gehn, hat selbst einen
bornierten, naturbestimmten Charakter und e r s c h e i n t da-
her als persönlich, während in der modernen Welt die persönlichen
Verhältnisse als reiner Ausfluß der Produktions- und Austausch-
verhältnisse heraustreten.)
Das Produkt wird Ware. Die Ware wird Tauschwert. Der Tauschwert
der Ware erhält besondre Existenz neben der Ware; d. h. die Ware,
in der Form, worin [sie] 1. austauschbar mit allen andern Waren
ist; worin sie 2. daher allgemeine Ware und ihre natürliche Be-
sonderheit ausgelöscht ist; 3. worin das Maß ihrer Austauschbar-
keit gesetzt ist, das bestimmte Verhältnis, worin sie alle andren
Waren sich gleichsetzt, ist die Ware als Geld, und zwar nicht als
Geld überhaupt, sondern als eine b e s t i m m t e S u m m e
G e l d, denn um den Tauschwert in allen seinen Unterschieden
darzustellen, muß das Geld zählbar, quantitativ teilbar sein.
Das Geld, die gemeinsame Form, worein sich alle Waren als Tausch-
werte verwandeln, die allgemeine Ware, muß selbst als eine
b e s o n d r e Ware neben den andren existieren, da sie nicht
nur im Kopf an ihm gemessen, sondern im wirklichen Austausch ge-
gen es ausgetauscht und eingewechselt werden müssen. Der Wider-
spruch, der dadurch hereinkommt, an einer andren Stelle zu ent-
wickeln. Das Geld entsteht nicht durch Konvention, sowenig wie
der Staat. Es entsteht aus dem Austausch und im Austausch natur-
wüchsig, ist ein Produkt desselben. U r s p r ü n g l i c h
wird die Ware als Geld dienen - d.h. eingetauscht werden, nicht
als Gegenstand des Bedürfnisses und der Konsumtion, sondern um
sie wieder auszutauschen gegen andre Waren , die am meisten als
Gegenstand des Bedürfnisses eingetauscht wird, kursiert; die also
am sichersten ist, wieder gegen andre besondre Waren ausgetauscht
werden zu können; die also in der gegebnen gesellschaftlichen Or-
ganisation den Reichtum ???' ?????? 24*)
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23*) sekbstverständlich - 24*) vorzugsweise
#99# Entstehung und Wesen des Geldes
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repräsentiert, Gegenstand der allgemeinsten Nachfrage und Zufuhr
ist und einen besondren Gebrauchswert besitzt. So Salz, Häute,
Vieh, Sklaven. Eine solche Ware entspricht faktisch mehr in ihrer
besondren Gestalt als Ware sich selbst als (schade, daß im Deut-
schen der Unterschied von denrée 25*) und marchandise 26*) nicht
passend wiederzugeben) Tauschwert, denn die andren Waren.
Die besondre Nützlichkeit der Ware, sei es als besondrer Konsum-
tions-gegenstand (Häute), sei es als unmittelbares Produktions-
werkzeug (Sklave), stempelt sie hier zum Geld. Im Fortgang der
Entwicklung wird grade das umgekehrte eintreten, d. h. die Ware,
die am wenigsten unmittelbar Gegenstand der Konsumtion oder
Werkzeug der Produktion, wird am besten grade die Seite repräsen-
tieren, daß sie dem Bedürfnis d e s A u s t a u s c h s a l s
s o l c h e n dient. Im ersten ¦¦25¦ Fall wird die Ware Geld we-
gen ihres besondren Gebrauchswerts;" im zweiten Fall erhält sie
davon ihren besondren Gebrauchswert, daß sie als Geld dient.
Dauerhaftigkeit, Unveränderlichkeit, Teilbarkeit und Wieder-
/usammensetzbarkeit, relativ leichte Transportierbarkeit, weil
sie großen Tauschwert in kleinem Raum einschließen 27*), alles
das macht die edlen Metalle besonders geeignet auf der letztren
Stufe. Zugleich bilden sie natürlichen Übergang aus der ersten
Form des Geldes. Bei etwas höhrer Stufe der Produktion und des
Austauschs tritt das Produktionsinstrument ü b e r die Pro-
dukte; die M e t a l l e aber (erst Steine) sind die ersten und
unentbehrlichsten Produktionswerkzeuge. Im K u p f e r, das im
Geld der Alten eine so große Rolle spielt, findet sich noch bei-
des zusammen, der besondre Gebrauchswert als Produktionsinstru-
ment und die übrigen Eigenschaften, die nicht vom Gebrauchswert
der Ware herfließen, sondern ihrer Bestimmung als Tauschwert
(worin Tauschmittel eingeschlossen) entsprechen. Von den andren
Metallen scheiden sich dann wieder die e d l e n ab, indem sie
nicht oxydierbar etc., gleichmäßiger Qualität etc. und dann der
höhern Stufe besser entsprechen, indem ihre unmittelbare Nütz-
lichkeit für Konsumtion und Produktion zurücktritt 28*), sie aber
schon ihrer Seltenheit wegen den rein auf dem Tausch gegründeten
Wert mehr darstellen. Sie stellen von vornherein den Überfluß
vor, die Form, worin der Reichtum ursprünglich erscheint. Auch
Metalle lieber gegen Metalle als andre Waren ausgetauscht.
Die erste Form des Geldes entspricht einer geringen Stufe des
Austauschs und des Tauschhandels, wo das Geld mehr noch in seiner
Bestimmung als M a ß hervortritt, denn als wirkliches A u s-
t a u s c h i n s t r u m e n t. Auf dieser Stufe kann
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25*) Eßware - 26*) Handelsware - 27*) in der Handschrift: ein-
schließt - 28*) in der Handschrift: zurücktreten
#100# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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das Maß noch rein imaginär sein (indes schließt die bar der Neger
das Eisen ein) (M u s c h e l n etc. entsprechen aber mehr der
Reihe, deren 29*) letzte Spitze Gold und Silber ist).
Daraus, daß die Ware zum allgemeinen Tauschwert, geht hervor, daß
der Tauschwert zu einer besondren Ware wird: Er kann dies nur,
indem eine besondre Ware allen andren gegenüber das Privilegium
erhält, ihren Tauschwert zu repräsentieren, zu symbolisieren;
d.h. G e l d zu werden. Daß der Geldeigenschaft aller Waren
eine besondre Ware als Geldsubjekt erscheint - geht aus dem Wesen
des Tauschwerts selbst hervor. Im Fortgang der Entwicklung kann
der Tauschwert des Geldes wieder eine von seiner Materie, seiner
Substanz, getrennte Existenz erhalten, wie im Papiergeld, ohne
indes das Privilegium dieser besondren Ware aufzuheben, indem die
besonderte Existenz ihre Denomination von der besondren Ware zu
erhalten fortfahren muß.
Weil die Ware Tauschwert ist, ist sie austauschbar gegen Geld, =
Geld gesetzt. Das Verhältnis, worin sie dem Geld gleichgesetzt
wird, d.h. die Bestimmtheit ihres Tauschwerts, ist v o r a u s-
g e s e t z t ihrer Umsetzung in Geld. Das Verhältnis, worin die
besondre Ware gegen Geld ausgetauscht wird, d. h. das Quantum
Geld, worein ein bestimmtes Quantum Ware umsetzbar, ist bestimmt
durch die in der Ware vergegenständlichte Arbeitszeit. Als Ver-
wirklichung einer b e s t i m m t e n Arbeitszeit ist die Ware
Tauschwert; im Geld ist das Quotum Arbeitszeit, das sie reprä-
sentiert, sowohl gemessen als in seiner allgemeinen, dem Begriff
entsprechenden, austauschbaren Form enthalten. Das Geld ist das
sachliche Medium, worein die Tauschwerte getaucht, eine ihrer
allgemeinen Bestimmung entsprechende Gestalt erhalten. Adam Smith
sagt, daß die Arbeit (Arbeitszeit) das ursprüngliche Geld ist,
womit alle Waren gekauft werden. [57] Den Akt der Produktion
betrachtet, bleibt dies immer richtig (ebensowohl in bezug auf
die Bestimmung der relativen Werte). Jede Ware wird in der Pro-
duktion fortwährend gegen Arbeitszeit ausgetauscht. Die Notwen-
digkeit eines von der Arbeitszeit unterschiednen Geldes kömmt
grade dadurch herein, daß das Quotum Arbeitszeit ausgedrückt wer-
den soll nicht in ihrem unmittelbaren und besondren Produkt, son-
dern in einem vermittelten und allgemeinen Produkt, in ihrem be-
sondren Produkt als gleich und konvertibel gegen alle andren Pro-
dukte derselben Arbeitszeit; der Arbeitszeit nicht in einer Ware,
sondern in allen Waren zugleich und darum in einer besondren
Ware, die alle andren repräsentiert. Die Arbeitszeit kann nicht
unmittelbar selbst das Geld sein (eine Forderung, die in andren
Worten damit zusammenfällt, daß jede Ware unmittelbar ihr eignes
Geld sein soll), eben weil sie faktisch stets nur in besondren
#101# Entstehung und Wesen des Geldes
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Produkten existiert (als Gegenstand): Als allgemeiner Gegenstand
kann sie nur symbolisch existieren, eben wieder in einer besond-
ren Ware, die als Geld gesetzt wird. Die Arbeitszeit existiert
nicht als allgemeiner, von den natürlichen Besonderheiten der Wa-
ren unabhängiger und abgeschiedner (losgelöster) Gegenstand des
Austauschs. Als solcher müßte sie existieren, um die Bedingungen
des Geldes unmittelbar zu erfüllen. Die Vergegenständlichung des
allgemeinen, gesellschaftlichen Charakters der Arbeit (und darum
der Arbeitszeit, die im Tauschwert enthalten) macht eben ihr Pro-
dukt zum Tauschwert; gibt der Ware die Eigenschaft des Geldes,
die aber ein selbständig außer ihr existierendes Geldsubjekt wie-
der einschließt.
Die bestimmte Arbeitszeit ist vergegenständlicht in einer be-
stimmten, besondren Ware von besondren Eigenschaften und besond-
ren Beziehungen zu den Bedürfnissen; als Tauschwert aber soll sie
vergegenständlicht sein in einer Ware, die nur ihre Qualität oder
Quantität ausdrückt, gleichgültig gegen ihre natürlichen Eigen-
schaften ist und daher in jede andre Ware, die dieselbe Arbeits-
zeit vergegenständlicht, metamorphosiert, d. h. ausgetauscht wer-
den kann. Als Gegenstand soll sie diesen allgemeinen Charakter
besitzen, ¦¦26¦ der ihrer natürlichen Besonderheit widerspricht.
Dieser Widerspruch kann nur gelöst werden, indem er selbst verge-
genständlicht wird; d. h., indem die Ware doppelt gesetzt wird,
einmal in ihrer natürlichen unmittelbaren Form, dann in ihrer
vermittelten, als Geld. Das letztre ist nur möglich, indem eine
besondre Ware gleichsam die allgemeine Substanz der Tauschwerte
wird oder indem der Tauschwert der Waren mit einer besondren Sub-
stanz, einer besondren Ware im Unterschied von allen übrigen,
identifiziert wird. D. h., indem die Ware erst mit dieser allge-
meinen Ware, dem symbolischen allgemeinen Produkt oder Vergegen-
ständlichung der Arbeitszeit umgetauscht werden muß, um dann als
Tauschwert gleichgültig gegen alle andren Waren beliebig um-
tauschbar, in sie metamorphosierbar zu sein. Das Geld ist die Ar-
beitszeit als allgemeiner Gegenstand oder die Vergegenständli-
chung der allgemeinen Arbeitszeit, die Arbeitszeit als a l l-
g e m e i n e W a r e. Wenn es daher sehr einfach aussieht, daß
die Arbeitszeit, weil sie die Tauschwerte reguliert, in der Tat
nicht nur ihr inhärentes Maß, sondern ihre Substanz selbst ist
(denn als Tauschwerte besitzen die Waren keine andre Substanz,
keine natürliche Beschaffenheit) und auch unmittelbar als ihr
G e l d dienen könne, d.h. das Element hergeben, worin die
Tauschwerte sich als solche realisieren, so trügt dieser Schein
der Einfachheit. Vielmehr schließt das Verhältnis der Tauschwerte
- der Waren als einander gleicher und gleichsetzbarer Vergegen-
ständlichungen der Arbeitszeit-Widersprüche ein, die in einem von
der Arbeitszeit v e r s c h i e d n e n G e l d e ihren
sachlichen Ausdruck erhalten.
#102# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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Bei Adam Smith [58] erscheint dieser Widerspruch noch als ein Ne-
beneinandersetzen. Neben dem besondren Arbeitsprodukt (der Ar-
beitszeit als besonderm Gegenstand) muß der Arbeiter noch ein
Quantum allgemeiner Ware (die Arbeitszeit als allgemeinen Gegen-
stand) erzeugen. Die beiden Bestimmungen des Tauschwerts erschei-
nen ihm äußerlich n e b e n einander. Das Innre der ganzen Ware
erscheint noch nicht ergriffen und durchdrungen vom Widerspruch.
Dies entspricht der Stufe der Produktion, die er vorliegen hatte,
wo der Arbeiter noch einen Teil seiner Subsistenz direkt in sei-
nem Produkt besaß; weder seine ganze Tätigkeit noch sein ganzes
Produkt vom Austausch abhängig geworden war; d.h. die Subsistenz-
agrikultur (oder ähnlich, wie Steuart sie nennt [59]) noch zu
einem großen Maß herrschte und ebenso die patriarchale Industrie
(Handweberei, Spinnerei im Haus und verknüpft mit der Agrikul-
tur). Nur noch der Überschuß wird in einem großen Kreis der Na-
tion ausgetauscht. Tauschwert und Bestimmung durch die Arbeits-
zeit noch nicht völlig entwickelt auf nationalem Maßstab.
(Incident 30*): Von Gold und Silber weniger richtig als von ir-
gendeiner andren Ware, daß ihre Konsumtion nur wachsen kann im
Verhältnis zu ihren verminderten Produktionskosten. Sie wächst
vielmehr im Verhältnis zum Wachstum des allgemeinen Reichtums, da
ihr Gebrauch spezifisch den Reichtum, Überfluß, Luxus repräsen-
tiert, weil sie selbst den allgemeinen Reichtum r e p r ä s e n-
t i e r e n. Abgesehn vom Gebrauch als Geld, werden Silber und
Gold mehr konsumiert im Verhältnis zum Wachstum des allgemeinen
Reichtums. Wenn daher ihre Zufuhr plötzlich wächst, selbst ohne
daß die Produktionskosten oder ihr Wert sich verhältnismäßig
verringerte, finden sie einen rasch sich erweiternden Markt, der
ihre Depreziation aufhält. Manches, was den Ökonomen - die all-
gemein Konsumtion von Gold und Silber vom Fall ihrer Produk-
tionskosten allein abhängig machen - in dem a u s t r a-
l i s c h - k a l i f o r n i s c h e n case 31*) unerklärlich
[60] und, wo sie sich in einem Zirkel bewegen, daher erklärt. Es
hängt dies genau damit zusammen, daß sie den Reichtum repräsen-
tieren, also mit ihrer Eigenschaft als Geld.)
(Der Gegensatz des Goldes und Silbers als der eternal 32*) Ware
im Gegensatz zu den andern, den wir bei Petty 33*) finden, schon
bei Xenophon, de Vectigalibus, c. 1. in bezug auf Marmor und Sil-
ber.
"Die Erde verfügt aber nicht nur über das, was alljährlich blüht
und reift, sondern sie hat auch dauerhafte Güter. Es gibt nämlich
in ihr reichliche Vorkommen von Stein etc. (nämlich der Mar-
mor)... Es gibt aber auch Land, das bei agrarischer Nutzung kei-
nen Ertrag abwirft, bei bergmännischer Nutzung aber das Vielfache
an Menschen ernährt, als wenn es Getreide trüge.")
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30*) Nebenbei - 31*) Fall - 32*) ewigen - 33*) siehe vorl. Band,
S. 158
#103# Entstehung und Wesen des Geldes
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(Wohl zu merken, daß der Austausch zwischen verschiednen Stämmen
oder Völkern - und dies, nicht der Privataustausch, ist seine
erste Gestalt - erst damit beginnt, daß einem unzivilisierten
Stamm Überfluß abgekauft wird (abgemogelt), der nicht das Produkt
seiner Arbeit, sondern natürliches Produkt des Bodens und der Na-
tur, die er okkupiert.)
(Daraus, daß das Geld in einer bestimmten Ware symbolisiert sein
muß, dann diese Ware selbst (Gold etc.), die ordinären ökonomi-
schen Widersprüche, die daraus hervorgehn, zu entwickeln. Dies
Nr. II. Dann, da alle Waren gegen das Geld ausgetauscht werden
müssen, um als Preise bestimmt zu werden, ob dieser Austausch nun
wirklich oder nur im Kopf stattfindet, das Verhältnis des Quan-
tums des Goldes oder Silbers zu den Warenpreisen zu bestimmen.
Dies Nr. III. Es ist klar, daß, bloß g e m e s s e n im Gold
oder Silber, ihre Quantität keinen Einfluß auf den Preis der Wa-
ren ausübt; durch den wirklichen Austausch, soweit es wirklich
als Zirkulationsinstrument dient, kommt die Schwierigkeit herein;
die Verhältnisse von Nachfrage und Zufuhr etc. Was aber seinen
Wert als Zirkulationsinstrument affiziert, affiziert es offenbar
als Maß.)
¦¦27¦ Die Arbeitszeit selbst existiert als solche nur subjektiv,
nur in der Form der Tätigkeit. Insofern sie als solche austausch-
bar (selbst Ware) ist, ist sie nicht nur quantitativ, sondern
qualitativ bestimmt und verschieden, keineswegs allgemeine, sich
gleiche Arbeitszeit; sondern entspricht als Subjekt ebensowenig
der die Tauschwerte bestimmenden allgemeinen Arbeitszeit, wie die
besondren Waren und Produkte ihr als Objekt entsprechen.
Der Satz von A. Smith, daß der Arbeiter neben seiner besondren
Ware eine allgemeine Ware produzieren muß, in andren Worten, daß
er einem Teil seiner Produkte die Form des Geldes geben muß,
überhaupt seiner Ware, soweit sie nicht als Gebrauchswert für
ihn, sondern als Tauschwert dienen soll - heißt, subjektiv ausge-
drückt, weiter nichts, als daß seine besondre Arbeitszeit nicht
unmittelbar gegen jede andre besondre Arbeitszeit ausgetauscht
werden kann, sondern daß diese ihre allgemeine Austauschbarkeit
erst vermittelt werden, daß sie eine gegenständliche, von ihr
selbst verschiedne Form annehmen muß, um diese allgemeine Aus-
tauschbarkeit zu erlangen.
Die Arbeit des einzelnen, im Akt der Produktion selbst betrach-
tet, ist das Geld, womit er unmittelbar das Produkt, den Gegen-
stand seiner besondren Tätigkeit, kauft; aber es ist ein
b e s o n d r e s Geld, das eben nur dies b e s t i m m t e
P r o d u k t kauft. Um unmittelbar das a l l g e m e i n e
Geld zu sein, müßte sie von vornherein nicht b e s o n d r e
Arbeit, sondern a l l g e m e i n e sein, d. h. von vornherein
als Glied der a l l g e m e i n e n P r o d u k t i o n g e-
s e t z t sein. In dieser Voraussetzung aber würde nicht erst
der Austausch ihr den allgemeinen Charakter geben, sondern
#104# Grundrisse - Das Kapitel vom Geld - Heft I
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ihr vorausgesetzter gemeinschaftlicher Charakter würde die Teil-
nahme an den Produkten bestimmen. Der gemeinschaftliche Charakter
der Produktion würde von vornherein das Produkt zu einem gemein-
schaftlichen, allgemeinen machen. Der ursprünglich in der Produk-
tion stattfindende Austausch - der kein Austausch von Tauschwer-
ten wäre, sondern von Tätigkeiten, die durch gemeinschaftliche
Bedürfnisse bestimmt wären, durch gemeinschaftliche Zwecke -
würde von vornherein die Teilnahme des einzelnen an der gemein-
schaftlichen Produktenwelt einschließen. Auf der Grundlage der
Tauschwerte wird die Arbeit erst durch den A u s t a u s c h
als allgemein g e s e t z t. Auf dieser Grundlage wäre sie als
solche g e s e t z t vor dem Austausch; d. h., der Austausch
der Produkte wäre überhaupt nicht das M e d i u m, wodurch die
Teilnahme des einzelnen an der allgemeinen Produktion vermittelt
würde. Vermittlung muß natürlich stattfinden.
Im erstren Fall, der von der selbständigen Produktion der einzel-
nen ausgeht - sosehr diese selbständigen Produktionen durch ihre
Beziehungen zueinander sich post festum bestimmen, modifizieren
-, findet die Vermittlung statt durch den Austausch der Waren,
den Tauschwert, das Geld, die alle Ausdrücke eines und desselben
Verhältnisses sind. Im zweiten Fall ist die V o r a u s-
s e t z u n g s e l b s t v e r m i t t e l t; d.h., eine ge-
meinschaftliche Produktion, die Gemeinschaftlichkeit als Grund-
lage der Produktion, ist vorausgesetzt. Die Arbeit des einzelnen
ist von vornherein als gesellschaftliche Arbeit gesetzt. Welches
daher auch immer die besondre materielle Gestalt des Produkts
sei, das er schafft oder schaffen hilft, was er mit seiner Arbeit
gekauft hat, ist nicht ein bestimmtes besondres Produkt, sondern
ein bestimmter Anteil an der gemeinschaftlichen Produktion. Er
hat darum auch kein besondres Produkt auszutauschen. Sein Produkt
ist k e i n T a u s c h w e r t. Das Produkt hat nicht erst in
eine besondre Form umgesetzt zu werden, um einen allgemeinen
Charakter für den einzelnen zu erhalten. Statt einer Teilung der
Arbeit, die in dem Austausch von Tauschwerten sich notwendig
erzeugt, fände eine Organisation der Arbeit statt, die den Anteil
des einzelnen an der gemeinschaftlichen Konsumtion zur Folge hat.
In dem ersten Fall wird der gesellschaftliche Charakter der
Produktion erst durch die Erhebung der Produkte zu Tauschwerten
und den Tausch dieser Tauschwerte post festum gesetzt. Im zweiten
Fall ist der gesellschaftliche Charakter der Produktion voraus-
gesetzt, und die Teilnahme an der Produktenwelt, an der Konsum-
tion, ist nicht durch den Austausch voneinander unabhängiger
Arbeiten oder Arbeitsprodukte vermittelt. Er ist vermittelt durch
die gesellschaftlichen Produktionsbedingungen, innerhalb deren
das Individuum tätig ist. Die Arbeit des einzelnen also unmit-
telbar zum Geld machen wollen (d.h. auch sein Produkt), zum
r e a l i s i e r t e n
#105# Entstehung und Wesen des Geldes
-----
T a u s c h w e r t, heißt, sie u n m i t t e l b a r als all-
gemeine Arbeit bestimmen, d.h. eben die Bedingungen negieren, un-
ter denen sie zu Geld und Tauschwerten gemacht werden muß und vom
Privataustausch abhängt. Die Forderung kann bloß befriedigt wer-
den unter Bedingungen, worin sie nicht mehr gestellt werden kann.
Die Arbeit auf Grundlage der Tauschwerte setzt eben voraus, daß
weder die Arbeit des einzelnen noch sein Produkt u n m i t-
t e l b a r allgemein ist; daß es diese Form erst durch eine
g e g e n s t ä n d l i c h e V e r m i t t l u n g erlangt,
durch ein von ihm verschiedenes G e l d.
Gemeinschaftliche Produktion vorausgesetzt, bleibt die Zeitbe-
stimmung natürlich wesentlich. Je weniger Zeit die Gesellschaft
bedarf, um Weizen, Vieh etc. zu produzieren, desto mehr Zeit ge-
winnt sie zu andrer Produktion, materieller oder geistiger. Wie
bei einem einzelnen Individuum hängt die Allseitigkeit ihrer Ent-
wicklung, ihres Genusses und ihrer Tätigkeit von Zeitersparung
ab. Ökonomie der Zeit, darin löst sich schließlich alle Ökonomie
auf. Ebenso muß die Gesellschaft ihre Zeit zweckmäßig einteilen,
um eine ihren Gesamtbedürfnissen gemäße Produktion zu erzielen;
wie der einzelne seine Zeit richtig einteilen muß, um sich Kennt-
nisse in angemeßnen Proportionen zu erwerben oder um den ver-
schiednen Anforderungen an seine Tätigkeit Genüge zu leisten.
Ökonomie der Zeit sowohl wie planmäßige Verteilung der Arbeits-
zeit auf die verschiednen Zweige der Produktion bleibt also er-
stes ökonomisches Gesetz auf Grundlage der gemeinschaftlichen
Produktion. Es wird sogar in viel höherem Grade Gesetz. Dies ist
jedoch wesentlich ¦¦28¦ verschieden vom Messen der Tauschwerte
(Arbeiten oder Arbeitsprodukte) durch die Arbeitszeit. Die Arbei-
ten der einzelnen in demselben A r b e i t s z w e i g und die
verschiednen Arten der Arbeit sind nicht nur q u a n t i-
t a t i v, sondern q u a l i t a t i v verschieden. Was setzt
der nur quantitative Unterschied von Dingen voraus? Die Diesel-
bigkeit ihrer Qualität. Also das quantitative Messen der Arbeiten
die Ebenbürtigkeit, die Dieselbigkeit ihrer Q u a l i t ä t.
(Strabo, liber XI. Von den Albanoi auf dem Kaukasus:
"Auch die Menschen zeichnen sich durch Schönheit und hohen Wuchs
aus; sie sind schlicht und keine Krämerseelen; denn gewöhnlich
benutzen sie keine Münzen und sie kennen auch keine größere Zahl
als hundert; vielmehr vollziehen sie den Austausch mit Natura-
lien." Es heißt daselbst weiter: "Unbekannt sind sie auch mit ge-
nauen Maßen und Gewichten.")
Das Geld, früher als M a ß erscheinend (wofür z.B. bei Homer
Ochsen), denn als Tauschmittel, weil im Tauschhandel jede Ware
selbst noch ihr Tauschmittel ist. Sie kann aber nicht ihr Maß
oder eigner Vergleichungsstandard sein.
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