Quelle: MEW 42 Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858
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¦¦63¦ 1. Wert [437]
Dieser Abschnitt nachzunehmen.
Die erste Kategorie, worin sich der bürgerliche Reichtum dar-
stellt, ist die der W a r e. Die Ware selbst erscheint als Ein-
heit zweier Bestimmungen. Sie ist G e b r a u c h s w e r t,
d.h. Gegenstand der Befriedigung irgendeines Systems menschlicher
Bedürfnisse. Es ist dies ihre stoffliche Seite, die den dispara-
testen Produktionsepochen gemeinsam sein kann und deren Betrach-
tung daher jenseits der politischen Ökonomie liegt. Der Ge-
brauchswert fällt in ihren Bereich, sobald er durch die modernen
Produktionsverhältnisse modifiziert wird oder seinerseits modifi-
zierend in sie eingreift. Was im allgemeinen anstandshalber dar-
über gesagt zu werden pflegt, beschränkt sich auf Gemeinplätze,
die einen historischen Wert hatten in den ersten Anfängen der
Wissenschaft, als die gesellschaftlichen Formen der bürgerlichen
Produktion noch mühsam aus dem Stoff herausgeschält und mit
großer Anstrengung als selbständige Gegenstände der Betrachtung
fixiert wurden. In der Tat aber ist der Gebrauchswert der Ware
gegebne Voraussetzung - die stoffliche Basis, worin sich ein be-
stimmtes ökonomisches Verhältnis darstellt. Es ist erst dies be-
stimmte Verhältnis, das den Gebrauchswert zur Ware stempelt. Wei-
zen z.B. besitzt denselben Gebrauchswert, ob er von Sklaven,
Leibeignen oder freien Arbeitern gebaut werde. Er würde seinen
Gebrauchswert nicht verlieren, wenn er vom Himmel herunter-
schneite. Wie verwandelt sich nun der Gebrauchswert in Ware? Trä-
ger des T a u s c h w e r t s. Obgleich unmittelbar in der Ware
vereinigt, fallen Gebrauchswert und Tauschwert ebenso unmittelbar
auseinander. Nicht nur erscheint der Tauschwert nicht bestimmt
durch den Gebrauchswert, sondern vielmehr die Ware wird erst
Ware, realisiert sich erst als Tauschwert, sofern ihr Besitzer
sich nicht zu ihr als Gebrauchswert verhält. Es ist nur durch
ihre Entäußerung, ihren Austausch gegen andre Waren, daß er sich
Gebrauchswerte aneignet. Aneignung durch Entäußerung ist die
Grundform des gesellschaftlichen Systems der Produktion, als des-
sen einfachster, abstraktester
#768# Grundrisse - Zu ... Geld und Kapital - Heft VII
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Ausdruck der Tauschwert erscheint. Vorausgesetzt ist der Ge-
brauchswert der Ware, aber nicht für ihren Eigner, sondern für
die Gesellschaft überhaupt. {Wie eine Manchester Familie von Fa-
brikarbeitern, worin die Kinder im Tauschverhältnis zu ihren El-
tern stehn und ihnen Kost und Logis bezahlen, nicht die herkömm-
liche ökonomische Organisation der Familie darstellt, sowenig ist
das System des modernen Privataustauschs überhaupt die natur-
wüchsige Ökonomie der Gesellschaften. Der Austausch beginnt nicht
zwischen den Individuen innerhalb eines Gemeinwesens, sondern da,
wo die Gemeinwesen aufhören - an ihrer Grenze, an dem Punkt des
Kontakts verschiedner Gemeinwesen. Das Gemeindeeigentum ist
neuerdings als eine besondre slawische Kuriosität wiederentdeckt
worden. [438] In der Tat aber bietet uns Indien eine Musterkarte
der mannigfaltigsten Formen solches ökonomischen Gemeinwesens,
mehr oder minder aufgelöst, aber noch vollständig erkennbar; und
eine gründlichere Geschichtsforschung findet es als Ausgangspunkt
bei allen Kulturvölkern wieder. Das auf den Privataustausch ge-
gründete System der Produktion ist zuerst historische Auflösung
dieses naturwüchsigen Kommunismus. Jedoch liegt wieder eine ganze
Reihe ökonomischer Systeme zwischen der modernen Welt, worin der
Tauschwert die Produktion in ihrer ganzen Tiefe und Breite be-
herrscht, und den Gesellschaftsformationen, deren Grundlage zwar
schon das aufgelöste Gemeineigentum bildet, ohne daß [,..][439]
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