Quelle: MEW 43 Marx: Ökonomisches Manuskript 1861 bis 1863
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KARL MARX
Ökonomisches Manuskript
1861-1863
Teil I
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¦I¦ Zur Kritik der politischen Ökonomie
Drittes Kapitel
Das Kapital im allgemeinen [1]
#4# 1. Verwandlung von Geld in Kapital - Heft I und II
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¦A¦ Augast 1861. Drittes Kapitel. Das Kapital im allgemeinen
I. Der Produktionsprozeß des Kapitals
1. Verwandlung von Geld in Kapital
a) Allgemeinste Form des Kapitals, b) Schwierigkeiten, c) Aus-
tausch des Kapitals mit Arbeitsvermögen, d) Wert des Arbeitsver-
mögens, e) Arbeitsprozeß. f) Verwertungsprozeß, g) Kapitalisti-
sche Produktion
¦II-A¦ I. 1. h) Die zwei Bestandteile des Verwandlungsprozesses
[2]
#5# G-W-G. Allgemeinste Form des Kapitals
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¦1¦ I. Der Produktionsprozeß des Kapitals
1. Verwandlung von Geld in Kapital [3]
a) G-W-G. Allgemeinste Form des Kapitals
Wie wird Geld zu Kapital? Oder wie wird der Geldbesitzer (i.e.
W a r e n b e s i t z e r) zum Kapitalisten?
Betrachten wir zunächst die Form G-W-G - Austauschen von Geld ge-
gen Ware, i.e. k a u f e n, um die Ware wieder gegen Geld aus-
zutauschen, i.e. um zu v e r k a u f e n. Es ist schon früher
[4] bemerkt worden, daß in der Form der Zirkulation W-G-W die Ex-
treme W, W, obgleich sie gleiche Wertgrößen sind, qualitativ ver-
schieden sind, daher in dieser Form wirklicher Stoffwechsel
stattfindet (verschiedne Gebrauchswerte gegeneinander ausge-
tauscht werden), also das Resultat W-W - Austausch von Ware gegen
Ware, in der Tat Austausch von Gebrauchswerten gegeneinander -
einen selbstverständlichen Zweck hat. In der Form G-W-G (kaufen,
um zu verkaufen) dagegen sind die beiden Extreme G, G qualitativ
d i e s e l b e n, Geld. Wenn ich aber G (Geld) gegen W (Ware)
austausche, um die Ware (W) wieder gegen G (Geld) auszutauschen,
also kaufe, um zu verkaufen, so ist das Resultat, daß ich Geld
gegen Geld ausgetauscht habe. In der Tat, die Zirkulation G-W-G
(kaufen, um zu verkaufen) zerfällt in folgende Akte. Erstens: G-
W, austauschen von Geld gegen Ware, kaufen; zweitens: W-G, aus-
tauschen von Ware gegen Geld, verkaufen; und die Einheit dieser
beiden Akte oder das Durchlaufen beider Stadien G-W-G, austau-
schen von Geld gegen Ware, um Ware gegen Geld auszutauschen, kau-
fen, um zu verkaufen. Das Resultat des Prozesses aber ist G-G,
Geld gegen Geld auszutauschen.
Wenn ich für 100 Taler Baumwolle kaufe und die Baumwolle wieder
verkaufe für 100 Taler, so habe ich am Schluß des Prozesses wie
am Anfang 100 Taler; die ganze Bewegung besteht darin, daß ich
durch den Kauf 100 Taler ausgebe und durch den Verkauf wieder 100
Taler einnehme. Das Resultat ist also G-G, daß ich in der Tat 100
Taler gegen 100 Taler ausgetauscht habe. Eine solche Operation
erscheint aber zwecklos und daher abgeschmackt.
#6# 1. Verwandlung von Geld in Kapital - Heft I
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*) Am Ende des Prozesses wie am Anfang desselben habe ich Geld,
qualitativ dieselbe Ware, quantitativ dieselbe Wertgröße. Der
Ausgangspunkt und der Endpunkt des Prozesses (der Bewegung) ist
Geld. Dieselbe Person gibt das Geld als Käufer aus, um es als
Verkäufer zurückzuerhalten. Der Punkt, von dem das Geld in die-
ser Bewegung ausgeht, ist derselbe, zu dem es zurückkehrt. Da in
G-W-G, dem Prozeß des Kaufens, um wieder zu verkaufen, die Extre-
me G, G q u a l i t a t i v dieselben sind, so kann dieser Pro-
zeß nur einen Inhalt und Zweck erhalten, wenn sie q u a n t i-
t a t i v verschieden sind. Wenn ich für 100 Taler Baumwolle
kaufe und dieselbe Baumwolle für 110 Taler verkaufe, so habe ich
in der Tat 100 Taler gegen 110 Taler ausgetauscht oder mit 100
Taler 110 Taler gekauft. Einen Inhalt erhält die Zirkulationsform
¦¦2¦ G-W-G, kaufen, um zu verkaufen, also dadurch, daß die Ex-
treme G, G, obgleich sie qualitativ dasselbe, Geld, quantitativ
verschieden sind, indem das zweite G eine höhere Wertgröße, eine
größere Wertsumme darstellt als das erstere. Ware wird gekauft,
um sie teurer zu verkaufen, oder es wird wohlfeiler gekauft als
verkauft.
Betrachten wir zunächst die Form G-W-G (kaufen, um zu verkaufen)
und vergleichen wir sie mit der früher betrachteten Zirkulations-
form W-G-W (verkaufen, um zu kaufen). Erstens zerfällt die Zirku-
lation G-W-G, wie die Zirkulation W-G-W, in zwei verschiedne Aus-
tauschakte, deren Einheit sie ist. Nämlich G-W, austauschen von
Geld gegen Ware oder kaufen. In diesem Tauschakt steht sich ein
Käufer und ein Verkäufer gegenüber. Zweitens W-G, Verkauf, aus-
tauschen von Ware gegen Geld. In diesem Akt stehn sich ebenfalls
zwei Personen, Käufer und Verkäufer, gegenüber. Der Käufer kauft
von dem einen und verkäuft an den andren. Der Käufer, von dem die
Bewegung ausgeht, macht beide Akte durch. Erst kauft er, und dann
verkauft er. Oder sein Geld durchläuft beide Stadien. Es er-
scheint als Ausgangspunkt im ersten Stadium und als Resultat im
zweiten. Dagegen die beiden Personen, mit denen er austauscht,
erfüllen jeder nur einen Austauschakt. Der eine verkauft Ware -
der, mit dem er zuerst austauscht. Der andre kauft Ware, der, mit
dem er zuletzt austauscht. Die Ware, die der eine verkauft, und
das Geld, womit der andre kauft, machen also nicht die beiden
entgegengesetzten Phasen der Zirkulation durch, sondern jedes
vollzieht nur einen Akt. Diese beiden einseitigen Akte des Ver-
kaufs und des Kaufs, die diese beiden Personen
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*) Dies ist ganz richtig. Nichtsdestoweniger findet sich die Form
vor (und der Zweck dabei gleichgültig). Z.B. ein Käufer mag nicht
imstande sein, die Ware teurer zu verkaufen, als er sie gekauft
hat. Er mag gezwungen sein, sie wohlfeiler zu verkaufen, als er
sie gekauft hat. In beiden Fällen widerspricht das Resultat der
Operation ihrem Zweck. Dies hindert jedoch nicht, daß sie mit der
ihrem Zwecke entsprechenden Operation die Form gemein hat G-W-G.
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Seite 1 aus Heft I
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#9# a) G-W-G. Allgemeinste Form des Kapitals
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vollziehen, bieten uns kein neues Phänomen dar, wohl aber der Ge-
samtprozeß, den der Käufer, von dem der Prozeß ausgeht, durch-
läuft. Betrachten wir dagegen die Gesamtbewegung, die der Käufer,
der wieder verkauft, oder die das Geld, womit er die Operation
beginnt, durchläuft.
G-W-G. Der Ausgangspunkt ist Geld, die verwandelte Form der Ware,
worin sie stets austauschbar ist, worin die in ihr enthaltne Ar-
beit die Form der allgemeinen gesellschaftlichen Arbeit besitzt
oder worin sie v e r s e l b s t ä n d i g t e r T a u s c h-
w e r t ist. Der Ausgangspunkt dieser Zirkulationsform, dieser
Bewegung, ist also selbst schon ein Produkt der Warenzirkulation
oder kömmt aus der Zirkulation her, denn erst in der Zirkulation
und durch die Zirkulation erhält die Ware die Gestalt des Geldes,
wird sie in Geld verwandelt oder entwickelt sie ihren Tauschwert,
die bestimmten selbständigen Formen, die sich als verschiedne
Formbestimmungen des Geldes darstellen. Zweitens, der so aus der
Zirkulation herkommende und in der Form des Geldes verselbstän-
digte Wert geht wieder in die Zirkulation ein, wird zur Ware,
aber kehrt aus der Form der Ware wieder zurück zu seiner
Geldform, indem aber zugleich seine Wertgröße gewachsen ist.
Das Geld, das diese Bewegung durchläuft, ist K a p i t a l,
oder der im Geld verselbständigte Wert, der diesen Prozeß durch-
läuft, ist die Form, worin Kapital sich zunächst darstellt oder
erscheint.
Wir können die Form G-W-G übersetzen: Im Geld verselbständigter
Wert (wenn wir das Wort W e r t ohne nähere Bezeichnung anwen-
den, so immer darunter zu verstehn T a u s c h w e r t [5]),
also aus der Zirkulation herkommender Wert, der wieder in die
Zirkulation eingeht, sich in ihr erhält und vervielfältigt wieder
aus ihr zurückgeht (als größere Wertgröße aus ihr zurückkehrt).
Insofern das Geld stets von neuem diesen Kreislauf beschreibt,
ist es aus der Zirkulation herkommender, in sie wieder
eingehender, sich in ihr verewigender (erhaltender) und verviel-
fältigender Wert.
¦¦3¦ Im ersten Stadium des Prozesses wird das Geld zur Ware, im
zweiten wird die Ware wieder zu Geld. Das Extrem, wovon der Pro-
zeß ausgeht, Geld - selbst schon eine aus der Zirkulation ent-
sprungne Form der Ware, worin sie in ihrer Bestimmung als Tausch-
wert verselbständigt ist - der Ausgangspunkt ist zugleich der
Rückkehrpunkt. Der Wert erhält sich also in dem Prozeß, den er
durchläuft, und kehrt am Schluß desselben wieder zu seiner selb-
ständigen Form zurück. Zugleich aber ist das Resultat der Bewe-
gung, während sie an dieser Form (des Werts), Geld zu sein,
nichts geändert hat, daß die Größe des Werts gewachsen ist. Der
Wert erhält sich also nicht nur als Wert, sondern wächst
zugleich, vervielfältigt, vermehrt sich in dieser Bewegung als
Wertgröße.
#10# 1. Verwandlung von Geld in Kapital - Heft I
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("Kapital ... permanenter, sich vervielfältigender Wert."
Sism[ondi], "Nouv. Princ. etc.", t. I., p. 89.)
In G-W-G erscheint der Tauschwert ebensosehr als Voraussetzung
wie als Resultat der Zirkulation.
Der aus der Zirkulation als adäquater Tauschwert (Geld) resultie-
rende und verselbständigte, aber wieder in die Zirkulation ein-
gehnde, sich in und durch sie erhaltende und vervielfältigende
(vergrößernde) Wert (G e l d) ist K a p i t a l
In G-W-G wird der Tauschwert Inhalt und Selbstzweck der Zirkula-
tion. Verkaufen, um zu kaufen, ist der Gebrauchswert, Zweck; kau-
fen, um zu verkaufen, der Wert selbst.
Es ist hier zweierlei zu betonen. Erstens: G-W-G ist
p r o z e s s i e r e n d e r W e r t, der Tauschwert als ein
Prozeß, der durch verschiedne Austauschakte oder Zirkulationssta-
dien verläuft, zugleich über sie übergreift. Z w e i t e n s: In
diesem Prozeß erhält sich der Wert nicht nur, sondern er vermehrt
seine Wertgröße, vervielfältigt, vermehrt sich, oder er schafft
in dieser Bewegung einen M e h r w e r t. Er ist so nicht nur
sich erhaltender, sondern sich v e r w e r t e n d e r W e r t,
W e r t, d e r W e r t s e t z t.
E r s t e n s: Betrachten wir zunächst G-W-G seiner Form nach,
abgesehn von dem Umstand, daß das zweite G größre Wertgröße ist
als das erste G. Der Wert existiert erst als Geld, dann als Ware,
dann wieder als Geld. Er erhält sich im Wechsel dieser Formen und
kehrt aus denselben zu seiner ursprünglichen Form zurück. Er
macht Formveränderungen durch, in denen er sich jedoch erhält,
als deren Subjekt er daher erscheint. Der Wechsel dieser Formen
erscheint daher als sein eigner Prozeß oder der Wert, wie er sich
hier darstellt, ist prozessierender Wert, Subjekt eines Prozes-
ses. Geld und Ware erscheinen jede nur als besondre Daseinsformen
des Werts, der sich erhält, indem er aus der einen in die andre
übergeht und stets zu sich in seiner verselbständigten Form als
Geld zurückkehrt. Geld und Ware erscheinen so als die Daseinsfor-
men des prozessierenden Werts oder des Kapitals. Daher die Erklä-
rungen von Kapital. Einerseits die oben von Sismondi gegebne. Ka-
pital ist sich erhaltender Wert.
"Nicht der Stoff bildet das Kapital, sondern der Wert dieser
Stoffe." (J.B. Say, "Traité de l'Economie Politique", 3. éd., Pa-
ris 1817, t. II, p. 429.)
Andrerseits, wenn es nicht als Ganzes der Bewegung, sondern in
jeder seiner Daseinsformen - in denen es jedesmal besteht - ge-
faßt wird: Kapital ist Geld, Kapital ist Ware.
#11# a) G-W-G. Allgemeinste Form des Kapitals
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"Kapital i s t gleich Waren." (J. Mitt, "Elements of Polit.
Econ.", London] 1821, [p.] 74.) "Das Z i r k u l a t i o n s-
m i t t e l, das zu produktiven Zwecken verwendet wird, ist
K a p i t a l." (M'Leod, "The Theory and Practice of Banking
etc.", Lond[on] 1855, t. I, ch. I.)
In der Zirkulationsform W-G-W läuft die Ware durch zwei
Metamorphosen durch, deren Resultat ist, daß sie als Gebrauchs-
wert zurückbleibt. Es ist die Ware - als Einheit von Gebrauchs-
wert und Tauschwert oder als Gebrauchswert, von der der Tausch-
wert bloße Form, verschwindende Form ist, die diesen Prozeß
durchläuft. Aber in G-W-G erscheinen Geld und Ware nur als ver-
schiedne Daseinsformen des Tauschwerts, der einmal in seiner
allgemeinen Form als Geld, das andre Mal in seiner besondren Form
als Ware erscheint, zugleich als das Übergreifende und sich Be-
hauptende in beiden Formen. ¦¦4¦ Geld ist an und für sich die
verselbständigte Daseinsform des Tauschwerts, aber auch die Ware
erscheint hier nur als Träger oder Inkorporation desselben.
/16/ Man begreift sehr wohl, daß, wenn Klassen existieren, die an
der Produktion von Waren nicht teilnehmen, dennoch Ware oder Geld
besitzen, was nur Form der Ware ist, sie ohne Austausch durch
hier nicht weiter zu erläuternde Rechts- oder Gewalttitel einen
Anteil an den Waren besitzen. Der Warenbesitzer oder Produzent -
einstweilen können wir den Warenbesitzer nur als Warenproduzent
begreifen - muß ihnen einen Teil seiner Waren abgeben oder einen
Teil des Geldes, den er für den Verkauf seiner Waren erhält. Ver-
mittelst dieses Geldes, wofür sie kein Äquivalent gegeben, wären
sie dann Konsumenten, Käufer, ohne je Verkäufer gewesen zu sein.
Diese Käufer sind aber nur zu erklären als Teilnehmer an den Wa-
ren (Mitbesitzer) des Verkäufers, die sie durch einen hier uner-
klärlichen Prozeß erhalten. Wenn sie also Waren kaufen, so geben
sie den Warenbesitzern und Produzenten nur einen Teil der Waren
zurück im Austausch für andre Waren, für Waren, die sie ohne Aus-
tausch von ihnen erhalten haben. Eis ist sehr erklärlich, daß,
wenn alle Warenproduzenten ihre Waren über ihren Wert verkaufen,
sie von diesen Käufern mehr zurückerhalten, als sie ihnen geben,
aber sie erhalten nur mehr von einer ursprünglich ihnen gehören-
den Wertsumme zurück. Wenn einer mir 100 Taler stiehlt und ich
verkaufe ihm Ware, die nur 90 Taler wert ist, zu 100, so profi-
tiere ich 10 Taler an ihm. Dies ist eine Methode, diesem Käufer,
der Konsument ist, ohne Produzent zu sein, einen Teil der mir
ursprünglich gehörigen Wertsumme von 100 Talern auf dem Weg des
Handels wieder abzunehmen. Wenn er mir jährlich 100 Taler nimmt
und ich ihm ebenfalls jährlich Ware für 90 Taler für 100
verkaufe, so gewinne ich zwar jährlich 10 Taler an ihm, aber nur,
weil ich jährlich 100 Taler an ihn verliere. Ist dies sein Weg-
nehmen von 100 Talern eine Institution, so ist der nachfolgende
#12# 1. Verwandlung von Geld in Kapital - Heft I
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Handel ein Mittel, diese Institution zum Teil, hier zum 1/10
Teil, wieder rückgängig zu machen. Es entsteht so jedoch kein
Mehrwert, und der Umfang, worin dieser Käufer von mir geprellt
werden kann, d.h. die Anzahl der Transaktionen, worin ich ihm
Ware von 90 Taler für 100 verkaufen kann, hängt genau von der An-
zahl der Akte ab, worin er mir 100 Taler, ohne irgendein Äquiva-
lent zu geben, nimmt. Es ist also eine Transaktion, woraus das
Kapital, der sich in der Zirkulation erhaltende und vermehrende
Wert und noch weniger der Mehrwert des Kapitals erklärt werden
kann. Daß aber nicht nur Torrens, sondern selbst Malthus derar-
tige Sprünge macht, ist ihm von den Ricardians mit sittlicher
Entrüstung vorgeworfen worden. Malthus meint nämlich - und dies
richtig unter gegebnen Voraussetzungen ", daß die Einnahmen der
bloßen Consumers 1*), bloßer Käufer, vermehrt werden müssen, da-
mit die Produzenten Profit an ihnen machen können, damit Produk-
tion en couragiert wird.
"Der Eifer für die 'Ermunterung zum Verbrauch', wie er für den
Handel im allgemeinen als notwendig erachtet wird, entspringt
seinem wahren Nutzen für die Verkaufenden eines einzelnen Hand-
werks." ([p.] 60.) "'Was wir brauchen, sind Menschen, die unsere
Waren kaufen' ... Aber sie besitzen nichts in der Welt, was sie
dir für deine Waren geben könnten, außer dem, was du ihnen zuvor
gegeben hast. Kein Eigentum kann in ihren Händen entstehen; es
muß aus den euren kommen. Gutsbesitzer, Beamte, Aktienbesitzer,
Dienstboten, was immer sie sein mögen, alle ihre Mittel für den
Kauf eurer Waren waren einst die euren, und ihr habt sie ihnen
zukommen lassen." ([p. 61/]62.) "Mit dem Verkauf deiner Waren be-
zweckst du, eine bestimmte Summe Geld zu bekommen; es kann nie-
mals zweckdienlich sein, diese Geldsumme umsonst an eine andere
Person wegzugeben, damit sie diese dir dann zurückgeben kann und
damit deine Güter kauft. Du könntest ebensogut deine Waren sofort
verbrannt haben, und du würdest in derselben Lage sein." ([p.]
63.) ("An inquiry into those Principles respecting the Nature of
Demand and the Necessity of Consumption lately ¦¦17¦ advocatea by
Mr. Malthus etc.", London 1821.)
"Herr Malthus redet zuweilen so, als gäbe es zwei verschiedene
Fonds, Kapital und Revenue, Zufuhr und Nachfrage, Produktion und
Konsumtion, die Sorge tragen müssen, miteinander Schritt zu hal-
ten und einander nicht zu überholen. Als ob neben der Gesamtmasse
der produzierten Waren noch eine andere wohl vom Himmel gefallene
Masse erforderlich wäre, sie zu kaufen ... Der Konsumtionsfonds,
den er benötigt, kann nur auf Kosten der Produktion gewonnen wer-
den." (l.c., [p.] 49, 50.) "Wenn es jemand an N a c h f r a g e
mangelt, rät ihm dann Herr Malthus, eine andere Person zu bezah-
len, damit diese ihm seine Waren abnehme?" ([p.] 55.)
/4/ In der Zirkulationsform W-G-W, als Gesamtmetamorphose der
Ware betrachtet, existiert zwar auch der Wert, erst als Preis der
Ware, dann im Geld als realisierter Preis, endlich wieder in dem
Preis der Ware (oder überhaupt
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1*) Verbraucher
#13# a) G-W-G. Allgemeinste Form des Kapitals
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ihrem Tauschwert); aber er erscheint hier nur verschwindend. Die
vermittelst des Geldes ausgetauschte Ware wird Gebrauchswert; der
Tauschwert verschwindet als gleichgültige Form derselben, und sie
fällt überhaupt aus der Zirkulation heraus.
In der einfachen Warenzirkulation - W-G-W - erscheint das Geld in
allen seinen Formen stets nur als Resultat der Zirkulation. In G-
W-G erscheint es ebenso als Ausgangspunkt wie als Resultat der
Zirkulation, so daß der Tauschwert nicht wie in der ersten Zirku-
lationsform bloß verschwindende Form der Warenzirkulation - in-
nerhalb des Warenaustausches sich bildende und wieder verschwin-
dende Form der Ware selbst ist ", sondern der Zweck, der Inhalt
und die treibende Seele der Zirkulation.
Der Ausgangspunkt dieser Zirkulation ist das Geld, verselbstän-
digter Tauschwert. Historisch geht die Kapitalbildung auch über-
all vom Geldvermögen aus, und die erste Auffassung des Kapitals
ist, daß es Geld ist, aber Geld, das gewisse Prozesse durchmacht.
Die Zirkulationsform G-W-G, oder das prozessierende Geld, der
sich verwertende Wert, geht aus vom Geld, dem Produkt der einfa-
chen Zirkulation W-G-W. Eis setzt daher nicht nur die Warenzirku-
lation voraus, sondern eine Warenzirkulation, die alle Geldformen
bereits entwickelt hat. Nur wo die Warenzirkulation - der Aus-
tausch der Produkte als Waren und die Verselbständigung des
Tauschwerts im Geld und seinen verschiednen Formen - sich bereits
entwickelt hat, ist daher Kapitalbildung möglich. Um den Prozeß
durchzumachen, worin der Tauschwert als Ausgangspunkt und Resul-
tat erscheint, muß er vorher schon im Geld seine selbständige ab-
strakte Gestalt erhalten haben.
Der erste Akt der Form G-W-G, nämlich G-W, der Kauf, ist der
letzte Akt der Form W-G-W, nämlich ebenfalls G-W. Aber in dem
letzten Akt wird Ware gekauft, das Geld in Ware verwandelt, um
die Ware als Gebrauchswert zu konsumieren. Das Geld wird
a u s g e g e b e n. Dagegen in G-W als erstem Stadium von G-W-G
wird das Geld nur in Ware verwandelt, gegen Ware ausgetauscht, um
die Ware wieder in Geld zu verwandeln, um das Geld zurückzuerhal-
ten, vermittelst der Ware wieder aus der Zirkulation herauszu-
holen. Das Geld erscheint daher nur ausgegeben, um zurückzukeh-
ren, nur in die Zirkulation geworfen, um ihr vermittelst der Ware
wieder entzogen zu werden. Es ist daher nur
v o r g e s c h o s s e n.
"Wenn ein Ding gekauft wird, um wieder verkauft zu werden, nennt
man die hierzu verwendete Summe v o r g e s c h o s s e n e s
Geld; wird es gekauft, um nicht wieder verkauft zu werden, kann
man sie als verausgabt bezeichnen." (James Steuart, "Works etc.",
ed. by General Sir James Steuart, his son etc., v. 1, [p.] 274,
London 1805. [6])
#14# 1. Verwandlung von Geld in Kapital - Heft I
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Betrachten wir die Form W-G-W, so erscheint in dem ersten Akt
derselben, W-G, die Ware als bloße Materiatur des Tauschwerts
(daher als bloßes Tauschmittel) für den Verkäufer. Ihr Gebrauchs-
wert ist Gebrauchswert als solcher, nicht für ihn selbst - den
Verkäufer -, sondern für einen Dritten, den Käufer. Er verkauft
sie daher, verwandelt sie in Geld, um mit dem Geld die Ware zu
kaufen, die Gebrauchswert für ihn selbst ist. Der Preis der Ware,
die er kauft, hat nur sofern Wert für ihn, als sie das Maß be-
stimmt - das Maß der Gebrauchswerte - die er für sein Geld er-
hält. I m K a u f erscheint daher hier der Tauschwert der Ware
nur als verschwindende Form derselben, ebenso wie die Verselb-
ständigung dieses Tauschwerts in Geld nur als eine verschwin-
dende. Dagegen hier, in G-W-G, ¦¦5¦ wo der Kauf statt des zweiten
vielmehr den ersten Akt der Zirkulation oder der Austauschpro-
zesse darstellt, ist die Ware, worin das Geld verwandelt wird,
ebenfalls nur Materiatur des Tauschwerts für den Käufer, sozusa-
gen nur eine verkleidete Form des Geldes. Hier erscheinen G und W
beide nur als besondre Formen, Daseinsweisen des Tauschwerts, von
deren einer er abwechselnd in die andre übergeht; das Geld als
die allgemeine, die Ware als eine besondre Form des Tauschwerts.
Der Tauschwert verliert sich nicht in dem Übergehn aus der einen
Daseinsweise in die andre, sondern wechselt nur seine Form und
kehrt daher auch stets zu sich in seiner allgemeinen Form zurück.
Er erscheint als das Ubergreifende über seine beiden Daseinswei-
sen, Geld und Ware, und eben darum als Subjekt des Prozesses,
worin er sich bald als das eine, bald als das andre darstellt,
ebendaher als p r o z e s s i e r e n d e s G e l d oder
p r o z e s s i e r e n d e r W e r t.
Z w e i t e n s. G-W-G wäre jedoch, wie schon bemerkt, eine in-
haltslose Bewegung, wenn die Extreme G, G, die qualitativ gleich
sind, nicht quantitativ verschieden wären, also in diesem Prozeß
eine gewisse Wertsumme als Geld in die Zirkulation hineingeworfen
würde, um dieselbe Wertsumme in der Form des Geldes wieder aus
der Zirkulation herauszuziehn, und so durch einen doppelten und
entgegengesetzten Austauschakt alles beim alten, beim Ausgangs-
punkt der Bewegung zu lassen. Das Charakteristische des Prozesses
besteht vielmehr darin, daß die Extreme G, G, obgleich qualitativ
gleich, quantitativ verschieden sind, wie quantitativer Unter-
schied überhaupt das einzige ist, dessen der Tauschwert als sol-
cher - und im Geld existiert er als solcher - seiner Natur nach
fähig ist. Durch die beiden Akte des Kaufs und Verkaufs, die Ver-
wandlung des Gelds in Ware und die Rückverwandlung der Ware in
Geld, kommt am Ende der Bewegung mehr Geld, eine vergrößerte
Geldsumme, also ein vervielfältigter Wert, aus der Zirkulation
heraus als der war, der im Anfang in sie hineingeworfen wurde.
War das Geld z.B. ursprünglich am Anfang der Bewegung 100 Taler,
so ist es am Schluß derselben
#15# a) G-W-G. Allgemeinste Form des Kapitals
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110 Taler. Der Wert hat sich also nicht nur erhalten, sondern
einen neuen Wert oder, wie wir ihn nennen wollen,
M e h r w e r t (surplus value) innerhalb der Zirkulation
gesetzt. Wert hat Wert produziert. Oder der Wert erscheint uns
hier zum erstenmal als sich s e l b s t v e r w e r t e n d.
So daß der Wert, wie er in der Bewegung G-W-G erscheint, aus der
Zirkulation herkommender, in sie eingehender, sich in ihr
erhaltender und sich selbst v e r w e r t e n d e r Mehrwert
setzender Wert ist. Als solcher ist er K a p i t a l.
In der Schatzbildung, an die man sich hier erinnern könnte, ver-
wertet sich der Wert nicht. Die Ware wird in Geld verwandelt,
verkauft und in dieser Gestalt der Zirkulation entzogen, beiseite
gelegt. Dieselbe Wertgröße, die früher in der Form der Ware exi-
stierte, existiert jetzt in der Form des Geldes. Die Ware hat
nicht ihre Wertgröße vermehrt; sie hat nur die allgemeine Form
des Tauschwerts, die Geldform, angenommen. Es war dies ein bloß
qualitativer, kein quantitativer Wechsel.
Hier ist die Ware aber schon in der Form des Geldes als Ausgangs-
punkt des Prozesses vorausgestellt. Sie gibt diese Form vielmehr
vorübergehend auf, um sie als vermehrte Wertgröße wieder schließ-
lich anzunehmen. Das Geld, das dagegen als Schatz in seiner Form
als verselbständigter Tauschwert festgehalten wird,
v e r w e r t e t sich so wenig, daß es vielmehr der Zirkulation
entzogen wird. Seine Macht, als Tauschwert zu wirken, wird für
die Zukunft in petto gehalten, aber einstweilen suspendiert.
Nicht nur, daß seine Wertgröße unverändert bleibt, verliert es
seine Funktion, seine Qualität als Tauschwert - so lange es
Schatz bleibt ", indem es nicht als Geld fungiert, weder als
Kaufmittel noch als Zahlungsmittel. Da es nun außerdem als Geld
keinen unmittelbaren Gebrauchswert hat, hat es noch dazu den Ge-
brauchswert verloren, den es als Ware besaß und den es nur wie-
dergewinnen kann, ¦¦6¦ sobald es als Geld wirkt, in die Zirkula-
tion geworfen wird und hiermit seinen Charakter als Dasein des
Tauschwerts aufgibt 1*). Das einzige, was in der Schatzbildung
geschieht, ist, daß der Ware die Form des Geldes, die adäquate
Form des Tauschwerts gegeben wird, dadurch, daß die Ware zu ihrem
Preis verkauft worden ist. Es findet aber statt einer Verwertung
- d. h. Vergrößrung des ursprünglichen Werts, überhaupt keine
Verwendung des als Schatz fixierten Geldes statt, das nur der
Möglichkeit nach Wert hat, der Wirklichkeit nach wertlos ist.
Also hat dies Verhältnis des sich verwertenden Werts oder Kapi-
tals nichts mit der Schatzbildung gemein, als daß es beiden um
den Tauschwert zu tun ist, die letztre aber ein illusorisches
Mittel anwendet, um ihn zu vermehren.
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1*) In der Handschrift: aufgebe
#16# 1. Verwandlung von Geld in Kapital - Heft I
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In der Form W-G-W, verkaufen, um zu kaufen, in der der Gebrauchs-
wert und also die Befriedigung der Bedürfnisse der letzte Zweck
ist, liegt in der Form selbst unmittelbar nicht die Bedingung ih-
rer Erneurung, nachdem der Prozeß durchlaufen ist. Die Ware ist
vermittelst des Geldes gegen eine andre Ware ausgetauscht worden,
die nun als Gebrauchswert aus der Zirkulation herausfällt. Damit
ist die Bewegung am Ende. Dagegen in der Form G-W-G liegt es
schon in der bloßen Form ihrer Bewegung, daß kein Ende der Bewe-
gung vorhanden, ihr Ende schon das Prinzip und den Trieb ihrer
Wiedererneurung enthält. Denn da das Geld, der abstrakte Reich-
tum, der Tauschwert, der Ausgangspunkt der Bewegung und seine
Vervielfältigung der Zweck ist - da das Resultat wie der Aus-
gangspunkt qualitativ dasselbe ist, eine Geld- oder Wertsumme,
bei der ebenso wie im Anfang des Prozesses ihre quantitative
Grenze wieder als Schranke ihres allgemeinen Begriffs erscheint -
denn der Tauschwert oder das Geld entspricht seinem Begriffe um
so mehr, je mehr seine Quantität vergrößert wird -, (das Geld als
solches ist austauschbar gegen allen Reichtum, alle Waren, aber
das Maß, worin es austauschbar ist, hängt von seiner eignen Masse
oder Wertgröße ab) - die Selbstverwertung bleibt ebenso notwen-
dige Betätigung für das Geld, was aus dem Prozeß herauskommt, wie
für das, das ihn eröffnete -, so ist mit dem Ende der Bewegung
auch schon das Prinzip ihres Wiederanfangs gegeben. Es kömmt auch
am Ende wieder heraus, als was es im Anfang da war, als Voraus-
setzung derselben Bewegung in derselben Form. Dies ist es - die-
ser absolute Bereicherungstrieb, des Reichtums in seiner allge-
meinen Form habhaft zu werden -, den diese Bewegung mit der
Schatzbildung gemein hat.
{Es wird bei dieser Stelle auf die Darstellung des Aristoteles,
"Rep[ublica]", 1.1, ch. 9, näher einzugehn sein.} [7]
Es ist der Geldbesitzer (oder Warenbesitzer, denn das Geld ist ja
nur die verwandelte Gestalt der Ware), der sein Geld oder den in
der Form des Geldes beseßnen Wert den Prozeß G-W-G durchmachen
läßt. Diese Bewegung ist der Inhalt seiner Tätigkeit, und er er-
scheint daher nur als Personifikation des so definierten Kapi-
tals, als K a p i t a l i s t. Seine Person ist der Ausgangs-
punkt von G (oder vielmehr seine Tasche), und sie ist der Punkt
der Rückkehr. Er ist der bewußte Träger dieses Prozesses. Wie das
Resultat des Prozesses die Erhaltung und Vermehrung des Werts -
Selbstverwertung des Werts ist ", was als Inhalt der Bewegung,
erscheint bei ihm als bewußter Zweck. D i e V e r m e h r u n g
d e s v o n i h m b e s e ß n e n W e r t s erscheint also
als sein einziger Zweck, die stets wachsende Aneignung des Reich-
tums in seiner allgemeinen Form, des T a u s c h w e r t s, und
nur, insofern dies als sein einzig treibendes Motiv erscheint,
ist er Kapitalist oder bewußtes Subjekt der Bewegung G-W-G. Der
Gebrauchswert
#17# a) G-W-G. Allgemeinste Form des Kapitals
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ist also nie als sein direkter Zweck zu betrachten, sondern nur
der Tauschwert. Das Bedürfnis, das er befriedigt, ist das der Be-
reicherung als solcher. Es versteht sich übrigens damit von
selbst, daß er sein Kommando über den reellen Reichtum, die Welt
der Gebrauchswerte, beständig vermehrt. Denn welches immer die
Produktivität der Arbeit sei, ein größrer Tauschwert stellt sich
auf einer gegebnen Stufe der Produktion immer in einer größren
Masse von Gebrauchswerten dar als ein kleinerer.
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