Quelle: MEW 43 Marx: Ökonomisches Manuskript 1861 bis 1863
zurück
#178# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
e) Charakter der Mehrarbeit
Sobald eine Gesellschaft existiert, worin einige leben, ohne zu
arbeiten (direkt in der Produktion von Gebrauchswerten beteiligt
zu sein), ist es klar, daß der ganze Überbau der Gesellschaft als
Existenzbedingung hat die Surplusarbeit der Arbeiter. Es ist
zweierlei, was sie von dieser Surplusarbeit
-----
1*) der Möglichkeit nach
#179# e) Charakter der Mehrarbeit
-----
empfangen. E r s t e n s: Die materiellen Bedingungen des Le-
bens, indem sie an dem Produkt teilnehmen und auf ihm und von ihm
subsistieren, welches die Arbeiter über das Produkt hinaus lie-
fern, das zur Reproduktion ihres eignen Arbeitsvermögens
erheischt ist. Z w e i t e n s: Die freie Zeit, die sie zur
Disposition haben, sei es zur Muße, sei es zur Ausübung nicht un-
mittelbar produktiver Tätigkeiten (wie z. B. Krieg, Staatswesen),
sei es zur Entwicklung menschlicher Fähigkeiten und gesellschaft-
licher Potenzen (Kunst etc. Wissenschaft), die keinen unmittelbar
praktischen Zweck verfolgen, setzt die Mehrarbeit auf Seite der
arbeitenden Masse voraus, d. h., daß sie mehr Zeit, als zur
Produktion ihres eignen materiellen Lebens erheischt ist, in der
materiellen Produktion verwenden müssen. Die f r e i e Z e i t
auf selten der nichtarbeitenden Gesellschaftsteile basiert auf
der M e h r a r b e i t oder Ü b e r a r b e i t, auf der
M e h r a r b e i t s z e i t des arbeitenden Teils, die freie
Entwicklung auf der einen Seite darauf, daß die Arbeiter ihre
ganze Zeit, also den Raum ihrer Entwicklung [70], zur bloßen
¦¦105¦ Produktion bestimmter Gebrauchswerte verwenden müssen; die
Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten auf der einen Seite auf
der Schranke, worin die Entwicklung auf der andren Seite gehalten
wird. Auf diesem Antagonismus basiert alle bisherige Zivilisation
und gesellschaftliche Entwicklung. A u f d e r e i n e n
S e i t e also entspricht die freie Zeit der einen der Überar-
beitszeit von der Arbeit unterjochten Zeit - Zeit ihres Daseins
und Wirkens als bloßes Arbeitsvermögen - der andern. A u f
d e r a n d r e n S e i t e: Die Mehrarbeit realisiert sich
nicht nur in mehr Wert, sondern in M e h r p r o d u k t -
Überschuß der Produktion über das Maß hinaus, das die arbeitende
Klasse zu ihrer eignen Subsistenz bedarf und verbraucht. Der Wert
ist vorhanden in einem Gebrauchswerte. Mehrwert daher in Sur-
plusprodukt. Mehrarbeit in Surplusproduktion, und diese bildet
die Basis für die Existenz aller nicht unmittelbar in der materi-
ellen Produktion absorbierten Klassen. Die Gesellschaft entwic-
kelt sich so durch die Entwicklungslosigkeit der arbeitenden
Masse, die ihre materielle Basis bildet, im Gegensatz.
Es ist durchaus nicht nötig, daß Mehrprodukt Mehrwert ausdrückt.
Wenn 2 Quarter Weizen das Produkt derselben Arbeitszeit wie frü-
her 1 Quarter Weizen, so drücken die 2 quarters keinen höheren
Wert aus wie früher 1. Aber eine bestimmte, gegebne Entwicklung
der Produktivkräfte vorausgesetzt, stellt sich Mehrwert stets in
Surplusprodukt dar, d.h., das Produkt (Gebrauchswert), geschaffen
durch 2 Stunden, ist doppelt so groß als das Geschaffne durch 1
Stunde. Bestimmter ausgedrückt: Die Mehrarbeitszeit, die die ar-
beitende Masse arbeitet über das Maß hinaus, das zur Reproduktion
ihres eignen Arbeitsvermögens, ihrer eignen Existenz nötig ist,
über die n o t w e n d i g e
#180# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
A r b e i t hinaus, diese Mehrarbeitszeit, die sich als Mehrwert
darstellt, materialisiert sich zugleich im Mehrprodukt, Sur-
plusprodukt, und dies Surplusprodukt ist die materielle Existenz-
basis aller Klassen, die außer den arbeitenden Klassen leben, des
ganzen Überbaus der Gesellschaft. Es macht z u g l e i c h
d i e Z e i t f r e i, gibt ihnen disposable 1*) Zeit zur Ent-
wicklung der übrigen Fähigkeit. Die Produktion von Surplusar-
beitszeit auf der einen Seite ist zugleich Produktion von
f r e i e r Zeit auf der andren Seite. Die ganze menschliche
Entwicklung, soweit sie über die zur natürlichen Existenz der
Menschen unmittelbar notwendige Entwicklung hinausgeht, besteht
bloß in der Anwendung dieser freien Zeit und setzt sie als ihre
notwendige Basis voraus. Die freie Zeit der Gesellschaft ist so
produziert durch die Produktion der unfreien Zeit, der über die
zu ihrer eignen Subsistenz erforderten Arbeitszeit hinaus verlän-
gerten Arbeitszeit der Arbeiter. Die freie Zeit auf der einen
entspricht der geknechteten auf der andren.
Die Form der Surplusarbeit, die wir hier betrachten - über das
Maß der notwendigen Arbeitszeit hinaus -, hat das Kapital gemein
mit allen Gesellschaftsformen, worin Entwicklung über das reine
Naturverhältnis hinaus stattfindet und daher antagonistische Ent-
wicklung, die gesellschaftliche Entwicklung der einen die Arbeit
der andren zu seiner Naturbasis macht.
Die Surplusarbeitszeit - die absolute -, wie hier betrachtet,
bleibt die Basis auch in der kapitalistischen Produktion, ob-
gleich wir noch eine andre Form kennenlernen werden.
Sofern wir hier nur den Gegensatz von Arbeiter und Kapitalist ha-
ben, müssen alle Klassen, die nicht arbeiten, teilen mit dem Ka-
pitalist an dem Produkt der Surplusarbeit; so daß diese Surplus-
arbeitszeit nicht nur die Basis ihrer materiellen Existenz
schafft, sondern zugleich ihre f r e i e Z e i t, die Sphäre
ihrer Entwicklung schafft.
Der absolute Mehrwert, d.h. die absolute Mehrarbeit, bleibt auch
später immer die herrschende Form.
Wie die Pflanze von der Erde, das Vieh von der Pflanze oder vom
pflanzenfressenden Vieh lebt, so der Teil der Gesellschaft, der
freie Zeit, disposable, nicht in der unmittelbaren Produktion der
Subsistenz absorbierte Zeit besitzt, von der Mehrarbeit der Ar-
beiter. Reichtum ist daher disposable Zeit. 2*) [71]
Wir Werden sehn, wie die Ökonomen etc. diesen Gegensatz als na-
türlich betrachten.
Da der Mehrwert sich zunächst im Mehrprodukt darstellt, alle and-
ren Arbeiten
-----
1*) verfügbare - 2*) siehe vorl. Band, S. 194
#181# Zusätze
-----
aber schon disposable Zeit, verglichen mit der Arbeitszeit, die
in der Produktion der Nahrungsmittel verwandt wird, so klar,
warum die Physiokraten [53] den Mehrwert auf das Mehrprodukt in
der Agrikultur gründen, das sie nur fälschlich als bloßes Ge-
schenk der Natur betrachten.
¦¦106¦ Es kann hier schon bemerkt werden:
Die zur Produktion von Waren verwandten Arbeitszweige unterschei-
den sich voneinander nach dem Grade ihrer Notwendigkeit, und die-
ser Grad hängt von der relativen Notwendigkeit ab, womit der Ge-
brauchswert, den sie schaffen, zur physischen Existenz erheischt
ist. Diese Art n o t w e n d i g e Arbeit bezieht sich auf den
Gebrauchswert, nicht auf den Tauschwert. D. h., es handelt sich
hier nicht von der Arbeitszeit, die notwendig ist, um einen Wert
zu schaffen, auflösbar in die Summe der dem Arbeiter für seine
Existenz notwendigen Produkte; sie bezieht sich auf die relative
Notwendigkeit der Bedürfnisse, die die Produkte der verschiednen
Arbeiten befriedigen. In dieser Rücksicht die Agrikulturarbeit
(darunter alle zur Beschaffung der unmittelbaren Nahrungsmittel
erheischten Arbeit zu verstehn) die notwendigste. Sie schafft
erst die disposable free hands [72], wie Steuart sagt, für die
Industrie. Indes hier weiter zu unterscheiden. Indem der eine
seine ganze disposable Zeit auf Agrikultur verwendet, kann der
andre sie auf Manufaktur verwenden. Teilung der Arbeit. Aber
ebenso beruht die Mehrarbeit in allen andren Branchen auf der
Mehrarbeit in der Agrikultur, die den Rohstoff zu allem andren
liefert.
"Es ist unverkennbar, daß die relative Anzahl von Menschen, die,
ohne selbst Ackerbauarbeit zu leisten, unterhalten werden können,
völlig nach den Produktivkräften der Ackerbauer gemessen werden
muß." (p. 159/160, R. Jones, "On the Distribution of Wealth",
Lond[on] 1831.)
Zusätze
ad b) In dem noch vorwährenden Kampf zu London zwischen den Ar-
beitern im Baufach und den Baumeistern (Kapitalisten) erheben die
Arbeiter u. a. gegen das von den Meistern bearbeitete Stundensy-
stem (wonach der Kontrakt zwischen beiden Seiten nur für die
Stunde gültig; in der Tat die Stunde als Normaltag angesetzt ist)
folgende Einwürfe: E r s t e n s: Durch dies System werde jeder
Normaltag (Normalarbeitstag), also jede Grenze der täglichen Ge-
samtarbeit (notwendige Arbeit und Mehrarbeit zusammengerechnet),
abgeschafft. Die Feststellung eines solchen Normaltages sei das
beständige Ziel der Arbeiterklasse, die in allen solchen Zweigen,
wie z. B. bei den job Arbeitern
#182# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
1*) in den Docks, an der Themse usw., wo kein solcher Normaltag,
sei es gesetzlich oder faktisch, bestehe, auf dem tiefsten Punkt
der Erniedrigung stehe. Sie heben hervor, wie ein solcher Normal-
tag nicht nur das Maß der durchschnittlichen Lebensdauer der Ar-
beiter bilde, sondern ihre Gesamtentwicklung beherrsche.
Z w e i t e n s: Daß durch dies Stundensystem der extrapay 2*)
für die Überarbeit - d.h. den Überschuß der Mehrarbeit über ihr
normales und herkömmliches Maß - wegfalle. Dieser extrapay, wenn
er einerseits in außerordentlichen Fällen es den Meistern
[ermöglicht], über den Normaltag hinaus arbeiten zu lassen, legte
ihrem Trieb nach unendlicher Verlängerung des Arbeitstags goldne
Ketten an. Dies war ein Grund, warum die Arbeiter den extrapay
verlangten. Der zweite: Sie verlangen für die Überarbeit extra-
pay, weil mit der Verlängerung des Normaltags nicht nur ein quan-
titativer, sondern ein qualitativer Unterschied eintritt und der
tägliche W e r t des Arbeitsvermögens selbst damit einer andren
Schätzung zu unterwerfen ist. Wenn z.B. statt 12stündiger Arbeit
13stündige eintrete, so ist der Durchschnittsarbeitstag eines Ar-
beitsvermögens zu schätzen, das sich z. B. in 15 Jahren abnützt,
während im andren Fall der Durchschnittstag eines Ar-
beitsvermögens zu schätzen ist, das in 20 Jahren abgenutzt wird.
D r i t t e n s. Weil, indem ein Teil der Arbeiter überarbeitet,
ein entsprechender Teil arbeitslos wird und der Lohn der Beschäf-
tigten durch den Lohn, zu dem die Unbeschäftigten arbeiten, her-
abgedrückt wird.
{Absoluten Mehrwert und relativen Mehrwert zusammengenommen,
zeigt sich: Bleibt die Produktivität der Arbeit dieselbe, ebenso
die Zahl der Arbeiter, so kann der Mehrwert nur wachsen, soweit
die Mehrarbeit vermehrt, also der Gesamtarbeitstag (der Maßstab
des Gebrauchs des Arbeitsvermögens) über seine gegebne Grenze
hinaus verlängert wird. Bleibt der Gesamtarbeitstag derselbe,
dito die Zahl der Arbeiter, so kann der Mehrwert nur wachsen,
wenn die Produktivität der Arbeit wächst oder, was dasselbe, der
zur notwendigen Arbeit erheischte Teil des Arbeitstags verkürzt
wird. Wenn der Gesamtarbeitstag und die Produktivität der Arbeit
dieselben bleiben, so bleibt die Rate des Mehrwerts, d.h. sein
Verhältnis zur notwendigen Arbeitszeit, unveränderlich, aber die
Masse des Mehrwerts kann in beiden Fällen wachsen mit der Zunahme
der gleichzeitigen Arbeitstage, d.h. mit dem Wachsen der Bevölke-
rung. Umgekehrt: Fallen kann die Rate des Mehrwerts nur, wenn
entweder die Mehrarbeit vermindert, also der Gesamtarbeitstag
verkürzt wird bei gleichbleibender Produktivität der Arbeit, oder
wenn die Produktivität
-----
1*) Akkordarbeitern - 2*) zusätzliche Lohn
#183# Zusätze
-----
der Arbeit abnimmt, also der zur notwendigen Arbeit erheischte
Teil des Arbeitstags zunimmt bei gleichbleibender Dauer des Ge-
samtarbeitstags. In beiden Fällen kann, bei unveränderter Rate
des Mehrwerts, die Masse des Mehrwerts abnehmen, wenn die Zahl
der gleichzeitigen Arbeitstage, also die Bevölkerung, abnimmt.
(I.e. die arbeitende.)
Bei allen diesen Verhältnissen ist vorausgesetzt, daß der Arbei-
ter sein Arbeitsvermögen zu seinem W e r t verkauft, d.h., daß
der P r e i s der Arbeit oder der Arbeitslohn dem W e r t
desselben entspricht. Diese Voraussetzung liegt, wie schon öfter
wiederholt, der ganzen ¦¦107¦ Untersuchung zugrunde. Wie weit der
Arbeitslohn selbst über oder unter seinen Wert steigt oder fällt,
gehört in das Kapitel vom Arbeitslohn, ganz so, wie die Darstel-
lung der besondren Formen (Taglohn, Wochenlohn, Stücklohn, Stun-
denlohn etc.), worin die Verteilung zwischen notwendiger und
Mehrarbeit vor sich gehn, erscheinen kann. Indes kann hier im
allgemeinen bemerkt werden: Würde das Minimum des Arbeitslohns,
die Produktionskosten des Arbeitsvermögens, selbst auf eine nied-
rigre Stufe anhaltend herabgedrückt, so würde damit der Mehrwert
relativ ebensosehr konstant gewachsen sein und daher die Mehrar-
beit, als ob sich die Produktivität der Arbeit vermehrt hätte. Es
ist offenbar dem Resultat nach dasselbe, ob ein Arbeiter von 12
Arbeitsstunden statt bisher 10 nur 8 für sich arbeitet, weil
seine Arbeit produktiver geworden und er d i e s e l b e n Le-
bensmittel in 8 Stunden produzieren könnte, für die er früher 10
brauchte oder ob er künftig s c h l e c h t r e Lebensmittel
erhält, deren Produktion nur 8 Stunden erheischt, während die der
frühern und besseren 10 Stunden erheischte. In beiden Fällen
würde der Kapitalist 2 Stunden Mehrarbeit gewinnen, für das Pro-
dukt von 8 Arbeitsstunden eins von 12 austauschen, während er
früher für das Produkt von 10 Stunden das von 12 eintauschte.
Ferner: Träte kein solches Sinken des Werts des Arbeitsvermögens
selbst ein oder kein Fall, keine konstante Verschlechterung in
der Lebensweise des Arbeiters, so würde ein temporäres Herunter-
drücken des Arbeitslohns unter sein normales Minimum oder, was
dasselbe, ein Fallen des täglichen Preises, des Arbeitsvermögens
unter seinen täglichen Wert temporär - für die Zeit, worin es
stattfände - mit dem obenerwähnten Fall zusammenfallen, nur daß
hier vorübergehend, was dort konstant. Drückt ein Kapitalist den
Arbeitslohn, infolge der Konkurrenz unter den Arbeltern etc., den
Arbeitslohn unter sein Minimum herab, so heißt das in andren Wor-
ten nichts, als daß er von dem Quantum des Arbeitstags das norma-
liter 1*) die notwendige Arbeitszeit, d.h., den dem Arbeiter
selbst zufallenden Teil seiner Arbeitszeit bildet, ein
-----
1*) in der Regel
#184# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
Stück abzieht. Jede Verminderung der notwendigen Arbeitszeit, die
nicht Folge eines Wachstums der Produktivität der Arbeit ist, ist
in der Tat keine Verminderung der notwendigen Arbeitszeit, son-
dern nur Aneignung der notwendigen Arbeitszeit durch das Kapital,
Übergriff über seine Domäne der Mehrarbeit. Erhält der Arbeiter
niedrigren Lohn als den normalen, so ist das dasselbe, daß er das
Produkt von weniger Arbeitszeit erhält als nötig ist zur Repro-
duktion seines Arbeitsvermögens in den normalen Bedingungen, so
daß, wenn 10 Stunden Arbeitszeit dazu erheischt, er nur das Pro-
dukt von 8 erhält, von seiner notwendigen Arbeitszeit von 10
Stunden 2 vom Kapital angeeignet werden. Was den Mehrwert des Ka-
pitalisten angeht, so ist es natürlich für diesen Mehrwert, i. e.
Mehrarbeit, ganz dasselbe, ob er dem Arbeiter die 10 Stunden
zahlt, die er zur normalen Existenz braucht, und ihn 2 Stunden
für das Kapital Mehrarbeit verrichten läßt oder ob er ihn nur 10
Stunden arbeiten läßt und ihm 8 Stunden zahlt, mit denen er nicht
die zu seiner normalen Existenz notwendigen Lebensmittel kaufen
kann. Ein Herabdrücken des Arbeitslohns bei gleichbleibender Pro-
duktivität der Arbeit ist Vermehrung der Mehrarbeit durch gewalt-
samen Abbruch der notwendigen Arbeitszeit durch Ubergriffe auf
ihre Domäne. Es ist klar, daß es für den Kapitalisten dasselbe
ist, ob er für dieselbe Arbeitszeit weniger zahlt oder für das-
selbe Salair den Arbeiter länger arbeiten läßt.}
Zusatz ad e) Insofern in der kapitalistischen Produktion das Ka-
pital den Arbeiter zwingt, über seine notwendige Arbeitszeit hin-
aus zu arbeiten - d.h. über die Arbeitszeit hinaus, die zur Be-
friedigung seiner eignen Lebensbedürfnisse als Arbeiter erheischt
ist 1*) -, schafft, produziert das Kapital, als dies Verhältnis
der Herrschaft der vergangnen Arbeit zur lebendigen Arbeit - die
M e h r a r b e i t und damit den M e h r w e r t. Mehrarbeit
ist Arbeit des Arbeiters, des einzelnen, über die Grenzen seiner
Bedürftigkeit hinaus, Arbeit in der Tat für die Gesellschaft, ob-
gleich der Kapitalist hier zunächst im Namen der Gesellschaft
diese Mehrarbeit einkassiert. Diese Mehrarbeit ist, wie gesagt,
die Basis der freien Zeit der Gesellschaft einerseits, andrer-
seits damit die materielle Basis ihrer ganzen Entwicklung und der
Kultur überhaupt. Insofern es der Zwang des Kapitals ist, das die
große Masse der Gesellschaft zu dieser Arbeit über ihre unmittel-
bare Bedürftigkeit hinaus zwingt, schafft es Kultur, übt es eine
geschichtlich-soziale Funktion aus. Es wird damit die allgemeine
Aufmerksamkeit der Gesellschaft überhaupt über die durch die un-
mittelbar physischen Bedürfnisse der Arbeiter selbst hinaus
erheischte Zeit geschaffen.
Es ist zwar klar, daß alle herrschenden Klassen überall, wo die
Gesellschaft
-----
1*) In der Handschrift: sind
#185# Zusätze
-----
auf einem Klassenantagonismus beruht, so daß auf der einen Seite
die Besitzer der Produktionsbedingungen herrschen, auf der andren
die Besitzlosen, vom Besitz der Produktionsbedingungen Ausge-
schloßnen, arbeiten müssen, durch ihre Arbeit sich und ihre Herr-
scher erhalten müssen - in gewissen Grenzen diesen selben Zwang,
in der Sklaverei z.B. in viel direktrer Form als in der Lohnar-
beit, ausüben und daher die Arbeit ebenso über die Grenzen, die
ihr durch die bloße Naturbedürftigkeit gesetzt sind, hinaus for-
cieren. In allen Zuständen aber, worin der G e b r a u c h s-
w e r t vorherrscht, ist die Arbeitszeit gleichgültiger, soweit
sie nur dahin ausgedehnt wird, außer den Lebensmitteln der
Arbeiter selbst den Herrschenden eine Art patriarchalischen
Reichtums, gewisse Masse Gebrauchswerte, zu liefern. Im Maße
aber, wie der T a u s c h w e r t bestimmendes Element der
Produktion wird, wird die Verlängerung der Arbeitszeit über das
Maß der natürlichen Bedürftigkeit hinaus mehr und mehr
entscheidend. Wo z.B. Sklaverei und Leibeigenschaft bei wenig
handeltreibenden Völkern herrscht, ist an ¦¦108¦ keine Über-
arbeitung zu denken. Sklaverei und Leibeigenschaft nehmen daher
die gehässigste Form bei kommerziellen Völkern an, wie z. B. den
Karthageniensern; noch mehr aber bei Völkern, die sie als Basis
ihrer Produktion in einer Zeitepoche beibehalten, wo ihr Zusam-
menhang mit andren Völkern, bei dann kapitalistischer Produktion;
also z. B. in den südlichen Staaten der amerikanischen Union.
Da in der kapitalistischen Produktion der Tauschwert erst die
ganze Produktion und die ganze Gliederung der Gesellschaft be-
herrscht, so ist der Zwang, den das Kapital der Arbeit anlegt,
über die Grenzen ihrer Bedürftigkeit hinauszugehn, am größten.
Ebenso, da in ihm die n o t w e n d i g e A r b e i t s z e i t
(gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit) die Wertgröße aller
Produkte erst umfassend bestimmt, erreicht unter ihm die Intensi-
vität der Arbeit höhren Grad, indem hier erst die Arbeiter allge-
mein gezwungen werden, zur Produktion eines Gegenstandes nur die
unter den allgemein gesellschaftlichen Produktionsbedingungen
n o t w e n d i g e A r b e i t s z e i t an[zu]wenden. Die
Peitsche des Sklavenhalters kann diese Intensivität nicht in dem-
selben Grad herstellen, wie der Zwang des Kapitalverhältnisses.
Im letzten muß der freie Arbeiter, um seine notwendigen Bedürf-
nisse zu befriedigen, seine Arbeitszeit 1. in n o t w e n -
d i g e A r b e i t s z e i t verwandeln, ihr den allgemein ge-
sellschaftlich (durch die Konkurrenz) bestimmten Grad der Inten-
sivität geben; 2. Mehrarbeit liefern, um die für ihn selbst not-
wendige Arbeitszeit arbeiten zu dürfen (können). Der Sklave dage-
gen hat seine notwendigen Bedürfnisse befriedigt wie das Tier und
es hängt nun von seiner Naturanlage ab, wie weit die Peitsche
usw. ihn veranlaßt, hinreichendes Motiv für ihn ist, Arbeit im
Ersatz für diese Lebensmittel zu geben. Der Arbeiter arbeitet, um
seine Lebensmittel sich selbst zu
#186# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
schaffen, um sein eignes Leben zu gewinnen. Der Sklave wird von
einem andren am Leben erhalten, um von ihm zur Arbeit gezwungen
zu werden.
Das Kapitalverhältnis ist also in dieser Art produktiver - ein-
mal, weil es sich bei ihm um die Arbeitszeit als solche handelt,
um den Tauschwert, nicht um das Produkt als solches oder den Ge-
brauchswert; zweitens, weil der freie Arbeiter seine Lebensbe-
dürfnisse nur befriedigen kann, sofern er seine Arbeit verkauft;
also durch sein eignes Interesse gezwungen ist, nicht durch äuße-
ren Zwang.
Teilung der Arbeit kann überhaupt nur bestehn, wenn jeder Produ-
zent einer Ware mehr Arbeitszeit zur Produktion dieser Ware ver-
wendet, als sein eigner Bedarf an dieser bestimmten Ware
erheischt. Aber daraus folgt noch nicht, daß seine Arbeitszeit
überhaupt über den Kreis seiner Bedürftigkeit hinaus verlängert
wird. Vielmehr wird der Kreis seiner Bedürfnisse - der sich al-
lerdings von vornherein mit der Teilung der Arbeiten, der
Beschäftigungen, ausdehnen wird - das Gesamtquantum seiner Ar-
beitszeit bestimmen. Z. B. ein Landmann, der alle seine Lebens-
mittel selbst produzierte, brauchte nicht den ganzen Tag im Feld
zu arbeiten, aber er müßte z. B. 12 Stunden zwischen Feldarbeit
und verschiednen häuslichen Arbeiten verteilen. Daß er nun seine
ganze Arbeitszeit von 12 Stunden auf die Agrikultur anwendet und
mit dem Überschuß des Produkts dieser 12 Stunden Produkte andrer
Arbeiten austauscht, kauft, ist dasselbe, als wenn er selbst
einen Teil seiner Arbeitszeit auf Agrikultur, einen andren auf
andre Geschäftszweige verwandt hätte. Die 12 Stunden, die er ar-
beitet, sind nach wie vor die zur Befriedigung seiner
e i g n e n B e d ü r f n i s s e erheischte Arbeitszeit und
Arbeitszeit innerhalb der Grenzen seiner natürlichen oder viel-
mehr gesellschaftlichen Bedürftigkeit. Das Kapital treibt aber
über diese naturwüchsigen oder traditionellen Schranken der Ar-
beitszeit hinaus, indem es zugleich die Intensivität der Arbeit
von der gesellschaftlichen Produktionsstufe abhängig macht und so
dem Schlendrian des unabhängigen Selbstproduzenten oder des nur
unter äußerem Zwang arbeitenden Sklaven entzieht. Verfallen alle
Produktionszweige der kapitalistischen Produktion, so folgt aus
dem bloßen allgemeinen Wachstum der Mehrarbeit - der allgemeinen
Arbeitszeit -, daß sich die Teilung der Geschäftszweige, die Ver-
schiedenheit der Arbeiten und der in den Austausch kommenden Wa-
ren vermehren wird. Arbeiten 100 Mann in einem Geschäftszweig so-
viel Zeit, wie früher 110 Mann - bei kürzrer Mehrarbeit oder
kürzrer Dauer der Gesamtarbeit - so können 10 Mann auf einen and-
ren neuen Geschäftszweig geworfen werden, ebenso der Teil des Ka-
pitals, der früher zur Beschäftigung dieser 10 Mann erheischt
war. Das bloße Heraustreten - Verlegen der Arbeitszeit - über
ihre naturwüchsigen oder traditionellen
#187# Zusätze
-----
Schranken hinaus - wird daher zur Anwendung der gesellschaftli-
chen Arbeit in neuen Produktionszweigen führen. Indem
A r b e i t s z e i t frei wird - und die Mehrarbeit schafft
nicht nur f r e i e Z e i t, sie macht Arbeitsvermögen 1*) ,
das in einem Produktionszweig gebunden war, Arbeit überhaupt
f r e i (dies ist der Punkt) für neue Produktionszweige. Es
liegt aber in dem Entwicklungsgesetz der menschlichen Natur, daß,
sobald für die Befriedigung eines Kreises der Bedürfnisse ¦¦109¦
gesorgt ist, n e u e B e d ü r f n i s s e frei werden, ge-
schaffen werden. Indem das Kapital daher die Arbeitszeit über das
zur Befriedigung der Naturbedürftigkeit des Arbeiters bestimmte
Maß hinaustreibt, treibt es zu größerer Teilung der gesellschaft-
lichen Arbeit - der Arbeit im ganzen der Gesellschaft, größerer
Mannigfaltigkeit der Produktion, Erweiterung des Kreises der ge-
sellschaftlichen Bedürfnisse und der Mittel ihrer Befriedigung,
daher auch zur Entwicklung des menschlichen Produktionsvermögens
und damit der Betätigung der menschlichen Anlagen in neuen Rich-
tungen. Wie aber die Surplusarbeitszeit Bedingung der freien
Zeit, so diese Erweiterung des Kreises der Bedürfnisse und der
Mittel ihrer Befriedigung bedingt durch die Fesselung des Arbei-
ters an die notwendigen Lebensbedürfnisse.
Zusatz ad a)
E r s t e n s. In seiner Schrift "Letters on the Factory Act, as
it affects the Cotton Manufacture etc.", London 1837, sagt Nassau
W. Senior: (p. 12, 13.)
"Unter dem gegenwärtigen Gesetz kann keine Fabrik, worin Personen
unter 18 Jahren beschäftigt sind, länger als 11 1/2 Stunden täg-
lich arbeiten, d.h. 12 Stunden während der ersten 5 Tage und 9
Stunden am Sonnabend. Die folgende Analyse zeigt nun, daß in ei-
ner solchen Fabrik der ganze Reingewinn" (Net Profit) "von der
l e t z t e n S t u n d e abgeleitet wird" (herkömmt, is deri-
ved). "Ein Fabrikant legt 100 000 l. St.. aus - 80 000 l. St. in
Fabrikgebäuden und Maschinerie, 20 000 in Rohmaterial und Ar-
beitslohn. Das jährliche Einkommen der Fabrik, vorausgesetzt, das
Gesamtkapital schlage einmal jährlich um und das Gesamteinkommen"
(gross profits) "betrage 15%, muß sich auf Waren zum Wert von
115 000 l. belaufen, reproduziert durch die beständige Verwand-
lung und Rückverwandlung des 20 000 l. zirkulierenden Kapitals
von Geld in Waren und von Waren in Geld, in Perioden etwas länger
als zwei Monaten. Von diesen 115 000 l. produziert jede der 23
halben Arbeitsstunden täglich 5/115 oder 1/23' Von diesen 23/23,
die das Ganze der 115 000 l. konstituieren" (constituting the
whole 115 000 l.), "ersetzen 20/23, d.h. 100 000 l. von den
115 000, nur das Kapital; 1/23 oder 5000 l. von den 15 000"
(Gewinn) "ersetzen die Abnutzung der Fabrik und der Maschinerie.
Die übrigbleibenden 2/23, d.h. die letzten beiden halben Stunden
jeden Tags, produzieren den Reingewinn von 10%. Wenn daher" (bei
gleichbleibenden Preisen) "die Fabrik während 13 Arbeitsstunden
statt 11 1/2 arbeiten dürfte, so würde, mit einer Zulage von un-
gefähr 2600 l. St. zum zirkulierenden Kapital, der Reinprofit
mehr
-----
1*) In der Handschrift: Arbeitszwang
#188# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
als verdoppelt werden. Andrerseits, wenn die Arbeitsstunden täg-
lich um eine Stunde reduziert würden, bei gleichbleibenden Prei-
sen, so würde der Reinprofit zerstört sein, wenn reduziert um V/i
Stunden auch der Grossprofit."
E r s t e n s: Die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der von Senior
angegebnen positiven Daten ist gleichgültig für den Gegenstand
unsrer Untersuchung. Indes mag nebenbei bemerkt werden, daß der
englische Fabrikinspektor Leonard Horner, ein Mann, ebenso ausge-
zeichnet durch gründliche Sachkenntnis wie durch unbestechbare
Wahrheitsliebe, die Falschheit jener Angaben bewiesen hat, welche
Herr Senior als getreues Echo der Manchester Fabrikanten 1837
aufstellte. (Siehe Leonard Horner, "A Letter to Mr. Senior etc.",
London 1837.)
Z w e i t e n s: Das Zitat aus Senior ist charakteristisch für
die Verdummung, der die Ausleger der Wissenschaft rettungslos an-
heimfallen, sobald sie sich zu Sykophanten einer herrschenden
Klasse herabwürdigen. Senior schrieb die zitierte Schrift im In-
teresse der Baumwollfabrikanten und hatte sich vor ihrer Abfas-
sung eigens nach Manchester begeben, um von den Fabrikanten
selbst das Material zu seiner Schrift zu erhalten. In dem Zitat
begeht Senior, Professor der politischen Ökonomie zu Oxford und
einer der namhaftesten jetzt lebenden englischen Ökonomen, grobe
Schnitzer, die er keinem seiner Schüler verzeihen würde. Er
stellt die Behauptung auf, daß die jährliche Arbeit in einer
Baumwollfabrik oder, was dasselbe ist, die Arbeit von 11 1/2
[Stunden], tagaus, tagein während des Jahrs, außer dem von ihr
selbst dem Rohmaterial, der Baumwolle, vermittelst der Maschine-
rie ¦¦110¦ zugefügten Arbeitszeit oder Werts auch noch den Wert
des im Produkt enthaltnen Rohmaterials und den Wert der in der
Produktion aufgenutzten Maschinerie und Fabrikgebäude schafft.
Danach würden in einer Baumwollspinnerei z.B. die Arbeiter außer
der Spinnarbeit (d.h. dem Wert) - gleichzeitig während ihrer
11 1/2 stündigen Arbeitszeit die Baumwolle produzieren, die sie
bearbeiten, dito die Maschine, womit sie die Baumwolle bearbeiten
und das Fabrikgebäude, worin dieser Prozeß vorgeht. Nur in diesem
Falle könnte Herr Senior sagen, daß die 23/2 1*) täglichen Ar-
beitsstunden während des ganzen Jahres die 115 000 £ konstituie-
ren, d.h. den Wert des jährlichen Gesamtprodukts. Senior rechnet
so: Die Arbeiter arbeiten während des Tags so viel Stunden, um
den Wert der Baumwolle zu "ersetzen", also zu schaffen, so viel
Stunden, um den Wert des abgenutzten Teils der Maschinerie und
Fabriken zu "ersetzen", so viel Stunden, um ihren eignen Arbeits-
lohn und so viel Stunden, um den Profit zu produzieren. Diese
kindisch-alberne Vorstellung, wonach der Arbeiter außer seiner
eignen Arbeitszeit auch noch die im Rohmaterial, das er bearbei-
tet,
-----
1*) In der Handschrift: 23
#189# Zusätze
-----
und der Maschinerie, die er anwendet, enthaltne Arbeitszeit
gleichzeitig arbeitet, also Rohmaterial und Maschinerie z u r
s e l b e n Z e i t produziert, wo sie als fertige Produkte die
Bedingungen seiner Arbeit bilden, erklärt sich daraus, daß Se-
nior, ganz unter der Herrschaft der ihm von den Fabrikanten er-
teilten Lektionen, eine praktische Rechnungsweise derselben ver-
ballhornt, die zwar auch theoretisch ganz richtig, aber einer-
seits bei dem Verhältnis, weis Senior zu betrachten vorgibt, näm-
lich dem von Arbeitszeit und Gewinn, ganz gleichgültig ist, die
andrerseits leicht die abgeschmackte Vorstellung erzeugt, daß der
Arbeiter nicht nur den Wert, den er seinen Arbeitsbedingungen zu-
setzt, sondern auch den Wert dieser Arbeitsbedingungen selbst
produziert.
Jene praktische Rechnung ist diese. Nehmen wir an, der Wert des
Gesamtprodukts, sage einer 12stündigen Arbeitszeit, bestehe z.B.
zu 1/3 aus dem Wert des Arbeitsmaterials, also Baumwolle z.B.,
1/3 der Arbeitsmittel, Maschinerie z.B., und 1/3, der neu zuge-
fügten Arbeit, z.B. dem Spinnen. Das Zahlenverhältnis hier ist
gleichgültig. Es ist immer irgendein bestimmtes Verhältnis anzu-
nehmen. Gesetzt, der Wert dieses Produkts sei gleich 3 £ St. So
kann der Fabrikant rechnen: Der Wert des Produkts von 1/3 der
täglichen oder von 4 Stunden Arbeitszeit ist gleich dem Wert der
Baumwolle, die ich für die 12 Stunden brauche oder die im Gesamt-
produkt verarbeitet ist. Der Wert des Produkts des zweiten 1/3
der täglichen Arbeitszeit ist gleich dem Wert der Maschinerie,
die ich während 12 Stunden abnutze. Endlich der Wert des Produkts
des dritten 1/3 der täglichen Arbeitszeit ist gleich dem Arbeits-
lohn plus dem Profit. Er kann also sagen, daß ihm das 1/3 der
täglichen Arbeitszeit den Wert der Baumwolle, das zweite 1/3 den
Wert der Maschinerie ersetze, endlich das dritte 1/3 den Arbeits-
lohn und den Profit bilde. Dies heißt in der Tat aber nichts an-
dres, als das die ganze tägliche Arbeitszeit einerseits dem unab-
hängig von ihr vorhandnen Wert der Baumwolle und der Maschinerie
nichts hinzufügt als sich selbst, als den Wert, der einerseits
den Arbeitslohn, andrerseits den Profit bildet. Nämlich der Wert
des Produkts des ersten Drittens des Tags oder der ersten 4 Stun-
den ist gleich 1/3 des Werts des Gesamtprodukts von 12 Arbeits-
stunden. Der Wert des Produkts dieser ersten 4 Stunden ist gleich
1 l., wenn der Wert des 12stündigen Gesamtprodukts = 3 l. Von dem
Wert dieses 1 l. bestehn aber 2/3, also 13 1/3 Shilling aus dem
vorhandnen Wert von Baumwolle und Maschinerie (nach der Voraus-
setzung). Neuer Wert hinzugekommen ist nur 1/3 oder der Wert von
6 2/3 sh, von 4 Arbeitsstunden. Der Wert des P r o d u k t s
des ersten 1/3 des Arbeitstags ist = 1 l., weil in diesem Produkt
2/3 oder 13 1/3 sh aus den vorausgesetzten und im Produkt nur
wiedererscheinenden Werten des Rohmaterials und der aufgenutzten
Maschinerie bestehn. Wert geschaffen hat die Arbeit in den 4
Stunden nur 6 2/3 und schafft
#190# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
daher in den 12 Stunden nur 20 sh oder 1 l. Wert. Der Wert des
P r o d u k t s der 4stündigen Arbeit ist eben ein ganz andres
Ding als der neugeschaffne Wert, der neu z u g e s e t z t e n
A r b e i t, der Spinnarbeit, die nach der Voraussetzung die
vorhandnen Werte nur um '/3 vermehrt. Die Spinnarbeit verarbeitet
in den 4 ersten Stunden nicht das Rohmaterial von 12 Stunden,
sondern das von 4. Wenn der Wert des Gespinsts von 4 Stunden aber
gleich ist dem Wert der während 12 Stunden verarbeiteten Baum-
wolle, so rührt das nur daher, weil nach der Voraussetzung der
Wert der Baumwolle 1/3 des Werts des Gespinsts jeder einzelnen
Stunde bildete, also auch 1/3 des Werts des in 12 Stunden pro-
duzierten Gespinsts, i.e., gleich ist dem Wert des in 4 Stunden
produzierten Gespinsts. Der Fabrikant könnte auch rechnen, daß
ihm das Produkt der 12stündigen Arbeit den Wert der Baumwolle für
3 Tage ersetzt und würde damit ebensowenig das Verhältnis selbst
berühren, um das es sich handelte.
Für den Fabrikanten hat die Rechnung praktischen Wert. Auf der
Produktionsstufe, auf der er arbeitet, muß er soviel Baumwolle
verarbeiten, als erheischt ist, um ein bestimmtes Quantum Ar-
beitszeit zu absorbieren. Wenn die Baumwolle im Wert des Gesamt-
produkts von 12 Stunden ¦¦111¦ 1/3 bildet, so bildet das Produkt
von 73 des Gesamtarbeitstags von 12 Stunden oder von 4 Stunden
den Wert der während 12 Stunden verarbeiteten Baumwolle. Man
sieht, wie wichtig, es festzuhalten, daß in einem bestimmten
Produktionsprozeß, also z.B. der Spinnerei, der Arbeiter keinen
Wert schafft außer dem durch seine eigne Arbeitszeit (hier das
Spinnen) gemeßnen, von welcher Arbeitszeit ein Teil das Salair
ersetzt, der andre den dem Kapitalist zufallenden Mehrwert bil-
det.
(In der Tat p r o d u z i e r e n oder r e p r o d u z i e-
r e n die Arbeiter keinen Partikel weder vom Wert des Rohstoffs
noch von dem der Maschinerie usw. Dem Wert des Rohstoffs und dem
Wert der in der Produktion konsumierten Maschinerie fügen sie
nichts hinzu als ihre eigne Arbeit, und diese ist der neuge-
schaffne Wert, wovon ein Teil gleich ihrem eignen Salair und der
andre gleich dem Mehrwert, den der Kapitalist erhält. Das ganze
Produkt - soll die Produktion fortdauern - ist daher auch nicht
teilbar zwischen Kapitalist und Arbeiter, sondern bloß das
Produkt minus dem Wert des in ihm avancierten 1*) Kapitals. Keine
Stunde der Arbeit ist gewidmet dem "Ersetzen" des Kapitals im
Sinne Seniors, so daß die Arbeit doppelt produzierte, ihren
eignen Wert und den ihres Materials etc. Seniors Behauptung läuft
nur darauf hinaus, daß von den 11 1/2 Stunden, die der Arbeiter
arbeitet, 10 1/2 sein Salair und nur 2/2 oder 1 Stunde seine
Surplusarbeitszeit bilden.)
D r i t t e n s: Die ganz unwissenschaftliche Behandlung des
Herrn Senior, daß
-----
1*) vorgeschoßnen
#191#
-----
Seite 111 aus Heft III
#192#
-----
#193# Zusätze
-----
er das, worauf es ankam, nämlich das im Salair ausgelegte Kapi-
tal, gar nicht spezialisiert, sondern mit dem für Rohmaterial
ausgelegten zusammenwirft. Indessen, wenn das von ihm gegebne
Verhältnis richtig wäre, so würden von den 11 1/2 Stunden oder 23
halben Stunden die Arbeiter 21 halbe Stunden für sich arbeiten
und nur 2 halbe Stunden 1*) Mehrarbeit dem Kapitalisten liefern.
Die Mehrarbeit verhielte sich danach zur notwendigen = 2 : 21 = 1
: 10 1/2; d.h. also 9 11/21 2*) Prozent, und dies soll 10% Pro-
fit auf das ganze Kapital geben! Das Sonderbarste, was seine
gänzliche Unwissenheit über die Natur des Mehrwerts zeigt: Er
nimmt an, daß von den 23 3*) halben Stunden oder 11 1/2 Stunden
nur 1 Stunde die Mehrarbeit, also den Mehrwert, bildet und wun-
dert sich daher darüber, daß, wenn die Arbeiter zu dieser 1
Stunde Mehrarbeit noch 1 1/2 Stunden Mehrarbeit zufügen würden,
statt 2 halbe Stunden 5 halbe Stunden (also im ganzen 13 Stunden)
arbeiten würden, der Reingewinn um m e h r a l s d a s
D o p p e l t e wachsen würde. Ebenso naiv ist die Entdeckung,
daß unter der Voraussetzung, daß die ganze Mehrarbeit oder Mehr-
wert gleich einer Stunde, der ganze Reinprofit wegfallen würde,
sobald die Arbeitszeit um diese eine Stunde reduziert, also über-
haupt keine Mehrarbeit gearbeitet würde. Man sieht auf der einen
Seite das Erstaunen über die Entdeckung, daß der Mehrwert, also
auch der Gewinn, sich in bloße Mehrarbeit auflöst, anderseits
zugleich das Nichtbegreifen dieses Verhältnisses, was Herrn Se-
nior nur als Kuriosum in der Baumwollfabrikation, unter dem Ein-
fluß der Fabrikanten, aufgefallen ist.
Z w e i t e n s. Das Geld, das der Arbeiter als Arbeitslohn er-
hält, stellt die Arbeitszeit dar, die in den zur Befriedigung
seiner Lebensbedürfnisse erforderlichen Waren vorhanden ist. Der
Mehrwert entsteht dadurch, daß der Arbeiter 4*) im Austausch für
diese Waren mehr Arbeitszeit zurückgibt, als in ihnen enthalten
ist, mehr lebendige Arbeit für ein bestimmtes Quantum vergegen-
ständlichter Arbeit. Er kauft diese Waren, deren Umkreis sein Sa-
lair bildet, also mit mehr Arbeit als zu ihrer Produktion
erheischt ist.
"Welche Quantität Arbeit für die Erzeugung einer Ware auch immer
notwendig sein mag, der Arbeiter muß stets, beim gegenwärtigen
Zustand der Gesellschaft, viel mehr Arbeit hingeben, um sie zu
erwerben und zu besitzen, als erforderlich ist, sie von der Natur
zu kaufen. Der für den Arbeiter so erhöhte natürliche Preis ist
der soziale Preis." ([p.] 220, Th. Hodgskin, "Pop[ular] Pol.
Econ.", London 1827.)
-----
1*) In der Handschrift: 23/23 halben Stunden, die Arbeiter 21/23
halbe Stunden für sich arbeiten und nur 2/23 Stunden - 2*) in der
Handschrift: 9 11/29 - 3*) in der Handschrift: die Arbeit -
4*) in der Handschrift: die Arbeit
#194# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
"Brotherton, selbst ein Fabrikant, erklärte im House of Commons,
daß die Fabrikanten Hunderte von Pfunden ihren Gewinnen wöchent-
lich zusetzen würden, könnten sie ihre Arbeiter" (ihre men,
Leute) "bewegen, täglich nur eine Stunde länger zu arbeiten."
(Ramsay, l.c., p. 102.)
"Wo keine surpluslabour 1*) ist, kann kein surplusproduce 2*)
sein, daher kein Kapital." ([p.] 4, "The source and the remedy of
the National Difficulties etc.", London 1821.)
¦¦112¦ "Welche Kapitalmenge in einem bestimmten Moment investiert
werden kann, sei es in einem gegebenen Land oder in der Welt, so
daß es nicht weniger als e i n e g e g e b e n e P r o f i t-
r a t e bringt, scheint prinzipiell vom A r b e i t s q u a n-
t u m abzuhängen, zu dessen Bewältigung durch Anlage dieses Ka-
pitals die derzeit vorhandene Anzahl menschlicher Wesen veranlaßt
werden kann." ([p.] 20, "An Inquiry into those Prineiples respec-
ting the Nature of Demand etc., lately advocated by Mr. Malthus",
London 1821.)
Zu p. 106, 107:
"Wenn der Arbeiter dahin gebracht werden kann, sich von Kartof-
feln zu nähren statt von Brot, so ist es unbestreitbar richtig,
daß mehr aus seiner Arbeit herausgeschlagen werden kann, d. h.,
wenn er, um von Brot zu leben, genötigt war, für seine Erhaltung
und die seiner Familie die Arbeit des Montags und Dienstags für
sich zu behalten, so wird er bei Kartoffelnahrung nur die Hälfte
des Montags für sich erhalten; und die andere Hälfte des Montags
und der ganze Dienstag werden freigesetzt entweder für den Nutzen
des Staats oder für den Kapitalisten." ([p.] 26, "The Source and
Remedy of the Nation. Diff.", Lond[on] 1821.)
"Was auch dem Kapitalisten z u k o m m e n möge, er k a n n
i m m e r n u r die Mehrarbeit des Arbeiters a n e i g n e n,
denn der Arbeiter m u ß l e b e n. Aber es ist die volle Wahr-
heit: Wenn das Kapital nicht an Wert abnimmt im Verhältnis, wie
es an Masse zunimmt, so werden die Kapitalisten den Arbeitern das
Produkt jeder Arbeitsstunde abpressen über das hinaus, wovon der
Arbeiter leben kann: Und so abscheulich und entsetzlich es schei-
nen mag, der Kapitalist mag schließlich imstande sein, auf die
Lebensmittel zu spekulieren, deren Produktion am wenigsten Arbeit
machen und schließlich dem Arbeiter sagen: 'Du sollst kein Brot
essen, denn Gerstengrütze ist billiger. Du sollst kein Fleisch
essen, denn man kann von Runkelrüben und Kartoffeln leben.'"
([p.] 23/24, l.c.)
Zusatz ad e) p. 107.
"Reichtum ist verfügbare Zeit und sonst nichts." (p. 6, "The
Source and Rem. etc.".)
In der kapitalistischen Produktion wird die Arbeit des Arbeiters
viel größer als bei dem s e l b s t ä n d i g e n A r b e i-
t e r, weil ihr Verhältnis durchaus nicht bestimmt ist durch das
Verhältnis seiner Arbeit zu s e i n e m B e d ü r f n i s,
sondern durch das unbeschränkte, schrankenlose Bedürfnis des
Kapitals für Surplusarbeit.
-----
1*) Mehrarbeit 2*) Mehrprodukt
#195# Zusätze
-----
"Die Arbeit, z.B. des Landmanns, wird schon deswegen viel mehr
betragen, weil sie sich nicht mehr nach den bestimmten Bedürfnis-
sen des Landmanns richtet." (p. 90, Büsch,]. G., "Abhandlung von
dem Geldumlauf ...", T. 1, Hamburg und Kiel 1800. [73])
ad e) p. 104.
Das Verhältnis, was den Arbeiter zwingt zur Mehrarbeit, ist das
Dasein seiner Arbeitsbedingungen ihm gegenüber als Kapital. Es
wird ihm kein äußerer Zwang angetan, aber um zu leben - in einer
Welt, wo die Ware durch ihren Wert bestimmt ist - ist er gezwun-
gen, sein Arbeitsvermögen als Ware zu verkaufen, wogegen die Ver-
wertung dieses Arbeitsvermögens über seinen eignen Wert hinaus
dem Kapital zufällt. So schafft seine Mehrarbeit, wie sie die
Mannigfaltigkeit der Produktion vermehrt, die f r e i e Z e i t
für andre. Die Ökonomen lieben es, dies Verhältnis als
N a t u r v e r h ä l t n i s oder g ö t t l i c h e E i n-
r i c h t u n g a u f z u f a s s e n. Was die durch das
Kapital hervorgebrachte Arbeitsamkeit angeht:
"Gesetzlicher Zwang" (zur Arbeit) "ist begleitet von zuviel Un-
ruhe, Gewalttätigkeit und Lärm, schafft Übelwollen usw., wohinge-
gen H u n g e r nicht nur ein friedfertiger, stummer, unabläs-
siger Druck ist, sondern fordert als natürlicher Beweggrund für
Fleiß und Arbeit die wirksamsten Anstrengungen heraus." ([p.] 15,
"A Dissertation on the Poor Laws". By a Wellwisher to mankind,
1786 (The Rever. Mr. J. Townsend), republished London 1817.)
Da das Kapitalverhältnis voraussetzt, daß der Arbeiter zum Ver-
kauf seines Arbeitsvermögens gezwungen ist, also wesentlich nur
sein Arbeitsvermögen selbst zu verkaufen hat, sagt Townsend:
"Es scheint e i n N a t u r g e s e t z, daß die Armen zu ei-
nem gewissen Grad leichtsinnig sind, so daß stets welche da sind
zur Erfüllung der niedrigsten, schmutzigsten und gemeinsten Funk-
tionen des Gemeinwesens. Der Fonds von menschlichem Glück wird
dadurch sehr vermehrt. Die Delikateren sind dadurch befreit von
Plackerei und können höheren Berufungen usw. ungestört nachge-
hen." ([p.] 39, l.c.) "Das Armengesetz hat die Tendenz, die Har-
monie und Schönheit, die Symmetrie und Ordnung dieses Systems,
welches Gott und die Natur in der Welt errichtet haben, zu zer-
stören." (p. 41 1*).)
Dieser Pfaffe Townsend ist zwar nicht der eigentliche Entdecker
der sog. Populationstheorie, gab ihr aber zuerst die Form, worin
Malthus sie sich aneignete und großes literarisches Kapital damit
macht. Sonderbar ist es, daß mit Ausnahme des venezianischen Mön-
ches Ortes ("Della Economia Nazionale", libri sei 1774, viel
geistreicher als Malthus) hauptsächlich Pfaffen der englischen
Kirche mit dem "urgent appetite" und den "checks which
-----
1*) In der Handschrift: p. 39 seqq.
#196# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
tend to blunt the shafts of Cupid" 1*) (wie Townsend [74] sagt),
gerungen haben. Im Gegensatz zu dem katholischen Aberglauben
(superstition 2*) sagt Townsend) nahmen sie das "Seid fruchtbar
und mehret euch" [75] für die Geistlichkeit selbst in Anspruch,
während sie das Zölibat der arbeitenden Klasse predigten.
"Gott hat es gefügt, daß die Menschen, die die nützlichsten Be-
rufe ausüben, überreichlich geboren werden." (p. 78, Galiani,
"Della Moneta", t. III, bei Custodi.)
Der Fortschritt des nationalen Reichtums, sagt Storch,
"erzeugt jene n ü t z l i c h e Klasse der Gesellschaft ...
welche die langweiligsten, gemeinsten und ekelhaftesten Beschäf-
tigungen ausübt, in einem Wort, alles, was das Leben Unangenehmes
und Knechtendes hat, auf ihre Schultern nimmt und ebendadurch den
anderen Klassen die Z e i t, die Heiterkeit des Geistes und die
konventionelle Charakterwürde verschafft, die sie brauchen, um
sich erfolgreich ihren höheren Aufgaben zu widmen." ("Cours d'Éc.
Pol.", éd. Say (p. 223), t. III, Paris 1823.) "Unsere Zone erfor-
dert Arbeit zur Befriedigung der Bedürfnisse, und d e s h a l b
muß wenigstens e i n T e i l der Gesellschaft u n e r-
m ü d l i c h a r b e i t e n ...". (Sir Morton Eden, "The State
of the Poor, or an History of the Labouring Classes in England
from the Conquest to the present period etc.", London 1797, vol.
I, book I, ch. I.)
ad d) p. 102. Dies Gesetz schließt nur ein, daß bei gleichblei-
bender Produktivität der Arbeit und gegebnem Normaltag die Masse
des Mehrwerts mit der Masse der gleichzeitig angewandten Arbeiter
wächst. Es folgt daraus nicht, daß in allen Produktionszweigen
(z. B. der Agrikultur) die Produktivität der Arbeit dieselbe
bleibt im Maße, wie größre Quantität der Arbeit angewandt wird.
(Dies in Note zu setzen.)
Es folgt, daß bei übrigens gleichbleibenden Bedingungen der
Reichtum eines Landes, auf der Basis der kapitalistischen Produk-
tion, von der Masse des Proletariats, des auf Lohnarbeit angewie-
senen Teils der Bevölkerung, abhängt.
"Je mehr Sklaven ein Herr hat, umso reicher ist er; daraus folgt,
daß bei gleicher Unterdrückung der Massen ein Land umso reicher
ist, je mehr Proletarier es hat." ([p.] 331, t. III, Colins,
"L'Économie Politique, Sources des Révolutions et des Utopies
prétendues Socialistes", Paris 1857.)
Zusatz ad a) Illustration zum Mehrwert.
Nach Jacob im Jahr 1815 als Weizenpreis per Quarter 80 sh und das
Durchschnittsprodukt des acre 22 bushels (jetzt 32) per acre,
also Durchschnittsprodukt des acre 11 /. Er berechnet, daß das
Stroh die Ausgaben des
-----
1*) "starken Verlangen" und den "Hemmungen, die dazu beitragen,
Amors Pfeile stumpf zu machen" - 2*) Abgötterei
#197# Zusätze
-----
Einherbstens, Dreschens und Bringens auf den Verkaufsplatz zahlt.
Rechnet dann die items 1*) wie folgt:
In dieser Kolumne stellt die
£ sh £ sh rechte Seite, Steuern, Abga-
ben, Rente, Pächters Profit
Samen Zehnten, und Zins nur den Gesamtmehr-
(Weizen) 1 9 Rates und wert dar 4*), den der Päch-
Taxes 2*) 1 1 ter erhält (der Kapitalist),
aber Teile, wovon der unter
Dünger 2 10 Rent 3*) 1 8 verschiednen Namen und Ti-
----- teln an Staat, Landlord etc.
3 19 abgibt. Der Gesamtwert also
= 3 l. 11 sh. Das konstante
Arbeits- Pächters Kapital (Samen und Dünger)
lohn 3 10 Profit und = 3 l. 19 sh. Das gegen Ar-
Zins 1 2 beit ausgelegte 3l. 10. [76]
----- -----
7 9 3 11
Dieser ¦¦114¦ letztre Teil des Kapitals, der variable, ist allein
zu betrachten, wenn es sich um den Mehrwert und das Verhältnis
des Mehrwerts handelt. Also im vorliegenden Fall verhält sich
Mehrwert zu dem im Arbeitslohn ausgelegten Kapital oder ist die
Rate, worin sich das im Arbeitslohn ausgelegte Kapital vermehrt,
das Verhältnis von 3 l 11 sh zu 3 l 10 sh. Das gegen Arbeit aus-
gelegte Kapital von 3 l 10 reproduziert sich als ein Kapital von
7 l. 1 sh. Davon stellen 3 l. 10 nur den Ersatz des Arbeitslohns
vor, dagegen 3 l. 11 sh den Mehrwert, der also über 100 % be-
trägt. Danach würde die notwendige Arbeitszeit nicht ganz so groß
wie die Surplusarbeit, ungefähr in ihr gleich sein, so daß von
dem normalen Arbeitstag von 12 Stunden 6 dem Kapitalisten gehören
(eingeschlossen die verschiednen Mitteilnehmer an diesem Mehr-
wert). Es kann nun zwar der Fall sein, daß z. B. dieser Preis des
Quarters Weizen von 80 sh über seinem Wert stand, also ein Teil
seines Preises daher rührt, daß andre Waren unter ihrem Wert ge-
gen Weizen verkauft wurden. Aber erstens handelt es sich nur
darum klarzumachen, wie man überhaupt den Mehrwert und daher die
Rate des Mehrwerts zu verstehn hat. Andrerseits, wenn der Markt-
preis eines Scheffels Weizen etwa 10 sh über seinem Wert steht,
so kann das den Mehrwert, den der Pächter erhält, nur vergrößern,
insofern er dem Ackerbauarbeiter seine Arbeit, die sich über ih-
ren Normalwert erhoben hat, nicht zu diesem Überschuß über den
Normalwert zahle.
-----
1*) Einzelposten - 2*) Abgaben und Steuern - 3*) Grundrente
4*) In der handschrift: ab
#198# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
Nehmen wir ein andres Beispiel aus der modernen englischen Agri-
kultur, und zwar folgende Real Bill eines high formed estate 1*):
Jährliche Ausgaben in Einnahmen In diesem Beispiel also
der Produktion selbst: und Abgaben beträgt das variable oder
des Pächters gegen lebendige Arbeit
£ £ ausgetauschte Kapital
1690 l. St. Es reprodu-
Dünger 686 Rent 843 ziert sich in 1690 + 1481
Samen 150 Taxe 150 = 3171 l. St. Der Mehrwert
Viehfutter 100 Zehnten (fehlen) 1481 l., das Verhältnis
Verluste, Profit 488 von Mehrwert zum Teil des
Zahlungen an ---------- Kapitals, aus dem er ent-
Gewerbsleute springt, = 1481/1690 2*)
usw. 453 oder etwas mehr als 87
---- ---------- Prozent.
1389 1481
Arbeitslohn 1690 (Newman, F.W., "Lec-
tures in Polit. Econ.",
---- London 1851,
3079 p. 166 [, 1679.)
{"Die unauslöschliche Leidenschaft für Gewinn, die auri sacri fa-
mes [77], bestimmt stets die Kapitalisten." (p. 163, McCulloch,
"The Principles of Political Economy", London 1825.)}
ad e) p. 104.
"Eben weil der eine arbeitet, muß der andere sich ausruhen."
(Sismondi, "N[ouveaux] Princ. d'Éc[onomiel P[olitique]", t. I, p.
16/77.)
ad e) p. 107. Die Mehrarbeit mit der Vervielfältigung der Pro-
dukte bedingt die L u x u s p r o d u k t i o n, daß ein Teil
der Produktion sich auf Produktion von Luxusprodukten wirft oder,
was dasselbe ist, sich gegen dieselbe austauscht (durch auswärti-
gen Handel).
"Sobald ein Überschuß" (des Produkts) "an Produkten vorhanden
ist, muß die überflüssige Arbeit Luxusartikeln gewidmet werden.
Der Verbrauch an Gegenständen zur Befriedigung der Grundbedürf-
nisse ist begrenzt, der von Luxusartikeln ist grenzenlos." (p.
78, Sism., 1.1, "N[ouveaux] P[rincipes] etc.".) "Der Luxus ist
nur möglich, wenn man ihn mit f r e m d e r A r b e i t kauft;
die ununterbrochene Arbeit ohne Pause ist nur möglich, wenn sie
nicht belanglose Nichtigkeiten, sondern lediglich das Lebensnot-
wendige beschaffen kann." (p. 79, l.c.)
-----
1*) Unverfälschte Rechnung eines hoch entwickelten Gutes
2*) In der Handschrift: 1690/1481
#199#
-----
S. 113 aus Heft III
#200#
-----
#201# Zusätze
-----
{Die N a c h f r a g e d e r A r b e i t e r für Kapital ist
daher die einzige, deren der Kapitalist bedarf, d. h., es dreht
sich alles für ihn um das Verhältnis, worin lebendige Arbeit für
vergegenständlichte sich anbietet.
"Was die Nachfrage seitens der Arbeit anbelangt, das heißt entwe-
der Austausch von Arbeit ¦¦115¦ gegen Waren oder, wenn man vor-
zieht, es auf andere Art zu betrachten, was aber auf dasselbe
herauskommt, Austausch gegenwärtiger f e r t i g e r P r o-
d u k t e gegen einen künftigen und h i n z u k o m m e n d e n
n e u e n W e r t ..., übertragen auf gewisse Materialteile, die
dem Arbeiter anvertraut waren. Das ist die wirkliche Nachfrage,
deren Vermehrung für die Produzenten wesentlich ist, insoweit,
als i r g e n d e i n e Nachfrage erwünscht ist, unabhängig von
dem, was Waren einander zuführen, wenn vergrößert." ([p.] 57, "An
Inquiry into those Principles respecting the Nature of Demand and
the Necessity of Consumption etc.", London 1821.)}
Wenn James Mill z. B. sagt:
"Um es einem bedeutenden Teil des Gemeinwesens zu ermöglichen,
die Vorzüge der M u ß e zu genießen, muß der Kapitalgewinn of-
fensichtlich groß sein." (p. 50, James Mill, "Elements] of Pol.
Ec.", London 1821),
so heißt das auch nichts als: Damit viele Muße haben, muß der
Lohnarbeiter viel schanzen, oder die freie Zeit des einen Teils
hängt ab von dem Verhältnis der Surplusarbeitszeit zur notwendi-
gen Arbeitszeit des Arbeiters.
Die Aufgabe des Kapitalisten ist es,
"mit dem verausgabten Kapital" (dem gegen lebendige Arbeit ausge-
tauschten Kapital) "die größtmögliche Summe Arbeit herauszuschla-
gen", (p. 62, J.G. Courcelle-Seneuil, "Traité théorique et prati-
que des Entreprises industrielles etc. ", Paris 1857, 2. édit.)
Daß die Verwertung des Kapitals, dem Mehrwert, den es über seinen
eignen Wert hinaus produziert, also seine produktive Macht, in
der Mehrarbeit besteht, die es sich aneignet, sagt J. St. Mill
z.B.
"K a p i t a l genau zu sprechen, hat k e i n e p r o d u k-
t i v e M a c h t. Die einzige produktive Macht ist die der
Arbeit, assistiert zweifelsohne von tools und acting upon mate-
rials 1*) ... Die p r o d u k t i v e M a c h t d e s
K a p i t a l s ist nichts als die Quantität der realen produk-
tiven Macht" (Arbeit), "welche der Kapitalist, vermittelst seines
Kapitals, kommandieren kann." (J. St. Mill, "Essays on some un-
settled questions of Pol. Economy", Lond[on] 1844, p. 90, 91.)
ad a) Daß bei der Reproduktion des Kapitals und seiner Vermehrung
der Wert des Rohmaterials und Maschinerie als solcher - überhaupt
für den Produktionsprozeß gleichgültig, ist klar. Nimm Rohmate-
rial, z.B. Flachs. Wieviel Arbeit der Flachs einsaugen kann, um
sich z.B. in Leinen zu verwandeln, hängt, wenn die Produktions-
stufe, bestimmter Grad der technologischen Entwicklung, gegeben
ist, nicht von seinem W e r t, sondern von seiner
Q u a n t i t ä t
-----
1*) Werkzeugen und auf Maschinerie einwirkend
#202# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
ab, ebenso wie die Assistenz, die eine Maschine 100 Arbeitern
leistet, nicht von ihrem Preis, sondern von ihrem Gebrauchswert
abhängt.
ad p. 114) Oder nehmen wir ein andres Beispiel. Symons, (J.C.,)
"Arts and Artisans at Home and Abroad", Edinburgh] 1839 [,p.
223], gibt z. B. folgende Berechnung für einen Glasgow mechani-
schen Weber mit 500 looms, calculated to weave a good fabric of
calico or shirting, such as is generally made in Glasgow 1*).
Kosten der Errichtung der Fabrik, und Maschinerie £ 18 000
Jährliches Produkt, 150 000 Stück zu 24 Yards zu 6 sh £ 45 000
Zins auf das Capital fixe und für die In diesem Fall
depreciation of value 2*) der Maschinerie 1 800, beträgt Zins
wovon wir 900 (5 Prozent) für und Profit
den Zins rechnen wollen. 1700+900=2600.
Dampfmaschine, Öl, Talg, Ausbesserung Der gegen Ar-
der Maschinerie etc 2 000 beit ausgeleg-
Yarns and flax 3*) 32 000 te, sich repro-
Arbeitslohn 7 500 zierende und
Profit 1 700 vermehrende
------ Teil des Kapi-
45 000 tals 7500 l.
Mehrwert=2600;
Rate desselben
also: beinahe
33 Prozent.
¦¦116¦ ad ) 99)
R. Jones in seinem "Essay on the Distribution of Wealth", London
1831, betrachtet mit Recht die Fronarbeit, oder was er labour
rent (Arbeitsrente) nennt, als die ursprünglichste Form der
Rente, die man hier nur als eine bestimmte Form des Mehrwerts zu
betrachten hat, der dem Landeigentümer zufällt. [78] Es ist also
eine Form, worin die Landarbeiter einen Teil des Grund und Bodens
besitzen, den sie zu ihrem eignen Unterhalt bebauen. Die Ar-
beitszeit, die sie hierauf verwenden, entspricht der notwendigen
Arbeitszeit, wodurch der Lohnarbeiter sein eignes Salair ersetzt.
Während aber z.B. der moderne Ackerbautaglöhner auf demselben
Grund und Boden (dem vom Pächter gemieteten) seine ganze Arbeits-
zeit realisiert - sowohl den Teil desselben, der seinen Lohn er-
setzt, als den Teil, der den Mehrwert bildet - ebenso wie der Fa-
brikarbeiter dieselbe Maschinerie zur Verwirklichung seiner not-
wendigen und seiner Mehrarbeit anwendet - findet hier nicht nur
Teilung
-----
1*) Webstühlen, geeignet, ein gutes Kattungewebe oder Hemdenstoff
zu weben, wie es gewöhnlich in Glasgow hergestellt wird -
2*) Abschreibung des Werts - 3*) Garn und Flachs
#203# Zusätze
-----
der Zeit statt (und viel handgreiflicher, als in der Lohnarbeit),
sondern auch Teilung der Produktionsbedingungen (der Produktions-
sphäre), worauf diese Arbeitszeit realisiert wird.
Z.B. gewisse Tage in der Woche bearbeitet der Fronarbeiter sein
ihm zum Besitz angewiesnes Feld. Andre Tage arbeitet er auf dem
herrschaftlichen Gut und für den Grundeigentümer. Diese Form der
Arbeit hat das mit Lohnarbeit gemein, daß, was der Arbeiter dem
Eigentümer der Produktionsbedingungen gibt, nicht, wie in andren
Produktionsweisen, Produkt noch Geld, sondern A r b e i t
s e l b s t ist. Die Mehrarbeit erscheint hier handgreiflicher
als in der Lohnarbeit geschieden von der notwendigen Arbeit, weil
notwendige Arbeit und Mehrarbeit hier auf zwei verschiednen Ter-
rains ausgeübt werden. Die zur Reproduktion seines eignen Ar-
beitsvermögens notwendige Arbeit arbeitet der Fronarbeiter auf
dem von ihm beseßnen Feld. Die Mehrarbeit für den Grundeigentümer
verrichtet er auf den herrschaftlichen Gütern. Durch diese räum-
liche Trennung erscheint auch die Trennung der Gesamtarbeitszeit
in zwei Portionen handgreiflicher, während man bei dem Lohnarbei-
ter ebensogut sagen kann, daß er von 12 etwa 2 für den Kapitali-
sten arbeitet, als daß er von jeder Stunde oder jedem beliebigen
andren aliquoten 1*) Teil der 12 Stunden 1/6 für den Kapitalisten
arbeitet. So erscheint also erstens die Trennung in notwendige
Arbeit und Mehrarbeit, Arbeit zur Reproduktion seines eignen Ar-
beitsvermögens und Arbeit für den Eigentümer der Produktionsbe-
dingungen sinnfälliger, handgreiflicher in der Form der Fronar-
beit als in der Form der Lohnarbeit. Zweitens aber folgt daraus,
daß es in der Form des Fronarbeitens sinnfälliger als in der
Lohnarbeit erscheint, daß die Mehrarbeit unbezahlte Arbeit ist
und daß der ganze Mehrwert sich in Mehrarbeit, i.e. unbezahlte
Arbeit auflöst. Arbeiteten die Fronarbeiter 5 Tage in der Woche
auf ihrem eignen Feld, den 6.Tag auf dem herrschaftlichen, so ist
es klar, daß sie diesen 6. Tag unbezahlte Arbeit verrichten,
nicht für sich, sondern [für] einen andren arbeiten, und daß die
ganze Einnahme dieses andren das Produkt ihrer unbezahlten Arbeit
ist; die eben darum Fronarbeit heißt. Wenn Fabrikarbeiter von 12
Stunden täglich 2 für den Kapitalisten arbeiten, so ist dies das-
selbe, als ob sie in der Woche 5 Tage für sich und 1 für den Ka-
pitalisten arbeiteten, also der Sache nach dasselbe, als ob sie
einen Tag in der Woche Fronarbeit für den Kapitalisten verrichte-
ten. In dem ganzen System der Fronarbeit fällt die Form des Lohns
weg, und dies macht das Verhältnis wieder handgreiflicher. Der
Fronarbeiter erhält die Produktionsbedingungen, die zur Verwirk-
lichung seiner eignen notwendigen Arbeit
-----
1*) entsprechenden
#204# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
erheischt sind, ein für allemal angewiesen. Er zahlt sich daher
selbst sein Salair oder er eignet sich direkt das Produkt seiner
notwendigen Arbeit an. Bei dem Lohnarbeiter dagegen wird sein Ge-
samtprodukt erst in Kapital verwandelt, um ihm dann in der Form
des Salairs wieder zuzufließen. Wenn der Fronarbeiter, der 1 Tag
in der Woche für seinen Herrn arbeitet, das Produkt der ganzen
Woche diesem auszuliefern hätte, der es dann in Geld verwandelte
und von diesem Geld 5/6 dem Fronarbeiter zurückzahlte, so wäre
der Fronarbeiter nach dieser Seite hin in einen Lohnarbeiter ver-
wandelt. Umgekehrt. Wenn der Lohnarbeiter, der 2 Stunden täglich
für den Kapitalisten arbeitet, das Produkt oder den Wert des Pro-
dukts seiner 5tägigen Arbeit selbst einkassierte (der Abzug des
Werts für die Produktionsbedingungen, Arbeitsmaterial und Mittel
findet in beiden Verhältnissen, wenn auch unter verschiedner
Form, statt) und den 6. Tag umsonst für das Kapital arbeitete, so
wäre er in einen Fronarbeiter verwandelt. Soweit die Natur und
das Verhältnis von notwendiger Arbeit und Mehrarbeit in Betracht
kommen, ist das Resultat dasselbe.
Wir finden die Fronarbeit in größeren oder geringeren Dosen ver-
quickt mit allen Formen der Leibeigenschaft. Wo sie aber rein er-
scheint, als das herrschende Produktionsverhältnis, wie das na-
mentlich der Fall war und zum Teil noch ist in slawischen Ländern
und in den von den Römern besetzten Donauteilen, können wir mit
Sicherheit sagen, ¦¦117¦ daß sie nicht aus der Leibeigenschaft
als ihrer Grundlage entsprang, vielmehr umgekehrt die Leib-
eigenschaft aus ihr entsprang. Sie beruht auf einem Gemeinwesen
und die Mehrarbeit, die die Gemeindeglieder verrichteten über die
zur Subsistenz hinaus nötige, teils zu einem Reservefonds
(gemeinschaftlichen), teils zur Bestreitung ihrer gemeinschaftli-
chen, politischen und religiösen Bedürfnisse, verwandelt sich
nach und nach in Fronarbeit für die Familien, die die Reser-
vefonds und die politischen und religiösen Würden als ihr Privat-
eigentum usurpieren. In den Donaufürstentümern, ebenso in Ruß-
land, läßt sich dieser Usurpationsprozeß genau nachweisen. Eine
Vergleichung der Gier nach fremder Arbeitszeit auf Seiten der wa-
lachischen Bojaren und der englischen Fabrikanten hat das Inter-
esse, daß in beiden die Aneignung fremder Arbeit als direkte
Quelle des Reichtums erscheint; Mehrwert als Mehrarbeit.
{"Der Unternehmer wird immer alles daransetzen, um Zeit und Ar-
beit zu s p a r e n." (p. 318, Dugald Stewart, vol.I, "Lectures
on Polit. Econ.", Edinburgh 1855, vol. VIII der "Collected
works", ed. by Sir W. Hamilton.) ad p. 107, ad Zusatz ad e)}
In der Fronarbeit erscheint die Surplusarbeit in ihrer ursprüng-
lichsten "selbständigen freien" Form; frei, insofern bei der
Sklaverei der Gesamttag
#205# Zusätze
-----
der Sklaven wie des Viehs dem Eigentümer gehört, die er natürlich
füttern muß:
Selbst in der Moldau und Walachei jetzt noch Naturalrente neben
der Fronarbeit. [79] Wir nehmen hier das Règlement organique
[80], mis en vigueur en 1831 1*). Es ist für unsren Zweck hier
gleichgültig und daher nur nebenbei zu bemerken, daß Grundbesitz,
Vieh etc. in der Tat den walachischen Bauern g e h ö r e n, daß
durch Usurpation die Leistung an die propriétaires 2*) entstand
und daß das russische Reglement die Usurpation zum Gesetz erhob.
Die Naturalrente besteht [aus] 1/10 aller übrigen Produkte; 1/5
Heu; 1/20 Wein. (Alles dies in der Walachei.) Der Bauer besitzt:
1. für Haus und Garten 400 stagènes (about 2 [] mètres) en piaine
und 300 in den montagnes; 2.3 pogones (1 1/2 hectares) de terrain
de labour; 3.3 pogones de prairie à foin 3*). (Weideland für 5
Stück Hornvieh.)
Hier nebenbei zu bemerken: Daß dieser Leibeigenschaftscode als
Freiheitscode von den Russen (unter Kisseleff) proklamiert und
von Europa anerkannt wurde. Zweitens: les boyars, en fait les ré-
dacteurs du règlement 4*). Drittens: Dem Verhältnis nach viel
schlimmer in der Moldau als in der Walachei.
Nach dem Règlement schuldet jeder Bauer dem propriétaire im Jahr:
1. 12 Arbeitstage überhaupt. 2. 1 Tag Feldarbeit; 3. 1 Holztrans-
port. Die Tage jedoch sind nicht nach der Zeit gemessen, sondern
an dem zu vollbringenden Werk. Das organische Reglement selbst
setzt daher fest, daß die 12 Arbeitstage gleich sein sollen dem
Produkt einer Handarbeit von 36 Tagen, der Feldarbeitstag = 3 Ta-
gen, der Holztransporttag ebenfalls = 3 Tagen. Summa summarum 42
Tagen. Es kommt aber hinzu die sog. iobagie (Dienst, servitude),
d. h. Arbeit für außerordentliche Produktionserheischnisse des
propriétaire. Diese außerordentliche Arbeit beträgt Lieferung auf
Seiten der villages 5*) von 4 Mann auf 100 Familien, 3 in Dörfern
von 63-75 Familien, 2 in Dörfern von 38-50, 1 für Dörfer von 13-
25 Familien. Diese Iobagie ist geschätzt auf 14 Arbeitstage für
jeden walachischen Bauer. So ist die durch das règlement selbst
bestimmte Fronarbeit = 42 + 14 = 56 Arbeitstagen. Das Ackerbau-
jahr besteht in der Walachei wegen des rauhen Klimas aus 210 Ta-
gen, wovon 40 für Sonntage und Feiertage, 30 im Durchschnitt für
schlechtes Wetter abgehn, zusammen 70 Tage. Bleiben 140 Tage. Da-
von ab-
-----
1*) das 1831 in Kraft gesetzt wurde
2*) Gutsbesitzer
3*) 400 stagènes (etwa 2 m² [je stagène]) in der Ebene und 300 in
den Bergen; 2. 3 pogones (1 1/2 Hektar) Ackerland; 3. 3 pogones
Wiese für Heu
4*) tatsächlich waren die Bojaren die Verfasser der Verordnung
5*) Dörfer
#206# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
die 56 Frontage. Läßt 84 Tage; ein Verhältnis jedoch nicht stär-
ker als das vom englischen Ackerbauarbeiter, wenn die Zeit, die
er für sein Salair arbeitet, verglichen wird mit der Zeit, die er
für Herstellung des unter Pächter, Kirche, Staat, Grundeigentümer
usw. verteilten Mehrwerts arbeitet.
Dies sind die dem Eigentümer gesetzlich zustehenden Frontage, die
gesetzliche Mehrarbeit. Indes hat das Reglement es so eingerich-
tet, daß die Fronarbeit ohne Verletzung seines Buchstabens weiter
ausgedehnt werden kann. Es bestimmt nämlich jedes Tagwerk so, daß
noch eine Zubuße auf die Arbeitszeit des folgenden Tags fällt, um
es vollenden zu können. So bestimmt es z.B.
"das Tagewerk im Jäten, das mit 12 Ruten veranlagt ist, eine Auf-
gabe, die doppelt so groß ist, wie sie ein Mensch an einem Tag
leisten könnte", namentlich auf den Maispflanzungen. Das Tagewerk
für Jäten ist in der Tat so eingerichtet durch die Verordnung,
"daß es mit dem Monat Mai beginnt, um mit dem Monat Oktober zu
enden".
¦¦118¦ "In der Moldau", sagt einer der großen Bojaren selbst,
"entsprechen die 12 Frontage des Bauern, wie sie die Verordnung
festlegt, tatsächlich 365 Tagen." [p. 311.]
Mit welchem Raffinement die Bojaren dies Gesetz ausbeuten, um
sich die Arbeitszeit der Bauern anzueignen, kann man weiter nach-
sehn in: É Regnault, "Histoire Politique et Sociale des Princi-
pautés Danubiennes", Paris 1855, p. 305 sqq.
Vergleichen wir nun damit den Heißhunger nach Arbeitszeit - Mehr-
arbeitszeit - auf Seiten der kapitalistischen Produktion in Eng-
land.
Es ist nicht meine Absicht, hier auf die Geschichte der Überar-
beit einzugehn seit der Erfindung der Maschinerie in England. Die
Tatsache ist, daß infolge der Exzesse Pesten ausbrachen, deren
Verwüstung Kapitalist und Arbeiter gleichmäßig bedrohten, daß der
Staat, unter dem größten Widerstand der Kapitalisten, Normaltage
einführen mußte in den Fabriken (später überall auf dem Kontinent
mehr oder weniger nachgeahmt), daß noch in diesem Augenblicke
diese Einführung der Normaltage von den eigentlichen Fabriken auf
andre Arbeitszweige ausgedehnt werden mußte (Bleichereien,
Druckereien, Färbereien) und daß in diesem Augenblick dieser Pro-
zeß noch im Fortschreiten begriffen, der Kampf darum fortdauert
(z. B. zur Einführung der 10Stundenbill [81], Ausdehnung des fac-
tory act [82] z.B. auf die lace manufacture 1*) in Nottingham
etc.). Für die détails über die früheren Phasen dieses Prozesses
verweise ich auf: F. Engels, "Die Lage der arbeitenden Klasse in
England", Leipzig 1845. Der praktische Widerstand der Fabrikanten
war indes nicht größer als der theoretische Widerstand, den ihre
Dolmetscher und Apologeten,
-----
1*) Spitzenfabrikation
#207# Zusätze
-----
die professionellen Ö k o n o m i s t e n leisteten. Hat doch
Herr Newmarch 1*), der Mitherausgeber von Tooke's "History of
Prices", als Präsident der Sektion für ökonomische Wissenschaft
auf dem letzten Kongreß der British association for Arts etc.
(der Name der Assoziation nachzusehn) im Sept. 1861 zu Manchester
[83] sich gedrungen gefühlt, die Einsicht in die Notwendigkeit
der gesetzlichen Regulierung und zwangsweisen Beschränkung des
Normalarbeitstages in Fabriken etc. als eine der allerneusten Er-
rungenschaften der jetzigen politischen Ökonomie zu betonen, wo-
durch sie über ihren Vorgängern stehe! [84]
Mein Zweck ist nur, zur Parallele mit dem Heißhunger der Bojaren
einige Belegstellen aus den neusten Fabrikreports beizubringen;
dito 1 oder zwei Beispiele bezüglich von Industriezweigen, in
denen die factory acts noch nicht eingeführt sind (lace Fabrik),
oder erst kürzlich eingeführt wurden (printing works 2*)). Es
handelt sich hier ja nur um einige Belege für die Tendenz, die in
der Walachei nicht stärker wirkt als in England.
Erste Illustration. Lacetrade 3*) in Nottingham.
"Daily Telegraph" vom 17. Januar 1860.
"Herr Broughton, ein county Magistrat 4*), der präsidierte bei
einem Meeting, gehalten zu Nottingham, Townshall 5*), am 14. Ja-
nuar 1860, erklärte, es existiere in dem Teil der lokalen Bevöl-
kerung, die mit dem lacetrade zusammenhängt, ein in der ganzen
übrigen zivilisierten Welt durchaus unbekannter Grad von Leid und
Entbehrung ... Kinder von 9 bis 10 Jahren werden aus ihren
schmutzigen Betten gerissen um 2, 3, 4 Uhr morgens, und ge-
zwungen, für die nackte Subsistenz bis 10, 11, 12 Uhr nachts zu
arbeiten, während ihre Glieder wegschwinden, ihre Gestalt zusam-
menschrumpft, ihr Gesicht verwittert und ihr menschliches Wesen
absolut in einen steinähnlichen torpor 6*) verfällt, die äußerst
schrecklich zu betrachten ist ... Wir sind nicht überrascht, daß
Herr Mallet oder andre Fabrikanten auftreten, um Protest gegen
jede Diskussion einzulegen ... Das System, wie der Rev. Montagu
Valpy es beschreibt, ist ein System uneingeschränkter Sklaverei,
Sklaverei in sozialer, physischer, moralischer und geistiger Be-
ziehung ... Was soll man von einer Stadt denken, die ein öffent-
liches Meeting abhält, um zu petitionieren, daß die Arbeitszeit
für Männer auf 18 Stunden täglich b e s c h r ä n k t werden
solle? ... Wir deklamieren gegen die virginischen und carolini-
schen Baumwollpflanzer. Ist jedoch ihr Negermarkt, mit allen
Schrecken seiner Peitsche und Schacher in Menschenfleisch mehr
verabscheuungswürdig
-----
1*) In der Handschrift: Newman - 2*) Kattundruckereien -
3*) Spitzenhandel - 4*) Richter der Grafschaft - 5*) Rathaus -
6*) eine steinähnliche Stumpfheit
#208# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
als diese langsamen Menschenopfer, die stattfinden, damit veils
und collars 1*) zum Vorteil der Kapitalisten ¦¦119¦ fabriziert
werden?"
{(Original lautet: "It was declared [...] capitalists?") [85]
¦¦120¦ Da überhaupt die falsche Ansicht existiert, als sei das
Fabrikwesen ganz a n d e r s geworden, zitiere ich hier in der
Note aus: "General Register Office", 28 Oct. 1857 ("The Quarterly
return of the Marriages, Births and Deaths etc.") published by
authority of the Registrar-General 2*) etc., N. 35, p. 6, wo es
heißt:
"Herr Leigh vom Unterbezirk Deans gate (Manchester) macht die
folgenden klugen Bemerkungen, die die sorgfältige Beachtung der
Bevölkerung Manchesters verdienen: Das Leben eines Kindes ist
dort sehr traurig ... Die Gesamtzahl der Todesfälle, nicht
gerechnet solche, die dem Untersuchungsrichter als Fälle vorlie-
gen, beträgt 224, und davon waren 156 Kinder unter 5 Jahren ...
N i e m a l s z u v o r kannte ich ein solches Größenverhält-
nis. Offensichtlich ist es, daß die Umstände, die das Leben der
Erwachsenen für gewöhnlich beeinflussen, im wesentlichen blieben,
wie sie waren. Jene dagegen, die höchst gefährlich auf die sehr
Jungen einwirken, waren äußerst aktiv ... 87 der Kinder starben,
bevor sie ein Jahr alt waren. Vernachlässigter Durchfall, Unter-
bringung in engen, schlecht gelüfteten Räumen während Erkrankung
an Keuchhusten, M a n g e l a n g e e i g n e t e r E r-
n ä h r u n g, z u h o h e G a b e n v o n B e r u h i-
g u n g s m i t t e l n, die zu Kräfteverfall und Krämpfen sowie
zu Wasserkopf und Blutandrang im Gehirn führen, so etwas mußte
erklären, weshalb ... die Sterblichkeit (von Kindern) noch so
hoch liegt."}
/119/ Zweite Illustration. Factory Reports.
"Der betrügerische Fabrikant beginnt die Arbeit eine Viertel-
stunde vor 6 Uhr morgens" (manchmal noch früher, manchmal etwas
später) "und schließt sie eine Viertelstunde nach 6 Uhr nachmit-
tags" (manchmal noch später, manchmal etwas früher) "ab. Er nimmt
5 Minuten weg am Anfang und am Ende von der nominell für das
Frühstück anberaumten halben Stunde und knappt 10 Minuten ab zu
Anfang und Ende der für Mittagessen anberaumten Stunde. Samstag
arbeitet er eine Viertelstunde" (manchmal mehr, manchmal weniger)
"nach 2 Uhr nachmittags.
So beträgt sein G e w i n n {hier ist der Gewinn direkt mit der
stibitzten Surplusarbeit identifiziert}
vor 6 Uhr morgens 15 Minuten Summe in
nach 6 Uhr nachmittags 15 dito 5 Tagen
für Frühstückszeit 10 " 300 Minuten
für Mittagszeit 20 "
-----------
60 "
-----
1*) Schleier und Kragen - 2*) veröffentlicht auf Anordnung des
Leiters des Statistischen Amtes
#209# Zusätze
-----
An Samstagen
vor 6 Uhr morgens 15 Minuten Wöchentlicher
für Frühstückszeit 10 " Gesamtgewinn
nach 2 Uhr nachmittags 15 " 340 Minuten
----------
40 "
Oder 5 Stunden 40 Minuten wöchentlich, was mit 50 Arbeitswochen
multipliziert, nach Abzug von 2 Wochen für Feiertage oder gele-
gentliche Unterbrechungen, 27 Arbeitstage gibt." (p. 4, 5,
"Suggestions etc.", by Mr. L. Horner in "Factories Regulation
Acts. Ordered by the House of Commons to be printed, 9 August
1859".)
"Der" (durch Überarbeit über die gesetzliche Zeit) "zu machende
Extraprofit scheint für viele" (Fabrikanten) "eine zu große Ver-
suchung, um ihr widerstehen zu können. Sie rechnen auf die
Chance, nicht herausgefunden zu werden; und wenn sie die
Geringfügigkeit der Geldstrafen und Gerichtskosten sehen, die
jene bezahlen mußten, die verurteilt wurden, meinen sie, daß ih-
nen auch im Fall der Entdeckung noch eine beachtliche
G e w i n n b i l a n z bliebe." ([p.] 34, "Report of the In-
spectors of Factories for the halfyear ended 31st Oct. 1856".)
"Wird der Arbeitstag täglich 5 Minuten über die Normaldauer ver-
längert, so gibt das 2'/2 Produktionstage im Jahr." ([p.] 35,
l.c.)
"In den Fällen, wo die zusätzliche Zeit durch M u l t i p l i-
k a t i o n k l e i n e r D i e b s t ä h l e im Laufe des
Tages gewonnen wird, stehn den Inspektoren fast unüberwindliche
Schwierigkeiten der Beweisführung im Weg." (p. 35, l.c. An dieser
Stelle die so angeeignete Mehrarbeit direkt als theft,
"Diebstahl" bezeichnet von den offiziellen englischen Fa-
brikinspektoren.)
/120/ Diese kleinen D i e b s t ä h l e werden auch bezeichnet
als "Mausereien von Minuten" (p.48, l.c.), ferner als "Wegschnap-
pen von Minuten" (l.c.) "oder, wie es genannt wird, 'knabbern'
oder 'knapsen an den Essenspausen'". (l.c.) "'Wenn Sie mir
erlauben', sagte mir ein sehr respektabler Fabrikherr, 'täglich
nur 10 Minuten Überzeit arbeiten zu lassen, stecken Sie jährlich
1000 Pfund Sterling in meine Tasche'." (p. 48, l.c.)
Nach den Fabrikinspektoren ist die Arbeitszeit in englischen
printworks 1*) faktisch noch unbeschränkt, und haben noch im Jahr
1857 daselbst Kinder von 8 Jahren und drüber von 6 Uhr morgens
bis 9 Uhr abends (15 Stunden) [gearbeitet].
"Die Arbeitszeit in K a t t u n d r u c k e r e i e n kann als
praktisch unbegrenzt betrachtet werden, trotz gesetzlicher Be-
schränkung. Die einzige Arbeitsbeschränkung ist im Punkt 22 des
'Printwork Act'" (8. und 9. Viktoria C29 [86]) "enthalten, wel-
cher verfügt, daß kein Kind - d.h. kein Kind im Alter von 8 bis
13 Jahren - w ä h r e n d d e r N a c h t beschäftigt werden
soll, die laut Definition von 10 Uhr abends bis zum folgenden
Morgen 6 Uhr früh gerechnet wird. Also können a c h t j ä h-
r i g e K i n d e r von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr abends" (16
Stunden) "fortgesetzt und ohne irgendwelche Arbeitsunter-
brechungen, um sich auszuruhen oder einen Imbiß zu sich zu
nehmen, nach dem Gesetz beschäftigt werden mit Arbeiten, die in
vieler Hinsicht der Fabrikarbeit entsprechen, und das häufig in
Räumen, in denen es drückend heiß ist; und wenn ein Junge 13
Jahre alt geworden ist, kann er ohne jede Beschränkung eine be-
liebige
-----
1*) Kattundruckereien
#210# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
Zahl von Stunden am Tage oder in der Nacht gesetzlich beschäftigt
werden. Kinder von 8 Jahren und darüber sind in der Tat von 6 Uhr
morgens bis 9 Uhr abends während des letzten Halbjahres in meinem
Distrikt abgerackert worden." ([p.] 39, "Reports of the Inspect.
of Factories", 31st Oct. 1857, Reports of Mr. A. Redgrave.)
"Eine z u s ä t z l i c h e S t u n d e täglich, dadurch ge-
wonnen, daß in kleinen Raten vor 6 Uhr morgens und nach 6 Uhr
abends und zu Beginn und Ende von der für Mahlzeiten nominell
f e s t g e l e g t e n Spanne ein wenig Zeit erhascht wird, ist
nahezu gleichwertig mit 13 Monaten im Jahr." ("Reports of the I.
of F.", 30th April 1858, Report of Mr. L. Horner, p. 9[, 10].)
So ängstlich sind die Fabrikinspektoren, klarzumachen, daß der
Gain 1*) nichts andres ist als Arbeitszeit, Surplusarbeitszeit,
der Extragain, daher Surplusarbeitszeit ü b e r den Normaltag
hinaus.
¦¦121¦ Eine Zeit der Krise ändert daher nichts an dem Versuch,
overtime 2*) arbeiten zu lassen. Werden nur 3 oder 4 Tage in der
Woche gearbeitet, so besteht der Profit überhaupt nur in der Sur-
pluszeit, die während dieser 3 oder 4 Tage gearbeitet wird. Also
extraordinary profit 3*) nur in der unbezahlten surplustime 4*),
die über die normale Surpluszeit und daher über den legal be-
stimmten Normaltag hinaus gearbeitet wird. Multipliziere ich 2
Stunden Surplusarbeit mit 3 Tagen in der Woche, so ist der Mehr-
wert natürlich nur halb so groß, als wenn ich sie mit 6 Tagen in
der Woche multipliziere. Daher während der Krisen um so größer
die Versuchung, in den Tagen, die w i r k l i c h g e a r-
b e i t e t wird, Ü b e r z e i t, d.h. mehr unbezahlte Ar-
beitszeit als sonst, arbeiten zu lassen. (Andre Fabrikanten tun
faktisch dasselbe durch Herabsetzung des Arbeitslohns, d. h.
durch Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit während der 3 oder 4
Tage, in denen gearbeitet wird.) Daher 1857-58:
"Man mag es für eine Inkonsequenz halten, daß irgendwelche Über-
arbeit" {durchaus nicht widersprüchlich, daß der Fabrikant wäh-
rend der Krise den größtmöglichsten Teil u n b e z a h l t e r
Arbeitszeit zu erhaschen sucht} "zu einer Zeit stattfindet, wo
der Handel so schlecht geht, aber sein schlechter Zustand spornt
skrupellose Leute zu Überschreitungen an, sie sichern sich so
einen E x t r a p r o f i t." ([p. 10,] "Reports etc.", 30th
April 1858, Report of Mr. L. Horner.)
(Je schlechter die Zeit, je weniger Geschäfte gemacht, desto grö-
ßer soll der Profit auf das gemachte Geschäft sein.} Daher be-
merkt H[orner,] l.c., daß zu derselben Zeit, wo 122 mills 5*) in
seinem Distrikt ganz aufgegeben wurden,
-----
1*) Profit - 2*) Mehrzeit - 3*) außergewöhnlicher Profit -
4*) zusätzlichen Zeit - 5*) Fabriken
#211# Zusätze
-----
143 still standen und alle übrigen short time 1*) arbeiteten, daß
overwork over the legal time 2*) hinaus fortgesetzt wurde. (l.c.)
Ebenso berichtet aus demselben Jahr Fabrikinspektor T. J. Howell:
"Ich erhalte jedoch" (obgleich in den meisten Fabriken wegen des
schlechten Geschäftsstandes nur halbe Zeit gearbeitet wird) "nach
wie vor d i e ü b l i c h e A n z a h l v o n K l a g e n,
daß eine halbe oder dreiviertel Stunde täglich den Arbeitern weg-
geschnappt werden durch Eingriffe in die ihnen" [gesetzlich]
"zugesicherten Fristen für Erholung und Mahlzeit ... während des
Arbeitstages und indem man morgens 5 Minuten oder länger vor
Arbeitsbeginn anfängt und 5 Minuten oder mehr nach Arbeitsschluß
am Abend aufhört. Diese kleinen Diebereien, die sich täglich ins-
gesamt auf eine halbe bis dreiviertel Stunde belaufen, sind sehr
s c h w e r z u e r m i t t e l n." (p. 25, l.c., T.J. Howells
"Report".)
"Die Beobachtungen eines Inspektors genügen selbstverständlich
nicht, um einen systematischen Kurs auf Überarbeit, bestehend aus
Minuten, die zu 6 verschiedenen Zeiten im Laufe des Tages genom-
men werden, nachzuweisen." ([p. 35,] "Reports", L. Horner, 31st
Oct. 1856.) "Es ist d i e s e a l l g e m e i n e Z u l a s-
s u n g i n d e r A n w e n d u n g , w e n n a u c h
n i c h t A n e r k e n n u n g d e s P r i n z i p s, und
die allgemeine Übereinstimmung, daß die Arbeitsbeschränkung
zweckmäßig ist etc." ("Reports etc.", 31" Oct. 1855, p. 77.)
In demselben Maß, wie die kapitalistische Produktion, hence 3*)
das Fabriksystem, sich auf dem Kontinent entwickelt haben, waren
die Regierungen (Frankreich, Preußen, Österreich etc.) gezwungen,
dem englischen Beispiel der Beschränkung der Arbeitszeit d'une
manière ou d'une autre 4*) nachzufolgen. Sie haben meist, mit ge-
wissen Modifikationen, die englische Factory législation 5*) ko-
piert und kopieren müssen.
¦¦122¦ In Frankreich existierte faktisch vor 1848 kein Gesetz zur
Beschränkung des Arbeitstags in Fabriken. Das Gesetz vom 22. März
1841 (dessen Grundlage 3 und 4 Wm IV.C. 103 [87]) zur Beschrän-
kung der Kinderarbeit in Fabriken (factories, works und Workshops
employing moving power, or a continuous fire, and all establish-
ments giving employment to more than 20 workmen 6*)) blieb ein
t o t e r B u c h s t a b e und ist bis zu diesem Tag nur im
Département du Nord praktisch durchgeführt. Übrigens können nach
diesem Gesetz Kinder under 7*) 13 Jahren auch in der Nacht
(between 9 p.m. und 5 a.m.) angewandt werden, "upon the occasion
of urgent repairs, or the stoppage of a waterwheel"
-----
1*) verkürzt - 2*) Überarbeit über die gesetzlich bestimmte Zeit
- 3*) und deshalb 4*) auf die eine oder andere Art -
5*) Fabrikgesetzgebung - 6*) Fabriken, Betrieben und Werkstätten,
die Triebkraft benutzen oder ein ununterbrochen brennendes Feuer,
und alle Fabrikanlagen, die mehr als 20 Arbeiter beschäftigen -
7*) unter
#212# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
1*), Kinder über 13 Jahren auch während der Nacht, "if their la-
bour is indispensable" 2*).
Am 2. März 1848 erließ die provisorische Regierung ein Gesetz,
wonach die Arbeitszeit, nicht nur in Fabriken, sondern in allen
Manufakturen und Handwerksshops 3*), nicht nur für Kinder, son-
dern auch für erwachsne workmen 4*), auf 10 Stunden in Paris und
11 in den Departementen beschränkt wurde. Die provisorische Re-
gierung ging von der falschen Voraussetzung aus, daß der normale
Arbeitstag in Paris 11, in den Departementen 12 Stunden sei.
Aber:
"In der größeren Anzahl Spinnereien dauerte die Arbeit 14-15
Stunden zum großen Schaden der Gesundheit und Moralität der Ar-
beiter und besonders der Kinder; und selbst länger." ("Des clas-
ses ouvrières en France, pendant l'année 1848". Par M. Blanqui)
Die Nationalversammlung, durch Gesetz vom 8. Sept. 1848, modifi-
zierte dies Gesetz dahin:
"Die tägliche Arbeit des Arbeiters in Manufakturen und Fabriken
soll 12 Stunden nicht überschreiten. Die Regierung hat das Recht,
Ausnahmen von der obigen Verordnung in jenen Fällen zu genehmi-
gen, wo die Besonderheit der Arbeit oder der Maschinerie es ver-
langt."
Durch Dekret vom 17. Mai 1851 führten die Regierungen diese
A u s n a h m e n aus. Es sind erstens verschiedne Zweige be-
stimmt, worauf das Gesetz vom 8. Sept. 1848 nicht ausdehnbar.
Ferner aber wurden folgende Einschränkungen gemacht:
"D a s S ä u b e r n v o n M a s c h i n e r i e a m E n d e
d e s T a g e s; notwendig zu leistende Arbeit bei Beschädigung
der Antriebskraft, des Dampfkessels, der Maschinerie oder Ge-
bäude. In den folgenden Fällen kann die Arbeit verlängert werden:
Für 1 Stunde am Ende des Tages in Färbereien, Bleichereien und
Kattundruckereien, um Gewebestücke zu waschen und zu spannen. Um
2 Stunden in Zuckerfabriken und Siedereien und in chemischen Fa-
briken. Um 2 Stunden 1 2 0 T a g e im Jahr nach dem Belieben
des Fabrikanten und mit Genehmigung des Präfekten in Färbereien,
Kattundruckereien und verarbeitenden Betrieben."
{Factory Inspector A. Redgrave, "Reports etc.", 31 Oct. 1855, p.
80, bemerkt mit Bezug auf die Ausführung dieses Gesetzes in
Frankreich:
"Mehrere Fabrikanten haben mir versichert, daß, als sie von der
Erlaubnis zur Verlängerung des Arbeitstages Gebrauch machen woll-
ten, die Arbeiter mit der Begründung dagegen waren, daß eine Ver-
längerung des Arbeitstages in diesem Augenblick im nächsten zu
-----
1*) (zwischen 9 Uhr abends und 5 Uhr morgens) angewandt werden,
"weil dringende Reparaturen benötigt werden oder ein Wasserrad
nicht funktioniert" - 2*) "wenn ihre Arbeit unerläßlich ist" -
3*) Handwerkstätten - 4*) Arbeiter
#213# Zusätze
-----
einer Kürzung der üblichen Zahl der Arbeitsstunden führen würde
... und sie waren besonders gegen Arbeit über 12 Stunden am Tage
hinaus, weil das Gesetz, das diese Anzahl von Stunden festlegt,
das einzig Gute ist, das ihnen von der Gesetzgebung der Republik
blieb."
"Die V e r l ä n g e r u n g d e s A r b e i t s t a g e s
ist dem Arbeiter f r e i g e s t e l l t ... wenn sie sich dar-
über geeinigt haben ... ist im allgemeinen der Lohnsatz pro
Stunde (nach 12 Stunden) höher als ihr gewöhnlicher Lohn." (p.
80, l.c.)
A. Redgrave bemerkt p. 81, daß infolge der Überarbeit und der da-
mit verbundnen körperlichen Entnervung und geistigen Demoralisa-
tion
"die arbeitende Bevölkerung von Rouen und Lille ... dahinsiecht",
"ihr Wuchs zwergenhaft geworden ist" und "viele an einer Art von
Lahmheit leiden, deren Opfer in England 'Fabrikkrüppel' genannt
werden", (p. 81, l.c.)
"Man muß zugeben, daß tägliche Arbeit von 12 Stunden eine genü-
gende Beanspruchung für den menschlichen Organismus darstellt,
und wenn man zu den Arbeitsstunden die notwendigen Pausen für
Mahlzeiten und die Zeit, die gebraucht wird, um zur Arbeit und
wieder zurückzukommen, hinzufügt, dann ist der Rest, der dem Ar-
beiter zur Verfügung steht, n i c h t ü b e r m ä ß i g
g r o ß." (p. 81, A. Redgrave, l.c.)
Unter den heuchlerischen Vorwänden (Einwänden) der englischen ma-
nufacturers against the Ten Hours' Bill 1*) [81] folgendes:
"Einer der vielen gegen die Zehnstundenbill erhobenen Einwände
war die Gefahr, arbeitenden jungen Personen und Frauen s o
v i e l F r e i z e i t zu geben, die sie wegen ihrer man-
gelhaften Erziehung entweder verschwenden oder mißbrauchen wür-
den; und es wird vorgebracht, daß es im Interesse der Sittlich-
keit ratsamer wäre, so lange den g a n z e n T a g i n d e r
F a b r i k z u z u b r i n g e n, b i s die Erziehung Fort-
schritte gemacht habe und Sorge getragen wäre für den Gebrauch
der Freizeit, die die Zehnstundenbill der Fabrikbevölkerung
zuzusprechen gedenkt zur nützlichen geistigen und gesellschaftli-
chen Betätigung." ([p.] 87, A. Redgrave, l.c.)
{Wie sehr Macaulay ökonomische facts entstellt, um als Whig-Apo-
loget des Bestehenden auftreten zu können - Cato-Zensor nur gegen
die Vergangenheit, Sykophant der Gegenwart - aus folgender Stelle
u.a.:
"Die Praxis, Kinder vorzeitig zu beschäftigen, eine Praxis, die
der Staat als legitimer Beschützer derer, die sich nicht selbst
schützen können, weise und menschlich in unserer Zeit untersagt
hat, herrschte im 17. Jahrhundert in einem für den damaligen Zu-
stand der Industrie fast unglaublichen Grad vor. Zu Norwich, dem
Hauptsitz der Tuchindustrie, wurde ein Kind von 6 Jahren für ar-
beitsfähig gehalten. Verschiedene Schriftsteller jener Zeit und
darunter manche, die als außerordentlich wohlgesinnt betrachtet
wurden, erwähnen mit Entzücken die Tatsache, daß in dieser
S t a d t a l l e i n Knaben und Mädchen von zartem Alter einen
Reichtum schufen, der über ihren eigenen Unterhalt hinaus 12 000
Pfund in einem Jahr betrug. Je genauer wir die Geschichte der
Vergangenheit untersuchen, desto
-----
1*) Fabrikbesitzer gegen die Zehnstundenbill
#214# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
mehr Grund finden wir, die Ansicht derer zu verwerfen, die unser
Zeitalter für fruchtbar an neuen sozialen Übeln halten. Die Wahr-
heit ist, daß die Übel mit kaum einer Ausnahme alt sind. Was neu
ist, ist der Verstand, der sie wahrnimmt, und die Humanität, die
sie heilt." (Macaulays "[History of] England", vol. I, p. 417.)
Die Stelle beweist grade das Gegenteil, nämlich daß damals Kin-
derarbeit noch eine exzeptionelle Erscheinung war, deren Ökonomi-
sten als besonders rühmlich und mit Exultation 1*) Erwähnung tun.
Welcher moderne Schriftsteller würde es als etwas besonders Auf-
fälliges erwähnen, daß Kinder von zartem Alter in den Fabriken
vernutzt werden? Zu demselben Resultat kommt jeder, der Schrift-
steller wie Child, Culpeper etc. mit gesundem Menschenverstand
liest.}
Die legal time of working exceeded oft 2*),
"indem man die Kinder, jungen Personen und Frauen in der Fabrik
zurückbehält, um die Maschinerie während eines Teils der Essens-
zeiten und an Samstagen nach 2 Uhr zu säubern, statt daß die Ar-
beit innerhalb der festgelegten Zeit erledigt wird." (p. 12, L.
Horner, "Reports etc.", 30th April 1856.)
Dies overworking 3*) findet auch statt mit workpeople 4*),
"die nicht mit Stückarbeit beschäftigt sind, sondern Wochenlohn
erhalten". (L. Horner, p. [8,] 9, "Reports of the Insp. o. F.",
30th April 1859.)
(M. Horner, besides being one of the Factory Inquiry Commissio-
ners of 1833, was one of the original Inspectors of Factories,
and during the early days of factory supervision had to contend
with serious difficulties. 5*)) Horner sagt in seinem letzten Re-
port d.d. 30th April 1859 [88]:
"Die Erziehung der Kinder, für die n a c h e i g e n e n
A n g a b e n vorgesorgt sei, ist in zahlreichen Fällen nichts
als reiner Hohn; der Schutz der Arbeiter gegen Körperverletzungen
und Tod durch ungesicherte Maschinen, wogegen n a c h
e i g e n e n A n g a b e n ebenfalls Vorsorge getroffen wurde,
ist in der Praxis zu einem toten Buchstaben geworden; die
Berichterstattung über Unfälle ist in großem Maße nichts als Ver-
schwendung öffentlicher Gelder ... Überstunden herrschen noch im-
mer in beträchtlichem Umfange vor und in den meisten Fällen mit
der Sicherheit gegen Entdeckung und Bestrafung, die das
G e s e t z s e l b s t g e w ä h r t." (p. 9, 8, l.c.)
-----
1*) Frohlocken - 2*) gesetzliche Arbeitszeit wird oft überzogen -
3*) Diese Überstundenarbeit 4*) Arbeitern - 5*) M. Horner, übri-
gens einer der Fabrikuntersuchungskommissäre von 1833, war auch
einer der ersten Fabrikinspektoren und mußte in den Anfängen der
Fabriküberwachung mit ernsthaften Schwierigkeiten kämpfen.
#215# Zusätze
-----
(Children above 13 years qualified to be employed for the same
number of hours as adult men; half-timers children under 13
years. 1*))
¦¦124¦ "Die Tatsache ist, daß vor dem Akt von 1833 junge Personen
und Kinder abgearbeitet wurden d i e g a n z e N a c h t ,
d e n g a n z e n T a g o d e r b e i d e s n a c h
B e l i e b e n." ("Reports etc.", 30th April 1860, p. [50,]
51.)
Durch den Act of 1833 night between 8 1/2 p.m. und 5 1/2 a.m. Die
millowners permitted 2*),
"für ihre gesetzlichen Arbeitsstunden jede Zeitspanne zwischen
5 1/2 morgens und 8 1/2 abends zu benutzen", [p. 51.]
This signification of "day" und "night" continued through all the
subsequent Factory acts, though with restricted hours of work un-
til 1850, when, for the first time, the day hours of permitted
labour, were fixed at from 6 a.m. to 6 p.m., and in winter from 7
a.m. to 7 p.m. if so desired by the mill occupier. 3*) [89]
"D i e M a s s e d e r U n f ä l l e e r e i g n e t e
s i c h i n d e n g r ö ß t e n F a b r i k e n ... die un-
aufhörliche Hast nach jeder Minute Zeit, in der die Arbeit mit
einer unveränderlichen Kraft von ungefähr tausend Pferdestärken
vorangetrieben wird, f ü h r t notwendigerweise z u G e-
f a h r e n. I n s o l c h e n B e t r i e b e n b e d e u-
t e n A u g e n b l i c k e E l e m e n t e d e s P r o-
f i t s - jedermanns Aufmerksamkeit ist jeden Moment gefordert.
Hier ... kann man einen unaufhörlichen Kampf zwischen Leben und
unorganischen Kräften sehen; wo die Geisteskraft dirigieren muß
und die Körperkräfte sich bewegen und im Gleichgewicht zu den
Umdrehungen der Spindeln gehalten werden müssen. Sie dürfen nicht
zögern ungeachtet der Belastung, die sie entweder durch
übermäßige Aufregung oder Hitze trifft; noch sich auch nur für
einen Augenblick ablenken lassen durch zerstreute Blicke auf die
verschiedensten Bewegungen im Raum, denn in jedem Zögern liegt
Verlust." (p. 56, "Rep[orts] of the In. of F.", 30th April 1860.)
"D i e K o m m i s s i o n f ü r K i n d e r a r b e i t, de-
ren Berichte in verschiedenen Jahren veröffentlicht wurden,
brachte viele Ungeheuerlichkeiten ans Licht, die auch noch andau-
ern - einige davon weit schlimmer als irgendwelche, die Fabriken
oder Kattundruckereien jemals zur Last gelegt wurden ... Ohne ein
organisiertes System der Inspektion durch bezahlte, dem Parlament
verantwortliche Beamte, die durch halbjährliche Berichte über ihr
Vorgehen angehalten werden, ihre Pflicht zu tun, würde das Gesetz
bald unwirksam werden; das bewies
-----
1*) Kinder über 13 Jahre als geeignet betrachtet, die gleiche An-
zahl Stunden beschäftigt zu werden wie erwachsene Männer; die
Hälfte der Zeit für Kinder unter 13 Jahren. - 2*) das Gesetz von
1833 [ist festgesetzt, daß] die Nacht von 8 1/2 abends bis 5 1/2
morgens reicht. Den Fabrikbesitzern [war es] erlaubt - 3*) Diese
Definition von "Tag" und "Nacht" wurde, obgleich mit Beschränkung
der Arbeitsstunden, in allen folgenden Fabrikgesetzen beibehalten
bis 1850, wo zum erstenmal die erlaubte Arbeit in den Tagesstun-
den zwischen sechs Uhr morgens und sechs Uhr abends festgesetzt
wurde und im Winter zwischen sieben Uhr morgens und sieben Uhr
abends, wenn es der Fabrikeigentümer wünschte.
#216# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
die Erfolglosigkeit aller Fabrikgesetze vor dem von 1833 und, wie
das heutzutage in Frankreich der Fall ist, wo das Fabrikgesetz
von 1841 keinerlei Verfügung über eine systematische Inspektion
enthält." ([p.] 10, "Rep. o. t. Insp. etc.", 31th Oct. 1858.)
Die Fabrikgesetze "haben der vorzeitigen Altersschwäche der ehe-
mals lange Zeit schuftenden Arbeiter ein Ende gesetzt; indem sie"
[die Fabrikgesetze] "sie" [die Arbeiter] "z u H e r r e n
i h r e r e i g e n e n Z e i t m a c h e n, haben sie ihnen
eine moralische Kraft gegeben, die sie hinlenkt auf den möglichen
Besitz der politischen Macht." ([p.] 47, "Rep. o. th. I. o. F.",
31th Oct. 1859.)
"Einen noch größeren Vorteil bedeutet es, daß endlich klar
u n t e r s c h i e d e n wird z w i s c h e n d e r Z e i t,
d i e d e m A r b e i t e r s e l b s t, u n d d e r, d i e
s e i n e m U n t e r n e h m e r g e h ö r t. D e r
A r b e i t e r w e i ß n u n, w a n n d i e Z e i t, d i e
e r v e r k a u f t, b e e n d e t i s t u n d s e i n e
e i g e n e b e g i n n t, und da er dies vorher genau weiß,
kann er über s e i n e e i g e n e n M i n u t e n für
s e i n e e i g e n e n Z w e c k e im voraus verfügen."
(l.c., p. 52.)
Dies sehr wichtig mit Bezug auf die Festsetzung des Normaltags.
Vor
1833:
"Der Unternehmer hatte für nichts anderes als Geld, der Arbeiter
für nichts anderes als Arbeit Zeit." (l.c., p. 48.)
"Die Habgier der Fabrikbesitzer, ihre Grausamkeiten bei der Jagd
nach Gewinn wurden kaum von denjenigen übertroffen, die die Spa-
nier bei der Eroberung Amerikas bei der Jagd nach dem Golde ver-
übten." (p. 114, John Wade, "History of the Middle and W. Clas-
ses", 3. ed., Lond[on] 1835.)
¦¦124a¦ "Gewisse Gruppen von Arbeitern" (z.B. erwachsene männli-
che und weibliche Weber) "sind direkt an Uberstunden interes-
siert, und man kann annehmen daß sie einigen Einfluß auf die
Gruppen von Jüngeren ausüben, wobei letztere außerdem eine
verständliche Furcht vor Entlassung haben, falls sie irgendwelche
Beweise oder Auskünfte geben, die geeignet sind, ihre Arbeitgeber
zu belasten ... selbst wenn sie" (die jugendlichen Arbeiter) "zu
ungesetzlicher Zeit bei der Arbeit ertappt werden, kann selten
zur Bestätigung der Tatsachen vor dem Kollegium der Friedensrich-
ter mit ihren Zeugenaussagen gerechnet werden, da sie mit dem Ri-
siko verbunden wären, den Arbeitsplatz zu verlieren." (p. 8,
"Factory Inspectors' Reports, for halfyear ending October 31"
1860".)
"Eine Fabrik beschäftigt 400 Leute, von welchen die Hälfte im
'Stücklohn' arbeitet und ... ein unmittelbares Interesse daran
hat, länger zu arbeiten. Die anderen 200 werden pro Tag bezahlt,
arbeiten ebenso lange wie die anderen, aber erhalten kein Geld
für die Uberstunden. In einigen Orten hat sich die Gewohnheit
herausgebildet, regelmäßig die korrekte Arbeitszeit 5 Minuten
früher beginnen und 5 Minuten später enden zu lassen. Es gibt
dort täglich 3 verschiedene Anfangs- und 3 verschiedene Abschluß-
zeiten; und so werden zu 6 verschiedenen Zeiten je 5 Minuten,
also täglich 1/2 Stunde, gewonnen. Und das betrifft nicht nur
eine Person, sondern 200, die Tageslohn erhalten. Die Arbeit die-
ser 200 Leute während einer halben Stunde täglich ist gleich der
Arbeit einer Person während 50 Stunden oder 5/6 der wöchentlichen
Arbeitsleistung einer Person und ist e i n w i r k l i c h e r
G e w i n n f ü r d e n U n t e r n e h m e r." (l.c., p. 9.)
#217# Zusätze
-----
Wird auf Stückwerk gezahlt, so hat der Arbeiter allerdings einen
Anteil an seiner overtime 1*) und eignet sich selbst einen Teil
der surplustime 2*) an, worin er arbeitet. Der Kapitalist hat
aber, abgesehn von der raschren Verwertung des Capital fixe, sur-
plus profit 3*), selbst wenn er die Stunde overtime ebensosehr
oder selbst höher zahlt, wie die Stunden des normalen Arbeits-
tags, 1. weil er die Maschine, womit gearbeitet wird (z.B. Spin-
deln, Webstühle) nicht zu vermehren braucht. Derselbe Arbeiter,
ob er 12 oder 15 Stunden arbeitet, arbeitet am selben powerloom
4*) zugleich. Ein Teil der Kapitalauslage fällt also weg bei die-
ser Produktion von surplustime. 2. Ist der Normaltag 12 Stunden,
wovon 2 Stunden Surplusarbeit, so müssen 10 Stunden bezahlt wer-
den für 2 Stunden Surpluszeit.
Hier wird von den 30 Minuten (1/2 Stunde) 1/6 gewonnen = 5 Minu-
ten und ihm 25 Minuten gezahlt. Die Surpluszeit sonst davon ab-
hängig, daß der Arbeiter erst 10 Stunden für sich arbeitet. Hier
dies schon vorausgesetzt, daß er sein notwendiges Salair verdient
hat. Er kann also mit 1 aliquoten Teil der overtime abgefunden
werden.
Ist die overtime g r a t i s, so gewinnt das Kapital sie, ohne
notwendige Arbeitszeit zu zahlen; 100 Arbeitsstunden overtime,
wenn 10 Stunden täglich gearbeitet wird, = der Arbeitszeit von 10
Arbeitern, für die der Arbeitslohn ganz g e s p a r t ist.
¦¦124b¦ Die Bleaching and Dyeing Acts were to come into operation
on August 1, 1861 5*).
Die H a u p t bestimmungen der e i g e n t l i c h e n f a c-
t o r y a c t s sind:
"Alle Personen unter 16 Jahren müssen vom zuständigen Arzt unter-
sucht und begutachtet werden. Kinder unter 8 Jahren dürfen nicht
beschäftigt werden. Kinder zwischen dem 8. und dem 13. Lebensjahr
dürfen nur für die Hälfte der Zeit beschäftigt werden und müssen
täglich am Schulunterricht teilnehmen. Frauen und junge Personen
unter 18 Jahren dürfen weder vor 6 Uhr morgens noch nach 6 Uhr
abends und nicht nach 2 Uhr nachmittags an Sonnabenden beschäf-
tigt werden. Frauen und junge Personen dürfen weder während einer
Essenszeit beschäftigt noch darf ihnen gestattet werden, in ir-
gendeinem Fabrikraum zu bleiben, während ein Produktionsprozeß
abläuft. Kinder unter 13 Jahren dürfen nicht sowohl vormittags
als auch nach 1 Uhr des gleichen Tages beschäftigt werden." (p.
22, 23, l.c.) - "Die Arbeitsstunden werden anhand einer öffentli-
chen Uhr kontrolliert, im allgemeinen der Uhr der nächstgelegenen
Eisenbahnstation ... Es wird zuweilen vorgeschützt,
-----
1*) Überzeit - 2*) Mehrzeit - 3*) Extraprofit - 4*) Maschinenweb-
stuhl - 5*) Gesetze über die Arbeit in Bleichereien und Fär-
bereien sollten am 1. August 1861 in Kraft treten
#218# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
wenn jemand während der Essenspausen oder zu sonst ungesetzlichen
Zeiten in einer Fabrik ertappt wird, daß er die Fabrik nicht zur
festgelegten Zeit verlassen will und daß es des Zwangs bedarf, um
seine Arbeit zu unterbrechen, besonders samstagnachmittags. Ob-
zwar die Arbeiter nach Stillsetzung der Maschinerie in der Fabrik
bleiben und sich mit der Reinigung ihrer Maschinen oder ähnlichen
Arbeiten befassen, würden sie jedoch nicht derart beschäftigt
sein, wenn genügend Zeit entweder vor 6 Uhr abends oder vor 2 Uhr
nachmittags an Samstagen eigens für Reinigung etc. bestimmt wor-
den wäre." (p-23, l.c.)
Fernre Bestimmung der factory acts in bezug auf mealtimes 1*):
"Allen jungen Personen und Frauen muß gleichzeitig eineinhalb
Stunden Freizeit zwischen 7.30 vormittags und 6 Uhr nachmittags
gegeben werden; davon muß eine Stunde vor 3 Uhr nachmittags sein,
und niemand darf vor 1 Uhr nachmittags länger als 5 Stunden ohne
eine Pause von 30 Minuten beschäftigt werden. Die für Mechaniker
übliche Dauer der Essenspausen beträgt im ganzen Lande eine halbe
Stunde für Frühstück und eine Stunde für die Hauptmahlzeit."
([p.] 24, l.c.)
Fernre Bestimmung der factory acts:
"Die Eltern sind verpflichtet, ihr Kind 3 Stunden pro Tag an 5
Wochentagen zur Schule gehen zu lassen. Dem Unternehmer sind bei
der Beschäftigung von Kindern dann Grenzen gesetzt, wenn er sich
nicht an jedem Montagmorgen eine Bescheinigung des Lehrers be-
schafft hat, wonach jedes Kind in der vergangenen Woche die
Schule an 5 Tagen für täglich 3 Stunden besucht hat." (p. 26.)
In frühern Jahrhunderten, in den Zeiten, die der kapitalistischen
Produktion vorhergehn, finden wir ebenfalls gewaltsame, i.e. ge-
setzliche Regulierung von seiten der Regierung. Aber um den Ar-
beiter zu zwingen, eine b e s t i m m t e Zeit zu arbeiten,
während die jetzigen Regulationen alle nur umgekehrt bestimmt
sind, den Kapitalisten zu zwingen, ihn n u r b e s t i m m t e
Z e i t arbeiten zu lassen. Dem entwickelten Kapital gegenüber
kann die Arbeitszeit nur durch Regierungszwang eingeschränkt wer-
den. Auf den Stufen, wo das Kapital sich erst entwickelt, tritt
der ¦¦124c¦ Regierungszwang ein, um den Arbeiter gewaltsam in
Lohnarbeiter zu verwandeln.
"Wenn die Bevölkerung dünn gesät und Land im Überfluß vorhanden
ist, ist der freie Arbeiter faul und unverschämt. Klug ausgetüf-
telte Verordnungen werden häufig gefunden, die nicht nur nütz-
lich, sondern absolut notwendig waren, um ihn zur Arbeit zu zwin-
gen. Heutzutage, so sagt Mr. Carlyle, sind die emanzipierten Ne-
ger auf unseren Westindischen Inseln nicht zur Arbeit bereit; sie
haben die heiße Sonne umsonst und reichlich Kürbisse" (Kürbis)
"für fast nichts. Er scheint gesetzliche Verordnungen, um die Ar-
beit zu erzwingen, für absolut nötig zu halten, auch um ihrer
selbst willen. Denn sie fallen rasch zurück in ihre ursprüngliche
Barbarei. Auf das England vor 500 Jahren stützt sich die Erfah-
rung, daß die Armen nicht zu arbeiten brauchten und nicht arbei-
ten wollten. Während der großen
-----
1*) Essenszeiten
#219# Zusätze
-----
Pest im 14. Jahrhundert, welche die Bevölkerung dezimiert hatte,
waren die Schwierigkeiten, Arbeiter z u v e r n ü n f t i g e n
P r e i s e n an die Arbeit zu setzen, so gestiegen, daß sie
unerträglich wurden und das Gewerbe des Königreiches bedrohten.
Folglich wurde im Jahre 1349 unter Eduard III. das Gesetz Nr. 23
erlassen, das die Armen zur Arbeit zwang und in die Festlegung
der Löhne eingriff. Dem folgte über einige Jahrhunderte eine
ganze Reihe gesetzlicher Verordnungen in der nämlichen Absicht.
Die Löhne der Handwerker ebenso wie die der Landarbeiter, Löhne
für Stückarbeit und Tagesarbeit, die Zeiten, in denen die Armen
arbeiten mußten, ja sogar d i e P a u s e n f ü r M a h l-
z e i t e n" (wie in den Fabrikgesetzen von heute) "wurden
gesetzlich festgelegt. Parlamentsakte, die die Arbeitslöhne aber
g e g e n die Arbeiter zugunsten der Arbeitsanwender regu-
lierten, währten für die lange Periode von 464 Jahren. Die
Bevölkerung wuchs. Diese damals begründeten Gesetze wurden nun
überflüssig und lästig. Im Jahre 1813 wurden sie alle außer Kraft
gesetzt." (p. 205, 206, [John Barnard Byles,] "Sophisms of Free
Trade etc.", 7. ed., London 1850.)
"Aus dem Statut von 1496 geht hervor, daß die Nahrung betrachtet
wurde als Äquivalent für 1/3 des Einkommens eines Handwerkers und
1/2 des Einkommens eines labourer's 1*), welches eine größre
Stufe von Unabhängigkeit unter den Arbeitern anzeigt, als jetzt
vorherrscht; denn die Nahrung von labourers und artificers 2*)
wird nun einer höheren Rate ihrer wages 3*) veranschlagt. D i e
S t u n d e n f ü r m e a l s u n d r e l a x a t i o n 4*)
w a r e n l i b e r a l e r a l s h e u t z u t a g e. Sie
betrugen z.B. vom März zu September 1 Stunde für Frühstück, 1/4
Stunden für Mittagessen und 1/2 Stunde für noon-meate 5*). (Also
im ganzen 3 Stunden.) Im Winter wurde gearbeitet von 5 Uhr mor-
gens bis es dunkel wird. Dagegen jetzt in den Cottonfabriken 1/2
Stunde für ¦¦124d¦ Frühstück, 1 Stunde für dinner," also nur
1 1/2 Stunde, g r a d e d i e H ä l f t e v o m 1 5. J h.
(p. 25, 24 und 577, 578, John Wade, "History of the Middle and
Working Classes", 3. ed., Lond[on] 1835.)
Der Bleaching and Dyeing Works Act 1860 erlassen.
Die Bestimmungen in Print Works Act, Bleaching and Dyeing Works
Act 6*) und dem Factory Act sind verschieden.
"Das Gesetz über Bleichereien usw. beschränkt die Arbeitsstunden
aller Frauen und jungen Personen auf 6 U h r m o r g e n s
b i s 8 U h r a b e n d s, gestattet aber Kindern nicht,
n a c h 6 U h r a b e n d s zu arbeiten. Das Kattundruckerei-
gesetz beschränkt die Stunden für Frauen, junge Personen und Kin-
der zwischen 6 Uhr morgens und 10 Uhr abends, vorausgesetzt, die
Kinder haben an einem Tage außer Samstag vor 6 Uhr abends 5 Stun-
den am Schulunterricht teilgenommen." (p. 20, 21, "Factory In-
spector's Reports" for 31st Oct. 1861.) "Die Fabrikgesetze for-
dern, daß pro Tag 1 1/2 Stunden Freizeit zugebilligt werden und
daß diese zwischen 7.30 Uhr morgens und 6 Uhr abends zu geben
sind, und eine Stunde davon soll vor 3 Uhr nachmittags gewährt
werden, und daß weder ein Kind, eine junge Person oder
-----
1*) Arbeiters - 2*) Handwerkers - 3*) Löhne - 4*) Mahlzeiten und
Erholung - 5*) Nachmittagspause 6*) im Kattundruckerei-, Bleiche-
rei- und Färbereigesetz
#220# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
Frau länger als 5 Stunden vor 1 Uhr nachmittags an irgendeinem
Tage ohne Essenspause von mindestens 30 Minuten beschäftigt wer-
den soll ... In dem Kattundruckereigesetz überhaupt k e i n e
Forderung ... n a c h i r g e n d e i n e r E s s e n s-
p a u s e. Demgemäß dürfen junge Personen und Frauen von 6 Uhr
morgens bis 10 Uhr nachts ohne Unterbrechung für Mahlzeiten
arbeiten." (p. 21, l.c.) "In Kattundruckereien darf ein Kind in
der Zeit zwischen 6 Uhr morgens und 10 Uhr nachts arbeiten ...
nach dem Bleichereigesetz darf ein Kind nur solange arbeiten wie
durch das Fabrikgesetz bestimmt, während die Arbeit der
j u n g e n P e r s o n e n u n d F r a u e n, mit denen es
zuvor tagsüber arbeitete, bis 8 Uhr abends fortgesetzt werden
darf." ([p.] 22, l.c.)
"N i m m t m a n d i e S e i d e n f a b r i k a t i o n als
Beispiel, so war es seit 1850 gesetzlich erlaubt, Kinder von 11
Jahren an" (also von 11-13 Jahren) "beim Haspeln und Zwirnen von
Rohseide für 10 1/2 Stunden am Tage zu beschäftigen. Von 1844 bis
1850 war ihre tägliche Arbeit auf 10 Stunden beschränkt und sams-
tags auf weniger und vor diesem Zeitraum auf 9 Stunden. Diese
Veränderungen geschahen mit der Begründung, die Arbeit in
Seidenfabriken sei leichter als in anderen Textilfabriken, und
auch, in anderer Hinsicht, in keiner Weise so nachteilig für die
Gesundheit." (p. 26, l.c.) "Die 1850 in Umlauf gesetzte Be-
hauptung, wonach die Seidenfabrikation als gesündere Beschäfti-
gung als die Herstellung anderer Textilfabrikate hingestellt
wurde, läßt nicht nur ¦¦124e¦ jeden Beweis vermissen, sondern der
Beweis ist genau umgekehrt; denn die durchschnittliche Sterblich-
keitsrate in den Seidendistrikten ist äußerst hoch und unter dem
weiblichen Teil der Bevölkerung selbst höher als in den Baumwoll-
distrikten von Lancashire, wo es, obwohl die Kinder zwar nur die
halbe Zeit arbeiten, gleichwohl bedingt durch die in der Baum-
wollfabrikation gesundheitsschädlichen Ursachen, eine hohe Sterb-
lichkeitsrate an Lungenleiden gibt, die man als unabwendbar be-
trachten kann." (p.27, l.c.)
Lord Ashley in seiner Rede über die Zehnstundenbill [81] (March,
15th 1844) sagt, daß damals die Arbeitsstunden in den österrei-
chischen Fabriken
"15 und nicht selten 17 Stunden pro Tag". ("Ten Hours' Factory
Bill", London 1844, p. 5.) In der Schweiz sind die Verordnungen
sehr streng: "Im Kanton Aargau ist Kindern unter 14 Jahren nicht
gestattet, mehr als 12 1/2 Stunden zu arbeiten, und die Fabrikbe-
sitzer sind verpflichtet, für die Schulbildung zu sorgen." Im
Kanton Zürich "sind die Arbeitsstunden auf 12 beschränkt; und
Kinder unter 10 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden ... In
Preußen darf nach dem Gesetz von 1839 kein Kind, das nicht sein
16. Lebensjahr vollendet hat, länger als 10 Stunden pro Tag be-
schäftigt werden; niemand unter 9 Jahren darf überhaupt beschäf-
tigt werden", (p. [5,] 6.) *)
---
---
*) Im Manuskript gestrichen: Das in Rohmaterial ausgelegte Kapi-
tal wächst noch ungleich schneller als bei der auf bloßer Teilung
der Arbeit gegründeten Manufaktur im Verhältnis zu dem im Ar-
beitslohn ausgelegten. Und es kommt ganz hinzu die große Masse
des in Arbeitsmitteln ausgelegten Teils des Kapitals. 1*)
-----
1*) Siehe vorl. Band, S. 322
#221# Zusätze
-----
/V-196/ Subinspektor Baker berichtet ("Factory reports", 1843),
daß er "mehrere Frauen gesehen habe, die, dessen sei er sicher,
ihr 18. Lebensjahr gerade erst vollendet haben konnten, aber ge-
zwungen waren, von 6 Uhr früh bis 10 Uhr abends mit nur 1 1/2
Stunden Essenspausen zu arbeiten. In anderen Fällen weist er
nach, sind Frauen die ganze Nacht hindurch bei einer Temperatur
von 70-80 Grad [Fahrenheit] zu arbeiten gezwungen ... Ich ent-
deckte" (sagt Mr. Horner, "Factory Reports", 1843) "viele junge
Frauen, gerade 18 Jahre alt, bei der Arbeit von halb 5 Uhr mor-
gens bis 8 Uhr abends ohne Unterbrechung außer einer Viertel-
stunde für Frühstück und 3 Viertelstunden für Mittagsmahlzeit.
Man kann getrost behaupten, daß sie 15 1/2 von 24 Stunden arbei-
ten. Unter ihnen gibt es" (sagt Mr. Saunders, "Fad. Rep.", 1843)
"Frauen, die hintereinander für viele Wochen, mit Ausfall nur we-
niger Tage, von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts beschäftigt wer-
den, mit weniger als 2 Stunden für Mahlzeiten, so daß ihnen für 5
Nächte in der Woche von den 24 Tagesstunden nur 6 bleiben, um von
und nach Hause zu gehen und im Bett auszuruhen." (l.c., [p.] 20,
21.)
Das frühre Abnutzen des Arbeitsvermögens, in andren Worten, das
frühe Altern, infolge der gewaltsamen Verlängerung der Arbeits-
zeit:
"Im Jahre 1833 richtete Mr. Ashworth, ein sehr bedeutender Fa-
brikbesitzer, einen Brief an mich, der den folgenden merkwürdigen
Absatz enthielt: 'Als nächstes werden Sie sich natürlich nach den
alten Männern erkundigen, von denen man sagt, sie sterben oder
werden arbeitsunfähig, sobald sie das vierzigste Jahr erreichen
oder wenig später.' Merken Sie sich den Satz, 'alte Männer' von
40 Jahren." (l.c., p. 12.)
The government commissioner M'Intosh (one those commissioners,
sent expressly to collect evidence against that taken by the com-
mittee of 1832), says in his report of 1833 1*):
"Obwohl vorbereitet, weil ich Kindlichkeit in dieser Weise in Be-
sitz genommen sah, ist es sehr schwer, a n d a s A l t e r
z u g l a u b e n, das Männer vorgerückten Alters von sich
selbst angeben, so vollendet ist ihre vorzeitige Greisenhaftig-
keit." (p. 13, l.c.) [90]
---
/III-124e/ 1816 Sir R. Peel procured a committee of the House of
Commons to examine into the apprentice act of 1802 2*). U.a.
Nach der Evidence of John Moss, overseer of einer Mill bei
Preston, der Apprentice act was constantly set at nought. The
witness did not even known of it. Die children in der mill, fast
alle apprentice von London parishes; were worked 3*) von 5 Uhr
-----
1*) Regierungskommissär M'Intosh (einer der Kommissäre, die aus-
drücklich geschickt wurden, um Beweise gegen das zu sammeln, was
1832 vom Komitee beigebracht wurde), sagte 1833 in seinem Bericht
- 2*) 1816 bewirkte Sir R. Peel, daß ein Ausschuß des Unterhauses
gebildet wurde, um das Lehrlingsgesetz von 1802 zu untersuchen
3*) Zeugenaussage von John Moss, Aufseher von einer Fabrik bei
Preston, wurden die Bestimmungen
#222# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
morgens bis 8 in der Nacht, das ganze Jahr durch, mit 1 Stunde
für die 2 meals: invariably they worked 1*) von 6 am Sonntagmor-
gen bis 12, in cleaning the machinery for the week 2*). (15 Stun-
den.) [91]
Durchschnittsarbeit bei den Bäckern in London 17 Stunden. 17
Stunden regulär in der ersten Zeit der Baumwollindustrie. Kurz
nachher Einführung der Nachtarbeit.
Rate des Mehrwerts
Wenn der Arbeiter 10 Stunden necessary labour 3*) arbeitet und 2
Stunden surpluslabour 4*), so die Rate = 2/10 = '/5 = 20 Prozent.
Es käme falsche Rechnung heraus, d.h. die Rate der Exploitation
würde falsch konstatiert, wenn man den ganzen Arbeitstag von 12
Stunden betrachtete und etwa sagte, der Arbeiter erhält der Kapi-
talist 1/6 davon. Die Rate betrüge dann 1/6 (12/6 = 2 Stunden) =
16 2/3 Prozent. Derselbe Irrtum fände statt, würde das Produkt
berechnet, und zwar nicht das Verhältnis des surplusproduce zu
dem Teil des produce which = equivalent dem Arbeitslohn, sondern
d[em] surplusproduce as aliquot part of the aggregate produce
5*). Dieser Punkt sehr wichtig, nicht nur zur Bestimmung des
Mehrwerts, sondern später entscheidend wichtig für richtige Be-
stimmung der Profitrate.
¦¦124 f¦ "Er" (einer der Unternehmer in der ersten Zeit der Ent-
wicklung der Baumwollindustrie) "hat mir eine erstaunliche Idee
mitgeteilt; ich weiß nicht, ob sie ihm mit Recht zugeschrieben
werden kann, aber sie ist wirklich seiner würdig: es geht u m
d i e O r g a n i s i e r u n g d e r N a c h t a r b e i t.
Die Arbeiter werden auf zwei Gruppen aufgeteilt, und zwar derart,
daß jede in einer von zwei Nächten bis zum Morgen wacht: so ruhen
die Webstühle nicht mehr. Die auf 17 Stunden begrenzte Arbeit
läßt während 7 langer Stunden ein unermeßliches Kapital ruhen,
den Wert der Webstühle, die Mieten usw. Diese 7 langen Stunden
Tagesgewinn werden nicht mehr verlorengehen. Er hat mir ein Sy-
stem erklärt, mit dessen Hilfe er nur durch die Einführung des
Nachtlohnes wieder gewinnen wird und dazu die Unkosten für Be-
leuchtung." ([p.] 145, 146, "Sir Richard Arkwright etc. (1760 à
1792)", par St. Germain Leduc, Paris 1841.)
-----
des Lehrlingsgesetzes ständig in den Wind geschlagen. Der Zeuge
wußte nicht einmal von seiner Existenz. Die Kinder in der Fabrik,
fast alle Lehrlinge von Londoner Pfarrbezirken, wurden abgear-
beitet - 1*) gleichbleibend arbeiteten sie 2*) um die Maschinen
für die Woche zu säubern - 3*) notwendige Arbeit - 4*) Mehrarbeit
- 5*) Mehrprodukts zu dem Teil des Produkts, welches gleich äqui-
valent dem Arbeitslohn, sondern d[em] Mehrprodukt als entspre-
chendem Teil des Gesamtprodukts
#223# Zusätze
-----
Dies die Norm jetzt in den cottonfabrics zu Moskau. Viel scheuß-
licher noch in diesem Augenblick das in den Spiegelfabriken zu
Manchester befolgte System; wobei auch Kinder angewandt. Nämlich
2 troupes 1*), die sich alle 24 Stunden Tag und Nacht per je 6
Stunden ablösen. Wir lesen bei Babbage ("Ort the Economy of Ma-
schinery etc.", Lond[on] 1832):
"Die ersten Maschinen, Tüll zu fabrizieren, waren sehr teuer beim
ersten Ankauf, von 1000 zu 1200 oder 1300 l. St. Jeder Fabrikant,
Besitzer einer dieser Maschinen, fand bald, daß er mehr fabri-
zierte, aber da ihre Arbeit auf 8 Stunden per Tag beschränkt war,
konnte er in bezug auf ihren Preis nicht mit der alten Fabrikati-
onsmethode wetteifern. Dieser Nachteil rührte von der beträchtli-
chen Summe her, die dem ersten établissement 2*) der Maschine ge-
widmet war. Bald aber bemerkten die Fabrikanten, daß mit dersel-
ben Ausgabe von ursprünglichem Kapital und einer kleinen Addition
zu ihrem fonds de roulement 3*) sie dieselbe Maschine während 24
Stunden arbeiten lassen konnten. Die Vorteile, die sie so reali-
sierten, engagierten andre Personen, ihre Aufmerksamkeit auf die
Mittel, sie zu vervollkommnen, zu lenken, so daß ihr Ankaufpreis
eine beträchtliche Reduktion in derselben Zeit erfuhr, als der
Tüll sich schneller und in größerer Quantität machte." (Ch. XXII.
[92])
Dale, der Vorgänger Owens in der Cottonfabrik zu New-Lanark,
selbst Philanthropist, wandte die Kinder selbst unter 10 Jahren
noch 13 Stunden an.
"Um die Unkosten für die so wohlbedachten Maßnahmen zu decken und
die Anlage im allgemeinen zu unterhalten, war es unumgänglich nö-
tig, diese Kinder von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, im Sommer
wie im Winter, in den Baumwollfabriken zu beschäftigen ... Die
Vorsteher der öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen wollten aus
schlecht verstandenen ökonomischen Gründen die ihrer Sorge anver-
trauten Kinder nicht schicken, sofern sich die Fabrikbesitzer
nicht auch der 6-, 7- und 8jährigen annähmen." ([p.] 64.)
("Examen Impartial des Nouvelles Vues de M. Robert Owen et de ses
Etablissemens à New-Lanark en Écosse etc.", par Henry Grey Macnab
etc., traduit par Laffon de Ladébat etc., Paris 1821.) "So
erwiesen sich die Vorkehrungen von M. Dale und seine liebevolle
Fürsorge für das Wohlergehen dieser Kinder letzten Endes als na-
hezu völlig nutzlos und ohne Erfolg. Er hatte diese Kinder in
seine Dienste genommen, und ohne ihre Arbeit konnte er sie nicht
ernähren." ([p.] 65, I. c.) "Das Übel rührte daher, daß die aus
Waisenhäusern entsandten für ihre Arbeit viel zu jungen Kinder
¦¦124 g¦ noch mindestens weitere vier Jahre länger hätten betreut
werden und eine erste Erziehung erhalten müssen ... Wenn das ein
zuverlässiges und nicht übertriebenes Bild der Lage unserer Lehr-
linge aus den Waisenhäusern in u n s e r e m g e g e n-
w ä r t i g e n F a b r i k s y s t e m, selbst unter den be-
sten und humansten Bedingungen ist, wie erbärmlich muß dann die
Lage dieser Kinder unter einem schlechten Regime sein?" ([p.] 66,
l.c.)
-----
1*) Gruppen - 2*) Aufstellen - 3*) Umlaufmitteln
#224# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
Sobald Owen die Direktion übernahm:
"Das System, Lehrlinge aus Einrichtungen der öffentlichen Wohl-
fahrt zu beziehen, wird abgeschafft ... Man verzichtet auf die
Gewohnheit, Kinder von 6 bis 8 Jahren in Fabriken zu beschäfti-
gen." ([p.] 74.)
"Die Arbeitszeit, 16 von 24 Stunden, wurde reduziert auf 10 1/2
Stunden pro Tag." ([p.] 98.)
Dies galt natürlich als gesellschaftsumwäizerisch. Großes Ge-
schrei der économistes 1*) und Benthamschen "Philosophen".
---
"Aber noch leichter ist die Anschaffung des Brotes auf den östli-
chen Inseln in dem asiatischen Archipelagus, wo der Sago wild in
dem Wald wächst. Wenn die Bewohner, indem sie ein Loch in den
Stamm bohren, sich davon überzeugt haben, daß das Mark reif ist,
so wird der Stamm umgeschlagen und in mehrere Stücke geteilt, das
Mark wird herausgekratzt, mit Wasser gemischt und geseihet, es
ist dann vollkommen brauchbares Sagomehl. Ein Baum gibt gemeinig-
lich 300 Pfund und kann 5-600 Pfund geben. Man geht dort also in
den Wald und schneidet sich sein Brot, wie man bei uns sein
Brennholz schlägt." ([p.] 148, "Die Erde, die Pflanzen und der
Mensch", von J.F. Schouw, 2. Auflage, Leipzig 1854.)
Gesetzt, es sei 1 Tag (von 12 Stunden) per Woche nötig, damit
dieser Brotschneider alle seine Bedürfnisse befriedige. Wäre ka-
pitalistische Produktion eingeführt, so müßte er 6 Tage per Woche
arbeiten, um sich das Produkt dieses einen Tages anzueignen.
---
Die Surplusarbeit besteht natürlich aus derselben Art Arbeit wie
die necessary 2*). Ist der Arbeiter ein Spinner, so besteht seine
Surplusarbeit im Spinnen und sein Surplusproduce im Gespinst. Ist
er ein Kohlengräber, so etc. Man sieht also, daß die Art der Ar-
beit, ihre besondre Qualität, der besondre Zweig, dem sie ange-
hört, durchaus gleichgültig ist für das Verhältnis von surplusla-
bour zu necessary labour. Ebenso gleichgültig ist daher das
Wertverhältnis der verschiednen Arbeitstage zueinander, oder, was
dasselbe, das Verhältnis, worin a day of more or less skilled la-
bour is equates with a day of unskilled average labour 3*). Diese
Ausgleichung berührt das hier untersuchte Verhältnis gar nicht.
Der Vereinfachung wegen (der Darstellung) kann daher immer so rä-
soniert werden, als wenn die Arbeit aller Arbeiter, die der Kapi-
talist
-----
1*) Ökonomen - 2*) notwendige - 3*) ein Tag mehr oder weniger
qualifizierter Arbeit gleichgesetzt wird mit einem Tag unqualifi-
zierter Durchschnittsarbeit
#225# Zusätze
-----
anwendet, = average unskilled labour 1*), einfache Arbeit. In
seiner Berechnung (im Geldausdruck der Arbeit) ist sie ohnehin -
jede Art der Arbeit - a u f d i e s e n A u s d r u c k,
praktisch und faktisch reduziert. ¦¦124 h¦ Die qualitativen Un-
terschiede in den verschiednen Arten von average labour 2*), daß
die eine mehr Gewandtheit erheischt, die andre mehr Kraft etc.,
gleichen sich praktisch untereinander aus. Was aber die
i n d i v i d u e l l e V e r s c h i e d e n h e i t der Ar-
beiter betrifft, die d i e s e l b e Arbeit verrichten, so ist
darüber folgendes zu bemerken: Diese Verschiedenheit am größten
im handwerksmäßigen Betrieb (und in den höhren Sphären der sog.
unproduktiven Arbeit). Sie verschwindet mehr und mehr und ist auf
kaum zu berechenbaren Spielraum beschränkt in der entwickelten
kapitalistischen Produktion, wo Teilung der Arbeit und Maschine-
rie vorherrscht. (Abgerechnet die kurze Lernzeit der Apprenti-
ces.) Der average 3*) Lohn muß hoch genug sein, um den average
Arbeiter am Leben als Arbeiter zu erhalten; und eine average Lei-
stung ist hier die Voraussetzung für den Arbeiter, um überhaupt
als solcher ins Atelier zugelassen zu werden. Was über oder unter
diesem average steht, Ausnahme, und das ganze Atelier betrachtet,
liefert sein ganzes Personal das average Produkt in der average
Zeit des bestimmten Zweigs unter den average Produktionsbedingun-
gen. In dem Tags-, Wochenlohn etc. faktisch keine Rücksicht ge-
nommen auf diese individual differences 4*). Wohl aber im Stück-
lohn. Dies ändert am Verhältnis zwischen Kapitalist und Arbeiter
nichts. Ist die Arbeitszeit von A höher als die von B, so sein
Lohn, aber auch die surplusvalue 5*), die er schafft. Fällt seine
Leistung unter den average, daher sein Lohn, so auch die surplus-
value. Das ganze Atelier muß aber den average liefern. Was über
und unter dem average, ergänzt sich, und der average, den ohnehin
das great bulk of labourers 6*) leistet, bleibt. Diese Sachen
beim Arbeitslohn zu betrachten. Für das hier betrachtete Verhält-
nis gleichgültig. Übrigens Stücklohn sehr früh in den englischen
Fabriken. War einmal festgestellt, wieviel on an average 7*) in
einer gegebnen Arbeitszeit geleistet werden konnte, so danach der
Arbeitslohn bestimmt (zugleich die Zahl der Arbeitsstunden täg-
lich gegeben). Und in fact der Arbeitslohn (the aggregate 8*))
niedriger dann mit 17 Stunden Arbeit als mit
-----
1*) durchschnittlich unqualifizierte Arbeit - 2*) Durchschnitts-
arbeit - 3*) durchschnittliche - 4*) individuellen Unterschiede -
5*) der Mehrwert 6*) die große Masse der Arbeiter - 7*) im
Durchschnitt - 8*) die Gesamtsumme
#226# 2. Der absolute Mehrwert - Heft III
-----
10. Nur bei a u ß e r g e w ö h n l i c h e r overtime working
1*) käme der Unterschied den Arbeitern zugute, daß sie von dieser
extraordinary surplus labour part appropriate to themselves 2*).
Was übrigens auch da der Fall, wo extraordinary surpluslabour bei
Taglohn etc.
Wir haben gesehn, der W e r t beruht darauf, daß die Menschen
sich zu ihren Arbeiten wechselseitig als gleichen und allgemeinen
und in dieser Form gesellschaftlicher Arbeit verhalten. Dies eine
Abstraktion, wie alles menschliche Denken, und gesellschaftliche
Verhältnisse nur unter den Menschen, soweit sie denken und dies
Abstraktionsvermögen von der sinnlichen Einzelheit und Zufällig-
keit besitzen. Die Sorte Ökonomen, die die Bestimmung des Werts
durch Arbeitszeit deswegen angreifen, weil die Arbeiten von 2
Individuen in derselben Zeit nicht a b s o l u t g l e i c h
(obgleich im selben Fach), wissen überhaupt noch nicht, wodurch
menschliche gesellschaftliche Verhältnisse von tierischen sich
unterscheiden. Sie sind beasts. Als beasts finden dieselben Bur-
schen denn auch keine Schwierigkeit, zu übersehn, daß nicht 2 Ge-
brauchswerte einander absolut gleich sind (nicht 2 Blätter, Leib-
niz [93]), und noch weniger Schwierigkeit, Gebrauchswerte, die
absolut kein Maß untereinander haben, n a c h d e m G r a d
i h r e r N ü t z l i c h k e i t als Tauschwerte zu schätzen.
Wäre die monetary expression (Geld, to be supposed to keep its
value, as it really does for longer periods) 3*) eines average
Arbeitstags von 12 Stunden = 10 sh, so klar, daß der Arbeiter,
der 12 Stunden arbeitet, dem Arbeitsgegenstand nie mehr als 10 sh
zufügen kann. Beträgt die Summe seiner täglichen notwendigen Le-
bensmittel nur 5 sh, so hat der Kapitalist 5 sh zu zahlen und er-
hält 5 sh surplusvalue, wenn 6 nur 4, wenn 7 nur 3, wenn 3 dage-
gen 7 4*) etc. Bei gegebner Arbeitszeit - Länge des Arbeitstags
- dies festzuhalten, daß die Summe von necessary und surplusla-
bour im Produkt von konstantem Wert sich darstellt und von equal
monetary expression of that value, as long as the value of money
remains constant 5*).
-----
1*) Überstundenarbeit - 2*) außergewöhnlichen Überstundenarbeit
einen Teil sich selbst aneignen 3*) Ausdruck in Geld (Geld, von
dem angenommen wird, daß es seinen Wert behält, wie es tatsäch-
lich in längeren Zeiträumen zutrifft) 4*) In der Handschrift: 9
- 5*) gleichen Ausdruck in Geld von diesem Wert, so lange der
Wert des Geldes konstant bleibt
zurück