Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
zurück
#330#
-----
Petty
[a) Bevölkerungstheorie - Kritik an den unproduktiven Berufen]
¦¦XXII-1346¦ [Petty.] [106] "A Treatise of Taxes, and Contributi-
ons", London 1667. Unser Freund Petty hat ganz andre
"Populationstheorie" als Malthus. Nach ihm a check ought to be
put upon the "breeding" faculties of parsons, and the "Coelibat"
again put upon them 1*).
Dies alles gekört zur: P r o d u c t i v e a n d u n p r o-
d u c t i v e l a b o u r. [107]
a) P a r s o n s 2*):
"Da es in England mehr Männer als Frauen gibt ..., wäre es gut,
wenn die Priester zu i h r e m Z ö l i b a t z u r ü c k-
k e h r t e n oder wenn niemand Priester sein könnte, solange er
verheiratet ist... Und dann könnte unser u n v e r h e i-
r a t e t e r G e i s t l i c h e r ebensogut v o n d e r
h a l b e n wie jetzt von seiner ganzen Pfründe leben." (p. 7.
8.)
K a u f l e u t e u n d R e t a i l e r s 3*):
"Ein großer Teil von ihnen, dem n a c h R e c h t u n d
B i l l i g k e i t n i c h t s v o n d e r G e s e l l-
s c h a f t zusteht, könnte ebenfalls ausgeschaltet werden, da
sie nur eine Art S p i e l e r s i n d, d i e u n t e r-
e i n a n d e r ¦¦1347¦ u m d i e A r b e i t s e r-
g e b n i s s e d e r A r m e n s p i e l e n und selber
nichts hervorbringen, sondern nur, wie Venen und Arterien, nach
verschiedenen Richtungen das Blut und die Nährsafte des
Gesellschaftskörpers v e r t e i l e n, nämlich das Produkt von
Landwirtschaft und Manufaktur." (p. 10.)
c) A d v o k a t e n, Ä r z t e, B e a m t e e t c.:
"Wenn die zahlreichen Ämter und Sporteln, die mit R e g i e-
r u n g, R e c h t s p r e c h u n g und K i r c h e zusammen-
hängen, und die Menge der Theologen, Juristen, Ärzte, Kaufleute
und Krämer, die alle h o h e L ö h n e empfangen f ü r
w e n i g A r b e i t, d i e s i e der Gesellschaft l e i-
s t e n, ebenfalls verringert würden - wieviel leichter könnten
die gesellschaftlichen Ausgaben bestritten werden?" (p. 11.)
-----
1*) müßte man dem "Vermehrungs"vermögen der Geistlichen Einhalt
tun und für sie das "Zölibat" wieder einführen - 2*) Geistliche -
3*) Krämer
#331# Petty
-----
d) P a u p e r s; s u p e r n u m e r a r i e s 1*):
"Wer soll diese Menschen bezahlen? Ich antwortete, jedermann...
Ich denke, es ist klar, man sollte sie weder verhungern lassen
noch hängen, noch weggeben etc." (p. 12.) Entweder gebe man ihnen
"den Überfluß", oder wenn kein solcher da, "im Falle k e i n
Ü b e r s c h u ß da ist..., wäre es schicklich, die Auserlesen-
heit der Ernährung der anderen in Quantität oder Qualität e i n
w e n i g z u b e s c h n e i d e n. (p. 12, 13.) Die Arbeit,
die man ihnen (den supernumeraries) auferlegt, gleichgültig; nur
muß sie sein "ohne Aufwand von ausländischen Waren"; die Hauptsa-
che ist, "ihr Gemüt an Disziplin und Gehorsam und ihren Leib an
Ausdauer bei nützlicheren Arbeiten zu gewöhnen, wenn ein Bedürf-
nis das erfordern sollte." (p. 13.) "Am besten, sie zum Bauen von
Straßen, Brücken, Bergwerken etc. zu verwenden." (p. 11, 12.)
B e v ö l k e r u n g, d e r R e i c h t u m:
"K l e i n h e i t d e r B e v ö l k e r u n g i s t w i r k-
l i c h e A r m u t; und eine Nation, deren Bevölkerung acht
Millionen betragt, ist mehr als doppelt so reich wie eine andere,
die auf gleich großem Gebiet bloß vier Millionen zählt." (p. 16.)
ad a) oben, P a r s o n s. Die Pfaffen behandelt Petty mit ex-
quisiter Ironie:
"Die Religion blüht am besten, wenn die Priester am meisten ka-
steit werden, wie... das Recht... am besten, wo die Advokaten
verhungern. (p. 57.) Unter allen Umständen, rät er den parsons,
"n i c h t m e h r P f a f f e n z u h e c k e n, a l s die
vorhandenen P f r ü n d e n absorbieren können". Z.B. 12000 be-
nefices 2*) in England und Wales. Dann "ist es unweis, 24000
Pfaffen zu hecken". Denn sonst machen die 12000 Unversorgten Kon-
kurrenz, "und wie könnten sie das leichter tun, als indem sie das
Volk überreden, die 12000 Pfründner vergifteten die Seelen, und
hungerten selbige Seelen aus" (dies mit Anspielung auf den engli-
schen Religionskrieg) "und zeigten ihnen den Holzweg zum Himmel".
(p. 57.)
[b) Bestimmung des Wertes durch die Arbeitszeit]
U r s p r u n g u n d S c h ä t z u n g d e s s u r p l u s
v a l u e. Dies geht etwas kunterbunt durcheinander; aber in
all dem Herausringen der Gedanken findet sich das Schlagende zer-
streut zusammen.
Petty unterscheidet zwischen n a t u r a l p r i c e, p o l i-
t i c a l p r i c e, t r u e p r i c e c u r r a n t 3*) (p.
67). Unter n a t u r a l p r i c e versteht er in der Tat das
v a l u e, und dieses ist es allein, was uns hier beschäftigt,
da ¦¦1348¦ von der W e r t b e s t i m m u n g die Bestimmung
des surplus value a b h ä n g t.
In dieser Schrift bestimmt er in der Tat den W e r t d e r
W a r e n durch die comparative 4*) Q u a n t i t ä t v o n
A r b e i t, die in ihnen enthalten ist.
-----
1*) Überzählige - 2*) Pfründen - 3*) natürlichem Preis, politi-
schem Preis, wahrem Marktpreis - 4*) verhältnismäßige
#332# Beilagen
-----
"Aber ehe wir zuviel von R e n t e n sprechen, müssen wir ihre
geheimnisvolle Natur zu erklären trachten, sowohl in bezug auf
d a s G e l d, d e s s e n R e n t e w i r Z i n s
n e n n e n, als auch in bezug auf L ä n d e r e i e n u n d
H ä u s e r." (p. 23.)
alpha) Zuerst fragt es sich, was ist der W e r t einer Ware?
näher - von Korn?
"Wenn jemand eine Unze Silber aus dem Innern der Erde Perus i n
d e r s e l b e n Z e i t nach London bringen kann, die er zur
Produktion eines Bushel Korn brauchen würde, dann ist das eine
der natürliche Preis des anderen; wenn er nun durch Abbau neuer
und ergiebiger Bergwerke statt der einen zwei Unzen Silber mit
dem gleichen Aufwand gewinnen kann, wird das Korn bei einem Preis
von 10 Shilling pro Bushel ebenso billig sein wie vorher bei ei-
nem Preis von 5 Shilling, caeteris paribus. 1*)" (p. 31.) "Nehmen
wir an, die Produktion eines Bushel Korn erfordere
e b e n s o v i e l A r b e i t wie d i e e i n e r U n z e
Silber." (p. 66.) Dies ist zunächst der "reale und nicht einge-
bildete Weg, die Preise der Waren zu berechnen." (p. 66.)
beta) Der zweite Punkt, der nun zu untersuchen ist, ist der
W e r t d e r A r b e i t.
"Das Gesetz... s o l l t e d e m A r b e i t e r g e r a d e
d a s n o c h z u m L e b e n N o t w e n d i g e z u g e-
s t e h e n; denn wenn man ihm das Doppelte zugesteht, dann
arbeitet er nur halb soviel, wie er hätte tun können und an-
dernfalls getan hatte; d a s b e d e u t e t für d i e G e-
s e l l s c h a f t e i n e n V e r l u s t d e s E r-
g e b n i s s e s v o n s o v i e l A r b e i t." (p. 64.)
Der Wert der Arbeit also durch die notwendigen Lebensmittel be-
stimmt. Der Arbeiter nur dadurch zur Surplusproduktion und Sur-
plusarbeit bestimmt, daß man ihn zwingt, seine ganze dispositi-
onsfähige Arbeitskraft zu verwenden, um selbst soviel zu erhal-
ten, wie er g r a d e b r a u c h t, u m z u l e b e n. In-
des ist die Wohlfeilheit oder Teuerkeit seiner Arbeit durch 2 Um-
stände bestimmt: natürliche Fruchtbarkeit und vom Klima bestimm-
tes Maß der Ausgaben (Bedürfnisse):
"N a t ü r l i c h e T e u e r k e i t u n d W o h l f e i l-
h e i t hängt davon ab, ob w e n i g e r o d e r m e h r
H ä n d e e r f o r d e r l i c h s i n d, d i e n a t ü r-
l i c h e n B e d ü r f n i s s e z u b e f r i e d i g e n:
So ist Korn dort billiger, wo ein Mann Korn für zehn produziert,
als dort, wo er das nur für sechs tun kann; und außerdem von dem
Maß, wie das Klima Menschen zu der Notwendigkeit höherer oder
niedrigerer Ausgaben bestimmt." (p. 67.)
gamma) Für ihn besteht das S u r p l u s nur in zwei Formen:
r e n t o f l a n d oder r e n t o f m o n e y (usury)
2*). Die letztre leitet er von der erstren ab. Die erste für ihn
wie später für die Physiokraten, die e i g e n t l i c h e
F o r m des surplus value (er erklärt aber zugleich, daß Korn
einschließen soll all necessaries of life 3*), wie in dem "Lord's
Prayer" (Vaterunser) the word "B r e a d doth" 4*).
Er geht nun in der Darstellung nicht nur so [vor], daß er die
Rente (das
-----
1*) unter sonst gleichen Umständen - 2*) Bodenrente oder Geld-
rente (Zins) - 3*) alles Lebensnotwendige - 4*) das Wort
"[täglich] Brot gib"
#333# Petty
-----
Surplus) darstellt als Überschuß, den der employer über die ne-
cessary time of labour 1*) zieht; sondern 50, daß er sie als
Überschuß der surplus labour des Produzenten selbst über seinen
Arbeitslohn und den Ersatz seines eignen Kapitals darstellt.
"Nehmen wir an, ein Mann bebaute mit eigener Hand eine bestimmte
Fläche Land mit Korn, das heißt, er gräbt oder pflügt es um,
eggt, rodet, erntet, fährt das Korn ein, drischt es, worfelt es,
wie es der Ackerbau dieses Landes erfordert, und er hat überdies
S a a t g u t, um es zu besäen. Ich behaupte - wenn dieser Mann
v o n s e i n e r E r n t e s e i n S a a t g u t a b g e-
z o g e n h a t" (also erstens von dem Produkt ein Äquivalent
des konstanten Kapitals abgezogen) ¦¦1349¦ "sowie alles das, was
er selbst verzehrt und im Austausch für Kleidung und für sonstige
natürliche Bedürfnisse an andere gegeben hat -, daß das, was a n
K o r n ü b r i g b l e i b t, d i e n a t ü r l i c h e
u n d w i r k l i c h e B o d e n r e n t e f ü r d i e s e s
J a h r ist; und der D u r c h s c h n i t t von sieben Jahren
oder vielmehr die Zahl von Jahren, i n d e n e n M i ß-
e r n t e n u n d g u t e E r n t e n i h r e n K r e i s-
l a u f d u r c h m a c h e n, gibt die gewöhnliche Bodenrente
in Korn." (p. 23, 24.)
Es ist also in der Tat bei P e t t y, da der Wert des Korns
durch die in ihm enthaltne Arbeitszeit bestimmt ist, und die
Rente gleich dem Gesamtprodukt minus dem Arbeitslohn und seed
2*), letztre gleich dem surplus produce, worin sich die surplus
labour vergegenständlicht. Die Rente schließt hier den Profit
ein; er ist noch nicht getrennt von der Rente.
In derselben ingeniösen Weise fragt P [e t t y] weiter:
"Aber eine weitere, wenn auch eine Nebenfrage ist die:
W i e v i e l e n g l i s c h e s G e l d i s t dieses
K o r n o d e r diese R e n t e w e r t? Ich erwidere,
s o v i e l w i e d a s G e l d, das ein anderer einzelner
Mann i n d e r g l e i c h e n Z e i t über seine Ausgaben
hinaus ersparen kann, wenn er sich ganz darauf wirft, es zu
produzieren. Nehmen wir also an, ein anderer Mann reise in ein
Land, wo es Silber gibt, er grabe dort nach Silber, reinige es,
bringe es an denselben Ort, wo der erste Mann sein Korn anbaut,
präge dort Münzen usw.; wenn dieser Mann während der ganzen Zeit,
in der er das Silber produzierte, sich gleich zeitig auch die zu
seinem Unterhalt notwendige Nahrung und Kleidung erwarb, m u ß
- sage ich - das Silber des einen a n W e r t d e m K o r n
d e s a n d e r e n g l e i c h g e s c h ä t z t w e r-
d e n. Das eine beläuft sich etwa auf zwanzig Unzen und das
andere auf zwanzig Bushel. Daraus folgt, daß der Preis eines
Bushel von diesem Korn eine Unze Silber ist." (p. 24.)
Die Verschiedenheit der Arbeit, bemerkt er dabei ausdrücklich,
ist ganz gleichgültig hierbei; es kömmt nur auf die A r-
b e i t s z e i t an.
"Und insofern möglicherweise mit der Produktion des Silbers mehr
Kunst und mehr Risiko verbunden sein kann als mit der des Korns,
so gliche sich das doch schließlich aus. Man lasse hundert Mann
z e h n J a h r e l a n g a r b e i t e n, um Korn zu ernten,
-----
1*) notwendige Arbeitszeit - 2*) Saatgut
#334# Beilagen
-----
und d i e s e l b e Z a h l L e u t e d i e g l e i c h e
Z e i t, um Silber zu gewinnen, und ich sage, daß der Reinertrag
an Silber d e r P r e i s d e s g e s a m t e n R e i n-
e r t r a g s a n K o r n sein wird und gleiche Teile des
einen den Preis gleicher Teile des andern bilden werden." (p.
24.)
[c) Bestimmung des Bodenpreises, der Rente und des Zinses]
Nachdem er so die R e n t e, die hier gleich dem ganzen
M e h r w e r t, Profit included 1*), und ihren Geldausdruck ge-
funden, setzt er sich nun dran, den G e l d w e r t d e s
L a n d e s zu bestimmen, was wieder sehr genial.
"Daher würden wir froh sein, d e n n a t ü r l i c h e n
W e r t d e s f r e i v e r k ä u f l i c h e n Bodens zu be-
stimmen, wenn auch nicht besser, als wir den des schon erwähnten
u s u s f r u c t u s bestimmten." (p. 25.)... "Nachdem wir die
R e n t e o d e r d e n W e r t d e s u s u s f r u c t u s
p e r a n n u m gefunden haben, ist die Frage die, w i e
v i e l e J a h r e s r e n t e n (wie wir gewöhnlich sagen)
bilden den natürlichen Wert des f r e i v e r k ä u f-
l i c h e n B o d e n s? Sagen wir eine unendliche Anzahl, dann
würde ein Acre Land an Wert gleich sein tausend Acres desselben
Bodens, was absurd ist; eine Unendlichkeit von Einheiten ist
gleich einer Unendlichkeit von Tausenden. Daher müssen wir uns
für eine etwas b e s c h r ä n k t e Z a h l entscheiden, und
ich meine, das ist die Zahl von Jahren, die ein Mensch von
fünfzig Jahren, einer von achtundzwanzig und ein anderer von
sieben Jahren, die gleichzeitig am Leben sind, Aussicht haben zu
leben, das heißt Großvater, Vater und Kind. Wenige Menschen haben
Ursache, für fernere Nachkommenschaft zu sorgen... Ich nehme
daher an, die S u m m e v o n J a h r e s r e n t e n, d i e
d e n n a t ü r l i c h e n W e r t e i n e s G r u n d-
s t ü c k s bildet, sei gleich der gewöhnlichen ¦¦1350¦ Lebens-
dauer von drei derartigen Personen. Nun schätzen wir in England
drei Leben auf einundzwanzig Jahre, und folglich sei der W e r t
d e s L a n d e s ungefähr g l e i c h d e r s e l b e n
S u m m e v o n J a h r e s r e n t e n." (p. 26.)
Nachdem er die Rente in S u r p l u s a r b e i t und daher
s u r p l u s v a l u e aufgelöst, erklärt er, das Land [habe]
nichts zu sein als kapitalisierte Rente, d.h. eine
b e s t i m m t e S u m m e v o n J a h r e s r e n t e n
oder die Summe von Renten während einer bestimmten Zahl von Jah-
ren.
In der Tat wird die Rente so k a p i t a l i s i e r t oder als
W e r t d e s L a n d e s berechnet:
Ein acre trage 10 l. Rente jährlich. Ist der Zinsfuß = 5 p.c., so
stellen 10 l. den Zins von einem Kapital von 200 l. vor, und, da
zu 5 p.c. der Zins das Kapital in 20 Jahren ersetzt, wäre der
Wert des acre = 200 l. (20 x 10 l.). Die Kapitalisierung der
Rente hängt also von dem Zinsfuß ab. Wäre der Zinsfuß = 10 p.c.,
so stellte er den Zins von einem Kapital von 100 l. oder 10
years' purchase 2*) vor.
Da aber P [e t t y] von der r e n t o f l a n d als der
allgemeinen Form des Mehrwerts ausgeht, die Profit einschließt,
kann er nicht den Zins des Kapitals als
-----
1*) eingeschlossen - 2*) zehnfachen Jahresertrags
#335# Petty
-----
gegeben voraussetzen, muß ihn vielmehr als b e s o n d r e
F o r m aus der Rente ableiten (wie es auch Turgot konsequent
von seinem Standpunkt aus tut). In welcher Weise soll er also die
Jahreszahl, die Zahl der Jahresrenten bestimmen, die den W e r t
d e s L a n d e s bildet? Ein Mensch hat nur Interesse, so
viele Jahresrenten zu kaufen, als er Jahre für sich und seine
nächste posterity 1*) zu "sorgen" hat; also so lange, als ein
D u r c h s c h n i t t s m e n s c h, Großvater, Vater und
Kind, lebt, und dies sind 21 Jahre nach "englischer" Schätzung.
Also, was jenseits 21jährigem "usus fructus" liegt, hat keinen
Wert für ihn. Er bezahlt daher den usus fructus von 21 Jahren,
und dies bildet den W e r t d e s L a n d e s. In seiner
sinnreichen Weise hilft er sich aus der Verlegenheit; aber es
bleibt dabei das Bedeutende,
daß erstens die R e n t e, als Ausdruck des gesamten a c r i-
c u l t u r a l s u r p l u s v a l u e, nicht aus dem Boden,
sondern aus der Arbeit abgeleitet ist, das Surplus der Arbeit
über das zum Lebensunterhalt des Arbeiters hinaus Nötige;
daß zweitens der W e r t d e s L a n d e s nichts ist als für
eine bestimmte Zahl von Jahren voraus gekaufte Rente, eine
v e r w a n d e l t e Form der Rente selbst, in der z.B. 21
Jahre surplus value (oder Arbeit) als Wert des Landes erscheint;
kurz, der Wert des Landes nichts als k a p i t a l i s i e r t e
Rente.
So tief dringt P e t t y in die Sache ein. Vom Standpunkt des
K ä u f e r s der Rente (i.e. des Landes) erscheint so die Rente
bloß a l s Z i n s s e i n e s K a p i t a l s, womit er sie
gekauft hat, und in dieser Form ist die Rente völlig unerkennt-
lich geworden und erscheint als K a p i t a l z i n s.
Nachdem Petty so den W e r t d e s L a n d e s und den
W e r t d e r J a h r e s r e n t e bestimmt, kann er die rent
of money oder usury als sekundäre Form ableiten.
"Was den Z i n s anbelangt, so muß er mindestens soviel betra-
gen w i e d i e R e n t e v o n s o v i e l L a n d, w i e
d a s g e l i e h e n e G e l d z u k a u f e n v e r m a g,
wo die Sicherheit außer Zweifel steht.- (p. 28.)
Hier erscheint der Zins bestimmt durch den P r e i s d e r
R e n t e, während umgekehrt der P r e i s d e r R e n t e
oder der K a u f w e r t d e s L a n d e s durch den Zins be-
stimmt ist. Aber dies sehr konsequent, da die R e n t e als die
allgemeine Form des surplus value dargestellt ist, der Z i n s
d e s G e l d e s also als sekundäre Form daraus abgeleitet
werden muß.
D i f f e r e n t i a l r e n t e. Auch von dieser findet sich
der erste Begriff bei Petty. Er leitet sie nicht ab aus der
v e r s c h i e d n e n Fruchtbarkeit von Ländereien von glei-
chem Umfang, sondern von der v e r s c h i e d n e n L a g e,
Distanz vom Markte
-----
1*) Nachkommenschaft
#336# Beilagen
-----
bei L ä n d e r e i e n v o n g l e i c h e r F r u c h t-
b a r k e i t, was bekanntlich ein Element der Differentialrente
ist. Er sagt:
¦¦1351¦ "Wie starke Nachfrage nach Geld den Geldkurs erhöht,
ebenso muß starke Nachfrage nach Korn dessen P r e i s
e r h ö h e n und d a h e r auch die R e n t e d e s
B o d e n s, d e r K o r n t r ä g t"
(hier also direkt ausgesprochen, daß der P r e i s des Korns
die Rente bestimmt, wie schon in der früheren Entwicklung liegt,
daß die Rente nicht den W e r t des Korns bestimmt),
"und s c h l i e ß l i c h d e n P r e i s d e s B o d e n s
s e l b s t, zum Beispiel wenn das Korn, das London oder eine
Armee ernährt, vierzig Meilen weit hingebracht werden muß, wird
das K o r n, d a s i m U m k r e i s e i n e r M e i l e
v o n L o n d o n oder von den Quartieren einer solchen Armee
wächst, s e i n e n n a t ü r l i c h e n P r e i s um soviel
e r h ö h t h a b e n, wie die Transportkosten über 39 Meilen
ausmachen... Daher kommt es, daß e i g e n t l i c h
g l e i c h w e r t i g e L ä n d e r e i e n in der Nähe
volkreicher Plätze, die von einem Gebiet mit großem Umfang er-
nährt werden, aus diesen Gründen nicht bloß m e h r R e n t e
a b w e r f e n, sondern auch mehr Jahresrenten kosten werden
als Ländereien in abgelegenen Gegenden etc." (p. 29.)
Auch den zweiten Grund der Differentialrente, v e r s c h i e d-
n e F r u c h t b a r k e i t des Landes und daher v e r-
s c h i e d n e P r o d u k t i v i t ä t der Arbeit auf
Ländereien von gleicher Quantität erwähnt Petty:
"Die G ü t e o d e r D ü r f t i g k e i t oder der Wert des
Landes hängt davon ab, i n w e l c h e m V e r h ä l t n i s
d e r g r ö ß e r e o d e r k l e i n e r e T e i l d e s
P r o d u k t e s, d e n m a n d a f ü r g i b t, z u d e r
e i n f a c h e n A r b e i t s t e h t, d i e a n g e-
w a n d t w ü r d e, u m d a s s e l b e P r o d u k t z u
e r z e u g e n." (p. 67.)
Petty hat also b e s s e r a l s A. S m i t h die Differen-
tialrente entwickelt. ¦XXII-1351¦¦
¦XXII-1397¦ {Petty, "A Treatise of Taxes and Contributions", Lon-
don 1667. Nachträgliches.
1. Ü b e r d i e M a s s e z i r k u l i e r e n d e s
G e l d, die eine Nation braucht, p. 16, 17. Seine Anschauung
von der G e s a m t p r o d u k t i o n zeigt sich in dem Satz:
"Wenn auf einem Gebiet 1000 Menschen sind und 100 davon die not-
wendige Nahrung und Kleidung für alle 1000 produzieren können;
wenn weitere 200 so viele Waren produzieren. wie andere Nationen
gegen ihre Waren oder Geld abnehmen wollen, und wenn 400 weitere
beschäftigt sind, Schmuck, Vergnügen und Glanz für alle zu schaf-
fen; wenn 200 als Regierungsleute, Theologen, Juristen, Ärzte,
Kaufleute und Krämer beschäftigt sind, zusammen also 900, so ent-
steht die Frage" etc. wegen der Paupers ("supernumeraries" 1*)).
(p. 12.)
-----
1*) "Überzähligen"
#337# Petty
-----
Petty bemerkt bei Entwicklung der Rente und ihrer Schätzung in
Geld, wo er e q u a l l a b o u r s (quantities) 1*) nimmt
2*):
"Dies, behaupte ich, ist die G r u n d l a g e der A u s-
g l e i c h u n g u n d A b w ä g u n g d e r W e r t e;
jedoch in dem Überbau und der praktischen Anwendung davon,
gestehe ich, gibt es viel Mannigfaltiges und Verwickeltes." (p.
25.)
[d) "Natürliches Gleichheitsverhältnis zwischen Boden und Ar-
beit"]
¦¦1398¦ 2. Was ihn sehr beschäftigte, is the "natural Par between
Land and Labour" 3*) (p. 25).
"Unsere Silber- und Goldmünzen b e z e i c h n e n wir mit ver-
schiedenen Namen so in England als Pfunde, Schillinge und Pence,
die alle durch eins von den dreien ausgedrückt und aufgefaßt wer-
den können. Was ich aber hierüber sagen will, ist folgendes: Alle
Dinge sollten d u r c h z w e i n a t ü r l i c h e N e n-
n e r b e w e r t e t werden - B o d e n u n d A r b e i t;
das heißt, wir sollten sagen, ein Schiff oder Rock ist das und
das Maß an Boden mit dem und dem anderen Maß an Arbeit wert, da
ja beide, Schiffe und Röcke, G e s c h ö p f e d e s B o-
d e n s und m e n s c h l i c h e r A r b e i t darauf sind:
Wenn das richtig ist, so wären wir glücklich, e i n n a-
t ü r l i c h e s G l e i c h h e i t s v e r h ä l t n i s
z w i s c h e n B o d e n u n d A r b e i t zu finden, so daß
wir den Wert ebensogut in jedem der beiden oder noch besser in
beiden allein ausdrücken und das eine ebenso leicht und zuverläs-
sig in das andere verwandeln könnten, wie wir Pence in Pfunde
verwandeln."
Darum sucht er den "natural value des fee-simple of land" 4*),
nachdem er den Geldausdruck der Rente gefunden. (p. 25.)
Es ist bei ihm 3fache Bestimmung, die durcheinanderläuft:
a) Die W e r t g r ö ß e, die durch gleiche Arbeitszeit be-
stimmt ist und wobei die A r b e i t a l s Q u e l l e d e s
W e r t s.
b) Der W e r t als die Form der gesellschaftlichen Arbeit. Da-
her Geld als die w a h r e G e s t a l t d e s W e r t s,
obgleich er an andren Stellen alle Illusionen des Monetarsystems
umwirft. Bei ihm also die B e g r i f f s b e s t i m m u n g.
c) Verwechslung von Arbeit, als Quelle des Tauschwerts und Ge-
brauchswerts, wobei sie Naturstoff (land) voraussetzt. In der
Tat, he "cuts" 5*) die "Par" zwischen labour and land, indem er
die F e e s i m p l e des letztren als k a p i t a l i-
s i e r t e R e n t e darstellt, also nicht vom Land als
Naturstoff der realen Arbeit spricht.
3. Sagt mit Betreff des Zinsfußes:
-----
1*) gleiche Arbeiten (Mengen) - 2*) siehe vorl. Band, S. 331/332
- 3*) ist das "natürliche Gleichheitsverhältnis zwischen Boden
und Arbeit" - 4*) "natürlichen Wert des frei verkäuflichen Bo-
dens" - 5*) er durchbricht.
#338# Beilagen
-----
"Über die Eitelkeit und Fruchtlosigkeit, b ü r g e r l i c h e,
p o s i t i v e G e s e t z e zu machen gegen das G e s e t z
d e r N a t u r" (i.e. die aus der Natur der bürgerlichen Pro-
duktion entspringenden Gesetze), "habe ich anderweitig gespro-
chen." (l.c.p. 29.)
4.Betreffs der Rente: S u r p l u s v a l u e infolge der
g r ö ß r e n P r o d u k t i v i t ä t d e r A r b e i t:
"Wenn die genannten Grafschaften durch mehr Arbeit, als jetzt
aufgewandt wird (etwa, indem man umgräbt, statt zu pflügen, die
Saatkörner einsetzt, statt sie auszustreuen, sie ausliest, statt
sie wahllos zu nehmen, sie einweicht, statt sie ohne Vorbereitung
zu benutzen, indem man den Boden mit Salzen, statt mit vermoder-
tem Stroh düngt usw.), fruchtbarer gemacht werden könnten, dann
wird d i e R e n t e um so höher steigen, je mehr der
v e r g r ö ß e r t e E r t r a g d i e v e r g r ö ß e r t e
A r b e i t ü b e r s t e i g t." (p. 32.)
(Meint [mit vergrößerter Arbeit] den p r i c e or w a g e s
o f l a b o u r 1*) hier.)
5. R a i s i n g o f m o n e y 2*) [ch. XIV].
6. Die früher zitierte Stelle 3*) "wenn man ihm das Doppelte zu-
gesteht, dann arbeitet er nur halb soviel etc.", so zu verstehn:
Erhielte der Arbeiter für 6 Std. den Wert von 6 Std., so erhielte
er d o u b l e 4*), was er jetzt erhält, wo er den Wert von 6
für 12 erhält. Er würde dann nur 6 arbeiten, "und das bedeutet
für die Gesellschaft einen Verlust" etc.
Petty, "An Essag concerning the Multiplication of Mankind"
(1682). Teilung der Arbeit (p. 35, 36).
"Political Anatomy of Ireland" und "Verbum Sapienti" 1672
(Ausgabe London 1691).
1. "Das bringt mich zu der wichtigsten Überlegung in der
p o l i t i s c h e n Ö k o n o m i e, nämlich: Wie kann man
ein G l e i c h h e i t s v e r h ä l t n i s u n d e i n e
G l e i c h s e t z u n g zwischen Boden und Arbeit herstellen,
so daß der Wert irgendeines Dinges in beiden allein ausgedrückt
werden kann. (p. 63, 64.)
In der Tat liegt hier nur die Aufgabe zugrunde, den W e r t
d e s L a n d e s selbst in A r b e i t aufzulösen.
¦¦1399¦ 2. Diese Schrift ist später geschrieben als die früher
entwickelte. [108]
"Die t ä g l i c h e N a h r u n g e i n e s e r w a c h s e-
n e n M a n n e s, im Durchschnitt genommen, und n i c h t
d i e T a g e s a r b e i t, i s t d a s a l l g e m e i n e
M a ß d e s W e r t e s und scheint ebenso regelmäßig und
konstant zu sein wie der Wert von reinem Silber... Daher
b e s t i m m t e ich
-----
1*) Preis oder Lohn der Arbeit - 2*) Geldvermehrung - 3*) siehe
vorl. Band, S. 332 - 4*) das Doppelte
#339# Petty
-----
d e n W e r t einer irischen Hütte nach der Z a h l d e r
t ä g l i c h e n L e b e n s m i t t e l r a t i o n e n,
d i e d e r H e r s t e l l e r b e i i h r e m B a u
a u s g a b. (p. 65.)
Dies letztre ganz physiokratisch.
"Daß einige Menschen mehr essen wollen als andere, ist nicht we-
sentlich, da wir unter täglicher Lebensmittelration den hundert-
sten Teil dessen verstehen, was hundert Leute der verschiedensten
Art und Größe essen, um zu leben, zu arbeiten und sich fortzu-
pflanzen." (p. 64.)
Aber was Petty hier in der S t a t i s t i k von Irland sucht,
ist nicht das common 1*) Maß des Wertes, sondern das Maß d e s
W e r t e s in dem Sinne, wie G e l d Maß der Werte ist.
3. Masse des Geldes und Reichtum der Nation (<"Verbum Sapienti">
p. 13).
4. Kapital.
"Was wir R e i c h t u m, K a p i t a l o d e r V o r r a t
d e r N a t i o n nennen und was das Ergebnis der
f r ü h e r e n o d e r v e r g a n g e n e n A r b e i t
ist, sollte nicht als etwas verstanden werden, das von den
g e g e n w ä r t i g w i r k e n d e n K r ä f t e n z u
u n t e r s c h e i d e n i s t. (p. 9.)
5. Produktivkraft der Arbeit.
"Wir sagten, daß die Hälfte des Volkes, bei einer sehr mäßigen
Arbeitsleistung das Königreich sehr bereichern könnte... auf was
sollen sie dieselbe anwenden? Dazu sage ich im allgemeinen: Auf
die Herstellung von Lebensmitteln und dem Lebensnotwendigen für
die gesamte Bevölkerung des Landes d u r c h w e n i g e
H ä n d e; entweder durch h ä r t e r e s A r b e i t e n
oder durch die E i n f ü h r u n g v o n M i t t e l n z u r
A r b e i t s e r s p a r u n g u n d z u r E r l e i c h-
t e r u n g d e r A r b e i t, was gleichbedeutend ist mit
dem, was die Menschen vergeblich von der P o l y g a m i e
erhofften. Denn wenn einer die Arbeit von fünf Mann leistet,
bewirkt er dasselbe Ergebnis, als wenn er vier erwachsene
Arbeiter in die Welt setzte." (p. 22.) "A m b i l l i g s t e n
w i r d d i e N a h r u n g sein..., wenn die Nahrung
d u r c h w e n i g e r H ä n d e a l s a n d e r s w o
g e w o n n e n w i r d. (p. 23.)
6. Zweck der Menschen und Ziel (p. 24).
7. Sieh über Geld auch das "Quantulumcunque" (1682).}
¦XXII-1399¦¦
-----
1*) allgemeine
zurück