Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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#341#
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Locke
[Behandlung der Rente und des Zinses vom Standpunkt der bürgerli-
chen Theorie des Naturrechts]
¦¦XX-1291a¦ Nimmt man die Doktrin von Locke über labour überhaupt
zusammen mit seiner Doktrin über den U r s p r u n g d e s
Z i n s e s und d e r R e n t e - denn nur in diesen bestimm-
ten Formen erscheint bei ihm der Mehrwert - so ist Mehrwert
nichts als f r e m d e A r b e i t, Surplusarbeit, zu deren
Aneignung Land und Kapital - die Bedingungen der Arbeit - ihren
Eigentümer befähigen. Und das Eigentum von einem größern Umfang
von Arbeitsbedingungen, als eine Person selbst mit ihrer Arbeit
verwerten kann, ist nach Locke eine politische Erfindung, die mit
der naturrechtlichen Basis des Privateigentums ¦¦1292a¦ in Wider-
spruch steht.
{Bei H o b b e s ist auch die Arbeit die einzige Quelle alles
Reichtums, außer den Naturgaben, die sich gleich in konsumier-
barem Zustand vorfinden. Gott (nature) "g i b t entweder
u n e n t g e l t l i c h oder v e r k a u f t dem Menschenge-
schlecht g e g e n A r b e i t" ("Leviathan", [p. 232.]). Aber
bei Hobbes ist es der Souverain, der nach Belieben Eigentum an
Land verteilt.}
Die bezüglichen Stellen sind folgende:
"Obwohl die E r d e und alle niederen Geschöpfe allen Menschen
gemeinsam gehören, so besitzt dennoch jeder Mensch in seiner ei-
genen Person ein Eigentum, auf das niemand als er selbst ein An-
recht hat. Wir können sagen, die Arbeit seines Körpers und das
Werk seiner Hände gehören ihm. Alles, was er aus dem Zustand her-
ausbringt, in dem es die Natur geschaffen und belassen hat, hat
er mit seiner Arbeit vermischt und mit etwas verbunden, das ihm
gehört; und auf diese Weise macht er es zu seinem Eigentum."
([Locke,] "Of Government", b. II, ch. V; Works, 1768, v. II, 7th
edit. p. 229.)
"Seine Arbeit hat es aus den Händen der Natur genommen, wo es Ge-
meingut war und gleichmäßig allen ihren Kindern gehörte, und hat
es sich dadurch angeeignet." (l.c.p. 230.)
"Das gleiche Naturgesetz, das uns auf diese Weise Eigentum gibt,
begrenzt auch dieses Eigentum ... Soviel wie jemand verwenden
kann, was seinem Leben irgend nützlich ist, bevor es verdirbt,
soviel darf er durch seine Arbeit in Eigentum verwandeln; was
darüber hinausgeht, ist mehr als sein Anteil und gehört anderen."
(l.c.)
#342# Beilagen
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"Aber das Hauptobjekt des Eigentums sind jetzt nicht d i e
F r ü c h t e d e r E r d e" etc., "sondern die E r d e
selbst... Soviel Land, wie ein Mann bestellt, bepflanzt, bebaut,
kultiviert und die Produkte daraus verwenden kann, soviel ist
sein Eigentum. Durch seine Arbeit grenzt er es gleichsam von dem
Gemeingut ab." (l.c.p. 230) "Unterwerfung oder Bebauung der Erde
und Herrschaft über sie sind, wie wir sehen, untrennbar verbun-
den. Das eine gab den Anspruch auf das andere." (p. 231.) "Das
Maß des Eigentums hat die Natur richtig festgesetzt d u r c h
d e n U m f a n g d e r m e n s c h l i c h e n A r b e i t
und die Annehmlichkeiten des Lebens: Keines Mannes Arbeit könnte
alles bezwingen oder sich aneignen; auch könnte für die Befriedi-
gung seines Genusses nicht mehr als ein kleiner Teil konsumiert
werden; so daß es für jedermann unmöglich wäre, auf diese Weise
in die Rechte eines anderen überzugreifen oder sich zum Nachteil
seines Nachbars ein Eigentum zu verschaffen... Dieses Maß be-
schränkte in frühen Zeiten jedermanns Besitz auf einen recht be-
scheidenen Anteil, auf soviel, wie er sich aneignen konnte, ohne
jemand zu schädigen... Und dasselbe Maß k a n n, so besetzt die
Welt auch erscheinen mag, ohne jemand zu schaden, n o c h
i m m e r z u g e s t a n d e n w e r d e n." (p. 231, 232.)
Die Arbeit gibt den Dingen fast ihren ganzen Wert {v a l u e
hier gleich Gebrauchswert, und Arbeit genommen als konkrete Ar-
beit, nicht als Quantum; aber das Maß des Tauschwerts durch die
Arbeit beruht in der Tat darauf, daß der Arbeiter den Gebrauchs-
wert schafft}. Der Rest von Gebrauchswert, der nicht auflösbar in
Arbeit, ist Naturgabe, daher g e m e i n s c h a f t l i c h e s
E i g e n t u m an und für sich. Was L o c k e daher zu bewei-
sen sucht, ist nicht der Gegensatz, daß [man] Eigentum noch durch
andre procedures als Arbeit erwerben könne, sondern wie durch die
individuelle Arbeit, trotz dem common property 1*) an der Natur,
individuelles Eigentum geschaffen werden könne.
"E s i s t i n d e r T a t d i e A r b e i t, die die
V e r s c h i e d e n h e i t d e s W e r t e s j e d e s
D i n g s b e s t i m m t... Von den Produkten der Erde, die
für das Leben des Menschen nützlich sind..., sind neunundneunzig
Hundertstel ganz auf Rechnung der Arbeit zu setzen." (p. 234.)
"Es ist also Arbeit, was den größten Teil des Wertes des Bodens
bestimmt. (p. 235.) "Obwohl die Dinge der Natur allen gemeinsam
gegeben sind, trägt doch der Mensch als H e r r ü b e r
s i c h s e l b s t und B e s i t z e r s e i n e r e i-
g e n e n P e r s o n und deren Handlungen oder Arbeit schon in
sich selbst die große Grundlage des Eigentums. (p. 235.)
Die eine limit ist also die Schranke der p e r s ö n l i c h e n
A r b e i t; die andre daß einer nicht mehr Dinge aufhäuft, als
er benutzen kann. Letztre wird erweitert durch Austausch der ver-
gänglichen Produkte gegen G e l d (abgesehn von dem sonstigen
Austausch):
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1*) gemeinsamen Eigentum
#343# Locke
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"Er kann von diesen d a u e r h a f t e n Dingen soviel aufhäu-
fen, wie ihm gefällt: das Überschreiten der Schranken seines
rechtmäßigen Eigentums" {abgesehn von der l i m i t seiner per-
sönlichen Arbeit} "liegt nicht in der Größe seines Besitzes, son-
dern im Verderb alles dessen, was ihm keinen Nutzen bringt. Und
so kam der Gebrauch des Geldes auf, eines dauerhaften Dinges, das
man aufheben konnte, ohne daß es verdarb, und das die Menschen
durch gegenseitige Übereinkunft im Austausch ¦¦1293a¦ gegen die
wirklich nützlichen, aber leicht verderblichen Mittel zum Leben
annahmen." (p. 236.)
So entsteht Ungleichheit des individuellen Eigentums, aber M a ß
d e r p e r s ö n l i c h e n A r b e i t bleibt.
"Diese Teilung der Dinge in ungleichen Privatbesitz haben die
Menschen, außerhalb der Grenzen der Gesellschaft und ohne Über-
einkommen, nur dadurch möglich gemacht, daß sie dem Gold und Sil-
ber einen Wert beigelegt und über den Gebrauch des Geldes still-
schweigend übereingekommen sind." (p. 237.)
Man muß nun hiermit zusammenstellen folgende Stelle aus Lockes
Schrift über den Zins [110] und nicht vergessen, daß nach ihm das
Naturrecht die p e r s ö n l i c h e A r b e i t zur Grenze of
property macht:
"Wir wollen nun untersuchen, wie es" (Geld) "die gleiche Natur
erlangt wie der Boden, indem es ein bestimmtes jährliches Einkom-
men liefert, das wir Nutzen oder Zins nennen. Denn der Boden
produziert natürlicherweise etwas Neues und Nützliches und für
die Menschheit Wertvolles Geld dagegen ist ein unfruchtbares Ding
und produziert nichts, ü b e r t r ä g t aber durch Überein-
kunft d e n G e w i n n, d e r d a s A r b e i t s-
e n t g e l t e i n e s M a n n e s w a r, i n d i e
T a s c h e e i n e s a n d e r e n. Was dies bewirkt, ist die
ungleiche Verteilung des Geldes diese Ungleichheit hat die
gleiche Wirkung auf den Grund und Boden, die sie auf das Geld
hat... Denn die ungleiche Verteilung des Bodens (indem du mehr
Land hast, als du bearbeiten kannst oder willst, und ein anderer
weniger) verschafft dir einen Pächter für dein Land; und dieselbe
ungleiche Verteilung des Geldes... verschafft mir einen Pächter
für mein Geld: So i s t m e i n G e l d, d u r c h d e n
F l e i ß d e s B o r g e r s, i m G e s c h ä f t s-
l e b e n i m s t a n d e, diesem mehr als sechs Prozent zu
bringen, ebenso wie dein Land, d u r c h d i e A r b e i t
d e s P ä c h t e r s, imstande ist, größere Erträge hervor-
zubringen, als seine Rente beträgt." (folio ed. of Locke's Works,
1740, vol. II.) [111]
An dieser Stelle hat L[ocke] einerseits das polemische Interesse
gegen das Grundeigentum, ihm zu zeigen, daß seine Rente sich
durchaus nicht vom Wucher unterscheidet. Aber beide "übertragen
den Gewinn, der das Arbeitsentgelt eines Mannes war, in die Ta-
sche eines anderen" durch die ungleiche Verteilung der Produkti-
onsbedingungen.
Lockes Auffassung um so wichtiger, da sie der klassische Ausdruck
der Rechtsvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft im Gegen-
satz zur feudalen und seine Philosophie überdies der ganzen
spätren englischen Ökonomie zur Grundlage aller ihrer Vorstellun-
gen diente. ¦XX-1293a¦¦
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