Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil


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       #24# Zweites Kapitel
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       [3. Drei  Klassen der  Gesellschaft bei Quesnay. Weitere Entwick-
       lung der  physiokratischen Theorie  durch Turgot:  Elemente einer
       tieferen Analyse der kapitalistischen Verhältnisse]
       
       Wir werden jetzt eine Reihe Stellen durchgehn, teils zur Erläute-
       rung, teils zum Beweis der oben aufgeführten Sätze.
       Bei Quesnay selbst in der "Analyse du Tableau Économique" besteht
       die Nation aus 3 Klassen von Bürgern:
       
       "d i e   p r o d u k t i v e   K l a s s e"  (agricultural labou-
       rers 1*)),   "d i e   K l a s s e   d e r    G r u n d e i g e n-
       t ü m e r   und   d i e   s t e r i l e  K l a s s e"  ("alle die
       Bürger, die  mit anderen  Diensten und  mit anderen  Arbeiten als
       denen der  Agrikultur beschäftigt  sind"). ("Physiocrates  etc,",
       édit. Eeugène Daire, Paris 1846, I. partie, p. 58.)
       
       Als produktive  Klasse, als Klasse, die den Mehrwert schafft, er-
       scheinen nur  die Agrikulturarbeiter,  nicht die Grundeigentümer.
       Die Wichtigkeit  dieser classe  des propriétaires  2*), die nicht
       "steril" ist,  weil sie den "Mehrwert" darstellt, rührt nicht da-
       her, daß  sie diesen Mehrwert schafft, sondern ausschließlich da-
       her, daß sie ihn aneignet.
       Turgot am entwickeltsten. Bei ihm wird auch das pur don de la na-
       ture 3*)  stellenweis dargestellt  als Surplusarbeit, und andrer-
       seits die  Notwendigkeit des  Arbeiters, das über sein Salair Nö-
       tige abzugeben,  aus der Loslösung des Arbeiters von den Arbeits-
       bedingungen erklärt und dem ihm Gegenübertreten derselben als Ei-
       gentum einer Klasse, die damit Handel treibt.
       Der erste Grund, warum die Agrikulturarbeit allein produktiv, daß
       sie die Naturbasis und Voraussetzung für das selbständige Betrei-
       ben aller andren Arbeiten.
       
       "Seine" (du laboureur 4*)) "Arbeit bewahrt in der Reihe der unter
       die verschiedenen Mitglieder der Gesellschaft verteilten Arbeiten
       denselben Vorrang...,  den unter  den verschiedenen Arbeiten, die
       er im  Zustand der Vereinzelung zur Befriedigung seiner verschie-
       denartigen Bedürfnisse  aufwenden mußte, die zur Gewinnung seiner
       Nahrung notwendige  Arbeit einnahm. Es handelt sich hier nicht um
       einen Vorrang  der Ehre  oder Würde,  sondern der  N a t u r not-
       wendigkeit... Das,  was seine  Arbeit aus  dem Boden über das zur
       Befriedigung seiner  persönlichen Bedürfnisse  Notwendige hervor-
       bringen läßt,  bildet den  einzigen Fonds  der  Löhne,  die  alle
       anderen Mitglieder  der Gesellschaft im Austausch für ihre Arbeit
       erhalten. Indem  diese nun  den in  diesem  Austausch  erhaltenen
       Preis benutzen,  ihrerseits  die  Erzeugnisse  des  Landmanns  zu
       kaufen, geben  sie ihm  genau nur  das zurück" (in Materie), "was
       sie erhalten haben.
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       1*) Landarbeiter - 2*) Klasse der Grundeigentümer - 3*) reine Ge-
       schenk der Natur - 4*) des Landmanns
       
       #25# Die Physiokraten
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       Das ist  ein wesentlicher Unterschied ¦¦230¦ zwischen diesen bei-
       den Arten  von Arbeit."  ("Réflexions sur la Formation et la Dis-
       tribution des Richesses" (1766). Turgot, (Euvres, édit. Daire, t.
       I, Paris 1844, p. 9, 10.)
       
       Wie entspringt nun der Mehrwert? Er entspringt nicht aus der Zir-
       kulation, aber  er realisiert sich in derselben. Das Produkt wird
       zu seinem  Wert verkauft,  nicht über seinem Wert. Kein Überschuß
       des Preises  über den  Wert. Aber weil es zu seinem Wert verkauft
       wird, realisiert  der Verkäufer einen Mehrwert. Dies ist nur mög-
       lich, weil  er den  Wert, den  er verkauft, selbst nicht ganz be-
       zahlt hat  oder weil das Produkt vom Verkäufer unbezahlten, nicht
       durch Äquivalent  ersetzten Wertbestandteil enthält 1*). Und dies
       ist der  Fall bei der Agrikulturarbeit. Er verkauft, was er nicht
       gekauft hat.  Dies nicht  Gekaufte stellt Turgot zunächst als pur
       don de  la nature  dar. Wir werden aber sehn, daß dies pur don de
       la nature  sich ihm  unter der  Hand in  die vom propriétaire 2*)
       nicht gekaufte Surplusarbeit der labourers 3*) verwandelt, die er
       in den Agrikulturprodukten verkauft.
       
       "Sobald  die   Arbeit  des   Landmanns  über   seine  Bedürfnisse
       h i n a u s   p r o d u z i e r t,  kann er mit diesem Überschuß,
       d e n   i h m   d i e   N a t u r    a l s    r e i n e s    G e-
       s c h e n k  über den Lohn für seine Mühen hinaus  g e w ä h r t,
       die Arbeit  der anderen Mitglieder der Gesellschaft kaufen. Diese
       gewinnen  durch  den  Verkauf  ihrer  Arbeit  an  ihn  nur  ihren
       Lebensunterhalt;  der   Landmann  dagegen  erwirbt  außer  seinem
       Unterhalt einen  unabhängigen und  verfügbaren Reichtum,    d e n
       e r   n i c h t   g e k a u f t    h a t    u n d    d e n    e r
       v e r k a u f t.   Er ist also die einzige Quelle der Reichtümer,
       die durch  ihre Zirkulation  alle Arbeiten der Gesellschaft bele-
       ben,   w e i l   e r   d e r   e i n z i g e  i s t,  d e s s e n
       A r b e i t     e t w a s    ü b e r    d e n    L o h n    d e r
       A r b e i t  h i n a u s  p r o d u z i e r t."  (l.c. p. 11.)
       
       In dieser  ersten Auffassung erstens das Wesen des Mehrwerts, daß
       er Wert ist, der im Verkauf realisiert wird, ohne daß der Verkäu-
       fer ein  Äquivalent dafür  gegeben, ohne  daß er ihn gekauft hat.
       U n b e z a h l t e r   W e r t.  Aber zweitens wird dies als pur
       don de la nature aufgefaßt, dieser Überschuß über salaire du tra-
       vail 4*); indem es, überhaupt Gabe der Natur, von der Produktivi-
       tät der  Natur abhängt, daß der Arbeiter fähig ist, in seinem Ar-
       beitstag mehr, als zur Reproduktion seines Arbeitsvermögens nötig
       ist, mehr,  als sein  salaire beträgt,  zu produzieren. In dieser
       ersten Auffassung wird das Gesamtprodukt noch vom Arbeiter selbst
       angeeignet. Und dies Gesamtprodukt zerfällt in 2 Teile. Der erste
       bildet sein  Salair; er wird sich selbst gegenüber als Lohnarbei-
       ter dargestellt,  der sich  den Teil  des Produkts zahlt, der zur
       Reproduktion seines  Arbeitsvermögens,  seiner  Subsistenz  nötig
       ist. Der zweite Teil, der darüber hinausgeht, ist  G a b e  d e r
       N a t u r
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       1*) In der Handschrift: erhält - 2*) Grundeigentümer -3*) Landar-
       beiter - 4*) den Arbeitslohn
       
       #26# Zweites Kapitel
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       und bildet  den Mehrwert.  Die Natur dieses Mehrwerts, dieses pur
       don de la nature, wird sich aber näher gestalten, sobald die Vor-
       aussetzung des  propriataire cultivateur  1*) aufhört  und  beide
       Teile des  Produkts, das  salaire und der Mehrwert, verschiedenen
       Klassen zufallen,  der eine  dem Lohnarbeiter, der andre dem pro-
       priétaire.
       Damit sich  eine Klasse  von Lohnarbeitern  bildet, sei es in der
       Manufaktur, sei es in der Agrikultur selbst - zunächst erscheinen
       alle manufacturiers nur als stipendiés 2*), Lohnarbeiter des cul-
       tivateur propriétaire  3*) -,  müssen sich die Arbeitsbedingungen
       von dem  Arbeitsvermögen trennen,  und die Grundlage dieser Tren-
       nung ist,  daß die Erde selbst als Privateigentum eines Teils der
       Gesellschaft erscheint,  so daß  der andre Teil von dieser gegen-
       ständlichen Bedingung zur Verwertung seiner Arbeit ausgeschlossen
       ist.
       
       "In den  ersten Zeiten  brauchte der  Grundeigentümer vom Bebauer
       des Landes  nicht unterschieden zu werden... In jenen ersten Zei-
       ten, wo  jeder arbeitsam  Mensch soviel Boden fand, wie er ¦¦231¦
       verlangte,  konnte   niemand  sich   veranlaßt  fühlen,     f ü r
       e i n e n   a n d e r e n  z u  a r b e i t e n...  Aber schließ-
       lich fand jedes Bodenstück seinen Herrn; und diejenigen, die kein
       eigenes Grundeigentum  erlangen konnten,  fanden zunächst  keinen
       anderen Ausweg als den,  d i e  A r b e i t  i h r e r  H ä n d e
       - im  Dienst der   b e s o l d e t e n  K l a s s e"  (nämlich la
       classe des  artisans 4*), kurz aller Nichkulturarbeiter) - "gegen
       den Überschuß der Erzeugnisse des landbebauenden Grundeigentümers
       a u s z u t a u s c h e n."  (p. 12.)
       
       Der propriétaire  cultivateur, mit dem superflu considérable 5*),
       den die Erde seiner Arbeit gab, konnte
       
       "Leute bezahlen,  damit sie  seinen Boden bebauten; denn für die,
       die vom  Arbeitslohn leben, war es gleich, ob sie ihn durch diese
       oder  durch   irgendeine  andere   Tätigkeit  erwarben.     D a s
       E i g e n t u m   a m    B o d e n    m u ß t e    v o n    d e r
       A r b e i t   d e r   B o d e n b e b a u u n g   g e t r e n n t
       w e r d e n   u n d   w u r d e   e s   a u c h   b a l d...  Die
       Grundeigentümer beginnen... die Arbeit der Bodenbebauung auf ent-
       lohnte Bebauer abzuwälzen." (p. 13.)
       
       Damit tritt also das Verhältnis von Kapital und Lohnarbeit in der
       kultur selbst ein. Es tritt erst ein, sobald eine Anzahl Menschen
       vom Eigentum  an den Arbeitsbedingungen - vor allem dem Grund und
       Boden -  sich losgelöst  finden und nichts zu verkaufen haben als
       ihre Arbeit selbst.
       Für den  Lohnarbeiter nun,  der keine Ware mehr produzieren kann,
       sondern   seine   Arbeit   selbst   verkaufen   muß,   wird   das
       M i n i m u m   des Salairs,  das Äquivalent  der notwendigen Le-
       bensmittel, notwendig Gesetz in seinem Austausch mit dem Eigentü-
       mer der Arbeitsbedingung.
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       1*) selbstwirtschaftenden  Eigentümers  -  2*)  Besoldete  -  3*)
       Grundeigentümers  - 4*) die Klasse der Handwerker - 5*) ansehnli-
       chen Überschuß
       
       #27# Die Physiokraten
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       "Der einfache  Arbeiter, der  nichts als Arm und seinen Fleiß be-
       sitzt, hat nichts, außer wenn es ihm Art an andre zu verkaufen...
       Bei jeder Art Arbeit muß es dahin kommen, und kommt es in der Tat
       dahin, daß  der Lohn  des Arbeiters  auf das begrenzt ist, was er
       notwendig zu seinem Lebensunterhalt braucht."  (l.c.p. 10.)
       
       Sobald nun die Lohnarbeit eingetreten ist,
       
       "teilt sich  du Produkt des Bodens in zwei Teile: Der eine umfaßt
       den Lebensunter  halt und  den Gewinn des Landmanns, die den Lohn
       für seine  Arbeit und  die Bedingung  bilden, zu der er es unter-
       nimmt, das  Feld des Eigentümers zu bestellen; der Rest ist jener
       unabhängige  und  verfügbare  Teil,  den  die    E r d e    a l s
       r e i n e s   G e s c h e n k   d e m   g i b t,   d e r    s i e
       b e b a u t,   über seine  Vorschüsse und  den Lohn  seiner Mühen
       hinaus; und  das bildet  den  Anteil  des  Eigentümers  oder  die
       Revenue, von  der er ohne Arbeit leben kann und die er verwendet,
       wie er will." (p. 14.)
       
       Dies pur  don de la terre 1*) erscheint jetzt aber schon bestimmt
       als Geschenk, das sie dem gibt, "à celui quila cultive" 2*), also
       als ein Geschenk, das sie der Arbeit gibt; als Produktivkraft der
       auf die  Erde verwandten Arbeit, eine Produktivkraft, die sie in-
       folge der  Benutzung der  Produktivkraft der Natur besitzt und so
       aus der Erde schöpft, aber nur als Arbeit aus ihr schöpft. In der
       Hand des  propriétaire erscheint das Surplus daher nicht mehr als
       "Geschenk der  Natur", sondern  als Aneignung  - ohne  Äquivalent
       fremder Arbeit,  die durch  die Produktivität  der Natur befähigt
       ist, über  ihr eignes Bedürfnis hinaus Subsistenzmittel zu produ-
       zieren, aber durch ihre Existenz als Lohnarbeit darauf beschränkt
       ist, von  dem Produkt  der Arbeit sich nur "ce qui lui est néces-
       saire pour lui procurer sa subsistance" 3*) anzueignen.
       
       "Der   B e b a u e r   produziert    s e i n e n    e i g e n e n
       L o h n   und außerdem  die Revenue,  die dazu  dient, die  ganze
       Klasse der  Handwerker und  anderer  Besoldeter  zu  entlohnen...
       D e r   G r u n d e i g e n t ü m e r   h a t  n i c h t s  a l s
       d i e   A r b e i t   d e s   B e b a u e r s"  (also nicht durch
       pur don  de la nature); "er empfängt von ihm seine ¦¦232¦ Lebens-
       mittel und  die Mittel zur Bezahlung der Arbeiten der anderen Be-
       soldeten... der  Bebauer benötigt  den  Grundeigentümer  nur  auf
       Grund der Konventionen und Gesetze."  (l.c.p. 15.)
       
       Hier also direkt der Mehrwert dargestellt als der Teil der Arbeit
       des cultivateur,  den sich  der propriétaire  ohne Äquivalent an-
       eignet und  dessen Produkt  er daher verkauft, ohne es gekauft zu
       haben. Nur ist es nicht der Tauschwert als solcher, den Turgot im
       Aug hält,  die Arbeitszeit selbst, sondern der Überschuß der Pro-
       dukte, den die Arbeit des culti-vateur über sein
       -----
       1*) reine  Geschenk der Erde - 2*) "der sie bebaut" - 3*) "was er
       notwendig zu einem Lebensunterhalt braucht"
       
       #28# Zweites Kapitel
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       eignes Salair  hinaus dem propriétaire liefert; welcher Überschuß
       der Produkte  aber nur  vergegenständlicht das  Quantum Zeit, das
       er, außer der Zeit, die er für Reproduktion seines Salairs arbei-
       tet, gratis für den propriétaire arbeitet.
       Wir    sehn    also,    wie        i n n e r h a l b        d e r
       A g r i k u l t u r a r b e i t   die Physiokraten  den  Mehrwert
       richtig fassen, wie sie ihn als Produkt der Arbeit des Lohnarbei-
       ters fassen,  obgleich sie diese Arbeit selbst wieder in der kon-
       kreten Form  fassen, worin  sie sich  in den Gebrauchswerten dar-
       stellt.
       Die kapitalistische  Exploitation der  Agrikultur - "Pachten oder
       Mieten von  Land" - wird, nebenbei bemerkt, von Turgot bezeichnet
       als die  vorteilhafteste Methode  von allen,  aber sie  setzt ein
       voraus, das schon reich ist" (l.c.p. 21).
       {Bei Betrachtung  des Mehrwerts aus der Sphäre der Zirkulation in
       die Sphäre der Produktion überzugehen. D.h. ihn nicht nur aus dem
       Austausch von  Ware gegen Ware abzuleiten, sondern vom Austausch,
       wie er  innerhalb der Produktion zwischen den Eigentümern der Ar-
       beitsbedingungen und  den Arbeitern  selbst vorgeht.  Auch  diese
       treten sich als Warenbesitzer gegenüber, und daher ist keineswegs
       vom Austausch unabhängige Produktion unterstellt.}
       {Im physiokratischen  System [sind] die propriétaires die salari-
       ants 1*),  die Arbeiter  und manufacturiers in allen andern Indu-
       striezweigen salariés oder stipendiés 2*). Daher auch gouvernants
       und gouvernés 3*).}
       Turgot analysiert die Arbeitsbedingungen wie folgt:
       
       "In jedem beliebigen Arbeitszweig muß der Arbeiter im voraus über
       Werkzeuge verfügen  und eine  genügende Menge  Materialien haben,
       die er  bearbeitet; er muß die Möglichkeit haben, bis zum Verkauf
       seiner Erzeugnisse  seinen Unterhalt  bestreiten zu  können." (p.
       34.)
       
       Alle diese avances 4*), diese Bedingungen, unter denen die Arbeit
       allein vorgehn kann, die also  V o r a u s s e t z u n g e n  des
       Arbeitsprozesses sind, lieferte die Erde ursprünglich gratis:
       
       "Sie lieferte den ersten Fonds von Vorschüssen, der jeglicher Bo-
       denbearbeitung voranging"  in Früchten, Fischen, Tieren etc., und
       die Instrumente  in Baumzweigen,  Steinen, bestiaux 5*), die sich
       durch Zeugungsprozeß vervielfältigen, außerdem jährliche Produkte
       geben in  "Milch, Wolle, Häuten und anderen Stoffen, welche neben
       dem aus  den Wäldern geholten Holz den ersten Fonds für gewerbli-
       che Erzeugnisse bildeten." (p. 34.)
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       1*) Entlohnenden  - 2*)  Entlohnte oder  Besoldete 3*) Regierende
       und Regierte - 4*) Vorschüsse - 5*) Haustieren
       
       #29# Die Physiokraten
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       Diese Arbeitsbedingungen nun, diese avances der Arbeit werden zum
       K a p i t a l,   sobald sie von einer dritten Person dem Arbeiter
       vorgeschossen werden müssen, und dies ist der Fall von dem Augen-
       blick, wo  der Arbeiter  nichts besitzt  als sein Arbeitsvermögen
       selbst.
       
       "A l s   e i n   großer Teil der Gesellschaft  e i n z i g  a u f
       s e i n e r   H ä n d e  A r b e i t  a n g e w i e s e n  w a r,
       mußten jene,  die so  von ihrem  Lohn lebten, zunächst  e t w a s
       i m   v o r a u s   erhalten, sei  es, um  sich Rohstoffe zu ver-
       schaffen, die  sie verarbeiteten,  sei es,  um bis zur Auszahlung
       ihres Lohnes zu leben." (p. 37, 38.)
       
       ¦¦233¦ Turgot  erklärt "capitaux" für valeurs mobiliaires accumu-
       lées" 1*)  (l.c.p. 38).  Ursprünglich zahlt der propriétaire oder
       cultivateur täglich  direkt das  salaire und liefert die Materie,
       z.B. der  Spinnerin von Flachs. Sobald sich die Industrie entwic-
       kelt, größre  Avancen und Beständigkeit dieses Produktionsprozes-
       ses nötig. Dies ist dann unternommen von den possesseurs of capi-
       taux 2*).  Im Preis  ihrer Produkte  müssen sie  zurückhaben alle
       ihre avances und Profit, gleich dem
       
       "was ihm  sein Geld  eingebracht hätte, wenn er es zum Ankauf von
       Grund und Boden verwandt hätte und ihr salaire, denn ohne Zweifel
       hätte er  es bei  gleichem Profit  vorgezogen, ohne jegliche Mühe
       von den Revenuen eines Grundstücks zu leben, das er mit demselben
       Kapital bitte erwerben können." (p. 39.)
       
       Die classe  stipendiée industrieuse ist selbst subdivisée "en en-
       trepreneurs capitalistes  et simples ouvriers"' etc. (p. 39). Wie
       mit diesen  entrepreneurs verhält  es sich  mit den entrepteneurs
       fermiers 4*). Sie müssen ebenfalls alle avances ersetzt erhalten,
       neben dem Profit wie oben.
       
       "Alles das  muß im voraus vom Preis der Bodenpukte abgezogen wer-
       den; der   "Ü b e r s c h u ß  dient dem Bebauer dazu, dem Eigen-
       tümer die  Erlaubnis für die Benutzung seines Bodens zu bezahlen,
       auf dem er sein Unternehmen begründet. Das ist der Pachtzins, die
       Revenue des  Eigentümers, das  N e t t o p r o d u k t;  denn al-
       les, was die Erde hervorbringt, bis zu dem Betrag der zurückflie-
       ßenden Vorschüsse aller Art und der dabei gemachten Profite, kann
       nicht  als   Revenue   betrachtet   werden,   sondern   nur   als
       z u r ü c k k e h r e n d e  B e b a u u n g s k o s t e n;  denn
       könnte der Bebauer sie nicht erzielen, wurde er sich hüten, seine
       Mittel und  seine Mühe  auf die Bebauung der Felder anderer Leute
       zu verwenden."  (l.c.p. 40.)
       
       Schließlich:
       
       "Zwar bilden sich die Kapitalien teilweise aus den ersparten Pro-
       fiten der  arbeitenden Klassen;  da aber  diese Profite immer aus
       dem Boden stammen - denn sie werden
       -----
       1*) "Kapitalien"  für "akkumulierte,  bewegliche Werte" - 2*) Be-
       sitzern von Kapitalien - 3*) Die Klasse der gewerbetreibenden Be-
       soldeten ist  selbst unterteilt  "in kapitalistische  Unternehmer
       und einfache Arbeiter" - 4*) Pächtern
       
       #30# Zweites Kapitel
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       alle entweder  aus der  Revenue bezahlt  oder aus den Kosten, die
       bei der  Produktion der Revenue mitwirken -, ist es klar, daß die
       Kapitalien ganz  ebenso wie  die Revenue  aus dem  Boden stammen,
       oder vielmehr,  daß sie  nichts anderes sind als die Akkumulation
       desjenigen Teils der vom Boden produzierten Werte. den die Eigen-
       tümer der  Revenue oder  diejenigen, die  an ihr teilhaben, jedes
       Jahr zurücklegen können, ohne ihn ihre Bedürfnisse zu verwenden."
       (p .66.)
       Es ist  ganz in der Ordnung, da die Grundrente den einzigen Mehr-
       wert bildet,  [daß] die Akkumulation nur aus ihr stattfindet. Was
       die capitalistes sonst akkumulieren, knapsen sie ab ihrem salaire
       (ihrer Revenue,  die zu  ihrer Konsumtion  bestimmt ist,  denn so
       wird der Profit aufgefaßt).
       Indem Profit  wie salaires  zu den frais de culture 1*) gerechnet
       wird und nur das surplus die Revenue des propriétaire bildet, ist
       dieser in  der Tat  von den frais de culture - und damit als Pro-
       duktionsagent -  ausgeschlossen, ganz  wie  bei  den  Ricardians,
       trotz der honorigen Stellung, die ihm gegeben wird.
       Das Aufkommen der Physiokratie hatte zu tun sowohl mit dem Gegen-
       satz zum  Colbertismus [20] als namentlich auch mit dem Kladdera-
       datsch des Lawsystems [21].
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       1*) Kosten  der Bodenbebauung

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