Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil


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       #30# Zweites Kapitel
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       [4. Gleichsetzung von Wert und Materie durch Paoletti]
       
       ¦¦234¦ Die Verwechslung von Wert oder vielmehr Gleichsetzung des-
       selben mit  Materie und der Zusammenhang, worin diese Ansicht mit
       der ganzen  Auffassungsweise der  Physiokraten steht,  tritt klar
       hervor in  folgenden Auszügen  aus Ferdinando  Paoletti: "I  veri
       mezzi di  render felici le società" 2*) (zum Teil gerichtet gegen
       Verri, der in seinem "Meditazioni sulla Economia politica" (1771)
       die Physiokraten  angegriffen hatte).  (Paoletti von Toscana, die
       angeführte Schrift t. XX, Custodi, Parte moderna.)
       
       "Eine solche  V e r v i e l f a c h u n g  d e s  S t o f f e s",
       wie die  produzioni della  terra 3*)  sind, "hat  sicher  niemals
       durch das  Gewerbe stattgefunden,  noch ist  sie möglich.  Dieses
       gibt dem  Stoff nur  die Form, modifiziert ihn nur, folglich wird
       durch das Gewerbe nichts geschaffen. Aber, entgegnet man mir, das
       Gewerbe gibt  dem Stoff  die Form, folglich ist es produktiv; ist
       dies auch nicht eine Produktion von Stoff, so doch eine von Form.
       Gut denn  ich will  nicht  widersprechen.  Doch    d a s    i s t
       k e i n e   S c h a f f u n g   v o n   R e i c h t u m,   s o n-
       d e r n   i m   G e g e n t e i l,   d a s   i s t    n i c h t s
       a n d e r e s   a l s   e i n e  A u s g a b e...  Die politische
       Ökonomie setzt  voraus und  macht zum Gegenstand der Untersuchung
       die stoffliche und reale Produktion, die sich allein in der Land-
       wirtschaft findet, da diese allein die Stoffe und
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       2*) in der Handschrift: "Pensieri sopra l'agricultura" -  3*) Er-
       zeugnisse des Bodens
       
       #31# Die Physiokraten
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       die Produkte vervielfacht, die den Reichtum bilden... Das Gewerbe
       kauft von der Landwirtschaft die Rohstoffe, um sie zu bearbeiten;
       seine  Arbeit  gibt  -  wie  wir  schon  gesagt  haben  -  diesen
       Rohstoffen nur  eine Form,  doch fügt  sie ihnen nichts hinzu und
       vervielfacht sie  nicht." (p.  196,  197).  "Gebt  dem  Koch  ein
       Quantum Erbsen,  aus denen er euch das Mittagessen bereiten soll;
       er wird  es euch  gut gekocht  und gut  zubereitet auf  den Tisch
       geben, aber  in derselben  Quantität, die  er empfangen hat; gebt
       aber umgekehrt  die gleiche  Quantität dem  Gärtner, damit er sie
       der Erde  anvertraue; er  wird euch,  wenn die Zeit dazu gekommen
       ist,   mindestens    das   Vierfache    der   empfangenen   Menge
       zurückerstatten. Das  ist die  wahre und einzige Produktion." (p.
       197.) "Den  Wert erhalten  die Dinge  durch die  Bedürfnisse  der
       Menschen. Also  ist der  Wert oder  die Vermehrung des Wertes der
       Waren nicht  das Resultat  der gewerblichen  Arbeit, sondern  der
       Ausgaben der  Arbeitenden." (p.  198.) Kaum  ist irgendeine  neue
       Manufaktur aufgetaucht,  so dehnt  sie sich  sofort innerhalb und
       außerhalb des Landes aus; und siehe da!  s e h r  b a l d  drückt
       die Konkurrenz  anderer Gewerbetreibender und Kaufleute den Preis
       auf sein  richtiges Niveau  herab, das... bestimmt wird durch den
       Wert der  Rohstoffe und durch die Erhaltungskosten der Arbeiter."
       (p. 204, 205.)

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