Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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[DRITTES KAPITEL]
A. Smith
[1. Zwei Wertbestimmungen bei Smith]
A. Smith, wie alle Ökonomen, worth speaking of 1*), akzeptiert
von den Physiokraten den average 2*) Lohn, was er den prix natu-
rel du salaire 3*) nennt.
"Ein Mensch muß immer von seiner Arbeit leben, und sein Lohn muß
mindestens zu seiner Erhaltung ausreichen. Er muß meistenteils
sogar etwas größer sein, sonst wäre es den Arbeitern nicht mög-
lich, eine Familie zu gründen, wodurch ihr Geschlecht nicht län-
ger als eine Generation existieren könnte." (["Recherches sur la
nature et les causes de la richesse des nations", Paris 1802], t.
I, l. I, ch. VIII, p. 136.)
A. Smith konstatiert ausdrücklich, daß die Entwicklung der Pro-
duktivkräfte der Arbeit nicht dem Arbeiter selbst zugute kömmt.
So heißt es (l. I, ch. VIII, edit. MacCulloch, London 1828):
"Das Produkt der Arbeit bildet die natürliche Vergütung oder den
Lohn der Arbeit. In jenem ursprünglichen Zustand der Dinge, der
sowohl der A n e i g n u n g v o n G r u n d u n d B o d e n
als auch der A n h ä u f u n g v o n K a p i t a l vorangeht,
gehört dem Arbeiter das ganze Produkt der Arbeit. Es gibt weder
einen Grundherrn noch einen Beschäftiger, mit dem er teilen
müßte. Hätte dieser Zustand fortgedauert, w ü r d e der Lohn
der Arbeit mit a l l d e r V e r m e h r u n g i h r e r
P r o d u k t i v k r ä f t e, die aus d e r A r b e i t s-
t e i l u n g hervorgeht, g e s t i e g e n s e i n. Alle
Dinge wären nach und nach wohlfeiler geworden"
{jedenfalls all those things requiring a smaller quantity of la-
bour for their reproduction, but they "would" not only have be-
come cheaper; they have, in point of fact, become cheaper 4*)}.
"Sie wären durch eine geringere Menge Arbeit erzeugt worden; und
da durch gleiche Mengen Arbeit hergestellte Waren natürlich in
diesem Zustand gegeneinander
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1*) die der Rede wert sind - 2*) Durchschnitts- - 3*) natürlichen
Preis des Arbeitslohns - 4*) alle jene Dinge, die eine geringere
Menge Arbeit zu ihrer Reproduktion erheischen; aber sie "wären"
nicht bloß, sondern sind tatsächlich wohlfeiler geworden
#41# A. Smith
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ausgetauscht werden, hätte man sie ebenfalls mit ¦¦244¦ dem Pro-
dukt einer kleineren Menge Arbeit gekauft... Doch dieser ur-
sprüngliche Zustand, in, dem der Arbeiter sich des ganzen Pro-
dukts seiner Arbeit erfreute, konnte den A u g e n b l i c k
n i c h t ü b e r d a u e r n, d a z u m e r s t e n m a l
B o d e n a n g e e i g n e t u n d K a p i t a l a u f-
g e h ä u f t w u r d e. Er ging also zu Ende, lange bevor die
größten Fortschritte in der Vervollkommnung der Produktivkräfte
der Arbeit erzielt wurden, und es wäre nutzlos, weiter zu
untersuchen, welchen Einfluß er auf die Vergütung oder den Lohn
der Arbeit hätte haben können." (t. I, p. 107-109.)
A. Smith bemerkt hier sehr fein, daß die wirkliche große Entwick-
lung in der Produktivkraft der Arbeit erst von dem Augenblick be-
ginnt, wo sie in Lohnarbeit verwandelt ist und die Arbeitsbedin-
gungen ihr einerseits als Grundeigentum, andrerseits als Kapital
gegenübertreten. Die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit
beginnt also erst unter Bedingungen, worin der Arbeiter selbst
die Resultate derselben sich nicht mehr aneignen kann. Es ist da-
her ganz nutzlos, zu untersuchen, wie diese Vermehrung der Pro-
duktivkräfte auf die "wages" 1*), die hier, gleich dem Produkt
der Arbeit, eingewirkt hätten oder einwirken würden unter der
Voraussetzung, daß das Produkt der Arbeit (oder der Wert dieses
Produkts) dem Arbeiter selbst gehörte.
A. Smith ist sehr reichlich mit den Vorstellungen der Physiokra-
tie infiziert, und es ziehn sich oft ganze Schichten durch sein
Werk, die den Physiokraten angehören und den von ihm eigentümlich
aufgestellten Ansichten völlig widersprechen. So z.B. in der
Lehre von der Grundrente usw. Diese Bestandteile seiner Schrift,
die ihn nicht charakterisieren, sondern worin er bloßer Physio-
krat ist sind hier für unsern Zweck ganz außer acht zu lassen.
Ich habe schon im ersten Teil dieser Schrift, bei Gelegenheit der
Analyse der Ware, nachgewiesen 2*), wie A. Smith in der Bestim-
mung des Tauschwerts schwankt und namentlich die Bestimmung des
Werts der Waren durch die Quantität der zu ihrer Produktion
erheischten Arbeit bald verwechselt mit, bald verdrängt durch das
Quantum lebendiger Arbeit, womit Ware gekauft werden kann, oder,
was dasselbe ist, durch das Quantum Ware, womit ein bestimmtes
Quantum lebendiger Arbeit gekauft werden kann. [31] Hier macht er
den T a u s c h w e r t der Arbeit zum Maß für den Wert der
Waren. In der Tat das Salair; denn das Salair ist gleich dem
Quantum Waren, das mit einem bestimmten Quantum lebendiger Arbeit
erkauft wird, oder gleich dem Quantum Arbeit, das mit einem be-
stimmten Quantum Waren gekauft werden kann. Der Wert der Arbeit
oder vielmehr
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1*) Löhne - 2*) siehe Band 13 unserer Ausgabe. S. 44/45
#42# Drittes Kapitel
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des Arbeitsvermögens wechselt wie der jeder andren Ware und un-
terscheidet sich in nichts spezifisch von dem Wert der andren Wa-
ren. Es wird hier Wert zum Maßstab und Erklärungsgrund von Wert
gemacht, also cercle vicieux 1*).
Es wird sich aber bei der folgenden Darstellung zeigen, daß diese
Unsicherheit und dies Durcheinanderwerfen ganz heterogener Be-
stimmungen Smiths Untersuchungen über die Natur und den Ursprung
des Mehrwerts nicht stört, weil er in der Tat, auch ohne es zu
wissen, überall, wo er entwickelt, an der richtigen Bestimmung
2*) des Tauschwerts der Waren - nämlich ihrer Bestimmung durch
das in ihnen aufgearbeitete Quantum Arbeit oder die Arbeitszeit -
festhält. ¦244¦¦
¦¦VII-283a¦ {Wie oft Smith im Verlauf seines Werkes, wo er wirk-
lich Tatsachen erklärt, das im Produkt enthaltene Arbeitsquantum
als Wert und wertbestimmend auffaßt, kann durch viele Beispiele
gezeigt werden. Einen Teil davon findet man bei Ricardo zitiert.
[32] Seine ganze Lehre vom Einfluß der Teilung der Arbeit und
verbesserter Maschinerie auf den Preis der Ware beruht darauf.
Hier genüge eine Stelle. Ch. XI, l. I spricht A. Smith von der
Verwohlfeilerung vieler der Manufakturwaren seiner Zeit, vergli-
chen mit früheren Jahrhunderten, und schließt mit den Worten:
"Es kostete eine sehr viel größere Menge Arbeit, ¦¦283b¦ die Ware
auf den Markt zu bringen; einmal dort, mußte sie also den Preis
einer viel größeren Menge Arbeit im Austausch kaufen oder erhal-
ten." (["Recherches sur la nature et les causes de la richesse
des nations", Paris 1802 t. II, p. 156.)} ¦VII-283b¦¦
¦¦VI-245¦ Zweitens aber beruht dieser Widerspruch und das Über-
gehn von der einen Erklärungsweise zur andren bei A. Smith auf
Tieferem, was Ricardo in Aufdeckung dieses Widerspruchs übersehn,
nicht richtig gewürdigt hat, daher auch nicht gelöst. Gesetzt,
alle Arbeiter seien Warenproduzenten, produzierten nicht nur ihre
Waren, sondern verkauften sie auch. Der Wert dieser Waren ist be-
stimmt durch die in ihnen enthaltne notwendige Arbeitszeit. Wer-
den also die Waren zu ihrem Wert verkauft, so käuft der Arbeiter
mit einer Ware, die das Produkt 12stündiger Arbeitszeit ist, wie-
der 12stündige Arbeitszeit in der Form einer andren Ware, d.h.
12stündige Arbeitszeit, die in einem andren Gebrauchswert ver-
wirklicht ist. Der Wert seiner Arbeit ist also gleich dem Wert
seiner Ware, d.h. gleich dem Produkt 12stündiger Arbeitszeit. Der
Verkauf und Wiederverkauf, kurz, der ganze Austauschprozeß, die
Metamorphose der Ware, ändert nichts hierdran. Er ändert nur die
Gestalt des Gebrauchswerts, worin sich
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1*) Zirkelschluß - 2*) in der Handschrift: d. richtigen Bestim-
mungen
#43# A. Smith
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diese 12stündige Arbeitszeit darstellt. Der Wert der Arbeit ist
also gleich dem Wert des Produkts der Arbeit. Es tauschen sich
erstens in den Waren soweit sie ihrem Wert nach ausgetauscht wer-
den - gleiche Quanta vergegenständlichter Arbeit aus. Zweitens
aber tauscht sich ein bestimmtes Quantum lebendiger Arbeit gegen
ein gleiches Quantum vergegenständlichter Arbeit aus, denn er-
stens vergegenständlicht sich die lebendige Arbeit in einem Pro-
dukt, einer Ware, die dem Arbeiter gehört, und zweitens tauscht
sich diese Ware wieder gegen eine andre Ware aus, worin gleich
großes Quantum Arbeit enthalten ist. In der Tat tauscht sich also
ein bestimmtes Quantum lebendiger Arbeit gegen ein gleich großes
Quantum vergegenständlichter Arbeit aus. Es ist also nicht nur
Ware, die sich gegen Ware austauscht in dem Verhältnis, worin sie
gleich viel Arbeitszeit vergegenständlicht darstellen, sondern
ein Quantum lebendige Arbeit tauscht sich gegen Ware aus, die
dasselbe Quantum Arbeit vergegenständlicht darstellt.
Unter dieser Voraussetzung könnte der Wert der Arbeit (das Quan-
tum Ware, das man mit einem gegebnen Quantum Arbeit kaufen kann,
oder das Quantum Arbeit, das man mit einem gegebnen Quantum Ware
kaufen kann) ebensowohl wie die in der Ware enthaltne Quantität
Arbeit als Maß ihres Werts gelten, da der Wert der Arbeit stets
dasselbe Quantum Arbeit vergegenständlicht darstellt, was die le-
bendige Arbeit zur Produktion dieser Ware erheischt, oder ein be-
stimmtes Quantum lebendiger Arbeitszeit stets ein Quantum Ware
kommandierte, das gleich viel Arbeitszeit vergegenständlicht dar-
stellte. Nun aber findet in allen Produktionsweisen - namentlich
auch der kapitalistischen Produktionsweise - worin die gegen-
ständlichen Bedingungen der Arbeit einer oder mehreren Klassen
gehören, das bloße Arbeitsvermögen dagegen einer andern Klasse,
der Arbeiterklasse, das Gegenteil statt. Das Produkt oder der
Wert des Produkts der Arbeit gehört nicht dem Arbeiter. Ein be-
stimmtes Quantum lebendiger Arbeit kommandiert nicht dasselbe
Quantum vergegenständlichter Arbeit, oder ein bestimmtes Quantum
in Ware vergegenständlichter Arbeit kommandiert ein größres Quan-
tum lebendiger Arbeit, als in der Ware selbst enthalten ist.
Da A. Smith nun ganz richtig von der Ware und dem Warenaustausch
ausgeht, die Produzenten sich also ursprünglich nur als Warenbe-
sitzer, Warenverkäufer und Warenkäufer gegenübertreten, so ent-
deckt er (scheint es ihm), daß im Austausch zwischen Kapital und
Lohnarbeit, ver- ¦¦246¦ gegenständlichter Arbeit und lebendiger
Arbeit, das allgemeine Gesetz sogleich aufgehoben wird und die
Waren (denn auch die Arbeit ist Ware,
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1*) In der Handschrift: der Austausch der
#44# Drittes Kapitel
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soweit sie gekauft und verkauft wird) nicht im Verhältnis der Ar-
beitsquanta, die sie darstellen, sich austauschen. Daher schließt
er, daß die Arbeitszeit nicht mehr das immanente Maß ist, das den
Tauschwert der Waren regelt, sobald die Arbeitsbedingungen in der
Form des Grundeigentums und des Kapitals dem Lohnarbeiter gegen-
übertreten. Er hätte vielmehr, wie Ricardo ihm richtig bemerkt,
umgekehrt schließen müssen, daß die Ausdrücke "Quantität der Ar-
beit" und "Wert der Arbeit" nicht mehr identisch sind, also der
relative Wert der Waren, obgleich durch die in ihnen enthaltne
Arbeitszeit, nicht durch den Wert der Arbeit reguliert wird, da
der letztre Ausdruck nur richtig war, soweit er mit dem erstren
identisch blieb. Daß es an und für sich falsch und abgeschmackt
wäre, selbst wenn der Arbeiter sich sein eignes Produkt, i.e. den
Wert seines eignen Produkts, aneignete, diesen Wert oder den Wert
der Arbeit zum Maß der Werte zu machen, in demselben Sinn, worin
die Arbeitszeit oder die Arbeit selbst Maß der Werte und wert-
schaffendes Element ist, kann weiter unten bei Gelegenheit von
Malthus [33] entwickelt werden. Selbst dann dürfte die Arbeit,
die man mit einer Ware kaufen kann, nicht in demselben Sinn als
Maß gelten wie die Arbeit, die in ihr enthalten ist. Bloß wäre
die eine ein Index der andren.
Jedenfalls fühlt A. Smith die Schwierigkeit, aus dem Gesetz, das
den Austausch der Waren bestimmt, den Austausch zwischen Kapital
und Arbeit herzuleiten, der scheinbar auf ganz entgegengesetzten
und widersprechenden Prinzipien beruht. Auch war der Widerspruch
nicht zu erklären, solange Kapital direkt der Arbeit statt dem
Arbeitsvermögen gegenübergestellt wird. Daß die Arbeitszeit, die
das Arbeitsvermögen zu seiner Reproduktion und Erhaltung kostet,
sehr verschieden von der Arbeit, die es selbst leisten kann, dem
A. Smith wohlbekannt. So zitiert er selbst aus Cantillon: "Essai
sur la nature du commerce...":
"Derselbe Autor fügt hinzu, man rechne damit, daß die Arbeit ei-
nes gesunden Sklaven doppelt soviel wert ist wie sein Unterhalt.
Er glaubt, daß die Arbeit des niedrigsten Arbeiters nicht weniger
wert sein kann als die eines gesunden Sklaven." (t. I, l. I, ch.
VIII, p. 137, Garnier)
Andrerseits sonderbar, daß A. Smith nicht begriff, wie wenig sein
Bedenken mit dem Gesetz zu tun hat, das den Austausch der Waren
untereinander regelt. Daß Ware A und B sich im Verhältnis zu der
in ihnen enthaltnen Arbeitszeit austauschen, ist durchaus nicht
gestört durch die Verhältnisse, worin die Produzenten von A oder
von B die Produkte A und B oder vielmehr ihren Wert untereinander
verteilen. Wenn ein Teil von A dem Grundeigentümer, ein andrer
dem Kapitalisten, ein dritter dem Arbeiter zufällt, in welchen
Portionen immer, so ändert dies nicht, daß A selbst
#45# A. Smith
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sich mit B seinem Werte gemäß austauscht. Das Verhältnis der Ar-
beitszeit, die in den Waren A und B enthalten ist, wird durchaus
nicht davon berührt, wie die in A und B enthaltene Arbeitszeit
von verschiednen Personen an geeignet wird. Ist der Austausch des
Tuches gegen Leinwand vollzogen, so werden die Produzenten des
Tuches denjenigen Anteil an der Leinwand haben, der ihrem frühe-
ren Anteil am Tuche entspricht" ([Marx,] "Misère de la Phil.", p.
29 1*)). Dies ist auch, was die Ricardians mit Recht später gegen
¦¦247¦ A. Smith geltend machten. So der Malthusianer John Caze-
nove:
"Austausch von Waren und Verteilung müssen voneinander getrennt
betrachtet werden... Die Umstände, die den einen beeinflussen,
wirken nicht immer auf die andere ein. Zum Beispiel wird eine
Verringerung der Produktionskosten einer einzelnen Ware ihr Ver-
hältnis zu allen anderen verändern; aber sie wird nicht notwendi-
gerweise ihre eigne Verteilung ändern oder in irgendeiner Weise
die der anderen beeinflussen. Wiederum wird eine allgemeine Ver-
minderung der Werte der Waren, die sie a l l e i n
g l e i c h e r W e i s e trifft, ihr Verhältnis zueinander
nicht ändern; sie kann - kann aber auch nicht - von Einfluß auf
ihre Verteilung werden usw." (John Cazenove in dem Preface zu
seiner Edit. of Malthus' "Definitions in Polit. Econ.", London
1853, [p. VI].)
Da aber die "Distribution" des Werts des Produkts zwischen Kapi-
talist und Arbeiter selbst auf einem exchange 2*) zwischen Waren
- den Waren und dem Arbeitsvermögen - beruht, so A. Smith mit
Recht startled 3*). Den Wert der Arbeit oder den Grad, worin eine
Ware (oder Geld) Arbeit kaufen kann, zum Maß der Werte nebenbei
gemacht zu haben, wirkt störend auf die Entwicklung bei Smith, wo
er die Theorie der Preise gibt, die Wirkung der Konkurrenz auf
die Rate des Profits entwickelt usw., nimmt überhaupt seinem Werk
alle Einheit und schließt selbst eine Masse wesentlicher Fragen
bei ihm von der Untersuchung aus. Auf die Entwicklung d e s
M e h r w e r t s i m a l l g e m e i n e n bleibt sie, wie
wir gleich sehn werden, ohne Einfluß, indem er hier immer die
richtige Bestimmung des Werts durch die Arbeitszeit, die in ver-
schiednen Waren aufgearbeitet ist, festhält.
Also nun zu seiner Darstellung.
Indes vorher noch ein Umstand zu erwähnen. A. Smith verwechselt
verschiedne Sachen. Erstens heißt es in l. I, ch. V [Garnier]:
"Ein Mensch ist reich oder arm, je nachdem er die Mittel hat,
sich die Lebensmittel, die Bequemlichkeiten und die Vergnügungen
des Lebens zu beschaffen. Nachdem aber einmal in allen Zweigen
die Arbeitsteilung entstanden ist, kann ein Mensch sich nur noch
einen außerordentlich kleinen Teil all jener Dinge direkt durch
seine eigene Arbeit beschaffen, den weitaus größeren Teil dersel-
ben muß er von der Arbeit anderer erwarten; er wird demnach reich
oder arm sein, j e n a c h d e r Q u a n t i t ä t d e r
A r b e i t, d i e e r
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1*) Siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 84 - 2*) Austausch - 3*)
stutzt
#46# Drittes Kapitel
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i m s t a n d e i s t z u k o m m a n d i e r e n o d e r
z u k a u f e n. D e m n a c h i s t d e r W e r t e i-
n e r b e l i e b i g e n W a r e für den, der sie besitzt und
der sie nicht selbst gebrauchen oder konsumieren kann, sondern
der die Absicht hat, s i e g e g e n e t w a s a n d e r e s
e i n z u t a u s c h e n, g l e i c h d e r Q u a n t i t ä t
d e r A r b e i t, welche d i e s e W a r e i h n i n-
s t a n d s e t z t z u k a u f e n u n d z u k o m-
m a n d i e r e n. Die Arbeit ist folglich der reale Maßstab des
T a u s c h w e r t s aller Waren." (t. I, p. 59, 60.)
Weiter:
"Sie" (les marchandises 1*)) "enthalten d e n W e r t
e i n e r g e w i s s e n Q u a n t i t ä t A r b e i t,
d i e w i r g e g e n d a s j e n i g e a u s t a u-
s c h e n, ¦¦248¦ wovon man voraussetzt, daß es den Wert einer
gleichen Quantität Arbeit enthalte... Nicht mit Gold oder Silber,
mit Arbeit wurden alle Reichtümer der Welt ursprünglich gekauft;
und für diejenigen, die sie besitzen und sie gegen irgendwelche
neue Produkte auszutauschen suchen, ist der Wert genau gleich der
Quantität Arbeit, die sie zu kaufen oder zu kommandieren imstande
sind." (l. I, [ch.] V, p. 60, 61.)
Endlich:
"Wie Herr Hobbes sagt - R e i c h t u m bedeutet M a c h t;
aber wer ein großes Vermögen erwirbt oder durch Erbschaft erhält,
erwirbt damit nicht notwendig irgendeine politische Macht, sei es
zivile, sei es militärische... Die Art von Macht, die dieser Be-
sitz ihm unmittelbar und direkt verschafft, ist die Macht, zu
kaufen; sie ist ein Recht, über d i e g a n z e A r b e i t
a n d e r e r o d e r ü b e r d a s g a n z e P r o d u k t
d i e s e r A r b e i t, d a s s i c h a u g e n b l i c k-
l i c h a u f d e m M a r k t f i n d e t, zu komman-
dieren." (l.c.p. 61.)
Man sieht: In allen diesen Stellen wirft Smith le travail
d'autrui 2*) und das produit de ce travail 3*) zusammen. Der
Tauschwert der Ware, die einer besitzt, besteht, nach der Teilung
der Arbeit, in den fremden Waren, die er kaufen kann, d.h. in dem
Quantum fremder Arbeit, die in ihnen enthalten ist, dem Quantum
materialisierter fremder Arbeit. Und dies Quantum fremder Arbeit
ist gleich dem Quantum Arbeit, das in seiner eignen Ware enthal-
ten ist. Wie er ausdrücklich sagt:
"Die Waren enthalten den Wert einer gewissen Quantität Arbeit,
die wir gegen dasjenige austauschen, wovon man voraussetzt, daß
es d e n W e r t e i n e r g l e i c h e n Q u a n t i t ä t
A r b e i t enthalte."
Der Akzent liegt hier auf dem durch die T e i l u n g d e r
A r b e i t hervorgebrachten change, daß nämlich der Reichtum
nicht mehr im Produkt der eignen Arbeit besteht, sondern in dem
Quantum fremder Arbeit, die dies Produkt kommandiert, der gesell-
schaftlichen Arbeit, die es kaufen kann, welches Quantum durch
das Quantum der in ihm selbst enthaltnen Arbeit bestimmt ist. In
der Tat ist hier nur der Begriff des Tauschwerts enthalten, daß
meine Arbeit nur noch als gesellschaftliche und daher ihr Produkt
als
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1*) die Waren - 2*) die Arbeit anderer - 3*) Produkt dieser Ar-
beit
#47# A. Smith
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Kommando über gleiches Quantum gesellschaftlicher Arbeit meinen
Reichtum bestimmt. Meine Ware, die ein bestimmtes Quantum notwen-
diger Arbeitszeit enthält, gibt mir Kommando über alle andren Wa-
ren von gleichem Wert, also über ein gleiches Quantum fremder Ar-
beit, das in andren Gebrauchswerten realisiert ist. Der Akzent
liegt hier auf der mit der Teilung der Arbeit und dem Tauschwert
herbeigeführten Gleichsetzung meiner Arbeit und f r e m d e r
Arbeit, in andren Worten gesellschaftlicher Arbeit (daß auch
meine Arbeit oder die in meinen Waren enthaltne Arbeit schon
g e s e l l s c h a f t l i c h bestimmt ist und ihren Charakter
wesentlich verändert, entgeht Adamen), durchaus nicht auf dem Un-
terschied zwischen v e r g e g e n s t ä n d l i c h t e r Ar-
beit und l e b e n d i g e r A r b e i t und den spezifischen
Gesetzen ihres Austauschs. In der Tat sagt A. Smith hier nichts,
als daß der Wert der Waren durch die in ihnen enthaltne Arbeits-
zeit bestimmt ist und der Reichtum des Warenbesitzers in dem
Quantum gesellschaftlicher Arbeit besteht, worüber er verfügt.
Die Gleichsetzung indes von A r b e i t u n d P r o d u k t
d e r A r b e i t ¦¦249¦ gibt hier allerdings schon den ersten
Anlaß zur Verwechslung zwischen der Bestimmung des Werts der Wa-
ren durch die in ihnen enthaltne Quantität Arbeit und der Bestim-
mung ihres Werts durch das Quantum lebendiger Arbeit, das sie
kaufen können, oder ihre Bestimmung durch den Wert der Arbeit.
Wenn A. Smith sagt:
"Sein Vermögen ist größer oder kleiner genau im Verhältnis zum
Umfang dieser Macht, im Verhältnis zur Quantität der Arbeit ande-
rer, die er kommandieren, oder, was dasselbe ist" (hier liegt die
falsche Identifikation), "z u m P r o d u k t d e r A r-
b e i t a n d e r e r, die er kaufen kann" (l.c.p. 61),
so hätte er ebensowohl sagen können: Sie ist im Verhältnis zu der
in seiner eignen Ware oder fortune 1*) enthaltnen Quantität ge-
sellschaftlicher Arbeit, wie er ja auch bemerkt:
"Sie" (les marchandises) "enthalten den Wert einer gewissen Quan-
tität Arbeit, die wir gegen dasjenige austauschen, wovon man vor-
aussetzt, daß es den Wert e i n e r g l e i c h e n
Q u a n t i t ä t Arbeit enthalte."
(Das Wort valeur 2*) hier überflüssig und sinnlos.) Die falsche
Konklusion zeigt sich schon in diesem ch. V, wenn es z.B. heißt:
"So ist die Arbeit, da ihr e i g e n e r W e r t sich niemals
verändert, der einzige reale und endgültige Maßstab, der zu allen
Zeiten und an allen Orten dazu dienen könnte, den Wert aller Wa-
ren zu schätzen und zu vergleichen." (p. 66.)
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1*) Vermögen - 2*) Wert
#48# Drittes Kapitel
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Was von der Arbeit selbst und daher ihrem Maß, der Arbeitszeit
gilt, daß der Wert der Waren stets im Verhältnis zur Arbeitszeit
stehe, die sich in ihnen realisiert, wie auch immer der Wert der
Arbeit wechsle, wird hier für diesen wechselnden W e r t d e r
A r b e i t selbst vindiziert.
Hier hatte A. Smith erst den Warenaustausch überhaupt entwickelt:
die Natur des Tauschwerts, der Teilung der Arbeit und des Gelds.
Die Austauscher stehn ihm nur noch als Warenbesitzer gegenüber.
Sie kaufen fremde Arbeit in der Form der Ware, wie ihre eigne Ar-
beit in der Form der Ware auftritt. Das Quantum der gesellschaft-
lichen Arbeit, das sie kommandieren, ist daher gleich dem Quantum
der Arbeit, die in der Ware, womit sie selbst kaufen, enthalten
ist. Wenn er aber in den folgenden Kapiteln auf den Austausch
zwischen vergegenständlichter Arbeit und lebendiger, zwischen Ka-
pitalist und Arbeiter kommt und dann b e t o n t, daß der Wert
der Ware nun nicht mehr bestimmt sei durch das Quantum Arbeit,
das in ihr selbst enthalten ist, sondern durch das davon unter-
schiedne Quantum fremder, lebendiger Arbeit, das sie kommandie-
ren, i.e. kaufen kann, so ist damit in der Tat nicht gesagt, daß
die Waren selbst sich nicht mehr im Verhältnis zu der in ihnen
enthaltnen Arbeitszeit austauschen, sondern daß die
B e r e i c h e r u n g, die Verwertung des in der Ware enthalt-
nen Werts und der Grad dieser Verwertung von der größren oder ge-
ringren Quantität lebendiger Arbeit abhängt, die die vergegen-
ständlichte Arbeit in Bewegung setzt. Und in dieser Fassung ist
das richtig. Smith bleibt aber unklar.
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