Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil


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       #48# Drittes Kapitel
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       [2. Allgemeine Theorie vom Mehrwert bei Smith. Profit, Grundrente
       und Zins als Abzüge vom Arbeitsprodukt des Arbeiters]
       
       ¦¦250¦ Im ch. VI, l. I geht A. Smith nun über von dem Verhältnis,
       wo unterstellt  wird, daß  die Produzenten sich nur als Warenver-
       käufer und  Besitzer gegenüberstehn,  zu dem  Verhältnis des Aus-
       tauschs zwischen den Besitzern der Arbeitsbedingungen und den Be-
       sitzern von bloßem Arbeitsvermögen.
       
       "In diesem  ersten rohen  Zustand der  Gesellschaft, der    d e r
       A k k u m u l a t i o n  d e r  K a p i t a l i e n  u n d  d e m
       E i g e n t u m   a n   G r u n d  u n d  B o d e n  v o r h e r-
       g e h t,   ist offenbar    d i e    z u m    E r w e r b    d e r
       v e r s c h i e d e n e n   G e g e n s t ä n d e   d e s  A u s-
       t a u s c h s   n o t w e n d i g e  A r b e i t s m e n g e  der
       einzige Umstand,  der irgendeine  Regel für den Austausch liefern
       kann... Es ist natürlich, daß das, was gewöhnlich das Produkt von
       zwei Tagen oder von zwei Stunden Arbeit ist, den
       
       #49# A. Smith
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       doppelten Wert  hat von dem, was gewöhnlich das Produkt von einem
       Tag oder  von einer Stunde Arbeit ist." (l. I. ch. VI, p. 94, 95,
       Garnier)
       
       Also die Arbeitszeit, nötig, um verschiedne Waren zu produzieren,
       bestimmt das  Verhältnis, worin  sie sich  gegeneinander  austau-
       schen, oder ihren  T a u s c h w e r t.
       
       "Unter diesen  Verhältnissen gehört  das ganze Produkt der Arbeit
       dem Arbeiter,  und die Quantität Arbeit, die gewöhnlich aufgewen-
       det wird,  um einen austauschbaren Gegenstand zu erwerben oder zu
       produzieren, ist  der einzige  Umstand, der  die Quantität Arbeit
       bestimmen kann,  die man für diesen Gegenstand gewöhnlich zu kau-
       fen, zu  kommandieren oder im Austausch zu erhalten imstande sein
       sollte." (l.c.p. 96.)
       
       Also: Unter  der Voraussetzung  ist der Arbeiter bloßer Warenver-
       käufer, und  der eine  kommandiert die Arbeit des andern nur, so-
       fern er mit seiner Ware die Ware des andren käuft. Er kommandiert
       also mit  seiner Ware nur soviel Arbeit des andren, als in seiner
       eignen Ware  enthalten ist, da beide nur Waren gegeneinander aus-
       tauschen und  der Tauschwert  der Waren bestimmt ist durch die in
       ihnen enthaltne Arbeitszeit oder Quantität Arbeit.
       Aber, fährt Adam fort:
       
       "Sobald   K a p i t a l   s i c h   a n g e h ä u f t   hat   i n
       d e n  H ä n d e n  e i n z e l n e r,  werden einige darunter es
       natürlicherweise anwenden,  um fleißige  Leute an  die Arbeit  zu
       setzen und  diesen Rohstoffe  und Lebensmittel  zu liefern,   u m
       d u r c h     d e n     V e r k a u f    d e r    P r o d u k t e
       i h r e r   A r b e i t,   o d e r   d u r c h    d a s,    w a s
       i h r e    A r b e i t    d e m    W e r t    j e n e r    R o h-
       s t o f f e      h i n z u g e f ü g t      h a t,      e i n e n
       P r o f i t  z u  m a c h e n."  (l.c.p. 96.)
       
       Stop, before  wir den  weitern Passus  verfolgen. D'abord 1*), wo
       kommen die  gens industrieux  2*) her, die weder Subsistenzmittel
       noch Material  der Arbeit  besitzen, in  die blaue  Luft gestellt
       sind? Entkleidet  man Smiths  Ausdruck seiner  naiven Fassung, so
       heißt er  weiter nichts  als: Die  kapitalistische Produktion be-
       ginnt in  dem Augenblick,  wo die Arbeitsbedingungen einer Klasse
       gehören und  die bloße  Verfügung über  das Arbeitsvermögen einer
       andern. Diese Trennung der Arbeit von den Arbeitsbedingungen bil-
       det die
       Voraussetzung der kapitalistischen Produktion.
       Zweitens aber,  was versteht A. Smith darunter, daß die employers
       of labour  die ouvriers  3*) anwenden,   "u m   d u r c h   d e n
       V e r k a u f   d e r   P r o d u k t e   i h r e r   A r b e i t
       o d e r   durch das,  was ihre  Arbeit ¦¦251¦ dem Wert jener Roh-
       stoffe  hinzugefügt   hat,     e i n e n     P r o f i t      z u
       m a c h e n"?   Meint er  damit, daß  der Profit  aus dem Verkauf
       herstammt, daß  die Ware  über ihrem Wert verkauft wird, also was
       Steuart profit  upon alienation  4*) nennt,  der nichts ist als a
       vibration of  wealth between  parties 5*)?  Lassen wir ihn selbst
       antworten.
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       1*) Zunächst  - 2*) fleißigen Leute - 3*) die Anwender von Arbeit
       die Arbeiter  - 4*)  Veräußerungsprofit -  5*) ein  Schwanken des
       Reichtums zwischen den Beteiligten (vgl. vorl. Band, S. 8)
       
       #50# Drittes Kapitel
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       "Wenn das   f e r t i g e   A r b e i t s p r o d u k t    ausge-
       tauscht wird, sei es gegen Geld  o d e r  g e g e n  A r b e i t"
       (hier wieder  Quelle neuen  Irrtums) oder gegen andere Waren, muß
       über das,  was zur  Bezahlung der  Preise der Materialien und der
       Löhne  der   Arbeiter  genügen   werde,     n o c h     e t w a s
       g e g e b e n   w e r d e n  für den Profit des Unternehmers, der
       mit seinem Kapital in diesem Geschäft hasardiert hat."
       
       (Auf dies  Hasardieren später  zurückzukommen, sieh  Heft VII, p.
       173 bei  dem Kapitel  über die  apologetischen Darstellungen  des
       Profits.) [34]  Diese quelque  chose de donné pour les profits de
       l'entrepreneur, quand  l'ouvrage fini  est échangé 1*), stammt es
       aus dem  Verkauf der Ware über ihrem Wert, ist es der Steuartsche
       profit upon alienation?
       
       "Also", führt  Adam unmittelbar  fort, der  Wert,   d e n   d i e
       A r b e i t e r   d e n   R o h s t o f f e n    z u s e t z e n,
       löst sich  h i e r" (sobald die kapitalistische Produktion einge-
       treten ist)   "i n   z w e i  T e i l e  a u f,  w o v o n  d e r
       e i n e   i h r e n  L o h n  z a h l t,  d e r  a n d r e  d e n
       P r o f i t   d e s   B e s c h ä f t i g e r s    a u f    d e n
       g a n z e n  v o n  i h m  v o r g e s c h o ß n e n  B e t r a g
       v o n   R o h s t o f f e n   u n d   A r b e i t s l ö h n e n."
       (p. 96, 97.)
       
       Hier also  erklärt Smith  ausdrücklich: Der Profit, der beim Ver-
       kauf des  ouvrage fini  2*) gemacht  wird, rührt nicht aus  d e m
       V e r k a u f   selbst her,  nicht daher, daß die Ware über ihrem
       Wert verkauft  wird, ist  nicht profit upon alienation. Der Wert,
       d.h. das  Quantum Arbeit, das die Arbeiter dem Material zuteilen,
       zerfällt vielmehr  in 2  Teile. Der  eine zahlt ihre Salaire oder
       ist durch  ihre Salaire gezahlt. Sie geben damit nur soviel Quan-
       tum Arbeit  zurück, als sie in der Form des Salairs empfangen ha-
       ben. Der  andre Teil bildet den Profit des Kapitalisten, d.h., er
       ist ein  Quantum Arbeit,  das er verkauft, ohne es gezahlt zu ha-
       ben. Verkauft  er also  die Ware  zu ihrem  Wert, d.h. der in ihr
       enthaltnen Arbeitszeit,  d.h., tauscht  er sie  gegen andre Waren
       nach dem Gesetz des Werts aus, so rührt sein Profit daher, daß er
       einen Teil  der in  der Ware enthaltnen Arbeit nicht bezahlt hat,
       sie wohl aber  v e r k a u f t.  A. Smith hat damit selbst wider-
       legt, daß der Umstand, daß dem Arbeiter nicht mehr das ganze Pro-
       dukt seiner  Arbeit gehört, daß er es oder seinen Wert teilen muß
       mit dem Eigentümer des Kapitals, das Gesetz aufhebt, daß das Ver-
       hältnis, worin sich die Waren gegeneinander austauschen, oder ihr
       Tauschwert bestimmt ist durch das Quantum der in ihnen materiali-
       sierten Arbeitszeit. Er leitet ja vielmehr den Profit des Kapita-
       listen selbst  daher, daß  er einen Teil der der Ware zugesetzten
       Arbeit nicht  bezahlt hat  und daher sein Profit beim Verkauf der
       Ware entspringt.  Wir werden  sehn, wie er später noch wörtlicher
       den Profit  herleitet aus der Arbeit, die der Arbeiter verrichtet
       über das Quantum Arbeit hinaus, womit er das Salair
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       1*) Dieses  Etwas, das für den  P r o f i t  des Unternehmers ge-
       geben werden  muß, wenn  das fertige  Arbeitsprodukt ausgetauscht
       ist - 2*) fertigen Arbeitsprodukts
       
       #51# A. Smith
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       z a h l t,   d.h., es  durch ein Äquivalent ersetzt. Er hat damit
       den wahren  Ursprung des  Mehrwerts erkannt.  Er hat ausdrücklich
       festgesetzt zugleich,  daß er  nicht aus den ¦¦252¦ vorgeschoßnen
       Fonds entspringt,  deren Wert  - wie nützlich sie immer im realen
       Arbeitsprozeß sein  mögen -  im  Produkt  nur  einfach  wiederer-
       scheint; sondern  daß er  ausschließlich entspringt aus der neuen
       Arbeit, die die ouvriers ajoutent aux matériaux 1*), in dem neuen
       Produktionsprozeß, worin  jene Fonds  als Arbeitsmittel  oder Ar-
       beitsinstrument figurieren.
       Falsch (und  auf der  im Eingang berührten Verwechslung beruhend)
       ist dagegen die Phrase:
       
       "Wenn das  fertige Arbeitsprodukt ausgetauscht wird, sei es gegen
       Geld   o d e r   g e g e n   A r b e i t   oder gegen  andere Wa-
       ren..." [p. 96.]
       
       Tauscht er  die Ware gegen Geld oder Ware aus, so entspringt sein
       Profit daher,  daß er  mehr Arbeit  verkauft, als er gezahlt hat,
       daß er  nicht gleiches  Quantum vergegenständlichter Arbeit gegen
       gleiches Quantum lebendiger Arbeit austauscht. A. Smith darf also
       den échange ou contre de l'argent ou contre d'autres marchandises
       2*) nicht  gleichstellen mit dem échange de l'ouvrage fini contre
       du travail  3*). Denn  in dem ersten échange entspringt der Mehr-
       wert daher,  daß die  Waren ausgetauscht werden zu ihrem Wert, zu
       der in ihnen enthaltnen Arbeitszeit, die aber zum Teil  n i c h t
       b e z a h l t  ist. Es ist hierin unterstellt, daß der Kapitalist
       nicht gleiches  Quantum vergangner  Arbeit gegen gleiches Quantum
       lebendiger Arbeit austauscht; daß die von ihm angeeignete Quanti-
       tät lebendiger  Arbeit größer  ist als  die Quantität von ihm be-
       zahlter lebendiger  Arbeit. Sonst  würde der  Lohn des  Arbeiters
       gleich dem  Wert seines  Produkts sein. Der Profit beim Austausch
       des ouvrage  fini gegen  Geld oder  Ware, wenn  sie zu ihrem Wert
       ausgetauscht werden,  entspringt also  daher, daß  der  Austausch
       zwischen dem ouvrage fini und der lebendigen Arbeit andren Geset-
       zen folgt,  daß hier nicht Äquivalente ausgetauscht werden. Diese
       cases 4*) dürfen also nicht zusammengeworfen werden.
       Also der  Profit ist  nichts als  ein Abzug von dem Wert, den die
       Arbeiter dem Arbeitsmaterial hinzugefügt haben. Sie fügen dem Ma-
       terial aber  nichts hinzu als neue Quantität Arbeit. Die Arbeits-
       zeit des  Arbeiters löst  sich also  in zwei Teile auf, der eine,
       wofür er  ein Äquivalent  vom Kapitalisten erhalten hat, sein Sa-
       lair, der  andre, den  er ihm gratis gibt und der den Profit kon-
       stituiert. A. Smith hebt richtig hervor, daß nur der Teil der Ar-
       beit (Wert), den der Arbeiter dem Material neu hinzufügt, sich in
       Salair und
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       1*) Arbeiter   d e n  R o h s t o f f e n  h i n z u f ü g e n  -
       2*) Austausch  gegen Geld oder gegen andere Waren - 3*) Austausch
       des fertigen Arbeitsprodukts gegen Arbeit - 4*) Fälle
       
       #52# Drittes Kapitel
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       Profit auflöst,  also der  neugeschaffne Mehrwert an und für sich
       nichts zu tun hat mit dem (als Material und Instrument) ausgeleg-
       ten Teil der Kapitals.
       A. Smith, der so den Profit auf Aneignung unbezahlter fremder Ar-
       beit reduziert hat, fährt unmittelbar fort:
       
       "Man könnte  glauben, der  Kapitalprofit sei nur ein anderer Name
       für den Lohn einer besonderen Art Arbeit, der Arbeit der Aufsicht
       oder Leitung." (p. 97.)
       
       Und er widerlegt diese falsche Ansicht von der labour of superin-
       tendence 1*).  Wir kommen  darauf später  in einem andren Kapitel
       zurück. [35] Hier nur wichtig zu betonen, daß A. Smith sehr genau
       den Gegensatz  seiner Ansicht  von dem Ursprung des Profits gegen
       diese apologetische  kennt, hervorhebt  und nachdrücklich betont.
       Nach Hervorhebung dieses Gegensatzes fährt er fort:
       
       ¦¦253¦ Bei diesem Zustand der Dinge gehört das Produkt der Arbeit
       nicht immer  ganz dem Arbeiter. Er muß es vielmehr in den meisten
       Fällen mit dem  E i g e n t ü m e r  d e s  K a p i t a l s,  der
       ihn beschäftigt,  teilen. Auch ist die gewöhnlich zur Beschaffung
       oder Verfertigung  einer Ware aufgewendete Quantität Arbeit nicht
       mehr der  einzige Umstand, der die Quantität der Arbeit bestimmt,
       mit der  man eine  Ware gewöhnlich  kaufen, kommandieren  oder im
       Austausch  erlangen   kann.  Es   ist   klar,   daß   noch   eine
       z u s ä t z l i c h e  M e n g e  für den Profit des Kapitals ge-
       geben werden  muß, das  die Arbeitslöhne  vorgeschossen  und  die
       Rohmaterialien beschafft hat." (l.c.p. 99.)
       
       Dies ganz  richtig. Die kapitalistische Produktion vorausgesetzt,
       kauft vergegenständlichte  Arbeit - in Geld oder Ware dargestellt
       - außer  dem Quantum  Arbeit, was  in ihr  selbst enthalten  ist,
       stets noch  "une quantité  additionelle"  2*)  lebendiger  Arbeit
       "pour le profit du capital" 3*), was aber in andren Worten nichts
       heißt, als  daß sie einen Teil der lebendigen Arbeit sich umsonst
       aneignet, aneignet,  ohne sie zu zahlen. Es ist der Vorzug Smiths
       vor Ricardo,  daß er  so stark  betont, wie dieser change 4*) mit
       der kapitalistischen  Produktion eintritt. Dagegen steht er darin
       5*) Ricardo  nach, daß ihn stets die, jedoch von ihm selbst durch
       seine eigne  Entwicklung widerlegte  Ansicht verfolgt,  daß durch
       dies changed  relation between materialised labour and living la-
       bour ein  change in  the determination  of the  relative value of
       commodities 6*) eintritt, die nichts gegeneinander repräsentieren
       als materialised labour, given quantities of realised labour 7*).
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       1*) Arbeit  der Oberaufsicht - 2*) "eine zusätzliche Menge" - 3*)
       "für den  Profit des Kapitals" - 4*) Umschwung - 5*) in der Hand-
       schrift: dagegen  - 6*)  veränderte Verhältnis zwischen vergegen-
       ständlicher Arbeit  und lebendiger  Arbeit ein Wechsel in der Be-
       stimmung des  relativen Werts der Waren - 7*) vergegenständlichte
       Arbeit, gegebene Mengen realisierter Arbeit
       
       #53# A. Smith
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       Nachdem Smith  so den  Mehrwert in  der einen  Form, der Form des
       Profits, als  Teil der  Arbeit dargestellt, den der Arbeiter über
       den Teil  der Arbeit  hinaus arbeitet,  which pays bis wages 1*),
       tut  er   dasselbe  mit   der  andren  Form  des  Mehrwerts,  der
       G r u n d r e n t e.   Die eine  der der  Arbeit entfremdeten und
       daher als  fremdes Eigentum  gegenübertretenden  gegenständlichen
       Arbeitsbedingungen ist  das  Kapital;  die  andre  ist  die  Erde
       selbst, die  Erde als   G r u n d e i g e n t u m.    Nachdem  A.
       Smith daher  vom propriétaire  de capital  gesprochen,  fährt  er
       fort:
       
       "Sobald der  Boden eines Landes durchweg Privateigentum geworden,
       lieben es  die Grundbesitzer, wie  a n d r e  L e u t e  a u c h,
       zu ernten,  wo sie nicht gesäet, und fordern  B o d e n r e n t e
       selbst  für   die  natürlichen   Erzeugnisse  des  Bodens...  Er"
       (l'ouvrier 3*))  "muß dem  Grundbesitzer einen Anteil von dem ab-
       treten, was  seine Arbeit  gesammelt oder  produziert hat. Dieser
       Anteil, oder  was dasselbe,  der Preis  dieses Anteils, macht die
       Bodenrente aus." (l.c.p. 99, 100.)
       
       Also wie  der eigentliche  industrielle Profit, so ist die Grund-
       rente nur ein Teil der Arbeit, die der Arbeiter den matériaux 4*)
       zugesetzt und  qu'il cède  5*), die er ohne Bezahlung überläßt an
       den Eigentümer  des Grund  und Bodens,  den Grundeigentümer, also
       nur ein Teil der Mehrarbeit, von ihm verrichtet über den Teil der
       Arbeitszeit hinaus, den er arbeitet to pay bis wages 6*) oder ein
       Äquivalent für die in Salair enthaltne Arbeitszeit zu geben.
       A. Smith  faßt also den  M e h r w e r t,  nämlich die Surplusar-
       beit, den  Überschuß der  verrichteten Arbeit und in der Ware re-
       alisierten Arbeit  über die  bezahlte Arbeit hinaus, über die Ar-
       beit hinaus,  die ihr  Äquivalent im Salair erhalten hat, als die
       allgemeine Kategorie auf, ¦¦254¦ wovon der eigentliche Profit und
       die Grundrente  nur Abzweigungen. Dennoch hat er den Mehrwert als
       solchen nicht  als eigne  Kategorie geschieden  von den besondren
       Formen, die  er in  Profit und  Grundrente erhält. Daher bei ihm,
       wie noch  mehr bei  Ricardo, viel  Irrtum und Mangelhaftes in der
       Untersuchung.
       Eine andre Form, worin der Mehrwert sich darstellt, ist das inté-
       rêt du capital 7*), der Zins (intérêt d'argent 8*)). Aber dieser
       
       "Z i n s   v o m   G e l d e   i s t   i m m e r"  (sagt Smith in
       demselben   Kapitel)        "e i n e        a b g e l e i t e t e
       R e v e n u e,   die, wenn sie nicht aus dem Profit gezahlt wird,
       die aus der Anlage von Geld herrührt, aus irgendeiner anderen Re-
       venuequelle gezahlt werden muß"
       
       (also entweder  Grundrente oder  Salair. Im  letztren  Fall,  den
       Durchschnitt des  Arbeitslohns genommen,  stammt er nicht aus dem
       Mehrwert ab,  sondern ist  Abzug am Arbeitslohn selbst oder - und
       in dieser Form, wie wir
       -----
       1*) der  seinen Lohn  ersetzt - 2*) Eigentümer des Kapitals - 3*)
       der Arbeiter  - 4*) Rohstoffen - 5*)  d i e  e r  ü b e r l ä ß t
       - 6*) um seinen Lohn zu ersetzen - 7*) Kapitalzins - 8*) Geldzins
       
       #54# Drittes Kapitel
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       später gelegentlich  sehn werden, kömmt er bei der unentwickelten
       kapitalistischen Produktion  vor -  nur andre  Form  des  Profits
       [36]).
       
       "es sei  denn, daß  der Borger  ein Verschwender  ist,  der  eine
       zweite Schuld  eingeht, um  die Zinsen  für die erste zu zahlen."
       (l.c.p. 105, 106.)
       
       Der Zins  ist also  entweder ein  Teil des  Profits, der  mit ge-
       liehnem Kapital  gemacht wird;  dann ist  er also  eine sekundäre
       Form des Profits selbst, eine Abzweigung desselben, also nur eine
       weitere Verteilung zwischen verschiednen Personen des in der Form
       des Profits  angeeigneten Mehrwerts.  Oder er  wird aus der Rente
       gezahlt. Dann gilt dasselbe. Oder der Anleiher zahlt ihn aus sei-
       nem eignen  oder fremden Kapital. Dann bildet er überhaupt keinen
       Mehrwert, sondern  bloß verschiedne Verteilung vorhandenen Reich-
       tums, vibration of the balance of wealth between parties 1*), wie
       beim profit upon alienation 2*). Den letzten Fall ausgenommen, wo
       der Zins  überhaupt keine Form des Mehrwerts (und den Fall ausge-
       nommen, wo  er einen  Abzug am  Salair oder  selbst eine Form des
       Profits ist;  von letztrem Fall spricht Adam nicht), ist der Zins
       also bloß eine sekundäre Form des Mehrwerts, bloßer Teil des Pro-
       fits oder  der Rente  (betrifft bloß  die Verteilung  derselben),
       stellt also  auch nichts  dar als einen Teil der unbezahlten Sur-
       plusarbeit.
       
       "Auf Zins  ausgeliehene Geldmittel werden vom Ausleiher stets als
       Kapital  b e t r a c h t e t.  Er erwartet, daß sie ihm zur gehö-
       rigen Zeit  zurückerstattet werden  und daß der Borger ihm inzwi-
       schen ihren  Gebrauch eine  gewisse Jahresrente zahlt. Der Borger
       kann das  Geld entweder als  K a p i t a l  oder als einen  f ü r
       d i e     u n m i t t e l b a r e     K o n s u m t i o n    b e-
       s t i m m t e n   F o n d s  benutzen. Benutzt er es als Kapital,
       so wendet  er es  zum Unterhalt  produktiver Arbeiter  an,  d i e
       d e n   W e r t   m i t    e i n e m    P r o f i t    r e p r o-
       d u z i e r e n.     In  diesem   Fall  kann   er   das   Kapital
       zurückerstatten und  die Zinsen zahlen, ohne eine andere Revenue-
       quelle zu veräußern oder anzugreifen. Benutzt er es als einen für
       die unmittelbare  Konsumtion bestimmten  Fonds, so handelt er wie
       ein Verschwender und vergeudet für den Unterhalt der Müßigen, was
       zur Erhaltung  der Fleißigen bestimmt war. In diesem Fall kann er
       weder das  Kapital zurückerstatten  noch die  Zinsen zahlen, ohne
       eine andere  Revenuequelle zu veräußern oder anzugreifen, wie zum
       Beispiel Hab  und Gut oder Grundrente." (v. II, b. II, ch. IV, p.
       127, edit. McCull[och].)
       
       ¦¦255¦ Also wer Geld, d. h. hier Kapital, leiht, wendet es entwe-
       der selbst als Kapital an und macht Profit mit demselben. In die-
       sem Fall ist der Zins, den er dem Verleiher zahlt, nichts als ein
       Teil des  Profits unter  einem besondren  Namen. Oder er verzehrt
       das geliehne Geld. Dann vermehrt er das
       -----
       1*) Schwanken  im Gleichgewicht des Reichtums zwischen den Betei-
       ligten - 2*) Veräußerungsprofit (vgl. vorl. Band, S. 8)
       
       #55# A. Smith
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       Vermögen des Verleihers, indem er sein eignes vermindert. Es fin-
       det nur  andre Distribution des Reichtums statt, der aus der Hand
       des Verschwenders  in die  des Wucherers übergeht, aber es findet
       keine Bildung  von Mehrwert statt. Soweit also der Zins überhaupt
       Mehrwert vorstellt,  ist er  nichts als ein Teil des Profits, der
       selbst nichts  als eine  bestimmte Form des Mehrwerts, i.e. unbe-
       zahlter Arbeit, ist.
       Endlich, bemerkt  A. Smith,  daß ebenso alle Einnahmen der Perso-
       nen, die  von den Steuern leben, entweder vom Salair gezahlt wer-
       den, also  ein Abzug  vom Salair selbst sind, oder ihre Quelle im
       Profit und  der Grundrente  haben, also  nur Titel sind, worunter
       verschiedne Stände mitzehren an Profit und Grundrente, die selbst
       nichts als verschiedne Formen des Mehrwerts.
       
       "Alle Steuern  und alle  Revenuen, die  sich auf Steuern stutzen,
       die Gehälter,  Pensionen und Jahrgelder jeder Art werden schließ-
       lich aus der einen oder der andern dieser drei ursprünglichen Re-
       venuequellen abgeleitet  und, sei  es unmittelbar oder mittelbar,
       entweder aus  dem Arbeitslohn oder aus dem Kapitalprofit oder aus
       der  Grundrente   gezahlt."  (l.  I,  ch.  VI,  p.  106,  l.  c..
       [Garnier].)
       
       Also Geldzins  wie Steuer  oder aus den Steuern abgeleitete Reve-
       nues soweit  sie nicht Abzüge vom Salair selbst sind - sind bloße
       Teilnahmen an  Profit und Grundrente, die sich selbst wieder auf-
       lösen in Mehrwert, d.h. unbezahlte Arbeitszeit.
       Dies ist die allgemeine Theorie A. Smiths vom Mehrwert.
       A. Smith resümiert noch einmal seine ganze Ansicht, wobei es erst
       recht klar  wird, wie  wenig er  irgendwie auch  nur zu begründen
       sucht, daß  der Wert,  den der  Arbeiter dem Produkt zufügt (nach
       Abzug der  frais de production 1*), des Werts von Rohmaterial und
       Arbeitsinstrument), nicht mehr durch die im Produkt enthaltne Ar-
       beitszeit bestimmt ist, weil der Arbeiter sich selbst diesen Wert
       nicht ganz aneignet, sondern ihn mit capitaliste und propriétaire
       2*) zu  teilen hat,  den Wert  oder das Produkt. Die Art, wie der
       Wert einer  Ware unter die Produzenten dieser Ware verteilt wird,
       ändert natürlich  nichts an  seiner Natur  und dem Wertverhältnis
       der Waren untereinander.
       
       "Sobald der  Boden Privateigentum geworden, verlangt der Grundbe-
       sitzer einen  Anteil fast aller Produkte, die der Arbeiter darauf
       erzeugen oder  einsammeln kann.   S e i n e   B o d e n r e n t e
       m a c h t   d e n   e r s t e n   A b z u g   v o m   P r o f i t
       d e r   a u f  d e n  B o d e n  v e r w a n d t e n  A r b e i t
       a u s.   Aber der  Bebauer des Bodens hat selten die Mittel, sich
       bis zur  Einbringung der  Ernte zu  erhalten. Sein Unterhalt wird
       ihm gewöhnlich vorgeschossen aus dem
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       1*) Produktionskosten - 2*) Kapitalist und Grundeigentümer
       
       #56# Drittes Kapitel
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       Kapital eines  Beschäftigers, des  Pächters, der  kein  Interesse
       hätte, ihn  zu beschäftigen, wenn er nicht das Produkt seiner Ar-
       beit mit  ihm teilte  oder sein  Kapital ihm  nicht ersetzt würde
       samt einem Profit. Dieser Profit macht einen zweiten Abzug ¦¦256¦
       v o m     P r o d u k t     d e r     a u f    d e n    B o d e n
       v e r w a n d t e n   A r b e i t.  Das Produkt fast aller Arbeit
       ist   d e m s e l b e n  A b z u g  f ü r  P r o f i t  unterwor-
       fen. In  allen Industrien bedürfen die meisten Arbeiter eines Be-
       schäftigers, um  ihnen bis zur Vollendung der Arbeit Rohstoff und
       Arbeitslohn   und    Unterhalt   vorzuschießen.       D i e s e r
       B e s c h ä f t i g e r   t e i l t   m i t    i h n e n    d a s
       P r o d u k t   i h r e r   A r b e i t  o d e r  d e n  W e r t,
       d e n       d i e s e       d e n       v e r a r b e i t e t e n
       R o h s t o f f e n   z u s e t z t,   u n d   i n    d i e s e m
       A n t e i l   b e s t e h t   s e i n  P r o f i t." (v. I, b. I,
       ch. VIII, p. 109, 110 [ed. McCulloch].)
       
       Hier also  bezeichnet A.  Smith in  dürren Worten  Grundrente und
       Profit des  Kapitals als  bloße Abzüge von dem Produkt des Arbei-
       ters oder  dem Wert seines Produkts, gleich der von ihm dem Mate-
       rial zugefügten  Quantität Arbeit. Dieser Abzug kann aber, wie A.
       Smith früher  selbst auseinandergesetzt, nur bestehn aus dem Teil
       der Arbeit,  den der  Arbeiter über das Quantum Arbeit hinaus den
       matériaux zufügt,  welches nur  sein Salair  zahlt oder  nur  ein
       Äquivalent für  das Salair  liefert; also  der Surplusarbeit, dem
       unbezahlten Teil  seiner Arbeit. (Also nebenbei können Profit und
       Rente oder  Kapital und  Grundeigentum nie  source de  valeur 1*)
       sein.)
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       1*) Quelle von Wert

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