Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil


       zurück

       #60# Drittes Kapitel
       -----
       [5. Das  Zusammenwerfen von  Mehrwert und  Profit -  ein vulgäres
       Element in Smith' Theorie]
       
       Wir haben  gesehn, wie  A. Smith  den Mehrwert überhaupt, von dem
       Grundrente und  Profit nur  verschiedne Formen  und Bestandteile,
       entwickelt. Seiner  Darstellung gemäß  hat der Teil des Kapitals,
       der  aus  Rohstoff  und  Produktionsmittel  besteht,  unmittelbar
       nichts mit  der Erzeugung  des Mehrwerts  zu tun. Dieser entsteht
       ausschließlich aus der additional quantity of labour 1*), die der
       Arbeiter gibt  hinaus über  den Teil  seiner Arbeit,  die nur das
       Äquivalent für  sein Salair  bildet. Es  ist also auch nur der in
       Salair bestehende,  ausgelegte Teil  des Kapitals, aus dem direkt
       der Mehrwert  entspringt, denn  er ist der einzige Teil des Kapi-
       tals, der  sich nicht  nur reproduziert, sondern ein overplus 2*)
       produziert. Im  Profit dagegen ist der Mehrwert berechnet auf die
       Gesamtsumme des  vorgeschoßnen Kapitals, und außer dieser Modifi-
       kation treten  noch neue hinzu durch die Ausgleichung der Profite
       in den verschiednen Produktionssphären des Kapitals.
       Weil Adam  zwar der  Sache nach,  aber nicht  ausdrücklich in der
       Form einer  bestimmten, von ihren besondren Formen unterschiednen
       Kategorie den  Mehrwert entwickelt,  wirft er  ihn hernach direkt
       mit der weiterentwickelten Form des Profits unmittelbar zusammen.
       Dieser Fehler bleibt bei Ricardo und allen seinen Nachfolgern. Es
       entstehn daraus  (namentlich bei Ricardo mehr schlagend, weil bei
       ihm das  Grundgesetz des Werts in mehr systematischer Einheit und
       Konsequenz durchgeführt,  also auch die Inkonsequenzen und Wider-
       sprüche schlagender  hervortreten) eine Reihe Inkonsequenzen, un-
       gelöster Widersprüche und Gedankenlosigkeiten, die die Ricardians
       (wie wir später im Abschnitt vom Profit sehn werden) scholastisch
       durch Redensarten  zu lösen  suchen. [37]  Der  grobe  Empirismus
       schlägt in  falsche Metaphysik,  Scholastik um, die sich abquält,
       unleugbare empirische
       -----
       1*) zusätzlichen Arbeitsmenge - 2*) einen Überschuß
       
       #61# A. Smith
       -----
       Phänomene direkt,  durch einfache  formelle Abstraktion,  aus dem
       allgemeinen Gesetz  herzuleiten oder  ihm gemäß zurechtzuräsonie-
       ren. Hier bei A. Smith wollen wir gleich ein Beispiel geben, weil
       die Konfusion  gleich unterläuft, nicht da, wo er von Profit oder
       Grundrente, diesen  besondren Formen  des Mehrwerts,  ex professo
       1*) handelt,  sondern da,  wo er sie nur als Formen des Mehrwerts
       überhaupt faßt,  als  d e d u c t i o n s  from the labour besto-
       wed by the labourers upon the materials 2*).
       
       ¦¦260¦ Nachdem A. Smith, l. I, ch. VI, [p. 96, 97] gesagt hat:
       
       "Also der Wert, den die Arbeiter den Rohstoffen  z u s e t z e n,
       löst sich  hier in  zwei Teile  auf, wovon  der eine  ihren  Lohn
       zahlt, der  andre den Profit des Beschäftigers auf den ganzen von
       ihm vorgeschoßnen Betrag von Rohstoffen und Arbeitslöhnen",
       
       fährt er fort:
       
       "Er" (l'entrepreneur  3*)) "hätte  kein Interesse, diese Arbeiter
       zu beschäftigen,  wenn er  nicht vom  Verkauf ihres  Werkes etwas
       mehr erwartete,  als ihm nötig ist, seinen Fonds zu ersetzen, und
       er hätte  kein Interesse, ein größres Kapital statt eines kleine-
       ren anzuwenden, wenn seine Profite nicht in einem bestimmten Ver-
       hältnis zur Größe des vorgeschoßnen Kapitals stünden."
       
       Remarquons d'abord  4*): Nachdem A. Smith den Mehrwert, das over-
       plus, das  der entrepreneur  über die Wertmasse hinaus macht, die
       nötig ist,  pour lui  remplacer ses  fonds 5*), reduziert hat auf
       den Teil  der Arbeit,  den die  Arbeiter 6*) der Materie zusetzen
       über das  Quantum hinaus, das ihre salaires zahlt - dies overplus
       also rein  entspringen läßt aus dem Teil des Kapitals, der im Ar-
       beitslohn ausgelegt ist, faßt er dies overplus aber sofort in der
       Form des Profits auf, d. h. nicht in bezug auf den Teil des Kapi-
       tals, aus  dem es  entspringt, sondern als Überschuß über den Ge-
       samtwert des  vorgeschoßnen Kapitals,  "auf den  ganzen  von  ihm
       vorgeschoßnen Betrag  von Rohstoffen   u n d   Arbeitslöhnen" (es
       ist Versehn, daß hier die Produktionsmittel ausgelassen sind). Er
       faßt also unmittelbar den Mehrwert in der Form des Profits. Daher
       die gleich kommenden Schwierigkeiten.
       Der Kapitalist, sagt A. Smith,
       
       "hätte kein  Interesse, diese  Arbeiter zu  beschäftigen, wenn er
       nicht vom  Verkauf ihres  Werkes   e t w a s  m e h r  erwartete,
       als ihm nötig ist, seinen Fonds zu ersetzen". [p. 97.]
       
       Das Kapitalverhältnis  einmal vorausgesetzt,  ist dies ganz rich-
       tig. Der  Kapitalist produziert nicht, um durch das Produkt seine
       Bedürfnisse zu
       -----
       1*) ausdrücklich - 2*) Abzüge von der Arbeit, welche die Arbeiter
       den Rohstoffen zugesetzt haben - 3*) der Unternehmer - 4*) Bemer-
       ken wir  zunächst -  5*) ihm seine Fonds zu ersetzen - 6*) in der
       Handschrift: Arbeit
       
       #62# Drittes Kapitel
       -----
       befriedigen; er  produziert  überhaupt  nicht  mit  unmittelbarer
       Rücksicht auf  die Konsumtion. Er produziert, um Mehrwert zu pro-
       duzieren. Aber aus dieser Voraussetzung - die weiter nichts heißt
       als, die kapitalistische Produktion vorausgesetzt, produziert der
       Kapitalist des  Mehrwerts wegen   e r k l ä r t   A. Smith nicht,
       wie später  mehrere seiner  albernen Nachfolger  getan haben, den
       M e h r w e r t,  d.h., er erklärt das Dasein des Mehrwerts nicht
       aus dem  Interesse des  Kapitalisten, aus  seinem Wunsch nach dem
       Mehrwert. Diesen  hat er  vielmehr bereits abgeleitet aus der va-
       leur, die  die ouvriers  ajoutent à  la matière  au-dessus de  la
       valeur qu'ils  ajoutent en échange pour le salaire recu 1*). Aber
       dann fährt  er gleich  fort: Der Kapitalist hätte kein Interesse,
       ein größres  Kapital statt eines kleineren anzuwenden, wenn seine
       Profite nicht in einem bestimmten Verhältnis zur Größe des vorge-
       schoßnen Kapitals  stünden. Hier  wird der  Profit nicht mehr aus
       der Natur  des Mehrwerts, sondern aus dem "Interesse" des Kapita-
       listen erklärt. Was eine platte Albernheit.
       A. Smith  fühlt nicht,  indem er  so unmittelbar den Mehrwert mit
       dem Profit und den Profit mit dem Mehrwert zusammenwirft, er sein
       eben über  den Ursprung des Mehrwerts aufgestelltes Gesetz ¦¦261¦
       umwirft. Wenn  der Mehrwert nur die partie de la valeur 2*) (oder
       des Arbeitsquantums) ist, que l'ouvrier ajoute au-delà de la par-
       tie qu'il ajoute à la matière afin de payer le salaire 3*), warum
       sollte dieser  2te Teil  unmittelbar wachsen,  weil der  Wert des
       vorgeschoßnen Kapitals  in dem  einen Fall  größer ist als in dem
       andren? Klarer  wird noch der Widerspruch in dem Beispiel, was A.
       Smith gleich  darauf selbst gibt, um die Ansicht, wonach der Pro-
       fit die  wages für  die so-called  labour of  superintendence 4*)
       sein soll, zu widerlegen. Er sagt nämlich:
       
       "Sie" (les  profits des  fonds 5*))  "sind indes  vom Arbeitslohn
       ganz verschieden; sie richten sich nach ganz anderen Gesetzen und
       stehen in keinem Verhältnis zu der Größe und der Natur dieser an-
       geblichen Arbeit  der Aufsicht und Leitung.  S i e  r i c h t e n
       s i c h   g a n z   n a c h   d e m   W e r t e   d e s    a u f-
       g e w e n d e t e n   K a p i t a l s  und sind je nach der Größe
       des Kapitals größer oder kleiner. Nehmen wir zum Beispiel an, daß
       an  einem  Platz,  wo  die    d u r c h s c h n i t t l i c h e n
       K a p i t a l p r o f i t e   einer Manufaktur   z e h n   P r o-
       z e n t   j ä h r l i c h   b e t r a g e n,   zwei  verschiedene
       Manufakturen in  Betrieb sind,  von denen  jede zwanzig  Arbeiter
       beschäftigt mit einem Lohn von je 15 Livres jährlich, so daß jede
       Manufaktur 300  Livres jährlich  an Arbeitslohn  auszahlt. Nehmen
       wir ferner an, daß in der einen Fabrik grobe Materialien
       -----
       1*) dem  Wert, den die Arbeiter dem Rohstoff zusetzen über den im
       Austausch für  den empfangenen  Lohn zugesetzten  Wert -  2*) der
       Teil des  Werts -  3*) den der Arbeiter  ü b e r  den Teil hinaus
       z u s e t z t,   den er  dem Rohstoff als Ersatz für den Arbeits-
       lohn zusetzt  - 4*)  sogenannte Arbeit der Oberaufsicht - 5*) die
       Kapitalprofite
       
       #63# A. Smith
       -----
       zum Werte  von nur  700 Livres  jährlich, in der anderen feineres
       Material zum  Werte von  7000 Livres jährlich verarbeitet werden;
       das in  der ersten  Manufaktur jährlich aufgewendete Kapital wird
       also nur 1000, das andere 7300 Livres betragen. Nach dem Satz von
       zehn Prozent  wird also  der Unternehmer der einen Manufaktur nur
       einen Jahresgewinn  von etwa 100 Livres, der der anderen jährlich
       730 Livres  erwarten. Aber  trotz dieser  enormen Differenz ihrer
       Profite kann  doch ihre  Arbeit der Aufsicht und Leitung dieselbe
       oder doch ziemlich dieselbe sein." [l.c.p. 97, 98.]
       
       Von dem  Mehrwert in  seiner allgemeinen Form kommen wir sogleich
       zu einer  taxe commune de profits 1*), die unmittelbar nichts da-
       mit zu tun hat. Mais passons outre! 2*) In beiden Fabriken werden
       20 Arbeiter  angewandt; ihr  Salair in beiden ist dasselbe, = 300
       l[ivres]. Beweis also, daß nicht etwa in der einen eine höhre Art
       Arbeit angewandt  wird wie  in der  andren, so  daß eine Arbeits-
       stunde, also  auch eine Surplus-Arbeitsstunde in der einen gleich
       mehreren Surplus-Arbeitsstunden  in der andren wäre. Es ist viel-
       mehr dieselbe  Durchschnittsarbeit in beiden unterstellt, wie die
       Gleichheit ihres Salairs zeigt. Wie soll nun die Surplusarbeit in
       der einen  Fabrik, die  die Arbeiter  ajoutent au-delà du prix de
       leuts salaires 3*), siebenmal soviel wert sein als in der andren?
       Oder warum sollten die Arbeiter in der einen Fabrik, weil das be-
       arbeitete Material  in derselben  7mal teurer  als in der andren,
       7mal soviel Surplusarbeit liefern als in der andren, obgleich sie
       in beiden  dasselbe Salair erhalten, also dieselbe Zeit arbeiten,
       um ihr Salair zu ¦¦262¦ reproduzieren?
       Der siebenmal  größre Profit  in der  einen Manufaktur verglichen
       mit der andern - oder überhaupt das Gesetz des Profits, daß er im
       Verhältnis zur  Größe des  vorgeschoßnen Kapitals  steht - wider-
       spricht also  prima facie  4*) dem  Gesetz des Mehrwerts oder des
       Profits (da  A. Smith  beide unmittelbar  identifiziert), daß  er
       bloß in  der unbezahlten  Surplusarbeit der  Arbeiter besteht. A.
       Smith setzt  das ganz naiv gedankenlos hin, ohne die entfernteste
       Ahnung des vorliegenden Widerspruchs. Alle seine Nachfolger - in-
       dem keiner  den Mehrwert,  abgesondert von seinen bestimmten For-
       men, im  allgemeinen betrachtet  - sind ihm darin treu geblieben.
       Bei Ricardo, wie schon bemerkt, tritt es nur noch krasser hervor.
       Da A.  Smith den  Mehrwert nicht  nur in  Profit, sondern auch in
       Grundrente auflöst - zwei besondre Arten des Mehrwerts, deren Be-
       wegung durch  ganz verschiedne  Gesetze bestimmt wird -, so hätte
       er schon daraus sehn müssen, daß er die allgemeine abstrakte Form
       mit keiner  ihrer  besondren  Formen  unmittelbar  zusammenwerfen
       durfte. Wie bei ihm, so bleibt bei
       -----
       1*) allgemeinen Profitrate - 2*) Aber gehen wir weiter! - 3*) zu-
       setzen über den Preis ihres Arbeitslohns hinaus - 4*) auf den er-
       sten Blick
       
       #64# Drittes Kapitel
       -----
       allen späteren  bürgerlichen Ökonomen der Mangel an theoretischem
       Sinn für  Auffassung der  Formunterschiede der  ökonomischen Ver-
       hältnisse Regel,  im groben  Zugreifen nach und Interesse für den
       empirisch vorliegenden  Stoff. Daher  auch ihre  Unfähigkeit, das
       Geld richtig  aufzufassen, wo es sich nur um verschiedne Wandlun-
       gen in  der Form  des Tauschwerts  handelt, während die Wertgröße
       unverändert bleibt.

       zurück