Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil


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       #64# Drittes Kapitel
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       [6. Smith'  falsche Auffassung  von Profit, Rente und Arbeitslohn
       als Quellen des Werts]
       
       Lauderdale in  "Recherches sur  la nature  et l'origine de la ri-
       chesse publique",  traduit par  Lagentie de Lavaisse, Paris 1808,
       wirft A.  Smiths Entwicklung des Mehrwerts vor - von der er sagt,
       daß sie  bereits von  Locke aufgestellten Ansichten entspreche -,
       daß danach das Kapital keine originelle Quelle des Reichtums sei,
       als die  Smith sie  doch hinstelle, sondern nur eine abgeleitete.
       Die bezüglichen Stellen lauten:
       
       "Vor mehr  als einem  Jahrhundert hat  Locke beinahe dieselbe An-
       sicht" (wie  A. Smith)  aufgestellt... 'Das Geld'", sagt er, "ist
       eine sterile  Sache, die nichts produziert; aller Dienst, den man
       davon zieht,  ist, daß es durch wechselseitiges Übereinkommen den
       Gewinn, der die Belohnung der Arbeit eines Mannes war, in die Ta-
       sche eines  anderen überträgt." (Lauderdale, p. 116.) "Wäre diese
       Idee vom  Profit des  Kapitals rigoros richtig, so folgte daraus,
       daß er  nicht eine  ursprüngliche Quelle  des Reichtums,  sondern
       eine abgeleitete, und man könnte daher Kapital nicht als eine der
       Quellen des  Reichtums betrachten,  da sein Profit nichts ist als
       eine Übertragung  aus der Tasche des Arbeiters in die des Kapita-
       listen." (l.c.p. 116, 117.)
       
       Insofern der  Wert des  Kapitals im Produkt wiedererscheint, kann
       man es nicht "source de richesse" 1*) nennen. Es ist hier nur als
       accumulated labour  2*),  als bestimmtes Quantum materialisierter
       Arbeit, daß es dem Produkt seinen eignen Wert hinzusetzt.
       Produktiv von  Wert ist das Kapital nur als  V e r h ä l t n i s,
       sofern es als Zwang über die Lohnarbeit sie zwingt, Surplusarbeit
       zu arbeiten,  oder die  Produktivkraft der  Arbeit anstachelt, um
       relativen Mehrwert  zu schaffen.  In beiden  Fällen produziert es
       nur Wert als ¦¦263¦ die der Arbeit entfremdete Macht ihrer eignen
       gegenständlichen Bedingungen über sie, überhaupt nur als eine der
       Formen der  Lohnarbeit selbst, als Bedingung der Lohnarbeit. Aber
       in dem gewöhnlichen Sinn der Ökonomen, als in Geld oder
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       1*) "Quelle des Reichtums" - 2*) aufgehäufte Arbeit
       
       #65# A. Smith
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       Waren existierende  aufgehäufte Arbeit,  wirkt das  Kapital,  wie
       alle Arbeitsbedingungen,  auch die  unbezahlten Naturkräfte, pro-
       duktiv im  Arbeitsprozeß, in  der Erzeugung  von Gebrauchswerten,
       aber es  wird nie  Quelle von  Wert. Es schafft keinen neuen Wert
       und setzt  dem Produkt  überhaupt nur Tauschwert hinzu, soweit es
       Tauschwert hat,  d.h. sich selbst in vergegenständlichte Arbeits-
       zeit auflöst,  so daß  die Arbeit  die Quelle  seines Werts  ist.
       Recht hat  Lauderdale darin,  daß, nachdem A. Smith die Natur des
       Mehrwerts und  des Werts  entwickelt, er  mit Unrecht Kapital und
       Grund und  Boden als  selbständige Quellen  des Tauschwerts  dar-
       stellt. Sie  sind Quellen  von Revenue  für ihre Besitzer, sofern
       sie Titel  auf ein  gewisses Quantum  Surplusarbeit sind, das der
       Arbeiter über  die zum  Ersatz seines  Salairs nötige Arbeitszeit
       hinaus arbeiten muß. So sagt A. Smith z.B.:
       
       "Arbeitslohn,  Profit   und  Bodenrente   sind   die      d r e i
       U r q u e l l e n   alles Einkommens   s o w o h l   w i e   a l-
       l e s  T a u s c h w e r t s."  (l. I, ch. VI, [p. 105].)
       
       So richtig  es ist,  daß sie die trois sources primitives de tout
       revenu 1*),  so falsch ist es, daß sie aussi bien les trois sour-
       ces primitives  de toute valeur échangeable 2*) sind, da der Wert
       einer Ware  ausschließlich durch die in ihr enthaltne Arbeitszeit
       bestimmt ist.  Nachdem A. Smith soeben noch Grundrente und Profit
       als bloße  deductions 3*)  dargestellt hat  von dem Wert oder der
       Arbeit, die  der Arbeiter  dem Rohmaterial hinzufügt, wie kann er
       sie sources  primitives de la valeur échangeable 4*) nennen? (Sie
       können es  nur in  dem Sinn sein, als sie die source primitive in
       Bewegung setzen,  d.h. den Arbeiter zwingen, Surplusarbeit zu ar-
       beiten.) Sofern  sie Titel (Bedingungen) sind, um sich einen Teil
       des Werts,  d.h. der in der Ware vergegenständlichten Arbeit, an-
       zueignen, sind  sie Einkommensquellen  für ihre  Eigentümer. Aber
       die Verteilung  oder Aneignung von Wert ist doch keine Quelle des
       Werts, der angeeignet wird. Fände diese Aneignung nicht statt und
       erhielte der  Arbeiter das  ganze Produkt seiner Arbeit zum Lohn,
       so bliebe  der Wert  der produzierten Ware nach wie vor derselbe,
       obgleich er  nicht mit  Grundeigentümer  und  Kapitalist  geteilt
       würde.
       Grundeigentum und Kapital, dadurch, daß sie Einkommensquellen für
       ihre Besitzer  bilden, d.h. ihnen die Macht geben, einen Teil der
       von der  Arbeit geschaffnen Werte sich anzueignen, werden dadurch
       nicht zu  Quellen des  Werts, den  sie sich aneignen. Aber es ist
       ebenso falsch zu sagen, daß der Arbeitslohn eine source primitive
       de la valeur échangeable bilde, obgleich
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       1*) drei Urquellen alles Einkommens - 2*) ebensosehr die drei Ur-
       quellen alles  Tauschwerts 3*) Abzüge - 4*) Urquellen des Tausch-
       werts
       
       #66# Drittes Kapitel
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       derselbe oder  vielmehr der  beständige Verkauf des Arbeitsvermö-
       gens eine  Einkommensquelle für  den Arbeiter  bildet. Es ist die
       Arbeit und nicht der Arbeitslohn des Arbeiters, der Wert. Der Ar-
       beitslohn ist  nur schon vorhandner Wert oder, wenn wir das Ganze
       der Produktion  betrachten, der Teil des vom Arbeiter geschaffnen
       Werts, der  von ihm  selbst angeeignet wird, aber diese Aneignung
       schafft den  Wert nicht. Sein Arbeitslohn kann daher steigen oder
       fallen, ohne daß der Wert der von ihm produzierten Ware davon be-
       rührt wird. ¦263¦¦
       ¦¦265¦ {Als  Zitat zuzufügen  zu dem Obigen, daß A. Smith die Ru-
       briken, worunter  der Wert  der Ware  angeeignet wird, zu Quellen
       dieses Werts  macht: Nachdem  er die  Ansicht widerlegt,  daß der
       Profit nur  ein andrer Name für das salaire des Kapitalisten oder
       wages of labour of superintendence 1*), schließt er:
       
       "Mithin bildet  im   P r e i s   der Waren  der  P r o f i t  vom
       Fonds  oder   vom  Kapital   eine   vom   Arbeitlohn      g a n z
       v e r s c h i e d e n e   Q u e l l e   d e s   W e r t e s,  der
       durch andere Prinzipien geregelt wird." (b. I, ch. VI, [p. 99].)
       
       Nach Smith  eben noch verteilte sich die valeur, die die Arbeiter
       den Materialien  zufügen, zwischen  ihnen und Kapitalisten in der
       Form von  salaires und  profit; die  Arbeit ist  also die einzige
       source de  valeur, und  aus dieser  source de  valeur entspringen
       prix des salaires et prix des profits 2*). Aber diese prix selbst
       sind keine  source de valeur. Weder der Arbeitslohn noch der Pro-
       fit.} ¦265¦¦
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       1*) Lohn  für die Arbeit der Oberaufsicht - 2*) der Preis des Ar-
       beitslohns und  der Preis des Profits

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