Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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#66# Drittes Kapitel
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[7. Smith' zwieschlächtige Aufassung des Verhältnisses von Wert
und Revenue. Seine Ansicht vom "natürlichen Preis" als Summe von
Arbeitslohn, Profit und Rente]
¦¦263¦ Wir wollen hier ganz außer acht lassen, wieweit A. Smith
die Grundrente als ein konstituierendes Element des Preises der
Waren betrachtet. Die Frage ist hier für unsere Untersuchung um
so gleichgültiger, als er die Grundrente ganz ebenso wie den Pro-
fit als bloßen Teil des Mehrwerts, deduction from the labour ad-
ded by the labourer to the raw material 3*) auffaßt, und daher
¦¦264¦ in der Tat auch als deduction from the profit 4*), soweit
die ganze unbezahlte Surplusarbeit unmittelbar, der Arbeit gegen-
über, vom Kapitalisten angeeignet wird, unter welchen Rubriken er
auch
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3*) Abzug von der Arbeit, welche der Arbeiter dem Rohmaterial zu-
gesetzt hat - 4*) Abzug vom Profit
#67# A. Smith
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immer später diesen Mehrwert zu teilen habe mit den Besitzern der
Produktionsbedingungen, sei es der Eigentümer von Grund und Bo-
den, sei es der Verleiher von Kapital. Wir werden also, der Ver-
einfachung wegen, nur von Salair und Profit sprechen als den bei-
den Rubriken, worin sich der neu geschaffne Wert verteilt.
Gesetzt, in einer Ware sei (a b g e s e h n vom Wert des in ihr
konsumierten Rohmaterials und Arbeitsinstruments) 12stündige Ar-
beitszeit materialisiert, so können wir ihren Wert als solchen
nur in Geld ausdrücken. Gesetzt also, in 5 sh. sei ebenfalls
12stündige Arbeitszeit materialisiert. So ist der Wert der Ware =
5 sh. Unter dem prix naturel des marchandises 1*) versteht A.
Smith nichts als ihren Wert in Geld ausgedrückt. (Der Marktpreis
der Ware steht natürlich über oder unter ihrem Wert. Ja, wie ich
später nachweisen werde, selbst der Durchschnittspreis der Waren
ist stets von ihrem Wert u n t e r s c h i e d e n. [38] Indes
hat A. Smith in der Betrachtung über den prix naturel nichts da-
mit zu schaffen. Außerdem kann weder der Marktpreis und noch we-
niger die Schwankungen in dem Durchschnittspreis der Waren be-
griffen werden, ohne daß die Einsicht in die Natur des Werts zu-
grunde liegt.)
Betrüge der Mehrwert, der in der Ware enthalten ist, 20 p.c.
ihres Gesamtwerts, oder, was auf dasselbe hinausläuft, 25 p.c.
auf die in ihr enthaltne notwendige Arbeit, so könnte also dieser
Wert von 5 sh., der naturel prix der Ware, aufgelöst werden in 4
sh. Arbeitslohn und 1 sh. Mehrwert (den wir hier Profit nennen
wollen, um A. Smith zu folgen). Es wäre richtig, zu sagen, daß
die unabhängig von Salair und Profit bestimmte Wertgröße der Ware
oder ihr natürlicher Preis auflösbar sei in 4 sh. Arbeitslohn
(den Preis der Arbeit) und 1 sh. Profit (den Preis des Profits).
Aber es wäre falsch, zu sagen, daß der Wert der Ware entstehe aus
der Zusammenaddierung oder Zusammensetzung des, unabhängig vom
Wert der Ware, regulierten Preises des Arbeitslohns und des Prei-
ses des Profits. Im letztren Fall wäre durchaus kein Grund vor-
handen, warum der Gesamtwert der Ware nicht 8, 10 sh. etc., je
nachdem man annähme, daß der Arbeitslohn = 5 und der Profit = 3
sh. etc.
Wo A. Smith die "natürliche Taxe" des Arbeitslohns oder den
"natürlichen Preis" des Arbeitslohns untersucht, was leitet ihn
dabei? Der natürliche Preis der Lebensmittel, die notwendig zur
Reproduktion des Arbeitsvermögens sind. Aber wodurch bestimmt er
den natürlichen Preis dieser Lebensmittel? Soweit er ihn über-
haupt bestimmt, rekurriert er auf die richtige
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1*) natürlichen Preis der Waren
#68# Drittes Kapitel
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Bestimmung des Werts, nämlich die zur Produktion dieser Lebens-
mittel erheischte Arbeitszeit. Wo er aber diesen richtigen Weg
verläßt, gerät er in einen cercle vicieux 1*). Wodurch ist der
natürliche Preis der Lebensmittel bestimmt, die den natürlichen
Preis des Arbeitslohns bestimmen? Durch den natürlichen Preis des
"Arbeitslohns", des "Profits", der "Grundrente", die den natürli-
chen Preis jener Lebensmittel wie aller Waren bilden. Und so in
infinitum 2*). Das Geschwätz von dem Gesetz der Nachfrage und Zu-
fuhr hilft natürlich nicht aus diesem cercle vicieux heraus. Denn
der natürliche Preis" oder der dem Wert der Ware entsprechende
Preis soll grade dann existieren, wenn Nachfrage und Zufuhr sich
decken, d.h., wenn der Preis der Ware nicht durch die
Schwankungen von Nachfrage und Zufuhr über oder unter ihrem Wert
steht; wenn, in andren Worten, der Kostenpreis [39] der Ware
(oder der Wert der vom Verkäufer 3*) zugeführten Ware) zugleich
der Preis ist, den die Nachfrage zahlt.
¦¦265¦ Aber wie gesagt: Bei der Untersuchung über den natürlichen
Preis des Arbeitslohns flüchtet A. Smith in der Tat zurück -
stellenweise wenigstens - zur richtigen Wertbestimmung der Ware.
Dagegen in dem Kapitel, das von der natürlichen Taxe oder dem na-
türlichen Preis des Profits handelt, verliert er sich, soweit die
eigentliche Aufgabe in Betracht kömmt, in nichtssagende Gemein-
plätze und Tautologien. Es war in der Tat ursprünglich der Wert
der Ware, wodurch er Salair und Profit und Grundrente reguliert.
Dann aber geht er (was dem empirischen Schein und der gewöhnli-
chen Vorstellung näherlag) umgekehrt zu Werk, und soll der natür-
liche Preis der Waren durch Zusammenaddierung der natürlichen
Preise von Salair, Profit und Grundrente ausgerechnet, aufgefun-
den werden. Es ist ein Hauptverdienst Ricardos, dieser Konfusion
ein Ende gemacht zu haben. Wir kommen bei ihm kurz auf diesen
Punkt zurück. [40]
Hier sei nur noch das bemerkt: Die gegebne Größe des Werts der
Ware, aus dem als Fonds Salair und Profit zu zahlen, tritt empi-
risch dem Industriellen in der Form entgegen, daß ein bestimmter
Marktpreis der Ware für kürzere oder längere Zeit dauert, trotz
aller Schwankungen im Arbeitslohn.
Also aufmerksam zu machen auf diesen sonderbaren Gang in A.
Smiths Buch: Erst wird der Wert der Ware untersucht und stellen-
weise richtig bestimmt, so richtig bestimmt, daß er im allgemei-
nen den Ursprung des Mehrwerts und seiner besondren Formen auf-
findet, also aus diesem Wert
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1*) Zirkelschluß - 2*) ins Unendliche - 3*) in der Handschrift:
Käufer
#69# A. Smith
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Arbeitslohn und Profit ableitet. Dann aber schlägt er den umge-
kehrten Gang ein und sucht umgekehrt den Wert der Waren (aus dem
er Salair und Profit abgeleitet) abzuleiten aus der Zusammenset-
zung des natürlichen Preises von Arbeitslohn, Profit und Grund-
rente. Diesem letztren Umstand geschuldet, daß er den Einfluß der
Oszillationen des Arbeitslohns, Profits etc. auf die Preise der
Waren - indem ihm die Grundlage fehlt - nirgendwo richtig entwic-
kelt. ¦VI-265¦¦
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¦¦VIII-364¦ {A. Smith. Wert und seine Bestandteile. Die falsche
Vorstellung Smiths, sieh oben, die er trotz seiner ursprünglich
richtigen Aufstellung entwickelt, zeigt sich auch in folgendem
Satz:
"Die Rente bildet... einen Teil des Preises der Waren, aber ganz
anders als der Profit und der Arbeitslohn. Je nachdem jene hoch
und niedrig sind, sind sie die U r s a c h e der hohen oder
n i e d r i g e n P r e i s e d e s K o r n s, u n d e i n e
h o h e o d e r n i e d r i g e R e n t e i s t d a s
R e s u l t a t d a v o n." ("Wealth of N.", l. I, ch. II.)
[41]} ¦VIII-364¦¦
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