Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil


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       #236# Viertes Kapitel
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       [11. Lauderdale. Feind von Smith' Akkumulationstheorie und seiner
       Unterscheidung zwischen produktiven und unproduktiven Arbeitern]
       
       Lauderdale (Earl  of): "An  Inquiry into the Nature and Origin of
       public Wealth  etc.", Lond.  1804. (Die frz. Übersetzung: Recher-
       ches sur  la nature et l'origine de la richesse publique etc. par
       Lagentie de Lavaisse", Paris 1808).
       Lauderdales apologetische  Begründung des  Profits erst später zu
       untersuchen. In  Abschnitt III  [12]. Danach  soll der Profit aus
       den Kapitalien  selbst entspringen,  weil sie  Arbeit "ersetzen".
       Sie werden  dafür bezahlt, daß sie tun, was sonst der Mensch ohne
       sie tun müßte oder überhaupt nicht tun könnte.
       
       "Man versteht jetzt, daß der Profit der Kapitalien stets entweder
       daher stammt,  daß sie  den Teil  der Arbeit  ersetzen,  die  der
       Mensch sonst  mit seinen Händen verrichten müßte; oder daher, daß
       sie den  Teil der  Arbeit vollenden,  die die persönlichen Kräfte
       des Menschen  übersteigt, und  die er  selbst  nicht  auszuführen
       wüßte." (p. 119, trad. fr. 1*))
       
       Der Herr  "Graf"  großer  Feind  von  Smiths  Akkumulations-  und
       Sparsamkeitslehre.   Ditto    -   seiner   Distinktion   zwischen
       p r o d u k t i v e n    und    u n p r o d u k t i v e n    A r-
       b e i t e r n;   aber nach  ihm ist  auch nur "Produktivkraft des
       Kapitals", was  Smith  "Produktivkräfte  der  Arbeit"  nennt.  Er
       leugnet direkt  die von  Smith aufgestellte Ableitung der surplus
       value, und zwar aus dem folgenden Grund:
       
       "Wäre diese  Idee vom  Benefiz des  Kapitals rigoros  richtig, so
       folgte daraus,  daß es nicht eine ursprüngliche Quelle des Reich-
       tums, sondern  eine abgeleitete ist; und man könnte daher Kapital
       nicht als eine der Quellen des Reichtums betrachten, da sein Pro-
       fit nichts  ist als eine Übertragung aus der Tasche des Arbeiters
       in die des Kapitalisten." (l.c.p. 116, 117.)
       
       Unter diesen  Annahmen klar,  daß er  aber auch in seiner Polemik
       gegen Smith das Flachste aufgreift. So sagt er:
       
       "So kann  dieselbe Arbeit  produktiv oder unproduktiv erscheinen,
       je nach der späteren Verwendung des Gegenstandes, auf den man sie
       anwendet. Wenn  z.B. mein  Koch eine Torte macht, die ich auf der
       Stelle esse,  ist er  ein unproduktiver Arbeiter und seine Tätig-
       keit ist  ebenfalls eine  sterile Arbeit, weil sein Dienst ebenso
       rasch verschwindet,  wie er  geleistet wurde.  Wird aber dieselbe
       Art im  Laden eines Kuchenbäckers verrichtet, so wird sie dadurch
       produktiv." (l.c.p. 110.)
       
       (Garnier, da  seine Ausgabe und Noten zu Smith 1802, also 2 Jahre
       vor Lauderdale erschien, hat hier das Brevet 2*).)
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       1*) französische Übersetzung - 2*) den Vorrang
       
       #237# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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       "Diese ungewöhnliche Unterscheidung, die sich auf die bloße Dauer
       der Dienste gründet, reiht unter die unproduktiven Arbeiter Leute
       ein, die die wichtigsten Funktionen in der Gesellschaft erfüllen.
       Der Souverain,  die Diener der Religion, die obrigkeitlichen Per-
       sonen, die  Beschützer des  Staates, alle  diese  Menschen,  jene
       nicht ausgenommen,  deren Geschicklichkeit...  die Gesundheit der
       Staatsbürger erhält oder ihre Bildung formt - alle diese Menschen
       werden als unproduktive Arbeiter angesehen"  (l.c.p. 110. 111)
       
       (oder, wie  A. Smith  t. II,  l. II,  ch. III, p. 313, die schöne
       Reihenfolge gibt:
       
       "Geistliche, Juristen,  Ärzte, Literaten  und Gelehrte  aller Art
       sowie Schauspieler,  Possenreißer, Musiker,  Opernsänger, Ballet-
       tänzer etc.").
       "Wenn der  Tauschwert  die  Grundlage  des  Reichtum  sein  soll,
       braucht man  keine langen Überlegungen anzustellen, um die Irrtü-
       mer dieser  Doktrin zu zeigen. Nichts ¦¦399¦ beweist ihre Unrich-
       tigkeit besser  als die Achtung, die die Menschen diesen Diensten
       zollen,  was   der  Preis   beweist,  den   sie  dafür   zahlen."
       ([Lauderdale] l.c.p. 111.)
       
       Ferner:
       
       "Die Arbeit  des Manufakturarbeiters  fixiert und  vergegenständ-
       licht sich in irgendeinem verkäuflichen Produkt... Natürlich bil-
       den weder  die   A r b e i t   d e s  B e d i e n t e n  noch die
       des zirkulierenden Kapitals" {er versteht hier argent monnaie 1*)
       darunter} "eine  Akkumulation, einen Fonds, der sich zu einem be-
       stimmten Wert  übertragen läßt.  Der Gewinn,  den sie einbringen,
       entspringt in  gleicher Weise  aus  der  Arbeit,  die  sie  ihrem
       H e r r n   oder Besitzer  e r s p a r e n.  Ihre Ergebnisse sind
       einander so  ähnlich, daß,  wer die  einen für  unproduktiv hält,
       aber die  anderen derselben  Meinung sein  muß" {und  er  zitiert
       hierauf Smith,  I. II,  ch. II  [90]}. (Lauderdale,  l.c.p.  144,
       145.)
       
       Wir hätten  also die Reihe: Ferrier, Garnier, Lauderdale, Ganilh.
       Die letztre  Phrase mit  dem "épargner  du travail" 2*) besonders
       zugeritten von Tocqueville.
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       1*) Geld - 2*) "Sparen von Arbeit"

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