Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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#264# Viertes Kapitel
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[17. P. Rossi. Ignorierung der gesellschaftlichen Form ökonomi-
scher Erscheinungen. Vulgäre Auffassung des "Arbeit-Ersparens"
durch unproduktive Arbeiter]
¦¦413¦ P. Rossi. "Cours d'Écon. Polit." (année 1836-1837), édit.
Bruxelles 1842.
Hier ist Weisheit!
"D i e i n d i r e k t e n M i t t e l" (de la production)
"umfassen alles, was die Produktion fördert, alles, was dahin
wirkt, ein Hindernis zu beseitigen, die Produktion aktiver, ra-
scher, leichter zu machen." (Er sagt vorhin, p. 268: "Es gibt di-
rekte und indirekte Mittel der Produktion. Das heißt, es gibt
Mittel, die eine Ursache sine qua non 2*) der zu erzielenden
Wirkung sind, Kräfte, welche diese Produktion v e r r i c h-
t e n. Es gibt andere, die zur Produktion beitragen, aber sie
nicht v e r r i c h t e n. Die ersteren können sogar a l-
l e i n tätig sein, die zweiten können nur die ersteren bei der
Produktion unterstützen.")
"... die ganze Regierungsarbeit ist ein indirektes Mittel der
Produktion... Derjenige, der diesen Hut fabriziert hat, muß aner-
kennen, daß der Gendarm, der durch die Straße geht, daß der Rich-
ter, der zu Gericht sitzt, daß der Kerkermeister, der einen Übel-
täter aufnimmt und gefangenhält, daß die Armee, die die Grenze
gegen die Einbrüche des Feindes verteidigt, zur Produktion bei-
tragen." (p. 272.)
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2*) unerläßliche Ursache
#265# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Welcher Genuß für den chapelier, daß tout le monde se met en mou-
vement afin qu'il produise et vende ce chapeau 1*)! Rossi, indem
er diese geôliers 2*) etc. indirekt, nicht d i r e k t zur ma-
teriellen Produktion kontribuieren läßt, macht in fact dieselbe
Distinktion wie Adam. (XIIe lecon 3*).)
In der folgenden, XIIIe lecon geht Rossi ex professo 4*) gegen
Smith ins Geschirr, in der Tat ziemlich wie seine Vorgänger.
Aus drei Gründen, sagt er, kommt die falsche Unterscheidung zwi-
schen travailleurs productifs und travailleurs improductifs.
1. "Unter den K ä u f e r n kaufen die einen Produkte oder
A r b e i t, u m s i e s e l b e r d i r e k t z u
k o n s u m i e r e n; andere kaufen sie nur, um neue Produkte
zu verkaufen, die sie mit den Produkten und der Arbeit, welche
sie erworben haben, hervorbringen." [l.c.p. 275, 276.]
Für die erstren ist die valeur en usage 5*) das Bestimmende, für
die zweiten die valeur en échange 6*). Indem man sich nun nur um
die valeur en échange kümmert, fällt man in den Smithschen Irr-
tum.
"Die Arbeit meines Bedienten ist für mich, nehmen wir das für
einen Augenblick an, unproduktiv; ist sie für ihn unproduktiv?"
(l.c.p. 276.)
Da die ganze kapitalistische Produktion darauf beruht, daß die
Arbeit direkt gekauft wird, um im Prozeß der Produktion einen
Teil davon ohne Kauf sich anzueignen, den man aber im Produkt
v e r k a u f t - da dies der Existenzgrund, der Begriff des Ka-
pitals ist - ist die Unterscheidung zwischen der Arbeit, die Ka-
pital produziert, und der, die es nicht produziert, nicht die Ba-
sis, um den kapitalistischen Produktionsprozeß zu verstehn? Daß
die Arbeit des Bedienten für i h n produktiv ist, leugnet Smith
nicht. Jeder Dienst ist für seinen Verkäufer produktiv. Falsche
Eide schwören ist für den produktiv, der es für bares Geld tut.
Aktenstücke fälschen ist für den produktiv, der dafür bezahlt
wird. Einen morden ist für den produktiv, dem der Mord bezahlt
wird. Das Geschäft des Sykophanten, Denunzianten, Schmarotzers,
Parasiten, Speichelleckers ist produktiv für ihn, wenn er solche
"services" nicht gratis verrichtet. Also sind sie "produktive Ar-
beiter", Produzenten nicht nur von Reichtum, sondern von Kapital.
Auch der Spitzbub, der sich selbst bezahlt, ganz wie es die Ge-
richte tun und der Staat, "wendet eine Kraft an, benutzt sie in
einer bestimmten Weise, produziert ein Resultat, das ein Bedürf-
nis des Menschen befriedigt" [p. 275], nämlich de l'homme voleur
7*) und vielleicht noch obendrein seiner Frau und Kinder.
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1*) Hutmacher, daß die ganze Welt sich in Bewegung setzt, damit
er diesen Hut produziert und verkauft - 2*) Kerkermeister - 3*)
Lektion - 4*) unverblümt - 5*) der Gebrauchswert - 6*) der
Tauschwert - 7*) des Diebes
#266# Viertes Kapitel
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Also produktiver Arbeiter, wenn es bloß darauf ankommt, ein
"Resultat" zu produzieren, das ein "Bedürfnis" befriedigt, oder,
in den obigen Fällen, wenn es nur darauf ankommt, daß er seine
"services" verkauft, damit sie "produktiv" sind.
2. "Ein zweiter Irrtum bestand darin, die direkte und die indi-
rekte Produktion nicht zu unterscheiden."
Darum ist der magistrat nicht produktiv bei A. Smith. Aber
"wenn die Produktion fast unmöglich" (sans le travail du magi-
strat 1*)) "ist es nicht klar, daß diese Arbeit dazu beiträgt,
wenn nicht durch direkte und materielle Mithilfe, so wenigstens
durch eine indirekte Tätigkeit, die man nicht übersehen darf?"
(l.c.p. 276.)
Diese indirekt an der Produktion beteiligte Arbeit (und sie bil-
det nur einen Teil der unproduktiven Arbeit) nennen wir eben un-
produktive Arbeit. Oder sonst müßte, da der magistrat absolut
nicht ohne den Bauer leben kann, gesagt werden, daß der Bauer est
un producteur indirect de justice 2*) etc. Fadaise! Es ist noch
ein auf die Teilung der Arbeit bezüglicher Gesichtspunkt, wovon
später.
[3.] "Man hat nicht sorgfältig die drei grundlegenden Tatsachen
des Phänomens der Produktion unterschieden: die K r a f t
o d e r d a s p r o d u k t i v e M i t t e l, d i e A n-
w e n d u n g dieser Kraft, das R e s u l t a t." [l.c.p. 276.]
Wir kaufen eine Uhr beim Uhrmacher; nur das R e s u l t a t der
Arbeit interessiert uns. Ebenso einen Rock beim Schneider; ditto.
Aber:
"Es gibt noch immer Leute vom alten Schlag, die die Dinge nicht
so anfassen. Sie lassen einen Arbeiter zu sich kommen und überge-
ben ihm die Anfertigung dieses oder jenes Kleidungsstücks, wozu
sie ihm den Stoff und alles zu dieser Arbeit Notwendige liefern.
Was kaufen diese? Sie kaufen eine Kraft" {aber doch auch une ap-
plication de cette force 3*)}, "ein Mittel, das irgendwelche Re-
sultate auf ihre Gefahr und ihr Risiko liefern wird... Das Objekt
des Vertrags ist der Kauf einer Kraft." [l.c.p. 276.]
(Der Spaß ist nur, daß diese "gens de la vieille roche" 4*) eine
Produktionsweise anwenden, die mit der kapitalistischen nichts
gemein hat und in der alle Entwicklung der Produktivkräfte der
Arbeit, wie sie die kapitalistische Produktion mit sich bringt,
unmöglich. Charakteristisch, daß solch spezifischer Unterschied
für Rossi e tutti quanti 5*) unwesentlich.)
"Bei einem Bedienten kaufe ich eine Kraft, zu hunderterlei
Dienstleistungen brauchbar, deren Resultate vom Gebrauch abhän-
gen, den ich davon mache." (p. 276.)
Dies alles hat nichts mit der Sache zu tun.
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1*) ohne die Arbeit der Obrigkeit - 2*) ein indirekter Produzent
von Rechtspflege ist - 3*) eine Anwendung dieser Kraft - 4*)
"Leute vom alten Schlag" - 5*) und die ganze Gesellschaft
#267# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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¦¦414¦ "Man kauft oder mietet... eine bestimmte Anwendung einer
Kraft... Ich kaufe nicht ein Produkt, ich kaufe nicht das Resul-
tat, das ich im Auge habe. Das Plaidoyer des Advokaten mag mich
den Prozeß gewinnen machen oder nicht. Auf jeden Fall besteht das
Geschäft zwischen mir und meinem Advokaten darin, daß er für
einen bestimmten Wert an dem und dem Tag an den und den Ort gehen
wird, um dort für mich zu sprechen und in meinem Interesse seine
geistigen Kräfte anzuwenden." (p. 276.)
{Hierher noch eine Bemerkung. In lecon XIIe, p. 273, sagt
R[ossi]:
"Ich bin weit davon entfernt, bloß in jenen Leuten Produzenten zu
sehen, die ihr Leben damit verbringen, Kattun oder Schuhe anzu-
fertigen. Ich ehre die Arbeit, weiche es auch sei... Aber dieser
Respekt soll nicht das ausschließliche Privileg des
H a n d a r b e i t e r s sein."
Das tut A. Smith nicht. Wer ein Buch, ein Gemälde, eine Komposi-
tion, eine Statue macht, ist bei ihm un "travailleur productif"
im zweiten Sinn, obgleich der Improvisator, Deklamator, Virtuos
etc. es nicht ist. Und die services, soweit sie in die Produktion
direkt eingehn, faßt A. Smith als materialisiert im Produkt, die
Arbeit der manual labourers 1*) sowohl wie die des managers, com-
mis, ingenieur und selbst des savant 2*), soweit er Erfinder, in
door or out of door labourer 3*) des Ateliers. Er setzt in der
Teilung der Arbeit auseinander, wie diese Operationen sich an
verschiedne Personen verteilen, und es ist ihre Kooperativarbeit,
deren Resultat das Produkt, die Ware ist, nicht die Arbeit eines
einzelnen unter ihnen. Aber die Angst der "geistigen" Arbeiter à
la Rossi, die große share 4*), die sie aus der materiellen Pro-
duktion beziehn, zu rechtfertigen.}
Rossi fährt nach dieser Auseinandersetzung fort:
"Auf diese Weise wendet man bei den Tauschhandlungen seine Auf-
merksamkeit auf die eine oder die andere der drei grundlegenden
Tatsachen der Produktion. A b e r können d i e s e v e r-
s c h i e d e n e n F o r m e n d e s A u s t a u s c h s
bestimmten P r o d u k t e n den Charakter des R e i c h-
t u m s und den A n s t r e n g u n g e n e i n e r K l a s-
s e v o n P r o d u z e n t e n d i e Q u a l i t ä t p r o-
d u k t i v e r A r b e i t nehmen? Offenbar besteht zwischen
diesen Ideen kein solcher Zusammenhang, der eine derartige
Schlußfolgerung rechtfertigen würde. Deswegen, weil ich, statt
das Resultat zu kaufen, die Kraft kaufe, die zu seiner
Hervorbringung nötig ist, s o l l d i e B e t ä t i g u n g
d i e s e r K r a f t n i c h t p r o d u k t i v und das
P r o d u k t n i c h t R e i c h t u m s e i n? Nehmen wir
zum Beispiel wieder den Schneider. Ob man von einem Schneider
fertige Kleidung kauft oder sie von einem Schneiderarbeiter
anfertigen läßt, dem man Material und Arbeitslohn gibt, im
Resultat kommt beides immer auf das gleiche hinaus. Niemand wird
sagen, das erste sei p r o d u k t i v e A r b e i t und das
zweite u n p r o d u k t i v e A r b e i t;
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1*) Handarbeiter - 2*) Gelehrten - 3*) Arbeiter innerhalb oder
außerhalb - 4*) Anteil
#268# Viertes Kapitel
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nur ist im zweiten Fall derjenige, d e r e i n e n A n z u g
h a b e n w i l l, sein e i g e n e r U n t e r n e h m e r
gewesen. Welcher Unterschied besteht denn zwischen dem Schneider-
arbeiter, den Sie ins Haus kommen lassen, und Ihrem Bedienten un-
ter dem Gesichtswinkel der Produktivkräfte? Keiner!" (l.c.p.
277.)
Hier ist die Quintessenz der ganzen Aberweisheit und wichtigtuen-
den Seichbeutelei! Soweit A. Smith in seiner zweiten, flacheren
Auffassung produktive und unproduktive Arbeit unterscheidet, je
nachdem sie sich direkt in einer für den Käufer verkaufbaren Ware
realisieren oder nicht, nennt er den tailleur 1*) in beiden Fäl-
len produktiv. Aber er ist ein "unproduktiver Arbeiter" nach sei-
ner tieferen Auffassung. Rossi zeigt nur, daß er "évidement" 2*)
den A. S[mith] nicht versteht.
Daß die "formes de l'échange" 3*) dem R[ossi] gleichgültig er-
scheinen, ist grade, als ob der Physiolog sagte, die bestimmten
Lebensformen seien gleichgültig, sie seien alle nur Formen von
organischer Materie. Grade auf diese Formen allein kommt es an,
wenn es sich darum handelt, den spezifischen Charakter einer ge-
sellschaftlichen Produktionsweise aufzufassen. Rock ist Rock. Laß
aber in der ersten Form der échanges ihn machen, so habt ihr die
kapitalistische Produktion und die moderne bürgerliche Gesell-
schaft; die zweite, so habt ihr eine Form der Handarbeit, die
sich mit asiatischen Verhältnissen selbst verträgt oder mit mit-
telaltrigen etc. Und diese F o r m e n sind bestimmend für den
stofflichen Reichtum selbst.
Rock ist Rock, das ist R[ossis] Weisheit. Aber im ersten Falle
produziert der ouvrier tailleur 4*) nicht nur einen Rock, er pro-
duziert Kapital; also auch Profit; er produziert seinen maître
5*) als Kapitalist und sich selbst als Lohnarbeiter. Wenn ich mir
einen Rock von einem ouvrier tailleur im Haus machen lasse, zum
Tragen, so werde ich dadurch sowenig mon propre entrepreneur 6*)
(im kategorischen Sinn), wie der entrepreneur tailleur 7*) entre-
preneur ist, soweit ¦¦415¦ er einen von seinen ouvriers gemachten
Rock selbst trägt und konsumiert. Im einen Fall stehn der Käufer
der Schneiderarbeit und der ouvrier tailleur einander gegenüber
als bloße Käufer und Verkäufer. Der eine zahlt Geld, der andre
liefert die Ware, in deren Gebrauchswert mein Geld sich verwan-
delt. Es ist hier durchaus kein Unterschied, als ob ich den Rock
im Laden kaufe. Verkäufer und Käufer stehn sich hier einfach als
solche gegenüber. Im andren Fall dagegen stehn sie sich als Kapi-
tal und Lohnarbeit gegenüber. Was den domestique 8*) angeht, so
hat er mit dem ouvrier tailleur Nr. II, den ich selbst des Ge-
brauchswerts seiner Arbeit
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1*) Schneider - 2*) "offenbar" - 3*) "Formen des Austausches" -
4*) Schneiderarbeiter - 5*) Herrn (Unternehmer) - 6*) mein eige-
ner Unternehmer - 7*) Schneidereiunternehmer - 8*) Bedienten
#269# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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wegen kaufe, dieselbe Formbestimmtheit gemein. Beide sind einfa-
che Käufer und Verkäufer. Nur tritt hier durch die Art, wie der
Gebrauchswert genossen wird, noch ein patriarchalisches Verhält-
nis, ein Verhältnis des Herrschens und Dienens herein, was das
Verhältnis seinem Inhalt, wenn nicht der ökonomischen Form, nach
modifiziert und ekelhaft macht.
Übrigens wiederholt Rossi nur in andern Redensarten den Garnier:
"Wenn Smith sagte, von der Arbeit des Bedienten bleibe nichts zu-
rück, hat er sich in einem Maße geirrt, wie sich - offen gesagt -
ein A. Smith nicht irren dürfte. Ein Fabrikant leite selbst eine
große Fabrik, deren Überwachung eine große Aktivität und viel
Arbeit erfordert... Derselbe Mann, der keine unproduktiven
Arbeiter um sich leiden mag, habe keine Dienerschaft. Er ist also
gezwungen, sich s e l b s t z u b e d i e n e n... was wird
aus seiner produktiven Arbeit während der Zeit, die er dieser
angeblich unproduktiven Arbeit widmen muß? Ist es nicht klar, daß
Ihre Dienstleute eine Arbeit verrichten, die es Ihnen ermöglicht,
sich einer Ihren Fähigkeiten besser entsprechenden Tätigkeit zu
widmen? Wie kann man also sagen, daß von ihren Diensten keine
Spuren zurückbleiben? Es bleibt alles das, was Sie tun und was
Sie nicht tun könnten, wenn sie Sie in der Bedienung Ihrer Person
und Ihres Hauses nicht ersetzt hätten." (l.c.p. 277.)
Dies wieder das A r b e i t - E r s p a r e n von Garnier, Lau-
derdale und Ganilh. Danach wären die travails improductifs nur
produktiv, soweit sie Arbeit ersparen und mehr Zeit zu seiner
eignen Arbeit lassen, sei es dem capitaliste industriel, sei es
dem produktiven 1*) Arbeiter, der eine wertvollere Arbeit, durch
diesen remplacement 2*) in der minder wertvollen verrichten kann.
Ein großer Teil der travailleurs improductifs, die damit ausge-
schlossen, sind menial servants 3*), soweit sie bloße Luxusarti-
kel, und alle travailleurs improductifs, die bloßen Genuß produ-
zieren und deren Arbeit ich nur genießen kann, sofern ich
g r a d e s o v i e l Z e i t v e r w e n d e, u m s i e
z u g e n i e ß e n, als ihr V e r k ä u f e r b r a u c h t,
u m s i e z u p r o d u z i e r e n, um sie zu leisten. In
beiden Fällen kann von "Ersparung" von Arbeit nicht die Rede
sein. Endlich wären selbst die wirklich Arbeit ersparenden servi-
ces individuels 4*) nur produktiv, soweit ihr Konsument ein Pro-
duzent ist. Ist er ein capitaliste oisif 5*), so sparen sie ihm
nur die Arbeit, überhaupt etwas zu tun: Daß ein Saumensch sich
frisieren oder die Nägel schneiden läßt, statt es selbst zu tun,
oder ein foxhunter 6*), statt sein eigner Stallknecht zu sein,
einen Stallknecht verwendet, oder ein bloßer Fresser, statt
selbst zu kochen, sich einen Koch hält.
Unter diese travailleurs gehörten dann auch die nach Storch
(l.c.), die das "loisir" 7*) produzieren, wodurch einer freie
Zeit erhält für Genuß, geistige
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1*) In der Handschrift: improduktiven - 2*) Ersatz - 3*) Dienst-
boten - 4*) persönlichen Dienste - 5*) müßiger Kapitalist - 6*)
Landjunker - 7*) die "Muße"
#270# Viertes Kapitel
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Arbeit etc. Der Polizist erspart mir die Zeit, mein eigner Gen-
darm zu sein, der Soldat, mich selbst zu verteidigen, der Regie-
rungsmensch, mich selbst zu regieren, der Stiefelwichser, mir
selbst die Stiefel zu wichsen, der Pfaffe, die Zeit zu denken,
etc.
Was richtig an dieser Sache ist, ist - T e i l u n g d e r
A r b e i t. Außer seiner produktiven Arbeit oder der Exploita-
tion der produktiven Arbeit hätte jeder eine Masse Funktionen zu
verrichten, die nicht produktiv wären und zum Teil in die Konsum-
tionskosten eingehn. (Die eigentlichen produktiven Arbeiter müs-
sen diese Konsumtionskosten selbst tragen und selbst ihre unpro-
duktive Arbeit verrichten.) Sind diese "services" angenehm, so
verrichtet sie zuweilen der Herr für den Knecht, wie das ius pri-
mae noctis 1*) beweist, die Mühe des Regierens etc. beweist, der
sich die Herrn von je unterziehn. Dadurch ist aber keineswegs der
Unterschied zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit aufge-
hoben, sondern dieser Unterschied erscheint selbst als ein Resul-
tat der T e i l u n g d e r A r b e i t und befördert inso-
fern die allgemeine Produktivität der Arbeiter dadurch, daß sie
die unproduktive Arbeit zur a u s s c h l i e ß l i c h e n
Funktion eines Teils der Arbeiter und die produktive zur aus-
schließlichen Funktion eines andern macht.
Aber selbst der travail einer Masse menial servants, bloß zur
Schaustellung, Befriedigung der Eitelkeit "n'est pas improductif"
2*). Warum? Weil sie e t w a s produziert, Befriedigung der Ei-
telkeit, Ostentation, Schaustellung von Reichtum (l.c.p. 277).
Hier kommen wir wieder auf den Blödsinn, daß jede Art von servi-
ces etwas produziert, die Kurtisane Wollust, der Mörder Totschlag
etc. Übrigens hat Smith gesagt, daß jede Art dieser Scheiße ihre
v a l e u r hat. Es fehlte ¦¦416¦ noch, daß diese services gra-
tis geleistet werden. Darum handelt es sich nicht. Aber selbst,
wenn sie gratis geleistet werden, werden sie den Reichtum
(materiellen) nicht um einen Deut vermehren.
Nun die belletristische Seiche:
"Man betont, daß der Sänger, wenn er aufgehört hat zu singen, uns
nichts hinterläßt. - Er hinterläßt uns eine Erinnerung!"
(Sehr scheen!)
"Wenn Sie Champagner getrunken haben, was bleibt dann übrig?...
Die ökonomischen Resultate können verschieden sein, je nachdem,
ob die Konsumtion dem Produktionsakt sofort folgt oder nicht; sie
mag sich rascher oder langsamer vollziehen aber die Tatsache der
Konsumtion kann, weicher Art sie auch sei, dem Produkt nicht den
Charakter des Reichtums nehmen. Es gibt immaterielle Produkte,
die von längerer
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1*) Recht der ersten Nacht - 2*) "ist nicht unproduktiv"
#271# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Dauer sind als manche materielle Produkte. Ein Palast besteht
lange Zeit, aber die I l i a d e ist eine Quelle noch dauerhaf-
teren Genusses." (p. 277, 278.)
Welches Blech!
Im Sinne, wie er hier richesse 1*) nimmt, als Gebrauchswert,
macht 2*) sogar die c o n s o m m a t i o n, sie mag sich
langsam oder rasch vollziehn (ihre Dauer hängt von ihrer eignen
Natur und der des Gegenstandes ab) - macht nur die consommation
das produit erst zu richesse. Der Gebrauchswert hat nur Wert für
den Gebrauch, und sein Dasein für den Gebrauch ist nur ein Dasein
als Gegenstand der consommation, sein Dasein in der consommation.
Sowenig wie das Champagnertrinken eine produktive Konsumtion ist,
obgleich es "Katzenjammer" produzieren mag, sowenig das Hören von
Musik, obgleich es "un souvenir" 3*) hinterläßt. Ist die Musik
gut und versteht der Hörer Musik, so ist die Musikkonsumtion hö-
her als die Champagnerkonsumtion 4*), obgleich die Produktion des
letztren eine "produktive Arbeit" ist und die der erstern nicht.
Nehmen wir den ganzen Kohl gegen die Smithsche Unterscheidung von
produktiver und unproduktiver Arbeit zusammen, so hatte Garnier,
und etwa noch Lauderdale und Ganilh (aber dieser nichts Neues),
[die Polemik] erschöpft. Die Spätren (den verunglückten Versuch
Storchs abgerechnet) bloß belletristische Ausführung, gebildetes
Geschwätz. Garnier der économiste des Direktoriums und des Konsu-
lats, Ferrier und Ganilh die Ökonomisten des empire 5*). Ander-
seits Lauderdale, der Herr Graf, dem es viel mehr darum zu tun
war, d i e K o n s u m e n t e n a l s d i e P r o d u-
z e n t e n d e r "u n p r o d u k t i v e n A r b e i t" z u
a p o l o g i s i e r e n. D i e V e r h e r r l i c h u n g
des Bediententums und Lakaientums, tax gatherers 6*), Parasiten,
läuft durch alle die Hunde durch. Dagegen erscheint der
grobzynische Charakter der klassischen Ökonomie als Kritik
bestehender Zustände.
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1*) Reichtum - 2*) in der Handschrift: gibt - 3*) "eine Erinne-
rung" - 4*) in der Handschrift: Champagnerproduktion - 5*) Kai-
serreich - 6*) Steuereintreiber
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